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Montag, 8. Juni 2026

Zwei Trends

In den letzten Monaten sind mir zwei Entwicklungen im deutschen Alltag aufgefallen: eine die Sprache, die andere Umgangsformen betreffend.

1.) Beim Bezahlvorgang vernimmt man von Kassenpersonal bzw. Gaststättenbedienungen jetzt häufig die Frage: "Mit der Karte?" Das Augenmerk sei dabei auf den Artikel gelenkt. Wann ist dieser obligatorisch geworden? Früher reichte doch ein simples "Mit Karte?", wenn man wissen wollte, ob jemand mit Karte zahlt! Ich würde ja verstehen, dass man von "der Karte" spricht, wenn unser Waren- und Wirtschaftssystem einen Grad futuristischen Universalismus erreicht hätte, wo es tatsächlich nur noch eine einzige Chipkarte gibt, die für alle möglichen Transaktionen eingesetzt wird – Die Karte™ eben. Aber ich für meinen Teil kann allein zum Bezahlen auf vier verschiedene kartengebundene Optionen zurückgreifen.
Die Kundschaft übernimmt diese Marotte allmählich. An der Supermarktschlange hörte ich schon das ein oder andere Mal die Aussage "Mit der Karte, bitte".

2.) Die im öffentlichen Personenverkehr lange geltende Regel "Erst aussteigen lassen, dann einsteigen" scheint außer Kraft gesetzt. Möchte ich eine U- oder S-Bahn verlassen, muss ich mich neuerdings durch ungehemmte Grobianmassen quetschen und schlagen, die unmittelbar nach dem Aufgehen der Türen in das Fahrzeug strömen, als bestünden die Aussteigenden aus Luft. Willkommen in der Ellenbogengesellschaft!

Sonntag, 26. April 2026

Wer den Cent nicht ehrt ...

Entgegen der Behauptung eines zum Glück inzwischen eingemotteten Werbespruchs ist Geiz nicht geil, sondern hässlich, so hässlich wie jener Saturn-Slogan. Sparsamkeit hingegen: gut. Doch der Übergang ist fließend. In einer seiner FAS-Kolumnen, die in dem 2023 erschienenen Band "Zu Hause an den Bildschirmen: Schmidt sieht fern" versammelt sind, schreibt Jochen Schmidt:
Ich freue mich immer, wenn ich eine Möglichkeit entdecke, Geld zu sparen, zum Beispiel, indem ich beim Einkaufen die grünen Stengel der Rispentomaten vor dem Wiegen entferne, beim Knäckebrot die flache Seite schmiere, weil auf der anderen Seite so viel Belag in den Kuhlen verschwindet, alte Kalender kaufe und das Datum mit Hand ändere. Statt Nagellack zu benutzen, kann man zu enge Schuhe tragen, bis sich die Zehennägel blau färben, und beim Nachdenken kann man sich angewöhnen, das Schreibtischlicht zu löschen.
Die letzten zwei Beispiele sind natürlich als Verlängerungswitz gemeint, aber das Rispenentfernen, das Knäckeschmieren und das Kalenderrecycling nehme ich dem Autor ab. Nicht dass ich dergleichen selbst tun würde (noch je auf die Idee gekommen wäre), aber ich verstehe das Mindset dahinter. Schmidt ist zum einen in der DDR aufgewachsen, hat zum anderen als 1970 Geborener noch aus erster Hand Zeugnis davon erhalten, wie es in der schweren Zeit war.
Für die Generation, die noch den Krieg erlebt hat, war solche Sparsamkeit, die heute als Geiz gilt, selbstverständlich; so erklärte Tante Lore aus Köln meinen Eltern einmal, sie würden sich erst einen Fernseher leisten, wenn der Farbfernseher erfunden wäre, denn dann würden sie einfach einen Schwarzweißfernseher kaufen, die ja dann sicher billiger würden. Tante Lore und ihr Mann aßen auch, wenn sie in die Toskana fuhren, nach der Ankunft eisern ihre für unterwegs geschmierten Stullen auf, bevor sie sich der italienischen Küche widmeten.
Dass man seinen Reiseproviant bis zum letzten Krümel vertilgt und überhaupt Nahrung nur wegschmeißt, wenn sie verdorben ist, versteht sich ja wohl hoffentlich auch heute noch von selbst! Hier geht es nicht nur darum, Geld zu sparen, sondern um das Eindämmen von Lebensmittelverschwendung. Manche Pfennigfuchsereien sind universell und generationenunabhängig, andere sind den Nachwachsenden vorbehalten: 
Meine Tochter erklärte mir, nach Partynächten kaufe man sich als mittelloser Schüler heutzutage am Dönerstand «Saucenbrot», also einen Döner ohne Inhalt, nur mit Sauce, für 1 Euro.
"Schülerdöner": das habe ich auch schon irgendwo auf einer Imbisstafel gelesen! Und einmal beobachtete ich gar, wie zwei Grundschüler einen Dönermann fragten: "Kriegen wir einen Döner geschenkt?" Womöglich funktioniert diese Masche gelegentlich, und sei es nur mit dem Resultat, ein "Saucenbrot" oder ein "Fladenbrot ohne alles" abzustauben.

Dienstag, 17. Februar 2026

Menschheit gerettet?

Nur selten geht es in diesem Blog um Aktuelles, und das ist auch gut so. Ausnahmsweise möchte ich aber festhalten, welche Debatte seit ein paar Tagen die deutsche Gesellschaft mit am heftigsten bewegt. Es geht um die Frage: Brauchen wir eine Altersbeschränkung bei der Nutzung sozialer Medien? Australien hat vor kurzem ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren eingeführt; könnte/sollte das ein globales Vorbild sein? Aufklärungskampagnen, Bildschirmzeitbegrenzungen, Verhaltensregeln und die Überwachung durch Eltern und Lehrkräfte haben ja offensichtlich nicht gefruchtet: Der Nachwuchs ist – überspitzt formuliert – verroht, verblödet, verhaltensauffällig sowie permanent Gefahren für Leib, Leben und Seele ausgesetzt.

Wie so oft hinkt die praktische Umsetzung dem theoretischen Ansinnen hinterher: "Noch sei es jedoch zu früh, um zu sagen, ob die Plattformen die Vorschriften vollständig einhalten, betonte die Leiterin der australischen Behörde für Sicherheit im Internet, Julie Inman Grant. Denn den Unternehmen ist es selbst überlassen, wie sie das Alter der Nutzerinnen und Nutzer überprüfen, etwa über die Auswertung von Nutzerdaten, über hochgeladene Fotos oder eine verpflichtende Vorlage eines Ausweises." (tagesschau.de) Und: "In der Realität haben viele Teenager aber Wege gefunden, an der Sperre vorbeizukommen." (tagesspiegel.de) Doch immerhin ist ein erster Schritt getan. Die EU erwägt seit einer Weile Vergleichbares, und auch in Deutschland erheben sich diesbezüglich immer mehr Stimmen aus der Politik. Ein Positionspapier der SPD etwa fordert ein vollständiges Social-Media-Tabu für Kinder bis 14 Jahren und darüber hinaus: "Für Jugendliche bis 16 Jahre soll eine verpflichtende Jugendversion der Plattformen gelten. Diese Jugendversion soll bestimmte Anforderungen erfüllen. Algorithmisch gesteuert[e] Feeds und Empfehlungssysteme solle es für diese Altersgruppe nicht geben und auch keine personalisierte Inhalteausspielung. Zudem sollen suchtverstärkende Funktionen wie Endlos-Scrollen, automatisches Abspielen von Inhalten, Push-Benachrichtigungen, Gamifizierung oder Belohnungssysteme auf Grundlage intensiver oder dauerhafter Nutzung unterbunden werden." Da käme ein ordentlicher Brocken Arbeit auf Meta & Co. zu.

