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Freitag, 28. August 2026

Betr.: Infantilisierung, Curry, Tattoos, Flohmarkt

Ich bestelle ein Möbelstück und werde in der Lieferbestätigung geduzt, während eine Bastelanleitung die Höflichkeitsform wählt.

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Diese Woche ist der Schauspieler Tim Curry gestorben, und ich war mir bei einem Prominenten noch nie so sicher gewesen, dass er bereits tot war. Mandela-Effekt? Mitnichten! Tim Curry hat wirklich schon vor etlichen Jahren das Zeitliche gesegnet. Schließlich dachte ich erst neulich beim Schauen eines Films: 'Hach, diesen Bösewicht hätte auch Tim Curry vortrefflich mimen können! Schade, dass der nicht mehr lebt.'

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In der Bibliothek lässt sich eine leutselige Dame von einer Angestellten ausgiebigst beraten, wird hierhin und dorthin geführt, bittet schließlich um Entschuldigung dafür, "dass ich Sie hier so in Anspruch nehme und rumscheuche ...", sie hält jäh inne, schaut die Mitarbeiterin schockiert an und ruft: "Sagen Sie mal, haben Sie da etwa ein Tattoo?!" – "Ich habe sogar mehrere", gibt die Angesprochene Auskunft. Die Kundin: "Aber das tut doch weh!!!"

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Ein Aushang an der Bushaltestelle, zu dem ich mehrere Fragen habe. Eine davon betrifft die Standgebühr, welche "6,- Euro + Kuchen" beträgt: Wie hoch hat der Kuchenanteil zu sein? Reicht ein Stück? Und wenn ich gar keinen Kuchen dabeihabe, kann ich den Rest-"Betrag" mit echtem Geld ausgleichen? Außerdem wüsste ich gerne, mit welcher Begründung Schwangere eine halbe Stunde eher den Flohmarkt betreten dürfen. Reservierte Sitzplätze, spezielle Aufenthaltsbereiche: derlei befürworte ich mit ganzem Herzen. Aber dieses Privileg leuchtet mir nicht ein. Und muss die Schwangerschaft nachgewiesen werden? Gewiss, einer werdenden Mutter im achten Monat sieht man "es" an, aber wie ist es mit einer, die erst vor wenigen Wochen empfangen hat? Wird sie ohne positiven Teststreifen auf 13 Uhr vertröstet?

Freitag, 14. August 2026

Warum ich ungern telefoniere

Vorhin klingelt das Telefon in meinem Büro. Ich gehe ran. Die Person am anderen Ende meldet sich mit "Hallo, hier ist D.", die Stimme identifiziere ich allerdings als zu jemandem gehörig, der nicht D. heißt, sondern S. – von dem ich später einen Anruf erwarte. Ich schlussfolgere, dass mich S. necken, täuschen, verhohnepiepeln will, und setze an, zu rufen: "Aaah, ich weiß, wer da ist: Du bist S.!" In dem Moment, wo ich "Aaah" zu sagen beginne, wird mir jedoch klar, um wen es sich bei D. handelt und dass jener tatsächlich eine ähnliche Stimme wie S. hat. Jetzt kann und muss ich meinem Gesprächspartner also nicht mehr mit "Ich weiß, wer da ist" den Wind aus den Segeln nehmen, aber die Interjektion "Aaah" hat, wie gesagt, bereits meinen Mund verlassen und zieht sich nun, während ich nach einem kommunikativ tragfähigen Anschluss suche, unnatürlich in die Länge, weil ich aus irgendeinem Grund nicht in der Lage bin, sie zu stoppen. Der Anrufer muss mich für übergeschnappt oder vom Schlag getroffen halten. Nach gefühlten fünf Sekunden gelingt es mir schließlich, das albern-triumphale "Aaah" abzubrechen. D. trägt hörbar irritiert sein Anliegen vor.

Freitag, 24. Juli 2026

Nich' lang schnacken, Kopp nach Nacken(heim)

Mein Wandersoll für diesen Monat war schon übererfüllt, als es mich an einem meiner (äußerst raren, wie ich stets hinzuzufügen verpflichtet bin!) freien Tage packte und ich einen Solo-Hike in der Nähe von Mainz unternahm. Hier sind ein paar Impressiönchen:


Ankunft in Nackenheim. Auf diesem fast menschenleeren Platz in Bahnhofsnähe stand ein kabelloser Lautsprecher (links unten), aus dem Ballermann-Mucke der primitivsten Sorte dröhnte.


In Nackenheim sollte just einen Tag später das jedes Jahr am letzten Juliwochenende stattfindende Weinfest starten. Die Vorbereitungen liefen heiß, zahlreiche Verköstigungsbuden waren bereits aufgestellt.


Die Gemeinde feierte 2022 ihr 1250-jähriges Bestehen. Das weiß ich, weil es in der FAZ-Wanderbeschreibung vom September '22 stand, welcher ich folgte.


Sehr gut gefallen hat mir die Gestaltung der zwei Bücherschränke im Stadtgebiet: Es sind "Bücherfässer".


Eine weitere Besonderheit stellt der hiesige Friedwingert dar:


Dass das rheinland-pfälzische Bestattungsgesetz ziemlich liberal ist, wusste ich ja, aber diese Art der letzten Ruhestätte hatte ich mir nicht vorstellen können. Hätte ich aber müssen: Im Zeichen des Rebensaftes steht in und um Nackenheim alles. Man kann keine hundert Meter laufen (oder schwanken), ohne an einem Weingut vorbeizukommen.





Inmitten der Hänge überkamen mich intensive Flashbacks an meine (kurze und ein Vierteljahrhundert zurückliegende) Zeit als Hilfsarbeiter auf einem neuseeländischen Weingut, getriggert durch den markanten Geruch (der Erde? des Holzes?). Klar, der Zusammenhang zwischen Riechsystem und Gedächtnis ist wohlbekannt und erforscht.


Mutiges Statement in dieser Region.


