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Sonntag, 20. Oktober 2024

Live von der Buchmesse (Tag 4, Tag 5, Fazit)

Gestern bin ich den ganzen Tag nicht zum Schreiben gekommen, und auch in den nächsten Stunden wird das Posten nur häppchenweise vonstatten gehen, was freilich zum "Live"-Charakter dieses Blog-Specials beiträgt. Es lohnt sich jedenfalls, später noch einmal auf Kybersetzung vorbeizusurfen! Diesen ersten Absatz verfasse ich auch gar nicht auf der Buchmesse, sondern noch in meinem Wohnzimmer. Ab 14 Uhr werde ich am Titanic-Stand anzutreffen sein (Halle 3.0, H85); WER WAS KLÄREN WILL ...

Für den gestrigen Messesamstag gab es bereits am Freitag, was meiner Erinnerung zufolge ein Novum war, keine regulären Besuchertickets mehr! Die per Pressemitteilung verlautbarten Rekordzahlen waren denn auch spürbar: So ein Gedränge und Geschiebe wie gestern habe ich selten erlebt. Der blanke Horror! Ob es heute noch doller wird? Ich fürchte, ja, steht doch ab 12 Uhr 30 die Cosplay-Meisterschaft an. Für Leute, die an "regulären" Ausstellern interessiert sind, lohnt sich ein Besuch am Sonntag indes weniger, da dann vor allem etliche ausländische Aussteller bereits abgereist und die Stände verwaist sind.

So, hier kommt der dritte Absatz, den ich nun doch wieder zu Hause tippe. Am Titanic-Stand war dermaßen viel los, dass ich mit nichts anderem als Verkauf, Finanzverwaltung und Kundengesprächen beschäftigt war. Hat aber Spaß gemacht. Erstmals habe ich auch den offiziellen Messeschluss miterlebt: Es ist Tradition, dass nach der Rausschmeißer-Lautsprecherdurchsage um 17 Uhr 30 alle noch verbliebenen mitgewirkt Habenden laut applaudieren, um zu zeigen: Das haben wir erfolgreich hinter uns gebracht! Und wie erfolgreich es war! Aus der soeben reinflatternden Pressemitteilung: "Mit 115.000 Fachbesucher*innen (Vorjahr: 105.000) aus 153 Ländern (Vorjahr: 130 Länder) und 115.000 Privatbesucher*innen (Vorjahr: 110.000) legte sie sowohl als internationale Geschäftsmesse der Publishing- und Medienbranche wie auch als Festival des Lesens zu – und dies trotz limitierter Kartenkontingente für die beiden Wochenendtage."

Drei netten Veranstaltungen habe ich heute noch beigewohnt: einer über Indie-Games, einer über taiwanische Comics sowie einer Mini-Einführung in die chinesische Sprache. Außerdem konnte ich endlich die Ausstellung der Stiftung Buchkunst mit den schönsten Büchern des Jahres bewundern. Es war im Übrigen weitaus weniger Andrang als befürchtet; der Besucher-Peak war tatsächlich gestern Mittag bis Nachmittag. Festzuhalten ist noch, dass im Gegensatz zu vergangenem Jahr nirgendwo "Free Palest*ne!"-Aushänge zu erblicken waren. Und KI-generierte Buchcover oder Werbemotive gab es zwar erwartungsgemäß durchaus, ihre Zahl blieb jedoch im Rahmen des Zumutbaren.

Zum Abschluss die am Donnerstag versprochene Rucksack-Geschichte. Haltet euch fest! Ich hocke also bei einem Vortrag, lasse den Blick schweifen und sehe, dass die Frau neben mir den gleichen Rucksack hat wie ich. So weit, so unspektakulär. (Es handelt sich um ein gewöhnliches Modell von Dakine.) Wer aber lässt sich zu meiner Linken nieder, während ich eine halbe Stunde später bei der nächsten Präsentation (an einem anderen Stand) sitze? Eine (andere!) Frau mit dem exakt gleichen Rucksack!!!

Freitag, 18. Oktober 2024

Live von der Buchmesse (Tag 3)

Freitag, erster Publikumstag: Der Einlass dauert länger, das Internet ist schlechter. Aber wie jedes Jahr bin ich entzückt angesichts der Massen an begeisterten jungen Leuten, die man mit so etwas (vermeintlich) Angestaubtem wie einer Buchmesse in die echte Welt locken kann. (In diesem Zusammenhang notierenswert: Es heißt jetzt nicht mehr "Young Adult", sondern "New Adult".)

Nach einer Präsentation über griechische Inseln als Reiseziele für archäologisch Interessierte begab ich mich zum Forum.1, wo sich alljährlich das jeweilige Gastgeberland präsentiert, und war baff: Der Saal mitsamt den kleineren Räumen ringsum ist in ein veritables Museum verwandelt worden. Zu bewundern sind originale (!) Exponate aus Italiens reichem Kulturschatz: Fresken aus Pompeji, Radierungen von Piranesi, Erstausgaben von Macchiavellis "Prinzen". Auf der zentralen Bühne interpretierte ein Pianist vor einer "Best of Cinema Italiano"-Slideshow beliebte Popnummern.




