Heute: Who Sampled, eine Datenbank, in der man über 1,3 Millionen Songs darauf hin untersuchen kann, welche anderen Songs bzw. welche sonstigen Musikstücke oder Teile davon (oder nichtmusikalische Tonauszüge) in ihnen gesampelt werden. Das macht süchtig. Recherchiere auch du, wo sich deine Lieblingsband schamlos bedient hat!
Sonntag, 9. August 2026
Der gute Sonntagslink
Mittwoch, 15. Juli 2026
Neues Altes (April-Juli '26)
- Archäologen entdecken Bibergrube aus der Jungsteinzeit bei Alsleben (mdr.de, 4. Mai) Ein Fund an der Saale, die rund 7000 Jahre alten Reste von mindestens zwölf Bibern, "liefert seltene Hinweise darauf, welche Rolle Pelzherstellung, Jagdstrategien und Kleidung bereits in der frühen Jungsteinzeit spielten".
- Bei Schulausflug auf Bauernhof: Bub (6) macht Sensationsfund (Kurier, 11. Mai) Der Junge entdeckte im norwegischen Dorf Brandbu ein 1,30 m langes Schwert, das aus einem Acker ragte. Das überragend gut erhaltene Objekt soll 1300 Jahre alt sein, also "aus der Merowingerzeit oder dem Beginn der Wikingerzeit" stammen.
- Stinkendes Notizbuch in mittelalterlichem Klo gefunden (wdr.de, 12. Mai) In Paderborn wurde ein in 700 bis 800 Jahre altes, gut erhaltenes, in Leder und Holz gebundenes und innen beschriebenes Buch gefunden – in einer Latrine. Womöglich handelt es sich um das Notizbuch eines Kaufmanns.
- Muscheln und Schnecken der Saison (Spektrum.de, 18. Mai) Eine Untersuchung von Weichtierschalen, die in rauen Mengen in der spanischen Höhle Las Aviones gefunden wurden und ein Alter von 115.000 Jahren aufweisen, legt nahe, dass die Ernährungsvorlieben des Neandertalers denen des Homo sapiens, der erst 100.000 Jahre später die Bühne betrat, ähnelten. Demnach wurden Meeresfrüchte bevorzugt in der kalten Jahreszeit konsumiert. Das "könnte damit zusammenhängen, dass die Neandertaler den Rest des Jahres anderswo lebten; vielleicht verdarben die Muscheln und Schnecken während des Winters aber auch weniger schnell oder schmeckten besser".
- Toter von Pompeji identifiziert – das war sein Beruf (t-online, 20. Mai) Einer jener 13 an dem als "Garten der Flüchtenden" bekannten Weinberg gefundenen Menschen hatte zum Zeitpunkt seines Todes unmittelbar nach dem Ausbruch des Vesuv einen Gegenstand bei sich, der den Eindruck eines "antiken Medizinkoffers" machte. Nach einer Analyse mit modernsten Methoden steht fest, dass das "Köfferchen eine Stofftasche mit Bronze- und Silbermünzen, ein Kästchen aus organischem Material sowie eine Reihe von Instrumenten, die zu einem medizinischen Set passen", enthielt. "Außerdem fanden sich eine Schieferplatte, die in der Antike zur Herstellung medizinischer oder kosmetischer Substanzen verwendet wurde."
- Überraschung aus der Steinzeit: Vater und Sohn durch hunderte Kilometer getrennt (Der Standard, 21. Mai) Der Sohn eines um 3100 v. Chr. im hessischen Niedertiefenbach beigesetzten Mannes "fand seine letzte Ruhe rund 225 Kilometer weiter nördlich, in einer in den Fels geschlagenen Kammer bei Sorsum" bei Hildesheim – "der bisher größte dokumentierte geografische Abstand zwischen Verwandten ersten oder zweiten Grades aus dem Neolithikum". Anschließende Untersuchungen mehrerer Bestattungsplätze ergeben das Bild eines regelrechten Netzes mit "weitreichende[n] biologische[n] Verbindungen".
- Neue Studie löst altes Rätsel: So übersteht diese Pyramide jeden Erdstoß seit Jahrtausenden (merkur.de, 26. Mai) Die Stabilität der Cheops-Pyramide: garantiert wird sie durch einen messbaren Unterschied zwischen den Eigenfrequenzen von Bauwerk und Untergrund, wodurch das sog. Resonanzphänomen vermieden wird. Druckkammern spielen dabei eine Rolle. "Die Pyramide vereint mehrere geometrische Prinzipien, die Ingenieure auch heute noch als vorbildlich bezeichnen würden."
- Der nackte Brite aus Kreide wird aufgehübscht ("Spiegel online", 28. Mai) "[S]owohl stärkere Regenfälle als auch heißere Sommer" haben dem zwischen 700 und 1100 n. Chr. angefertigten Riesen von Cerne Abbas zugesetzt, weswegen die Umrisse des 55 Meter großen Scharrbildes früher als nach dem üblichen Turnus nachgezogen werden. "Die Neuverkreidung soll bis zu 15 Tage in Anspruch nehmen. Rund 300 Mitarbeiter und Freiwillige des National Trust werden laut der BBC daran beteiligt sein und etwa 17 Tonnen frische Kreide den steilen Hang hinauftragen."
- Acht Meter unter dem Mainufer tauchen 2400 Jahre alte Gemäuer aus der Eisenzeit auf ("Welt online", 1. Juni) Eine eisenzeitliche Konstruktion aus Stein und Holz wurde am Mainufer in Aschaffenburg freigelegt. Sie stammt aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert und ist somit wohl der keltischen La-Tène-Kultur zuzuordnen. Über den Nutzen des "vermutlich auch repräsentativen Bauwerk[s]" ist (noch) nichts bekannt.
- Keltisches Fürstengrab im Taunus entdeckt (Hessenschau, 8. Juni) Teile eines Streitwagens, goldene Ringe, Schmuckperlen, eine etruskische Kanne und mehr: Die Grabbeigaben im schon jetzt als Sensation geltenden Bad Camberger Grab deuten auf eine höhergestellte Persönlichkeit hin, die zu Beginn der frühen Eisenzeit gelebt hat.
- Schülerin findet keltischen Armring aus Bronze - per Zufall (Hessenschau, 15. Juni) "Es handelt sich um ein rund 2.700 Jahre altes Schmuckstück aus der frühen Eisenzeit", welches eine Zwölfjährige in Büdingen in der Wetterau geborgen hat: einen Armring aus Bronze, der wohl Teil einer ganzen Tracht aus der Hallsteinzeit gewesen war. Der Fund bestätige, "dass der Glauberg bereits seit der frühen Eisenzeit besiedelt war. Zudem könnten solche Einzelfunde wichtige Hinweise auf mögliche bisher unentdeckte Grabhügel bieten - und seien deshalb ein Glücksfall für die Forschung".
- Unberührte Maya-Stätte im mexikanischen Dschungel entdeckt ("Spiegel online", 24. Juni) Die 15 Hektar große Stadt, deren Reste im Bundesstaat Campeche entdeckt wurde, ist Minanbé getauft worden (aus der Maya-Sprache mit "Es gibt keinen Pfad" zu übersetzen). Neben Hieroglyphentexten barg der auf die Zeit zwischen 600 und 900 n. Chr. datierte überwucherte Ruinenkomplex einen "13 Meter hohen Pyramidentempel, Altäre, palastartige Gebäude, Plätze, Wasserkanäle sowie einen Stein mit einer eingravierten Enthauptungsszene".
- Über 2.000 Jahre alte menschliche DNA in Höhlen Spaniens und Portugals entdeckt (AOL, 24. Juni) Eine internationale Studie zeigt, "dass Felsoberflächen menschliche genetische Spuren über Tausende von Jahren bewahren können", konkret "menschliche DNA nicht nur auf einer mit Pigmenten bedeckten Oberfläche der portugiesischen Höhle von Escoural, sondern auch in Bereichen ohne Malereien in [der Höhle von Maltravieso in Cáceres] und in der asturischen Höhle Covarón" sowie auf weiteren "Tafeln mit Felskunst aus elf Höhlen in Spanien und Portugal". "Von den analysierten Proben stammen drei von Frauen, eine von einem Mann; eine weitere ließ sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen." (Ausführlicher auch die Tagesschau)
- Neues Rätsel um Frühmensch Homo naledi: Warum lagen in einer Höhle nur weibliche Skelette? (National Geographic, 25. Juni) 20 von 20 Individuen in der südafrikanischen Rising-Star-Höhle wurden als weiblich identifiziert. Der Artikel geht ausführlich auf die Methodik der Geschlechtsbestimmung bei 300.000 Jahre alten Skeletten ein und wägt diverse Erklärungsversuche ab: Kulturelles Verhalten, sprich eine zielgerichtete Bestattung, sei bei frühen Homininen wie dem Homo naledi mit seinem relativ geringen Gehirnvolumen wenig wahrscheinlich. Solch ein Verhalten wäre tatsächlich ein Indiz für "eine Praxis, die ein Maß an abstraktem Denken voraussetzt, das bislang nur dem Menschen zugeschrieben wurde".
