Posts mit dem Label semantik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label semantik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 9. August 2025

Neue Materialien zu Materialien

Dieses Rätsel aus der Wochenend-SZ darf ich hier hoffentlich zeigen, denn ich muss es tun:


Weil es bereits vor mehreren Wochen erschienen ist, erlaube ich mir auch, direkt die Lösung nachzuschicken: Es handelt sich um "Dinge, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind" – und zwar ausgerechnet um vier, die mir bei meinen früheren Gedanken zu diesem Thema nicht einfallen mochten:

- Die Minen von Filzstiften werden kaum noch aus Filz gefertigt.
- Eine Leinwand wird nicht nur aus Leinen hergestellt.
- Strohhalme sind schon lange nicht mehr (aber nach dem Plastikverbot, wer weiß, bald wieder) aus Stroh.
- Beim Bleigießen wird aus Gesundheitsgründen kein Blei mehr geschmolzen (EU-Verbot 2018).

Donnerstag, 8. Mai 2025

Von Bälgern und Wanen

Gestern vorm Einschlafen ist mir doch glatt ein weiteres Anachronym eingefallen: Blasebalg. Die Grundbedeutung von Balg ist zwar eh verblasst – die Hauptbedeutung dürfte heutzutage "freches Kind" sein (wobei auch das schon ziemlich veraltet ist) –, dennoch passt es insoweit in die Liste, als Blasebälge heutzutage "zumeist aus Kunststoff hergestellt" werden. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass z.B. bei Manufactum noch bzw. wieder Blasebälge aus echter Tierhaut zu bekommen sind. Die wenigen, wunderlichen Leute, die einen Blasebalg besitzen wollen, werden doch tunlichst darauf achten, den real deal zu kaufen.

Auf der Suche nach Beispielen für "Dinge, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind", habe ich mir das Periodensystem der Elemente gegriffen und bin es durchgegangen. Fündig bin ich dabei nicht gefunden, stattdessen musste ich etwas Bemerkenswertes feststellen, nämlich dass bereits mit der Ordnungszahl 23 ein Element auftaucht, von dem ich noch nie gehört hatte: Vanadium. Wie konnte mir das jahrelang entgangen sein? Haben wir in der Schule nie darüber gesprochen, wurde es nicht mal erwähnt? Viel wichtiger: Warum heißt Vanadium Vanadium? Laut der herrlichen Etymologischen Liste der chemischen Elemente benannte der Schwede Nils Gabriel Sefström das Element "nach Freya, der nordischen Göttin der Schönheit, die den Beinamen Vanadis trug". Woher Vanadis kommt, steht dort leider nicht; eine schnelle Recherche ergibt, dass der Beiname "Vanengöttin" bedeutet. Die Etymologie des Göttergeschlechtes der Wanen (altnordisch Vanir, "die Leuchtenden") zu recherchieren, würde mir Spaß machen, ich habe aber gerade keine Zeit dafür.

Übrigens habe ich zweimal bei Google "Dinge, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind" eingegeben. Oben tauchte, wie es seit einiger Zeit üblich ist, ein Block mit Antworten von einer generativen KI auf. Beim ersten Versuch wurden mir als Beispiele "Filme" und "Musik" angeboten, beim zweiten faselte der Bot etwas von geplanter Obsoleszenz. Die "Künstliche Intelligenz" versteht also nicht mal, worauf ich eigentlich hinaus will. Deaktivieren lässt sich der Mist freilich nicht.

Mittwoch, 30. April 2025

Der Stoff, aus dem die Wörter sind

Ein xkcd-Cartoon von neulich hieß "Anachronym Challenge". Das Fachwort Anachronym war mir bisher nicht bekannt (es scheint in der deutschen Linguistik nicht etabliert zu sein), es wird aber klar, was damit gemeint ist. Die Challenge besteht darin, eine Einkaufsliste zu erstellen, die nur aus Dingen besteht, die nicht mehr aus dem Material hergestellt werden, nach dem sie benannt sind:


Beispiel: Tin foil bezeichnet heute üblicherweise Alufolie und eben keine Folie aus Zinn (tin). Wie ich soeben gelernt habe, existiert auch im Deutschen das Wort "Zinnfolie" als Synonym für Stanniol und wird ebenfalls "umgangssprachlich auch für Folien aus Aluminium (Alufolie) verwendet". Für weitere Erklärungen s. "Explain xkcd".

