Samstag, 28. März 2026

Schmalzkartoffeln statt Salzkartoffeln

Wenn man nur eine einzige Sache über mich weiß, dann diese: dass ich keine Zwiebeln mag. "Torsten Gaitzsch, deutscher Blogger und Zwiebelverächter" ist das Erste, was aufscheint, wenn man meinen Namen googelt. Die Wahrheit ist: Es gibt eine Form bzw. Verarbeitungsart, in der ich die gemeine Küchenzwiebel akzeptiere. Mit Röstzwiebeln habe ich kein Problem. Als Zutat in einem gewissen Produkt halte ich sie sogar für bereichernd, wenn nicht unerlässlich. Die Rede ist von Zwiebelschmalz, kurz Schmalz oder auch Fett (wie in "Fettbemme"). Dieses gibt es seit ein paar Jahren auch auf nicht-tierischer Basis zu kaufen, und beispielsweise Deli Reform Rein pflanzliches Schmalz finde ich ganz famos.

Besagten Veggie-Aufstrich haben wir gerade zu Hause, und auf der Abdeckung befindet sich, was kurios erscheinen mag, eine Rezeptidee. Die haben wir diese Woche umgesetzt. Man kocht 500 g kleine Kartoffeln (z.B. Drillinge) mit Schale in Salzwasser, schwenkt 400 g grüne Bohnen ("Schneidbohnen") in einer Pfanne in veganem Schmalz, gibt Pfeffer, Salz und etwas Wasser dazu und dünstet die Bohnen 10 Minuten. Sind die Kartoffeln gekocht, werden sie in einer anderen Pfanne ebenfalls in Schmalz angebraten. Zu diesen kommen sodann die Bohnen, 140 g kleingeschnittene getrocknete Tomaten und eine angemessene Menge getrockneter Basilikum hinzu. Zuletzt bröselt man 120 g Feta darüber. Die Mengenangaben sind variabel.

Donnerstag, 26. März 2026

Die Milch ist based

Speaking of Verpackungsärger: Schon beim Frühstück wurde ich heute in Harnisch gebracht! Auf dem Milchtetrapak lese ich: "Bio Getränk auf fermentierter Haferbasis".

Es geht mir nicht um das (von mir ohnehin nur ungern so bezeichnete) Deppenleerzeichen, sondern um die "fermentierte Haferbasis". Basis kann doch nicht fermentiert werden! Gemeint ist vermutlich "Getränk auf Basis von fermentiertem Hafer". Auf französisch haben sie's richtig gemacht. "Boisson bio à base d'avoine fermentée" steht unter der deutschsprachigen Beschreibung des Lebensmittels.

Die köstliche Wendung "in Harnisch bringen" habe ich übrigens dem Duden-Band 8, "Sinn- und sachverwandte Wörter und Wendungen" (Ausg. von 1972), entnommen. Auf den Reiz von Synonymwörterbüchern wurde ich erst gestern gebracht, als es an mehreren Stellen in Gerhard Henschels "Großstadtroman" darum ging. In meinem Büro habe ich fast sämtliche Duden-Bände stehen, also warum diese nicht regelmäßig nutzen? Im Grammatik-Duden immerhin (Band 4) verliere ich mich mindestens einmal pro Monat. An Grammatikbüchern habe ich sowieso einen Affen gefressen (danke, Synonymwörterbuch!), und die deutsche Grammatik überrascht mich immer wieder mit ihren Details, Feinheiten und wenig bekannten Sonderfällen. Man wünscht sich, Produkttexter würden sich öfter damit beschäftigen.

Mittwoch, 25. März 2026

Neuer Verpackungsärger

Zwei unentschuldbare Missstände werden im "Echo"-Teil der neuen Ausgabe von Stiftung Warentest angeprangert. Der erste schafft Aufmerksam dafür, dass Shrinkflation auch in der Kosmetikbranche zum "guten" Ton gehört. Michael H. aus E. schreibt über die Tiegel, in denen Sebamed Gesichtscreme daherkommt: "Hier ist nicht nur ein doppelter Boden verbaut, nein auch ein wulstiger Rand." Beweisfoto: ein leerer Tiegel im Querschnitt. Dass die Wuchtigkeit des Behälters "dem Schutz und der Stabilität des Produkts" dienen soll, wie der Hersteller mitteilt, ist für die Redaktion nicht nachzuvollziehen.

Zum Schmunzeln brachte mich der Hinweis, dass Iglo eines seiner beliebtesten Fischgerichte umbenannt hat: "Ich hieß mal Bordelaise Knusprig Kross" steht auf der Packung des nun nur noch "Knusprig Kross" heißenden Gerichts. Dieses hat mit 52 Prozent einen deutlich geringeren Anteil von Seelachsfilet als vorher, moniert Leserin Ruth v. L. aus H. Doch Obacht: Es "handelt sich um unterschiedliche Schlemmerfilet-Varianten"; die "alte" mit 71 % Fischanteil existiert nach wie vor, jetzt allerdings unter dem Namen "à la Bordelaise Classic".

Montag, 23. März 2026

We are back!

Und mit "we" meine ich: das zur Hälfte aus mir bestehende Moderatorenduo von "Seitenstraße". Die neueste Folge des Bücherschrank-Talks ist, wie immer, überall erhältlich, wo es Podcasts gibt.

Samstag, 21. März 2026

Adieu, Silberlinge!

Mir fiel es direkt auf, als ich sie aus dem Briefkasten zog, die Aprilausgabe der GameStar ... Aber bevor ich selbst etwas formuliere, übergebe ich das Wort doch einfach an Markus Schwerdtel, der die betreffende Änderung im Editorial anspricht:

Es gibt keine DVDs mehr. Mit dieser Ausgabe verabschieden wir uns schweren Herzens von den glänzenden Plastikscheiben, die GameStar seit der ersten Ausgabe 1997 begleitet haben. Allerdings haben die Disks im Jahr 2026 keine Daseinsberechtigung mehr. Laufwerke dafür (oder für Blu-ray) sind in modernen PCs eine Seltenheit, und auch im Wohnzimmer hat der DVD-Player unterm Fernseher ausgedient. Kurz: Die Ära der optischen Datenträger ist vorbei und wir winken den DVDs bei ihrem Ritt in den Sonnenuntergang dankbar nach.

Zur Erklärung: Der GameStar, zumindest der sog. XL-Version, die ich abonniert habe, lagen jeden Monat zwei DVDs bei. Darauf befanden sich von der Redaktion produzierte Preview-, Test-, Talk- oder Rückblicks-Videos. Eine der Scheiben, sozusagen die "Haupt"-DVD, konnte als solche auf Playern oder Konsolen mit Laufwerk abgespielt werden, sie hatte ein richtiges Menü. Einen DVD-Player besitze ich selbst nicht, aber meine Xbox One kann DVDs und BluRays lesen. Die zweite DVD enthielt lediglich Videodateien; diese kopierte ich i.d.R. von der Disk auf meine Festplatte, um sie anzusehen. Mein Laptop hat nämlich sehr wohl noch ein BluRay/DVD-Laufwerk, was zugegebenermaßen bereits bei dessen Anschaffung ein seltenes, aber mir wichtiges Feature war. Jeder GameStar waren außerdem stets zwei Vollversionen beigegeben, wobei diese in den letzten Jahren nur noch in den seltensten Fällen auf den Datenträgern lagen: Vielmehr schaltete man die Spiele mit im Heft zu findenden Keys (für Steam, GOG oder andere Plattformen) frei. Auch die GameStar 04/26 enthält wieder Vollversionen (diesmal sogar drei) bzw. abermals Aktivierungscodes für diese. Man bekommt also nicht weniger geboten. Auch auf Videos muss nicht verzichtet werden, man gelangt über QR-Codes in den dazugehörigen Artikeln dahin. (Übrigens waren ganz früher auch noch Patches, Spieletrailer, Standardprogramme, Wallpapers und andere Gimmicks, die man sich heute ausnahmslos aus dem Netz bezieht, auf den Scheiben.)

Alles in allem ist die Abschaffung der Beileger nachvollziehbar und gerechtfertigt, nicht zuletzt im Sinne der Umwelt. Ich bedaure es dennoch ein wenig, nicht mehr jeden Monat ein Dutzend für "mich" "ausgewählte" Videos "serviert" zu bekommen – kuratiertes Material, für das ich mir gerne Zeit genommen habe. Der Online-Bereich der GameStar erschlägt mich regelrecht mit seinem Output an Videos. Sicher, da gibt es viel, was mich ansprechen würde, aber ich schaffe es schlicht nicht, mich durch das pralle Archiv (und die zusätzlichen Youtube-Kanäle) zu wühlen. Ich wette, auch anderen erwachsenen, berufstätigen Menschen geht es so. Man kommt ja schon kaum mit dem Lesen hinterher! Vom Zocken ganz zu schweigen.

Donnerstag, 19. März 2026

Was geht an der Trockenobstfront?

Fast drei Jahre ist es her, dass ich zuletzt über Trockenobst geschrieben habe. Seitdem waren in zahlreichen Supermärkten wiederholt Anzeichen dafür auszumachen, dass sich gefriergetrocknete Erdbeeren immer größerer Beliebtheit erfreuen. Mitunter war und ist dieses Erzeugnis in Säcken erhältlich, von Koro etwa gibt es 350-Gramm-Packungen. Erstaunlich ist, dass der Trockenobst- und Nussspezialist Seeberger erst jetzt mit gefriergetrockneten Erdbeeren um die Ecke gekommen ist.


Dieses 15-g-Tütchen habe ich mir bei Rewe für den Aktionspreis von 1,89 Euro (was 125,- €/kg entspricht) geholt. Da kann man nicht meckern. Gleichzeitig mit den Erdbeeren hat Seeberger getrocknete Himbeeren in sein Sortiment aufgenommen. Diese Beeren habe ich bisher noch gar nicht als Trockenvariante gesehen. Für so etwas Rares hat man denn auch einen Kilopreis von 157,50 € zu akzeptieren; eine Tüte enthält lediglich 12 Gramm.

Dienstag, 17. März 2026

Meine zwanzig zuletzt gesehenen Filme (2/2)

DogMan
Das Erfreulichste vorweg: In diesem Außenseiterdrama von Luc Besson kommt kein einziger Hund zu Schaden. Ebenso erfreulich: Die Rückblenden, die uns die Hundemenschwerdung des von Caleb Landry Jones fulminant verkörperten Douglas präsentieren, gleiten bei aller Furchtbar- und Trostlosigkeit nie in "Misery Porn" ab, wie es von einzelnen Kritikern moniert worden ist. Überhaupt blitzen immer wieder Lichter auf, sowohl cinematographisch als auch in Form komischer Momente.
Was uns von den Fährnissen des "Dogman" gezeigt wird, lässt uns Empathie für diesen entwickeln; er ist ein Freund, Beschützer und Rächer nicht nur seiner Hunde, sondern auch der Menschen: schwacher, ausgestoßener, misshandelter Menschen. Das sinnfällige Ende lässt verschmerzen, dass er selbst nicht ohne Fehl ist.

