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Dienstag, 31. Oktober 2023

Betr.: Franchises, Inhaltsstoffe, Meißen, Karussells

Ich habe eine Meinung: Popkultur-Franchises sollten nicht länger als für die Dauer einer Menschengeneration ausgewalzt werden. Stell dir vor, du warst 1982, als die Sitcom "Cheers" startete, bereits 40 Jahre alt. Dann bist du jetzt, wo das Spin-off "Frasier" ein Revival erhalten hat, ein veritabler Greis. Oder gar schon verstorben. Traurig.
Bei "Doctor Who" ist es natürlich noch krasser, die Serie feiert nächsten Monat ihr 60-jähriges Jubiläum. Wie viele, die von Anfang an dabei waren, werden das wohl noch miterleben? (Nun ja, zumindest eine Person fällt mir ein, die sogar in der allerersten wie auch der zuallerletzt ausgestrahlten Episode mitgespielt hat.) "Doctor Who" mag ein Sonderfall sein, weil es da einen deutlichen "Bruch" aufgrund der (TV-)Pause von 1989 bis 2005 gibt, wobei natürlich nicht wenige Fans existieren, die sowohl die alte als auch die neue Serie kennen und goutieren. Nein, halt, schlechtes Beispiel: Die Pause von "Frasier" war viel länger, die Finalfolge des Ur-Installments wurde im Mai 2004 ausgestrahlt. Das ist mal ein "Bruch"! Gute Güte.
Jedenfalls möchte ich nicht, dass beispielsweise "Star Wars" noch nach meinem Tode weitererzählt wird. Ich will nichts verpassen.

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Für Shampoos mit ungewöhnlichen Zusätzen habe ich nach wie vor ein Faible. Neuerdings fällt mir auf, dass der 08/15-Bestandteil Kokos gerne mit Jojoba-Öl kombiniert wird. Ich weiß nicht mal, was das ist. Mein aktuelles Haarwaschmittel (aus der stets feinen Garnier-Reihe) ist mit Banane. Das Abgefahrenste, was ich mir zuletzt in die Haare geschmiert habe, war Shampoo von Syoss mit violettem Reis. Dabei handelt es sich offenbar um ein neues Superfood. Fit for Fun wusste bereits 2019 zu berichten, dass die lila Variante "reichlich Anthocyane" enthält, "das sind pflanzliche Antioxidantien. Diese verleihen dem Reis – wie auch Himbeeren, Heidelbeeren, Rotkohl und Auberginen – ihre natürliche dunkle Färbung. Die Pflanzenfarbstoffe schützen zudem vor freien Radikalen und somit vor vorzeitiger Alterung, stärken die körpereigenen Abwehrkräfte und fördern die Sehkraft. Der hohe Gehalt an essentiellen Nähr- und Mineralstoffen in lila Reis ist sogar wissenschaftlich belegt." Und das kann unser Kopf freilich gebrauchen.

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Erst dieses Jahr habe ich gelernt, dass die seit 1885 unveränderte Verpackungsgestaltung von Lyle & Sons' Golden Syrup offiziell als "world's oldest branding" gilt. Letzte Woche jedoch erfuhr ich in der Meissener Porzellanmanufaktur dies: "Die blauen gekreuzten Schwerter wurden 1722 erstmals zur Kennzeichnung von Meissener Porzellan verwendet. Sie sind die älteste, ununterbrochen verwendete Marke der Welt."
Na gut, es gibt womöglich einen Unterschied zwischen einer Markenkennzeichnung und einem branding, der mir nicht bekannt ist. Geht man aber von einem Logo im weitesten Sinne aus, gewinnt das Weiße Gold aus Meißen.
Das wäre übrigens mit Fug mindestens 125.000 Euro bei "Wer wird Millionär?" wert: die Antwort auf die Frage, wie es offiziell heißt – A) Meißener, B) Meißner, C) Meissener oder D) Meissner Porzellan.

