Kerosin ist derzeit in aller Munde – also, nicht die Flüssigkeit selbst, sondern das Wort. Woher dieses aber kommt, weiß ich nicht, und ich habe bis heute Morgen noch nie darüber nachgedacht. Hat es was mit den Keren, den griechischen Todesgöttinnen, zu tun? Im Herkunfts-Duden fehlt "Kerosin" leider, aber das verlässliche Wiktionary hilft uns weiter: Demnach geht das Wort "auf den Arzt und Geologen Abraham Gesner (1797–1864) zurück, der 1854 in Nova Scotia (Kanada) aus Kohle eine leicht entflammbare Flüssigkeit gewann. Ein dabei entstehendes wachsartiges Zwischenprodukt, das bei dem Vorgang eine wichtige Rolle spielte, ist der Grund dafür, dass er die Flüssigkeit 'Kerosin' genannt hat; aus altgriechisch κηρός (kēros) → 'Wachs' und dem Suffix -in." Dem griechischen Nomen kann, wer will, noch weiter nachspüren, etwa in Frisks Griechischem Etymologischen Wörterbuch (2. Aufl., 1973), das sich, kurz gesagt, gegen eine ur-indogermanische Wurzel ausspricht und "mit orientalischer Herkunft" rechnet. Im lateinischen cēra (Zerat kenne ich aus dem Kreuzworträtsel!) liegt "wahrscheinlich" eine Entlehnung vor.
Montag, 4. Mai 2026
Fragen, die ich mir selbst stelle
Donnerstag, 6. November 2025
Die Quittung gekriegt
Überaus entzückt war ich, als ich neulich diesen portugiesischen Brotaufstrich sah:
Erklärung: Unser deutsches Wort Marmelade ist eine Entlehnung aus ebenjenem portugiesischen Wort marmelada, das auf der Schachtel steht. Das wiederum ist eine Ableitung von marmelo "Quitte" und hat die Bedeutung "Quittenmus". Und genau um dieses Produkt handelt es sich! Marmelada hat sich also die ursprüngliche, enge Bedeutung bewahrt, und Quittenmarmelade heißt eben nicht, analog zu bspw. marmelada de laranja (Orangenmarmelade), "marmelada de marmelo".
Nichtlinguistinnen mögen jetzt mit den Schultern zucken, aber ich kann mich über so etwas freuen wie Bolle.
Geschmeckt hat's übrigens so mittel.
Sonntag, 5. Oktober 2025
Word of the week
Diese Woche im Zusammenhang mit dem Shutdown in den USA ein neues englisches Wort gelernt: furlough. Es bedeutet "jmd. (zwangs)beurlauben", als Substantiv entsprechend "(Zwangs-)Beurlaubung; Freistellung". Auf Häftlinge bezogen kann es mit "Freigang" übersetzt werden. In einem NBC-Newsticker zum Thema, der (Stand: 3. Oktober) mit "Trump and Democrats dig in as federal workers face furloughs" überschrieben ist, kommt das Wort sehr oft vor. Von "hundreds of thousands of government workers who are typically furloughed during a shutdown" ist da die Rede, und in einem Eintrag wird eine galgenhumorige Grußformel unter Regierungsangestellten zitiert: "'Happy furlough!' a staffer wished an arriving member of her team like she would intone a birthday greeting."
Laut Merriam-Webster taucht furlough (als Nomen) erstmals im Jahr 1631 auf. Seine Herkunft ist niederländisch: mittelndl. verlof "Erlaubnis" mit lof : mhd. loube "Erlaubnis" (vgl. er-laub-en und natürlich auch Urlaub: "In der höfischen Sprache der mhd. Zeit bezeichnete [urloup 'Erlaubnis'] dann die Erlaubnis wegzugehen, die ein Höherstehender oder eine Dame dem Ritter zu geben hatte. In der Neuzeit bezeichnet 'Urlaub' die [offizielle] vorübergehende Freistellung von einem Dienstverhältnis". Duden Herkunftswörterbuch).
Samstag, 9. August 2025
Neue Materialien zu Materialien
Weil es bereits vor mehreren Wochen erschienen ist, erlaube ich mir auch, direkt die Lösung nachzuschicken: Es handelt sich um "Dinge, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind" – und zwar ausgerechnet um vier, die mir bei meinen früheren Gedanken zu diesem Thema nicht einfallen mochten:
- Eine Leinwand wird nicht nur aus Leinen hergestellt.
