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Samstag, 30. November 2024

Süße Zwischenbilanz

Meine letzte Notiz über Süßstoffe ist rund eineinhalb Jahre her. Anlass für ein kurzes Update ist ein halbseitiger Artikel im aktuellen Stern über natürliche und synthetische Zuckeralternativen. Auszug:

Einige Wissenschaftler sehen in ihren Studien Hinweise auf Störungen des Mikrobioms, also der Darmflora. Und: Der Plan, Süßstoffe einzusetzen, um Gewicht zu verlieren, scheint nicht aufzugehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt, dass die Mittel zwar kurzfristig dabei helfen, abzunehmen, langfristig steige aber das Risiko einer Gewichtszunahme. Zudem wird diskutiert, ob einige Süßungsmittel Herzinfarkte und Schlaganfälle wahrscheinlicher machen. [...] Im Fall von Erythrit kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit 2023 trotzdem zu dem Schluss, dass bisherige Daten noch kein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegen. Für Xylit steht die Neubewertung noch aus.

Unterm Strich gelte einmal mehr: Die Menge macht's. Speziell zum "möglicherweise krebserregenden" Aspartam heißt es, dass ein Normalgewichtiger mehr als neun Dosen Cola light trinken müsse, um die zulässige Tagesdosis zu überschreiten.

Montag, 12. August 2024

Ich glaub', ich sehe Regenbogenforellen!

Vom Ablecken bestimmter Froscharten zwecks Berauschung hat man ja schon gehört, aber wusstet ihr, dass es halluzinogene Fische gibt? Ich nicht! Als prominentes Beispiel für ein solches Tier nennt Wikipedia die Goldstrieme, die schon in der Antike als halluzinogener Fisch bekannt gewesen sein soll und deren arabischer Name "der Fisch, der Träume macht" bedeutet. Welche Stoffe die Trips verursachen, ist bislang nicht geklärt. Sind es aus dem Meer aufgenommene Toxine? Enthalten die Körper von Natur aus Dimethyltryptamin?

Noch mysteriöser: Die Goldstrieme, auch Goldstriemenbrasse genannt (Sarpa salpa), wird auf der Liste der Nordseefische geführt, in ihrem eigenen Eintrag ist im Abschnitt "Verbreitung" allerdings nur vom östlichen Atlantik von der Biskaya bis an die Küsten von Sierra Leone, vom Mittelmeer und vom Schwarzen Meer sowie von den Küstengewässern um Südafrika die Rede. In der Liste der halluzinogenen Spezies steht "Tunesien, Frankreich, Israel". Allein die englischsprachige Seite weiß: "It has occasionally been found as far north as Great Britain." Besteht eine Chance, das Tier auch in deutschen Hoheitsgewässern zu angeln? Nicht dass ich Interesse daran hätte ... "2006 erlebten zwei Männer, die offenbar den Fisch gegessen hatten, mehrere Tage lang anhaltende Halluzinationen" – nein, danke!

Donnerstag, 7. März 2024

Betr.: Selbstheilung, Strömungen, Strom, Brille

Liebes Tagebuch, die lächerliche Abschürfung, die ich im Dezember 2023 am linken Unterarm erlitt, hat ein Wundmal hinterlassen, das nach einem Vierteljahr immer noch sichtbar ist! Es ist wirklich nur eine winzige Rötung, aber langsam frage ich mich, ob sie je vollständig verschwinden wird. Womöglich ist die auffällige Langsamkeit dieses Heilprozesses Symptom einer tiefer liegenden Störung, die mich irgendwann in ein rätselhaftes Koma fallen lässt. In diesem Fall hoffe ich, dass sich eine Art Dr. House meiner annimmt und im Zuge seiner Nachforschungen auf diesen (und den diesem vorangegangenen) Blogbeitrag stößt, sodann einen "Heureka!"-Moment hat und mich ins Leben zurückholt.

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Apropos Heureka: Neulich kippte ich mein Schlafzimmerfenster an, um durch den Spalt eine meinem Kopfkissen entwichene Daune ins Freie zu befördern. Da passierte Folgendes: Weil es draußen deutlich kälter als drinnen war, flog die Feder wieder zurück in die Wohnung; sie wurde regelrecht nach innen gesaugt. "[I]m unteren Teil strömt kältere Außenluft in den Innenraum. Thermischer Auftrieb, Differenzdruck, Strömungsgeschwindigkeit, Lüftungsfläche, Lage der Öffnungen und Gebäudehöhe stehen dabei in gegenseitiger Abhängigkeit", informiert mich "Baunetz Wissen", und mit Sicherheit wurden mir die zugrundeliegenden Gesetze und Wirkungen im Physikunterricht vermittelt.
Hätte ich den Federeffekt nicht vor zwei Wochen, sondern, sagen wir, in der griechischen Antike beobachtet, wäre ich als Genie in die Geschichte eingegangen, vorausgesetzt, ich hätte ihn schriftlich festgehalten und wäre fähig gewesen, ihn zu deuten. Ungnade der späten Geburt! Was ich damit sagen will: Klassische Zufallsentdeckungen wie Newtons Apfelfall, Archimedes' Badewannenüberschwappung oder den Montgolfier'schen Hemdenflug hätte früher oder später gewiss jemand anders gemacht. Man muss nur die Augen offen halten und die Dinge um sich herum zu interpretieren wissen. Nun gut, manchmal muss schon eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, damit es zum großen Hurra kommt: Vorm Urlaub liegen gelassene Petrischalen, in denen Schimmelkulturen wachsen, spielen zumindest in meinem Leben keine Rolle. Aber das mit der Zimmerluftbewegung im Winter, das habe ich jetzt halt auch entdeckt (Gaitzsch's law).