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Man braucht sich über die katastrophalen Defizite "unserer" Kinder in den Bereichen Lesen und Schreiben nicht zu wundern, wenn die Erwachsenen mit so schlechtem Beispiel vorangehen. Nach der Schreibung von Karussell wurde, apropos, auch mal bei "Wer wird Millionär?" gefragt, für mindestens 8000 Euro, soweit ich mich erinnere.
Mensch, gerade in Frankfurt sollte das Wort doch sitzen. Lernt man hier nicht schon im Kindergarten den Badesalz-Klassiker "Das Leben ist ein Karussell" kennen?

Mittwoch, 19. April 2023

Lyle & Leu

Neulich beim Frühstück besah ich mir die Dose des von mir sehr geschätzten Aufstrichs Lyle's Golden Syrup (bekannt aus diesem Blog) genauer und fragte mich, was es mit der Illustration eines liegenden Löwen, über dem Insekten (?) fliegen, auf sich habe.


Tatsächlich ziert dieses Bild das britische Traditionsprodukt, seit dieses 1885 von der Zuckerraffinerie Abram Lyle & Sons auf den Markt gebracht wurde. Lyle & Sons fusionierte 1921 mit dem Konkurrenzunternehmen Henry Tate & Sons zum Lebensmittelverarbeitungsriesen Tate & Lyle, dessen Zuckersparte 2010 an American Sugar Refining verkauft wurde. Der goldene Sirup blieb in seiner liebgewonnenen Form unangetastet und sein Verpackungsdesign bis heute unverändert, wofür es sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde gab: als "world's oldest branding".

Aber wofür steht der umschwirrte Löwe denn nun? Leicht lässt sich herausfinden, dass die Zeichnung ein Verweis auf eine ziemlich verstörende Stelle im Alten Testament ist. Bibelkundigere Menschen als ich werden jetzt rufen: Na klar, der Simson-Zyklus im Buch der Richter! Mir war die Geschichte nicht bekannt. Ich zitiere aus der Einheitsübersetzung von 2016:
Ri 14,6 Da kam der Geist des HERRN über Simson und Simson zerriss den Löwen mit bloßen Händen, als würde er ein Böckchen zerreißen. Aber seinem Vater und seiner Mutter teilte er nicht mit, was er getan hatte. 7 Dann ging er hinab und redete mit der Frau und sie war recht in Simsons Augen. 8 Nach einiger Zeit ging er wieder hin, um sie zu heiraten. Dabei bog er vom Weg ab, um nach dem Kadaver des Löwen zu sehen. Und siehe, da war ein Bienenschwarm im Gerippe des Löwen und Honig. 9 Er löste den Honig mit den Händen heraus und aß davon im Weitergehen. Als er zu seinem Vater und zu seiner Mutter kam, gab er ihnen davon und sie aßen ebenfalls. Er sagte ihnen aber nicht, dass er den Honig aus dem Kadaver des Löwen herausgeholt hatte.
Zur Beruhigung aller sei gesagt, dass Golden Syrup nicht aus verwesenden Raubkatzen geschöpft wird, sondern seit jeher die Verfeinerung eines Abfallprodukts bei der Zuckerraffination ist.

Dienstag, 12. März 2013

Bizarre Serviervorschläge (V)

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In dem Grimmschen Märchen vom "Süßen Brei" bedarf es lediglich zweier Worte, um endlos quellende Mengen köstlicher Pampe zu produzieren: "Töpfchen, koch!" Kaum einer weiß, dass man Aldi-Tiefkühlbrezeln mit dem Spruch "Brezn, back!" zur Größe einer Almhütte anwachsen lassen kann. Serviert werden die Backwaren stehend.