Anatomie eines Falls
Zweierlei hat mich an diesem hochgelobten Justizdrama gestört, und die Länge (150 Minuten) war es nicht. Erstens hätte ich es im zweisprachigen Original sehen sollen (Französisch/Englisch mit Untertiteln), denn in der deutschen Synchro wird durchgängig deutsch gesprochen, was in Szenen, in denen die Zweisprachigkeit der Hauptfigur (Sandra Hüller) von Relevanz ist, äußerst irritierend ist. Zweitens erschöpft sich der Kniff, die Kamera auf Figuren zu richten, die gerade nicht sprechen, doch beizeiten.
Davon abgesehen hat mich Justine Triets 2023er Werk mit seiner kühlen Präzision und beredten Stille – das Wort "Anatomie" ist Programm – durchaus in seinen Bann gezogen.

The Holdovers
Noch ein Release von 2023, und was für einer! Diese so frech-beschwingte wie humanistisch-melancholische Weihnachts-Dramedy ist im besten Sinne altmodisch und beschwört den Geist zeitloser Genre-Nachbarn wie "The Breakfast Club" oder "Der Club der toten Dichter" hinauf. Paul Giamatti ist wie gewohnt grandios, aber auch jede und jeder seiner Co-Stars überzeugt mit absolut glaubwürdigen Darstellungen. Keine der über 120 Minuten ist langweilig.

Eine Frage der Ehre (OT: A Few Good Men)
Die Ermordung von Rob Reiner und seiner Ehefrau zählt für mich zu den schockierendsten Promitoden der jüngeren Vergangenheit und hat mich sprachlos zurückgelassen. Manch einer mag sich gar keine Vorstellung davon machen, welch eine Lücke da in die Filmwelt gerissen wurde und wie unfassbar vielfältig Reiners Œuvre ist. Gerichtsszenen, die im Grunde nur aus Wortgefechten und ellenlangen Monologen bestehen, so auf Zelluloid zu bannen, dass sie einen fesseln und die Hände schwitzen lassen wie die krasseste Verfolgungsjagd, das gelingt wahrlich nur einem Meister der Regiekunst. Die hochkarätige Besetzung, allen voran Jack Nicholson und der damals erst 30-jährige Tom Cruise, leistet freilich ihren Beitrag, und auch Aaron Sorkins Drehbuch, dem ein Theaterstück aus seiner eigenen Feder zu Grunde liegt, dürfen wir nicht zu loben vergessen.
Ich wüsste auf Anhieb kein Militärdrama, das "Eine Frage der Ehre" das Wasser reichen könnte.

Whale Rider
Der erste Vertreter in dieser Liste mit weniger als 100 Minuten, und ein Beispiel dafür, dass man auch in solcher Knäppe gemächlich und behutsam (aber nicht behäbig) erzählen kann. Ich glaube, die inzwischen 24 Jahre alte Buchumsetzung von Niki Caro war damals der erste größere (meint: erfolgreichere) Film, der dem nicht-neuseeländischen Publikum einen so intimen wie tiefen Einblick in die (v.a. indigene) Kultur Aotearoas lieferte. Und ja, es reitet auch wirklich jemand auf einem Wal.
Der Tatsache, dass es sich um eine deutsche Co-Produktion handelt, wird damit Rechnung getragen, dass es eine Frau aus Deutschland ist, die gewisse Geschehnisse in Gang setzt (und die, wenn ich mich recht entsinne, in einer Szene sogar anwesend ist).
Ich bin froh, diesen traurigen, lehrreichen Kinder(?)film endlich nachgeholt zu haben.

Grease
... ebenso wie diesen 1978er Musikfilm, womit meine Musical-Bildung allmählich auf ein achtbares Maß anwächst. Die randiness dieser rebellischen, lebenslustigen Teenie-Nummernrevue erreicht nicht jene von "Hair", doch hat es "Grease" ganz schön in sich (wobei man erleichtert feststellen darf, dass es neben der berüchtigten Zeile in "Summer Nights" nur wenige andere problematische Stellen gibt). Den Kult um Olivia Newton-John Travolta habe ich nie verstanden; jetzt leuchtet er mir ein. Erstaunlich auch, wie viele Songs ich vorher schon kannte! Der kulturelle Impact von "Grease" muss riesig gewesen sein.

Manche mögen's heiß
Ebenfalls ihrem Ruf gerecht wird Billy Wilders wohl berühmteste Komödie. Gewiss, einzelne Aspekte mögen modernen Zuschauern aufgrund einer Albernheit, die Verkleidungs- und Verwechslungspossen nun mal eigen ist, zum Augenrollen bringen, doch man möge sich ins Gedächtnis rufen, dass "Some Like It Hot" (eine Phrase, die sich hier übrigens auf die Vorliebe einer Figur für Jazz bezieht) mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat. Zu weiten Teilen funktioniert der Humor noch immer, jede Dialogzeile sitzt, die Rasanz beeindruckt, und das Trio Marilyn Monroe / Tony Curtis / Jack Lemmon ist ein Casting-Glücksgriff, wobei Curtis' Performance gegenüber den anderen ein wenig abfällt.
Weil weiter oben schon das Stichwort "randiness" fiel: Auch "Manche mögen's heiß" traut sich hier und da dezente Keckheiten, die deutsche Altersfreigabe könnte allerdings ruhig mal nach unten angepasst werden. Mag aber sein, dass das "FSK 16" einst mit der gezeigten Gewalt begründet wurde: Die in den Roaring Twenties spielende Comedy wartet nämlich auch mit tüchtig Mafia-Geballer auf.

A Girl Walks Home Alone Tonight
Warum nicht mal einen Film in neupersischer Sprache gucken, gerade jetzt? Dies dachte ich mir und machte mit diesem Schwarz-weiß-Werk der nischigen Sparte "feministischer Vampir-Western" eine unvergleichliche Erfahrung. Begrüßenswert fand ich die Entscheidung, den Splatterfaktor gering zu halten und den Grusel aus der dank verkrusteter Gesellschaftsstrukturen allgegenwärtigen psychisch-sozialen Bedrohung zu, höhö, saugen. Streckenweise hat mich dieser US-amerikanische Neo-Noir von 2014 aber leider ermüdet.

JFK
Schade, dass sich kein Schwein mehr für die wahren Hintergründe des Kennedy-Attentats interessiert und dass Verschwörungstheorien heutzutage eh keinen Spaß mehr machen. Wäre ich im Jahre 1991 alt genug gewesen, um "JFK" zu sehen, und hätte ihn auch gesehen, wäre ich zum eingefleischten Anhänger und Verteidiger jedes in diesem atemlosen Dreistünder aufgestellten Arguments geworden. Alles ergibt Sinn!!!
Der Cast ist schier unglaublich und sorgt bis zu den Nebenrollen für Aha-Momente (Jack Lemmon [schon wieder] und Walter Matthau in einem gemeinsamen Film, der nicht zur "Ein seltsames Paar"-Reihe gehört! Brian Doyle-Murray als Jack Ruby!). Nicht nur dahingehend bietet sich ein Vergleich von "JFK" mit "Eine Frage der Ehre" an: Kevin Costners episches Plädoyer im schwindelerregenden Finale dürfte sich einen Platz in den ewigen Top-5 der erinnerungswürdigsten Reden der Kinogeschichte gesichert haben. Ich bin hellauf begeistert.
Apropos schade: Ist Oliver Stone nicht inzwischen auch etwas ... fragwürdig geworden? Hm, ich will's gar nicht wissen.

Mission: Impossible - Dead Reckoning Part One
Der letzte Klopper (161 Minuten) für heute: Der prima auf den Abschied einstimmende vorletzte "M:I"-Teil ist zum Glück wieder besser als "Fallout". Ein schnörkelloser Plot, staunenswerte Stunts und mustergültig choreographierte Stunts (der Zugabsturz, holy moly!), dazu ein paar passable Lacher (einen Masken-Runterreiß-Witz muss man sich anno 2023 erst mal trauen): Ja, das war eine feine Gaudi. Über unglaubwürdige Science-Fiction und arg forcierte Zufälle sehe ich bei dieser Art Kintopp lässig hinweg.

Sonntag, 15. März 2026

Meine zwanzig zuletzt gesehenen Filme (1/2)

Au weia! Ich habe diese Rubrik so lange vernachlässigt, dass sich inzwischen genügend Einträge für gleich zwei Ausgaben angestaut haben. Diese zwei werde ich nun aber unter einem Rubrum vereinen, wiederum in zwei Parts splitten und diese hintereinander präsentieren.

Der unsichtbare Gast (OT: Contratiempo)
Ein spanischer Thriller, von dem ich mir nichts Außergewöhnliches versprach, als ich ihn im Bordprogramm eines Mittelstreckenfluges auswählte, der mich dann aber schier umhaute. Er ist wirklich sehr clever konstruiert, komplex, aber nicht konfus, mit Twists, die nicht erzwungen wirken, mit menschlichem Drama, ohne überbordende Gewalt und mit einem hübschen Locked Room Mystery.

Weapons
Hiermit hat der mir bis dahin unbekannte US-Amerikaner Zach Cregger den besten Horrorstreifen 2025 vorgelegt (was nichts heißen mag, da ich meinen Konsum von Vertretern dieses Genres drastisch zurückgeschraubt habe)! Neben der düsteren, an "The Leftovers" erinnernden Prämisse und ihrer zwar fast konventionellen, aber nicht weniger düsteren Auflösung hat mich die in POV-Episoden aufgeteilte Erzählweise begeistert, welche verhältnismäßig tiefgehende Charakterentwicklungen zulässt.

The Thursday Murder Club
Einen Roman der mittlerweile auf fünf Teile angewachsenen "Thursday Murder Club"-Reihe wollte ich schon lange mal lesen, doch dann erschien Chris Columbus' Verfilmung von Richard Osmans so beliebtem wie erfolgreichem Debüt, und ich nahm mir erst mal diese vor. EIne der literarischen Fortsetzungen werde ich gewiss mal der Bibliothek entleihen, hoffe aber, dass diese dann ein My überraschender und vertrackter ausfällt. Das Adjektiv "konventionell" verwendete ich bereits vor wenigen Zeilen, aber genau so ist dieser zahme, zwar augenzwinkernde, doch nie mit den Tropen klassischer Murder-Mysterys spielende Krimi zu beschreiben. Nun, die Leserschaft will es anscheinend so – Cosy-Crime eben. Die Geschichte ist nicht unspannend, das Setting nicht uninteressant, und der Cast ohnehin über jeden Zweifel erhaben: Helen Mirren, Pierce Brosnan, Ben Kingsley, dazu David Tennant als genüsslich fieses Ekel, wundervoll. Trotzdem: In Schulnoten würde ich maximal eine 3+ geben.