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Und noch eine physikalische "Entdeckung" habe ich gemacht, allerdings schon im letzten Jahr. Ich hörte, während ich meine Betten neu bezog, über In-Ear-Kopfhörer einen Podcast. Was passierte, weil das Falten, Knittern und Schütteln der Frotteebettwäsche ordentlich Reibungselektrizität verursachte? Der Strom kroch über die Kopfhörerkabel in mein Ohr (in nur ein Ohr, weil er sich stets einen Weg, nämlich den des geringsten Widerstands, sucht) und versetzte mir im Gehörgang einen Schlag. Die Entladung war freilich kaum mehr als ein spürbares Knistern, aber immerhin unangenehm genug, dass ich meine Tätigkeit ab da ohne In-Ear-Beschallung fortsetzte.

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Fast zwei Jahre ist es her, dass ich mir eine neue Brille habe machen lassen, und noch immer werde ich – oft schmeichelnd – darauf angesprochen, sogar (bzw.: erst recht?) von Leuten, die mich sehr selten sehen. Als ich letztens routinemäßig bei meiner Zahnärztin war, sagte die Sprechstundenhilfe zu mir: "Oh! Haben Sie eine neue Brille?" Ich musste kurz überlegen und sagte: "Eigentlich trage ich die schon ... ach nee, stimmt, die habe ich erst bekommen, nachdem ich das letzte Mal bei Ihnen war."
Mir gefällt das neue Modell sehr gut. Die Gläser sind größer als die alten, was allerdings einen Nachteil mit sich bringt: Das Putzen dauert erheblich länger! Mehr fällt mir dazu nicht ein. Das war's für heute.

Sonntag, 16. Juli 2023

Süßer Paradigmenwechsel

"Aspartam gilt heute als sicher", schrieb ich 2015 im Rahmen meines kleinen Streifzugs durch die Welt der alternativen Süßungsmittel. Nun ja, was ist schon sicher? Neue Erkenntnisse, in diesem Fall: eine neue Einstufung, drängen Aspartam womöglich bald aus den Regalen oder wo immer Aspartam rumliegt. Aber mal halblang.

"Die neue Einstufung als 'möglicherweise krebserregend' für Aspartam stammt von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon. Sie gehört zur WHO. Die IARC veröffentlichte ihre Erkenntnisse am Freitag in der Fachzeitschrift 'The Lancet Oncology'. Sie sah in drei Studien mit Menschen begrenzte Hinweise auf einen Zusammenhang mit einer bestimmten Form von Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom)." So die FAZ (abgerufen auf faz.net am 14. Juli). Nun der springende Punkt: "Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ändert ihre Richtlinien trotz der neuen Einstufung nicht." Und: "Die IARC-Fachleute beurteilen nur, ob ein Stoff im Prinzip Krebs verursachen könnte. Sie berücksichtigen nicht, wie viel davon ein Mensch zu sich nehmen müsste, um ein Krankheitsrisiko zu haben, erklärte Mary Schubauer-Berigan. Sie leitet das für die Einstufung zuständige IARC-Monographs-Programm." Mitglieder eines gemeinsamen Expertenkomitees von WHO und Welternährungsorganisation "betonten, dass die bisher geltenden Grenzwerte für den täglichen Konsum auch weiter sicher seien", ergänzt die Süddeutsche.

Conclusio: Ruhe bewahren! Solange man sich weder kellenweise Aspartam in den Kopp schüttet noch vorsorglich auf "Zucker only" setzt, braucht man keine Angst vor Krebs zu haben. Doch, muss man natürlich trotzdem, aber Maßhalten ist hier wie so oft nicht der falscheste Weg.

Samstag, 20. August 2022

Das ist ja schleierlingshaft!

Der britische Schriftsteller Nicholas Evans (Der Pferdeflüsterer) ist gestorben, mit 72, an einem Herzinfarkt. Gewiss bedauerlich genug, aber: er hätte auch schon mehr als zehn Jahre tot sein können. "Im September 2008", weiß Wikipedia, "zogen sich Evans und seine Frau durch den Genuss eines Pilzgerichts mit Spitzgebuckelten Rauköpfen schwere Vergiftungen zu. Als Spätfolge wurde ihm 2011 eine Niere seiner Tochter transplantiert."

Der Spitzgebuckelte Raukopf (Cortinarius rubellus) gehört zu den Schleierlingsverwandten, einer Familie, innerhalb derer es mehrere potenziell tödliche Arten gibt. Die Tintling-Herausgeberin Karin Montag widmet ihnen in ihrem monumentalen Pilz-Kompendium "Cook mal Pilze!" ein eigenes Kapitel mit der Überschrift "Der geht einem an die Nieren". Auszug: "In den siebziger Jahren erlitten drei Schottland-Urlauber eine Vergiftung, weil sie [den Spitzgebuckelten] Raukopf mit Pfifferlingen verwechselten. Bei zweien kam es zu einem völligen Versagen der Nierenfunktion, so daß neun Monate nach der Mahlzeit bei beiden Patienten eine Nierentransplantation durchgeführt werden mußte." Auch Nicholas Evans und seine Frau hatten diesen Pilz in Schottland gefunden, der tatsächlich eine äußere Ähnlichkeit mit dem Pfifferling aufweist. Er ist über ganz Europa verbreitet, hierzulande kommt er beispielsweise im Schwarzwald vor. Sein englischer Name ist übrigens Deadly Webcap, während sein französischer Cortinaire très élégant lautet.

