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Montag, 31. August 2026

Makes you think ...

Beim Frühstück höre ich im Deutschlandfunk von neuerlichen Angriffen der USA auf den Iran und Vergeltungsschlägen Teherans auf Ziele in Jordanien. Später schaue ich, meinem montäglichen Vor-der-Arbeit-Ritual frönend, noch eine alte Folge "Saturday Night Live". Es ist die Episode vom 18. Februar 1989 (Ep. 14x13, Host: Leslie Nielsen), und das Thema der Woche ist die Verhängung einer Fatwa gegen Salman Rushdie ("Die satanischen Verse") durch den Ajatollah. In der ersten Meldung in "Weekend Update" werden, als Verlängerungswitz, die kommenden Mordaufrufe Chomeinis aufgezählt, nämlich gegen: Sidney Sheldon ("The Sands of Time"), Jackie Collins ("Rock Star") und, als vom Publikum heftig bejubelte Pointe, Donald Trump ("The Art of the Deal").



"Was für eine irrwitzige Verknüpfung!", muss man damals gedacht haben. "Der religiöse Führer des Irans gegen einen vulgären Baulöwen aus New York, lächerlicher geht's nicht!" Ach, hätte man damals in die Zukunft blicken können ...

Dienstag, 11. Februar 2025

Google und ich: Es bleibt kompliziert

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr veröffentlichte ich einen Beitrag mit der Überschrift "Bei Google wird alles schlechter, Teil 398". Heute habe ich der Liste von Dingen, die dafür sorgen, dass ich immer weniger Freude an Google habe, zwei weitere hinzuzufügen.

1.) Die Google-Umfrage-App, mit der man sich auf einfache Weise ein paar Cent verdienen konnte, hat zuletzt keine (Um-)Fragen mehr ausgespuckt. Stattdessen wurden mir ständig "Belegaufgaben" gestellt: Ich möchte doch bitte die Quittung von meinem letzten Einkauf abfotografieren und hochladen. Darauf habe ich aber keine Lust, daran konnten auch die regelmäßigen Pushnachrichten mit dem Lockruf "Extra Guthaben mit Belegaufgaben" nichts ändern. Und so habe ich die App nach fast zehn Jahren der Nutzung deinstalliert. Das Google-Play-Guthaben in Höhe von 4,22 Euro werde ich demnächst einlösen, um auf Youtube den Film "The Banshees of Inisherin" zu leihen (3,99 €); der ist nämlich weder auf den üblichen Streaming-Plattformen noch als physisches Leihmedium in der Stadtbibliothek erhältlich.

2.)

(Hintergrund auf heute.de)

Mittwoch, 6. November 2024

24/11/06

FUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU...

Samstag, 10. August 2024

Wenn Übersetzungen wie Übersetzungen klingen

"'Die Hölle auf Erden': Amerikas Wahlkampf in Zitaten", FAZ, 08.08.2024:


Ich werde nicht lügen, ich liebe diese Übersetzungen nicht.

Samstag, 20. Juli 2024

Aus der Satirewerkstatt

Dieser Bericht entstand nicht nur mit Billigung, sondern nach ausdrücklicher Anregung von Michael Ziegelwagner.

In der Titanic-Redaktion ist es meine Aufgabe, die Rubrik "Das politische Gedicht" zu füllen. Dazu bestelle ich jeden Monat in der ersten oder zweiten Woche bei einem verdienten Heftlyriker meiner Wahl, i.d.R. ohne Themenvorgabe, einen knackigen Mehrzeiler; notfalls muss ich, wie im Juni geschehen, selbst zur Feder greifen.

Am 9. Juli fragte ich ebendeswegen in Wien bei M. Ziegelwagner an. Schon am Abend des 11.7. kam die Lieferung, in nicht weniger als "drei Versionen, einmal formal locker, einmal formal streng, einmal ein Kompromiß". Und so ging es:

Prinzip Hoffart

Abgesagt: Le Pens Triumphmarsch.
Abgewählt: der Tory-Staat.
Im Iran verliert der Dumpfarsch
geg’n den Mann, der moderat*).

Staunend reibt man sich die Augen:
Weil die Hoffnung Nahrung kriegt,
dass die Umfragen nicht taugen.
Dass am End’ Vernunft obsiegt.

Dass am End’ auch in Amer’ka
Rechtsstaat (Biden) triumphiert!
Und dass Trump, dieser Berserker,
am Wahltag einem Atten-
tat zum Opfer fällt, auf der 5th
Avenue angeschossen, im Staub liegengelassen, plattgetrampelt,
von einem streunenden Puma beschnuppert, geschändet, mit sechs verschiedenen venerischen Krankheiten infiziert,
nach vielen Stunden Röchelns, Kotzens, Blutverlustes,
überrollt von zwölf Dampfwalzen,
aufgeschaufelt,
von einem Trommelhäcksler zerhäckselt,
zu Viehfutter verarbeitet,
wieder herausgeschissen, als Dünger für ein Baumwollfeld verwendet
und somit als Präsident
verhindert
wird.

M.Ziegelwagner, Ernst-Bloch-Lehrstuhl für Democracy, Kalamazoo County

*) Mossad Peschesskian (oder so)
In der als formal strenger angekündigten Fassung stellte sich die dritte Strophe wie folgt dar:
Dass am End’ auch in Amer’ka 
Rechtsstaat (Biden) triumphiert! 
Und dass Trump, diesen Berserker, 
einer abknallt und ihn röchelnd  
auf der Straße liegenlässt, wo-
rauf ein tollwütiger Puma 
ihn beschnuppert, ableckt, schändet, 
und mit Dutzenden Geschlechtskrank-
heiten infiziert, wodurch die 
Sau nach vielen Stunden Leidens, 
Zeterns, Kotzens, Blutverlustes, 
überrollt von sechs Dampfwalzen, 
plattgetrampelt, aufgeschaufelt,
und von einem Trommelhäcksler 
fein zerhäckselt, als Viehfutter 
dienend, aufgefressen, ausge-
schissen, düngend ein Baumwollfeld
als Präsident 
verhin-
dert 
wird.
... während die Kompromiss-Version so auslief:
Dass am End’ auch in Amer’ka 
Rechtsstaat (Biden) triumphiert! 
Und dass Trump, diesen Berserker, 
einer abknallt und ihn röchelnd 
auf der Straße liegenlässt, worauf ein 
streunender Puma ihn be-
schnuppert, ableckt, schändet, 
und mit Dutzenden venerischen Krank-
heiten infiziert, wodurch die 
Sau nach vielen Stunden Leidens, 
Zeterns, Kotzens, Blutverlustes, 
überrollt von sechs Dampfwalzen 
plattgetrampelt, aufgeschaufelt 
und von einem Trommelhäcksler 
fein zerhäckselt, als Viehfutter 
verwendet, aufgefressen, wieder ausge-
schissen und ein Baumwollfeld düngend 
als Präsident ver-
hindert 
wird. 
Alles sehr schön, befand ich, und nahm die erste ab. Am folgenden Sonntagmorgen erfuhr das noch schläfrige Mitteleuropa, dass D. Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung von einem Attentäter angeschossen worden war. Ein paar Stunden später – ich befand mich gerade wandernd im Taunus – erreichte mich eine SMS von Michael: "Hm, jetzt wirkt mein politisches Gedicht irgendwie merkwürdig." Dem stimmten am Montag Chefredakteurin Julia Mateus und ich zu. Es wurde beschlossen, ein Ersatz-Poem abzudrucken.

