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Montag, 31. März 2025

Grundsätzliches über Abreißkalender

An welchem Punkt in meinem streng strukturierten Tagesablauf reiße ich eigentlich das aktuelle Tageskalenderblatt runter? Ich will es verraten: So lange ich denken kann, tu ich dies am Morgen, vor oder nach dem Frühstück. Jetzt allerdings wurde mir klar, dass das von den Abreißkalendermachern so nicht vorgesehen ist. Man soll vielmehr am Abend eines jeden Tages – bevor man schlafen geht – weiterblättern. Am Ende von Tag X soll man mithin die Vorderseite des Blattes von Tag X+1 sehen. Indiz: Am Sonntagmorgen riss ich gewohnheitsmäßig das Blatt vom Samstag herunter und bekam dies präsentiert:

"Heute Nacht", i.e. in der Nacht von Sonntag zu Montag, erfolgte die Zeitumstellung aber nicht, sondern wie immer von Samstag auf Sonntag. Ich hätte somit, um rechtzeitig über den Beginn der Sommerzeit informiert zu werden, am Vorabend das Blatt vom 29. März entfernen müssen. Sorry, das bringe ich nicht über mich – dann zeigt mein Kalender ja ein paar Stunden lang ein falsches Datum an! (Es sei denn, ich gehe nach Mitternacht zu Bett.)

Noch etwas ist zu monieren. Der Igel fordert uns auf, "heute Nacht die Uhr um eine Stunde vor[zu]stellen". Wer tut das? Gewiss, offiziell springen die Stundenzeiger um Punkt 2 eine Stunde nach vorn, aber die Menschen im Lande bringen doch nicht zu dieser unchristlichen Zeit ihre Chronometer auf den korrekten Stand. In der Regel tun sie das am nächsten Morgen, Vormittag oder noch später. (Ich habe meine Armbanduhr wegen Verpeiltheit sogar erst am heutigen Montag vorgestellt.)

Auch das Kalenderblatt vom Freitag wollte bereits am selben Tag (Freitag) gelesen werden, bezieht es sich doch mit dem Wort "morgen" auf etwas, das am Samstag stattfinden würde.


Ich jedoch las den Text erst am Samstag und musste folglich glauben, die Earth Hour wäre für den Sonntag angesetzt. Dass die Earth Hour weder am 28. noch am 29.3. stattfand, sondern bereits eine Woche zuvor stattgefunden hatte (das war wohl nach Redaktionsschluss geändert worden), steht auf einem anderen, höhö, Blatt ...

Donnerstag, 3. September 2020

O Weltgeist!

Er trinkt eine Tasse Tee in Tomsk und erleidet kurz darauf teilweisen Tod durch Toxine?

Sonntag, 22. Dezember 2019

Wo Vanille ist, ist auch ein Weg

Ich blätterte durch die aktuelle Zeit und las, mehr oder weniger aus dem Augenwinkel heraus, diese Überschrift:


"Die Königin der Gewürze". Noch bevor ich erfasst hatte, worum es ging, dachte mein Gehirn: 'Ah, Vanille!' Dabei war mir weder klar, dass Vanille diesen Ehrentitel trägt, noch war ich jemals einer leibhaftigen Vanillepflanze begegnet. Trotzdem kann man Vanille mühelos und blitzartig identifizieren, gerade als moderner Konsument hat man die charakteristischen gelben Blüten schon auf unzähligen Lebensmittelverpackungen gesehen. Hat man eine Packung Speiseeis vor sich und auf dem Deckel überwiegen Weiß- und Gelbtöne, steht fest: Das ist Vanilleeis.
In den letzten Jahren hat Vanille, zumindest meinem Gefühl nach, eine Aufwertung erfahren. Besonders das Label "echte Bourbon-Vanille" verheißt etwas Edles, Exquisites und rechtfertigt mutige Bepreisungen. Dabei fand ich schon immer, dass Vanille die langweiligste Eissorte ist. Niemals würde ich mir am Eisstand eine Kugel Vanille geben lassen. Nicht umsonst ist vanilla in Bezug auf Computer-/Videospiele und sonstige Software ein Synonym für "Standard", "unmodifiziert" oder "default". (Dieses Jahr fand bereits der 11. "Vanilla Level Design Contest" statt, bei dem "Super Mario World"-Hacks mit der Vorgabe erstellt werden, ausschließlich das unveränderte Quellmaterial des Originalspiels zu verwenden und auf custom sprites etc. zu verzichten.)
Nichtsdestotrotz bin ich grundsätzlich kein Verächter des aromatischen Orchideengewächses. Stets habe ich daheim eine Schote Vanille in einem verpfropften Reagenzglas vorrätig. Dennoch ist und bleibt für mich Kreuzkümmel der König der Gewürze.

