Posts mit dem Label usa werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label usa werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 13. Juli 2026

Abt. Gute Ortsnamen

Dass US-amerikanische Gemeinden von heute auf morgen und nach Lust und Laune ihren Namen ändern dürfen, erfuhr ich aus einem Abschnitt über Ortsnamenwechsel in Ken Jennings' Geographieschmöker "Maphead". Sicher, ein paar Hürden mag es für solche gravierenden Schritte geben, doch scheinen diese niedriger zu liegen als etwa in Deutschland. Zum Beispiel können die Einwohner einer Stadt darüber abstimmen, so geschehen im Bundesstaat New Mexico:

Ursprünglich hieß die Stadt Hot Springs. Am 31. März 1950 beschlossen die Bürger der Stadt mit 1294 zu 295 Stimmen sie nach der Quizshow Truth or Consequences von Ralph Edwards umzubenennen. Edwards hatte versprochen, die Rundfunksendung in der Stadt zu produzieren, die als erste den Namen der Show annimmt. Heute wird ihr Name von der Bevölkerung New Mexicos meist zu T or C abgekürzt. (Quelle: Wikipedia)

Könntet ihr euch vorstellen, in "Gefragt, gejagt (Bayern)" oder "Familienduell (Mecklenburg-Vorpommern)" zu leben? Nun, immerhin hatten wir kurzzeitig Swiftkirchen. Im Übrigen wollen wir das Fass Halfway, Oregon (Amerikas erste "Dot-Com-City") genau so ungeöffnet lassen wie Kiefer Sutherlands Neo-Noir-Thriller "Truth or Consequences, N.M.", in dem der nach 1950 beobachtet Umbenennungseffekt offenbar behandelt wird.

Dienstag, 7. Juli 2026

Don't Worry Starling

In Cal Flyns "Verlassene Orte. Enden und Anfänge in einer menschenleeren Welt", dem wieder mal sehr anregenden und repräsentativen 100. (!) Band der Reihe "Naturkunden" bei Matthes & Seitz, wird erwartbarerweise auch das Thema invasive Arten berührt. Insbesondere geht es darum, wie im Zuge von Kolonisierung nichtendemische Spezies in neue Lebensräume, zielgerichtet oder unabsichtlich, eingeschleppt werden. Erstaunlichste Stelle (S. 190):

Manchmal nahmen die Kolonialisten Pflanzen und Tiere zur Gesellschaft mit, weil sie hübsch aussahen oder ihnen in der Fremde ein Gefühl der Vertrautheit vermittelten. Sie zu sammeln und zu pflegen, war ein beliebter kolonialer Zeitvertreib. Im Jahr 1890 setzte eine "Akklimatisierungsgesellschaft" in New York Exemplare aller in Shakespeares Werken erwähnten Vogelarten im Central Park aus.

Die Schwalbe, die den Sommer bringt.
Der Spatz, der Zeisig fein,
Die Lerche, die sich lustig schwingt
Bis in den Himmel 'nein.

Die meisten verschwanden in den Bäumen und wurden nie wieder gesehen, aber die sechzig Stare ("Ja, einen Star schaff' ich mir an, der nichts soll lernen / Zu schrein, als 'Mortimer'!") entwickelten sich prächtig. Heute gibt es etwa 200 Millionen amerikanische Stare.

Das ist crazy! Aber leider nur halbwahr. Richtig ist, dass ein New Yorker Apotheker namens Eugene Schieffelin der American Acclimatization Society angehörte und ihr im Jahr 1877 vorstand; auch setzte jener tatsächlich 1890 die genannte Zahl an Staren im Central Park aus, allerdings wohl nicht als Teil eines Projekts mit Shakespeare-Bezug: "Some historians have cast doubt on this story, as no record of it exists until the 1940s." Dass sich der Star in den Vereinigten Staaten dermaßen stark und mit teils verheerenden Folgen ausbreitete, stimmt jedoch.

Freitag, 12. Juni 2026

Over my dead body!

Ich bin jemand, der sich, nicht zuletzt für dieses Blog, gerne von Koch- und Backrezepten inspirieren lässt und allgemein kein Problem damit hat, kulinarisches Neuland zu betreten. Eins jedoch werde ich – nach reiflicher Überlegung – nicht ausprobieren: Funeral Bread. Dabei handelt es sich um ein "potluck offering that’s popular in some parts of Minnesota and North Dakota", das aus drei Zutaten besteht: Zimtbrot, Cheez Whiz und in Scheiben geschnittene grüne Oliven (ggf. mit Paprikafüllung). Ganz recht: Schmelzkäse und Oliven (an sich eine einleuchtende Kombination) werden auf zimtschneckenartigem Gebäck ausgebreitet! Zwar sind laut dem TYWKIWDBI-Beitrag, in dem mir die Perversität begegnete, auch Brotsorten "with a little less flair" als Basis gestattet, doch hat die Cinnamon-swirl-Variante wohl besonders im Städtchen Roseau, Minn., ihre eingefleischten Fans, welche sie traditionell nach der Messe oder beim Leichenschmaus (daher der Name) schnabulieren.

Morgen steht ein von mir mit ausgerichtetes Sommerfest an, und ich habe kurz überlegt, ob ich zum Buffet ebenjenes "Bestattungsbrot" als Troll-Snack beisteuern soll. Möglicherweise würde es dem einen oder anderen Gast schmecken. Ich könnte auch testamentarisch verfügen, dass diese käsige Ungeheuerlichkeit auf meiner Trauerfeier gereicht wird ...

Donnerstag, 4. Juni 2026

Der große Gatsby

Genau einhundert Jahre nach seinem Erscheinen habe ich (na gut, mit einem Jahr Verspätung) F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby" gelesen, im Original. Das Erste, was mir auffiel, als ich den Roman in den Händen hielt, war: Huch, das ist ja ein schmales Bändchen! Die zweite, ernüchternde Erkenntnis stellte sich nach wenigen Seiten der Lektüre ein: Nun schon mehr als die Hälfte meines Lebens rezipiere ich tagtäglich (!) in irgendeiner Form englische Texte, und doch beherrsche ich diese Sprache praktisch überhaupt nicht. Naa, das ist übertrieben, aber trotzdem: Unbekannte Wörter und Phrasen begegneten mir auf fast jeder Seite. Was im Übrigen nicht dem Alter des Stoffes, sondern Fitzgeralds anspruchsvollem Stil geschuldet ist.

Wie hat mir das Buch gefallen? Viel passiert im Grunde gar nicht, aber vor meinem inneren Auge entstand beizeiten ein klares, lebendiges Sittengemälde. Ich war direkt drin in den Goldenen Zwanzigern an der Ostküste, wurde Teil jener High Society, hörte die Cocktailgläser klingen, bestaunte die edlen Kleider, spürte die allgegenwärtige Nachkriegs(un?)beschwertheit und gaiety. Die Verfilmung von vor ein paar Jahren sollte ich mir demnächst nachbereitend anschauen.