Kurzum: Das gerne mal links liegen gelassene Forum sollte bei einem Buchmessenbesuch 2024 auf keinen Fall ausgelassen werden.

Damit habe ich nun jede Halle besucht. Nachdem ich das hier fertig getippt habe, muss ich mich entscheiden, ob ich um 13 Uhr zu Bärbel Schäfers Büchertalk mit Horst Evers gehe oder zu "Der Herr vom Ringwall. Eine spannende Erzählung auf Basis neuster archäologischer Forschungserkenntnisse" (es geht um den Gallischen Krieg aus keltischer Perspektive). Hernach werde ich mir eine Ruhepause gönnen, weil der heutige Tag lang zu werden droht. (Freilich kein Vergleich zu FRÜHER, wo praktisch an jedem Abend der Woche eine Party anstand.)

Zeigen möchte ich noch diese Entdeckung an einer Spielestation in Halle 4.1, die mir die Tränen in die Augen zu treiben vermochte. Daneben stand sogar ein Super Nintendo zum Spielen bereit, befand sich aber gerade in Beschlag.

Donnerstag, 17. Oktober 2024

Live von der Buchmesse (Tag 2)

"Es ist wieder Extravagante-Brillen-und-schrille-Schals-Messe in Frankfurt." (Leo Fischer)

Der Vortrag über die "kleinen Sprachen" entpuppte sich als mein Highlight des ersten Tages. Eine rätoromanisch und eine ladinisch schreibende Autorin sprachen mit einer wiederum aus dem Katalanisch übersetzenden Expertin übers Dichten in verschiedenen Sprachen, Selbstübersetzung, Sprachensterben und das Denken außerhalb der Heimat.

Heute habe ich 9 Uhr 40 das Haus verlassen und war 10 Uhr 03 an der FAZ-Bühne (Andreas Platthaus traf Clemens Meyer). Nicht schlecht, was? Nach einer verlängerten Mittagspause werde ich a.a.O. Andrea Diener im Gespräch mit Jackie Thomae zuhören, und 14 Uhr steht der Vortrag "Dunkles Zeitalter? Das missverstandene Jahrtausend" am Stand von – die Feder sträubt sich, es hinzuschreiben – "The Länd" (Baden-Württemberg) an. [Korrektur: Der Vortrag fand am Podium Rheinland-Pfalz statt, drehte sich aber um eine Ausstellung im archäologischen Landesmuseum BaWü mit dem Titel "The hidden Länd".] Dann ist auch schon Schluss für heute, denn ich habe noch redaktionelle Schreibarbeiten zu erledigen. Außerdem ist wie jeden Donnerstag Wochenmarkt, ich werde vom Messegelände direkt dorthin trotten. Deshalb befindet sich in meinem Rucksack ein leerer Eierkarton, von dem ich gehofft hatte, er würde bei der Einlasskontrolle wahlweise für Amüsement oder Misstrauen sorgen ("Sie wollen wohl Thomas Gottschalk mit Eiern bewerfen?"), aber der Security-Check war heute ausnehmend lax. Über meinen Rucksack muss ich noch etwas schier Unglaubliches zum Besten geben, was ich mir aber für morgen oder übermorgen aufspare.

Seien wir ehrlich: Das primäre Ziel eines Messebesuchs ist das Abstauben möglichst vieler Give-aways. Hier ist meine gestrige Ausbeute:


Dabei halte ich mich dieses Jahr noch zurück, denn Kugelschreiber habe ich momentan in Hülle und Fülle, und Mini-Marsriegel und Gummibärchen würde ich nicht mal einstecken, um sie weiterzuverschenken. Verlockend war es gestern auch, sich am Willkommens-Buffet des Taiwan-Pavillons gütlich zu tun, doch zwischen all den Menschen, die wirkten, als wären sie im Business stärker involviert als ich, zog ich es vor, aufs Schmarotzen zu verzichten.


Apropos Schmausen: Heute werde ich mangels eigener Verpflegung tatsächlich etwas zu essen
kaufen. Im Pressezentrum gibt es Wraps zu okayen Preisen. Und wo wir schon bei praktischen Tipps sind: Hier sind drei von mir. 1.) Auf der zentralen Freifläche gibt es Wasserspendesäulen, an denen man sich kostenlos seine Trinkflasche auffüllen kann, so man denn eine dabei hat. 2.) Es ist in den Messehallen immer wärmer, als man es sich vorzustellen vermag. Jedes Mal schwitze ich. Also: Zieht euch möglichst dünn an oder nach dem Zwiebelprinzip! 3.) Eine kaum bekannte, prima zum Verschnaufen geeignete Zone ist das Business-Center im Torhaus, direkt gegenüber dem Pressebereich. Dort ist es ruhig, es hat Steckdosen und bequeme Sitze, und die Toiletten sind stets sauber und meistens frei.

Zu guter Letzt dies: Kurz nachdem ich gestern den überraschend sympathisch gewordenen Jürgen Trittin erlebt hatte, sah ich an anderer Stelle zufällig Claudia Roth. Ob die beiden sich später noch getroffen haben?