Deutsche Frühstücker kann man im Wesentlichen in zwei Gruppen teilen: die Süßfrühstücker und die Herzhaftfrühstücker. Erstere, zu denen ich mich zähle, bevorzugen als Brötchenaufstrich Marmelade, Honig, Nuss-Nougat-Creme oder Zuckerrübensirup (wovon mir drei Marken bekannt sind: Grafschafter Goldsaft, Naschkätzchen und Über-Rübe [dieses Produkt ist laut Wikipedia allerdings: "[...] kein reiner Zuckerrübensirup, es enthält diesen lediglich. Weitere Bestandteile sind unter anderem Kandisablaufsirup (Nebenprodukt aus der Kandisherstellung), weshalb das Produkt gemäß lebensmittelrechtlichen Vorgaben nicht als Zuckerrübensirup gekennzeichnet werden darf." Aber der Name! "Über-Rübe"!!!]), während die Herzhaftfrühstücker zu Wurst und Käse greifen. Welche Frühstücker in der Belegschaft der Firma 3-Ähren-Brot am stärksten repräsentiert sind? Nun, dass dort "Nichts sagt 'lecker Frühstück' wie Tintenfischringe mit Oliven und Salatgarnitur" der Leitgedanke zu sein scheint, spricht für eine bisher kaum beachtete dritte Gruppe: die der Extrem-Herzhaftfrühstücker.

Wiederkehrender Gag in alten Zeichentrickfilmen: Ein Gejagter (etwa der Roadrunner oder Jerry von "Tom und Jerry") malt mit einem Stift eine Tür an eine Wand oder Mauer, und siehe – die Tür beginnt zu existieren, sie wird real und kann geöffnet und als Fluchtweg genutzt werden. Ähnliches funktioniert auch mit Milchkannen. Man zeichne eine altmodische Henkelkanne irgendwohin, und schon hat man ein hübsches Gefäß, in das man wiederum Milch aus dem Tetrapak schütten kann. Kostenlos!

Freitag, 1. Februar 2013

Der Zauber von Filmplakaten

Der Wortvogel hat sich in seinem gestrigen Blogeintrag mit Filmplakaten beschäftigt und dabei auf eine hübsche Sammlung bei 9gag verwiesen. Dort sind Filmposter nach häufig auftretenden Gestaltungselementen geordnet, z.B.:

Ich selbst habe vor längerer Zeit einmal versucht, eine ähnliche Sammlung zu erstellen, mit bescheidenem Ergebnis:

Klar, man setzt auf Wiedererkennungseffekte; das Publikum – zumindest der Teil davon, der zu faul ist, sich Trailer anzuschauen oder Inhaltsangaben zu lesen – möchte an die Hand genommen werden, möchte per Filmposter wenigstens einen ungefähren Eindruck davon vermittelt bekommen, worum es geht. 

Nun zu einer anderen Eigentümlichkeit von Kinoplakaten. Ein Freund erzählte mir, dass ihn schon lange eine Frage umtreibt, mit der er, wenn er sie in den Raum wirft, auf allgemeines Unverständnis stößt, und auf die es auch im Internet keine Antwort zu geben scheint. Ich verstand ihn aber sofort, denn eigentlich muss jedem, der mit offenen Augen durch die Welt spaziert, dieses "Problem" auffallen: Warum stimmt bei Filmplakaten, auf denen ein Ensemble-Cast abgebildet ist, die Reihung bzw. Aufstellung der Darsteller nicht mit der Anordnung der Namen überein? Beispiel: 

Ich vermute, dass es mit den menschlichen (und speziell westlichen) Sehgewohnheiten zusammenhängt. Wir lesen zwar von links nach rechts, schauen aber bei Bildern grundsätzlich zuerst in die Mitte bzw. darauf, was irgendwie hervorsticht. Das haben wir schon im Kunstunterricht gelernt. Chris Cooper ist auf dem "Married Life"-Plakat ein bisschen weiter im Vordergrund als die anderen und schaut dem Betrachter direkt in die Augen. Bei anderen Plakaten wird es deutlicher: 

Hier ist die Erstgenannte zwar die dritte von links, ist aber eindeutig im Vordergrund positioniert. 
Fazit: Plakatdesigner müssen psychologisch geschult sein.

Dienstag, 25. September 2012

Bizarre Serviervorschläge (IV)

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Links zunächst ein Bild des Produkts an sich. Keine Sorge, ich habe nichts davon gegessen. Und hier der Deckel der Verpackung:

Man soll die Teewurst also aus ihrem Plastikschälchen kratzen, in einen Kunstdarm pressen und diesen gemäß der Packungsillustration beschriften. Klar.

