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Freitag, 16. Januar 2026

Ohne, Sorgen.

Auf "Legal Tribune Online" las ich kürzlich den spaßigen Artikel "Wie ein fehlendes Komma das Recht veränderte" von Martin Rath, dessen Texte eh meistens erhellend sind. Dieser Beitrag nun, an dem mich lediglich störte, dass statt "Komma" ständig das dumme Synonym "Beistrich" gebraucht wird, streift die Beantwortung einer Frage, die ich mir noch nie gestellt hatte, ich mir aber hätte stellen müssen, als ich vor einigen Jahren das berühmteste Wahrzeichen Potsdams besichtigte: Warum steht am Schloss Sanssouci, genauer: an dessen Mittelrisalit, der Schriftzug

SANS, SOUCI.

? Mit Komma und Punkt. Der LTO-Artikel verweist auf die zurzeit vergriffene Monographie "Das Komma von SANS, SOUCI. Ein Forschungsbericht mit Fußnoten". In diesem behauptet der "sehr gewitzte Historiker H. D. Kittsteiner (1942–2008)", wohl eher augenzwinkernd und wissenschaftsparodistisch, die Lösung in einem "Lehrbuch der Geheimschreibekunst (Chiffrir- und Dechiffrirkunst) in Staats- und Privatgeschäften" von 1809 gefunden zu haben. Darin vorgestellt wird nämlich u.a. die "Geheime Polizeischrift", die als frühe und zugleich stärker formalisierte Version der verschlüsselten Patientenbeleidigungen in der Arzt-Arzt-Kommunikation ("Patient hat C2-Problem" für "... ist alkoholkrank" [C2 = C2H5OH]) oder auch der Geheimcodes in Arbeitszeugnissen ("... hat durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen" = "... hat ein C2-Problem") verstanden werden kann. Über die Farbe des Papiers zum Beispiel wurde die Herkunft der polizeilich behandelten Person vermittelt ("blaues Papier: Franzose, rotes: Spanier, grünes: Holländer, blau und rot: Kölner"). Und jetzt kommt's:

Satzzeichen sollten nach dem Namen gesetzt werden, um die Religion der Person zu markieren: "1) Katholik oder Grieche, Kolon; 2) Augsburgischer Confession verwandt (lutherisch), Semikolon; 3) Reformiert, Comma; 4) Jude, ein Strich (–); 5) Naturalist, ein Punct; 6) Atheist, kein Zeichen." – Unter einem "Naturalisten" war ein Deist zu verstehen.
Wende man diese Interpunktionschiffre auf "SANS, SOUCI." an, so Kittsteiner, erhalte man die Aussage "Ohne den Calvinisten sorgenfrei als Deist" oder auch "Ohne Fatalismus lebt man sorgenfrei als Deist" (zit. n. Wikipedia). Friedrich II., unter dem Sanssouci erbaut wurde, habe damit unbemerkt und doch unübersehbar seinen verhassten Vater kritisieren wollen. Ob dem so war, wird sich wohl nie zweifelsfrei beweisen lassen. Hatte der Alte Fritz überhaupt Kenntnis von der Geheimen Polizeischrift? Reizvoll ist die Interpretation allemal.

Freitag, 18. April 2025

Der rätselhafte Baumheiland

Weil Ostern ist, soll es heute um Jesus gehen, konkret: um dieses Heiligenbild, das ich auf einer Wanderung im Spessart fotografiert habe.


Ich bin in christlicher Ikonographie wenig bewandert, konnte aber immerhin herausfinden, dass der hier dargestellte Segensgestus der in den orthodoxen Kirchen gebräuchliche ist. Worauf ich mir keinen Reim machen kann, sind die Zeichen zur Rechten und zur Linken des Christushauptes:


Das obere linke könnte ein kleines Omega sein, aber was hat es mit dem N auf sich? Heißt es nach griechisch-orthodoxer Überlieferung etwa "Ich bin das Ny und das Omega"? These: Das ist kein N, sondern ein vereinfachtes hebräisches Aleph (א). Und was sind die Xe? Sind das womöglich keine Buchstaben, sondern nur Zierelemente? Man verzeihe mir, falls das dumme Fragen sind. Für Aufklärung wäre ich dankbar.