Mittwoch, 16. Oktober 2024

Live von der Buchmesse (Tag 1)

Eigentlich erstaunlich, dass ich noch nie etwas Größeres über die Frankfurter Buchmesse, die ich immerhin seit über zehn Jahren regelmäßig besuche, geschrieben habe. Nicht dass ich erwarte, besonders Berichtenswertes zu erleben (lustiges Buchmessenbloggen überlasse ich Leuten, die das besser können als ich), aber da ich die kommenden Tage eh nicht dazu kommen werde, über Blogthemen nachzudenken, beginne ich jetzt einfach ein kleines Messetagebuch.

Das Pressezentrum, wo ich gerade den ersten Kaffee des Tages zu mir nehme, ist diesmal ganz woanders und viel schöner als sonst! Es befindet sich im sog. Torhaus, über welches ich zufälligerweise vorhatte, heuer das Messegelände zu betreten, da es in kaum zehn Minuten Gehweite von meinem Zuhause entfernt liegt. Leider kommt man ausgerechnet zur Buchmesse nicht über das Torhaus hinein, so dass ich einen der zwei mir bekannten, offiziellen Zugänge nutzen musste. Nun gut, hatte ich halt einen längeren Morgenspaziergang.

Nach ersten Erkundungen willkürlich ausgewählter Hallen wollte ich einem Vortrag mit dem vielversprechenden Titel "Die Macht von Subgenres und Tropes" lauschen, musste aber feststellen, dass der im Young-Adult-Bereich der "Frankfurt Authors Stage" stattfand, und als ich unter schätzungsweise 50 jungen Frauen lediglich einen mittelalten Mann erblickte, beschloss ich, dass das wohl eher nix für mich ist. Da praktischerweise die Literaturbühne von ARD, ZDF und (noch!!!) 3sat in der Nähe liegt, schaute ich dort vorbei und konnte Bärbel Schäfers Bücher-Talk mit Gast Jürgen Trittin beiwohnen.


Als nächstes, um 13 Uhr 30, steht "Über Odin und andere Helden. Sabine Appel im Gespräch mit Madelyn Rittner über ihre Zeit in Bad König" auf meiner Veranstaltungs-Agenda. (In Bad König war ich erst dieses Jahr! [Korrektur: Stimmt gar nicht. Hab's mit Bad Orb verwechselt.]) Danach folgen "Teil einer grossen Sprachfamilie sein – Vom Schreiben, Übersetzen und Selbstübersetzen in und aus Sprachen mit wenig Sprecher*innen" und die feierliche Eröffnung des taiwanischen Pavillons. Insgesamt ist das Programm m.M.n. eher mau; 2023 konnte ich nahezu durchgängig interessante Shows, Interviews und Paneldiskussionen erleben, oftmals musste ich mich zwischen zwei gleichzeitig terminierten Events entscheiden. Auch geben sich weniger Promis die Ehre als im Vorjahr, ist mein Eindruck. Ansonsten aber ist viel los, es herrscht tüchtiges Gedränge, und bereits am Vormittag waren an beinahe allen Ständen Meet-and-greets im Gange. Eine Zufallsbegegnung mit einem Bekannten hatte ich auch schon – erfahrungsgemäß werden noch einige folgen. Der Wettergott zeigt sich gnädig, für Speis und Trank ist gesorgt. Auf der Agora bieten zig Fressbuden internationale Gerichte zu Mondpreisen an. Ich habe mir wohlweislich ein Jausenpaket gepackt: eine Käse-, eine Hummusstulle, eine halbe Minigurke und einen Apfel. Äpfel liegen löblicherweise auch am Presseschalter gratis herum. Ich fülle aber jetzt erst mal meinen Kaffeepott auf ...

Dienstag, 20. August 2024

Es zeppelint wieder!

Noch bis heute schwebt, wie schon im vergangenen Jahr (wo es allerdings, anders als im Jahr 2020, nicht von mir bemerkt und dokumentiert wurde), das "Goodyear"-Luftschiff über Frankfurt! (Die Rundschau weiß mehr.) Und dieses Mal ist es mir gelungen, es fotografisch einzufangen. Ich trat am Samstag nichtsahnend aus meiner Haustür, schaute, ein ungewöhnliches Geräusch wahrnehmend, nach oben, und da war es plötzlich.

Mittwoch, 10. Juli 2024

Was birst denn da?

Zu meinem Wohnhaus führt ein kurzes Stück Fußweg, das von großen Kastanienbäumen bestanden ist. Als ich diesen Weg gestern entlangging, wurde ich Zeuge (und beinahe Opfer) eines unheilvollen Naturschauspiels. Offenbar als Reaktion auf die brütende Hitze – es hatte um 18 Uhr noch weit über 30 Grad – warfen die Bäume unter lautem Ächzen ihre Rinde ab! Schnalzend, knackend, splatternd explodierten die Stämme regelrecht, mehr als einmal ging nur wenige Meter vor mir eines dieser knochentrockenen Rindenstücke nieder. Heute Morgen sah es dann so aus:


Als würde es nicht reichen, dass man herbstens Angst haben muss, von herabfallenden Kastanien in stacheligen Hüllen getroffen zu werden! Mir kann doch niemand sagen, dass früher so was gang und gäbe war.