Die nackte Kanone (2025)
Diesem unnötigen Reboot hatte ich mich zunächst verweigert, mochte ich mir doch beim besten Willen nicht vorstellen, dass es an die Original-"Naked Gun"-Trilogie auch nur auf 100 Yard herankommen könnte. Nachdem mehrere Leute, deren Komikexpertise ich schätze, sich jedoch zufrieden mit dem Ergebnis zeigten, gab ich der erfreulich kurzen Komödie eine Chance und fühlte mich tatsächlich ebenfalls ordentlich unterhalten. Akiva Schaffer, dessen "Lonely Island"-Tonfall ich so wenig Kompatibilät mit dem legendären (wenngleich aus der Zeit gefallenen) ZAZ-Humor zutraute wie der doch recht eigentümlichen und nicht immer treffenden Witzsprache von Produzent Seth MacFarlane, beweist ein Händchen für die großen Fußstapfen (schiefes Bild ist beabsichtigt). I'll be a son of a (naked) gun, das Ding macht Laune. Die Gagdichte kann sich sehen lassen, das Verhältnis Slapstick : Wortspiele : Popkulturanspielungen : Situationskomik : topical jokes stimmt, und die Autoren bemühen sich um eine halbwegs stringente und packende Story. Damit hat diese Comedy den teils unsäglichen Genre-Parodien der frühen 2000er enorm viel voraus. Und Liam Neeson muss man in der Rolle von Leslie Nielsons Sohn einfach lieben.

Friendship
Von dieser Komödie wiederum hatte ich mir ehrlich gesagt mehr erhofft. Als ich den Trailer sah, dachte ich, das könnte "I Think You Should Leave" in Spielfilmlänge werden. Wäre es gewiss auch geworden, wenn Tim Robinson (und Zach Kanin) am Drehbuch mitgewirkt hätten. Doch Regisseur Andrew DeYoung hat diese Aufgabe allein gestemmt und hatte Robinson als Hauptdarsteller gar nicht von Anfang an im Sinn: "DeYoung decided on casting his friend Tim Robinson while writing the film's screenplay" (Wikipedia). Die Wahl war natürlich genial, und überhaupt möchte ich dem verdienten TV-Regisseur DeYoung, der immerhin auch an "The Chair Company" kreativ beteiligt war, sein Können nicht absprechen. Aber wie gesagt: Wenn "Tim Robinson" draufsteht, erwarte ich tränentreibende Tim-Robinson-Absurdität; diese Erwartung wird in "Friendship" nicht eingelöst. Die typische "Ein tapsig-uncooler Nobody gerät in eine Spirale des Wahnsinns"-Eskalation gibt es grundsätzlich schon, auch über einige peinliche Interaktionen und zitierbare Oneliner kann man schmunzeln. Ein Reinfall ist die A24-Produktion von 2024 mithin keineswegs.

Sleepaway Camp
Wenn ich weiter oben sinngemäß schreibe, dass ich dem Horrorgenre mehr oder weniger den Rücken gekehrt habe, dann meine ich vor allem: Ich lasse Neuerscheinungen, die nicht auch etwas wirklich Neues wagen, links liegen; um "Scream 7" beispielsweise werde ich guten Gewissens einen Bogen machen. Grundsätzlich bin ich jedoch nach wie vor von Horror fasziniert, seit einiger Zeit insbesondere von Slashern der 1980er Jahre.
Der 1957 geborene US-amerikanische Filmemacher Robert Hiltzik hat auf imdb lediglich fünf Einträge als Autor und zwei als Regisseur vorzuweisen, alle haben die Wörter "Sleepaway Camp" im Titel, und offenbar kommt man als einschlägiger Fan nicht an Teil 1 dieser Reihe vorbei. "Sleepaway Camp" von 1983 hat einen gewissen Kultstatus erlangt. Was ihn von diversen "Freitag der 13."-Ripoffs jener Ära abhebt, ist in einem ausführlichen Wikipedia-Artikel zu erfahren (idealerweise erst nach dem Anschauen, Stichwort Spoiler): etwa dass die jugendlichen Ferienlagergäste nicht von deutlich älteren Schauspielern verkörpert werden, was dem Ganzen eine zusätzlich verstörende Note gibt. Als problematisch mag ein Aspekt empfunden werden, der mit der finalen Pointe zusammenhängt. Nichtsdestoweniger hatte ich meinen Spaß an diesem mit ein paar extravaganten Todesvarianten und -darstellungen aufwartenden B-Movie.
Fun Fact 1: "In September 2025, it was announced that Kenan Thompson's production company Artists for Artists (AFA) has acquired the rights to remake Sleepaway Camp with original writer/director Robert Hiltzik." (a.a.O.)
Fun Fact 2: Ich schreibe diese Zeilen an einem Freitag den 13.!

Here
Robert Zemeckis ist und bleibt einer der leidenschaftlichsten Erzähler Hollywoods. Mit "Here" hat er 2024 eine zehn Jahre zuvor erschienene Graphic Novel umgesetzt und deren visuellen Kniff übernommen: Die Zuschauenden verfolgen die über Jahrtausende sich erstreckende (Vor-)Geschichte eines gewöhnlichen Hauses in den USA, wobei sich der "Kamera"-Winkel nie ändert. Eingefangen werden, nicht-chronologisch, kleine, banale, entscheidende, emotionale Momente im Alltag der Menschen, die dort leben und lebten. Mit einigen Familien verbringen wir mehr Zeit als mit anderen Bewohnern, so begleiten wir zum Beispiel Tom Hanks von der Jugend bis zum Greisenalter; die mittels Generativer KI erzeugten De-Aging-Effekte gehen in Ordnung und landen nicht im Uncanny Valley. Eine bewegende Reise. Schön!

Zwei hinreißend verdorbene Schurken (OT: Dirty Rotten Scoundrels)
Steve Martin und Michael Caine gaunern sich als Gegenspieler durch das Frank-Oz-Remake einer Posse von 1964 ("Bedtime Story"). "Dirty Rotten Scoundrels" stammt von 1988, wirkt bisweilen älter, obwohl viele Scherze noch heute erstaunlich frisch und frech wirken. Vielleicht liegt es an der Côte d'Azur als Sehnsuchtskulisse, die der Hochstapler-Komödie einen irgendwie gestrigen Glamour verleiht. Alles in allem 110 höchst vergnügliche Minuten.

The Life of Chuck
Von den gefühlt 50 Stephen-King-Verfilmungen der letzten Jahre ist diese eine der gelungensten, wenn nicht die gelungenste. "Ich stellte mir diesen chronologisch rückwärts erzählten Dreiteiler direkt als von Damon Lindelof verfilmte Miniserie vor", schrieb ich im Oktober 2020 über "Chucks Leben". 2024 war es dann nicht Lindelof, sondern der King-Wiederholungstäter Mike Flanagan, der die Kurzgeschichte aus dem Band "If it Bleeds" umsetzte, und das tat er, wenn mir das abgeschmackte Prädikat gestattet ist, kongenial. Die drei Akte oder besser: Kapitel gehen ans Herz, bauen ein nachdenklich machendes Rätsel auf und zaubern uns gelegentlich ein breites Grinsen ins Gesicht. Tom Hiddleston rockt, auch die übrigen Akteure, darunter Karen Gillan, Chiwetel Ejiofor und Mark Hamill, hinterlassen Eindruck, selbst wenn sie nur in je einer Episode auftauchen.
"The Life of Chuck" hat das Zeug zu einem Klassiker wie, sagen wir, "Stand by Me".

Prange
Zuletzt eine deutsche Fernsehkomödie, die mit ihrem harmlos-gefälligen Mix aus Herz, trockenem Humor und hanseatischer Schnodderigkeit perfekt zwischen den Jahren weggeguckt werden kann, gerne zum wiederholten Male und mit der ganzen Familie – es ist ja nicht alles Schrott, was hierzulande produziert wird. Bjarne Mädel als Titelfigur ist eh super, Olli Dittrich als grantiger Nachbar und Katharina Marie Schubert als verhuschter love interest ergänzen den sympathisch unsympathischen "Helden" aufs Famoseste.

Freitag, 13. März 2026

Mittwoch, 11. März 2026

Poirots schwerster Fall: Das Rätsel um "Poirot"

Schaltet man zu einer beliebigen Uhrzeit einen ARD- oder ZDF-Spartenkanal ein, deren Zahl übrigens zum Ende des Jahres von sechs auf drei reduziert werden soll – aus One und ZDF Neo wird "Neo", Tagesschau24 geht in Phoenix über, während ARD Alpha und ZDF Info zu "Info" gebündelt werden –, zappt man also zu einem dieser Sender, zumindest Neo oder One, dann steht die gefühlte Wahrscheinlichkeit bei 80 Prozent, dass gerade "Agatha Christie's Poirot" läuft. Wirklich, wann immer ich dort hängen bleibe, wird diese Krimiserie entweder angekündigt oder ausgestrahlt.

Aktiv reingeschaut habe ich in die Reihe noch nie (obwohl ich Agatha Christie nicht abgeneigt bin und sogar schon einige Poirot-Spielfilme gesehen habe). Heute fragte ich mich aus heiterem Himmel, wie lange "Poirot" wohl schon läuft, und woah, bin ich da, wie junge Leute im Internet ständig sagen, in ein Kaninchenloch gestolpert! Die Geschichte von "Poirot" in Deutschland ist nämlich, wie junge Leute im Internet ständig sagen, ein wahrer Fiebertraum.

Dabei fing alles ganz geordnet und unauffällig an: Die Pilotstaffel kam etwas über ein Jahr nach der UK-Premiere, wenn auch mit einer mehrmonatigen Unterbrechung, ins deutsche Fernsehen – und zwar ins ostdeutsche! Tatsächlich wurde im Abspann der zehn bis 16. Oktober 1990 (!) auf DFF 2 ausgestrahlten Episoden "noch der Vorgänger 'Fernsehen der DDR' als Auftraggeber der Synchronfassung genannt" (Wikipedia).

Es vergingen gut drei Jahre, bis Staffel 2, die im Vereinigten Königreich im Januar 1990 das Licht der Welt erblickt hatte, ein Zuhause im (nun vereinigten) Deutschland fand: auf dem recht neuen Sender Vox, auf welchem anschließend auch die nächsten beiden Staffeln liefen. Und ab hier wird's chaotisch! Die Ausstrahlungsreihenfolge der insgesamt 14 Episoden von Staffel 3 und 4 war wie folgt: 3.02, 4.02, 4.03, 3.04, 4.01, 3.03, 3.01 und 3.05 bis 3.10 chronologisch. Anzumerken ist, dass es neben den Folgen mit 50 Minuten Dauer gelegentlich solche mit 100 Minuten Länge gibt; Season 4 besteht ausschließlich aus solchen Feature-Length-Filmen.