- Spannender Fund in Nidderau gibt Einblicke in das Leben der Kelten (Hessenschau, 30. Juni) Sieben Gräber aus der Zeit von vor 2500 Jahren bargen Angehörige der keltischen Mittel- und Oberschicht, darunter einen mutmaßlichen Krieger, der "mit Schwert und Speer bestattet" wurde. Folgeuntersuchungen sollen u.a. klären, "ob die Menschen körperlich schwer arbeiten mussten und ob sie ausreichend Nahrung hatten. Auch mögliche Krankheiten, das Alter oder Familienverhältnisse können zum Teil aufgedeckt werden".
- Stätte in Nordirland könnte zu den frühesten stadtähnlichen Siedlungen Europas gehören ("Spiegel online", 1. Juli) "In Haughey's Fort in der Nähe von Armagh soll es bereits ab etwa 1200 v. Chr. Besiedlung gegeben haben." Alles deutet auf ein bronzezeitliches "proto-urbanes Zentrum" hin, mit "Handwerksproduktion, Tauschhandel und gemeinschaftliche Aktivitäten", das zudem wahrscheinlich in Zusammenhang mit der bedeutsamen Stätte King's Stables und den Creeveroe-Erdwällen steht.
- Der Hobbit-Mensch aß, was die Drachen übrigließen (National Geographic, 8. Juli) Die "Hobbits" auf der indonesischen Insel Flores haben offenbar nicht, wie man lange annahm, selbst gejagt. Wie ein kurioses Beiß-Experiment jetzt gezeigt hat, ernährte sich der Homo floresiensis von Kadavern des Rüsseltiers Stegodon, jedoch nur von Exemplaren, die Warane zuvor erlegt hatten. Immerhin: "Um das Fleisch vom Knochen zu trennen, nutzten sie Werkzeuge."
- 2000 Jahre alte Gräber und byzantinische Stadt in der ägyptischen Wüste entdeckt (Deutschlandfunk, 6. Juli) "Die Gräber in Marina El-Alamein wurden etwa hundert Kilometer westlich von Alexandria gefunden" und enthielten "menschliche Überreste, Töpferwaren, Amphoren und andere Grabbeigaben". "Es wird angenommen, dass es sich bei dem Fundort um die antike Stadt Leukaspis handelt, ein Mittelmeerhafen, der zwischen der hellenistischen und der byzantinischen Zeit seine Blütezeit erlebte." Die Überreste einer komplexen byzantinischen Wüstensiedlung aus dem 4. Jahrhundert wurden unabhängig davon freigelegt.
- Archäologen entschlüsseln Namen eines Maya-Astronomen ("Spiegel online", 14. Juli) Der Mathematiker, der im 8. Jahrhundert (Zeit der Maya-Klassik, 250-900) gelebt haben soll, habe Sak Tahn Waax geheißen, was so viel wie "Weißbrustfuchs" bedeute. Zu Grunde lagen "astronomische Berechnungen an der Wand einer Kammer in der Maya-Ruinenstadt Xultún" (Guatemala).
- Bislang unbekanntes Grab bei Luxor entdeckt: Hinweise auf einen Würdenträger der Ramessidenzeit (herder.de, 14. Juli) Im Bereich Sheikh Abd el-Qurna stieß ein Forschungsteam auf eine dem Neuen Reich zuzuordnende "Grabanlage östlich des bekannten thebanischen Grabes TT 45". "Zu den bedeutendsten Funden gehören die Wanddekorationen im Inneren der Anlage. Mehrere Darstellungen nennen den Namen des Grabherrn 'Paser'."
Dienstag, 24. Februar 2026
Neues Altes (November '25 - Februar '26)
- Das steckt hinter dem "Band der Löcher" in Peru (geo.de, 11. November) Auf einem Bergkamm am Monte Sierpe ("Schlangenberg") am Fuß der Anden befindet sich ein 1,5 km langes Band aus 5.200 präzise angeordneten Löchern, das lange Zeit Anlass für vielfältige Spekulationen war. Ein internationales Forschungsteam geht nun davon aus, "dass Monte Sierpe anfangs - zur Zeit des Chincha-Reiches (etwa 1000 bis 1400 nach Christus) - als Marktplatz zum Tausch von Handelsgütern diente. Dies sei möglicherweise mit gemeinschaftlichen rituellen Feiern verbunden gewesen". Neben der Segmentierung der Löcher waren vor allem die organischen Rückstände darin auffällig: "Am prominentesten waren Spuren von Mais, der im fruchtbaren Pisco-Tal schon vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert kultiviert wurde."
- Hinweise auf geheimen Pyramiden-Eingang (Tagesschau, 16. November) Mit den Methoden des Ultraschalls, des Georadars und der elektrischen Widerstandstomographie konnte die schon länger kursierende Theorie eines weiteren Eingangs zur Mykerinos-Pyramide bestätigt werden. Der Hohlraum dahinter ist verhältnismäßig groß, dient(e) aber wohl vorrangig statischen Zwecken.
- Sensationsfund in Frankfurt – 2000 Jahre altes Römerlager entdeckt (Frankfurter Neue Presse, 28. November) Bei Grabungen im Bolongarogarten in Frankfurt-Höchst wurden Reste eines festen Lagers aus augusteischer Zeit freigelegt, mithin Spuren einer deutlich älteren römischen Besiedlung als jene der Stadt Nida, die unter Kaiser Vespasian fiel und somit frühestens 70 n. Chr. begann.
- Der Neandertaler: Hatten Frühmenschen schon vor 400.000 Jahren Feuer? (National Geographic, 5. Januar) "Am Fundplatz East Farm in England traten bei jüngsten Grabungen gerötete Schluffschichten zutage, von Hitze verzogene Feuerstein-Handäxte und Fragmente eines Minerals – Eisenpyrit –, das als Funkengeber auf Zunder gedient haben könnte. Zusammen deuten diese Funde darauf hin, dass eine frühe Gruppe von Neandertalern dort vor etwa 400.000 Jahren wiederholt Feuer in einer Herdstelle entfachte", was darauf hindeuten könnte, "dass Neandertaler die Kontrolle über das Feuer unabhängig von frühen modernen Menschen entwickelten [...] – auch wenn nicht auszuschließen ist, dass das Pyrit von Homo heidelbergensis stammt".
- Giftpfeile aus der Steinzeit gefunden (Tagesschau, 8. Januar) Schon vor 60.000 Jahren haben Menschen ihre Waffen mit Pflanzengift präpariert. Das legen in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal gefundene Pfeil- oder Messerspitzen aus Quarz nahe, an denen Rückstände des Saftes der Giftzwiebel hafteten, eines auch als Gifbol bekannten Gewächses, das "bis heute sowohl als traditionelles Heilmittel als auch für die Herstellung von Gift genutzt" wird.
- Reste von römischen Lagern in Sachsen-Anhalt entdeckt (mdr.de, 15. Januar) Dass römische Legionen bis an die Elbe vorgedrungen sind, war bislang nur aus historischen Quellen überliefert. Nun liegen handfeste Beweise in Gestalt der Reste dreier Marschlager im heutigen Sachsen-Anhalt vor. "Dass es sich um römische Anlagen handelt, belegen auch gefundene Fragmente von Gewandnadeln und Münzen. [...] Landesarchäologe Meller geht davon aus, dass die Lager aus der Zeit von Caracalla stammen. [...] Den Angaben zufolge belegen auch Radiokarbon-Untersuchungen, dass die Anlagen zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus angelegt wurden."
- Vitruvs Basilika nach Jahrhunderten der Suche in Fano entdeckt (Der Standard, 21. Januar) "Die Basilika von Fanum Fortunae, dem antiken Fano [in Mittelitalien], ist das einzige Bauwerk, das Vitruv in seiner überlieferten Schrift De architectura ausdrücklich erwähnt." Jetzt wurde das öffentliche Bauwerk unter der Piazza Andrea Costa im Rahmen von Umgestaltungsmaßnahmen freigelegt und kann aufgrund exakter Übereinstimmung mit den schriftlichen Beschreibungen eindeutig dem "Vater der Architektur" zugeschrieben werden. "Als Hinweise auf vier Säulen auftauchten, nutzten die Forschenden Vitruvs Text, um zu berechnen, wo sich eine Ecksäule befinden müsste – und bei der anschließenden Grabung kam die Säule tatsächlich genau an der berechneten Stelle zum Vorschein."
