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Dienstag, 18. August 2026

Ja, ist denn heut' schon Erntedankfest?

Buko hat mit der Sorte "India" eine meiner liebsten Frischkäsesorten im Portfolio. Als ich die hier im Supermarkt sah, konnte ich nicht anders als sie mitzunehmen ...


... obwohl ich den Hype um Pumpkin Spice Latte und davon abgeleitete herbstliche Genüsse nie verstanden habe; ich könnte nicht mal sagen, ob ich jemals in einem Café einen P.S.L. geordert habe. Dieser Aufstrich jedenfalls wird mir als einer der albernsten meiner Konsumentenbiographie in Erinnerung bleiben. Das ist, als ob man sich Lebkuchen aufs Brot schmieren würde! Dazu passt denn auch der irrwitzige Serviervorschlag: Ein halber Becher Frischkäse als Muffin-Topping, why not? Er ist schließlich in der Tat vordergründig nicht herzhaft. Die Arla-Produktseite zu dieser Limited Edition (die, das muss betont werden, Anfang August gelauncht wurde!) preist sie entsprechend an: "Als süßer Aufstrich oder zum Verfeinern herbstlicher Backideen wie Pumpkin Spice Muffins, Zimtschnecken und cremiger Desserts - Arla Buko® Pumpkin Spice sorgt für herbstlichen Genuss mit Wohlfühlfaktor." Drin ist dies: Frischkäse, 10 % Kürbiszubereitung (Zucker, 3,5 % Kürbis, Wasser, Tapiokastärke, Gewürze, Zitronensaftkonzentrat), Speisesalz. Happy Halloween!

Sonntag, 18. August 2024

Handzettel, durchdigitalisiert

Das Papierreklamesterben geht weiter. Als vorerst letzter in einer immer länger werdenden Reihe von Händlern ist nun der Discounter Aldi Süd dabei, seinen gedruckten Werbeprospekt abzuschaffen. "In einer Testphase sollen ab dem 19. August in einigen Regionen Deutschlands vorerst keine Handzettel mehr verschickt werden", weiß "Focus online". An meine Adresse war ja schon ewig keine Aldi-Werbung mehr versandt worden, bevor die wöchentliche Werbeversorgung schließlich komplett abbrach.

Der physische Aldi-Prospekt von vergangener Woche wurde mir jedoch zugespielt, und darin stieß ich auf etwas Ungeheuerliches:


Ein Rezept für ein aus Sonderangeboten zuzubereitendes Gericht wird mit einem KI-Bild illustriert! In meinen Augen ist das nicht nur eine Sparmaßnahme, sondern der schleichende Tod eines kulturellen Guts. Werden bald auch Lebensmittelverpackungen mit computergenerierten "Fotos" versehen werden? Serviervorschläge klassischer Prägung mögen abwegig, unpassend, ja bisweilen irreführend, vor allem bizarr gewesen sein, aber immerhin steckten dahinter echte Menschen. O tempora ...

Sonntag, 26. Februar 2023

Bizarre Serviervorschläge (IX)


Man muss es für nachfolgende Generationen einfach mal festhalten: Ein belegtes Brötchen kostet in einer gewöhnlichen Bahnhofsbäckerei inzwischen bis zu 5,20 Euro. Gut möglich, dass die Preise nach dem Ende der Inflation wieder auf ein akzeptables Niveau zurückfallen (das müsste dann aber schon ein Sturz um 50 % sein!), gut möglich aber auch, dass Angehörigen der nachfolgenden Generationen angesichts einer Käseschrippe für NUR fünf Taler die Kinnladen herunterklappen, weil die Bahnhofspreise noch weitere Sprünge gemacht haben werden.
Wie dem auch sei: Ich mache seit letztem Jahr einen Bogen um Kamps, Crobag & Co., wenn ich eine Zugfahrt vor mir habe. Nur noch Selbstgemachtes packe ich in mein Jausensäckl, und lieber hungere ich, als dass ich den verbrecherischen Ketten auch nur eine müde Mark nachschmeiße. Wenn es wenigstens schmecken würde! Der Semmel-Brotscheiben-Hybrid, der auf obiger Mayo-Flasche abgebildet ist, sieht regelrecht verführerisch aus im Vergleich zu dem lieblosen Fraß an Deutschlands Bahnhöfen. Eins muss man jenen allerdings lassen: An Mayonnaise wird nicht gespart. Glatt das Doppelte würden sie auf eine solche Klappstulle spritzen!