Ab Anfang 1993 zeigte ITV die acht Episoden der fünften Staffel. Und wann wurden diese dem deutschen Publikum präsentiert? Ende 2018! Zu verdanken hatten die Fans das dem jungen und nun bald toten Sender One, wobei es immerhin 2009 die Möglichkeit gegeben hatte, Staffel 5 auf DVD zu erwerben. Womit wir bei einem weiteren Irrsinnsaspekt sind. Noch vor Erscheinen des Season-5-DVD-Sets, nämlich 2008, kam Staffel 9 als DVD auf den Markt, die wiederum weit vor Staffel 5 im Fernsehen gezeigt worden war: Weihnachten 2005 im NDR – mit Ausnahme von Folge 9.02, die auf nämlichem DVD-Release unsynchronisiert (OmU) vorlag und im TV erst im Februar 2018 "nachgereicht" wurde. Von 2010 bis 2014 kamen, in korrekter Reihenfolge, die Staffeln 6 bis 13 auf DVD in den Handel (zwischendurch erschien auch die mysteriöse Folge 9.02 endlich in deutscher Sprachfassung auf Silberling), 2018 wurde die komplette Serie als 45-Disc-Boxset herausgebracht.

Zurück ins lineare Fernseh. Staffel 6, deren Ausstrahlung sich auch im Mutterland über einen ungewöhnlich langen Zeitraum erstreckt hatte (vier Filme zwischen Januar 1995 und März 1997), wurde auf One gesendet, abermals mit einer Ausnahme: "Hercule Poirots Weihnachten" (6.01) wurde "schon" am 27. Dezember 2017 gezeigt; der Rest lief ab Januar 2019, zwischendurch wurden die (Mini-)Staffeln 7 und 8 ausgestrahlt.

Die Staffeln 10, 11, 12 und 13 wurden den hiesigen Zuschauern in einem Rutsch vorgesetzt, von Februar bis Mai 2016, mithin teils mit zehnjähriger Verspätung, wobei die Folgen der 10. Staffel in der Reihenfolge 10.02, 10.03, 10.01, 10.04 über den Äther flimmerten. "Äther" ist allerdings der falsche Ausdruck, denn sehen konnte man jene Staffeln zunächst exklusiv auf dem Bezahlsender Sony Entertainment Television, dem späteren Sony Channel, der seit 2023 AXN White heißt. Die Free-TV-Premiere der Staffeln 10 bis 13 erfolgte jeweils ziemlich genau zwei Jahre später, erneut auf One. Tja, und heute? Ist wohl nach wie vor One zuständig, ein Kanal, der ohnehin einen Schwerpunkt auf europäische Dramaformate setzt – allein heute laufen dort von abends bis spät in die Nacht hinein englische Krimis; und nicht zuletzt war One eine Zeitlang das "Home for Whovians". Jedenfalls habe ich mir wohl nur eingebildet, dass "Agatha Christie's Poirot" zusätzlich und ständig auf Neo oder anderen öffentlich-rechtlichen Outlets wiederholt würde. Gut, dass nun Klarheit herrscht.

Was für eine Historie! Und was für eine Ochsentour für Poirot-Komplettionisten: Vom Fernsehen der DDR bis in die IPTV-Ära konnten/mussten/durften sie die belgische Spürnase verfolgen. Ich wäre schier verrückt geworden.

Montag, 9. März 2026

Ist das schon Feminismus?

Der Tageskalenderblättchenhumorbeobachtung hatte ich vor einigen Jahren abgeschworen, aber da schon mit meiner gestrigen Knabbergebäck-Empfehlung ein Retro-Fässchen aufgemacht wurde und zudem gerade der Internationale Frauentag begangen wurde, bietet sich ein Blick auf das Blatt vom 6. März an:


Das ist nicht mehr mein Abreißkalender – nicht nur formal, sondern auch inhaltlich! Früher noch: Hausdrachen-, Schürzenjäger- und Weiber-können-nicht-Auto-fahren-Witze (und mit "früher" meine ich z.B. 2022, 2019, 2017 und 2013), heute so was. Das ist ja Sexismus gegen Männer!!!

Sonntag, 8. März 2026

Wo bleiben die Flips-Tipps?

Das fragen sich wahrscheinlich alle, die einzig wegen meiner kundigen Knabbergebäck-Rezensionen regelmäßig hier vorbeischauen. Nun, nach einer langen Flaute kann ich heute endlich mal wieder eine Flips-Empfehlung aussprechen.


Die Erdnuß-Locken-Sorte Western Style ist die vortrefflichste Offenbarung aus dem Hause Lorenz seit dem Launch der Jumbo-Locken. Die Shrinkflation-Praxis dieser Firma, die im Snacksegment freilich nicht singulär ist, wollen wir bei der Bewertung außen vor lassen; erfreulicherweise war der Preis einer Tüte, als ich sie kaufte, auf verschmerzbare 1,09 € gesenkt. Kurzfazit: Wer ErdnußLocken (Eigenschreibweise) liebt und Chips mit "Western"-Aroma etwas abgewinnen kann, wird mit dieser Neuheit glücklich werden. Abschreckend mag sich die Inhaltsangabe "stark tocopherolhaltige Extrakte" lesen, doch handelt es sich dabei laut Infoseite des Zusatzstoffmuseums um ein unbedenkliches Antioxidans. 8 von 10 Punkten!

Freitag, 6. März 2026

Heute ist Gegenteiltag

Ein Wunder eigentlich, dass die Gesellschaft zur Stärkung der Verben hier im Blog so gut wie gar keine Rolle spielt(e) – eine Erwähnung am Rande findet sich in einem Beitrag aus dem Juli 2024 –, trieb ich mich doch in großen Teilen der Nullerjahre (aka der Zeit des guten Internets) nahezu täglich in ihrem Forum herum und begrüße die so reflektierte wie selbstironische Arbeit der sprachaffinen Knallköpfe noch immer. Aktiv beteiligt habe ich mich im GSV-Board zwar selten (zwischen 2006 und 2010 verfasste ich 26 Beiträge), ich lurkte (lork?) lediglich als stiller Leser, dies aber sehr gern und intensiv.

Inzwischen ist die Gesellschaft in das Projekt Neutsch aufgegangen bzw. mit diesem vereint bzw. hat dieses als Neben- oder Überschauplatz ins Leben gerufen; ich muss mich bei Gelegenheit mal auf den neuesten Stand bringen. Jedenfalls habe ich diese Woche ungeplant und indirekt zum Anwachsen des neutschen Wortschatzes beigetragen. Auf Bluesky postete ich nämlich folgenden bildungstümelnden Schmunzelbeitrag: "Warum heißt es nichteuklidisch und nicht dysklidisch?" Der User "Texttheater" erachtete diese Gegenteilschöpfung einer Aufnahme in die Liste bisher fehlender Antonyme für würdig. Und dort steht sie nun.

Da ich weiß, dass der als Kilian E. bekannte @texttheater hin und wieder auf Kybersetzung vorbeischaut, möchte ich der GSV ein weiteres neutsches Antonym vorschlagen: "sich entlieben" als Gegenteil von sich verlieben. Na?

Mittwoch, 4. März 2026

Neues von der Inflation

Vor zwei Jahren hielt ich meine Gedanken zu Preissteigerungen und affordability (wobei dieser US-amerikanische Kampfbegriff damals noch keine Rolle spielte) in einem kleinen Beitrag fest, auf den zurückzukommen sich vor dem Hintergrund der Eskalation im Nahen Osten doppelt lohnt. [Für Lesende aus der Zukunft: Vor ein paar Tagen griffen die USA und Israel den Iran an, der darauf mit Beschüssen mehrerer Golfstaaten reagierte. Erste Folgen werden in Europa zurzeit u.a. in Gestalt steigender Benzinpreise spürbar.] Vergleichen wir die im März 2024 von mir notierten Standard- und Sonderpreise ausgewählter Lebensmittel:

  • "Barilla-Nudelpackungen kosten inzwischen mehr als 2 Euro die Packung, und gestern sah ich ein Glas Barilla-Fertigsoße für über 4 Euro! Hin und wieder, sogar recht regelmäßig, gibt es die Pasta für 99 Cent, da schlage ich dann zu." → Hierzu darf ich vermelden, dass Barilla-Nudeln jetzt sogar oft für 88 Cent zu haben sind. Erst am Montag habe ich eine Packung "Maccheroni No. 44" zu diesem Preis bei Rewe gekauft. Pastasoßen jener Firma sind diese Woche ebendort für 1,89 € je Glas erhältlich.
  • "Bonne Maman [...] Der Standardpreis liegt seit dem Inflationshoch bei 3,49 €, der uns alle paar Wochen vergönnte Aktionspreis bei 2,49 €. Das ist eben so noch okay. Den nächsten Anstieg werde ich allerdings nicht verschmerzen können." → So ist es fast gekommen! Einige Märkte bewarben neulich 2,69 Euro als Knallerpreis für die französischen Konfitüren, einzig Aldi (glaube ich) setzt, Stand Februar, den reduzierten Preis weiterhin mit 2,49 an.
  • "Sowohl die Müslis von Vitalis (Dr. Oetker) als auch die von Kölln schlugen jahrelang mit 1,99 € zu Buche, wenn sie reduziert waren. Da habe ich mich dann stets mit 1-2 Packungen bevorratet, denn ich mag deren Müsli-Palette sehr gern. Zurzeit liegt der 'Spezialpreis' bei 2,49 €, was ich ebenfalls gerade noch vertretbar finde." → Hier hat sich nichts geändert. Diese Woche gibt es bei Rewe Vitalis-Müslis für 2,49 Euro; ich habe gestern direkt zwei Packungen gekauft.
  • "Letztes Beispiel: Kaffee. [...] Teilweise über 7 Euro möchten die für das halbe Kilo haben. [...] Gottlob gibt es nahezu jede Woche irgendwo für 3,99 € grundsoliden Filterkaffee von Melitta, Jacobs und Konsorten. Mein Limit wäre, denke ich, bei 4,99 € erreicht. Sollte das Pfund dereinst nicht für unter 5 Euro zu bekommen sein, kann ich halt nie wieder Kaffee trinken." → Tja, das ist bitter wie ungesüßter Bohnensaft: Die Zeiten, wo ein Päckchen Kaffee für unter 5 Euro zu finden war, sind so was von vorbei. Kriegt man 500 Gramm für 6,99 €, kann man sich freuen. Derzeit gibt es bei Penny das halbe Kilo Melitta sogar für 6,49 € (allerdings nur mit der Penny-App), aber darunter geht es nicht mehr. "Nie wieder Kaffee trinken" kam und kommt freilich für mich nicht in Frage. Zähneknirschend greife ich zu, wenn etwas Niedrigeres als eine 7 vor dem Komma steht.
Alles in allem bewegen wir uns auf relativ konstantem Preisniveau, und zwar auf schmerzhaft hohem. Jedoch sind auch gelegentliche Ausreißer nach unten festzustellen. Butter zum Beispiel ist günstig wie lange nicht, in manchen Supermärkten gab und gibt es 250 Gramm für 99 Cent, während die von mir bevorzugte Margarine nie wieder auf unter einen Euro gefallen ist. Andere Milchprodukte (bis auf Käse, der allmählich zum Luxus wird) sind einigermaßen unverändert bepreist, Knabbergebäckpreise sind leicht gestiegen, meist billig sind Brot, Eis, vegetarische Beläge/Aufstriche; Tiefkühlprodukte, Obst und Gemüse sowie Öle sind okay, da muss man halt gucken. Süßigkeiten wie Schokolade und Teegebäck sind meinem Empfinden nach leicht teurer geworden; Hygiene- und Kosmetikprodukte werden wohl nie wieder Vor-Pandemie-Levels erreichen.

