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Sonntag, 4. Oktober 2026

In die Nacht entlassen

Der emsige Betreiber der beeindruckenden "Bei Nacht"-Postkarten-Webseite hat mich abermals kontaktiert, weil ihm auf dem Foto mit den Exemplaren meiner bescheidenen Kollektion, das ich vor langer, langer Zeit gepostet habe, einige Karten aufgefallen sind, die ihm offenbar noch fehlten. Ich habe ihm die gewünschten geschickt, war dies doch ein guter Anlass, diese ohnehin nicht weiter expandierende Sammlung endlich aufzulösen. Bevor ich mich von den circa zehn Postkarten trennte, habe ich noch ein letztes, diesmal höher aufgelöstes Foto gemacht:


Diese Erinnerung dürfte meinem Zukunfts-Ich von doppeltem nostalgischen Wert sein, denn ich wusste schon jetzt nicht mehr, dass ich jemals in Orten wie Triberg, Seesen, Neuharlingersiel oder Bad Peterstal-Griesbach gewesen bin (wie zuvor geschrieben: im Rahmen von Familienurlauben).

Es ist übrigens erstaunlich, wie viele verschiedene Versionen von "Bei Nacht"-Karten desselben Ortes bisweilen kursieren. Unterschiedliche Auflagen variieren in winzigen Details, etwa in der Spationierung des Schriftzuges oder in der Richtung dessen Farbverlaufs. Die Postkartenverlage scheinen da durchaus kreative und gestalterische Energie reinzustecken; oder sie möchten halt die Sammler motivieren (so schrieb mir Herr Frank, der Homepage-Kurator, beispielsweise bzgl. meiner Bodensee-Karte, deren gelber Text linksbündig war: "bei meiner ist der Text rechtbündig", oder zu Frankfurt: "bei meiner ist der Font ist dünner und die Punkte mehr gesperrt", oder: "Die Rückseite meiner Berlin-Karte hat grüne Linen und Text, im Web habe ich mal eine mit blau gesehen. Das Foto von einer Auflage mit schwarzen Linien und Text reicht mir. Danke. Ist gleicher Verlag und gleiche Nummer.").

Montag, 30. Juni 2025

Dinge, die man beim Umziehen findet [Rubrik wieder da!]

Ich habe mich, bis auf eine Ausnahme, von meiner Sammlung von Presseheften aus meiner Zeit als Filmkritiker (lol, wie hochtrabend!) getrennt:


Und zwar keineswegs schweren Herzens – wann hätte ich mir diese Druck-Erzeugnisse jemals wieder zu Gemüte geführt? Das obige Foto möge ein letztes Mal veranschaulichen, wie viel Geld Filmverleihe, zumindest die größeren, einst in ihre PR gesteckt haben. Heutzutage ist digitales Pressematerial zum Herunterladen die Regel, so dass allenfalls Layoutkosten anfallen; für hochwertige Drucke oder gar Goodies und Gimmicks wird nix mehr ausgegeben.

Wesentlich mehr weh tat es mir, mich von zwei weiteren Paaren Schuhen zu verabschieden. Sie habe ich nicht beim Umzug gefunden, ich habe sie sogar frohen Mutes in die neue Wohnung mitgenommen. Im nun vollends angebrochenen Hochsommer fällt mir jedoch auf, dass die Latschen nicht mehr allzu frisch riechen, zudem sind sie an mehreren Stellen zerschlissen.


Die Vans habe ich in einem Urlaub gekauft, und sie erwiesen sich tatsächlich als perfekte Urlaubsschuhe. Wo ich die "Rockstar"-Schuhe herhabe, weiß ich nicht mehr. Höchstwahrscheinlich von Ebay. Es handelt sich um eine Spezialedition der Marke Etnies, die ich nicht deswegen kaufte, weil ich Fan von "Rockstar" bin (bei Gott, es gibt wenig, was ich weniger gern tun würde als einen Energydrink zu trinken!), sondern weil ich sie stylisch fand. Und immer noch finde, seufz.

Samstag, 26. April 2025

Traumata auf Papier

Es ist mal wieder Zeit für Mikro-Entrümpelung. Zwei dicke Aktenordner aus der Schulzeit wollen der Mülltonne überführt werden: Mitschriften, Arbeitsblätter und Hefterinhalte aus den Klassenstufen 10 bis 12. Vor dem Entsorgen werde ich den Stoß freilich noch einmal durchgehen. Jetzt. Live.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: So viel Wissen, wie uns während der Schulzeit eingetrichtert wurde, waren wir, war zumindest ich später nie wieder ausgesetzt. Das kann doch nicht gut sein für junge Gehirne! Vor allem ist es ja nicht bei der Wissensvermittlung geblieben, es ging ständig mit Wissensabfrage einher. Keine Woche ohne irgendeine Klausur, einen Überraschungstest, einen Aufsatz, dazu täglich Hausaufgaben. Mein Studium war selbst in Hochdruckphasen nicht ein Zehntel so fordernd und strapaziös wie die verfluchte Schulzeit.