Apropos Sparmaßnahmen: In Zeiten von Service-Einschnitten allenthalben haben in den vergangenen Jahren immer mehr Fluggesellschaften ihre Bordverpflegung auf ein Minimum reduziert, selbst auf Langstreckenflügen ist Schmalhans Cateringmeister. Vorausschauende Passagiere bringen ihre eigenen Mahlzeiten mit in die Maschine … soweit es erlaubt ist. Denn so naheliegend eine kräftigende und bekömmliche Gemüsebrühe als Flugreiseproviant sein mag – durch keine Sicherheitskontrolle der Welt wird man 18 Liter Flüssigkeit bringen. Sinnvoll ist da die Gemüse-"Brühe" von Maggi, ergibt diese doch dasselbe Volumen, aber eben nicht in verbotenem Aggregatzustand, sondern in fester und praktisch als Handgepäck (Körbchen!) zu transportierender Form. Wie aus einer Dose Instantpulver eine Riesenportion Suppengrün nebst Tomaten wird, bleibt das Geheimnis des Schweizer Unternehmens.


Die griechische Finanzkrise hat tiefe Wunden in das deutsch-griechische Verhältnis gerissen, die über zehn Jahre später immer noch nicht verheilt sind und deren Nachwirkungen sogar auf Kleinigkeiten wie Lebensmittelverpackungen sichtbar sind. Als subtilen Racheakt exportiert Griechenland nämlich nicht nur Feta (geschützte EU-Bezeichnung!) in das Land von Knuten-Schäuble und "Pleitegriechen"-Hetzmedien, sondern die dazugehörigen Serviervorschläge gleich mit. Und wer diese umsetzt, macht sich verlässlich zum Gespött: Grob zerbrochener Schafskäse, mit Rosmarinnadeln und ein paar Kalamata-Oliven lieblos auf einer Bitumenplane verteilt, weist einen jedenfalls nicht als Kenner/in hellenischer Kulinarik aus.


Und welche Olivensorte passt eigentlich am besten zu einem saftigen Ziegel Feta? Besteht ein Zusammenhang mit dem Zerbröselungsgrad?

Montag, 11. März 2019

Bizarre Serviervorschläge (VIII)


Ich habe nach "smallest coconut" gegoogelt und bin neben einigen verblüffenden Fotos auch auf eine in Chile heimische Frucht namens Coquito nut gestoßen. Diese vielfältig einsetzbare Miniatur-Kokosnuss hat tatsächlich ungefähr die Größe und das Aussehen der hier in Bruchstücken zu sehenden Beilage. Außerhalb Chiles sind Coquito-Nüsse offenbar lediglich über einen kalifornischen Onlinehandel namens Melissa's zu bekommen. Ein bisschen viel Aufwand, um eine mäßig exotische Hanuta-Spielart aufzutischen (oder soll ich sagen: aufzutafeln?).


Der riesige Holzlöffel ist uns schon das ein oder andere Mal begegnet. Hier soll er dazu dienen, eine üppige Menge Müsli in unser Maul zu befördern. Allein darüber, wie wir die dazugehörige Milch bzw. den Joghurt zu uns nehmen sollen, schweigt sich die Verpackung aus. Oder wird das "Land-Müsli Schoko Trio" ausschließlich zur Trockeneinnahme empfohlen?


Der heutige Kreativitätspokal geht an Rewes "Beste Wahl"-Linie. Ich bin ja der scheinbar unintuitiven Brotbelegung nicht abgeneigt, aber Mandarinenstückchen, Erbsen und Basilikumblätter mit Frisch- oder Hüttenkäse als Trägersubstanz auf Mehrkorn-Toastbrötchen – da wäre ich in tausend Jahren nicht drauf gekommen.

Sonntag, 19. Februar 2017

Das müssen wir noch rüben

In einem früheren Blogeintrag hatte ich notiert, dass mir insgesamt drei verschiedene Sorten Zuckerrübensirup bekannt seien: "Grafschafter Goldsaft", "Naschkätzchen" und "Über-Rübe". Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass mir in meinem Leben noch ein vierter begegnen würde. Doch genau dies geschah am gestrigen Tage.