Montag, 2. März 2026

Serientagebuch 02/26

02.02. Boss 2.10
04.02. What Remains 1.01
05.02. What Remains 1.02
06.02. Get a Life 1.07
08.02. What Remains 1.03
What Remains 1.04
09.02. Get a Life 1.08
A Knight of the Seven Kingdoms 1.03
A Knight of the Seven Kingdoms 1.04
10.02. Get a Life 1.09
12.02. Get a Life 1.10
13.02. Get a Life 1.11
16.02. Lost 2.20 (RW)
17.02. The Simpsons 37.14
Family Guy 24.01
Pluribus 1.01
Pluribus 1.02
18.02. The Simpsons 37.15
19.02. The Woman in the Wall 1.01
Pluribus 1.03
Get a Life 1.12
20.02. The Woman in the Wall 1.02
A Knight of the Seven Kingdoms 1.05
23.02. Pluribus 1.04
24.02.
A Knight of the Seven Kingdoms 1.06
25.02. The Woman in the Wall 1.03
26.02. Family Guy 24.02
Get a Life 1.13
Pluribus 1.05
28.02. Lost 2.21 (RW)
Lost 2.22 (RW)

Wie erhofft, konnte die zweite Staffel des formidablen Politdramas Boss das Niveau der ersten durchweg halten. Hätte es noch weitergehen dürfen? Ich hätte das abwechselnde Scheitern und Triumphieren der Charaktere in diesem verkommenen Chicago einer (benachbarten) Parallelwelt gewiss noch eine Weile freiwillig weiterverfolgt, doch so, wie sich am Ende alles fügte, war es gut. Im Grunde war die Geschichte des mit Kelsey Grammer perfekt besetzten Antihelden eh auserzählt: sein Aufstieg, sein Fall, sein neuerlicher Aufstieg. Alles, was noch hätte passieren können, hätte die Todesgeweihtheit des schmutzigen Bürgermeisters nur unglaubwürdig gemacht. Und eventuell unerträglich. Denn wenn das Trope "Being Good Sucks" konsequent durchgezogen wird, macht's auf Dauer keinen Spaß, auch wenn man den Machern speziell dieser Starz-Serie dafür Respekt zollen muss.

Das Motiv, (fast) sämtliche Protagonisten als Soziopathen anzulegen, zelebriert auch die düstere Miniserie What Remains (2013) aus der Feder von Tony Basgallop ("Servant"). Dargestellt werden sie von talentierten Mimen, denen man gerne beim Unausstehlichsein zusieht (herrlich: Indira Varma). Das Kriminaldrama um die im Dachboden eines typisch britischen Mehrparteienhauses aufgefundenen Überreste (remains) einer jungen Frau (Jessica Gunning aus "Baby Reindeer") fesselt bis zum fiesen Endtwist und beleuchtet dabei auch bis heute relevante gesellschaftliche Missstände wie Machtmissbrauch und Vereinsamung.

Zur 37. Staffel der Simpsons möchte ich nicht viele Worte verlieren. Zu goutieren wusste ich, dass man sich sichtlich bemüht hat, sehr "klassische" Storylines zu spinnen. Auch das Witzniveau war größtenteils ordentlich; es gab eine Handvoll Episoden, die ich als überdurchschnittlich bewerten würde, was umso beachtlicher ist, als diese Season erneut lediglich 15 Episoden umfasste, zumindest auf Fox (darunter die 800. [!], "Irrational Treasure"); es sollen, wie es schon im letzten Jahr verwirrenderweise geschah, noch zwei Disney+-eklusive Folgen veröffentlicht werden, die ich aber nicht separat zu besprechen plane.

A Knight of the Seven Kingdoms wollte ich ursprünglich gar nicht gucken. Die Novellen um den jungen Heckenritter Dunk und seinen Knappen Egg sind, sosehr ich sie auch mag, für GRRM-Verhältnisse umfangmäßig derart bescheiden, ja dürftig, dass ich mir nie und nimmer eine Verfilmung mit genug "Fleisch" für mehr als vier Episödchen vorstellen mochte. Aber ich beugte mich dem Gruppenzwang, und was soll ich sagen? Es funktioniert! Wenn man sich von den epischen Maßstäben der anderen beiden Serien aus dem ASoIaF-Universum verabschiedet und sich stattdessen auf bodenständige Geschichten aus dem unglamourösen Westeros der kleinen Leute einlässt (wobei es dennoch immer wieder um Konflikte, Ranküne und Machtverschiebungen geht), hat man eine Menge Spaß. Außerdem sind's ja nur sechs Folgen von je etwas über dreißig knackigen Minuten geworden. Das Casting ist wie gewohnt exzellent, Kostüme und Kulissen wurden mit viel Liebe zum Detail gefertigt, und es darf, ungewohnt genug, hie und da herzhaft gelacht werden.

Samstag, 28. Februar 2026

Zeit für Brain Droppings

Der letzte Auftritt der Beatles ist nun schon 30 Jahre her, und trotzdem sagt uns der Bandname noch was, sogar den ein oder anderen Hit hat manch einer noch im Ohr.

Vorschlag
Am Ende der Tagesschau friert die Nachrichtensprecherin ein wie in einer alten Sitcom. Credits rollen über das Bild, lustige Erkennungsmelodie.

Was sich ja auch niemand zu schreiben traut: "... Jetzt hat Giulia Enders ein neues Buch ausgeschissen."

"Ein Schelm, wer Böses dabei denkt", auf die Melodie von "Ein Stern, der deinen Namen trägt"

Ich traue mir mittlerweile zu, einen Wes-Anderson-Film innerhalb der ersten fünf Minuten zu erkennen. (Es hilft, wenn innerhalb der ersten fünf Minuten "Directed by Wes Anderson" eingeblendet wird.)

Der häufigste Akkuladestand ist 59 %.

The Hans That Rocks the Gretel

Vor der Erfindung der Schleife sind die Menschen ständig über ihre Schnürsenkel gestolpert.

Tipp des Tages: Heute mal ohne Grund remmingen!

[flirty] Na, gibt es auch einen Witwer Bolte?

In jeder S-Bahn hängt ein Schalter mit der Aufschrift "Notentriegelung", aber ich hatte noch nie das Bedürfnis, Noten zu triegeln.

Hoffentlich wird die Autorin Sanyal nie in einen Mithu-Skandal verwickelt.

Jede Episode von "Lassie" endete mit einem Kläffhanger.

Bienensterben heißt auf französisch à bientôt.

Tetesept heißt in Frankreich Kôpfsieben.

Maultaschen? – Mal tauschen.

Heute ist ein sehr heller Tag dank Vollsonne. Schade, dass zum Ende der Woche hin wieder abnehmende Sonne ist und der Himmel dunkler wird.

Die traurigste Wortfolge der deutschen Sprache: "Rinde nicht zum Verzehr geeignet"

Das wäre mal ein bold move im Jahre 2026: sich ab sofort weigern, das Wort "googeln" zu benutzen, weil es zu infantil klingt

[Bei der Inventur]
"Eine Muh ... eine Mäh ... eine Täterätätä? Wusste gar nicht, dass wir die noch führen. Na gut, stell sie zu den Tuten und der Diedeldadeldum!"

Auch in Mexiko kriegen Kinder nach der Impfung einen gratis Lolli, einen sogenannten Lutscher libre.

Crowdfunding-Community aka Backer-Innung

Papier raschelt, Klopapier arschelt.

"Jetzt schlägt Trump die nächste Seite im Handbuch eines Autokraten auf" ("Spiegel online"). Warum gibt es so ein Handbuch überhaupt? Sollte verboten werden imho.

Wyoming is the progressive form of to wyome.

Der Teufel trinkt Kaba

Metall im Kalzinierofen: "Willst du mich veraschen?!"

Nick Woltemade, aber Bekamkäfer

Serendipitypark Hodenhagen

Abenteuerliche Familienserie "Unsere kleine Fram"

Verstand, aber als lyrische Ausschmückungen

Empfang im Wikipedia-Hauptquartier:
"Immer rein in den guten Stub!"

Kurioses Wort, prima Sache: Erträgnisgutschrift

"What's Eating Gilbert Grape 2: What's Gilbert Grape Eating?"

Wenn Romulus Remus nicht getötet hätte, sondern Remus Romulus, dann würde Rom heute nicht Rom heißen, sondern anders (Remagen?).

Wer nannte es optische Täuschung und nicht Zapfenstreich?

Wer nannte es Veröffentlichung zum Weihnachtsgeschäft und nicht Release Navidad?

Warum heißt es Weinkenner und nicht Port Authority?

Degustation, die
1. Verköstigung
2. Sammelstelle für südamerikanische Nagetiere

Formfleisch, bei dem man die Fleischteile nur erahnen kann, nennt man auch Erahno-Schinken.

*zieht ein Rücksichtslos*

ERBSTREIT BEI FAMILIE HEMPEL – WER BEKOMMT DAS SOFA?

Österreich wurde 996 erstmals urgrindig erwähnt.

Neutral-Morissey

Ausstellungsidee
"Wir Chatten ja nix! – Die bescheidenen Anfänge Hessens"

Techtitanen in Tenochtitlan

Boah, ich hasse Verbrecher. Wenn's nach mir ginge, würden Verbrechen mit Freiheitsstrafen nicht unter einem Jahr bestraft werden.

Malbec, oder wie ich ihn aus Aberglauben nenne: the French wine

Niemand:
Robert De Niro: *wart*

Für den Joker wird der Hund in der Pfanne normal.

[In der Therapiesitzung]
"Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel."

[extrem bekifft]
Da oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir ...

Man Ray, der menschliche Rochen

Eher geht ein Kamel durch ein Dornwald als Maria durch ein Nadelbaum.

*spannt einen Ochsen vor den Pflug*
"Hehe, yoke's on you!"

[Am Kiosk]
"Ham Sie auch nichttrierische Volksfreunde?"

Seegras aus Sagres

Kaiserschnitte, aber als österreichische Tortenspezialität

"Gut schaust du aus!"
"You should see the other guy!"
"Hä?"
"Sagt man doch so - du solltest mal den Anderen sehen."
"Aber warum? Du bist völlig unversehrt."
"Eben! Ich habe einen komplett Wehrlosen zu Pulp geprügelt, lol."
"Lol."

