Bei "Jeopardy!" habe ich gelernt, dass man neuerdings nicht mehr von "UFOs" (unidentified flying objects) spricht, sondern von "UAPs". UAP ist die Abkürzung von "unidentified aerial phenomenon", wobei das A auch für "anomalous" stehen kann. Diese Neuerung unterläuft natürlich das Prinzip der Sprachökonomie: Die Artikulation der Buchstabenfolge UAP dauert drei Silben, während man "UFO" (im Deutschen immer, im Englischen wahlweise) als Akronym im engeren Sinne aussprechen kann.
Donnerstag, 8. Februar 2024
Acronym of the week
Samstag, 26. August 2023
Wir begrüßen die neuen Schwellenländer!
Die BRICS-Gruppe hat beschlossen, zum Jahresbeginn 2024 sechs weitere Staaten aufzunehmen. Das ging diese Woche nach dem Gipfeltreffen in Johannesburg durch die Medien. Ich erinnere mich noch daran, wie das ursprüngliche "BRIC" zu "BRICS" wurde, als Südafrika dazukam, und dachte: 'Na, das ist doch eine geschickte Erweiterung des Akronyms.' Ab nächstem Jahr soll die Vereinigung allerdings "BRICS plus" heißen. Schade. Man hätte, finde ich, auch die (englischen) Anfangsbuchstaben der Neumitglieder inkorporieren sollen: A für Argentinien, E für Ägypten, E für Äthiopien, I für den Iran, S für Saudi-Arabien und U für die Vereinigten Arabischen Emirate. Aus diesen elf Buchstaben ließen sich etliche sprechbare Abkürzungen bilden. Ein von mir willkürlich gewählter Anagramm-Generator schlägt u.a. vor:
- BASIECRUISE
- ICE AIRBUSES
- BEAU CRISSIE
- ASCII-EREBUS*
- BICAUSERIES
- SIBERIACUES
und mein Favorit, am besten mit Komma und Ausrufezeichen:
- BECAUSE, IRIS!
* Wie sprecht ihr eigentlich "ASCII" aus? Ich so: "Aas-kii".
Freitag, 20. Januar 2023
Jahrmarkt der Eitelplatten
Das Department of Motor Vehicles (DMV) von Missouri, also die Kfz-Zulassungsstelle, die, wie ich soeben lernte, in jenem Staat Department of Revenue heißt, hat im vergangenen Jahr 471 Anträge auf individuelle Nummernschilder (sog. vanity plates) abgelehnt. Die vollständige Liste hat die Behörde, wie etliche US-amerikanische Medien verbreiteten, als Tabelle auf Google Docs zur Einsicht bereitgestellt.
Das Dokument wird irgendwann bestimmt nicht mehr verfügbar sein, weswegen ich einige der verbotenen Kürzel hier aufführen möchte. Einen alarmierend großen Teil machen solche Kennzeichen aus, die den amtierenden Präsidenten diffamieren: Variationen von "Fuck Joe Biden" (FJ0BDN, FJB, FKJ0, FUCJB, FKJBDN, FJB24, FUJB46, 46FJB, FJB01, FJB01K, FJB46X, FJBLFG, FKAJ0B, FKBDEN, FKBYDN usw. [die 46 steht für den 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten]) bzw. der gern in Stadien skandierten Chiffre "Let's go, Brandon" (LGBN0W, LGBNDN, LGB03). Häufig findet man natürlich reine Obszönitäten: CUM4ME, BU55YY, C0X4ME, WANKR, E4TA5S, B00BYZ, M1NGE und einiges mehr. Das DMV geht dabei ziemlich streng vor und verbietet zum Beispiel auch scheinbar Unverfängliches wie EATVAG oder Q0Q (cock?). Klar: Wenn ein Auto mit "FREEAF" an einer Grundschule vorbeirolltt und die Kinder wissen wollen, wofür "AF" steht (nämlich "as fuck"), kann das für anwesende Lehrkräfte unangenehm werden. Auch in Sachen Gewaltverherrlichung und Volksverhetzung kennen die Beamten keinen Spaß: KLLERS, MURD3R, XKXKXK (KKK!) wurden ebenso abgeschmettert wie ALLCAB, GULAG oder FKPUTN. Insgesamt scheint man in Missouri ziemlich auf Zack zu sein. Beschäftigt man dort eigens jemanden, der sich mit Slang und Jugendsprache auskennt? Schließlich sind sogar Kürzel wie PUNAN1, HENT1A, WAP11, SUSAF, FNL0ST und TH0RNY ("Thorny: To be horny and thirsty at the same time"; Urban Dictionary) auf dem Index gelandet. Diese dürften für viele am Straßenverkehr Teilnehmende doch völlig unverständlich sein! So wie für mich u.a. folgende: 1032GT, AHEG0, EFF0FF, Q7EENB. Hä???