Nun, warten wir's ab. Mag sein, dass wir in fünf Jahren diesen Beitrag lesen und mit Leichenbittermiene ausrufen: "Oh Mann, wir waren damals tatsächlich kurz davor, eine Social-Media-Schranke für Kids einzuführen ... Alles hätte sich zum Guten wenden können!" Oder aber eine solche Maßnahme wird längst umgesetzt worden sein, und wir sagen: "Ach guck, so fing das also an im Jahre 2026!" Meine Meinung? Soziale Medien komplett abschaffen!

Sonntag, 18. Januar 2026

Mythos Arbeit

Geständnis: In manchen Bereichen des Lebens habe ich alarmierend wenig Ahnung. Durch besondere Unkenntnis und, falls das ein Wort ist, Unerwachsenheit zeichne ich mich aus, wenn es ums Geldverdienen geht. Sagt mir etwa jemand (warum auch immer), er oder sie verdiene "65.000 Euro im Jahr", weiß ich nicht, was ich mit dieser Information anfangen soll. Ist das viel oder wenig? Brutto oder netto? Ist die Person Freiberufler/in? Gehen da mithin Kranken- und sonstige Versicherungsbeiträge von ab? Es kommt ja, wie so oft, drauf an. Meiner Ignoranz zuträglich ist, dass man mich mit hohen Einkünften oder sonstigem Statusausweis überhaupt nicht beeindrucken kann.

Der neueste Focus hat mir endlich ein wenig Aufklärung verschafft. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt beträgt demnach in Deutschland 51.272 Euro, wobei sich immer noch ein empörender Gender-Gap auftut (Männer: 53.856 €, Frauen: 47.028 €). Vom Ost-West-Gefälle abgesehen, zeigen sich zudem Unterschiede, betrachtet man die Gehaltskarte nach Bundesländern aufgeschlüsselt: Hessen liegt mit 55.000 € vorn, ganz hinten rangiert mit 43.000 € Mecklenburg-Vorpommern, welches aber immerhin die größte positive Veränderung zum Vorjahr aufweisen kann (8,8 % Zuwachs).

Welche Branche hat die bemerkenswerteste Gehaltsentwicklung? Man kann sich's denken: Dank Schönheitswahn, Looksmaxxing, Longevity und sonstigen nicht nur von Social Media forcierten Bizarro-Trends (der Spiegel informiert diese Woche über das "Forever-35 Face") gab es im Bereich Sport/Beauty 2025 den markantesten Gehaltsanstieg, nämlich 10 Prozent. Der Wunschtraum der heutigen Jugend – Influencer werden – kommt nicht von ungefähr. Wie sieht es mit anderen Berufen konkret aus? Auch dazu hat der Focus aktuelle Statistiken. Mit einem Bruttojahresgehalt von 97.462 Euro sind – noch vor Piloten, Ärzten und Professoren – die Wirtschaftsprüfer Spitzenreiter. Außerdem in den Top-10: Program-Manager, Rechtsbeistand und Service-Delivery-Manager, drei Berufe, unter denen ich mir nichts vorstellen kann. Da "Anwalt" als eigener Punkt aufgeführt ist (Platz 9), muss es sich beim "Rechtsbeistand" um etwas Separates handeln, aber gewiss etwas anderes als die in § 149 StPO erfassten natürlichen Personen. Und ist ein "Softwarearchitekt" (Platz 6) dasselbe wie ein Programmierer? "Besonders schlecht bezahlt" sind u.a. Schulbegleiter, Friseure, Floristen, Küchenhilfen und Reinigungskräfte. Beruhigend ist es, dass nur 17 Prozent aller Deutschen den Wohlstand im Lande für "eher gerecht verteilt" halten ("eher ungerecht": 69 %, im Gehaltsschlusslicht Meck-Pomm gar 90,3 %), wie man einem anderen datensatten Artikel im selben Heft entnehmen kann ("Wie geht es Deutschland?").

Freitag, 21. November 2025

Es weihnachtet sehr (im November!)

Es tut mir leid, falls ich mit diesem Post Langeweile erzeugen sollte, doch getreu dem Motto des Techniktagebuchs, "Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in 20 Jahren!", ist es mir eine Herzensangelegenheit, für die Nachwelt festzuhalten, wann das hierzulande so richtig außer Rand und Band geriet mit dem vorzeitigen Feiertagsjubel (iubilatio praecox).

Am selben Tag, als ich an dieser Stelle erstmals über verfrühte Weihnachtsbeschmückung im öffentlichen Raum lamett-, äh: lamentierte, musste ich beim Gang auf die Einkaufszeile feststellen, dass auch in unserem Örtchen schon die Lichterketten funkeln. Zugegeben, hier oben im Taunus ist das nicht unpassend, fiel doch schließlich wenige Tage später ordentlich Schnee; der Große Feldberg ist bereits vollständig berodelbar. Aber auch in Frankfurt: Lichterglanz, Adventskränze und rot-grüne Ornamente, wohin man schaut. Besonders Apothekenschaufenster tun sich diesbezüglich hervor. Und vor einem persischen Restaurant stehen drei mannshohe Aufblasfiguren aus dem Dunstkreis Santa Klausens. Anfang der Woche schaltete ich den Fernseher ein: Werbespots, als wär's schon Mitte Dezember! Ist der Coca-Cola-Christmas-Truck in der Vergangenheit auch schon um diese Jahreszeit über die Mattscheibe gerauscht?

Unerhörtes dringt vom Tegernsee zu uns: Uli Hoeneß hat seine "berühmte Fichte im Garten bereits zum Christbaum umfunktioniert und illuminiert", was der FAZ heute den Großteil ihrer "Deutschland und die Welt"-Seite wert war. "Ist das nicht ein bisschen früh?", frug sie den FC-Bayern-Ehrenpräsidenten, der sich wie folgt rechtfertigte: "Normalerweise beleuchten wir erst um den ersten Advent. Aber jetzt hat es geschneit, fast zehn Zentimeter. In so einer schönen Winterlandschaft sieht der Baum besonders schön aus." Dass die knapp 1000 Lämpchen mit Einbruch der Dunkelheit eingeschaltet werden und sich sieben Uhr morgens ausschalten, dass die Fichte mittlerweile den Status einer örtlichen Attraktion eingenommen hat und dass "zwei Fachleute zwei Tage lang" unter Zuhilfenahme eines Kranwagens mit dem Herrichten des Baumes beschäftigt waren, ließ uns Hoeneß im Interview wissen.

Offenlegung: Ich persönlich bin diese Woche kulinarisch schwach geworden und habe mir eine Packung Stollenkonfekt (Mohn-Marzipan) als Snack zum Nachmittagskaffee geholt. Die Dinger sind mega.