Was ich aber eigentlich schreiben wollte: An einer Stelle bricht eine Personengruppe zu einem Ausflug per Kraftwagen auf. Jemand weist auf den niedrigen Benzinstand des Autos hin, worauf jemand anders sinngemäß bemerkt: "Ach, wir kommen bestimmt an einem Drugstore vorbei, da bekommt man doch heutzutage alles." Und das ergänzt nun aufs Trefflichste das Bild von amerikanischen Apotheken, das sich mir in Ira Levins "A Kiss Before Dying" darstellte und das ich in diesem Beitrag ansatzweise nachzeichnete. Konnte man in einer gewissen Ära in Drugstores gar tanken oder zumindest (abgefüllten) Treibstoff kaufen? Irre!

Dienstag, 7. Oktober 2025

Wer ist Garrett?

Ein breites Grinsen bemächtigte sich meines Gesichts, als ich letzte Woche "Jeopardy!" sah. Einer der Kandidaten in der Sendung vom 25.9. war Erik Nielsen (M.):


Vorgestellt wurde er als "Vertretungslehrer aus Hollywood", Comedy-Fans dürfte Erik Charles Nielsen jedoch als Schauspieler bekannt sein, der eine kleine wiederkehrende Rolle in "Community" hatte. Tatsächlich war "Garrett Lambert" in jener Sitcom meine Lieblingsnebenfigur; ich musste über jeden einzelnen seiner Auftritte lachen! Dass er bei "Jeopardy!" antreten würde, hatte ich zuvor im Something-Awful-Forum gelesen. Ob ich ihn auch ohne diese Vorab-Info erkannt hätte? Gewiss hätte ich mich die ganze Zeit gefragt: Woher kenne ich den? Schade, dass er am Ende als Zweitplatzierter nach Hause gehen musste. Dabei lag er für einen kurzen Moment sogar in Führung, hatte ein "Daily Double" erwischt und korrekt beantwortet.


Es bleibt die Frage: Ab wann gilt man als berühmt genug, um nicht mehr in einer regulären "Jeopardy!"-Ausgabe an den Start gehen zu dürfen? Ist man mit 43 Credits bei "Community" und einem Stand-up-Auftritt bei Conan noch kein Fall für "Celebrity Jeopardy"? Nun, laut imdb hat sich Nielsen seit 2019 aus dem Schauspielgeschäft zurückgezogen (wobei er zurzeit immerhin in der Animationsserie "Krapopolis" regelmäßig als Sprecher zu hören ist), und schließlich wurde er weder als actor angekündigt noch war seine Fernsehkarriere Thema der Vorstellungsrunde. Ein Mann mit normalem Beruf ohne Starallüren, sympathisch! Von mir aus darf er aber bald mal wieder irgendwo vorsprechen.

Donnerstag, 17. Juli 2025

Stanford and Sohn

In meinem Notizdokument (notizen.txt) stand noch ein Link, von dem ich nicht mehr weiß, warum ich ihn darin aufgenommen hatte. Er führt zum Wikipedia-Eintrag "Stanford University". Vermutlich ging es mir um diese zwei Interessantheiten: 1. Ihr Spitzname ist "Die Farm" ("the Farm"), denn auf dem Hof der Stanfords in Palo Alto wurde sie 1891 eröffnet. 2. Der Wahlspruch der Universität lautet "Der Luft der Freiheit weht". Jawoll, auf deutsch.


Das ist ein Ausspruch des Reformators Ulrich von Hutten. Zu gerne würde ich den Satz von amerikanischen Studierenden ausgesprochen hören. Ganz im Ernst, ich finde es mausig, wenn Amerikaner deutsch sprechen. Bei Latein dagegen – einer Sprache, in der viele Uni-Mottos formuliert sind – rollen sich mir die Zehennägel hoch, vernehme ich sie aus US-amerikanischen Mündern.

Mittwoch, 4. Juni 2025

Autocues und Wildkatzen

In Merv Griffins Biographie "Merv" (vgl. "Seitenstraße" Folge 9) findet sich eine Stelle, die mich die Augenbrauen heben ließ:

"[...] Lewis had positioned the TelePromTers (a rolling version of cue card) at floor level [...]"

Bemerkenswert ist erstens, dass man 1980 noch erklären musste, was ein Teleprompter ist, zweitens die eigentümliche Schreibweise des Wortes. Erklärung: Es handelt sich bei "TelePrompTer" um den Namen eines Medienunternehmens, das sich nach ihrem Hauptprodukt, nämlich dem Teleprompter, benannt hat. Sozusagen rekursiv wird hier die Markenschreibweise mit Binneninitialen auf das Gerät angewandt. Der Erfinder des Teleprompters gründete kurz nach der Marktreife gemeinsam mit Irving B. Kahn die TelePrompTer Corporation, die schließlich zum größten US-amerikanischen Kabelfernsehanbieter werden sollte und später an Westinghouse verkauft, jenen Konzern, bei dem Merv Griffin lange Zeit mit seiner Syndication-Talkshow unter Vertrag stand.

Im Zusammenhang mit dem Teleprompter-Erfinder ist noch zweierlei erwähnenswert. Sein Name war Hubert Schlafly. War der etwa mit der berüchtigten Aktivistin Phyllis Schlafly verwandt oder verschwägert?, fragte ich mich. Weder sein noch ihr Wikipedia-Artikel gibt dies explizit an, doch sind beide in St. Louis, Missouri, im Abstand von ziemlich genau fünf Jahren geboren, und Phyllis' Vater, John Bruce Stewart, arbeitete für – na? – Westinghouse! Phyllis (geb. McAlpin Stewart) heiratete 1949 den Rechtsanwalt John Fred Schlafly Jr., "a member of a wealthy St. Louis family". In welchem Verhältnis jener wiederum zu Hubert stand, konnte ich nicht herausfinden.

Huberts Vater war, so heißt es in der englischsprachigen Wikipedia, ein wildcatter. Was ist das nun wieder? Laut dem (recht unbeholfenen) deutschsprachigen Wikipedia-Artikel handelt es sich dabei um "eine Person[,] die nach Erdöl sucht und erste Bohrungen vornimmt". Die wildcat wells, auf die sich die Berufsbezeichnung bezieht, verdanken ihren Namen dem äußerst ertragreichen Ölfeld "Wildcat Hollow" auf dem Gebiet des heutigen Oil Creek State Park in Pennsylvania. Was genau diese spezielle Art von Ölquelle ausmacht, verstehen andere womöglich besser als ich: "[They] are drilled where little or no known geological information is available. The site may have been selected because of wells drilled some distance from the proposed location but to an underground structure that appeared similar to the proposed site."

Da fällt mir ein: Ich muss unbedingt mal wieder "There Will Be Blood" sehen!

Dienstag, 24. September 2024

The eagle hasn't landed (yet)

Was ist der Nationalvogel der Vereinigten Staaten von Amerika? Der Weißkopfseeadler natürlich, würden wohl die meisten auf diese Frage antworten. Tatsächlich ist der bald eagle, wenn er auch als Wappentier das Große Siegel ziert und somit in den USA allgegenwärtig ist, nie offiziell als national bird anerkannt worden. Dies könnte sich bald dank einer vom National Eagle Center in Wabasha, Minnesota, vorgeschlagenen gesetzlichen Verankerung ändern.

