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Donnerstag, 7. August 2025

Leisten muss sich wieder lohnen

Jedes Mal, wenn jemand in meiner Gegenwart "Schuster, bleib bei deinen Leisten!" sagt, denke ich: "Es heißt 'deinem Leisten'!" (aber verkneife mir natürlich jedweden Kommentar). Es ist eines dieses Sprichwörter, deren Aussage jeder begreift, deren ursprüngliche Bedeutung jedoch kaum noch verstanden oder hinterfragt wird. Bei Schusters Leisten geht es jedenfalls nicht um schmale Bretter, sondern um den Leisten, eine "aus Eisen oder Holz hergestellte Nachbildung des Fußes, die für die Anwendung und Reparatur von Schuhen verwendet wird" (Duden, Bedeutungswörterbuch).

Letzte Woche war ich in der Frankfurter Stadtbücherei, und da lag im Bereich Fremdsprachige Literatur tatsächlich schon der neue Stephen King aus, "Never Flinch" (deutsch: "Kein Zurück"). Ich stürzte mich sofort ins Lesevergnügen und stieß auf folgende interessante Stelle im ersten Kapitel:

"This is not my business. Shoemaker, stick to thy last."
One of her father's sayings. [...] What is a shoemaker's last, anyway? She has no idea and quashes the urge to google it. She does know what her last is: [...]

Let me google that for you, Holly: Der last ist nicht das Letzte, sondern das (natürlich etymologisch verwandte) Pendant zum Leisten: "a form (as of metal or plastic) which is shaped like the human foot and over which a shoe is shaped or repaired". Bei Merriam-Webster, wo ich die Definition herhabe, ist sogar eine Illustration dieses Handwerkerutensils zu sehen.

Mir war nicht klar gewesen, dass es eine englische Entsprechung zu dem deutschen Spruch gibt. In der Wikipedia-Liste der geflügelten Worte findet sich der Grund für die überregionale Verbreitung: "Der römische Historiker Plinius der Ältere erzählt vom Maler Apelles, dass er von einem Schuster darauf hingewiesen wurde, er habe auf einem Bild einen Schuh nicht richtig gemalt. Apelles verbesserte daraufhin das Bild. Als der Schuster nun noch mehr an seinem Bild kritisierte, rief er ärgerlich aus: 'Ne sutor supra crepidam!' 'Schuster, nicht über die Sandale hinaus!'"

In diesem Moment wird mir klar, dass "Schuster, bleib bei deinen Leisten" ja genau so korrekt ist wie die Variante mit "deinem Leisten", weil Singular und Plural formgleich sind. Ha! Bei Wikipedia steht denn auch: "Meist wird dieses Sprichwort jedoch in der Mehrzahl gebraucht ('Schuster, bleib bei deinen Leisten'), was mindestens ebenso sinnvoll ist, da ein Schuster nicht nur einen Leisten, sondern viele verwendet (rechte und linke Schuhe, verschiedene Schuhgrößen etc.)." Im Englischen scheint jedoch last und nicht lasts üblich zu sein.

Dienstag, 18. März 2025

Immer wieder King

Nachdem es schon vorgestern um die Kurzgeschichtensammlung "Ihr wollt es dunkler" ging, soll hier meine Gesamteinschätzung von Stephen Kings zuletzt erschienener Einzelveröffentlichung folgen. Ich habe wahrscheinlich schon einmal geschrieben, dass ich Kings Kurzprosa noch mehr schätze als seine Romane. Zumindest wurde ich noch nie von einem seiner Short-Story-Bände enttäuscht, während mir einige (wenige) der Langformriemen nicht ganz so sehr zusagten. Auch "You Like It Darker" ist mindestens solide. Ein bisschen "mehr vom Gleichen" hier, ein paar echte Überraschungen da (u.a. die Rückkehr einer Figur aus einem früheren Werk), dazwischen immer wieder Beweise dafür, dass der Altmeister es noch draufhat.

Ich kann und möchte die einzelnen Geschichten nicht mit Worten bewerten und benutze deshalb erstmals etwas, dem die Würze der Kürze innewohnt und das mich gleichzeitig zu entschlossenen Meinungen zwingt: Sterne! Sie mögen sowohl der Diskussionsanregung dienen als auch der Entscheidungsfindung, falls jemand nicht den ganzen Wälzer lesen möchte.