Da es sich um ein ökologisch produziertes Lebensmittel handelt, musste ich etwas tiefer in die Tasche greifen als für seine Konkurrenz, doch seien wir ehrlich, ich würde vermutlich sogar 20 Euro hinlegen, um einen neuen Vertreter des herrlichen Brotaufstrichs Zuckerrübensirup verköstigen zu dürfen. Nun ja, der Preis für das 320-Gramm-Glas liegt immer noch weit unter 3,- Euro. Trotzdem habe ich mich beim heutigen Frühstück geärgert: Weder an "Naschkätzchen" noch an "Über-Rübe", geschweige denn an "Grafschafter Goldsaft" kommt das Produkt der Biozentrale heran. Die Konsistenz geht zwar in Ordnung, aber geschmacklich sticht eine deutliche Blutnote hervor. Das ist leider nix für mich. Immerhin der Serviervorschlag ist originell: Man soll den Sirup in ein Heferl gießen und eine unverarbeitete Zuckerrübe daneben legen.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Bizarre Serviervorschläge (VII)

Demjenigen, dem es gelingt, Schaum auf die Oberfläche dieses im Kühlregal erhältlichen Kaffeemischgetränks zu zaubern und diesen mit einem Muster zu versehen, hat sich mindestens drei internationale Barista-Awards verdient.

Bleiben wir bei unser aller Lieblingstrunk. Gemahlenem Kaffee sieht man seine Herkunft in der Regel nicht an, nicht einmal, wenn man mittels "reverse engineering" ganze Bohnen daraus macht. Darum: stets eine passende altmodische Landkarte auf die Vespertafel legen! 

"Na, noch jemand ein Schippchen Salz aufs Rührei?"

Da steht zwar nicht explizit "Serviervorschlag", aber die Idee ... Weinbeeren ... und ein Glas Rotwein ... überhaupt: Alkohol zum Frühstück! Ich bin entzückt.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Spread the word

Nachdem ich den Supermarkt Penny wegen Schlechtigkeit lange Zeit gemieden hatte, wagte ich im März d.J. mal wieder einen Einkauf ebendort. Und siehe, nicht nur findet man neuerdings mancherlei Ulkiges im Penny, sondern auch überraschend Leckeres. Zum Beispiel "Mein Fest Butterkeks Brotaufstrich".


Das Etikett hält, was es verspricht. "Cremig süß" und keksig schmeckt dieser Frühstücksspaß, den eine Versuchsperson, der ich ihn zum Kosten gab, zwar lediglich mit dem Urteil "Naja" bedachte, der aber kindliche Naschkatzen wie mich in höchstem Maße befriedigt. Extrapunkte gibt es für den kreativen Serviervorschlag:


Vergangene Woche war das Glas geleert, so dass ich dem Penny einen neuerlichen Besuch abstattete, um das Geschwisterprodukt "Kokos-Keks Brotaufstrich" zu erstehen. Testergebnis: nicht ganz so dolle, aber in Ordnung.

Sonntag, 4. Mai 2014

Die etwas anspruchsvollere Rezeptidee


(Die Packung, auf der dieser Rezept-Tipp aufgedruckt war, enthielt Drillinge. Ich hatte Bock auf Kartoffeln, was ungefähr einmal im Jahr vorkommt, und kaufte mir bei Rewe ebenjenes Produkt. Dessen Vorteil ist, dass die Kartoffeln schon geschält sind, sein Nachteil: Sie schmecken nicht besonders gut. Ich habe dann übrigens Mais und selbstgemachten Kräuterquark dazu gegessen.)

Sonntag, 10. November 2013

Bizarre Serviervorschläge (VI)

"Heute gibt's Kürbiseintopf mit ganzen Früchten." "Deine Mutter frisst Meloneneis mit ganzen Früchten!" So gehen zwei unheimlich ulkige Ulksprüche. Bei Konfitüren, Joghurts und Kuchen sind "ganze Früchte" ein schlagendes Kaufargument. Säfte bewirbt man höchstens mit "viel Fruchtfleisch", aber auch das mag nicht jeder. In der Regel kommen Fruchtsäfte als homogene Flüssigkeiten daher. Wer's dennoch stückig mag, für den hat die Firma Fruchtstern den idealen Serviervorschlag: ganze Johannisbeeren samt Grünzeug und Holz in den Johannisbeernektar tun.