Montag, 3. Februar 2025

ZA-HL

Am Wochenende war ich in Fürth. Dort sah ich mehr als einmal Autos mit FÜ-NF auf dem Nummernschild. Da fragte ich mich: Wie viele Orte gibt es wohl in Deutschland, in denen die Wörter für die Zahlen von 1 bis 9 aus dem dort amtlichen Unterscheidungszeichen und dem/den Erkennungsbuchstaben gebildet werden können? Oder anders herum: Lassen sich alle einstelligen Zahlen als Kfz-Zeichen ausschreiben? Da ihr alle euch das bestimmt jetzt ebenfalls fragt, bin ich wohl eine Antwort schuldig. Sie lautet: Das geht natürlich nicht, schon allein weil die Zahlwörter sechs und sieben aus mehr als vier Buchstaben bestehen. Sehr wohl geht aber nach meiner Recherche das Folgende:

- Im Landkreis Eichstätt (EI) ist EI-NS möglich, im niedersächsischen Northeim (EIN, was von Einbeck abgeleitet ist) EIN-S.
- Auf in Zweibrücken angemeldeten Kraftfahrzeugen kann ZW-EI stehen.
- Im Kreis Viersen lässt sich VIE-R bilden.
- FÜ-NF hatten wir schon.
- Die 8 lässt sich im Großraum Aachen als AC-HT realisieren.
- Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (NEU, nach Neustadt im Schwarzwald / Titisee-Neustadt) bekommt man NEU-N und im Rheinkreis Neuss NE-UN.
- Der Vollständigkeit halber sei noch die NU-LL erwähnt, die in Neu-Ulm zu haben ist.

Schade, dass es weder DRE noch DR als Unterscheidungszeichen gibt bzw. jemals gab.

Dienstag, 14. Januar 2025

Spaß mit Homographen

Bei der Spazur ist mir ein Satz eingefallen, der, geschrieben, zunächst höchst enigmatisch erscheinen mag:

        Versende Versende, Versende!

Sein Sinn erschließt sich, sobald man erkennt, dass jedes der drei Wörter anders ausgesprochen wird und eine andere Bedeutung hat:

- Das Versende am Satzanfang ist der Imperativ Singular des Verbs versenden.
- Das 2. Versende ist ein zusammengesetztes Substantiv: "Ende eines Verses".
- Das 3. Versende ist ebenfalls ein Substantiv, und zwar das substantivierte Partizip Präsens (im "Vokativ" Femininum Singular) des Verbs versen, welches zugegebenermaßen nicht gebräuchlich, aber nicht unbekannt ist, siehe den Eintrag in Grimms Wörterbuch "VERSEN, verb. verse machen, nur in älterer sprache". Eine Versende ist, wie eine Dichtende, eine Lyrikerin.

Gebildet werden könnte dieser Satz in folgender Situation: Eine Dichterin hat, zum Beispiel für eine Tageszeitung, ein Gedicht geschrieben und es bereits vollständig abgeliefert – bis auf den Schluss; es fehlt die entscheidende letzte halbe Zeile. Ungeduldig mailt ihr der Auftraggeber eine Erinnerung, aus Zeitgründen elliptisch gehalten und aus Liebe zu Homonymie und Augenreimen in obiger Wortwahl. Hübsch, gell?

Montag, 24. Juni 2024

Betr.: Glücksrad, Klingelton, Laotse, Illuminati

Dass das deutsche Buchstabieralphabet ab 2019 grundlegend überarbeitet worden ist und damit Ansagewörter wie "Siegfried" und "Wilhelm" in den Ruhestand geschickt wurden, dürfte bekannt sein. Einer alternativen, avantgardistisch-variablen Buchstabiertafel bediente sich aber schon viel früher ein gewisser Personenkreis im Fernsehen. Am 7. August 2002 schrieb ich in mein Notizbuch: "Hab' heute 'Glücksrad' gekuckt. Hilfe! Die Kandidaten drehen durch: 'S wie Sonnenschein, N wie Nixe, T wie Taufe, D wie Dussel!'"

