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Freitag, 23. Januar 2026

Betr.: Co-Produktionen, Zug-Workout, News-Detox, Let's Play

Diese Woche ist die neue Cinema erschienen, und es wurden wieder einige Filme vorgestellt, an deren Produktion jeweils mehr als fünf Länder beteiligt waren, namentlich "Once Upon a Time in Gaza" (F/PS/D/P/Q/JOR), "Zwei Staatsanwälte" (F/D/NL/LV/RO/LT) und "Die Stimme von Hind Rajab" (TN/F/USA/UK/I/SA/CY). Den von "To a Land Unknown" aufgestellten Rekord (?) haben die drei Filme damit zwar nicht gebrochen, beachtlich sind diese Zahlen trotzdem. "CY" steht übrigens für Zypern.

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Regionalexpress Würzburg-Frankfurt. Eine etwa Mitte 60-jährige Frau mit Funktionskleidung und frecher Kurzhaarfrisur steigt zu und nimmt Platz. Nach einer Weile erhebt sie sich, läuft den Gang hinab, bleibt zwischen zwei Doppelsitzen stehen (auf einem dieser Sitze: ich), greift die Griffe an den Lehnen rechts und links von ihr und beginnt, gymnastische Übungen zu machen. Vor und zurück streckt sie sich, lässt sich halb fallen und macht Bewegungen wie an einem Barren, wobei die Füße auf dem Boden bleiben. Mich macht das leicht nervös, aber weil ich unkonfrontativ bin, begebe ich mich in den zen-buddhistischen Zustand des dhyāna und sage eben NICHT: "Oh jaaa, das ist sehr wichtig und gesund, was Sie hier tun, und überhaupt nicht absonderlich und irritierend! Sie haben schließlich gerade zehn Minuten am Stück gesessen, und so eine Zugfahrt ist ja wie ein Langstreckenflug, da drohen verkrampfte Muskeln und eingeschlafene Füße, wenn nicht gar Thrombose und Dekubitus."
Tja, wahrscheinlich hat diese Reisende tatsächlich alles richtig gemacht. Jetzt fühle ich mich schlecht, weil ich über sie, wenn auch nur insgeheim, gespottet habe.

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Was ich in meiner heutigen Titanic-Newsletter-Kolumne (die ihr bestimmt alle lest, *hüstel*) verkündet habe, ist wahr: Ich habe mir für 2026 vorgenommen, einen Bogen um "Welt online" zu machen, und seit dem 1.1. bin ich auch wirklich kein einziges Mal dort vorbeigesurft. Mir fällt diese selektive Medienabstinenz äußerst leicht, doch meinem Unterbewusstsein offenbar nicht. Heute habe ich nämlich im Traum welt.de aufgerufen, und in dem Moment, wo ich die ersten, gewohnt behämmerten Überschriften las, dachte ich: 'Waaah, mein schöner Vorsatz, bereits im Januar habe ich ihn gebrochen!'

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Das interessiert jetzt sicherlich kein Schwein, aber ich halte es fest, weil ich mich so darüber freue. Mein Lieblings-Youtuber raocow let's-playt zurzeit "Bramble" – auf meinen Wunsch hin! Kurz nachdem ich mich im Dezember erstmals am virtuellen Adventskalender mit einem Geschenk beteiligt hatte (ich bin "Earthquake Joe"), wurde mir dafür gedankt: von Gevatter Zufall. Denn im kurz darauf veröffentlichten "Patreon Wheel", bei dem u.a. Unterstützer ausgelost werden, die ein zu spielendes Game vorschlagen dürfen, blieb das Glücksrad auf meinem Namen stehen. Neben "Bramble" hatte ich als Alternativen noch "Lake" sowie das in meiner Amiga-Kindheit heiß geliebte "PP Hammer" angegeben (man darf drei Titel einreichen, von welchen raocow dann einen auswählt); die hätten gewiss auch witzige(re) Let's Plays ergeben.

Montag, 29. Dezember 2025

Traumprotokoll: Tierverwertung

Im Traum startete ein großer deutscher Lebensmittelkonzern eine umfangreiche Werbekampagne: In einem TV-Spot erklärte eine PR-Person, dass das Unternehmen an "eine große Menge Fleisch von exotischen Tieren" gekommen sei und dieses in den nächsten Monaten in ihren Produkten, hauptsächlich Convenience-Food, zu verarbeiten plane. "In jedem dritten Produkt von uns finden Sie statt den üblichen Fleischsorten eine ganz besondere", wurde versprochen. "Keine Sorge, es ist alles transparent, der jeweilige Inhalt ist auf der Verpackung eindeutig ausgewiesen." Es sei dies ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung und zudem eine einmalige Chance für Feinschmecker. Ein Testimonial am Ende des Clips sagte in die Kamera: "Ich als Fan von Bushmeat werde da auf jeden Fall zuschlagen!"
Auch ich fand das äußerst verlockend und erklärte ungefragt in den Raum hinein: "Das muss ich alles kaufen! Schließlich habe ich mir vorgenommen, einmal im Leben jedes Tier zu probieren." (Stimmt gar nicht.)
Also ging ich umgehend in einen Supermarkt und steuerte das Regal mit dem Sortiment des Konzerns an. Instant-Nudel- und Reisgerichte, Mikrowellenmahlzeiten und Tiefkühlessen standen nebeneinander, und tatsächlich: An jeder dritten Verpackung klebte ein unübersehbares Sonderetikett, auf dem stand, welches Tier verarbeitet worden war. Ich erinnere mich leider nur noch an drei: "Affe", "Gramme" (?) und "Aal", wobei ich hinsichtlich des Aals noch dachte, dass der ja nun nicht sooo exotisch sei. Auch fragte ich mich, wie sie es schafften, dass exakt jedes dritte Produkt Spezialware ist. Woher die toten Exoten eigentlich stammten, interessierte mich nicht.