Was käme neben Zinnfolie noch auf eine deutschsprachige Entsprechung dieser Liste? Als erstes fällt mir da der Bleistift ein, dessen Mine seit dem 19. Jahrhundert "aus einem Graphit-Ton-Gemisch gebrannt" wird (Wikipedia). Der Gipsverband "wird fast nur noch zur kurzzeitigen Fixation verwendet. Bei längeren Behandlungen werden inzwischen überwiegend Kunststofffasern mit Kunstharz verwendet", aber auch wer einen solchen Verband trägt, wird der Einfachheit halber nach wie vor von "Gips" sprechen. In Klammern setzen würde ich, auch im Original, die Brillengläser: Wohl sind mittlerweile solche aus Kunststoff eine gern gewählte Lösung (auch bei meinem Modell), doch werden Gläser aus echtem (mineralischen) Glas immer noch "aufgrund ihrer außergewöhnlichen Kratzfestigkeit verwendet. Zudem sind sie für den Endkunden günstiger als vergleichbare Kunststoffe. Bei starker Fehlsichtigkeit ermöglichen sie außerdem eine Korrektur mit verhältnismäßig dünnen Gläsern" (zeiss.de). Aus dem Bereich der Lebensmittel wäre die Hirnwurst oder auch Bregenwurst zu nennen: So sagt man u.a. in Teilen Frankens zu Gelbwurst, obwohl die traditionelle Verarbeitung von Gehirnen freilich längst nicht mehr erlaubt ist (vgl. Zervelatwurst). Weiter: "Da echte Kreide relativ teuer ist, wird Tafelkreide heute meistens aus Gips (Calciumsulfat) oder Magnesiumoxid hergestellt, auch Mischformen kommen vor" (Wikipedia). (In diesem Zusammenhang möchte ich euch die Information nicht vorenthalten, dass in der Lampertheimer Schillerschule die letzte Kreidetafel im Landkreis Bergstraße abgehängt wurde, womit nun alle Schulen des Kreises auf digitale Tafeln umgestellt haben. [FAZ-Meldung vom 28. April]) Kreide taucht ja auch in der Vorlage auf, aus welcher ich zusätzlich das Bügeleisen und die Badeschwämme übernehmen würde ("in den allermeisten Fällen sind sie aber durch Kunststoffschwämme ersetzt worden").

Welche Items fehlen noch? Welche "Anachronyme" kommen euch in den Sinn?

Dienstag, 14. Januar 2025

Spaß mit Homographen

Bei der Spazur ist mir ein Satz eingefallen, der, geschrieben, zunächst höchst enigmatisch erscheinen mag:

        Versende Versende, Versende!

Sein Sinn erschließt sich, sobald man erkennt, dass jedes der drei Wörter anders ausgesprochen wird und eine andere Bedeutung hat:

- Das Versende am Satzanfang ist der Imperativ Singular des Verbs versenden.
- Das 2. Versende ist ein zusammengesetztes Substantiv: "Ende eines Verses".
- Das 3. Versende ist ebenfalls ein Substantiv, und zwar das substantivierte Partizip Präsens (im "Vokativ" Femininum Singular) des Verbs versen, welches zugegebenermaßen nicht gebräuchlich, aber nicht unbekannt ist, siehe den Eintrag in Grimms Wörterbuch "VERSEN, verb. verse machen, nur in älterer sprache". Eine Versende ist, wie eine Dichtende, eine Lyrikerin.

Gebildet werden könnte dieser Satz in folgender Situation: Eine Dichterin hat, zum Beispiel für eine Tageszeitung, ein Gedicht geschrieben und es bereits vollständig abgeliefert – bis auf den Schluss; es fehlt die entscheidende letzte halbe Zeile. Ungeduldig mailt ihr der Auftraggeber eine Erinnerung, aus Zeitgründen elliptisch gehalten und aus Liebe zu Homonymie und Augenreimen in obiger Wortwahl. Hübsch, gell?

Montag, 15. April 2024

Teufel Mehrfachbedeutung!