Dienstag, 11. November 2025

"Bald" nun ist Weihnachtszeit

In den Chor derer, die den alljährlich weiter nach vorn rückenden Verkaufsstart für saisonales Naschwerk beklagen, mag ich nicht einstimmen. "Spekulatius im August! Christstollen im September! Fondant-Dotter im Januar!" – ja ja, wir haben's zur Genüge gehört. Was mir jedoch dieses Jahr auffällt, scheint mir dokumentierenswert: Bereits jetzt, Anfang November, ist an vielen Stellen Weihnachtsdekoration zu sehen. Auf einer Imbissbude im Frankfurter Hauptbahnhof stehen mindestens seit letzter Woche Rentiere und winterliche Ornamente. Am Oberdeck eines Parkhauses in der Innenstadt hängen silbern glitzernde Lichterketten. Diverse Schaufenster sind entsprechend geschmückt. So einen regelrechten Festtags-Drang kannte ich bisher nur aus anderen Ländern. Tannengrün vor dem 1. Advent, das war doch bislang bei uns undenkbar. Es macht den Eindruck, als könnten es die Deutschen heuer kaum erwarten, dass es weihnachtlich wird, als sehnten sie die besinnliche Zeit nicht nur herbei, sondern wollten sie mit aller Gewalt manifestieren.

Wenn ich dran denke, werde ich nächstes Jahr das erste Auftauchen von Xmas-Deko fotografisch festhalten. Ich könnte mir im Übrigen vorstellen, dass man hierzulande demnächst auch das Erntedankfest nach amerikanischer Art begeht, quasi als Nachvornverlängerung der Weihnachtszeit. Halloween, Thanksgiving, Nikolaus, Heiligabend, Silvester, zwei Monate lang "Happy Ho-Ho-Holidays!" – ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll.

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Meine konservativste Meinung

Diesen Beitrag habe ich bereits am 10.3.2021 angelegt, dann jedoch nie ausgebaut, weil mir seine Veröffentlichung jedes Mal, wenn ich an ihn dachte, unpassend erschien. Sein Thema ist seit Jahren fortwährend und unabhängig vom aktuellen politischen Wind Gegenstand hitzig geführter Diskussionen. Es geht um die Erbschaftssteuer, und meine Meinung dazu mag manche überraschen, sie ist nämlich, wie man der Überschrift entnehmen kann, eher dem konservativen Lager zuzurechnen. Ich finde – ohne den abgeschmackten Spruch mit dem Herz und dem Verstand zu bemühen –, ab 40 darf man sich selbst als dem Selbstverständnis nach links der Mitte Stehender eine konservative Meinung leisten (ab 50 eine zweite und pro folgendem Lebensjahrzehnt eine weitere). Und meine ist: Die Erbschaftssteuer sollte abgeschafft werden.

Dass ich schließlich jetzt damit um die Ecke komme, hat den Grund, dass ich auf gutes argumentatives Rüstzeug gestoßen bin, zugegebenermaßen an diesbezüglich wenig überraschender Stelle. Rainer Hank hat in der letzten FAS seine Kolumne "Hanks Welt" der Erbschaftssteuer gewidmet, und auch wenn ich nicht allen Punkten darin zustimme, seien die einleuchtendsten Passagen, in denen er seine Forderung "Schafft die Erbschaftssteuer ab!" begründet, wiedergegeben. Die Erbschaftssteuer sei eine "Strafsteuer", schreibt Hank und lädt zu einem Gedankenexperiment ein:

Menschen, die ihr ganzes Vermögen noch rechtzeitig vor ihrem Tod verjuxen [... ,] können dieses Geld nach Gutdünken abschlagsfrei verteilen: Kreuzfahrten buchen, Ferienhäuser kaufen, Dreisterne-Restaurants testen, teure Partnerinnen und Partner aushalten. Sie haben das Geld bereits versteuert und Einkommen-, Körperschafts- oder Kapitalertragsteuer drauf bezahlt. Sobald sie aber ihren wirtschaftlichen Erfolg an die Nachkommen weitergeben, müssen diese abermals Steuern bezahlen. Sollten sie Menschen beschenken, mit denen sie nicht verwandt sind, die sie aber für bedürftig halten, langt der Fiskus umso unverschämter zu.

Der zugrunde liegende Denkfehler oder vielmehr "Taschenspielertrick" des Staates, so Hank weiter, bestehe darin, dass er "die Perspektive vom Erblasser auf die Erben wechselt und denen vorwirft, ihre Erbschaft sei leistungsloses Vermögen". Was es, und hier streben unsere Sichtweisen dann doch auseinander, freilich ist! Rechtfertigt das jedoch, den Vermögensfluss innerhalb einer Familie, deren Stellenwert die Regierung doch seit je und Schwarz-Rot wieder verstärkt betont, radikal zu verengen? Dem Staat sollte daran gelegen sein, dass junge Leute sorgen- und schuldenfrei in die Zukunft starten. Das wäre eine Perspektive, welche in der Tat auf die Erbenden zielt, aber fair ist.

In Hinblick auf die Erblasser könnte man nun wohlwollend annehmen, dass deren Vermögen das Resultat lebenslanger harter Arbeit, klugen Investierens, vielleicht auch eisernen Sparens ist, und ganz gewiss wird es das in vielen Fällen auch sein, gerade in den sog. alten Bundesländern, wo Kapitalanhäufung in den circa vier goldenen Nachkriegsjahrzehnten auch für Schichten unterhalb der Oberschicht kein Hexenwerk war. Die Befürworter einer strengen Erhöhung der Erbschaftssteuer gehen indes davon aus, dass volle Geldspeicher gar nicht anders als durch Gaunerei und Ausbeutung entstanden sein können. Seien wir ehrlich: Viel zu viele Millionäre und Milliardäre hierzulande sind garantiert nicht durch Ehrlichkeit zu dem geworden, was sie sind. Aber eben hier muss der Gesetzgeber Schranken installieren. Ebenso auf der Hand liegt es, dass Superreiche über dubiose Kanäle und sonstige Mittel verfügen, mit denen sie schmerzhafter Besteuerung und etwaiger Bestrafung zu entgehen wissen. Auch hier ist es an den Herrschenden, entsprechende Rechtsgrundlagen zu schaffen, Grauzonen auszulöschen, hemmungsloses Scheffeln zu verunmöglichen.

Im letzten Abschnitt seines Beitrags liefert Rainer Hank einen meist übersehenen Beweis dafür,

dass die geltende Erbschaftssteuer nicht nur generell, sondern auch immanent ungerecht ist. Denn sie verschont die Fabrikanten. Es ist nicht in Ordnung, dass Unternehmenserben von der Steuer befreit werden, wenn sie die Belegschaft und Firma eine bestimmte Zeit erhalten. [...] Es gibt genügend gute Vorschläge, das bestehende Steuerrecht gerechter zu machen, indem man die Sätze für alle deutlich senkt, dann aber auch die Fabrikbesitzer verpflichtet, Steuern zu zahlen.

