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Montag, 16. Oktober 2023

Erinnerung: Verschatzt

Am 12. November 2011 bin ich besonders früh aufgestanden – nach nur 5 Stunden Schlaf (der Freitag davor war ein langer Arbeitstag) – und fuhr zum Industriepark Frankfurt-Höchst, um dort eine sehr teure Uhr zu finden. Um es vorwegzunehmen: Da war keine Uhr, stattdessen erwartete mich und eine Handvoll weiterer Schatzsucher folgende Plakette (zum Lesen vergrößern):


Der Rätseltext des Zeit-Magazins, der mich dorthin geführt hatte, lautete: "9.45 Uhr, da brach Kjell-Erik Ståhl mit 2587 anderen zu seinem ersten großen Triumph auf. Wer heute suchen will, gehe, laufe zum Tor, wo alles anfing. Dort befindet sich ein Drehkreuz. TAG Heuer, Carrera Mikrograph 1/100th, 40000 Euro." Die geizigen Milliardäre von der Zeit hatten allerdings lediglich in Wiesbaden eine Uhr ausgelegt. Da wäre ich auch in kurzer Zeit hingekommen, und das dazugehörige Rätsel hatte ich natürlich ebenfalls gelöst! Der Trostpreis entpuppte sich übrigens als 15-Euro-Gutschein für den Zeit-Shop. Hier kann man alles nachlesen.

(ursprünglich notiert am 29.11.2011)

Freitag, 11. Februar 2022

In Teufels Küche

Ich mag die Rubrik "Wochenmarkt" im Zeit-Magazin. Das Rezept der letzten Woche sprach mich einmal mehr sofort an und wurde sogleich von mir ausgeschnitten. Es handelte sich um "Gratin aus Wurzelgemüse", im Einzelnen: Karotten, Kohlrabi, Knollensellerie, Kartoffeln. Mmhhh! Am Anfang dieser Woche nun warf ich einen näheren Blick auf die Anleitung. Was las ich da? "Die verschiedenen Gemüse schälen und mit der Mandoline in sehr feine Scheiben schneiden (mit einem Messer ist es zu mühsam)."

Von einem Küchenutensil namens Mandoline hatte ich noch nie gehört! Ich stellte mir eine Art vergrößerten Eierschneider vor, dessen "Saiten" man durch das zu zerteilende Gemüse drückt. (Dass es eher an einen Hobel erinnert, erfährt man, wenn man eine Bildersuche mit den Suchbegriffen "mandoline" und "küche" durchführt.) Wie so oft, wenn ich zum ersten Mal von einer Sache höre oder lese, war auch in diesem Fall auf das Baader-Meinhof-Phänomen Verlass. Just heute schaute ich zum Frühstück die neueste Ausgabe von "8 Out Of 10 Cats Does Countdown", und darin erzählte die Komikerin Sarah Millican, dass sie sich kürzlich mit einer Mandoline (brit. engl. mandolin) aus Versehen eine Fingerkuppe abgetrennt habe! 

Ich hatte schon vorher nicht mit dem Gedanken gespielt, mir so ein Teil zuzulegen, aber spätestens an dieser Stelle schwor ich mir, dass dieses Höllengerät in meine Küche, in der sowieso kein Platz ist, niemals Einzug finden wird. Das ausgeschnittene Rezept werfe ich nun fort.

Dienstag, 10. August 2021

Um die Ecke gedacht, auf die Palme gebracht

Auf StudiVZ (ja, ich bin alt) war ich Mitglied in einer Gruppe mit dem Namen "Kreuzworträtsel sind 'n verdammt derber Shit". Der Eindruck, dass Fans von Kreuzworträtseln, über alle Generationen hinweg, hinsichtlich ihres Hobbys keinen Spaß verstehen und generell ziemlich hardcore drauf sind, wird durch einen Beitrag im aktuellen Zeit-Magazin untermauert. Anlässlich des 50. Geburtstag von "Um die Ecke gedacht" zeichnet eine Mitarbeiterin die Geschichte der Rubrik nach und interviewt deren Autor, der wie sein Kollege im SZ-Magazin, "CUS", ein großes Geheimnis um seine Person macht und lediglich unter dem Pseudonym "Eckstein" bekannt ist.