In seinen ACE-Drink ganze Orangen zu tun, wäre indes albern. Selbstverständlich gibt man lediglich ein paar Orangenscheiben hinzu, wenn man das Powergetränk serviert. Ganze Karotten müssen aber sein!

Amuse-Gueule: auch so ein kulinarischer Terminus, der vor einem Jahrzehnt noch nicht in allen Gesellschaftsschichten bekannt war. Gerne werden diese "Gaumenbelustigungen" auf Löffeln dargereicht. Blitzrezept à la Lidl: eine Creme, die eigentlich als Dip oder Brotaufstrich gedacht ist, auf einen breiten Plastiklöffel schaufeln, mit Pfefferminzblättchen und Minipeperoni garnieren, schon kann die Dinnerparty steigen.

"Cabanossi sind schnittfeste Brühdauerwürste (Fleischwürste) aus geschrotetem, gepökeltem Schweine- und Rindfleisch in Brät, welche gewürzt, traditionell über Buchenholz geräuchert, gebrüht und anschließend nachgereift und luftgetrocknet werden. Cabanossi sind länglich, dünne, in der Regel entweder stückweise abgedrehte bzw. an den Enden abgebundene oder als „Meterwürste“ gefertigte Wursterzeugnisse, die außen dunkel braun-rot gefärbt sind. Sie weisen durch die Trocknung eine unregelmäßige „eingezogene“ Oberfläche auf. Im Schnittbild sind weiße Speckeinlagen sichtbar. Sie zeichnen sich durch einen kräftigen und würzigen Geschmack aus. Cabanossi gelten als traditionelle Jausenwürste." ... soweit die offizielle Kurzdarstellung des österreichischen Lebensmittelministeriums. Der Unterschied zu Cabanossis (mit -s) besteht darin, dass man letztere in großen Mengen durch die Luft schleudert. Erst dann beginnt der Fang-, Schnapp-, Greif-, Sammel- und Knabberspaß.

Dienstag, 12. März 2013

Bizarre Serviervorschläge (V)

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In dem Grimmschen Märchen vom "Süßen Brei" bedarf es lediglich zweier Worte, um endlos quellende Mengen köstlicher Pampe zu produzieren: "Töpfchen, koch!" Kaum einer weiß, dass man Aldi-Tiefkühlbrezeln mit dem Spruch "Brezn, back!" zur Größe einer Almhütte anwachsen lassen kann. Serviert werden die Backwaren stehend.

Deutsche Frühstücker kann man im Wesentlichen in zwei Gruppen teilen: die Süßfrühstücker und die Herzhaftfrühstücker. Erstere, zu denen ich mich zähle, bevorzugen als Brötchenaufstrich Marmelade, Honig, Nuss-Nougat-Creme oder Zuckerrübensirup (wovon mir drei Marken bekannt sind: Grafschafter Goldsaft, Naschkätzchen und Über-Rübe [dieses Produkt ist laut Wikipedia allerdings: "[...] kein reiner Zuckerrübensirup, es enthält diesen lediglich. Weitere Bestandteile sind unter anderem Kandisablaufsirup (Nebenprodukt aus der Kandisherstellung), weshalb das Produkt gemäß lebensmittelrechtlichen Vorgaben nicht als Zuckerrübensirup gekennzeichnet werden darf." Aber der Name! "Über-Rübe"!!!]), während die Herzhaftfrühstücker zu Wurst und Käse greifen. Welche Frühstücker in der Belegschaft der Firma 3-Ähren-Brot am stärksten repräsentiert sind? Nun, dass dort "Nichts sagt 'lecker Frühstück' wie Tintenfischringe mit Oliven und Salatgarnitur" der Leitgedanke zu sein scheint, spricht für eine bisher kaum beachtete dritte Gruppe: die der Extrem-Herzhaftfrühstücker.

Wiederkehrender Gag in alten Zeichentrickfilmen: Ein Gejagter (etwa der Roadrunner oder Jerry von "Tom und Jerry") malt mit einem Stift eine Tür an eine Wand oder Mauer, und siehe – die Tür beginnt zu existieren, sie wird real und kann geöffnet und als Fluchtweg genutzt werden. Ähnliches funktioniert auch mit Milchkannen. Man zeichne eine altmodische Henkelkanne irgendwohin, und schon hat man ein hübsches Gefäß, in das man wiederum Milch aus dem Tetrapak schütten kann. Kostenlos!