Hier sind exemplarisch einige Dinge aufgelistet, mit denen ich mich zwischen 1996 und 2000 allein in den Fächern Geschichte, Englisch, Biologie, Deutsch, Religion und Chemie befassen musste – und da lasse ich "große" und zweifelsohne wichtige Themenfelder wie die Französische Revolution, Kants Aufklärungsbegriff oder den Kohlenstoffkreislauf schon weg:

  • Verfassungsvergleich Paulskirchen- und preußische Verfassung von 1850
  • John Lockes System nach der "Notwendigkeit der Kontrolle staatlicher Gewalt"
  • Lothar Galls Einwände gegen Bismarcks Konzeption von Außenpolitik
  • Transport durch Biomembranen; Endocytose, Exocytose
  • alkoholische Gärung bei Hefepilzen unter Decarboxylierung
  • Bernhard von Clairvaux' "Vom Lob der Tempelherrn"
  • Nachweis von Halogenid-Ionen
  • Interpretation ausgewählter Werke von Paul Lisicky, Peter Porter, Langston Hughes
  • der Gedanke der Gottesebenbildlichkeit und seine Ursprünge in der altorientalischen Königstitulatur
Es ist irre, an wie viel ich mich nicht mehr erinnern kann. Offenbar gehörten einst Wörter wie Turgor, Zupfpräparat und Guttation zu meinem aktiven Wortschatz. Und wenn ich mir meine hundert Seiten Notizen und Berechnungen aus dem Mathe-Grundkurs ansehe, denke ich: Welches fieldsmedaillenwürdige Genie hat das denn gelöst? Außerdem denke ich: Mensch, vieles, was auf dem Lehrplan stand, ist gar nicht mal uninteressant! Gerade was Geschichte angeht, wünschte ich mir, ich hätte damals besser aufgepasst. Ich hätte erst mit Anfang 20 eingeschult werden sollen!

Nach wie vor sterbenslangweilig finde ich das meiste, was uns in Geographie vermittelt wurde, nämlich keineswegs spannende landeskundliche Fakten, sondern dröge Geologie. Ebenfalls kaum zu begeistern vermochte mich Biologie. Allzu oft war ich im Unterricht mit den Gedanken woanders, wovon die zahlreichen Scribbles in den Blättern aus der Sekundarstufe II zeugen:




Wenn mikroskopisches Zeichnen anstand, machte mir das dann aber weder Spaß noch konnte ich darin glänzen. Hierfür zum Beispiel habe ich 10 Notenpunkte bekommen, was sogar eine meine besseren Leistungen war:


Schwamm drüber, Strich drunter, Deckel zu.

Freitag, 30. Juni 2023

Das weiße Gold

Früher war Würfelzucker in Gastwirtschaften viel verbreiteter! In meiner Kindheit war Würfelzucker die Standard-Süßungsdreingabe in Cafés. Wenn wir mit der Familie nachmittags irgendwo einkehrten, gab es die Mini-Kuben in der Regel nicht lose zum Kaffee dazu, sondern eine Packung davon oder ein damit gefülltes Gefäß stand auf dem Tisch. Waren die Zuckerwürfel separat verpackt, steckten sich meine Großeltern mit den Worten "Fürs Pferd!" je einen in die Tasche.
Heute dominiert Tütenzucker. Da ich meinen Kaffee nicht süße, nehme auch ich etwaige dazugereichte Päckchen stets mit, weil: sind ja kostenlos. So ist über die Jahre einiges zusammengekommen.


(Exemplare vom selben Typ nicht im Bild.) Manche Tütchen stammen aus Hotels, Backstagebereichen und sonst woher. Und ja, eine Mini-Packung Sucralose ist auch darunter. Jedenfalls ist es praktisch, so eine Sammlung zu besitzen: Man kann die Teilchen gut mit auf Reisen nehmen, um Mitfahrende damit zu versorgen, sollte sich einmal eine Kaffeetrinksituation ergeben, bei der es an Zucker fehlt.

Donnerstag, 12. Januar 2023

Auf den Spuren meiner Spuren

Ende 2022 haben gleich zwei von mir verehrte Internetpersönlichkeiten über ihre Mammut-Scan-Projekte geschrieben (damit ist nicht gemeint, dass Mammuts eingescannt werden; aber "Scan-Mammut-Projekte" schien mir noch unverständlicher zu sein): Kathrin Passig digitalisiert 15.000 Dias aus dem Nachlass ihres Vaters, Torsten Dewi scannt ganze Jahrgänge mehrerer Zeitschriften.