Eine Stelle in dem Beitrag – und damit komme ich auf die Emotionalität der Kreuzworträtsel-Gemeinde zurück – fand ich besonders aussagekräftig:
Margit Stoffels, 56, ZEITmagazin-Redakteurin, betreut das Rätsel seit mehr als zehn Jahren: "Einmal wurde versehentlich das Kreuzwortgitter der Vorwoche gedruckt. Ich habe drei Tage lang nur Anrufe beantwortet. Und Hunderte Leserbriefe, eine Leserin schrieb: 'Wenn Sie wüssten, was hier bei uns los war! So geht es doch nicht! Das können Sie nicht machen!' Erst nach Wochen war wieder Ruhe eingekehrt."
Ob die Redaktion des Stern-TV-Magazins auch so ein heißblütiges Feedback bekam, als sie in einer Ausgabe das Rätselgitter der Vorwoche ein zweites Mal drucken ließ? Offenbar nicht, denn eine Entschuldigung steht bis heute aus.

Freitag, 12. Februar 2021

Betr.: Palindromtag, Milch, Friends, Katzenfrau

In diesem Moment geht er zu Ende, ein ganz besonderer Tag. Das Datum 12.02.2021 ergibt nämlich rückwärts gelesen, mit leicht veränderter Punktsetzung, dasselbe! Das letzte "Ereignis" dieser Art (02.02.2020) habe ich ignoriert, und auch das nächste (22.02.2022) soll in diesem Blog keine Erwähnung finden.

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In meiner Aufzählung real existierender und fiktiver Milche fehlten damals einige Sorten, die es meines Wissens noch nicht gab und die zu erfinden mein Gehirn nicht vermochte: Haselnussmilch (lecker), Cashewmilch (dito) und Erbsenmilch (zu erbisg). Nun lese ich im Zeit-Magazin dies: "Das musste ja kommen: Jetzt gibt es auch noch Pistazienmilch, zum Beispiel von der Firma Táche. Welche Nuss wurde eigentlich noch nicht gemolken?"
Ich gebe die Frage weiter und setze Pistazienmilch auf meine To-drink-Liste.

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Bei Amazon Prime Video gibt es die Kategorie "Könnte es noch nostalgischer sein?", in der Filme und Serien mit Nostalgie-Faktor versammelt sind. Neulich fand ich nach einer unerklärlichen Umstellung des Sprachprofils heraus, dass diese Rubrik auf englisch "Could this BE more nostalgic?" heißt – eine klare Anspielung auf die Serie "Friends", in der Matthew Perry alias Chandler Bing regelmäßig rhetorische Fragen nach dem Muster "Could [x] be more [y]?!" stellte. Das, nun ja, etwas Bittersüße daran ist, dass die Nostalgie-Sitcom "Friends" gar nicht mehr Teil des Prime-Angebots ist. Seit Anfang des Jahres läuft sie bei Netflix, wie schon 2018 bis 2019; davor sowie 2020 lagen die Rechte bei Amazon, soweit ich weiß. Wohl dem, dem dieses Hin und Her egal sein kann, weil er sämtliche Staffeln auf dem Retro-Medium DVD besitzt (und nie mehr anschauen wird) (wie ich) ...

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An der Kasse bei Rewe stand hinter mir eine Frau in einem Leopardenfellmuster-Mantel, einer Leopardenfellmuster-Hose und mit einem ebensolchen Schal, dazu trug sie eine Leopardenfellmuster-Tasche sowie einen Mundschutz mit dem Aufdruck des Gesichts einer Großkatze. Ich war so gebannt von dem Anblick, dass ich nicht merkte, wie der Kassierer einen Teil meines Einkaufs der Kundin vor mir zuschlug.
So was gibt's nur in Frankfurt, was? Falsch! Das war in Berlin.

Samstag, 1. Februar 2020

Deutschland positiv besetzen!

Als ich Anfang des letzten Jahrzehnts nach Frankfurt gezogen bin, war ich ziemlich baff, als ich beim Radiosenderscannen entdeckte, dass man hier AFN (American Forces Network) empfängt. Und das kann man bis heute tun! Ich liebe diesen leichten Übersee-Zauber, der natürlich mit der spannenden Tatsache einhergeht, dass es in Deutschland noch immer eine Reihe US-Militärbasen gibt. Diese Parallelwelten strahlen eine ungeheure Magie auf mich aus. Mehrheitlich im Südwesten des Landes stößt man ja auf "Klein-Amerikas" in sonder Zahl im Wald wie in der Stadt (faszinierendstes mir bekanntes Beispiel: Kaiserslautern-Vogelweh, quasi ein ganzer der Army gehörender Stadtteil). Dass diese ausländischen Einrichtungen auf hiesigem Hoheitsgebiet sogar Deutsche als ziviles Personal beschäftigen, etwa als Lehrkräfte, finde ich nicht minder toll. Wie es wohl ist, auf eine Arbeitsstelle zu gehen, wo Portraits von Donald Trump an den Wänden hängen?