Das regelmäßig über minnesotische (?) Angelegenheiten berichtende Blog TYWKIWDBI hat darüber neulich informiert und dabei nicht unerwähnt gelassen, dass auch viele Menschen in den USA davon ausgehen bzw. ausgegangen sind, der Status des Weißkopfseeadlers als Nationalsymbol sei längst verbindlich festgelegt. Man denkt ja als Laie häufig, dass Selbstverständlichkeiten irgendwo kodifiziert seien, und dann sind sie es gar nicht, Stichwort Gewohnheitsrecht. Dass zum Beispiel Deutsch in Deutschland Staats- oder Landessprache ist, wird auch in keinem Gesetzestext schriftlich festgehalten (soweit ich weiß, regelt lediglich das Gerichtsverfassungsgesetz, dass die Gerichtssprache Deutsch ist, wobei Wirtschaftsprozesse hierzulande künftig auch auf Englisch geführt werden dürfen); Initiativen à la "Deutsch ins Grundgesetz!", wie sie alle paar Jahre von sich reden machen, sind meines Erachtens unsinnig.

Übrigens: "Einen wirklich offiziellen Nationalvogel gibt es in Deutschland wohl nicht. 1966 betitelte der Deutsche Bund für Vogelschutz den Weißstorch als Nationalvogel. [...] Auf dem Bundeswappen Deutschlands ist ein stilisierter schwarzer Adler abgebildet, der keine bestimmte Art repräsentiert. Trotz[dem] ist der Steinadler als Nationaltier Deutschlands bekannt." (vogelundnatur.de)

Dienstag, 5. März 2024

... and I'm all out of bubblegum

In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung gab es ein Interview mit John Bolton, dem ehemaligen US-Botschafter bei den Vereinten Nationen. Folgende Stelle in seiner Antwort auf die Frage "Im Kongress sind die Ukraine-Gelder blockiert. Wird er sie bald freigeben?" fand ich sprachlich bemerkenswert:
Die Suche nach einem parlamentarischen Weg durch das Repräsentantenhaus läuft auf vollen Touren. Ich stimme den Republikanern zu, die Bidens Grenzpolitik als nutzlos und gefährlich für unser Land kritisieren. Aber die Vereinigten Staaten müssen in der Lage sein, to walk and chew gum at the same time. Es ist selbstzerstörerisch, die Hilfe zu verzögern, weil Bidens Grenzpolitik ungenügend ist.
Da der englischsprachige Nebensatz unübersetzt geblieben ist, gehe ich davon aus, dass es sich um eine stehende Wendung handelt, die auf deutsch für (noch mehr) Verwunderung sorgen würde. Sowohl das englische Wiktionary als auch das mir bisher nicht bekannte "Free Dictionary by Farlex" geben an, dass dieser Phraseologismus in der Regel negiert verwendet wird, "to indicate incompetence" oder "to convey ineptitude". Man schreibt oder sagt also so etwas wie "Der kann doch nicht mal gleichzeitig gehen und Kaugummi kauen". Der Wiktionary-Beleg von 1978 – keine Ahnung, ob es sich um das älteste schriftliche Beispiel handelt – ist allerdings wie unser SZ-Zitat positiv formuliert: Die United States Federal Trade Commission (Statutes and Court Decisions) hat festgehalten, dass "The philosophy communicated to T.E.C. salesmen was to enroll any person who could 'walk and chew gum at the same time'". Es wird eine geistige Mindestanforderung gestellt bzw. akzeptiert, und so wird es auch bei Bolton gemeint sein: Die USA sollten es fertigbringen, sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, müssen das eine ausblenden, wenn sie das andere erreichen wollen.
Dafür wüsste ich auch keine adäquate Übersetzung. "Bis drei zählen können" oder ähnliches würde m.M.n. nicht funktionieren.

Dienstag, 20. Februar 2024

Geographischer Spitzname der Woche

In einem Süddeutsche-Artikel über den US-amerikanischen Supreme Court gelernt: Redneck Riviera. Das ist eine Bezeichnung für den "konservativen Küstenstreifen Floridas am Golf von Mexiko". Besonders nett ist das nicht. Mit dem neutraleren, ebenfalls inoffiziellen Namen "Emerald Coast" ist denn auch der dazugehörige Wikipedia-Artikel überschrieben, der diese Region vorstellt. Im Jahr 1952, liest man darin, etablierte ein Journalist den verheißungsvollen Namen "Miracle Strip", nachdem man ab 1946 versucht hatte, den Streifen zwischen den Städten Fort Walton Beach und Panama City als "Playground of the Gulf Coast" zu vermarkten.

Dienstag, 26. Dezember 2023

Flagge zeigen (in Minnesota)! [Update]

Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Minnesota hat letzte Woche seine neue Staatsflagge enthüllt! Das Design mag nicht das ausgeklügeltste sein – oder wie es bei "Late Night with Seth Meyers" hieß:


Na ja, immerhin der Stern des Nordens ist erhalten geblieben. Glückwunsch!

Donnerstag, 30. November 2023

Flagge zeigen (in Minnesota)!

Das ist die Flagge des US-Bundesstaats Minnesota:


Bereits seit der "Mitte des 20. Jahrhunderts" wurde "über eine Umgestaltung nachgedacht", nun werden Nägel mit Köpfen gemacht. Gründe sind einerseits die "Kosten in der Herstellung der Flagge" (Wikipedia), andererseits die allgemeine Unbeliebtheit. Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung wurden mehr als 2000 Vorschläge für eine Neugestaltung eingereicht. Die im Mai 2023 installierte Kommission stellte jüngst die Shortlist vor:

(unter Voraussetzung freundlicher Genehmigung von TYWKIWDBI geklaut. Einzeln sind die Entwürfe unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 bei Wikipedia als *.svg-Dateien herunterladbar.)

Welche gefällt euch am besten? Ich würde für rechts oben stimmen, Platz 2 Mitte unten. Der North Star muss natürlich enthalten sein. Schade, dass es der Staatsvogel, der Eistaucher (common loon), den ihr vielleicht noch nie gesehen, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber schon mal gehört habt, nicht auf einen der sechs Finalisten geschafft hat. Man wird davon absehen, ihn abzubilden, weil er nicht in allen Regionen des Staates heimisch ist, sondern hauptsächlich in der Mitte und im Nordosten anzutreffen ist (Quelle: StarTribune). Auch die Staatsblume (Königin-Frauenschuh, englisch showy lady's slipper, pink-and-white lady's-slipper oder queen's lady's-slipper) ist lediglich stark abstrahiert auf einem Flaggenvorschlag zu sehen (rechts unten). Womöglich landet der Vogel wenigstens auf dem neuen Staatssiegel, welches im selben Zuge ebenfalls ein Make-over erhalten soll; die fünf finalists können auf dem verlinkten StarTribune-Artikel angeschaut werden. Ich bin gespannt, wofür man sich nächstes Jahr entscheiden wird.

Montag, 31. Juli 2023

Dinner time!

