Freitag, 30. Januar 2026

26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen (plus Bonus)

  • spanisches Wirtshaus: Posada
  • Kursabweichung (Flug): Gieren
  • span. Stoßdegen: Espada
  • Feigenkaktus: Opuntie
  • kleines Küstenschiff: Tjalk
  • ugs.: Laune, Grille: Mucke
  • orient. Teppichwappenmotiv: Gül
  • Mode des Biedermeiers: Gigot
  • keramische Überzugsmasse: Engobe
  • afrik. Trommelmusik: Burru
  • Blumenornament (frz.): Fleuron
  • kleiner Mensch: Fips
  • entbeerte Traube: Rapp
  • Verwalter königl. Burgen: Bailli
  • große Senke im Karstland: Polje
  • altes indisches Gewicht: Ser
  • brüstungsartige Fassade: Attika
  • Hornmelone, Kürbisgewächs: Kiwano
  • ukrainisches Saiteninstrument: Bandura
  • abgegrenztes Stück Land: Kamp
  • spitzes Gebilde an Gletschern: Serac
  • Blumenrohr: Canna
  • Nordoststurm in Nordasien: Buran
  • Holzflößung: Trift
  • Eibisch: Althee
  • Färbekessel: Küpe

Außerdem ist es mal wieder an der Zeit für obskure Frauenkurz- und -kosenamen:
  • Koseform von Marianne: Nanni
  • Kurzform v.: Franziska: Fanni
  • Kurzform von Renate: Reni
  • Frauenkurzname: Tilla
  • Kurzf. v.: Josefine: Fini
  • weibl. Vorname (Kurzform): Herma

Mittwoch, 28. Januar 2026

Nichts hält mehr

Ich muss in der sechsten Klasse gewesen sein, als in meinem Freundeskreis eine Audiokassette die Runde machte. Mitschüler Stefan P. hatte sie von seinem Bruder geliehen bekommen, der sie wiederum von einer CD überspielt hatte. Es handelte sich um das Album "Diwodaso" des hessischen Komikerduos Badesalz.

Bald hatte jeder von uns circa fünf Jungs eine eigene Kopie angefertigt und hörte sie immer und immer wieder an. Nach nur wenigen Tagen konnten wir die Sketche halb auswendig, wir warfen einander Zitate um die Ohren, stimmten die Lieder an und versuchten gemeinsam die rätselhaftesten Stellen zu interpretieren. Denn vieles blieb uns – was einen Teil der Faszination ausmachte – unverständlich: teils weil wir zu jung für die erwachseneren Späße waren, teils weil der Dialekt uns fremd war, und natürlich findet sich im badesalzschen Œuvre das ein oder andere bewusst sinnverweigernde Stück Antihumor, was zumindest mir erst viel später klar werden sollte. Wir erfuhren irgendwann, dass "Diwodaso" bereits die dritte LP von Badesalz war, und konnten es kaum abwarten, dass Stefan P. uns mit Hilfe seines Bruders schnellstmöglich die Vorgänger beschaffte. Was dann auch geschah; groß war unsere Freude, dass sich "Nicht ohne meinen Pappa" und "Och Joh" als nicht minder komisch denn "Diwodaso" erwiesen. Unzählige Zeilen und Sprüche wurden zu geflügelten Worten: "Der Lambada!", "Sechsmakkfuffzisch", "Fresse da vorne!", "Des is e ganz anner Teschnik", "Rrrrippchen mit Kraut", "Bist du braun!", "Herr Müller ...", "Und tschüss!" Wir waren längst süchtig, als 1995 mit "Zarte Metzger" ein neues, abermals insta zum Kult werdendes Album erschien. Und nicht nur das: Gesegnet wurden wir mit einer nächtlichen ARD-Wiederholung der Reihe "Och Joh", in der wir Henni Nachtsheim und Gerd Knebel erstmals sehen konnten. In den folgenden Jahren wuchs die Bekanntheit des ohnehin über die Grenzen Hessens hinaus beliebten Duos verdientermaßen noch weiter: Dem abendfüllenden Film "Abbuzze!", den ich mit meinem Bruder tränenlachend im Kino sah, folgten Gastauftritte in der "Wochenshow" und im "Quatsch Comedy Club" sowie um die Jahrtausendwende herum, auf dem Höhepunkt der gewiss nicht durchweg glanzvollen Comedywelle, eine eigene Sat.1-Sketchshow, von der ich vermutlich noch VHS-Mitschnitte auf dem Dachboden rumliegen habe.

