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Sonntag, 4. Februar 2018

Wochenbuch KW 5

Ich habe lange nichts über D. Trump geschrieben. Und warum auch? Man kann den Mann ja einfach ignorieren; in den Dritten Weltkrieg hat er unseren Planeten immerhin noch nicht geritten. Trotzdem sei hier für die Nachwelt kurz notiert, wie der Stand der Dinge ist. Im Februar 2017 war die allgemeine Stimmung ungefähr diese: Jaaaa, es ist schon sehr schlimm, aber warten wir's mal ab, in einem Jahr sieht's bestimmt ganz anders aus, es wird sich alles irgendwie normalisieren und einpegeln, denn kein Mensch schafft es, jeden einzelnen Tag für einen Aufreger zu sorgen! [Schnitt ins Hier und Jetzt] Tja, man hat's nicht für möglich gehalten, doch die Aufreger, Ausrutscher, Unverschämtheiten, Peinlichkeiten und Eklats kommen tatsächlich im Tagestakt – zumindest durchschnittlich: Wenn mal zwei Tage Ruhe geherrscht hat, gibt es dafür an einem Tag drei präsidiale Entgleisungen, wie neulich, als gleichzeitig 1) die "shithole countries", 2) die "Call of Duty"-Kampfjets und 3) die Absage des London-Besuchs wegen des "Peanuts"-Botschaftsgebäudes in den Medien waren. (Liebe Menschen der Zukunft: Wenn euch diese Stichworte nichts mehr sagen – seid froh!) Man stelle sich vor, während der Amtszeit irgendeines Trump-Vorgängers wäre ans Licht gekommen, dass 130.000 $ aus der Wahlkampfkasse als Schweigegeld an eine Pornodarstellerin gezahlt worden sind, von welcher sich der Präsident mit einer Ausgabe des Forbes-Magazins (mit IHM auf dem Cover) hat verhauen lassen. Es wäre der Skandal des Jahrzehnts gewesen, Rücktritt oder Impeachment die Folge. Aber im "new normal" anno 2018 stellt das gerade mal eine kuriose Begebenheit am Rande dar. Was für ein Wahnsinn.


Dämlich ist's, wenn man für ein Rezept eine winzige Menge einer Zutat benötigt, deren übliche Handelsgröße jedoch unpraktisch hoch ist. Ich brauchte letztens für ein Gericht exakt 10 Gramm Speisestärke und musste dafür eine 400-Gramm-Packung kaufen. Was mache ich nun mit den restlichen 385* Gramm? (* Ein bisschen habe ich verschüttet.)

Apropos Zutaten: Wie herrlich ist bitteschön das Wort "Kaiser-Natron"? Fast so herrlich wie die Wörter "Kaiserwetter" und "Kaisergemüse"!

Derzeitige Top 4 meiner Hass-Journalisten:
1. Don Alphonso
2. Julian Reichelt
3. Ulf Poschardt
4. Moritz von Uslar
(Warum nur vier? Ja, warum müssen es denn immer fünf sein?! Außerdem steckt in den vier infamen Schraten gut und gerne das Empörungspotenzial von zehn mittelschlimmen Journis.)

Hin und wieder stößt man in der Presse auf Erfreuliches:


Mir war gar nicht klar, dass Bingo auch in hiesigen Altenheimen eine große Nummer ist. Bisher kannte ich dieses Klischee nur aus amerikanischen Serien und Filmen.


Erfahrung der Woche: Altglas in einen frisch geleerten Container zu werfen! Die sind unten mit einer Art Filz gepolstert, so dass das Flaschen- und Gläserhineinschmeißen fast gar keine Geräusche verursacht.