Noch gefährlicher als der Spitzgebuckelte ist der Orangefuchsige Raukopf. Wie ersterer enthält dieser, nur in anderer Form, den Giftstoff Orellanin, worauf schon seine lateinische Bezeichnung C. orellanus hinweist. Das von diesem Nephrotoxin ausgelöste Orellanus-Syndrom gilt als "besonders langsam und qualvoll" (Wikipedia). Karin Montag: "Die lange Latenzzeit von 4 - 14 (-17) Tagen macht es oft schwierig, einen Zusammenhang mit einer Pilzmahlzeit herzustellen. [...] Die ersten diffusen Symptome sind unstillbarer Durst mit Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, leichtem Fieber und Schüttelfrost sowie vorübergehende Gelenk- und Muskelschmerzen. [...] Danach treten typische Beschwerden auf, die auf eine Nierenschädigung hindeuten: Übelkeit und durch die Urämie verursachtes Erbrechen, Schmerzen in der Lendengegend bzw. in der Lendenwirbelsäule (in der Nierenloge). [...] Bei Beginn der Nierensymptome über 10 - 14 Tage nach der Pilzmahlzeit sind oft eher milde Verläufe zu konstatieren, von denen sich der Patient vollständig erholen kann. Die Therapie erfolgt symptomatisch nach ständiger Überwachung der Nierenfunktion. In vielen Fällen ist vorübergehend oder zeitlebens Hämodialyse angezeigt bzw. eine Nierentransplantation."

C. orellanus ist ein weiteres Beispiel für einen Fall, in dem ein Pilz bis zu einem gewissen Zeitpunkt (hier: 1952) nicht als giftig, sondern als essbar galt. Da wird es einem angst und bange! Mein Ratschlag wäre: Vor jeder Zubereitung selbstgesammelter Schwammerl deutliche Fotos des gesamten Fundes machen, den Zeitpunkt des Verzehrs notieren und in den folgenden Wochen (!) penibel auf den eigenen Körper hören.

Dienstag, 7. Juni 2022

Rhabarberrhabarber

Nachdem es hier kürzlich schon um Erdbeeren ging, möchte ich heute ein paar Worte zum Rhabarber verlieren. Schließlich bildet er zusammen mit dem Spargel die teutonische Trias der Frühlingskulinarik. Die Überschneidung zwischen Erdbeer- und Rhabarberzeit beträgt heuer ungefähr einen Monat. Die Erdbeersaison begann irgendwann zwischen 20. Mai und 1. Juni. (Da gibt es tatsächlich regionale Schwankungen: Schon Ende Mai habe ich in Mecklenburg-Vorpommern die berühmten Früchte von Karls Erdbeerhof gegessen; in einer Meldung aus Sachsen las ich später, dass der Saisonstart ebendort erst am 1. Juni war.) Rhabarber dagegen soll stets letztmalig am 24. Juni, dem Johannistag, geerntet werden. "Soll" deswegen, weil er danach als kaum genießbar, ja sogar als "giftig" gilt, wie der Volksmund nicht müde wird zu warnen. 

Es wurden bereits genügend Witze darüber gemacht, wie die Menschheit herausgefunden hat, ob bzw. dass irgendein Naturprodukt konsumierbar ist (z.B. über die erste Person, die dabei erwischt wurde, wie sie eine Kuh melkte). Man könnte sich nun in einem Sketch ausmalen, wie frühe Menschen in Ostasien (da stammt der Rhabarber her) durch beherzten "Probeverzehr" den optimalen Genusszeitraum austarierten: Gestern hatte der Testesser noch Durchfall, heute hat er nur noch Bauchschmerzen, und so tastet man sich unter hohem Verschleiß von Humankapital an den "Kipppunkt" heran. Nun, so funktioniert das freilich nicht. Es ist auch ein bisschen Willkür im Spiel. Fragen wir uns also: Wieso der Johannistag, der übrigens auch für die Spargelernte den Stichtag (Wortspiel beabsichtigt) markiert? "Die Festlegung dieses Stichtags hat mehrere Gründe", weiß Brigitte. "Zum einen benötigt die Pflanze eine Ruhepause, um sich regenerieren und auf das Folgejahr vorbereiten zu können. Zum anderen wächst das Gemüse bei wärmerem Wetter verstärkt und produziert dadurch mehr Oxalsäure, die in zu hoher Konzentration gesundheitsschädlich sein kann."

Die Betonung liegt hier zum einen auf "gesundheitsschädlich" (statt "letal"; gestorben dürfte nach einer Rhabarber-Fressorgie noch niemand sein), zum anderen auf "in zu hoher Dosis", wir reden hier von mehreren Kilogramm des Obstes. Trotzdem sollte man aufpassen: Oxalsäure kann die Niere schädigen, "und Menschen, die an Nierenproblemen oder Gicht leiden, sollten gänzlich auf den Verzehr von Rhabarber verzichten" (Brigitte). Mit welchen Auswirkungen genau zu rechnen ist und was das alles mit der Bindung von Kalzium zu tun hat, kann man im Netz nachlesen.

Im Netz findet man garantiert auch etliche Rezepte für Rhabarber-Crumble. Ich hatte allerdings noch eins aus dem Abreißkalender von 2013 (!) rumliegen. Das Ergebnis konnte sich schmecken, wenn auch nicht unbedingt sehen lassen:


Ich fügte lediglich noch etwas braunen Zucker hinzu, direkt über die Früchte, da ich befürchtete, diese könnten zu sauer sein und so den ganzen Crumble versaue(r)n. Die Stangen zu schälen ist eine mühsame Arbeit, die ich nicht zu wiederholen plane, und obendrein eine gehörige Schweinerei. Roter Fruchtsaft spritzt dabei in alle erdenklichen Richtungen. Da ich dies, u.a. durch Textilunfälle mit Granatäpfeln, im Vorfeld erwartet hatte, führte ich die (zudem zeitintensive) Betätigung lediglich in Unterhose bekleidet durch.