Ja, es wäre nicht übertrieben zu behaupten, dass Badesalz mich geprägt haben. Dass Gerd Knebel jetzt mit 72 Jahren gestorben ist, halte ich für eine riesige Ungerechtigkeit. Da könnt isch grad verrückt wer'n!

Dienstag, 27. Januar 2026

Die rüblichen Verdächtigen

Es ist immer noch Eintopf- und Suppenzeit, Leute! Am Wochenende habe ich ein marokkanisch angehauchtes Ottolenghi-Rezept umgesetzt, das ich als "etwas aufwendig" bezeichnen würde, aber bloß wegen des vielen Geschnibbels und Gezupfes. Ich habe ein paar winzige Änderungen vorgenommen, auf die ich am Ende eingehen werde. Vier bis sechs Personen sollten von diesem Kichererbsen-Rüben-Eintopf satt werden.

In 45 ml Öl schwitzt man in einem großen Topf 2 Bund Frühlingszwiebeln (in dünnen Scheiben) und 2 zerdrückte Knoblauchzehen zusammen mit 1 TL Kreuzkümmelsamen, 1 Zimtstange, 1 EL Harissa, 2 TL Tomatenmark und 2 TL Salz an. Man schüttet den Inhalt von 2 Dosen Kichererbsen (2x400 g, inkl. Flüssigkeit) hinzu, gießt die Mischung mit 800 ml Wasser auf und bringt sie zum Kochen. Sodann kommen 250-300 g Pastinaken in mundgerechten Quadern sowie ca. 200 g Möhren in (halben) Scheiben hinzu. Bei nicht zu hoher Temperatur simmern lassen, bis das Gemüse bissweich, aber nicht zerkocht ist (hat bei mir etwa 25 Minuten gedauert).

Währenddessen bereitet man ein Topping aus 40 g grünen Oliven (entsteint), 10 g Petersilienblättern, 10 g Korianderblättern, 2 EL Olivenöl und 4 EL Apfelessig zu, indem man die Zutaten in einer Küchenmaschine oder im Thermomix zu einer "groben Paste" vermengt. Mit dieser garniert man den Eintopf, aus welchem man vor dem Servieren die Zimtstange entfernt hat.


Und nun wie versprochen zu meinen Anpassungen: Das Rezept sah eigentlich Steckrüben statt Pastinaken vor. Ich liebe Steckrüben und denke sehnsüchtig an den Steckrübeneintopf meiner pommerschen Oma zurück! Leider sind Steckrüben schwer zu bekommen, nicht mal auf den Wochenmärkten meines Vertrauens konnte ich welche finden, weswegen ich sie durch die nicht minder schmackhaften Pastinaken ersetzt habe, die dem Gericht im Verbund mit den Karotten und dem Zimt eine zauberhafte orientalische Süße verleihen. Wie immer, wenn Zwiebeln verlangt werden (hier: 300 Gramm!), habe ich zu Frühlingszwiebeln gegriffen. Um die fehlende Masse auszugleichen (denn Frühlingszwiebeln sind weniger ergiebig als Zwiebeln), habe ich etwas mehr Pastinaken reingetan (bei Ottolenghi sind's 200 g Steckrübenwürfel). Außerdem habe ich normale Harissa statt Rosenharissa verwendet, dafür aber nur 1 EL statt der vorgegebenen 2 EL (weil Harissa schärfer ist als die Rosenvariante). Zu guter Letzt habe ich mich mit zwei statt der vorgeschlagenen vier Knoblauchzehen begnügt.

Sonntag, 25. Januar 2026

Kulturbeutelpessimismus

In den Badezimmern der meisten Hotels gibt es heutzutage Shampoo und Duschgel, in besseren sind das sogar zwei verschiedene Flüssigkeiten, in noch gehobeneren solche von Rituals oder vergleichbar wertigen Marken. Man kann meiner Erfahrung nach bei 90 Prozent der Übernachtungen darauf vertrauen, in der Duschkabine einen entsprechenden Spender vorzufinden – und könnte sich demnach sparen, eigene Reinigungsprodukte mit auf Reisen zu nehmen. Aber was, wenn Duschbad und Shampoo fehlen? Um mir diesen Gedanken nie machen zu müssen, stecke ich immer beides ein, außer wenn ich eine Unterkunft gebucht habe, von der ich weiß, dass ich dort Haar- und Körperwaschmittel vorfinden werde.

