Aus meine Lebensumstände betreffenden Gründen komme ich derzeit nur eingeschränkt zum Bloggen, daher heute nur dies: Die Rubrik "Sprachlabor", auf die ich mich hier schon oft bezogen habe, hat in der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung gefehlt! Eben blättere ich durch die Wochenendpostillen, freue mich schon, als ich das Ende von Buch 2 der SZ erreiche, jedoch: kein "Sprachlabor". Macht Hermann Unterstöger Urlaub? Ist er krank? In Rente gegangen (er ist Jahrgang 1943)? Dann soll er das doch an der Stelle, an der normalerweise seine Glosse steht, kundtun, z.B. so: "Aus meine Lebensumstände betreffenden Gründen komme ich derzeit nur eingeschränkt zum Kolumnieren." Sollte er selbst nicht dazu in der Lage sein, muss halt jemand Verantwortliches aus dem Haus eine Erklärung abgeben. Das erwarte ich als enttäuschter (und ein wenig besorgter) Leser!
Montag, 16. Juni 2025
Kurz notiert: Laborausfall
Montag, 6. Januar 2025
Die geschrumpfte Tageszeitung
Heute nehme ich die FAZ vom Samstag in die Hand und denke mir nach einer Weile: 'Hier stimmt doch was nicht. Haben die das Format geändert?'
Tatsächlich, die Ausgabe vom 4. Januar weist deutlich geringere Maße auf als die vom Samstag davor und auch als die von heute, Montag, dem 6. Januar. Dabei ist nicht einfach die Fläche reduziert worden – auch die Schrift ist proportional kleiner. Am unteren Rand der ersten Seite finde ich dann eine "Mitteilung des Verlages: Wegen technischer Schwierigkeiten in einer Druckerei erscheint ein Teil unserer heutigen Auflage ausnahmsweise im etwas kleineren 'Rheinischen Format'." Nun, hoffentlich nimmt das die FAZ-Leserschaft mit rheinischem Humor auf und schickt nicht waschkörbeweise Beschwerdebriefe ("... musste eine Lupe benützen!").
Dienstag, 4. Mai 2021
Bye-bye, op-ed
Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich den Medienterm op-ed kennenlernte. Nun hat die New York Times verkündet, ihre Gastkolumnen bald nicht mehr so zu nennen, sondern "Guest Essays". Der Grund für die Umbenennung liege in der im digitalen Zeitalter nicht mehr nachvollziehbaren Bedeutung von "opposite" – die mir (und vermutlich vielen anderen) aber gar nicht bewusst war! Ich dachte, ein opposite editorial heiße so, weil es eine zum redaktionsinternen Leitartikel gegenteilige Meinung vertritt. Tatsächlich ist das "opposite" aber rein auf die Platzierung bezogen: Das Op-Ed (die Times benutzt die Großschreibung) stand traditionell dem Editorial ("geographically") gegenüber: "It was so named because it appeared opposite the editorial page and not (as many still believe) because it would offer views contrary to the paper’s." Da es in Onlinemedien so eine räumliche Opposition nicht gibt, ist auch der semantische Verweis darauf obsolet.
Bemerkenswert ist der Einschub "as many still believe". Wenn viele so wie ich gedacht haben, könnte man die Bezeichnung doch beibehalten und die Bedeutungsverschiebung vollends sich vollziehen lassen. Das Wort wäre dann eine Analogie oder eine Metapher, wie sie in der Medienwelt häufig vorkommt und die aufzulösen der Leserschaft (zumal jener der New York Times) durchaus zuzumuten ist.
Samstag, 13. Juli 2019
Aufmachertrend Sommer 2019
- Focus, 8. Juni: "Ich mag Fleisch. Ich fliege gern. Ich fahre Auto. 40 Ideen, wie Sie trotzdem klimafreundlicher leben können"
- Zeit, 11. Juli: "Der Mythos vom Verzicht. Kein Fleisch, kein Flug, kein Auto – der Mensch soll auf immer mehr verzichten. Doch die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft nicht weiter."
- Spiegel, 13. Juli: "Richtig und gut leben. Die Welt retten, ohne sich einzuschränken – geht das?"
Konsequent und schon wieder sympathisch fände ich ein Magazin, das folgenden Kurs einschlägt: "Lachend in den Untergang: Kreuzfahrt, Steak und Monsterjeep – so machen wir uns die letzten Jahre der Menschheit so angenehm wie möglich."
Freitag, 14. September 2018
Word of the week
Sonntag, 26. Februar 2017
Pfennigfuchser auf Reisen
Dienstag, 31. Mai 2016
Wer ist denn nun der neue Hitler?