Dienstag, 12. April 2022

Die drei ??? und der Geisterfinger

Ich mag mein Google-Phone, aber eine Sache wurmt mich, seit ich das Pixel 3a besitze.
Es hat auf der Rückseite einen Fingerabdrucksensor. Über diesen kann ich das Telefon entsperren, sowohl mit dem linken als auch dem rechten Zeigefinger, das habe ich ihm beigebracht. Die Trefferquote, mit der meine Fingerspitze wiedererkannt wird, liegt im Tagesmittel bei ... ich würde sagen 60 Prozent. Sie schwankt nämlich, und zwar geheimnisvollerweise dahingehend, dass die Identifizierung in den Morgenstunden so gut wie gar nicht klappt. Ich wache auf, greife nach dem Handy, drücke eine der zwei möglichen Fingerkuppen auf den Entsperrkreis und scheitere daran, dem Gerät klarzumachen, dass ich ich bin. Nicht nur einmal, sondern oft zweimal und manchmal sogar bis zur Meldung "Zu viele Versuche, bitte später noch einmal versuchen". (An diesem Punkt kann ich immer noch per Musterzeichnung zur Benutzeroberfläche gelangen.)
Woran liegt das? Ich vermute mal, technikseitig ist dem Pixel 3a nichts vorzuwerfen, ja ich hätte gar nicht erwähnen sollen, um was für ein Telefon es sich handelt. Vorstellbar ist weder, dass das Handy nach dem "Schlafen" noch nicht "fit" genug für die User-Identifikation ist, noch dass das Google-System sich aufgrund eines versteckten Firmware-Befehls weigert, mir zu bestimmten Zeiten Zugriff zu gewähren, nach dem Motto: "Es ist noch zu früh für Doomscrolling!"
Daher stelle ich die Hypothese auf, dass menschliche Fingerabdrücke am Morgen noch nicht zu ihren "Normalmustern" zurückgekehrt sind. So wie unsere Füße zum Nachmittag hin "wachsen", verformen sich unsere – Achtung, herrliches Wort: – Fingerbeeren über Nacht vielleicht dergestalt, dass nicht jede Linie, jede Papillarleiste an ihrem vorgesehenen Platz ist.
Wer erforscht's?

Dienstag, 24. August 2021

Fond du Luck

Neulich wachte ich etwas früher als gewöhnlich auf, und mein erster Gedanke war: Was weiß ich eigentlich über Fond du Lac?

Exakt nichts wusste ich darüber, also konsultierte ich ein paar Stunden später Wikipedia. Nun ja, viel gibt es über die mittelgroße Stadt am Lake Winnebago in Wisconsin nicht zu erfahren, aber im Abschnitt "Söhne und Töchter" findet sich dann doch ein höchst interessanter Eintrag: Die hier 1989 geborene Jeanna Giese gilt als der erste Mensch, der eine unbehandelte Tollwut-Erkrankung ohne schwerere Folgeschäden überlebt hat, und überhaupt "als der sechste dokumentierte Fall eines Patienten, der Tollwut nach dem Auftreten klinischer Symptome überlebte." Da kann man nur gratulieren.

Tollwut ist schon eine rechte Scheißkrankheit, vor der ich mich fürchte, seit ich mich zum ersten Mal damit befasst habe. Bevor ich in das Land mit den weltweit meisten Tollwutfällen pro Jahr gereist bin, hatte ich mir vorgenommen, mich gegen Tollwut impfen zu lassen. Doch der gut gelaunte, alte Allgemeinmediziner, den ich u.a. zu diesem Behufe aufsuchte, riet mir ab: "Wenn Sie gebissen worden sind, müssen Sie sowieso unverzüglich in eine Klinik und sich spritzen lassen. Führen Sie einfach immer einen großen Stock bei sich, oder schmeißen Sie mit Steinen, wenn sich verdächtige Affen oder Hunde nähern!"

Sonntag, 14. März 2021

Nicht bestanden

Nur fürs Tagebuch, der Vollständigkeit halber: Am 12. März 2021 habe ich zum ersten Mal einen Corona-Test verpasst bekommen – von mir selbst. Das Schnelltestkit für den Hausgebrauch, das ich benutzte, war zugleich ein Intelligenztest, denn die Bedienung erschloss sich nicht bei bloßer Betrachtung, sie musste gelesen werden, und die Instruktionen nahmen einen großen Teil des Beipackzettels ein. Ehrensache, dass ich dann auch ein Detail übersehen habe, nämlich das Flüssigkeitsröhrchen-Fixierloch in der Verpackung. 'Das ist aber unpraktisch! Soll ich das Röhrchen jetzt die ganze Zeit in der Hand halten?', dachte ich noch. Egal. Bevor man mit der Prozedur beginnt, soll man sich die Hände waschen und sich mehrfach schnäuzen. Das Abstrichstäbchen ist sodann je 2,5 cm in jedes Nasenloch einzuführen. Danach tränten mir die Augen leicht; war ich von innen gegen meine Glaskörper gestoßen?

Das Warten auf das Ergebnis war dann so aufregend wie das Warten auf das Ergebnis der HIV-Tests, die ich in meiner Zeit als Blutspender regelmäßig über mich ergehen lassen musste – also kaum. Trotzdem freute ich mich natürlich, als nach ein paar Minuten der Negativ-Strich sichtbar wurde. Freuen tu ich mich ferner darüber, dass die Kosten für meinen Schnelltest jemand anders übernommen.

