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Donnerstag, 6. Oktober 2022

Lins mal wieder!

Wenn es früher bei uns daheim oder bei den Großeltern Linseneintopf gab, gehörte es dazu, neben Besteck und Geschirr drei zusätzliche Dinge auf dem Esstisch zu platzieren. Egal wie gut der Eintopf bereits abgeschmeckt und durchgezogen war, man musste in seinen gefüllten Teller stets noch drei Prisen Salz, einen halben Teelöffel Zucker und einen halben Esslöffel Essig geben. Das waren die Tüpfelchen auf dem iii, so kitzelte man das ultimative Aroma hervor. Ich habe mir kürzlich vegetarische Linsen in der Dose von dm-Bio geholt: Kann man durchaus essen, aber der richtige Nostalgie-Schmackofatz-Faktor stellte sich erst nach Zugabe von drei Prisen Salz, einem halben Teelöffel Zucker und einem halben Esslöffel Essig ein.

Witzig ist, dass man Linseneintopf in Österreich Linsengericht nennt. Man könnte entweder das "-gericht" weglassen oder mit einem Endglied definieren, um was für eine Art von Gericht es sich handelt, aber nein: Linsengericht. Das erste Mal stieß ich auf diesen Ausdruck in einem der lustigsten Listenbücher aller Zeiten, "Die sexuellen Phantasien der Kohlmeisen" von Jörg Metes und Tex Rubinowitz, auf Seite 58: "16 Gründe dieses Linsengericht zu essen"; zu sehen ist ein Teller Linsen, in dem 16 Linsen mit Strichen durchnummeriert sind.

Montag, 21. Oktober 2019

Kleines Update zum letzten Kalenderwitzbildchen

Da vermutlich niemand die Kommentare unter meinen Blogposts liest (bzw. von diesen gar nicht erst Kenntnis nimmt, weil ich sie aus Spamvermeidungsgründen händisch freischalte, was sich oft um ein paar Tage verzögert), kopiere ich die Anmerkung zur 70. Folge "Humorperlen aus dem Abreißkalender" noch einmal in einen (diesen!) Extrabeitrag:
scheint mir da auf der [eigentlich beblusten] herrenbrust eine hitlerbrusthaarmaske durch, oder was bedeuten diese mir nicht recht erklaerlichen strichelschatten. und ist diese zeichnung vom [vor ein paar wochen verstorbenen] prüstel? ein verwirrender cartoon ,ich finde ihn interessant.
Der Autor, Bob Schroeder (btw: schön, Sie wiederzusehen!), hat recht: Der Cartoon ist von Andreas Prüstel; auf dem leicht zu ergoogelnden, farbigen und mit handschriftlicher Oberzeile versehenen Original erkennt man, dass die Brust keineswegs beblust, sondern tief ausgeschnitten ist.

Dienstag, 21. August 2018

Callahandicapped

Zurzeit läuft im Kino die biographische Tragikomödie "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot". Darin spielt Joaquin Phoenix den 2010 im Alter von nur 59 Jahren verstorbenen amerikanischen Cartoonisten John Callahan. Wen?

Auf den deutschen Buchmarkt hat es zwar der eine oder andere Callahan-Sammelband geschafft, und auch die bereits 1989 erschienene Vorlage des genannten Films wurde ins Deutsche übersetzt (sie heißt, wie eben jener, nicht ganz geglückt "Don't Worry, Weglaufen geht nicht"), aber ansonsten dürfte der auch als Musiker tätige Künstler hierzulande kaum bekannt sein – außer jenen, die Anfang der 1990er Jahre Titanic gelesen haben. Darin konnte man nämlich Monat für Monat eine Seite mit je zwei Callahan-Witzen bestaunen. Diese waren stets erfrischend makaber und bizarr und fügten sich damit exzellent in das Gesamtkonzept des Heftes.