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Kennt ihr den Kinderreim "Ei ei ei, was seh' ich da? Ein verliebtes Ehepaar"? Wenn ja, dann kennt ihr auch die primitive Melodie, zu der dieser Vers intoniert wird. (Der Spruch geht noch weiter, was aber für das Folgende unerheblich ist.) Diese Melodie, das fiel mir kürzlich wie aus heiterem Himmel ein, gibt es auch als Handy-Klingelton. Mindestens zweimal habe ich ihn schon im öffentlichen Raum gehört. Was stimmt nicht mit manchen Menschen?

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Erstaunlich, dass Laotse das modern klingende Wort Job verwendet hat!

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Endlich mal wieder was Aufregendes im Spam-Ordner:

Grüße vom Weltelite-Imperium der Illuminaten. Sind Sie Geschäftsmann/-frau, Politiker, Musiker, Student oder Angestellter? Streben Sie danach, Ihr Wissen zu erweitern, um sich persönlich weiterzuentwickeln? Wollen Sie reich werden? Brauchen Sie Schutz, sind Sie mächtig und berühmt? Wenn JA, dann können Sie Ihre Träume verwirklichen, indem Sie Mitglied des großen Imperiums der Illuminaten werden. Sobald Sie Mitglied sind, können all Ihre Träume und Herzenswünsche in Erfüllung gehen. Mit dieser kurzen Zusammenfassung: Wenn Sie daran interessiert sind, Mitglied der großen Illuminaten zu werden, dann melden Sie sich bei uns, um weitere Informationen zum Beitritt zu den Illuminaten zu erhalten. [...] Wir unterstützen kein schmutziges Spiel, es ist eine Bruderschaft des Friedens, eine großartige Gruppe der Erleuchtung.
Die Illuminaten.

Leider scheine ich nicht die Bedingungen zu erfüllen, um Mitglied zu werden.

Montag, 30. Mai 2022

Ein bisschen Pßas muss sein

Eine sehr seltene, um nicht zu sagen einzigartige Buchstabenverbindung begegnet uns im Nachnamen des Napoleon-Attentäters Friedrich Sta. Ein anderes Wort, in dem die Buchstaben p und ß aufeinandertreffen, fällt mir jedenfalls nicht ein. Meine anfängliche Begeisterung ob dieses Namensfundes wurde jedoch augenblicklich gedämpft, als ich las, dass der 1792 in Naumburg* geborene Kaufmann auch "Staps" und "Stapss" geschrieben wurde. Scheint, als wäre die Schreibung "Stapß" nur eine vorübergehende Keckheit gewesen, von wem auch immer erdacht. Lautlich ist das, was <pß> repräsentiert, ja weiß Gott nicht extravagant.

Zu relativieren ist auch etwas, das ich in einem älteren, ähnlich gelagerten Beitrag geschrieben habe. "Hat man irgendwann schon einmal die Kombination -psch- gesehen? [...] in einer Silbe", fragte ich damals in Bezug auf den Namen Pschorr. Erstens ist psch- nicht einmal als Anlaut einzigartig: Ein Kommentator erinnerte mich damals an den Pschyrembel. Zweitens sind mir seitdem weitere Beispiele für Silben, die -psch- enthalten, eingefallen. Einigermaßen bekannt ist Pepsch als Vor-, wenn auch nur Spitzname des kürzlich erst wieder im Gespräch gewesenen Süddeutsche-Karikaturisten Josef Gottscheber. Im Rheinischen gibt es das Adjektiv läpsch, das laut Wiktionary umgangssprachlich für "ohne großen Aufwand erstellt/zustande gekommen" oder "lasch und unambitioniert" verwendet wird. Aus dem Sächsischen kann ich zudem lap(p)sch mit der Bedeutung "schwächlich, kraftlos" beisteuern. Singulär ist bei den psch-Wörtern zumindest nicht nur die Schreibung, i.e. das ungewohnte Aufeinandertreffen der Grapheme <p> und <sch> (ja, genau, Letzteres ist ein Graphem, ein sogenannter Trigraph), sondern auch die Lautfolge. "Psch": das artikuliert man im Deutschen so gut wie nie, höchstens isoliert, wenn man Kinder zur Ruhe gemahnt. Es fällt denn auch auf, dass die von mir angeführten Vertreter entweder Eigennamen oder mundartliche Ausdrücke sind.