Problem: Flaschen laufen aus. Und wer jetzt einwendet: "Ach komm!", dem entgegne ich: "Isso!" Mag sein, dass neu gekaufte, ungeöffnete Shampoo- und Duschgelflaschen einigermaßen dicht sind, aber sobald sie einmal benutzt und also angebrochen sind, neigen sie dazu, Flüssigkeit zu verlieren: klebrige (aber immerhin angenehm riechende) Masse, die sich in der Waschtasche verteilt. Vor Jahren habe ich mir angewöhnt, die Behältnisse in einen gut verknoteten Müllbeutel zu packen, aber das kann ja auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, zumal einige Duschgels in Tuben mit Kanten daherkommen, die scharf genug sind, um in die Tüte Löcher zu reißen, durch welche der Inhalt dann austritt. Ein Artikel auf merkur.de empfiehlt Frischhaltebeutel; die taugen wahrscheinlich wirklich ein bisschen mehr. Und: "Wer mag, kann die Fläschchen auch noch mit Frischhaltefolie abdecken." Zudem wird dort ein "Lifehack mit Luftballons" vorgestellt: "Man entnimmt die einzelnen Luftballons der Packung und schneidet sie jeweils in zwei ungleich große Teile. Den größeren Teil kann man so über den Verschluss der angebrochenen Shampooflasche stülpen, dass die Flüssigkeit nicht im Waschbeutel [...] auslaufen kann. Das Ganze lässt sich auch auf andere Behältnisse anwenden. Wichtig ist aber, dass der Luftballon Deckel und Flasche fest zusammenhält." Mit solchem Quatsch fange ich gar nicht erst an. Ich müsste mir zuerst Luftballons besorgen – Mülleimertüten hat man eh standardmäßig im Haus. Eine Alternative würden möglicherweise Reiseflaschen darstellen, nur sind diese in der Regel zu klein, mit maximal 100 ml Fassungsvermögen (um im Handgepäck auf Flügen erlaubt zu sein), und somit für längere Urlaube ungünstig. Sicherlich existieren auch größere Reiseflaschen, doch die nähmen wiederum zu Hause Platz weg, wenn man nicht damit unterwegs ist.

Daher mein Aufruf an die Kosmetikindustrie: Macht Shampoo- und Duschbadflaschen auslaufsicher! Vielleicht mal in Richtung Schraubverschluss denken? Meine Trinkflasche von Hydro Flask kann im Rucksack auf dem Kopf stehen oder wild hin und her rutschen, ohne dass ein einziger Tropfen austritt!

Freitag, 23. Januar 2026

Betr.: Co-Produktionen, Zug-Workout, News-Detox, Let's Play

Diese Woche ist die neue Cinema erschienen, und es wurden wieder einige Filme vorgestellt, an deren Produktion jeweils mehr als fünf Länder beteiligt waren, namentlich "Once Upon a Time in Gaza" (F/PS/D/P/Q/JOR), "Zwei Staatsanwälte" (F/D/NL/LV/RO/LT) und "Die Stimme von Hind Rajab" (TN/F/USA/UK/I/SA/CY). Den von "To a Land Unknown" aufgestellten Rekord (?) haben die drei Filme damit zwar nicht gebrochen, beachtlich sind diese Zahlen trotzdem. "CY" steht übrigens für Zypern.

-----

Regionalexpress Würzburg-Frankfurt. Eine etwa Mitte 60-jährige Frau mit Funktionskleidung und frecher Kurzhaarfrisur steigt zu und nimmt Platz. Nach einer Weile erhebt sie sich, läuft den Gang hinab, bleibt zwischen zwei Doppelsitzen stehen (auf einem dieser Sitze: ich), greift die Griffe an den Lehnen rechts und links von ihr und beginnt, gymnastische Übungen zu machen. Vor und zurück streckt sie sich, lässt sich halb fallen und macht Bewegungen wie an einem Barren, wobei die Füße auf dem Boden bleiben. Mich macht das leicht nervös, aber weil ich unkonfrontativ bin, begebe ich mich in den zen-buddhistischen Zustand des dhyāna und sage eben NICHT: "Oh jaaa, das ist sehr wichtig und gesund, was Sie hier tun, und überhaupt nicht absonderlich und irritierend! Sie haben schließlich gerade zehn Minuten am Stück gesessen, und so eine Zugfahrt ist ja wie ein Langstreckenflug, da drohen verkrampfte Muskeln und eingeschlafene Füße, wenn nicht gar Thrombose und Dekubitus."
Tja, wahrscheinlich hat diese Reisende tatsächlich alles richtig gemacht. Jetzt fühle ich mich schlecht, weil ich über sie, wenn auch nur insgeheim, gespottet habe.

