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Dienstag, 30. Juni 2026

Buchstabensalat (nicht-vegan)

Die Organisation PETA hat eine neue Anti-Tierausbeutungs-Kampagne im öffentlichen Raum laufen:


Eine Frage beschäftigt mich, seit ich diese Plakate zum ersten Mal gesehen habe: Ist das Schriftbild der Botschaften so unbeholfen-krakelig, weil diese von Tieren verfasst wurden oder weil sie von Tierbabys verfasst wurden? Konkreter: Schreiben Tiere, wenn sie reifer, gelehrter und weltgewandter sind, weniger kindlich? Oder kommt die Handschrift eines Tieres (eins der zwei anderen Motive zeigt ein Ferkel, das ebenfalls eine, haha!, Sauklaue hat) unabhängig von dessen Alter grundsätzlich niemals an die eines (erwachsenen) Menschen ran? Falls Ersteres, hätte man die Statements entsprechend erweitern können: "Wenn ich groß bin, möchte ich kein Kotelett werden, sondern Kalligraphie betreiben."

Sonntag, 8. Juni 2025

Dann weh' doch nach drüben!

Dieses Jahr habe ich einen Monatskalender mit Plakaten aus der DDR. Im Juni ist dieses Motiv zu sehen:


Na, was fällt auf? – Das hier:


Da fehlen Hammer, Zirkel und Ährenkranz! Stammt das Plakat etwa gar nicht aus der DDR, trotz Bezug zu einem Sportereignis in Schwerin? Tut es wohl! Was ich bis vor kurzem nämlich nicht wusste, ist, dass beide deutschen Staaten zehn Jahre lang die gleiche Flagge führten. Erst zum 1. Oktober 1959 setzte die DDR das 1955 eingeführte Staatswappen in die Mitte der schwarz-rot-goldenen Flagge.

Montag, 11. November 2024

Der mysteriöse Grenzkaffee

Früher, und damit meine ich: bis in die 2010er Jahre hinein, ist man, wenn man in Dresden oder noch weiter östlich gelebt hat, regelmäßig nach Tschechien – bzw., wie man in Sachsen sagt, "in die Tschechei" oder "zu de Tschechen" – gefahren, um günstig Lebens- und Genussmittel zu kaufen. Besonders beliebt: Zigaretten, gezuckerte Kondensmilch (Piknik!), Bier, Oblaten, Kaffee. Doch gerade Kaffee ist bei unseren Nachbarn inzwischen, wie bei uns, alles andere als billig. In Duty-Free-Shops sowieso nicht: Im Werbeprospekt für einen Grenzladen sah ich einen Kasten, in dem Melitta-Kaffee zu einem "Sonderpreis" angeboten wurde, der vor fünf Jahren noch als unverschämt gegolten hätte.


Das Bemerkenswerteste an dieser Annonce ist allerdings die Sorte. Was bitte ist denn "Melitta Bistro"? Wie ich bestimmt schon einmal festgehalten habe, greife ich sehr oft zu Melitta-Kaffee (der in längst vergangenen goldenen Zeiten auch schon mal für 2,99 € zu haben war), aber etwas namens "Bistro" habe ich noch nie gesehen. Der Hinweis "Nur an der deutschen Grenze" beseitigt den Verdacht, dass es sich um eine für den tschechischen Markt produzierte Spezial-Linie handelt. Auf der Firmen-Homepage findet sich von "Bistro" keine Spur. Wer weiß mehr?

Sonntag, 18. August 2024

Handzettel, durchdigitalisiert

Das Papierreklamesterben geht weiter. Als vorerst letzter in einer immer länger werdenden Reihe von Händlern ist nun der Discounter Aldi Süd dabei, seinen gedruckten Werbeprospekt abzuschaffen. "In einer Testphase sollen ab dem 19. August in einigen Regionen Deutschlands vorerst keine Handzettel mehr verschickt werden", weiß "Focus online". An meine Adresse war ja schon ewig keine Aldi-Werbung mehr versandt worden, bevor die wöchentliche Werbeversorgung schließlich komplett abbrach.