Passenderweise begegnete ich einem Rebhuhn einer Fasanenhenne [korrigiert nach anonymem Hinweis]! Es Sie hatte Küken bei sich, die ich allerdings nicht fotografisch einfangen konnte.



Ein weiteres Highlight war der Königstuhl. An dieser Stelle sollen, wie die Inschrift auf einem Findling (nicht im Bild) verrät, "im September 1024 die Großen des Reiches Konrad II. als König gewählt haben" (FAZ). Der Turm ist besteigbar. In unmittelbarer Nähe: eine Sängerlinde und weitere Keckheiten.




Bald begann der eigentliche Wandergenuss in Form des Rheinterrassenwegs, der u.a. an der "schönsten Weinsicht Rheinhessens" vorbeiführt. (Meiner Meinung nach gibt es schönere.)






Überrascht war ich, als plötzlich die Frankfurter Skyline ins Blickfeld trat:








Nicht ungenannt bleiben darf der berühmteste Sohn Nackenheims, der Dramatiker Carl Zuckmayer, dessen Erfolgsstück "Der fröhliche Weinberg" (1925) von seiner Heimat inspiriert wurde.



Der gestiefelte Hater.


Glückwunsch nachträglich!


(V/F)in.

Montag, 22. Juni 2026

Das ist ja fast ein Döner! (Diary of an old miser)

Neulich hatte ich einen längeren Zwischenaufenthalt in Wiesbaden. Weil es ungefähr 16 Uhr und 30 °C warm war, beschloss ich, mir ein koffeinhaltiges Kaltgetränk und dazu ein süßes Teilchen zu gönnen. Übermütig strebte ich dem am Hauptbahnhof ansässigen Starbucks entgegen, und siehe, dort gab es ein passendes Angebot: 1 sommerliche Kaffeekreation nebst 1 Gebäckstück (ich glaube, ein Cookie). Der Preis für diese Kombo? Acht Euro (8,- €)! Dass Starbucks berüchtigtermaßen preisgestaltungstechnisch das Gesäß offen hat, war mir bekannt, aber das schlug dann doch dem Fass den Boden aus.

Den Rückzug antretend, erspähte ich eine Aldi-Filiale in unmittelbarer Nähe. 'Gibt es dort nicht diese gekühlten Espresso-Variationen?', dachte ich und ging hinein. Ich fand, was mir vorschwebte: "Kaffeedrink Latte Macchiato" von der Eigenmarke Barissimo im 250-ml-Becher für sagenhafte 75 Cent. (Es gibt noch drei weitere Sorten. Sie sind übrigens sogar laktosefrei, ein Fakt, den die Verpackungsdesign-Abteilung von Barissimo meiner Meinung nach sichtbarer machen sollte.) Einer Klappe in der "Backwelt" entnahm ich sodann ein Franzbrötchen für lächerliche 79 Cent (diese Woche, zumindest bei Aldi Süd, sogar auf 49 Cent reduziert!). Zufrieden verließ ich den Discounter und genoss meine Nachmittagsjause.

Nun könnten urbane Foodies und sonstige Snobs einwenden: "Pff, bei Starbucks bekommst du ja wohl was weitaus Höherwertiges als bei Aldi!" Das mag sein. Aber wäre das fünfmal so teure Starbucks-Meal wirklich fünfmal so lecker gewesen? Wohl kaum. Der Eiskaffee bot mir jenen Mix aus Erfrischung, Geschmack und Belebung, den ich mir gewünscht und vorgestellt hatte, und die Franzbrötchen von Aldi sind köstlicher als die, die man bei den großen Bäckereiketten bekommt (falls man sie südlich von Hannover überhaupt bekommt). Es war dies ein weiterer Fall von: Warum teuer, wenn's auch günstig geht. Sicher könnte ich es mir leisten, zu Starbucks zu gehen. Aber ich will nicht und muss nicht. Vernünftige Menschen tun es mir nach.

Sonntag, 10. Mai 2026

Vorteil Schreibmaschine?

Diese Woche habe ich Gerhard Henschels "Großstadtroman" und damit alle rund 6800 bisher erschienenen Seiten der Martin-Schlosser-Reihe abgeschlossen. Das Besondere an diesem nunmehr zwölften Teil ist, dass darin der erste Teil der autobiographischen Saga entsteht, was ein rechter Krampf gewesen sein muss: Ende 2001 beendet Henschel/Schlosser das Manuskript, 2004 erst erscheint der "Kindheitsroman". Auf dem Endspurt ereignet sich dann noch ein Malheur, und diese Stelle ließ mein Herz heftiger pochen als sämtliche anderen dramatischen Geschehnisse, die dem Autor in jener Zeitspanne (1998-2002) widerfahren:
Im Kindheitsroman war ich auf den letzten Metern angelangt. Unten links zeigte mein Bildschirm mir an, daß ich mich auf Seite 678 von insgesamt 688 Seiten befand. Die restlichen zehn enthielten das verbliebene Rohmaterial.
Als ich zwischendurch eine andere Datei öffnen wollte, erschien der Hinweis:
Freier Arbeitsspeicher des Computers zu klein.
Und unten links stand auf einmal nicht mehr "678/688", sondern "1/0". Das bereitete mir Unbehagen. Ich gab den Befehl zum Speichern, aber mein antiker PC versagte mir den Gehorsam: Er tat überhaupt nichts mehr. Der Cursor stand still und ignorierte alle Bewegungen der Maus.
In meiner Not drückte ich auf den Reset-Knopf, und als ich die Kindheitsromandatei danach wieder öffnete, war sie leer. Alles weg. 688 Seiten ausgelöscht.
Doch ich hatte ja noch die Sicherheitskopie auf einer Diskette. Aber wo war die hin?
Ich konnte sie nicht finden.
Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde!