Eine Extrawurst für Fabrikanten sollte einen besonders fuchsig machen, bedenkt man, wie viele deutsche Dynastien vor allem dank Zwangsarbeitern, Enteignungen und Unterstützung des NS-Regimes groß geworden sind. Wie gesagt: "Die da oben" müssten an den wirklich ungerecht gestellten Schrauben drehen. Stattdessen gehen sie den einfachsten Weg und fühlen sich dabei wie Robin Hood. "Das Label 'soziale Gerechtigkeit' camoufliert die fiskalische Gier, die sich das Geld dort holt, wo etwas zu holen ist."

Was aber wäre nun wie zu ändern? Ich glaube, dass die Uneinigkeit darüber gar keine Frage von links vs. rechts ist. Hinderlich und schädlich ist eine menschlich-gesellschaftliche Eigenschaft, die ich als typisch deutsch diagnostiziere: Missgunst. Missgunst darf nicht mit Neid gleichgesetzt werden, denn Neid vermag auszulösen, dass man nach Höherem strebt und aus diesem Antrieb heraus irgendwann tatsächlich aufsteigt, er kann somit etwas Positives sein; sorry, wenn das arg neoliberal klingt. Missgunst hingegen heißt: Ich kann es nicht haben, also soll mein Nachbar es auch nicht haben! Ein letztes Mal R. Hank: "Mehr Gleichheit stellt man am besten nicht durch Umverteilung her, indem man den Menschen etwas wegnimmt (Erbschaftssteuer). Langfristig effektiver und moralisch überzeugender ist es, möglichst viele Menschen zu befähigen, reich zu werden." Sollen doch die Reichen immer reicher werden – wenn gleichzeitig die Armen weniger arm und schließlich selber reich werden! Wohlstand für alle: So konservativ ist diese Forderung doch gar nicht, oder?

Offenlegung: Ich selbst habe noch nie etwas geerbt und bin von dem ganzen Komplex persönlich nicht betroffen.

Donnerstag, 14. November 2024

Wort des Monats (plus Bonuswort)

Heute kommt der Dokumentarfilm "Johatsu – Die sich in Luft auflösen" in die Kinos. Weder das japanische Wort jōhatsu noch den dahinterstehenden Begriff kannte ich bis vor kurzem. Mit "die sich verflüchtigt Habenden", "die Verdunsteten" oder "die zu Wasserdampf Gewordenen" lässt es sich wohl übersetzen. Rund 100.000 derart bezeichnete Menschen (der Rezensionstext der Cinema sprach von 80.000) lassen sich angeblich jedes Jahr mit Hilfe von "Nachtflugagenturen" (Night Moving Companies) in Luft auflösen: Weil sie sich aus einer Beziehung lösen wollen, ihren unglücklich machenden Job aufgeben möchten (was in Japan als ehrenlos gilt) oder in kriminelle Machenschaften verstrickt sind, geben sie ihr bisheriges Leben auf, lassen ahnungslose Angehörige und Bekannte zurück und fangen an einem fremden Ort wieder bei null an. Über jōhatsu zu sprechen ist nicht weniger tabuisiert als über Suizid. Einen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu diesem Phänomen gibt es noch nicht, dabei sei es laut dem englischsprachigen Eintrag auch für Deutschland belegt.

Schon eher bekannt, wenngleich eine wahrscheinlich der buddhistischen Mythologie entlehnte urbane Legende, ist das Konzept, das auf japanisch ubasute oder obasute/oyasute heißt, wörtlich "eine alte Frau" resp. "ein Elternteil zurücklassen". Gemeint ist das Aussetzen greiser Familienmitglieder. Laut Wikipedia sollen "im späten 18. und 19. Jahrhundert [...] verarmte Familien während Hungersnöten Kleinkinder wie auch pflegebedürftige Senioren in besonders dichten Wäldern und/oder schwer zugänglichen Bergregionen ausgesetzt und zum Sterben zurückgelassen haben." Die englische Wikipedia listet Beispiele aus der Popkultur auf. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch auf Senizid in Indien (Thalaikoothal) und im (prä-)historischen Schweden (Ättestupa; engl.) hinweisen.

Donnerstag, 28. Dezember 2023

Die K-Frage

Eine Frage, die mir schon mehr als einmal gestellt wurde, die ich aber spontan nicht beantworten konnte, kann und könnte, ist: "Kannst du kochen?" Wenn man Kochen als das definiert, was ein ausgebildeter Koch macht, dann: nein. Anhand eines präzise ausformulierten, moderat anspruchsvollen Rezepts etwas annähernd Schmackhaftes zubereiten? Das kriege ich hin.

Bis in die 1980er Jahre hinein bedeutete die Frage, meist von Eltern bzw. Großeltern dem Filius gestellt, wenn er verkündete, jemanden kennengelernt zu haben, etwas ganz Konkretes. "Kann sie kochen?" meinte: Ist die Angetraute in der Lage, ohne Anleitung ein gutbürgerliches Gericht, bestehend aus der deutschen Dreifaltigkeit Fleisch, Gemüse und Sättigungsbeilage, zu kredenzen? Gerade in Hinblick auf die Weihnachtszeit war es unabdingbar, frühestmöglich Klarheit zu schaffen. Der Junge sollte doch was Anständiges vorgesetzt bekommen, so wie es sein Vater von seiner Mutter gewohnt war und dessen Vater von dessen Frau!

Heute verliert die schwammige Frage, ob jemand kochen könne, immer mehr an Bedeutung. Viel aufschlussreicher finde ich ohnehin den Austausch darüber, ob jemand essen kann. Wie und was wer speist, das ist ein soziologischer Mischwald, durch den ich gerne wanderte. Dabei interessiert mich die Kulturtechnik Essen weniger als Distinktionsmarker (Stichwort Bourdieu), sondern hinsichtlich ihrer Wahrnehmung von und ihrem Stellenwert bei verschiedenen Altersgruppen.

Ältere Millennials und jüngere Gen-Xer (Unter-30-Jährige lesen keine Blogs) mögen sich das Essverhalten ihrer Eltern vor Augen führen: Könntet ihr eure Eltern zum Beispiel auf eine Bowl einladen? Würden sie in einer rein veganen Gaststätte auf Anhieb ein Gericht wählen können? Haben sie je Thai-Currypaste und Kokosmilch im Haus, um ein für Menschen meiner Alterskohorte absolut unspektakuläres Standard- (wenn nicht gar Not-)Mahl zusammenzurühren? Nee, oder? Der leicht klassistische Spruch "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht" geht somit m.M.n. am Kern vorbei; treffender wäre: "Was der Jungbauer kennt, frisst der pensionierte Landwirt nicht unbedingt". Werten möchte ich das in keiner Weise, mich beschäftigt nur die Vorstellung, ob ich dereinst eine ähnliche Entwicklung durchlaufen werde: dass sich meine gastronomische Experimentierfreude ausschleicht, dass ich irgendwann nur auf Altvertrautes zurückgreife, beim Lebensmitteleinkauf nie aus der Routine ausbreche, dass ich lieber zum guten, alten Inder gehe als in diese neumodischen südkaschmirischen Spezialitäten-Restaurants! Im Moment behaupte ich selbstbewusst, für alles offen zu sein. Ich bin aber auch offen dafür, dass andere eher verschlossen sind.