Der physische Aldi-Prospekt von vergangener Woche wurde mir jedoch zugespielt, und darin stieß ich auf etwas Ungeheuerliches:


Ein Rezept für ein aus Sonderangeboten zuzubereitendes Gericht wird mit einem KI-Bild illustriert! In meinen Augen ist das nicht nur eine Sparmaßnahme, sondern der schleichende Tod eines kulturellen Guts. Werden bald auch Lebensmittelverpackungen mit computergenerierten "Fotos" versehen werden? Serviervorschläge klassischer Prägung mögen abwegig, unpassend, ja bisweilen irreführend, vor allem bizarr gewesen sein, aber immerhin steckten dahinter echte Menschen. O tempora ...

Montag, 22. Juli 2024

Word of the day (vor 20 Jahren)

In der "Jeopardy!"-Sendung vom 25. Juni 2004 wurde folgende Frage in der Kategorie "Coined Words & Phrases" gestellt (von mir ins Deutsche übersetzt):

Spam ist unerwünschte Werbung per E-Mail; das ist unerwünschte Werbung, die über einen Instant-Messaging-Dienst versandt wird

Wer mit "Was ist Spim?" geantwortet hat, darf sich 800 $ einstreichen. Von den drei Kandidaten damals, darunter Rekordsieger Ken Jennings, ist keiner drauf gekommen. Hat irgendwer, der hier mitliest, jemals von Spim gehört? Mir jedenfalls ist dieser Neologismus im "Jeopardy!"-Archiv zum ersten Mal begegnet. Der einzige Eintrag, den die Google-News-Suche nach "Spim" ausspuckt, stammt – ebenfalls – aus dem Jahr 2004. In einem Spiegel-Artikel heißt es, ungewollte Werbeanrufe über Voice-over-IP, "VoIP Spam" oder "Spit" genannt, könnten sich einer Softwarefirma zufolge bald zu einer Plage auswachsen. "Spit, so die These, könnte der Nachfolger von unerwünschter Werbung per E-Mail (Spam) und Instant Messenger (Spim) werden."

Es spricht nichts dagegen, einen neuen Ausdruck mit "ein wenig" Verspätung zu etablieren. Von jetzt an werde ich an der Verbreitung von "Spim" aktiv mitwirken. (Ich bin ja auch einer der wenigen Menschen, die das Adjektiv sitt für den Zustand des Nicht-mehr-durstig-Seins verwenden. Kurios: Ein kurzer GSV-Strang zu diesem Komplex ist auch 2004 erstellt worden.) Belästigung per Messenger ist virulent wie nie zuvor. Allein in den letzten drei Monaten erhielt ich dreimal via Telegram und zweimal über Whatsapp Spim, von "Absenderinnen" wie "Karlotta Meier" ("Hallo! Wir_haben_Angebot_Remote-Arbeit. Teilzeit/Vollzeit. Entschuldigen Sie, kann ich Ihnen die_Details? Ja/ok?"). Sollte ich das nächste Mal unter Leuten sein, wenn ich derlei empfange, werde ich laut ausrufen: "Boah, schon wieder Spim!"

Donnerstag, 20. Juni 2024

Guter Einwurf!

Diese Woche landete tatsächlich etwas in meinem Briefkasten, mit dem ich nicht gerechnet hatte und über das ich mich gefreut habe wie ein Schneekönig:


Drei Mini-Staubwedel von Swiffer in einem sog. Duster Kit (was nicht deutsch auszusprechen ist) bzw. einem eigens Werbezwecken dienenden "Test Kit" (hier wiederum hätte ich "Probierpack" besser gefunden; "Test Kit" erinnert mich immer noch an die Corona-Schnelltests für den Heimgebrauch). Ausgepackt habe ich sie noch nicht. Irgendjemand in dem Haus, in dem ich wohne, hat übrigens sein oder ihr Duster Kit oben auf die Briefkastenanlage gelegt, weil er oder sie offenbar keine Verwendung dafür hat. Ich schüttele mein Haupt in Unverständnis und ziehe ernsthaft in Erwägung, das verschmähte Set auch noch, hehe, abzustauben.

Eine Postwurfsendung aus der Reihe "nett gemeint, aber frech" erreichte mich übrigens vor schätzungsweise zehn Jahren, als die langwierige und lautstarke Sanierung eines denkmalgeschützten ehemaligen Kraftwerks in meiner Nähe bevorstand: Der Bauherr bedachte uns Anwohner mit einer Entschuldigungs-Postkarte nebst einem Paar Ohrstöpseln. (Ich bin mir sicher, dass ich das damals fotografiert und auf Facebook geteilt habe, kann es aber nicht mehr finden.)