Dienstag, 25. September 2012

Bizarre Serviervorschläge (IV)

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Links zunächst ein Bild des Produkts an sich. Keine Sorge, ich habe nichts davon gegessen. Und hier der Deckel der Verpackung:

Man soll die Teewurst also aus ihrem Plastikschälchen kratzen, in einen Kunstdarm pressen und diesen gemäß der Packungsillustration beschriften. Klar.

Ein weiterer Vertreter des beliebten Serviervorschlag-Schemas "Bestandteil-Abbildung". Der Kunde bekommt nicht das Lebensmittel selbst zu sehen, sondern (ausgewählte) Zutaten desselben. Dass das gezeigte Bund Karotten den auf der Zutatenliste angegebenen 13% entspricht, darf allerdings bezweifelt werden.

Milcheingießen will gelernt sein. Ein typischer Anfängerfehler ist, das Getränk mit derartigem Karacho in das Glas zu schütten, dass ein Überschwappen unvermeidbar ist. Eine gute Idee also, den Gießvorgang an einen Ort zu verlagern, wo man hinterher nicht aufwischen muss. Jedes Frühstück im Freien zu verbringen stelle ich mir trotzdem auf Dauer nervig vor.

Sonntag, 2. September 2012

Bizarre Serviervorschläge (III)

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Dass man Wurst- wie Käseplatten hübsch garnieren und mit Beiwerk aus Mutter Naturs Schoß versieht, ist wenig spektakulär. Weintrauben oder Kirschtomaten reichen hier jedoch nicht. Stattdessen soll man – unabhängig von der Jahreszeit – nicht nur Heidel-, Brom- und rote Johannisbeeren, sondern auch noch Cranberries besorgen (kaufen? sammeln? einfliegen lassen?), um ein paar Gänsebrustscheiben optisch aufzuwerten. Und sind das da rechts hinten auch noch Aprikosen? Come oooooon!

"Wir empfehlen die klassische Einnahme mit Hilfe eines Kompottlöffels. Sollte jener Löffel allerdings groß genug sein, und der Apfelstrudel-Joghurt ist Ihnen zu wenig apfelstrudelig, warum legen Sie dann nicht noch ein Stück Apfelstrudel obendrauf? Und einen Apfel? Und wenn dann noch Platz ist: drei Zimtstangen, für die subtile Zimtnote. Muuuuund auf!"

Selbst simple Käsestullen können mit dem passenden Drumherum zu einem echten Hingucker werden. Hier ist es nicht nur der neckisch niedergelegte Knoblauch (Nichts sagt mehr "gesunde italienische Kräuterküche" als ganze Knoblauchzehen!), der das Auge mitessen lässt. Profis besorgen sich eine Ziege und lassen diese hinter dem Brotteller hervorgucken, mit einem Blick, der sagt: "Das habt ihr also aus dem Zeug gemacht, mit dem ich meinen Nachwuchs nähren wollte, mäh!"

"Kann ich jetzt die Augen aufmachen?"
"Ja, Schatz! Überraschung!"
"Was zur Hölle?!"
"Ich habe Frühstück gemacht!"
"Häh? Was soll das denn sein?"
"Aber das hast du dir doch schon immer gewünscht. Ich habe dir frische Eier ans Bett gebracht!" 
"Bist du bescheuert? Soll ich das essen oder was?" 
"Ja klar, Schatzi! Das sind sogar Bio-Eier!" 
"Aber die sind doch roh, um Himmels willen! Eins ist halbiert, und da glibbert das Eiweiß raus." 
"Ich hab' sie genau so zubereitet, wie es auf der Packung vorgeschlagen wird. Schau doch: 'Serviervorschlag' steht hier!" 
"Sind da noch Federn dran?" 
"Na ..." 
"Oh mein Gott, das sind Federn. Okay, das reicht. Es ist aus. Aus. Tschüss!" 
"..."

Mittwoch, 29. August 2012

Huckleberry FinnCrisp und die Hexe

FinnCrisp esse ich gerne. Ich habe sogar einmal eine StudiVZ-Gruppe (kennt das noch wer?) zu FinnCrisp gegründet. Heute habe ich mir die Packung des Kultknäckebrotes einmal genauer angesehen. Ich bilde mir ein, dass sich das Design irgendwann in den letzten Jahren geändert hat, kann mich aber auch irren. Ansprechend ist es allemal.

