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Dienstag, 6. Oktober 2026

Bohniger Krachmacher

"Rückruf-Aktion: Illy Kaffee warnt vor explosivem Deckel", titelte die Münchner Abendzeitung im März 2018 und teilte mit: "Bei den 250g-Dosen Kaffee 'Ganze Bohnen' könnte sich 'infolge eines Fehlers im Herstellungsprozess, beim Öffnen der Dose der Metalldeckel ruckartig lösen'. Betroffen sind die Produkte, deren Ablaufdatum zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 liegt. Erkennbar sind sie daran, dass sie kein Entlüftungsventil am Dosenboden haben. Durch das Fehlen des Entlüftungsventils kann sich die Dose verformen und dann für den explosiven Druck beim Öffnen der Kaffeedose sorgen."

Das war vor über achteinhalb Jahren. Doch die Gefahr war nicht gebannt, ist es womöglich noch immer nicht! Denn auch ich erlebte neulich beim Anbrechen einer Dose Illy-Kaffee eine ähnliche böse Überraschung. Es machte "Peng!", ich machte "Ah!" und fand mich über und über mit Kaffeepulver bestäubt inmitten einer kaffeepulverbestäubten Küche. Ganz richtig: Pulver. Im Gegensatz zu den betroffenen Dosen im Jahr 2018 enthielt die meinige gemahlenen Kaffee, doch die Art des Ausschusses scheint dieselbe gewesen zu sein. (Ich konnte das Vorhandensein eines Entlüftungsventils nicht überprüfen, weil ich die geöffnete Dose entsorgte, bevor ich im Netz nach Meldungen vergleichbarer Fälle suchte.) Die zum Glück ansonsten folgenlose Genussmitteleruption hat mich jedenfalls heftiger wachgerüttelt, als das zuzubereitende Gebräu es je vermocht hätte.

PS. Die AZ scheint ja ein schönes "Qualitätsmedium" zu sein: Kommafehler werden übernommen, und für das Produkt, um das es geht, kennt das Blatt drei verschiedene Schreibweisen ("illycaffe", "illycaffè", "Illy Kaffee").

Montag, 14. September 2026

Neues Altes (Juli-September '26)

  • Ausgrabungen in Mainz: Minengänge und römische Sarkophage entdeckt (SWR, 24. Juli) Die Minengänge aus dem 18. Jahrhundert gehören zu einer Festungsanlage und dienten der Verteidigung. "Wenn Feinde vor der Festungsmauer lagerten oder angriffen, wurden die Minengänge gesprengt und die Gegner damit abgewehrt." Darüber hinaus fanden sich vier spätrömische Sarkophage, leider leer und teilweise zerstört, vermutlich geplündert.
  • Pharaonentöchter waren im alten Ägypten muskulöse Prinzessinnen (BR24, 25. Juli) Eine Untersuchung an in der Pyramidenanlage von Dahschur gefundenen weiblichen Mumien aus dem Späten Mittleren Reich zeigt: Die (namentlich bekannten) Pharaonentöchter waren "allesamt durchtrainiert, muskulös, versiert im Umgang mit Waffen sowie hart im Nehmen". Die den Prinzessinnen beigegebenen "kunstvoll gefertigte[n] Schwerter, Bögen und Dolche" dürften demnach mehr als "Statussymbol[e], schmückendes Beiwerk, Ritualgegenst[ände]" gewesen sein.
  • 1,4 Millionen Jahre alte Vormenschen-Fußspuren enthüllen Überraschendes (wissenschaft.de, 28. Juli) Das Überraschende: Die acht männlichen Individuen von Paranthropus boisei, eine Spezies, bei der man bisher von einer Größe von 130 bis 162 cm und einem mittleren Körpergewicht von 30 bis 55 kg ausgegangen war, wiesen eine Größe von bis zu 1,80 m und ein Gewicht von ca. 75 kg auf. "Damit waren die Spurenmacher aus Koobi Fora überraschend groß für einen Vormenschen – und mindestens so groß wie der Frühmensch Homo erectus", mit dem die Homininen in Kenia koexistierten.
  • "Fund des Jahres": Forscher finden 40.000 Jahre alte Vogelfiguren in Höhle (SWR, 29. Juli) "Unklar ist: Sind es Schneehühner, Bussarde oder vielleicht doch Auerhühner? Dass die Kunstwerke so filigran sind, macht sie zu einem besonderen Fund. Mit zwei Zentimetern Länge, einem Zentimeter Breite und einem halben Zentimeter Höhe ist der Vogel mit den ausgebreiteten Flügeln das kleinste aller bisher bekannten Eiszeitkunstwerke der Welterberegion." Die Figuren aus der Höhle Hohle Fels sind bis 4.4.2027 im Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst in Blaubeuren zu sehen.
  • Spuren untergegangener Zivilisation in Amazonien entdeckt ("Spiegel online", 30. Juli) Gräben, Hügel, Reste von Dämmen, dazu riesige Geoglyphen: Mit dem Lidar-Verfahren hat ein Forschungsteam im heutigen Brasilien Bauten sichtbar gemacht, die zwischen 600 v. und 850 n. Chr. angelegt wurden und einer Zivilisation zugerechnet werden, die es "Aquiri-Kultur" getauft hat. "Zur Blütezeit dieser Zivilisation, zwischen den Jahren 100 und 300 nach Christus, dürften bis zu drei Millionen Menschen in der Region gelebt haben", die u.a. "Brandrodung betrieben, um Mais, Maniok und Kürbisse anzubauen. Außerdem kultivierten sie Bäume mit essbaren Früchten, etwa Paranussbäume und Pfirsichpalmen".
  • Genanalysen zeigen, dass Pocken aus Europa nach Amerika kamen (Die Zeit, 2. August) "Die durch das Variola-Virus verursachten Pocken spielten eine wesentliche Rolle beim Bevölkerungsrückgang, den die indigenen Völker in Nord-, Mittel- und Südamerika nach der Ankunft der Europäer erlebten." Nun konnte zum ersten Mal ein molekularer Nachweis für das Einschleppen der Krankheit aus Europa erbracht werden. "Das Forschungsteam aus Irland, Chile und Japan hatte nach eigenen Angaben die ersten Pockengenome aus der Kolonialzeit, die in Amerika gewonnen worden waren, analysiert. Es habe dafür zwei mumifizierte Leichen indigener Menschen untersucht, die zwischen dem späten 15. und frühen 17. Jahrhundert im Norden Chiles bestattet worden waren".
  • Neue Hinweise auf Zentralgrab eines 6.000 Jahre alten Großgrabhügels am Kapellenberg bei Hofheim (herder.de, 5. August) "Die neuen Entdeckungen stützen die Annahme, dass der Kapellenberg in engem kulturellen Zusammenhang mit Regionen westlich des Rheins stand. Besonders auffällig sind die Ähnlichkeiten zu frühen monumentalen Grabanlagen im heutigen Nordfrankreich." Der Kapellenberg am Taunus mit seiner heravorragend erhaltenen Wallanlage aus der Zeit von 4100 bis 3600 v. Chr. gilt als einer der "bedeutendsten jungsteinzeitlichen Fundplätz[e] im Rhein-Main-Gebiet".
  • Archäologen finden rätselhafte Grabgruben bei Dachritz (mdr.de, 17. August) Bei Bauarbeiten im Saalekreis wurde eine 4000 Jahre alte Gräbergruppe aus der Glockenbecherkultur mit Überresten von sieben Menschen entdeckt. Die Toten waren offenbar Opfer eines Unfalls geworden, als Beigaben lagen in den drei Gräbern Tassen, Becher und Schalen.
  • Frühmenschen: Südwestchina war ein „Zentrum“ der Denisovaner (scinexx.de, 9. September) "Vier Zähne, zwei Schädelfragmente und ein Teil einer Speiche", gefunden in der Bianfu-Höhle, "belegen Denisovaner dort vor etwa 167.000 bis 134.000 Jahren. Eine der längsten Kulturfolgen, die sich dieser Menschengruppe plausibel zuordnen lässt, reicht von rund 190.000 bis 70.000 Jahren zurück und zeigt Jagd auf größere Tiere, einfache Steintechnik sowie eine intensive Nutzung von Knochen."
  • 18,5 Kilogramm schwer: Mann findet Wikingerschatz im Garten (merkur.de, 11. September) Ein Mann im dänischen Rebild wollte eine Terrasse anlegen und stieß dabei "auf den größten Wikinger-Silberschatz, der jemals in Dänemark gefunden wurde". Die 700 einzelnen Stücke, darunter "Silberbarren, Armreif[e, ...] Münzen", stammen aus dem 10. Jahrhundert und steckten zu einem großen Teil noch in einem Tongefäß.
  • Schon Steinzeit-Sammler konsumierten Drogen (wissenschaft.de, 11. September) ... und zwar Betelnüsse. Diese haben an den Zähnen der 25.000 Jahre alten Skelette zweier Jäger und Sammler auf Sulawesi "tiefe, abgerundete Abnutzungsspuren" hinterlassen, zudem ließ sich im Zahngewebe Arecolin nachweisen, der psychoaktive und schmerzlindernde Inhaltsstoff der Droge.

