Freitag, 6. November 2026

Das tödlichste Buch der Welt?

Ich habe, obwohl seit Geburt an konfessionslos, auf dem Gymnaisum auf eigenen Wunsch hin evangelischen Religionsunterricht genossen, damit einer winzigen Minderheit angehörend (Osten halt). Man nimmt dabei ja durchaus einiges mit, was bis heute als "Allgemeinbildung" firmiert, und der eine oder andere Denkanstoß war meiner Menschwerdung und Aufgeklärtheit zuträglich. Unter anderem haben wir mehrere Gleichnisse durchgenommen. Eines jedoch nicht: eines, das ich erst kürzlich auf Wikipedia entdeckt habe, nämlich das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, das man korrekter "Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen" nennen sollte, handelt es doch von zwei Gruppen von Jungfrauen und nicht einer einzigen, die gleichzeitig klug und töricht ist.

Wer sich das knackige Textlein durchgelesen hat (Einheitsübersetzung), mag sich nun dies fragen: Könnte mich eine Bibelstelle dermaßen empören, dass ich gesundheitlichen Schaden nehme? Genau das passierte dem Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen Friedrich I. (1257-1323), unter dem herrlichen Beinamen "der Gebissene" bekannt, Sohn von Albrecht dem Entarteten und Vater von Friedrich dem Ernsthaften (alle drei sind auf dem Dresdner Fürstenzug zu sehen). Im Jahre 1321 hatte er "in einem Kloster zu Eisenach das geistliche Schauspiel von den klugen und törichten Jungfrauen gesehen und war in große Aufregung darüber geraten, dass den törichten Jungfrauen auch die Anrufung der Heiligen nicht half". Er erlitt einen Schlaganfall, der ihn lähmte und von dem er sich bis zu seinem Tod knapp zwei Jahre später nicht mehr erholte.

Mittwoch, 4. November 2026

Welch Syntax!

Vielleicht liegt es daran, dass ich in letzter Zeit bewusster darauf achte, vielleicht ist es aber auch Zufall bzw. der Baader-Meinhof-Effekt, jedenfalls ist kaum ein halber Monat vergangen, seit ich zuletzt über einen mich maßlos faszinierenden Sonderfall der Relativsatzeinleitung schrieb, schon finde ich einen weiteren Beleg: nämlich in Hervé Le Telliers Roman "Die Anomalie" (dt. von Jürgen und Romy Ritte).

ein Blonder mit langen Haaren, der Blake sehr ähnlich sieht, welch Letzterer immerhin Dutzende von Organigrammen durchforstet hatte

Und das im Jahr des HErrn 2021! Ausgedient hat diese antiquiert wirkende Konstruktion also noch lange nicht.

Montag, 2. November 2026

Serientagebuch 10/26

02.10. South Park 29.01
03.10. The Simpsons 38.01
Everybody Loves Raymond 4.13 (RW)
Station Eleven 1.07
04.10. South Park 29.02
05.10. The Simpsons 38.02
07.10. Person of Interest 4.08
08.10. Family Guy 25.01
Everybody Loves Raymond 4.14 (RW)
Tulsa King 1.01
11.10. Station Eleven 1.08
12.10. Tulsa King 1.02
Person of Interest 4.09
13.10. Everybody Loves Raymond 4.15 (RW)
14.10. 
Everybody Loves Raymond 4.16 (RW)
Station Eleven 1.09
15.10. South Park 29.03
16.10. 
Everybody Loves Raymond 4.17 (RW)
Station Eleven 1.10
17.10. Person of Interest 4.10
Tulsa King 1.03
18.10. 
Everybody Loves Raymond 4.18 (RW)
19.10. The Simpsons 38.03
Everybody Loves Raymond 4.19 (RW)
20.10. Tulsa King 1.04
Tulsa King 1.05
Person of Interest 4.11
22.10. Everybody Loves Raymond 4.20 (RW)
Everybody Loves Raymond 4.21 (RW)
23.10. Tulsa King 1.06
Tulsa King 1.07
24.10. Everybody Loves Raymond 4.22 (RW)
25.10. Tulsa King 1.08
28.10. Tulsa King 1.09
29.10. The Simpsons 38.04
Everybody Loves Raymond 4.23 (RW)
30.10. 
Everybody Loves Raymond 4.24 (RW)
South Park 29.04
Time 3.01

Die notwendiger- und befriedigenderweise nach einer einzigen Staffel beendete HBO-Serie Station Eleven ist eine Perle, die leider von der breiten Masse übersehen wurde. Oder von dieser bewusst gemieden wurde, was man ihr nicht verdenken kann: Die Umsetzung des gleichnamigen 2014er-Romans von Emily St. John Mandel erschien Ende 2021, als die diversen Covid-19-Traumata noch nicht verheilt waren bzw. gerade volle Kanne dabei waren, ausgelöst zu werden. In "Station Eleven" zwingt eine neuartige Grippe den blauen Planeten in die Knie, und der Ausbruch und die Eskalation der Pandemie, wie sie vor allem im Piloten dargestellt werden, gemahnen gar zu schmerzhaft an die Verbreitung des realen Coronavirus.
Die (post-)apokalyptische Stimmung in der Auftaktfolge sollte indes nicht dazu verleiten, in "Station Eleven" einen weiteren "Walking Dead"-Klon zu sehen. Auch wenn der Zehnteiler, bei dem Patrick Somerville ("The Leftovers", "Maniac") federführend war, zwar durchaus bisweilen an "The Last of Us" erinnert, ist er so viel mehr als das. Zu großen Teilen spielt das nichtlinear erzählte Drama im Wandertheatermilieu, was mich an das gleichsam unverbrauchte Schausteller-Setting in dem gleichsam vergessenen HBO-Kleinod "Carnivàle" (2003-2005) erinnerte.
Abgesehen von der teilweise ungeschickten deutschen Übersetzung (wofür die Serie an sich nichts kann) habe ich fast nur Positives an "Station Eleven" zu benennen: toller Cast, starker Soundtrack, grandiose Kameraarbeit, emotionale Wucht, Mystery-Kitzel und Spannung.

Tulsa King ist eine richtige "Dad Show". Das muss nichts Schlechtes sein! Die Gangsterstory um einen New Yorker Mafioso, der nach 25 Jahren aus dem Knast kommt und von seiner famiglia nach Oklahoma zwangsversetzt wird, funktioniert hervorragend – sofern man seine Ansprüche an Realismus und Nachvollziehbarkeit gehörig herunterschraubt. Warum ein 75-jähriger Old-School-Krimineller (immer noch eine sichere Bank: Sylvester Stallone) es mit Leichtigkeit und im Alleingang schafft, mit Hilfe seines Charmes, seiner Fäuste und einer strategisch geöffneten Brieftasche ein ansehnliches Drogenimperium aufzubauen, muss man halt hinnehmen. Dass niemand die Obrigkeit informiert; dass eine bestehende Rockergang das Nachsehen hat; dass sich unbescholtene Bürger aus Spaß an der Freud' auf eine Zweitkarriere als Verbrechensbeihelfer einlassen und bereitwillig in buchstäbliche Schlachten ziehen; dass in der Distribution von (inzwischen legalem) Marihuana eine Lücke besteht, die scheint's nur darauf gewartet hat, von "General" Dwight geschlossen zu werden: geschenkt. Das Midwestern-Cowboy-Flair stimmt, die Sprüche sind markig (obschon in der deutschen Synchro nicht selten albern), die überraschenden Gewaltspitzen werden gekonnt eingesetzt, und der Cliffhanger (!) am Ende hat mich neugierig genug gemacht, dass ich die Reihe, deren vierte Staffel soeben gestartet ist, irgendwann fortsetzen werde.

Pünktlich zum 30. Geburtstag von Everybody Loves Raymond (es gibt auch eine Dokumentation dazu, die ich demnächst zu schauen gedenke) habe ich mir einen partiellen Rewatch dieser in Deutschland nie angemessen gewürdigten Sitcom vorgenommen, beginnend mit Staffel 4, mit welcher nach meiner Erinnerung der qualitative Peak erreicht wird. Selbstverständlich sind einige der im letzten Jahrtausend geläufigen Tropen des heute mehr oder weniger toten Genres etwas angestaubt, und rein formale Eigenheiten (Live-Publikum, Staffeln mit über 20 Episoden) wirken wie Relikte aus der TV-Urzeit. Man muss dabei zur Kenntnis nehmen, dass "Everybody Loves Raymond" schon damals kein gewöhnlicher Familienklamauk war: Debra ist kein klassisches "Sitcom Wife"-Klischee, es herrscht nicht durchgängig Friede, Freude, Eierkuchen, es geht im Gegenteil nicht selten unangenehm konfrontativ und toxisch zu, hier und da wird es rührselig, ohne schmaltzy zu werden. Über allem aber steht die schauspielerische Leistung: Was Ray Romano, Patricia Heaton, Brad Garrett, Doris Roberts und Peter Boyle hier abliefern, ist Weltklasse. Timing, delivery, Mimik, Gestik = *chef's kiss*. Ich werde zu gegebener Zeit anhand einer einzelnen Folge zu zeigen versuchen, dass diese zu Recht mehrfach mit dem Emmy ausgezeichnete CBS-Show etwas ganz Besonderes war (dabei werde ich auch erklären, warum sie mir persönlich viel bedeutet).
Season 4 war jedenfalls wirklich so vergnüglich, wie sie sich mir eingeprägt hatte; nur wenige Plots waren meinem Gedächtnis entfleucht. Mit Season 5 geht's nächstes Jahr weiter!