Spoiler: Es geht alles gut aus. Doch erinnerte mich diese Episode allzu brutal an eine eigene Erfahrung. Eines Abends, während ich an meiner Magisterarbeit schrieb, kippte ich aus Versehen ein halbes Glas Tee über meinen Laptop. Ich war geistesgegenwärtig genug, schnell einen USB-Stick in das Gerät zu stecken und eine Sicherheitskopie des Dokuments darauf abzulegen, bevor das Notebook sich verabschiedete. Selbstverständlich hatte ich die Arbeit in einem (nicht viel) älteren Zustand noch woanders abgelegt; ich achtete stets darauf, immer mindestens zwei halbwegs aktuelle Sicherheitskopien vorrätig zu halten. Ein ganz in meiner Nähe wohnender, IT-begabter Freund erklärte sich spontan bereit, rüberzukommen und die Katastrophe zu begutachten: "Klar, dann machen wir eine schöne Freitagabend-Notebook-Schraub-Session!" In seine Einzelteile zerlegt, offenbarte mein Klapprechner den erlittenen Schaden, der sich tatsächlich auf den Zustand "nass sein" beschränkte. Durchgeschmort oder anderweitig unbrauchbar geworden war dem ersten Anschein nach nichts. Mehr als föhnen, tupfen und abwarten (ohne Tee) konnten wir nicht tun, und brauchten wir auch nicht zu tun. Am nächsten Tag konnte der Schlepptop zusammengesetzt und wieder in Betrieb genommen werden. Puh! Hätte ich statt erkalteten Tee, was weiß ich, einen klebrigen Milchshake oder Schwefelsäure getrunken, hätte die Sache womöglich ganz anders ausgesehen. Auch während ich diesen Beitrag tippe, steht ein Glas Tee neben dem Rechenknecht. Ich bin aber ganz vorsichtig!

Mittwoch, 22. April 2026

Der doppelte Klein

Letzten Freitag hatte ich, was selten genug vorkommt, einen freien Tag. Den nutzte ich, um eine Wanderung auf Grundlage einer Ausgabe aus meinem FAZ-"Wandertipp"-Archiv zu machen: endlich mal wieder eine original Thomas-(F.-)Klein-Tour!

Ich fuhr bis Bensheim an der Bergstraße und von dort mit dem Bus nach Lautertal. Als ich an der Haltestelle Markt im Stadtteil Reichenbach ausstieg, war mein erster Gedanke: Huch, das kenne ich doch! Der Eindruck verfestigte sich, nachdem ich die ersten paar hundert Meter gegangen war, und erst recht, als ich auf Google Maps mehrere Ortsmarken entdeckte, die ich einst in der Umgebung angelegt hatte. Tatsache, ich musste diese Strecke schon einmal gewandert sein. Dabei war ich mir zu 100 Prozent sicher, dass ich die nämliche "Wandertipp"-Folge noch nie umgesetzt hatte. Seltsamerweise verflogen die Déjà-vu-Momente nach etwa der Hälfte der Strecke ('Okay, das ist neu', dachte ich), nur um irgendwann wieder einzusetzen.

Zurück daheim blätterte ich durch den Wanderordner und stieß alsbald auf des Rätsels Lösung, i.e. das Routenduplikat, den Wandertipp "Im Land der steinernen Meere", erschienen am 7. Februar 2025:


Und hier zu sehen ist die von mir am Freitag gewanderte Tour "Zwischen Felsen und Moor" aus der FAZ vom 12. März 2021:


Die "neuere" Route bin ich also zuerst gewandert, die "ältere" später, was aber hinsichtlich meiner Erfahrung keine Rolle spielte, da ich beide innerhalb eines Jahres (plus-minus ein paar Monate) abgelaufen bin. Wie unschwer zu erkennen ist, sind die Touren nahezu identisch, lediglich der südliche Bogen verläuft bei "Zwischen Felsen und Moor" anders, wodurch man hier 17 statt 13 Kilometer gehen muss, sofern man nicht die (hier mit einer gestrichelten Linie dargestellte) Abkürzung nimmt.

Ich muss zugeben, dass ich zwischenzeitlich etwas angefressen war, doch die zahlreichen Glanzpunkte am Wegesrand (wieder) zu sehen, stimmte mich milde:






Außerdem wären mir, hätte ich den nachmalig "recycelten" Ausflug nicht gewählt, Kleiniania ersten Ranges entgangen:
Etwas nach links abweichend, erwartet den Wanderer mit dem Gasthaus "Zum Odenwald" eine zünftige Einkehr [...]
Das Gasthaus weicht nach links ab?
Etwas ansteigend, vorbei an einem Bauernhof, bleibt die Bebauung halb rechts in Richtung "Pension Sonnentau" am Zugang des Schannenbacher Moores zurück.
Die Bebauung steigt, vorbei an einem Bauernhof, an?
Rechts davon wird die offene Talung gequert und, vereint mit den Abkürzenden, rechts vor dem Wald abgebogen [...]
Die Talung wird mit den Abkürzenden vereint und rechts abgebogen? Solche Subjektsbezugsunfälle konnte "Im Land der steinernen Meere" nicht bieten, dafür aber grammatikalisch kaum zu beanstandende Sätze von betörender Schönheit:
Nach dem Queren einer Kreuzung setzt Gefälle ein, was allerdings das Schritttempo nicht beschleunigen wird. Schmelzwasser und Niederschläge hinterließen rutschige Verhältnisse. Mit Blick auf die ausnehmend hohen Buchen ringsum wird man ohnedies die Schritte verlangsamen.

Der Preis dieses Naturschauspiels ist allerdings auch hier erhöhte Rutschgefahr. Weiter oben übergibt das V nahtlos an das Zeichen weißes S1 mit der Maßgabe, dem 500 Meter hoch liegenden Weiler Schannenbach zuzuführen.

