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Dienstag, 30. Juni 2026

Buchstabensalat (nicht-vegan)

Die Organisation PETA hat eine neue Anti-Tierausbeutungs-Kampagne im öffentlichen Raum laufen:


Eine Frage beschäftigt mich, seit ich diese Plakate zum ersten Mal gesehen habe: Ist das Schriftbild der Botschaften so unbeholfen-krakelig, weil diese von Tieren verfasst wurden oder weil sie von Tierbabys verfasst wurden? Konkreter: Schreiben Tiere, wenn sie reifer, gelehrter und weltgewandter sind, weniger kindlich? Oder kommt die Handschrift eines Tieres (eins der zwei anderen Motive zeigt ein Ferkel, das ebenfalls eine, haha!, Sauklaue hat) unabhängig von dessen Alter grundsätzlich niemals an die eines (erwachsenen) Menschen ran? Falls Ersteres, hätte man die Statements entsprechend erweitern können: "Wenn ich groß bin, möchte ich kein Kotelett werden, sondern Kalligraphie betreiben."

Montag, 24. April 2023

Die drei raren Zeichen

Heute möchte ich drei Unicode-Zeichen vorstellen, die kaum jemand kennen, geschweige denn regelmäßig benutzen dürfte:

1.) ₰
Was auf den ersten Blick aussieht wie das in der Druckfahnenkorrektur verwendete Tilgungszeichen (deleatur), ist ein Symbol für den guten alten deutschen Pfennig und war in der Bundesrepublik bis in die 1970er Jahre hinein vereinzelt zu sehen. Ich habe das geschriebene Pfennigzeichen erst durch den Katz+Goldt-Comic "Dreizehn Nächte im Kindersterbezimmer" in Titanic 2/23 kennengelernt.
Der Informatiker, der 1998 die Aufnahme des Pfennigzeichens in den Unicode-Satz erwirkt hat, gibt auf seiner Homepage Hintergrundinformationen und zeigt historische Beispiele.

2.) ⁊
Marcus Tullius Tiro (103-4 v. Chr.), der freigelassene Sklave und Privatsekretär Ciceros, erfand eine circa 4000 Zeichen umfassende Kurzschrift, die laut Plutarch zum ersten Mal am 5. Dezember 63 v. Chr. zum Einsatz kam und später als Tironische Noten in die Geschichte einging. Viel Wissenswertes zu diesen römischen Notae findet sich im Supertextus notarum tironiarum (auf deutsch).
Eine einzige tironische Note ist noch heute in Gebrauch, und zwar das der Ziffer 7 ähnelnde Et-Zeichen, das in Irland und Schottland in keltischsprachigen Texten das geläufige kaufmännische Und (&) ersetzt.

3.) ⌕
Die Kenntnis dieses Symbols verdanke ich dem Twitternutzer Scott Hühnerkrisp. Man kennt oder wohl vielmehr kannte es vornehmlich aus Telefonbüchern. Wikipedia: "Ein zarter Kreis mit einem die Kreislinie einmal radial nach links unten querendem Strich, ähnlich einem seitenverkehrten Q (als Zeichen für eine (abgehobene) Grammophondose mit Nadel), kann vor die Rufnummer gesetzt werden, wenn ein Anrufbeantworter angeschlossen ist."
Man könnte das Symbol heutzutage praktisch vor jede Telefonnummernangabe setzen, sind doch Mailboxes sowohl bei modernen Festnetzgeräten als auch bei Handys standardmäßig integriert. Mir ist es in der Vergangenheit jedenfalls nie aufgefallen. Hätte ich es je vor einer zu wählenden Nummer gesehen (und um seine Bedeutung gewusst), ich hätte mir das Wählen gespart, denn ich spreche grundsätzlich nicht auf Anrufbeantworter. Das ⌕ wurde, zusammen mit fast 6000 weiteren Zeichen, mit der Version 1.1 von 1993 in den Unicode eingefügt. Wie oft es wohl seither benutzt wurde?