Wie ist eigentlich die Situation in Deutschland? Ich entsinne mich einer Meldung aus Hessen, nach der angedacht worden sei, das Kürzel IS ("Islamischer Staat") als Teil von Kfz-Kennzeichen nicht mehr zu vergeben. Ah, ich habe sie wiedergefunden! Die FAZ schrieb im April 2016: "In der Landeshauptstadt Wiesbaden gibt es keine Pläne, Autokennzeichen mit dem Buchstabenpaar nicht mehr zu vergeben. [...] Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Wiesbaden regelt ein Erlass, welche Lettern auf Nummernschildern hessenweit tabu sind. Auf Landesebene seien derzeit aber keine weiteren Verbote geplant, sagte ein Sprecher. Dem Erlass zufolge sind nicht erlaubt: NS (Nationalsozialismus), SS (Schutzstaffel), SA (Sturmabteilung), SD (Sicherheitsdienst), KZ (Konzentrationslager) und HJ (Hitlerjugend)". In Frankfurt ist "F-IS" bis heute erlaubt. In den meisten Fällen, zitiert das Blatt einen Kreissprecher, "hatte die Kennzeichen-Wahl eher mit den Namensinitialen der Zulassenden zu tun." Ja, das setze ich auch jedes Mal in dubio pro reo voraus, wenn ich Berliner Autos sehe, die mit "B-DS" oder "B-DM" durch die Gegend fahren.
Montag, 21. Februar 2022
Kleiner Buchstabe, große Wirkung
Ich habe letzte Woche zufällig gelernt, dass das Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit, Kurztitel "Arbeitsschutzgesetz", so abgekürzt wird: ArbSchG. Da muss man den Gesetzgeber auch mal loben! Er hätte das kleine -b- in Arbeit ja auch weglassen können. Tagtäglich wäre in deutschen Amtsstuben, Gerichtssälen, Krankenhäusern, Fabriken und anderen von Professionalität und Seriosität geprägten Orten, wo dieses Gesetzbuch rumsteht, schallendes Gelächter zu vernehmen.