Freitag, 26. Januar 2024

Betr.: Bockenheimer Gebrüll, Landmarks, Empfänger, "Journalismus"

Wer hier schon länger mitliest, mag sich daran erinnern, wie ich in meiner Frankfurter Anfangszeit gelegentlich die speziell im Stadtteil Bockenheim auffallend massierten Schreie von geistig Verwirrten, Intoxikierten und anderweitig Entrückten dokumentiert habe. Ich wohne immer noch in Bockenheim, und die Situation ist in den letzten zehn Jahren eher bedrückender als besser geworden. Meine Begegnungen mit solchen "Originalen" und ihre Rufe, Verwünschungen und sonstigen Äußerungen sind kaum noch des Aufschreibens wert.
Gestern aber sah und hörte ich auf der Leipziger Straße doch mal wieder ein besonders herausragendes Unikum. Aus einer Seitengasse plärrte mir ein rotköpfiger circa Mittfünfziger in zerschlissenem Gewand entgegen: "Die haben mich bedrängt, BEDRÄNGT! Die fetten Schweine. Die Wildecker Herzbuben!"

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Ich schäme mich immer ein bisschen, wenn ich eine Frage bei "Jeopardy!" nicht beantworten kann, die sich um Deutschland dreht. Neulich wurde in der "Final Jeopardy"-Runde dieser clue aus der Kategorie "Landmarks" gezeigt:


"Bei 213 Fuß Breite hat dieses europäische Bauwerk des späten 18. Jahrhunderts fünf Durchfahrten, deren mittlere – anfangs – dem Hofstaat vorbehalten war." Richtig wäre gewesen: "Was ist das Brandenburger Tor?" Zwei der drei Kandidaten wussten die Lösung, doch ich wollte einfach nicht drauf kommen.
Immerhin mit "Was ist Baden-Baden?" konnte ich dienen, als in einer späteren Sendung nach dem Namen einer "German spa town" mit der Bedeutung "Baths-Baths" gefragt wurde. (Ich überlegte gerade, ob nicht "Bathing-Bathing" korrekter wäre, aber Wikipedia weiß, dass "Baden [...] derives from an earlier plural form of Bad". Lernen ist toll, oder?)

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Apropos Wikipedia: "Die nachfolgende Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und enthält nur Großempfänger, die über eine eigene Postleitzahl verfügen." So ist die auszugsweise "Liste von Großempfängern" überschrieben, auf welcher u.a. das ZDF, der Frankfurter Messeturm, die Volkswagen AG, die Scanstelle des Landesamtes für Finanzen in Detmold und das Amtsgericht Wedding stehen. Auch ich hatte schon postalischen Kontakt mit Adressaten, bei denen es reichte, Name plus Ort nebst Postleitzahl aufs Kuvert zu schreiben, beispielsweise mit der Künstlersozialkasse in Wilhelmshaven (wobei die sich die Postleitzahl mit anderen Empfängerinnen teilt – man geht dann wohl davon aus, dass der Briefträger schon wissen wird, wo die KSK sitzt).
Jedenfalls: Eine eigene Postleitzahl zugeteilt bekommen, das wäre doch mal ein life goal.

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"Sie kochte formvollendete Kartoffelknödel, bezeichnete ihre Enkel als Geschenk des Himmels: Nach ihrem Tod erinnert sich unser Autor an eine pragmatische und unerschütterliche Großmutter, die ihn ein Leben lang prägen wird." Das ist die Einleitung eines Bezahl(!)-Beitrags auf "Spiegel online". Ich habe nichts gegen den Autor, kenne ihn nicht mal, und sicher war seine Oma eine ganz patente Frau. Aber ganz ehrlich, diese Art von Journalismus ist doch nur mehr einen halben Schritt entfernt von "Mein schönstes Ferienerlebnis".

Sonntag, 21. Januar 2024

Noch ein Automat

Einen eigenen Techniktagebuch-Eintrag ist es nicht wert, aber irgendwo (nämlich hier!) sollte doch festgehalten werden, dass es seit spätestens Ende letzten Jahres in meinem Viertel, vor dem Eingang eines entsprechenden Geschäfts stehend, einen Shisha-Automaten gibt.


Da kommen wohlgemerkt keine Wasserpfeifen raus, sondern lediglich Sticks, Dosen und zigarettenschachtelförmige, äh ... Schachteln mit Liquids, Vape-Geschmäckern oder was immer das alles ist; ich habe wirklich nicht den geringsten Bedarf, mich mit dem Mist zu befassen. Zu zahlen sind je nach Produkt Beträge zwischen 3,50 und 12 Euro, bar oder mit Karte.

Dienstag, 28. November 2023

Urbanes Abenteuer: Essen im Flughafen

Der Frankfurt Airport wird nie aufhören, mich zu faszinieren. Dass der viertgrößte Verkehrsflughafen Europas eine eigene Welt ist, wird einem gar nicht so sehr klar, wenn man dort nur gelegentlich abfliegt oder landet. Zwar hatte mir bereits vor ein paar Jahren eine Führung einen näheren Blick hinter die Kulissen gewährt, doch neulich überlegte ich, wie man auf andere, intensivere Weise in diese "Stadt in der Stadt" eintauchen könnte. Dann kam mir die Idee: Wie wäre es, mal in einer Werkskantine Mittag zu essen?