Samstag, 31. Oktober 2026

10 Must-sees aus 100 Have-seens (6)

Weitere zehn Ausgaben von "Meine zehn zuletzt gesehenen Filme" sind erschienen, und abermals gilt es, aus 100 Titeln zehn auszuwählen, die ich für unbedingt empfehlenswert halte. Hier also meine Lieblinge der vergangenen zwei Jahre:

  • American Fiction
  • Westside Story
  • Saturday Night
  • Here
  • Weapons
  • JFK
  • The Holdovers
  • Zeit der Zärtlichkeit
  • Eine Frage der Ehre
  • Manche mögen's heiß
Ganz knapp nicht auf dieses zehnstufige Siegertreppchen geschafft hat es "The Life of Chuck", ohne Frage eine tolle Literaturumsetzung, aber hätte ich mich dafür entschieden, wäre "Manche mögen's heiß" rausgeflogen, und den fand ich alles in allem einen Tacken überraschender, origineller und "wiederschaubarer". Auch "Hair" war ein ernsthafter Anwärter, doch neben "Westside Story" das weniger nachhaltig in Erinnerung bleibende Musical. Die Liste soll ja, wenn sie auch meinen Geschmack widerspiegelt, möglichst objektiv und eine Handreichung für alle Filminteressierten sein.

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Notting Hill
Als "Notting Hill" im Kino lief (und später gefühlt einmal pro Woche im Fernsehen), war ich im besten Late-Teen/Early-Twen-Alter, um diesen "Weiberkram" leidenschaftlich zu hassen. Niemals würde ich mir so einen peinlichen Seich mit Schnulzenkönig Hugh Grant und seiner durchschaubaren "Oh silly me!"-Fresse freiwillig angucken! Heute, da ich gesetzt und tolerant und mild bin, gebe ich auch romantischen Komödien eine Chance. Was den 1999er-Kassenschlager von anderen Vertretern des Genres abhebt, ist: Er ist very British. Das heißt zuvörderst, dass er sich handfeste Derbheiten leistet, insbesondere in der Sprache, dabei trotzdem mit englischem Charme punktet. Hugh Grant, der mich in diversen Altersrollen ohnehin positiv überrascht hat, weist bereits hier eine Verschmitztheit und Selbstironie auf, die der Komik durch und durch zuträglich ist. Da hätte es den ein oder anderen comic relief gar nicht gebraucht, wobei man Rhys Ifans als verpeilten und waghalsig "gekleideten" Slacker-Mitbewohner gerne sieht, vor allem wenn man ihn nur oder vor allem als späteren "House of the Dragon"-Star kennt.
Fazit: Ich habe es nicht bereut, habe sogar mehrmals geschmunzelt und nebenbei eine Fantheorie entwickelt (auf die freilich schon andere gekommen sein dürften), nämlich dass der von Dylan Moran in seinem Filmdebüt gespielte Ladendieb "Rufus" in Wahrheit der Buchladenbesitzer Bernard aus "Black Books" ist, also ein Konkurrent von Hugh Grants Figur!

Der Pinguin meines Lebens (OT: The Penguin Lessons)
Auch diesen britischen Film, eine Literaturverfilmung von 2024, könnte man für etwas anderes halten, als er ist. Es handelt sich eben nicht um die familientaugliche Geschichte einer ungewöhnlichen Mensch-Tier-Freundschaft, sondern um ein teils ziemlich düsteres Drama vor dem Hintergrund des Militärputsches in Argentinien 1976. Zwar gibt es ein paar drollige Szenen mit dem titelgebenden Watschler, und Steve Coogan vermag allein durch seine Mimik zum Lachen reizen, aber insgesamt überwiegt das Ernste, Melancholische. Geht man mit der entsprechenden Stimmung in die rund 110 Minuten, darf man eine eindrückliche, erfüllende Kinoerfahrung machen.

Fountain of Youth
Mit "Indiana Jones bei Temu bestellt" könnte man den 2015 bei Apple TV+ erschienenen Zweistundenreißer umschreiben. Man merkt leider, dass Regisseur Guy Ritchie in diesem Genre nicht zu Hause ist, und dem teils haarsträubenden Drehbuch hätten zwei bis zwölf zurechnungsfähige Skriptdoktoren gut getan. Man verstehe mich nicht falsch: "Fountain of Youth" ist keine Billigware. Die 180 Millionen US-$ Budget wurden in einen Cast gesteckt, über den nun wirklich niemand etwas Böses sagen kann (John Krasinski, Stanley Tucci und Natalie Portman, deren Nominierung für eine Goldene Himbeere nicht fair ist!); die Spezialeffekte sind besserer Durchschnitt, und auch sonst weist dieses Abenteuer alle Zutaten auf, die man erwartet: eine Schnitzeljagd durch die halbe Welt mit markanten Schauplätzen, geheime Konstruktionen und Mechanismen in uralten Bauwerken, pseudohistorische Mysterien, schießwütige Bösewichte und den ein oder anderen lockeren Spruch. Wer sich an einem Sonntagnachmittag mal wieder wie mit zwölf vor den "Goonies" oder so fühlen möchte, ist hier bestens aufgehoben. Hirn aus, Popcorntüte auf!

The Lost Children
Eine Netflix-Dokumentation über den Absturz eines Kleinflugzeugs im kolumbianischen Dschungel, den unglaublicherweise vier Kinder überlebt haben. Wer die (hier sei das Wort ausnahmsweise gestattet) dramatische Rettungsaktion im Jahr 2023 nicht mitbekommen hat (ich selbst konnte mich nur dunkel daran erinnern), möge die Hintergrundinfos erst hinterher lesen. Wie für den Streamer charakteristisch, ist dieses Doku-Drama qualitativ hochwertig produziert und reißt das Publikum vom Anfang bis zum Ende mit.

If I Had Legs I'd Kick You
Diesen unangenehm weirden Film habe ich zugegebenermaßen allein wegen Conan O'Brien geguckt, der hierin seine erste dramatische Rolle spielt – gar nicht mal so übel. Das ganze Ensemble, von Rose Byrne bis ASAP Rocky, überzeugt, doch reicht das leider nicht aus, der unfokussierten, in quälend( lang)en Einstellungen erzählten Psycho-Tour-de-Force interessiert bis zum Finale zu folgen, dessen Surrealismus bei mir im Übrigen nicht verfängt (ganz anders als beispielsweise in der Serie "The Curse"). Aber schön, dass die internationale Kritik offenbar begeistert war.

Vier Hochzeiten und ein Todesfall
Nachdem ich, s.o., mit "Notting Hill" durchaus meinen Spaß hatte, traute ich mich, auch die fünf Jahre zuvor erschienene RomCom aus der Feder desselben Autors nachzuholen. (Bei der Nachbereitung fand ich heraus, dass der extrem umtriebige Richard Curtis nicht nur mit Rowan Atkinson an "The Black Adder" und "Mr Bean" gearbeitet hat, sondern auch eine meiner allerliebsten "Doctor Who"-Folgen, die todtraurige "Vincent and the Doctor", geschrieben hat.)
"Four Weddings and a Funeral" hat mir sogar noch besser gefallen! Ein Ensemble mit perfekter Chemie um einen abermals mehr als akzeptablen Hugh Grant, Fernweh evozierendes London-Flair, die so kurzweilige wie zweckmäßige Struktur (Hochzeit, Hochzeit, Hochzeit, Beerdigung, Hochzeit), die scharfen Dialoge (man weiß, woran man ist, wenn die ersten Zeilen in einem Film eine Kaskade von "Fuck!"s sind): Das alles rundet sich zu einem zweistündigen Vergnügen, dem ich aufrichtig das Prädikat "Kult" zugestehe. Auffallend ist auch die für die Entstehungszeit nicht selbstverständliche representation (Gehörlose, Queers). Und sogar der Titeltrack "Love Is All Around" von Wet Wet Wet, vor dem es, als ich in der 7. oder 8. Klasse war, kein Entkommen gab, ist ein kleines Bisschen in meinem Ansehen bzw. -hören gestiegen.

Mission: Impossible - The Final Reckoning
Lang genug hat's gedauert, nun habe auch ich die M:I-Reihe abgeschlossen, hochzufrieden und mit einer Träne im Knopfloch. Den allerersten "Mission: Impossible" habe ich im Kino gesehen, den letzten leider nicht. Seine Wirkung hat er jedoch auch auf dem TV-Bildschirm nicht verfehlt. Das ist genre-defining Action-Kintopp, nicht selten behämmert, aber durchgängig, man verzeihe mir die ordinäre Wortwahl: geil! Die Phrase "over the top" trifft nicht annähernd, was hier vonstatten geht. Machen wir uns nichts vor: Wer Realismus sucht, ist hier ohnehin fehl am Platze. Die meisten der schwindelerregenden Manöver gelingen lediglich dank unwahrscheinlicher Zufälle und hollywoodeskem Glück; nichtsdestotrotz halte ich die U-Boot-Sequenz für die beste Viertelstunde der gesamten Oktologie. Darüber hinaus beweist Regisseur und Co-Autor Christopher McQuarrie einmal mehr Gespür für die Tech-Themenwahl zur rechten Stunde (der Plot kreist wie in "Dead Reckoning" um eine weltumspannende und -erobernde KI, die diesmal sogar Krieg spielt) – und sogar für eine Prise Tragik (Spoiler: Ein beliebter langjähriger Weggefährte Ethan Hunts opfert sich fürs höhere Ziel). Bemängeln würde ich nur eins: Die Referenzen zu früheren M:I-Teilen, die freilich nötig sind, um die Abschieds- und Abschlussstimmung abzurunden, waren mir zu sehr "hinten durch die Brust ins Auge"; beispielsweise wird eine Nebennebennebenfigur aus dem Erstling in arg bemühter Façon zum wichtigen Mitstreiter erhoben. Dennoch: "Out with a bang" war hier das Motto, und ich heiße es gut. Danke für diese 30(!)-jährige cineastische Mission.