Mittwoch, 23. Juni 2021
Unbekannte Sprachobjekte
"Man lernt nie aus", die Parole meines Lebens! In einer Ausgabe des "Omnibus"-Podcasts hörte ich zum ersten Mal – und zwar gleich zweimal – einen Amerikaner das Wort UFO als echtes Akronym aussprechen: "jufo" statt "ju-ef-oh". Zur Erklärung: Im Englischen wird mit acronym generalisierend jede Form der Initialkürzung bezeichnet, während in der deutschsprachigen Linguistik ein Akronym eine (Anfangs-)Buchstaben- oder Silbenkürzung ist, die wie ein "richtiges" Wort ausgesprochen wird. Beispiel: NASA gilt als echtes Akronym, NSA als Buchstabenkurzwort. Das ist zumindest die Unterscheidung, an die ich mich mit H. Bußmann u.a. halte. Die Definitionen gehen allerdings sowohl im Englischen als auch im Deutschen wild durcheinander. Das Wort UFO nun (aus "unidentifiziertes Flugobjekt") wird im Deutschen grundsätzlich "Ufo" ausgesprochen, weshalb diese Schreibung, mit kleinem f und kleinem o, auch gestattet und verbreitet ist. Kein Mensch sagt "Uh-ef-oh". Englisch sprechende Menschen hingegen habe ich bisher immer nur "ju-ef-oh" sagen hören, weshalb ich dachte, allein die Buchstabenaussprache sei zulässig. Nach dem Hören der mir seltsam, ja verboten erscheinenden Variante des "Omnibus"-Co-Moderators konsultierte ich Merriam-Webster, und siehe!, beides ist möglich:
Mittwoch, 3. Juli 2019
Wort des Monats: "vuca"
Weil die digitale Transformation alle Branchen trifft, probieren die Unternehmen andere Organisationsformen aus. Konzerne sollen innovativer werden, Teams agiler auftreten, Produkte schneller auf den Markt kommen. Schon seit einigen Jahren geistert der Begriff "vuca" herum – eine englische Abkürzung für eine Welt, die volatil (volatile), unsicher (uncertain), komplex (complex) und vieldeutig (ambiguous) ist. Er stammt aus dem Militär, das sich in Zeiten von Cyberattacken und asymmetrischer Kriegsführung mit einer völlig veränderten Bedrohungslage auseinandersetzen muss. Militär und Unternehmen stehen, so betrachtet, vor ähnlichen Aufgaben.Dass dieses interessante Kurzwort in meinen aktiven Wortschatz, zu dem nicht mal das Adjektiv "volatil" gehört, Einzug halten wird, bezweifle ich. Aber dass militärische und Unternehmensführung strukturell ähnlich sind und schon immer waren, leuchtet mir ein. Und überhaupt: Ist nicht die ganze Welt extrem vuca geworden?
(FAZ, 22.6.2019)
Mittwoch, 29. August 2018
Taxi ins Gruseltal
"Alita" ist zufällig auch der Name der Hauptfigur eines Mangas, der jüngst von Robert Rodriguez verfilmt wurde. Den Trailer von "Alita: Battle Angel", der im Dezember dieses Jahres anläuft, habe ich gestern gesehen ... und ich war sofort abgeschreckt. Bei allem Gespür für visionäre Stoffe, das man James Cameron (Co-Produzent und Co-Autor) zugestehen muss, sage ich voraus, dass dieser Film hinter den kommerziellen Erwartungen zurückbleiben wird. Der Grund: Uncanny Valley, und zwar in kaum gekannten Ausmaßen. Man mag das Cyborgmädchen keine zwei Sekunden anschauen! Ich bin natürlich nicht der Erste mit derartigen Bedenken. In der Tat scheint es nach Veröffentlichung des ersten Teaser-Trailers ein Neudesign der Figur gegeben zu haben, nachdem etliche Fans ihre Verstörtheit bekundet hatten; zumindest kursieren aussagekräftige Vergleichsfotos aus den ersten und neueren Szenen ("[Comicbook.com-Autor] Bishop notes that Alita's face seems 'less squat; longer and less wide,' while ComicBook and PopCulture Editor-in-Chief Dallas Jackson notes that it's more than just a rework of her eyes with the lightning on her face, and the background, completely changing from before."). Es war also vorher noch unheimlicher!?!? Nun, ich bin gespannt. Mehr hier und hier.
Freitag, 11. November 2016
Das Sch-Wort
Nämlich in einer Parallelwelt, die so stocksteif-staubig-schnarchig ist, dass selbst die neutralste Bezeichnung des Geschlechtsaktes abgekürzt werden muss. Man sollte die Bewohner dieser Streiflicht-Welt besser nicht mit dem "F-Wort" konfrontieren. Oder "hat man sich in der Gesellschaft darauf verständigt", dass das "F" für "Fortpflanzung" steht? Huiuiui ...