* Auch wieder unheimlich: dass dieser Ort innerhalb von fünf Tagen zweimal in meinem Blog auftaucht!

Sonntag, 10. Januar 2021

Was man über mich wissen sollte

Ich drehe, und das ist nicht übertrieben, komplett durch, wenn jemand am Telefon oder in sonstigen Situationen ein Buchstabieralphabet verwendet. Zum Beispiel so: "Gustav Albert Ida Theodor ..."
"Haaaalt, stop, was was WAS?!?!?", möchte ich schreien. Warum macht man das nicht gleich beim Ansagen von Zahlen so? "1 wie in 117, 9 wie in 9002, 4 wie in 479867557643002 ..."

Mittwoch, 20. November 2019

Fragen, die ich mir selbst stelle

Immer wieder hört oder liest man von sog. Klopfzeichen, derer sich beispielsweise Gefängnisinsassen bedienen, um heimlich zu kommunizieren. Wenn dabei das Morsealphabet verwendet wird, wie unterscheidet man dann kurze von langen Zeichen? Man kann doch nicht "langsamer" klopfen.

Antwort: Man verfährt entweder wie beim Klopfmorsen, wobei zwei kurz aufeinanderfolgende Knackimpulse für einen Punkt und länger auseinanderliegende Knackimpulse für einen Strich stehen, oder man greift auf einen Klopfcode zurück. Letzterer funktioniert mit einer Matrix von 5x5 Feldern, in die alle Buchstaben des Alphabets eingetragen werden, wobei man zwangsläufig einem Feld zwei Buchstaben zuordnen muss (etwa C+K oder I+J):


Ein Buchstabe wird mit zwei Zahlen übermittelt: Die erste bestimmt die Zeile, die zweite die Spalte. Das M wird also als 3 (3. Zeile von oben) und 2 (2. Spalte von links) codiert, nämlich indem man erst dreimal hintereinander und dann, nach kurzer Pause, zweimal klopft. Zugrunde liegt mithin eine einfache Polybios-Chiffre, eines der ältesten Verschlüsselungssysteme der Welt.


Montag, 4. November 2019

ß

Wissenswert: Das "Eszett" ist Bestandteil der französischen Druckschrift, wenigstens muss es das noch im 18. Jahrhundert gewesen sein. Ich stieß darauf an mehreren Stellen in Denis Diderots 1773 fertig gestellter Enzyklopädie:


Ich hatte bisher gedacht, es handele sich beim ß um ein ausschließlich in deutschen Texten verwendetes Graphem, weil es ja eine deutsche Erfindung ist. Doch wurde es beizeiten exportiert und gelangte unter anderem auch in italienischsprachige Bücher, wo es stets ein Doppel-s ersetzt – wie auch im Französischen, zumindest ist mir bei Diderot kein Fall untergekommen, wo das ß eine Ligatur aus s und z darstellt. Warum "dessein" nicht ebenfalls mit ß geschrieben wird, leuchtet mir nicht ein. (Deutsche Beispiele für "Deßein" aus demselben Zeitraum lassen sich durchaus ergoogeln.)

Sonntag, 18. März 2018

Die drei Schriftzeichen und das verschwundene e

Zu den zahllosen Unzulänglichkeiten der alten Rechtschreibung gehörte die – rein ästhetisch motivierte – Regel, bei Aufeinanderfolgen von drei gleichen Konsonanten in Wortzusammensetzungen einen der Buchstaben zu streichen. Statt Brennnessel schrieb man also Brennessel, statt Schifffahrt Schiffahrt usw. Konsonantentripel waren nur dann erlaubt, wenn nach dem dritten ein weiterer Konsonant folgte, z.B. in Wetttrinken.