Donnerstag, 21. September 2023

Evolution im Frankfurter Hauptbahnhof

Ich bin nicht unbedingt der Auffassung, dass die Menschheit immer dümmer wird. Aber dass den Menschen zunehmend alles ausformuliert und vorgekaut werden muss, dass man sie an die Hand zu nehmen, sie in die Schranken zu weisen hat, ist allüberall wahrzunehmen. Vormals Selbstverständliches muss in Vorschriften gegossen werden. Man kommt ja beim Wandern kaum noch an einer Koppel vorbei, an deren Umzäunung kein Hinweis hängt à la "Bitte die Schafe/Pferde/Ziegen nicht füttern!!! Uns sind in diesem Sommer bereits drei Tiere verreckt. Lassen Sie in Gottes Namen Ihr 'Futter' im Rucksack!"

Eine dieser omnipräsenten verachtenswerten, überteuerten, generischen Zugreiseproviantverkaufsstellen (ich weigere mich, das Wort "Bäckereien" zu verwenden) hat unlängst Orientierungshilfen auf den Boden kleben lassen, damit Vorbeikommende wissen, wo sie sich, wenn sie etwas erstehen möchten, anstellen und wo sie, wenn nicht, weiterziehen sollen. Na klar, warum nicht? Vorher kam es in dem ohnehin ständig überlaufenen Bahnhof wahrscheinlich regelmäßig zu Verknotungen, Doppelschlangen und Behinderungen, garantiert habe auch ich schon mal irgendwo deppert im Weg gestanden. Trotzdem ist die Existenz solcher Markierungen höchst symbolträchtig.

Montag, 31. Juli 2023

Dinner time!

Via TYWKIWDBI: Wann wird in US-amerikanischen Haushalten zu Abend gegessen? Eine Berechnung auf Grundlage von Erhebungen des American Time Use Survey 2018 bis 2022 ergibt folgenden Graphen (ich hoffe, es ist okay, den hierher zu kopieren):


18 Uhr 19 als Spitzenzeit überrascht mich. Nach dem, was ich in amerikanischen Filmen und Serien gesehen habe, hätte ich vermutet, dass viel später diniert wird. Der Datensatz lässt sich nach Bundesstaaten aufdröseln; demzufolge versammelt man sich in Pennsylvania am allerfrühesten am Esstisch, durchschnittlich um 17 Uhr 37, was ein Kommentator im verlinkten Blog damit zu erklären versucht, dass es in Pennsylvania eine hohe Population von Amish ohne Strom gibt. Diese Annahme lässt sich mit Blick auf die nackten Zahlen kontern: In Pennsylvania leben zwar mit 23,7 % die meisten Amish der USA, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung des Staates beträgt aber nur 0,67 %, was sogar von Ohio (0,69 %) und Indiana (0,92 %) übertroffen wird, deren Essenszeiten im Mittelfeld liegen. Texas ist übrigens Schlusslicht (19 Uhr 02), geschlagen nur vom District of Columbia (19 Uhr 10). Über die Gründe kann man spekulieren. ("Is it an age thing? A sunlight thing?")

Gäbe es auf meinem Blog so etwas wie Publikumsinteraktion, würde ich jetzt fragen: Wie ist das bei euch, wann esst ihr Abendbrot? Überhaupt hätte ich gern entsprechende Daten für Deutschland.

Donnerstag, 13. April 2023

Absperren und Schlüssel wegwerfen!!!

Eine üble Eigenschaft des Volkes – "des Pöbels" hätte ich beinahe geschrieben – ist seine ungehemmte Vergeltungsgeilheit: das Schreien nach Ausreizung aller Sanktionsmittel, wo nicht gar sofortigem Erhöhen von Strafandrohungen, sobald ein durch Spektakularität oder Seltenheit herausragendes Verbrechen von sich reden macht. Wobei das Geschrei teilweise schon bei Vergehen anhebt, denn ich beziehe mich nicht nur auf den "Todesstrafe für Kinderschänder!"-Mob, sondern denke beispielhaft an einen Tag im Oktober letzten Jahres, als der Bahnbetrieb im Norden der Bundesrepublik gestört wurde, nachdem Unbekannte, wie es hieß, "Sabotage an Kabeln, die für den Zugverkehr unverzichtbar sind", verübt hatten. Ich bin mir sicher, dass, falls die Täter irgendwann gefasst werden sollten, Stimmen laut würden, man müsse für den § 88 des Strafgesetzbuches umgehend eine nicht zu knappe Mindestfreiheitsstrafe einführen, und, falls den Beschuldigten die verfassungsfeindlichen Absichten ihres Tuns nicht nachzuweisen sind, für den § 315 StGB gleich mit.

Derlei wird man nicht nur in "Klartext"-Gastkommentaren bei den üblichen Hardliner-Gazetten lesen, sondern auch von Politikern hören. Denn die sagen niemals "Wir müssen die Schuldigen mit den angemessenen Mitteln eines Rechtsstaates und unseren so ausreichenden wie funktionierenden Gesetzen behandeln", sondern: "Wir müssen die Schuldigen die volle Härte der Justiz spüren lassen!" War es nicht eine Ministerin links der Mitte, die kürzlich wieder die berüchtigten "Konsequenzen" forderte, aber nicht etwa für Cum-ex-Gauner, sondern für die Aktivismusgruppe "Letzte Generation"?

Über den Spruch "Das muss eine Demokratie aushalten können" macht man sich nur noch lustig, Volksvertreter reden dem von tendenziösen Medien aufgestachelten Volk nach dem Mund, am Ende winkt Haft für Alltagsdelikte wie Sachbeschädigung oder versuchte Nötigung. Ständig soll etwas verschärft werden, ich kann mich nicht erinnern, dass mal jemand die Änderung eines Strafrahmens nach unten angeregt hätte. Herabzusenken ist stattdessen das Strafmündigkeitsalter, zumindest wenn es nach den nicht wenigen Leuten geht, die in den jüngsten aufsehenerregenden Gewaltverbrechen durch unter 14-Jährige einen beunruhigenden Trend sehen, der gestoppt werden muss ("Was früher jugendtypisch ein Kaufhaus-Diebstahl war, das wird heute jugendtypisch ein Tötungsdelikt", so allen Ernstes ein Münchner Rechtsanwalt gegenüber dem Ekelblatt Nr. 1). Klar, wozu überhaupt noch Jugendstrafrecht; urteilen wir doch gleich Kinder wie Erwachsene ab!

Ich sag's, wie's ist: Diese Sehnsucht nach punitivem Exzess und gnadenloser Autorität ist eine Vorstufe von Stammtischparolen à la "Wir brauchen mal wieder einen kleinen Führer, der für Zucht und Ordnung sorgt". Das macht mir Angst.

Samstag, 3. Dezember 2022

Was stimmt mit Leuten nicht?

Wenn ich im Supermarkt zum Schalter gegangen bin, lege ich meine Waren brav – nicht zu einem chaotischen Haufen zusammengeworfen, aber auch nicht zu weit auseinander – zwischen zwei Trennstäbe auf das Kassenband. An dessen Ende stelle ich mich sodann auf, um jedes gescannte Produkt in Empfang zu nehmen und entweder direkt in meinem Stoffbeutel* zu verstauen oder noch einmal im Warenkorb/Einkaufswagen zwischenzulagern. Nach dem Bezahlvorgang, der nur seltenst mit langwieriger Portemonnaie-Durchwühlung meinerseits verbunden ist, mache ich mich "Danke" und "Auf Wiedersehen" sagend von dannen, um der nächsten Person Platz zu machen.