Ein weiterer Vertreter des beliebten Serviervorschlag-Schemas "Bestandteil-Abbildung". Der Kunde bekommt nicht das Lebensmittel selbst zu sehen, sondern (ausgewählte) Zutaten desselben. Dass das gezeigte Bund Karotten den auf der Zutatenliste angegebenen 13% entspricht, darf allerdings bezweifelt werden.

Milcheingießen will gelernt sein. Ein typischer Anfängerfehler ist, das Getränk mit derartigem Karacho in das Glas zu schütten, dass ein Überschwappen unvermeidbar ist. Eine gute Idee also, den Gießvorgang an einen Ort zu verlagern, wo man hinterher nicht aufwischen muss. Jedes Frühstück im Freien zu verbringen stelle ich mir trotzdem auf Dauer nervig vor.

Sonntag, 2. September 2012

Bizarre Serviervorschläge (III)

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Dass man Wurst- wie Käseplatten hübsch garnieren und mit Beiwerk aus Mutter Naturs Schoß versieht, ist wenig spektakulär. Weintrauben oder Kirschtomaten reichen hier jedoch nicht. Stattdessen soll man – unabhängig von der Jahreszeit – nicht nur Heidel-, Brom- und rote Johannisbeeren, sondern auch noch Cranberries besorgen (kaufen? sammeln? einfliegen lassen?), um ein paar Gänsebrustscheiben optisch aufzuwerten. Und sind das da rechts hinten auch noch Aprikosen? Come oooooon!

"Wir empfehlen die klassische Einnahme mit Hilfe eines Kompottlöffels. Sollte jener Löffel allerdings groß genug sein, und der Apfelstrudel-Joghurt ist Ihnen zu wenig apfelstrudelig, warum legen Sie dann nicht noch ein Stück Apfelstrudel obendrauf? Und einen Apfel? Und wenn dann noch Platz ist: drei Zimtstangen, für die subtile Zimtnote. Muuuuund auf!"

Selbst simple Käsestullen können mit dem passenden Drumherum zu einem echten Hingucker werden. Hier ist es nicht nur der neckisch niedergelegte Knoblauch (Nichts sagt mehr "gesunde italienische Kräuterküche" als ganze Knoblauchzehen!), der das Auge mitessen lässt. Profis besorgen sich eine Ziege und lassen diese hinter dem Brotteller hervorgucken, mit einem Blick, der sagt: "Das habt ihr also aus dem Zeug gemacht, mit dem ich meinen Nachwuchs nähren wollte, mäh!"

"Kann ich jetzt die Augen aufmachen?"
"Ja, Schatz! Überraschung!"
"Was zur Hölle?!"
"Ich habe Frühstück gemacht!"
"Häh? Was soll das denn sein?"
"Aber das hast du dir doch schon immer gewünscht. Ich habe dir frische Eier ans Bett gebracht!" 
"Bist du bescheuert? Soll ich das essen oder was?" 
"Ja klar, Schatzi! Das sind sogar Bio-Eier!" 
"Aber die sind doch roh, um Himmels willen! Eins ist halbiert, und da glibbert das Eiweiß raus." 
"Ich hab' sie genau so zubereitet, wie es auf der Packung vorgeschlagen wird. Schau doch: 'Serviervorschlag' steht hier!" 
"Sind da noch Federn dran?" 
"Na ..." 
"Oh mein Gott, das sind Federn. Okay, das reicht. Es ist aus. Aus. Tschüss!" 
"..."

Mittwoch, 29. August 2012

Huckleberry FinnCrisp und die Hexe

FinnCrisp esse ich gerne. Ich habe sogar einmal eine StudiVZ-Gruppe (kennt das noch wer?) zu FinnCrisp gegründet. Heute habe ich mir die Packung des Kultknäckebrotes einmal genauer angesehen. Ich bilde mir ein, dass sich das Design irgendwann in den letzten Jahren geändert hat, kann mich aber auch irren. Ansprechend ist es allemal.