Wie verhielt es sich beim Zusammentreffen von drei gleichen Vokalen? Anders als man denken könnte, waren Schreibungen wie Teei oder Schneesser nicht korrekt; der Duden forderte die Kenntlichmachung aller Buchstaben nebst Setzung eines Bindestrichs: Tee-Ei, Schnee-Esser. Diese Formen sind auch heute die empfohlenen Schreibungen, auch wenn Seeelefant & Co. möglich sind. Eine spaßige Aufgabe wäre es, ein Wort mit drei -u- hintereinander zu finden. Substantive auf -ee gibt es, wie eben gesehen, einige, mit 3xo wären zumindest Komposita mit Zoo- denkbar (Zooonkel, Zooorganisation), mit -i- gibt es natürlich die Hawaiiinsel(n), und mit drei -a- kann man sich mit etwas Mühe und Wortspielfreude einen Aaangler vorstellen ("Aa. Substantiv, feminin - Name europäischer Flüsse und Bäche", Duden).

Ein ungeschriebenes, d.h. im amtlichen Rechtschreibwerk nicht vorgesehenes Gesetz ist mir neulich beim Biertrinken aufgefallen. Die Vokaltilgung ist zwar bei Zusammensetzungen verboten, nicht jedoch bei Wortbildungen mit dem Ableitungssuffix -er! Im Gegenteil, dort scheint das Elidieren eines -e- das einzig Zulässige zu sein. Das Bier vom Tegernsee heißt eben nicht "Tegernseeer", sondern "Tegernseer". Genauso verhält es sich beim "Chiemseer" (was allerdings gar nicht am Chiemsee, sondern in Rosenheim gebraut wird, weswegen vor einigen Jahren sogar eine Anpassung der Etiketten gerichtlich verordnet wurde). Auch das City-Magazin der Brandenburgischen Ortschaft Falkensee nennt sich Falkenseer Stadtjournal. Nota bene: Die vielen Googletreffer für "Tegernseeer" in nicht-offiziellen Dokumenten legen den Verdacht nahe, dass viele Deutschsprechende das Tripelvokalverbot intuitiv beherzigen. (Für "Chiemseeer" und "Falkenseeer" fällt die Zahl der Suchmaschinen-Ergebnisse interessanterweise überraschend niedrig aus.)

Beenden möchte ich diesen eher trockenen Beitrag, indem ich noch einmal auf das flüssige Gold zurückkomme. Ich trinke gerne mal ein Bayerisches Helles und dachte – Saupreiß, der ich quasi bin – bis vor kurzem noch: "Kennste eins, kennste alle". Zwischen den beiden "See"-Bieren herrscht allerdings ein gewaltiger Unterschied: Während ich das "Tegernseer Hell" als "süffig" zu preisen bereit bin, ist mir das "Chiemseer" dann doch zu untergärig. Das ist doch Wasser mit Biergeschmack! (Nicht böse gemeint.)

Donnerstag, 29. Juni 2017

Historischer Tag für Fans von den GROẞBUCHSTABEN

Das versale ß ist mit dem Erscheinen des neuen Rechtschreibrat-Regelwerks fürderhin zulässig. Damit hat nun jeder Kleinbuchstabe des deutschen Alphabets auch eine große Entsprechung. ICH BEGRÜẞE DAS! Zähneknirschend muss ich gestehen, dass ich das große ß schon seit Jahren hin und wieder – wie ich nun weiß: nicht regelkonform – verwendet habe. Ich dachte nämlich, bereits 2008 wäre das Groß-Eszett eingeführt worden, dabei wurde das Zeichen in diesem Jahr lediglich dem internationalen Unicode hinzugefügt. Und so sieht es aus: (extra in HTML eingetippt). Zum Vergleich das kleine: ß. Doll, nicht?

Montag, 15. August 2016

Neulich in der "Welt online"-Redaktion

welt.de, 14.8.2016

- "Chef, die ganzen Tüddelchen auf diesen Türkennamen machen uns die schöne neue Typo kaputt!"
- "Uff, dann lass sie halt weg, fällt doch eh niemandem auf ..."

welt.de, 15.8.2016

Montag, 8. Februar 2016

Mehr zum Trema

Kleines Foto-Update zum Beitrag "Gebt uns Punkte!"
Gefunden in der Kurzgeschichte "Of Course" von Shirley Jackson. So schön!