Mittwoch, 8. Oktober 2014
Mittwoch, 25. September 2013
Eine Partei unter der LUPe
Das Parteienkürzel LUPe dürfte das, sorry: beknackteste Parteienkürzel aller Zeiten sein. Es steht für "Lärmfolter Umwelt Politik ehrlich". Super. Da hat man einfach vier beliebige Schlagwörter, die auf keine Weise zusammenpassen, zu einer irgendwie bedeutungsvollen Initialkürzung aneinandergereiht. Das kann ich auch! Hiermit beantrage ich Markenschutz für folgende noch zu gründende Parteien:
- BRILLe: "Baulärm Recht Industrie. Liebe Leute, echt!"
- FoLTeR: "Flug ohne Lärm, Themen erörtern real!"
- SCHMEr-z: "SCHland Mehrheit Europa ruck-zuck"
- PEIN: "Partei Einigkeit Intoleranz Neofaschismus"
- WaHNsinn: "Wahlen: alles Hohn? Na, soweit ist's noch nicht!"
Reicht, oder?
Sonntag, 15. September 2013
Basteln mit Parteinamen
1) "Finncrispdose": eine Frischhaltebox für FinnCrisp
2) "Knospdrang": der Trieb einer Pflanze, zu knospen
Für FDP gibt es leider keine Vertreter. Wohl aber für AfD: "Schafdung", "Schlafdoktor", "Strafdilemma" (immerhin 7 Google-Treffer). Und für CSU? Hmmm ... "Cognacsucht"? "Ticsupport" (= Beratung für Menschen mit nervösen Zuckungen; wobei man das wohl mit Trennstrichen schreiben würde)?
Nun aber Schluss damit! Solche Spielereien erfreuen sich schließlich traditionell in der Neonazi-Szene großer Beliebhteit; das Kleiderlabel Consdaple wurde ja nur kreiert, weil darin die Buchstaben NSDAP enthalten sind.
Sonntag, 29. März 2009
Shooter
Dieser solide Actionthriller mit einem soldiden Mark Wahlberg wurde solide ins Deutsche übertragen. An zwei Stellen musste ich jedoch gehörig stutzen.
Einmal wird jemandem davon abgeraten, "im Büro" anzurufen, was in der entsprechenden Szene sehr ulkig klingt. Im Original ist hier vom Bureau die Rede, also vom Federal Bureau of Investigation. In einer anderen Szene erzählt jemand etwas von Attentaten in der Vergangenheit und erwähnt gewisse "Schützen auf dem Grashügel". Verschwörungsfans werden sofort wissen, dass hier auf den Grassy Knoll angespielt wird, also auf jenen Hügel am Dealey Plaza in Dallas, von dem aus weitere Schüsse auf JFK abgefeuert sein sollen. Für alle anderen ist diese Information völlig unverständlich / sinnlos.
Man sollte sich als Synchronstudio überlegen, wie viel Wissen über amerikanische Politik man dem deutschen Publikum zutrauen kann. Klar, durch CSI-Serien u. ä. kennt man schon die wichtigsten Einrichtungen wie die NSA, Homeland Security und vielleicht sogar die IRS (Steuerbehörde) und das ATF (Alcohol, Tobacco and Firearms). Aber wenn mehrere solcher Abkürzungen - und dazu noch exotische wie DOE (Department of Energy) - in einem Film vorkommen, verliert man irgendwann die Übersicht. Eine kurze Paraphrase oder auch eine Übersetzung ist dann m. M. n. besser; im letzten Fall könnte man etwa "Energiebehörde" sagen. Ganz unangebracht wäre die Wiedergabe mit deutschen Äquivalenten, wie man es in US-Krimis aus den 70ern oft hört. Andererseits fragt man sich, warum der Verteidigungsminister in 24 immer mit "Mister Secretary" statt einfach "Herr Minister" angesprochen wird. "Secret Service" sollte man aber so lassen, denn eine deutsche Entsprechung gibt es nicht (die gab es mal, aber das ist eine andere Geschichte ...), und "Geheimdienst" wäre falsch, denn der Geheimdienst der USA ist die CIA (in Deutschland der BND). Uff, jemand müsste mal eine Liste erstellen ...