Den 81.000 Beschäftigten stehen inkl. der sog. FRAbar sieben über das Gelände verteilte Essensausgabestellen zur Verfügung, wie einer Übersichtsseite des Betreibers ACS (Airport Cater Service) zu entnehmen ist. Am meisten sprach mich sofort die "Kantine Werkstätten" an: "Eine große Fensterfront ermöglicht einen attraktiven Blick auf das Vorfeld und das Treiben am Flughafen." Öffentlich zugänglich sind, wenn ich das richtig verstanden habe, allerdings nur zwei Kantinen: "Terminal 1" und "Cargo City Süd". Da erstere unspektakulär in die Ankunftshalle B integriert ist, entschied ich mich am vergangenen Freitag dafür, einen Ausflug in die 98 Hektar große Cargo City Süd zu unternehmen.

Um dort hineinzugelangen, benötigt man eine Einfahrtsberechtigung oder einen allgemeinen Flughafenausweis. Normalsterbliche müssen ihren Besuch online anmelden und erhalten "eine E-Mail mit der Buchungsbestätigung und einem QR-Code. Die Einfahrt erfolgt dann zur angemeldeten Zeit automatisch mittels Kennzeichenerfassung. Sie erhalten außerdem einen QR-Code, den Sie an der Schranke einscannen können, falls Ihr Kennzeichen bei der Einfahrt nicht korrekt erkannt wird" (fraport.de). Einfacher geht es, wenn man den Bus nimmt. Im halbstündigen Takt fährt wochentags der ominöser Ominösbus, Quatsch: Omnibus X77 von Sachsenhausen bis in die Cargo City Süd. Er steuert auf seiner Fahrt, ein gutes Stück der Bundesstraße B 43 nehmend, zunächst das relativ neue Stadtviertel Gateway Gardens an, ein Gewerbegebiet auf einem ehemaligen Stützpunkt der US-Streitkräfte, das heute mit Hotels und Bürogebäuden bestückt ist. So konnte ich mir davon endlich auch mal ein Bild machen. Wenig später passierte der Bus, in dem abgesehen von mir ab da nur noch zwei Passagiere – mit Sicherheit Fraport-Angestellte – saßen, eine Schranke, kurz darauf noch eine, dann ging es über einen Ring an Abfertigungsbereichen und Rollfeldern entlang.


Die Haltestellen haben hier nur noch Namen wie "Flughafen Tor 32" oder "Gebäude 556". Am Wegesrand tauchte plötzlich eine (nicht bei Google Maps eingetragene!) Dönerbude auf – eine weitere Verköstigungsmöglichkeit für Bedienstete. Auch eine Hundepension steht in diesem Areal. Mein Ausstieg kam wenig später: "Flughafen Geb. 536", eine Station vorm Endhalt. Direkt gegenüber erblickte ich sogleich das Objekt meiner Begierde:


Weitere Fotos von der Einrichtung mochte ich mit Rücksicht auf die anwesenden Menschen, von denen übrigens rund die Hälfte in Warnwesten gewandet war, nicht machen. Hier aber der Speiseplan von jenem Tag:


Eine ordentlich Auswahl! Und das waren nur die Hauptgerichte! Darüber hinaus konnte man sich an einem Salatbüfett, an einer heißen Theke mit Würstchen, Pommes, Pizza, Nuggets und Burgern sowie einer Fertigsnackbar gütlich tun. Belegte Brötchen waren ebenso zu haben wie eine kleine Auswahl an Süßgebäck und Getränke aller Art. (Zu trinken hatte ich mir was eigenes mitgebracht.) Ich entschied mich für die Falafelbällchen an Bulgur und veganem Joghurt, gönnte mir eins von vier Tages-Desserts (Naturjoghurt mit Nusssplittern und Schlagsahne) und bediente mich – wenn schon, denn schon! – an der Salatbar.


Ich bezahlte mit meiner Debit-Card, hatte vorher extra gefragt, ob ich das darf. Weil Externe einen Zuschlag entrichten müssen, kostete mich das Menü 11,69 €. Ein Spartipp ist dieser gastronomische Geheimtipp also nicht gerade. Aber es hat alles vorzüglich geschmeckt, und ich hatte einen ruhigen Sitzplatz. Apropos Geld: Hätte ich kein Deutschlandticket, wäre mir der Spaß die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht wert gewesen, die hätte nämlich hin und zurück mit insgesamt 11,60 € zu Buche geschlagen. Nach der Einnahme des opulenten Mahls schlenderte ich noch ein wenig durch die Umgebung, bevor ich die einstündige Heimfahrt antrat.