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Ausflugstipp (nebst kleinem sprachwissenschaftlichen Exkurs)

Noch bis zum 31. Oktober kann man im Dom von Merseburg die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehörenden Merseburger Zaubersprüche im Original anschauen. Anlässlich des tausendjährigen (!) Jubiläums der Domweihe wurde die Schrift aus dem Archiv geholt und wird als Teil der Sonderschau "Jahr1000Schätze" ausgestellt. Als ich davon in der Zeitung las, plante ich sogleich einen Stop-over, den ich auf eine anstehende gleisgebundene Ost-West-Reise legte. Ich möchte allerdings Entwarnung geben: Der Anblick könnte ein wenig underwhelming sein, handelt es sich bei den Sprüchen doch nur um einen unauffälligen (und schließlich erst 1841 entdeckten) Zusatzeintrag in einer Sammelhandschrift, die aufgeschlagen in einem Glaskasten liegt. Zwei der ältesten Zeugnisse der deutschen Sprachgeschichte, zumal welche von so singulärem Inhalt, in natura zu sehen, hat trotzdem etwas fürwahr Magisches; wer aber vorhat, die karolingischen Minuskeln aus wenigen Zentimetern Entfernung zu studieren, ist besser damit beraten, eine der vier digitalen, mit hervorragendem Erklärungsmaterial ausgestatteten Digitalversionen im nahen Multimediasaal aufzusuchen.

Die echte Handschrift durfte man nicht fotografieren.

Davon abgesehen ist der ganze sachsen-anhaltinische Ort an der Saale unbedingt einen Besuch wert. Neben dem imponierenden Dom gebietet die geschichtsträchtige ehemalige Bischofsstadt auch noch über ein gleichermaßen beeindruckendes Renaissanceschloss mit eigenem Museum. Kurzum: Die drei Stunden, die mir zur Verfügung standen, reichten kaum aus, um Merseburg in seiner vollen Pracht zu erkunden.

Zurück zu den Zaubersprüchen (ab hier brauchen im Grunde nur Nerds weiterzulesen). Sie sind für Merseburg derart identitätsstiftend, dass man sie groß auf eine Wand im Bahnhofsgebäude gepinselt hat:


Mir sind die "MZ" (gern benutzte Abkürzung) zum ersten Mal im Deutschunterricht der Sekundarstufe I begegnet, ich weiß noch, wie sie als bedeutender Punkt in einer Übersicht der deutschen Literaturgeschichte erwähnt wurden. Später an der Uni haben wir sie dann im Althochdeutsch-Seminar übersetzt, und auf Spruch Nummer 2 bin ich in meiner 2010 vorgelegten Dissertation, die sich mit dem Pferd bei den Indogermanen beschäftigt, eingegangen. Ich darf mich zitieren: 

"Im 2. Merseburger Zauberspruch (9./10. Jh. n. Chr.) spielt Balders Fohlen eine zentrale Rolle: Phol ende uuodan uuorun zi holza. Du uuart demo balderes uolon sin uuoz birenkit. ('Phol? und Odin fuhren in den Wald. Da verrenkte sich Balders Fohlen den Fuß.') Es ist nicht ganz klar, ob Odin auf Balders Fohlen reitet oder Odin und Balder auf ihren jeweiligen Pferden unterwegs sind. Entscheidend ist das Wort Phol, das entweder für nhd. Fohlen steht oder ein Synonym des Gottes Balder ist. Für letzteres spricht die Tatsache, dass der altenglische Ortsname Polesléah auch als Balderes lêg bekannt war ('Hain des Phol/Balder'). Als sich das Fohlen den Fuß verrenkt, wird es von Sinthgunt und Frija besprochen, doch erst Odin vermag das Tier kraft seiner Worte zu heilen:
Sose benrenki, sose bluotrenki, sose lidirenki: ben zi bena, bluot zi bluoda, lid zi geliden, sose gelimida sin.
Sei es Knochenverrenkung, sei es Blutverrenkung, sei es Gliederverrenkung: Knochen zu Knochen, Blut zu Blut, Glied zu Glied, so seien sie 'geleimt' (verbunden).
Ein identisches Schema taucht in einem Zauberspruch des Atharvaveda auf (s. Kap. 4.2.3.1), und auch im Germanischen gibt es weitere Parallelen. Der altsächsische Wurmsegen (1227 n. Chr.) soll den Wurm 'aus dem Mark in den Knochen, vom Knochen ins Fleisch, vom Fleisch in die Haut und von der Haut in den Pfeil' treiben, wobei mit 'Pfeil' (altsächsisch strala) vielleicht der pfeilförmige Hufstrahl des Pferdes gemeint ist. Aus derselben Zeit wie der 2. Merseburger Zauberspruch stammt der sog. 2. Trierer Spruch, dessen Anfang wie folgt lautet: 'Es kam Christus und St. Stephan zur Burg zu Salonae. Da ward St. Stephans Pferd verfangen. Wie Christus dem Pferde St. Stephans das Verfangensein heilte, so heile ich es mit Christi Hilfe diesem Pferde.' Es ist das exakte Muster wie beim 2. Merseburger Zauberspruch, nur mit christlichem Überbau. Ähnlich liest sich auch eine spätere schwedische Formel: 'Fylli ritt den Berg hinab. Das Pferd verrenkte seinen linken Fuß. Da begegnete er Freya. - Ich will dein Pferd heilen und das verstauchte Gelenk wieder einrenken!'"

