Dienstag, 7. April 2026

Es grünt so grün im Mushroom Kingdom

Schon lange wollte ich mal etwas über The New Christy Minstrels schreiben, und jetzt gibt es sogar einen Anlass dazu; in Kürze mehr. Die New Christy Minstrels waren eine Folk-Music-Gruppe, bzw. sind sie das, denn obwohl sie sich 1971 offiziell aufgelöst haben, geben sie seit 1976 wieder gelegentlich Gastspiele und haben erst 2017 ihr letztes Album veröffentlicht. Dass sie in wechselnder Besetzung auftraten und -treten, gehört seit ihrer Gründung durch Randy Sparks im Jahr 1961 zum Konzept: "Some of [the] band's members had no interest in committing full-time to what they saw as a high-risk project, and others had obligations elsewhere." (Wikipedia) Bereits ein Jahr später reduzierte sich die Zahl ihrer Mitglieder auf zehn, nachdem das zur Urformation gehörende Quartett The Fairmount Singers ausgetreten war. Zu den bekanntesten Namen der mittlerweile rund 300 aktiven und ehemaligen Minstrels zählen Kenny Rogers (1966), Tracy Newman (1962, Schauspielerin und Impro-Komikerin, Schwester von Laraine Newman) und Kim Carnes (1966, später mit "Bette Davis Eyes" weltberühmt geworden). Übrigens, wer bei "New Christy Minstrels" an eines der dunkelsten Kapitel der US-amerikanischen Unterhaltungsgeschichte denkt, liegt nicht falsch: Sparks nahm mit dem Namen Bezug auf die Truppe "Christy's Minstrels", die ab den 1840er Jahren in Blackface zeitgenössische minstrel plays performte, etwas, worauf die "New Christies" gottlob verzichteten.

Die New Christy Minstrels als erfolgreich zu bezeichnen, wäre untertrieben. 1970 traten sie beim Super Bowl auf, bei der Oscar-Verleihung 1965 interpretierten sie den Gewinner in der Kategorie "Bester Song" ("Chim Chim Cher-ee" aus "Mary Poppins"), in ihren Hoch-Zeiten waren sie regelmäßige Gäste im legendären Hotelclub Cocoanut Grove und in prestigeträchtigen Spielstätten wie der Carnegie Hall. Seit 2009 haben sie einen goldenen Stern auf dem Palm Springs Walk of the Stars.

Ich muss zugeben, dass ich viele ihrer Stücke, darunter auch ihre Coverversionen oder (christliche) Traditionals wie "Michael Row the Boat Ashore" äußerst schmissig und mitreißend finde. "Chitty Chitty Bang Bang" höre ich von dieser Truppe lieber als die Original-Musical-Nummer, und was für ein Gassenhauer ist bitte der aus "The Leftovers" bekannte "Song of the Pious Itinerant"?! Ihre höchste Chartplatzierung erreichten die New Christy Minstrels 1963 mit dem Schlager "Green, Green", der im Folgejahr zweifach Grammy-nominiert war und in der Folge von internationalen Stars in allen möglichen Sprachen gesungen wurde, beispielsweise auf deutsch von Drafi Deutscher ("Grün, grün ist Tennessee") oder Cliff Richard ("Du, du gefällst mir so"). In Japan, wo die Minstrels bis heute besonders beliebt sind, schrieb der Kinderbuchautor Hikaru Kataoka für "Green, Green" neue Lyrics in seiner Muttersprache. Diese japanische Fassung wurde 1967 vom Suginami Junior Chorus in einer Kinderfernsehsendung vorgetragen und erfreut sich seitdem großer Popularität.

Und damit komme ich zum Anlass dieses Beitrags. Vor wenigen Tagen sah ich einen Bluesky-Post des hier bereits empfohlenen Tumblrs "Supper Mario Broth". (Der Bluesky-Account haut öfter Dinge raus, die weder auf dem Basiskanal noch im Miszellen-Ableger "Small Mario Findings" gezeigt werden.) Darin wird die unglaubliche und mir noch nie begegnete Behauptung aufgestellt, dass das musikalische Hauptthema von "Super Mario World" von ebenjenem Lied inspiriert worden sei! Als Beweis führt der Account eine nie ausgestrahlte Ausgabe des "Satellaview BS-X Broadcast Magazine" an, in welcher der Refrain von "Green, Green" (in SMW-Soundfont) angespielt wird. Auch der Wikipedia-Eintrag zu nämlichem Hit geht auf diesen Vorwurf ein: "British YouTuber Thomas hypothesizes that Koji Kondo was inspired by the Japanese version of 'Green, Green' when he was making the Super Mario World's overworld music in the 90s, due to the song having a 'happy, rhythmical and an easy to remember melody'." Tja, was soll man dazu sagen? In meinen Ohren sind die circa dreizehn fraglichen Noten zu unterschiedlich, als dass man von einem Plagiat sprechen könnte. Inspiration? Das mögen Leute entscheiden, die von dergleichen Ahnung haben.