Sonntag, 24. September 2023

Spukhafte Fernwerbung

Am Dienstag, dem 12. September, lag sowohl der FAZ als auch der Süddeutschen Zeitung etwas ganz Besonderes bei: Werbung für Kenneth Branaghs neue Poirot-Verfilmung "A Haunting in Venice" in Form eines dicken Hochglanzfaltzettels.



So eine Form des Marketings habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen. Und hätte ich im Jahr 2023 auch nicht erwartet. Früher, ja, früher, da hatten die Verleihe Geld! In meiner Zeit als regelmäßiger Besucher von Pressevorführungen gab es zu nahezu jedem Film ein wertiges Begleitheft, bei Blockbuster-Vorschauen manchmal sogar zusätzliche Gimmicks. Heutzutage, höre ich, sind Pressemappen allenfalls digital abrufbar. Gedrucktes kostet zu viel Geld. Was hat 20th Century in diesem Fall wohl geritten?

Den beworbenen Krimi werde ich mir übrigens, wenn auch nicht im Kino, gewiss irgendwann anschauen. Die beiden Vorgänger, "Mord im Orient Express" und "Tod auf dem Nil", habe ich ausgelassen, weil ich kurz zuvor die Siebzigerjahre-Fassungen gesehen hatte und die jeweiligen Auflösungen in frischer Erinnerung hatte. Über "Haunting" bzw. Christies Vorlage "Die Schneewittchen-Party" hingegen weiß ich gar nichts.

Sonntag, 26. März 2023

TV-Reklame-Erinnerung

In einem dieser typischen Dauerwerbeblöcke im vormittäglichen Privatfernsehen (Stichwort "Teleshop") lief irgendwann in den 1990er Jahren ein Spot, in dem ein veritables Spionagewerkzeug angepriesen wurde: ein Miniatur-Richtmikrofon, mit dem man aus seiner Tasche heraus Geräusche mit relativ weit entfernter Quelle verstärken und über einen harmlos aussehenden Kopfhörer in sein Ohr leiten konnte. Wenn ich mich recht entsinne, wurde der offensichtliche Zweck, i.e. Spaziergängerinnen, Gartennachbarn etc. belauschen, nicht einmal zu vertuschen versucht, indem man das Gerät etwa gezeigt hätte, wie es Vogelgezwitscher aufklart oder älteren Menschen als On-demand-Hörgerät den Alltag erleichtert. Nein, da saß wirklich ein Mann auf einer Parkbank, "zielte" heimlich über die Distanz von circa zwei Steinwürfen auf eine Personengruppe und folgte freudig erregt dem nicht für seine Löffel bestimmten Gespräch.

Den Werbespot scheint es auf Youtube nicht zu geben, obwohl dort die Neunziger diesbezüglich gut dokumentiert sind. Gut möglich, dass mein Gedächtnis nach so langer Zeit einige Details verzerrt hat, aber ich weiß noch genau, dass ich damals schon dachte: 'Das kann doch unmöglich legal sein!' Andererseits findet man auf Amazon mit den Suchbegriffen "richtmikrofon spionage" und "abhörgerät" eine Vielzahl von Artikeln in allen Preisklassen; dort gibt es ja auch den Klassiker "Diktiergerät in Kugelschreiberoptik". Ein Teil, wie es in der beschriebenen Retro-Reklame vorgestellt wurde, mit Ohrstöpseln und handlicher Empfangs-/Verstärker-Kombi, konnte ich auf die Schnelle nicht ausfindig machen. (Was Amazon nach dieser kurzen Recherche wohl über mich denkt? Bitte nicht als Stalker kennzeichnen!!!) Im Zweifel muss man so was wohl im asiatischen Ausland bestellen, wie Tex Rubinowitz seinen Handy-Signalstörer, den er mal irgendwo erwähnt hat und mit dem er eine Zeitlang die mobile Kommunikation von U-Bahn- oder Bim-Passagieren in seiner Nähe zu unterdrücken pflegte.