Peinlich-Moment der Woche: Wir saßen im höher gelegenen, über etliche Stufen zu erreichenden Teil einer Gaststätte. Als die Kellnerin die Bestellung aufnahm, sagte ich: "Ich habe vergessen, was auf der Tafel mit den Tagesspezialitäten stand. Können Sie die bitte noch mal aufzählen?" Die nette Frau hatte sie allerdings nicht im Kopf und machte sich extra die Mühe, hinunterzulaufen, das Tagesangebot auf einem Zettel zu notieren und mir vorzulesen. Doch leider musste ich kleinlaut zugeben, dass mir keines der vier Gerichte zusagte. Auch meine Begleiter bestellten allesamt von der regulären Karte. Die Kellnerin nahm's mit Humor.

Enttäuschung der Woche: die Teesorte "Balance Zimt, Kardamom & Wacholder" von StickLembke. Das darin enthaltene Süßholz übertönt die schönen übrigen Bestandteile. Immer wieder hole ich mir versehentlich Tee mit Süßholz, weil ich mir nicht die Mühe mache, im Laden die Inhaltsangaben auf der Packung zu studieren, und immer wieder merke ich, dass ich Süßholz gar nicht mag.

Now playing: Nobuo Uematsu - Distant Worlds: Music from Final Fantasy (Album)


Sonntag, 1. Oktober 2017

Wochentagewoche KW 38

Wir müssen über die vergangene Woche reden, konkret: über Zahlen. Ich äußere mich normalerweise nicht zu "solchen Themen", aber diese Meldung hat mir keine Ruhe gelassen. Es ist ein Wahnsinn, und ich trete hiermit in den Widerstand. Nein zu den 280 Zeichen, ja zum 140-Zeichen-Limit bei Twitter!

Ich habe mehrmals gehört, wie jemand den Vornamen von Stephen King so ausgesprochen hat wie den Vornamen von Stephen Curry. Dass es diese Aussprachevariante überhaupt gibt, habe ich jetzt erst im Zusammenhang mit der "Knie-Affäre" gelernt. Und dass wiederum Mr. King gerade 70 geworden ist und dass gleichzeitig die Verfilmung eines seiner Romane, in dessen früherer Verfilmung jemand namens Tim Curry mitspielte, große Erfolge feiert - - das ... hängt doch bestimmt alles irgendwie zusammen.

Auf einem Linienflug fielen mir drei tarnfarbenbewehrte, bullige Männer auf, die ich als irgendwas zwischen GIs und Air Marshals einschätzte. Was genau ihre "Mission" war, konnte ich nicht ausmachen, auf jeden Fall stachen sie aus der Menge der restlichen Passagiere heraus, auch indem sie ständig im hinteren Teil des Flugzeuges auf und ab gingen, ja: patrouillierten. Nach der Landung in Deutschland sah ich sie wieder: Sie führten einen Mann in Handschellen und mit Sack überm Kopf durch den Einreisebereich, flankiert von zwei Bundespolizisten mit MGs. War ich Zeuge einer Terroristenüberführung geworden? In den Medien und den polizeilichen Pressemitteilungen der Folgetage war nix derartiges zu lesen, weswegen ich zu weiteren Details auch lieber schweige.

Ich wollte recherchieren, ob sich in Jamaika eine "Deutschland-Koalition" bilden könnte, und bin auf diese super Liste gestoßen:


In der Redaktion, in der ich arbeite, klingelte das Telefon. Ich ging ran, und ein US-Amerikaner fragte, ohne zu grüßen oder sich vorzustellen, ob er Achim Frenz sprechen könne. 
Ich sagte "No." 
Darauf der Amerikaner: "Why not?"
Ich: "Because he doesn't work here?"
Er, hörbar gereizt: "Why don't you just say he doesn't work here anymore? No need to be sarcastic!"
Ich: "Who are you again?"
Er: "That's none of your business, asshole!"
Ich: "I'm gonna hang up now."
Er: "Nazi!"
Jetzt wurde ich schon von Menschen aus vier verschiedenen Ländern fernmündlich beschimpft. Davon sagen sie dir nichts bei der Berufsberatung.