Dienstag, 25. November 2025

Traumprotokoll: Das indische Rätselheft

Ich war mit einer Reisegruppe, die sich aus Personen aus meinem Arbeitsumfeld zusammensetzte, in Indien. Dort hatte ich mir ein Büchlein mit Kreuzworträtseln gekauft (in welcher Sprache, hat mir der Traum nicht mitgeteilt; vermutlich war es Englisch) und folgenden Plan geschmiedet: Ich würde sämtliche Rätsel handschriftlich in einen Notizblock kopieren und sie darin ausfüllen. Hätte ich das Rätselheft "durch", würde ich es so, wie es beim Kauf war – mithin wie neu –, in die Verkaufsstelle zurückbringen und mir das Geld zurückzahlen lassen. Das tat ich also. Ich ging in einen Kiosk, zeigte der Verkäuferin das jungfräuliche Rätselheft und verlangte Rüchnahme gegen Barauszahlung. Die Verkäuferin schien mich nicht verstanden zu haben, sie hielt nämlich ihren Scanner an das Produkt und forderte im Gegenteil von mir den ursprünglichen Verkaufspreis ein (der übrigens laut Display ca. 20,00 Einheiten betrug – welcher Währung, konnte ich abermals nicht ergründen; wären es Rupien, wäre er lächerlich niedrig und gewiss nicht ein so albern-ausgeklügeltes Manöver rechtfertigend; in Euro oder US-Dollar wiederum wäre er frech und von mir wohl kaum geopfert worden). "No, I want a refund!", hörte ich mich unwirsch fordern. Die Frau verstand schließlich, weigerte sich aber, das Rätselbüchlein anzunehmen: Erstens könne sie nicht überprüfen, ob ich es wirklich in ihrem Laden erstanden hatte, zweitens wollte sie wissen, warum? Ich stammelte, dass meine Freundin zufällig dasselbe gekauft habe und wir auf unserer Indienreise nicht zwei Exemplare benötigten. Die Verkäuferin machte ein Resting bitch face, worauf ich mich geschlagen gab und peinlich berührt den Kiosk verließ. Draußen fuhr unter begeistertem Johlen am Straßenrand Stehender ein Wasserwerferfahrzeug mit laufendem (!) Wasserwerfer entlang. 'Aha', dachte ich, 'die wollen bestimmt Jugendproteste ähnlich denen, die kürzlich in Madagaskar aufflammten, niederschlagen.' Dann erkannte ich: 'Aber die Einsatzkräfte darauf sind ja selbst noch Jugendliche!' Irritiert wachte ich auf.

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Traumprotokoll: Beauty-Gossip

Ich war mit meiner Freundin im Italienurlaub. In einem sehr hügeligen Ort wollten wir Kaffee trinken. Als wir uns in einem netten Café zwei extravagant aussehende Törtchen bestellt und an unseren Sitzplatz (im Freien) mitgenommen hatten, fiel uns auf, dass wir gar keinen Kaffee hatten! Da wir uns jedoch genierten, noch einmal reinzugehen, um Getränke zu ordern, stapfte ich eine steile Straße hinunter in Richtung Bahnhof, mich daran erinnernd, dass sich dort ein Getränkeautomat befand. Aus diesem gedachte ich Kaffee zu zapfen, allein ich kam nicht so weit, denn auf dem Weg dorthin passierte ich ein Kosmetikfachgeschäft, aus dessen Innerem ich Folgendes aufschnappte: Die Kardashians, so raunte eine Frau ihren Freundinnen zu, ließen sich in ihre Hautcremes und Pflegetinkturen angeblich die Asche verstorbener Haustiere rühren. Diese Zutat sei der Schönheit der Anwenderinnen besonders zuträglich. Genau, bestätigte eine aus dem Grüppchen, deshalb mischten immer mehr Kosmetikhersteller ihren Produkten Tierasche bei. Nun war ich neugierig. Ich betrat das Geschäft und scannte jedes Döschen, jede Tube nach dem Inhaltsstoff Asche ab. Gleichzeitig plante ich einen satirischen Artikel zu verfassen, in dem behauptet wird, dass Prominente neuerdings sogar auf die Asche menschlicher Toter zurückgriffen. Kichernd wachte ich auf.

Donnerstag, 11. April 2024

Traumprotokoll: Ärger im Kino

Eine neue Star-Wars-Episode kam in die Kinos. Den musste ich natürlich sehen, also ging ich mit ein paar Freunden in ein angemessen protziges Multiplex-Haus. Jene feinen Freunde waren allerdings ewig nicht aus dem Quark gekommen, so dass wir den Kinosaal betraten, als nicht nur die Trailerschau schon vorbei war, sondern auch der Film bereits begonnen hatte. Wir hatten den opening crawl verpasst! Einen Star-Wars-Film nicht vollständig, von der ersten bis zur letzten Sekunde, zu sehen, kommt für mich nicht infrage, weswegen ich ernsthaft in Erwägung zog, die Eintrittskarte verfallen zu lassen und zu einer späteren Vorstellung wiederzukommen, doch überredete man mich zu bleiben. Ich wusste gar nicht, was die Ausgangssituation des Films ist, wo, wann und warum das passierte, was sich auf der Leinwand abspielte. Mein Groll wurde schließlich dadurch gesteigert, dass vor der ersten Reihe eine Gruppe mittelalter Männer mehrere Grills aufgebaut hatte und lautstark plappernd und brutzelnd eine Barbecue-Party veranstaltete. Mein Traum-Ich wunderte sich zwar nicht über diese offenbar heutzutage zu Kinobesuchen dazugehörende (Un-)Sitte, erzürnt wurde es dennoch in ungesundem Maße. Nach ein paar Minuten reichte es mir: Ich erhob mich von meinem Platz, gestikulierte in Richtung Projektorkabuff und schrie "Aufhören, anhalten!" Bevor die Situation vollends eskalierte, wachte ich auf.