Habe gerade vom amerikanischen Ernährungshilfeprogramm SNAP gelesen. Das sollte es in Deutschland auch geben, man könnte es DSNAP nennen.

Auf dem Ü-Wagen des ZDF steht "Achtung, Heck schwenkt aus".
So halten sie diese Hitparaden-Legende also in Ehren.
(Erklärung an Eides statt: Diesen Wagen habe ich tatsächlich gesehen, auf der Buchmesse.)

Früher brauchten wir keine Sharepics auf dem Mount Everest, nur Sherpas und pickaxes.

Bill Nyp, der Wissenschaftstyp

The existence of Lesser Ury implies the existence of Ury Superior.

Kann man Sandaalen Sandalen anziehen?

Bernkastel-Lues

Es heißt übrigens nicht DIE, sondern DAS Papstwahl.

J.D. Vance' Frau soll lieber ans andere Ende der Welt reisen, nach Ushauaia.

Kunden, die "par ordre du mufti" mochten, mögen auch "kraft meiner Wassersuppe"

Indisch-britischer Junggesellinnenabschied:
Hindu hen do

[Amerikanischer-Rechtsanwalt-mit-eigenem-TV-Werbespot-Stimme]
Marmelade im Schuh? Aprikosen in den Hosen? Warten Sie nicht länger – rufen Sie mich noch heute an!

Satie darf alles.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Let's Play "Nicht den Verstand verlieren"

Juchhu, nach 135 Folgen "Stardew Valley" habe ich ein neues LP angefangen! In dem Point-and-Click-Adventure in Retro-Optik "Dreams in the Witch House" von Atom Brain Games aus dem Jahr 2023 geht es um ... ach, das erkläre ich im Video. Seht selbst. Updates folgen in unregelmäßigen Abständen, aber, so hoffe ich, mindestens zweimal wöchentlich.

Dienstag, 24. Februar 2026

Neues Altes (November '25 - Februar '26)

  • Das steckt hinter dem "Band der Löcher" in Peru (geo.de, 11. November) Auf einem Bergkamm am Monte Sierpe ("Schlangenberg") am Fuß der Anden befindet sich ein 1,5 km langes Band aus 5.200 präzise angeordneten Löchern, das lange Zeit Anlass für vielfältige Spekulationen war. Ein internationales Forschungsteam geht nun davon aus, "dass Monte Sierpe anfangs - zur Zeit des Chincha-Reiches (etwa 1000 bis 1400 nach Christus) - als Marktplatz zum Tausch von Handelsgütern diente. Dies sei möglicherweise mit gemeinschaftlichen rituellen Feiern verbunden gewesen". Neben der Segmentierung der Löcher waren vor allem die organischen Rückstände darin auffällig: "Am prominentesten waren Spuren von Mais, der im fruchtbaren Pisco-Tal schon vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert kultiviert wurde."
  • Hinweise auf geheimen Pyramiden-Eingang (Tagesschau, 16. November) Mit den Methoden des Ultraschalls, des Georadars und der elektrischen Widerstandstomographie konnte die schon länger kursierende Theorie eines weiteren Eingangs zur Mykerinos-Pyramide bestätigt werden. Der Hohlraum dahinter ist verhältnismäßig groß, dient(e) aber wohl vorrangig statischen Zwecken.
  • Sensationsfund in Frankfurt – 2000 Jahre altes Römerlager entdeckt (Frankfurter Neue Presse, 28. November) Bei Grabungen im Bolongarogarten in Frankfurt-Höchst wurden Reste eines festen Lagers aus augusteischer Zeit freigelegt, mithin Spuren einer deutlich älteren römischen Besiedlung als jene der Stadt Nida, die unter Kaiser Vespasian fiel und somit frühestens 70 n. Chr. begann.
  • Der Neandertaler: Hatten Frühmenschen schon vor 400.000 Jahren Feuer? (National Geographic, 5. Januar) "Am Fundplatz East Farm in England traten bei jüngsten Grabungen gerötete Schluffschichten zutage, von Hitze verzogene Feuerstein-Handäxte und Fragmente eines Minerals – Eisenpyrit –, das als Funkengeber auf Zunder gedient haben könnte. Zusammen deuten diese Funde darauf hin, dass eine frühe Gruppe von Neandertalern dort vor etwa 400.000 Jahren wiederholt Feuer in einer Herdstelle entfachte", was darauf hindeuten könnte, "dass Neandertaler die Kontrolle über das Feuer unabhängig von frühen modernen Menschen entwickelten [...] – auch wenn nicht auszuschließen ist, dass das Pyrit von Homo heidelbergensis stammt".
  • Giftpfeile aus der Steinzeit gefunden (Tagesschau, 8. Januar) Schon vor 60.000 Jahren haben Menschen ihre Waffen mit Pflanzengift präpariert. Das legen in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal gefundene Pfeil- oder Messerspitzen aus Quarz nahe, an denen Rückstände des Saftes der Giftzwiebel hafteten, eines auch als Gifbol bekannten Gewächses, das "bis heute sowohl als traditionelles Heilmittel als auch für die Herstellung von Gift genutzt" wird.
  • Reste von römischen Lagern in Sachsen-Anhalt entdeckt (mdr.de, 15. Januar) Dass römische Legionen bis an die Elbe vorgedrungen sind, war bislang nur aus historischen Quellen überliefert. Nun liegen handfeste Beweise in Gestalt der Reste dreier Marschlager im heutigen Sachsen-Anhalt vor. "Dass es sich um römische Anlagen handelt, belegen auch gefundene Fragmente von Gewandnadeln und Münzen. [...] Landesarchäologe Meller geht davon aus, dass die Lager aus der Zeit von Caracalla stammen. [...] Den Angaben zufolge belegen auch Radiokarbon-Untersuchungen, dass die Anlagen zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus angelegt wurden."
  • Vitruvs Basilika nach Jahrhunderten der Suche in Fano entdeckt (Der Standard, 21. Januar) "Die Basilika von Fanum Fortunae, dem antiken Fano [in Mittelitalien], ist das einzige Bauwerk, das Vitruv in seiner überlieferten Schrift De architectura ausdrücklich erwähnt." Jetzt wurde das öffentliche Bauwerk unter der Piazza Andrea Costa im Rahmen von Umgestaltungsmaßnahmen freigelegt und kann aufgrund exakter Übereinstimmung mit den schriftlichen Beschreibungen eindeutig dem "Vater der Architektur" zugeschrieben werden. "Als Hinweise auf vier Säulen auftauchten, nutzten die Forschenden Vitruvs Text, um zu berechnen, wo sich eine Ecksäule befinden müsste – und bei der anschließenden Grabung kam die Säule tatsächlich genau an der berechneten Stelle zum Vorschein."
  • Höhlenbild in Indonesien bricht Altersrekord (Spektrum.de, 21. Januar) "Es handelt sich um ein kaum sichtbares Handnegativ, das Menschen vor mindestens 67 800 Jahren mit dem Mund an eine Höhlenwand auf der Insel Muna gesprüht hatten. Damit ist es etwa 16 600 Jahre älter als der bisherige Rekordhalter, ein Felsbild, das sich auf der größeren Nachbarinsel Sulawesi befindet." Der Abdruck untermauere den archäologischn Befund, dass der Homo sapiens auf dem Weg nach Australien vor rund 65.000 Jahren die sog. Wallace-Linie, einen tiefen Meeresgraben, via die Borneo-Sulawesi-Route überquert hat.
  • 300 neue Inschriften aus Pompeji offenbaren das Leben der Antike ("Focus online", 22. Januar) Ausgegraben wurde der Durchgang im Theaterbezirk bereits vor über 200 Jahren, doch erst jetzt hat das moderne Verfahren Reflectance Transformation Imaging Zeugnisse der informellen Alltagskommunikation wie Liebesbotschaften zutage gefördert.
  • Forscher machen 1.400 Jahre alten Sensationsfund (t-online, 24. Januar) Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca wurde ein gut erhaltenes Grab der zapotekischen Kultur entdeckt, welche zwischen 300 und 900 n. Chr. ihre Hoch-Zeit erlebte. Die Grabkammer und ihr Vorraum beeindrucken mit Inschriften, Friesen und farbenfrohen Wandmalereien, die zum Teil lebhafte Einblicke in die (Bestattungs-)Kultur im Süden Mexikos bieten.
  • Chemikerin löst Legionen-Rätsel: Überraschender Fund in Kalkriese (WAZ, 29. Januar) "Mithilfe der Analyse von Buntmetallen identifizierte sie die 19. römische Legion zweifelsfrei in Kalkriese. Diese gehört laut historischen Quellen zu den drei Einheiten, die in der Varusschlacht vernichtet wurden." Könnte dies ein entscheidendes Puzzlestück in der Streitfrage um den tatsächlichen Schauplatz der römisch-germanischen Schlacht sein?
  • Taucher entdecken antikes Schiffswrack vor Italiens Küste ("Spiegel online", 4. Februar) Auf dem Meeresgrund vor der apulischen Stadt Gallipoli hat die Finanzpolizei bereits im Juni 2025 Überreste eines römischen Frachters aus dem 4. Jahrhundert entdeckt. Beladen mit mehreren Amphoren voller Garum, war das Schiff wahrscheinlich von Nordafrika aus gestartet.
  • Antike chinesische Hochkultur endete wohl mit Überschwemmungen ("Spiegel online", 9. Februar) Der Untergang der vor 4600 Jahren ihre Blütezeit bildenden Shijiahe-Kultur (mittlere Region des Jangtsekiang) und ihr anschließendes Zerstreuen war lange Zeit ein Rätsel. Anhand eines an Stalagmitenbildung ablesbaren "Regenarchivs" konnte nun rekonstruiert werden, "dass das Tal drei Perioden mit geringen Niederschlägen [...] und zwei Perioden mit hohen Niederschlägen [...] erlebte, die 80 bis 140 Jahre dauerten. [...] Der Rückgang archäologischer Funde ab dieser Zeit deutet auf einen deutlichen Bevölkerungsrückgang hin, der über Jahrhunderte anhielt."
  • Fund in Köln aus der Römerzeit ist einzigartig für Nordeuropa ("Spiegel online", 11. Februar) Ein römischer Hausaltar (ein Lararium) "wurde im Bereich des alten römischen Statthalterpalastes, des Praetoriums, gefunden". Eine Seltenheit, zumal im Innern "noch Reste der Bemalung" sowie Löcher von Nägeln, an denen Girlanden gehangen haben könnten, erkennbar sind. "Die Ausgräber stießen zudem auf eine Treppe aus dem 1. Jahrhundert."
  • Zum Schluss keine Nachricht, sondern ein Online-Tool, auf das die Deutsche Welle aufmerksam macht: Hinter itiner-e verbirgt sich eine interaktive Straßenkarte des Römischen Reiches. "299.000 Kilometer Wege, die durch vier Millionen Quadratkilometer verlaufen, wurden digital rekonstruiert".