Falschübersetzungen in Videospielen sind, das ist mir kürzlich klar geworden, nicht zwangsläufig den Übersetzern anzukreiden. Die ganzen Strukturen und Abläufe in der Lokalisierung von Games scheinen mir inhärent störungsanfällig zu sein. Offenbar bekommen die übersetzenden Personen (Maschinen und "KI"s würden erst recht scheitern!) lediglich das im Spiel verwendete Textmaterial ohne die dazugehörigen Bilder vorgelegt. Und dann sollen sie, etwa bei Item-Beschreibungen und Objektnamen, ins Blaue hinein raten und sich aus einer Vielzahl von deutschen Entsprechungen für eine entscheiden. Da passiert es schon mal, wie im Adventure "Open Roads", dass man einen Einweg-Becher "Tasse" nennt und einen glaslosen Hängeschrank "Vitrine" – weil die englischen Ausgangswörter cup resp. cabinet die (fast) primäre, aber eben nicht ausschließliche Bedeutung "Tasse" resp. "Vitrine" haben. Seufz.



Andererseits ist "Rezept" für receipt ("Quittung, Kassenzettel" etc.) in keinem Kontext akzeptabel ...

Freitag, 24. November 2023

Extinction Rebellion

In der Kurzgeschichtensammlung "Stories" von Joy Williams liest ein Teenagermädchen einem neunjährigen Jungen etwas über die Riesenseekuh vor:

"Die Seekühe fraßen Seetang im flachen Wasser der Beringstraße. Sie waren riesengroß und beschränkt, ihre Haut glich der Rinde von uralten Eichen. 1741 entdeckt, waren sie um 1768 bereits ausgestorben."
"Ich weiß nicht, was ausgestorben heißt", sagte Tommy.

Das glaube ich nicht: dass ein Junge in diesem Alter das Wort "ausgestorben" nicht kennt. Das glaubt auch niemand anders. Stichprobenartig konsultiere ich vier Kinder-Webseiten, auf denen es um Dinosaurier geht.
- Auf dem Internetauftritt von Geolino heißt es: "Millionen von Jahren hatten Dinosaurier die Herrschaft über die Erde. Dann starben sie vor rund 65 Millionen Jahren plötzlich aus."
- Bei helles-koepfchen.de lesen wir: "Dinosaurier faszinieren uns schon seit jeher. [...] Warum sind sie ausgestorben?"
- Im "Klexikon" beginnt der Eintrag zu Dinosauriern so: "Dinosaurier waren Tiere, die vor langer Zeit ausgestorben sind."
- Und sofatutor.com erklärt: "Sie lebten viel länger auf der Erde, als es die Menschen bisher tun. Vor etwa 65 Millionen Jahren sind sie ausgestorben."

Außerdem ist es ja nicht so, dass man, selbst wenn man dem Verb aussterben oder seinen grammatischen Formen noch nie begegnet ist, sich die Bedeutung nicht aus dem Wort selbst erschließen könnte. Bei der englischen Entsprechung extinct, die im Original höchstwahrscheinlich steht, ist das etwas anderes: Wer extinct zum ersten Mal hört und kein Latein-Profi ist, muss nachfragen, was das Wort bedeutet. Ich weiß allerdings auch nicht, wie man die Stelle besser hätte übersetzen können.

Die betreffende Geschichte heißt übrigens "Letzte Generation" und wurde im Jahr 1990 veröffentlicht. Dass sich die gleichnamige Protestbewegung danach benannt hat, liegt nahe, denn das Mädchen darin bezieht sich explizit auf die Zerstörung der Welt ("dauert vielleicht nur noch fünfzig Jahre") und nennt "gewisse Verpflichtungen" ihrer Generation: "Wir wollen nicht dabei sein, wenn die Erde ausgelöscht wird". Belege dafür konnte ich aber nicht finden. Ein Fall von Doppelschöpfung, nehme ich an.