Techniktagebuch, 1. Oktober 2017. Nachdem ich es mindestens drei Jahre nicht genutzt habe, deinstalliere ich Skype von meinem Privatrechner.

Serientagebuch, Herbst 2017. Mir fällt eine Last von den Schultern. Ich habe beschlossen. "Gotham", "The Big Bang Theory" sowie "Mr. Robot" nicht weiterzuschauen. Die jeweilige Begründung spare ich mir, ich empfehle aber, es mir gleichzutun.

Produktcheck #1: Von "WC Frisch" gibt es ein limitiertes Kloschüsselreinhängedings – Entschuldigung: WC-Automat heißt das ja – mit dem Versprechen von brasilianischen Strandträumen und Sambarhythmen. Kopf in die Toilette halten, tief einatmen und genießen!


Produktcheck #2: Hiervon habe ich nicht gekostet, aber man muss sich schon fragen, ob diese Kekse "Chokini" heißen, weil man daran ersticken kann.


Produktcheck #3 (ohne Bild): Waren Tortilla-Chips der Marke "Fuego" schon immer so widerlich? 

Now playing: Fear Factory - Expiration Date

Sonntag, 6. August 2017

Tagewochenbuch KW 30-31

Französische Supermärkte habe ich schon einmal in den höchsten Tönen gelobt. Heute möchte ich festhalten, dass die niederländische Kette Albert Hein den Ketten Match & Co. in nichts nachsteht! Ich habe mich jüngst mit Müsli, Müsliriegeln, Tee, Kaffee und Süßkram eingedeckt, dass es eine Art war. Dass die meisten Lebensmittel in Holland zudem billiger sind als in Deutschland, war mir vorher auch nicht klar. In einem anderen, internationalen Riesen-Tante-Emma-Laden in unserem flachen Nachbarland fand ich ein Produkt, das ich zuletzt vor vielen Jahren gegessen habe, damals allerdings von einem indischen, nicht von einem türkischen Hersteller: Rosenblütenkonfitüre. Es handelt sich hierbei weniger um Konfitüre als um ein Gelee – flüssiges Gelee, welches sich kaum als Brotaufstrich andient, sondern eher als Pfannkuchentopping. Geschmacklich ist es ... interessant.


Zurzeit scheint im Fernsehen nichts anderes als sog. Sommerinterviews zu laufen. Mich bewegt dieses Format nicht zum Einschalten, weiß man doch, dass die Gespräche in ihrer krampfhaften Lockerheit kaum weniger dröge sind als die öffentlich-rechtlichen Standard-Talks. Warum geht man nicht einen Schritt weiter, verlegt also nicht nur das Setting vor eine angenehme Naturkulisse, sondern lässt die Politiker sich mal so richtig von ihrer menschlichen Seite zeigen? Tina Hassel flaniert mit Frank-Walter Steinmeier stundenlang am Timmendorfer Strand entlang, sie bekleckern sich mit Eis, waschen sich in der Gischt sauber. Wolfgang Schäuble liegt auf einer Picknickdecke, lässt sich von Thomas Roth mit Weintrauben füttern und bekennt seufzend: "Ich mag sie ja schon, die Griechen ..." Bettina Schausten entlockt Heiko Maas bei einer gemeinsamen Hot-stone-Massage die nächsten Gesetzesänderungspläne. Katarina Barley spielt mit Dunya Hayali im Irrgarten Kleinwelka Verstecken, stundenlang kann sie nicht gefunden werden ("Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um ungewisse Zeit"), schließlich kommt die Familienministerin mit aufgemaltem Katzengesicht um eine Ecke gehuscht, herzhaft lachend: "Der Politalltag ist so bierernst und zermürbend, da bin ich dankbar, mich einmal etwas ausgelassener geben zu können." Der Rückhalt in der Bevölkerung = explodierend!