- Heiner Müller (Tiroler Tageszeitung)
- Uli Hoeneß (Welt)
- Thilos Sarrazin (Focus)
- Ossi Huber (Kleine Zeitung)
- Jan Böhmermann (Trierischer Volksfreund, Westfalen-Blatt)
- Lewis Hamilton ("Focus online")
- Yanis Varoufakis (Handelsblatt)
- Patrick Wiencek (Kieler Nachrichten)
- den Schwarzbrauenalbatros (FAZ)
- Lucien Favre ("Spiegel online")
- Benjamin von Stuckrad-Barre (Stern)
- Claus Wilcke ("RP online")
- Christian Kneisel (Märkische Allgemeine)
- Seth Rollins (heute.at)
- Benjamin Köhler (Kicker)
- Freitag den 13. (n-tv.de)
Montag, 2. Mai 2016
Polizeiarbeit at its best
"Ich wiederhole", wiederholte der Pressesprecher vor laufenden Kameras, "dass Herr Böhmermann ab sofort nicht mehr unter Polizeischutz steht. Wir sehen keine Gefährdungslage, wenn der unbewaffnete und an seinem hellbraunen Kapuzenpullover erkennbare Herr Böhmermann am kommenden Donnerstag in Begleitung seiner Familie gegen 10 Uhr den Marienborner Bergweg entlangspazieren wird, um die ZDF-Studios zu besuchen. Eine Kopie der Erklärung, dass der in Köln lebende, 35jährige, ca. 1,90 m große Jan Böhmermann ab sofort komplett von der Polizei ignoriert wird, geht an den Verein Erdoğantreuer Scharfschützen Deutschland e.V."
Mittwoch, 18. Februar 2015
Schlaraffenland
Abgesehen von den teils doch ganz nützlichen Kleinanzeigen machen mich aber hin und wieder die Schlagzeilen neugierig, so etwa auf einer Ausgabe des RheinMain Extra Tipp im März 2012: "Mysteriöser Bund huldigt dem Uhu!" hieß es auf der Titelseite.
Und das verbarg sich dahinter: In einer Burg in Frankfurt-Oberrad sitzt ein Verein namens Schlaraffia Francofurta. Der existiert seit gut 130 Jahren und ist einer von rund 300 Schlaraffia-Vereinen weltweit. Die Mitglieder "rufen 'Lulu'", "verneigen sich vor einem ausgestopften Uhu und sprechen ihre eigene Sprache. Sie trinken kein Bier, sondern 'Quell' und ziehen nicht an der Zigarette, sondern an der 'Luntete'." Ein Geheimbund im engeren Sinne ist das nicht, die typischen Merkmale gibt's trotzdem. Frauen sind verboten, Männer müssen von anderen Mitgliedern erst vorgeschlagen werden, man trifft sich zu "Vorträgen, Musik und angeregter Unterhaltung" und um "Freundschaften zu schließen". Zum Vereinsvorsitz gehört der ehemalige ZDF-Meteorologe und Besitzer von 150 Fliegen (Querbindern) Uwe Wesp. Er erklärt: "Wir pflegen einen tiefgründigen Humor, der zum Schmunzeln anregt."
(Mehr dazu, auch zum sog. Schlaraffenlatein, bei Wikipedia.)
Montag, 3. Juni 2013
Menschen, die in Kameras starren
1. Der Bürger hat ein empörendes Schriftstück erhalten. Foto: Der Betroffene schaut mit finsterer Miene in die Kamera und hält das Schreiben in die Linse. Dass man den Inhalt gar nicht lesen kann, ist egal. Bildunterschrift: "Kuno Wuttke ist außer sich: Nach 35 Jahren soll er die Tanne in seinem Vorgarten entfernen, andernfalls droht ihm ein Bußgeld."
2. Der Bürger steht irgendwo (wichtig: trübes Wetter!) und zeigt mit einem Arm auf etwas hinter sich Liegendes. Bildunterschrift: "Rudi Bartsch steht vor dem brachliegenden Feld, das an sein Haus grenzt und seit Monaten verwittert. Eine Eingabe beim Umweltamt soll jetzt helfen, die unansehnliche Fläche zu rekultivieren." Ich hätte ja gerne noch erklärende Skizzen dazu gemalt, aber ich denke, man kann sich gut vorstellen, was ich meine.
Disclaimer: Diesen Minitext habe ich bereits vor zwo'n'halb Jahren geschrieben. Ich musste an ihn denken, als Nerdcore am Sonntag das schöne Tumblr Local People With Their Arms Crossed verlinkte.
Dienstag, 4. Dezember 2012
Was so alles in deutschen Zeitungen steht (5)
[Dresdner Neueste Nachrichten, 07./08.11.2009]
Die Nachnamen der Kinder wurden von mir abgekürzt.
Sonntag, 21. Oktober 2012
Was so alles in deutschen Zeitungen steht (3 + 4)
[Sächsische Zeitung, 07.04.2009]
"Wuppertal. Herzzerreißendes Babygeschrei aus einem Altkleidercontainer hat in Wuppertal zu einem Blitzeinsatz der Polizei geführt. Doch konnten die sieben eingesetzten Beamten nach kurzer Zeit Entwarnung geben. Denn bei der Rettungsaktion stellte sich dann zur Freude aller Beteiligten heraus, dass in dem Container kein Säugling, sondern nur eine lebensgroße Babypuppe entsorgt worden war. Als die Polizisten versuchten, die Puppe mit einem Besen aus dem Sammelbehältnis zu angeln, stellte sich der elektronische Mechanismus auf ein lustiges, erfreutes Kichern um [...]"