A Chorus Line
Das obligatorische Musical in diesem Zehnerpack führte mich wieder einmal nach New York, genauer: an den Broadway, genauer: in ein Theater, das wir während der zwei Stunden kaum verlassen. Ja, "A Chorus Line" von 1985 ist ein Kammerspiel, bei dem die intensiven, intimen Verhöre der (von mir nicht bekannten Darstellerinnen und Darstellern verkörperten) Vortanzenden durch einen verhaltensauffälligen Casting-Direktor (Michael Douglas) im Zentrum der "Handlung" stehen. Drumherum wird viel getanzt, was sich, gerade am Anfang, so sehr in die Länge zieht, dass ich versucht war, vorzeitig auszusteigen. Tanzfans mit Kennerblick werden angesichts der beeindruckenden Choreographien stärker auf ihre Kosten kommen als ich. Und die Hauptnummer, "One", ist natürlich ein Klassiker mit Mitsummfaktor (den ich Banause bis dahin nur aus dieser einen kranken "Treehouse of Horror"-Endszene kannte).

Das Kaninchen bin ich
... ist einer jener verbotenen DEFA-Filme, denen dieses Sozialdrama von 1965 das Synonym "Kaninchenfilme" gab. Eine sehr lehrreiche Geschichtsstunde über Justiz, Ethik und Haltung in der DDR, kritisch, präzise, menschlich. Interessant ist der eigenwillige Einsatz von Zooms, der das für moderne Sehgewohnheiten ansonsten etwas schwierige Werk stellenweise sogar "zackig" erscheinen lässt, das Innenleben der Protagonistin (stark: Angelika Waller) widerspiegelnd.

Entertainment
Was ich beim "Genuss" von "If I Had Legs ..." dachte, trifft auf diese Indy-Dramedy von 2015 umso mehr zu: Ich schätze die Absurdität, ich erkenne den leisen Humor, ich will das märchenhafte Ende mögen, und doch ist es mir zu weird, and not in a good way. Co-Autor Gregg Turkington, vornehmlich bekannt als Tim Heideckers Partner in "On Cinema", spielt einen Anti-Comedian à la Neil Hamburger, der von einem undankbaren Auftritt zum nächsten tingelt und dabei innere Dämonien ausficht. Die geschmacksbefreiten Stand-ups waren tatsächlich die einzigen Stellen, an denen ich lachen konnte. Keinem Menschen, der mir was bedeutet, würde ich "Entertainment" empfehlen, aber ich bin froh, dass es ihn gibt. Macht das Sinn? Nein? Egal, das tut "Entertainment" auch nicht.

Dienstag, 27. Oktober 2026

Meister der comischen Kunst

In ihrem Wochenend-Feuilleton hat sich die Süddeutsche Zeitung einen bemerkenswerten Vorspann zu einem mit "Man schießt deutsch" überschriebenen Artikel geleistet:

Seit Jahrzehnten übersetzt Klaus Jöken "Asterix" und "Lucky Luke" ins Deutsche. Das klingt einfacher, als man meint. Ein Besuch in Frankreich.

Von der Stilblüte abgesehen – es muss entweder "Das klingt einfacher, als es ist" oder "Das ist schwerer, als man meint" heißen –, finde ich die ganze Prämisse recht wacklig: Warum sollte man meinen, dass das Übersetzen von Comics einfach ist? Im Vergleich wozu? Ich stelle es mir reichlich vertrackt vor, allein schon weil man nur begrenzten Platz für den zu produzierenden Text zur Verfügung hat (Sprechblasen!); zudem macht den Großteil der Textmenge gesprochene Sprache aus, und die angemessen zu übertragen ist immer anspruchsvoll. Trotzdem enthält der Beitrag einige interessante Stellen.

Tage- und nächtelang kann er darüber sinnieren, wie sich zum Beispiel denier du colt übersetzen lässt. Einen solchen fordern bei Lucky Luke Räuber von einem Geistlichen. Im Original, so meint Jöken, funktioniere der Ausdruck als Anspielung auf den französischen "Kirchenzehnten" denier du culte. Doch ein deutsches Äquivalent dafür zu finden, das habe ihn mal wieder Stunden gekostet. Bis ihm endlich "Klingelbeute" in den Sinn kam. "Gut, nicht?"

"Oder das hier!", sagt Jöken. "Et la traversée reprend! Eigentlich ein lapidarer Text aus einem weiteren eckigen, gelben Asterix-Kästchen." Der Kontext: Gerade wurde wieder das Piratenschiff versenkt, schon wartet das nächste Abenteuer auf unsere gallischen Helden. [...] "Ich habe sehr lange über die Übersetzung nachgedacht", sagt er. "Endlich fiel es mir ein: MAN SEGELT WEITER." Man segelt weiter? "Ja! Das hat zugleich etwas Beiläufiges wie Elegantes und entspricht damit voll dem französischen Original."

Noch ein paar Beispiele: Im "Asterix"-Band "Die weiße Iris" hat Jöken aus dem französischen Lied "Glaive lève toi" "Claudius hat 'nen Schäferhund" gemacht, worüber sich nicht nur Fans der Berliner Band Die Ärzte freuen dürften. [...] Und auch bei Namen gibt er sich allergrößte Mühe: Daximpuls für einen römischen Zenturio, Boxoffix für einen gallischen Schauspieler und Microbiotix für einen Wirt. Das kriegt sonst niemand hin.

"Ganz selten muss dann auch noch mal der Zeichner ran", meint Jöken [...]. "Ein Fischschwanz in einer Sprechblase – im französischen Original spiele das auf die Redewendung queue de poisson an, jemandem den Weg abschneiden. Aber in Deutschland versteht das doch kein Mensch." Also habe ein Zeichner aus dem Fischschwanz für die deutsche Ausgabe extra einen Fußtritt machen müssen.

Der Artikel ist auch, hinter Bezahlschranke, online zu lesen.

Sonntag, 25. Oktober 2026

Not too good for me

Ihr werdet euch bestimmt schon gefragt haben, warum ausgerechnet ich als ausgemachter Sparfuchs und Foodie noch nie von meinen Erfahrungen mit der App "Too Good To Go" berichtet habe. Ganz einfach: weil ich bisher kaum welche gesammelt habe. Dabei ist das Konzept bestechend. Für alle, die von "Too Good To Go" ("zu gut zum Wegschmeißen") noch nicht gehört haben: Über diese App bieten Restaurants und andere Nahrungsverkaufsstellen Lebensmittel, die sie nicht losgeworden sind, stark reduziert an Selbstabholer an (wobei es bei manchen teilnehmenden Betrieben mittlerweile sogar eine Lieferoption gibt). Da packen also Imbisse, Bäcker, Tankstellen etc. ihre nicht verkauften Waren in Überraschungsboxen, die über die App reserviert werden; man zahlt digital und lässt sich das Fresspaket gegen Vorlage der Handy-Bestätigung aushändigen. Dass somit weniger Essen im Müll landet, ist ein großes Plus, Stichwort Wegwerfgesellschaft.

Aus Städten wie Berlin und München erreichen mich märchenhafte Erfahrungsberichte: Für 'nen Fünfer kriegt man vietnamesische Köstlichkeiten, von denen zwei Leute satt werden; edle Gasthäuser werfen einem fast noch frische Reste vom Frühstücksbuffet hinterher ... Im Großraum Frankfurt sind wir nicht derartig gesegnet. Zum einen ist das Angebot sehr überschaubar. In der für mich interessanten Gegend sind es vor allem Bäckerei- und Hotelketten, die gemischte Tüten vertreiben. Die Abholzeiten sind dabei, und das ist das zweite Manko, so ungünstig, dass die Angebote zumindest für mich nicht infrage kommen: entweder am späten Vormittag, mithin nach dem Frühstück, oder weit nach 20 Uhr; zudem sind die Zeitfenster oft arg eng. Einmal habe ich es ausprobiert und mir in einem Hotel nahe der Frankfurter Messe eine Frühstückstüte geholt. Die Menge war okay, die Bestandteile waren eher nothing to write home about:


Das war im Mai dieses Jahres. Der Fairness halber muss ich noch einmal betonen, dass die Preise wirklich unschlagbar sind. Für das oben zu Sehende habe ich 4,- Euro gelöhnt, so dass ich mich nicht mal darüber ärgern konnte, dass ich die Hälfte davon wegen Fleischhaltigkeit weiterverschenken musste. Gerade gucke ich in die App und sehe kaum einen Deal für mehr als 5,- Euro. Irgendwann wage ich einen zweiten Versuch. Es muss halt zeitlich und örtlich passen.

Freitag, 23. Oktober 2026

Wort des Tages

Michael Ziegelwagner hat mich heute via Chatnachricht auf folgendes Synonym für eine Toastscheibe aufmerksam gemacht: Bähschnitte. Wikipedia:

Im deutschsprachigen Raum ist die Bähschnitte (von bähen: leicht rösten) bereits im Mittelalter bekannt. Toaster gab es zwar bereits seit etwa 1910, „Brotröster“ genannt, sie wurden aber für das übliche Graubrot verwendet.
Ich lache seit mehreren Stunden über dieses Wort. Und werde ab sofort kein anderes mehr für "Toast" benutzen!

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Der Mohn macht die Musik

Dieses traumhafte Herbstgericht stammt abermals von Yotam Ottolenghi und ist in gut einer Stunde mit nicht zu viel Aufwand umzusetzen.

Einen Weißkohlkopf entstrunken, vierteln und 550 g davon in Streifen von Länge und Breite eines kleinen Fingers schneiden. Nicht erschrecken: Als Nächstes brauchen wir SEHR viel Butter, 120 Gramm laut Rezept, wobei mir 100 Gramm ausreichend erscheinen. Diese wird zusammen mit 250 g des Weißkohls und 1/4 TL Meersalz in einen kleinen Topf gegeben. Bei hoher Hitze und nach hinten raus unter gelegentlichem Umrühren wird das Gemüse rund 20 Minuten schön braun und weich geschmort. Den Topf von der Herdplatte nehmen, 4 TL Mohnsamen (gerne mehr!), 1,5 TL Zucker und 1 TL frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer hineingeben, vermischen und 2 EL davon in einem Schälchen für später aufbewahren.