Montag, 16. Oktober 2023

Erinnerung: Verschatzt

Am 12. November 2011 bin ich besonders früh aufgestanden – nach nur 5 Stunden Schlaf (der Freitag davor war ein langer Arbeitstag) – und fuhr zum Industriepark Frankfurt-Höchst, um dort eine sehr teure Uhr zu finden. Um es vorwegzunehmen: Da war keine Uhr, stattdessen erwartete mich und eine Handvoll weiterer Schatzsucher folgende Plakette (zum Lesen vergrößern):


Der Rätseltext des Zeit-Magazins, der mich dorthin geführt hatte, lautete: "9.45 Uhr, da brach Kjell-Erik Ståhl mit 2587 anderen zu seinem ersten großen Triumph auf. Wer heute suchen will, gehe, laufe zum Tor, wo alles anfing. Dort befindet sich ein Drehkreuz. TAG Heuer, Carrera Mikrograph 1/100th, 40000 Euro." Die geizigen Milliardäre von der Zeit hatten allerdings lediglich in Wiesbaden eine Uhr ausgelegt. Da wäre ich auch in kurzer Zeit hingekommen, und das dazugehörige Rätsel hatte ich natürlich ebenfalls gelöst! Der Trostpreis entpuppte sich übrigens als 15-Euro-Gutschein für den Zeit-Shop. Hier kann man alles nachlesen.

(ursprünglich notiert am 29.11.2011)

Donnerstag, 21. September 2023

Evolution im Frankfurter Hauptbahnhof

Ich bin nicht unbedingt der Auffassung, dass die Menschheit immer dümmer wird. Aber dass den Menschen zunehmend alles ausformuliert und vorgekaut werden muss, dass man sie an die Hand zu nehmen, sie in die Schranken zu weisen hat, ist allüberall wahrzunehmen. Vormals Selbstverständliches muss in Vorschriften gegossen werden. Man kommt ja beim Wandern kaum noch an einer Koppel vorbei, an deren Umzäunung kein Hinweis hängt à la "Bitte die Schafe/Pferde/Ziegen nicht füttern!!! Uns sind in diesem Sommer bereits drei Tiere verreckt. Lassen Sie in Gottes Namen Ihr 'Futter' im Rucksack!"

Eine dieser omnipräsenten verachtenswerten, überteuerten, generischen Zugreiseproviantverkaufsstellen (ich weigere mich, das Wort "Bäckereien" zu verwenden) hat unlängst Orientierungshilfen auf den Boden kleben lassen, damit Vorbeikommende wissen, wo sie sich, wenn sie etwas erstehen möchten, anstellen und wo sie, wenn nicht, weiterziehen sollen. Na klar, warum nicht? Vorher kam es in dem ohnehin ständig überlaufenen Bahnhof wahrscheinlich regelmäßig zu Verknotungen, Doppelschlangen und Behinderungen, garantiert habe auch ich schon mal irgendwo deppert im Weg gestanden. Trotzdem ist die Existenz solcher Markierungen höchst symbolträchtig.

Freitag, 23. Juni 2023

KYB RST ZNG

Das gute Stadtkind-Blog dokumentiert seit Jahren Abwandlungen des Run-D.M.C.-Logos, die, meistens als Sticker, in Frankfurt zu sehen sind, sich aber auch in anderen Städten, ach wo: überall in Deutschland finden lassen. Die Hochphase begann 2015, aber wie man im Blog sieht, gab es erste Variationen des Bandlogos bereits 2010. Mittlerweile kursieren viele Kreationen, bei denen das ursprüngliche Prinzip gar nicht mehr verstanden und/oder umgesetzt wird. Dieses von mir fotografierte Beispiel (ich weiß nicht, ob es in der verlinkten Sammlung schon auftaucht) demonstriert, was ich meine:


Hätte man das H eine Zeile nach oben gezogen, wäre in der Mitte noch Platz für das A in "HACK". Davon abgesehen stört mich, dass es überhaupt eine dritte Zeile gibt. Da hat man sich schon sehr weit von "RUN DMC" entfernt.

Samstag, 14. August 2021

Kindermund (und Erwachsenenmund erst!)

Neulich hörte ich an einer Ampel einen Vater zu seinen Kindern sagen: "Jetzt gehen wir am Naturkundemuseum vorbei, zum dinosaur." Dinosaur sprach er tatsächlich englisch aus. Die Kinder verstanden's trotzdem und reagierten mit "Yayyy, Dino!" (Dino deutsch ausgesprochen.) Ein paar Meter weiter liefen drei andere Knirpse, jeder mit einer Küchenrollenpappe in der Hand und in Begleitung von ein paar Erziehungsberechtigten, und riefen einstimmig: "Wir wollen Masken! Wir wollen Masken!" Vielleicht riefen sie auch "Wir wollen wachsen!", genau konnte ich sie nicht verstehen, weil sie sich auf der anderen Straßenseite befanden. 'Wenn ihr Masken im Sinne von medizinischem Mund-Nase-Schutz haben wollt, dann besorgt euch doch welche', dachte ich noch. Weiß der Teufel, was da wieder los war.

Kann es übrigens sein, dass Eltern, die mit ihrem Nachwuchs an einer roten Ampel stehen, in letzter Zeit noch schärfer als sonst aufpassen, dass ja niemand unerlaubterweise die Straße quert? "Hey, erst bei grün gehen!", hörte ich vorletzte Woche in meinem Kiez eine Mutter rufen. "Hier stehen Kinder." Mit diesen Worten wurde ein Fußgänger auf halbem Wege zurückkommandiert. Tja, mehr fällt mir dazu auch nicht ein.