Montag, 5. Oktober 2020

Betr.: Törtlis, Beratung, Röster, Blogger

Neulich habe ich endlich gelernt, was der Unterschied zwischen Tortelloni und Tortellini ist. Beziehungsweise: Mir ist überhaupt erst klar geworden, dass es einen Unterschied gibt. Dieser besteht, wie man sich denken kann, in der Größe: Tortellini sind kleiner als Tortelloni. Erfreulich ist die seit Jahren ansteigende Vielfalt an Supermarkt-Tortelloni, womit ich natürlich die Nassfertiggerichte im Kühlregal meine (Steinpilz, Kürbis, Ziegenkäse und und und); bei Trockenfertiggerichten hat man meist nur die Wahl zwischen Vier-Käse, Spinat-Ricotta und Schweinefleisch.

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In meinem Viertel gab es eine Aids-Beratungsstelle, die irgendwann geschlossen wurde. Als ich dies mitbekam, wusste ich nicht, was ich diesbezüglich empfinden sollte. Einerseits ist es immer traurig, wenn eine etablierte Einrichtung, besonders im sozialen Bereich, ihre Pforten schließen muss, andererseits kann man ja froh sein: Offenbar besteht kein Bedarf mehr an Aids-Infos, weil die Gesellschaft ausreichend aufgeklärt ist und/oder die Krankheit so gut wie verschwunden ist.

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Hinweis für Fans der österreichischen Küche: Marillen- bzw. Zwetschgenröster, die beliebten Palatschinken-Toppings, findet ihr in eurem Supermarkt möglicherweise nicht bei den Konfitüren, sondern in der Kompott- und Dosenobstabteilung! Rein zufällig sah ich in meinem Stamm-Rewe neulich die Gläser ebendort.

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Die Benutzeroberfläche von Blogger hat sich in den vergangenen Monaten wieder einmal geändert. Der Wechsel von der klassischen zur neuen Version war lange Zeit optional; währenddessen waren verschiedenste Macken zu erdulden. Mittlerweile nutze ich die aktualisierte Oberfläche und komme damit zurande, allein eine Sache stört mich: Beim Erstellen eines Beitrags wird standardmäßig ein Leerzeichen am Anfang eingefügt, das ich jedes Mal entfernen muss. Was soll das?

Sonntag, 22. April 2018

Honig ins Maul geschmiert

Während meines halben Jahres in Neuseeland lernte ich einige kauzige Charaktere kennen. Einer davon war ein japanischer Alt-Hippie namens Abe, der mir einen der unvergesslichsten Lach-Momente meines Lebens bescherte. Freudig erregt kehrte er eines Tages von einer Shoppingtour zurück und zeigte mir voller Stolz seine neueste Erwerbung: ein rares Album der Gruppe The Platters. "Pratters!", rief er. "Pratters!" Ich sagte, dass ich mal ganz schnell aufs WC müsse, rannte ebendort hin, schloss mich ein und lachte Tränen. Warum ich das derart zum Zerreißen lustig fand, kann ich gar nicht mehr sagen – normalerweise halte ich "Falsche-Aussprache-Humor" und "Engrish-Fails" für einfallslos und dröge. Manchmal kann man seine Zwerchfellreflexe halt schwer kontrollieren.

Jedenfalls erklärte mir Abe, dass er nicht nur zum Aufstöbern popmusikalischer Kleinode regelmäßig hierher komme, sondern hauptsächlich zum Golfspielen und zum Besorgen des berühmten Manuka-Honigs, dank dem seine bald hundertjährige Mutter sich noch immer vorzüglichster Rüstigkeit erfreue. Tatsächlich wird diese neuseeländische Spezialität in der Naturheilkunde für supergesund bis antibakteriell gehalten. Ich wähle bewusst die vorsichtige Formulierung "wird für ... gehalten", denn "[d]ie Bedeutung des Methylglyoxalgehaltes" ("Methylglyoxal entsteht in der Honigwabe durch Dehydratation des im Nektar der Blüten des Manukastrauchs enthaltenen Stoffes Dihydroxyaceton") wird "kontrovers diskutiert" (Wikipedia).

Ich für meinen Teil zog nicht mal in Erwägung, mir das Zeug zu kaufen, da es mit circa 10 Euro pro Miniglas damals geradezu unerschwinglich für mich war. Und so verschwanden das Wort und der Begriff "Manuka-Honig" aus meinem aktiven und passiven Wortschatz ... bis mir letztes Jahr eine befreundete Medizinerin von Manuka-Zahnpasta vorschwärmte: Seit sie sich damit die Zähne putze, sei sie praktisch frei von Malaisen aller Art. Das musste ich nun selbst überprüfen! Ich bestellte bei Amazon einen "Manuka Health"-Dreierpack zu 26,81 € (uff!); einzelne Tuben waren zu der Zeit nicht vorrätig.


Dass in dieser Spezialsubstanz kein Fluorid drin ist, scheint mir ein gravierender Nachteil zu sein (wohl wissend, dass Fluorid selbst auch nicht unumstritten ist). Darum nehme ich sie auch nicht zur täglichen Anwendung, sondern alterniere munter mit fluoridhaltiger Wald-und-Wiesen-Pasta, vorzugsweise von Sensodyne. Als Plus ist festzuhalten, dass die 100-Gramm-Tube zusätzlich Propolis enthält, ein weiteres bienenbezogenes Wundermittel. Die Creme ist grün, hat einen interessanten Geschmack und ein eigenwilliges – nicht unangenehmes – Mundgefühl.


Neulich erreichte mich per Post eine Werbesendung des Manuka-Shops. Bestellt man dort direkt statt über Amazon, spart man ein paar Groschen und legt für einmal Zahnpasta "nur" 8,90 € hin. Ein 500-Gramm-Glas echten Manuka-Honigs kriegt man für 79,90 € und spart damit 11%. Auch Lutschbonbons gibt es. Tja, muss jeder selber wissen, ob er in diese wunderliche Welt einsteigen will. Mir ist es wie gesagt nicht gelungen, mich hundertprozentig zu committen; wer weiß, bei konsequenterer Manuka-Mundpflege wäre ich womöglich von der letzten fiesen Wintergrippe verschont geblieben. Im Südpazifik auf jeden Fall, denn dort ist Sommer, wenn in Europa Winter herrscht.