Donnerstag, 10. September 2026

Zu viel Freistaat

Liebes Tagebuch,
heute lag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das donnerstägliche Reiseblatt nicht weniger als sechsmal bei. Die Wartburg, welchem "deutschen Mythenort" der Aufmacher gewidmet ist,* ist ein unbestreitbar empfehlenswertes Ausflugsziel, aber man kann's auch übertreiben!


* Nebensatzkonstruktionen nach diesem interessanten Muster sind mir schon einige (wenige) Male begegnet, und ich möchte meinen, vorwiegend in österreichischen Texten. Ich selbst habe sie noch nie verwendet, denn sie wirken irgendwie falsch, aber heute habe ich mich mal getraut und die konventionelle Langversion Die Wartburg, der "deutsche Mythenort", welchem der Aufmacher gewidmet ist kühn gekürzt. Wenn ich nur wüsste, wonach ich googeln müsste, um eine wissenschaftliche Einordnung/Analyse dieses syntaktischen Sonderfalls zu finden. Dunkel erinnere ich mich, dass im Lateinischen etwas Ähnliches möglich ist. Wer kann helfen?

Zurück zur Wartburg: Steckt womöglich die Thüringer Tourismus GmbH hinter dem heutigen Reisebeilagen-Overflow? Mangelt es der Region zurzeit an Selbstbewusstsein? Für diese Annahme spricht etwas, das ich in derselben Ausgabe der FAZ las: "Die grenznahe Gemeinde Gerstungen im Wartburgkreis ist unzufrieden mit den Bedingungen in Thüringen – und erwägt einen Wechsel nach Hessen." Gründe für die Unzufriedenheit seien vernachlässigte Infrastruktur und "mangelnde Personalausstattung". Falls das Unterfangen durchgeht (und die Hürden dafür sind hoch), wäre das der erste "Umzug" einer Gemeinde in ein anderes Bundesland, den ich erlebe, seit 1993 Amt Neuhaus von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen wechselte! Ich werde den Fall im Auge behalten und über neue Entwicklungen berichten.

Montag, 7. September 2026

Endlich klare Verhältnisse

Das war ulkig letzte Woche: An einem Tag lese ich in dem hier schon erwähnten Sachbuch "Maphead" von Ken Jennings einen längeren Abschnitt über die Unbilden der Mercator-Projektion, einen Tag darauf verkünden sämtliche Nachrichtenseiten, dass die Vereinten Nationen sich darauf geeinigt haben, fürderhin eine korrigierte, nämlich die Größenrelationen der Landmassen weniger verfälscht abbildende Version der Weltkarte zu verwenden und deren Herstellung zu fördern (oder was auch immer "für eine neue Weltkarte stimmen" konkret bedeutet).

Ich begrüße diesen längst überfälligen Schritt, prognostiziere aber, dass es eine gute Weile dauern wird, bis wir als Menschheit uns an die reformierte Darstellung gewöhnt haben werden. Damit mir die Gewöhnung leichter fällt, habe ich heute ein Plakat mit der "Equal Earth" genannten Welt 2.0 bestellt. Das kann man supererweise kostenlos über die Webseite der Bundesregierung tun, wo es das Poster, das ich in meinem Büro aufzuhängen gedenke, auch als PDF gibt.

Montag, 31. August 2026

Makes you think ...

Beim Frühstück höre ich im Deutschlandfunk von neuerlichen Angriffen der USA auf den Iran und Vergeltungsschlägen Teherans auf Ziele in Jordanien. Später schaue ich, meinem montäglichen Vor-der-Arbeit-Ritual frönend, noch eine alte Folge "Saturday Night Live". Es ist die Episode vom 18. Februar 1989 (Ep. 14x13, Host: Leslie Nielsen), und das Thema der Woche ist die Verhängung einer Fatwa gegen Salman Rushdie ("Die satanischen Verse") durch den Ajatollah. In der ersten Meldung in "Weekend Update" werden, als Verlängerungswitz, die kommenden Mordaufrufe Chomeinis aufgezählt, nämlich gegen: Sidney Sheldon ("The Sands of Time"), Jackie Collins ("Rock Star") und, als vom Publikum heftig bejubelte Pointe, Donald Trump ("The Art of the Deal").



"Was für eine irrwitzige Verknüpfung!", muss man damals gedacht haben. "Der religiöse Führer des Irans gegen einen vulgären Baulöwen aus New York, lächerlicher geht's nicht!" Ach, hätte man damals in die Zukunft blicken können ...

Sonntag, 26. Juli 2026

Neues Geld im Anmarsch!

Die meisten von euch werden es mitbekommen haben: Die Euro-Banknoten sollen ein neues Design bekommen, und wir, die Bürgerinnen und Bürger der EU, dürfen mitentscheiden, welches. Zwischen zehn Entwürfen können wir wählen. Den Link zur Online-Abstimmung werde ich nicht einfügen, denn der wird wahrscheinlich in ein paar Jahren ins Leere führen; Bilder der Scheine mag ich auch nicht posten, wegen Copyright-Blabla. Wer nach "Euro-Banknoten" + "Abstimmung" googelt, findet die entsprechende EZB-Seite auf Anhieb. Ich persönlich bin ein großer Fan der Vogelmotive.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Neues Altes (April-Juli '26)