Das ursprüngliche Werk dem Giftschrank zu überantworten, hätte ich nun aber doof gefunden. Ich schlug Michael vor, er solle es wenigstens (samt Einordnung) auf Facebook veröffentlichen, worauf er meinte, nee, wenn, dann lieber auf deinem (also meinem) Blog! Und hier isses nun. Was aber wird im Augustheft der Titanic zu finden sein? Das, liebe Leserinnen und Leser, erfahrt ihr am 27. Juli.

Sonntag, 4. Februar 2024

Trump in Gefahr! Eine kleine Presseschau

Wer oder was Donald Trump laut Einschätzung deutscher Medien in den letzten neun Jahren hat "gefährlich werden können":
  • Carly Fiorina ("könnte Donald Trump gefährlich werden", Tagesspiegel, 07.08.2015)
  • Robert Mueller ("Ein Mann, der Trump gefährlich werden könnte", "Spiegel online", 18.05.2017)
  • James Comey ("Wie Comey Trump gefährlich werden könnte", WirtschaftsWoche, 07.06.2017)
  • Paul Manafort ("der Mann, der Trump gefährlich werden könnte", "Stern online", 30.10.2017)
  • Mike Flynn ("Die Aussagen Michael Flynns könnten Trump gefährlich werden", "Zeit online", 02.12.2017)
  • die Kongresswahlen ("Warum die Midterms Trump gefährlich werden könnten", Stuttgarter Zeitung, 05.11.2018)
  • Kristin M. Davis ("Diese Puffmutter könnte Trump gefährlich werden", "Bild online", 23.07.2018)
  • die Wirtschaft ("Gerade ein Konjunkturabschwung könnte Trump gefährlich werden", "Zeit online", 20.12.2018)
  • Michael Cohens Anhörung vor dem Kongress ("Trumps 'Ausputzer' packt aus. Das könnte für den Präsidenten gefährlich werden", "Stern online", 27.02.2019)
  • Julian Assange ("Warum Assange Trump gefährlich werden könnte", FAZ, 12.04.2019)
  • Bill Weld ("Warum ein Unbekannter Trump gefährlich werden könnte", Tagesspiegel, 17.04.2019)
  • Lev Parnas und Igor Fruman ("Zwei dubiose Geschäftsmänner, die Trump gefährlich werden könnten", Tagesspiegel, 11.10.2019)
  • Nancy Pelosi ("Pelosi könnte Trump gefährlich werden", Stuttgarter Zeitung, 17.10.2019)
  • Marie Yovanovitch ("Sie sagt heute aus: Warum Marie Yovanovitch für Trump gefährlich werden könnte", "Stern online", 15.11.2019)
  • Lev Parnas ("Dieser Zeuge könnte dem US-Präsidenten gefährlich werden", "Stern online", 16.01.2020)
  • Michael Bloomberg ("Warum Bloomberg für Trump gefährlich werden könnte", web.de, 18.02.2020)
  • Bob Woodward ("Der legendäre Reporter, der Trump gefährlich werden könnte", Redaktionsnetzwerk Deutschland, 11.09.2020)
  • Klagen aufgrund des sog. Ku-Klux-Klan-Gesetzes ("Zivilklagen könnten Donald Trump gefährlich werden", Frankfurter Rundschau, 27.05.2021)
  • Stephanie Grisham ("Doch das Buch einer engen Vertrauten könnte ihm gefährlich werden", bunte.de, 10.09.2021)
  • mehrere Ermittlungen ("Diese Untersuchungen könnten Donald Trump gefährlich werden", Tagesspiegel, 24.11.2022)
  • Jack Smith ("US-Sonderermittler Smith könnte Trump gefährlich werden", Frankfurter Rundschau, 25.11.2022)
  • die Schweigegeld-Affäre ("Fall um Porno-Star Stormy Daniels könnte Donald Trump gefährlich werden", Augsburger Allgemeine, 31.01.2013)
  • Ron DeSantis ("[E]r gibt sich ruhiger, seriöser und taktischer als der Ex-Präsident. Gerade deshalb könnte er Trump im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur gefährlich werden", Deutschlandfunk, 25.05.2023)
  • eine Tonaufnahme ("Prozess um Geheimdokumente: Tonaufnahme könnte Donald Trump gefährlich werden", ProSieben, 27.06.2023)
  • Mike Pence ("Der 'gute Mike' könnte Trump gefährlich werden", Weser Kurier, 07.08.2023)
  • Sidney Powell ("Eine Frau, die Donald Trump gefährlich werden könnte", Frankfurter Rundschau, 25.10.2023)
  • Nikki Haley ("Haley gibt sich angriffslustig: Republikanerin könnte Trump in New Hampshire gefährlich werden", Frankfurter Rundschau, 17.01.2014)

Freitag, 30. April 2021

Washington, Maryland?

Seit einer Weile debattiert Amerika über die Option, die Stadt Washington, D.C. zu einem Bundesstaat zu machen. Die erwartbare Gegenargumentation der Republikaner nimmt dabei immer absurdere Züge an. Der Repräsentant Jody Hice (Georgia) führte kürzlich ernsthaft an, Washington, D.C. könne schon deshalb kein Staat werden, weil es dort nicht mal ein Autohaus gebe. Davon abgesehen, dass es in Washington sehr wohl car dealerships gibt, erinnert mich diese Aussage an das berühmte Zitat von Frank Zappa, demzufolge ein Land nur ein richtiges Land sein kann, wenn es sein eigenes Bier braut und eine eigene Fluggesellschaft hat ("it helps if you have some kind of football team, or some nuclear weapons, but in the very least you need a beer"). Dass ein Scherzspruch eines Musikers mehr Gehalt hat als der Gedankengang eines Volksvertreters (wobei ich als Kriterium für Länderstatus "beer OR airline" geltend machen würde), sagt viel aus über die Republikanische Partei – jene Partei, die in den vergangenen Jahrhunderten wiederholt künstliche Staaten hat entstehen lassen, um ihre Pfründe abzustecken, sprich: sich zusätzliche Wählerstimmen zu sichern. Jetzt, da eine statehood der eher liberalen und ethnisch pluralistischen Hauptstadt das Gewicht ein kleines bisschen in Richtung demokratisch verlagern könnte, geht den Repulikanern natürlich die Düse. 

"Hätten die Gründerväter das gewollt?" ist ein oft gehörter Nörgelsatz. (Eine kleine Sammlung schöner Twitter-Repliken gibt es bei BoingBoing.) Ob man, bevor der District of Columbia Organic Act von 1871 verabschiedet wurde, auch ständig die "Founding Fathers" (die damals zeitlich noch gar nicht so weit weg waren; der letzte starb 1836) beschworen hat? Dass der Weg zum Sonderdistrikt ein steiniger war, kann ich mir vorstellen. Politische Abwägungen beiseite gelassen, würde es mir persönlich gefallen, wenn Washington den Status des Hauptstadtdistrikts beibehielte, allein wegen der Exotik. Bei uns in Deutschland sind solche sog. bundesunmittelbaren Gebiete ja verfassungsgemäß ausgeschlossen. Übrigens gab es später den Vorschlag, Washington, D.C. in Maryland wiedereinzugliedern, auf dessen ehemaligem Teilgebiet der Hauptstadtbezirk einst installiert wurde (sowie auf Land des Staates Virginia; Wikipedia hat ein hilfreiches Bewegtbild der territorialen Evolution). 