"Man nennt diese Mikros auch Shotgun Mikrofon", klärt die Seite detektiv-report.de jedenfalls auf. "Weil man mit einem Richtmikrofon eine Unterhaltung hörbar machen kann, die jemand weiter weg führt, dienen sie auch als Abhörgeräte. Allerdings ist das Abhören fremder Gespräche auch dann nicht gestattet, wenn Richtmikrofone zum Einsatz kommen. Der Einsatz als Abhöreinrichtung ist nicht der primäre Zweck, den ein Shotgun Geräuschverstärker hat. Häufig setzt man die Geräte beim Film für Aufnahmen ein." Ja, ja, ja. Zu den Utensilien, die ich eher nicht im Detektivausrüstungs-Ratgeber vermutet hätte, gehören übrigens "Mikrowellen Messgerät" und "Elektrosmog Messgerät". (Was Google wohl jetzt von mir denkt? Bitte nicht für die Stasi 2.0 anwerben!!!)

Dienstag, 8. Februar 2022

Die papierne Revolution

Eine kleine Sensation ist zu vermelden: Der wöchentliche Werbeprospektepacken, der in diesem Blog wiederholt Gegenstand emotionalster Beiträge war, kommt nach langem Protest nicht mehr in der verhassten Plastikhülle* in die Haushalte. Zumindest nicht in die Frankfurter; in Berlin, davon konnte ich mich mit eigenen Augen überzeugen, wurde die Werbung am Samstag wie gehabt in Plaste ausgeliefert.
Aber wie wird fürderhin sichergestellt, dass die Prospekte zusammengehalten werden? Seht selbst:

historische Aufnahme (6. Februar 2022)

(s. u.a. "Werbeprospekte in der Pandemie"; "Der Frankfurter Coupon-Skandal 2019")

Mittwoch, 5. Januar 2022

Das Grafschafter Wunder

Manchmal muss man die Höllenplattform Facebook auch loben. Kurz nachdem ich hier beklagt hatte, die in einem Penny-Prospekt beworbenen Aufstriche Salzkaramell-Sirup und "Winterzauber" im Supermarkt nicht vorgefunden zu haben, erschien auf meiner Facebookwand eine Anzeige für eine Sonderaktion: Bestellte man über die Grafschafter-Webseite zwei Gläser des neuen "Winterzauber"-Aufstrichs, würde man ein drittes gratis dazu erhalten. (Auf welch wundersamem Wege Facebook diese Werbung für mich "herausgesucht" hat, hinterfrage ich besser nicht.) Selbstredend schlug ich zu und orderte zusätzlich eine Flasche Salzkaramell-Sirup. Ungetrübter Frühstücksgenuss ist somit auch für die kommenden Monate sichergestellt.


Montag, 27. Dezember 2021

Alle glücklichen Werbefamilien ...

In den vergangenen Tagen (Stichwort "coming home for Christmas") habe ich mich wiederholt der traditionellen Feiertagsbeschäftigung Zapping hingegeben. Beim zwangsläufigen Rezipieren von Fernsehwerbung wurde ich daran erinnert, etwas festzuhalten, das mir in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen ist, wenn ich Gelegenheit zum Privatsenderschauen hatte; ein Phänomen, das es übrigens auch schon in meiner Kindheit und Jugend gegeben hat. Die Rede ist von Werbespots, in denen Mittelschichtshaushalte Trash-Lebensmittel abkulten. Ich könnte spontan mindestens vier Beispiele nennen. Zu sehen sind in der Regel biodeutsche, meist fünfköpfige Familien, die ausgelassen lachend einander Milchriegel, Tiefkühlpizzen, Knabbergebäck oder andere Convenience-Produkte bekannter Firmen servieren, wobei es meistens die Mutter ist, die ihren Angehörigen das Zeug, welches übrigens preppermäßig zu Dutzenden in Kühlschrank oder Speisekammer gestapelt liegt, kredenzt. Welche Realität soll das abbilden? Da ist ein Eigenheim, in das sichtlich eine siebenstellige Euro-Summe geflossen ist, aber die Bewohner schwören auf den zweitbilligsten Zucker-Fett-Geschmacksverstärker-Scheiß (nicht den allerbilligsten, denn das wäre die jeweilige Nachahmer-Variante vom Discounter).