-----

Was ich in meiner heutigen Titanic-Newsletter-Kolumne (die ihr bestimmt alle lest, *hüstel*) verkündet habe, ist wahr: Ich habe mir für 2026 vorgenommen, einen Bogen um "Welt online" zu machen, und seit dem 1.1. bin ich auch wirklich kein einziges Mal dort vorbeigesurft. Mir fällt diese selektive Medienabstinenz äußerst leicht, doch meinem Unterbewusstsein offenbar nicht. Heute habe ich nämlich im Traum welt.de aufgerufen, und in dem Moment, wo ich die ersten, gewohnt behämmerten Überschriften las, dachte ich: 'Waaah, mein schöner Vorsatz, bereits im Januar habe ich ihn gebrochen!'

-----

Das interessiert jetzt sicherlich kein Schwein, aber ich halte es fest, weil ich mich so darüber freue. Mein Lieblings-Youtuber raocow let's-playt zurzeit "Bramble" – auf meinen Wunsch hin! Kurz nachdem ich mich im Dezember erstmals am virtuellen Adventskalender mit einem Geschenk beteiligt hatte (ich bin "Earthquake Joe"), wurde mir dafür gedankt: von Gevatter Zufall. Denn im kurz darauf veröffentlichten "Patreon Wheel", bei dem u.a. Unterstützer ausgelost werden, die ein zu spielendes Game vorschlagen dürfen, blieb das Glücksrad auf meinem Namen stehen. Neben "Bramble" hatte ich als Alternativen noch "Lake" sowie das in meiner Amiga-Kindheit heiß geliebte "PP Hammer" angegeben (man darf drei Titel einreichen, von welchen raocow dann einen auswählt); die hätten gewiss auch witzige(re) Let's Plays ergeben.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Wort des Tages

Höhlenpopcorn: Knötchen an Skeletten und Schädeln, "korallenartige Speläotheme, kalkige Mineralablagerungen" (Spektrum der Wissenschaft). Die Knötchen, um die es in dem Artikel, in welchem ich diesen scheußlichen Terminus lesen musste, geht, fanden sich an den (Schädel-)Knochen eines vor ca. 130.000 bis 172.000 verstorbenen Neandertalers. Die Überreste, entdeckt 1993 in einer Karsthöhle in Süditalien, "stellen vermutlich die am vollständigsten erhaltenen" eines Neandertalers dar und ermöglichten die Untersuchung der "bislang einzige[n] überlieferte[n] Nasenanatomie" dieser Menschenform. Bislang hatte man vermutet, "dass eine spezielle Anatomie der oberen Atemwege die Gesichtsform der Neandertaler bedingte, vor allem die hervorspringende Gesichtsmitte". Dadurch seien sie an die damalige Kälte besonders gut angepasst gewesen. Nach der eingehenden Analyse des Atemwegssystems des sog. Altamura-Manns spricht nun allerdings einiges dafür, dass der Homo neanderthalensis uns in dieser Hinsicht doch recht ähnlich war.

Sonntag, 18. Januar 2026

Mythos Arbeit

Geständnis: In manchen Bereichen des Lebens habe ich alarmierend wenig Ahnung. Durch besondere Unkenntnis und, falls das ein Wort ist, Unerwachsenheit zeichne ich mich aus, wenn es ums Geldverdienen geht. Sagt mir etwa jemand (warum auch immer), er oder sie verdiene "65.000 Euro im Jahr", weiß ich nicht, was ich mit dieser Information anfangen soll. Ist das viel oder wenig? Brutto oder netto? Ist die Person Freiberufler/in? Gehen da mithin Kranken- und sonstige Versicherungsbeiträge von ab? Es kommt ja, wie so oft, drauf an. Meiner Ignoranz zuträglich ist, dass man mich mit hohen Einkünften oder sonstigem Statusausweis überhaupt nicht beeindrucken kann.

Der neueste Focus hat mir endlich ein wenig Aufklärung verschafft. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt beträgt demnach in Deutschland 51.272 Euro, wobei sich immer noch ein empörender Gender-Gap auftut (Männer: 53.856 €, Frauen: 47.028 €). Vom Ost-West-Gefälle abgesehen, zeigen sich zudem Unterschiede, betrachtet man die Gehaltskarte nach Bundesländern aufgeschlüsselt: Hessen liegt mit 55.000 € vorn, ganz hinten rangiert mit 43.000 € Mecklenburg-Vorpommern, welches aber immerhin die größte positive Veränderung zum Vorjahr aufweisen kann (8,8 % Zuwachs).