Ausstellungseröffnungen laufen immer gleich ab. Erst spricht jemand, dann spricht noch jemand, dann spricht noch jemand. Dann wird geklatscht und fotografiert. Man zeigt sich, schüttelt Hände. Das Betrachten der Exponate ist kein Vergnügen, weil sich so viele Leute um sie herum drängeln wie an keinem Tag während des gesamten folgenden Ausstellungszeitraums. Meist riecht es streng. Wozu also tu ich mir das alle paar Monate an? Ich verrate es euch: weil es Häppchen und Bier gibt.

Lesson learned: Bei der ersten Maschinenwäsche nach dem Wiedereinschrauben des gereinigten Flusensiebs den Wasserzulauf erst mal gaaanz langsam kommen lassen, um leichte bis mittlere Überschwemmungen zu vermeiden.

Neulich hatte ich Appetit auf Frühstück nach englischer Art. Also habe ich mir zum Abendbrot (!) zwei Spiegeleier, Baked Beans von Heinz, Kartoffelröstis und Sojawürstchen gemacht. Erwachsensein ist geil.

Man wollte after-work-mäßig auf der Dachterrasse des Frankfurter Fleming's Hotels etwas trinken. Das entzückend altmodische Gebäude ist nicht nur wegen seiner Aussicht einen Besuch wert, sondern auch, weil es eine der letzten Heimstätten von Paternostern ist. Leider waren diese beim Eintreffen unserer Gruppe außer Betrieb, der reguläre Fahrstuhl musste genommen werden. Meine vier Begleitpersonen stiegen zuerst ein, womit mir der Lift bereits panikattackeninduzierend überfüllt vorkam. "Ich nehme lieber den nächsten", sagte ich und wartete draußen. Der nächste Aufzug kam alsbald, ich stieg ein und hatte bereits den Knopf für die gewünschte Etage gedrückt, als sich aus heiterem Himmel vier merklich beschwipste Portugiesinnen dazudrängten. Nachdem sich oben die Tür aufgetan hatte, wurde ich nicht nur mit angemessenem Feixen und Kommentieren begrüßt, sondern auch mit der Ansage, dass sämtliche Plätze belegt seien. Also ging es wieder nach unten, abermals zu fünft. Die Nerven! Man landete dann wie so oft zu vorgerückter Stunde am Eschenheimer Turm.


Now playing: Caught a Ghost - No Sugar In My Coffee

Sonntag, 2. Juli 2017

Tageblogblog KW 24-26

Das verachtenswerte Angestelltenrennen namens "J.P. Morgan Corporate Challenge" hat auch heuer wieder Frankfurt heimgesucht. Als Fahrradfahrer in der Zeit des Citylaufs zu bestimmten Punkten der Stadt zu gelangen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ich möchte Ortsunkundige nicht mit Details langweilen ... Kurzgefasst: Die großräumigen Straßensperrungen machten es erforderlich, dass ich und ein paar Mitstreiter, die sich am frühen Abend zu einer Veranstaltung in der Innenstadt einfinden wollten, uns dem Ziel unterirdisch nähern mussten, sprich unsere Fahrräder mehrere (Roll-)Treppen runter- und wieder raufschleppen mussten, eine Station mit der U-Bahn fahren mussten (selbstverständlich schwarz) und am Ende wahrscheinlich kaum weniger ausgelaugt waren als die Laufenden. Leicht grotesker Anblick am Rande: Auf der Bockenheimer Landstraße hatten sie gut hundert Meter lang Tapeziertische aneinandergereiht, die über und über mit Bananen bedeckt waren.  