Wenn man nach "FinnCrisp" + "Packung" googelt, findet man allerdings auch Unerfreuliches:
"Mehrere unserer Leser waren richtig enttäuscht, als sie für eine herzhafte Pause das Knäckebrot Finn Crisp Multigrain auspackten. In der Packung waren nicht wie früher 200 Gramm, sondern nur noch 175. Der Preis von 1,20 Euro und die Verpackungsgröße aber waren gleich geblieben", monierte die Stiftung Warentest 2010. Ich will nicht meckern, denn ich finde, man bekommt immer noch viel geboten für das Geld.

 
Wirft man einen Blick auf die Packungsrückseite, sieht man Serviervorschläge, die gar nicht so abwegig sind, wie man es ansonsten gewohnt ist, wobei mir unklar ist, wie man die nicht eben weichen Scheiben rollen soll (2. Bild v.l.). Stutzig macht einen auch der unter dem Logo angebrachte Slogan: "Bursting with Goodness" heißt er auf Englisch, so ähnlich auch auf Schwedisch. Der deutsche Spruch hingegen lautet nicht "Berstend vor Gutheit", sondern "Natürlich genießen". Schwamm drüber.

Beim Nachdenken über das Thema Knusprigkeit ist mir einer der bizarrsten Reime der deutschen Sprache eingefallen: "Knusper, knusper, Knäuschen, wer knabbert an mei'm Häuschen?" Das fragt die Hexe die beiden Kinder Hänsel und Gretel in dem Märchen "Hänsel und Gretel". Knäuschen - das haben die Grimms doch nur erfunden, damit man etwas hat, das sich auf "Häuschen" reimt. ... hab' ich gedacht! Im Grimmschen Wörterbuch findet man aber des Rätsels Lösung, i.e. die Bedeutung von Knaus, dessen Verkleinerungsform Knäuschen offensichtlich ist:

m. ein alem. wort, das weitere s. unter knaust.
1) schwäb. knopfichter ansatz am brotlaibe, da wo er angeschnitten wird, der anschnitt. Schmid 319, Schm. 2, 376, schon bei Frischlin nom. c. 127 pusula, knausz (am brote). dem. knäusle, s. Meier kinderr. s. 25. 78. ebenso vielleicht in einem hessischen märchen kneischen (: häuschen) kinderm. nr. 15 (s. u. knupern).

Knaus ist also nur eines der ca. 10 Millionen deutschen Wörter für den Brotkanten (in meiner Herkunftsgegend sagt man "Ränftel"). Insofern ist der Hexenreim einigermaßen sinnvoll, auch wenn die eigenwillige Behausung aus Pfefferkuchen besteht und nicht aus Brot. Geschweige denn aus FinnCrisp. Und jetzt lasst uns alle diskutieren, wie ihr das Randstück vom Brotlaib nennt!

Samstag, 4. August 2012

Bizarre Serviervorschläge (II)

(Wie immer: zur Großansicht der Bilder auf diese klicken)

Ich wusste nicht, dass die Stammzellenforschung schon so weit fortgeschritten ist, dass man aus Haselnussmehl ganze Haselnüsse herstellen kann - und das in der eigenen Küche. Nur: warum sollte man das tun, wenn es doch in jedem Markt vollständige Nüsse zu kaufen gibt?

Apropos Nüsse: Wenn man schon einmal so etwas Exotisches wie Kokosnussmilch trinkt, dann sollte man es auch angemessen servieren. Hervorragend eignen sich dazu Kokosnusshälften. Man muss in diesem Fall nur eine Kokosnuss halbieren und die darin enthaltene Kokosmilch wegschütten, damit Platz ist für die gute Dosenkokosmilch.

So machen es die Schweizer nämlich schon seit Urzeiten: Das Müsli wird in ein großes Saftglas gegeben und zu max. zwei Dritteln mit Milch übergossen. Man achte ferner darauf, dass die einzelnen Zutaten neckisch hinter dem Glas hervorlugen.