Zum altindischen Atharvaveda habe ich dann dies geschrieben:

"Der im Hinblick auf das Thema 'indogermanische Dichtersprache' beachtenswerteste Spruch ist AVŚ 4.12 über eine Pflanze namens arundhatī, mit der man Knochenbrüche kurieren kann. Die formelhaften Wendungen nach dem Muster 'Haar zu Haar, Körperglied zu Körperglied' erinnern stark an germanische Texte, insbesondere den 2. Merseburger Zauberspruch, der die Heilung eines verletzten Pferdes zum Inhalt hat (vgl. Kapitel 8.2.1). AVŚ 4.12 bezieht sich zwar nicht auf Pferde, doch gibt es immerhin einen Vergleich zum Wagen: 'run forth, (as) a chariot with sound wheels' (4.12.6), 'may he fit him together, joint to joint, as the wagoner the parts of the chariot!'"

Die Einordnung der MZ in das große Ganze unter der Lupe der vergleichenden Sprachwissenschaft habe ich in der Ausstellung tatsächlich ein wenig vermisst. Ansonsten war ich erstaunt darüber, wie viele offene Fragen die umfangreiche Forschungsarbeit zu den Zaubersprüchen noch immer nicht schließen konnte. Einen erschöpfenden ersten Überblick bietet übrigens die Wikipediaseite zum Thema.

Montag, 4. November 2019

ß

Wissenswert: Das "Eszett" ist Bestandteil der französischen Druckschrift, wenigstens muss es das noch im 18. Jahrhundert gewesen sein. Ich stieß darauf an mehreren Stellen in Denis Diderots 1773 fertig gestellter Enzyklopädie:


Ich hatte bisher gedacht, es handele sich beim ß um ein ausschließlich in deutschen Texten verwendetes Graphem, weil es ja eine deutsche Erfindung ist. Doch wurde es beizeiten exportiert und gelangte unter anderem auch in italienischsprachige Bücher, wo es stets ein Doppel-s ersetzt – wie auch im Französischen, zumindest ist mir bei Diderot kein Fall untergekommen, wo das ß eine Ligatur aus s und z darstellt. Warum "dessein" nicht ebenfalls mit ß geschrieben wird, leuchtet mir nicht ein. (Deutsche Beispiele für "Deßein" aus demselben Zeitraum lassen sich durchaus ergoogeln.)

Donnerstag, 29. Juni 2017

Historischer Tag für Fans von den GROẞBUCHSTABEN

Das versale ß ist mit dem Erscheinen des neuen Rechtschreibrat-Regelwerks fürderhin zulässig. Damit hat nun jeder Kleinbuchstabe des deutschen Alphabets auch eine große Entsprechung. ICH BEGRÜẞE DAS! Zähneknirschend muss ich gestehen, dass ich das große ß schon seit Jahren hin und wieder – wie ich nun weiß: nicht regelkonform – verwendet habe. Ich dachte nämlich, bereits 2008 wäre das Groß-Eszett eingeführt worden, dabei wurde das Zeichen in diesem Jahr lediglich dem internationalen Unicode hinzugefügt. Und so sieht es aus: (extra in HTML eingetippt). Zum Vergleich das kleine: ß. Doll, nicht?