Ein kleiner Exkurs zum Schluss ist noch geboten. Was bitte ist "Satellaview"? Mit absonderlichem NES-Zubehör habe ich mich ja schon befasst, aber auch für das SNES bzw. Super Famicom, wie es im Heimatland von Nintendo hieß, gab es bemerkenswerte Extra-Hardware. Ausschließlich in Japan kam das Satellaview auf den Markt, "ein Zusatzgerät, um Spiele, Demos und Informationen über einen Satelliten zu empfangen. Es [...] nutzte den Satellitensender St. GIGA. Auf dem Satellitenkanal wurden von 4 bis 7 Uhr japanischer Zeit die Daten gesendet, ansonsten lief ein normales Fernsehprogramm. Das Hauptproblem war, dass die Daten nur zu bestimmten Uhrzeiten ausgestrahlt wurden. Man musste also im richtigen Moment das Gerät starten und konnte dann die Daten auf ein spezielles wiederbeschreibbares Flash-Modul herunterladen. Dieses Modul, die 'BS-X Special Broadcast Cassette', wurde in den Modulschacht des SNES eingesetzt und konnte vier Megabit (512 Kilobyte) an Daten speichern." Und als Teil des offiziellen BS-Magazins sollte offenbar das "Green, Green"-Osterei präsentiert werden, wurde dann aber vom Konzern zurückgezogen, weil es ein Quasi-Klau-Eingeständnis gewesen wäre.

Montag, 6. April 2026

Handkuß mit Musik (salopp)

Das Thesaurus-Thema lässt mir keine Ruhe ... Auf dem Gang zum Wochenmarkt sah ich am Donnerstag eine Zu-verschenken-Kiste, in der eine aktuelle(re) Ausgabe des Synonym-Dudens lag. Ich nahm mir vor, diese auf dem Rückweg einzustecken, vergaß es dann allerdings. Später zog ich einmal mehr mein 70er-Jahre-Exemplar zurate und blieb beim Durchblättern – ich schwöre: unbeabsichtigt – bei den Einträgen zum Geschlechtlichen hängen. Allerlei Putziges und Angestaubtes ist dort zu finden. Als sinn- und sachverwantde Wörter und Wendungen für "Geschlechtskrankheit" schlägt das Buch u.a. vor:
- Pauken und Trompeten
- Türkische Musik
- Trio (salopp)
- Kavaliersschnupfen (scherzh.)
Die Ausdrücke "Lustseuche" und "Franzosenkrankheit" waren immerhin schon Teil meines passiven Wortschatzes; lachen musste ich beim Wiederentdecken dennoch. Genau so wie über die Einträge bei "Untersuchung auf G[eschlechtskrankheit]":
- Schwanzappell (vulgär)
- Schwanzparade (vulgär)
Und wie umschreibt man wahlweise möglichst verklemmt oder pueril, dass man "eine G. bekommen" hat? Zum Beispiel mit diesen Phrasen:
- sich etwas holen (salopp)
- sich etwas aufsacken (salopp)
- sich die Musik holen (salopp)
- zum Handkuß kommen (österr.)
- sich die Gießkanne verbiegen (vulgär)
- sich den Lauf verstopfen (salopp)
- sich den Schwanz verbrennen (vulgär)
Hat man(n) sich etwas "geholt", dann "geht man wie auf Eiern" (salopp). Es ist dies möglicherweise die Folge ungezügelten Geschlechtstriebs, für welches Wort der Duden diese Alternativen anbietet:
- Nisus sexualis
- Salazität
- im reiferen, "gefährlichen" Alter: Johannestrieb
Statt "Koitus" lässt sich auch sagen:
- Beilager
- Kongressus
- Nahkampf (salopp)
- verhaltener: Karezza, Koitus reservatus

Was ich mit diesem neu gewonnenen lexikalischen Wissen anzufangen gedenke, weiß ich noch nicht. Vielleicht schreibe ich irgendwann eine erotische Kurzgeschichte ausschließlich mit solchem Vokabular.

Freitag, 3. April 2026

Vor zwanzig Jahren

... bloggte ich auf dem Kybersetzung-Vorgänger dies:

Ich habe immer noch viel zu tun, d.h. die Updates werden in den kommenden Tagen noch auf sich warten lassen. Hinzu kommt, dass bluephod.net leider seinen Betrieb eingestellt hat. Damit will ich natürlich nicht andeuten, dass ich von dort Links geklaut hätte ;P ... aber traurig isses trotzdem.

