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Sonntag, 8. September 2024

Und was sagst du so?

Ich sehe es als meine Pflicht an, wie ich es im Januar 2012 (!) zum ersten Mal getan habe, darauf hinzuweisen, dass eine neue Erhebungsrunde im "Atlas zur Deutschen Alltagssprache" gestartet ist bzw. hat, Nr. 14 inzwischen. Diesmal bin ich besonders entzückt, wird doch nicht nur auf meine Anregung hin erörtert, wie verbreitet die Formulierung "alles dreis" ist, auch geht es in einem Punkt (zufällig direkt darunter) um die dialektologisch nur peripher bedeutsame Frage nach der Zubereitung von Kartoffelsalat – ein Streitthema, das ich in einer meiner letzten Titanic-Newsletter-Kolumnen berührte.

Außerdem sind die Ergebnisse der 13. Runde da! 

Donnerstag, 17. November 2022

Worüber ich lachen kann

Im "Handbuch deutscher Kommunikationsverben" werden sage und schreibe 562 Sprechakt- und Kommunikationsverben erfasst und beschrieben. Nun können nicht alle diese Verben explizit performativ verwendet werden: Niemand wird sagen Hiermit lüge ich oder Hiermit schimpfe ich mit dir.

Zifonun, Gisela (2021): Das Deutsche als europäische Sprache. Ein Porträt. Berlin/Boston: De Gruyter. S. 50

Sonntag, 26. August 2012

Nach und nach

Jules Vernes Roman Voyage au centre de la terre erschien erstmals 1873 in deutscher Sprache, und zwar als "Reise nach dem Mittelpunkt der Erde". Heute kennt man die Übersetzung als "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde". In den Ohren moderner Deutschsprecher(innen) klingt die Konstruktion mit "nach" bestenfalls altertümlich, wahrscheinlicher jedoch schlicht falsch.

Das Wörtchen "nach" fungiert heutzutage nur dann als Richtungspräposition, wenn danach kein Artikel steht: nach Hause, nach Italien; aber: in die Schweiz, zum See Genezareth. Im 19. Jahrhundert aber waren Sätze wie "Wir fahren nach der Stadt" noch völlig üblich. So sagt beispielsweise die Titelfigur von Shakespeares Coriolanus in der deutschen Erstübersetzung "Ich gehe nach dem Markt", während es in heutigen Ausgaben heißt: "Ich gehe auf den Markt". (Die genauen Jahreszahlen der Übersetzungen liegen mir nicht vor.)

Aufgabe der Germanistik wäre es nun herauszufinden, a) wann diese Funktionseinschränkung der Präposition "nach" eingesetzt hat und vor allem, b) warum? Sollte es eine derartige Untersuchung schon geben, würde ich mich über entsprechende Hinweise freuen.

Dienstag, 17. Januar 2012

In uneigener Sache

Der Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Augsburg führt seit 2003 Online-Erhebungen für einen "Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA)" durch. Soeben ist die nunmehr 9. Runde gestartet, und ich möchte alle Leserinnen und Leser ermuntern, 20 Minuten ihrer Zeit für diese Umfrage zu opfern. Das macht Spaß und ist interessant, zumal es diesmal um "Dialekt-Klassiker" wie das Brathähnchen und die Voranstellung von Artikeln bei Personennamen geht.
Hier ist der Link.
Man beachte auch die Sprachkarten, die aufgrund der zuvor durchgeführten Befragungen erstellt wurden (Links links).