  • Archäologen entdecken Bibergrube aus der Jungsteinzeit bei Alsleben (mdr.de, 4. Mai) Ein Fund an der Saale, die rund 7000 Jahre alten Reste von mindestens zwölf Bibern, "liefert seltene Hinweise darauf, welche Rolle Pelzherstellung, Jagdstrategien und Kleidung bereits in der frühen Jungsteinzeit spielten".
  • Bei Schulausflug auf Bauernhof: Bub (6) macht Sensationsfund (Kurier, 11. Mai) Der Junge entdeckte im norwegischen Dorf Brandbu ein 1,30 m langes Schwert, das aus einem Acker ragte. Das überragend gut erhaltene Objekt soll 1300 Jahre alt sein, also "aus der Merowingerzeit oder dem Beginn der Wikingerzeit" stammen.
  • Stinkendes Notizbuch in mittelalterlichem Klo gefunden (wdr.de, 12. Mai) In Paderborn wurde ein in 700 bis 800 Jahre altes, gut erhaltenes, in Leder und Holz gebundenes und innen beschriebenes Buch gefunden – in einer Latrine. Womöglich handelt es sich um das Notizbuch eines Kaufmanns.
  • Muscheln und Schnecken der Saison (Spektrum.de, 18. Mai) Eine Untersuchung von Weichtierschalen, die in rauen Mengen in der spanischen Höhle Las Aviones gefunden wurden und ein Alter von 115.000 Jahren aufweisen, legt nahe, dass die Ernährungsvorlieben des Neandertalers denen des Homo sapiens, der erst 100.000 Jahre später die Bühne betrat, ähnelten. Demnach wurden Meeresfrüchte bevorzugt in der kalten Jahreszeit konsumiert. Das "könnte damit zusammenhängen, dass die Neandertaler den Rest des Jahres anderswo lebten; vielleicht verdarben die Muscheln und Schnecken während des Winters aber auch weniger schnell oder schmeckten besser".
  • Toter von Pompeji identifiziert – das war sein Beruf (t-online, 20. Mai) Einer jener 13 an dem als "Garten der Flüchtenden" bekannten Weinberg gefundenen Menschen hatte zum Zeitpunkt seines Todes unmittelbar nach dem Ausbruch des Vesuv einen Gegenstand bei sich, der den Eindruck eines "antiken Medizinkoffers" machte. Nach einer Analyse mit modernsten Methoden steht fest, dass das "Köfferchen eine Stofftasche mit Bronze- und Silbermünzen, ein Kästchen aus organischem Material sowie eine Reihe von Instrumenten, die zu einem medizinischen Set passen", enthielt. "Außerdem fanden sich eine Schieferplatte, die in der Antike zur Herstellung medizinischer oder kosmetischer Substanzen verwendet wurde."
  • Überraschung aus der Steinzeit: Vater und Sohn durch hunderte Kilometer getrennt (Der Standard, 21. Mai) Der Sohn eines um 3100 v. Chr. im hessischen Niedertiefenbach beigesetzten Mannes "fand seine letzte Ruhe rund 225 Kilometer weiter nördlich, in einer in den Fels geschlagenen Kammer bei Sorsum" bei Hildesheim – "der bisher größte dokumentierte geografische Abstand zwischen Verwandten ersten oder zweiten Grades aus dem Neolithikum". Anschließende Untersuchungen mehrerer Bestattungsplätze ergeben das Bild eines regelrechten Netzes mit "weitreichende[n] biologische[n] Verbindungen".
  • Neue Studie löst altes Rätsel: So übersteht diese Pyramide jeden Erdstoß seit Jahrtausenden (merkur.de, 26. Mai) Die Stabilität der Cheops-Pyramide: garantiert wird sie durch einen messbaren Unterschied zwischen den Eigenfrequenzen von Bauwerk und Untergrund, wodurch das sog. Resonanzphänomen vermieden wird. Druckkammern spielen dabei eine Rolle. "Die Pyramide vereint mehrere geometrische Prinzipien, die Ingenieure auch heute noch als vorbildlich bezeichnen würden."
  • Der nackte Brite aus Kreide wird aufgehübscht ("Spiegel online", 28. Mai) "[S]owohl stärkere Regenfälle als auch heißere Sommer" haben dem zwischen 700 und 1100 n. Chr. angefertigten Riesen von Cerne Abbas zugesetzt, weswegen die Umrisse des 55 Meter großen Scharrbildes früher als nach dem üblichen Turnus nachgezogen werden. "Die Neuverkreidung soll bis zu 15 Tage in Anspruch nehmen. Rund 300 Mitarbeiter und Freiwillige des National Trust werden laut der BBC daran beteiligt sein und etwa 17 Tonnen frische Kreide den steilen Hang hinauftragen."
  • Acht Meter unter dem Mainufer tauchen 2400 Jahre alte Gemäuer aus der Eisenzeit auf ("Welt online", 1. Juni) Eine eisenzeitliche Konstruktion aus Stein und Holz wurde am Mainufer in Aschaffenburg freigelegt. Sie stammt aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert und ist somit wohl der keltischen La-Tène-Kultur zuzuordnen. Über den Nutzen des "vermutlich auch repräsentativen Bauwerk[s]" ist (noch) nichts bekannt.
  • Keltisches Fürstengrab im Taunus entdeckt (Hessenschau, 8. Juni) Teile eines Streitwagens, goldene Ringe, Schmuckperlen, eine etruskische Kanne und mehr: Die Grabbeigaben im schon jetzt als Sensation geltenden Bad Camberger Grab deuten auf eine höhergestellte Persönlichkeit hin, die zu Beginn der frühen Eisenzeit gelebt hat.
  • Schülerin findet keltischen Armring aus Bronze - per Zufall (Hessenschau, 15. Juni) "Es handelt sich um ein rund 2.700 Jahre altes Schmuckstück aus der frühen Eisenzeit", welches eine Zwölfjährige in Büdingen in der Wetterau geborgen hat: einen Armring aus Bronze, der wohl Teil einer ganzen Tracht aus der Hallsteinzeit gewesen war. Der Fund bestätige, "dass der Glauberg bereits seit der frühen Eisenzeit besiedelt war. Zudem könnten solche Einzelfunde wichtige Hinweise auf mögliche bisher unentdeckte Grabhügel bieten - und seien deshalb ein Glücksfall für die Forschung".
  • Unberührte Maya-Stätte im mexikanischen Dschungel entdeckt ("Spiegel online", 24. Juni) Die 15 Hektar große Stadt, deren Reste im Bundesstaat Campeche entdeckt wurde, ist Minanbé getauft worden (aus der Maya-Sprache mit "Es gibt keinen Pfad" zu übersetzen). Neben Hieroglyphentexten barg der auf die Zeit zwischen 600 und 900 n. Chr. datierte überwucherte Ruinenkomplex einen "13 Meter hohen Pyramidentempel, Altäre, palastartige Gebäude, Plätze, Wasserkanäle sowie einen Stein mit einer eingravierten Enthauptungsszene".
  • Über 2.000 Jahre alte menschliche DNA in Höhlen Spaniens und Portugals entdeckt (AOL, 24. Juni) Eine internationale Studie zeigt, "dass Felsoberflächen menschliche genetische Spuren über Tausende von Jahren bewahren können", konkret "menschliche DNA nicht nur auf einer mit Pigmenten bedeckten Oberfläche der portugiesischen Höhle von Escoural, sondern auch in Bereichen ohne Malereien in [der Höhle von Maltravieso in Cáceres] und in der asturischen Höhle Covarón" sowie auf weiteren "Tafeln mit Felskunst aus elf Höhlen in Spanien und Portugal". "Von den analysierten Proben stammen drei von Frauen, eine von einem Mann; eine weitere ließ sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen." (Ausführlicher auch die Tagesschau)
  • Neues Rätsel um Frühmensch Homo naledi: Warum lagen in einer Höhle nur weibliche Skelette? (National Geographic, 25. Juni) 20 von 20 Individuen in der südafrikanischen Rising-Star-Höhle wurden als weiblich identifiziert. Der Artikel geht ausführlich auf die Methodik der Geschlechtsbestimmung bei 300.000 Jahre alten Skeletten ein und wägt diverse Erklärungsversuche ab: Kulturelles Verhalten, sprich eine zielgerichtete Bestattung, sei bei frühen Homininen wie dem Homo naledi mit seinem relativ geringen Gehirnvolumen wenig wahrscheinlich. Solch ein Verhalten wäre tatsächlich ein Indiz für "eine Praxis, die ein Maß an abstraktem Denken voraussetzt, das bislang nur dem Menschen zugeschrieben wurde".
  • Spannender Fund in Nidderau gibt Einblicke in das Leben der Kelten (Hessenschau, 30. Juni) Sieben Gräber aus der Zeit von vor 2500 Jahren bargen Angehörige der keltischen Mittel- und Oberschicht, darunter einen mutmaßlichen Krieger, der "mit Schwert und Speer bestattet" wurde. Folgeuntersuchungen sollen u.a. klären, "ob die Menschen körperlich schwer arbeiten mussten und ob sie ausreichend Nahrung hatten. Auch mögliche Krankheiten, das Alter oder Familienverhältnisse können zum Teil aufgedeckt werden".
  • Stätte in Nordirland könnte zu den frühesten stadtähnlichen Siedlungen Europas gehören ("Spiegel online", 1. Juli) "In Haughey's Fort in der Nähe von Armagh soll es bereits ab etwa 1200 v. Chr. Besiedlung gegeben haben." Alles deutet auf ein bronzezeitliches "proto-urbanes Zentrum" hin, mit "Handwerksproduktion, Tauschhandel und gemeinschaftliche Aktivitäten", das zudem wahrscheinlich in Zusammenhang mit der bedeutsamen Stätte King's Stables und den Creeveroe-Erdwällen steht.
  • Der Hobbit-Mensch aß, was die Drachen übrigließen (National Geographic, 8. Juli) Die "Hobbits" auf der indonesischen Insel Flores haben offenbar nicht, wie man lange annahm, selbst gejagt. Wie ein kurioses Beiß-Experiment jetzt gezeigt hat, ernährte sich der Homo floresiensis von Kadavern des Rüsseltiers Stegodon, jedoch nur von Exemplaren, die Warane zuvor erlegt hatten. Immerhin: "Um das Fleisch vom Knochen zu trennen, nutzten sie Werkzeuge."
  • 2000 Jahre alte Gräber und byzantinische Stadt in der ägyptischen Wüste entdeckt (Deutschlandfunk, 6. Juli) "Die Gräber in Marina El-Alamein wurden etwa hundert Kilometer westlich von Alexandria gefunden" und enthielten "menschliche Überreste, Töpferwaren, Amphoren und andere Grabbeigaben". "Es wird angenommen, dass es sich bei dem Fundort um die antike Stadt Leukaspis handelt, ein Mittelmeerhafen, der zwischen der hellenistischen und der byzantinischen Zeit seine Blütezeit erlebte." Die Überreste einer komplexen byzantinischen Wüstensiedlung aus dem 4. Jahrhundert wurden unabhängig davon freigelegt.
  • Archäologen entschlüsseln Namen eines Maya-Astronomen ("Spiegel online", 14. Juli) Der Mathematiker, der im 8. Jahrhundert (Zeit der Maya-Klassik, 250-900) gelebt haben soll, habe Sak Tahn Waax geheißen, was so viel wie "Weißbrustfuchs" bedeute. Zu Grunde lagen "astronomische Berechnungen an der Wand einer Kammer in der Maya-Ruinenstadt Xultún" (Guatemala).
  • Bislang unbekanntes Grab bei Luxor entdeckt: Hinweise auf einen Würdenträger der Ramessidenzeit (herder.de, 14. Juli) Im Bereich Sheikh Abd el-Qurna stieß ein Forschungsteam auf eine dem Neuen Reich zuzuordnende "Grabanlage östlich des bekannten thebanischen Grabes TT 45". "Zu den bedeutendsten Funden gehören die Wanddekorationen im Inneren der Anlage. Mehrere Darstellungen nennen den Namen des Grabherrn 'Paser'."

