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Sonntag, 14. Juni 2026

Edeka-Lyrik


Wo wächst Gemüse, groß wie'n Kopf?
Wo duftet es aus jedem Topf?
Wir sind gesund, wir fühl'n uns wohl.
Unsere Heimat: Blumenkohl.

Wo hat es Vitamine satt?
Wo mehrt sich Frische Blatt für Blatt?
Auch mangelt's nicht an Säure (Fol)
Im Heimatlande Blumenkohl.

Wo kocht man cremig Suppe ein?
Wo streut man Semmelbrösel fein?
Genuss ist unser Heart & Soul
Und unsre Heimat: Blumenkohl.

Wo sieht man schnöden Wirsing nie?
Wo schmäht man Lauch und Brokkoli?
Der Souverän heißt Karfiol
In unsrer Heimat Blumenkohl.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Physik-Lyrik

Merkreime zu den sieben SI-Einheiten und den dazugehörigen Basisgrößen

Kilogramm (Stoff 5. Klasse)
Ist die Einheit von der Masse.

Es gibt der Science-Veteran
Die Länge nur in Meter an.

Heilt die Zeit auch jede Wunde,
Gestoppt wird sie mit der Sekunde.

Nicht Fahrenheit, nein: Kelvin nur
Misst absolute Temp'ratur.

Gehst mit Candela du zu Werke,
Befasst du dich mit Licht-, äh: -stärke.

Es scheint obskur, doch misst man wohl
Seit je die Stoffmenge in Mol.

Bei der elektrischen Stromstär-
ke steht das A stets für Ampere.

Bevor ich mich auch noch den abgeleiteten Einheiten lyrisch widme, muss ich Laie erst mal verstehen, worum es sich bei Größen wie Energiedosis und Induktivität überhaupt handelt.

Freitag, 3. Oktober 2025

Albernes zum Wochenschluss

Merkreime zur Unterscheidung von Teigtaschen nach ihrer geographischen Herkunft

Momos schmecken nicht nur Zwergen / in Tibet und in Nepals Bergen.

Schon aus dem Dönerladen kannt' i' / die Köstlichkeit der Türken: Mantı.

Nie isst sie der Mongole pur. / Gebraten werden sie: Chuushuur.

Liest man in Japan wohl Spinoza? / Egal. Verspeisen tut man Gyōza.

Man füllt's mit Hackfleisch (auch vom Nandu?) / und nennt's auf koreanisch Mandu.

In Polen gilt es fast als Drogi: / Teigtaschen-Methadon Pierogi.

Auf "Siopao", das sag' ich Ihnen, / reimt sich mitnichten "Philippinen".

In ganz Georgien, nicht in Mali, / kennt man den Snack namens Khinkali.

Tsatsiki drauf, dazu Retsina, / na klar, Wan Tan sind typisch China!

"Was Russisches? Das ess' ich eh nie." / Wer so was sagt, kennt nicht Pelmeni.

Montag, 14. April 2025

Es graust die Sau

An nahezu jeder Rasthütte in deutschen Wäldern findet sich ein Hinweis, man möge den Platz so verlassen, wie man ihn vorzufinden wünsche, man verstaue Essens- und sonstige Reste im Rucksack und trage seinen Unrat mit nach Hause. Diese Bitten können auf mannigfache Weise erfolgen; großer Beliebtheit erfreut sich die Reimform. Bei einer Wanderung am Wochenende stießen wir auf folgendes Gedicht, das auf einer in circa 3 m Höhe an einem Baum angebrachten Tafel stand:
Ein Mensch, der aus der Stadt entfloh,
fühlt sich im Walde frei und froh
und läßt, erfüllt von diesem Glück,
hier Scherben und Papier zurück.
Ein Wildschwein schnüffelt durch den Wald
und findet die Bescherung bald.
"Ei", ruft die Sau, mir scheint hier hat,
geweilt der Vetter aus der Stadt.