* Ich habe noch nie in meinem Leben eine Papiertasche (oder, als es die noch gab, eine Plastiktüte) an der Kasse kaufen müssen. Meist bin ich eh mit Rucksack unterwegs; an den Stoffbeutel als Ergänzung bei größeren Einkäufen denke ich fast immer.

Vor mir jedoch steht in sieben von zehn Fällen jemand, der seine Artikel mit leerem Eselsblick auflaufen lässt und sie erst vom Band räumt, wenn der Kassenbon ausgedruckt ist. So kommt es, dass meine Waren keine Chance haben, in den dafür vorgesehenen Bereich ("Warenauffangniederung"?) zu rutschen; es kommt zu einer Stausituation, in der schlimmstenfalls die Einkäufe von zwei Personen miteinander vermengt werden! Warum sind viele Kundinnen und Kunden so? Ist es böser Wille? Lernunfähigkeit? Starrsinn? Ignoranz? Brauchen wir hierzulande Einpackkräfte wie in US-amerikanischen Ketten? Irgendwann werde ich nicht an mich halten können und werde eine derartig unfähige Person vor mir anherrschen: "Warum packen Sie Ihren Scheiß jetzt erst weg? Sehen Sie nicht, dass sich hier alles staut? Sie sind massiv im Weg! In einen Einkaufsgrundkurs für Vorschulkinder sollte man Sie stecken!" Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mir so was tatsächlich entfährt. An Selbstscankassen traue ich mich nicht.

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Denkt an die Kinder!

Wenn man früher in Ländern mit höheren Lebensmittelkosten als in Deutschland zu Gast war, etwa in Norwegen oder in der Schweiz, dachte man sich beim forschenden Gang durch die Supermärkte: 'Himmel, die armen Menschen, die hier leben! Wie kommen die nur über die Runden?' Es dauerte dann einen bis zwei Gedankensprünge, bis einem klar wurde, dass dort die Reallöhne und die Kaufkraft ebenfalls höher waren. Im Herbst 2022 haben die Preise in unseren Kaufhallen beinahe skandinavisches Niveau erreicht, ohne dass die Haushaltseinkommen gestiegen wären. Als wären die Sorgen, die seit gut fünf Jahren von diversen Katastrophen und Krisen verursacht werden, nicht genug, muss ein großer Teil der deutschen Bevölkerung nun auch noch unter Existenzängsten leiden. Es ist gerade wirklich nicht schön, auf der Welt zu sein, vor allem wenn man in der Blüte seines Lebens steht und die vage Hoffnung hatte, sich "etwas aufbauen" zu können. Aber ich will gar nicht jammern! Sondern sachte zum eigentlichen Punkt kommen.

Ich habe seit mindestens zehn Jahren keine politische TV-Talkshow geschaut, aber Anfang bis Mitte der Nullerjahre zappte ich regelmäßig und mit Vergnügen zu "Hart aber fair", zum Beispiel während ich Hausaufgaben machte. Jede Woche hatte dabei ein Gast die Rolle des Buhmanns einzunehmen, eine Person mit einer Meinung, die allzu offensichtlich vom Konsens der Talkrunde abwich und nur dazu diente, Zunder in das Format und selbst Moderator Frank Plasberg gelegentlich aus der Contencance zu bringen. Sollte dieses Spiel noch immer so gespielt werden, würde ich gerne mal jemanden in einem Panel sitzen (oder stehen) sehen, der Folgendes vorträgt:

Deutschland ist immer noch ein reiches Land. Das Gebot der Stunde ist Umverteilung. Und dann fängt man erst mal bei den oberen Hundert an. Niemand muss Milliardär sein, heißt es doch immer. Klar. Aber dann sollten wir uns auch die finanziell zweitstärkste Bevölkerungsgruppe vornehmen. Ich sag' Ihnen, wer das ist: Schulkinder. Na-, nein, ja lassen Sie mich bitte ausreden! Wenn ich mittags zu Rewe gehe ... ach so, ja, sicher, es gibt auch noch Edeka, Nahkauf und Norma. Wenn ich jedenfalls zufällig in der Mittagszeit in meinen Stamm-Rewe gehe, was glauben Sie, was da los ist? Der Laden bricht aus allen Nähten, weil er gefüllt ist mit Schulkindern. Da sehen Sie Mädchen und Jungs im Alter von, ich sag' mal neun bis sechzehn Jahren, die stehen allesamt mit vollen Händen an der Kasse. Energydrinks, Chipstüten, Backwaren, Instant-Ramennudeln, Süßigkeiten. Und so geht das jeden Tag. Das ist notabene das Einzugsgebiet ... Wie? Ach so, ja, "wohlgemerkt", danke, Herr Plasberg. Das sind wohlgemerkt hauptsächlich Kinder aus einer integrierenden Gesamtschule, "Problemschule" hätte man früher gesagt, also wo man denkt, da ist das Taschengeld begrenzt. Aber nein, das ist einfach da, fünf, sechs Euro täglich für Junkfood, vermutlich nach dem Unterricht noch einmal. Und das ist nicht nur ein Phänomen in meinem Wohnort, in einer anderen deutschen Großstadt kann ich das ebenfalls beobachten. Wir hatten ... Ich will jetzt nicht den Opa mit dem erhobenen Zeigefinger geben, aber womöglich erinnern Sie sich auch an Ihre Schulzeit, meine Damen und Herren. Da hatte man eine Brotbüchse – Brotkapsel hieß es bei uns auch – mit belegtem Brot, das man von zu Hause mitgebracht hat. Klar, manche von uns sind auch mal in der großen Pause zu Netto gegangen; "ins Netto" haben wir komischerweise immer gesagt ... Hm? Äh, genau, es gibt auch noch Lidl, Aldi oder Penny ... Aber da hat man sich maximal ein Käsebrötchen geholt. Die Gesellschaft müsste eben nicht nur einfach ein Bewusstsein schaffen, man müsste das Konzept Brotdose wieder einführen, davon ab, dass gesunde Ernährung ... Wenn ich das kurz zu Ende führen darf? Das ist ... selbstverständlich wieder eine andere Baustelle, schön, dass wir uns da einig sind. Worauf ich hinaus will: Hier muss der Staat die Schere ansetzen ... Nein. Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich will Familien mit Kindern keineswegs etwas streichen. Jetzt werden Sie unsachlich. Um Bemessungsgrenzen geht es, um Entlastung für hart arbeitende Menschen. Umverteilung eben.

Ob der, der hier spricht, ein Avatar von mir ist oder nur ein Strohmann, verrate ich nicht.

Sonntag, 9. Oktober 2022

Über den Woken

Patton Oswalts neues Stand-up-Special "We All Scream" kommt nicht ganz an frühere Programme ran, wartet aber im letzten Viertel mit einem wahren Glanzstück auf. Es geht um das leidige Thema Wokeness.

I'm woke … I think. But you know what? I won't be some day. And so will all of you. Be woke, be open-minded, just don't pet yourself on the back. 'Cause that will bite you in the ass. […] Progress will always fucking steamroll over you.