- Höhlenbild in Indonesien bricht Altersrekord (Spektrum.de, 21. Januar) "Es handelt sich um ein kaum sichtbares Handnegativ, das Menschen vor mindestens 67 800 Jahren mit dem Mund an eine Höhlenwand auf der Insel Muna gesprüht hatten. Damit ist es etwa 16 600 Jahre älter als der bisherige Rekordhalter, ein Felsbild, das sich auf der größeren Nachbarinsel Sulawesi befindet." Der Abdruck untermauere den archäologischn Befund, dass der Homo sapiens auf dem Weg nach Australien vor rund 65.000 Jahren die sog. Wallace-Linie, einen tiefen Meeresgraben, via die Borneo-Sulawesi-Route überquert hat.
- 300 neue Inschriften aus Pompeji offenbaren das Leben der Antike ("Focus online", 22. Januar) Ausgegraben wurde der Durchgang im Theaterbezirk bereits vor über 200 Jahren, doch erst jetzt hat das moderne Verfahren Reflectance Transformation Imaging Zeugnisse der informellen Alltagskommunikation wie Liebesbotschaften zutage gefördert.
- Forscher machen 1.400 Jahre alten Sensationsfund (t-online, 24. Januar) Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca wurde ein gut erhaltenes Grab der zapotekischen Kultur entdeckt, welche zwischen 300 und 900 n. Chr. ihre Hoch-Zeit erlebte. Die Grabkammer und ihr Vorraum beeindrucken mit Inschriften, Friesen und farbenfrohen Wandmalereien, die zum Teil lebhafte Einblicke in die (Bestattungs-)Kultur im Süden Mexikos bieten.
- Chemikerin löst Legionen-Rätsel: Überraschender Fund in Kalkriese (WAZ, 29. Januar) "Mithilfe der Analyse von Buntmetallen identifizierte sie die 19. römische Legion zweifelsfrei in Kalkriese. Diese gehört laut historischen Quellen zu den drei Einheiten, die in der Varusschlacht vernichtet wurden." Könnte dies ein entscheidendes Puzzlestück in der Streitfrage um den tatsächlichen Schauplatz der römisch-germanischen Schlacht sein?
- Taucher entdecken antikes Schiffswrack vor Italiens Küste ("Spiegel online", 4. Februar) Auf dem Meeresgrund vor der apulischen Stadt Gallipoli hat die Finanzpolizei bereits im Juni 2025 Überreste eines römischen Frachters aus dem 4. Jahrhundert entdeckt. Beladen mit mehreren Amphoren voller Garum, war das Schiff wahrscheinlich von Nordafrika aus gestartet.
- Antike chinesische Hochkultur endete wohl mit Überschwemmungen ("Spiegel online", 9. Februar) Der Untergang der vor 4600 Jahren ihre Blütezeit bildenden Shijiahe-Kultur (mittlere Region des Jangtsekiang) und ihr anschließendes Zerstreuen war lange Zeit ein Rätsel. Anhand eines an Stalagmitenbildung ablesbaren "Regenarchivs" konnte nun rekonstruiert werden, "dass das Tal drei Perioden mit geringen Niederschlägen [...] und zwei Perioden mit hohen Niederschlägen [...] erlebte, die 80 bis 140 Jahre dauerten. [...] Der Rückgang archäologischer Funde ab dieser Zeit deutet auf einen deutlichen Bevölkerungsrückgang hin, der über Jahrhunderte anhielt."
- Fund in Köln aus der Römerzeit ist einzigartig für Nordeuropa ("Spiegel online", 11. Februar) Ein römischer Hausaltar (ein Lararium) "wurde im Bereich des alten römischen Statthalterpalastes, des Praetoriums, gefunden". Eine Seltenheit, zumal im Innern "noch Reste der Bemalung" sowie Löcher von Nägeln, an denen Girlanden gehangen haben könnten, erkennbar sind. "Die Ausgräber stießen zudem auf eine Treppe aus dem 1. Jahrhundert."
- Zum Schluss keine Nachricht, sondern ein Online-Tool, auf das die Deutsche Welle aufmerksam macht: Hinter itiner-e verbirgt sich eine interaktive Straßenkarte des Römischen Reiches. "299.000 Kilometer Wege, die durch vier Millionen Quadratkilometer verlaufen, wurden digital rekonstruiert".
Freitag, 7. November 2025
Neues Altes (Juli-Oktober '25)
- Grab des ersten Mayakönigs von Caracol entdeckt (scinexx.de) Es handelt sich um Te K’ab Chaak, der im Jahr 331 den Thron bestieg und "zum Begründer einer mehr als 460 Jahre lang regierenden Königsdynastie" wurde. In dem Grab, in dessen Nähe sich drei weitere Gräber hochrangiger Mayas fanden, lagen zahlreiche Beigaben, "darunter Jadeschmuck und eine kunstvolle Totenmaske in Form eines Jadeit-Mosaiks, sowie geschnitzte Knochenflöten, vom Pazifik stammende Muschelschalen und elf verzierte Keramikgefäße".
- Archäologen entdecken antiken Schmuck aus der Römerzeit mit besonderer Bedeutung ("Focus online", 22. Juli) Das Trilobiten-Amulett wurde auf der Müllhalde des Domus einer offenbar wohlhabenden römischen Familie in Galicien gefunden, wobei das Fossil nicht von dort stammt, "sondern aus einer Region wie Kastilien-La Mancha oder Extremadura, etwa 430 Kilometer südöstlich. Das Forschungsteam vermutet, dass das Fossil über Handelswege nach Galicien gelangte." Womöglich schrieb man dem intentionell bearbeiteten Gliederfüßerüberrest magische, schützende Wirkung zu.
- Familienrezepte bei Neandertalern? Neue Studie deutet auf Traditionen hin (stern.de, 23. Juli) "'Die feinen Unterschiede in den Schnittmustern zwischen [den 70 km voneinander entfernten Höhlen Amud und Kebara im Norden Israels] könnten lokale Traditionen in der Zerlegung von Tierkadavern widerspiegeln', sagt die Studienleiterin Anaëlle Jallon von der Hebräischen Universität Jerusalem. Demnach wurden die Traditionen über Generationen weitergegeben".
- Rätselhafte Riesenschuhe in römischem Kastell entdeckt (Telepolis, 27. Juli) Die Größe der Schuhe der am Hadrianswall in Northumberland gefundenen Kollektion entsprechen der modernen britischen Größe 41 bis 42. "Emma Frame, leitende Archäologin der Magna-Ausgrabungen, vermutet: 'Wir müssen davon ausgehen, dass es etwas mit den hier lebenden Menschen zu tun hat, die größere Füße und möglicherweise auch eine größere Statur hatten [...]'", was "bedeuten würde, dass einige Angehörige der Militärgemeinschaft in Magna tatsächlich sehr groß gewesen sein müssen. [...] Es könnte jedoch auch andere Erklärungsansätze geben. Könnte es sich beispielsweise um eine Art Schneeschuhe oder Winterstiefel handeln, die zusätzliche Polsterung oder mehrere Paar Socken erlaubten? Ein Brief, der unter ähnlichen Bedingungen wie die Schuhe in Vindolanda erhalten blieb, erwähnt ein Geschenk aus Socken und Unterhosen, das an jemanden geschickt wurde, der dort stationiert war", etwa einem Bogenschützen aus dem wärmeren Syrien, für dessen Anwesenheit es ebenfalls Belege gibt.
- Coptic City Unearthed in Egypt's Western Desert (Archaeology Magazine, 29. Juli, englisch) Wohnhäuser, Gräber und zwei Kirchen wurden in der ägyptischen Kharga-Oase freigelegt und zeugen von frühem christlichen Leben.
- Größtes Werkzeug: Archäologen entdecken im Hohle Fels Meißel aus Elfenbein (SWR, 31. Juli) Ein "Team um Archäologie-Professor Nicholas Conard [hat] das einzigartige Objekt im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren als 'Fund des Jahres' präsentiert. [...] 'Mit diesem Fund wird die allgegenwärtige Bearbeitung von Elfenbein immer deutlicher', erklärt Conard. Bisher haben die Archäologen Endprodukte aus Elfenbein gefunden, Schmuckstücke oder Figuren. 'Jetzt finden wir das Werkzeug und Hinweise, dass der Hohle Fels zum Beispiel eine ganze Elfenbein-Werkstatt war.' Die Archäologen der Universität Tübingen sprechen deshalb bereits von einem Elfenbein-Zeitalter für die Periode von vor 43.000 bis 35.000 Jahren."