Warum eigentlich "District of Columbia"? Das wusste ich bis neulich auch nicht: Columbia ist eine weibliche Personifikation der Vereinigten Staaten, eine Art Nationalallegorie wie Uncle Sam. 

Sonntag, 17. Januar 2021

Word of the month

Wie ich schon mehr als einmal festgestellt habe, ist das einzig Positive, das ich der nächste Woche endenden Präsidentschaft D. Trumps abgewinnen kann, das Anwachsen meines Englisch-Wortschatzes. Zum Beispiel hätte ich nicht gewusst, wie man das bezeichnen sollte, was kürzlich im Kapitol geschehen ist. Mit der Pistole auf der Brust hätte ich vielleicht "storming" oder "attack" gesagt. Die Vokabel, die sich in amerikanischen Medien durchgesetzt hat, ist jedoch insurrection – "Aufstand, Aufruhr". Das Wort habe ich vorher noch nie bewusst wahrgenommen! Bei weitem nicht so häufig, aber ebenfalls gebraucht wurde das etymologisch und semantisch verwandte Wort insurgence. Hinsichtlich beider habe ich den Restverdacht, ob das möglicherweise nicht etwas euphemistisch war.

Update: Kurz nach Veröffentlichung dieses Beitrags sehe ich, dass der New Yorker das Wort siege benutzt.

Samstag, 8. Februar 2020

Housemitteilung

Das treibt mich seit einer Weile um: Kann es sein, dass man in amerikanischen Medien, zumindest in audiovisuellen, die Bezeichnung House Speaker heute viel öfter vernimmt als die längere* Titulierung Speaker of the House, während letztere früher häufiger verwendet wurde? Ich kann diesen rein gefühlsmäßigen Verdacht nicht empirisch erhärten, aber wenn ich die Kombination [Amtsbezeichnung_Name] hinsichtlich der letzten drei Speaker gedanklich Revue passieren lasse, kommt mir "Speaker of the House John Boehner" – etwa aus dem Munde eines Late-Night-Hosts – viel vertrauter vor als "House Speaker John Boehner". "House Speaker Paul Ryan" meine ich hingegen etliche Male mehr gehört zu haben als "Speaker of the House Paul Ryan". Und in Verbindung mit Nancy Pelosi habe ich aus deren erster Amtszeit die längere Form im Ohr, während mir seit Anfang 2019 "House Speaker Nancy Pelosi" bevorzugt zu werden scheint.
Die (schleichende) "Trendwende" muss also vor ungefähr zwei bis drei Jahren begonnen haben. Wahrscheinlich spinne ich aber einfach nur.

* aber nicht vollständige; die lautet nämlich Speaker of the United States House of Representatives

Dienstag, 7. Mai 2019

Ich habe Victoria Jacksons Autobiografie gelesen, damit ihr es nicht müsst

Victoria Jackson (*1959) war von 1986 bis 1992 Teil des Ensembles von "Saturday Night Live" und übernahm dort regelmäßig die Rolle dessen, was man im amerikanischen Englisch bimbo oder ditz nennt, also dem blonden Dummchen, wie man es heutzutage zum Glück kaum noch in Comedyshows zu sehen bekommt. Mit ihrem Look sowie einer kindlich-naiven Quakstimme war sie prädestiniert dazu bzw. wurde halt type-gecasted, wobei sie auch über hohes akrobatisches Geschick und musikalisches Talent verfügt(e), so dass sie regelmäßig Ukulele spielend oder radschlagend auf der Bühne glänzte. Johnny Carson war ein Fan von ihr, 20 Mal war sie in seiner Late-Night-Show zu Gast.

Weil ihre Karriere in der Unterhaltungsbranche nach 1992, wie bei so vielen SNL-Alumni, nicht so recht Fahrt aufnehmen wollte, begann sie sich allmählich auf ungute Art zu politisieren und wurde Anfang der Zehnerjahre zu einem der prominenteren Gesichter der Tea-Party-Bewegung. Über diesen Werdegang hat sie 2012 ein Buch geschrieben ("Is My Bow Too Big?"), welches ich vor kurzem endlich ausgelesen habe. Ich lese grundsätzlich alle Biografien aus dem "Saturday Night Live"-Umfeld, und diese Geschichte interessierte mich ganz besonders, denn ich finde es zu gleichen Teilen spannend und unbegreiflich, wenn jemand peu à peu ideologisch "abdriftet". Beispiel Dennis Miller: War der Comedian in seiner Zeit als "Weekend Update"-Anchor noch keinem konkreten Spektrum zuzuordnen, begriff er sich nach 9/11 plötzlich als konservativer Patriot und ging die Jahre darauf schließlich full FOX News mindset.

Auch bei Victoria Jackson war dieses zweifellos traumatische Datum offensichtlich ein Erweckungserlebnis. Jedoch scheint mir in diesem speziellen Fall die Veranlagung zum Rechtsruck noch tiefer zu liegen, nämlich in einer von früh an verabreichten Überdosis Religion. Die Jacksons waren strenge Baptisten, und weil das Familienleben im Wesentlichen harmonisch ablief und kaum Anlässe bot, die diversen schrägen Dogmen infrage zu stellen, hat sich Victoria nie davon emanzipiert. Im Gegenteil: Bibelcollege und selbstauferlegte "Reinheit" bis in die wilde New Yorker Ära hinein waren logische Folgen. Und noch die übelsten fundamental-christlichen Urteile (Abtreibung ist Mord! Homosexuelle kommen in die Hölle!) galten ihr als unanfechtbar. Dann kam der 44. Präsident der Vereinigten Staaten und das Fass lief über. Bereitwillig ließ sie sich in die Verschwörungs- und Hetz-Maschinerie der far-right einspannen: Selbstverständlich zweifelt sie Obamas Staatsbürgerschaft an, die Vorbereitung eines muslimisch-kommunistischen Umsturzes wirft sie ihm vor, nicht weniger als Jesu erneute Ermordung befürchtet sie von der "liberalen Elite". "Socialist agenda" und "anti-American ideology" sind weitere gern verwendete Schlagwörter. Dass Andrew Breitbart (in dessen Haus sie sogar übernachten durfte) seine Anhänger anhielt, Obama lediglich als "Kulturmarxisten" zu titulieren, nimmt sie immerhin zur Kenntnis, verwendet aber mehrfach und allen Ernstes das Wort jihadist. Klar, in diesem Dunstkreis gelten ja schon Bernie und Ocasio-Cortez als Ultrastalinisten, weil sie stinknormale sozialdemokratische Visionen wie das Recht auf kostenlose Ausbildung und Gesundheitsversorgung haben.