Schräg aus dem Boden ragend, von Klüften, Überhängen und Löchern so stark durchzogen, dass man um seine Standfestigkeit fürchtet, wird das Trumm dennoch die nächsten Eiszeiten überdauern.
Die nächsten Lenze überdauern werden die beiden Tourenbeschreibungen nicht: Ich werde sie wegwerfen, auf dass es mich nicht noch ein drittes Mal ins Kleine Felsenmeer verschlägt.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Die Gamification des Alltags

Gestern ging ich zu meinem Stamm-Lidl und registrierte kurz vor Betreten der Filiale etwas aus dem Augenwinkel: Am Vorbau des Marktgebäudes lehnte eine Leiter. Stand die da schon immer? Ich konnte mich nicht erinnern, war ich doch schon länger nicht mehr dort einkaufen gewesen, wie ich gestehen muss (zu meiner Schande, denn Lidl lohnt sich [unbezahlte Werbung]). Jedenfalls war diese Leiter weder umzäunt noch sonstwie abgesichert; jedermann hätte daran einfach hochklettern können, so auch ich. 'Was, wenn ich es einfach tue?', dachte ich. 'Bestimmt beginnt damit eine total spannende Sidequest!' Oder auf dem Dach hätte ein Schatz oder sonstiger Loot gelegen. Ich betrat dann aber einfach den Laden, denn ich hatte keine Zeit für Abenteuer. Als ich wieder rauskam, saß neben der Leiter sogar ein NPC, der vermutlich spannende Dinge zu erzählen hatte, womöglich sogar zusätzliche Nebenaufgaben getriggert hätte. Toll, was "die" sich alles einfallen lassen: kostenlose Bonusinhalte an gewöhnlichen Stellen. So hält man das environment lebendig!

Freitag, 23. Januar 2026

Betr.: Co-Produktionen, Zug-Workout, News-Detox, Let's Play

Diese Woche ist die neue Cinema erschienen, und es wurden wieder einige Filme vorgestellt, an deren Produktion jeweils mehr als fünf Länder beteiligt waren, namentlich "Once Upon a Time in Gaza" (F/PS/D/P/Q/JOR), "Zwei Staatsanwälte" (F/D/NL/LV/RO/LT) und "Die Stimme von Hind Rajab" (TN/F/USA/UK/I/SA/CY). Den von "To a Land Unknown" aufgestellten Rekord (?) haben die drei Filme damit zwar nicht gebrochen, beachtlich sind diese Zahlen trotzdem. "CY" steht übrigens für Zypern.

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Regionalexpress Würzburg-Frankfurt. Eine etwa Mitte 60-jährige Frau mit Funktionskleidung und frecher Kurzhaarfrisur steigt zu und nimmt Platz. Nach einer Weile erhebt sie sich, läuft den Gang hinab, bleibt zwischen zwei Doppelsitzen stehen (auf einem dieser Sitze: ich), greift die Griffe an den Lehnen rechts und links von ihr und beginnt, gymnastische Übungen zu machen. Vor und zurück streckt sie sich, lässt sich halb fallen und macht Bewegungen wie an einem Barren, wobei die Füße auf dem Boden bleiben. Mich macht das leicht nervös, aber weil ich unkonfrontativ bin, begebe ich mich in den zen-buddhistischen Zustand des dhyāna und sage eben NICHT: "Oh jaaa, das ist sehr wichtig und gesund, was Sie hier tun, und überhaupt nicht absonderlich und irritierend! Sie haben schließlich gerade zehn Minuten am Stück gesessen, und so eine Zugfahrt ist ja wie ein Langstreckenflug, da drohen verkrampfte Muskeln und eingeschlafene Füße, wenn nicht gar Thrombose und Dekubitus."
Tja, wahrscheinlich hat diese Reisende tatsächlich alles richtig gemacht. Jetzt fühle ich mich schlecht, weil ich über sie, wenn auch nur insgeheim, gespottet habe.

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Was ich in meiner heutigen Titanic-Newsletter-Kolumne (die ihr bestimmt alle lest, *hüstel*) verkündet habe, ist wahr: Ich habe mir für 2026 vorgenommen, einen Bogen um "Welt online" zu machen, und seit dem 1.1. bin ich auch wirklich kein einziges Mal dort vorbeigesurft. Mir fällt diese selektive Medienabstinenz äußerst leicht, doch meinem Unterbewusstsein offenbar nicht. Heute habe ich nämlich im Traum welt.de aufgerufen, und in dem Moment, wo ich die ersten, gewohnt behämmerten Überschriften las, dachte ich: 'Waaah, mein schöner Vorsatz, bereits im Januar habe ich ihn gebrochen!'

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Das interessiert jetzt sicherlich kein Schwein, aber ich halte es fest, weil ich mich so darüber freue. Mein Lieblings-Youtuber raocow let's-playt zurzeit "Bramble" – auf meinen Wunsch hin! Kurz nachdem ich mich im Dezember erstmals am virtuellen Adventskalender mit einem Geschenk beteiligt hatte (ich bin "Earthquake Joe"), wurde mir dafür gedankt: von Gevatter Zufall. Denn im kurz darauf veröffentlichten "Patreon Wheel", bei dem u.a. Unterstützer ausgelost werden, die ein zu spielendes Game vorschlagen dürfen, blieb das Glücksrad auf meinem Namen stehen. Neben "Bramble" hatte ich als Alternativen noch "Lake" sowie das in meiner Amiga-Kindheit heiß geliebte "PP Hammer" angegeben (man darf drei Titel einreichen, von welchen raocow dann einen auswählt); die hätten gewiss auch witzige(re) Let's Plays ergeben.

