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Freitag, 24. März 2023

Boulevard in Versen

7 weitere Rätsel um Helenes Unfall

Hat das Management gelogen?
Stand Frau Fischer unter Drogen?
Wollte man Helene killen?
Kriegt sie in der Klinik Pillen?
Steckt gar Hexerei dahinter?
Kommt 'ne neue Tour im Winter?
War es ein PR-Manöver?
Hach, die Welt wird immer dööfer.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Der Jokus ist schlecht

Es folgt ein Nachtrag zur "Eliten"-Schelte der Bild am vergangenen Samstag. Was davon zu halten ist, hat das "BildBlog" bereits klargestellt; ich möchte mich allein auf den Witz konzentrieren, mit dem jener Meinungskasten aufmachte:


Ich finde den Vergleich unpassend. Meiner Erfahrung nach hat Joghurt eine verhältnismäßig lange Haltbarkeit entgegen dem, was man von einem Milcherzeugnis erwarten würde. Oft ist Joghurt noch Wochen nach dem angegebenen Datum genießbar, und Schimmel bildet sich viel später als bei manchem Obst, bei Brot, bei einigen Marmeladen oder bei Antipasti vom Markt, um einige Beispiele zu nennen, die mir spontan einfallen. 
Da wäre mehr drin gewesen, vielleicht irgendwas mit "links- und rechtsdrehenden Kulturen" oder mit "sauer" oder "Quark"?

Montag, 10. Juli 2017

Schlagzeilen, die sprachlos machen

Es war ein Wochenende des Zorns! Ja, diese Meldung habe ich bereits am Freitag abfotografiert; ich musste erst mal drei Nächte darüber schlafen. Allmählich ist meine Wut verraucht, aber ich bin immer noch fassungslos angesichts dieses Verbrechens! So eine Schweinerei darf nicht ungesühnt bleiben!


Es heißt "das Nutella" und nicht "die Nutella", verdammt!

Sonntag, 11. September 2016

Vor fünfzehn Jahren

Ich gehöre, glaubt man den Schwatz- und Quatschmedien, der "Generation Terror" an. Deren singulärer, verbindender, zusammenschweißender Punkt ist dann wohl 9/11. Es stimmt ja auch: Selbst nach all den (welches Adjektiv soll ich hier benutzen? "krassen"? "schlümmen"?) Anschlägen der vergangenen Jahre bleiben die vom 11. September 2001 doch unerreicht. So sehr aus den Fugen geraten schien die Welt danach nicht mehr. Jeder, der damals alt genug war, um "es" mitzukriegen, wird noch heute erzählen können (und tut es auch), wo er währenddessen war und was er gemacht hat.

Was ich damals gemacht habe, war unspektakulär: Ich habe gearbeitet. Dass ich deshalb von den Ereignissen erst mit einiger Verzögerung erfahren habe, habe ich bereits im Techniktagebuch notiert. Ansonsten habe ich in dieser wilden Zeit etliche Aufzeichnungen angefertigt, worüber ich froh bin, denn manches würde ich inzwischen selbst kaum glauben, etwa dass die allerersten Bekenner (am Mittwochabend) japanische Terroristen waren: "Wir waren es. Es war eine Vergeltung für Hiroshima und Nagasaki." Ab dem 12.9. war praktisch kein Entkommen mehr. Sondersendungen auf allen Kanälen. Die Bild schrie: "Großer Gott, steh uns bei!" Die Titelseite habe ich sogar abgezeichnet; das Logo war mit Trauerflor versehen. Die In-&-Out-Liste fehlte, auch auf Klatsch und "Liebe ist ..." verzichtete man. Die FAZ druckte zum ersten Mal in ihrer Geschichte zwei Farbfotos auf Seite 1. CNN und n-tv erreichten Rekordquoten. Die ganze Woche lang wurde keine Comedy, keine Action, kein Fußballspiel im Fernsehen gezeigt. Musikkanäle setzten ihre Shows aus. MTV blendete in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund ein: "Wir gedenken der Opfer der Terroranschläge in den USA. Fuck Terrorism!" Während der fünf Schweigeminuten am 13.9. um 10 Uhr blieben die meisten TV-Sender ganz schwarz. Polizeiwagen fuhren mit schwarzen Bändern herum. Die Eröffnung der IAA in Frankfurt wurde verlegt. Am 14.9. gab es um 12 Uhr drei weitere Gedenkminuten. Kabinetts-Sondersitzungen. Die Bundeswehr war in erhöhter Bereitschaft. Die BamS fragte "Gibt es diese Woche Krieg", die Bild am Montag: "Ist der Krieg noch zu verhindern?" Am 20.9. wurden zwei sächsische Lehrerinnen suspendiert, weil sie die Anschläge verharmlost hätten. Naja, irgendwann ging man dann doch wieder in den Alltag über.