Das hat mich inspiriert. Zwar besitze ich nichts, was der Digitalisierung lohnte, aber Freude am Ordnen, Archivieren und Verwalten habe ich allemal. Und so habe ich vor kurzem damit begonnen, jeden Ort, zumindest jeden Ort von Interesse, an dem ich seit 2002 gewesen bin, auf Google Maps zu markieren. Die so entstehende Karte mit Geodaten aus 20 Jahren wird am Ende eine beachtliche Dichte haben, sie ist schon jetzt gewaltig: Ich bin, chronologisch rückwärts, erst im April 2022 angekommen und habe bereits 199 Orte eingetragen. Gelegentlich bin ich mir nicht sicher, wann ein "Ort von Interesse" ein solcher ist. Bin ich in einer Kleinstadt, die den Ausgangspunkt einer Wanderung darstellte, an einem mittelalterlichen Türmchen vorbeigekommen, ist dieser dann wert, markiert zu werden? Hier entscheide ich nach Bauchgefühl.

Warum überhaupt seit 2002? Nun, seit diesem Jahr trage ich meine Erlebnisse, Erledigungen und Ausflüge in Tagesplaner ein. Dass das irgendwann einen Nutzen haben würde, wusste ich von Anfang an! Die kalendarische Spurensuche verspricht anregend (und rätselhaft) zu werden. Schade, dass Google Maps am Ende nicht wird ausrechnen können, welche Strecke ich während dieser rund 20 Jahre zurückgelegt habe. Für 2022 hat Google ermittelt, dass ich 14.012 km in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie immerhin 2.299 km im Auto verbracht habe und 1.093 km zu Fuß gegangen bin.

Sonntag, 7. November 2021

Skurrile Sammlungen: Mini-Plattencover

Im Jahr 1993 pappte eine Zeitlang auf jeder Coca-Cola-Flasche eins von 40 verschiedenen Covern klassischer Pop-Alben im Miniaturformat. Man konnte die Bilder ausschneiden und jeweils in einen speziellen Platz (über einem kurzen Begleittext) auf einem dazugehörigen Poster kleben. (Die Details zu dem ganzen Spaß habe ich dem "Online-Fremdfigurenkatalog" entnommen.) Jenes Poster habe ich offenbar nicht besessen. Stattdessen ordnete ich die Cover auf zwei gewöhnlichen A4-Blättern an – die ich gestern in einer Krimskrams-Mappe wiederentdeckt habe.


Wie lange habe ich für den Aufbau dieser Sammlung gebraucht? Habe ich mit anderen Kindern getauscht? Oder gezielt im Supermarkt gesucht? Haben meine Eltern mir (und meinem Bruder) tatsächlich erlaubt, innerhalb eines Jahres mindestens 24 Flaschen Cola zu saufen? Wahrscheinlich ja. Kein Wunder, dass ich heute an das Zeug nicht mehr ran kann. Auf eBay werden die Sonderetiketten teils im Konvolut, teils für 2,50 € das Stück separat angeboten. Über das Auktionshaus bin ich auch soeben auf die Information gestoßen, dass fehlende Cover sowie das Poster gegen 5,- DM* in Briefmarken nachbestellt werden konnten. Wer wie ich eine unvollständige Sammlung hat und diese zu komplettieren wünscht, versuche sein Glück unter
Coca-Cola "Cover Collection"
Postfach
4150 Krefeld** 500***
* Währung und Wert ggf. anpassen
** Firmensitz nicht mehr vorhanden
*** Postleitzahl inzwischen ungültig****
**** Eine heiße Spur: Da die fünfstelligen Postleitzahlen zum 1. Juli 1993 eingeführt wurden, muss die Aktion im ersten Halbjahr '93 gestartet sein!

Mittwoch, 27. Januar 2021

Dreieinhalb Kilogramm Kino

Sammelkarten haben schon immer einen Reiz auf mich ausgeübt. Kein Wunder also, dass ich die Filmsteckbrief-Karten, von denen monatlich acht der Cinema beigelegt sind, aufbewahre, seit ich vor plusminus 15 Jahren ein Studentenabo von dieser Zeitschrift abgeschlossen habe. Bevor ich Abonnent wurde, habe ich mir das Heft regelmäßig von der Stadtbibliothek mit nach Hause genommen, und wenn ich Glück hatte, war ich Erstentleiher und die Sammelkarten waren noch drin, so dass ich diese herausnehmen und einbehalten konnte (wie ich es auch mit den "Power Tips"-Einlegern der Power Play getan habe). Nach zwei Jahrzehnten des Sammelns musste ich kürzlich das inzwischen vierte Plastik-Beweismitteltütchen anbrechen:


Als komplett sinnlos erachte ich diese Sammlung nicht, haben die Kärtchen doch mitunter einen gewissen zeitdokumentarischen Wert. Im Steckbrief zu dem amerikanischen Horrorstreifen "What Lies Below" findet sich etwa diese Angabe:

"'Zweiter Lockdown'? Hmm ... ach stimmt, da war ja was", wird man sich erinnern, wenn man den betreffenden Film schon längst vergessen hat.