Bekanntermaßen sind nicht nur amerikanische Truppen auf deutschem Boden stationiert. Das Zeit-Magazin hat vor kurzem dankenswerterweise eine Deutschlandkarte veröffentlicht, in der alle Orte mit ausländischen Basen verzeichnet sind:


Neben 28 US-Standorten gibt es solche mit Briten (6x) und mit Franzosen (2x). Neu war mir, dass auch "Kanada [...] als Nato-Partner an einem Ort vertreten" ist; "hinzu kommen fünf Nato-Stützpunkte." Bis 2006 hatten wir auch noch belgische und bis 2007 niederländische Streitkräfte zu Gast. Es wird ja immer wieder über Kosten und Nutzen dieser Institutionen diskutiert, doch hoffe ich, dass sich die jeweiligen Regierungen nicht zum vollständigen Abzug ihrer Soldaten entschließen. Nicht nur begrüße ich es, dass wehrhafte Männer und Frauen diverser demokratischer Nationen notfalls zur Stelle sind, falls Deutschland mal wieder zu frech wird, auch sorgt diese Präsenz für ebenjene Exotik in Form von, beispielsweise, AFN. 

Alles zu den (mittlerweile eingestellten) Kurz- und Mittelwellen- sowie den AFN-Fernsehdiensten und einiges mehr erfährt man in dem umfangreichen Wikipedia-Artikel zum Thema.

Freitag, 7. Februar 2014

In was für einem Zeitalter leben wir eigentlich?

- "im Zeitalter der Verrücktheit" (Ai Weiwei)
- "im Zeitalter der Paranoia" (Daniel Freeman)
- "im Zeitalter der Verpackung" (Fraunhofer Forschungsblog)
- "im Zeitalter des Wassermanns" (Astrologin Gerda Rogers / "Hair")
- "im Zeitalter des Pyjamas" (Wigald Boning)
- "im Zeitalter der Gier und des Exzesses" (Andreas Salcher)
- "im Zeitalter der Killerroboter" (Rainer Rupp)
- "im Zeitalter des privaten Dschihad" (Alan Posener)
- "im Zeitalter der Pseudoprivatsphäre" (Sascha Lobo)

Die Liste ließe sich um ein Vielfaches verlängern. Auf eine Einigung wird man wohl nicht kommen, denn wir leben im Zeitalter der Zeitalter. Den hübschesten Zeitalter-Satz las ich allerdings einmal im Zeit-Magazin: "Wir leben im Zeitalter der schön gestalteten Seifen". Und das ist ja beileibe nicht das schlechteste Zeitalter, in dem man leben kann.