Nehmen Sie Ihre Abfälle wieder mit nach Hause. Wald und Natur und die Gemeinde danken es Ihnen.
Das erscheint mir als Motivation, keinen Müll am Jausenhäusel zurückzulassen, etwas dürftig. Ein Waldbewohner erkennt, dass ein Mensch in seinem Habitat war so what? Das ist ja, als würde auf einer Klotür stehen: "Bitte nicht das Scheißhaus vollpissen, sonst denkt der nächste Benutzer: 'Aha, hier hat jemand alles vollgestrunzt.'"

Um zu unterbinden, dass ich während meiner Verschnaufpause mit Eierschalen und Keksverpackungen um mich schmeiße, müsste mir das Gedicht schon besser verdeutlichen, dass sich die Tiere von solchen Handlungen belästigt fühlen. Es würden ja schon zwei weitere Zeilen reichen, etwa:
"Dies ist nicht mehr mein Heimatforst!"
So weint die Sau, na "danke", Horst!
Oder:
Die ganze Rotte flieht den Tann.
Schäm dich, o schändlich Wandersmann!
Oder:
Die Bache seufzt: "Mein schönes Nest!
Ach, hätt' ich bloß die Schweinepest ..."
Oder:
Das Tier rutscht auf 'ner Schale aus
(Banane), jetzt liegt's tot vorm Haus.
Oder:
"Schluss!", grunzt das Schwein, "ich hab genug",
und wirft sich vor den nächsten Zug.

 

Samstag, 20. Juli 2024

Aus der Satirewerkstatt

Dieser Bericht entstand nicht nur mit Billigung, sondern nach ausdrücklicher Anregung von Michael Ziegelwagner.

In der Titanic-Redaktion ist es meine Aufgabe, die Rubrik "Das politische Gedicht" zu füllen. Dazu bestelle ich jeden Monat in der ersten oder zweiten Woche bei einem verdienten Heftlyriker meiner Wahl, i.d.R. ohne Themenvorgabe, einen knackigen Mehrzeiler; notfalls muss ich, wie im Juni geschehen, selbst zur Feder greifen.

Am 9. Juli fragte ich ebendeswegen in Wien bei M. Ziegelwagner an. Schon am Abend des 11.7. kam die Lieferung, in nicht weniger als "drei Versionen, einmal formal locker, einmal formal streng, einmal ein Kompromiß". Und so ging es:

Prinzip Hoffart

Abgesagt: Le Pens Triumphmarsch.
Abgewählt: der Tory-Staat.
Im Iran verliert der Dumpfarsch
geg’n den Mann, der moderat*).

Staunend reibt man sich die Augen:
Weil die Hoffnung Nahrung kriegt,
dass die Umfragen nicht taugen.
Dass am End’ Vernunft obsiegt.

Dass am End’ auch in Amer’ka
Rechtsstaat (Biden) triumphiert!
Und dass Trump, dieser Berserker,
am Wahltag einem Atten-
tat zum Opfer fällt, auf der 5th
Avenue angeschossen, im Staub liegengelassen, plattgetrampelt,
von einem streunenden Puma beschnuppert, geschändet, mit sechs verschiedenen venerischen Krankheiten infiziert,
nach vielen Stunden Röchelns, Kotzens, Blutverlustes,
überrollt von zwölf Dampfwalzen,
aufgeschaufelt,
von einem Trommelhäcksler zerhäckselt,
zu Viehfutter verarbeitet,
wieder herausgeschissen, als Dünger für ein Baumwollfeld verwendet
und somit als Präsident
verhindert
wird.