Leider werden die Sammelkarten redaktionell etwas nachlässig betreut, immer wieder stößt man auf Stilblüten und Tippfehler, auch auf Schnitzer wie diesen:


Dresden gehörte 1987 nicht zu "Deutschland", sondern lag in der DDR, was ich unter anderem darum weiß, weil ich dort (noch vor Cornelia Gröschel) geboren wurde und aufgewachsen bin. In einem gesamtdeutschen 1987er Dresden hätte es die Cinema bestimmt auch schon in der Bücherei gegeben, so dass man direkt mit dem Sammeln der Filmplakatkarten hätte anfangen können, denn im März jenes Jahres wurde das Gimmick eingeführt. Das habe ich dem Blog "Kinogucker" entnommen, wo auch vermerkt ist, dass sich die Karten "nicht in allen" Ausgaben des Magazins befanden. Das kann ich bestätigen! Im November 2007 notierte ich in meinem alten Blog: "[... E]s gibt keine Sammelkarten mehr! Im Heft: keine Entschuldigung oder sonst irgendeine Erklärung. Im Internet: nada. Und nun? Das Leben muss weiter gehen. Meine Sammlung bringt immerhin schon 950 Gramm auf die Waage." Am 12.12.07 jedoch: "In der neuen Ausgabe der Cinema sind wieder Film-Sammelkarten drin!" Verblüffendes hielt ich am 17. Januar 2008 fest: "Gestern erschien die neue CINEMA. Wie als hätten die Heft-Verschicker meinen Eintrag vom 18.11.2007 gelesen, lagen meinem Exemplar gleich zwei Sammelkarten-Sets bei! Versehen oder kalkulierte Abonnentenbindung?" Am 17.04.08 dann: "Ich stelle erbost fest, dass die Sammelkarten in der aktuellen Ausgabe der CINEMA nun schon zum zweiten Mal in Folge fehlen. Wurde das beliebte Gimmick ganz rausgenommen? Das Internet weiß darauf keine Antwort. Grmpf!"

Seit der letzten Wiederaufnahme der Zugabe ging es, soweit ich mich erinnere, dann ordnungsgemäß und kontinuierlich weiter mit der Tradition.

Donnerstag, 21. Januar 2021

Sie ist wieder da

Heute konnte ich eine mehr als dreieinhalb Jahre schmerzhaft klaffende Leere in meinem Leben schließen. Puh, das klingt dramatischer, als es ist. Was ich meine, ist allzu banal, muss aber mit einer kurzen Rückblende erklärt werden. Wie ich hier dokumentiert habe, fing die versteinerte Koralle, die ich als Schmuckelement auf meiner Badewanne liegen hatte, 2017 an, sich an mehreren Stellen schwarz zu verfärben. Diese "Krankheit", die ich mir bis heute nur als Schimmel erklären kann, erwies sich als unheilbar und verschlimmerte sich schließlich so stark, dass ich das tote Tier entsorgen musste. Seitdem war ich fieberhaft auf der Suche nach Ersatz, wobei sich die Suche zugegebenermaßen lediglich darauf erstreckte, dass ich bei eBay einen E-Mail-alert für "Hirnkoralle" anlegte, weil ich meinte, um eine solche habe es sich bei meinem Exemplar (von dem ich übrigens gar nicht mehr weiß, wie es in meinen Besitz gelangt war) gehandelt. Eventuell wäre der Suchbegriff "Steinkoralle" fruchtbarer gewesen, doch was weiß ich schon über die verwirrend bunte Klasse der Blumentiere. So oder so dauerte es ewig, bis mir ein fast identisch aussehender und preislich angemessener Artikel vorgeschlagen wurde, nämlich bis vorgestern Abend. Ich schlug zu (Sofortkauf) und konnte "Hirni", wie ich das Fossil nicht nennen werde, keine 48 Stunden später in Empfang nehmen. Im Badezimmer wird es wohl diesmal nicht landen, fürchte ich doch, das permanente Ausgesetztsein von Feuchtigkeit könnte abermals Schimmelbildung begünstigen. Eigentlich absurd, wo das Viech doch sein ganzes Leben unter Wasser verbracht hat!