Ja, ja, dreimal ja! Ich bin bereit, das meiste, wofür die "woke army" (lieb gemeint) einsteht, gutzuheißen, ich bin Fan von Toleranz, Respekt, Gleichberechtigung, Sichtbarmachung und Antitoxizität, falls es dieses Wort gibt. Ich klicke auch mal auf "Gefällt mir", wenn jemand Ungerechtigkeit und Diskriminierung outcallt. Worüber ich mich aber innerlich maßlos ärgere, ist die trügerische Einschätzung gewisser Gruppen, an der moralischen Spitze zu stehen; die felsenfeste Überzeugung, dass nach "uns" keinerlei Weiterentwicklung mehr stattfinden könne, weil "wir" den Gipfel menschlicher Erkenntnis erreicht hätten. Woher nimmt man so ein Selbstbewusstsein? Man muss doch in der Lage sein, gesellschaftliche Entwicklungen zu antizipieren – gewiss nicht, welcher Art diese sein werden, aber dass sie stattfinden, wird einem schwanen, wenn man eine Weile auf diesem Planeten verbracht hat. Klar kannst du in einem halbstündigen Video-Essay aufdröseln, warum der Hollywood-Klassiker von 1983 "problematisch" ist, aber sei gefälligst darauf gefasst, dass in 25 Jahren ein aufgeweckter Teenie auf QuippQuapp (erfundener TikTok-Nachfolger) darlegt, weshalb die Lieblingsserie deiner Kindheit oder ein von dir verehrter Influencer zu beanstanden sei. (Das Wort "canceln" pflege ich zu vermeiden, denn einen glasklaren Fall von popkultureller Total-Vernichtung möge man mir noch vorlegen.) Im Jahr 2040 sind es womöglich "Peppa Pig" oder Billie Eilish, die "gar nicht mehr gehen", aus Gründen, die wir zurzeit nicht mal erahnen. Der Satz "Was heute falsch ist, war auch damals falsch" sagt sich nämlich so leichtfertig daher wie "Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein". Hm, das ist ein missglückter Vergleich, Entschuldigung! Lassen wir lieber Patton Oswalt zu Wort kommen, der sich ein ulkiges Beispiel aus seinem Metier zusammenspinnt:
I'll be doing comedy when I'm 70 and I will let slip something that I won't be able to keep up with. I'll be like, "I don't think people should fuck their clones!" – "Boooo!" […] Then I'll double down: "So, when I grew up, you didn't jerk off in a test tube and fuck whatever came out of it. If that makes me the bad guy, I'm sorry!" – "Boo!"

Irgendwann sind wir alle Boomer. Das sollten wir uns durch den Kopf gehen lassen, bevor wir uns zur unfehlbaren Werte- und Geschmacksinstanz erheben. Mit ein paar zeitlosen Tugenden könnten wir sogar die Jauchengrube Facebook zu einem erträglichen Ort machen. Einfühlungsvermögen, Gelassenheit, Empathie. Mit sich selbst streng und kritisch sein. Sich eingestehen, dass man nicht perfekt ist. Am besten gar nicht erst aufs hohe Ross steigen, sonst kommt man später allzu schwer wieder herunter.

Mittwoch, 4. Mai 2022

Was vom Tiere übrig blieb

Gesetze, und das ist auch gut so, ändern sich, sind stetiger, an sich wandelnde Einstellungen und ungeschriebene Normen ausgerichteter Beurteilung ausgesetzt und müssen gegebenenfalls vor der aktuellen gesellschaftlichen Hintergrundstrahlung neubewertet werden. Das Recht schreitet dabei nicht geradlinig in eine Richtung, es macht leider hier und dort Rückschritte, man schaue nur auf gewisse Weltgegenden mit sich religiös radikalisierenden Regierungen – oder auch bloß in die sogenannte Free World (Stichwort Roe v. Wade).

Bleiben wir in Deutschland. Als ich gestern dem Wikipedia-Artikel des Tages folgte, landete ich irgendwann bei "Tierkörperverwertung" (Rat: Nicht vor dem Frühstück lesen!), dessen Abschnitt "Rechtlicher Hintergrund in Deutschland" ich entnahm, dass seit 2017 die Möglichkeit der Pferdebestattung besteht. Das finde ich aus mehreren Gründen beachtlich. Zum einen streift die historische Praxis, Pferde zu beerdigen, ein Fachgebiet von mir (tatsächlich werde ich im Wiki-Eintrag zu Pferdekult mehrmals zitiert); die präferierte und einzig gangbare Form ist heute allerdings nicht die Erd-, sondern die Feuerbestattung, so dass künftige Generationen keine Skelettreste aus unserer Epoche freilegen und daraus kulturanthropologische Schlüsse werden ziehen können. Zitat: "Stand Anfang 2022 gibt es in Deutschland drei zugelassene Pferdekrematorien mit vier Standorten. Darüber hinaus sind Anbieter aus Frankreich und den Niederlanden aktiv, die auch aus Deutschland in ihre Krematorien im Ausland überführen. Nur die Feuerbestattung im Krematorium ist für Equiden zulässig." (Von Equiden spricht das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz [TierNebG] und bezieht sich somit nicht nur auf Pferde, sondern auch auf Zebras, Esel usw.)

Zum anderen scheint mir die Vorschrift im Hinblick darauf, was ich in der obigen Einleitung ansprach, bemerkenswert. Warum haben wir plötzlich das Bedürfnis, tote Pferde nicht mehr einfach zu beseitigen, sondern ihnen eine Behandlung wie unseresgleichen angedeihen zu lassen? Versetzt man sich in die Volksseele der westlich-durchindustrialisierten Zivilisation und speziell der deutschen vor sagen wir fünfzig Jahren hinein, muss man sich auf dem Standpunkt wähnen, dass Tiere nichts anderes als Produkte, Werkzeuge, letztlich Glieder einer Verwertungskette sind. Der Mensch lebt nicht neben dem Tier, er hat sich über es erhoben und kennt es nur mehr als Nutz-Wesen. Seit etlichen Jahren erleben wir aber eine Kehrtwende im Denken, wir haben erkannt, dass wir auf Tiere nicht nur wegen ihres Fleisches, ihres Fells etc. angewiesen sind, zudem liefert die Wissenschaft immer neue Erkenntnisse bezüglich der Empfindungen und kognitiven Fähigkeiten tierischer Geschöpfe. Die Folgen sind gesteigerte Empathie und als Konsequenzen der Siegeszug des Vegetarismus, Bewusstsein für Umweltschutz, bessere Behandlung von Vieh und manches mehr, was sich eben auch in Gesetzestexten widerspiegelt. Um das klarzustellen: Ich verstehe das nicht als "Rückschritt", ganz im Gegenteil. Auch darf man den geweiteten Blick auf unsere mehrbeinigen Freunde nicht mit verkitschter Hundeliebe gleichsetzen. Zumal die emotionale Nähe zum (Haus-)Tier ja nicht kontinuierlich abgenommen oder auf niedrigem Niveau stagniert hatte, bevor sie im Post-Industriezeitalter (?) sprunghaft anstieg. Immer wieder hegten Völker und Individuen besondere Verhältnisse zu (domestizierten) Viecherln, davon zeugen nicht zuletzt ehemalige Schindäcker wie der, in dessen Nähe ich wohne. Langer Rede kurzer Sinn: Man sollte sich ruhig mal in den Komplex Tierfriedhöfe & Co. einlesen.