M.Ziegelwagner, Ernst-Bloch-Lehrstuhl für Democracy, Kalamazoo County

*) Mossad Peschesskian (oder so)
In der als formal strenger angekündigten Fassung stellte sich die dritte Strophe wie folgt dar:
Dass am End’ auch in Amer’ka 
Rechtsstaat (Biden) triumphiert! 
Und dass Trump, diesen Berserker, 
einer abknallt und ihn röchelnd  
auf der Straße liegenlässt, wo-
rauf ein tollwütiger Puma 
ihn beschnuppert, ableckt, schändet, 
und mit Dutzenden Geschlechtskrank-
heiten infiziert, wodurch die 
Sau nach vielen Stunden Leidens, 
Zeterns, Kotzens, Blutverlustes, 
überrollt von sechs Dampfwalzen, 
plattgetrampelt, aufgeschaufelt,
und von einem Trommelhäcksler 
fein zerhäckselt, als Viehfutter 
dienend, aufgefressen, ausge-
schissen, düngend ein Baumwollfeld
als Präsident 
verhin-
dert 
wird.
... während die Kompromiss-Version so auslief:
Dass am End’ auch in Amer’ka 
Rechtsstaat (Biden) triumphiert! 
Und dass Trump, diesen Berserker, 
einer abknallt und ihn röchelnd 
auf der Straße liegenlässt, worauf ein 
streunender Puma ihn be-
schnuppert, ableckt, schändet, 
und mit Dutzenden venerischen Krank-
heiten infiziert, wodurch die 
Sau nach vielen Stunden Leidens, 
Zeterns, Kotzens, Blutverlustes, 
überrollt von sechs Dampfwalzen 
plattgetrampelt, aufgeschaufelt 
und von einem Trommelhäcksler 
fein zerhäckselt, als Viehfutter 
verwendet, aufgefressen, wieder ausge-
schissen und ein Baumwollfeld düngend 
als Präsident ver-
hindert 
wird. 
Alles sehr schön, befand ich, und nahm die erste ab. Am folgenden Sonntagmorgen erfuhr das noch schläfrige Mitteleuropa, dass D. Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung von einem Attentäter angeschossen worden war. Ein paar Stunden später – ich befand mich gerade wandernd im Taunus – erreichte mich eine SMS von Michael: "Hm, jetzt wirkt mein politisches Gedicht irgendwie merkwürdig." Dem stimmten am Montag Chefredakteurin Julia Mateus und ich zu. Es wurde beschlossen, ein Ersatz-Poem abzudrucken.

Das ursprüngliche Werk dem Giftschrank zu überantworten, hätte ich nun aber doof gefunden. Ich schlug Michael vor, er solle es wenigstens (samt Einordnung) auf Facebook veröffentlichen, worauf er meinte, nee, wenn, dann lieber auf deinem (also meinem) Blog! Und hier isses nun. Was aber wird im Augustheft der Titanic zu finden sein? Das, liebe Leserinnen und Leser, erfahrt ihr am 27. Juli.

Freitag, 10. Mai 2024

Albernes zum Wochenschluss

Es wird Zeit, den alten Merk- und Warnreim aus dem Chemieunterricht "Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure!" upzudaten:
Erst die Maske, dann die Brille,
sonst geschieht des Teufels Wille!
Hm ja, etwas dramatisch; Alternative:
Erst die Maske, dann die Gläser,
sonst: Beschlagung durch Gebläser (?)
Und ganz allgemein:
Erst die Maske, dann 's Binokel,
sei nicht wie Hans-Hermann Gockel*!
(* ehem. Sat.1-Nachrichtensprecher, heute u.a. AfD-Unterstützer)

(Geschrieben am 28.4.2020, mithin in der finstersten Corona-Ära, für Facebook)

Freitag, 24. März 2023

Boulevard in Versen

7 weitere Rätsel um Helenes Unfall

Hat das Management gelogen?
Stand Frau Fischer unter Drogen?
Wollte man Helene killen?
Kriegt sie in der Klinik Pillen?
Steckt gar Hexerei dahinter?
Kommt 'ne neue Tour im Winter?
War es ein PR-Manöver?
Hach, die Welt wird immer dööfer.

Donnerstag, 16. Dezember 2021

Das gab Versengeld!