In einem großen Topf 2,5 l Wasser mit 50 g Salz zum Kochen bringen, die übrigen 300 g Weißkohl nebst 300 g Tagliatelle hineinschmeißen, beides kochen, und zwar eine Minute weniger, als auf der Packung der Pasta angegeben. Kohlstreifen und Nudeln über einem weiteren Topf in ein Sieb gießen, im Topf 150 ml Kochwasser auffangen. Kohl und Nudeln wieder in den großen Topf und diesen wieder auf den Herd tun. Den gebratenen Butter-Kohl von vorhin hinzufügen, 100 ml des Nudelwassers drübergießen, die Mischung mit einem Kochlöffel oder einer Küchenzange vorsichtig vermengen; ggf. mehr Nudelwasser dazugeben. Bei Erreichen des gewünschten Verschlonzungsgrades die beiseitegestellten Kohlstreifen daraufgeben, 2 Teller befüllen, mit saurer Sahne toppen. GuApp!

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Das Volk "gegen" den König

Am Wochenende habe ich auf einer Gedenktafel an einer Burgruine den seltenen Gebrauch einer Präposition gesehen:


"Liebe und Ehrfurcht gegen den Vater" – heute würden wir "Liebe für" oder "Liebe zu" erwarten (und "Ehrfurcht vor"). Das Bedeutungswörterbuch (Duden Band 10) schreibt zwar auch noch: "gegen [...] 2. dient dazu, eine Beziehung zu jmdm., etwas zu bezeichnen; gegenüber: der Chef ist freundlich gegen seine Mitarbeiter", doch kommt uns die Verwendung im Zusammenhang mit Positivem seltsam vor. Negativ konnotierte Nomina erwartet man vor "gegen" eher: "Argwohn gegen das Rebellische" (Taz), "Abneigung gegen Finanzen?" (Süddeutsche Zeitung), "Die Feindschaft gegen Israel ist identitätsstiftend" (Jungle World).

Was der Bedeutung von "gegen" in der obigen Phrase zugrundeliegt, ist klar: Eine Tendenz, eine Richtung soll ausgedrückt werden, so wie es die (aus gegen verkürzte!) Präposition gen tut; dieser semantische Kern von gegen zeigt sich noch in der im Duden als 4. angeführten Bedeutung: "dient dazu, eine räumliche oder zeitliche Annäherung an ein Ziel oder einen Zeitpunkt zu bezeichnen: er wandte sich gegen das Haus (dem Haus zu)". So ist denn auch der Gegner letztlich jemand, der (in feindlicher Absicht) "entgegenkommt" (und eben nicht: jmd, der im übertragenen Sinne entgegenkommend ist): "Als Lehnübersetzung von lat. adversarius 'Gegner, Widersacher' tritt seit dem 14. Jh. in niederdeutschen Rechtstexten mnd. gēgenēre, jēgenēre auf, das eine Bildung zu dem Verb mnd. gēgenen, jēgenen 'entgegenkommen, begegnen' (vgl. gegen) ist. Es bezeichnete zunächst den Gegner im Rechtsstreit, dann den Gegner im allgemeinen und den auszutauschenden Kriegsgefangenen." (Duden Band 7: Das Herkunftswörterbuch) Weiterführende Lektüre, insb. zur Etymologie von gegen (in engl. again widerscheinend!), ist empfohlen.

Sonntag, 18. Oktober 2026

O(reo) du fröhliche

Schon seit ein paar Wochen kann man wieder in den Supermärkten Weihnachtsgebäck und sonstige -naschereien kaufen. Normalerweise greife ich um diese Zeit, Mitte Oktober, noch nicht zu, doch wenn Oreo eine "Limited Edition" rausbringt und diese obendrein bei Rewe im Preis gesenkt ist, muss ich eine Ausnahme machen.


Und das war eine weise Entscheidung! Um es kurz zu machen: Die Sorte Gingerbread ist die beste Oreo-Sorte, die mir je untergekommen ist. Nachdem ich der goldenen Version bereits großzügige 7 von 10 Punkten gegeben habe, ist es nur fair, hier eine 9/10 zu verleihen. Ich verspreche: Wer irgendwas für Spekulatius, Lebkuchen & Co. übrig hat, wird süchtig nach den Dingern! Um den Suchtfaktor ihres Weihnachtswunders wissen offenbar auch die Damen und Herren von Oreo. Auf der Rückseite der Verpackung findet sich ein mir bisher noch nicht untergekommenes Label:


"Snack Mindfully" ... Man soll gewissenhaft, achtsam snacken, i.e. maximal zwei Kekse in einer Session zu sich nehmen. Eigentümlich! Sollte Lebensmittelherstellern nicht daran gelegen sein, dass wir ihre Produkte so gierig und ungezügelt wie's geht konsumieren? Wie dem auch sei, ich hätte mir diese Beschränkung auch ohne Hinweis freiwillig auferlegt: Zwei Oreo-Doppelkekse zum Nachmittagskaffee sind absolut ausreichend. Außerdem ist "Selbstbeherrschung" mein zweiter Vorname.

Freitag, 16. Oktober 2026

Kürbis mal anders

Es ist angekürbt! Mindestens einmal im Herbst muss man ja ein Kürbisgericht zubereiten, so will es das Gesetz. Etwas anderes als die immergleiche Suppe darf es aber schon mal sein, und so war ich froh, dass ich auf der Buchmesse in der Neuerscheinung "Indian Flavours on a Nordic Plate" von Rinku Gupta das folgende einfache Rezept für ein 2-Personen-Curry entdeckte:

Einen Butternut-Kürbis schälen und in Würfel mit einer Gesamtmasse von ca. 450 g schneiden. In einer Pfanne 2 EL Pflanzenöl erhitzen und bei mittlerer Hitze 1 TL Kreuzkümmelsamen zum Knistern bringen. Sodann 1 TL Kurkumapulver, 1 TL gemahlenen Koriander, 1/2 TL Chilipulver (oder mehr, je nach Wagemut) und 1 TL Salz hinzugeben und kurz anbraten, bis sich die Aromen entfalten. Die Kürbiswürfel in die Pfanne stürzen, sorgfältig in den Gewürzen wälzen. Unter gelegentlichem Rühren etwa 15 Minuten kochen, bis das Fruchtfleisch weich, aber nicht zu weich ist. 1 TL Garam Masala und 1 EL Rohrzucker (wenn man rankommt, kann man, wie vom Rezept empfohlen, Jaggery verwenden) darüberstreuen, alles gut vermengen und weitere 2 Minuten kochen. Mit 2 EL gehacktem frischen Koriander bestreuen und mit Naan oder anderem Brot servieren.


PS: Ihr macht euch womöglich keinen Begriff davon, wie stark Kürbis färbt. Mein Kochlöffel (s. Foto) ist jetzt ganz gelb (wozu auch der Kurkuma seinen Teil beigetragen haben dürfte), ebenso wie Teile des benutzten Schneidebrettes. Hrmpf.

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Relativ ungewöhnlich

Vor kurzem leistete ich mir in einem Blogbeitrag eine kleine Abschweifung betreffs eines selten in Erscheinung tretenden Nebensatzmusters, die prompt einen Kommentar nach sich zog, nämlich von Kilian Evang, dem Betreiber des schon sehr lange aktiven Blogs "Texttheater". Kilian hat im Jahr 2010 eine Übersicht über "Einleitephrasen im Relativsatz" erstellt und dabei einen (bereits im Vorspann als "Knüller" angekündigten) Beispielsatz gefunden, der analog zu der von mir in oben verlinktem Post konstruierten Phrase ("die Wartburg, welchem 'deutschen Mythenort' der Aufmacher gewidmet ist") gebildet ist:

(33) Nach dem armen Versehrten und dem aufopfernden Kameraden kam nun eine heimatduselige Schilderung des Waldes und des zarten Emil M., Sohn des rechtschaffenen Pflegers im Krankenhaus, welch zartes Knäblein _ am nämlichen Tage im Wald zu lustwandeln sich nicht enthalten mochte.

Artig, gell? Ich habe mir vorgenommen, ab sofort sämtliche Belege für diese raren, aber in unserer Sprache offenkundig durchaus möglichen und nicht ungrammatischen Relativsatzeinleitungen abzuschreiben oder anderweitig festzuhalten, und just wenige Tage nach dem Eintreffen des Kommentars stieß ich in einer alten Monographie* – die ihrerseits einen eigenen Beitrag wert wäre – auf folgende Stelle (S. 99):

[...] daß er aus der Mundart der benachbarten ladinischen Gemeinden entlehnt und zwar aus dem Feminin. zu Salvang d. i. Sylvanus abgekürzt sei, mit welchem Worte man dort den wilden Mann zu bezeichnen pflegt. [Fettung von mir]

Einen germanistischen Aufsatz über das Phänomen konnte ich allerdings immer noch nicht auftreiben. Ich werde weiter die Augen offenhalten und Beispiele sammeln.

* Wilhelm Mannhardt: Wald- und Feldkulte. Erster Teil. Der Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme. Mythologische Untersuchungen. Berlin 1875

Montag, 12. Oktober 2026

Neues aus dem Titelschutzanzeiger

Im aktuellen Titelschutz-Magazin finden sich wieder einige Einträge, über die ich staunen und/oder grinsen musste. Beispielsweise hatte es offenbar bis jetzt noch niemand unternommen, sich die Rechte an der urdeutschen Phrase

Draußen nur Kännchen

zu sichern. Schön für Herrn B. aus D.! Ferner wurde Titelschutz für die generischen Wörter "Schnee und Sand" (jeweils mit "und" und "&" und das Ganze noch auf Englisch) und "Ekel" bzw. "Disgust" (nicht jedoch "Repulsion", s. Roman Polanski), mit und ohne folgendem Punkt, angemeldet. Auch den Allerweltstitel

Nicht schön genug

darf ab sofort nicht mehr Hinz oder Kunz benutzen, sondern nur noch Herr H. aus H. Einen besonderen Glückwunsch möchte ich Frau K. aus A. aussprechen, die Inhaberin der Rechte an

Arschengel.