Freitag, 6. Mai 2016

Alles auf Zocker!

Ich habe ein Blatt wiedergefunden, auf dem ich mir vor Jahren eine Reportage aus der Bild (oder wie manche sagen: "Bild-Zeitung") kopiert hatte. Titel: "Die dreisten Tricks der Kaffeefahrt-Abzocker". Angestrichen hatte ich mir einen Absatz, über den ich damals (und gerade eben erneut!) leider lachen musste:
Der Augen-Trick
Den Teilnehmern wird ein Zeitungsartikel in extrem kleiner Schrift vorgelegt. Der Text ist kaum lesbar, doch der Moderator hat die Lösung. Er reicht den Opfern ein Sauerstoffgerät, sie inhalieren – und plötzlich ist alles gut lesbar.
Jens K.: "Während der Inhalation wird der Artikel heimlich gegen einen anderen ausgetauscht. Mit größerer Schrift. Die meisten sind begeistert, kaufen das Gerät für 1000 Euro, obwohl es keine 20 Euro wert ist."

Samstag, 7. Juni 2014

Betr.: Rügenwalder, Schweiz, Passendes

Aus der Reihe "Werber, willst du aufs Maul?":


Diese Anzeige, die passenderweise auf der Titelseite der Bild-Zeitung erschien, ist auf so vielen Ebenen widerwärtig, dass ich versucht war, ein Gedicht darüber zu schreiben. Auf meine Anregung hin wird dies aber mein lyrisch begabterer Kollege Moritz Hürtgen in der kommenden Ausgabe der TITANIC übernehmen. Freut euch drauf!

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Ein Blick in den Blick, dem Bild-Vettern unseres zauberhaften Nachbarn, offenbarte uns diese Woche Folgendes: "Auch Badis wollen keine blutten Babys. [...] Die CVP will keine nackten Kinder in der Badi. Badi-Verantwortliche sind mit der Partei einer Meinung. [...] «Das Thema wird derzeit diskutiert. Jeder Betrieb soll das selber regeln, aber als Verbandspräsident empfehle ich eine Badkleidli-Pflicht.» [...] Eine gewisse Blüttli-Freiheit geniessen die Kinder in Bern." Wie es diese Sprache doch immer wieder schafft, auch unangenehmen Themen noch etwas Komisches zu verleihen!

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Endlich konnte ich auch einmal etwas an das Tumblr "Things fitting perfectly into other things" submitten! Weil sie es dort (noch) nicht veröffentlicht haben, zeige ich es auch hier: 


Ketchupflaschenverschluss + Küchenspüle.