- Ältestes Altenheim der Welt entdeckt (israelnetz.com, 21. August) In der antiken Stadt Hippos nahe dem See Genezareth wurde ein Mosaik aus dem 4./5. Jh. freigelegt, das "die Inschrift 'Friede sei mit den Ältesten'" enthält. "Um die Schrift herum sind Bilder angeordnet von Seerosen, Zypressen, Früchten und Gefäßen. Aus der prominenten Lage des Mosaiks am Eingang eines öffentlichen Gebäudes schließen die Forscher, dass die Inschrift damals für die Eintretenden gut sichtbar war. Sie gehen davon aus, dass die Institution ein gemeinschaftliches und spirituelles Zentrum war, das die sozialen Werte der christlichen Stadt widerspiegelte."
- Menschen haben schon vor 9200 Jahren Getreide mit Steinsicheln geerntet ("Spiegel online", 26. August) Ausgrabungen in der Toda-Höhle im Süden des heutigen Usbekistan legen nahe, "dass die Ernte von Wildgetreide viel weiter verbreitet war als vermutet. Denn dort – Tausende Kilometer nordöstlich des Fruchtbaren Halbmonds etwa auf der Breite von Athen gelegen – fand das Team Steinwerkzeuge, Holzkohle und Pflanzenreste." Die Bearbeitung der somit "ungeplanten" Domestizierung erfolgte mit Steinklingen.
- „Die Leichen wurden gehäutet und entfleischt, ihre Knochen gekocht“ ("Welt online", 1. September) "Vor rund 5700 Jahren hat in [der nordspanischen Karsthöhle] El Mirador ein regelrechtes Gemetzel stattgefunden, wie Archäologen und Anthropologen jetzt in den 'Scientific Reports' berichten. Unter den Opfern waren sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene. Womöglich wurde eine ganze Familie oder Gruppe ausgelöscht."
- Als der Mensch sich das Pferd zum Nutztier machte, waren zwei Gene entscheidend ("Welt online", 4. September) Das eine ist für die Stresstoleranz der Tiere zuständig und hat damit Einfluss auf die Domestizierbarkeit, das andere steht "sowohl mit der Anatomie von Rücken und Wirbelsäule als auch mit der Ausdauer in Zusammenhang". Die Forschungsgruppe "hatte das Erbgut von 86 Pferden aus verschiedenen Teilen der Welt und von einem Esel auf 266 verschiedene genetische Eigenschaften analysiert und aus den Ergebnissen einen Stammbaum abgeleitet", der 5000 Jahre in die Züchtungsvergangenheit zurückreicht.
- Wegweiser in der Wüste: 12.000 Jahre alte Tierabbildungen entdeckt (mdr.de, 2. Oktober) In der arabischen Nefud-Wüste hat ein Forscherteam 60 Felskunsttafeln mit 176 Gravuren entdeckt. Die teils beinahe 13.000 Jahre alten, naturalistischen Abbildungen mit Maßen von bis zu 3 Metern Länge und 2 Metern Höhe zeigen "hauptsächlich Kamele, Steinböcke, Pferde, Gazellen und Auerochsen", die mehr als "künstlerischer Ausdruck waren: '[...] sie waren wahrscheinlich Aussagen über Präsenz, Zugang und kulturelle Identität.' [...] 'Die Felskunst markiert Wasserquellen und Bewegungsrouten und symbolisiert möglicherweise territoriale Rechte und generationsübergreifendes Gedächtnis.'"
- Kolosse auf Wanderung ("Spiegel online", 9. Oktober) Die Moais auf der Osterinsel sind gewandert! In einem praktischen Experiment wurde eine gewichtsgleiche Kopie von "drei Gruppen bestehend aus je einer Handvoll Menschen abwechselnd an Seilen, die den Koloss umschlingen und ihn dadurch nach vorn schaukeln", in Trippelschritten über eine beachtliche Strecke transportiert. "Die aktuelle Studie widerspricht damit anderen Theorien, laut denen die Statuen auf Holzstämmen verladen und vorwärtsgerollt wurden."
- Der Nazi-Adler hinter der Rigipswand ("Welt online", 13. Oktober) Zum Schluss keine wirkliche Neuigkeitenmeldung, aber ein dennoch lesenswerter Kurzaufsatz zu durch Naturgewalten ans Licht gekommene historische Zeugnisse.
Montag, 13. Oktober 2025
Wo alle Brünnlein fließen
Schmunzeln musste ich, als ich dies im Something-Awful-Forum las:
one of my defining memories of Germany is flying into Tegel for the first time, being thirsty, and asking a visitor information person where the nearest water fountain was.
He looked at me very sternly and said "In Germany we do not have such things!"
Stimmt schon: Im Vergleich zu beispielsweise Frankreich sind wir hier mit öffentlichen Wasserspendern und Trinkbrunnen nicht gerade gesegnet. Doch es wird besser! Viele Gemeinden haben in den vergangenen Jahren welche aufgestellt, in Frankfurt sind es inzwischen 24 Stück, und in meinem Wohnörtchen befinden sich sogar gleich zwei in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Offenen Bücherschrank. Freilich, da ist noch Luft Wasser nach oben, aber man muss bedenken, dass in Deutschland auch das Leitungswasser trink- und genießbar ist und Durst somit auch in Bedürfnisanstalten und überall, wo es Waschbecken gibt, gestillt werden kann.
Zur Brunnensuche empfehle ich die Seite trinkwasser-unterwegs.de: Postleitzahl/Stadt eingeben oder Standort erkennen lassen und alle Labungsquellen in der Umgebung finden.
Sonntag, 14. September 2025
Podcast-Empfehlung (in nicht eigener Sache)
Wieso habe ich das jetzt erst entdeckt (via "Hör- und Gucktipps zum Wochenende" c/o "BildBlog")??? Der Podcast "Hollywoodgeflüster" (auch als Video auf Youtube) beschäftigt sich mit der "Welt der Synchronisation und wird von Charles Rettinghaus, einer Legende der deutschen Synchronbranche, moderiert. Bekannt als die deutsche Stimme von Stars wie Jamie Foxx und Robert Downey Jr., lädt er regelmäßig prominente Gäste aus der Synchronsprecher-Szene ein" (Eigenbeschreibung). Rettinghaus höre ich derzeit wieder regelmäßig – bei meinem "Lost"-Rerun (Harold Perrineau, "Michael"). Und auch die allermeisten Gäste habe ich schon ein- oder mehrmals im Ohr gehabt. Absolut faszinierend, die Menschen hinter der Stimme zu sehen und privat zu erleben!
Sonntag, 9. März 2025
Der gute Sonntagslink
Neulich bei "American Rust":
Wohl wahr! Nach neun Jahrzehnten und unzähligen Iterationen ist die Juniordetektivin noch immer eine unkaputtbare Säule der amerikanischen Popkultur. In Folge 3 von "Seitenstraße" habe ich ja ein bisschen was über die Reihe erzählt. Nun bin ich durch Zufall auf einen Longread von 2018 gestoßen, der einige Aspekte der Franchise vertieft; wobei, mit acht Minuten Lesezeit ist es nicht wirklich ein Longread ... ein "Middleread" vielleicht? Jedenfalls: "The Secret Syndicate behind Nancy Drew" ("JSTOR Daily", englisch).
Sonntag, 17. November 2024
Neues Altes (September-November 2024)
- Archäologen legen Kapelle bei Allstedt frei (mdr.de, 19. September) Die Wallfahrtskapelle aus dem 12./13. Jahrhundert war, mutmaßlich von Anhängern des Reformators Thomas Müntzer, vor 500 Jahren niedergebrannt worden, was den Beginn des Bauernkrieges markierte. Das Dorf Mallerbach im heutigen Sachsen-Anhalt, in dem die Saalkirche stand, wurde im Spätmittelalter aufgegeben. "Auch etliche Münzen und mehrere Pilgerzeichen konnten geborgen werden."
- 10.500 Jahre altes Paddel im Duvenseer Moor entdeckt (ndr.de, 23. September) "Es lässt sich nahezu exakt auf ein altes Paddelblatt legen, das bereits vor 99 Jahren gefunden wurde. [...] Solche Funde sind von großer Bedeutung, da sie wichtige Belege für die frühe Mobilität auf Wasser darstellen. Vergleichbare Funde existieren nur an der Fundstelle Star Carr im Norden Englands." (Mehr bei "Welt online".)