Welche Branche hat die bemerkenswerteste Gehaltsentwicklung? Man kann sich's denken: Dank Schönheitswahn, Looksmaxxing, Longevity und sonstigen nicht nur von Social Media forcierten Bizarro-Trends (der Spiegel informiert diese Woche über das "Forever-35 Face") gab es im Bereich Sport/Beauty 2025 den markantesten Gehaltsanstieg, nämlich 10 Prozent. Der Wunschtraum der heutigen Jugend – Influencer werden – kommt nicht von ungefähr. Wie sieht es mit anderen Berufen konkret aus? Auch dazu hat der Focus aktuelle Statistiken. Mit einem Bruttojahresgehalt von 97.462 Euro sind – noch vor Piloten, Ärzten und Professoren – die Wirtschaftsprüfer Spitzenreiter. Außerdem in den Top-10: Program-Manager, Rechtsbeistand und Service-Delivery-Manager, drei Berufe, unter denen ich mir nichts vorstellen kann. Da "Anwalt" als eigener Punkt aufgeführt ist (Platz 9), muss es sich beim "Rechtsbeistand" um etwas Separates handeln, aber gewiss etwas anderes als die in § 149 StPO erfassten natürlichen Personen. Und ist ein "Softwarearchitekt" (Platz 6) dasselbe wie ein Programmierer? "Besonders schlecht bezahlt" sind u.a. Schulbegleiter, Friseure, Floristen, Küchenhilfen und Reinigungskräfte. Beruhigend ist es, dass nur 17 Prozent aller Deutschen den Wohlstand im Lande für "eher gerecht verteilt" halten ("eher ungerecht": 69 %, im Gehaltsschlusslicht Meck-Pomm gar 90,3 %), wie man einem anderen datensatten Artikel im selben Heft entnehmen kann ("Wie geht es Deutschland?").

Freitag, 16. Januar 2026

Ohne, Sorgen.

Auf "Legal Tribune Online" las ich kürzlich den spaßigen Artikel "Wie ein fehlendes Komma das Recht veränderte" von Martin Rath, dessen Texte eh meistens erhellend sind. Dieser Beitrag nun, an dem mich lediglich störte, dass statt "Komma" ständig das dumme Synonym "Beistrich" gebraucht wird, streift die Beantwortung einer Frage, die ich mir noch nie gestellt hatte, ich mir aber hätte stellen müssen, als ich vor einigen Jahren das berühmteste Wahrzeichen Potsdams besichtigte: Warum steht am Schloss Sanssouci, genauer: an dessen Mittelrisalit, der Schriftzug

SANS, SOUCI.

? Mit Komma und Punkt. Der LTO-Artikel verweist auf die zurzeit vergriffene Monographie "Das Komma von SANS, SOUCI. Ein Forschungsbericht mit Fußnoten". In diesem behauptet der "sehr gewitzte Historiker H. D. Kittsteiner (1942–2008)", wohl eher augenzwinkernd und wissenschaftsparodistisch, die Lösung in einem "Lehrbuch der Geheimschreibekunst (Chiffrir- und Dechiffrirkunst) in Staats- und Privatgeschäften" von 1809 gefunden zu haben. Darin vorgestellt wird nämlich u.a. die "Geheime Polizeischrift", die als frühe und zugleich stärker formalisierte Version der verschlüsselten Patientenbeleidigungen in der Arzt-Arzt-Kommunikation ("Patient hat C2-Problem" für "... ist alkoholkrank" [C2 = C2H5OH]) oder auch der Geheimcodes in Arbeitszeugnissen ("... hat durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen" = "... hat ein C2-Problem") verstanden werden kann. Über die Farbe des Papiers zum Beispiel wurde die Herkunft der polizeilich behandelten Person vermittelt ("blaues Papier: Franzose, rotes: Spanier, grünes: Holländer, blau und rot: Kölner"). Und jetzt kommt's:

Satzzeichen sollten nach dem Namen gesetzt werden, um die Religion der Person zu markieren: "1) Katholik oder Grieche, Kolon; 2) Augsburgischer Confession verwandt (lutherisch), Semikolon; 3) Reformiert, Comma; 4) Jude, ein Strich (–); 5) Naturalist, ein Punct; 6) Atheist, kein Zeichen." – Unter einem "Naturalisten" war ein Deist zu verstehen.
Wende man diese Interpunktionschiffre auf "SANS, SOUCI." an, so Kittsteiner, erhalte man die Aussage "Ohne den Calvinisten sorgenfrei als Deist" oder auch "Ohne Fatalismus lebt man sorgenfrei als Deist" (zit. n. Wikipedia). Friedrich II., unter dem Sanssouci erbaut wurde, habe damit unbemerkt und doch unübersehbar seinen verhassten Vater kritisieren wollen. Ob dem so war, wird sich wohl nie zweifelsfrei beweisen lassen. Hatte der Alte Fritz überhaupt Kenntnis von der Geheimen Polizeischrift? Reizvoll ist die Interpretation allemal.

Donnerstag, 15. Januar 2026

WiKIpedia?

25 Jahre Wikipedia, dieses Jubiläum soll auch in diesem Blog, das zahlreiche Beiträge dank und über Wikipedia hervorgebracht hat, gewürdigt werden: *würdig, würdig* Das Verfassen eines Lobgedichts spare ich mir, denn meisterhafter als Kollege Miedl in der heutigen Taz würde ich das nicht hinbekommen.

Stattdessen sei einmal mehr auf eine Wikipedia-Seite verlinkt, und zwar diesmal nicht auf einen regulären Eintrag, sondern auf einen internen Leitfaden zum Erkennen von LLM-Versatzstücken: "Anzeichen für KI-generierte Inhalte". Das ist hochinteressant, zudem lehrreich, lässt sich das Ganze doch auch auf Texte außerhalb der Wikipedia anwenden. Hier geht es natürlich zusätzlich um technische Aspekte wie Markup/Markdown und Templates. Ich habe mir den Artikel (sowie sein sogar noch umfangreicheres englischsprachiges Äquivalent) soeben als PDF heruntergeladen und beabsichtige, ihn gelegentlich mit der aktuellen Version abzugleichen: Werden die Anzeichen für nicht-menschliches Schreiben zahlreicher werden? Und deutlicher? Oder im Gegenteil? Es sind aufregende Zeiten. Möge Wikipedia sie unbeschadet überstehen.

Dienstag, 13. Januar 2026

Just another Jahresstatistik

Jepp, es gibt noch eine nachzutragende personalisierte Zusammenfassung für 2025. Es kam vor zwei Tagen per E-Mail: das "Wrapped"-Äquivalent von, haha!, Payback. Um der Transparenz willen teile ich auch diese Konsumverhaltensauswertung liebend gern.




Ohne die genauen Zahlen zu kennen: Da ging früher aber mehr. Jaaa, früher, als man noch bei Rewe Punkte sammeln konnte ... Als letzter Wert wurde mir noch mitgeteilt, dass ich null mal mit Payback bezahlt habe. Ich weiß nicht mal, wie das geht.

Sonntag, 11. Januar 2026

Fotos, Ausrisse, Screenshots, launig kommentiert

Dialektik im Bücherschrank
-----
Die Qual der Wahl
-----
So was sieht man auch nicht mehr im öffentlichen Raum.
-----
Diese Perverslinge!
-----
Diesen Schnapper habe ich leider verpasst.
-----

Körperwelten-Ripoffs im Jahr 2025 sind objektiv camp.
-----

Zum Glück haben sie für ihr Logo kein großes i verwendet.
-----

Ehrlich gesagt koordiniere ich null meiner Arme mit Saugnäpfen.
-----

Ich fänd's lustig, wenn dieser Preis aus Eisen bestünde.
-----

Als Ossi denke ich bei "Neubauten" immer noch zuerst an Plattenbauten und dass die ja eigentlich die letzten bezahlbaren Wohneinheiten sind.
-----
Wer hat dir denn in den

-----
"Alter-Falter-Straße" hätte ich schöner gefunden.
-----

Hiroshima ist vergeben.
-----

Im Epstein-Express
-----
Has science gone too far?
-----

Und dann hatte ich in der Galerie meines Telefons noch dieses Foto von einem Zeitumstellungsexperten, der aussieht wie eine Kreuzung aus Gordon Ramsay und Stefan Effenberg.

Freitag, 9. Januar 2026

Good niues, everyone!