Der auch als Corpus Christi bekannte Feiertag wurde von einer örtlichen Fleischerei wie folgt angekündigt:


Aus irgendwelchen Gründen wurde mir nahegelegt, mich an einem Schreibwettbewerb zu beteiligen, den das hiesige Institut français im Rahmen der Städtepartnerschaft Frankfurt-Lyon ausgerufen hatte. In maximal 150 Wörtern sollte man per Email eine Liebeserklärung an Frankreich verfassen. Ich ließ mich nicht lumpen und tippte unter Aufbietung aller Reste meiner Schulfranzösischkenntnisse einen Text herunter, der mich gelinde gesagt un peu imbécile wirken ließ ("J'aime la France! [...] Je suis Charlie. J'ai visité notre pays voisin plusieurs fois. Les supermarchés sont excellents. La Lorraine et les Vosges m'impressionnent. [...] Je m'appelle Torsten. [...] Qu'est-ce qu'il y a dans le carton? Arthur est un perroquet. [...]"). Hätte ich damit gewonnen ("dank eines großzügigen Sponsors einen tollen 1. Preis"): Es wäre herrlich albern und würdelos gewesen. Habe ich aber nicht.

Nicht alle meine Erlebnisse der letzten drei Wochen hatten damit zu tun, dass ich interessante Einrichtungen in """"Mainhattan"""" betreten habe (ich war zwischendurch auch mal schwimmen!), wohl aber einige. Zum ersten Mal war ich 1.) im höchsten Gebäude Deutschlands (Kollege Mark-Stefan Tietze berichtete) sowie 2.) in einem Zalando-Outlet. Mein Eindruck nach nur zehn Minuten: Bei Zalando wird offenbar ausschließlich ehemaliges Gefängnispersonal beschäftigt! Als ich mit einem Hemd zur Anprobe gehen wollte, brüllten mich die zwei Bewacherinnen der Kabinenzone mit "Halt!" und "Stop!" nieder und bedeuteten mir zu warten, obwohl mehrere Umkleidekabinen gut erkennbar frei waren. Nach einer diktatorisch zufällig bemessenen Wartezeit bekam ich ein Schildchen mit einer Zahl in die Hand gedrückt und durfte mir eine Kabine aussuchen. Keine Ahnung, was es mit dem Schild auf sich hatte; als ich mit dem Anprobieren fertig war, ließ ich es in der Kabine hängen, was von den beiden Furien auch nicht beanstandet wurde. "Tut uns leid wegen vorhin", sagte eine von ihnen noch, als ich mit dem gut sitzenden Kleidungsstück abzog, "aber Regeln sind Regeln."
An der Kassenschlange wurde eine Kundin, die den Diskretionsabstand zum Vordermann nicht eingehalten hatte, von einem Security-Faschisten aufs barscheste zurechtgewiesen. Kurz darauf leitete der nämliche Bedienstete (Typ: No-nonsense-Türsteher) die gesamte Schlange im Befehlston um: "Der Gang hier ist zu eng, stellen Sie sich da drüben an!" Beim Warten aufs Bezahlen klopfte mir das Herz wie einem zur Schlachtbank geführten Lämmlein. Auf den erlösenden Ruf "Der Nächste!" reagierte ich zum Glück rasch genug, um mich nicht weiterem Tadel auszusetzen. Die Transaktion ging reibungslos über die Bühne. Ich dankte untertänigst, hätte beim Verabschieden beinahe salutiert und schwor mir, nie wieder freiwillig einen Fuß in diese Zweigstelle der Hölle zu setzen.

Mandelöl, Walnussöl und sogar Macadamiaöl sind leichter zu finden als Erdnussöl, welches ich für ein Rezept benötigte. Das nur nebenbei.