- Pfeilspitze zeugt von tödlichem Kopfschuss in der Tollensetal-Schlacht (scinexx.de, 24. September) Der von einer Bronzepfeilspitze durchbohrte Schädel eines jungen Mannes beweist, dass bei der Schlacht im Tollensetal (Mecklenburg-Vorpommern) vor rund 3250 Jahren Pfeil und Bogen zum Einsatz kamen. "'Einige Pfeilspitzentypen, besonders solche mit Widerhaken, stammen hauptsächlich aus einem Gebiet zwischen dem heutigen Bayern und Mähren in Tschechien', berichtet Inselmann. Demnach war zumindest eine der Konfliktparteien bei der Schlacht von Tollense nicht lokaler Herkunft, sondern kam aus südlicheren Gefilden."
- Orcas mit Messern und abgetrennte Köpfe: Neue Nazca-Linien entdeckt (National Geographic, 27. September) Der Liste der bisher bekannten ca. 430, bis zu 2100 Jahre alten Scharrbilder im Hochland Perus können 303 weitere hinzugefügt werden, auch dank einer KI, die man mit über 1300 potentiellen neuen Geoglyphen aus der Wüste bei Nazca gefüttert hatte.
- Gingen die frühen Bauern auch auf die Jagd nach Menschen für ihre Opfer? ("Welt online", ohne Datum [Oktober]) Eilsleben bei Magdeburg: "Im Rahmen einer Lehrgrabung wird eine Fläche von 200 Quadratmetern detailliert untersucht. Zutage kommen Scherben von Keramikgefäßen, Steingeräte, Klingen, Pfeilspitzen und Beile sowie Tierknochen. Aufgedeckt wurden auch Pfostenstellungen, lehmverputzte Wände und Aktivitätszonen weiterer Häuser." Es ergeben sich neue, teils grausige Rückschlüsse auf die Lebensweise der Träger der Bandkeramischen Kultur.
- Spektakulärer Grabkammer-Fund – Neues aus der ältesten Stadt nördlich der Alpen ("Welt online", ohne Datum [Oktober]) Funde aus einer, leider leergeraubten, Grabkammer im oberschwäbischen Donautal erweisen sich als neue Teile im Puzzle der Lage von Pyrene, der bei Herodot erwähnten keltischen Großsiedlung, darunter "beispielsweise die in der Kammer verarbeiteten Hölzer, die bestens erhalten seien. Ein Stück konnte bereits datiert werden. Der Baum, aus dem es stammt, wurde im Jahr 585 vor Christus gefällt. Und dann sind da noch einige Knochen, auch sie in einem guten Zustand."
- 3900 Jahre altes Priesterinnengrab in Ägypten freigelegt ("Spiegel online", 11. Oktober) "Der Schacht", in der sich die Überreste der vermutlich mit 40 gestorbenen Hathor-Priesterin namens Idy befanden, "sei in der Antike geplündert worden, die meisten Grabbeigaben von Idy seien aber unversehrt. Gefunden wurden unter anderem ein Dolch und Statuen. [...] Das Grab enthielt zudem spezielle Gefäße, in denen die bei der Mumifizierung entnommenen Eingeweide aufbewahrt wurden – sogenannte Kanopen –, Reste von Idys Gewand und zum Teil zerstörte Knochen."
- Schmähung weit über den Tod hinaus (FAZ, 29. Oktober; nur hinter Paywall) Eine 2500 Jahre alte Inschrift voller Beschimpfungen könnte dem altgriechischen Dichter Anakreon zugeschrieben werden.
- Riesige Maya-Stadt in Mexiko entdeckt (National Geographic, 1. November) "Mithilfe der Lasertechnologie LIDAR, mit der sich verborgene Strukturen im Boden erkennen lassen", konnten nahe Campeche im Südosten Mexikos Straßen, Steinpyramiden und andere Strukturen einer 30.000 bis 50.000 Menschen Platz bietenden Konglomeration mit zwei Stadtzentren und mehreren kleineren Siedlungen entdeckt werden.
- Die „Dame von Kölleda“ trug im Grab ihre kostbare Sonntagstracht ("Welt online", 6. November) Mehr als 3700 Einzelfunde aus der Merowingerzeit brachten Grabungen in Nordthüringen zu Tage, darunter das von allerlei Grabbeigaben umgebene Skelett einer 25 bis 45 Jahre alten, wahrscheinlich adeligen Frau.
Sonntag, 22. September 2024
Die besten Weblogs (Doppelausgabe)
Heute möchte ich zwei Blogs empfehlen, die ich schon längst hätte empfehlen sollen, zumal mir die sympathischen Köpfe dahinter persönlich bekannt sind.
1.) Der Filmkenner und Historiker Csaba Lázár, der mein Redaktionskollege bei der Kinosendung war, die ich mal am Rande erwähnt habe, rezensiert seit vielen Jahren auf CineCsaba alte und neue Heimkino-Veröffentlichungen. Seine Kritiken sind unendlich kompetenter und umfangreicher als die meinigen und treffen so gut wie immer ins Schwarze.
2.) Das Frankfurter Urgestein Stefan Geyer hält in seinem Geyst-Blog Stadt-, Alltags- und literarische Beobachtungen fest. Zwar nur noch sehr sporadisch, aber es gibt ein stattliches Archiv. Stefan ist wie ich ein leidenschaftlicher Rumlatscher, und insbesondere die Rubrik "Spaziergangstagebuch" ist einen Blick wert.
Dienstag, 10. September 2024
Neues Altes (Juli-September 2024)
- Archäologische Sensation in England: Forschende entdecken römische Villen, Gräberfelder und Bauernhöfe (Frankfurter Rundschau, 10. Juli) Mit neuartigen Scan- und Kartierungsmethoden wurde auf über 1000 Hektar in der Grafschaft Shropshire das römische Erbe der Gegend nahe Wroxeter erhellt, wo sich mit Viriconium Cornoviorum einst die viertgrößte Stadt des römischen Britanniens befand.
- "Fund des Jahres": Forscher zeigen 40.000 Jahre alte Otter-Figur (BR, 25. Juli) "5,9 Zentimeter lang, 1,5 Zentimeter hoch, 0,5 Zentimeter breit und nur wenige Gramm leicht: Es ist ein unscheinbares Objekt, das Wissenschaftler der Universität Tübingen heute vorgestellt haben", nämlich die eiszeitliche plastische Darstellung eines Tieres, dem zwar der Kopf fehlt, das aber nur ein Otter sein könne. "[B]isher sei die Forschung davon ausgegangen, dass nur gefährliche und große Tiere wie Höhlenbär und Löwe oder Mammut, Wisent und Wildpferd von den eiszeitlichen Menschen künstlerisch dargestellt wurden." Möglicherweise habe die Figur aus der Weltkulturerbe-Höhle "Hohle Fels" (Schwäbische Alb) einen Bezug zum Schamanismus.
- Neolithische Revolution: Brot oder Wildschwein? (FAZ, 25. Juli; nur hinter Paywall) Gräber auf den mir bis vor kurzem unbekannten französischen Inseln Île Téviec und Île d'Hœdic enthielten Skelette, die Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten in der Bretagne der späten Mittelsteinzeit geben. "Wie die Isotopenwerte zeigen, standen hauptsächlich größere Fische auf dem Speiseplan, womöglich auch Robben. Solche Tiere zu fangen dürfte eine hoch entwickelte Technologie mit Booten, Angeln und anderen ausgeklügelten Gerätschaften erfordert haben." Auch auf den Phänotyp der Bewohner und die damaligen Sozialstrukturen lasse sich durch die gut erhaltene DNA schließen.
- Wurde Ägyptens älteste Pyramide mit einem hydraulischen Liftsystem errichtet? (Der Standard, 30. Juli) Hochkomplex ging es beim Bau der 4700 Jahre alten Djoser-Stufenpyramide zu. Alles deutet darauf hin, dass ein mit Wasser betriebenes Hebesystem eine entscheidende Rolle spielte.
- Mittelalterliches Dorf freigelegt: Sensationsfund bei München (BR, 6. August) "Bei Bauarbeiten in Oberschleißheim bei München sind Überreste einer mittelalterlichen Siedlung entdeckt worden", die sich über 11.000 Quadratmeter erstreckte und wahrscheinlich um 1300 aufgegeben wurde. Der Grundriss einer Kirche sowie etwa 20 Skelette wurden freigelegt.
- 900 Jahre alter Bildstein bei Bauarbeiten in Vorpommern entdeckt (NDR, 14. August) "Im kleinen Dorf Klotzow am Peenestrom ist an einem Haus in der Erde ein" 500 kg schwerer, 60 cm breiter und 40 cm tiefer Granitblock aus dem 12. Jahrhundert entdeckt worden, der "eine eingravierte menschliche Figur, die ein Kreuz vor dem Bauch hält", zeigt. Bei dieser könnte es sich um den Bischof Otto von Bamberg handeln, der in Pommern um das Jahr 1100 herum als Missionar tätig war.