Bluephod! Daran habe ich ja ewig nicht mehr gedacht. Aber "schön" zu sehen, dass es auch damals Phasen erhöhten Stresses in meinem Leben gab. Von wegen "Gammelstudent"! (Hat ja niemand behauptet.) Der nämliche Blogbeitrag geht dann noch mit ein paar Links weiter, von denen heute natürlich keiner mehr funktioniert, bis auf diesen hier: The Phronistery. Dieses bis ins Jahr 1996 (!) zurückreichende englischsprachige linguistische Kuriositätenkabinett enthält unter anderem ein "17,000-word dictionary of rare, cool, and unusual words", Spezial-Lexika, Zahlwort-Trivia sowie das bis heute gelegentlich aktualisierte Sub-Blog Glossographia. *bookmark*

PS: Meine alte Ausgabe des Duden Bd. 8 ("Die sinn- und sachverwandten Wörter") schlägt als Synonym für "Stress" das Wort "Managerkrankheit" vor. Was soll das?

Mittwoch, 1. April 2026

Serientagebuch 03/26

03.03. Family Guy 24.03
Family Guy 24.04
04.03. Pluribus 1.06
05.03. Get a Life 1.14
06.03. The Woman in the Wall 1.04
07.03. Lost 2.23 (RW)
Lost 2.24 (RW)
08.03. Family Guy 24.05
Run Away 1.01
10.03. Run Away 1.02
11.03. The Woman in the Wall 1.05
Pluribus 1.07
Family Guy 24.06
Family Guy 24.07
12.03. Get a Life 1.15
17.03.
The Woman in the Wall 1.06
19.03. Pluribus 1.08
Get a Life 1.16
Family Guy 24.08
20.03. Pluribus 1.09
21.03. Run Away 1.03
22.03. Family Guy 24.09
24.03. Get a Life 1.17
Run Away 1.04
27.03. Waco 2.01
30.03. Waco 2.02
31.03. Get a Life 1.18

Reichlich Schweiß und Tränen flossen beim Rewatch der zweiten Staffel von Lost. (Voraussichtlich doppelt so viel wird bei der dritten fließen.) Allerdings wurde meine Erinnerung an diverse wiederkehrende Probleme der Serie bestätigt, will sagen: Was uns (also mich und meine damals Mitwatchenden) beim ersten Durchlauf gestört hatte, hat mich erneut gestört, beispielsweise der nicht nachvollziehbare Spleen der Autoren, ihre Figuren nicht miteinander über das Erlebte reden zu lassen. Herrschaftszeiten, Kommunikation ist doch das A und O in einer solchen Ausnahmesituation (i.e. auf einer offenkundig jeglicher Realität entrückten Insel gestrandet zu sein)! Auch kommen einzelne Charaktere deutlich unsympathischer als in der Auftaktstaffel rüber und treffen teils haarsträubende Entscheidungen (nun gut, hier weiß ich, dass sich das Meiste späterhin in Wohlgefallen auflösen wird, Stichwort redemption).
Nun bin ich schon ganz hibbelig, denn wie Season 3 startet, ist mir noch genauestens erinnerlich ...

Nicht gerade gute Laune macht einem die BBC-Serie The Woman in the Wall von 2023. Das sechsteilige Thriller-Drama spielt in Irland und basiert auf dem wahren, bis in die Gegenwart strahlenden Skandal um die sog. Magdalen Laundries. Äußerst bedrückend, aber auch spannungsreich inszeniert, wobei es den Kniff, dass die Protagonistin Schlafwandlerin ist, m.M.n. nicht gebraucht hätte. Bonuspunkt für die Musikauswahl.

Ohne vorher irgendwas über den Inhalt zu wissen (obwohl ich den Trailer gesehen hatte, was sehr für diesen spricht), bin ich an Pluribus herangegangen. Dass Vince Gilligan so wie mehrere seiner früheren Kollaborationspartner dahinterstecken und "Better Call Saul"-Co-Star Rhea Seehorn die Hauptrolle übernehmen würde (das macht sie sensationell!), wusste ich natürlich. Meine Erwartungen waren hoch und wurden fast erfüllt. In seiner Skurrilität und Mindfuck-Lust erinnerte mich "Pluribus" öfter an jüngere Damon-Lindelof-Werke. Ausladende, langgezogene, aber nie langweilig werdende, lichtbetonte Szenen tragen dann wieder Gilligans Handschrift, item die Kameraarbeit und die Situationskomik. Denkt man ein wenig intensiver über die Konsequenzen der fantastischen Prämisse nach (ich halte mich bewusst mit einer Inhaltsbeschreibung zurück), fallen einem etliche Logiklöcher und Ungereimtheiten auf. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Episoden auf diese eingehen werden. Der Schluss der Finalfolge verspricht so oder so noch jede Menge Spaß.