[Sächsische Zeitung, 09.04.2009]
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Mit hochrotem Kopf knallte der Hauptkommissar die Zeitung auf den Tisch im Konferenzraum. "Jetzt reicht es langsam!", schnaufte er. "Wir stehen ja da wie ein Haufen von Idioten! Und damit meine ich nicht nur unser Revier! Das ist ein bundesweites Problem. Ich sage es noch einmal mit Nachdruck", – dabei sah er den Obermeister, der das gestrige Sonderkommando 'Babytonne' geleitet hatte, stechend an – "wir werden keine Einsätze mehr aufgrund von Geräuschen durchführen! Wenn uns jemand anruft, weil er etwas Verdächtiges gehört hat, interessiert uns das nicht mehr! Verstanden?"
Ein schüchterner Neuling meldete sich zaghaft zu Wort: "Aber ... wenn wirklich mal jemand vor Schmerzen schreit, oder wirklich ein Kind ausgesetzt wurde, dann müssen wir doch helfen." – "Papperlapapp!", blaffte der Hauptkommissar. "Wo steht denn das geschrieben?" – "Na, zum Beispiel auf dem Schild vor der Polizeiwache: 'Wir helfen, wenn Sie etwas Verdächtiges hören.'", sagte ein weiterer Anwesender. – "Das Schild sofort entfernen!", wies der Chef an.
Eine Kollegin betrat das Besprechungszimmer. "Ich möchte ja nicht stören", sagte sie, "aber ein Notruf ist gerade eingegangen. Ein Ehepaar hört seit 15 Minuten Frauenschreie aus dem Nachbarhaus kommen." Der Obermeister erhob sich von seinem Platz. "Was sollen wir tun, Chef?", fragte er. "Soll ich den Befehl ..." – "Hinsetzen!", unterbrach ihn der Hauptkommissar. Mit zusammengepressten Händen sprach er leise, aber bedacht: "Wir werden nichts unternehmen. Gar nichts. Das ist nur der Fernseher."
Montag, 30. Juli 2012
Außergewöhnliche Printprodukte: Der Tintling
PS: Die Tintling-Redaktion hat die zwei mir vorliegenden Hefte an das Büro der Titanic geschickt, mit der Bitte, sich des Themas Pilze anzunehmen, weil dieses viel zu selten in Titanic behandelt wird - was stimmt. Dass ich den Tintling ersatzweise an dieser Stelle würdige, ist dem Einsender, wenn nicht bekannt, so doch wenigstens (hoffentlich) recht.
Samstag, 14. Juli 2012
Ein paar Fundstücke
Diese spannende Frage stellt die Sächsische Zeitung - mitten im Sommer, wo an kandierte Mandeln und Früchte noch gar nicht zu denken ist.
Diese Programmankündigung, ebenfalls aus der Sächsischen Zeitung, ist ein wenig unglücklich formuliert.
Hier klafft die Bild-Schere gewaltig. Wobei ich mir sicher bin, dass es bereits eine Porno-Parodie auf "Die Eiserne Lady" gibt.
Mit ihrer großzügigen Definition von "beliebt" können mich die neuartigen Werbeeinblendungen auf Facebook nicht überzeugen.
Und hier sehen wir die Nachteile vorproduzierter Online-Texte (entdeckt auf faz.net).
Donnerstag, 28. Oktober 2010
Aus der Reihe: Fatale Stilistikfehler
(Sächsische Zeitung, 28.10.2010)
Donnerstag, 15. Oktober 2009
Menschen, auf die man verzichten kann
ER sucht SIE/IHN
– Das sind schon mal die Allerschlimmsten! "Hey, nur 50% der Weltbevölkerung als potentielle Partner reichen mir nicht, ich will ALLE." Um wen handelt es sich?
195/85kg/NR/Blond sucht Partner (gerne auch Pärchen) für gemütliche Stunden in meiner geräumigen 2-Z-Wohnung. Ich bin sportlich – Badminton, Golf&Tennis – ein vollblut Workaholic und auch ehrgeizig (240 LP im Erststudium).
Wow. Wirklich? So etwas schreibt man in eine Partnersuch-Annonce? Streeeeeber! Aber der Typ hat noch mehr zu bieten:
Spreche fließend Englisch (auch dialekt), kann französisch (Sprache+Anwendung)
– oh là là! –
und habe diverse Hobbies und Verpflichtungen. Bspw. Admin einer sehr großen Video-Plattform
(Übersetzung: Hitler-Mod im Porno-Forum)
oder die Fotokunst.
Jetzt wird's gruselig; jüngere Leser bitte weggucken:
Ich bin für alles offen – NS + KV nach Absprache – würde aber sehr gern einige Bilder des wunderschönen Abends machen und ggf. auf meiner HP veröffentlichen.
Ich fasse zusammen: Ein baumhoher Besserwisser mit schottischem Akzent lädt Sie in seine Zweiraumwohnung ein, um sich als menschliche Toilette benutzen zu lassen, macht davon Fotos und stellt diese dann ins Internet. Wo ist die Campus-Polizei?
















