Sonntag, 16. September 2018

Zwei Lebensmittel-Kürzest-Tests


1. Bei Rewe drei Tortillachips-Sorten einer mir völlig unbekannten Marke entdeckt. Antica Cantina Chili (es gab noch Käse und Barbecue) hält leider nicht, was die prachtvolle Verpackungsbedruckung verspricht. Viel zu mild und maisig kommen die – immerhin stabil-knackigen – Knusperdreiecke daher. Das Mundgefühl geht in Ordnung, aber nach einer Dritteltüte hatte ich vorerst genug. Hergestellt in Deutschland und vertrieben durch Leighton Foods, Dänemark, enthalten die Chips Palmöl und Glutamat. 4/10

2. Ich bin bekanntlich weder ein Kokosnuss- noch ein Vanilleverächter, weswegen ich den veganen Kokos Aufstrich mit Vanille aus dem Hause dm-Bio ohne größeres Abwägen einsteckte. Jedoch ist die (angenehm rapshonigartig cremige) Masse auf Agavendicksaft-Basis zu anstrengend für den regelmäßigen Frühstücksgenuss. Ohne es genauer begründen zu können, fühle ich mich spätestens nach einem halben Brötchen mit dem Zeug überfordert, saturiert, bedient. Deshalb ebenfalls 4/10

Freitag, 14. September 2018

Word of the week

Positiv an der Ära Trump ist ja, dass man auch als deutschsprachiger Beobachter kontinuierlich und en passant seinen Wortschatz erweitert. Das Wort op-ed habe ich diese Woche gut ein Dutzend Mal gehört, bevor ich es gelesen habe, und jedes Mal verstand ich so etwas wie "Abed" (wie es halt auf gut US-Amerikanisch ausgesprochen wird).
Die New York Times hat ein anonymes op-ed aus der Feder eines "senior officials" in der Trump-Regierung veröffentlicht, Details siehe Medien. Ein op-ed ist ein Meinungsstück, es steht für opposite editorial und lässt sich wohl am besten mit "Gastkommentar" übersetzen. Es ist ein Essay oder auch eine Kolumne mit dem Hauptcharakteristikum, dass es eben nicht aus der eigenen Redaktion kommt und somit ein Gegenstück zu einem Editorial ist und auch sein soll.
Letzte Unklarheiten im journalismus-fachsprachlichen Dschungel beseitigt dieser (englische) Artikel im Des Moines Register.

Montag, 10. September 2018

Ich war noch niemals in New York (2018/19-Edition)

Am 29. September beginnt die 44. Staffel von "Saturday Night Live", und ich habe es zum nunmehr neunten Mal nicht geschafft, Tickets für die Live-Aufzeichnung zu ergattern. Langsam verliere ich den Mut, zumal die Show in den vergangenen drei Jahren wirklich deutlich an Qualität abgenommen hat. Einzig Heidi Gardner und Kyle Mooney waren Lichtblicke; ob sie auch Teil des diesjährigen Ensembles sein werden, steht noch nicht mal fest. 


Freitag, 7. September 2018

Das Gegenteil von Betrug

Für ein Rezept benötigte ich lediglich vier Artischockenherzen. In einem handelsüblichen Glas befinden sich mehr als vier, also kam ich auf die brillante Idee, mir die "Früchte" einzeln von der Antipastitheke des Rewe-Marktes zu holen. Als ich dort ankam und sah, dass es an jenem Tag auch an der regulären Salattheke Artischockenherzen gab – als Bestandteil eines Salates, der u.a. noch Tomaten und Oliven enthielt –, kam ich auf die verwegene Idee, mir einfach aus diesem Salat vier Artischockenherzen herauszufischen. Damit würde ich sowohl den für die Antipasti-Auswahl typischen Beifang an Öl sparen als auch bares Geld, liegt doch der 100-Gramm-Preis für Antipasti ein wenig über dem für Salat. Bevor ich die vier kleinen Gemüse-Innereien in dem dafür viel zu großen, für normalen Salattransport vorgesehenen Plastikgefäß verstaute, kam ich auf die genialische Idee, stattdessen einen (deutlich kleineren!) Becher von der Antipastitheke zu nehmen.
Ich trug nun also eine Schale zur Kasse, die etwas enthielt, das aussah wie etwas, das dort reingehört, aber billiger war als das, was üblicherweise darin vorzufinden gewesen wäre. Sogleich wies ich die Kassiererin auf dieses Chaos hin: "Das ist von der Salattheke!" Die Kassiererin sagte mit gebotenem Ernst: "Das sollten Sie nicht tun." Darauf ich: "Aber die Umwelt!" Darauf sie: "Hm."

Donnerstag, 6. September 2018

Filmtitel XVIII

Four Christmases → Mein Schatz, unsere Familie und ich 
Maid in Manhattan → Manhattan Love Story
Life of the Party → How to Party with Mom
Tout le Monde debout → Liebe bringt alles ins Rollen
Halal Daddy → Halaleluja – Iren sind menschlich!
The Layover → Mister Before Sister
On Wings of Eagles → Wings of Freedom
One of Us → Retribution
Don't Worry, He Won't Get Far on Foot → Don't Worry, Weglaufen geht nicht
Coexister → Ein Lied in Gottes Ohr
Normandie nue → Ein Dorf zieht blank
Tag → Catch me!
Blockers → Der Sex Pakt
Bachelorette → Die Hochzeit unserer dicksten Freundin
Wedding Daze → Blind Wedding – Hilfe, sie hat ja gesagt
Crazy Rich Asians → Crazy Rich 
The Predator → Predator – Upgrade

Montag, 3. September 2018

Wohnst du noch oder haust du schon?