Zwei begnadete Burschen (Two Talented Bastids) ★★★★☆
Der fünfte Schritt (The Fifth Step) ★★★★☆
Willie der Wirrkopf (Willie the Weirdo) ★★☆☆☆
Danny Coughlins böser Traum (Danny Coughlin's Bad Dream) ★★★★★
Finn (Finn) ★★★☆☆
Auf der Slide Inn Road (On Slide Inn Road) ★★★☆☆
Das rote Display (Red Screen) ★★★☆☆
Ein Fachmann für Turbulenzen (The Turbulence Expert) ★★★☆☆
Laurie (Laurie) ★★☆☆☆
Klapperschlangen (Rattlesnakes) ★★★☆☆
Die Träumenden (The Dreamers) ★★★★☆
Der Antwortmann (The Answer Man) ★


Sonntag, 16. März 2025

In die Röhre gesprochen

In der Geschichte "Die Träumenden" in Stephen Kings letztem Kurzprosaband "Ihr wollt es dunkler" ("You Like It Darker") erwähnt der Ich-Erzähler, der als Stenograf beschäftigt ist, dass er bei seiner Arbeit gelegentlich eine Stenomaske tragen muss. 'Was zur Hölle ist eine Stenomaske?', fragte ich mich.

"Eine Stenomaske wird verwendet, wenn Gespräche zwischen mehreren Personen von einer anderen Person aufgezeichnet oder gedolmetscht werden, insbesondere beim Simultandolmetschen", weiß die Webseite Konferenztechnik.de. "Die dicht am Mund des aufzeichnenden Sprechers anliegende Maske lässt zum einen nur die Worte des aufzeichnenden Sprechers in die Aufzeichnung oder Übertragung einfließen und verhindert zum anderen einen akustischen 'Echoeffekt' durch das ständige Nachsprechen im selben Raum für die eigentlichen Gesprächsteilnehmer." Die Markteinführung folgte 1954 in den USA (die King-Geschichte spielt im Jahr 1971).

Noch nie in meinem Leben habe ich dieses Utensil im Einsatz gesehen, weder in der Fiktion noch im echten Leben. Es ist ein ulkiger Anblick, man denkt an Gasmasken, Aliens und Bane aus dem Batman-Universum. Überzeugt euch selbst: Bildersuche "Stenomaske".

Mittwoch, 13. März 2024

Einmal um die halbe Welt

Ich kann ja an keinem Offenen Bücherschrank vorbeigehen, ohne wenigstens einen kurzen Blick hineinzuwerfen. Neulich war es schon fast Mitternacht, als ich in der Nähe meines Stamm-Bücherschranks war, und da dachte ich wie Bilbo Beutlin in diesem Meme: "Warum nicht ... warum nicht hineingucken?" Und siehe, darin befand sich ein sogleich von mir eingesteckter 1180-seitiger Sammelband von 1942 mit dem Titel "This Is My Best. Over 150 Self-Chosen and Complete Masterpieces, Together with Their Reasons for Their Selections", herausgegeben von Whit Burnett. Die "masterpieces" – Short Storys, Gedichte, Essays, autobiographische Notizen, Dramaszenen u.v.m. – stammen von "America's 93 Greatest Living Authors Present". Viele der vertretenen Autoren (und, ist erfreulicherweise zu ergänzen, Autorinnen) kannte ich noch gar nicht! Ich freue mich darauf, sie zu entdecken, denn wenn meine drei Semester Nordamerikanische Literaturwissenschaft zu einer einzigen Sache gut waren, dann, dass sie meine Liebe zu US-amerikanischer Kurzprosa entfacht haben.

Das Buch ist in gutem Zustand. Auf den Fliegenden Vorsatz ist der handschriftlich eingetragene Name (des Vorbesitzers?) Walter Meyer mit schwarzem Filzstift durchgestrichen und durch "Jeremy Devis" ersetzt worden, auf dem hinteren Fliegenden Blatt wurde mit Bleistift festgehalten: "The markings are Bruno's (July 1950)". Am bemerkenswertesten ist aber das, was ich im Inneren entdeckte: eine Rechnung aus dem Jahr 1961, die vermutlich als Lesezeichen gedient hat und von einem südafrikanischen Bekleidungshaus stammt.


Den Ausstatter Arthur Bales, "established 1902", gibt es immer noch. Heute scheint er auf Wolle und Strickzubehör spezialisiert zu sein, und von Braamfontein ist er in die erst 1959 gegründete Johannesburger Voorstad Randburg umgezogen. Und was wurde dort damals erstanden?


Das ist etwas knifflig. Ich dachte erst, Hose sei das Afrikaans-Wort für "Hose", aber nein, "Hose" heißt auf Afrikaans broek. 1,25 Rand wären für eine Hose denn auch unglaublich billig: Der Betrag entspräche heute inflationsbereinigt und umgerechnet 6,71 Euro. Ist die Zeile dann englisch? Aber wieso würde ein Kleidungsgeschäft Schläuche (hoses) verkaufen? Die Lösung liegt wohl in der mir bisher unbekannten Zweitbedeutung von hose: "Strumpf, Socke". Herr oder Frau de Beer hat also Strumpfwaren gekauft. Hoffentlich waren sie von guter Qualität.

Die im Bücherschrank entstandene Lücke werde ich nachher mit einem anderen Wälzer ausfüllen, ich habe nämlich gestern endlich, endlich den 684-Seiter "Das Monstrum" beendet. Das auch als "Tommyknockers" untertitelte und verfilmte Werk ist meiner Meinung nach das schwächste, das ich von Stephen King bis jetzt gelesen habe. Die mangelhafte Übersetzung machte diese Erfahrung nicht eben weniger anstrengend.