Wenn man nach "FinnCrisp" + "Packung" googelt, findet man allerdings auch Unerfreuliches:
"Mehrere unserer Leser waren richtig enttäuscht, als sie für eine herzhafte Pause das Knäckebrot Finn Crisp Multigrain auspackten. In der Packung waren nicht wie früher 200 Gramm, sondern nur noch 175. Der Preis von 1,20 Euro und die Verpackungsgröße aber waren gleich geblieben", monierte die Stiftung Warentest 2010. Ich will nicht meckern, denn ich finde, man bekommt immer noch viel geboten für das Geld.

 
Wirft man einen Blick auf die Packungsrückseite, sieht man Serviervorschläge, die gar nicht so abwegig sind, wie man es ansonsten gewohnt ist, wobei mir unklar ist, wie man die nicht eben weichen Scheiben rollen soll (2. Bild v.l.). Stutzig macht einen auch der unter dem Logo angebrachte Slogan: "Bursting with Goodness" heißt er auf Englisch, so ähnlich auch auf Schwedisch. Der deutsche Spruch hingegen lautet nicht "Berstend vor Gutheit", sondern "Natürlich genießen". Schwamm drüber.

Beim Nachdenken über das Thema Knusprigkeit ist mir einer der bizarrsten Reime der deutschen Sprache eingefallen: "Knusper, knusper, Knäuschen, wer knabbert an mei'm Häuschen?" Das fragt die Hexe die beiden Kinder Hänsel und Gretel in dem Märchen "Hänsel und Gretel". Knäuschen - das haben die Grimms doch nur erfunden, damit man etwas hat, das sich auf "Häuschen" reimt. ... hab' ich gedacht! Im Grimmschen Wörterbuch findet man aber des Rätsels Lösung, i.e. die Bedeutung von Knaus, dessen Verkleinerungsform Knäuschen offensichtlich ist:

m. ein alem. wort, das weitere s. unter knaust.
1) schwäb. knopfichter ansatz am brotlaibe, da wo er angeschnitten wird, der anschnitt. Schmid 319, Schm. 2, 376, schon bei Frischlin nom. c. 127 pusula, knausz (am brote). dem. knäusle, s. Meier kinderr. s. 25. 78. ebenso vielleicht in einem hessischen märchen kneischen (: häuschen) kinderm. nr. 15 (s. u. knupern).

Knaus ist also nur eines der ca. 10 Millionen deutschen Wörter für den Brotkanten (in meiner Herkunftsgegend sagt man "Ränftel"). Insofern ist der Hexenreim einigermaßen sinnvoll, auch wenn die eigenwillige Behausung aus Pfefferkuchen besteht und nicht aus Brot. Geschweige denn aus FinnCrisp. Und jetzt lasst uns alle diskutieren, wie ihr das Randstück vom Brotlaib nennt!

Samstag, 4. August 2012

Bizarre Serviervorschläge (II)

(Wie immer: zur Großansicht der Bilder auf diese klicken)

Ich wusste nicht, dass die Stammzellenforschung schon so weit fortgeschritten ist, dass man aus Haselnussmehl ganze Haselnüsse herstellen kann - und das in der eigenen Küche. Nur: warum sollte man das tun, wenn es doch in jedem Markt vollständige Nüsse zu kaufen gibt?

Apropos Nüsse: Wenn man schon einmal so etwas Exotisches wie Kokosnussmilch trinkt, dann sollte man es auch angemessen servieren. Hervorragend eignen sich dazu Kokosnusshälften. Man muss in diesem Fall nur eine Kokosnuss halbieren und die darin enthaltene Kokosmilch wegschütten, damit Platz ist für die gute Dosenkokosmilch.

So machen es die Schweizer nämlich schon seit Urzeiten: Das Müsli wird in ein großes Saftglas gegeben und zu max. zwei Dritteln mit Milch übergossen. Man achte ferner darauf, dass die einzelnen Zutaten neckisch hinter dem Glas hervorlugen.