Montag, 4. Oktober 2021

Kurz notiert: Januswörter

Via TYWKIWDBI habe ich eine englischsprachige Bezeichnung für "Wörter, die (auch) ihr eigenes Gegenteil bedeuten", kennen gelernt: Janus words. In dem verlinkten Artikel werden ein paar schöne Beispiele angeführt, über die ich bisher nie nachgedacht hatte. Das Verb to scan etwa heißt wahlweise "etwas gründlich mit den Augen abtasten" oder "etwas überfliegen" (Beispielsätze a.a.O.). Wem schöne deutsche Januswörter einfallen, der möge sie in die Kommentare schreiben. (Ich selbst bin in diesem Beitrag kurz auf das Phänomen eingegangen.)

Sonntag, 5. Januar 2020

Die spannende Welt der Semantik

Verweilen wir noch ein wenig im Themenfeld missverständliche Zeitangaben. Ein paar Stunden nachdem ich den Beitrag zu den Zwanzigerjahren geschrieben hatte, kam nämlich im Freundeskreis, ohne dass ich das Gespräch dahin gelenkt hätte, abermals die Frage auf, ob das laufende Jahrtausend denn nun am 1.1.2000 oder 2001 angefangen habe. Ein anwesender Rechtsanwalt wusste diesbezüglich zu berichten, dass damals die Neue Juristische Wochenschrift im Editorial eine scheinbar kloßbrühenklare Alternativ-Erklärung auftischte: Wenn Sie im Begriff sind, drei Weinkisten à zehn Flaschen zu trinken, dann ist die zweite Kiste selbstverständlich mit der zehnten Flasche aufgebraucht, und mit der Leerung der dritten beginnen Sie, sobald Sie die erste Flasche aus dieser herausnehmen. Grrr ...

Die Wurzel allen Übels liegt darin, dass es kein historisches Jahr 0 gegeben hat; die ersten Zehnerjahre unserer Zeitrechnung begannen mit dem Jahr 1, nicht mit 0. Leicht verkompliziert wird die Chose freilich durch die sog. astronomische Zählweise, welche dem Jahr 1 n. Chr. tatsächlich ein Jahr null vorausgehen lässt und diesem -1 und diesem -2 usw. Caesars Todesjahr beispielsweise ist nach astronomischer Zählung -43. Haben 43 und 44, genauer: |-43| und 44, hier also dieselbe Bedeutung? Zumindest haben sie dasselbe Referenzobjekt.

Dass gerade so etwas definitiv Festgelegtes wie Zahlen und Daten uneindeutig sein kann, empfinde ich, der ich Sprache eher naturwissenschaftlich als philosophisch betrachte
, als zutiefst beunruhigende Störung im System. Und das Beispiel mit den vorchristlichen Jahreszahlen ist kein Einzelfall. In bestimmten Regionen des deutschen Sprachraums, auch da, wo ich aufgewachsen bin, hört man (vor allem ältere) Menschen von "heute in acht Tagen" sprechen, wenn sie "in einer Woche", i.e. in sieben Tagen meinen. Hier "bedeutet" 7 somit dasselbe wie 8. Auch an dieser Formulierung sind die alten Römer schuld, denn mangels des Konzepts null versah man den Tag, an dem man sich befand, stets mit dem Wert 1, wenn man auf Tage in der Zukunft verwies. (Eine schöne Darstellung der Problematik gibt es auf der Seite fichtelgebirge-oberfranken.de)

Zum Glück brachten die Inder die Null ins Spiel. Apropos Indien: Im Hindi gibt es eigene Wörtchen für Brüche wie "eineinhalb" (ḍeṛh) und "zweieinhalb" (ḍhāī), und diese werden auch bei Zeitangaben benutzt, man sagt z.B. "eineinhalb Uhr" für "1 Uhr 30", so wie man nicht "zweitausendfünfhundert", sondern wörtlich "zweieinhalb tausend" (ḍhāī lākh) für 2500 sagt. (Es existiert übrigens extra für 10 Millionen ein kompaktes Zahlwort: karoṛ.) In diesem Zusammenhang fällt mir auch die Sitte im britischen Englisch ein, half past two (2 Uhr 30 bzw. 14 Uhr 30) zu half two zu verkürzen. Auf deutsch eingestellte Gehirne könnten half two als "halb zwei" = 1 Uhr 30 bzw. 13 Uhr 30 interpretieren. In dieser Phrase bedeutet "zwei" also "drei". Wer soll da bitte nicht durchdrehen?