- Strohhalme sind schon lange nicht mehr (aber nach dem Plastikverbot, wer weiß, bald wieder) aus Stroh.
- Beim Bleigießen wird aus Gesundheitsgründen kein Blei mehr geschmolzen (EU-Verbot 2018).
Donnerstag, 8. Mai 2025
Von Bälgern und Wanen
Gestern vorm Einschlafen ist mir doch glatt ein weiteres Anachronym eingefallen: Blasebalg. Die Grundbedeutung von Balg ist zwar eh verblasst – die Hauptbedeutung dürfte heutzutage "freches Kind" sein (wobei auch das schon ziemlich veraltet ist) –, dennoch passt es insoweit in die Liste, als Blasebälge heutzutage "zumeist aus Kunststoff hergestellt" werden. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass z.B. bei Manufactum noch bzw. wieder Blasebälge aus echter Tierhaut zu bekommen sind. Die wenigen, wunderlichen Leute, die einen Blasebalg besitzen wollen, werden doch tunlichst darauf achten, den real deal zu kaufen.
Auf der Suche nach Beispielen für "Dinge, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind", habe ich mir das Periodensystem der Elemente gegriffen und bin es durchgegangen. Fündig bin ich dabei nicht gefunden, stattdessen musste ich etwas Bemerkenswertes feststellen, nämlich dass bereits mit der Ordnungszahl 23 ein Element auftaucht, von dem ich noch nie gehört hatte: Vanadium. Wie konnte mir das jahrelang entgangen sein? Haben wir in der Schule nie darüber gesprochen, wurde es nicht mal erwähnt? Viel wichtiger: Warum heißt Vanadium Vanadium? Laut der herrlichen Etymologischen Liste der chemischen Elemente benannte der Schwede Nils Gabriel Sefström das Element "nach Freya, der nordischen Göttin der Schönheit, die den Beinamen Vanadis trug". Woher Vanadis kommt, steht dort leider nicht; eine schnelle Recherche ergibt, dass der Beiname "Vanengöttin" bedeutet. Die Etymologie des Göttergeschlechtes der Wanen (altnordisch Vanir, "die Leuchtenden") zu recherchieren, würde mir Spaß machen, ich habe aber gerade keine Zeit dafür.
Übrigens habe ich zweimal bei Google "Dinge, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind" eingegeben. Oben tauchte, wie es seit einiger Zeit üblich ist, ein Block mit Antworten von einer generativen KI auf. Beim ersten Versuch wurden mir als Beispiele "Filme" und "Musik" angeboten, beim zweiten faselte der Bot etwas von geplanter Obsoleszenz. Die "Künstliche Intelligenz" versteht also nicht mal, worauf ich eigentlich hinaus will. Deaktivieren lässt sich der Mist freilich nicht.
Dienstag, 10. Dezember 2024
We Butter the Cheese With Butter
Habe ich schon mal erwähnt, dass meine kurze Notiz über Tyromantie der zweitmeistgelesene Beitrag auf Kybersetzung ist? Ja, habe ich. Heute schlagen wir über einen Umweg erneut den Bogen zu diesem Begriff.
Mir wurde letztens aus heiterem Himmel bewusst, dass ich nichts über die Herkunft des Wortes Butter weiß. Erstaunlicherweise ist das westgermanische Wort für "Butter" (altengl. butere, ahd. butera, niederl. botter) eine Entlehnung aus dem Lateinischen (über vulgärlat. *butira bzw. *butura)! Germanischer Erbwortschatz findet sich lediglich in regionalen und historischen Ausdrücken wie (alemannisch) Anke oder Schme(e)r (auch "Fett"). "Dass die Germanen dennoch ein Wanderwort für Butter entlehnten, dürfte mit einer neuartigen Zubereitungsweise zusammenhängen." (Wiktionary)
Das lateinische butyrum (genauer: būtȳrum) jedenfalls wurde aus dem griechischen boú-tȳrum entlehnt, was sich zusammensetzt aus boús "Rind" und tȳrós "Käse" (jenem Wort, das auch in "Tyromantie" steckt), wobei sowohl das Duden-Herkunftswörterbuch als auch Frisks Griechisches Etymologisches Wörterbuch das Kompositum mit "Kuhquark" übersetzen. So oder so ist es bezeichnend, dass die alten Griechen qua Wortbildung betonen mussten, wenn Käse oder Quark aus Kuhmilch hergestellt wurde. Der Standard war offenbar schon damals Ziegen- oder Schafskäse (Feta!).