Samstag, 7. Februar 2015

Das gute Zitat

"Herr Klein schlägt die Zermalmung des Kopfes vom Verbrecher vor, und dieses wäre in der That das sicherste Mittel in ihm das Leben auf die schnellste Weise auszulöschen; hätte man aber Gründe bey dieser Operation die Gesichtszüge unverletzt zu erhalten, so wäre mein Vorschlag der: eine Guillotine zu errichten, welche durch den Kopf selbst ein Beil so führte, daß die beyden Markschenkel des grossen Gehirns in der varolischen Brücke abgeschnitten würden, damit der Centralursprung des fünften Paares der Gehirnnerven zerstört werde; ein anderes Beil kann durch den Hals und, wenn man will, ein drittes durch die Wirbelsäule der Brust gehen, damit das Rückenmark und das Herz, oder wenigstens die Aorta irgendwo, der schnelleren Verblutung wegen, zertheilt werde, doch so, daß der Kopf und der Rumpf ganz bleibt, der Hals aber gänzlich abgehauen wird. Da eine weitere Ausführung von der Einrichtung einer solchen Guillotine, (die ich auf Verlangen zu liefern bereit bin) hier unzweckmäßig wäre, so will ich abbrechen, und diese Schrift den strengen aber humanen Kunstrichtern zur Beurtheilung überlassen."

--- Franz von Paula Gruithuisen: Über die Existenz der Empfindung in den Köpfen und Rümpfen der Geköpften und von der Art sich darüber zu belehren. Augsburg 1808: Bolling. S. 34ff.

Sonntag, 7. September 2014

Fragen, die ich mir selbst stelle


Die Flasche, in der sich das Garnier-Shampoo "Natural Beauty Arganöl und Cranberry" (!) befindet, gibt an, dass jenes Shampoo ohne Parabene daherkommt, und zwar nicht nur einmal auf der Vorderseite, sondern gleich noch dreimal auf der Rückseite. Es scheint sich um eine wichtige Information zu handeln.


Was also sind Parabene? (Dies ist die heutige Frage, die ich mir selbst stelle.)
Bei "Beyer & Söhne" erfährt man: "Parabene sind eine Gruppe von Chemikalien, die als Konservierungsstoff in kosmetischen Produkten [...] eingesetzt werden." Sie sind der Struktur von "Östrogen sehr ähnlich. Da sie über die Haut aufgenommen (dermal absorbiert) werden, wird befürchtet, dass sie den Hormonhaushalt von Menschen durcheinanderbringen können. [...] Die gesundheitlichen Schäden können nur schwer eingeschätzt werden. [...] Eines scheint jedoch gewiss zu sein: Parabene lagern sich in unserem Körper an. [...] Das Bundesinstitut für Risikobewertung misst den Parabenen eine geringe Toxizität bei und verweist darauf, dass andere Konservierungsstoffe häufig ein deutlich höheres allergisierende Potential haben. [...] 4 Parabenarten wurden in Studien an Ratten untersucht. [...] Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Kosmetikherstellern von einer Verwendung dieser Parabene ab." Wikipedia weiß auch etwas darüber zu sagen (Stand: 6.9.2014)

Kurzum: Dass in dem Shampoo keine Parabene enthalten sind, ist bestenfalls super, schlimmstenfalls unbedenklich, wahrscheinlich aber schlicht egal.

Montag, 4. August 2014

Link für zwischendurch

Andrew Hammel über einen der größten deutsch-amerikanischen Unterschiede, nämlich das krass voneinander abweichende Verständnis dessen, was Herpes ist. (Ich zumindest habe mich jahrelang jedes Mal gewundert, wenn "herpes" in US-Serien oder -Filmen zum Erzeugen von Schock oder Komik verwendet wurde.)

Update 2023 Das "German Joys"-Blog existiert nicht mehr. Über archive.org konnte ich den Beitrag aber noch finden. Hier die entscheidende Stelle:
And now to one of the most amusing sources of cross-cultural misunderstanding there is. One fine day, a co-worker and I were chatting in my office in German and she casually said: "Damn, my herpes is back. What do you do about your herpes? Is there some special American treatment?"

I just barely avoided a genuine, honest-to-Allah spit-take. Before I could ask what this prim, attractive member of the German haute bourgeoisie was talking about, she added "Fortunately, most of the blisters are on the inside, so it's not that embarrassing." And then she showed me what she was talking about, pointing to the location of the outbreak. I recoiled in horror, crossing my arms in front of me, as she exposed her infected...

...lips. The ones on the mouth, that is.

As you probably know, there are a few different kinds of herpes, and almost everyone carries Herpes Simplex Type I, the virus that causes blisters on the lips now and then. English speakers, in our prudish way, call these outbreaks 'cold sores'. In the English-speaking world, the word 'herpes', standing alone, refers exclusively to genital herpes, the incurable sexually-transmitted disease.

Freitag, 30. Mai 2014

Ein Pinienapfel am Tag, und ich liege im Sarg

Frühstück: Apfel-Zimt-Müsli. Mittag: Apfeleierkuchen. Nachtisch: 1 Apfel, pur. Ja, ich mag Äpfel, und heute war wieder ein Apfeltag vom Feinsten.