Montag, 21. September 2020

Alles für den Club!

Kürzlich dokumentierte Anne Schüßler für das Techniktagebuch, auf welche Weise die ADAC Motorwelt heutzutage vertrieben wird, nämlich in ausgesuchten Verkaufsstellen gratis gegen Vorlage des ADAC-Mitgliedsausweises. Das weckte in mir wunderschöne Kindheitserinnerungen: an die Beschaffung des Club Nintendo-Magazins. Bei diesem Magazin handelte es sich um das zweimonatlich erscheinende Zentralorgan des Club Nintendo, und ihr wärt gewiss enttäuscht von mir, wenn ich nicht sämtliche Ausgaben, die über die Jahre in meinen Besitz gegangen sind, aufgehoben hätte!

Die Sammlung ist nicht vollständig, aber man kann anhand von ihr das wechselnde Distributionssystem nachvollziehen. Bis August 1992 bekamen Clubmitglieder jede Ausgabe frei Haus zugeschickt. Ab Ausgabe 5/92 war das Heft ausweislich eines Eckenstörers "nur für Club Nintendo Mitglieder kostenlos gegen Coupon" erhältlich. Die Coupons wurden (portosparend) einmal pro Jahr versandt, wenn ich mich recht entsinne. Ich holte mir das Heft stets beim Nintendo-Händler meines Vertrauens, nämlich einer Neckermann-Filiale, was mit einer längeren und für mich Steppke einigermaßen aufregenden Busfahrt verbunden war. Manchmal war die neueste Ausgabe am Erscheinungstag noch nicht vorrätig, und ich musste am nächsten Tag oder sogar noch ein weiteres Mal erneut zu Neckermann fahren. Wo diese Spezialzeitschrift, welche die aktuellen NES- und Super-Nintendo-Spiele eben nicht nur vorstellte, sondern bebilderte Lösungen und Tipps für diese abdruckte (wir hatten ja kein Internet!), sonst noch zu beziehen war, wusste ich nicht (wir hatten ja kein Internet!). Jedenfalls pflegte ich bei diesem Ritual neben dem Coupon auch meinen Clubausweis vorzulegen, was mir ein Gefühl der Exklusivität gab.


Doch mit Beginn des 6. Jahrgangs war's vorbei damit. Ab Ausgabe 1/94 kostete die Zeitschrift 2,95 DM und konnte von jedem dahergelaufenen Nichtmitglied erstanden werden, nun auch u.a. bei Karstadt Sport + Spiel (dem späteren Karstadt Sports). Im Dezember 1995 gab es die nächste Änderung: Club Nintendo war kostenlos. Von jetzt an verlor ich ohnehin das Interesse, denn neue Super-Nintendo-Games reizten mich kaum, das N64 schon gar nicht; ich zockte lieber am PC. Sporadisch steckte ich das Nintendo-Heft noch ein, wenn es mir in einem Kaufhaus zufällig begegnete. Festzuhalten ist noch, dass in unregelmäßigen Abständen Sonderausgaben herauskamen, nämlich Comics, beispielsweise mit Kirby oder zu "Donkey Kong Country 2". Das jüngste reguläre Exemplar in meiner Sammlung stammt vom Oktober 1998. Vier Jahre später wurde das Printprodukt eingestellt, 2015 hörte auch der Club auf zu existieren. Umso löwenhafter werde ich meine Mitgliedskarte hüten.

AKTION! Beim Sortieren habe ich festgestellt, dass ich zwei Issues doppelt habe: 1/92 und 5/92 (ohne Umschlagseiten). Wer sie aus Nostalgie- oder sonstigen Gründen geschenkt haben möchte, möge sich bei mir melden.

Freitag, 29. Dezember 2017

Skurrile Sammlungen: Sammelkarten

Als ich Kind war, lagen jeder Ausgabe der Zeitschrift Micky Maus Sammelkarten bei. Ich habe mir die Micky Maus nur selten gekauft, aber die örtliche Bibliothek bezog das Heft, und ich bin fast jede Woche dorthin gegangen, um die begehrten Gimmicks aus dem frisch eingetroffenen Exemplar zu klauen, hehe. Auch von Freunden bezog ich meinen Stoff gelegentlich. Nach einigen Jahren hatte ich einen beachtlichen Stapel zusammen – und der befindet sich noch heute unter meinem Hab und Gut.