- Neue Erkenntnis über Stonehenge verblüfft Forscher (Tagesschau, 15. August) Der sechs Tonnen schwere Altarstein von Stonehenge stammt offenbar "aus dem rund 750 Kilometer entfernten Nordosten Schottlands". "Die Logistik eines Transports des Steins über eine so weite Strecke verdeutliche [...] ein hohes Maß an Koordination und kultureller Verbindung zwischen diesen beiden Regionen". Dass die sog. Blausteine im Zentrum des Kreises aus Wales herangeschafft wurden, wusste man bereits. Die aufrecht stehenden Sandsteine kamen hingegen aus dem nahegelegenen Marlborough.
- Jahrhundertealtes Samurai-Schwert bei Ausgrabungen auf Molkenmarkt gefunden (rbb24.de, 22. August) "[I]n einem mit Kriegsschutt verfüllten ehemaligen Keller eines Wohngebäudes in der Stralauer Straße [...] fanden sich bei der Freilegung diverse Militaria der Artillerie wie Trensen, Steigbügel, Kandaren und Zaumzeug, die offenbar in den letzten Zügen des Zweiten Weltkrieges dort eilig entsorgt worden waren". Der spektakulärste Fund: ein Wakizashi mit einem Griff aus der Edo-Zeit (17.-19. Jahrhundert) und einer Klinge, die sogar aus dem 16. Jahrhundert stammen könnte.
- Hat Shakespeare sich hier umgezogen? (Süddeutsche Zeitung, 22. August; Paywall) Bei Untersuchungen des ältesten noch in Betrieb befindlichen Theaters des Vereinigten Königreichs, der St. George's Guildhall in King's Lynn, Norfolk, wurde ein 600 Jahre alter Torbogen entdeckt. "Es wird angenommen, die dazugehörige Tür habe zu dem Raum geführt, in der die Shakespeare-Truppe 'Earl of Pembroke's Men' sich umzog und ihre Requisiten lagerte, als sie 1593 in King's Lynn gastierte. Es wäre damit die einzig verbliebene von Shakespeare persönlich genutzte Garderobentür der Welt."
- Archäologen lüften Geheimnis um spanische Grabkammer von Menga ("Spiegel online", 26. August) Wie konnten Jungsteinzeitmenschen einen aus 32 Riesensteinen bestehenden Dolmen in Andalusien errichten, deren schwerster Deckenstein rund 150 Tonnen auf die Waage bringt? "Anhand von Messungen und geologischen Untersuchungen zeigten die Forschenden, dass die Erbauer damals offenbar zunächst Fundamentgruben für die seitlichen Großsteine aushoben. Dann zogen sie die Brocken auf Holzschlitten heran und kippten sie mithilfe von Gegengewichten und Rampen in die Gruben. So ragten die Steine, nun präzise in einem Winkel ausgerichtet, nur wenig aus dem Boden heraus."
- Haute Cuisine in der Bronzezeit (FAZ, 30. August; Paywall) "Eiweißspuren in mongolischen Kesseln verraten, was Menschen vor 2700 Jahren in Asien aßen." Genaueres war bereits im Juni auf "Archäologie Online" zu erfahren: In den Kesseln wurden neben Yakmilch (die man darin womöglich zu Joghurt hat fermentieren lassen) Blutreste von Wiederkäuern identifiziert. Aus dem bei Schlachtungen gesammelten Blut könnte Blutwurst gemacht worden sein.
- 2500 Jahre altes Observatorium in Ägypten entdeckt ("Spiegel online", 3. September) Eine Sonnenuhr, astronomische Instrumente, einen Beobachtungsturm, Wandbilder mit sternkundlichen Motiven: Das alles und mehr fanden Archäologen in einem ca. 850 qm großen Observatorium aus der altägyptischen Spätzeit etwa 80 Kilometer östlich von Alexandria.
- Versunkene Steinzeitbrücke auf Mallorca lässt Forscher staunen (t-online, 4. September) Ein Fund aus dem Jahr 2000 wurde u.a. mit Hilfe von Isotopenanalysen neu datiert und liefert die Erkenntnis, dass Mallorca bereits 1000 Jahre früher als bisher angenommen besiedelt war, mithin vor 5600 bis 6000 Jahren. Es handelt sich um eine heute unter dem Meeresspiegel liegende siebeneinhalb Meter lange Brücke, die zu einer trockenen Kammer einer Höhle an der Ostküste der Insel führte.
- So schnell segelte ein römisches Schiff durchs Mittelmeer ("Welt online", 4. September) Experimentelle Archäologie aus Deutschland: "Dass ein antikes Schiff die Route von Karthago nach Ostia an der Tiber-Mündung in nur drei Tagen bewältigen konnte, bestätigt jetzt ein interdisziplinäres Langzeitprojekt der Universität Trier zur antiken Seefahrt. Kernstück ist der originalgetreue Nachbau eines römischen Handelsschiffs, das Ende der 1970er mit anderen Wracks bei Laurons westlich von Marseille geborgen werden konnte."
Sonntag, 8. September 2024
Und was sagst du so?
Ich sehe es als meine Pflicht an, wie ich es im Januar 2012 (!) zum ersten Mal getan habe, darauf hinzuweisen, dass eine neue Erhebungsrunde im "Atlas zur Deutschen Alltagssprache" gestartet ist bzw. hat, Nr. 14 inzwischen. Diesmal bin ich besonders entzückt, wird doch nicht nur auf meine Anregung hin erörtert, wie verbreitet die Formulierung "alles dreis" ist, auch geht es in einem Punkt (zufällig direkt darunter) um die dialektologisch nur peripher bedeutsame Frage nach der Zubereitung von Kartoffelsalat – ein Streitthema, das ich in einer meiner letzten Titanic-Newsletter-Kolumnen berührte.
Außerdem sind die Ergebnisse der 13. Runde da!
Dienstag, 16. Juli 2024
Neues Altes (Mai-Juli 2024)
- Archäologen entdecken Fresken mit Bildern zum Trojanischen Krieg ("Spiegel online", 11. April; in der letzten Ausgabe durchgerutscht) Der "schwarze Raum" hat eine Fläche von 15 mal 6 Metern und wird so genannt, weil seine Wände schwarz gestrichen wurden, wohl zwecks Unkenntlichmachung von Öllampenruß. Er "ist mit einem Mosaikboden versehen und befindet sich demnach in einem ehemaligen Privathaus in der Via di Nola, der längsten Straße des antiken Pompeji." Bei den Motiven handelt es sich um Szenen aus der Ilias.
- Der pazifistische Springer (Süddeutsche Zeitung, 4. Juni) Unter einer mittelalterlichen Befestigungsanlage im Landkreis Reutlingen wurde eine fast 1000 Jahre alte Schachfigur gefunden, ein aus Horn geschnitztes Pferd.
- Vermutlich größte Felsgravuren der Welt entdeckt (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Juni) An Felswänden in Venezuela und Kolumbien sind prähistorische Petroglyphen von Dutzenden Metern Länge entdeckt worden. Sie zeigen menschliche und Tierfiguren, darunter viele Schlangen. "Nach Ansicht der Forschenden handelt es sich bei der Darstellung einer Riesenschlange um die weltweit größte einzelne Felsgravur, die bislang erfasst wurde."
- 1600 Jahre altes Buch mit Bibel-Texten in London versteigert (Rheinische Post, 11. Juni) Das älteste Buch im Privatbesitz, der sog. Crosby-Schøyen-Kodex, wurde bei Christie's für umgerechnet 3,63 Millionen Euro versteigert. Die 52 Papyrusseiten enthalten eine Abschrift des Buches Jona und des ersten Petrusbriefes in einem koptischen Dialekt. Mehr auch bei geo.de.
- Doppeltes Menschenopfer: In blutigen Zeremonien töteten die Maya bewusst Zwillingsjungen (geo.de, 13. Juni) Ein Team des Max-Planck-Instituts hat "die Überreste von 64 rituell bestatteten Kindern aus einer 1967 entdeckten unterirdischen Kammer" in Chichén Itzá untersucht: "Zusammengenommen deuten die Ergebnisse den Forschenden zufolge darauf hin, dass verwandte männliche Kinder wahrscheinlich paarweise für Rituale ausgewählt wurden. Zwillinge nähmen in den Schöpfungsmythen und im spirituellen Leben der damaligen Maya einen besonderen Platz ein, hieß es zur Erläuterung. Im 'Buch des Rates' (Popol Vuh) der Quiché-Maya seien Zwillingsopfer ein wiederkehrendes Thema."