Was ich nicht mag, ist Ananas. Neulich bot mir ein Kollege eine Scheibe Ananas an. "Nein, danke", lehnte ich ab, "dagegen bin ich allergisch." Zwar schwillt mir davon nicht der Kopf auf Riesenananas-Größe an, doch kribbelt es ekelhaft im Mund und die Zunge wird taub. "Hast du denn auch eine Kreuzallergie?", wurde ich gefragt. Ich überlegte kurz und sagte: "Ich bin gegen Latex überempfindlich, aber ich glaube nicht, dass das irgendwas mit meiner Ananas-Abneigung zu tun hat." Hat es aber! Auf der Seite kreuzallergie.com ist für das Allergen Ananas als Kreuzreaktivität an erster Stelle Latex angegeben. Wie faszinierend!

Ich finde, man sollte sich an seinen Spezialempfindlichkeiten erfreuen – sofern sie im Rahmen bleiben, freilich. Gerade diese willkürlich zusammengewürfelten Kreuzallergien machen uns doch zu so herrlich imperfekten Menschen, wie sie der Evolution offenbar gefallen. Und man kann auch ohne Latex und Ananas ein einigermaßen erträgliches Leben führen: Vinylhandschuhe fühlen sich eh angenehmer an, und ein Fruchtcocktail ohne Ananaswürfel ist immer noch albern genug.

Vor ein paar Wochen hatte ich im Übrigen die Befürchtung, ich könne neuerdings auch gegen Gräser und Pollen allergisch sein. Nach einem Spaziergang im Grünen litt ich nämlich unter Niesattacken und Augenjucken, und ich hatte schon gehört, dass man auch in seinen Dreißigern noch völlig neue Allergien ausbilden kann. Doch es blieb bei diesem einen beschwerlichen Tag. Vielleicht war ich ja durch eine Raygraswiese gelaufen; englisches Raygras ist schließlich ein weiteres Kreuzallergen zu Ananas.

Sonntag, 23. Februar 2014

Nicht den Nerv getroffen

Seit einiger Zeit wirbt das Datingportal Parship auf Plakaten mit folgender Aussage:

"Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single mit Parship."

Soll das ein wirksamer Slogan sein? Für den Erfolg der Partnerbörse spräche höchstens der Satz "Alle 11 Minuten verlieben sich mit Parship zwei Singles in einander." So aber graust's einem eher. Unidirektionales Verlieben ist ja wohl das Schlimmste, was es gibt, und liegt vom Schmerzfaktor her noch vor dem Einklemmen eines Nervs. 

Es begab sich nämlich, dass ich Erntehelfer in Neuseeland war. Während einer längeren Schaffensphase als Apfel- und Kiwipflücker ereilte mich eines Morgens ein sehr kurzer, aber bestialisch stechender Schmerz im Nacken. Und dann noch einmal. Und noch einmal. Mindestens einmal pro Minute hatte ich einen solchen Anfall, ganz egal wie ich den Hals bewegte. Ich ging zum Arzt. "Eingeklemmter Nerv durch zu langes Nachobengucken" war seine Diagnose. "Da hilft nur Abwarten und ab und zu Diclofenac schlucken." Nach zwei Tagen war der Spuk vorbei.

In der Arztpraxis musste man übrigens nicht nur eine Praxisgebühr entrichten, sondern auch einen Aufnahmebogen ausfüllen, in welchem unter anderem nach der "Rasse" (race) gefragt wurde. Mit einer sehr großen an der Wand des Wartezimmers hängenden Infotafel konnte man seine korrekte Rasse ermitteln, wobei z.B. zwischen "European" und "New Zealand European" unterschieden wurde, und auch "South Pacific Islander" war nicht gleich "South Pacific Islander" (Samoan, Tongan usw.)! Bestimmt steckte aber keine böse Absicht hinter dieser (statistischen?) Erhebung. Hoffe ich zumindest.

Freitag, 10. Januar 2014

Eine Studie in Drosselweiß

In der ersten Folge der dritten Staffel von Sherlock erscheint in der Praxis von Dr. Watson eine Patientin mit der Diagnose "thrush". Man sieht die Frau nicht, es wird aber angedeutet, dass dieser Befund nur wenig appetitlich sein muss. Das hat mich natürlich neugierig gemacht. Um euch bzw. Ihnen den Gang zum Pschyrembel zu ersparen (bah, diese Fotos!), hier meine Rechercheergebnisse:
  • Thrush ist eine alte Bezeichnung für candidiasis, eine Pilzinfektion. Der Name ("Drossel") spielt auf die dabei auftretenden Flecken an, die denen auf der Brust des namensgebenden Vogels ähneln.
  • Candidiasis wiederum, deutsch Kandidose oder Candidosis, bezieht sich auf eine die Krankheit hervorrufende Hefegattung, Candida, benannt nach der weiblichen Form des lateinischen Adjektivs candidus "glänzend weiß, weißschimmernd, schneeweiß".
  • Bis ca. 1920 hieß die Krankheit auch Moniliasis, weil man Pilze der Gattung Monilia dafür verantwortlich machte. Monilia kommt von lat. monīle "Halsband, Halskette", weil die Sporen rund bis oval und kettenförmig verzweigt sind.
  • Ein veraltetes Synonym im Deutschen ist Soor, anzuschließen an ein altes, im Germanischen weit verbreitetes Erbwort (engl. sore; das Grimmsche Wörterbuch kennt auch sehr, seer und sör "wund", vgl. versehrt). 
  • Im Englischen existiert zudem die Bezeichnung oidiomycosis, also Pilzbefall (Mykose) durch die Gattung Oidium, zu der u.a. der Echte Mehltau gehört. Oidium geht zurück auf altgriechisch ōiídion "kleines Ei".
Was aber macht Kandidose?
"Die Kandidose gilt als opportunitische Erkrankung. Das heißt, die Erreger befinden sich natürlicherweise im Körper, lösen aber bei normaler Körperabwehr keine Erkrankung aus. [...] Der Pilz siedelt sich hauptsächlich in Hautfalten der Leistengegend, an den Geschlechtsteilen sowie um den After herum an. Es entstehen juckende, hochrote Flecken, die oft schmierig belegt sind, sowie Pusteln. Bei Kleinkindern kann der Pilz eine chronische Hautrötung auslösen (Windel-Dermatitis). Auch eine Infektion der Mundschleimhaut (Mundsoor) kann auftreten. Dabei entstehen weiße, abkratzbare Beläge, die vor allen bei Säuglingen und im Alter bei Gebissträgern auftreten. Sie können sich über den Rachen bis in die Speiseröhre ausdehnen und dort zu Entzündungen führen. Befällt der Erreger innere Organe, kann es zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen." (NetDoctor) Wieder was gelernt.