Montag, 22. Januar 2024

Tiefer ins Kingoverse

Nachdem ich Stephen Kings neuesten Ableger aus dem "Mr. Mercedes"-Kosmos, "Holly", mit großer Begeisterung verschlungen habe, bin ich nun dabei, "Fairy Tale" von 2022 nachzuholen und kann es ebenfalls kaum aus der Hand legen. Hm, lässt sich die Phrase "aus der Hand legen" auf den Konsum von Hörbüchern anwenden? Ich höre den Roman nämlich bei Audible, weswegen ich das folgende Zitat auch nicht wortwörtlich, sondern nur aus der Erinnerung wiederzugeben vermag (ich hatte keine Lust, die Wiedergabe zwecks Niederschrift zu pausieren).
Ein Bube berichtet von seiner furchteinflößenden Begegnung mit einem Deutschen Schäferhund, bezeichnet diesen als "Monsterbestie", worauf ein Mitschüler mokant versetzt: "Eine Monsterbestie, so so ... wie Cujo in diesem Film!"
Hihi. 

Zuvor in diesem Blog:
Das Erstlingswerk im Letztlingswerk
Bob Gray lässt grüßen
Es ist wieder da
Betr.: Horrorautor
Der Film zur Novelle im Roman
Once again: King-Referenzen

Freitag, 17. November 2023

Das Erstlingswerk im Letztlingswerk

Ich habe Stephen Kings neuesten Roman "Holly" begonnen und bin bereits ziemlich angetan davon, so wie von allen bisherigen Geschichten, in denen Holly Gibney Haupt- oder Nebenprotagonistin war. Auf Seite 37 verweist King einmal mehr auf sein eigenes Werk und lässt "Holly" somit in einer Welt spielen, in welcher Stephen Kings Bücher bzw. deren Verfilmungen existent und bekannt sind, in diesem Fall: "Carrie". Eine Mutter sagt bezüglich des Aussehens ihrer Tochter: "No Miss America, but she was a prom queen back in high school. And nobody dumped a bucket of blood on her, either."
Das zauberte ein breites Grinsen in mein Gesicht, allein schon weil ich mich freute, Material für einen neuen Post zu haben.

Zuvor in diesem Blog:
Bob Gray lässt grüßen
Es ist wieder da
Betr.: Horrorautor
Der Film zur Novelle im Roman
Once again: King-Referenzen


Montag, 20. Februar 2023

Once again: King-Referenzen

Stephen King hat sich, wie ich im März 2022 festhielt, in seinem Roman "Tommyknockers" eine Anspielung auf sich selbst erlaubt. Auf S. 519 (ja, viel weiter bin ich innerhalb eines Jahres nicht gekommen) findet sich eine weitere Anspielung, konkret eine auf die (von ihm bekanntermaßen wenig goutierte) Verfilmung eines seiner Werke:

Er stand in der Neuen und Verbesserten Werkstatt und hatte Schweiß auf der Stirn. Kein Schlüssel. Das war großartig. Was sollte er jetzt machen? Bobbis Axt nehmen und vorgehen wie Jack Nicholson in Shining? Er sah es richtiggehend vor sich. Knirsch, krach, polter: Hiiiieer ist GARDENER!

Übrigens stimmt es so nicht, dass King von Kubricks "The Shining" absolut gar nichts hielt bzw. hält: In seinem Horrorsachbuch "Danse Macabre" geht er länger und differenzierter auf den Film ein.

Montag, 12. September 2022

Der Film zur Novelle im Roman

Der losen Reihe "Stephen King baut in seine Werke Referenzen auf sich selbst ein" habe ich ein weiteres amüsantes Exempel hinzuzufügen. In dem 2021 erschienenen Roman "Später" steht auf S. 123 der deutschen Ausgabe (Heyne):

Das Frederick Arms war etwa gut zwölf Stockwerke hoch und aus grauem Backstein erbaut. Die Fenster im Erdgeschoss und im ersten Stock waren mit Gitterstäben gesichert. Jemand wie mir, der im Palast der Avenue aufgewachsen ist, kam es eher wie das Gefängnis in Die Verurteilten als wie ein Wohnblock vor.

Nun gut, es kann sein, dass in dieser im New York der 2010er Jahre angesiedelten Parallelwelt das Gefängnisdrama "Die Verurteilten" existiert, ohne auf der literarischen Vorlage eines gewissen Herrn King zu beruhen. Im Übrigen werden hierin auch die Serien "Person of Interest" und "Torchwood" ge-namedropped (bekannt aus diesem Blog!).