Freitag, 16. Februar 2024

Traumprotokolle, nachgereicht

22. November 2021
Ich habe heute vom Nudelkaufen geträumt. Und zwar wollte ich mir Nudeln, Fertigsoße und Reibekäse kaufen. Im Nudelregal des Supermarktes fielen mir zuerst die Tagliatelle (Tricolore!) auf: 99 Cent kosteten sie nur. Zum Glück sah ich rechtzeitig, dass eine Einheit aus lediglich 150 Gramm bestand. Die Maccheroni kosteten zwar auch 99 Cent, kamen allerdings nur in 525-Gramm-Packungen daher, was mir wiederum zu viel war. (Dass man nicht alle Nudeln aus einer Packung auf einmal kochen muss, kam mir nicht in den Sinn.) Meine Wahl fiel schließlich auf Farfalle: ein glattes halbes Kilo für 1,99 €. Was die Soße kostete, weiß ich nicht mehr; es handelte sich jedenfalls um einen Beutel (kein Glas) mit einer limitierten Tomatensauce mit Zitrusnote (!?). Erfolg hatte ich auch bei der Käsesuche: 80 Gramm echten Parmesans waren für abermals EUR 0,99 zu haben.

23. November 2021
Ich war mit einer größeren Gruppe – keine Ahnung, ob Verwandte, Bekannte oder Freunde – auf dem Weg zum Flughafen Incheon (Seoul). Wir legten die Strecke zu Fuß zurück, was theoretisch eine Dreiviertelstunde hätte dauern sollen, sich aber zum einen dadurch in die Länge zog, dass unser Gang schwerfällig war, als würden wir durch Wasser schreiten. Zum anderen machten wir einen Zwischenstopp an einem Ausflugsziel, einer riesigen Tempelanlage, die sich jeder Zuordnung zu einer bestimmten Kultur entzog; eine Art Zikkurat, aber ohne Dach und mit Säulen statt Wänden, also was komplett anderes. Zusätzliche Zeit verschlang, dass wir die Tempel-Leiterin (?) mit unzähligen Fragen löcherten, von denen die dümmsten waren: 1. "Bauen Sie den Tempel manchmal ab und an anderer Stelle wieder auf, wenn sich jemand beschwert, dass er im Weg steht?", 2. "Können Sie uns zeigen, wo der geheime Schatz liegt, den noch nie ein Mensch gefunden hat?"
Am Flughafen war dann erst eine gigantische Freitreppe zu erklimmen, bevor wir einchecken konnten. Die Lobby war aber erstaunlich clever und user-friendly aufgebaut: Wenige Meter hinter den Eingangstüren standen Dutzende Self-service-Automaten, die allermeisten unbesetzt. Sodann scannte ich, zum ersten Mal in einem Traum, einen QR-Code. (Nach dem Aufwachen fragte ich mich, was für ein Prinzip das wohl war: Hätte ich nicht einen Code auf meinem Handy – das Flugticket – vom Automaten scannen lassen müssen?) Überhaupt hat die Alltagstechnik in der Traumwelt überraschend verlässlich funktioniert. Meistens versucht man ja vergeblich irgendwelche lebenswichtigen Apps unter Zeitdruck zu starten, mit unerklärlichen, frustrierenden Effekten. Ich hatte die ganze Zeit unseren Weg zum Airport auf Google Maps anzeigen lassen, und die Wegfindung gelang tadellos! Nach dem Einlesen unserer QR-Codes wurde uns jedenfalls mitgeteilt, dass wir zwei Minuten zu spät angekommen seien. Aber das war uns egal, denn wir waren ja schon in Korea! Hä?

24. November 2021
Heute hatte ich keinen zusammenhängenden Traum, sondern ein Potpourri aus Einzelsequenzen; lose Szenen diverser Quatsch-Episoden.
Bei der vorletzten begleitete ich den Teilnehmer einer neuen TV-Show, deren Konzept wie folgt geht: Der Kandidat wird in betäubtem Zustand irgendwo auf der Welt hintransportiert, bekommt dort eine typische kulinarische Spezialität vorgesetzt und muss – sie nachkochen? Nein: einfach nur identifizieren. Da wird also jemand beispielsweise nach Tokio verschleppt, soll ein Sushi essen und sagt dann: "Das ist Sushi." Nächste Station. Um für mich die Spannung zu steigern, spielte ich quasi mit, legte mich während der Kandidatentransporte schlafen. Wir wurden in einem wunderschönen Städtchen inmitten schneebedeckter Berge geweckt, und ich wusste sofort: Aha, wir sind in den slowenischen Alpen. Das mit den Alpen erkannte ich an den, äh, Alpen, das Land machte ich anhand diverser Schild- und Ladenbeschriftungen aus. Ich habe ja schon mehrmals den Irrglauben, im Traum sei man nicht zu lesen in der Lage, ausräumen können; ICH kann sogar Slovenisch im Traum lesen. Dabei spreche ich diese Sprache überhaupt nicht. Das Traumslovenisch ähnelte aber frappant dem Italienischen, bloß mit diversen -j-Endungen und so, da hat mein Gehirn wohl einfach gut kombiniert. Was die gefragte Nationalspeise war, weiß ich nicht mehr.
Als nächstes saß ich mit vielen anderen Personen an einer reich gedeckten Frühstückstafel. Zwei von uns (darunter ich) hatten plötzlich die Idee, uns bei "Jeopardy!" zu bewerben. Um das zu tun, mussten wir je zehn Gegenstände vor die Kamera unserer Smartphones halten und dazu auf englisch sagen, worum es sich handelte. Also z.B. zeigte ich der Cam einen Löffel und deklamierte: "Spoon". Mir war während des turbulenten Vorgangs, bei dem beinahe alles, was auf dem Tisch stand, umgekippt oder umhergefegt wurde, klar, dass wir hierbei einer (feindlichen?) KI beim Machine-Learning halfen und damit der Entmündigung des Menschen Vorschub leisteten: Die von uns gemachten Fotos würden irgendwann bei einem dieser "Ich bin kein Bot"-Rätsel auftauchen und müssten nach Maßgabe unserer Definition, unter Androhung des Ausschlusses aus dem Internet, benannt werden. Nachdem ich – teils falsch zugeordnete – Wörter wie "pepper grinder" und "egg holder" (?) in die App geschrien hatte, summte der Buzzer. Time out! Dann ging der Buzzer erneut. Das war kein Buzzer! Ich wachte auf: Meine Türklingel hatte gebrummt, die Müllabfuhr begehrte Durchlass zum Hinterhof ... um 7 Uhr 39!!!!!