Da diese Spots wie gesagt seit Jahrzehnten laufen, gehe ich davon aus, dass die Werbetreibenden sich etwas dabei gedacht haben und mit der Masche obendrein erfolgreich fahren. Mir fehlt die soziologische und marketingtechnische Expertise, um die Mechanismen dahinter zu erkennen. Die Intention ist vermutlich: Angehörige der middle class sollen das sehen und sagen "Die sind wie wir und sind sich trotzdem nicht zu fein für Mikrowellen-Hotdogs!", Angehörige der lower class hingegen "Wenn die das in ihrer freudestrahlenden Vorstadthütte lagern, müssen wir uns erst recht nicht schämen! Im Gegenteil, das beworbene Produkt ist schließlich die Marken-Version der Discounter-Alternative." Und alle sollen denken: "So ungesund kann das Erzeugnis ja nicht sein, wenn diese TV-Familie scheinbar nichts anderes konsumiert und dabei so healthy und beseelt ausschaut ..."

Samstag, 27. November 2021

Nova Prospekt

Es ist Samstagmittag und die Post ist noch nicht gekommen, damit auch nicht die Wochenprospekte. Letzte Woche kam der Werbepacken bereits am Freitag. Gut möglich, dass der Briefträger heute gar nicht mehr erscheint oder aber zwar erscheint, aber ohne Werbepacken. Ich durchschaue das System nicht.

"Was hast du bloß immer mit deinen Prospekten?", möge man mich augenrollend fragen. Die Sache ist die: Kaufhallenprospekte sind für mich in erster Linie eine Inspirationsquelle. Wenn ich beim wochenendlichen Blättern ein Lebensmittel entdecke, das ich lange nicht mehr im Hause hatte und/oder als Kochzutat verwendet habe, und es obendrein preisreduziert ist, freue ich mich doppelt. Der Sparfaktor wird, fürchte ich, angesichts der drohenden Inflation zukünftig an Bedeutung gewinnen. In letzter Zeit erwische ich mich denn auch immer häufiger dabei, auf Vorrat zu kaufen. Mein Speiseplan für die gesamte kommende Woche steht praktisch schon, denn ich habe bei einigen haltbaren Dingen zugeschlagen ... HA, in diesem Moment klingelt der Postbote! Augenblick ...

Wie ich geahnt habe: Keine Werbeprospekte. Lediglich ein Zusatzkartenbeantragungs-Anreiz-Flyer von American Express sowie der Rundbrief der DKMS lagen im Briefkasten. Die Krux ist: Der mir nächstgelegene Rewe, mein Stamm-Supermarkt, weist in seinem Geschäft nicht auf aktuelle Rabatte hin; die haben dort keine Prozentzeichen-Schildchen! Woran also soll ich reduzierte Waren erkennen?

Related "problem": Neulich habe ich auch mal den Prospekt von Penny studiert und stieß darin auf zwei neue Aufstriche von Grafschafter, nämlich Salzkaramell-Sirup und "Winterzauber Apfel-Kirsche mit Zimt und Vanille". Die musste ich haben! Doch bei Penny gab es sie nicht. Auch nicht bei Rewe. Etwas Ähnliches war mir schon einmal passiert, also dass bei Penny etwas Sensationelles angekündigt wurde, dann jedoch schon weg oder überhaupt nie dagewesen war. Es ist alles nicht einfach.

Donnerstag, 25. November 2021

Blattmacher und Glattmacher

In der FAZ erschien heute diese Anzeige:


Als ich das sah, hatte ich Fragen. Na, eigentlich nur eine Frage: Warum? Was bewegt den Weltkonzern Amazon dazu, an prominenter Stelle, nämlich auf Seite 5 des Wirtschaftsteils, für 80.410 Euro* darauf aufmerksam zu machen, dass man beim Kauf eines verdammten Glätteisens diese Woche 20 Prozent sparen kann? Richtigerweise ja "bis zu 20 %", also nicht einmal sensationell viel. Warum keine Collage mit mehreren Hammer-Schnäppchen zeigen, warum statt einer Auswahl an technischen Geräten dieses eine spezielle Produkt vorstellen? Hat man sich tatsächlich zusammengesetzt und entschieden: "Wir müssen unsere Black-Friday-Aktion bewerben, denn es haben noch nicht genügend Leute mitbekommen, dass wir diese Woche ohne Ende Rabatte gewähren. Einen richtigen Burner brauchen wir, ein Zugpferd, für das die garantiert überdurchschnittlich hairstyling-affine Leserschaft der FAZ sofort ihre Lektüre unterbrechen und bei uns vorbeisurfen wird!"? Bei der Besprechung in der Marketingabteilung hätte ich gerne Mäuschen gespielt. Oder war es die alleinige Entscheidung einer Einzelperson? In diesem Falle: Glückwunsch!