Freitag, 12. Dezember 2025

6-7

Liebes Tagebuch,

genau eine Woche ist es her, dass ich zum ersten Mal jemanden im echten Leben das "Six-Seven"-Meme habe machen sehen. Ich wartete auf den Bus, als eine Gruppe Vorschulkinder an mir vorüberzog ... vielleicht waren es auch Schulkinder; hm, wie alt werden sie gewesen sein, sechs, sieben? Haha! Als Erwachsener kann man das ja so schlecht einschätzen. Okay, ich lege mich fest: Die Kinder waren circa acht Jahre alt. Jedenfalls blieb plötzlich eines der Kinder, ein Junge, stehen, drehte sich zu mir um, machte die "Six-Seven"-Geste (ohne die Zahlenfolge auszusprechen), lächelte (es war wirklich ein Lächeln, kein fieses Grinsen, wie es der Jugend von heute eigen ist!), und ging weiter. Ich hätte mir den harmlosen Spaß machen können, die Handbewegung zu erwidern, um zu signalisieren, dass ich durchaus im Bilde bin, schließlich habe ich noch nicht in allen Belangen der jungen Leute den Anschluss verloren. Doch war ich zu perplex und verharrte also regungslos, neutral ins Leere stierend wie immer.
Falls in zehn oder schon in fünf, oder in sechs, sieben (!) Jahren alle vergessen haben, was das "6-7"-Meme war (was es bedeutet, weiß auch heute niemand), dann, äh, wird es schon seinen Sinn haben, dass in dir, liebes Tagebuch, dieser Beitrag steht, auf dass er als "blast from the past" diene.

Samstag, 27. September 2025

Trauriges zum Wochenende

"Also beim Vierteljahrhundertjubiläum bin ich wieder dabei!", schrieb ich einst in Bezug auf ein stattgehabtes Klassentreffen. Heute wäre es nun soweit, doch ich armer Tropf muss dem großen Fünfundzwanzigjährigen in Dresden fernbleiben, denn zum zweiten Mal seit Dezember 2022 hat mich Corona erwischt. Drei Tage lag ich mit dem gesamten Symptomportfolio flach, erst heute spüre ich leichte Besserung, bin sogar in der Lage, einen Blogbeitrag zu verfassen (diesen hier). Eingefangen haben muss ich mir die Seuche vor einer Woche auf dem Oktoberfest oder auf der zehneinhalbstündigen Horrorzugfahrt von ebendort zurück. (In der Theorie total genial: in etwas über fünf Stunden ohne Zusatzkosten mit nur einem Umstieg von München nach Frankfurt fahren! Aber vor den Deutschlandticketreisegenuss hat der HErr die Großstörung gesetzt.) Zu allem Übel habe ich (zumindest deutet vieles auf mich) am Dienstag auch noch unseren aktuellen Redaktionspraktikanten angesteckt, und das, wo ohnehin gerade so einiges "rumgeht".

Mehrere Mitfeiernde haben mir per Whatsapp gute Besserung gewünscht und ihr Bedauern über mein Fernbleiben ausgedrückt, was mich sehr gerührt hat. Fakt ist: Könnte ich mich heute Abend per Fingerschnipsen auf das Event beamen, hätte ich nur wenig Freude an dem dortigen mexikanischen Buffet, denn mein Geschmacks- und mein Geruchssinn funktionieren nur je zur Hälfte (und damit besser als während meiner 2022er-Infektion, als diese Sinne für mehrere Tage komplett ausgeschaltet waren [Update Samstagabend! Sagen wir: zu einem Viertel]). 

Es ist nicht nur das Klassentreffen, das ich verpasse: Das ganze Wochenende hatte ich perfekt durchgeplant! Bereits am Freitagabend stand ein Besuch des Vortrags "Insekten auf Leichen" von Mark "Dr. Made" Benecke auf dem Plan (was man halt mit der Familie so unternimmt ...), heute wäre ich zu Globetrotter gegangen, hätte eine Boulderhalle besucht und hatte sogar schon die Lektüre auserkoren, die ich der Dresdner Hauptbibliothek (aka der besten Bibliothek der Republik) entleihen wollte. Morgen wären eine Wanderung und endlich mal wieder ein gescheiter Döner fällig gewesen. Stattdessen kümmere ich mich um liegengebliebene Petitessen wie Rundfunkgebührenüberweisung, Update meiner Veröffentlichungsliste und Meldung des voraussichtlichen Jahresarbeitseinkommens 2026 an die Künstlersozialkasse.

Doch was nützt es, zu jammern? Nüscht! Weswegen ich jetzt damit aufhöre.

Montag, 22. September 2025

Regionalexpress Augsburg-Würzburg

Frau A, Ende Dreißig: "Kann ich mich hier neben Sie auf den Boden setzen? Ich bin nämlich im Home-Office." Sie setzt sich im Gang auf den Boden des heillos überfüllten Zuges und arbeitet am Notebook.

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Damenausflugstruppenmitglied: "Ach, das ist ein COCKTAIL, den ich hier trinke. Habt ihr auch einen COCKTAIL? Inge, hast du deinen COCKTAIL schon getrunken? Hihihi."

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Schaffnerin weist per Durchsage darauf hin, dass der Zug in Treuchtlingen geteilt wird und man der Anzeige entnehmen möge, in welchem Zugteil man sich befinde.
Frau I: "Was, was, was?"
Mann: "Sie hat erklärt, wie man erkennt, welcher Zugteil wohin fährt."
Frau II: "Es müsste mal Schulungen geben für alle, die berufshalber über Lautsprecher reden: Laut, langsam und deutlich!"

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Meine Sitznachbarin, zu der Reisenden ihr gegenüber: "Ich hab jetzt nachgeguckt, und es stimmt wirklich, die Tagesschau hat was dazu gebracht: Die Deutsche Bahn lässt absichtlich Züge ausfallen!"
Gegenüber Sitzende: "Ah ja. Aber irgendwie logisch. So sparen die wieder Geld, für den Einsatz, für das Personal ..."

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Weibliche Stimme im dicht gedrängten Eingangsbereich: "Warum zeigen Sie mir das? Warum soll ich mir das ansehen? Was? Von wegen Fahrgastrechteformular! Was halten Sie davon, wenn ich die Polizei davon informiere? Die würde das sicher sehr interessieren! Nein, nichts 'Pssst'!!! Nach alldem, was die [Familienname] getan haben!!!"

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Frau 1: "Was war das denn?"
Frau 2: "Da hat wohl jemand was über irgendwelche Verbrecher auf dem Handy angeguckt."