(zuerst veröffentlicht auf Facebook)

Dienstag, 13. Juni 2023

Traumprotokolle: Kofferraum, Raab

Seit vielen Monden hatte ich gar nichts geträumt, zumindest nichts, woran ich mich erinnerte, und dann traf mich gleich ein Doppelschlag!

1) Ich kam mit meinem Auto vom Supermarkt zurück und parkte rückwärts vor meinem Wohnhaus ein. Nachdem ich meine Einkäufe entladen und auf dem Fußweg abgestellt hatte, bemerkte ich, dass zwischenzeitlich zwei Passantinnen direkt neben mir zum Stehen gekommen waren und sich unterhielten. Vor lauter gedankenverlorener Angeregtheit merkten sie nicht, dass diverse ihrer Accessoires – Schal, Umhang, Tasche – in meinen Kofferraum hineinragten, i.e. -hingen. Schlösse ich die Kofferraumklappe, würde ich das Geraffel einklemmen und die Damen so an mein Vehikel quasi festbinden, was ich natürlich nicht wollte.
Durch Räuspern versuchte ich auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen, doch ich drang nicht zu den Plaudernden durch. Auch wiederholtes Umkreisen der zwei Frauen und wildes Gestikulieren vermochten nichts auszurichten. In meiner Verzweiflung klappte ich den Kofferraum zu, einfach um zu testen, ob die Kleidungs- und sonstigen Stücke tatsächlich eingeklemmt würden. Sie wurden. Ich hob die Klappe wieder und senkte sie erneut, diesmal heftiger. Dann noch einmal. Im Gegensatz zu den Fußgängerinnen, denen das Malträtieren ihres Behangs nicht im Geringsten auffiel, wurde ich zunehmend panisch. Bevor ich mich fragte, warum ich die blockierenden Störenfriedas nicht direkt ansprach (oder seit wann ich eigentlich ein Auto besitze), wurde ich wach.

2) Aus irgendeinem Grund war ich, plus Begleitung, auf einer fernsehbezogenen Preisverleihung zu Gast, Deutscher Comedypreis oder so was. Die Veranstaltung hatte noch nicht begonnen, und wir streiften durch das Gebäude. Da sahen wir unvermittelt den Entertainer und Musikproduzenten Stefan Raab, welcher sich bekanntlich vor einigen Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Zu unserem Schock lag der massiv aus dem Leim gegangene und gesundheitlich sichtlich angeschlagene Superstar auf einem rollbaren Ecksofa, auf dem er von zwei Angestellten (Pflegern?) umhergeschoben wurde, konkret: in einen Fahrstuhl hinein. Raab, Couch und die Bediensteten füllten den Lift natürlich vollständig aus, so dass wir oder andere Personen nicht mitfahren konnten. Bevor sich die Aufzugtür schloss, konnten wir noch mitbekommen, wie Stefan Raab sich von seiner "Bahre" erhob und, plötzlich vital wie eh und je, sinngemäß ausrief: "Der Trick mit dem Rollsofa war die beste Idee, die ich je hatte. So hält man Mitmenschen auf Abstand und muss nicht mit anderen Nervensägen im Aufzug stehen, hähä!"

Montag, 4. Januar 2021

Traumprotokoll: Kafka & Mangas

Ich träumte, mir wäre ein Tagebuch Franz Kafkas aus dessen Prager Studienzeit in die Hände gefallen – nicht das Original, sondern eine bislang unveröffentlichte Buch-Edition, aber immerhin. Darin berichtet Kafka mehrmals von seinen Erfahrungen als Pen-and-Paper-Rollenspieler. Was er beschreibt, ist nicht etwa ein Vorläufer von "Dungeons & Dragons" & Co., sondern ein Spiel moderner Prägung, bei dem 20-seitige Würfel für Standardaktionen benutzt werden (Kafka schreibt von "Angriffswürfen mit W20" und so). Ich bin baff: Muss die Geschichte umgeschrieben werden? War Gary Gygax ein Scharlatan?

Ohne Überleitung träumte ich sodann von einer Doppelseite in der FAZ, auf welcher die gesamte Redaktion Mangas empfiehlt. Zu dieser scheint überraschenderweise neuerdings auch Jan Böhmermann zu gehören, denn dessen Empfehlung von "My Hero Academia" ziert großzügig bebildert das obere Viertel der ersten Seite. Fachmann Dath hingegen wird mit einem Fünf-Zeilen-Kasten abgespeist; seinen Lesetipp vergesse ich sofort wieder. 'Wieso interessieren die sich denn auf einmal alle für Mangas?', denke ich verzweifelt. 'Muss ich jetzt auch damit anfangen? Ich habe doch keine Zeit!' Mir wird schwindelig und ich wache auf.