Via TYWKIWDBI: Wann wird in US-amerikanischen Haushalten zu Abend gegessen? Eine Berechnung auf Grundlage von Erhebungen des American Time Use Survey 2018 bis 2022 ergibt folgenden Graphen (ich hoffe, es ist okay, den hierher zu kopieren):


18 Uhr 19 als Spitzenzeit überrascht mich. Nach dem, was ich in amerikanischen Filmen und Serien gesehen habe, hätte ich vermutet, dass viel später diniert wird. Der Datensatz lässt sich nach Bundesstaaten aufdröseln; demzufolge versammelt man sich in Pennsylvania am allerfrühesten am Esstisch, durchschnittlich um 17 Uhr 37, was ein Kommentator im verlinkten Blog damit zu erklären versucht, dass es in Pennsylvania eine hohe Population von Amish ohne Strom gibt. Diese Annahme lässt sich mit Blick auf die nackten Zahlen kontern: In Pennsylvania leben zwar mit 23,7 % die meisten Amish der USA, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung des Staates beträgt aber nur 0,67 %, was sogar von Ohio (0,69 %) und Indiana (0,92 %) übertroffen wird, deren Essenszeiten im Mittelfeld liegen. Texas ist übrigens Schlusslicht (19 Uhr 02), geschlagen nur vom District of Columbia (19 Uhr 10). Über die Gründe kann man spekulieren. ("Is it an age thing? A sunlight thing?")

Gäbe es auf meinem Blog so etwas wie Publikumsinteraktion, würde ich jetzt fragen: Wie ist das bei euch, wann esst ihr Abendbrot? Überhaupt hätte ich gern entsprechende Daten für Deutschland.

Sonntag, 28. Mai 2023

Super Mario Pfand: 3 Golden Coins

Ich habe noch nie eine Pfandleihe genauer betrachtet und hoffe, dass ich niemals in einer vorstellig werden muss*, darum kann ich nicht sagen, ob das Folgende auch auf Deutschland zutrifft. In den USA jedenfalls gibt es die – freilich in Europa beheimatete – Tradition, Pfandhäuser mit drei goldenen Kugeln zu zieren; ein Zunftzeichen vergleichbar mit dem barber pole**.

Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei den drei Kugeln um Byzantiner Münzen, engl. bezant, Wappenfiguren, die im mittelalterlichen Europa den Solidus, den "Euro des Mittelalters", und somit im erweiterten Sinne jegliche Art (oströmischer) Goldmünzen repräsentierten. Sie sollen zuerst von lombardischen Kaufleuten und Geldwechslern vor deren Geschäften aufgehängt worden sein, zunächst zweidimensional als Wappenelement, später in Kugelform an einer Stange. Das Kredit- und Pfandwesen hat in der Lombardei seine Ursprünge, man spricht nicht umsonst heute noch von Lombardsatz, Lombardkredit usw. Eine prominente Familie, die fünf (anfänglich sogar acht, dann sechs) solcher Kugeln im Wappen führte, waren die Medici.


Die hatten bekanntlich viel mit Finanzen zu tun, stammten allerdings nicht aus der Lombardei, sondern waren mit Florenz verbandelt. Es gibt denn auch alternative Erklärungen dafür, was es mit den Kugeln auf sich hat:
- Sie stehen für (drei) Säcke voller Steine. Mit diesen soll kein Geringerer als Karl der Große im Auftrag der Medici einen Riesen niedergestreckt haben.
- Es sind Darstellungen von Pillen. Damit wird auf die Bedeutung des italienischen Wortes medici verwiesen: Ärzte.
- Goldene Kugeln (abermals drei) sind ein Attribut des Heiligen Nikolaus, Bezug nehmend auf dessen Spende dreier Goldklumpen an einen verarmten Mann als Mitgift für seine drei Töchter, die er schon in die Prostitution schicken wollte. St. Nikolaus ist unter anderem der Schutzpatron der Pfandleiher.
Es hängt also alles irgendwie miteinander zusammen. Wer mehr weiß, darf mich gerne aufklären.

* Habt ihr John Mulaneys letztes Stand-up-Special gesehen und erinnert euch an die Stelle mit dem pawn shop?
** Gruselig, es ist fast auf den Tag genau zehn Jahre her, dass ich darüber schrieb!

Freitag, 7. April 2023

Kurz notiert: Unterirdische Fehler

Folgendes ist schon eine ganze Weile her, deswegen wirklich nur in aller Kürze. Über die Wandgestaltung des runderneuerten New Yorker Mega-Metro-Bahnhofs Grand Central schrieb die Süddeutsche vor circa einem Monat:

Die Malerin Georgia O'Keeffe ist mit diesem Satz vertreten: "Man kann New York nicht so malen, wie es ist, sondern eher so, wie es sich anfühlt." Jedoch: In ihrem Nachnamen fehlt ein Buchstabe. Sie ist als "Georgia O'Keefe" vertreten. Soweit sich das nachvollziehen lässt, ist dieser Fehler zunächst dem Mediendienst Bloomberg aufgefallen, anschließend stürzte sich die New Yorker Boulevardpresse darauf. Tenor, grob verknappt gesagt: Haha, diese Idioten.

Das ist jedoch noch gar nix im Vergleich zu dem Fauxpas, den man sich in Berlin geleistet hat. In einer "Wortfeldwolke" zum Komplex (Klima-)Forschung an den Wänden der ebenfalls relativ neuen U-Bahnstation Unter den Linden findet sich die scheinbar unscheinbare Buchstabenfolge "Kondenstreifen". Sic! Bei dem nicht sehr häufigen Familiennamen einer Künstlerin danebenzuliegen, ist das eine. Ein gewöhnliches zusammengesetztes Substantiv falsch zu schreiben, das andere. Einen Kommentar des Tenors "Haha, diese Idioten" wird man mir dennoch nicht entlocken.

Freitag, 20. Januar 2023

Jahrmarkt der Eitelplatten

Das Department of Motor Vehicles (DMV) von Missouri, also die Kfz-Zulassungsstelle, die, wie ich soeben lernte, in jenem Staat Department of Revenue heißt, hat im vergangenen Jahr 471 Anträge auf individuelle Nummernschilder (sog. vanity plates) abgelehnt. Die vollständige Liste hat die Behörde, wie etliche US-amerikanische Medien verbreiteten, als Tabelle auf Google Docs zur Einsicht bereitgestellt.

Das Dokument wird irgendwann bestimmt nicht mehr verfügbar sein, weswegen ich einige der verbotenen Kürzel hier aufführen möchte. Einen alarmierend großen Teil machen solche Kennzeichen aus, die den amtierenden Präsidenten diffamieren: Variationen von "Fuck Joe Biden" (FJ0BDN, FJB, FKJ0, FUCJB, FKJBDN, FJB24, FUJB46, 46FJB, FJB01, FJB01K, FJB46X, FJBLFG, FKAJ0B, FKBDEN, FKBYDN usw. [die 46 steht für den 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten]) bzw. der gern in Stadien skandierten Chiffre "Let's go, Brandon" (LGBN0W, LGBNDN, LGB03). Häufig findet man natürlich reine Obszönitäten: CUM4ME, BU55YY, C0X4ME, WANKR, E4TA5S, B00BYZ, M1NGE und einiges mehr. Das DMV geht dabei ziemlich streng vor und verbietet zum Beispiel auch scheinbar Unverfängliches wie EATVAG oder Q0Q (cock?). Klar: Wenn ein Auto mit "FREEAF" an einer Grundschule vorbeirolltt und die Kinder wissen wollen, wofür "AF" steht (nämlich "as fuck"), kann das für anwesende Lehrkräfte unangenehm werden. Auch in Sachen Gewaltverherrlichung und Volksverhetzung kennen die Beamten keinen Spaß: KLLERS, MURD3R, XKXKXK (KKK!) wurden ebenso abgeschmettert wie ALLCAB, GULAG oder FKPUTN. Insgesamt scheint man in Missouri ziemlich auf Zack zu sein. Beschäftigt man dort eigens jemanden, der sich mit Slang und Jugendsprache auskennt? Schließlich sind sogar Kürzel wie PUNAN1, HENT1A, WAP11, SUSAF, FNL0ST und TH0RNY ("Thorny: To be horny and thirsty at the same time"; Urban Dictionary) auf dem Index gelandet. Diese dürften für viele am Straßenverkehr Teilnehmende doch völlig unverständlich sein! So wie für mich u.a. folgende: 1032GT, AHEG0, EFF0FF, Q7EENB. Hä???