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Eine Frau um die Dreißig packt ein nacktes Brötchen aus einer Bäckertüte und eine Flasche Mayonnaise aus einer Tasche, beißt einmal von dem Brötchen ab und quetscht sodann dick Mayo darüber. Ein Mann um die Sechzig steigt hinzu, hantiert mit einem Regenschirm.
Frau: "Au! Passen Sie doch auf mit dem Regenschirm!"
Mann: "Da kann ich doch nix dafür!"

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Frau B: "Als wir den Ausflug nach Weimar gemacht haben, da ham wir ne Bratwurscht gegessen, die war vorzüglich."
Frau C: "Ja, in Thüringen machen sie schon auch sehr gute Würscht."
Frau B: "Ja ja, so hat jede Region ihr Ding ..."

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Frau A, die kurzzeitig auf einem Sitzplatz gearbeitet hat, kommt zurück und hockt sich wieder in den Gang.
"So, ich setz mich wieder hier unten hin, mir gefällt das hier."
Mitfahrerin: "Sehr gerne, wir mögen Ihre Gesellschaft!"

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Frau X: "Setz dich doch alldieweil, wenn der Paul aufm Klo ist!"
Frau Y: "Nein, der kommt doch gleich wieder."
Frau X: "Aber das dauert doch ewig, bis der sich den Weg durch die ganzen Menschen gebahnt hat!"
Frau X: "Ha, guck, da kommt er doch!"
Frau Y: "Nanu, Paul, das ging ja schnell."
Paul: "Ich war gar nicht. Hier ist doch kein Durchkommen."

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Damenausflugstruppenmitglied 2, die Älteste im Bunde, sehr streng zu der Bodensitzerin: "Darf ich fragen, warum Sie hier auf dem Boden sitzen? Vorhin hatten Sie doch Gelegenheit, auf einem Stuhl zu sitzen!"
Frau A: "Ach, mir macht das nichts aus, und die anderen stört das nicht."
DATM2, plötzlich ausnehmend freundlich: "Na, dann ist ja gut. Sie haben mir bloß so leid getan! Wären Sie doch da sitzen geblieben!"

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DATM1 oder 3: "So, wir nehmen jetzt schon mal unser Gepäck runter, damit es gleich beim Aussteigen schneller geht. Entschuldigung, ob Sie mir vielleicht meine Tasche runterheben könnten?"
Mann, zwischen 60 und 70 Jahre, sehr barsch: "Muss das denn jetzt schon sein? Bis Steinach sind es noch zehn Minuten!"
DATM: "Wir wollen nachher die Leute nicht behindern ..."
Mann: "So was Unvernünftiges!"

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Mayonnaisefrau, in ihr Handy: "Ja, ich wollte dir nur sagen, dass du jetzt bei der Polizei aktenkundig bist. Die kennen jetzt deinen Namen ... Das weißt du ganz genau. [lauter] Lass mich ausreden! Denk dran, was ihr 2016 getan habt, du und deine Nazi-F***en-Familie. [brüllt etwas auf Türkisch] Ihr seid jetzt polizeibekannt! AKTENKUNDIG! Mafia-F***e!!!"

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Das waren, wohlgemerkt, Dialoge und Dialogfetzen während einer einzigen, rund zweistündigen Bahnfahrt. Etliche weitere bemerkenswerte Gesprächsteile habe ich leider vergessen.

Samstag, 23. August 2025

Eine alles andere als süße Erfahrung

Für einen Kuchen benötigte ich Puderzucker. Weil kein Puderzucker im Haus war, beschloss ich, selbst welchen herzustellen. Das geht mit dem Thermomix recht einfach: 200 Gramm Kristallzucker in den Mixtopf geben und 20 Sekunden lang auf höchster Stufe pulverisieren. Ich schütte also das weiße Gold hinein und verfahre wie beschrieben. Schon bevor ich den Deckel hebe, um mein feinkörniges Werk zu betrachten, geht mir ein unheilvolles Licht auf: Oh-oh, habe ich wirklich das korrekte "weiße Gold" verwendet? Hatte ich nicht! Weil ich Zucker und Salz in identisch aussehenden, unbeschrifteten Schüttern aufbewahre, war es unvermeidbar, dass ich irgendwann einmal die beiden Grundsubstanzen miteinander verwechsle. Das geschulte Auge und erst recht die Zungenspitze kann sich freilich in einem Sekundenbruchteil ein Bild davon machen, um welche Zutat es sich handelt, doch war ich wohl mit den Gedanken woanders (wahrscheinlich schon beim genussvollen Verzehr der Backware). Tatsache: Ich hatte unfreiwillig Pudersalz gemacht. Perfekt, aber nutzlos. Beziehungsweise doch nicht: Laut Internet existiert ein derartiges Produkt, zum Salzen von Popcorn. Aber als ich davon erfuhr (jetzt), war es zu spät, der ungenießbare Staub liegt im Hausmüll.

Freitag, 11. Juli 2025

Das hat sich doppelt (nicht) gelohnt

Ich bin derzeit im Besitz vierer Netto-Coupons, die mir je 5,- € Rabatt gewähren, wenn ich für mindestens 30,- € einkaufe. Theoretisch ein wahrer Schatz, auf dem ich da sitze, praktisch aber sinnlos: Wann kauft man schon mal für mehr als 30 Euro bei Netto ein? Gestern probierte ich trotzdem mein Glück. Ich packte diverse Schnapper, die ich vorher aus dem Wochenprospekt herausgeschrieben hatte, in meinen Einkaufswagen und legte noch manch anderes, was ich gar nicht benötigte, dazu. An der Kasse wurde dann ein Betrag von etwas über 25,- € fällig. Gutscheineinlösung nicht möglich.