Mittwoch, 24. Juni 2026

Ein paar Dinge: Kiwi

In der gestrigen "Leute"-Spalte der Süddeutschen Zeitung war dieser Beitrag zu finden:

Andrea Kiewel, 61, Moderatorin, ärgert sich über Apothekenpreise. In ihrer Kolumne in der Zeitschrift SuperIllu schreibt Kiewel laut einem Bericht des Münchner Merkur, sie habe für einen Einkauf von zwei kleinen Tuben Sonnencreme 45 Euro bezahlen müssen. "Und ich bin mir sicher, mich verhört zu haben", schreibt die Moderatorin. Aufgrund ihrer empfindlichen Haut könne sie nur spezielle Sonnencremes verwenden. "Mag ja sein, dass die Firma mehr bezahlen muss für alle chemischen Zutaten meiner Sonnencreme, sorry, aber ich bekomme keinen Pfennig mehr Gehalt", ergänzt sie. Die Zeitung Welt am Sonntag berichtete 2024, dass Kiewel für ihre Moderation des ZDF-"Fernsehgartens" eine Jahresgage von etwa 400.000 Euro erhält.

Dazu fallen mir mehrere Dinge ein ... um nicht zu sagen: ein paar Dinge. Das ist doch ein guter Anlass, diese alte, hier bisher nur ein einziges Mal erschienene, bei Seth Meyers längst in den Ruhestand geschickte Rubrik zu reinstallieren:


ERSTENS Warum erfahren wir den Inhalt von Kiewels Kolumne aus dritter Hand? Hätte die Münchner Panorama-Redaktion sich nicht direkt eine SuperIllu besorgen können statt den (zitierenden) Merkur zu zitieren? Das gebieten doch sowohl die journalistische Sorgfaltspflicht als auch die Solidarität unter Printschaffenden.

ZWEITENS Was ist Frau Kiewels Definition einer "kleinen Tube"? Qualität hat nun mal ihren Preis. Unabhängig von der Hautempfindlichkeit sollte man in puncto Sonnenschutz nicht sparen, zumal mir 45 Euro für zwei Tuben jetzt nicht sooo überzogen vorkommen. Es könnten ja auch 100 sein! Mit etwas Vorausplanung und Geduld findet man außerdem gelegentlich preisgesenkte Pflegeprodukte.

DRITTENS Ich bin mir sicher, mit Hilfe einer erfahrenen Beraterin könnte Frau Kiewel die Kosten für Sonnencreme als besondere Belastungen von der Steuer absetzen.

VIERTENS Apropos: Wenn man dermatologisch diesbezüglich vorbelastet ist, warum heuert man dann freiwillig bei einem Format namens "FernsehGARTEN" an? Die Moderatorin sollte sich überlegen, zu einer weniger outdoor-gecodeten Show zu wechseln; vielleicht mal mit dem ZDF einen "Fernsehschuppen" oder "Fernsehbunker" konzipieren?

FÜNFTENS Der letzte Satz ist irgendwie unangenehm, ein überflüssiges Nachtreten. Nicht mal eine halbe Million (vor Steuern, nehme ich an) für eines der langlebigsten Zugpferde der öffentlich-rechtlichen Unterhaltung, das kommt mir, once again, nicht sooo überzogen vor. Das US-amerikanische Pendant von Kiwi, wobei mir da auf die Schnelle keines einfällt, würde für läppische 400.000 nicht mal ein Mikrofon in die Hand nehmen.