Wie ist eigentlich die Situation in Deutschland? Ich entsinne mich einer Meldung aus Hessen, nach der angedacht worden sei, das Kürzel IS ("Islamischer Staat") als Teil von Kfz-Kennzeichen nicht mehr zu vergeben. Ah, ich habe sie wiedergefunden! Die FAZ schrieb im April 2016: "In der Landeshauptstadt Wiesbaden gibt es keine Pläne, Autokennzeichen mit dem Buchstabenpaar nicht mehr zu vergeben. [...] Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Wiesbaden regelt ein Erlass, welche Lettern auf Nummernschildern hessenweit tabu sind. Auf Landesebene seien derzeit aber keine weiteren Verbote geplant, sagte ein Sprecher. Dem Erlass zufolge sind nicht erlaubt: NS (Nationalsozialismus), SS (Schutzstaffel), SA (Sturmabteilung), SD (Sicherheitsdienst), KZ (Konzentrationslager) und HJ (Hitlerjugend)". In Frankfurt ist "F-IS" bis heute erlaubt. In den meisten Fällen, zitiert das Blatt einen Kreissprecher, "hatte die Kennzeichen-Wahl eher mit den Namensinitialen der Zulassenden zu tun." Ja, das setze ich auch jedes Mal in dubio pro reo voraus, wenn ich Berliner Autos sehe, die mit "B-DS" oder "B-DM" durch die Gegend fahren.

Freitag, 6. Januar 2023

American Nobility X

"Spiegel online" erinnert heute, leider hinter der Bezahlschranke, an die Abdankung König Eduards VIII. wegen dessen skandalöser Beziehung zu Wallis Simpson, thematisiert u.a. in dem Film "The King's Speech" von 2010. Das ließ in mir die Frage aufkeimen, wie oft es wohl schon vorgekommen ist, dass eine Person, die in den USA – wo es ja keinen Erbadel gibt* – geboren wurde, später durch Heirat, Ernennung oder sonstige Umstände in den Adelsstand erhoben worden ist. Lobenswerterweise hält die englischsprachige Wikipedia eine solche Übersicht bereit: List of Americans who held noble titles from other countries.

Korrekt müsste es "hold or held" heißen, denn in der Auflistung befinden sich auch lebende "US-Adelige", wie ich sie mal nennen möchte. Joanna Shields etwa, 1962 in Pennsylvania geboren, wurde, nachdem sie im Tech-Business Karriere gemacht hatte, 2012 von David Cameron angeworben, rutschte sozusagen in die britische Politik hinein und wurde schließlich 2014 ins Oberhaus berufen, womit sie zur Baroness Shields wurde.

Ein peerage, sogar ein ererbtes, hält auch der Komiker und Filmemacher ("Spinal Tap") Christopher Guest, obwohl er in New York geboren wurde. Sein Vater war der 4. Baron Haden-Guest, dessen Sitz im House of Lords nach seinem Tod 1996 auf Christopher überging, diesem nach kurzer Zeit aber wieder entzogen wurde, als das (von ihm selbst als ungerecht empfundene) System 1999 reformiert wurde. Auch wenn Guest heute nicht mehr dem Haus als sitzungsberechtigtes Mitglied angehört, führt er als Lord Temporal nach wie vor den Namenszusatz 5th Baron Haden-Guest – und hat die Ehre, der bislang einzige adelige "Saturday Night Live"-Schauspieler gewesen zu sein.

Ariana Austin Makonnen, 1984 als Ariana Joy Lalita Austin in Washington, D.C., zur Welt gekommen, lernte 2005 ebendort Prinz Joel Dawit Makonnen kennen, Urenkel des letzten Kaisers von Äthiopien ("Haile Selassie" ist tatsächlich Teil seines Namens). Die beiden heirateten 2017 in einer äthiopisch-orthodoxen Kirche in Maryland. Seitdem darf sich Ariana, die zuvor zum Glauben ihres Bräutigams konvertiert ist, "Prinzessin" nennen.

Historisch ist wohl der Fall Grace Kelly der bekannteste. Aber es gibt noch mehr skurrilen Glamour zu entdecken. Josiah Harlan (*1799 in Pennyslvania) unternahm weitläufige Handels- und Abenteuerreisen, u.a. durch Ostindien und den Punjab. Im Gebiet des heutigen Afghanistan setzte Harlan sich in den Kopf, zu einem echten Royal aufzusteigen, was ihm durch geschicktes Taktieren als militärischer Berater (er sah sich selbst als "modernen Alexander der Große") schließlich gelang, als er von dem einflussreichen Lokalherrscher Mohammad Reffee Beg Hazara zum Fürsten von Ghor (Prince of Ghor) ernannt wurde. Rudyard Kiplings Kurzgeschichte "Der Mann, der König sein wollte" ist teilweise von Harlans Biographie inspiriert.

2019 starb Monica von Neumann, geboren 1964 in Detroit als Monica Ann Ford und wie Ariana Austin Makonnen eine Afro-Amerikanerin. Sie arbeitete als Tänzerin und Model, bevor sie auf einer Party in Palm Springs von keinem Geringeren als Sonny Bony (von Sonny and Cher) mit John "Johnny" Neumann Ritter von Héthárs bekannt gemacht wurde, den sie 1985 ehelichte. Die jüdischen von Neumanns wurden erst im 19. Jahrhundert in den Adelsstand erhoben, der Héthárs-Zweig schaffte es in Österreich-Ungarn dennoch zu einigem Ansehen: An den Vater des 2003 verstorbenen John, den HNO-Arzt Heinrich Neumann (*1873 in der heutigen Slovakei, †1939 in New York), erinnert noch heute eine Plakette in Wien. Monica von Neumann soll zum Zeitpunkt ihres Todes in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt haben. 2010 hatte sie noch versucht, unter dem Label Baroness von Neumann Candles luxuriöse Kerzen zu vertreiben (das Kerzensymbol ist wohl ein Neumannsches Wappenelement bzw. die Helmzier des Ritters; ich konnte allerdings kein Bild dazu finden).