Herr L. aus W. hingegen wird die Menschheit demnächst mit einer (Buch-? Film-? Hörspiel-?)Reihe namens

Otto das Ei

beglücken. Freuen dürfen wir uns aber auch auf "Der Schach-Kobold", "Der kleine Mumpitz" und "Gespräche mit meinem inneren Hamster", registriert von Herrn F. aus S. resp. Herrn. D. aus W. resp. Frau G. aus W.

Dass man sich einzelne (Klein-)Buchstaben schützen lassen darf, war mir neu, aber irgendwie hat es eine GmbH aus München geschafft, sich

h
h How to Be Human
How to Be Human
human FORWARD

zu sichern. Dank einer Anwaltskanzlei aus Hamburg wiederum darf wohl bald das

Horst Magazine

das Licht der Welt erblicken. Pflichtblatt für Horst-Fans!

Zu guter Letzt: Ich weiß nicht, welche epische Serie in welcher Form da auf uns zukommt, aber ich bin an Bord!

Samstag, 10. Oktober 2026

Serientaten

Die New York Times hat kürzlich eine vieldiskutierte und erwartbar kontroverse Liste veröffentlicht: "The 100 Best TV Shows of the 21st Century", die 100 besten seit dem 1.1.2000 ausgestrahlten TV-Serien, zusammengestellt von mehr als 500 Fachleuten ("influential stars, showrunners and other notable names in the world of TV"). Ich möchte das Ranking an sich gar nicht großartig kommentieren (das überlassen wir Reddit), erspare es mir, das Fehlen oder Überbewerten verschiedener Titel zu monieren (spontan sticht mir die sträfliche Vernachlässigung von "Boardwalk Empire", "Fargo", "The Expanse", "Line of Duty" und "Mr. Robot" ins Auge), aber es könnte spaßig sein, zu jedem einzelnen Eintrag meinen Senf, wenigstens einen kleinen Spritzer, dazuzugeben. Mal schauen, welche flaws mir dabei noch auffallen. Let's do this!