Sonntag, 22. Februar 2026

New recipe LEEKed

Vor ein paar Jahren habe ich auf der BBC-Webseite ein Rezept für eine grüne Lasagne gefunden, das ich nun endlich umgesetzt habe. Diese Lasagne kommt gänzlich ohne Tomaten(soße) aus, schmeckt trotzdem vorzüglich, ist (vermutlich) recht gesund und lässt sich einfach zubereiten, wobei man dennoch mindestens 90 Minuten Zeit einplanen sollte.

Der Praktikabilität halber führe ich diesmal zunächst alle Zutaten auf, denn einige müssen später aufgeteilt werden:

- Olivenöl
- 50 g Butter
- 1 Lorbeerblatt
- Rosmarin (im Streuer oder am Zweig)
- 3 Stangen Porree, davon 1 in feine Ringe geschnitten, die 2 anderen in dickeren Ringen
- 40 g Mehl
- 500 ml Milch
- Muskat, gerieben
- Salz und Pfeffer
- 100 g geriebenen Cheddar, gemischt mit
- 30 g geriebenem Parmesan (Zusammensetzung der Käsemischung ist variabel)
- 2 Knoblauchzehen
- 1 Chilischote (oder, je nach Schärfevorliebe, weniger bzw. ganz weglassen; ich habe 2 getrocknete rote Schoten verwendet)
- 400 bis 450 g grünes Gemüse (ich habe gehackten Spinat genommen; Grünkohl oder Mangold funktionieren auch; Mix ist möglich und sicher interessant)
- 100 ml trockenen Weißwein
- 100 g Walnusskerne
- ca. 280 g Artischockenherzen oder Champignonköpfe aus dem Glas (Abtropfgewicht)
- 100 g Ricotta
- Lasagneplatten

In einer großen Pfanne 1 EL Olivenöl und die Butter erhitzen. Ein Lorbeerblatt, ca. 1 TL Rosmarin (falls frischen zur Hand: die Blätter eines Zweiges) sowie den fein geschnittenen Porree hinzugeben. Ein paar Minuten garen, bis der Porree weich ist. Das Mehl hinzugeben, 1 weitere Minute kochen. Hitze reduzieren, langsam die Milch hineingießen, quirlen bis zur Klumpenlosigkeit. Bei wieder erhöhter Temperatur weiter rühren, nach 5 Minuten etwas Salz und Pfeffer sowie geriebenen Muskat (nicht zu sparsam) in die Mischung streuen, zum Schluss drei Viertel der Käsemischung unterheben, bis sich eine sämige Béchamel ergibt. Zur Seite stellen.
In einer zweiten Pfanne 2 EL Olivenöl erhitzen. Darin den Knoblauch (zerdrückt) und die Chilischote (in dünnen Scheiben) rösten, ohne dass es anbrennt. Den restlichen (gröber geschnittenen) Porree dazugeben, mit Salz und Pfeffer würzen, braten, bis die Scheiben weich sind, dann das grüne Gemüse unterheben, ggf. erneut salzen und pfeffern. Nach etwa vier Minuten mit Weißwein löschen; unter sanftem Rühren weiterkochen, bis die Flüssigkeit verdampft ist.
Backofen auf 200° (Ober-/Unterhitze) oder 180° (Umluft) vorheizen. Eine Auflaufform fetten, die Hälfte des grünen Gemüses auf deren Boden verteilen, die Hälfte der (grob zerbrochenen) Walnüsse darübergeben. Darauf kommt ein Drittel der Artischocken/Pilze. Darauf wiederum die Hälfte des Ricottas bröseln, alles mit einem Drittel der Béchamel bestreichen (Lorbeerblatt vorher entfernen). Drei Lasagneplatten auflegen. Weiter wie soeben schichten: das restliche grüne Gemüse, die restlichen Walnüsse, ein zweites Drittel der Artischocken/Pilze, den restlichen Ricotta und ein zweites Drittel der Béchamel. Drei Lasagneplatten. Den Rest der Béchamel auf diese streichen, die restlichen Artischocken/Pilze darauf verteilen, darüber schließlich den übrigen Käse streuen. Darauf achten, dass die Lasagneplatten vollständig bedeckt sind.
30 bis 40 Minuten backen. Ergibt 4 Portionen. Guten Appetit!

Freitag, 20. Februar 2026

Filmtitel XXXII

Relay → The Negotiator
Marie-Line et son juge → Wie das Leben manchmal so spielt
La città proibita → Kung Fu in Rome
Nede → Below – Fast auf Augenhöhe (Serie)
Menudas piezas → Checkmates - Ziemlich schräge Figuren (DVD-Titel)
Le royaume → Kingdom – Die Zeit, die zählt
Dracula – A Love Tale → Dracula – Die Auferstehung
The Home → Forbidden Floor – The Home
Chien 51 → Zone 3
The Jokers → Minirock und Kronjuwelen
Mi amiga Eva → Ein Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlos
C'était mieux demain → Die progressiven Nostalgiker
Adam: His Song Continues → Adam – Sein Schicksal weist den Weg
My Name Is Kate → Meine Welt zerbricht
Tagget → Codewort: Dragonfire
Howard Beach: Making a Case for Murder → Nacht des Terrors – Mord in New York City
Hotel Colonial → Killer Connection
The Hunting Party → Leise weht der Wind des Todes

Donnerstag, 19. Februar 2026

Die Gamification des Alltags

Gestern ging ich zu meinem Stamm-Lidl und registrierte kurz vor Betreten der Filiale etwas aus dem Augenwinkel: Am Vorbau des Marktgebäudes lehnte eine Leiter. Stand die da schon immer? Ich konnte mich nicht erinnern, war ich doch schon länger nicht mehr dort einkaufen gewesen, wie ich gestehen muss (zu meiner Schande, denn Lidl lohnt sich [unbezahlte Werbung]). Jedenfalls war diese Leiter weder umzäunt noch sonstwie abgesichert; jedermann hätte daran einfach hochklettern können, so auch ich. 'Was, wenn ich es einfach tue?', dachte ich. 'Bestimmt beginnt damit eine total spannende Sidequest!' Oder auf dem Dach hätte ein Schatz oder sonstiger Loot gelegen. Ich betrat dann aber einfach den Laden, denn ich hatte keine Zeit für Abenteuer. Als ich wieder rauskam, saß neben der Leiter sogar ein NPC, der vermutlich spannende Dinge zu erzählen hatte, womöglich sogar zusätzliche Nebenaufgaben getriggert hätte. Toll, was "die" sich alles einfallen lassen: kostenlose Bonusinhalte an gewöhnlichen Stellen. So hält man das environment lebendig!

Dienstag, 17. Februar 2026

Menschheit gerettet?

Nur selten geht es in diesem Blog um Aktuelles, und das ist auch gut so. Ausnahmsweise möchte ich aber festhalten, welche Debatte seit ein paar Tagen die deutsche Gesellschaft mit am heftigsten bewegt. Es geht um die Frage: Brauchen wir eine Altersbeschränkung bei der Nutzung sozialer Medien? Australien hat vor kurzem ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren eingeführt; könnte/sollte das ein globales Vorbild sein? Aufklärungskampagnen, Bildschirmzeitbegrenzungen, Verhaltensregeln und die Überwachung durch Eltern und Lehrkräfte haben ja offensichtlich nicht gefruchtet: Der Nachwuchs ist – überspitzt formuliert – verroht, verblödet, verhaltensauffällig sowie permanent Gefahren für Leib, Leben und Seele ausgesetzt.

Wie so oft hinkt die praktische Umsetzung dem theoretischen Ansinnen hinterher: "Noch sei es jedoch zu früh, um zu sagen, ob die Plattformen die Vorschriften vollständig einhalten, betonte die Leiterin der australischen Behörde für Sicherheit im Internet, Julie Inman Grant. Denn den Unternehmen ist es selbst überlassen, wie sie das Alter der Nutzerinnen und Nutzer überprüfen, etwa über die Auswertung von Nutzerdaten, über hochgeladene Fotos oder eine verpflichtende Vorlage eines Ausweises." (tagesschau.de) Und: "In der Realität haben viele Teenager aber Wege gefunden, an der Sperre vorbeizukommen." (tagesspiegel.de) Doch immerhin ist ein erster Schritt getan. Die EU erwägt seit einer Weile Vergleichbares, und auch in Deutschland erheben sich diesbezüglich immer mehr Stimmen aus der Politik. Ein Positionspapier der SPD etwa fordert ein vollständiges Social-Media-Tabu für Kinder bis 14 Jahren und darüber hinaus: "Für Jugendliche bis 16 Jahre soll eine verpflichtende Jugendversion der Plattformen gelten. Diese Jugendversion soll bestimmte Anforderungen erfüllen. Algorithmisch gesteuert[e] Feeds und Empfehlungssysteme solle es für diese Altersgruppe nicht geben und auch keine personalisierte Inhalteausspielung. Zudem sollen suchtverstärkende Funktionen wie Endlos-Scrollen, automatisches Abspielen von Inhalten, Push-Benachrichtigungen, Gamifizierung oder Belohnungssysteme auf Grundlage intensiver oder dauerhafter Nutzung unterbunden werden." Da käme ein ordentlicher Brocken Arbeit auf Meta & Co. zu.

Nun, warten wir's ab. Mag sein, dass wir in fünf Jahren diesen Beitrag lesen und mit Leichenbittermiene ausrufen: "Oh Mann, wir waren damals tatsächlich kurz davor, eine Social-Media-Schranke für Kids einzuführen ... Alles hätte sich zum Guten wenden können!" Oder aber eine solche Maßnahme wird längst umgesetzt worden sein, und wir sagen: "Ach guck, so fing das also an im Jahre 2026!" Meine Meinung? Soziale Medien komplett abschaffen!

Sonntag, 15. Februar 2026

Diese Schölermanns

Ich habe mir neulich die naheliegende Frage gestellt, was wohl die erste Fernsehserie Deutschlands war. Die Antwort darauf ist im Handumdrehen ergoogelt: "Familie Schölermann", mit dem Unter- bzw. Übertitel "Unsere Nachbarn heute abend", wurde vom NWDR produziert und lief in 111 Folgen zur besten Sendezeit von 1954 bis 1960. Auf der Webseite des NDR findet sich eine lesenswerte Zusammenfassung. "Die Serie wird live produziert, weswegen heute nur noch wenige Aufnahmen existieren", heißt es dort. "Da auch die Namen der Schauspieler zunächst nicht genannt werden, halten viele Zuschauer die Schölermanns für real."