Sonntag, 2. Februar 2014

Die Versenfung der Welt

"Jetzt also Senf." 
Der Artikel aus dem aktuellen Zeit-Magazin bringt es mit diesem ersten Satz auf den Punkt. Es geht in dem Beitrag um das neueste, nun ja: Opfer des zeittypischen Lebensmittelveredelungswahns. Immer mehr crazy Sorten in immer mehr Senfmanufakturen erobern den Markt, immer mehr "Senfmüller" (so die traditionelle Berufsbezeichnung) buhlen mit ihren eigenen, natürlich streng geheimen Rezepturen und Geschmacksideen um unser Geld. Jeder Maître de Moutard (Bezeichnung erfunden) hat natürlich seine eigene Senfmühle, auf die er schwört und die allein seine Senfe so speziell macht. Wacholder-Granatapfel-Senf, Ananas-Curryketchup-Senf, Zwiebel-Speck-Mostrich: alles Sorten, die es tatsächlich geben könnte bzw. wahrscheinlich gibt. 
"Was ist eigentlich dein Problem, Mann?", kann man mich jetzt mit Fug und Recht fragen. Meine Antwort: Es gibt keins. Ich bin kulinarischen Experimenten gegenüber sehr aufgeschlossen, das sollte in all den Jahren des Bloggens deutlich geworden sein. Und all diese extravaganten Senfkreationen (Eierlikör-Senf, Lakritzsenf, Frankfurter Apfelwein-Senf*) sind bestimmt eine Verkostung wert. Nur: Wozu soll man diese phantastischen Senfe hinzugeben? Überdeckt der Eigengeschmack nicht alles, was man mit den irren Cremes beschmiert? Eignen sie sich mithin nicht eher als vollwertige Brotaufstriche? Mir persönlich reicht zur Bratwurst der gute, ehrlich-einfache Bautz'ner Mittelscharfe; zur Weißwurst darf's Süßer sein. Schon Feigensenf zum Käse ist mir – so fein er auch schmecken mag – meist "too much". 
Ich könnte mir vorstellen, dass in ein paar Jahren ein Paradigmenwechsel einsetzt: back to the seed sozusagen. Der stinknormale, orangefarbene Tafelsenf lebt wieder auf! ... Freilich werden die Hipster-Senfmeier genau darauf ihre Vermarktungsstrategie aufbauen. Ich seh' den Slogan schon vor mir: "senf. sonst nichts."

Das ist Berlin. Aber auch das Bild Ihrer Stadt werden die Senfläden bald in ungekanntem Ausmaß prägen! (Dank an Leo Fischer für das Foto!)
 
* Diese Sorten gibt es wirklich, nämlich in der "Frankfurter Senfgalerie". Man sieht: Es ist inzwischen unmöglich, sich etwas auszudenken, was nicht existiert!

Samstag, 15. September 2012

Neuer Trend? 1000 Fragen an die Mode

In der aktuellen Neon gibt es einen großen Sonderteil: "99 Fragen, die man sich mindestens einmal im Leben stellen sollte". So weit, so neontypisch. Dieser Sonderteil ist allerdings nicht rein redaktionell, sondern in Zusammenarbeit mit diversen Kleidungsherstellern entstanden. Man klicke und schaue:


Zu den 99 Fragen hat man ein paar Models irgendwie in Szene gesetzt, diesen ein paar Anziehsachen angezogen und dazu – mal mehr, mal weniger auffällig – geschrieben, wer diese Anziehsachen gemacht hat.


Das Ganze ist auch total "wertig" gestaltet; zum Teil wird einer einzigen der schlauen Fragen eine ganze Heftseite eingeräumt.


'Was für ein Käse', dachte ich. Ich reagiere auf Modebeiträge in ansonsten modefernen Publikationen genervt bis gereizt und schlage jedes Mal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn das SZ- oder das Zeit-Magazin so etwas macht. Am vergangenen Donnerstag dann greife ich zu ebenjenem Zeit-Magazin, und was erwartet mich dort? Nicht weniger als "111 Fragen an den Mann von heute", eingebettet in – ein Modespezial!


Im Gegensatz (in beabsichtigter Abgrenzung?) zu Neon sind die Fragen nicht an "dich", sondern an "euch" gerichtet. "Wann wart ihr das letzte Mal mutig?", heißt es dort etwa in teils abenteuerlichem Schriftsatz. Darunter: "Jacke und Hemd von Canali, Hose von Stone Island, Stiefel von Salvatore Ferragamo". Daneben: ein Schmock mit Jacke und Hemd von Canali, Hose von Stone Island und Stiefeln von Salvatore Ferragamo, auf einer Hundehütte sitzend.


Und so geht das unerträglich lange weiter und weiter, und manchen Leser scheint's anzusprechen, erhielt die Zeit-Redaktion doch laut Facebook-Auskunft mindestens eine eMail mit den dazugehörigen 111 Antworten.

Ist das also ein Top-Trend im Journalismus?
Dann möchte ich nicht hintanstehen!

200 Fragen an das innere Ich


1. Na?
2. Was machst du auf diesem Dachboden?
3. Geht's dir gut?
4. Erinnerst du dich noch an diesen einen Ort, da, wo alles anfing, wo das Schicksal seinen Lauf nahm, wo die Götter würfelten, an jenem Tag, da sich die Pforte zur Anderwelt einen Spalt breit öffnete?
5. Wie spät ist es?
6. Was, so spät schon?

(wird nicht fortgesetzt)

T-Shirt geschenkt bekommen, Brille Fielmann