Apropos Österreich-Ungarn: Cissy Patterson aus Chicago (1881-1948) lernte in Wien Josef Gizycki kennen, meiner Schnellrecherche nach ein galizischer Graf, durch dessen Ehe, die allerdings 1904 geschieden wurde, sie zur Countess wurde. Berühmtheit erlangte sie aber vor allem als Zeitungsverlegerin in Washington, D.C.

Das soll an interessanten Beispielen reichen.

* Nicht nur verbietet die Verfassung ausdrücklich die Vergabe von Adelstiteln durch den Staat (sog. Foreign Emoluments Clause), es gibt sogar einen nie auf Bundesebene ratifizierten Entwurf eines Verfassungszusatzes, der vorsah, einem US-Bürger die Staatsbürgerschaft zu entziehen, wenn er "ohne Zustimmung des Kongresses einen Adels- oder Ehrentitel oder Geschenke, Pensionen, Ämter oder Bezüge jeglicher Art von einem Kaiser, König, Prinz oder einer sonst ausländischen Macht annimmt, beansprucht, erhält oder behält" (Titles of Nobility Amendment von 1810).

Montag, 8. August 2022

Einiges über, nein: unter New York

Vor ein paar Monaten bemerkte ich am Rande, dass ich nach "Access All Areas" des Herrn "Ninjalicious" Appetit auf mehr Literatur zum Thema verspürte. Ein ebenda in einer "kurzen Geschichte der Urban Exploration" erwähntes Buch machte mich besonders neugierig: "New York Underground. Anatomie einer Stadt" der in New York lebenden deutschen Untergrundforscherin Julia Solis. Sowohl die in Berlin erschienene Originalausgabe von 2002 als auch die englische Übersetzung sind nur noch antiquarisch und zu Mondpreisen zu bekommen, doch löblicher- und glücklicherweise hatte meine Lieblingsbibliothek ein Exemplar des deutschsprachigen Hardcovers im Bestand. Ich lieh es mir und kann sagen: Wer sich nur im Entferntesten für die unsichtbaren Lebensadern der US-Metropole schlechthin interessiert und irgend an das Buch herankommen kann, sollte es sich vornehmen.

Aus der Masse an spannenden Fakten und Anekdoten möchte ich ein Kuriosum wiedergeben, das mit Urbex nicht direkt etwas zu tun hat: Der erste Mann, der von einer U-Bahn überfahren wurde, hieß Leidschmudel Dreispul. Noch mal zum Mitschreiben: Leidschmudel Dreispul. Der Name mitsamt der unrühmlichen Errungenschaft seines Trägers war mir aus Ninjalicious' Buch bekannt, aber ich hielt die entsprechende Notiz für einen Insider-Gag, eine Art U-Boot, zumal man ausschließlich auf (wenige) Veröffentlichungen aus dieser Szene stößt, wenn man danach googelt. Aber warum sollte die Autorin in einem ansonsten beispiellos quellentreuen Werk eine Legende reproduzieren oder den Samen für eine solche säen? Im Detail heißt es bei ihr: "Bislang kannte man nur langsame Straßenbahnen, denen man leicht aus dem Weg gehen konnte. Vor den Straßenbahnen aus dem Weg zu springen, 'dodging' genannt, war ein so populärer Sport, daß das Brooklyner Baseball-Team sich den Namen 'Dodgers' gab. Aber der IRT-Zug fuhr 65 Stundenkilometer." (IRT = Interborough Rapid Transit) "Das erste Opfer war Leidschmudel Dreispul, der eine Woche nach der IRT-Eröffnung im Tunnel unter der 137. Straße einen Spaziergang auf den Gleisen unternahm und nach nur wenigen Metern von einem Zug erfaßt wurde. Ähnliches passierte nun leider so oft, daß die IRT-Gesellschaft Schilder aushängen mußte, die das Betreten der Gleise untersagten."

Donnerstag, 4. August 2022

Kurz notiert: Rhode Island

Warum habe ich das jetzt erst mitbekommen? Der US-Staat Rhode Island hat seine Einwohner im November 2020 – bürokratieschonend am Tag der Präsidentschaftswahl – darüber entscheiden lassen, ob sein offizieller Name einer Kürzung unterzogen werden soll. Das Referendum fiel zugunsten der Straffung aus: Aus dem State of Rhode Island and Providence Plantations wurde der State of Rhode Island.

Seitdem ist der "Ocean State" nicht länger der Bundesstaat mit dem längsten offiziellen Namen. Diesen führt nun ein anderer Neuengland-Staat, das Commonwealth of Massachusetts mit 27 Buchstaben, dicht gefolgt vom Commonwealth of Pennsylvania. "We all live in fear of the moment when the Commonwealth of the Northern Mariana Islands applies for statehood", zitiert der Boston Globe den tongue-in-cheek-Kommentar des Providencer Hobby-Historikers Robert I. Burke.

Hauptgrund für die Namensänderung war die unangenehme Assoziation, die mit dem Verweis auf Plantagen heutzutage einhergeht. "For a long time, 'plantations' did not connote slavery", so Burke gegenüber dem Globe. "But at one point, it became irretrievably tied to the concept of slavery, and Rhode Island played such a prominent role in the slave trade." Wenigstens kann sich Rhode Island nach wie vor mit dem Rekord "kleinster Staat der USA" schmücken.

Mittwoch, 15. Juni 2022

Into the Learoverse

In meinem "Saturday Night Live"-Durchlauf noch nicht gesehener Staffeln war neulich Episode 29x17 dran (10. April 2004). Host war Janet Jackson, ein Gig, der sich hauptsächlich dem Umstand verdankte, dass Amerika während jener unschuldigen Zeit wochenlang über nichts anderes redete als über den Super Bowl nip slip. (Die Älteren werden sich erinnern.) Jacksons Verpflichtung begünstigte aber auch das Zustandekommen eines Sketches, mit dem ich zunächst nichts anfangen konnte: der Parodie einer Sitcom namens Good Times, in welcher die junge Janet Jackson eine wiederkehrende Rolle gehabt hatte. Nebenbemerkung: Wer sich den verlinkten Youtube-Clip anschaut, wird den vor allem aus Curb Your Enthusiasm bekannten Komiker J.B. Smoove entdecken; der hatte sich nämlich als Ensemblemitglied bei SNL beworben, ist dann "nur" im Schreibteam gelandet, war aber hin und wieder vor der Kamera zu sehen, und dies dürfte sein markantester Auftritt gewesen sein.

Ich wollte Näheres über die Serie wissen und erfuhr so allerlei. "Good Times" lief von 1974 bis 1979 in sechs Staffeln auf dem Sender CBS und wurde produziert von Norman Lear. Und dieser Kerl ist nicht weniger als eine Legende. Er wird nächsten Monat 100 Jahre alt und hat in seiner jahrzehntelangen Karriere Formate entwickelt, die aus der amerikanischen Popkultur nicht wegzudenken sind. Dass er auch bei "The Princess Bride" mitwirkte, ist da nur eine Fußnote. Wie es Gevatter Zufall so will, stolperte ich wenige Tage nachdem ich genannte SNL-Folge gesehen hatte, auf die Meldung, dass ein animiertes Reboot von "Good Times" noch dieses Jahr auf Netflix starten soll – produziert vom unermüdlichen Norman Lear! Leider finde ich die Nachricht nicht mehr; die meisten News dazu stammen von 2020 und vermelden, dass sowohl Seth MacFarlanes Produktionsfirma Fuzzy Door als auch der Basketballspieler Steph Curry darin involviert sein sollen.