SECHSTENS War es nötig, in diesen wenigen Zeilen zum Schluss – nach SuperIllu und Münchner Merkur – noch ein drittes Medium einzuführen? Das sind zu viele Quellen!

Sonntag, 31. Mai 2026

Fotos, Ausrisse, Screenshots, launig kommentiert

Solange mich niemand vom Gegenteil überzeugt, gehe ich davon aus, dass "Bienenkosmetik" Kosmetik für Bienen bedeutet.
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Ich will aber spez. Bergkäse!
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Little Spreewald oder auch
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Ach, DAS versteht man unter Adana Kebap!
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"The Rehearsal" Season 2
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Zum Glück hatten sie noch eine passende Garfield-Folge in der Schublade ("Der Ajatollah ist tot. Ich hasse Montage!").
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Warum "sogar"? Verstehe den Widerspruch nicht – Kritiker sein heißt doch nicht, alles schlecht zu finden.
(Plot-Twist: Mit "ihn" ist der Star-Kritiker gemeint.)
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Fühlt sich an, als wäre das Land noch zwei Haushaltsdebatten entfernt von einer Brigitte-Strecke "Die schönsten Dachhasen-Variationen".
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Dachte auf den ersten Blick, das seien Richard Ayoade und Shea Whigham.
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Mein erster Gedanke: Was für ein random Loss Edit ...
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Hey, Amazon, Vorschlag für eine weitere Neuerung: KORREKTE IMPERATIVE!
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Den Hillergruß?
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Meine Erkenntnis: Kneift man die Augen zu, sehen die zwei Flaggen hinter ihm aus wie Dämonenflügel.
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"Prinzessin Dianas Hellseherin" ... würde ich mir nicht unbedingt in den Lebenslauf schreiben.
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Schlechtes Symbolbild imho
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Aber ... sie ist doch schon bei Penny?
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Schade, dass sie in den 16 Zeilen nicht noch eine vierte Schreibweise von "Kurd-Laßwitz-Preis" unterbringen konnten.
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Was geht eigentlich an der Instantnahrungsfront?
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Im Zeitalter der Phrasendrescherei sollten solche Überschriften um den Vermerk "(buchstäblich)" ergänzt werden.
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Auch noch nicht gesehen: Uhrzeitenangaben mit Komma
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Zeichentheorie für Fortgeschrittene
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Und denk dran, Lucas, was deine Eltern dir über Rechtschreibung beigebracht haben: nichts.
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Hier stecken bestimmt ein bis zwei Witze drin, macht sie bitte ggf. selbst.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Der Hausherr meldet sich zum Dienst (Aufstrich-Content inside!)

So, da bin ich wieder – und finde das Blog so vor, wie ich es verlassen habe. Die in meiner Abwesenheit veröffentlichten Inhalte konnten nicht nur das von hier gewohnte Qualitätsniveau halten, sondern dieses sogar übertreffen und zudem das thematische Spektrum aufs Interessanteste erweitern (Drogen! Sex! Rennräder!). Auch mit den Klickzahlen bin ich zufrieden; das sind die Synergieeffekte, die ich mir von meinen Gastbeiträgern als Multiplikatoren erhofft hatte. Fazit: Das machen wir mal wieder! Die nächsten Vertretungsstunden kann ich hiermit schon jetzt ankündigen, voraussichtlich für das erste Quartal 2027.

Nun aber zurück zum Wesentlichen. Die neue Stiftung Warentest teilt uns mit, dass Konfitüre jetzt Marmelade heißen darf:

Wer Beeren- oder Aprikosen-Konfitüre schon immer „Marmelade" nennt, liegt damit jetzt auch offiziell richtig. Bisher war der Begriff streng genommen Zubereitungen aus Zitrusfrüchten vorbehalten. Nun darf auch bei anderen Fruchtarten „Marmelade" auf dem Etikett stehen – dank Änderungen der „EU-Frühstücksrichtlinien" und der deutschen Konfitüren-Verordnung. Diese fordern nun auch einen höheren Fruchtgehalt: mindestens 450 Gramm Frucht je Kilogramm, bei der Bezeichnung „Extra" sogar 500 Gramm.

EU-Frühstücksrichtlinien, herrlich! Ganz streng genommen dürfte sich "Marmelade" ja nur auf Zubereitungen aus Quitten beziehen. Wie dem auch sei, mir soll recht sein, was die Frühstücksdirektoren in Brüssel entscheiden. Verstehe ich das richtig: Was "Marmelade" heißen darf, ist nun gleichzeitig lockerer und strenger reglementiert? Auf die Frucht kommt es nicht an, wohl aber auf den Fruchtanteil. Nicht geregelt ist laut Stiftung Warentest übrigens die Produktbezeichnung "Fruchtaufstrich", "mitunter" sei dabei "besonders viel Frucht enthalten".

Freitag, 8. Mai 2026

Ende (Te)gut?

Ich werde sie vermissen, die Supermarktkette Tegut, die sich in nur fünf deutschen Bundesländern verbreitet hat, mit den meisten Filialen in Hessen. Wie in den letzten Wochen bekannt wurde, zieht sich der Schweizer Mutterkonzern Migros zurück, Rewe und Edeka rücken nach, indem sie sich ganze "Pakete" sichern. Und ein mir bis vor kurzem noch gar nicht bekannter Player hat die Bühne betreten! Der Betreiber "Tante Enso" will in Hessen bis zu 36 Teguts (Tegüter?) übernehmen. Das Konzept dieses Mini-Marktes ist ein hybrides: Man kann rund um die Uhr ("vierundzwanzig-sieben", wie man heutzutage leider immer öfter hört) darin einkaufen, zu bestimmten Zeiten kassieren dort aber echte Menschen ab. Tegut hatte ja zuletzt etwas Ähnliches etabliert: kleine, das Nötigste zu leicht erhöhten Preisen führende Buden namens "teo" ("Dein digitales Einkaufserlebnis"), wo man sich selbst am Sonntag versorgen konnte, was eine Zeitlang die hessischen Gerichte beschäftigte. Am Hanauer Hauptbahnhof habe ich so ein Lädchen zum ersten Mal gesehen. I for one welcome our Enso overlords. Dennoch wird mir Tegut, wie gesagt, fehlen. Generell war es dort etwas teurer, aber jede Woche gab es zwei, drei Angebote, die preislich schlicht unschlagbar waren. Und wo bekomme ich künftig die gute Reichenhof-Mitternachtssuppe her?

Dienstag, 5. Mai 2026

Wort des Tages

Kokushobi (japanisch): "Es lässt sich mit 'brutal heiß' übersetzen und soll in Zukunft in den Nachrichten verwendet werden, wenn draußen mehr als 40 Grad herrschen, wie die japanische Wetterbehörde im April bekannt gegeben hat." (Süddeutsche Zeitung)

Bleibt zu hoffen, dass in mehr oder weniger naher Zukunft nicht noch ein weiteres Prädikat eingeführt werden muss, weil kokushobi das "neue Normal" geworden ist.