1. Breaking Bad Einverstanden mit der Platzierung, in meiner persönlichen Bestenliste auf Platz 3.
2. The Wire Leider nie gesehen. Wie lange nehme ich mir schon vor, das endlich nachzuholen?
3. Mad Men Auch nie gesehen, interessiert mich aber auch nicht. (An alle, die schon an dieser Stelle "Banause!" rufen: Solche Momente wird es im Folgenden garantiert noch mehrmals geben.)
4. Succession Auch nicht gesehen, und absolut null Bock darauf.
5. Fleabag Gesehen und für gut befunden, aaaber: Ich bin der "Freedom of Speech"-Typ, der sagt: "Es hätte sowohl heiterer als auch trauriger sein können!"
6. Game of Thrones Eine verdiente Position; bei mir auf #2, obwohl ich einsehe, dass die letzten zwei Staffeln eine Abwertung rechtfertigen würden.
7. Veep Noch nicht gesehen, ich freue mich aber drauf, diese Bildungslücke in den nächsten zwei Jahren zu schließen.
8. 30 Rock Jaa! Streng genommen müsste man zwischen Comedy und Drama unterscheiden und zwei verschiedene Listen anlegen. In einer Comedy-Top-5 wäre "30 Rock" jedenfalls gut aufgehoben. Ein Rewatch wäre angebracht.
9. Curb Your Enthusiasm Dito.
10. Atlanta Oh, Mann, davon haben mir auch schon mehrere kundige Freunde und Bekannte vorgeschwärmt. Müsste somit auch auf meine immer länger werdende Watchlist gesetzt werden ...
11. The Office (US) S. Anm. zu #8 und #10.
12. Arrested Development Die letzten beiden Seasons habe ich immer noch nicht gesehen, weil ich darüber nur Grausliches gehört habe, aber die ersten drei fand ich mindestens amüsant (auch wenn mir die verworrenen Plots oft zu hoch waren).
13. Girls Nicht geguckt, nicht geplant zu gucken.
14. Friday Night Lights Dito.
15. Six Feet Under Dito. Ich habe allerdings die letzten Minuten auf Youtube gesehen, weil diese einhellig als eines der gelungensten Enden der Seriengeschichte gepriesen werden, und dieses Urteil leuchtete mir ein.
16. The Office (UK) Historisch gesehen sicherlich bedeutungsvoll, aber für sich genommen weniger unterhaltsam als spätere Gervais-Vehikel imho.
17. The Americans Davon habe ich, glaube ich, die ersten drei Episoden gesehen, und es hat mich einfach nicht gepackt.
18. I May Destroy You Nicht gesehen. Ich habe nur ganz vage Vorstellungen davon, worum es darin geht, und diese schrecken mich eher ab.
19. Chernobyl Vermutlich eine der besten Mini- oder "Limited Event"-Serien aller Zeiten.
20. The Crown Not seen. Next!
21. The White Lotus Ignoriert aus denselben Gründen, aus denen ich mir "Succession" spare: Ich habe keine Lust, Arschlöchern beim Unsympathischsein zuzusehen.
22. Lost Wer mich kennt, weiß: "Lost" ist meine All-time-Nummer 1, mehr gibt's dazu nicht zu erklären.
23. The Comeback Nicht gesehen, mutmaßlich ziemlich lustig.
24. Deadwood Wahrscheinlich nicht schlecht, wird mir aber für immer verschlossen bleiben. In meinem Alter muss man Prioritäten setzen.
25. The Leftovers In meiner Drama-Bestenliste konkurrenzlos auf Platz 4. Eine un-glaub-li-che Erfahrung!
26. Black Mirror Keine Frage, ich liebe "Black Mirror", aber nach meinem Dafürhalten ist das keine Serie – weswegen es auch noch nie in meinem Serientagebuch aufgetaucht ist. Es sind Kurzfilme, die nichts miteinander zu tun haben (und deren Qualität schwankt), grob zusammengehalten lediglich vom Sujet "unsere düstere technische Zukunft".
27. Better Call Saul Das Prequel zu "Breaking Bad" steht der Ur-Serie in nichts nach (tatsächlich kenne ich Leute, die es für jener überlegen halten), so dass ich es leichten Herzens in meine Top-10 aufnehmen würde.
28. Band of Brothers Dürfte der älteste Drama-Vertreter in der NYT-Liste sein, und ich erinnere mich an den Hype, den die deutsche Free-TV-Ausstrahlung (Jahre später!) auslöste. Ich möchte behaupten, das zehnteilige Kriegsepos hätte seinerzeit überhaupt erst die goldene Ära des Prestige-Fernsehens eingeläutet, wäre nicht bereits Ende des vergangenen Jahrtausends ebenfalls auf HBO "The Sopranos" gestartet. Wie dem auch sei, ich habe "Band of Brothers" damals verpasst. Amazon Prime hat es soeben in sein Programm aufgenommen, womit nicht ausgeschlossen ist, dass ich die Spielberg-Produktion demnächst einem überfälligen Check unterziehe.
29. Key & Peele Also jetzt wird's albern! Eine Sketch-Show?! Nichts gegen Key und Peele – wann immer mir Ausschnitte der Sendung in die Youtube-Empfehlungen gespült werden, komme ich auf meine Kosten –, aber hier zeigt sich aufs Schmerzhafteste, dass das englische/US-amerikanische "TV show" schlicht ein zu weites Bedeutungsspektrum hat (und darum nicht mit dem für derartige Listen geeignetere deutsche Wort "Serie" deckungsgleich ist).
30. Severance Top!
31. Survivor Vgl. meinen Kommentar zu #29. Jetzt also auch noch Reality-Shows. Mag ja sein, dass "Survivor" nette Unterhaltung ist (ich hab's nie gesehen), aber so etwas neben "Severance" zu stellen, ist sinnlos und unangebracht.
32. Andor Gesehen und gemocht.
33. Enlightened Der erste Eintrag, bei dem mir nicht mal der Titel etwas sagte. Die Inhaltsangabe liest sich wie etwas, das mich wahlweise fesseln oder mir ungeheuer auf den Zeiger gehen könnte.
34. Schitt's Creek Soll ja ganz charmant sein, ich hatte aber noch keine Zeit dafür.
35. True Detective (Season 1) Huch, so weit hinten!? "True Detective" (und zwar, wie hier, mit dezidierter Beschränkung auf die erste Staffel – bei Anthologiereihen ist die Unterscheidung legitim) landet in meinem Privat-Ranking auf Platz 5. Muss ich unbedingt mal rewatchen!
36. The Pitt Noch nicht gesehen; der Hype ist mir verdächtig.
37. Battlestar Galactica Nicht gesehen und nicht geplant zu sehen.
38. Homeland Ja, exzellent, definitiv Top-10-Material!
39. Watchmen Eine vergessene Perle.
40. Adolescence Fuck, muss ich auch noch gucken!
41. Louie Eine Dramedy, die wehtat (und nach allem, was mit seinem Schöpfer war, heute noch mehr wehtut), die einen zum Weinen und zum Lachen gebracht hat, wie man es noch nicht kannte. Valide Positionierung!
42. Hacks Womöglich auch einen Blick wert? Es geht immerhin um die amerikanische Stand-up-Szene, das reizt mich ja immer.
43. Peaky Blinders Ich habe in grauer Vorzeit die Pilotfolge gesehen und war nicht überzeugt. Mein Pech.
44. Bojack Horseman Noch eine Dramedy, die "
einen zum Weinen und zum Lachen gebracht hat, wie man es noch nicht kannte", zumal in Zeichentrickform. Hier wechselten sich die unglaublichsten Wortspiele, die je ersonnen wurden, mit den heftigsten erzählerischen Schlägen in die Magengrube ab. Eine Serie wie für mich gemacht.
45. Happy Valley Gesehen und für brillant befunden!
46. Broad City Der zweite Eintrag, der mir absolut nichts sagte. Tja, man kann nicht alles kennen.
47. Twin Peaks: The Return Ach Gott, ich habe leider noch nicht mal die zweite Staffel der Originalserie geschaut, weil ich am Ende von Staffel 1 komplett den Faden verloren hatte. Asche auf mein Haupt! Ich werde das alles irgendwann nachholen müssen.
48. House of Cards Nicht gesehen und nicht vor zu sehen ... nach allem, was mit dem Hauptdarsteller war.
49. Normal People Nicht gesehen und nicht vor zu sehen. Ich glaube, das ist zu hart für mich. Außerdem war mit der Schöpferin der Buchvorlage ebenfalls etwas, das mir nicht behagt.
50. Parks & Recreation Ein Mockumentary-Klassiker, zugegeben. Aber doppelt so witzig wie "Community" (#97)? Pointensatter als "Unbreakable Kimmy Schmidt" (#--)? Hmmmm ...
51. The Good Place Erste Staffel gesehen, aber nicht weiterverfolgt. Einfach nicht mein Humor.
52. Downton Abbey Testweise den Pilotfilm gesehen (gemeinsam mit meinem Vater), damit man mitreden kann, aber naaa, das ist not my cup of tea (mit abgespreiztem kleinen Finger gehalten).
53. Stranger Things Nie gesehen, kein Interesse.
54. The Bureau Keine Ahnung, was das sein soll. Ich recherchiere: Aha, ein französischer Spionagethriller. (Auch internationale Produktionen in die Liste aufzunehmen halte ich im Übrigen für höchst problematisch, denn wie viele herausragende wird man dabei wohl übersehen haben? Case in point: Warum "Happy Valley", aber kein "Endeavour"?)
55. Insecure Auch diese Serie kenne ich nicht mal dem Namen nach. Scheint, als würden wir allmählich in die obskureren Gefilde der Fernsehunterhaltung vordringen. Wikipedia sagt: ein weiteres Pferd aus dem für hohes Niveau bürgenden Stall HBO. Der Stoff spricht mich indes nicht auf Anhieb an.
56. Nathan for You Ja, Nathan Fielder ist super. "Nathan for You"-Folgen kenne ich nur auszugs- bzw. youtube-best-of-kompilationsweise; hat mir stets gefallen.
57. I Think You Should Leave Sicher Geschmackssache, aber für mich die grandioseste Sketchreihe aller Zeiten. Mir blieb vor Lachen wiederholt die Luft weg. Jedoch abermals die berechtigte Frage, ob so was in eine gemeinsame Liste mit (bspw.) "True Detective" gehört.
58. Chappelle's Show Vgl. meine Anmerkungen zu #29 und #56.
59. PEN15 Kannte ich nur vom Namen her. Nach Lesen der Synopsis halte ich es für ausgeschlossen, dass ich mir das je zu Gemüte ziehen werde.
60. Peep Show Argh, mit dem Œuvre von Mitchell und Webb bin ich schändlicherweise gar nicht vertraut. Ist mir da ein Stück Britcom-Allgemeinbildung entgangen? Da fällt mir ein: In dieser Top-100 fehlt ja eine Figur völlig, die hier auf keinen Fall fehlen sollte: Alan Partridge. Shame!
61. RuPaul's Drag Race Ich habe RuPaul mal in einem Podcast gehört und dachte nach wenigen Minuten: Wow, was für ein durch und durch sympathischer Mensch! "Drag Race" ist dennoch nichts für mich, weil ich, um mal einen alten Tweet von mir zu zitieren, mit Mummenschanz und übertriebener Lebensbejahung nichts anfangen kann.
62. Slow Horses Noch (!) nicht gesehen.
63. The Thick of It Das DVD-Boxset besitze ich sogar noch; sollte ich bei Gelegenheit revisiten, denn etliche politische Anspielungen und sprachliche Feinheiten werden mir damals entgangen sein.
64. Anthony Bourdain: Parts Unknown Aha, auch Dokumentationen werden in dieser Liste, bei der offenbar gilt "Anything goes", berücksichtigt. Zumindest verbinde ich den Namen Anthony Bourdain mit diesem Genre. "Parts Unknown" kenne ich nicht.
65. Mare of Easttown Passt.
66. The Rehearsal Habe ich tatsächlich (fasziniert bis ungläubig) gesehen, aber aus hoffentlich inzwischen nachvollziehbaren Gründen nicht in mein Serientagebuch aufgenommen.
67. The Handmaid's Tale Nicht gesehen. Bestimmt toll gemacht, aber ich fürchte, der Stoff könnte mich zu sehr runterziehen.
68. Ozark Erste Staffel gesehen, aber nicht fortgesetzt: Ich mochte weder die Handlung noch die Charaktere.
69. Anthony Bourdain: No Reservations Siehe #64.
70. The Shield Wird oft in einem Atemzug mit "The Wire" genannt. Sollte ich mich irgendwann auch hieran wagen?
71. Beef (Season 1) Nicht gesehen, will ich aber.
72. Squid Game Staffel 3 noch nicht gesehen, nachdem die 1. Staffel einen starken Abfall gegenüber der ersten darstellte.
73. Barry Nie über die erste Staffel hinausgekommen. Ich kann solche Antiheldenreisen nur in Maßen ertragen, und mit Bill Hader (!) als verabscheuenswürdigen Mörder kam ich einfach nicht klar.
74. The Bear Nicht gesehen, und habe ich auch nicht vor. Begründung: s. #21.
75. Ted Lasso Die Chancen, dass ich damit noch in diesem Jahrzehnt anfange, stehen nicht schlecht.
76. Somebody Somewhere Sagte mir bis eben nichts, klingt aber wie etwas, das mich für sich einnehmen könnte. Schon wieder HBO.
77. Modern Family Habe ich bis zur 2. Season verfolgt, dann war für mich die Luft raus. Maximal zum Schmunzeln.
78. It's Always Sunny in Philadelphia Nie gesehen. Ich weiiiiß: Auch das ist Pflichtprogramm für Comedy-Connaisseure! Aber wer hat Zeit für all das?!
79. The Good Wife Nicht gesehen, aber ich glaube, dass es was taugt.
80. How To with John Wilson Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, habe ich eine wahllos rausgepickte Einzelepisode im Corona-Lockdown geschaut, mehr oder weniger ratlos.
81. The Queen's Gamit Nicht gesehen, kein Interesse.
82. Better Things Musste ich googeln. Hm, da mir "Louie" gefallen hat, könnte auch das etwas für mich sein.
83. Justified Nicht gesehen, und mir wird soeben klar, dass ich "Deadwood" mit "Justified" verwechselt habe. Beziehungsweise umgekehrt. Egal, der Zug ist abgefahren.
84. Planet Earth Steht als BluRay-Box bei mir im Regal. Sooo schön!
85. The Great British Baking Show Ach, komm.
86. Shogun Nicht gekuckt, nicht vor zu kucken.
87. Reservation Dogs Der Titel sagte mir was, ich musste aber nachschlagen, was sich dahinter verbirgt. Sicherlich originell, aber eher kein Must-see für mich.
88. Dexter Auch dieser Vertreter aus der Anfangszeit des Golden Age of Television käme in meine Top-10.
89. Baby Reindeer Gesehen. Lässt sich nicht in einer Zeile zusammenfassen, darum lest doch meine Kritik in acht Zeilen nach, Smiley!
90. Eastbound & Down Nicht gesehen und will ich nicht sehen, obwohl Gary Sanchez Productions dahintersteckt; ich habe eine unerklärliche Abneigung gegen Danny McBride.
91. Catastrophe Habe ich in jener Phase konsumiert, als ich kein Serientagebuch geführt habe. Zu gerne würde ich lesen, was mir seinerzeit dazu durch den Kopf gegangen ist. Vermutlich so was wie: Hart, aber gut, zum Feixen, aber auch zum Schlucken.
92. The Night Of Eine sensationelle Miniserie, die man zurzeit auf Amazon Prime genießen kann, falls man sie 2016 verpasst hat.
93. Station Eleven Schauen wir gerade! Rezension folgt.
94. The Diplomat Mir nur dem Namen nach bekannt. Lohnt sich das?
95. House Auf die Gefahr hin, das Wort "Pflichtprogramm" überzustrapazieren: Exakt das war es in den Nullerjahren für alle Serienjunkies. Ich habe Dr. House mit Vergnügen durch acht Staffeln begleitet.
96. Halt and Catch Fire Noch (!) nicht gesehen.
97. Community Am Anfang unerreicht komisch, zuletzt ein rechter Krampf, insgesamt auf jeden Fall ein unvergesslicher ride.
98. The OA Noch (!) nicht gesehen.
99. Gilmore Girls Nicht gesehen, und das wird in diesem Leben wohl auch nichts mehr.
100. Scandal Nicht gesehen, und jetzt ist es wohl zu spät, Politstoffe altern ja eher schlecht (was mich nicht davon abhalten wird, irgendwann, s.o., "Veep" nachzuholen).