"Good Times" ist eine in zweifacher Hinsicht typische Lear-Produktion. Erstens war sie für das Sitcom-Genre einigermaßen fortschrittlich insofern, als sie gesellschaftliche Vielfalt abbildete, das durchschnittliche US-Publikum auch vor unangenehmen Themen nicht verschonte und von der Unterhaltungsindustrie oft übersehene Schichten in den Fokus rückte, in diesem Fall eine von Fortuna nicht gerade begünstigte Schwarze Familie aus den projects (Stichwort Cabrini-Green). Dass die Zuschauer in den wilden Siebzigern durchaus offen für solche Stoffe waren, zeigte sich in den herausragenden Quoten, die erst nach Besetzungsänderungen infolge interner Querelen peu à peu einbrachen.

Das zweite Lear'sche Trademark, für das "Good Times" beispielhaft steht, ist sein, Lears, Geschick darin, die Networks zu überzeugen, eine Kuh bis zum Äußersten zu melken, dabei aber regelmäßiger Frischzellenkuren zu unterziehen, wenn mir diese schiefe Tiermetapher gestattet sei. "Good Times" gilt als das erste Spin-off eines Spin-offs der Fernsehgeschichte. Eine der Hauptfiguren in "Good Times" entstammte der Sitcom Maude: Florida Evans (gespielt von Esther Rolle) hatte die beim Publikum überaus beliebte Haushälterin der titelgebenden Maude verkörpert, und auch ihr Mann Henry Evans (John Amos, u.a. bekannt aus den "Prinz aus Zamunda"-Filmen) war schon bei "Maude" aufgetaucht, wurde für "Good Times" dann allerdings in James umbenannt. Er und Lear überwarfen sich nach Staffel 3, was dazu führte, dass die Figur des James aus der Serie geschrieben = off-screen getötet wurde. So was kennt man ja. Etwas befremdlicher dürfte dagegen die Entscheidung gewirkt haben, die 5. Staffel – nach ungehörten Beschwerden der Darstellerin – ohne die Hauptfigur Florida über den Äther laufen zu lassen, bevor diese in der finalen 6. Staffel zurückkehrte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Einschaltquoten jedoch schon im Sinken begriffen.

Man sieht: Hinter den Kulissen war nicht alles eitel Sonnenschein, doch der Erfolg gab dem Prinzip Lear recht. In der TV-Saison 1974/75 hatten drei der zehn meistgesehenen Serien einen überwiegend afro-amerikanischen Cast, und an allen dreien war Norman Lear beteiligt: "Good Times", "The Jeffersons" und "Sanford and Son". Über die letzten beiden sind separat ein paar Worte zu verlieren. Und zwar jetzt.

Sanford and Son brachte es von 1972 bis 1977 auf 136 Episoden in sechs Staffeln. Den ins Ohr gehenden Titelsong dürfte man auch hierzulande schon mal gehört haben. Weniger bekannt ist, dass die Serie ein Remake der BBC-Produktion Steptoe and Son war (8 TV- und 6 Radio-series, zwei Filme, 1962-1976). Norman Lear war Ausführender Produzent und Co-Developer, tauchte aber nie in den Credits auf, was daran gelegen haben mag, dass er mit dieser NBC-Show quasi seine eigene Konkurrenz lanciert hatte, nämlich zu "All in the Family" auf CBS (dazu gleich). Vater Sanford verkörperte die Stand-up-Legende Redd Foxx (warum hat der keinen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag?), den Sohn Demond Wilson (* 1946). Fun fact: An zwei Drehbüchern von "Sanford and Son" war eine weitere Stand-up-Legende beteiligt, nämlich Richard Pryor! 1977 gab es den Versuch eines Spin-offs ohne die zwei Hauptcharaktere: Von Sanford Arms wurden, mit Norman Lear als Consultant, acht Folgen produziert, vier davon ausgestrahlt, die restlichen vier erst im Rahmen einer Wiederholung 1991. Etwas erfolgreicher war Sanford (1980-1981), das wieder Redd Foxx in seiner alten Rolle zeigte (das Fehlen seines Sohnes wurde damit erklärt, dass dieser an der Trans-Alaska-Pipeline mitarbeitete); Lear hatte damit nichts mehr zu tun.

Noch einmal nach Großbritannien. Dort liefen von 1965 bis 1975, zum Teil noch in schwarz-weiß, sieben Staffeln der Serie Till Death Us Do Part. Aufgrund der berüchtigten Wiping-Praxis der BBC – Bänder wurden routinemäßig überspielt oder gelöscht – sind 16 der 54 Episoden verschollen. Großen Einfluss erlangte die Sitcom so oder so, nicht nur in der Heimat: Etliche Remakes erblickten im Ausland das Licht der Welt, darunter die deutsche Kultreihe Ein Herz und eine Seele und in den USA eben All in the Family. Mit dieser Blue-collar-Comedy landete Schöpfer Norman Lear, wenn auch anfänglich eher bei den Kritikern denn beim Publikum, seinen ersten und gleichzeitig epochalsten Hit. Der TV Guide hievte "All in the Family" auf Platz 4 seiner Liste der "50 Greatest TV Shows of All Time", die Writers Guild of America wählte sie zur viertbestgeschriebenen Serie aller Zeiten, und der Sender Bravo kürte die Hauptfigur Archie Bunker zum "Greatest TV Character". "All in the Family" führte fünf Jahre in Folge die Nielsen-Ratings an, das war vorher noch keinem Format gelungen. CBS ließ zwischen 1971 und 1979 insgesamt 205 Folgen in neun Staffeln produzieren und ausstrahlen. (Bemerkenswert: Knapp zwei Jahrzehnte später startete auf diesem Sender mit King of Queens eine ebenfalls über neun Seasons, sogar mit zwei Folgen mehr, laufende Serie, die sich mit "All in the Family" den Schauplatz teilte.)

Die Serie um Carroll O'Connor als bigotten, aber liebenswerten Familienvater war nicht nur quotenmäßig bahnbrechend, sondern auch inhaltlich. Themen, die zuvor als tabu galten, wurden hier regelmäßig zur besten Sendezeit verhandelt, so etwa (ich übersetze die englischsprachige Wikipedia) Rassismus, Antisemitismus, Untreue, Homosexualität, Emanzipation, Vergewaltigung, Religion, Fehlgeburten, Abtreibung, Brustkrebs, der Vietnamkrieg, Menopause und Impotenz. Wohlgemerkt hat man diese heiklen Terrains nicht erst aufmerksamkeitsheischend in späteren Staffeln betreten; die meisten davon spielten bereits in Season 1 eine Rolle. Später wurden auch noch behandelt: Arbeitslosigkeit, Schusswaffenreglementierung, Partnertausch, Kleptomanie, Hassverbrechen, Spielsucht, geistige Behinderung, Organspende, Cross-dressing, häusliche Gewalt, Medikamentenmissbrauch, Depression, Altersdiskriminierung, Sterbehilfe und, das noch als kleines Kuriosum, Behördenchaos durch Computerfehler (im Jahr 1973!). Jawohl, ich habe soeben alle Inhaltsangaben gelesen. Der Humor kam trotzdem nie zu kurz. Für den gigantischsten Brüller – das Live-Publikum lachte so lange, dass die Szene für die Ausstrahlung stark geschnitten werden musste – sorgte Sammy Davis Jr. (ja, von solchem Kaliber waren die Gaststars), der Archie einen Knutscher auf die Wange versetzte.