Noch irrer wird es, wenn Wörter ihr eigenes Gegenteil meinen. Ein Klassiker des Deutschen ist das Verb anhalten, aber bleiben wir beim (britischen) Englisch: Einmal unterhielt ich mich mit ein paar etwa gleichaltrigen Engländern und Engländerinnen, und gleich zwei von denen erinnerten sich daran, in der Schule eine hochbetagte Lehrerin gehabt zu haben, die ihre Zöglinge mit dem Ruf "Sit!" zum Aufstehen aufforderte. Noch einmal kurz zum Hindi zurückgekehrt: Das Adverb kal kann sowohl mit "morgen" als auch mit "gestern" übersetzt werden, die konkrete Bedeutung lässt sich aber in der Regel aus dem Satzkontext (Zeitform des Verbs) erschließen. Beenden möchte ich diesen Diskurs mit einem Zitat aus Folge 2 von Michael Ziegelwagners "Natur – Der Kanon":

"Allerdings bezeichnen auch die Wörter 'genervt' / 'entnervt' trotz ihrer offenkundigen Polarität etwas Ähnliches, wie auch 'belohnen' / 'entlohnen', und da beschwert sich auch niemand. Hufeisentheorie der Sprache? Vexierbild Buchstabensalat? Die Apparate, von denen man seine U-Bahn-Fahrkarte stempeln lässt, tragen in Wien den deutschsprachigen Hinweis 'Entwerter', auf englisch: 'Ticket Validator'; je nach Muttersprache wird man hier einmal zum Wertlosmachen, einmal zum Gültigmachen angeleitet". (Titanic 12/2019)

Mittwoch, 17. Juli 2013

Fastfood und Verbrechen

Lustiges Fundstück:


Man sieht: Die Beziehung zwischen Grund- und Bestimmungswort in Determinativkomposita ist nicht nur im Deutschen manchmal vertrackt. Da aber besonders. Erinnern wir uns an das mediale Unwort "Döner-Morde": Morde, die von Dönern begangen wurden, könnten damit genauso gemeint sein wie Morde, bei denen Döner als Tatwaffe eingesetzt wurden. Gemeint war natürlich was ganz Anderes. Kennt man eigentlich den Erfinder dieses Schlagwortes? Und kann man dem vielleicht mal mit einem Sandwich eins auf die Rübe geben?

Vor ein paar Monaten warben die Grünen übrigens mit ähnlich mehrdeutigen Plakaten für eine Diskussionsrunde in meiner Stadt. "NSU-Versagen" stand groß darauf. Auch wenn die intendierte Bedeutung hier schon eher klar ist (= Behördenversagen im NSU-Fall), könnte man das Wort auch als "Versagen des NSU" verstehen. 

Die wahre Bedeutung des "Cheeseburger stabbing" ist leider die unlustigste der aufgeführten Möglichkeiten: "A Central Toledo teenager [...] was upset with his mother for not bringing him home a cheeseburger, along with the fast food she brought home for herself. The teen attacked his mother, stabbing her in the right arm with a large butcher knife. In the altercation, Vergie stabbed her son in the hand with another knife, according to authorities."


Samstag, 12. Juni 2010

Zwei kurze Notizen

1. Semantik-Fans, aufgemerkt! Ich dokumentiere den Abschluss eines Bedeutungsverschiebungsprozesses im amerikanischen Englisch. Die Primärbedeutung von theater ist jetzt nicht mehr "Theater", sondern "Kino". Na gut, was heißt "jetzt" - das kann auch schon vor ein paar Jahren vollzogen worden sein, theater als verkürzte Form von movie theater wird ja schon seit längerem in Filmtrailern verwendet ("in theaters worldwide!"). Aber so richtig klar wurde mir es erst, als ein etwa sechsjähriges Mädchen in der TV-Serie Happy Town die Frage stellte: "What's cinema?" Das theater hat das cinema mit der Bedeutung "Gebäude, in dem Filme gezeigt werden" verdrängt; letzteres bezieht sich wohl nur noch auf die Kunstform.

2. Neulich in der deutschen Fassung einer beliebigen Sitcom gesehen: Das Motto "Bros before hoes" wurde übersetzt als "Bruder vor dem Luder".