Wäre das Wort cringe nicht so überstrapaziert, man müsste es direkt wieder aus der Kiste der einzumottenden Modeausdrücke holen, um diese Gedichtzeilen, die vor einigen Wochen in der FAZ standen, zu attributieren:


Ich wollte erst anmerken, dass es erfreulich sei, wenn Hobby-Lyriker nicht nur Abreißkalenderblättchen vollschreiben dürfen, sondern zur Abwechslung das Feuilleton einer großen Zeitung. Aber dann las ich, dass der Autor jünger ist als meine Eltern. Eieiei. Wäre das zu Zeiten Schirrmachers sel. möglich gewesen? Ich fürchte, ja, denn Überforderung durch die Technisierung des Alltags war ja ein Dauerthema des unvergessenen Geistesmenschen.

Montag, 6. September 2021

Spätsommerlyrik zum Träumen

Ich habe hier schon das ein oder andere Mal kostbare Abreißkalender-Lyrik präsentiert, nicht selten von Abreißkalender-Lyrik-Legende O. Stock; aber diese Perle ist von ungekannter Schönheit. Hier stimmt einfach alles: der halbgare Reim "FülleStille", die in der Luft hängende erste Zeile, die tautologische Zustandsbeschreibung (oder gibt es auch Felder, die in Krach ruhen?), der kaputte Modalsatz ("Wir genießen den Winter, indem es schneit"?), das zerhackstückte "ausklingen" ... Mehr davon!

Montag, 31. August 2020

Mit Fug' und Recht

Schulerinnerung: Einmal kam unsere cholerische Deutschlehrerin Frau K. mit einem portablen Musikabspielgerät ins Klassenzimmer und stellte es ohne einleitende Worte erst ab und dann an. Es ertönte ein klassisches Musikstück, dem wir ehrfürchtig lauschten. Als es nach einer gefühlten Ewigkeit zu Ende war, wollte die Lehrerin wissen, was das war und warum sie es wohl gespielt habe. Natürlich war niemand von uns Klappskallis in der Lage, die Genialität des anspielungsreichen Unterrichtsauftakts zu erkennen oder wertzuschätzen, weshalb Frau K. sich gewohnt wütend zur Erklärung genötigt sah: "Menschenskinder, das war eine Fuge von Bach! Wir wollen heute über Fugen reden, weil wir die Todesfuge von Paul Celan behandeln."

Den Aufbau einer Fuge (im musikalischen Sinne) kann ich nicht mehr herunterbeten, aber dass ich mich nach über 20 Jahren überhaupt noch an die nämliche Stunde erinnere, spricht wohl für diesen damals eher verwirrenden didaktischen Kniff. Was ein Oxymoron ist, weiß ich immerhin noch, denn das wurde uns bei dieser Gelegenheit ebenfalls eingebläut.

Noch eindrucksvoller wäre es gewesen, wenn Frau K. nach dem Stundenklingeln wortlos ein paar Badkacheln vor uns ausgebreitet und diese mit "Molto Fliesenfix" verfugt hätte. Da es sich um den Deutschunterricht handelte, hätte es auch Sinn gemacht, mit dem grammatikalischen Randthema Fugenelemente einzusteigen. Ein Fugenelement ist z.B. das -s- in Rindswurst, aber auch das mittlere -e- in Schweinebraten und das -n- in Putenbrust. Es gibt zum Phänomen der Fuge überraschend viele Arbeiten, die der/die geneigte Leser/in bei Interesse selbst konsultieren möge.

Dienstag, 7. Juli 2020

Wer die Nachtigall hört



Womöglich bin ich zu beschränkt, um den tieferen Sinn zu verstehen, aber auch nach circa zehnmaligem Lesen sagt dieses "Poem" doch nichts anderes aus als "Hört die Nachtigall, gar kunstreich ist ihr Gesang am späten Abend." Dass die Nachtigall (Vogel des Jahres 1995) recht apart trällert, ist doch keine allzu neue Erkenntnis, oder? Und das reimt sich nicht mal.

Nachtrag: Leser A. weist mich darauf hin, dass es sich um ein Haiku handelt, was mir hätte auffallen sollen, da ich ja weiß, dass diese Gedichtform in Abreißkalendern inzwischen etabliert ist. Ich erlaube mir das Urteil, dass es sich dennoch nicht um besonders tiefgründige Lyrik handelt.