So sieht der neue Henninger-Turm vom Frankfurter Literaturhaus betrachtet aus. Wie ich aus gewissen Kreisen erfuhr, fanden die (Etagen-)Wohnungen im "Fass" binnen kurzem gut betuchte Käufer aus dem Ausland, die sich vermutlich, wenn überhaupt, nur wenige Wochen im Jahr dort aufhalten werden, weswegen prognostiziert wird, dass das Hochhaus die meiste Zeit gar nicht das Nachtbild jenseits des Mains illuminieren wird. :(

Aufstrich der Woche: "Schwartau Samt Flower-Power Kirsch-Lavendel". Der Clou: An jedem Glas hängt ein Tütchen mit einer "bienenfreundlichen" Blumensamenmischung. :)

Now playing: Oneohtrix Point Never feat. Iggy Pop - The Pure and the Damned

Sonntag, 11. Juni 2017

Blogbuch KW 23

Die letzten zwei Wochen waren sehr aufregend für mich – nicht nur, weil ich gleich zweimal die Stadt verlassen habe, sondern weil ich es endlich gewagt habe, in die Welt der Porridges einzutauchen. Mir war klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis auch ich diesem Frühstückstrend erliege. Bislang hatte ich mich damit herausgeredet, dass morgendliches Milcherwärmen zu aufwendig sei, doch es ist gar nicht kompliziert: Wieviel Milch man benötigt und wie lange man sie in die Mikrowelle tun muss, hat man schnell raus; einzig das Umschütten in die Müslischüssel geht nie ohne Kollateralschweinereien über die Bühne. Während das Porrdige (meine erste Wahl: Mohn-Pflaume von der "Tiroler Biomanufaktur" Veríval) quillt, kann man sich beispielsweise die Haare waschen. Außerdem habe ich meinen ersten Flapjack gegessen. Flapjacks sind im Ofen gebackene Müsliriegel mit enormer Brösel- und Bröckelneigung, aber hohem Nährwert und je nach Sorte beachtlicher Leckerness. Ich verzichte auf Nennung von Firmennamen und Vertriebsorten, ehe das hier vollends zu einer Dauerwerbesendung gerät. (Googelt es halt.)


Gut zu wissen: Großraumtaxis in der Region Frankfurt berechnen inzwischen einen Aufschlag von 50 Prozent!

Im Supermarkt kaufte ich unter anderem Kamille-Toilettenpapier. Bevor die Kassiererin das Produkt scannte, hob sie es an, hielt es sich vors Gesicht und unterzog es einer intensiven Geruchsprobe. Da musste ich grinsen.

Nachtrag zu Stephen Kings "Finderlohn": Dass die "Mr. Mercedes"-Trilogie in einem Kosmos angesiedelt ist, in der Verfilmungen von King-Werken bekannt sind, hatte ich bereits notiert. Im zweiten Band findet sich ein weiteres Indiz dafür, als nämlich eine Protagonistin erklärt, der Soundtrack von "Die Verurteilten" gehöre für sie zu den besten Filmmusiken aller Zeiten.

Fress-Highlight: ein veganes, basisches Chili, das als "leicht scharf" deklariert war, aber eigentlich – positiv überraschend – "anständig scharf" zu nennen war. (Ich weiß gar nicht, was "basisch" bedeutet.)

Befriedigendster Moment der Woche: als ich einem unverschämt beschissen parkenden SUV einen Zettel mit der Aufschrift "Arschloch!!!" unter den Scheibenwischer geklemmt habe.

Den Fidget Spinner kennt ja mittlerweile jeder. Aber kennt ihr schon den Fidget Spinger? Es handelt sich zugleich um eine Neuheit und um einen Hype!


Als neulich gegenüber dem Haus, in dem ich lebe, eine Menschengruppe nächtlichen Radau veranstaltete, schrie die über mir wohnende Frau zuerst "Ruhe!", dann "Fresse!" und schließlich "Ihr sollt die Schnauze halten!" aus dem Fenster in Richtung der Lärmenden. Da habe ich mich gleich wieder ein bisschen verliebt.