Draußen dämmerte es mir: Ich hätte einfach ein Päckchen Kaffee kaufen sollen! (Reminder: Die aktuellen Kaffeepreise in Deutschland sind skandalös hoch.) 500 Gramm Kaffeepulver von Melitta (das war diese Woche das "günstigste") hätten 6,99 € auf die Gesamtrechnung geschlagen, womit diese auf über 30 Euro gesprungen wäre; mit Einlösung des Coupons wären wieder 5,- € abgezogen worden, wodurch mich der Kaffee, naiv gerechnet, bloß 1,99 € gekostet hätte. Ich Narr!

Doch dann studierte ich, an der Ampel stehend, die Quittung. Mir war ein Stück Gouda doppelt berechnet worden! Ich also zurück in die Filiale und den Fehler beanstandet. Nachdem mir der Kassierer den zu viel entrichteten Käsepreis (3,99 €) rückerstattet hatte, war ich doppelt froh: erstens weil ich keinen Verlust gemacht hatte, zweitens weil die Rechnung nun wieder auf insg. unter 23 Euro gefallen war, wodurch ich nicht mal im Falle eines Kaffeekaufes in den Genuss des 5-Euro-Rabatts gekommen wäre.

Was wäre wohl passiert, wenn ich den Kaffee mitgenommen hätte? Ich hätte in toto >30,- € latzen müssen, aber 5,- € wären dank Coupon abgezogen worden. Nach der Gouda-Stornierung wäre die Gesamtrechnung jedoch wieder in den nicht rabattierungsfähigen Bereich gerutscht. Hätte ich also 5,- € nachzahlen müssen? Das sind so Alltagsproblemchen ...

Samstag, 29. März 2025

Die karibische Kartoffelkatastrophe

Ich wollte gestern Ducana zubereiten, ein beliebtes Gericht aus dem Inselstaat Antigua und Barbuda. Es handelt sich um rohe Klöße auf Süßkartoffelbasis, die eingewickelt im Wasserbad gesotten werden. Ich bediente mich folgender Rezeptur, wobei die Mengenangaben Idealwerte sind; die von mir verwendete Süßkartoffel wog etwas weniger, so dass ich die Masse der übrigen Zutaten (nach Dreisatz!) entsprechend anpasste. Mag dies den Ausschlag für das (Spoiler) Misslingen gegeben haben? Nun, hier jedenfalls die von mir durchgeführten Schritte, die zum gewünschten Ergebnis hätten führen sollen.

Ich schälte eine Süßkartoffel von 350 g (wie gesagt, de facto waren's etwas weniger) und raspelte sie mit einer Vierkantreibe. Kartoffeln schälen ist ja schon meine mit Abstand ungeliebteste Küchentätigkeit – weswegen ich maximal zweimal im Jahr Kartoffeln kaufe –, aber das minutenlange Reiben gab meiner Geduld und vor allem meinen Handgelenken den Rest ... und das waren gerade mal die ersten zwei Arbeitsschritte!


Danach wurde es zum Glück einfacher. Man fügt lediglich 200 g Kokosraspeln, 250 g Rohrzucker, 200 g Mehl, 1 TL Zimt, etwas Muskat und 400 ml Wasser hinzu. Manche Rezepte sehen auch Vanillearoma vor, zudem scheint es auf Antigua und Barbuda zwei Lager in der Rosinenfrage zu geben, ein Glaubenskrieg, der mit jenem in Großbritannien bzgl. Scones zu vergleichen ist (erst die Clotted Cream, dann die Marmelade, oder umgekehrt?). Ich habe, obschon Fan, die Rosinen weggelassen, denn die Masse, die man zusammenrührt, fällt süß genug aus. Mit den Händen formt man nun Bollen, die man auf ausreichend großen Stücken Alufolie ausbreitet:


Hier schwante mir bereits, dass der "Teig" viel zu flüssig geraten war, um einen schnittfesten Knödel zu zeitigen, und das, obwohl ich noch reichlich Mehl nachgeschüttet hatte. Doch wacker fuhr ich fort und umschloss drei Häufchen wasserdicht mit Folie. Traditionell werden übrigens Bananenblätter zum Umhüllen verwendet, jedoch frage ich mich, wie man damit ein Eindringen von Wasser verhindern soll, wenn man diese Technik nicht von der Pike auf gelernt hat. Das nämlich ist der finale Schritt: Die Päckchen werden in einen Topf mit kochendem Wasser gesetzt. Nach 25 Minuten – so lange soll es laut Anleitung dauern – nahm ich eines heraus und öffnete es: Die Masse war immer noch zähflüssig. Als sich auch nach einer Dreiviertelstunde keine Veränderung des Aggregatzustandes zeigte, betrachtete ich das Kochexperiment als gescheitert. Zugegeben, Ducana schmeckt köstlich, aber von der Rohversion mochte ich nicht mehr als ein paar Löffel zu mir nehmen. Wenigstens die Beilage konnte ich verzehren, bzw. das, zu dem das Ducana als Beilage dienen sollte: Rahmspinat. Solchen isst man in Antigua und Barbuda tatsächlich, neben Salzfisch, am liebsten zu den zuckrigen Knödeln. Den Spinat, nach einem französischen Rezept (épinards à la crème), hatte ich parallel zubereitet, allerdings recht mühelos mit dem Thermomix; die entsprechenden Schritte brauche ich nicht auch noch zu erwähnen. Man kann freilich eh zu den bewährten Tiefkühlprodukten, mit oder ohne "Blubb", greifen. Und die restliche Ducana-Masse? Landete nebst jeder Menge Aluminiumfolie im Mülleimer. Seufz.

Dienstag, 21. Januar 2025

Ausflug nach dem Westerwalde

Letzten Freitag bin ich sehr früh aufgestanden und entlang meiner Lieblingsbahnstrecke mit der RB10 ("RheingauLinie") bis zu deren Endhaltestelle Neuwied gefahren: In der dortigen Stadtgalerie / ehemaligen Mennonitenkirche läuft nämlich noch bis zum 26. Januar die Ausstellung "Aiga Rasch und die geheimen Einblicke". Gezeigt werden die Buchcover, die von der schwäbischen Illustratorin für alle zwischen 1970 und 1999 erschienenen Bände der Reihe "Die Drei ???" angefertigt wurden, außerdem Arbeiten für andere Publikationen, Beispiele ihres sonstigen bildnerischen Schaffens sowie mancherlei mehr, was mit den Drei Fragezeichen zu tun hat (internationale Ausgaben, Merchandise).