Mit dem Finale der 2. Staffel wurde dann das erste Spin-off eingeleitet, die Folge "Maude" war der Backdoor pilot für die gleichnamige Serie, nachdem die Figur der Maude in Episode 2x12 als Cousine von Archies Frau Edith Bunker (Jean Stapleton) eingeführt worden war. Bis 1978 sollte Beatrice "Bea" Arthur (später eines der drei Golden Girls) in der Rolle der an Norman Lears damalige Ehefrau Frances angelehnte Maude Findlay schlüpfen. Galt "All in the Family" schon als progressiv, sollte "Maude" im Verlauf ihrer sechs Seasons noch mehrere Schippen drauflegen, womit Unmut in konservativen Kreisen programmiert war. Die zu Beginn 47 Jahre alte, zum vierten Mal verheiratete Maude war eine ultra-liberale Feministin und ging als erste fiktive Person im US-Fernsehen, die sich einem Schwangerschaftsabbruch unterzieht, in die Annalen ein. Schon in der ersten Staffel, rund zwei Monate vor der wegweisenden Supreme-Court-Entscheidung Roe v. Wade, lief die entsprechende Episode, die zu wiederholen sich Dutzende Affiliates weigerten. Auch von der ersten Staffel an dabei war Haushaltshilfe Florida, die schließlich 1974 ihre eigene Serie erhielt; siehe oben.

Und damit schließt sich der Kreis ... noch nicht ganz: Noch vor Maude, nämlich direkt im Piloten von "All in the Family", wurde der Nachbar der Bunkers, George Jefferson, eingeführt. George und seine Familie verabschiedeten sich in Folge 5x16 ("The Jeffersons Move Up") nach Manhattan. Die Black comedy The Jeffersons konnte sich sagenhafte elf Staffeln lang halten, mit 253 Episoden bis 1985. Weniger Glück war dem Hausmädchen der Jeffersons, Florence Johnston (Marla Gibbs), beschieden, deren Ableger Checking In 1981 nach gerade mal vier Folgen abgesetzt wurde. "The Jeffersons" spielt außerdem im selben Serien-Universum wie E/R (1984-1985, nicht zu verwechseln mit "ER", bei uns "Emergency Room"): Eine der darin vorkommenden Krankenschwestern (Lynne Moody) ist die Nichte von George und Louise Jefferson.

Wenn vorhin der Eindruck entstanden sein sollte, Familie Bunker habe sich "nur" bis 1979 die Ehre gegeben, so stimmt das nicht. Denn angesichts des anhaltenden Erfolgs bestand CBS auf einer zehnten Staffel, während Norman Lear nach dem Motto "Aufhören, wenn es am schönsten ist" einen Schlussstrich ziehen wollte. Der Kompromiss war eine Fortsetzung mit neuem Setting und neuem Titel: Archie Bunker's Place war geboren. Jean Stapleton, die ebenfalls das Gefühl gehabt hatte, die Luft sei raus, ließ sich zu fünf Gastauftritten als Edith Bunker in der ersten Staffel breitschlagen. Ab Season 2 war Archie dann Witwer, Edith war mit einem tödlichen Schlaganfall aus der noch bis 1983 fortgesetzten Reihe gezaubert worden. Die finale, 29. (!) Episode der dritten Staffel stellte dann einen weiteren Backdoor pilot dar, nämlich für Gloria. Darin behauptete sich Archies Tochter (Sally Struthers) 21 weitere Folgen lang als alleinerziehende, von ihrem Partner (Rob Reiner) sitzen gelassene Mutter in Upstate New York.

1994, elf Jahre nach Archies Schwanengesang, wurde Amerika noch einmal in die alte Bunker-Residenz in Queens eingeladen. Das Haus auf der Hauser Street wurde nämlich von Ernie Cumberbatch (John Amos aus "Good Times") und seiner Familie bezogen. Die Serie 704 Hauser, die nach sechs Episoden nicht verlängert wurde, war eine Art "All in the Family" mit umgekehrten Vorzeichen ("A pair of liberal black parents struggles with their conservative son and his white girlfriend"; Wikipedia) und sollte laut Norman Lear ein Zeichen setzen in einer Phase, da reaktionäre Radioformate wie das von Rush Limbaugh fröhliche Urständ feierten – wie auch schon die Radio-Predigten des Antisemiten Charles Coughlin die Initialzündung für den neunjährigen jüdischen Norman gewesen waren, sich zeit seines Lebens auf die Seite marginalisierter Gruppen zu stellen.

Ungefähr zur selben Zeit, da Norman Lear fürchtete, "All in the Family" würde seinen Drive verlieren, nahm er sich vor, auch "Maude" einen Tapeten-, konkret: einen Ortswechsel zu verpassen. Im dreiteiligen Finale der 6. Staffel geht Maude als Kongressabgeordnete nach Washington. Bea Arthur war von dieser Neuausrichtung nicht überzeugt, zumal die Quoten zuletzt ein bescheidenes Niveau erreicht hatten, und ließ sich auf keine Vertragsverlängerung ein. Lear, nach wie vor an das Konzept glaubend, ersetzte kurzerhand die Hauptfigur mit einem afro-amerikanischen Mann (zunächst abermals John Amos, nach "kreativen Differenzen" jedoch Cleavon Little) und realisierte drei Halbstünder von Mr. Dugan. Keine davon wurde gesendet, der Hauptgrund dafür war ein lautstarker Einspruch seitens des Congressional Black Caucus: Die Darstellung des inkompetenten Nachrücker-Politikers Mr. Dugan sei dem Fortkommen der Community nicht dienlich ("The impact would be disastrous"). Lear sah die Bedenken ein, überarbeitete die Drehbücher – jetzt ging es um einen Footballspieler, der über Nacht Präsident einer Hochschule wird – und konnte schließlich im August 1979 die Iteration Hanging In platzieren. Die CBS-Seher hatten kein Interesse daran, auch wenn die zentrale Figur des Lou Harper mit Bill Macy, der ihnen als Maudes Gemahl vertraut war, besetzt worden war. Nach vier Folgen (das scheint die Schicksalszahl zu sein) wurde "Hanging In" gecancelled.

Die gelegentlichen Flops werden durch die Meilensteine, die Norman Lear gesetzt hat, locker aufgewogen. Man kommt an diesem fünffachen Emmy-Gewinner nicht vorbei. Übrigens führt die imdb "All in the Family" unter dem deutschen Titel "Es bleibt in der Familie". Lief die Bunker-Saga womöglich irgendwann synchronisiert im BRD-Fernseh? Ich bin zum Recherchieren zu erschöpft; während ich diesen Beitrag verfasst habe, hätte ich locker "Sanford Arms" und "Checking In" durchbingen können. Dank und Glückwunsch allen, die mir bis hierher gefolgt sind!