Now playing: Radiohead - I Promise

Sonntag, 14. Mai 2017

Blogtagebuch KW 19

Schon seit längerem hatte ich Appetit auf Mochi, diesen zu Silikonkissenkonsistenz gehämmerten Reiskuchen, den es in Geschmacksrichtungen wie Erdnuss, Grüntee, Taro oder Rote-Bohnen-Paste gibt. Das Schicksal führte mich dann tatsächlich an einem japanischen Spezialitätenladen vorbei, doch die Produkte darin waren mit Zeichen bedruckt, die ich nicht deuten konnte, und überhaupt war alles sehr verwirrend. Ich nahm dann mit meinem Lieblings-Asialaden im Bahnhofsviertel vorlieb und kaufte eine Packung der Sorte Durian (die berüchtigte südostasiatische "Stinkfrucht", die man u.a. nicht mit in Flugzeuge nehmen darf).


Im Frankfurter Goethehaus habe ich endlich die Sonderausstellung über Johann Heinrich Füsslis "Nachtmahr" besucht. Dieses Gemälde gehört zu meinen All-time favourites und hängt als Kunstdruck in meinem Wohnzimmer. (Als ich dies einmal einem Kollegen erzählte, fragte er mich, ob das nicht etwaigen Damenbesuch verstöre. Ich sagte, dass ich nicht allzu oft Damenbesuch hätte, aber: ja.) Jedenfalls habe ich dort gelernt, dass Hans Traxlers Helmut-Kohl-"Birne" in der Kunstgeschichte nicht ohne vorangegangenes Beispiel ist! Der französische Bürgerkönig Louis-Philippe wird in zahlreichen zeitgenössischen Karikaturen mit Birnenkopf dargestellt. Was das jetzt mit dem romantischen Albdruckmotiv zu tun hat, kann man noch bis zum 18. Juni a.a.O. erfahren.

Und dann habe ich mir im Museum für Moderne Kunst die Videoschau von Ed Atkins angeschaut. Von dem werde ich in diesem Leben kein Fan mehr, berichtenswert ist aber, dass in der Presseliste, in die ich mich eintrug, über mir der Name eines berühmten in Frankfurt lebenden Schriftstellers stand. Es war nicht Martin Mosebach, und ich musste mir sein Aussehen erst mal ergoogeln für den Fall, dass er mir noch über den Weg gelaufen wäre, was aber nicht geschehen ist.


Das MMK ist übrigens nach architektonischen Gesichtspunkten mein Lieblingsmuseum in Frankfurt, weil es einfach großzügig angelegt ist. Es gibt den Kunstwerken den ihnen gebührenden Raum, die Lichtverhältnisse sind toll, es ist alles harmonisch, ohne Pathos, dennoch ehrwürdig. Vor allem: Es ist von innen größer, als es von außen aussieht!

Dinge, die man gerne und leider viel zu selten im Briefkasten findet: Gratisproben. Diese Woche wurde ich mit Lenor-Wäscheparfüm und 3-in-1-"Pods" von Ariel überrascht. (Einmal sah ich in einem Münchner Mehrfamilienhaus Ovomaltine-Aufstrich-Samples im Hausflur rumliegen. Tja, hätten sie die mal lieber in die Briefkästen geworfen, denn selbstverständlich wanderte eins der Päckchen direkt in meinen Rucksack, hähä!) (Ein Flüssigvollwaschmittel, von dem ich abraten möchte, ist "Spee Sensitive".)


Zum Thema Post ist noch zu sagen, dass es einerseits erfreulich ist, dass es in unseren unsozialen Zeiten noch Nachbarn gibt, die Pakete für einen entgegennehmen, wenn man nicht daheim ist. Andererseits muss man dann irgendwann bei seinem Nachbar oder seiner Nachbarin vorstellig werden. Soll man sich zu diesen Anlässen a) frisieren, b) eine Hose anziehen, c) den Schlaf aus den Augen reiben? Meine Antwort auf a), b) und c) lautet jeweils ja.