Sonntag, 9. Juni 2013

Kleine Presseschau

Um die Jahrtausendwende schwirrten sehr viele Dokumente im Netz herum, die sich "Anarchist Cookbook" oder ähnlich nannten und Anleitungen zu allerlei illegalen Aktivitäten beinhalteten. Ich las darin besonders gern jene Artikel, die sich mit der Manipulation von Kommunikationskanälen beschäftigten. "Phreaking" hieß das Schlagwort, wobei das Ph- am Wortanfang von phone herrührt. Einen "Phantasy-Roman" könnte man sich durchaus vorstellen, geschrieben vielleicht von Neal Stephenson oder William Gibson: Eine Gruppe von Hackern im Prä-Internetzeitalter bekommt es mit überweltlichen Mächten und magischen Verschwörungen zu tun. Ich fürchte allerdings, die Süddeutsche Zeitung meint hier etwas ganz Anderes.


Den lässlichen Übersetzungsfehler hat bild.de inzwischen korrigiert. Man könnte natürlich mal ganz allgemein fragen, ob es angebracht ist, den Selbstmordversuch eines prominenten Teenagers breitzutreten.


Bleiben wir bei der Bild-Redaktion. Die hat es inzwischen aufgegeben, ihrem Kolumnisten so grundlegende Dinge zu erklären wie was ein englisches Wort ist. Bei dem ganzen Gezwitscher in Wagners Kopf kommt da einfach nichts mehr an.


Was heißt denn hier "Ich bislang auch nicht"? Ich wusste, was Lookism ist, und da war ich bestimmt nicht der Einzige. Es ist ja auch nicht so, dass man sich die Bedeutung des Wortes nicht durch zehn Sekunden Nachdenken herleiten könnte. Jan Fleischhauer traut seinen Leserinnen und Lesern anscheinend weniger zu als sich selbst.

Freitag, 30. November 2012

Kannibalismus

Ein Klassikbeitrag aus dem Mai 2010, den ich für den Junior Web Award vorschlage

"Er aß ihn" stand vor einigen Jahren in riesigen Lettern auf dem Titelblatt einer Boulevardzeitung. Es ging um den Kannibalen von Rothenburg, und ganz Deutschland verfolgte die Berichterstattung mit wohligem Gruseln. Die Tat war kein Einzelfall. Wer etwa die Bild verfolgt, stößt alle paar Monate auf entsprechende Vorfälle. "Menschenfresser aß Berliner" habe ich mir z.B. vor ca. acht Jahren ins Notizheft geschrieben, und damit war kein Pfannkuchen gemeint. Legendär ist auch diese kaum kommentierbare Meldung vom April des Jahres 2010.


Und jetzt macht der "neue Jack the Ripper" von sich reden, der das Fleisch von drei ermordeten Huren verspeist haben soll. Kannibalismus ist also keine Seltenheit. Ich glaube, es gibt im Wesentlichen drei Motive:
Liebe Ein Mensch will sich einen anderen "einverleiben", will ihn voll in sich aufnehmen. Die Causa Meiwes war ein Beispiel dafür, ein anderes wird in dem sehr lesenswerten Buch "Verbrechen" von Ferdinand von Schirach geschildert.
Rituelle Gründe Ich sage nur: Papua-Neuguinea. Da frisst man, glaub ich, die ehrwürdigen Ahnen, aber manchmal werden auch Jüngere zubereitet. Wie ich irgendwo mal las, spielen durchaus auch kulinarische Erwägungen eine Rolle. Fleisch aus der Wange soll von einigen Völkern besonders geschätzt werden. Auch Gehirne sind beliebt. Unschöne Nebenwirkung: u.a. Kuru.
Notlagen Die erste derartige Darstellung in der Literatur findet sich bei Mark Twain. Die (ziemlich langweilige) Kurzgeschichte "Kannibalismus auf der Eisenbahn" handelt von einer Gruppe Reisender, die mit ihrem Zug im Nirgendwo feststeckt und, um zu überleben, einen Menschen zum Nahrungsspender wählen muss. Man hörte Ähnliches auch schon von Flugzeug-Passagieren. Im Zweifel muss der Dickste dran glauben. Ich nehme an, bei dem modernen britischen Ripper spielte auch übersteigertes Verlangen, gepaart mit einem Ödipus-Komplex, eine Rolle für sein Handeln. Vielleicht gibt es auch noch ein viertes Motiv: Rache an seinen Feinden. Beispiele: Yoshi in Super Mario World (obwohl der keine Vertreter der eigenen Spezies verschlingt) sowie Hannibal Lecter.