Dienstag, 28. April 2026

Neues Altes (Februar-April '26 + Nachtrag)

  • [nachgereicht] Forscher finden mögliches Massengrab von Pestopfern in Thüringen (n-tv.de, 13. Januar) "Durch Auswertung historischer Quellen, geophysikalische Messungen und Sedimentbohrungen konnte ein Expertenteam nun ein Massengrab identifizieren, das den beschriebenen Pestgruben aus dem 14. Jahrhundert entspricht. Endgültige Klarheit soll eine archäologische Grabung bringen."
  • Waren die ältesten Kunstwerke Europas beschriftet? (Spektrum.de, 24. Februar) Untersucht wurden die Linien, Kreuze und Punkte auf 260 "Objekten der Altsteinzeit, die zwischen 43 000 und 34 000 Jahre alt sind – darunter [ein Elfenbeinmammut], der rätselhafte Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel, Knochen- und Elfenbeinflöten bis hin zu weniger bekannten Werkzeugen". Die Eigenschaften dieser Muster, "beispielsweise wie verschiedenartig die Zeichen gestaltet sind oder wie sie sich wiederholen", wurden "mit denen anderer, jüngerer Zeichensysteme, darunter auch moderner Schrift" verglichen und seien von der Komplexität her tatsächlich der sog. Protokeilschrift nicht unähnlich. (Anm. d. Bloggers: Ich warne vor voreiligen Schlüssen und würde tunlichst davon abraten, von einer "Schrift" zu sprechen.)
  • 2,000-year-old inscriptions found in Valley of the Kings offer fresh insight into Indian presence in Ancient Egypt (The Art Newspaper, 25. Februar, englisch) Im 1. bis 3. Jh. n. Chr. haben Menschen aus Indien nachweislich Austausch mit Ägypten und Griechenland gehabt. Händler hinterließen im Tal der Könige Graffiti in vier verschiedenen Sprachen und Schriften Indiens. Die Mehrheit der knapp 30 Inschriften, die sich auf sechs Gräber verteilen, wurde in der Tamil-Brahmi-Schrift verfasst. "[A]lthough archaeologists knew of an Indian presence on the Red Sea coast of Egypt during the later Roman era [...] 'until this discovery we never had any solid proof of visitors from India to the Nile Valley in this early period'."
  • Wer waren die toten »Sänger des Amun«? ("Spiegel online", 3. März) Dieser Titel taucht auf mehreren der 22 bemalten und verzierten Holzsarkophage auf, die – samt unversehrten Mumien – in Theben freigelegt wurden. In der rechteckigen Grabkammer aus der Dritten Zwischenzeit (1075 bis 652 v. Chr.) lagen zudem Keramikgefäße, "die vermutlich Materialien enthielten, die während des Mumifizierungsprozesses verwendet wurden".
  • Mehr als 43.000 beschriftete Tonscherben in Ägypten entdeckt (Stuttgarter Nachrichten, 13. März) Der Rekordfund aus dem Komplex Athribis gibt beredtes Zeugnis über die Sozialgeschichte der Nilregion. Die Ostraka enthalten "Steuerlisten und Lieferungen, daneben kurze Mitteilungen über alltägliche Abläufe, Übungen von Schülern, religiöse Texte und priesterliche Bescheinigungen über die Qualität von Opfertieren". Die ältesten Texte (aus dem 3. Jh. v. Chr.) liegen dabei in demotischer Schrift vor, die jüngsten (9.-11. Jh. n. Chr.) in arabischer, hinzu kommen viele griechische Inschriften sowie Texte in koptischer und hieratischer Schrift und in ägyptischen Hieroglyphen.
  • When did humans arrive in the Americas? A new study reignites the debate (National Geographic, 19. März, englisch) Die südchilenische Stätte Monte Verde ist neueren Untersuchen zufolge womöglich nur weniger als 8000 Jahre alt, nicht, wie nach ihrer Entdeckung in den 1970ern angenommen, 14.500 Jahre. Damals wurde mittels der Radiocarbonmethode Holz datiert – das sich jedoch ursprünglich nicht in Monte Verde befunden haben, sondern durch Erosionsprozesse von anderswo dorthin gelangt sein könnte. "The difference between a site being 13,000, 14,500, or 21,000 years old is significant because it raises other questions about how early humans arrived. Monte Verde prompted archaeologists to look for explanations as to how people could get to the Americas before the emergence of an ice-free corridor in Canada that only arose near the end of the last Ice Age, around 13,800 years ago."
  • Wurde Pompeji mit einem antiken Maschinengewehr angegriffen? ("Spiegel online", 22. März) Dies könnte zumindest die Erklärung für viereckige, fächerförmig angeordnete Einschusslöcher in den nördlichen Stadtmauern sein. "Um zu überprüfen, ob sie damit richtig lagen, verglichen die Forscherinnen die digitalen Messdaten mit griechischen Ingenieurszeichnungen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, die die Mechanik eines Polybolos beschreiben."
  • Überreste von Musketier D'Artagnan entdeckt? (Tagesschau, 26. März) "Bei einer Reparatur der Sint-Petrus-en-Pauluskirche in Maastrichter Stadtteil Wolder im Süden der Niederlande wurde das Grab entdeckt", genauer: unter dem Altar, wo i.d.R. "[n]ur königliche oder andere wichtige Personen" begraben wurden. "Auch eine Kugel sei bei den Rippen gefunden worden und eine französische Münze." Ein DNA-Abgleich mit einem Nachfahren des berühmten Anführers der Leibwache Ludwigs XIV. soll in ein paar Wochen Klarheit schaffen.
  • Hügelgräber bei Ausgrabungen in Laußnitzer Heide entdeckt (n-tv.de, 26. März) "Die Grabungen erfolgten vor der Erschließung neuer Abbauflächen durch das Kieswerk Ottendorf-Okrilla." Von den zehn schnurkeramischen Gräbern aus der Zeit zwischen 2750 und 2200 v. Chr. seien neun "ungestört und mit reichen Grabbeigaben ausgestattet" gewesen.
  • Archäologie enthüllt: Alexandria am Tigris war größer als gedacht (Berliner Morgenpost, 26. März) Nach einer Neuverortung mit modernen geophysikalischen Methoden und unter Zuhilfenahme von Drohnenaufnahmen kommt ein internationales Forschungsteam zu dem Schluss, dass die ein halbes Jahrtausend lang höchst bedeutende Stadt im heutigen Irak, unweit der Grenze zum Iran, eine hochkomplexe Metropole war, die es mit ihrer Namensvetterin am Nil aufnehmen konnte.
  • Römische Bootsladung vom Grund des Neuenburgersees gehoben (SRF, 26. März) Die exzellent erhaltenen Gegenstände – Schwerter, Gefäße, Werkzeuge – aus dem Gewässer im Kanton Neuenburg befanden sich wohl an Bord eines im ersten nachchristlichen Jahrhundert gesunkenen zivilen Handelsschiffs und zeugen "von der Nutzung eines dualen Transportsystems, das Land- und Wasserwege miteinander verband".
  • Als Neandertaler einen Elefanten schlachteten ("Spiegel online", 27. März) Bereits 1948 wurden im niedersächsischen Lehringen die ca. 125.000 Jahre alten Überreste eines Waldelefanten entdeckt, dem "ein augenscheinlich von Menschenhand geformter, etwa 2,4 Meter langer Holzstab" zwischen den Knochen steckte. "Nun geben neue Untersuchungen Gewissheit: Der etwa 30 Jahre alte Elefantenbulle wurde höchstwahrscheinlich von Neandertalern getötet, berichtet ein Forschungsteam". Das Tier war zudem noch am Ort des Erlegens ausgenommen und zerteilt worden.
  • Fragmente von Homers »Ilias« in Mumie entdeckt ("Spiegel online", 22. April) Im heutigen ägyptischen Al-Bahnasa, dem antiken Oxyrhynchos, wo bereits "viele beeindruckende Gegenstände aus der griechisch-römischen und byzantinischen Zeit gefunden [wurden], darunter Tausende Papyri", wurde im Inneren einer Mumie aus römischer Zeit ein Papyrus mit Versen aus dem zweiten Buch des Epos aufgespürt.