Dienstag, 16. März 2021

FReu dich des Lebens

Letzten Freitag stand ich am offenen Bücherschrank und studierte die Buchrücken, als ein mittelalter Herr angepest kam und sich zielstrebig etwas aus dem Schrankinnern schnappte, das er schon von weitem erblickt hatte: die tagesaktuelle Ausgabe der Frankfurter Rundschau. "Hoho", freute er sich über seinen Schatz und sagte beim Weggehen zu sich selbst: "Was für ein Tag!"
Es sind die kleinen Dinge.

Sonntag, 14. Februar 2021

Nacht- und Nebelwanderung

Ich habe ein neues Hobby für mich entdeckt, das ich euch nur ans Herz legen kann, vorausgesetzt in eurer Stadt herrscht keine Ausgangssperre: nächtliches Spazierengehen. Vor ein paar Wochen habe ich es zum ersten Mal ausprobiert. Die Kombination Winter/Lockdown/Nebel bietet ohnehin tolle Möglichkeiten, seiner Nachbarschaft ganz neue Blickwinkel abzugewinnen; zu vorgerückter Stunde bekommt das urbane Umfeld noch einmal einen zusätzlichen Zauber. Man muss natürlich bedenken, dass die Chance, ausgeraubt oder abgestochen zu werden, leicht erhöht ist, gerade in Frankfurt. Doch ich bin ja nicht durchs Bahnhofsviertel flaniert, sondern habe mich via Messe- ins Europaviertel begeben, den menschenfeindlichsten und lebensunwertesten, aber wohl sichersten, weil ödesten Stadtteil Frankfurts. Ich konnte in die gespenstischen Frühstücksräume leerstehender Hotels schauen – wobei einzelne Hotels derzeit geöffnet sind: Vor einem stand rauchend ein einzelner aus welchen Gründen auch immer hier gestrandeter Gast. Das war einer der wenigen Menschen, denen ich begegnete. Ich passierte Bankentürme, bei denen aus keinem einzigen Fenster Licht strahlte, bewacht lediglich von einem einsamen Wachmann vor einer Monitorwand. Büros bieten bei Nacht ein faszinierendes Bild. Von einer Brücke aus konnte man gut auf einige verwaiste Arbeitsplätze schauen; ein Foto zu machen traute ich mich nicht, da ich die Anwesenheit Industriespionage abwehrender Überwachungskameras in meinem morphischen Feld spürte. Ein paar nette Handyaufnahmen, hauptsächlich von Hochhäusern, sind mir dennoch gelungen. Vielleicht sollte ich beim nächsten Ausflug meine Systemkamera mitnehmen.







Mittwoch, 13. Januar 2021

Leiden wie ein Hund

Seit Monaten bietet sich mir fast täglich dasselbe Bild, wenn ich an der Tierarztpraxis, die auf meinem Arbeitsweg liegt, vorbeilaufe: eine Schlange! Nein, keine Schlange als Patientin, sondern eine Schlange aus wartenden, bibbernden Menschen, die wegen der corona-bedingten Abstandsregeln nicht ins Wartezimmer dürfen, sondern mit ihren maladen Schützlingen vor der Tür ausharren müssen, bis sie aufgerufen werden. Mir war vorher gar nicht klar gewesen, dass a) so viele Leute in meiner Nachbarschaft Haustiere halten, und b) dass Letztere ständig krank werden. Dieser bejammernswerte Anblick hat mich jedenfalls darin bestärkt, mir im Erwachsenenalter kein Tierchen mehr zuzulegen. (Der Hauptgrund ist freilich mangelnde Zeit, mich um ein zusätzliches Lebewesen zu kümmern.)

Als Kind und Jugendlicher hatte ich durchaus regelmäßig Haustiere – Wellensittiche und Wüstenrennmäuse –, und sehr wohl bin ich mit der bedrückenden Erfahrung des Tierarztbesuchs vertraut. Nachdem ich das letzte Mal eine Maus einschläfern lassen musste, schwor ich mir, nie wieder "Herrchen" zu werden, so spaßig das mitunter auch sein kann. Meine derzeitige Wohnung bietet ohnehin nicht genug Auslauf für irgendetwas, das größer als ein Käfer ist.

Sonntag, 13. September 2020

Nachtrag zur Frankfurter Zeppelin-Sichtung

Heute ist es mir gelungen, das Goodyear-Luftschiff, das immer noch über der Stadt seine Runden dreht, fotografisch festzuhalten! Leider nur aus großer Entfernung, aber immerhin. Das Stadtkind-Blog hat schönere Aufnahmen und zitiert zudem das beworbene Unternehmen; demnach ist der letzte Blimp-Auftritt tatsächlich ein gutes Jahrzehnt her.



Freitag, 11. September 2020

Never forget: Flugobjekte in der Hochhausstadt

Wichtiger Tagebucheintrag: Heute, am Vormittag des 11. September 2020, habe ich seit sehr langer Zeit mal wieder ein Werbezeppelin über der Frankfurter Skyline schweben sehen. "Goodyear" stand auf ihm, und es bewegte sich von Südwest- in Nordost-Richtung. Ein Foto zu machen, fehlte mir die Zeit/Lust/Geistesgegenwärtigkeit.