Ein historischer Tag für Fans diplomatischer Entwicklungen: Als erst zweites Land nach den USA hat die Bundesrepublik Deutschland gestern den in freier Assoziierung mit Neuseeland stehenden Inselstaat Niue anerkannt. Glückwunsch! Natürlich konnte ich den südpazifischen Vulkanfelsen, auf dem weniger Menschen leben als in Königstein-Falkenstein, geographisch grob einordnen, mein Wissen über das paradiesisch anmutende Eiland war jedoch lückenhaft. Ich verschaffte mir zusätzliche Informationen bei, na klar, Wikipedia. Behaltenswert erscheinen mir die folgenden:

- Hauptstadt ist Alofi.
- Früher nannte man Niuë (Trema optional) wohl auch "Savage Island".
- "Da Niue unmittelbar östlich der Datumsgrenze liegt, ist es einer der wenigen Orte der Erde, an denen man stets nur die Nachrichten 'von morgen' sehen kann."
- Das Land ist numismatisch reizvoll: "Seit einiger Zeit gibt die Regierung von Niue Sammler- und Anlagemünzen heraus. [...] Die Motive reichen von Tennisspielern bis zu Figuren aus Disney-Comics und den Science-Fiction-Serien Doctor Who und Star Wars."
- Das (neben Englisch) als Amtssprache dienende Niueanisch ist eng mit dem Tongaischen verwandt, was mich freilich auch nicht weiterbringt, da ich mich mit polynesischen Sprachen leider nicht auskenne.
- "Da 'nu' auf Französisch 'nackt' bedeutet, wird die Domain [.nu] auch gern für französischsprachige 'Erotikseiten' benutzt."

Mittwoch, 7. Januar 2026

Fragen, die ich mir selbst stelle

Neulich las ich eine Rezension des Films "To a Land Unknown" (D/DK/F/GR/NL/PS/QA/SA/UK 2024). Man beachte die Klammer: Es handelt sich um eine deutsch-dänisch-französisch-griechisch-niederländisch-palästinensisch-katarisch-saudi-arabisch-britische Co-Produktion! Da fragte ich mich, ob hier mit neun Ländern ein Rekord vorliegt oder ob es schon mal eine Produktion gab, an der noch mehr Nationen mitgewirkt haben.

Leider hilft mir das Internet nicht weiter. Zwar stößt man leicht auf den im Guinness-Buch als "Film mit den meisten Regisseuren" geführten "The Owner" von 2012, zu welchem 25 Filmschaffende aus 13 Ländern Szenen beigesteuert haben (da fällt mir ein: Ich möchte mal "Paris, je t'aime" sehen), aber das Ergebnis bzw. die Zusammenführung dieser Kollaboration wurde, soweit ich erkennen kann, nicht von Unternehmen oder Gesellschaften aus 13 Ländern produziert und finanziert. Wenn jemand ein Beispiel für eine tatsächliche Co-Produktion mit zehn oder mehr beteiligten Ländern findet: Bitte melde dich!

Montag, 5. Januar 2026

Winterliche Hülsenpower

Draußen hat's Minusgrade, weite Teile des Landes sind von Schnee bedeckt. Was passt da besser auf den Tisch als eine kräftigende, heiße Gemüsesuppe? Gestern habe ich eine Erbsensuppe zubereitet. Das Rezept dazu stammt von der FAS-Kochkolumnistin Katrin Hummel und geht so:

750 ml Gemüsebrühe anrühren. In einem Teil davon (etwa einem Drittel; später kann peu à peu nachgegossen werden) werden 450 g Tiefkühl-Erbsen erhitzt. Sobald sie kochen, kommen in den Topf 1 Bund Suppengrün (in kleinen Stücken) sowie eine große oder 2-3 kleine Kartoffeln, roh zerrieben. Ist das Gemüse weich genug, wird es mit dem Pürierstab püriert; dabei ggf. den Rest der Gemüsebrühe hinzugeben. Zum Schluss 250 ml Sahne oder eine Alternative (ich habe "Rama Cremefine zum Kochen" verwendet) in die Suppe gießen, ein letztes Mal verrühren, ordentlich mit Pfeffer und Salz abschmecken.


Währenddessen oder vorher bereitet man Croûtons zu. Dazu 2 Scheiben Toastbrot, gewürfelt, mit reichlich Butter und einer gepressten oder zerdrückten Knoblauchzehe in einer Pfanne knusprig braten. Über die Suppe streuen, munden lassen. Macht drei bis vier Personen satt (und glücklich).