Ich werde noch weitere Forschungen zu diesem Thema anstellen (mal sehen). 

Samstag, 7. Juli 2012

Sand im Kopf

(Unkenntlichmachung von mir)

Immer wenn man denkt, dümmer und schlimmer könne die Bild-Zeitung inzwischen eigentlich nicht mehr werden, verirrt man sich auf bild.de und wird eines Besseren belehrt.

Auf der Insel Amrum ist ein kleiner Junge in einem Sandloch erstickt bzw. laut Bild online ja vielmehr "ertickt". Das ist ohne Frage sehr traurig. Für Bild-Redakteure ist das aber auch das Ende der Welt, wie wir sie kennen. "Der Sand hat seine Unschuld verloren".

Dass Bild sich an toten Kindern aufgeilt, ist hinlänglich bekannt. Dass Bild tragische Einzelschicksale überdramatisiert, auch. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist aber schon beispiellos perfide. Lesen wir einmal - *schauder* - den vollständigen Artikel:

"Der Himmel weint milde Nieseltränen auf die Nordsee vor Amrum. [...] Die Fähre 'Schleswig-Holstein' öffnet ihr weißes Maul und spuckt Hunderte Familien an Land." Ja, wie kann diese Scheißfähre es wagen?! Hier ist gestern ein grauenhafter Unfall geschehen, hier "ist nichts mehr, wie es war", sogar der Himmel weint, und Hunderte Familien gehen einfach so "zum fröhlichen Löcherbuddeln" an den Strand, als wäre alles eitel Sonnenschein! "Es war eine merkwürdig zwiespältige Stimmung an Bord, als wir, die BILD-Reporter, die Fähre nach Amrum betraten. Es war der Tag danach." Man kann nur hoffen, dass die zu dieser traurigen, aber leider journalistisch notwendigen Dienstreise gezwungenen Bild-Reporter das nötige Maß Pietät an Bord gebracht haben.

"Da ist kein Loch im Sand, er ist fein, glatt, rinnt unschuldig durch die Finger, und doch ist es genau hier passiert." Und schöpfte man einen Eimer Wasser aus dem Pazifik, in dem immer wieder Tsunamis wüten und Tausende Todesopfer fordern - es würde genauso unschuldig durch die Finger rinnen. Wie kann Gott nur so zynisch sein? "Wenn der Sand Kinder verschluckt, spurlos und heimtückisch, unsichtbar und schweigend, dann kann das morgen wieder ..." Die Autoren wagen nicht, den Satz zu Ende zu schreiben. Zu denken allerdings schon, denn insgeheim fänden sie's natürlich super, wenn "das morgen wieder" passierte. Wie viele Seiten sich mit dem Thema füllen ließen, wie viele Schlagzeilen sich ergäben! Darf man je wieder das Sandmännchen gucken? / Frau Merkel, wann verbieten Sie endlich den teuflischen Nordseesand?

"Die weiße Fähre spuckt die nächste Ladung Familien aus, mit Eimerchen, Förmchen, Schaufeln und Spaten. Alles, was man braucht zum fröhlichen Buddeln im Sand." So endet der Beitrag, und man weiß nicht, was ekelhafter ist: die schwülstig-prosaische Schreibe oder die Implikation, welche die Aussage, der Sand habe "seine Unschuld verloren", hat. Sandstürme, Erdrutsche, Treibsand - das gibt's doch alles gar nicht. Nein nein nein, erst wenn ein einzelnes Kind auf unserem schönen unschuldigen Amrum verunglückt, dann hat der Sand seine Unschuld verloren. 

Wann die Bild-Mitarbeiter Hauke Brost und Thomas Knoop ihren Verstand verloren haben, ist leider nicht überliefert.