* Das ist indes nicht der teuerste Werbeplatz. Eine ganzseitige Anzeige auf S. 3 im Wirtschafts- oder S. 5 des Politikteils der Samstagsausgabe schlägt mit 88.760 € zu Buche.

Montag, 11. Oktober 2021

Marketing gone wild

In den 1980er Jahren rief die Gastronomiekette Pizza Hut in Amerika folgende Aktion ins Leben. Wer den Satz "Make it large for medium charge" auf einen Zettel schrieb und diesen beim nächsten Pizza-Hut-Besuch vorzeigte, bekam ebendies: eine große Pizza (bzw. einen pizza pie, wovon ich immer noch nicht genau weiß, was das ist) zum Preis einer bzw. eines normalen. Das Prozedere wurde in TV-Werbespots erklärt, womit schon mal ein Teil der potentiellen Kundschaft ausgeschlossen wurde (Haushalte ohne Fernseher), was den Konzern letztlich weniger kostete. Auch dass bei diesem Promo-Stunt Druck- und Distributionskosten gespart werden konnten, weil die Speisenden ja quasi ihre eigenen "Coupons" anfertigten, kann nur clever genannt werden.

Woher ich von dieser ungewöhnlichen Kampagne weiß? Ich habe davon in der jüngsten Episode von "That Week in SNL" erfahren (#80: Madonna/Simple Minds). In diesem Podcast werden ausgewählte Folgen von "Saturday Night Live" besprochen, und in jener Ausgabe, welche den Season-Opener der berüchtigten 11. Staffel auseinandernahm, widmeten sich die Moderatoren eben auch den damals ausgestrahlten Werbeunterbrechungen und spielten die Spots in ganzer Länge ein. Zuerst dachte ich "Das geht jetzt aber doch ein bisschen zu weit!", aber spätestens bei dem genannten Pizza-Hut-commercial war ich absolut begeistert. Was für eine unschätzbare, faszinierende Zeitreise! Der Sound, die Theatralik, die Stimmen des Jahres 1985 sind unnachahmlich und kommen nie mehr wieder. Ich wünschte, ich hätte während dieser einzigartigen Ära in den USA gelebt! Bei der "Make it large"-Aktion hätte ich garantiert auch mitgemacht. 

Montag, 13. September 2021

Comic Book Mail Order Ads Extravaganza

Vor einer Weile befand sich etwas im offenen Bücherschrank, das dort so gut wie nie zu finden ist: original amerikanische Groschencomics!


Gelesen habe ich die Heftchen nicht, und um deren Inhalt soll es auch gar nicht gehen. Nur so viel: Ich bin ja "gespannt", ob wann Kazar seinen ersten Auftritt im MCU haben wird; ich habe dem Franchise vor einer Weile endgültig abgeschworen. Ach ja, und erinnert ihr euch noch an den Kolossal-Flop, der die "John Carter"-Verfilmung war? Wie gesagt: Darum soll es nicht gehen. Gefreut über den Comicfund habe ich mich nämlich hauptsächlich, weil im Inneren gleich mehrere klassische Anzeigenseiten stecken, die mich mit einer Nostalgie erfüllten, die ich, der ich nicht in den USA großgeworden bin, eigentlich gar nicht fühlen kann. Ich habe sie eingescannt und möchte sie mit gleichermaßen Fühlenden teilen. Zum Vergrößern klicken.


Von dieser Seite bestellen würde ich am liebsten: die Eichhörnchenpfeife, die rauchenden Fingerspitzen, die 1000 Mini-Magneten, die Riesen-Schaumstoffwürfel, den "Whack Jack" und den 8-Fuß-Wetterballon. Der Supermagnet ist doch Quatsch, oder?