Donnerstag, 9. April 2026

Eiland in Sicht!

Dass ich das noch erlebe: dass im Jahr 2026 die Entdeckung einer neuen Insel bekanntgegeben wird! Genau das ist diese Woche geschehen. Auf das Eiland gestoßen ist der deutsche Brecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) im Weddellmeer. Die nach ersten, durch Drohnenaufnahmen gewonnenen Erkenntnissen circa 130 Meter lange, 50 Meter breite und etwa 16 Meter aus dem Wasser ragende Insel war "zuvor auf den vorhandenen Seekarten lediglich als Gefahrenzone verzeichnet", wie es in der Pressemitteilung des AWI heißt. "Da es keine offizielle internationale namentliche Eintragung der Insel gibt, gilt es jetzt, den Benennungsprozess für eine solche Entdeckung zu durchlaufen." Danach kann sie in internationalen Seekarten eingezeichnet werden und hoffentlich auch bald in Google Maps erscheinen. Einer bestimmten Nation darf sie gemäß Antarktis-Vertrag nicht zugeschlagen werden.

Persönliche Randbemerkung: Eine ehemalige Mitschülerin von mir arbeitet als Geochemikerin beim AWI. Ob sie wohl Teil des 53-köpfigen Forschungsteams der Polarstern ist, die neue Insel womöglich sogar irgendwann betreten darf?

Dienstag, 24. Februar 2026

Neues Altes (November '25 - Februar '26)

  • Das steckt hinter dem "Band der Löcher" in Peru (geo.de, 11. November) Auf einem Bergkamm am Monte Sierpe ("Schlangenberg") am Fuß der Anden befindet sich ein 1,5 km langes Band aus 5.200 präzise angeordneten Löchern, das lange Zeit Anlass für vielfältige Spekulationen war. Ein internationales Forschungsteam geht nun davon aus, "dass Monte Sierpe anfangs - zur Zeit des Chincha-Reiches (etwa 1000 bis 1400 nach Christus) - als Marktplatz zum Tausch von Handelsgütern diente. Dies sei möglicherweise mit gemeinschaftlichen rituellen Feiern verbunden gewesen". Neben der Segmentierung der Löcher waren vor allem die organischen Rückstände darin auffällig: "Am prominentesten waren Spuren von Mais, der im fruchtbaren Pisco-Tal schon vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert kultiviert wurde."
  • Hinweise auf geheimen Pyramiden-Eingang (Tagesschau, 16. November) Mit den Methoden des Ultraschalls, des Georadars und der elektrischen Widerstandstomographie konnte die schon länger kursierende Theorie eines weiteren Eingangs zur Mykerinos-Pyramide bestätigt werden. Der Hohlraum dahinter ist verhältnismäßig groß, dient(e) aber wohl vorrangig statischen Zwecken.
  • Sensationsfund in Frankfurt – 2000 Jahre altes Römerlager entdeckt (Frankfurter Neue Presse, 28. November) Bei Grabungen im Bolongarogarten in Frankfurt-Höchst wurden Reste eines festen Lagers aus augusteischer Zeit freigelegt, mithin Spuren einer deutlich älteren römischen Besiedlung als jene der Stadt Nida, die unter Kaiser Vespasian fiel und somit frühestens 70 n. Chr. begann.
  • Der Neandertaler: Hatten Frühmenschen schon vor 400.000 Jahren Feuer? (National Geographic, 5. Januar) "Am Fundplatz East Farm in England traten bei jüngsten Grabungen gerötete Schluffschichten zutage, von Hitze verzogene Feuerstein-Handäxte und Fragmente eines Minerals – Eisenpyrit –, das als Funkengeber auf Zunder gedient haben könnte. Zusammen deuten diese Funde darauf hin, dass eine frühe Gruppe von Neandertalern dort vor etwa 400.000 Jahren wiederholt Feuer in einer Herdstelle entfachte", was darauf hindeuten könnte, "dass Neandertaler die Kontrolle über das Feuer unabhängig von frühen modernen Menschen entwickelten [...] – auch wenn nicht auszuschließen ist, dass das Pyrit von Homo heidelbergensis stammt".
  • Giftpfeile aus der Steinzeit gefunden (Tagesschau, 8. Januar) Schon vor 60.000 Jahren haben Menschen ihre Waffen mit Pflanzengift präpariert. Das legen in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal gefundene Pfeil- oder Messerspitzen aus Quarz nahe, an denen Rückstände des Saftes der Giftzwiebel hafteten, eines auch als Gifbol bekannten Gewächses, das "bis heute sowohl als traditionelles Heilmittel als auch für die Herstellung von Gift genutzt" wird.
  • Reste von römischen Lagern in Sachsen-Anhalt entdeckt (mdr.de, 15. Januar) Dass römische Legionen bis an die Elbe vorgedrungen sind, war bislang nur aus historischen Quellen überliefert. Nun liegen handfeste Beweise in Gestalt der Reste dreier Marschlager im heutigen Sachsen-Anhalt vor. "Dass es sich um römische Anlagen handelt, belegen auch gefundene Fragmente von Gewandnadeln und Münzen. [...] Landesarchäologe Meller geht davon aus, dass die Lager aus der Zeit von Caracalla stammen. [...] Den Angaben zufolge belegen auch Radiokarbon-Untersuchungen, dass die Anlagen zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus angelegt wurden."
  • Vitruvs Basilika nach Jahrhunderten der Suche in Fano entdeckt (Der Standard, 21. Januar) "Die Basilika von Fanum Fortunae, dem antiken Fano [in Mittelitalien], ist das einzige Bauwerk, das Vitruv in seiner überlieferten Schrift De architectura ausdrücklich erwähnt." Jetzt wurde das öffentliche Bauwerk unter der Piazza Andrea Costa im Rahmen von Umgestaltungsmaßnahmen freigelegt und kann aufgrund exakter Übereinstimmung mit den schriftlichen Beschreibungen eindeutig dem "Vater der Architektur" zugeschrieben werden. "Als Hinweise auf vier Säulen auftauchten, nutzten die Forschenden Vitruvs Text, um zu berechnen, wo sich eine Ecksäule befinden müsste – und bei der anschließenden Grabung kam die Säule tatsächlich genau an der berechneten Stelle zum Vorschein."
  • Höhlenbild in Indonesien bricht Altersrekord (Spektrum.de, 21. Januar) "Es handelt sich um ein kaum sichtbares Handnegativ, das Menschen vor mindestens 67 800 Jahren mit dem Mund an eine Höhlenwand auf der Insel Muna gesprüht hatten. Damit ist es etwa 16 600 Jahre älter als der bisherige Rekordhalter, ein Felsbild, das sich auf der größeren Nachbarinsel Sulawesi befindet." Der Abdruck untermauere den archäologischn Befund, dass der Homo sapiens auf dem Weg nach Australien vor rund 65.000 Jahren die sog. Wallace-Linie, einen tiefen Meeresgraben, via die Borneo-Sulawesi-Route überquert hat.
  • 300 neue Inschriften aus Pompeji offenbaren das Leben der Antike ("Focus online", 22. Januar) Ausgegraben wurde der Durchgang im Theaterbezirk bereits vor über 200 Jahren, doch erst jetzt hat das moderne Verfahren Reflectance Transformation Imaging Zeugnisse der informellen Alltagskommunikation wie Liebesbotschaften zutage gefördert.
  • Forscher machen 1.400 Jahre alten Sensationsfund (t-online, 24. Januar) Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca wurde ein gut erhaltenes Grab der zapotekischen Kultur entdeckt, welche zwischen 300 und 900 n. Chr. ihre Hoch-Zeit erlebte. Die Grabkammer und ihr Vorraum beeindrucken mit Inschriften, Friesen und farbenfrohen Wandmalereien, die zum Teil lebhafte Einblicke in die (Bestattungs-)Kultur im Süden Mexikos bieten.
  • Chemikerin löst Legionen-Rätsel: Überraschender Fund in Kalkriese (WAZ, 29. Januar) "Mithilfe der Analyse von Buntmetallen identifizierte sie die 19. römische Legion zweifelsfrei in Kalkriese. Diese gehört laut historischen Quellen zu den drei Einheiten, die in der Varusschlacht vernichtet wurden." Könnte dies ein entscheidendes Puzzlestück in der Streitfrage um den tatsächlichen Schauplatz der römisch-germanischen Schlacht sein?
  • Taucher entdecken antikes Schiffswrack vor Italiens Küste ("Spiegel online", 4. Februar) Auf dem Meeresgrund vor der apulischen Stadt Gallipoli hat die Finanzpolizei bereits im Juni 2025 Überreste eines römischen Frachters aus dem 4. Jahrhundert entdeckt. Beladen mit mehreren Amphoren voller Garum, war das Schiff wahrscheinlich von Nordafrika aus gestartet.
  • Antike chinesische Hochkultur endete wohl mit Überschwemmungen ("Spiegel online", 9. Februar) Der Untergang der vor 4600 Jahren ihre Blütezeit bildenden Shijiahe-Kultur (mittlere Region des Jangtsekiang) und ihr anschließendes Zerstreuen war lange Zeit ein Rätsel. Anhand eines an Stalagmitenbildung ablesbaren "Regenarchivs" konnte nun rekonstruiert werden, "dass das Tal drei Perioden mit geringen Niederschlägen [...] und zwei Perioden mit hohen Niederschlägen [...] erlebte, die 80 bis 140 Jahre dauerten. [...] Der Rückgang archäologischer Funde ab dieser Zeit deutet auf einen deutlichen Bevölkerungsrückgang hin, der über Jahrhunderte anhielt."
  • Fund in Köln aus der Römerzeit ist einzigartig für Nordeuropa ("Spiegel online", 11. Februar) Ein römischer Hausaltar (ein Lararium) "wurde im Bereich des alten römischen Statthalterpalastes, des Praetoriums, gefunden". Eine Seltenheit, zumal im Innern "noch Reste der Bemalung" sowie Löcher von Nägeln, an denen Girlanden gehangen haben könnten, erkennbar sind. "Die Ausgräber stießen zudem auf eine Treppe aus dem 1. Jahrhundert."
  • Zum Schluss keine Nachricht, sondern ein Online-Tool, auf das die Deutsche Welle aufmerksam macht: Hinter itiner-e verbirgt sich eine interaktive Straßenkarte des Römischen Reiches. "299.000 Kilometer Wege, die durch vier Millionen Quadratkilometer verlaufen, wurden digital rekonstruiert".