Donnerstag, 31. März 2022

Betr.: Tennis-Aus, Horrorautor, Payback, Freund

Die australische Tennisspielerin Ashleigh Barty hängt den Schläger an die Wand. Hinsichtlich ihrer Entscheidung wird die 25-Jährige mit den Worten zitiert: "I know how much work it takes to bring the best out of yourself. It’s just I don’t have that in me anymore." (Hervorhebung durch mich.) Sprich: Sie hat nicht mehr das Zeug dazu, packt es nicht mehr, traut es sich nicht mehr zu, und was dergleichen idiomatischer Umschreibungen mehr sind. Was aber macht eine große deutsche Qualitätszeitung aus dem Satz und druckt's als Oberzeile in ihren Sportteil? "Ich habe das nicht mehr in mir".

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Apropos schlecht übersetzt: Vor einer Weile habe ich mir Stephen Kings es von der Dicke her fast mit "Es" aufnehmen könnenden Roman "Tommyknockers" aus dem Bücherschrank gekrallt und bin letzte Woche auf Seite 355 angekommen. Dort gibt es einen Schmunzler. Denn wie später in "Elevation" und "Mr. Mercedes" (ich berichtete) hat sich der Autor in die im Bundesstaat Maine angelegte Kulisse selbst eingebaut: "Franks Nichte, Bobbi Anderson, wohnte jetzt dort – natürlich betrieb sie keine Landwirtschaft; sie schrieb Bücher. Ev hatte kaum je ein Wort mit Bobbi gewechselt, aber sie hatte einen guten Ruf in der Stadt. Sie bezahlte ihre Rechungen pünktlich, sagten die Leute, und klatschte nicht. Außerdem schrieb sie gute alte Westerngeschichten, die man verschlingen konnte, nichts mit erfundenen Monstern und unanständigen Wörtern wie in den Büchern von diesem Burschen, der in Bangor wohnte."

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Jedes Mal, wenn ich irgendwo meine Payback-Karte einsetze, erhalte ich eine E-Mail, die mir mitteilt, wie viele Bonuspunkte ich für die eben getätigte Transaktion gutgeschrieben bekommen habe.
Am Montag nun habe ich innerhalb kurzer Zeit erst bei Rewe, dann bei dm eingekauft und jeweils mit der Payback-, die zugleich eine Kreditkarte ist, gezahlt. Wieder daheim, wurde mir vermittels meines Maileingangs erstmals klar, was der Unterschied zwischen Rewe und dm ist: Die Betreffzeile zur Mail mit dem Payback-Update von Rewe lautete "Dein neuer Punktestand!", während die der dm-Mail lautete: "Ihr neuer Punktestand!".

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Neulich von einer besonderen Figur im US-amerikanischen Recht gelesen: der des Amicus Curiae. Dieser "Freund des Gerichts" fungiert als eine Art Berichterstatter oder sachverständiger Zeuge in Prozessen mit gesellschaftlicher Relevanz, darf aber parteiisch sein und im Rahmen seiner Stellungnahme, die stets als formales schriftliches "Gutachten" vorzulegen ist, neue Rechtsfragen aufwerfen. Weltweit gesehen ist der anglo-amerikanische Amicus Curiae ziemlich einzigartig, jedoch zum Beispiel auch am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte etabliert.
"Auch wenn der Amicus Curiae in der deutschen Rechtsordnung nicht normativ verankert ist, so treten in der Praxis durchaus Personen in dieser Rolle an die Gerichte heran. [...] Das bis dato prominenteste Beispiel war eine Stellungnahme der Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V., die diese im September 2018 in einem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht (Urt. v. 29.1.2020, Az. 6 A 1.19 u.a) eingereicht hatte. Darin ging es um die Frage, ob das Vereinsverbot gegen die Betreiber des Internetportals 'linksunten.indymedia.org' rechtmäßig ergangen war". Ein lesenswerter Gastbeitrag in der "Legal Tribune online" (Zitat von dort) ordnet das Rechtsinstitut historisch ein und erklärt, welche Rolle es hierzulande künftig spielen könnte, nachdem die Tesla Manufactoring Brandenburg SE sich letztes Jahr zum Amicus Curiae aufgeschwungen und am OVG Berlin-Brandenburg unbestellt einen interessegeleiteten Schriftsatz zu einem die sog. Gigafactory betreffenden Verfahren eingereicht hat. Bestehendes Prozessrecht müsste freilich angepasst werden. "Als Vorbild innerhalb des kontinentaleuropäischen Rechtskreises könnte Frankreich dienen. Denn jenseits des Rheins ist der Amicus Curiae bereits seit über zehn Jahren im Code de Justice Administrative normiert – wenngleich er praktisch eher selten genutzt wird."