Comic-Konvolute und Briefmarkenverkauf sprechen natürlich dezidiert die Nerds unter der Leserschaft (also damals 99 %) an, was also sollen die fitnessbezogenen Inserate? Klar, die Werbenden wissen: Manche dieser Nerds wollen Jocks werden und sind womöglich an Muskelaufbau und Kampfsporttraining interessiert.


Hier wiederholt sich einiges aus dem ersten Beispiel, von den weirderen Gimmicks sind die Bauchrednerpuppen, die Frauenbeine, die Hypnose-Platte, die falschen Münzen und die fleischfressenden Pflanzen zu nennen. Auch die legendären Sea Monkeys geben sich die Ehre! Und da ist eine Röntgenbrille!


"Der Sport, mit dem ein Knabe aufwächst", na klar. Amerikanischer geht es nicht. John Unitas war übrigens ein Footballspieler, "einer der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte" (Wikipedia).


Hm, ob der Kamm mit der Klappmesserklinge wirklich wie versprochen ("Really works!") als Waffe eingesetzt werden konnte? Das erscheint mir selbst für Herkunftsland und -ära rechtlich fragwürdig ... Harmlos soll ja schließlich auch der explodierende Stift sein, auch wenn die dazugehörige Illustration eine gewisse Heftigkeit des Effekts suggeriert. Die Spionage-Kamera darf freilich ebensowenig fehlen wie das Taschenfernrohr, das heutzutage sicher auf andere Weise angepriesen würde. Ah, und da ist ein weiterer Elektroschock-Spaß. Am interessantesten finde ich die "10 Instrumente in einem" (Was ist das für ein Transmitter?).

Ich hoffe, euch hat diese Werbeunterbrechung gefallen, und ihr bestellt gleich heute noch das eine oder andere novelty item.

Samstag, 4. September 2021

Spätkindliche Hörfehlleistung

Ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich diesen Beitrag schon längst geschrieben hatte. Hatte ich aber nicht, weswegen jetzt sofort folgende Erinnerung festgehalten werden soll:

Als ich noch ziemlich jung war, lief im Fernsehen ständig ein Werbespot von Berentzen, in dem auf die Melodie von "Gaudeamus igitur" Apfelkorn besungen wurde. Das einprägsame Sauflied endete mit den Worten: "Knackiger Spaß im Glas, von Berentzen, ja Berentzen". Obwohl ich zum Zeitpunkt der Kampagne schon auf angemessenem Niveau lesen konnte, schenkte ich etwaigen eingeblendeten Schriftzügen offenbar keine Beachtung; ich hörte lediglich auf die Lyrics und missinterpretierte diese dergestalt, dass ich statt Berentzen "Bärenzinn" verstand. Dabei dachte ich gar nicht über die tiefere Bedeutung des falschen Markennamens nach. Für mich war "Bärenzinn" kein mysteriöses ursines Weichmetall, sondern ein erstarrtes Kompositum mit nicht zu hinterfragender Motivation à la "Wurzelpeter" (den ich damals freilich noch nicht kannte). Bis eben habe ich auch noch nie über die Herkunft des Namens "Berentzen" nachgedacht, und dabei belasse ich es auch.

Montag, 19. Oktober 2020

Jetzt 'n Blogbeitrag.

In einem der in seinem Band "Gattin aus Holzabfällen" versammelten Fotofundstücke zeigt und kommentiert Max Goldt den Slogan einer Gattungskampagne der Printbranche: "Jetzt 'ne Zeitschrift". Diese Werbemaßnahme aus dem Jahr 2007 ist völlig an mir vorbeigegangen, obwohl sie mehrfach Objekt der damals schon sehr aktiven "Netzwelt" war (u.a. Sascha Lobo befasste sich damit und lobte zwei jener Anzeigen für ihre selbstironischen Ansätze) – umso herzhafter musste ich lachen, als ich die Zeile las. Ich finde generisches Marketing allgemein recht amüsant, sei es für Zucker, Holz, Kino, das Handwerk und was es noch alles gibt. Was es nicht gibt, sollte man sich mal überlegen! "Ohne Gewürze ist das Leben fad." / "Der Mulch macht's!" / "Eine Armbanduhr: läuft von früh bis spät." / "Wir bringen vielleicht kein Glück, aber dafür Wärme. Ihre Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger" ... Weitere Claims und Sprüche denke ich mir gegen geringes Honorar gerne aus!