Man kann es sich lebhaft vorstellen: Die Müslipackungsdesigner sitzen an einem Tisch und beraten sich über die Endfassung. 
"Das Produkt ist ja schon sehr gut wiedergegeben, auch der Schokosplitter ist ganz nett. Aber irgendwie sieht alles etwas monoton, langweilig aus."
"Und wenn wir noch etwas Obst hinzufügen? Obst steht für ein gesundes Frühstück, das lieben die Leute!"
"Nicht schlecht. Woran haben Sie gedacht? Einen Apfel? Kirschen? Erdbeeren?"
"Nein, das ist zu abgefahren. Wer isst schon Kirschen zum Frühstück? Wir brauchen Mainstream-Früchte, mit denen sich jeder identifizieren kann. Etwas, das man gerne in sein Schokoknuspermüsli tut."
"So etwas wie ... Physalis?"
"Ja, genau! Kapstachelbeeren. Brillant!"
"Dann ist es entschieden. Frollein Meyer, machen Sie das Bild druckfertig!"
"Ich? Aber ich bin doch nur Ihre Sekretärin. Ich wollte Ihnen gerade etwas Kaffeegebäck bringen ..."
"Ach ja? Und wo sind die Granatäpfel?"

Sonntag, 1. Juli 2012

Bizarre Serviervorschläge (I)

Seit einiger Zeit fotografiere ich Lebensmittelverpackungen, die absonderliche Serviervorschläge zeigen. Der Aufdruck "Serviervorschlag" ist erforderlich, damit sich der Endkunde nicht beschwert, wenn er das abgebildete Beiwerk (etwa Tomatenscheiben auf Magerquark) nach dem Öffnen der Packung nicht vorfindet.


Die Abbildung wäre nicht im Geringsten komisch, wenn daneben nicht "Serviervorschlag" stünde. Doch ohne den Hinweis würde es wahrscheinlich Kunden geben, die darin nicht die Zutaten sehen, sondern glauben, in der Packung befänden sich - trotz der Produktbezeichnung "Kokostörtchen" - Kirschen, Kokosraspeln sowie eine ganze Aprikose. Und mit solchen Kunden will sich die Firma Belbake verständlicherweise nicht herumschlagen. Andererseits: Ist es nicht irreführend, wenn auf der Verpackung ausschließlich Zutaten zu sehen sind, die sich in dieser Form nicht darin befinden? Das ist ja so, als wäre auf einer Steakpackung eine Kuh als "Serviervorschlag" abgebildet.


Die Designer dieser Margarine-Dose schlagen vor, das enthaltene Produkt ganz wegzulassen und stattdessen einige Sonnenblumenköpfe auf dem Tisch zu drapieren. Sieht natürlich schön aus, kann aber den simplen Wunsch nach einer Margarineschnitte nur unzureichend erfüllen.

Ein weiteres Beispiel. Diesmal zunächst der Inhalt:


Und das ist der Deckel:


Serviervorschlag:
1. Nehmen Sie die Shrimps aus der Verpackung.
2. Spülen Sie die Shrimps mit Wasser ab, bis die Dillsauce fast vollständig verschwunden ist.
3. Legen Sie die Shrimps in einem Haufen auf einen Teller.
4. Bestreuen Sie die Shrimps mit Dill.
5. Fahren Sie ans Meer.
6. Guten Appetit!


Auch in Mexiko gibt es Serviervorschläge auf Lebensmittelpackungen. Dieses Papier, welches stinknormale Vanillewaffeln umschlang, scheint zu sagen: "Bereiten Sie eine Schüssel mit sehr flüssigem Vanillepudding zu, legen Sie eine Kugel Vanilleeis darauf, platzieren Sie zwei gekreuzte Waffeln davor und lassen Sie dann ein mit Vanillesoße gefülltes Schokotöpfchen in die Schüssel fallen, dass es spritzt."
So geht's natürlich auch.
   
PS: Nach Aufgabe meines alten, mehr oder weniger geheimen Blogs werde ich die lesenswertesten Beiträge daraus hier herüberretten. Einige damals wochenaktuelle Themen mögen nicht zuoberst, sondern im Archiv erscheinen. Da ich dieses Blog erst 2009 begonnen habe, kann es zu Konfusionen kommen, die aber keine sind. Es lohnt sich jedenfalls, die Zeitleiste immer mal nach bis dato unbekannten Artikeln zu durchforsten.