Sonntag, 4. Januar 2026

Nachgereicht: #Mapped2025

Schon gewusst? Auch die Wander-App Komoot schnürt ihren Usern neuerdings eine persönliche Jahresstatistik zusammen: "Mapped" (angelehnt an Spotifys "Wrapped") heißt diese Bewegungsauswertung, die bei mir folgende Daten zeitigte:


349 Kilometer in fünf Ländern, das ist sicherlich beachtlich, wenn auch nicht ganz korrekt. Einige Wanderungen, vor allem aber (kürzere wie längere) Spaziergänge habe ich nicht aufgezeichnet; wer weiß, was da noch alles an Kilometern hinzugekommen wäre! Weswegen freilich auch die Höhenmeterzahl nach oben zu korrigieren wäre:


Gerade seit meinem Umzug in die Berge läppert sich diesbezüglich gewiss so einiges. (Meine Partnerin erreichte gar über 10.000 Meter, was 1,2 mal dem Mount Everest entspricht.) Nichtsdestotrotz darf ich mir diesen Orden an die Brust heften:


Vorsatz für 2026: Noch öfter, im Idealfall bei jedem Auslauf, der über "Besorgungen machen" hinausgeht, Komoot benutzen. Und weiter dem Wandern frönen.

Auch hier ist, um im Bild zu bleiben, noch Luft nach oben.

Freitag, 2. Januar 2026

Serientagebuch 12/25

01.12. South Park 28.04
Sneaky Pete 3.01
02.12. Family Guy "23.20"
03.12. The Chair Company 1.08
04.12. Sneaky Pete 3.02
05.12. The Simpsons 37.08
06.12.
The Simpsons 37.09
The Paper 1.07
07.12. Sneaky Pete 3.03
09.12. Der junge Inspektor Morse 6.01
10.12. The Simpsons 37.10
11.12. South Park 28.05
Sneaky Pete 3.04
16.12. The Paper 1.08
17.12.
Der junge Inspektor Morse 6.02
18.12. Sneaky Pete 3.05
20.12. The Simpsons 37.11
Lost 2.14 (RW)
Lost 2.15 (RW)
23.12. Sneaky Pete 3.06
26.12. Boss 2.01
28.12. Boss 2.02
29.12.
Der junge Inspektor Morse 6.03
31.12. Sneaky Pete 3.07

Tim Robinson und Zach Kanin, die mir mit "I Think You Should Leave" die Hoffnung zurückgegeben haben, dass Sketch-Comedy doch nicht tot ist, legen mit The Chair Company eine, nun ja, Verschwörungs-Serie vor, die zum einen mit einer durchaus mitreißenden Mystery-Story um einen dubiosen Stuhlhersteller aufwartet, zum anderen mit einem Humor besticht, der seinesgleichen sucht – und gewiss nicht jedermanns Sache ist. Die Welt von "The Chair Company" ist eine bizarre; sie unterscheidet sich von der wirklichen in Nuancen, alles ist slightly off, jeder Charakter ist auf die eine oder andere Art verschroben, in allen zwischenmenschlichen Dynamiken knarzt es, immer wieder fallen Sätze oder werden Gedanken geäußert, die einen befremden. Wenn etwa bei der Pressekonferent zum Bau einer Mall gefragt wird, ob "there will be football", dies verneint wird und das eine Welle der Empörung hervorruft und einen erwachsenen Mann zu öffentlichem Tränenvergießen bringt, dann schwanke ich zwischen Lachkrämpfen und Verblüffung. Und diesen "What the – hahaha! – hell?!"-Effekt, der sich bei mir mindestens einmal pro Folge eingestellt hat ("Wazey Waynes"! Der Detektivhut! Der Schokoladen-King-Kong!), kann derzeit keine andere Serie bieten.
Staffel 2 ist bereits bestellt. Danke, HBO!

Der Sinn hinter dem Aufspalten der letzten zehn South Park-Episoden in zwei kurz hintereinander folgende Staffeln erschließt sich mir immer noch nicht, aber Season 28 bringt den Story-Arc um D. Trump, Satan, Peter Thiel, Jesus & Co. zu einem würdigen, nämlich die aufs Korn genommenen Drecksäcke entwürdigenden Abschluss. Schön, dass "South Park" neben dem Verhandeln der aktuellen US-Politik auch Zeit gefunden hat, andere relevante Trends satirisch in den Fokus zu rücken: Saudi-Arabien, Revenge Porn, Meme-Coins ... Und am Ende gab es mit den "Woodland Critters" das unerwartetste In-universe-Wiedersehen.