Mittwoch, 5. August 2020

Betr.: Müsli, Bankomat, Müsli, Bankomat

Zur Müsli-Anricht-Vorliebe von Menschen pflegte ich einst ziemlich starke Meinungen (vgl. Titanic 01/13). Ich selbst zog es vor, erst das Müsli in die Schüssel zu geben und dann die Milch drüberzukippen. Im letzten Winter jedoch habe ich mich umorientiert: Ich gieße seitdem zuerst die Milch ins Schüsselchen, tue dieses dann in die Mikrowelle, erwärme die Milch ein wenig, nehme die Schüssel aus der Mikrowelle und schütte zuletzt das Müsli hinein. Am frühen Morgen allzu kalte Flüssigkeit in den Magen gespült zu bekommen, ist bestimmt nicht der Gesundheit zuträglich, zumal in meinem Alter, auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass es bereits wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die das exakte Gegenteil ergeben haben wollen. Das Müsli weicht so aber auch effektiver auf und lässt sich angenehmer verzehren.

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An meinem Stamm-Bankautomaten waren heute die Tastentöne deaktiviert! Wird das von Dauer sein oder ist etwas defekt? Zunächst freute ich mich über das Ausbleiben der schrillen Pieptöne, denn jede Geräuschquelle in dieser ewig lärmenden Stadt weniger ist eine Wohltat. Dann aber dachte ich an unsere sehbehinderten Mitmenschen, für die ein akustisches Feedback beim Geldabheben sicher eine große Hilfe ist.

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Die Auswahl an Müslisorten in Supermärkten und bei dm wächst stetig. Das freut mich, ich teste sie alle. Ich hatte jetzt jedoch schon zweimal Packungen daheim, deren Inhalt für nicht einmal drei Schüsseln gereicht hat! Dabei handelte es sich beide Male um höherpreisige Marken.

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Was die Ausgabe der Banknoten angeht, bevorzuge ich Geldautomaten mit einem klassischen Schlitz. Leider finden Geräte mit Schacht zunehmende Verbreitung. Kennt ihr das: diese Klappen, die sich ruckartig öffnen und sofort wieder ebenso zackig schließen, sobald man die Scheine herausgenommen hat? Was, wenn man nicht sofort das gesamte Geldbündel zu greifen bekommt? Geht die Klappe dann trotzdem zu, und der verbliebene Betrag wird einbehalten? Oder zerstört? Dem Konto wieder gutgeschrieben? Was das immer für ein Nervenkitzel ist! Kaum eine Herausforderung des Alltags gehe ich derartig konzentriert und angespannt an. Mein Stamm-Automat (s.o.) hat zum Glück einen Schlitz.

Donnerstag, 30. Juli 2020

Zugeflüstert und angeschrien

Als würde es nicht reichen, aufgrund der Weltenlage und der inneren Verfasstheit in ständiger diffuser Angst zu leben, muss man auch noch regelmäßig konkrete Furcht ausstehen. Zwar lauern weder in meinen vier Wänden noch auf dem Arbeitsweg Fliegenpilze oder Löwen, doch hie wie dort wurde ich gestern derart erschreckt, dass ich noch bis zum Mittag unter Herzrasen und Anspannung litt.

Wie jeden Morgen fragte ich mein Amazon Echo, wie das Wetter werden würde. Statt mir in ihrer gewohnt monotonen, mittellauten Androidinnenstimme Auskunft zu geben, flüsterte Alexa den Wetterbericht. Ich wäre kaum heftiger zusammengezuckt, hätte die digitale Helferin ihr berüchtigtes Hexenlachen von sich gegeben. Offenbar hatte ich irgendwann den sog. Wispermodus aktiviert, bei dem Alexa mit gedämpfter Stimme antwortet, sobald man einen Befehl flüstert. Ich war mir gestern allerdings nicht bewusst, dass ich leiser als üblich nach dem Wetter gefragt hätte ...

Keine halbe Stunde später war ich draußen, als mir auf dem Fußweg ein junger Mann entgegenkam, den ich bereits hörte, bevor ich ihn visuell vollständig erfasste. Er brüllte wütend in einer mir fremden Sprache, nur das deutsche Wort "Hurensöhne" konnte ich mehrmals ausmachen. Halbwegs gefasst und ohne seinen Blick zu kreuzen, schritt ich an ihm vorbei und wurde zum Glück nicht attackiert. Seine Rage galt einem Objekt ähnlich dem, welches ich zufällig vor einigen Monaten fotografiert hatte:


Er deutete in dessen Richtung und artikulierte etwas in der Art von "Schaut nur, was diese Hurensöhne getan haben!" Dann sah ich es: Jemand hatte das "Kids"-Männlein enthauptet.


Der Kerl hob den abgetrennten Kopf auf und zog schreiend weiter. Handelte es sich um einen Straßenfeger oder um den Hausmeister der nahe gelegenen Schule? Entsprechende Kleidung hatte er nicht an, er trug aber ein Kehrblech in einer Hand. Was für eine Begegnung jedenfalls! Gerne hätte ich Baldriankapseln aus meiner Wohnung geholt, aber dort wartete ja die murmelnde Grusel-Assistentin. Das war alles zu viel für einen Vormittag ...