Montag, 23. November 2020

Traumprotokoll: Fenster

Kurzer, aber sehr intensiver Traum: Ich habe irgendwie Rudy Giuliani in meine Gewalt gebracht, fahre mit ihm in einem Aufzug in das oberste Stockwerk eines Gebäudes und drohe, ihn aus dem Fenster zu schmeißen, wenn er nicht sofort aufhört zu nerven. Das Besondere an Rudy ist, dass er lediglich aus einem Kopf besteht, den man in eine Art Goldfischglas getan hat, was ihn aber nicht daran hindert, gewohnt fahrig und ungezügelt vor sich hin zu stammeln. Er macht mich immer wütender, trotzdem lasse ich schließlich von ihm ab, weil ich einkaufen muss.
 

Freitag, 23. Oktober 2020

Traumprotokoll: Ärzte

Ich habe geträumt, ich wäre zu einer Record-Release-Party der Band Die Ärzte eingeladen worden, auf der ein neues Album sowie ein neues Buch vorgestellt werden sollten. Die Veranstaltung fand an einem Nachmittag in einer Lokalität statt, die mich an ein Karstadt-Restaurant erinnerte. Die Gäste – durchweg blonde, körperbetonte Sweatshirt-um-die-Schulter-Binder (Typ BWL-Student) und hanseatische Reederstöchter namens Victoria – wurden an altmodisch weiß eingedeckten Kaffeetafeln platziert und von freundlichen Damen bedient. Die Künstler ließen sich nicht blicken, stattdessen waren die zu erwerbenden Neuerscheinungen an allen Wänden auf Sideboards und Ständern drapiert. Ich griff mir ein Exemplar des Buches und las ein paar Absätze: Es ging ausschließlich darum, wie sich das glamouröse Leben eines Popstars anfühlt. Enttäuscht stellte ich das Buch zurück und fragte mich, ob alle Record-Release-Partys so ablaufen. Das einzige, was "ablief", war das Servieren von Kuchen. Ich bekam etwas, das einen Crumble darstellen sollte, der allerdings lediglich aus warmem Obst wie Kiwis (?) und harten Renekloden/Mispeln (?) bestand; die Streuseldecke war so gut wie nicht vorhanden. Eine anwesende Kollegin von mir, die dafür bekannt ist, sich jeden Nachmittag erlesenes Gebäck zum Tee zu gönnen, fand den Crumble überraschenderweise ganz okay. Wir unterhielten uns dann noch über Bundt cake und seine deutsche Entsprechung, die, wie wir uns erinnerten, nicht "Bundtkuchen" heiße, denn das sei etwas ganz anderes. (Das Äquivalent und vermutlich sogar Vorbild für den amerikanischen Kuchen ist tatsächlich Bundkuchen, eine andere Bezeichnung für den Gugelhupf, was ich im Traum nicht wissen konnte.) Ansonsten passierte nix mehr.
Bemerkenswertes Nebendetail: Obwohl derartige Events unter den aktuellen Umständen nicht möglich wären, spielte die Pandemie in meinem Traum keine Rolle. Immerhin: Eine Person trug eine (azurblaue Designer-)Maske.

Dienstag, 31. März 2020

Traumprotokoll: The Wire / Zirkus

Ich habe geträumt, dass ich zu einer Pressevorführung fahren musste*, bei der die lang erwartete Fortsetzung der Serie "The Wire" gezeigt werden sollte – in Anwesenheit ihres Schöpfers David Simon. Dazu muss man wissen, dass ich weder jemals "The Wire" gesehen noch eine Vorstellung davon habe, wie David Simon aussieht; im Traum war er klein, blond, strubbelbärtig und trug eine runde Nickelbrille. Der Clou des vorgeführten Auftakts der neuen Episoden war, dass er nahtlos in die erste Szene der Pilotfolge der Ursprungsserie überging. Bei der anschließenden Privataudienz (?) sagte ich dem Autor: "Ich kenne Ihre Serie nicht, aber wie Sie den Bogen zum Anfang gespannt haben, finden Ihre Fans bestimmt 'epic'." Das muss ziemlich sarkastisch rübergekommen sein, denn Simon schaute bedröppelt auf den Boden und zog sich in sein Büro zurück. Nun stand ich alleine in David Simons Vorzimmer und hätte mich nach aufschlussreichen Details umschauen können, doch da bemerkte ich, dass sich dieses Vorzimmer im Haus meiner Großeltern befand, also machte mich lieber auf die Suche nach Omas Keksdepot.

Als "Zugabe" träumte ich noch eine Art Sketch. Ein Mann-Frau-Paar besucht einen Zirkus, wo eine Elefantenschau stattfinden soll. Die beiden sitzen auf der gut gefüllten Zuschauertribüne, aber in der Manege passiert gar nichts. "Wo bleiben denn die Elefanten?", ruft der Mann nach einer Weile ungeduldig. Darauf fährt die Frau ihn an: "Siehst du ihn wirklich nicht? Der Elefant im Raum sind unsere Beziehungsprobleme!"

* Bemerkenswert: Vor ziemlich genau fünf Jahren hatte ich schon mal einen Presse-Event-Traum. Die kurze Phase in meinem Leben als "richtiger" Journalist hat doch ihre Spuren hinterlassen.