Dienstag, 23. Juli 2013

Kurz notiert: Impfpflicht

Zur Abwechslung heute etwas Ernstes: Warum gibt es im Deutschland des Jahres 2013 einen beunruhigenden Anstieg von Fällen einer Krankheit, die eigentlich (fast) ausgerottet sein sollte? Antwort: weil die Zahl der Esoteriker, "Schulmedizin"-Leugner und anderer irrational denkender Alternativlinge ebenfalls steigt. Nun sind wir so weit, dass wir ernsthaft über eine Impfpflicht diskutieren, was mir als Demokratiefreund natürlich Bauchschmerzen bereitet. Menschen zu ärztlichen Eingriffen zwingen, das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Aufklärung muss her. Immerhin haben sich viele Medien in den vergangenen Wochen der Masernproblematik angenommen. Für einen ersten Überblick siehe auch Psiram (wo man tendenziell eher für die Impfpflicht ist).

Welche Wörter mit der Buchstabenfolge pfpf kennt ihr noch? Mir fallen ein: Sumpfpflanzen, Dampfpflaumen (eine Art gekochtes Obst?) und Napfpfennig (das könnte die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Steuer auf Hundenäpfe sein).

Dienstag, 11. Juni 2013

Ich bin ganz Halsnasenohr!

HNO-Ärzte werden nicht müde, vor der Ohrenreinigung mit Wattestäbchen zu warnen. Doch niemand beachtet ihre Predigten, auch ich nicht. Angeblich verfügen menschliche Ohren über eine Selbstreinigungsfunktion, aber dass das nicht stimmt, wird jeder bestätigen, der einmal – etwa in großen Volksaufläufen – eine genauere Ohrensichtung seiner Mitmenschen vorgenommen hat. Man könnte sich natürlich eine sogenannte Ohrenspritze kaufen, aber die sehen (s. Amazon) aus wie Klistiere, und wenn sie ein Gast, den man in der Wohnung hat, zufällig findet, muss man lange und langweilige Erklärungen abgeben (schlimmstenfalls ist man schon tot und gilt posthum als Sonderling).

Warum gibt es den Beruf des HNO-Arztes? Sind Otologie, Rhinologie und ... äh, Halsologie als eigenständige Disziplinen nicht ergiebig genug? "Och, jetzt habe ich alles über Ohren und Nasen gelernt, aber in meinem Gedächtnis ist immer noch Platz – nehm' ich halt noch den Hals mit dazu!" Wäre jemand "nur" Facharzt für Hals und Ohren, könnte er sich H'n'O-Arzt nennen.

handelsübliche Packung, mit "Serviervorschlag"

Mittwoch, 29. Mai 2013

Fragen, die ich mir selbst stelle

Heute: Was hat es mit diesen rot-weiß-blau-gestreiften rotierenden Stangen auf sich, die man vor englischen/amerikanischen Friseursalons sieht?

Antwort (frei übersetzt nach Straight Dope, wo diese Frage im Jahr 2000 gestellt wurde): Im 17. Jahrhundert war es Ärzten von Seiten der katholischen Kirche verboten, Operationen am menschlichen Körper, der als heilig galt, durchzuführen. (Ärzte waren oft gleichzeitig als Geistliche tätig, auch befanden sich die meisten medizinischen Fakultäten in Kirchenhand.)
Das Operieren übernahmen fürderhin die Barbiere, die eh schon mit allerlei scharfem Werkzeug ausgestattet waren. Es entstand der Beruf des surgeon-barbers. Als Gildeninsignie wurde eine rot-weiß-gestreifte Stange gewählt; sie repräsentierte die blutgetränkten Fetzen, die man zum Trocknen nach draußen hängte. Darauf befand sich zudem eine Art Schüssel, die das Blut bei der damals beliebten Prozedur des Aderlassens auffing. Die Stange selbst wurde Patienten in die Hand gegeben, auf dass sie diese drückten, um die Venen anschwellen zu lassen (heute bekommt man beim Blutspenden immer einen Antistressball gereicht).
Von diesen "gewöhnlichen" Kollegen wollten sich die richtigen Chirurgen irgendwann distanzieren. So kam es 1745 zum "Barber-Surgeon Company (guild) of England split up". Nach langer Debatte durften schließlich die Barbiere das Symbol weiterführen.
Heutzutage bedeuten die Stangen schlicht: "Hier werden Haare geschnitten". In der Tat gibt es derzeit vereinzelt Diskussionen darüber, ob auch Schönheitssalons diese Stäbe vor ihren Läden aufstellen dürfen. Darüber, und auch zur Frage, wie sich die Farbe Blau eingeschlichen hat, und vieles andere, weiß Wikipedia Bescheid. Siehe auch: der deutschsprachige Artikel über Bader.

(Wikimedia Commons)