PS: Menschen, die "Wanillje" sagen – was stimmt nicht mit ihnen?

Samstag, 13. Juli 2019

Aufmachertrend Sommer 2019

Für die Nachwelt (die es freilich in ein paar Jahrzehnten nicht mehr geben wird) sei hier festgehalten, was Wochenzeitungen und -zeitschriften derzeit auf ihre Titel packen:
  • Focus, 8. Juni: "Ich mag Fleisch. Ich fliege gern. Ich fahre Auto. 40 Ideen, wie Sie trotzdem klimafreundlicher leben können"
  • Zeit, 11. Juli: "Der Mythos vom Verzicht. Kein Fleisch, kein Flug, kein Auto – der Mensch soll auf immer mehr verzichten. Doch die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft nicht weiter."
  • Spiegel, 13. Juli: "Richtig und gut leben. Die Welt retten, ohne sich einzuschränken – geht das?"
In den jeweiligen Redaktionsstuben möchte man gern mal Mäuschen sein. "Der Leser mag weder Panikmache noch erhobene Zeigefinger. Er will in seinen Handlungen und Meinungen bestätigt und dabei nur ganz sanft erzogen werden. Lasst uns also die Leute dazu ermutigen, im Wesentlichen so weiterzumachen wie bisher, ihnen ein paar leicht umzusetzende Tipps an die Hand geben, und alle fühlen sich wohl!"
Konsequent und schon wieder sympathisch fände ich ein Magazin, das folgenden Kurs einschlägt: "Lachend in den Untergang: Kreuzfahrt, Steak und Monsterjeep – so machen wir uns die letzten Jahre der Menschheit so angenehm wie möglich."

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Kurz notiert: Verstümmelte Verben


"Habe ich ein hypersensibles Sprachempfinden"?, fragte ich bereits vor über neun Jahren, und auch heute stelle ich (wem auch immer) die Frage: Habe ich ein hypersensibles Sprachempfinden? Stört es außer mir noch jemanden, dass nach dem Wort "anfällig" das Wort "dafür" fehlt? Als Redakteur der Zeit würde ich den obigen Satz – der zwar ein Zitat, aber ein ins Deutsche übersetztes ist – jedenfalls anstreichen. Auch wenn er "nur" auf Facebook erscheint.
Ich werde weitere Petitessen dieser Art sammeln und gelegentlich in diesem Blog veröffentlichen.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Die verschwundene Frage


Ist es euch aufgefallen? Irgendwann am Anfang des laufenden, vielleicht auch schon Ende des letzten Jahres, hat die Zeit aus dem Fragebogen in ihrer Rubrik "Kinder-Zeit" die Frage "Bei welchem Wort verschreibst du dich immer?" gestrichen. Diese Frage erschien mir schon immer ein bisschen schräg. Kein Kind schreibt bewusst etwas falsch. Wenn das Kind weiß, dass es sich bei einem Wort immer verschreibt, wird es doch spätestens beim Nachdenken über die Frage danach versuchen, das Wort korrekt zu schreiben, notfalls mit Hilfe von Duden oder Geschwisterkind. Wenn das befragte Kind dann z.B. als Antwort eingeschickt hätte: "Bei dem Wort 'Millionär' verschreibe ich mich immer", hätte die Redaktion dann erwidert: "Nein, liebes Kind, zeig doch bitte einmal, wie du dich bei dem Wort verschreibst. Schließlich wollen wir Erwachsenen uns amüsieren und uns eine Privatmeinung zum Thema Bildungsnotstand herausbilden!"?
Jetzt jedenfalls dürfen die Kleinen den Fragebogen ausfüllen, wie ihnen die Feder gewachsen ist. Und das ist gut so, denn es geht um den Inhalt; Kinder haben uns etwas mitzuteilen!
(Manchmal freilich sind kindliche Orthographiepannen halt doch zum Schmunzeln.)