Fress-Highlight der Woche: Bei einem gemeinschaftlichen Draußen-sitz-Frühstück wollte ich es österreichisch haben und bestellte neben einem Zimtquarktopfen-Palatschinken mit Schlagsahneobers die Delikatesse "Eier im Glas". Bei "Eiern im Glas" handelt es sich um Eier im Glas, typischerweise zwei. Hier gab es aber drei, und das Glas war nicht hoch und zylindrisch, sondern eher eine Schüssel, zudem waren die Eier zum Teil hart und wachsweich statt wie üblich fast flüssig. Einfach mal zum Tagesbeginn drei gekochte Eier zu verschlingen fand ich dann aber doch ganz leiwand.

Now playing: Orchestral Manoeuvres in the Dark - Enola Gay

Sonntag, 7. Mai 2017

Wochentagebuch KW 18

Schon wieder ein neues Format! Unter dem Label #wochenbuch werde ich künftig alles in einer Woche Gedachte und Erlebte zusammenfassen, was keinen eigenen Blogpost rechtfertigt. Es handelt sich weniger um einen ungefilterten Stream of consciousness als um eine geistige Loseblattsammlung; einen Kängururitt durch das Spiegelkabinett, das wir Alltag nennen.


Meine dekorative Badezimmerkoralle weist dunkle Stellen auf. Ist sie krank? Ich habe sie zusammen mit einem Corega Tab in einen Blumentopf voll Wasser gelegt. Bei verfärbten Kaffeetassen und ähnlichem helfen die Tabs Wunder, doch die Koralle sieht immer noch komisch aus. Hätte ich Coral Intensiv nehmen sollen?

Annahme: Am allerbescheuertsten sehe ich aus, wenn ich beim Fahrradfahren meine Brille absetze, um ein Insekt vom Glas zu pusten. 

Auf der letzten Seite der Zeitschrift Bunte gibt es die "Frage der Woche" (prächtig parodiert von Valentin Witt in Titanic 4/2017). Dieses Mal lautete sie "Mit welchem Tier sind Sie seelenverwandt?" Die Antworten waren durchweg langweilig: Pferd, Wolf, Adler, Schimpanse, Löwe, Faultier, Hund ... Einmal mehr fühlte ich mich abgehängt, aber nicht wegen der genannten Tiere, sondern wegen der Antwortenden, von denen ich keine/n einzige/n kannte: Alexander "Honey" Keen, Marcel Remus, Simone Ballack, Emily Cox, Andrea L'Arronge, Ben Zucker, Nina Moghaddam und Jo Weil. Seit Patricia Riekels Rücktritt als Chefredakteurin scheint der Glamourfaktor dieses "Peoplemagazins" stark gesunken zu sein.

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Fress-Highlight der Woche: Süßkartoffelgratin mit Tomaten und Ziegenkäse im "Metropol" am Frankfurter Dom (am einzigen Tag der Woche, an dem man draußen sitzen konnte). Auch gut: Udon-Nudeln mit Gemüse von einem neuen Asia-Bringdienst; ein seltener Fall von Lieferessen, dessen Verzehr sich regelrecht gesund angefühlt hat (Normalerweise sitzt man ja weinend über seiner fetttriefenden leeren Pizzaschachtel und denkt: 'Ich bin menschlicher Abfall.').
Enttäuschung der Woche: Ich hatte in einem thailändischen Restaurant ein Curry mit Kaffirblättern und Schärfegrad 2 geordert, erhielt aber ein fades Sprossengericht, weil sich die Kellnerin verhört hatte. Richtig schlecht ist Thaifood ja nie, trotzdem war ich bockig wie ein Kind und neidisch auf meine Kollegen mit ihren korrekt ausgeführten Bestellungen!
Thermomixrezept der Woche: Mandelmilchshake mit Bananen, Preiselbeeren, Chiasamen und Biscoff-Creme (selbst ausgedacht!). Brotaufstrich der Woche: "Veggie Street Senf-Agave".


Now playing: Deafheaven - Luna (neulich live gesehen!)