Mittwoch, 21. Februar 2024
Ausgewanderte Wörter
Samstag, 13. November 2021
Im Märzen der Brauer
Neulich süffelte ich eine Flasche schmackhaften Märzenbieres von Hösl aus dem oberpfälzischen Mitterteich. Märzen trinke ich eher selten, und die Frage, woher die Bezeichnung kommt, hatte ich mir bis dahin nie gestellt. Das rückseitige Etikett versucht sie zu beantworten:
'Mooooment', dachte ich, 'wenn man will, dass das Bier bis zum Sommer hält, kann man es doch einfach später brauen! Beziehungsweise könnte man ja bereits im Februar ein noch stärkeres ansetzen und hätte seine Ruh.' Der Hersteller verschweigt hier freilich einen wesentlichen – in Süddeutschland womöglich allseits bekannten – Fakt: Bier durfte gemäß der bayerischen Brauordnung nur zwischen 29. September und 23. April gebraut werden. Aber weshalb? War das ein pseudo-bibelexegetisch begründetes Willkür-Dekret, wie man es von dem erzkatholischen Albrecht V. nicht anders erwarten würde? Weit gefehlt! Wikipedia: "Grund war die in den Sommermonaten erhöhte Brandgefahr beim Biersieden. Hinzu kam, dass die Herstellung des in Bayern beliebten untergärigen Biers Temperaturen von unter zehn Grad erfordert."
Mittwoch, 7. April 2021
Wörter unter dem Fernglas
Eine dritte Erklärung ist, dass Friedrich Wilhelm nach dem Dreißigjährigen Krieg für seine Armee schwedische Veteranen als Ausbilder einsetzte. Diese wurden "alte Schweden" genannt, eine Bezeichnung, die im Volksmund bald auf nichtmilitärische Personen übertragen wurde. Eine vierte Erklärung besagt, dass nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges Soldaten der schwedischen Armee von Friedrich Wilhelm für die Ausbildung seiner Truppen akquiriert wurden, die umgangssprachlich als "alte Schweden" adressiert wurden. Diese kumpelhafte Anrede verbreitete sich dann auch außerhalb des Heeres. Eine fünfte Erklärung geht so: Nach dem Dreißigjährigen Krieg bediente sich der Herzog Friedrich Wilhelm ehemaliger schwedischer Soldaten, um preußische Gefreite ausbilden zu lassen. "Alter Schwede" bzw., in der Mehrzahl, "alte Schweden" sagte man zu diesen fremdländischen Militärs. Erklärung Nummer 6 besagt, dass Friedrich Wilhelm nach dem Ende des Dreißigjährigen
Samstag, 4. Juli 2020
Damast-read
Mittwoch, 13. Mai 2020
Von Oldenburg nach Österreich
Dienstag, 7. April 2020
Wort des Monats
Donnerstag, 10. Mai 2018
Words of the week
Fenugreek (Bockshornklee) ist unter anderem aus der indischen Küche bekannt, wo es methi heißt, und verweist, wie man anzunehmen geneigt ist, tatsächlich auf Griechenland. Der lateinische Name lautet Trigonella foenum-graecum; Ersteres bedeutet "kleines Dreieck", Letzteres "griechisches Heu". Fenugreek ist, wie französisch fenugrec und niederländisch fenegriek, eine Verbockshornung, Quatsch: Verballhornung des Epithetons. Im deutschen Sprachraum soll es auch die Volksetymologie Fein Gretchen geben (plattdeutsch Fine Grêt). Der Name Bockshornklee wiederum nimmt Bezug auf die Form der Samenhülsen des Gewürzes.