Dem Gedanken verpflichtet, dass es wohltuend ist, zum Jahreswechsel alte Zöpfe abzuschneiden bzw. sich von wertlosem Papiermüll zu trennen, werde ich die Karten demnächst wegwerfen ... oder an die Person, die am schnellsten "Hier!" ruft, verschicken. Ebay ist jedenfalls keine Alternative. Bevor der Stoß aber über den Jordan geht, liste ich alle Kategorien auf, aus denen ich Sammelkarten besitze. Mein Vergangenheits-Ich hat sie seinerzeit nach einer gewissen Systematik sortiert.

  • Sportler
  • Olympiade
  • Tennis-Superstars
  • Micky Maus Staralbum
  • Star-Album
  • Berühmte Detektive
  • Zirkus-Stars
  • Stars aus Film und Fernsehen
  • Stars aus Pop und Rock
  • David Hasselhoff (!)
  • New Kids on the Block
  • Städte
  • Weltraum I: Der Flug zum Mond
  • Raumfahrt
  • Weltraum III
  • Stars der Lüfte
  • Motorräder
  • Umwelt-Mobile
  • Rennboote
  • Schiffahrt
  • Berühmte Schiffe
  • Züge der Welt
  • Traumautos auf unseren Straßen
  • Traumwagen der Straße
  • Klassische Sportwagen
  • Oldtimer
  • Die schönsten Oldtimer
  • Show auf Rädern
  • Show Cars
  • Show Cars – Sensationen auf Rädern
  • Dragster
  • Super-Flitzer
  • Trucks
  • Moto-Cross
  • Sport & Fun
  • Stunts
  • Gefährliche Stunts
  • Walt Disney World
  • Euro Disneyland
  • Toontown
  • Berühmte Pferderassen
  • Pferde
  • Pferde 2
  • Tiere und ihre Jungen
  • Tierkinder
  • Tierkinder II
  • Haustiere
  • Katzen
  • Hunde – Freunde auf vier Beinen
  • Hunde
  • Lustige Tiere
  • Affen
  • Greifvögel
  • Wale und Delphine
  • Gefährliche Tiere
  • Bedrohte Tiere
  • Bedrohte Alpenwelt
  • Tiere im Regenwald
  • Regenwald
  • Tropischer Regenwald
  • Leben im Eis
  • Leben im Korallenriff
  • Welt unter Wasser
  • Lebendige Wüste
  • Naturwunder
  • Wunder der Natur
  • Wunder der Welt
  • Wunder der Welt 1 (!)
  • Wunder der Welt II (!!)
  • Rätsel der Welt
  • Rekorde, Rekorde!
  • Rekorde
  • Disneys Film-Parade / Disney Filmparade / Disneys Filmparade
  • Disney-Autogramme
  • 65 Jahre MICKY MAUS
  • Disney-Stars
  • Disney Babys
  • Disney-Witze
  • Disney-Zeichenkurs
  • Disney Galerie
  • Die schönsten Filme von Walt Disney
  • Walt Disneys neuer Film: Arielle, die Meerjungfrau
  • Walt Disneys neuer Film: Jäger der verlorenen Lampe
  • Bernard & Bianca
  • Bernard & Bianca II
  • Walt Disneys Peter Pan
  • Peter Pan
  • Die Schöne und das Biest
  • Walt Disneys Dschungelbuch
  • Das Dschungelbuch
  • Aladdin
  • Talespin
  • Gummibären
  • Chip & Chap
  • Darkwing Duck
  • Die Dinos
  • Dinosaurier
  • Dinosaurier – Herrscher aus ferner Zeit

Montag, 1. Mai 2017

Mein neuer Schatz


Wisst ihr, was das ist? Das ist eine sogenannte animation cel, eine Original-Animationsfolie, die bei der Produktion der kurzlebigen "Super Mario World"-Zeichentrickserie von 1991 verwendet wurde. Tatsächlich handelt es sich sogar um zwei Folien – eine mit Princess Peach und eine mit den Piranhapflanzen –, welche auf die Pappe mit dem Hintergrund (dieser ist natürlich eine Kopie) geklebt wurden; dieses Ensemble aus handgezeichneten Figuren und statischem Hintergrundbild wurde dann abfotografiert und ergab mit unzähligen anderen Frames eine komplette Episode.