Freitag, 30. Oktober 2020

Der neue King

... ist gar nicht sooo neu, aber ich habe If It Bleeds (deutsch: "Blutige Nachrichten") erst gestern zu Ende gelesen, weil ich, als ich das Buch zum ersten Mal der Bibliothek entliehen hatte, nur bis zur dritten der insgesamt vier Geschichten gekommen war. Nun bin ich durch und kann allen vier Novellen das Prädikat "Stephen King pur" (sorry für diese Formulierung!) verleihen.
"Mr. Harrigans Telefon" zum Beispiel ist im besten Sinne Standardkost: eine unheimliche Prämisse, ein bisschen Drama, Blut & Revenge, es menschelt hie und da, es gibt Bezüge zu modernen Entwicklungen und Problemen. Eine bessere "Twilight Zone"-Episode, die sich gut wegliest und einen hervorragend gewählten Einstieg darstellt.
"Chucks Leben" hingegen wagt sich was; es ist die am meisten experimentelle, ja avantgardistische Story. Ich stellte mir diesen chronologisch rückwärts erzählten Dreiteiler direkt als von Damon Lindelof verfilmte Miniserie vor. Auf jeden Fall interessant.
Die längste Novelle würde ich niemandem empfehlen, der mit der "Mr. Mercedes"-Trilogie nicht vertraut ist und/oder "The Outsider" noch nicht gelesen bzw. gesehen hat. Auf Letzteres gibt es nämlich zahlreiche Verweise, man kann sich "Blutige Nachrichten" im Grunde als Fortsetzung oder Epilog davon vorstellen. Vermutlich reicht es aber auch, die Inhaltsangaben zu studieren (womit man sich indes einiges entgehen ließe), denn das erste Stand-alone-Abenteuer von Holly Gibney ist auch ohne Kenntnisse des großen Ganzen spannend genug.
Zum Schluss präsentiert uns King ein – wie er im Nachwort selbst sagt – 
modernes Märchen, das mit einer allseits bekannten, nichtsdestoweniger atmosphärisch dicht und packend geschilderten Trope startet: Ein Schriftsteller zieht sich zum Schreiben in eine abgeschiedene Waldhütte zurück. Ich bin mir nicht sicher, ob man "Rat" (dt.: "Ratte") nicht entweder strecken oder straffen hätte können, doch gelangweilt habe ich mich an keiner Stelle. Wie im gesamten Schmöker nicht. (Heyne, 560 Seiten)

Sonntag, 28. Juni 2020

Erase & rewind

"Wie wäre es, wenn künftig keine neuen Filme mehr entstünden und wir mit den vorhandenen auskommen müssten?", fragte die FAS kürzlich. Ja, wie wäre das wohl? Herrlich wäre das! Was ich schon seit Jahren fordere, tritt jetzt zwangsläufig – aus traurigen Gründen – ein: dass die Produktion von Filmen und Serien zum Stillstand kommt, damit wir Bewegtbildfilms endlich mal das viele Ungeguckte abarbeiten können. Ich jedenfalls weine der Fortsetzungs-, Remake-, Reboot- und MCU-Stangenware, die uns diesen Sommer erwartet hätte, keine Träne nach.

Wenn die Pandemie vorbei ist, haben Hollywood & Co. die Chance, sich mit frischen Innovationen neu zu erfinden. Aber seien wir ehrlich: Es wird vermutlich genau so öde weitergehen wie vor Corona. Weswegen die unvermeidlichen Opfer der Krise wenig zu bedauern sind. Ich sehe es zwar nicht ganz so pessimistisch wie Torsten Dewi, aber auch ich meine, dass man den unrettbarsten Komapatienten der Filmindustrie nun endlich den Stecker ziehen sollte.

Was genau erhoffe ich mir denn? Nun, das vermag ich nicht zu sagen; man möge mich überraschen! Abgesehen von unverbrauchten, mutigen Stoffen (auf "Tenet" freue ich mich zugegeben tatsächlich) wünsche ich mir unterhaltsame Ideen, die den Besuch eines Lichtspielhauses steigern, wenn schon das Gezeigte nur mittelmäßig ist. Stephen King erinnert sich in seinem theoretischen Werk "Danse Macabre" von 1981 an die zahlreichen Gimmicks, welche die Horrorfilmkultur der Sechziger und Siebziger hervorbrachte: blutrot eingefärbtes Popcorn – "Bloodcorn" – als Snack; eine "fright insurance" genannte Versicherung, die deinen Hinterbliebenen 100.000 $ zusprach, solltest du während der Vorführung vor Schreck den Löffel abgeben; Krankenschwestern im Saal und vorgeschriebene Blutdruckmessung im Foyer; Spielereien mit dem Raumlicht bei besonders intensiven Szenen; Schauspieler, die quasi als Real-life-Projektion durch die Reihen rannten und das Publikum erschreckten. So etwas sähe ich gerne.