Dienstag, 17. Februar 2026

Menschheit gerettet?

Nur selten geht es in diesem Blog um Aktuelles, und das ist auch gut so. Ausnahmsweise möchte ich aber festhalten, welche Debatte seit ein paar Tagen die deutsche Gesellschaft mit am heftigsten bewegt. Es geht um die Frage: Brauchen wir eine Altersbeschränkung bei der Nutzung sozialer Medien? Australien hat vor kurzem ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren eingeführt; könnte/sollte das ein globales Vorbild sein? Aufklärungskampagnen, Bildschirmzeitbegrenzungen, Verhaltensregeln und die Überwachung durch Eltern und Lehrkräfte haben ja offensichtlich nicht gefruchtet: Der Nachwuchs ist – überspitzt formuliert – verroht, verblödet, verhaltensauffällig sowie permanent Gefahren für Leib, Leben und Seele ausgesetzt.

Wie so oft hinkt die praktische Umsetzung dem theoretischen Ansinnen hinterher: "Noch sei es jedoch zu früh, um zu sagen, ob die Plattformen die Vorschriften vollständig einhalten, betonte die Leiterin der australischen Behörde für Sicherheit im Internet, Julie Inman Grant. Denn den Unternehmen ist es selbst überlassen, wie sie das Alter der Nutzerinnen und Nutzer überprüfen, etwa über die Auswertung von Nutzerdaten, über hochgeladene Fotos oder eine verpflichtende Vorlage eines Ausweises." (tagesschau.de) Und: "In der Realität haben viele Teenager aber Wege gefunden, an der Sperre vorbeizukommen." (tagesspiegel.de) Doch immerhin ist ein erster Schritt getan. Die EU erwägt seit einer Weile Vergleichbares, und auch in Deutschland erheben sich diesbezüglich immer mehr Stimmen aus der Politik. Ein Positionspapier der SPD etwa fordert ein vollständiges Social-Media-Tabu für Kinder bis 14 Jahren und darüber hinaus: "Für Jugendliche bis 16 Jahre soll eine verpflichtende Jugendversion der Plattformen gelten. Diese Jugendversion soll bestimmte Anforderungen erfüllen. Algorithmisch gesteuert[e] Feeds und Empfehlungssysteme solle es für diese Altersgruppe nicht geben und auch keine personalisierte Inhalteausspielung. Zudem sollen suchtverstärkende Funktionen wie Endlos-Scrollen, automatisches Abspielen von Inhalten, Push-Benachrichtigungen, Gamifizierung oder Belohnungssysteme auf Grundlage intensiver oder dauerhafter Nutzung unterbunden werden." Da käme ein ordentlicher Brocken Arbeit auf Meta & Co. zu.

Nun, warten wir's ab. Mag sein, dass wir in fünf Jahren diesen Beitrag lesen und mit Leichenbittermiene ausrufen: "Oh Mann, wir waren damals tatsächlich kurz davor, eine Social-Media-Schranke für Kids einzuführen ... Alles hätte sich zum Guten wenden können!" Oder aber eine solche Maßnahme wird längst umgesetzt worden sein, und wir sagen: "Ach guck, so fing das also an im Jahre 2026!" Meine Meinung? Soziale Medien komplett abschaffen!

Sonntag, 11. Januar 2026

Fotos, Ausrisse, Screenshots, launig kommentiert

Dialektik im Bücherschrank
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Die Qual der Wahl
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So was sieht man auch nicht mehr im öffentlichen Raum.
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Diese Perverslinge!
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Diesen Schnapper habe ich leider verpasst.
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Körperwelten-Ripoffs im Jahr 2025 sind objektiv camp.
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Zum Glück haben sie für ihr Logo kein großes i verwendet.
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Ehrlich gesagt koordiniere ich null meiner Arme mit Saugnäpfen.
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Ich fänd's lustig, wenn dieser Preis aus Eisen bestünde.
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Als Ossi denke ich bei "Neubauten" immer noch zuerst an Plattenbauten und dass die ja eigentlich die letzten bezahlbaren Wohneinheiten sind.
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Wer hat dir denn in den

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"Alter-Falter-Straße" hätte ich schöner gefunden.
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Hiroshima ist vergeben.
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Im Epstein-Express
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Has science gone too far?
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Und dann hatte ich in der Galerie meines Telefons noch dieses Foto von einem Zeitumstellungsexperten, der aussieht wie eine Kreuzung aus Gordon Ramsay und Stefan Effenberg.