Freitag, 5. Oktober 2012

Tücke des Objekts

Mindestens zum dritten Mal in diesem Jahr ist mir kürzlich ein Regenschirm kaputtgegangen. Ich flanierte mit meinem geöffneten Schirm über eine Brücke, auf der ein so heftiger Wind wehte, dass die Teleskopstange verbogen wurde und sich fortan nicht mehr einfahren ließ, sodass der Knirps seiner Knirpshaftigkeit verlustig ging. Den Schirm behalte ich trotzdem vorerst; er schützt ja im Zweifel immer noch vor Niederschlag, nur ragt er jetzt zur Hälfte aus meinem Rucksack heraus, wenn ich ihn darin transportiere.
Die Male davor riss der Stoff, zerbrachen Speichen oder geschah sonstiges Malheur. Nein, mit Regenschirmen habe ich kein Glück.

Am Wochenende wurde ein weiterer Alltagsgegenstand unbrauchbar: mein Tee-Ei (halt!, ich schreibe aus ästhetischen Gründen lieber "Teeei"). Nachdem ich das mit einer Früchteteemischung gefüllte Ei aus der Teekanne geangelt hatte, wollte ich es öffnen, um den Inhalt im Müll zu entsorgen. Allein, das Teeei ließ sich nicht mehr öffnen. 'Lass ich's halt ein bisschen trocknen und auskühlen, dann wird's schon gehen', dachte ich. 
Doch auch später blieben die Eihälften haften wie die Magdeburger Halbkugeln. Ich drehte, zog und zerrte, sogar mit Zange und Hammer ging ich zu Werke – ohne Erfolg. In meiner Wut und Verzweiflung schmiss ich das Teeei schließlich aus meinem Fenster (1. OG) auf den steinernen Hinterhofboden. Das blöde Teil blieb unversehrt und fest verschlossen! Da warf ich es in den Abfalleimer.

Das Wort "Teeei" ist eine schöne Gelegenheit, folgende Liste zu präsentieren:

Meine Lieblings-Tripelbuchstabenwörter
- Fettteilchen
- Schneeesser
- Jazzzentrum
- Sperrrollladen
- Zooochse
- Gafffenster
- Rosssattel
- Schlammmischer


PS: 60% aller Deutschen brühen lieber losen Tee auf, nur 40% bevorzugen Beutel.
(Quelle: ZEIT)

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Gekommen, um zu bleiben

Eine kleine grammatische Schludrigkeit macht sich breit.
Material:

1. Süddeutsche Zeitung vom 9.3.2011: "Irgendwie hat er herausgefunden, dass mit zwei Töpfchen brennender Paste die Würstchen gerade noch nicht platzen, aber heiß genug sind, um sie zu verkaufen." Es geht um den Teil ab dem vorletzten Komma. Die Würstchen sind heiß genug, um sie zu verkaufen. Da stimmt doch was nicht! Die Würstchen sind hier eindeutig das Subjekt, und Subjekte stehen im Nominativ. In dem finalen Satzanschluss mit "um zu" stehen sie aber im Akkusativ (der dem Nominativ zufällig gleicht). Das (grammatische) Subjekt ist hier jedoch "er" (die Rede war von einem Imbissbudenbesitzer). Richtig wäre also: "[...] aber heiß genug sind, um verkauft zu werden." Ist es sehr päpstlich, diesen Lapsus zu bemerken und zu bemängeln? Ein Einzelfall ist dieses Beispiel nicht:

2. Die Historikerin Sybille Steinbacher im Zeit-Interview vom 17.3.11: "In der frühen Bundesrepublik wurden ehemalige NS-Verbrecher systematisch amnestiert, um sie in die Gesellschaft zu integrieren." Das Prädikat steht hier im Passiv ("wurden amnestiert"), der Infinitiv im finalen Satzanschluss aber im Aktiv. Korrekt wäre m.M.n. nur: "[...] um in die Gesellschaft integriert zu werden."

3. Süddeutsche Zeitung vom 17.3.11: "Deren Kleidung und Rucksäcke werden vor und nach den Besuchen außerdem penibel gereinigt, um keine Pflanzen oder Viren auf den Kontinent einzuschleppen." Hier ist es noch verrückter, denn das einschleppen bezieht sich hier weder auf die Kleidung und Rucksäcke noch auf die Reinigenden, sondern auf ein drittes "Subjekt", nämlich jenes, das sich hinter "deren" am Satzanfang verbirgt (im Satz davor ging es um Antarktis-Touristen). Mein Vorschlag: "Damit sie keine Pflanzen oder Viren auf den Kontinent einschleppen, werden ihre Kleidung und Rucksäcke vor und nach den Besuchen penibel gereinigt."