Ein drolliger Zufall wäre es, wenn hellebore ebenfalls irgendwas mit Griechenland zu tun hätte (Hellas?). Hat es aber nicht. Immerhin die Wortbestandteile sind altgriechisch, wobei nur das Hinterglied klar zu sein scheint: bora "Fraß". Das Erstglied wird an vielen Stellen, z.B. in der englischsprachigen Wikipedia, auf das Verb helein, "töten; verletzen" (auch "nehmen; machen") zurückgeführt, während eines der wichtigsten griechischen etymologischen Wörterbücher (Frisk) die Übersetzung "von Hirschkälbern gefressen" als "wahrscheinlich" ansetzt. In dem Fall wäre das Vorderglied ellós "Hirschkalb". Der deutsche Name des Helleborus, Nieswurz, ist leicht zu durchschauen: "Der Geruch der Inhaltsstoffe führt zu einem starken Niesreiz." (Wikipedia) Ergänzend sei das Grimmsche Wörterbuch zitiert: "deren gepulverte wurzel seit alter zeit als ein starkes niesmittel (gegen wahnsinn) gebraucht wurde und jetzt noch (wie auch in alter zeit) als heftiges brech- und purgiermittel in anwendung kommt, s. [...] Luther 1, 52a (ich darff keine niessenwurtz, hab auch nicht so grosze schnuppen, das ich das nicht rieche)".
Freitag, 2. März 2018
Muss ich denn alles selber machen?
Woher kommt Julius, wovon Julian tatsächlich eine Ableitung ist, möchte man doch wissen! Zugegeben: Auch diese Herkunft ist nicht ganz sicher, Iulius könnte von einem lateinischen Namen für ein Pflanzenteil (iulus) oder vom Namen Trojas (Ilium) über Ilus abgeleitet sein.
Fazit: Wenn die Faktenlage dunkel ist, soll man das entweder hinschreiben oder sich ein anderes vorzustellendes Wort suchen!
Sonntag, 21. Januar 2018
Kurz notiert: Slalom
Der erste Satz suggeriert, dass das Wort wie die Sache eben nicht skandinavischen Ursprungs ist, doch aus welcher Sprache Slalom entlehnt ist, erfahren wir keineswegs ("Österreichisch"?). Wie man jedoch kinderleicht herausfinden kann, entstammt das Wort sehr wohl einer skandinavischen Sprache, nämlich dem Norwegischen. Die Bedeutungsangaben der Elemente scheinen sogar einigermaßen zu stimmen (wobei der zweite Bestandteil korrekt låm lautet).
Samstag, 30. September 2017
Jetzt wird's interessant (naja ...)
Hätte ich die Lösung gekannt? Nun, mit der Pistole auf der Brust hätte ich mich für B entschieden, denn Naja erinnerte mich an ein altindisches Wort für "Schlange", und ist die Brillenschlange nicht in Indien beheimatet? Ich hätte richtig gelegen, der Artname geht letztlich auf nāga zurück, womit diverse Schlangen bezeichnet wurden, speziell aber, so gibt es zumindest das Standard-Sanskrit-Wörterbuch (Monier-Williams) an, die Spezies Coluber naga. Moderne zoologische Enzyklopädien scheinen diese Art allerdings nicht mehr zu kennen, in den Wikipediaeinträgen zur Gattung Coluber (Zornnattern) taucht sie jedenfalls nicht auf, vielmehr heißt es da: "Auf Grund molekulargenetischer Untersuchungen wurde die Gattung Coluber aufgesplittet und umstrukturiert. Die Untersuchungen hierzu sind noch nicht vollständig abgeschlossen." Und: "All Asiatic species of Naja were considered conspecific with Naja naja until the 1990s, often as subspecies thereof. Many of the subspecies were later found to be artificial or composites. This causes much potential confusion when interpreting older literature."
Womöglich weiß die Online-Reptiliendatenbank reptile-database.org mehr? Tut sie. Coluber naga ist demnach ein noch von Linné selbst eingeführtes Synonym zu Naja naja. Wie auch immer: Das bezeichnete Lebewesen ist eine Giftnatter, die man bei uns als "Brillenschlange" oder auch als "Südasiatische Kobra" kennt, im englischen Sprachraum als "Indian cobra" und "Asian cobra", jedenfalls als das Reptil schlechthin, wenn man an Indien denkt. Um noch einmal Wikipedia zu zitieren: "Naja naja is considered to be the prototypical cobra species within the Naja subgenus, and within the entire Naja genus."
Amüsant ist, dass nāga auch "Elefant" heißen kann; in Adolf Friedrich Stenzlers "Elementarbuch der Sanskrit-Sprache" ist dies sogar die einzig angeführte Bedeutung. Erklärung: Es handelt sich um eine Verkürzung aus *nāga-hasta, wörtlich "Schlangenhand", womit der Elefantenrüssel gemeint ist, welcher mit etwas Fantasie an eine Schlange gemahnt.