Freitag, 6. Dezember 2019

Es ist wieder da

Ich habe die Lektüre neuerer Stephen-King-Bücher nach der "Mr.-Mercedes"-Trilogie etwas vernachlässigt. "Doctor Sleep" interessiert mich nicht (bestimmt sehe ich mir irgendwann den Film an); "The Outsider" wird es eh bald als HBO-Serie geben; "Revival" soll nicht sooo doll sein; "Das Institut" muss warten. Immerhin habe ich mir nun die kompakte Novelle "Elevation" (dt.: "Erhebung") vorgenommen, die mir eine Variante von "Thinner" mit zeitgemäßem social commentary zu sein scheint. Witzig ist, dass auch hier, wie bei "Mr. Mercedes", ein Teil des King-Universums sozusagen auf einer zweiten Ebene referiert wird: Anlässlich des Halloween-Abends, heißt es, benennt sich eine örtliche Garagenband namens "Big Top" in "Pennywise and the Clowns" um.
Man muss dazu erwähnen, dass "Elevation" in der King-Stadt schlechthin spielt, nämlich in Castle Rock, im selben Staat, wo Pennywise einst sein Unwesen trieb. Möglicherweise ist das Alter ego der uralten Schreckenskreatur aus "Es" auch außerhalb des "Clubs der Verlierer" namentlich bekannt geworden und taugt mittlerweile als Popkultur-Subjekt.

Sonntag, 25. Februar 2018

Ende der Schicht

So, ich bin mit "Mind Control" durch und habe damit Stephen Kings "Mr. Mercedes"-Trilogie beendet, was ein uneingeschränkt weiterzuempfehlendes Lesevergnügen war, auch wenn das Finale dann doch ein wenig hinter der Qualität des herausragenden, ungemein fesselnden zweiten Teils zurückblieb. Damit, dass die Trottel vom Heyne-Verlag den Originaltitel "End of Watch" mit "Mind Control" "übersetzt" haben, wird natürlich bestätigt, um nicht zu sagen: gespoilert, was sich in "Finderlohn" bereits andeutete: dass hier nämlich nun ein übernatürliches Element hinzukommt, welches in Teil 1 und 2 fehlte. Darauf muss man sich halt einlassen. (Ich fühlte mich gelegentlich an den Film "Dämon – Trau keiner Seele" erinnert.) An klassischen Krimisujets mangelt es trotzdem nicht, und eine Prise Tragik rundet einen modernen Klassiker in Kings Spätwerk ab, an dessen sympathisches Hauptfigurentrio man noch lange mit einem bittersüßen Tränchen im Knopfloch zurückdenken wird.

Dienstag, 11. April 2017

Traumprotokoll: Horrorviecher

Da es gerade um Stephen King ging, hier ein unveröffentlichtes Kurzprotokoll vom 23./24.9.2009:

Mir träumte, dass ich in einem Bungalow nächtigte, in dem sich ein Wurmloch oder Portal befand, aus dem zuerst zwei sehr schnelle Eichhörnchen kamen und dann ein seltsames aal-/wurmartiges Vieh herausflog. Letzteres manövrierte sich mit Schwimmbewegungen durch den Raum. Dieser Albtraum war wohl einer Erinnerung an die Geschichten "Der Nebel" resp. "Der Buick" geschuldet. In der nächsten Nacht erschien mir im Traum eine extrem schnelle Springspinne, die mich erst umkreiste und schließlich ansprang, worauf ich stumm schreiend erwachte.

Montag, 10. April 2017

King und "King"

Noch immer arbeite ich Stephen Kings "Mr. Mercedes"-Trilogie ab. Ich bin gerade mitten in Teil 2. Er heißt "Finderlohn", eine dämliche Übersetzung des Originaltitels "Finders Keepers" (ein Kinderspruch, der in etwa bedeutet "Wer's gefunden hat, darf's behalten"); um Finderlohn geht es in "Finderlohn" überhaupt nicht, was dem Heyne-Verlag, der uns ja auch schon "Die Arena" als deutschen Titel für den 100% arena-freien Roman "Under the Dome" bescherte und aus "Cell" das nichtssagende "Puls" machte, aber egal zu sein scheint. Ich bin jetzt schon gespannt, wie viel Gedankenkontrolle in der Fortsetzung "Mind Control" (OT: "End of Watch"!) steckt ...

Meine Leseliste ins Unendliche anwachsen lassen wollend, informierte ich mich auf Amazon über zukünftige Kings: Der zweite Treffer für "Stephen King" in der Rubrik "Fremdsprachige Bücher" ist ein Werk namens "The Sickness", beworben als Sammlung von "[p]ossibly the darkest and most shocking six scary short stories yet". Juchhu!, freute ich mich, sind doch Kings Kurzgeschichten der Erfahrung nach noch besser als seine Romane. Doch dann der Blick in die Kundenrezensionen: "This book was not written by Stephen King, but another writer using the name Stephen R. King" (27. Februar 2017). Und dann sah ich's auch: Ein kleiner gesetztes "R." prangt auf dem Cover. Ein Trittbrettfahrer! Als nächstes betritt womöglich ein "Steven King" oder ein "George R. Martin" den Buchmarkt, um unaufmerksame Käufer abzumelken. Dreister geht's kaum!