Entsprechend zermürbend und enervierend gestaltet sich die Lektüre, und einzig die Passagen über die Welt des Showbiz haben mich bei der Stange gehalten. Fast schon schade ist zudem, dass das Buch mitten in Obamas erster Amtszeit endet. Ich wüsste gern, was Frau Jackson von Donald Trumps Wahlsieg 2016 und den Folgen gehalten hat. Ist für sie der Messias gekommen? Findet sie, dass seitdem alles in ihrem Sinne läuft? Oder dass im Gegenteil alles nur noch schlimmer geworden sei, weil in Wahrheit linke Massenmedien die Fäden ziehen? Vielleicht hat sie sich ja in einer ihrer Glossen dazu geäußert, die auch noch zu lesen mir aber die Kraft fehlt. 2017 hat sie sich zumindest – Quelle: Wikipedia – via öffentlicher Ankündigung endgültig aus der Politik zurückgezogen ("The article blamed her politics for her lack of career success"). Man wünscht ihr Glück.

Samstag, 26. Januar 2019

Word of the week

Um mich selbst zu zitieren: "Positiv an der Ära Trump ist ja, dass man auch als deutschsprachiger Beobachter kontinuierlich und en passant seinen Wortschatz erweitert." Jetzt also das Wort chyron, das mir bis vor ein paar Tagen noch nie begegnet war.

Der ehemalige Weiße-Haus-Mitarbeiter Cliff Sims verrät in seinem Buch "Team of Vipers", dass Donald Trump geradezu besessen ist von jenen Bannern, Kästen und Streifen, die bei TV-Übertragungen auf dem unteren Bildschirmrand eingeblendet werden. Angeblich hat der Präsident wiederholt seinen Stab angewiesen, Screenshots von allen Inserts zu machen, die bei Reden und Auftritten von ihm in diversen Newskanälen aufpoppen.

Auf Englisch heißen diese Einblendungen lower thirds, weil sie im unteren Drittel des Bildes erscheinen, und in Nordamerika werden sie eben auch chyrons genannt, nach der Chyron Corporation, dessen Schriftgenerator "Chiron I" seit den Siebzigern für solche graphischen Elemente eingesetzt wurde. Als deutsche Entsprechung kenne ich aus meiner Zeit beim Fernsehen den Terminus "Bauchbinde", der sich allerdings strikt auf Informationen (Name, Beruf usw.) zu der gerade sprechenden Person bezieht.

Freitag, 14. September 2018

Word of the week

Positiv an der Ära Trump ist ja, dass man auch als deutschsprachiger Beobachter kontinuierlich und en passant seinen Wortschatz erweitert. Das Wort op-ed habe ich diese Woche gut ein Dutzend Mal gehört, bevor ich es gelesen habe, und jedes Mal verstand ich so etwas wie "Abed" (wie es halt auf gut US-Amerikanisch ausgesprochen wird).
Die New York Times hat ein anonymes op-ed aus der Feder eines "senior officials" in der Trump-Regierung veröffentlicht, Details siehe Medien. Ein op-ed ist ein Meinungsstück, es steht für opposite editorial und lässt sich wohl am besten mit "Gastkommentar" übersetzen. Es ist ein Essay oder auch eine Kolumne mit dem Hauptcharakteristikum, dass es eben nicht aus der eigenen Redaktion kommt und somit ein Gegenstück zu einem Editorial ist und auch sein soll.
Letzte Unklarheiten im journalismus-fachsprachlichen Dschungel beseitigt dieser (englische) Artikel im Des Moines Register.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Kurz notiert: Trumps Spickzettel

Vor einer Woche hat Donald Trump im Weißen Haus Überlebende des jüngsten High-School-Shootings empfangen. Dabei fingen die Kameras eine Art Erinnerungsstütze mit Konversationsfragmenten ein, die der Präsident in Händen hielt. Ein Punkt auf dem Notizzettel lautete "I hear you". Mich hat gewundert, dass diverse deutschsprachige Medien (u.a. n-tv) diese Phrase mit "Ich höre euch zu" oder "Ich höre Ihnen zu" übersetzt haben, denn das ist eine ziemlich ungenaue Wiedergabe dieser "Floskel, deren Bedeutung zwischen 'Ich höre euch zu' und 'Ich respektiere euch' schwankt; sie wird oft benutzt, um ein Gespräch am Laufen zu halten, auch wenn nicht alle einer Meinung sind" (Süddeutsche Zeitung) bzw. "bedeutet im Deutschen so viel wie: Ich höre dir zu, ich verstehe dich, ich respektiere dich. Im englischen Sprachgebrauch wird der Satz ähnlich einer Floskel der Zustimmung und Empathie verwendet." (FAZ) "Ich verstehe, was ihr meint" und "Ich sehe euren Standpunkt" wären zwei Vorschläge, die ich ins Rennen um das angemessenste Äquivalent schicken würde. Dass die eine Sprechergemeinschaft in drei Wörtchen etwas auszudrücken vermag, wofür bei der anderen ein vielsilbiges Gestammel nötig wird, darüber könnte man eine nicht dünne Monographie schreiben, aber dieser Blogpost ist mit "Kurz notiert" überschrieben, weswegen er auch jetzt (eh schon viel zu spät) endet.

Samstag, 16. Dezember 2017

Vokabel der Woche

Bis vor wenigen Tagen kannte ich es noch nicht, das Wort robocall. Der US-Präsident habe eine Wahlempfehlung für Roy Moore in Form eines robocalls ausgesprochen, hieß es dann kurz vor der special election in Alabama. Ein "Roboteranruf" ist eine voraufgezeichnete Sprachaufnahme, die quasi als "Festnetz-Spam" in eine große Zahl von Haushalten gespeist wird. Wer also irgendwo in Alabama am vergangenen Montag, dem Tag vor der Wahl, an sein Telefon gegangen ist, weil es klingelte, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Worte vernommen: "Hi, this is President Donald Trump and I need Alabama to go vote for Roy Moore. We’re already making America great again. I’m going to make America safer and stronger and better than ever before. We need that seat. We need Roy voting for us."
Eine gleichermaßen gruselige wie ulkige Vorstellung. Ob es dieses Marketinginstrument in ferner Zukunft auch in Deutschland geben wird? 

Mittwoch, 7. Juni 2017

Palmyra and beyond

Nein, es geht jetzt nicht um die Stadt in Syrien. USS Palmyra hieß das Schiff von Captain Cornelius Sowle, mit dem dieser am 7. November 1802 auf einem zu jener Zeit zwar schon bekannten, aber noch unbenannten Riff strandete. Er hatte Schiffbruch erlitten inmitten eines aus circa 50 Inselchen bestehenden Archipels, welcher heute Palmyra-Atoll heißt, 1000 Meilen südwestlich von Hawaii im Pazifik liegt und einen hochinteressanten politischen Status innehat: Er stellt das einzige sogenannte "eingegliederte, unorganisierte Territorium" der USA dar. 

Zum Verständnis: Als Territorium bezeichnet man alles, was kein Bundesstaat war oder ist. (Die seltsamen administrativen Sonderzustände von Washington, D.C., und Guantanamo Bay seien in diesem Zusammenhang direkt außen vor gelassen.)
Man unterscheidet

1. eingegliederte, organisierte Territorien (incorporated organized territories): Gebiete, die irgendwann in Bundesstaaten übergegangen sind, d.h. ausschließlich historische Territorien werden so bezeichnet; die berühmten Nordwest- und Südwest-Territorien zählten dazu, die letzten beiden mit diesem Status waren bis zu ihrer state-Werdung 1959 Hawaii und Alaska.