Bleibt ein letztes Rätsel: Wieso Naja und nicht Naga? Warum hat Linné das indische -g- zu -j- latinisiert? Auch hier weiß die "Reptile Database" weiter: Das Wort ist nicht direkt von dem altindischen Wort abgeleitet, sondern – warum auch immer – vom singhalesischen Kognat, und dieses heißt naya.
Donnerstag, 7. September 2017
Verschiedenes aus dem Abreißkalender
Dienstag, 1. November 2016
Polka-dot-com
Sonntag, 29. November 2015
Wortgeschichte zum Erntedankfest
Das Alte Testament kennt – wie viele Schriften alter Kulturen – Libationsopfer. Die Hebräer nahmen dafür gerne Wein oder ein Getränk namens sheker. Dieses Wort konnte u.a. "Bier" bedeuten und wurde aus dem Akkadischen entlehnt (šikaru), wo es gleichfalls eine Art Bier bezeichnete. Als sicera fand sheker in die Vulgata, die lateinische Bibelübersetzung des späten 4. Jahrhunderts, Einzug, und auch im Yiddischen lebt es weiter: shikker bedeutet hier "betrunken". Und steckt shikker nicht auch in unserem umgangssprachlichen angeschickert drin? Ja, tut es! Und das finde ich suuupercrazy und wunderschön. Ein älteres Wort, oder präziser: ein Wort in der deutschen Sprache mit noch längerer Historie ist, soweit ich weiß, allenfalls das regional verwendete Semmel, das wahrscheinlich sogar im Sumerischen wurzelt und über die semitischen Sprachen (z.B. arabisch samīd "Weißbrot; Feinmehl", vgl. auch Simit) und das Lateinische (simila "feines Weizenmehl") zu uns gelangt ist.
Das macht Hoffnung: Selbst wenn eine Sprache ausstirbt, haben einzelne Kulturwörter die Chance, auch noch nach Jahrtausenden und in weit entfernten Gegenden der Erde fortzubestehen, wenn auch mehr oder weniger verändert, verformt, verfremdet.
Samstag, 8. August 2015
Realität und Phantastik - ein kleiner Gedanke
Jedes Fremdwort erzählt eine Geschichte: eine Geschichte von Sprachkontakt und somit vom Kontakt zwischen verschiedenen Völkern. Ein weiteres Beispiel: Das sagenhafte Drachenglas wird in Martins Epos auch als Obsidian bezeichnet, wie jenes Gesteinsglas aus unserer Welt, welches nach dem Römer Obsius benannt wurde (er soll es einst aus Afrika nach Rom importiert haben.)
Nun gut, vielleicht bin ich doppelt anfällig für solche Überlegungen, weil ich erstens, versaubeutelt durch mein Studium, ständig die Herkunft mir unbekannter Wörter hinterfrage und zweitens Deutsch als Erstsprache gelernt habe, weswegen mir in englischsprachigen Texten die Nicht-Erbwörter – und allein der Anteil griechisch-lateinischer Fremd- und Lehnwörter am englischen Wortschatz wird mit Werten um die 50% veranschlagt! – stärker ins Auge stechen. Man kann ja nun nicht verlangen, dass jemand, der phantastische Literatur produziert, wegen ein paar Knallköppen wie mir die Erzählsprache radikal anpasst. Wobei es natürlich ideal wäre, wenn für jede Fantasy-Welt eine eigene Sprache erfunden würde, haha.
In diesem Zusammenhang wird mir auch klar, wie schwierig es sein muss, historische Romane zu verfassen. Bei jeder wörtlichen Rede muss man sich überlegen: "Hat es dieses Wort damals wirklich schon gegeben?" Und das bezieht sich nicht nur auf Bezeichnungen von Dingen, die erst später erfunden wurden, sondern auf läppische Alltagsvokabeln. Hat man etwa im Berlin der 1890er Jahre das Wort "fies" gekannt und benutzt? Das sind so Fragen.
Sind diese (bei 28°C Zimmertemperatur entstandenen) Ergüsse irgendwie nachvollziehbar? Wenn nicht, einfach ignorieren ...