Sonntag, 8. Juni 2014

Sonne, Mond und Sternegeneräle

Ich wette, gerade fragen sich Tausende von euch, warum der frisch vereidigte Präsident von Ägypten in manchen Medien als "al-Sissi" und in anderen als "as-Sisi" auftaucht. Atmet auf, Leute, denn Erklär-Man ist hier!

Der Präsident heißt, wenn man seinen Namen Buchstabe für Buchstabe transliteriert, al-Sisi (السيسي). Aaaaaber: Das "s" in seinem Namen (sīn) ist ein sogenannter "Sonnenbuchstabe". Sonnenbuchstaben haben die Eigenschaft, das "l" des vorangegangenen Artikels "al" zu assimilieren, also anzugleichen. Das arabische Wort für "Sonne" wird, mit Artikel, aš-šams gesprochen, obwohl es al-šams geschrieben wird; "š" (šīn) ist ein Sonnenbuchstabe. Nicht assimilierende Buchstaben hingegen werden "Mondbuchstaben" genannt, nach dem Wort für "Mond", al-qamar. Q (qāf) ist also ein Mondbuchstabe.


Kurz: Manche Medien verwenden die Schreibung "as-Sisi", um Nicht-Arabisch-Sprechenden die korrekte Aussprache des an sich "al-Sisi" geschriebenen Namens nahezubringen. Völlig überflüssig ist dessen ungeachtet die Schreibung eines doppelten "s" ("al-Sissi"). Die Journalisten bei Zeit, Welt und Stern haben offenbar zu viele österreichische Schnulzenfilme gesehen.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Seltene Buchstabenverbindungen

Es gibt einen Frankfurter Stadtteil namens Preungesheim. Das ist das einzige mir bekannte deutsche Wort, in dem der Laut -ng- direkt nach einem Diphthong (hier: eu) auftritt, und zwar in einer Silbe (man komme mir nicht mit Zaungast oder so!). Wer noch ein anderes Beispiel kennt, informiere mich unverzüglich! Ein zweites seltenes Buchstabencluster erscheint in dem Namen des Münchener Brauhauses Pschorr (da war ich neulich) und dem der Brauerei Hacker-Pschorr. Hat man irgendwann schon einmal die Kombination -psch- gesehen? (Und wiederum: in einer Silbe! Man komme mir nicht mit Klappschaufel oder so, zumal es ja Klappspaten heißen muss.) Beide Wörter sind allerdings Eigennamen (Preungesheim geht auf einen Herrn Bruning zurück), und da ist eh alles möglich ...

Sonntag, 15. September 2013

Basteln mit Parteinamen

Es gibt einen Text von Max Goldt, in dem dieser darauf hinweist, dass das Wort "Comicduo" das einzige wirklich glaubwürdige Beispiel für ein Wort ist, in dem die Buchstabenfolge CDU vorkommt. Die vorgeschlagenen Analogbeispiele für SPD habe ich vergessen, aber als unbefriedigend in Erinnerung behalten. Ich selbst habe zwei Wörter anzubieten: 
1) "Finncrispdose": eine Frischhaltebox für FinnCrisp
2) "Knospdrang": der Trieb einer Pflanze, zu knospen
Für FDP gibt es leider keine Vertreter. Wohl aber für AfD: "Schafdung", "Schlafdoktor", "Strafdilemma" (immerhin 7 Google-Treffer). Und für CSU? Hmmm ... "Cognacsucht"? "Ticsupport" (= Beratung für Menschen mit nervösen Zuckungen; wobei man das wohl mit Trennstrichen schreiben würde)?
Nun aber Schluss damit! Solche Spielereien erfreuen sich schließlich traditionell in der Neonazi-Szene großer Beliebhteit; das Kleiderlabel Consdaple wurde ja nur kreiert, weil darin die Buchstaben NSDAP enthalten sind.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Gebt uns Punkte!