Freitag, 22. April 2016

Bob Gray lässt grüßen

Endlich bin ich dazugekommen, Stephen Kings "Mr. Mercedes" zu beginnen. Zwischen Kings Werken gibt es bekanntlich viele Verknüpfungen (ich verweise nur auf die KingWiki), etliche Geschichten sind sogar im selben Universum angesiedelt, doch in Kapitel 14 von "Mr. Mercedes" erfahren wir, dass der sehr straight forward erzählte und gänzlich auf übernatürliche Elemente verzichtende Roman seinerseits in einer Welt spielt, in der die Fiktion Stephen Kings bekannt ist, und zwar speziell deren filmische Umsetzung. Erst heißt es "Als Hodges und Huntley eintrafen, standen fünf Streifenwagen auf dem Hof, zwei direkt nebeneinander an der hinteren Stoßstange der großen grauen Limousine, als würden die Cops erwarten, das Ding könnte von allein anspringen wie dieser alte Plymouth in irgendeinem Horrorfilm und die Flucht ergreifen" (was natürlich eine Anspielung auf "Christine" ist), wenig später dann kommt folgende Stelle: "'[...] Hast du mal diesen Fernsehfilm gesehen, in dem ein Clown in der Kanalisation haust?' Hodges schüttelte den Kopf. Später – wenige Wochen vor seinem Abschied – hat er sich eine DVD mit dem Film besorgt, und Pete hatte recht. Die Maskenvisage sah ganz ähnlich aus wie das Gesicht von Pennywise, dem Clown in dem Film." (i.e. "Es")

Neulich ging ja eine Studie aus dem Journal New Ideas of Psychology rum: Den Arikel "On the nature of creepiness" habe ich bisher nur überflogen, doch steht in einer Tabelle, in welcher die creepiness von Personen nach deren Beschäftigung geordnet ist, an oberster Stelle "Clown" (Platz 2: Tierpräparator, Platz 3: Sexshopbesitzer). Das fand ich nun irgendwie bedrückend und ungerechtfertigt; da wird eine ganze Berufsgruppe mit Hilfe erbarmungsloser Wissenschaft ins gesellschaftliche Abseits manövriert. Es gibt ganz gewiss auch Clowns (oder, wie es bei Rocko Schamoni heißt, "Cleune"), die nur Gutes im Schilde führen. Deswegen wird dieses Blog künftig auf Clown bashing verzichten, auch wenn es sich in der Vergangenheit ein-zweimal dazu hat hinreißen lassen. #notallclowns

Und just eine Minute nach Veröffentlichung dieses Beitrags stoße ich zufällig auf die Ankündigung einer am Sonntag startenden Ausstellung im Kunstpalais Erlangen: "Böse Clowns _reloaded. Die internationale Gruppenausstellung widmet sich genau dieser beunruhigenden Figur, die in letzter Zeit eine ‚unheimliche‘ Karriere gemacht hat. (Böse) Clowns tauchen heute in den unterschiedlichsten Kontexten auf: in der (Anti-)Werbung, im politischen Aktivismus, in Fernsehserien, in Horror- und Hollywoodfilmen, in der Popmusik und in der zeitgenössischen Kunst. Der maskierte Spaßmacher bringt uns zum Lachen – welches uns aber sehr schnell im Halse stecken bleibt".

Freitag, 22. November 2013

Kurz notiert: Carrie

Hol' mich der Teufel oder seine jüngste Tochter, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, den Film Carrie, dessen Remake bald in die Kinos kommt, gesehen zu haben. Das spricht nicht besonders für diese "klassische" Horrorromanverfilmung ... Jedenfalls muss ich ihn gesehen haben, denn ich habe mir im Jahr 2004 folgenden Dialog daraus notiert:

- "Man kann ja deine Kissen sehen. Jeder wird sie sehen!"
- "Brüste, Mama – das sind Brüste. Alle Frauen haben Brüste."

Was mich zu der Frage führt, ob es irgendein auch nur halbwegs würdevolles Synonym für "Brüste" gibt.

Samstag, 27. Juli 2013

... und ein Buchtipp

Lange Zeit habe ich einen Bogen um Stephen Kings Christine gemacht. "Ein amoklaufendes bzw. -fahrendes Auto als Horrormotiv? – Was für ein Supertrash", sagte die innere Stimme, die mich von der Lektüre abhielt. Dabei macht sich der titelgebende 1958er Plymouth Fury erst ungefähr in der Mitte des umfangreichen Wälzers (da bin ich gerade angelangt) selbstständig; ansonsten geht es, typisch für die frühen kingschen Werke, um teenage angst, Frust, Freundschaft und Zerbrechen derselben.
Ich lese das Buch übrigens nicht, sondern habe die Hörbuchfassung gewählt, für welche David Nathan den Text kongenial eingesprochen hat. 

Mittwoch, 14. September 2011

Linktipp: Torsten Dewi interviewt Joachim Körber

Blogger Torsten Dewi (wortvogel.de) hat ein sehr lesenswertes Interview mit Joachim Körber geführt. Körber, selbst Schriftsteller, ist einer der profiliertesten deutschsprachigen Übersetzer von SciFi-/Fantasy-/Horrorliteratur.