2. uneingegliederte, organisierte Territorien (unincorporated organized territories): Puerto Rico, Guam, die Nördlichen Marianen, Amerikanisch-Samoa und die Amerikanischen Jungferninseln zählen nicht als Teil (i.S.v. Gliedstaat) der USA, werden aber von diesen kontrolliert. Der Souverän ist die US-Regierung, die Verfassung ist jedoch nicht umfänglich gültig. Dem Wortlaut nach gelten ausschließlich die Grundrechte ("fundamental rights apply as a matter of law, but other constitutional rights are not available"), was wohl gerade im Bereich des Wahlrechts einige Ungerechtigkeiten nach sich zieht (John Oliver hat letztes Jahr einen längeren Beitrag darüber gebracht). Die exakte Definition von "organisiert" wiederum leuchtet mir nicht so recht ein; "selbstverwaltet" (self-governing) trifft es wohl am ehesten. Um die Sache zu verkomplizieren, sei angemerkt, dass Puerto Rico nach der Entscheidung eines Bezirksgerichts 2008 als "eingegliedert" zu betrachten sei und ein Referendum im Jahr 2012 zugunsten einer Umwandlung in einen eigenen Bundesstaat ausfiel – dieses ignorierte der Kongress allerdings, weil um die 500.000 Stimmzettel leer geblieben waren. Der nächste Volksentscheid steht nun nächste Woche an; die Unabhängigkeit von den USA ist dabei eine weitere Option, aktuellen Umfragen zufolge stehen aber alle Zeichen darauf, dass der Star-spangled banner demnächst um einen Stern reicher wird. Amerikanisch-Samoa wiederum ist trotz Selbstverwaltung de iure immer noch "unorganisiert", weil der Kongress es bisher versäumt hat, einen sog. Organic Act zu verabschieden. Side note: Die Jungferninseln feiern dieses Jahr ihr 100. Jahr als US-Territorium, sie wurden am 31. März 1917 für 25 Mio. $ in Goldmünzen dem Königreich Dänemark abgekauft (Hauptbeweggrund dafür war übrigens die Angst, Deutschland könnte dort eine U-Boot-Basis errichten).

3. uneingegliederte, unorganisierte Territorien (unincorporated unorganized territories): Der Begriff der "Unorganisiertheit" scheint sich bei diesen zehn Territorien lediglich daraus zu ergeben, dass sie bis auf immer wieder vorübergehend hier stationiertes wissenschaftliches Personal gänzlich unbewohnt sind. Die im Pazifik, im Nordatlantik / in der Karibik verstreuten Gebiete werden bzw. wurden vom US-Innenministerium, vom Verteidigungsministerium, von der Navy und von der Air Force beansprucht und/oder verwaltet. Auf den Wake-Atoll erheben zusätzlich die Marshallinseln Ansprüche, auf die Insel Navassa zudem Haiti. Die Serranilla-Bank und die Bajo-Nuevo-Bank werden derzeit von Kolumbien verwaltet, aber auch Jamaika, Honduras und Nicaragua streiten immer wieder um diese Fleckchen Land. Etliche dieser Territorien wurden im Zuge des Guano Island Act von 1856 annektiert: US-Hoheit dank Vogelkacke ...

4. eingegliederte, unorganisierte Territorien (incorporated unorganized territories): müssten wie gesagt im Singular stehen, denn einzig Palmyra ist ein solches. Dazu kam es, weil das Atoll im Jahr 1900 mit dem Territorium von Hawaii miteingegliedert wurde (also den unter 1. dargestellten Status erhielt); als Hawaii 59 Jahre später der 50. Bundesstaat werden sollte, wurde Palmyra explizit davon abgetrennt – mit welcher Begründung, weiß ich nicht. Geographisch wird das Palmyra-Atoll den Line-Inseln oder auch Zentralpolynesischen Sporaden zugerechnet; die US-Territorien Jarvis Island und das Kingman-Riff zählen ebenfalls dazu, der Rest des "Linieninseln" gehört Kiribati. Witzige Randnotiz: Das Filippo Reef verortet die deutschsprachige Wikipedia ebenfalls hier, allein es handelt sich dabei höchstwahrscheinlich um ein Phantomriff, wenngleich es in einem Atlas von 2005 noch, nun ja, auftaucht (Buchtipp: Dirk Liesemer – "Lexikon der Phantominseln"). Zensus-technisch werden die unter 3. & 4. aufgeführten Territorien als United States Minor Outlying Islands zusammengefasst.

Die Hauptinsel von Palmyra ist Cooper Island. Hier befand sich während des Zweiten Weltkriegs erstmals eine größere Gruppe Menschen. "Zu dieser Zeit wurden neben der Landebahn zahlreiche Straßen gebaut, die inzwischen fast vollständig überwuchert sind. Doch noch heute sind Teile des Atolls wegen Relikten aus dieser Zeit gesperrt." (Wikipedia) Heute leisten hier rund 20 "non-occupants" Klima- und andere Forschung im Dienste verschiedener Behörden sowie der Nature Conservancy, in deren privatem Besitz der Archipel z.T. liegt. Auch der Rotfußtölpel, welcher den lateinischen Namen Sula trägt (bekannt aus diesem Blog!), nennt Palmyra sein Zuhause. Und dann gibt es da noch die Legende um einen spanischen Piratenschatz ...


Dienstag, 9. Mai 2017

Cringe level 9000

Vergangene Woche fühlte ich zum ersten Mal etwas gänzlich Neues gegenüber Donald Trump. Beim Lesen seiner Ausführungen über den amerikanischen Bürgerkrieg und Andrew Jackson stellte sich bei mir – neben Schadenfreude und Fremdscham – Mitleid ein. Ich konnte sehr gut nachempfinden, wie der Präsident sich bei diesem Interview gefühlt haben muss: Völlig unvorbereitet und in typischer Unkenntnis der Geschichte seines Landes musste er halt irgendwas sagen und verrannte sich zusehends in seinem kruden Spontanmonolog aus Allgemeinplätzen, irren Behauptungen und zusammenhanglosem Gewäsch. Ganz tief in ihm drin muss ihn das aufgewühlt haben.

Wir haben es doch alle schon erlebt: in der Schule, als wir unvermittelt aufgerufen wurden und, von der Frage völlig überrumpelt, erfolglos einen Schmarrn improvisierten, bis unsere Lehrerin kopfschüttelnd abwinkte. Ich erinnere mich noch daran, wie ich im Englischunterricht der 12. Klasse an die Tafel zitiert wurde und eine Kurzgeschichte von Rudyard Kipling zusammenfassen sollte, die ich nicht gelesen hatte. Ich stammelte mich zum Amüsement der gesamten Klasse um Kopf und Kragen – ein Trauma, das wenige Jahre später von einem anderen Trauma abgelöst wurde, als ich nämlich, um mir erste journalistische Sporen zu verdienen, den Regisseur Gregor Schnitzler interviewen sollte und mir vorher keine einzige Frage überlegt hatte. Ich habe inzwischen verdrängt, was ich am Ende tatsächlich gefragt habe ("Äh, äh, hmmm ..."), und das Gespräch wurde nie veröffentlicht; ich hätte meine mit schweißnassen Griffeln pseudo-investigativ hingeschmierten "Notizen" ohnehin nicht verwerten können. Gelernt habe ich daraus jedenfalls, dass Interviews sowohl für die befragte als auch die fragende Person schnell stressig und peinlich werden können.