Montag, 15. August 2016

Neulich in der "Welt online"-Redaktion

welt.de, 14.8.2016

- "Chef, die ganzen Tüddelchen auf diesen Türkennamen machen uns die schöne neue Typo kaputt!"
- "Uff, dann lass sie halt weg, fällt doch eh niemandem auf ..."

welt.de, 15.8.2016

Donnerstag, 2. Mai 2013

Gebt uns Punkte!

Jedem wird schon einmal aufgefallen sein, dass das Verb "beinhalten" (= etw. enthalten) auf den ersten Blick auch als "Bein halten" verstanden werden könnte. In der Tat liegt hier ein Missstand in den deutschen Rechtschreibregeln vor. Dieser Missstand ließe sich beheben, indem man das Trema einführte, ein diakritisches Zeichen in Form zweier Punkte über dem Wirrnis erzeugenden Vokal. Man würde also z.B. "Hämorrhden" schreiben, um der Lesart "Hämorrheuden" vorzubeugen. Nun argumentiert man, dass diese Aussprache eh nicht zu erwarten sei, "weil der Diphthong /ɔʏ/ in der Regel mit eu oder äu verschriftet wird" (Wikipedia), wogegen sich anführen lässt, dass es durchaus (Fremd-/Lehn-)Wörter gibt, die ein <oi> enthalten, das man ganz natürlich wie ein eu oder äu ausspricht: Sirloin-Steak, Goi, Poier (Alf Poier, österr. Kabarettist) und natürlich Oi!

Wie dem auch sei, der Duden sieht das Trema nicht vor, lediglich gewisse Personennamen dürfen sich damit schmücken (Hoëcker, Piëch). Umso baffer war ich, als ich auf S. 169 der Graham-Chapman-Biografie "Autobiografie eines Lügners" Folgendes las: "das Bett, welches David bëinhaltete". Übersetzer: kein geringerer als Harry Rowohlt. Nur zwei Seiten später ist sogar von "Koffëin-Einläufen" zu lesen. Nett. Einen kleinen Einwand habe ich allerdings: Müssten die Tremata nicht – nach griechischem Vorbild – auf dem jeweils zweiten Vokal sitzen? Müsste es nicht korrekt "beïnhalten" und "Koffeïn" heißen? Wäre demnach nicht auch die Schreibung "Alëuten" falsch? Oder ist letzteres nur eine speziell deutsche Lösung, damit man das <ü> in "Aleüten" nicht wie das <ü> in "Alditüten" spricht? Ja, ja, ja, wahrscheinlich. Oder?


PS: Ich habe soëben herausgefunden, dass der New Yorker die Schreibweise "coöperation" bevorzugt.

Montag, 8. April 2013

Ompama

Letzte Woche sah ich zum ersten Mal den Namen des derzeitigen US-Präsidenten in griechischen Buchstaben: Μπαράκ Ομπάμα (Mparák Ompáma). Häääähhhh?!
Erklärung: Das β [b] wird im Neugriechischen nicht mehr wie /b/ artikuliert, sondern als /v/ gesprochen (stimmhafter bilabialer Reibelaut, wie in "Vase"). Um ein "echtes" /b/ wiederzugeben, hat man sich auf die Schreibweise /mp/ geeinigt. Analog verhält es sich mit [d] = /nt/ und [ɡ] = /nk/. Das δ [d] wird nämlich normalerweise als /ð/ (wie in engl. this) realisiert und γ [g] als /ɣ/ wie in, ähh, naja, so hier halt.