Teil 1
Teil 2

Ja, das waren die guten alten Zeiten, als Übersetzen noch richtig Handarbeit war. Ich kenne Kollegen, die haben alles Mögliche gehortet, amerikanische Kataloge mit Anglerbedarf, Schusswaffen, Kleidung, Lebensmitteln, damit sie zu den Begriffen Bilder hatten und dann über die entsprechenden Bilder in deutschen Katalogen suchen konnten. Oder man ist eben in die Bibliothek gewandert, in meinem Fall die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe, und hat Begriffe gesucht. Ich hatte das Glück, dass zwischen Linkenheim, meinem damaligen Wohnort, und Karlsruhe eine Kaserne der Amerikaner lag. [...] Als Jugendlicher hatte ich einen amerikanischen Freund, der uns immer in die an sich Amerikanern vorbehaltenen Geschäfte und Clubs rund um die Kasernen herum reingeschleust hat, und da habe ich schon viel von den umgangssprachlichen Ausdrücken und der amerikanischen Lebensart aufgeschnappt, die mir dann später beim Übersetzen von Stephen King so nützlich waren.

Sonntag, 12. Juli 2009

Filmtitel IV (mit Bonus: Buchtitel)

Diesmal sind auch einige italienische Titel in der Liste. Ich bin des Italienischen nicht mächtig, aber auch dem ungeübten Auge fällt auf, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.
  • What Happens in Vegas --> Love Vegas
  • Tremors --> Im Land der Raketenwürmer
  • Mo' Money --> Meh' Geld
  • Toxic Avenger --> Atomic Hero
  • Cradle 2 the Grave --> Born 2 Die
  • Il Grande Silenzio --> Leichen pflastern seinen Weg
  • Ghosts of Girlfriends Past --> Der Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen
  • The Promotion --> Topjob - Showdown im Supermarkt
  • Che: Part One --> Che - Revolución
  • Paura nella città dei morti viventi --> Ein Zombie hing am Glockenseil
  • Airplane --> Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug
  • Bride of the Monster --> Die Rache des Würgers
  • Se sei vivo spara --> Django - Leck Staub von meinem Colt
  • Buon funerale amigos... paga Sartana --> Sartana - Noch warm und schon Sand drauf
  • Revenge of the Pink Panther --> Inspector Clouseau - Der irre Flic mit dem heißen Blick
  • Don't Be a Menace to South Central While Drinking Your Juice in the Hood --> Hip Hop Hood – Im Viertel ist die Hölle los
  • Spy Hard --> Agent 00 – Mit der Lizenz zum Totlachen
  • The Return of the Living Dead --> Verdammt, die Zombies kommen
  • Welcome to the Dollhouse --> Willkommen im Tollhaus
Das letzte ist schon richtiggehend dreist. Zu toppen ist das nur noch von der Stephen-King-Geschichte Children of the Corn, die im deutschen (zumindest in der Filmfassung) zu Kinder des Zorns wurde. Wo wir schon bei Literatur sind, sei auf den Joseph-Heller-Klassiker Catch-22 hingewiesen. Das Wort "Catch-22" bezieht sich auf ein fiktives paradoxes militärisches Gesetz und ist in der Bedeutung einer Situation, in der man nicht gewinnen kann, als geflügeltes Wort in den englischen Wortschatz eingegangen. Dass der Roman im deutschen Sprachraum unter dem Titel Der IKS-Haken erschien, ist fast schon putzig, aber kaum bekannt.
Der Zeichner bob wusste bereits vor fünfeinhalb Jahren folgendes zu berichten:

>>ich wiederum konsultiere mein vor ein paar jahren mitgebrungenes richard brautigan-poesiebüchel, "die pille gegen das grubenunglück von springhill" (rororo), welches im original zwar ähnlich, aber irgendwie auch wieder ganz anders, nämlich "the pill versus the springhill mine disaster" heisst.
dem überträger, günter ohnemus, ist die malaise dabei noch aufgefallen, er schreibt dazu im kleingedruckten:
(Das "gegen" im Titel dieses Buches ist eine unkorrekte Übersetzung des "versus" in der Originalfassung, die dem Übersezter merkwürdigerweise erst sehr spät aufgefallen ist. Zu spät, denn er mag diesen Titel inzwischen so gern, daß er sich außerstande sieht, ihn noch zu ändern - ganz im Sinne von Richard Brautigans Gedicht

Der Amelia Earhart Pfannkuchen
Ich kann einfach kein Gedicht finden
für diesen Titel.
Ich habe jahrelang nach einem gesucht,
und jetzt geb' ich auf.)


wobei, praktischerweise, zwar nicht brautigans gedicht, wohl aber brautigan selbst seit einigen jahren (genau seit 1984) tot, verstorben und in seinem eventuellen widerspruchswillen nicht unerheblich eingeschränkt ist.<<