Puh, das hat deutlich länger gedauert als angenommen. Für ein Fazit habe ich nun keine Zeit mehr. Nur noch zwei Punkte möchte ich loben: 1. dass gemäß dieser Liste das 21. Jahrhundert am 1. Januar 2000 (und nicht etwa 2001) begann und 2. dass sich keine einzige deutsche Produktion darin findet, hihi.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen

  • Vermittler für Seeleute: Heuerbaas
  • orientalische Gedichtform: Ghasel
  • Kreuzstab des Papstes: Ferula
  • math. Verbindungslinie: Polare
  • Schleppnetz: Zeest
  • Seebeute: Prise
  • Wärmeplatte (frz.): Rechaud
  • Art Billardspiel: Chasse
  • früherer kroat. Würdenträger: Ban*
  • Berliner Eckensteher: Nante
  • früheres chinesisches Gewicht: Tael
  • Schleichkatze, Ginsterkatze: Genette
  • Kammgarnstoff: Marengo
  • langsamer Volkstanz: Ländler
  • Altarraum orthodoxer Kirchen: Bema**
  • Fruchtbecher der Eiche: Walone
  • Führungsteil am Pflug: Sterz
  • Maßeinheit für d. Datenmenge: Gigabit***
  • Boot mit drei Rümpfen: Trimaran
  • altröm. Rechtsauffassung: Fas
  • flüchtiger Stoff bei der Stahlgewinnung: Gichtgas
  • dichtes Baum-/Halbwollgewebe: Zanella
  • durchgemustertes Linoleum: Inlaid
  • Totenklage im alten Rom: Naenie
  • früherer Damenunterrock: Jupon
  • junge Kuh, Färse: Kalbe
* nicht zu verwechseln mit dem thailändischen Getreidemaß 
** Was wohl der Unterschied zu einem Abaton ist?
*** Die meinen wohl "Gigabyte".

Dienstag, 6. Oktober 2026

Bohniger Krachmacher

"Rückruf-Aktion: Illy Kaffee warnt vor explosivem Deckel", titelte die Münchner Abendzeitung im März 2018 und teilte mit: "Bei den 250g-Dosen Kaffee 'Ganze Bohnen' könnte sich 'infolge eines Fehlers im Herstellungsprozess, beim Öffnen der Dose der Metalldeckel ruckartig lösen'. Betroffen sind die Produkte, deren Ablaufdatum zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 liegt. Erkennbar sind sie daran, dass sie kein Entlüftungsventil am Dosenboden haben. Durch das Fehlen des Entlüftungsventils kann sich die Dose verformen und dann für den explosiven Druck beim Öffnen der Kaffeedose sorgen."

Das war vor über achteinhalb Jahren. Doch die Gefahr war nicht gebannt, ist es womöglich noch immer nicht! Denn auch ich erlebte neulich beim Anbrechen einer Dose Illy-Kaffee eine ähnliche böse Überraschung. Es machte "Peng!", ich machte "Ah!" und fand mich über und über mit Kaffeepulver bestäubt inmitten einer kaffeepulverbestäubten Küche. Ganz richtig: Pulver. Im Gegensatz zu den betroffenen Dosen im Jahr 2018 enthielt die meinige gemahlenen Kaffee, doch die Art des Ausschusses scheint dieselbe gewesen zu sein. (Ich konnte das Vorhandensein eines Entlüftungsventils nicht überprüfen, weil ich die geöffnete Dose entsorgte, bevor ich im Netz nach Meldungen vergleichbarer Fälle suchte.) Die zum Glück ansonsten folgenlose Genussmitteleruption hat mich jedenfalls heftiger wachgerüttelt, als das zuzubereitende Gebräu es je vermocht hätte.

PS. Die AZ scheint ja ein schönes "Qualitätsmedium" zu sein: Kommafehler werden übernommen, und für das Produkt, um das es geht, kennt das Blatt drei verschiedene Schreibweisen ("illycaffe", "illycaffè", "Illy Kaffee").

Sonntag, 4. Oktober 2026

In die Nacht entlassen

Der emsige Betreiber der beeindruckenden "Bei Nacht"-Postkarten-Webseite hat mich abermals kontaktiert, weil ihm auf dem Foto mit den Exemplaren meiner bescheidenen Kollektion, das ich vor langer, langer Zeit gepostet habe, einige Karten aufgefallen sind, die ihm offenbar noch fehlten. Ich habe ihm die gewünschten geschickt, war dies doch ein guter Anlass, diese ohnehin nicht weiter expandierende Sammlung endlich aufzulösen. Bevor ich mich von den circa zehn Postkarten trennte, habe ich noch ein letztes, diesmal höher aufgelöstes Foto gemacht:


Diese Erinnerung dürfte meinem Zukunfts-Ich von doppeltem nostalgischen Wert sein, denn ich wusste schon jetzt nicht mehr, dass ich jemals in Orten wie Triberg, Seesen, Neuharlingersiel oder Bad Peterstal-Griesbach gewesen bin (wie zuvor geschrieben: im Rahmen von Familienurlauben).

Es ist übrigens erstaunlich, wie viele verschiedene Versionen von "Bei Nacht"-Karten desselben Ortes bisweilen kursieren. Unterschiedliche Auflagen variieren in winzigen Details, etwa in der Spationierung des Schriftzuges oder in der Richtung dessen Farbverlaufs. Die Postkartenverlage scheinen da durchaus kreative und gestalterische Energie reinzustecken; oder sie möchten halt die Sammler motivieren (so schrieb mir Herr Frank, der Homepage-Kurator, beispielsweise bzgl. meiner Bodensee-Karte, deren gelber Text linksbündig war: "bei meiner ist der Text rechtbündig", oder zu Frankfurt: "bei meiner ist der Font ist dünner und die Punkte mehr gesperrt", oder: "Die Rückseite meiner Berlin-Karte hat grüne Linen und Text, im Web habe ich mal eine mit blau gesehen. Das Foto von einer Auflage mit schwarzen Linien und Text reicht mir. Danke. Ist gleicher Verlag und gleiche Nummer.").

Freitag, 2. Oktober 2026

Serientagebuch 09/26

01.09. Hijack 2.06
03.09. Everybody Loves Raymond 4.06 (RW)
Everybody Loves Raymond 4.07 (RW)
Station Eleven 1.03
Station Eleven 1.04
04.09. Hijack 2.07
The Simpsons 37.18
06.09. Everybody Loves Raymond 4.08 (RW)
08.09. Hijack 2.08
Station Eleven 1.05
10.09.
Everybody Loves Raymond 4.09 (RW)
Everybody Loves Raymond 4.10 (RW)
Person of Interest 4.01
11.09. Person of Interest 4.02
15.09. Everybody Loves Raymond 4.11 (RW)
Station Eleven 1.06
16.09. Everybody Loves Raymond 4.12 (RW)
17.09. Person of Interest 4.03
Person of Interest 4.04
22.09. Person of Interest 4.05
26.09. Person of Interest 4.06
28.09. Person of Interest 4.07

Ich hatte mich sehr auf die Fortsetzung des High-Octane-Flugzeugentführungs-Thrillers Hijack gefreut. Dass es einen Szenarienwechsel geben würde, war mir klar (zweimal hintereinanander ein Flugzeugsetting wäre fad geworden), und mit der Verlagerung der Handlung in eine U-Bahn war ich schwer einverstanden, zumal die zweite Staffel in Berlin spielte: Deutsche Schauplätze dargestellt aus amerikanischer Sicht sind immer interessant. Tatsächlich hat man sich auch die Mühe gemacht, viele Rollen mit einheimischen Schauspielerinnen und Schauspielern zu besetzen, und die Hauptstadt wird reizvoll reizlos (ekliges Winterwetter!) inszeniert. Positiv ist ferner hervorzuheben, dass es den ein oder anderen netten Twist gibt, dass Idris Elba gewohnt lässig aufspielt und dass die Bezüge zur Vorgänger-Season organisch und sinnvoll wirken. Der Rest: meh. Leider gibt es doch arg viele Störfaktoren, allen voran das erratische Verhalten etlicher Beteiligter, unrealistische Voraussetzungen und eine entbehrliche Nebenhandlung.

Weil sie erst nach meiner Besprechung der 37. Staffel erschienen sind, möchte ich (bevor die nunmehr 38. Staffel startet) in aller Kürze noch die drei Zusatz-Episoden der Simpsons loben: Jene Disney+-Specials zählten in meinen Augen tatsächlich zu den Highlights dieser wie immer durchwachsenen Season. Insbesondere die unverschämt makabre Mr.-Ripley-Story "Simpsley", den ersten Teil der "Black Mirror"-Persiflage "Yellow Mirror", aber auch den absolut kranken "Joker"-Part in "Extreme Makeover: Homer Edition" hielt ich für stärker, komischer und experimentierfreudiger als die letzten "Treehouses of Horror".

Dienstag, 29. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (12 & Schluss)

Tag 12 || Niebüll – Neukirchen (Nordfriesland) – Klanxbüll

Um das mir gestern durch die Lappen gegangene Hotelfrühstück wieder "reinzuholen", habe ich heute morgen am Buffet wie ein Berserker zugeschlagen, hehe. Wahrscheinlich habe ich, wie bei jeder Reise, trotzdem mindestens zwei Kilogramm abgenommen.

Der Endspurt war ziemlich unspektakulär, fast antiklimaktisch: Es ging reibungslos nach Niebüll, nach Neukirchen und schließlich nach Klanxbüll. Ausgestiegen, einmal um den Pudding gelatscht, zwei Videos gemacht, Heimreise angetreten. Auf dieser Heimreise befinde ich mich immer noch! 

Diese Zugfahrt (1x IC, 1x ICE) hält auch gleich wieder alles bereit, was wir an der Deutschen Bahn lieben: Lokwechsel, Umleitung, geschlossenes Bistro wegen Personalausfall, sinnloses Stehen mitten auf der Strecke. Mit 35 Minuten Verspätung werde ich wohl kurz nach halb zwölf in Frankfurt einrollen. Zum Vergleich: Von all den Bussen, die ich in den letzten zwölf Tagen benutzt habe, waren vielleicht vier verspätet, und keiner davon mehr als zehn Minuten. Auch musste ich nur ein einziges Mal stehen, nie war die Toilette kaputt (weil es im Linienbus keine gibt), und umweltschonend ist diese Fortbewegungsart obendrein [citation needed].

Die wichtigste Frage lautet natürlich: Wie geht es meinem Hintern? Ich kann versichern: In dem Bereich ist alles tippi-toppi. Ein bisschen kaputt bin ich jetzt dennoch. In meiner Reiselektüre, Michael Wildts "Zerborstene Zeit", bin ich bis zum Jahr 1938 gekommen.