Aus Titanic 5/91

In vielen seiner Cartoons spielt körperliche Behinderung eine Rolle, was sich, wie auch der leicht ungelenke Strich, damit erklären lässt, dass Callahan selbst seit einem Autounfall mit 21 Jahren querschnittsgelähmt war; Robin Williams nannte ihn "den lustigsten Mann auf vier Rädern".

Der Cartoon zum Buch zum Film. Aus: Titanic 7/91

An dieser Stelle lohnt ein kurzer satire-historischer Exkurs. Schon immer war es bei Titanic Tradition, auch komischen Zeichnern aus dem Ausland eine Plattform zu bieten. Unter anderem hatte hier Manfred Deix (Österreich) in den Achtzigern etliche einprägsame Auftritte, ebenso der von mir zutiefst verachtete Jean-Marc Reiser (Frankreich), später Gary Larson (USA) und natürlich, bis heute, Kamagurka (Belgien). Hervorheben möchte ich den Australier Andrew Weldon, der von Ende 2004 bis Ende 2006 mit der Rubrik "Down Under" reüssierte, und zwar – dank mir! Ich hatte die Werke dieses Humortalents in Neuseeland entdeckt, stellte sie in einem Internetforum vor, in dem auch Mitglieder der damaligen Redaktion mitlasen. Die teilten sofort meine Begeisterung für Weldon und konnten sich wenig später die Nachdruckrechte sichern. Das waren die allerersten Spuren, die ich bei meinem späteren Arbeitgeber hinterlassen habe.

Worauf ich hinaus will: Publikationen sowohl von John Callahan als auch von Andrew Weldon sind hier und da antiquarisch zu haben und werden von mir ausdrücklich empfohlen.

Immer noch eines meiner All-time-Lieblingsbücher

Montag, 1. Mai 2017

Mein neuer Schatz


Wisst ihr, was das ist? Das ist eine sogenannte animation cel, eine Original-Animationsfolie, die bei der Produktion der kurzlebigen "Super Mario World"-Zeichentrickserie von 1991 verwendet wurde. Tatsächlich handelt es sich sogar um zwei Folien – eine mit Princess Peach und eine mit den Piranhapflanzen –, welche auf die Pappe mit dem Hintergrund (dieser ist natürlich eine Kopie) geklebt wurden; dieses Ensemble aus handgezeichneten Figuren und statischem Hintergrundbild wurde dann abfotografiert und ergab mit unzähligen anderen Frames eine komplette Episode.

Wikipedia weiß: "Cels erfordern einen sorgsamen Umgang. Sie sind empfindlich gegenüber Kratzern, Knicken und Fingerabdrücken. Selbst eine unversehrte Cel zieht aufgrund statischer Aufladung Staub an, den der Kameramann vor jeder Aufnahme entfernen muss." Ich konnte es mir leider nicht verkneifen, zu Überprüfungs- und Demonstrationszwecken die obere Folie sacht anzuheben. Es ist aber alles unversehrt und befindet sich nun wieder in dem mitgelieferten Kunststoffumschlag. Wikipedia weiß auch: "Der Sammlermarkt hat viel mit Fälschungen zu kämpfen, die aufgrund der Natur von Cels nur schwer zu enttarnen sind." Nun, mein Sammlerstück stammt von einem vertrauenswürdigen US-eBay-Händler (99,7% positive Bewertungen von 45814 seit 1998; Stand 26.4.17) und kam mitsamt einem Echtheitszertifikat:


"So eine Rarität kann man sich bestimmt nur als weltberühmter Blogger leisten!", werdet ihr jetzt maunzen. Mitnichten! Für mein Exemplar habe ich gerade mal 30,31 € inklusive Versand bezahlt. Cels aus bekannteren Filmen und Serien gehen freilich für deutlich mehr weg. Dass es für so etwas überhaupt einen Markt gibt, war mir bis vor kurzem gar nicht klar. In einem Geburtstagsgeschenke-haul-Video eines YouTubers erfuhr ich kürzlich erstmals davon und musste sofort auch so etwas haben. Ich stieß auf den besagten amerikanischen Onlineshop und "belohnte" mich sogleich selbst mit dem oben zu sehenden Kleinod. (Denn wer käme schon auf die Idee, mir so etwas zu schenken?) Ich hätte sogar eine Szene mit Mario und/oder Yoshi haben können, aber die Darstellung von beiden gefällt mir in dieser Show nicht besonders gut; der einzig wahre Cartoon-Mario ist der aus der "Super Mario Brothers Super Show", sorry, isso!

Samstag, 14. Dezember 2013

Buchtipp

Ich muss an dieser Stelle noch einmal auf den Zeichner Dakota McFadzean hinweisen, dessen Comicstripseite ich bereits im Februar empfohlen hatte. Der hat nämlich vor kurzem ein Taschenbuch mit 13 mehr oder weniger langen Bildgeschichten herausgebracht. Es heißt Other Stories and the Horse You Rode in on (Conundrum Press) und ist unterhaltsam, grotesk, melancholisch, tiefsinnig, verstörend, lustig, traurig und vor allem sehr, sehr, sehr schön. Kauft es



Dienstag, 19. März 2013

Wiederentdeckt: Life in Hell


Was macht eigentlich Matt Groening den ganzen Tag? Gut, er wird bei den Simpsons und bei Futurama als ausführender Produzent geführt, aber weder hat er in diesem Jahrtausend ein einziges Drehbuch geschrieben noch hat er irgendwelche Voice acting-Verpflichtungen (im Gegensatz zu seinem Epigonen Seth MacFarlane, der circa die Hälfte aller Rollen in seinen Serien selbst spricht). Aber selbst wenn wir Naivlinge uns heute vorstellen, wie Mr. Groening nur noch zu Hause sitzt und das hineinsprudelnde Geld sortiert, sollten wir nicht vergessen, wie ungeheuer kreativ und produktiv der Cartoonist aus Portland war, bevor er eines der größten Popkulturphänomene unserer Zeit schuf.

Noch vor den Tracy-Ullman-Shorts gab es Life in Hell. Unter diesem programmatischen Titel veröffentlichte Groening ab 1977, zunächst im Eigenverlag, humoristische Comicstrips zu den großen Domänen des Lebens. Daraus entstanden schließlich eine tägliche Zeitungs-Cartoonreihe, die noch bis 2012 (!) lief, sowie bis dato 15 Sammelbände, darunter "Love is Hell", "Childhood is Hell" und "Work is Hell". Die vollständige Historie kann man bei Wikipedia nachlesen. Jedenfalls sind diese Büchlein inzwischen für ein paar Euro antiquarisch zu haben (Booklooker, Abebooks etc.). In einem Anfall von Nostalgie (in meiner Jugendzeit gab es "Schule ist die Hölle" – jawohl, auf Deutsch! – in unserer Stadtbücherei) habe ich mir ein paar dieser Bände bestellt und amüsiere mich gerade köstlich darüber.


(Bilder anklicken zur Großansicht) Wimmelbilder und Listenhumor sind das Markenzeichen der Cartoons. Auch Zeitschriftenparodien begegnen uns des öfteren.


Der Hase Binky sowie die Fez tragenden menschlichen Freunde Akbar & Jeff gehören zum Hauptpersonal der Höllencomics. Bemerkenswerterweise haben an einigen Stellen bereits die Simpsonskinder einen Auftritt, wenn auch in Hasenform.


Überhaupt wird in Life in Hell viel von der simpsontypischen Satire vorweggenommen, wobei es noch deutlich subversiver und bitterer zur Sache geht.


Fazit: Man merkt den quadratischen Büchern, die zum Teil in den tiefsten Achtzigern erschienen sind, ihr Alter nicht an. Sehr hübsch, das alles.