Sonntag, 23. Februar 2020

Traumprotokoll: Merz

Im Traum ist mir heute Friedrich Merz erschienen. Auf dem Weg zu irgendeiner Titanic-Aktion preschte ich eine stark überlaufene Treppe im Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens hinauf, als sich der Kanzlerschaftsaspirant plötzlich vor mir aufbaute und mich anhielt. Mit Notizblock und Diktiergerät bewaffnet, betrieb Merz offenbar Feldforschung zum Thema Mittelschicht und Einkommen. Seiner Bitte, mir ein paar Fragen zu beantworten, kam ich bereitwillig nach, denn ich war von der Erscheinung Merzens mächtig eingeschüchtert – der Mann war riesig, ich musste regelrecht zu ihm hochschauen! Er wollte dann unter anderem wissen, wofür ich das Geld, das ich nicht zum Lebensunterhalt benötige, am liebsten ausgebe.
Als die Umfrage beendet war, ging ich, noch leicht verdattert, zu meinem Gleis. Dort hielt gerade ein ICE. Die Anzeigentafel verkündete, dass dieser Zug vom FBI betrieben werde und man nicht einsteigen solle. Doch waren seine Türen verlockend geöffnet, und ich überlegte, ob ich nicht mitfahren sollte, einem ungewissen Abenteuer entgegen ...

Dienstag, 22. Oktober 2019

Traumprotokoll: Extreme Metal

Ich habe geträumt, es gäbe einen Metal-Künstler, der als "extremster Metal-Act der Moderne" galt – und ich hatte die Möglichkeit, ihn live zu erleben, da er in meine Stadt kam. "Künstler" ist dabei eigentlich schon falsch, denn das Ein-Personen-Projekt war offen gender-fluid: Mal trat er*sie martialisch maskulin und männlich grunzend auf, andere Male als Schulmädchen. Den Namen habe ich mir leider nur zur Hälfte gemerkt, irgendwas mit "Impala" (aber natürlich nicht "Tame Impala", ich möchte sagen "Darkened Impala" oder etwas in der Richtung).
Das Ganze trug sich in der Jetztzeit zu, ich war allerdings noch Student. Die Show fand denn auch in einer Spielstätte auf "meinem" Campus statt und war erwartungsgemäß gut besucht. Bereits als die ersten Klangteppiche aus den Boxen brummten, machte sich eine Mischung aus Vorfreude und Furcht breit; als die Musik gerade mal auf die halbe Lautstärke angeschwollen war, fingen einige Gäste zu weinen an. Der Stil erinnerte mich an Anaal Nathrakh, neben Industrial- waren auch Mathcore-Elemente auszumachen. Hin und wieder gab es melodische Mid-tempo-Abschnitte, und XYZ Impala machte sich einen Spaß daraus, diese so aufzubauen, dass man glaubte, sie würden ein besonders brutales Geknüppel einleiten, nur um dann sanft, gleich einer verlängerten Bridge, weiterzulaufen, so dass diejenigen, die schon zum Headbangen angesetzt hatten, plötzlich doof dastanden. Es war hohe Kunst, und nicht nur die Songs loteten die Grenzen des Erträglichen aus, sondern auch die Performances dazwischen. Einmal stach der*die Sänger*in sich einen Dolch durch beide Wangen wie bei einer ultra-taoistischen Straßenprozession in Südostasien. Ein anderes Mal katapultierte er*sie sich mit einem Wasserfontänen-Jetpack am Rücken mehrere Meter in die Luft.
Irgendwann ging die bizarre Kreatur wortlos von der Bühne und blieb minutenlang verschwunden. Ich wollte derweil auf die Facebook-Veranstaltungsseite des Konzerts schauen und stellte fest, dass ich von der Blabla-Impala-Fanpage ausgeschlossen worden war! Es war bekannt, dass man dieser nur beitreten durfte, wenn man sich als enormer devotee, als wahrer Superfan bewiesen hatte. In diesem Moment erreichte mich eine private Nachricht, in der stand: "Im Jahr 2011 hast du auf deinem Blog Tourdaten von verschiedenen Bands aus der Zeitschrift Metal Hammer veröffentlicht, und ich war nicht dabei!" Das war also die (unverschämte und zudem substanzlose) Begründung für meine Verbannung aus der Facebook-Gruppe. Ich bekam es mit der Angst zu tun und verließ die Location. Draußen hörte ich ein hexenartiges Kichern: Es war der Sänger in seiner Schulmädchen-Identität, der mich offenbar jagte! Alle paar Sekunden erblickte ich es, wie es übermenschlich schnell durch Seitengassen und Parallelstraßen flitzte. Ich stürmte ins Studentenwohnheim, schnappte mir aus meinem Zimmer panisch einen Stapel Schmutzwäsche (?) und floh in die Bibliothek, die für diese nächtliche Uhrzeit noch erstaunlich voll war. Durch immer enger werdende Gänge rannte ich, schob Personen beiseite, die Hände voller Textilien, Schulmädchen-Rufe dicht hinter mir. Bevor ich mich in einen Gemeinschaftsduschraum (?) retten konnte, wachte ich auf.

Freitag, 19. Juli 2019

Traumprotokoll: Bestandsanzeige

Im Traum hat die Amazon-Shopping-App ein praktisches Feature eingeführt: Für jedes Buch, das man auf seiner privaten Einkaufsliste hat, kann man sich die am nächsten gelegene Bibliothek anzeigen lassen, in der gerade ein entsprechendes Exemplar ausleihbar ist. Ich befinde mich unweit von einer Bücherei und möchte wissen, ob ein bestimmtes Buch dort vorrätig ist. Leider ist das mobile Netz so schlecht, dass die Karte, auf der normalerweise die Standorte von Interesse als blaue Punkte aufscheinen, nicht aufgebaut werden kann.