Jedem wird schon einmal aufgefallen sein, dass das Verb "beinhalten" (= etw. enthalten) auf den ersten Blick auch als "Bein halten" verstanden werden könnte. In der Tat liegt hier ein Missstand in den deutschen Rechtschreibregeln vor. Dieser Missstand ließe sich beheben, indem man das Trema einführte, ein diakritisches Zeichen in Form zweier Punkte über dem Wirrnis erzeugenden Vokal. Man würde also z.B. "Hämorrhden" schreiben, um der Lesart "Hämorrheuden" vorzubeugen. Nun argumentiert man, dass diese Aussprache eh nicht zu erwarten sei, "weil der Diphthong /ɔʏ/ in der Regel mit eu oder äu verschriftet wird" (Wikipedia), wogegen sich anführen lässt, dass es durchaus (Fremd-/Lehn-)Wörter gibt, die ein <oi> enthalten, das man ganz natürlich wie ein eu oder äu ausspricht: Sirloin-Steak, Goi, Poier (Alf Poier, österr. Kabarettist) und natürlich Oi!

Wie dem auch sei, der Duden sieht das Trema nicht vor, lediglich gewisse Personennamen dürfen sich damit schmücken (Hoëcker, Piëch). Umso baffer war ich, als ich auf S. 169 der Graham-Chapman-Biografie "Autobiografie eines Lügners" Folgendes las: "das Bett, welches David bëinhaltete". Übersetzer: kein geringerer als Harry Rowohlt. Nur zwei Seiten später ist sogar von "Koffëin-Einläufen" zu lesen. Nett. Einen kleinen Einwand habe ich allerdings: Müssten die Tremata nicht – nach griechischem Vorbild – auf dem jeweils zweiten Vokal sitzen? Müsste es nicht korrekt "beïnhalten" und "Koffeïn" heißen? Wäre demnach nicht auch die Schreibung "Alëuten" falsch? Oder ist letzteres nur eine speziell deutsche Lösung, damit man das <ü> in "Aleüten" nicht wie das <ü> in "Alditüten" spricht? Ja, ja, ja, wahrscheinlich. Oder?


PS: Ich habe soëben herausgefunden, dass der New Yorker die Schreibweise "coöperation" bevorzugt.

Montag, 8. April 2013

Ompama

Letzte Woche sah ich zum ersten Mal den Namen des derzeitigen US-Präsidenten in griechischen Buchstaben: Μπαράκ Ομπάμα (Mparák Ompáma). Häääähhhh?!
Erklärung: Das β [b] wird im Neugriechischen nicht mehr wie /b/ artikuliert, sondern als /v/ gesprochen (stimmhafter bilabialer Reibelaut, wie in "Vase"). Um ein "echtes" /b/ wiederzugeben, hat man sich auf die Schreibweise /mp/ geeinigt. Analog verhält es sich mit [d] = /nt/ und [ɡ] = /nk/. Das δ [d] wird nämlich normalerweise als /ð/ (wie in engl. this) realisiert und γ [g] als /ɣ/ wie in, ähh, naja, so hier halt.

Freitag, 5. Oktober 2012

Tücke des Objekts

Mindestens zum dritten Mal in diesem Jahr ist mir kürzlich ein Regenschirm kaputtgegangen. Ich flanierte mit meinem geöffneten Schirm über eine Brücke, auf der ein so heftiger Wind wehte, dass die Teleskopstange verbogen wurde und sich fortan nicht mehr einfahren ließ, sodass der Knirps seiner Knirpshaftigkeit verlustig ging. Den Schirm behalte ich trotzdem vorerst; er schützt ja im Zweifel immer noch vor Niederschlag, nur ragt er jetzt zur Hälfte aus meinem Rucksack heraus, wenn ich ihn darin transportiere.
Die Male davor riss der Stoff, zerbrachen Speichen oder geschah sonstiges Malheur. Nein, mit Regenschirmen habe ich kein Glück.