Man kann es sich lebhaft vorstellen: Die Müslipackungsdesigner sitzen an einem Tisch und beraten sich über die Endfassung. 
"Das Produkt ist ja schon sehr gut wiedergegeben, auch der Schokosplitter ist ganz nett. Aber irgendwie sieht alles etwas monoton, langweilig aus."
"Und wenn wir noch etwas Obst hinzufügen? Obst steht für ein gesundes Frühstück, das lieben die Leute!"
"Nicht schlecht. Woran haben Sie gedacht? Einen Apfel? Kirschen? Erdbeeren?"
"Nein, das ist zu abgefahren. Wer isst schon Kirschen zum Frühstück? Wir brauchen Mainstream-Früchte, mit denen sich jeder identifizieren kann. Etwas, das man gerne in sein Schokoknuspermüsli tut."
"So etwas wie ... Physalis?"
"Ja, genau! Kapstachelbeeren. Brillant!"
"Dann ist es entschieden. Frollein Meyer, machen Sie das Bild druckfertig!"
"Ich? Aber ich bin doch nur Ihre Sekretärin. Ich wollte Ihnen gerade etwas Kaffeegebäck bringen ..."
"Ach ja? Und wo sind die Granatäpfel?"

Sonntag, 1. Juli 2012

Bizarre Serviervorschläge (I)

Seit einiger Zeit fotografiere ich Lebensmittelverpackungen, die absonderliche Serviervorschläge zeigen. Der Aufdruck "Serviervorschlag" ist erforderlich, damit sich der Endkunde nicht beschwert, wenn er das abgebildete Beiwerk (etwa Tomatenscheiben auf Magerquark) nach dem Öffnen der Packung nicht vorfindet.


Die Abbildung wäre nicht im Geringsten komisch, wenn daneben nicht "Serviervorschlag" stünde. Doch ohne den Hinweis würde es wahrscheinlich Kunden geben, die darin nicht die Zutaten sehen, sondern glauben, in der Packung befänden sich - trotz der Produktbezeichnung "Kokostörtchen" - Kirschen, Kokosraspeln sowie eine ganze Aprikose. Und mit solchen Kunden will sich die Firma Belbake verständlicherweise nicht herumschlagen. Andererseits: Ist es nicht irreführend, wenn auf der Verpackung ausschließlich Zutaten zu sehen sind, die sich in dieser Form nicht darin befinden? Das ist ja so, als wäre auf einer Steakpackung eine Kuh als "Serviervorschlag" abgebildet.


Die Designer dieser Margarine-Dose schlagen vor, das enthaltene Produkt ganz wegzulassen und stattdessen einige Sonnenblumenköpfe auf dem Tisch zu drapieren. Sieht natürlich schön aus, kann aber den simplen Wunsch nach einer Margarineschnitte nur unzureichend erfüllen.

Ein weiteres Beispiel. Diesmal zunächst der Inhalt:


Und das ist der Deckel:


Serviervorschlag:
1. Nehmen Sie die Shrimps aus der Verpackung.
2. Spülen Sie die Shrimps mit Wasser ab, bis die Dillsauce fast vollständig verschwunden ist.
3. Legen Sie die Shrimps in einem Haufen auf einen Teller.
4. Bestreuen Sie die Shrimps mit Dill.
5. Fahren Sie ans Meer.
6. Guten Appetit!


Auch in Mexiko gibt es Serviervorschläge auf Lebensmittelpackungen. Dieses Papier, welches stinknormale Vanillewaffeln umschlang, scheint zu sagen: "Bereiten Sie eine Schüssel mit sehr flüssigem Vanillepudding zu, legen Sie eine Kugel Vanilleeis darauf, platzieren Sie zwei gekreuzte Waffeln davor und lassen Sie dann ein mit Vanillesoße gefülltes Schokotöpfchen in die Schüssel fallen, dass es spritzt."
So geht's natürlich auch.
   
PS: Nach Aufgabe meines alten, mehr oder weniger geheimen Blogs werde ich die lesenswertesten Beiträge daraus hier herüberretten. Einige damals wochenaktuelle Themen mögen nicht zuoberst, sondern im Archiv erscheinen. Da ich dieses Blog erst 2009 begonnen habe, kann es zu Konfusionen kommen, die aber keine sind. Es lohnt sich jedenfalls, die Zeitleiste immer mal nach bis dato unbekannten Artikeln zu durchforsten.