Hintergrund: Ich habe bei Amazon neben meinem (öffentlichen) Wunschzettel eine "Einkaufsliste" angelegt, auf der ich Bücher und sonstige Medien speichere, die ich mir nicht zu kaufen oder schenken zu lassen brauche, weil es sie – das habe ich jeweils vorher ermittelt – in einer städtischen Bibliothek gibt. Es ist also weniger eine Einkaufs- als eine "Was ich mir irgendwann mal ausleihen muss"-Liste. Da ich glücklicherweise Zugriff auf die Bibliotheksbestände von Frankfurt, Berlin und Dresden habe, komme ich tatsächlich oft in die Situation, dass ich mich frage: Hm, gab es dieses Buch jetzt hier oder nicht? Ich schätze jedoch, dass Amazon kaum Interesse daran hat, dass jemand etwas nicht über Amazon bestellt, und das mit einer Appfunktion unterstützt.

Nach dem Traum fällt mir ein, dass man die Posten auf seinen Amazon-Listen auch mit Kommentaren versehen kann – z.B. mit Vermerken, wo es was gibt.

(parallel im Techniktagebuch veröffentlicht)

Dienstag, 27. November 2018

Traumprotokoll: Brettspiele

Ich war auf einer WG-Party, und weil ich mich nicht am Partygeschehen beteiligen mochte, öffnete ich ein Fenster und guckte raus. Unten im Hof sah ich: Oliver Kalkofe neben einem riesigen Haufen Brettspiele, aus dem er eins nach dem anderen herausfischte, um es in einer neben ihm stehenden, geöffneten Mülltonne zu entsorgen. "Halt!", rief ich dem Fernsehmann zu. "Werfen Sie die nicht weg! Die kann man doch noch gebrauchen!" Darauf wurde Kalkofe so wütend, wie man ihn noch nie erlebt hat. "Ja ja", tobte er, "jahrelang wollte niemand damit spielen, aber wenn sie dann jemand aussortiert, regen sich alle auf. Es reicht!" Da machte ich das Fenster lieber wieder zu.

Montag, 24. September 2018

Traumprotokoll: Kondensmilch

Ich war von Oliver Maria Schmitt zu einem Abendessen am Mainufer eingeladen worden. Auf einem extra herangeschafften kleinen Klapptisch kredenzte der Titanic-Herausgeber einen deftigen Gemüseeintopf, als Dessert sollte es Pflaumenkompott geben. Bevor wir mit dem Dinieren anfingen, sagte ich, dass zu dem Kompott sehr gut gezuckerte Kondensmilch passen würde, und schlug vor, eine Tube der tschechischen Marke "Piknik" von zu Hause zu holen, es würde nur fünf Minuten dauern und sich auf jeden Fall lohnen. Ich rannte also los, doch hatte ich den Weg schändlichst unterschätzt. Es dauerte nicht fünf Minuten, sondern eine gute halbe Stunde, bis ich etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatte, und dann verirrte ich mich auch noch, passierte eine Kathedrale, die mir zuvor noch nie aufgefallen war, sowie ein altes Gerichtsgebäude, das gerade abgerissen wurde. Vor dem imposanten und mir völlig unbekannten Bau stand eine umgekippte Hinweistafel, auf der vermerkt war, welche Berühmtheiten der Jurisprudenz hier drin gewirkt hatten. Ich dachte noch 'Naja, der Eintopf ist inzwischen eh kalt, da kann ich auch schnell googeln, wer diese Personen sind', doch dazu kam es nicht mehr, denn in dem Moment wachte ich auf.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Traumprotokoll: Die Invasion

In der Redaktion, in der ich arbeite, fand sich eine Schulklasse ein. Es kommt tatsächlich manchmal vor, dass sich junge Leute ihre Vorstellungen von der schillernden Welt der Medien mit einem Besuch bei uns zertrümmern lassen, diese Gruppe war jedoch unangemeldet und außerdem beängstigend teilnehmerstark. Da ich seltsamerweise der einzige war, der an jenem Tag Dienst schob, konnte ich niemanden fragen, was es mit dieser jugendlichen Abordnung auf sich hatte. Jedenfalls ließen sich die Schülerinnen und Schüler schweigend und emotionslos an unseren Schreibtischen sowie am Konferenztisch nieder und begannen zu schreiben, teils an selbst mitgebrachten, teils an den büroeigenen Rechnern. Der Lehrer/Betreuer schritt zufrieden lächelnd durch die Räume, ohne auf meine Nachfragen, die ich mit wachsendem Unmut vortrug, zu reagieren. Ich wollte Chefredakteur Tim Wolff telefonisch um Rat fragen, doch seine Nummer war aus meiner Kontaktliste verschwunden und sein Name fehlte in sämtlichen Messengerdiensten – als hätte es ihn nie gegeben! Schließlich riss mir der Geduldsfaden: Ich schrie den Erwachsenen an, er solle sich entweder augenblicklich erklären oder mich mit seinem Vorgesetzten verbinden. Überraschend bereitwillig gab er mir sein Handy, wo sich am anderen Ende eine Art Oberschulrat oder Schulinspektor meldete. Diesem schilderte ich die Situation. "Und was wollen Sie jetzt von mir?", fragte er. Darauf ich, erstaunlich schlagfertig: "Dass Sie sofort Ihre Truppen abziehen! Was anderes als Militärsprache verstehen Sie ja nicht." Ohne Worte verschwand der lästige Trupp wenig später.

Festhaltenswert ist noch zweierlei: 1. dass ich mein Smartphone sehr realitätsnah bediente, inkl. erschwertem Scrollen wegen schwitziger Finger, 2. dass ich einmal mehr im Stande war, Buchstaben zu erkennen und Wörter zu erfassen.