- Ältester Weißwein in Urne gefunden – zusammen mit menschlichen Überresten ("Spiegel online", 18. Juni) Bereits 2019 wurden im spanischen Carmona in einem versunkenen Grab aus römischer Zeit etwa fünf Liter eines "sherryähnlichen Weins" gefunden, "zusammen mit verbrannten Knochenresten" sowie einer "Kristallflasche [...], die ein 2000 Jahre altes römisches Parfüm mit Patchouli-Duft enthielt". Mit ebenfalls rund 2000 Jahren handelt es sich bei dem Hauptfund um "den wohl ältesten in flüssiger Form erhaltenen Wein".
- Archäologen stoßen auf jahrhundertealte Flaschen mit eingelegten Kirschen ("Spiegel online", 19. Juni) 35 Flaschen mit großteils gut erhaltenem eingekochten Obst wurden im Vorratskeller des ersten US-Präsidenten auf dem Anwesen Mount Vernon, Virginia, zu Tage gefördert. "George Washington übernahm die Villa im Jahr 1761. Die Vorratsgruben, in denen die Flaschen lagerten, wurden wahrscheinlich zwischen den 1750er- und 1770er-Jahren genutzt."
- Israel findet mehr als 3000 Jahre altes Schiffswrack (FAZ, 20. Juni) Ein vor der Küste Israels auf dem Meeresgrund liegendes spätbronzezeitliches Schiff enthielt Hunderte intakte Amphoren, in denen von den Kanaanitern u.a. Öl, Wein und Obst aufbewahrt worden war. "Die große Menge der Amphoren an Bord eines einzigen Schiffs ist laut dem Direktor der Abteilung für Meeresarchäologie, Jacob Sharvit, ein Beleg für die bedeutenden Handelsbeziehungen mit den altorientalischen Ländern an der Mittelmeerküste. [...] Die Entdeckung ist laut der Behörde auch ein Beweis dafür, dass die Seefahrer damals das Meer durchquerten, ohne dabei die Küste sehen zu können."
- Älteste gegenständliche Höhlenmalerei auf Sulawesi gefunden (Frankfurter Rundschau, 3. Juli) Die Felsmalerei in einer Höhle im indonesischen Karstgebiet Maros Pangkep wurde mit Hilfe eines alternativen radiometrischen Verfahrens "auf mindestens 51.200 Jahre datiert. Einer Studie zufolge handelt es sich um die weltweit älteste gegenständliche Malerei, die bisher bekannt ist. Abgebildet sind nach Forscherangaben drei menschenähnliche Figuren, die mit einem Wildschwein interagieren."
- Pest könnte das Steinzeitvolk Nordeuropas ausgelöscht haben ("Spiegel online", 12. Juli) DNA-Analysen legen nahe, dass es Krankheiten, allen voran die Pest, waren, die vor ca. 5000 Jahren den neolithischen Niedergang auslösten und für den Zusammenbruch der nordeuropäischen Bauerngemeinschaften hauptverantwortlich waren. "Die Bevölkerungen Skandinaviens und Nordwesteuropas verschwanden schließlich vollständig und wurden später durch ein Volk namens Jamnaja ersetzt, das aus einer Steppenregion um Teile der heutigen Ukraine einwanderte."
Sonntag, 12. Mai 2024
Neues Altes (Februar-Mai 2024)
Seit der ersten Folge dieser neuen Rubrik ist reichlich Zeit verstrichen, in der sich schon wieder einiges Spektakuläres angesammelt hat! Und da habe ich die Skelette im Göring-Haus noch nicht mal berücksichtigt, denn die Untersuchungen dazu sind noch längst nicht abgeschlossen.
- Ei aus Römerzeit enthält immer noch Flüssigkeit (Tagesschau, 13. Februar) "Ein Ei aus römischer Zeit, das vor einigen Jahren in der südostenglischen Stadt Aylesbury gefunden wurde, enthält [...] eine Verbindung von Eiweiß und Eidotter", wie ein CT-Scan ergeben hat. "Das Ei wurde den Angaben zufolge in einer mit Wasser gefüllten Grube gefunden. Womöglich war es dort zwischen den Jahren 270 und 300 christlicher Zeitrechnung als Teil einer Opfergabe platziert worden." Anschließende Forschungen könnten zur Beantwortung von "Fragen um die Haltung und Nutzung von Hühnern und Vögeln in römischer Zeit" beitragen.
- Deutschlands größter Pestfriedhof in Nürnberg gefunden (BR.de, 24. Februar) "Mehr als 700 Tote haben sie hier schon ausgegraben [...]. Derzeit sind die Archäologen mit dem dritten von insgesamt acht Massengräbern beschäftigt. Am Ende der Ausgrabungen – so schätzen die Experten – liegt die Dimension bei 1.000 bis 1.500 Bestattungen. Dann wäre der Fundort der zweitgrößte Pestfriedhof Europas, nach St. Pölten in Österreich, so Melanie Langbein. Der Fund in Nürnberg stamme wohl aus dem 17. Jahrhundert."
- Osterinsel: Altersbestimmung von Holztafel weist auf eigene Schrift hin (Pressemitteilung der Universität Hohenheim, 27. Februar) Der Entzifferung der Rongorongo-Ideogramme, die in der Vergangenheit gelegentlich mit der Indusschrift in Verbindung gebracht wurden, ist das Forschungsteam der Universitäten Bologna und Hohenheim zwar nicht nähergekommen, wohl aber ist die Entstehungszeit sowohl der Holztafeln als auch der Schrift selbst nun klarer einordenbar: "An vier Tafeln [...] haben die Forscherinnen in Bologna Holzproben entnommen und erstmals eine präzise Radiokohlenstoffdatierung vorgenommen. [...] Eine der Tafeln, die sogenannte Échancrée-Tafel, überraschte die Forschenden: Sie ist deutlich älter als die Ankunft der Europäer. Die übrigen drei sind im 19. Jahrhundert angesiedelt, als die Europäer die Insel schon erreicht hatten." Das lege nahe, "dass die Schrift möglicherweise vor der Ankunft der ersten europäischen Schiffe auf der Insel in den 1720er Jahren entstanden ist. Das wäre ein Hinweis auf eine unabhängige Erfindung der Schrift."
- Wie die Menschen die Seefahrt erfanden (Süddeutsche Zeitung, 21. März) Im Lago di Bracciano nahe Rom wurden 1992 fünf Einbäume gefunden, die ein Forschungsteam nun auf 5700 bis 5100 v. Chr. datiert hat und deren Größe und hohes Niveau in der Fertigung vermuten lässt, dass sie nicht nur für das Befahren des Sees geschaffen worden waren. "Die Boote von La Marmotta veränderten auch das Bild der Forschung davon, wie die ersten Ackerbauern Europa besiedelten, schreibt das Team um Gibaja. [...] Um etwa 7500 vor Christus besiedelten Gemeinschaften aus jener Region den gesamten Mittelmeerraum. [...] Offensichtlich hätten sie nicht nur den Landweg, sondern auch das Meer genutzt. Mithilfe von Booten hätten sie sich rasch bewegen und schwere Lasten transportieren können."
- Stingray sand ‘sculpture’ on South Africa’s coast may be oldest example of humans creating an image of another creature (TheConversation.com, 31. März) Aus dem Middle Stone Age (gemeint ist der afrikanische Zeitabschnitt vor ca. 130.000 Jahren, nicht "unsere" Mittelsteinzeit!) könnte die älteste von Menschen geschaffene künstlerische Darstellung eines anderen Lebewesens stammen: eine symmetrische Stachelrochen-"Sandburg" (ohne Stachel), gefunden rund 30 km östlich der Blombos-Höhle im Süden Südafrikas. "If our suggestion is correct, it would not only push back the time when our distant ancestors first created art of another species, but could also help explain what has until now seemed enigmatic: the seemingly sudden appearance of magnificent art on walls deep within caves in western Europe."
- Wie die Wikinger ihre Körper traktierten (Süddeutsche Zeitung, 12. April) "Eingekerbte Zähne, deformierte Schädel: Immer häufiger stoßen Forscher auf Spuren davon, wie die Skandinavier der Wikingerzeit ihr Aussehen veränderten. [...] Für einen religiösen Hintergrund spreche archäologisch [...] nichts". Auch sonst beläuft sich vorerst viel auf Spekulation. Die spezifischen Befunde zu altskandinavischer body modification lesen sich dennoch verstörend.