Zu sehen sind auch Coverentwürfe, bei denen es sich nicht nur um Skizzen handelt, sondern um ausgearbeitete Zeichnungen – in der Regel mindestens fünf Stück pro Folge –, die zudem oft stark variieren.


Bemerkenswert ist, dass der finale Buchtitel zum Abgabezeitpunkt meist noch nicht feststand. So erfährt man u.a., dass "Die verschwundene Seglerin" (#71) den Arbeitstitel "... und der venezianische Spiegel" trug, sogar noch, als der Verlag sich bereits auf ein Cover festgelegt hatte. Die Jubiläumsnummer "Feuermond" hieß bis kurz vor knapp "Feuer der Mondes".


Am interessantesten fand ich einen Aktenordner, in dem Inspirationen und Vorlagen abgeheftet waren. Wenn ein Foto in einer Zeitschrift, eine Werbeanzeige o.ä. ihre Aufmerksamkeit auf sich zog, schnitt Aiga Rasch es aus und verwendete es zum geeigneten Anlass als "Rohmaterial": Sie setzte es fast 1:1 als Zeichnung um, verpasste ihm ihren markanten Grusel-Touch, fertig war das Cover. Ein Action-Shot aus einem Basketballspiel etwa landete auf Band 55 "Gekaufte Spieler". Fun Facts: Das Haus auf dem Cover von "Geisterstadt" (#64) ist das Geburtshaus von Karl May, der "Karpatenhund" (#3) ist ein Kampfhund, der ein Kind totgebissen hat, und die entsetzte Person am Telefon auf Band 72, "Dreckiger Deal", ist der CBS-News-Sprecher Dan Rather!


Damit ich nicht nur für einen einstündigen Museumsbesuch so eine weite Fahrt auf mich nehmen musste, verband ich den Trip mit einer Wanderung, deren Beschreibung ich mir vor Ewigkeiten aus der FAZ herauskopiert hatte – eine original Thomas-F.-Klein-Tour, die ich allerdings nur zur Hälfte absolvierte. Denn das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution in der ehemaligen Fürstenresidenz Monrepos lockte mich. Die Erkundung der nach modernen Maßstäben der Museumsdidaktik angelegten Steinzeit-Schau lohnte sich.


Das Schloss Monrepos hatte ich vorher schon auf einem Gemälde gesehen: in einem wiederum anderen Museum, in das ich zuallererst gegangen war.


Es begab sich nämlich, dass ich am Neuwieder Bahnhof aufgrund von Busnummern-Verwirrung den Bus, der mich zum Ausgangspunkt meiner Wanderung bringen sollte (Altwied, wo sich eine nette Burgruine befindet), verpasst hatte. Ich schaute auf Google Maps, was ich in den folgenden 60 Minuten unternehmen könnte, und entdeckte ein "Roentgen-Museum". Ich dachte 'Huch, was hat der berühmte Physiker denn mit dieser Region zu tun?' und ging hinein. Ein Zettel an der Kasse offenbarte mir, dass die Eintrittspreise wenige Tage zuvor "angepasst", i.e. erhöht worden waren, dafür war aber auch die 3. Etage "derzeit nicht begehbar". Dort oben sowie in den zwei Stockwerken darunter befänden sich "Roentgen-Möbel", erklärte mir der Mitarbeiter am Einlass. Ich konnte mir unter "Roentgen-Möbeln" nichts vorstellen: Sind das Möbel aus dem Labor des Forschers? Wie "aufregend" ... Ein paar Minuten später wurde ich erhellt: Das Museum war nicht Wilhelm Conrad Röntgen gewidmet, sondern David Roentgen, einem Kunsttischler, der bei seinem nicht minder begabten Vater Abraham in die Lehre gegangen war und im 18. Jahrhundert halb Europa mit seinen prächtigen Kabinetten und Einrichtungsgegenständen versorgte. Die präsentierten Stücke – darunter Architektentische, Schreibschränke mit Geheimfächern sowie mit ausgefeilten Klappmechanismen versehene "Verwandlungstische" (Sekretär und Stehpult in einem!) – gefielen mir außerordentlich gut mit ihren klassizistischen Streben, strengen rechten Winkeln und glänzenden Intarsien. Es gab auch Uhren, die in Zusammenarbeit mit Peter Kinzing, dem zweiten berühmten Kind der Stadt, entstanden sind.




Das Erdgeschoss des offiziell "Kreis-Museum" genannten Gebäudes befasst sich mit dem Wirken des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der mit seinen Anstößen zu Sozialreformen viel für den örtlichen Bauernstand getan hat. Die obligatorische historische Wohnstube darf freilich auch nicht fehlen.


Zum Schluss ein kleiner Tadel: Neuwied gibt sich nicht besonders viel Mühe, einen positiven Ersteindruck zu erzeugen. Das Bahnhofsgebäude ist abgesperrt und nicht zu betreten. In unmittelbarer Nähe gibt es weder Cafés noch Bäckereien; nur an einem Kiosk nebenan konnte ich mir einen (überteuerten) Kaffee holen. Die Landschaft macht im Sommer und im Herbst wahrscheinlich mehr her, zurzeit ist alles eher trist und grau. Dass zudem Temperaturen rund um den Gefrierpunkt herrschten, trug dazu bei, dass ich auf den gut 12 Kilometern, die ich wanderte, kaum einer Menschenseele begegnet bin.


Zu loben ist, dass ich mir in der Stadtgalerie einen kostenlosen Teebeutel und eine Anstecknadel mit dem Wappentier Neuwieds mitnehmen durfte.