Insgesamt habe ich in 66 Bussen gesessen. Zum Nachahmen ist mein Reiseplan nur bedingt geeignet, denn es fallen unvermeidbarerweise zwei Wochenenden mit eigenen Fahrplänen rein, und je nachdem wann man startet, ergeben sich andere Tagesrouten (zudem könnte man das Ganze auch schneller "wuppen", wenn man bereit ist, auch mal zwölf Stunden am Stück zu fahren; aber das hier sollte ja kein Rekordversuch werden).

Orte, in denen ich vorher noch nie war und die ich gerne wieder besuchen würde: Schwäbisch Gmünd, Meiningen, Hann. Münden, Uslar, Flensburg.

Now playing: Violet Cold - Pride

Montag, 28. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (11)

Tag 11 || Hamburg-Flughafen – Neumünster – Nortorf – Rendsburg – Kropp – Schleswig – Flensburg

Heute bewältigte ich die letzte Ganztagsetappe. Entsprechend motiviert startete ich in den Tag, freute mich sogar auf den Gewaltmarsch zum Pinneberger Bahnhof. Ärgern musste ich mich aber, als ich beim Auschecken erfuhr, dass ein Frühstück auf mich wartete. Davon stand nichts in der Buchung!!! Na ja, ich hätte eh kaum Zeit gehabt, es zu genießen.

Mit Neumünster, Rendsburg und Schleswig standen heute drei bekanntere Gemeinden als Umsteigepunkte auf dem Plan, ich lernte aber auch mystische Nester kennen wie Kropp (in dessen Nähe ein weiteres Wisentgehege ist, das zu besuchen mir jedoch abermals die Zeit fehlte) und das programmatisch benamste Busdorf. Letzteres trägt den Slogan "Herz des Wikingerlandes". Hier, in der Nähe der Ringwallsiedlung Haithabu, wurde im 19. Jahrhundert ein Runenstein gefunden, der seitdem das Wappen von Busdorf ziert, womit dies die einzige deutsche Gemeinde mit Runen in ihrem Wappen sein dürfte (gutes Quizwissen!). Außerdem lernte ich, dass Boklund und Böklund zwei verschiedene Ortschaften sind.

Von Kropp fuhr ich in einem Kleinbus mit, der diesmal tatsächlich bis auf einen Platz ausgefüllt war! Auf NDR 1 las der Moderator die Nachricht einer Hörerin vor: den bis aufs Wort geklauten Hauck&Bauer-Tweet "Ich möchte in einer Welt leben, in der die Pralinen auf der Oberseite der Schachtel beschrieben werden. Auf der Oberseite."

Im wie erwartet bezaubernden Flensburg habe ich nach einem Touri-Rundgang endlich einmal anständig – und dem maritimen Flair angemessen – gespeist. 

Morgen dann großes Finale. Läuft heute was Gescheites im dänischen Fernsehen?









(Das Gerät hinten rechts könnte Kybersetzung-Lesenden mit sehr gutem Gedächtnis bekannt vorkommen.)

Sonntag, 27. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (10)

Tag 10 || Zeven – Sittensen – Ramshausen (Vierden) [– Sauensiek] – Buxtehude – Hamburg-Finkenwerder – Hamburg-Altona – Schenefeld – Pinneberg

Heute habe ich zweimal Anruflinientaxis benutzt; einmal handelte es sich um eine klassische Taxi-Limousine, einmal um einen Krankentransporter, beide Male war ich der einzige Fahrgast. Man kann diskutieren, ob das noch "Busse" im Sinne meiner Challenge sind, aber sie wurden mir als Verkehrsmittel in der Öffi-App angeboten, hatten eigene Liniennummern und waren auf den Haltestellenplänen aufgeführt – them's the rules!

Dem Fahrer, der mich von Sittensen nach Ramshausen brachte (vorher stoppte ich in Zeven, "die Einkaufsstadt"), erzählte ich auf seine Frage nach meinem Ziel von meinem Projekt. Er fand es tatsächlich interessant – "Ein Schreibender an Bord, das hat man auch nicht alle Tage" –, kam dann aber bald auf die ganz großen Themen zu sprechen. "Fragen Sie sich manchmal, wohin wir global eigentlich hinsteuern?" – "Ja, die Weltlage kann einem schon Angst machen." (...) "Wann wurden Sie konfirmiert?" – "Gar nicht. Ich komme aus dem Osten, da haben fast alle Jugendweihe." – "Was ist das denn? Heißt das, Sie glauben gar nicht an Gott? ... Überlegen Sie sich das gut. Der Mensch muss, wenn er seine Umwelt beobachtet, erkennen, dass es einen Schöpfer gibt."

Da endete die Fahrt leider schon, doch der nächste Spaß ließ nicht auf sich warten: Der Bus nach Sauensiek entpuppte sich, was die Öffi-App verschwiegen hatte, EBENFALLS als Anruftaxi. Ich konnte spontan keins bestellen, hatte aber gott(!)lob exakt eineinhalb Stunden, um die sechs Kilometer auf Schusters Rappen zurückzulegen. Die prasselnde Sonne war mir dabei lieber als Dauerregen, wie er wohl momentan den Süden heimsucht.

Der Süden! Mittlerweile ein verwehtes Echo aus der Vergangenheit. In Buxtehude hörte ich die ersten Möwen, ab Jork häufte sich die Reetdachdichte. Ja, moin! Zu gerne hätte ich bei Hamburg mit der Fähre übergesetzt, denn ich liebe Fähren, aber das hätte nun wirklich nicht gegüldet. Also mit dem Bus unter der Elbe durch und in umständlichem Zickzack nach Pinneberg.

Warum ich nicht in Hamburg Station gemacht habe, möchtet ihr wissen? Die Sache ist die: Hamburg ist meine Lieblingsstadt in Deutschland, und wenn mir nur ein Abend und ein Morgen zur Verfügung gestanden hätten, wäre ich traurig gewesen: All die Sehenswürdigkeiten und die lieben Leute, die ich dort kenne, zum Greifen nahe und doch so fern. Nee, pragmatischer, unsentimentaler Transit soll es diesmal sein.

Der heutige Abschnitt war unterm Strich der forderndste. Einmal musste ich sogar stehen, und zum Hotel 40 Minuten ins Gewerbegebiet schlurfen. Morgen werde ich Flensburg erreichen, und ich will verdammt sein, wenn ich mir zum Feierabend nicht ein lokales Ploppflaschengebräu in die Rüstung kippe!


Meine gestrige Gastgeberin war Lebensmittelretterin, was ich prinzipiell begrüße, nur hatte ich ein Mirácoli-Nachahmerprodukt schon vor ein Tagen gehabt (wobei die zwei im Korb von jeweils anderen Discountern waren; ich hätte also einen Vergleichstest durchführen können). Eine Instant-Asia-Pfanne im Korb war bereits 2017 abgelaufen, und die Bundeswehr-Fertiggerichte im Kühlschrank, obschon nicht minderwertig, enthielten allesamt Fleisch.

Also holte ich mir von Aldi (Nord!) Rosmarinkartoffeln und TK-Buttergemüse. Für mehr hat meine Muße nicht gereicht.

Buxtehude

Hier werden Airbusse gebaut.

Samstag, 26. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (9)

Tag 9 || Mandelsloh (Neustadt am Rübenberge) – Stöckendrebber (Neustadt am Rübenberge) – Rethem (Aller) – Walsrode – Benefeld (Walsrode) – Rotenburg (Wümme)

Manchmal spaziere ich durch eines der vielen Villenviertel in diesem Land und denke mir: 'Wo im Leben bin ich eigentlich falsch abgebogen, dass ICH nicht in so einer Hütte wohne? Grrrr, ich könnt alles kurz und klein schlagen!!!' Aber dann meldet sich eine innere Stimme: 'Na na na, die Menschen, die hier wohnen, können bestimmt nicht einfach so unter der Woche sinnlos durch die Gegend scharwenzeln. Check dein Privileg, Bengel!'

Was ich damit sagen will: Ich schätze nett aussehende Häuser. Sogar die oft als spießig verschrienen Klinkerbauten hier im niedersächsischen Flachland taugen mir. Ich schreibe diese Zeilen in Mandelsloh (gehört zu Neustadt am Rübenberge – bekannt durch Max Goldt!) und bin erleichtert, Hannover verlassen zu haben. Nix gegen Hannover, aber ich verlerne allmählich, mit Großstädten klarzukommen. Zumal mein zugegeben günstiges Hotel nicht sehr einladend war: Lärm von draußen, Gestank im Bad, fehlender Rauchmelder, trauriger Blick auf die ehemalige Galeria Kaufhof. Dafür war es nahe der Marktkirche gelegen, auf welcher ein gigantisches Pentagramm prangt und vor der ein Offener Bücherschrank steht. Auch die Markthalle war nicht weit. Sie ist donnerstags bis 22 Uhr geöffnet; in einem koreanischen Bistro bestellte ich etwas, das ich seit über fünf Jahren nicht gegessen hatte: Bibimbap. Dazu Litschisaft, gut.

Frühstück heute wieder leicht würdelos, im Park Schokostreuselplunder von Edeka, kein Kaffee. Von Hannover nach Hamburg zu kommen, ist nicht ohne. Hannover als Knotenpunkt schien mir ein no-brainer zu sein, doch ich hätte mich besser weiter von Osten her vorarbeiten sollen. Der DB Navigator ist mittlerweile gar keine Hilfe mehr, denn die norddeutschen Netzpläne sind, wie's aussieht, nicht darin integriert. Wenigstens auf die Öffi-App ist Verlass. Nun also nach Stöckendrebber (mit süßem Bücherschrank im Wartehäusel). Rethem, Walsrode (bekannt durch den Vogelpark!), Benefeld und schließlich Rotenburg an der Wümme. Ich denke mir das nicht aus!

In Rotenburg (bekannt durch diese eine "SpOn"-Kolumne!) erwartet mich eine hoffentlich charmante Ferienwohnung. Vielleicht koche ich heute Abend.