Am Wochenende wurde ein weiterer Alltagsgegenstand unbrauchbar: mein Tee-Ei (halt!, ich schreibe aus ästhetischen Gründen lieber "Teeei"). Nachdem ich das mit einer Früchteteemischung gefüllte Ei aus der Teekanne geangelt hatte, wollte ich es öffnen, um den Inhalt im Müll zu entsorgen. Allein, das Teeei ließ sich nicht mehr öffnen. 'Lass ich's halt ein bisschen trocknen und auskühlen, dann wird's schon gehen', dachte ich. 
Doch auch später blieben die Eihälften haften wie die Magdeburger Halbkugeln. Ich drehte, zog und zerrte, sogar mit Zange und Hammer ging ich zu Werke – ohne Erfolg. In meiner Wut und Verzweiflung schmiss ich das Teeei schließlich aus meinem Fenster (1. OG) auf den steinernen Hinterhofboden. Das blöde Teil blieb unversehrt und fest verschlossen! Da warf ich es in den Abfalleimer.

Das Wort "Teeei" ist eine schöne Gelegenheit, folgende Liste zu präsentieren:

Meine Lieblings-Tripelbuchstabenwörter
- Fettteilchen
- Schneeesser
- Jazzzentrum
- Sperrrollladen
- Zooochse
- Gafffenster
- Rosssattel
- Schlammmischer


PS: 60% aller Deutschen brühen lieber losen Tee auf, nur 40% bevorzugen Beutel.
(Quelle: ZEIT)

Donnerstag, 13. September 2012

Z

In seinem Buch Nicht zu knacken befasst sich der Informatiker und Kryptologie-Experte Klaus Schmeh unter anderem mit dem berühmten Fall des Somerton-Mannes und der Taman-Shud-Chiffre. In dem entsprechenden Kapitel (S. 154) wird folgender Lösungsansatz vorgestellt:
Zwei australische Studenten hatten den Verdacht, dass das rätselhafte Schreiben lediglich eine Folge von Zufallszeichen darstellen könnte. Dazu ließen sie Testpersonen 50 beliebige Buchstaben aufschreiben. Es zeigte sich jedoch schnell, "dass viele der Probanden Mühe hatten, diese scheinbar leichte Aufgabe zu erfüllen. Teilweise benötigten die Getesteten über 5 Minuten für die 50 Buchstaben, und am Ende fanden sich entgegen der Aufgabenstellung häufig doch sinnvolle Wörter darin. [...] Ähnlichkeiten mit dem Taman-Shud-Text ergaben sich nicht."
Nun hatten die zwei eine andere Idee: Der Schreiber oder die Schreiberin könnte unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gestanden haben. "Da [die Studenten] jedoch aus naheliegenden Gründen ihre Testpersonen weder auf Drogen setzen noch vergiften konnten, versuchten sie es mit Alkohol. Insgesamt 18 Freiwillige lieferten in alkoholisiertem Zustand eine Textprobe ab. Das wichtigste Ergebnis: Der Buchstabe Z nahm mit steigendem Promille-Pegel deutlich an Beliebtheit zu."
Diese Randbemerkung fasziniert mich. Der Autor merkt noch in einer Fußnote an: "Vielleicht wäre diese Erkenntnis ein Kandidat für den berühmten Ig-Nobel-Preis." Ich werfe mal drei Theorieansätze in den Raum.
1) Mit zunehmendem Alkoholspiegel wird man wagemutiger und in seinen Entscheidungen experimentierfreudiger. Also wählt man häufiger das am Ende des Alphabets stehende, selten vorkommende Z als sagenwirmal R, A oder E.
2) Wer viel getrunken hat, wird schnell müde und schläft irgendwann ein. Und welcher Buchstabe erscheint üblicherweise in den Sprechblasen von Schlafenden? Genau: Z! (Vgl. div. Cartoons)
3) Besoffene können nicht geradeaus gehen, stattdessen laufen sie im Zickzack. Und welches Schriftzeichen ist die perfekte graphische Umsetzung des Prinzips Zickzack (und kommt obendrein gleich zwomal in dem Wort "Zickzack" vor)? Eben, noch einmal: Z!
Alles weitere überlasse ich Leuten, die Zeit für so etwas haben.