Wikipedia weiß: "Cels erfordern einen sorgsamen Umgang. Sie sind empfindlich gegenüber Kratzern, Knicken und Fingerabdrücken. Selbst eine unversehrte Cel zieht aufgrund statischer Aufladung Staub an, den der Kameramann vor jeder Aufnahme entfernen muss." Ich konnte es mir leider nicht verkneifen, zu Überprüfungs- und Demonstrationszwecken die obere Folie sacht anzuheben. Es ist aber alles unversehrt und befindet sich nun wieder in dem mitgelieferten Kunststoffumschlag. Wikipedia weiß auch: "Der Sammlermarkt hat viel mit Fälschungen zu kämpfen, die aufgrund der Natur von Cels nur schwer zu enttarnen sind." Nun, mein Sammlerstück stammt von einem vertrauenswürdigen US-eBay-Händler (99,7% positive Bewertungen von 45814 seit 1998; Stand 26.4.17) und kam mitsamt einem Echtheitszertifikat:


"So eine Rarität kann man sich bestimmt nur als weltberühmter Blogger leisten!", werdet ihr jetzt maunzen. Mitnichten! Für mein Exemplar habe ich gerade mal 30,31 € inklusive Versand bezahlt. Cels aus bekannteren Filmen und Serien gehen freilich für deutlich mehr weg. Dass es für so etwas überhaupt einen Markt gibt, war mir bis vor kurzem gar nicht klar. In einem Geburtstagsgeschenke-haul-Video eines YouTubers erfuhr ich kürzlich erstmals davon und musste sofort auch so etwas haben. Ich stieß auf den besagten amerikanischen Onlineshop und "belohnte" mich sogleich selbst mit dem oben zu sehenden Kleinod. (Denn wer käme schon auf die Idee, mir so etwas zu schenken?) Ich hätte sogar eine Szene mit Mario und/oder Yoshi haben können, aber die Darstellung von beiden gefällt mir in dieser Show nicht besonders gut; der einzig wahre Cartoon-Mario ist der aus der "Super Mario Brothers Super Show", sorry, isso!

Samstag, 22. April 2017

Andere Bänder, andere Sitten

Aus der Vergangenheit in die Gegenwart herübergerettet hatte ich einen Stoß VHS-Kassetten. Wer weiß, ob ich nicht irgendwann Lust habe, das alte Zeug mal wieder anzusehen, hatte ich mir gedacht. Bei dem alten Zeug handelte es sich hauptsächlich um aus dem Fernsehen Aufgenommenes, aber auch die Aufzeichnung einer Schultheateraufführung, bei der ich "den Vorhang gemacht" habe, war darunter, sowie zwei bei eBay ersteigerte Original-Raritäten, nämlich Trey Parkers Spielfilmdebüt "Cannibal! The Musical" und die Troma-Komödie "Zurück zur Natur". Nachdem ich sechs Jahre lang keine Möglichkeit gehabt hatte, diese Kostbarkeiten abzuspielen, bekam ich zu Weihnachten einen gebrauchten Videorecorder geschenkt. Eine prima Sache, leider erlitt das Gerät wohl beim Transport in meine Wohnung innere Schäden, mit dem Ergebnis, dass die Tapes nicht nur nicht wiedergegeben, sondern zu Bandsalat gedröselt und zerrissen wurden. Ein Desaster! Wie gerne hätte ich einen Blick auf alte TV-Werbung geworfen oder auf den Mitschnitt eines frühen Domino Days.

Niedergeschlagen, aber von nostalgischen Anwandlungen befeuert, nahm ich mir kurz nach Abschluss des unrühmlichen VHS-Kapitels meine Audiokassettensammlung vor. Auch diese hatte ich bei meinem letzten Umzug eingepackt, ohne ein entsprechendes Abspieldingens zu besitzen. Während VHS-Player und -Recorder heute nur gebraucht und i.d.R. zu irrwitzigen Preisen über den (virtuellen) Ladentisch gehen, ist es wesentlich einfacher, auf eine musikalische Zeitreise zu gehen – dank moderner und dennoch spottbilliger Technik. Ich orderte also für weniger als 20 Euro einen Walkman mit USB-basierter Digitalisierungsmöglichkeit und checkte, was sich auf meinen gut zwei Dutzend MCs verbarg. Was sich dort verbarg, war durchweg grauenhaft! So etwas lief damals im Radio?! Und man fand das auch noch gut?! 