Donnerstag, 13. September 2012

Z

In seinem Buch Nicht zu knacken befasst sich der Informatiker und Kryptologie-Experte Klaus Schmeh unter anderem mit dem berühmten Fall des Somerton-Mannes und der Taman-Shud-Chiffre. In dem entsprechenden Kapitel (S. 154) wird folgender Lösungsansatz vorgestellt:
Zwei australische Studenten hatten den Verdacht, dass das rätselhafte Schreiben lediglich eine Folge von Zufallszeichen darstellen könnte. Dazu ließen sie Testpersonen 50 beliebige Buchstaben aufschreiben. Es zeigte sich jedoch schnell, "dass viele der Probanden Mühe hatten, diese scheinbar leichte Aufgabe zu erfüllen. Teilweise benötigten die Getesteten über 5 Minuten für die 50 Buchstaben, und am Ende fanden sich entgegen der Aufgabenstellung häufig doch sinnvolle Wörter darin. [...] Ähnlichkeiten mit dem Taman-Shud-Text ergaben sich nicht."
Nun hatten die zwei eine andere Idee: Der Schreiber oder die Schreiberin könnte unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gestanden haben. "Da [die Studenten] jedoch aus naheliegenden Gründen ihre Testpersonen weder auf Drogen setzen noch vergiften konnten, versuchten sie es mit Alkohol. Insgesamt 18 Freiwillige lieferten in alkoholisiertem Zustand eine Textprobe ab. Das wichtigste Ergebnis: Der Buchstabe Z nahm mit steigendem Promille-Pegel deutlich an Beliebtheit zu."
Diese Randbemerkung fasziniert mich. Der Autor merkt noch in einer Fußnote an: "Vielleicht wäre diese Erkenntnis ein Kandidat für den berühmten Ig-Nobel-Preis." Ich werfe mal drei Theorieansätze in den Raum.
1) Mit zunehmendem Alkoholspiegel wird man wagemutiger und in seinen Entscheidungen experimentierfreudiger. Also wählt man häufiger das am Ende des Alphabets stehende, selten vorkommende Z als sagenwirmal R, A oder E.
2) Wer viel getrunken hat, wird schnell müde und schläft irgendwann ein. Und welcher Buchstabe erscheint üblicherweise in den Sprechblasen von Schlafenden? Genau: Z! (Vgl. div. Cartoons)
3) Besoffene können nicht geradeaus gehen, stattdessen laufen sie im Zickzack. Und welches Schriftzeichen ist die perfekte graphische Umsetzung des Prinzips Zickzack (und kommt obendrein gleich zwomal in dem Wort "Zickzack" vor)? Eben, noch einmal: Z!
Alles weitere überlasse ich Leuten, die Zeit für so etwas haben.

Sonntag, 7. Juni 2009

Gesinnungsbekundung qua Schriftsatz?

Heute finden in einigen Städten, darunter in meiner, Stadtratswahlen statt. Vielerorts konnte man Wahlplakate sehen. Eine Kampagne irgendeiner Partei bediente sich symbolischer Ortsschilder nach dem Muster Ortseingang = etwas Positives, Ortsausgang = etwas Negatives, zB "Mindestlöhne" und darunter (durchgestrichen) "Lohndumping". Ein spezielles Schild trug die Aufschrift "Weltoffenheit", und das darunter stehende Wort "Fremdenhass" war in gebrochener Schrift gesetzt (ich weiß nicht, in welcher genau, da ich das besagte Plakat nur kurz im Vorbeifahren sah). 
Das ließ mich wundern. Wieso wird dieses antidemokratische Schlagwort mit einer veralteten Schriftart in Verbindung gebracht? Bzw. warum assoziiert man alte Schriften mit Nationalsozialismus? In diesem Wiki-Artikel steht, dass die gebrochene Schrift 1941 aus den Schulen verbannt wurde, und ist von Hitler nicht überliefert, dass er die lateinische Schrift bevorzugte, um sich besser in der ganzen Welt behaupten zu können? Also wäre das lateinisch gedruckte Wort "Weltoffenheit" tatsächlich im Sinne Hitlers! Obwohl, naja, er hat wohl eher was anderes darunter verstanden. Neonazis wiederum würden freilich nie von "Fremdenhass" sprechen, die sind ja heute viel "subtiler", was mich zu den erwartbarerweise dümmsten Plakaten bringt, nämlich jenen einer nicht erwähnenswerten Partei, die im Ernst "Kriminelle Ausländer raus!" fordert - das Adjektiv "kriminelle" extra klein geschrieben. Und in lateinischen Buchstaben.