Heute ist die Besetzung natürlich namentlich bekannt, und zu meiner Überraschung sind einige der Darsteller noch am Leben, so etwa die in Leeds (England) geborene Margaret Cargill, deren Rolle der Tochter Eva in den "Schölermanns" tatsächlich ihre letzte war. Auch ihr Serienbruder Harald Martens, *1944, ist danach, zumindest laut imdb, nie wieder in Film oder Fernsehen in Erscheinung getreten. Für Giulia Follina, die eingedenk ihres Geburtsjahrs 1952 in der Serie nur als Baby und/oder Kleinkind vorgekommen sein muss, war dies hingegen der Startschuss einer bis 2005 anhaltenden Karriere: "Tatort", "Frühling auf Immenhof", "Großstadtrevier" und "Stubbe - von Fall zu Fall" sind die bekanntesten Einträge in ihrer Filmographie, und wer weiß, vielleicht ist ihr irgendwann ein spätes Comeback vergönnt.

Diesen jungen Hüpfern gegenüber standen Lotte Brackebusch ("Tante Marie") und Willy Birgel (unbekannte Rolle 1957), die beide noch im 19. Jahrhundert geboren wurden! Birgel (1891-1973) gab sein Leinwanddebut 1934 in dem Propagandastreifen "Ein Mann will nach Deutschland", danach folgten bis 1971 Dutzende Verpflichtungen, darunter in "Heidi" sowie "Heidi und Peter", bei denen es sich um Schweizer Realverfilmungen von Johanna Spyris Alpenschnurrpfeifereien handelt. Lotte Brackebusch (1898-1978) stieg erst nach dem Krieg ins Filmgeschäft ein und kann bis 1978 immerhin 35 Credits vorweisen; "Der Blaue Nachtfalter" habe ich sogar gesehen!

Immerhin sieben Episoden von "Familie Schölermann" sind zum Zeitpunkt dieser Niederschrift auf einer Youtube-Playlist archiviert. Ob ich sie mir ansehen werde? Vielleicht, wenn mir mal sehr langweilig ist.

Freitag, 13. Februar 2026

Der monatliche Windbeutelpranger

In unsere Redaktionsstube flattert allmonatlich das Magazin der Stiftung Warentest hinein. Leider schaue ich viel zu selten in das Blatt, wodurch ich regelmäßig für mich mal mehr (Olivenöle), mal weniger (Mini-Kettensägen) relevante Testberichte verpasse. Auch habe ich erst diese Woche die famose Rubrik "Über diese Verpackungen ärgern sich unsere Leserinnen" entdeckt. Darin werden Shrinkflation-Vertuschungen und sonstige Dreistigkeiten auf Produktverpackungen aufgezeigt. Aus der aktuellen Ausgabe:



Fruchtgummischnüre werden immer kürzer, endlich sagt's mal jemand! Ich finde das ganz unironisch herrlich! Eine reine Shaming-Plattform ist diese Ecke indes keineswegs, denn die (als solche empfundenen) Missstände werden mit Einordnungen und Nachforschungen durch die Redaktion versehen. So kann sich jeder eine Meinung bilden. Zum Beispiel ich: Im Falle der Kaffeesticks, finde ich, handelt Jacobs zumindest insoweit vorbildlich, als sie die – gewiss kritisierenswerte – Mengenreduktion transparent kennzeichnen.

Ich bin schon gespannt, welche Windbeuteleien es in die Märzausgabe schaffen. Notiz an mich selbst: Öfter Stiftung Warentest lesen!

Mittwoch, 11. Februar 2026

Physik-Lyrik

Merkreime zu den sieben SI-Einheiten und den dazugehörigen Basisgrößen

Kilogramm (Stoff 5. Klasse)
Ist die Einheit von der Masse.

Es gibt der Science-Veteran
Die Länge nur in Meter an.

Heilt die Zeit auch jede Wunde,
Gestoppt wird sie mit der Sekunde.

Nicht Fahrenheit, nein: Kelvin nur
Misst absolute Temp'ratur.

Gehst mit Candela du zu Werke,
Befasst du dich mit Licht-, äh: -stärke.

Es scheint obskur, doch misst man wohl
Seit je die Stoffmenge in Mol.

Bei der elektrischen Stromstär-
ke steht das A stets für Ampere.

Bevor ich mich auch noch den abgeleiteten Einheiten lyrisch widme, muss ich Laie erst mal verstehen, worum es sich bei Größen wie Energiedosis und Induktivität überhaupt handelt.

Montag, 9. Februar 2026

Esst mehr (französisches) Käsetoast!

Das ist jetzt womöglich das albernste Rezept, das ich je geteilt habe, aber ich stehe zu 100 Prozent dahinter! Elisabeth Raether hat es einst im Zeit-Magazin geteilt, und ich möchte es hier und nun, nahezu unverändert, weitergeben.

1 Stange Porree waschen, in dünne Ringe schneiden und diese gesalzen in 1 EL zerlassener Butter in einer Pfanne garen, dabei gelegentlich umrühren. Nach etwa 15 Minuten 1 TL Senf (scharfen, wenn zur Hand; ich habe Dijonsenf genommen), 1 EL Sahne und etwas schwarzen Pfeffer hinzugeben, vermengen und die Mischung auf 2 Rosinenstutenscheiben verteilen. Circa 100 g Brie in Scheiben darauflegen und die Sandwiches mit 2 weiteren, mit Butter bestrichenen, Rosinenbrotscheiben zuklappen. Die Sandwiches auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen und ca. 6 Minuten bei 180 Grad (Umluft) backen. Für mehr als 2 essende Personen die Zutaten entsprechend anpassen (Dreisatz!).

Freitag, 6. Februar 2026

Albernes zum Wochenschluss

Simple Witze, umständlich erzählt

In der Schule findet Mathematikunterricht statt. Die Mathematiklehrerin, Frau Reuters, stellt den anwesenden Jungs und Mädchen eine Rechenaufgabe. "Aufgepasst, Kinder", ruft sie ihren Zöglingen zu. "Ich möchte Folgendes von euch wissen: Was ergibt sieben mal sieben? Wer weiß es und kann es mir sagen?" Als sie die Frage gestellt hat, lässt sie ihren Blick durch das Klassenzimmer streifen, erntet jedoch nur Schweigen und schaut in ratlose Gesichter. Nach einigen Sekunden schließlich meldet sich Fritzchen, der dafür bekannt ist, selten etwas Gehaltvolles beizutragen, und meistens Flausen und Frechheiten im Kopf hat. Augenrollend sagt Frau Reuters, ohne eine ernsthafte Antwort zu erwarten: "Ja, Fritzchen? Du hast aufgezeigt. Möchtest du mir verraten, was sieben mal sieben ergibt?" Fritzchen erhebt sich und sagt, die gesamte Aufmerksamkeit seiner Mitschüler und Mitschülerinnen auf sich ziehend: "Na, das ist doch ganz klar, Frau Lehrerin, was sieben mal sieben ergibt: ganz feinen Sand!"

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Tünnes und Schäl verdienen sich im Sommer etwas als Erntehelfer dazu. Gerade sind sie damit beschäftigt, verschiedene Beeren zu ernten, indem sie diese behutsam von diversen Sträuchern pflücken. Dabei lassen sie es sich nehmen, hin und wieder von ihrer saftigen Ausbeute zu naschen. Nachdem sie bereits mehrere Körbe und Eimer mit dem saftigen Obst gefüllt haben, hält Tünnes inne, dreht seinen Kopf in Richtung seines Kollegen und Freundes und spricht: "Du, Schäl, isch han ma ne Fraache." Darauf erwidert Schäl, der seinen Partner verstanden hat: "Jo klor, wenn de nä Fraach hättst, mosse fraache." Tünnes fragt: "Saach ens, Schäl: Han Bromele [Brombeeren] Beine?" Schäl ist perplex: "Wie, wat, han Bromele Bein? Bisse jeck?" Darauf Tünnes: "Nää, saach, Schäl, han Bromele Beine?" Darauf Schäl: "Nää, Tünnes, Bromele han kein Bein!" Darauf Tünnes: "Dann han isch ein Padsdeer [Mistkäfer] gegessen!"

Mittwoch, 4. Februar 2026

Throwback Wednesday: Hugo

Neulich mussten in der Redaktion, in der ich arbeite, zwei Ü40-Männer, darunter ich, einer (Weit-)U40-Kollegin das Phänomen "Hugo" erklären. Wer in der Mitte der Neunziger Kind oder jugendlich war, kam an "Hugo" nicht vorbei. Auf Kabel 1 bzw. Kabelkanal, wie es damals noch hieß, lief jeden Nachmittag der Woche, zur besten After-school-Sendezeit, der dänische Import "Die Hugo Show", eine interaktive Spielshow, bei der die Anrufenden einen virtuellen Kobold namens Hugo durch verschiedene Areale steuerten, und zwar mit den Tasten ihres Telefons, eine bis heute nur mit Magie zu erklärende Technik: Bei Druck auf die 4 hüpfte, glitt oder strafete Hugo nach links, mit der 8 sprang er oder bewegte sich das Objekt, auf dem er stand, nach oben, und so weiter. Erreichte man das Ziel, winkten attraktive Preise. Ich konnte das nie selbst ausprobieren, denn durchzukommen war praktisch unmöglich. (Empörenderweise versuchten auch immer wieder Erwachsene ihr Glück!)

Zu den bekannteren Moderatorinnen der Sendung gehörten Sonja Zietlow und Minh-Kai Phan-Thi. Live gesehen habe ich allerdings das Duo Judith Hildebrandt und Guido Kellermann, und zwar exakt heute vor 30 Jahren. In der ersten Hälfte des Jahres 1996 gab es nämlich ein sonntägliches Live-Special mit dem Namen "Die Super-Hugo-Show", und die dritte der insgesamt 22 Stationen war Altenberg im Erzgebirge, wo gerade gleichzeitig die Rennrodel-WM stattfand. Mein Bruder und ich überredeten unsere Eltern, mit uns dorthin zu fahren. Meine Erinnerungen sind blass, und die eben genannten Details verdanke ich allein dem virtuellen Gedächtnis der Seite fernsehserien.de, ich weiß aber noch, dass zu Fuße eines schneebedeckten Hanges (womöglich hatten wir die Gelegenheit sogar genutzt und einen Schlitten mitgenommen) eine Bühne mit riesiger Leinwand aufgebaut war, vor der sich Tausende Kinder darum balgten, live on stage "Hugo" zocken zu dürfen.

Meine eigene diesbezügliche Erfahrung beschränkte sich darauf, dass ich vier der TV-Spiele auf dem PC "erleben" durfte, denn die konnte man auf CD-Rom kaufen. Knapp 100 Mark hat mich dieser Spaß gekostet, und als ich kurz darauf in der GameStar den Test zu "Hugo" las, in dem das Minigame-Quartett mit einer Wertung im niedrigen zweistelligen Bereich abgewatscht wurde, dachte ich: Ja, stimmt eigentlich. Das mutmaßliche Fernsehen der Zukunft, es war auf dem Rechner einfach nicht dasselbe.