PS: Gestern habe ich "The Northman" im Kino gesehen und mich sehr gefreut, dass darin ein altnordisches Pferdeopfer dargestellt wird.

PPS: Im Zusammenhang mit Tierkörperverwertung lernte ich das schöne Wort Knickei kennen. Das sind Hühnereier mit Rissen oder Bruchstellen in der Schale. "Bis in die 1980er Jahre konnte der Konsument auf Anfrage bei Bauernhöfen, die ihre selbsthergestellten Produkte verkaufen, noch Knickeier erhalten. Diese waren im Preis stets stark reduziert [...]. Bis 2004 unterschied man Eier der Güteklassen B und C. [...] Eier der Güteklasse C [waren] stark beschädigt und nicht für die Lebensmittelindustrie zugelassen [...]. Mit Zusammenführung der Güteklassen B und C dürfen Knickeier derzeit, wie alle anderen Eier der Güteklasse B, nur noch an die Lebensmittelindustrie und zur industriellen Weiterverarbeitung u. a. zu kosmetischen Produkten verkauft werden."

PPPS: Dass ich an anderer Stelle erfuhr, dass Mikrowellen bis 1988 bei der Deutschen Bundespost angemeldet werden mussten, hat zwar nur am Rande mit all dem zu tun, ist aber zu kurios, um es hier nicht zu erwähnen.

Freitag, 5. November 2021

Hochstapelei

In Cochem an der Mosel sah ich jüngst etwas, das ich noch nicht kannte: eine Pizzakartonsammelstelle. Die zu stapelnden Kartons werden im Grunde lediglich von vier metallenen "Tischbeinen" eingefasst.


Erklärung für "Futurelings": Als während der pandemiebedingten Restaurantsperrungen das To-go-Essen zum Volkssport wurde, ging mit der wegen ihrer Praktikabilität besonders gestiegenen Beliebtheit von Pizza ein sichtbares Müllproblem einher: Allüberall ließen die Draußenfressenden die fettigen Schachteln liegen. Mit dieser so simplen wie genialen Konstruktion wollte man dem entgegenwirken.

Sonntag, 28. März 2021

Die Tee-Zeremonie

"In der Coronapandemie haben die Briten die Liebe zum Tee wiederentdeckt", lese ich gerade. "Neun von zehn Menschen im Königreich gönnen sich nun regelmäßig ein Tässchen – zunehmend auch jüngere." Das erstaunt mich insofern, als ich geschätzt hätte, dass sich bisher zehn von zehn Menschen im Königreich mindestens einmal pro Tag a cuppa gönnen. Sofern zeitgenössische britische Serien und Filme die Lebenswirklichkeit widerspiegeln, ist Tee mehr als ein Genussmittel für private Mußeminuten, er ist flüssiger sozialer Kitt. Selbst wenn deine verfeindete Nachbarin wutentbrannt vor der Wohnungstür aufmarschiert, um sich über dies und das zu beschweren, gebietet es der Anstand, sie auf eine Tasse Tee hereinzubitten. Wenn nun in einer Filmszene jemand so ein Teetrinkangebot ablehnt, ist das ein Symbol dafür, dass die letzten Brücken eingerissen sind. Fernsehklischee, klar.

Ich selbst trinke jeden Tag Tee, obwohl ich dem Inselvolk nicht staatsbürgerlich, sondern nur mit dem Herzen verbunden bin. Beliebter Schwarztee wie Earl Grey kommt mir allerdings nicht in den Pott. Für mich kann es gar nicht postmodern und albern genug sein, weswegen ich im Supermarkt vergnügt kichernd zu Sorten wie denen der aktuellen "fabelhaften" Edition von Meßmer greife: "Zauber der Zwerge" (Holunder-Waldmeister) oder "Fantasie der Feen" (Himbeer-Vanille).

Samstag, 17. Oktober 2020

Deutschland 2020

Interviewschnipsel aus dem aktuellen Stern:


Ich betone: aus dem aktuellen Stern, nicht etwa aus einer Ausgabe von 1620. Gute Güte!

Da muss ich an eine Begebenheit aus dem Februar dieses Jahres denken. Schon eine reichliche Zeitspanne vor dem Eintreten der allgemeinen Maskenpflicht hatte ich mir angewöhnt, bei Einkäufen und sonstigen Erledigungen einen Mundschutz zu tragen. Einmal lief ich nun also derart teilvermummt über meine lokale Einkaufsgasse, als ein Passant zu seinem circa sechsjährigen Sohn, auf mich zeigend, rief: "Kuck mal, der hat Corona!" Am liebsten hätte ich erwidert: "Wenn ich wüsste, dass ich Corona hätte, würde ich dich Arschloch jetzt mit Absicht anhusten! Was bist du eigentlich für ein Vorbild für dein Kind?"
["Curb Your Enthusiasm" theme starts playing in the distance]

Montag, 5. Oktober 2020

Betr.: Törtlis, Beratung, Röster, Blogger

Neulich habe ich endlich gelernt, was der Unterschied zwischen Tortelloni und Tortellini ist. Beziehungsweise: Mir ist überhaupt erst klar geworden, dass es einen Unterschied gibt. Dieser besteht, wie man sich denken kann, in der Größe: Tortellini sind kleiner als Tortelloni. Erfreulich ist die seit Jahren ansteigende Vielfalt an Supermarkt-Tortelloni, womit ich natürlich die Nassfertiggerichte im Kühlregal meine (Steinpilz, Kürbis, Ziegenkäse und und und); bei Trockenfertiggerichten hat man meist nur die Wahl zwischen Vier-Käse, Spinat-Ricotta und Schweinefleisch.

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In meinem Viertel gab es eine Aids-Beratungsstelle, die irgendwann geschlossen wurde. Als ich dies mitbekam, wusste ich nicht, was ich diesbezüglich empfinden sollte. Einerseits ist es immer traurig, wenn eine etablierte Einrichtung, besonders im sozialen Bereich, ihre Pforten schließen muss, andererseits kann man ja froh sein: Offenbar besteht kein Bedarf mehr an Aids-Infos, weil die Gesellschaft ausreichend aufgeklärt ist und/oder die Krankheit so gut wie verschwunden ist.

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Hinweis für Fans der österreichischen Küche: Marillen- bzw. Zwetschgenröster, die beliebten Palatschinken-Toppings, findet ihr in eurem Supermarkt möglicherweise nicht bei den Konfitüren, sondern in der Kompott- und Dosenobstabteilung! Rein zufällig sah ich in meinem Stamm-Rewe neulich die Gläser ebendort.

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Die Benutzeroberfläche von Blogger hat sich in den vergangenen Monaten wieder einmal geändert. Der Wechsel von der klassischen zur neuen Version war lange Zeit optional; währenddessen waren verschiedenste Macken zu erdulden. Mittlerweile nutze ich die aktualisierte Oberfläche und komme damit zurande, allein eine Sache stört mich: Beim Erstellen eines Beitrags wird standardmäßig ein Leerzeichen am Anfang eingefügt, das ich jedes Mal entfernen muss. Was soll das?