Freitag, 27. Januar 2017

Der Winter unseres Missvergnügens

Neues Hobby: Ich frage Leute, die ungefähr in meinem Alter sind, ob die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten wohl das Schlimmste sei, was unsere Generation bisher miterleben musste. Eine Facebook-Freundin meinte zwar nein, Rainer Brüderles Dirndl-Flirtversuche seien noch traumatischer gewesen, aber der Tenor lautet: Ja, doch, das ist durchaus ein Wendepunkt von singulärer Schrecknis. Trump sei immerhin "unterhaltsam", hört man hier und da, ein schwerlich ernstzunehmender Clown, und die Frisur und die Tweets und die orangefarbene Haut und die Söhne und die Frau undundund, haha, ja, well, ich kann angesichts der Ungeheuerlichkeiten allein in der ersten Woche seiner Amtszeit überhaupt nicht mehr lachen. Meine primäre Reaktion beim Anschauen von Latenight-Shows ist denn auch verzweifeltes Jaulen statt befreites Kichern.

"Pfff, welche Auswirkungen hat der Machtwechsel denn auf dich privilegierten mitteleuropäischen Tunichtgut?", mag man mir jetzt zurufen. Wohl wahr: Unmittelbar geändert hat sich für mich und circa 99% der Deutschen seit dem 20. Januar erst mal nichts. Doch sollte uns das zu einer allseitig indifferenten Haltung verleiten? Ich finde: Sollte es nicht und darf es nicht. Tut es ja auch nicht, wie man zum Beispiel an den Protesten in Berlin gesehen hat. Mein Respekt gilt allen, die sich im Gegensatz zu mir zu derlei aufraffen können!

Man fühlt sich so hilflos – obwohl man mit seiner Meinung nicht alleine dasteht: "Wie bereits vor der Wahl in den USA erhält Trump wenig Zustimmung der Deutschen. Zwei Prozent finden es sehr gut und neun Prozent gut, dass er zum Staatsoberhaupt der USA gewählt wurde. 37 Prozent halten seine Wahl für schlecht und 45 Prozent für sehr schlecht.
Für die repräsentative Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen befragten die Meinungsforscher am 9. November 1017 Wahlberechtigte." (Tagesspiegel) Und ja: Indem ich schreibe "mit seiner Meinung", gebe ich mich natürlich als Opfer der vieldiskutierten Filterblase zu erkennen. In meinem Umfeld gibt es in der Tat niemanden, also absolut null Personen, die Donald Trump irgendetwas abgewinnen können. Wo aber sind die elf Prozent der Deutschen, die derzeit angeblich triumphieren? (Aside: Triumphieren die wirklich? Worauf genau freuen sie sich? Was erwarten sie und die Supporter in Amerika, die es ja Trumps miesem approval rating, dem Nichtgewinn des popular vote und der Überschaubarkeit des Inaugurationspublikums zum Trotz in nicht geringer Zahl gibt? Glauben die an eine sofortige Verbesserung ihrer Lebensumstände, bloß weil da plötzlich jemand an der Spitze steht, der ihre Ressentiments bestätigt und Sündenböcke unterdrückt anstatt das Grundübel, welches für das, sei's imaginierte, sei's tatsächliche "Abgehängtsein" ursächlich ist, zu benennen? Fühlt sich die kleine Frau, der kleine Mann im Ernst von einem weltfremden, selbstverliebten Multimilliardär angemessen vertreten?)

Wo waren wir? Ah ja, die filter bubble. Ein Synonym dafür habe ich in einem Artikel auf Overthinking It gelernt: "echo chamber". In diesem "Hallraum" – wo inzwischen die meisten von uns leben – werden nur die eigenen (vorgefertigten) Ansichten wiederholt und verstärkt, die eigene Ideologie wird zur einzig richtigen erhoben. Dann greift man sich einen möglichst irren Strohmann aus einem fremden Hallraum (= entgegengesetzte Ideologie) heraus und führt diesen zum Ziele der weiteren Selbstbestätigung unreflektiert und gnadenlos vor. Der Autor des verlinkten Textes nennt das Resultat den "Look At This Asshole" Effect: Die eigene Sichtweise muss die korrekte sein, weil die Gegenseite ganz offensichtlich aus komplett Wahnsinnigen besteht. Beispiel: Fundamentale Christen sagen "Haha, Atheisten glauben, dass unsere Urgroßeltern Affen waren!", während Atheisten sagen "Haha, Christen glauben an einen riesigen, bärtigen Mann, der in den Wolken wohnt!" Eine einzige extreme Position (die in der Regel niemand ernsthaft teilt) wird zum Kerninhalt der gegnerischen Weltanschauung erhoben. "Even when a particularly extreme member of the out-group’s views are represented accurately, that person and their view tends to be treated not as a fringe view but as the common, normative, elementary view of the majority of the group." Der typische "Die Ökos wollen uns das Fleisch verbieten!!1!11"-Reflex.

Wie überwindet man diese Unannäherbarkeit (ausgedachtes Wort)? Wie gräbt man einen Tunnel zwischen zwei Filterblasen bzw. echo chambers? Richard Rosenbaum, der Verfasser des Overthinking-It-Beitrags, bleibt die Antwort schuldig, und als er von einem Kommentator darauf angesprochen wird, erwidert er: "Oh, there is no solution. This is just the way things are now. We’re way past that point of no return." Es wäre lustig, wenn's nicht so traurig wäre. Das ist also der Status quo. Jeder vegetiert in seiner Blase vor sich hin und hat die Wahrheit für sich gepachtet. Nun aber ein Denkanstoß von einem links-grün-versifften Denkanstoßer (mir): Existieren womöglich Meinungen, die ganz objektiv und neutral betrachtet, vom "Naturrecht" her, ein Quentchen besser, schöner, richtiger sind als andere? Liegt derjenige, der "Die Mexikaner sind unser Unglück!" brüllt, vielleicht einen Tacken mehr daneben als einer, der einwendet "Das verfassungsmäßige Recht auf Streben nach Glück sollte für alle gelten"? Noch etwas: Darf man vom "Look At This Asshole" Effect sprechen, wenn der Strohmann gar kein Strohmann ist? Donald Trump ist ja eben kein beliebiger Außenseiter mit exzentrischen Spezialagenden – er ist die Spitze eines wahrhaft tödlichen Eisbergs und der verdammte mächtigste Mann des Planeten! Wenn sich ein Dämon der Unvernunft nebst faschistoidem (yes, I went there!) Kabinett gegen den Großteil der aufgeklärten Zivilisation stellt, darf es kein "Hören wir ihm doch mal zu!" mehr geben. Dann wird, um eine Binse zu bemühen, Widerstand zur Pflicht. Doch wie?