- Plato’s final hours recounted in scroll found in Vesuvius ash (The Guardian, 29. April) "Thanks to the most advanced imaging diagnostic techniques, we are finally able to read and decipher new sections of texts that previously seemed inaccessible." Nämlich u.a. eine Papyrusrolle aus der Villa dei Papiri in Herculaneum, auf der die letzten Stunden im Leben des Platon beschrieben sind. Demnach hörte (und kritisierte) der sterbende Philosoph noch das abendliche Flötenspiel eines thrakischen Sklavenmädchens, bevor er seinem Fieber erlag. Zudem verrät das bereits 1750 unter der Asche des Vesuv gefundene Dokument, dass Platon in seinem Garten in der Akademie von Athen die letzte Ruhe finden sollte und dass er schon im Jahr 399 oder 404 v. Chr. versklavt worden sein könnte. "Until now it was believed that Plato was sold into slavery in 387BC during his sojourn in Sicily at the court of Dionysius I of Syracuse".
Samstag, 24. Februar 2024
Neues Altes (Januar/Februar 2024)
Hey, ich hatte doch Ende letzten Jahres zwei neue Rubriken versprochen! Hier ist die erste. Unter dem Titel "Neues Altes" (die Vorschläge von ChatGPT waren nicht origineller) werde ich künftig, voraussichtlich alle zwei Monate, Entwicklungen und Neuigkeiten aus der packenden Welt der Archäologie dokumentieren. Ich werde entsprechende Links zu Nachrichtenseiten auflisten und worum's geht kurz zusammenfassen/zitieren. (In ein paar Jahren werden die Links sowieso alle ins Leere führen. Die Internetarchäologie wird hier irgendwann gefragt sein!). In dieser Ausgabe sind's nur drei. Ich verspreche, die Augen fürderhin noch weiter offen zu halten.
- Schnitten sich die Menschen der Steinzeit Fingerglieder ab? (Süddeutsche Zeitung, 2. Januar) Viele der ältesten Höhlenmalereien in Frankreich und Spanien enthalten Handabdrücke, bei denen Fingerglieder oder ganze Finger fehlen. "Die Folge irgendwelcher Krankheiten, vielleicht auch von Erfrierungen oder von Unfällen? Nicht unbedingt, versichert jetzt ein Forscherteam um den Archäologen Mark Collard von der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby bei Vancouver - und bot nun auf der Konferenz der European Society for Human Evolution eine gruselige Alternativerklärung an."
- Sensationsfund in der Ostsee: 11.000 Jahre alte Mauer vor Rerik (NDR, 13. Februar) Rund 10 Kilometer vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns wurden durch Zufall Reste eines 970 Meter langen Steinwalls entdeckt. "Die Mauer liegt neben einer Vertiefung, vermutlich einem ehemaligen See. Die Forscher gehen davon aus, dass Jäger den Wall gebaut haben, um Rentiere in der Nähe des Sees in die Enge zu treiben und sie dort zu erlegen."
- Möglicherweise alte Kultstätte im Chiemsee entdeckt ("Spiegel online", 22. Februar) Bei Bodenradarmessungen sind Geophysiker auf die Grundmauern einer möglicherweise 1000 Jahre alten Kultstätte im romanischen Stil gestoßen. "Der Bau liege auf dem höchsten Punkt der [Fraueninsel im Chiemsee] und hat einen Durchmesser von 19 Metern. Ungeklärt sei, ob es sich um das Grab der Seligen Irmengard handeln könnte. Sie wirkte im 9. Jahrhundert als Äbtissin des Konvents Frauenwörth."
Mittwoch, 21. Februar 2024
Ausgewanderte Wörter
Sonntag, 11. Februar 2024
Die besten Weblogs
In den vergangenen vier Jahren wurde diese Rubrik nur dreimal "bespielt", was den schleichenden Untergang des Mediums Blog greifbar widerspiegelt. Womöglich ist dies denn auch der letzte Eintrag in der Reihe, aber auch der endgültige!
Das ooh! directory (übrigens die erste Website mit der Top-Level-Domain .directory, die mir untergekommen ist) versammelt – Stand heute – 2175 Weblogs aus aller Welt, geordnet nach Kategorien von "Arts and media" bis "Society". There goes my Sunday!
Sonntag, 3. September 2023
Der gute Sonntagslink (plus Entschuldigung)
Wusstet ihr, dass es sämtliche Ausgaben von "Ich und mein Staubsauger", dem West-Berliner Fanzine, in dem Max Goldt Ende der 1980er Jahre seine ersten "Onkel Max"-Kolumnen veröffentlichte, online gibt? Wusste ich auch nicht, bis mich Scott Hühnerkrisp vor einer Weile indirekt darauf aufmerksam machte.
Die liebevoll rotzig, professionell-dilettantisch gemachten Ausgaben, in denen man viel über die Club-, Sub- und sonstige Kultur der wilden Vorwendezeit erfährt, könnt ihr in den kommenden Wochen lesen. Denn hier im Blog wird es im September etwas ruhiger werden. Jawohl, es ist mal wieder Zeit für einen "Sorry fürs Nichtsbloggen!"-Beitrag bzw. -Halbbeitrag. Ich werde zwar versuchen, mindestens alle drei Tage etwas auf Kybersetzung einzustellen, der gewohnte Turnus kann aber leider nicht durchgehalten werden. Ich bitte um Nachsicht.
Sonntag, 20. August 2023
Der gute Sonntagslink
Mittwoch, 7. Dezember 2022
Recycling im Krankenlager
Das mit dem Flattr-Button war ein Witz.)
Sonntag, 13. November 2022
Lesetipp: Interview mit Karin Stüber
"Und was kannst du damit machen?" Diese Frage hörte ich als Student der Vergleichenden Sprachwissenschaft seeehr oft, vermutlich öfter, als wenn ich irgendein anderes geisteswissenschaftliches Fach studiert hätte. Etwas Konkreteres als "Keine Ahnung, mal sehen" konnte ich darauf nie erwidern. Dass es abseits akademischer Einrichtungen kaum Beschäftigungsmöglichkeiten für Indogermanisten gibt, war mir von vornherein klar gewesen, und letztlich hätte ich für den Job, in den es mich später verschlug, überhaupt keinen höheren Abschluss benötigt; bereut habe ich meinen Weg trotzdem nicht.
Ein extremes Beispiel für die unerwartete Zweitkarriere einer immerhin Sprachwissenschafts-Professorin lieferte jetzt ein Interview in der Neuen Zürcher Zeitung. Befragt wurde Karin Stüber, die mir in meiner Postgraduierten-Zeit wiederholt begegnet war, wann immer ich mich mit dem Keltischen zu befassen hatte. Ich glaube, ich habe sie sogar einmal auf einem Kongress reden hören. Jedenfalls arbeitet Karin Stüber seit kurzem als ... millionenschwere Autohändlerin!
Sowohl ein solcher Berufswechsel als auch – das muss man ganz klar sagen – die Entscheidung, sich full-time einer potentiell unlukrativen Nischendisziplin zu widmen, erfordert eine gewisse Privilegiertheit. Im Falle Stüber scheinen die Sterne seit jeher günstig gestanden zu haben.
Sie haben es getan. Sie beendeten Ihre akademische Karriere in Würzburg und wurden Verwaltungsratspräsidentin des grössten Mercedes-Händlers der Schweiz.
Mein Vater, Peter Stüber, führte die Firma mehr als 50 Jahre lang, sie gehörte ihm auch seit langem. Er sagte: Wenn ich 80 Jahre alt bin, möchte ich aufhören. Also musste sich die Familie überlegen, wie es weitergeht. Meine Schwester studierte Wirtschaft, aber sie wollte nicht seine Nachfolgerin werden. Die Verantwortung war ihr zu gross. Nun sitzt sie auch im Verwaltungsrat der Firma und unterstützt mich.
Warum haben Sie Ja gesagt?
Die Aufgabe reizte mich. Ich wollte etwas zurückgeben.Wem wollten Sie etwas zurückgeben und warum?
Der Firma, den Mitarbeitern, der Familie. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar. Ich habe so lange profitiert. Ich konnte eine akademische Karriere machen und ein Fach studieren, das brotlos ist. Für Indogermanisten gibt es ausserhalb der Uni keine Stellen. Als ich eine Zeitlang keine Anstellung hatte, war das mit meinem Hintergrund kein Problem. Wenn ich aus einer Arbeiterfamilie käme, wäre das nicht dringelegen. Meine Karriere wäre vorbei gewesen.
Das ganze Gespräch, in welchem auch der hübsche Helvetismus Sackgeld fällt, ist hier zu finden. Mich hat übrigens ein Google-Alert zu "indogermanistik", den ich vor langer Zeit eingerichtet habe, dorthin geführt. So richtig lösen konnte ich mich von dieser herrlichen Wissenschaft nämlich bis heute nicht.