Vor YouTube, Spotify & Co. war es integraler Bestandteil der popkulturellen Sozialisation, dass man sich vor die CD-MC-Tuner-Kombination setzte und die "Rec"-Taste betätigte, wenn etwas über den Äther lief, das man später noch mal hören wollte. So habe ich das bis ungefähr zur Jahrtausendwende gemacht. Auch ließ ich oft in der Nacht von Samstag zu Sonntag, während ich schlief, ein 120-Minuten-Tape laufen (automatische Wendefunktion!), welches ich am nächsten Morgen bei meinem Nebenjob als stationärer Sonntagszeitungsverkäufer anhörte. Jeden Samstagabend wurde nämlich eine Kultsendung ausgestrahlt, die ich aus verschiedenen Gründen schätzte, vor allem wegen der Liedauswahl. Mit genügend Abstand und Objektivität muss ich heute zugeben, dass die aufgenommen Lieder überhaupt nicht toll sind und es niemals waren, und man muss einsehen, dass die 1990er Jahre in dieser Beziehung wirklich als das allerschlimmste Jahrzehnt verurteilt gehören. Ich wünschte, nicht meine Video-, sondern meine Audiokassetten wären zerrupft worden! Etwas ging dann im Zuge dieses Horrortrips down memory lane aber doch noch kaputt: der Walkman! Sein Laufwerk versagte von einer Sekunde auf die nächste den Dienst, wie um zu sagen: Genug jetzt mit diesem Dancefloor-Techno-Europop-Trash! Ich konnte das Teil glücklicherweise gegen Vollpreiserstattung zurücksenden und überlege nun, mir einen neuen Kassettenspieler zu kaufen. Doch ich glaube, ich brauche noch ein paar Wochen, bevor ich in der Verfassung bin, den (mutmaßlich) abscheulichen Rest meines analogen Audiofundus' zu begutachten ...

Mittwoch, 27. Januar 2016

Geologähn

Ich sag's frei heraus: Wer etwas Wissenswertes über Geologie erfahren möchte, ist bei mir an der falschen Adresse. Ich weiß praktisch NICHTS über Geologie, also noch weniger als Sherlock Holmes, über dessen Skills Dr. Watson bzgl. "Knowledge of Geology" in A Study in Scarlet festhält: "Practical, but limited. Tells at a glance different soils from each other. After walks, has shown me splashes upon his trousers, and told me by their colour and consistence in what part of London he had received them." Tja, ich kann mit viel Anstrengung gerade mal Sand von Kies unterscheiden. Folgerichtig spielt Geologie auch in diesem Blog keine Rolle; die Suche nach "Geologie" erzielt null Ergebnisse. Bis jetzt! Denn dass ich mich nie dafür interessiert habe, hielt meine Geographielehrerinnen und -lehrer natürlich nicht davon ab, mich jahrelang mit Geologie zu berieseln. In der Schule fragt einen ja keiner, was man denn gerne lernen würde. Zwangsläufig blieb das ein oder andere hängen. Eins kann man dieser Disziplin nicht vorwerfen: dass sie arm an ulkigen Fachbegriffen wäre. Und so kam es, dass mir heute wieder einige geologische Termini in den Sinn kamen, die mir seinerzeit so kurios erschienen, dass mein Banknachbar und ich uns in der ungefähr 8. Klasse einen wortspielerischen Spaß aus dem Lehrstoff machten und einen Quatschdialog verfassten, der fast ausschließlich aus Fachwörtern rund um Wüstenböden bestand. "Hamada" etwa interpretierten wir als "Haben wir da", "Seghir"* bedeutete "Zeig her" und "Erg" war eine Interjektion à la "Würg!" (* Heute scheint die Schreibweise "Serir" die vorherrschende zu sein, aber in unserem Geobuch hieß es definitiv "Seghir". Dass mir damals kein Wortspiel in bezug auf Anna Seghers eingefallen ist, zeigt nur, dass mich der Deutschunterricht genauso wenig angesprochen hat wie Geographie bzw. "Erdkunde", wie es bei unseren Ahnen hieß. In dieser Beziehung bin ich Mr. Holmes dann wieder etwas ähnlicher ["Knowledge of Literature – nil"].) Über den Umweg der Albernheit habe ich somit doch noch zur Geologie gefunden, und ich muss das anfangs Behauptete an dieser Stelle revidieren oder wenigstens relativieren. Ein winziges Bisschen erwärmen kann ich mich für Geologie nämlich durchaus: Ich besitze eine bescheidene Sammlung putziger Mineralien und in meinem Wohnzimmer hängt ein gerahmter Kunstdruck mit Zeichnungen der beliebtesten Kontinentalplatten.

Ich mag es, wenn Kunst auf Wissenschaft trifft.

Versteinertes aus aller Welt, zu Fotozwecken zusammengerückt. Auf den Ammonit bin ich am stolzesten. Oh, ich müsste mal wieder staubwischen.

Mittwoch, 9. April 2014

Wofür so ein Blog doch gut ist ...

Im November 2012 schrieb ich über meine bescheidene, aber erwähnenswerte Sammlung von "Bei Nacht"-Karten.

Am 20. Februar 2014 kontaktierte mich der Betreiber einer deutschen "Bei Nacht"-Fanpage und bot mir einen Tausch an, auf den ich wegen Zuvielzutunhabens nicht einging. Der nette Sammler (er besitzt mehr als 1400 Exemplare) schickte mir dann wenig später einfach so sechs Postkarten mit der erneuten Bitte um Austausch. Heute habe ich mich endlich mit einem kleinen Umschlag revanchiert.