Dirk Jörke und Nils Heisterhagen fragen in der FAZ zunächst mal, wie ES überhaupt passieren konnte. "Die These der 'Dialektik der Moralisierung' wird so begründet: Die Linken und Liberalen hätten sich zu sehr auf eine postmoderne Identitätspolitik versteift und in deren Folge sei die Trump-Wahl als Resultat eines Kulturkampfes zu sehen. Gegen die postmoderne Identitätspolitik sei eine Identitätspolitik von rechts entstanden [...]" Bzw.: "Der Moralismus sei zu viel gewesen und habe eine Antithese erzeugt". Doch diese These erscheint den Autoren verkürzt: "Doch diese These erscheint uns verkürzt, wenn man die Rolle eines im Hintergrund schwelenden Klassenkampfes negiert. [...] Unsere These lautet also: Wegen der Vernachlässigung der sozialen Frage und dem [sic] Anbiedern an den Neoliberalismus im Zuge des Strebens nach einer 'Neuen Mitte' und einem 'postideologischen Zeitalter' hat sich die politische Linke sprachlich wie inhaltlich von ihren Stammwählerschaften entfremdet." Und das wage ich zu bezweifeln. Mangels Wissen und Lebensjahren kann ich es zwar nicht belegen, aber ich glaube kaum, dass heutige AfD-Fans vor zehn, zwanzig, vierzig Jahren links gewählt haben oder hätten. Allenfalls in punkto Gewerkschaften hätte es da Übereinstimmungen gegeben. Ist ja auch egal, denn der Ruhrpott ist nicht der Rust Belt. Davon abgesehen kann es nicht schaden, auf den, wie es so schön heißt, "einfachen Arbeiter" zuzugehen. Allerdings nicht indem man populistische Zugeständnisse à la Wagenknecht macht. Vielmehr müsste es jemandem gelingen, die breite Masse für Menschlichkeit und anti-rechte Werte zu begeistern.

"Es gibt keine demokratische Zivilgesellschaft – es sei denn, wir schaffen sie". So leitet ein anderer kluger Kopf (einer der klügsten), Georg Seeßlen, seinen Taz-Artikel "Was kann uns noch retten?" ein. Er fordert eine demokratische Zivilgesellschaft als "Projekt für ein neues politisches und kulturelles Subjekt", nämlich "als Widerstand gegen die drohende Machtübernahme durch eine neue/alte völkische, antidemokratische Rechte und als radikale Erneuerung des demokratischen Projekts selbst [...]. Sie ist demokratisch nicht als Verteidigung der Restdemokratie, sondern als Projekt des demokratischen Neubeginns; sie ist zivil nicht nur im Sinne einer Entmilitarisierung der Politik und des politischen Jargons, sondern auch im Sinne einer Zivilisierung der Diskurse; sie ist Gesellschaft nicht nur im Sinne einer Alternative der offenen und sich entwickelnden Gesellschaft gegen die geschlossene ideologische, nationalistische, ökonomische und auch religiöse Gemeinschaft, sondern auch im Sinne einer Sozialisierung des Lebens als Suche nach neuen Formen von Solidarisierung und Verantwortung." Das liest sich flott und leuchtet ein, allein: Wer vermag dies auszulösen? Wer betätigt den Zünder? Wer nimmt "uns" an die Hand, wer mobilisiert uns? So sehr mir das Führerprinzip widerstrebt und ich jeglichem Personenkult abhold bin, so sehr wünschte ich mir dann doch eine Art Leitfigur: einen linken Anti-Trump, der dem Hass etwas entgegensetzt. Keinen blasiert-abgehobenen Heiko Maas, keine relativierend-frömmelnde Göring-Eckardt, keinen verkniffen-steifen Trittin. Ich würd's ja machen, aber mir fehlt es an Charisma und Know-how.

Wer bis hierher durchgehalten hat: Herzlichen Glückwunsch! Das waren ein paar lose Gedanken, die ich unbedingt aufschreiben wollte. Zu ungeordnet? Zu wirr? Habe ich das Wort "Naturrecht" falsch gebraucht? Schreibt's in die Comments! ;) ;) ;)

Sonntag, 6. November 2016

Dem Stier an die Hörner gefasst

{Content warning: sexualisierte Gewalt}

Den folgenden Beitrag über einen Aspekt der hiesigen Berichterstattung über den US-Präsidentschaftswahlkampf wollte ich schon vor ein paar Wochen schreiben, habe mich dann aber dagegen entschieden, weil ich zwischenzeitlich von dem ganzen Thema genervt war – auch von der Witzelei darüber ("Drumpf"-Frisuren-Gags, ahahaha!). Zuletzt hat mich der ganze Wahnsinn aber wieder heftig mitgerissen, zudem ist jetzt womöglich die letzte Gelegenheit loszuwerden, was ich loswerden möchte, denn in drei Tagen wird Donald Trump keine Rolle im Zusammenhang mit dem höchsten Amt der Welt mehr spielen, inschallah.

Zur Sache. Die nachlässige Art und Weise, mit der deutsche Medien mit gewissen trumpschen Sprachentgleisungen umgegangen sind, hat mich irritiert bis verstört. Merkt zum Beispiel niemand beim Stern, dass man sich ungut an Trumps Duktus anlehnt, wenn man auf den Titel die Zeile "Donald Trump beleidigt die Frauen" druckt? Klingt Trumps Trademark-Ausdruck "Crooked Hillary" nicht viel weniger bösartig, wenn ihn das Fernsehen konsequent mit "die korrupte Hillary" übersetzt? Die ganzen übrigen Nuancen von crooked kommen (wie auch bei "nasty woman") bei mir als deutschsprachigem Leser/Zuschauer gar nicht an! (Kennt ihr eigentlich noch die sogenannte Supergroup Them Crooked Vultures? Eine musikalische Superenttäuschung, wenn ihr mich fragt!)

Am schlimmsten war es im Fall des Billy-Bush-"locker room talk"-Bus-Dialogs. So verzerrt hat die deutsche (Online-)Presse Trumps berüchtigte Phrase "grab them by the pussy" wiedergegeben (Auswahl):

- "ihnen an die Muschi fassen" ("Spiegel online", euronews.de)
- "ihnen zwischen die Beine fassen" (rp-online.de)
- "ihnen zwischen die Beine greifen" (Berliner Morgenpost, Tagesspiegel, tagesschau.de)
- "in den Schritt greifen" (Handelsblatt)
- "ans Geschlechtsteil fassen" (Frankfurter Rundschau)
- "ihnen in die F**** fassen" (Hamburger Morgenpost, WTF?!)

Bonus-Bigotterie-Punkte gehen an die gewöhnlich nicht für Zurückhaltung bekannten Ekel von Bild, die vor ihre Übersetzung "Greif ihnen zwischen die Beine" noch den Hinweis "Verharmlost übersetzt" gestellt haben. Man kann, nay: muss also davon ausgehen, dass deutschsprachige Journalisten – die ja in ihrer Ausbildung bestimmt mal mit der englischen Sprache in Berührung gekommen sind – das durch und durch verachtenswerte Menschenbild eines Präsidentschaftskandidaten nicht fahrlässig, sondern bewusst herunterspielen. Heutzutage wird das Wort "unerträglich" allzu leichtfertig ausgesprochen; aber das finde ich wirklich unerträglich. Gott sei dank haben deutsche Medien keinen nennenswerten Einfluss auf den Ausgang von US-Wahlen. Deutsche Nischenblogs schon gar nicht, weswegen ich meine kleine Politexkursion an dieser Stelle beende.