Dienstag, 26. Dezember 2017

Traumprotokoll: Lampenfieber

Eine ganz neue Kategorie von Versagensalbträumen feierte heute ihren Einstand: "Kalte Füße vor der Theaterpremiere". Ich muss präzisieren: In diesem Traum war ich kein Schauspieler im eigentlichen Sinne, sondern ein Synchronsprecher. Aufgeführt wurde nämlich ein Theaterstück eines fremdländischen Ensembles, dessen fremdsprachige Zeilen von der Gruppe, der ich angehörte, live übertönt wurden. Das Publikum sah also die Gastspieler agieren und deren Lippen bewegen, hörte aber die hinter den Kulissen eingesprochenen Stimmen der Synchronriege. (Gab/Gibt es etwas derartiges schon?)
Meine Bredouille: Ich war lediglich zur allerersten Probe erschienen, hatte nach einem Blick ins Dialogbuch erkannt, dass meine Rolle nur sehr wenig Text hatte, und war danach aus Blasiertheit nie zu einem der folgenden Treffen gekommen. Erstaunlicherweise war ich nicht ersetzt worden und hatte nun den Salat; insgesamt war mein Part nämlich doch umfangreicher als gedacht, und gerade die Stellen im hinteren Teil hatte ich noch nicht einmal gelesen. (Abermals konnte ich im Traum lesen. Unter anderem fiel mir ein Rechtschreibfehler in meinem Text auf: "Beicht" statt "Bericht".) Die Regisseurin, welche mich an eine Musiklehrerin aus meiner alten Schule erinnerte, beschwor mich zischend, ja keinen Fehler zu machen. Ich markierte meine Zeilen mit einem gelben Marker, sah aber nach einer Weile, dass dieser nichts markierte, sondern alles überfärbte und also unkenntlich machte. Da beschloss ich, dass der Traum zu Ende sei.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Traumprotokoll: Über Land und See

Ich war in Helsinki und musste einen Zug erwischen, der mich bis 18 Uhr nach Deutschland bringen sollte, wo ich mit meiner Mutter zu einem um 20 Uhr beginnenden Auftritt eines "Psycho-Kabarettisten" oder auch "Entertainment-Psychiaters" verabredet war (offenbar so was wie Vince Ebert, nur eben mit Schwerpunkt Psychologie statt Physik; warum gibt es das eigentlich noch nicht?). Die Straßenbahn zum Hauptbahnhof hatte allerdings Verspätung, obendrein wurde ich im Bahnhof selbst auch noch aufgehalten, weil ich in einem Laden einen finnischen Brotaufstrich namens "Zuckerhonig" entdeckte (ein Gemisch aus Honig und Zuckerrübensirup?), der mich so lange in seinen Bann zog, bis der Zug abgefahren war. Der nächste würde erst in zwei Stunden kommen, den Showbeginn würden wir also definitiv verpassen. Das verärgerte mich derart, dass ich versuchte, kraft meiner Gedanken dieser Realität zu entkommen – was mir auch gelang. 
Nun befand ich mich in der Gesellschaft zweier superekliger Erfolgs-Douchebags (Jungmanager oder Werbeschnösel wahrscheinlich) nebst deren nicht minder unsympathischen weiblichen Anhangs. Diese Leute boten mir an, mit ihnen auf einen Törn in ihrem Privat-U-Boot zu kommen. Ich willigte ein, aber schon vor dem Untertauchen wurde mir leicht mulmig, als ich sah, dass die vier Scheiben des Gefährts sich nicht vollständig hochkurbeln ließen. "Dringt da nicht Wasser ein?", fragte ich besorgt, doch es wurde allseits abgewinkt. Unmittelbar nach dem Absinken floss tatsächlich Wasser ins Innere. Eine Insassin kannte einen Trick: Sie drehte alle Fensterscheiben komplett runter, woraufhin das Wasser wie durch eine unsichtbare Barriere zurückgehalten wurde; das hatte wohl irgendwas mit Oberflächenspannung zu tun.
Alsbald ereilte mich die nächste Panik: Was wäre, wenn mich diese komischen Menschen nach meinem Beruf fragen würden? 'Bitte stellt keine Fragen nach meinem Beruf!', flehte ich innerlich und betete für eine Ablenkung. Diese kam sogleich in Gestalt eines riesigen Ozeandampfers, der unser U-Boot mit einem Schiffskran krallte und an Bord hievte. Dort traf ich ausgerechnet auf meine Kollegen, und wir hielten eine sog. Titelkonferenz ab. Währenddessen wurde das Meer zusehends unruhig. Als ich die Anwesenden auf eine nahende Monsterwelle aufmerksam machte, brummte der wie immer tiefenentspannte Bernd Eilert seelenruhig: "Och, die geht doch direkt an uns vorbei." Ich wachte trotzdem sicherheitshalber auf.

Dienstag, 11. April 2017

Traumprotokoll: Horrorviecher

Da es gerade um Stephen King ging, hier ein unveröffentlichtes Kurzprotokoll vom 23./24.9.2009:

Mir träumte, dass ich in einem Bungalow nächtigte, in dem sich ein Wurmloch oder Portal befand, aus dem zuerst zwei sehr schnelle Eichhörnchen kamen und dann ein seltsames aal-/wurmartiges Vieh herausflog. Letzteres manövrierte sich mit Schwimmbewegungen durch den Raum. Dieser Albtraum war wohl einer Erinnerung an die Geschichten "Der Nebel" resp. "Der Buick" geschuldet. In der nächsten Nacht erschien mir im Traum eine extrem schnelle Springspinne, die mich erst umkreiste und schließlich ansprang, worauf ich stumm schreiend erwachte.