Montag, 5. Januar 2015

Über "PC"

"Brain Droppings" von George Carlin war, glaube ich, das erste englischsprachige Buch, das ich, als circa Achtzehnjähriger, freiwillig gelesen habe. Es hat mich, wie der leider schon 2008 verstorbene US-Comedian überhaupt, schwer beeindruckt. Nicht nur war es das bis dahin Lustigste, was mir je unter die Augen gekommen war, es gab mir auch einige Denkanstöße. Carlin hat sich häufig und gerne mit Sprache beschäftigt, vor allem mit Miss- und Falschgebrauch derselben. In "Brain Droppings" (erstmals 1997 erschienen) gibt es einen längeren Aufsatz mit dem Titel "Politically Correct Language", den der Autor so einleitet: "I know I'm a little late with this, but I'd like to get a few licks in on this bogus topic before it completely disappears from everyone's consciousness." Nun, aus der Wahrnehmung ist "PC" nicht verschwunden, aber die Wahrnehmung und die Behandlung des Begriffs haben sich gehörig verändert. Dazu gleich. 

In Carlins Text geht es darum, wie diverse "Opfergruppen" auf politisch korrekten Bezeichnungen bestehen – Gruppen, die aber (gerade in den Vereinigten Staaten) keine Opfer sind. (Money quote: "I'm more interested in real victims. People who have been chronically and systematically fucked over by the system. Because the United States is a Christian racist nation with a rigged economic system run for three hundred years by the least morally qualified of the two sexes, there were bound to be some real victims.") Und es geht darum, wie man Wörter, die etwas Problematisches bezeichnen, durch etwas Unverfängliches, Verfälschendes, die Realität Ausblendendes ersetzt, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Letzteres kommt noch stärker in einem anderen Carlinschen Text zum Ausdruck, "Euphemisms: Shell Shock to PSD", erschienen in "Napalm & Silly Putty" (2001). Zusammenfassung: Wer 1917 traumatisiert aus dem Krieg heimgekehrt ist, hatte einen shell shock. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß derselbe Zustand plötzlich battle fatigue. Koreakrieg, 1950: operational exhaustion. Nach dem Vietnamkrieg schließlich: post-traumatic stress disorder. In dieser Entwicklung steckt alles, was es an politisch korrekter Sprache im erweiterten Sinne zu kritisieren gibt. Wenn Regierungen die Sprache verändern, sollte man vorsichtig sein; man kann sich auch darüber mokieren, wenn wieder mal ein total missglücktes Unwort geschaffen wird, sei es von der Politik, der Werbeindustrie oder den Medien. In dem "Euphemisms"-Text gibt George Carlin weitere Beispiele für Bullshit-Beschönigungen: "Poor people used to live in slums. Now the 'economically disadvantaged' occupy 'substandard housing' in the 'inner cities.' And a lot of them are broke. They don't have 'negative cash flow.'" Auch eher banale Neologismen werden aufgezählt: "toilet paper" = "bathroom tissue", "false teeth = dental appliances", "drug addiction = substance abuse". Usw. Solche Wort(gruppen)ersetzungen kann man mit ein wenig Fantasie selbst erfinden. Anfang des Jahrtausends war das noch lustig.

Sprung ins Jahr 2015. Wenn ich heute das Schlagwort "politisch korrekt" lese oder höre, will ich auf der Stelle nicht mehr weiterlesen oder -hören. Ich weiß sofort, was dann kommt, nämlich in der Regel das Gejammer eines älteren weißen Mannes, der sich darüber aufregt, dass er angeblich nicht mehr "Zigeunerschnitzel" und "Mohrenkopf" sagen darf. Die Wörter "Zensur", "verhunzt", "Bevormundung" und "Steuergelder" folgen dann meist noch, und natürlich die (Anfang des Jahrtausends noch lustig gewesenen) Verlängerungswitze: "Muss ich demnächst beim Bäcker einen 'Maximalpigmentiertenkuss' bestellen?" Höhöhö. Hier entlädt sich kein gerecht(fertigt)er Zorn gegen politisch geleitete Missstandsbeschönigung und Augenwischerei, hier herrscht die bloße Empörung über jeden Versuch, verbale Diskriminierung einzudämmen. Dass ein solcher Versuch selbstverständlich mal daneben gehen kann, sollte keinen modernen Vernunftsmenschen zu einem verbitterten Meckeronkel à la Walter Krämer oder Harald Martenstein werden lassen. Sollte.

Es ist immer schlimm, wenn sich die Rechte ehemals völlig anders motivierte Formulierungen und Begrifflichkeiten aneignet, um sich als das entmündigte Volk zu gerieren, das es schon angesichts von verfassungsmäßig garantierter Meinungs- und Versammlungsfreiheit niemals sein kann. Eine nicht erst seit Pegida beliebte Masche. Die Mär von der "gleichgeschalteten Presse" zum Beispiel soll folgenden Gedanken auslösen: "Aha! Gleichschaltung, das gab's doch in der NS-Zeit! Wenn die das anprangern, wer sind dann hier die echten Nazis?" Noch tumber und perfider ist die Phrase vom "linksgrünen Faschismus". Ich bin ja gespannt, wann und wo zum ersten Mal das Wort "Gleichberechtigungs-Holocaust" fällt. Google findet noch keinen Beleg dafür. Bedient euch also ruhig bei mir, ihr "herrlich politisch unkorrekten" PC-Wüteriche!

Sonntag, 29. März 2009

Shooter


Dieser solide Actionthriller mit einem soldiden Mark Wahlberg wurde solide ins Deutsche übertragen. An zwei Stellen musste ich jedoch gehörig stutzen.
Einmal wird jemandem davon abgeraten, "im Büro" anzurufen, was in der entsprechenden Szene sehr ulkig klingt. Im Original ist hier vom Bureau die Rede, also vom Federal Bureau of Investigation. In einer anderen Szene erzählt jemand etwas von Attentaten in der Vergangenheit und erwähnt gewisse "Schützen auf dem Grashügel". Verschwörungsfans werden sofort wissen, dass hier auf den Grassy Knoll angespielt wird, also auf jenen Hügel am Dealey Plaza in Dallas, von dem aus weitere Schüsse auf JFK abgefeuert sein sollen. Für alle anderen ist diese Information völlig unverständlich / sinnlos.
Man sollte sich als Synchronstudio überlegen, wie viel Wissen über amerikanische Politik man dem deutschen Publikum zutrauen kann. Klar, durch CSI-Serien u. ä. kennt man schon die wichtigsten Einrichtungen wie die NSA, Homeland Security und vielleicht sogar die IRS (Steuerbehörde) und das ATF (Alcohol, Tobacco and Firearms). Aber wenn mehrere solcher Abkürzungen - und dazu noch exotische wie DOE (Department of Energy) - in einem Film vorkommen, verliert man irgendwann die Übersicht. Eine kurze Paraphrase oder auch eine Übersetzung ist dann m. M. n. besser; im letzten Fall könnte man etwa "Energiebehörde" sagen. Ganz unangebracht wäre die Wiedergabe mit deutschen Äquivalenten, wie man es in US-Krimis aus den 70ern oft hört. Andererseits fragt man sich, warum der Verteidigungsminister in 24 immer mit "Mister Secretary" statt einfach "Herr Minister" angesprochen wird. "Secret Service" sollte man aber so lassen, denn eine deutsche Entsprechung gibt es nicht (die gab es mal, aber das ist eine andere Geschichte ...), und "Geheimdienst" wäre falsch, denn der Geheimdienst der USA ist die CIA (in Deutschland der BND). Uff, jemand müsste mal eine Liste erstellen ...