Schon klar, dass ich hiermit kein besonders heißes Eisen anpacke, dass ich sozusagen offene Türen einrenne, aber ich halte die Tatsache, dass würdiges Wohnen in Deutschland zum Luxus geworden ist, für den größten Missstand der Gegenwart – auch weil ich mich noch deutlich an andere Zeiten erinnern kann. Um die Jahrtausendwende herum hatten schätzungsweise 85% der Familien in meinem Umfeld ein eigenes Haus. Wer es sich irgend leisten konnte (und dafür reichten i.d.R. schon zwei Berufstätige), baute oder kaufte sich eine schöne Hütte. Und heute? Heute muss man ohne Übertreibung buchstäblich MILLIONÄR/-IN sein, um etwas Besseres als eine Mietwohnung in der Stadt zu halten. Und selbst eine Mietwohnung in der Stadt ist zu fairen Preisen kaum zu finden. Popelige WG-Zimmer schlagen mit Summen zu Buche, die vor zehn Jahren für eine privat genutzte Zweiraumbutze angemessen waren. Das ist doch Wahnsinn! Und dann kommen vom Schicksal begünstigte Babyboomer-Arschlöcher wie Don Alphonso daher und werfen Millennials vor, dass sie vor dem globalen Platzen der Immobilienblase keine klugen, zukunftsträchtigen Investitionen getätigt haben. Oder noch g'schissener: "besorgte Bürger", die es schaffen, selbst für dieses Totalversagen der Regierungsparteien die bösen Refugees verantwortlich zu machen. 

Mittwoch, 29. August 2018

Taxi ins Gruseltal

Jugenderinnerung: Es ist kaum vorstellbar, aber selbst ich war früher manchmal auf Partys zugegen. Wenn diese an ungünstig, d.h. am äußersten Stadtrand gelegenen Orten stattfanden, musste man für den (nächtlichen) Nachhauseweg einen besonderen Service der regionalen Verkehrsbetriebe nutzen: das "Anruflinientaxi", kurz alita. Aus der offiziellen Beschreibung: "Zu Zeiten sehr geringer Nachfrage fahren auf bestimmten Strecken Taxis als Ersatz für reguläre Busse und Straßenbahnen. Das alita bringt Sie bis in die hintersten Winkel der Stadt und kostet dabei keinen Cent mehr als eine normale Busfahrt. [...] So funktioniert es: Als Ersatz für reguläre Bus- und Bahnlinien kommt ein alita nur bei Bedarf, das heißt, wenn Sie es bestellen. [...] Rufen Sie bitte spätestens 20 Minuten bevor Sie losfahren wollen unser Servicetelefon an." Ich fand das jedes Mal total luxuriös, und mich fasziniert bis heute, dass das Herumschicken von Taxis den Verkehrsverbund offenbar billiger kommt als der Einsatz einer regelmäßigen Buslinie.

"Alita" ist zufällig auch der Name der Hauptfigur eines Mangas, der jüngst von Robert Rodriguez verfilmt wurde. Den Trailer von "Alita: Battle Angel", der im Dezember dieses Jahres anläuft, habe ich gestern gesehen ... und ich war sofort abgeschreckt. Bei allem Gespür für visionäre Stoffe, das man James Cameron (Co-Produzent und Co-Autor) zugestehen muss, sage ich voraus, dass dieser Film hinter den kommerziellen Erwartungen zurückbleiben wird. Der Grund: Uncanny Valley, und zwar in kaum gekannten Ausmaßen. Man mag das Cyborgmädchen keine zwei Sekunden anschauen! Ich bin natürlich nicht der Erste mit derartigen Bedenken. In der Tat scheint es nach Veröffentlichung des ersten Teaser-Trailers ein Neudesign der Figur gegeben zu haben, nachdem etliche Fans ihre Verstörtheit bekundet hatten; zumindest kursieren aussagekräftige Vergleichsfotos aus den ersten und neueren Szenen ("[Comicbook.com-Autor] Bishop notes that Alita's face seems 'less squat; longer and less wide,' while ComicBook and PopCulture Editor-in-Chief Dallas Jackson notes that it's more than just a rework of her eyes with the lightning on her face, and the background, completely changing from before."). Es war also vorher noch unheimlicher!?!? Nun, ich bin gespannt. Mehr hier und hier.

Montag, 27. August 2018

Kurz notiert: Kasus-Chaos

Da schalte ich einmal den Fernseher ein und muss mich sofort aufregen! Das "Europamagazin" im Ersten Deutschen Fernsehen wird mit diesen Worten der Moderatorin eröffnet: "Tomaten aus Italien schmecken gut und gibt's in jedem Supermarkt".

Muss ich erklären, warum der Satz falsch ist? Nein? Gut. Ich habe auch gerade keine Lust dazu. An Formulierungen wie "vor, während und nach dem Spiel" hat man sich ja schon gewöhnt, aber dass jetzt sogar von meinen ZWANGSgebühren im sogenannten Qualitätsfernsehen [wird behutsam aus dem Blog entfernt]

Samstag, 25. August 2018

Donnerstag, 23. August 2018

Das Laben der Anderen

In letzter Zeit koche ich mir öfter als gewöhnlich etwas zu Abend, mit der Konsequenz, dass ich nach der "Arbeit" noch schnell fehlende Zutaten kaufen muss, was ich aus Bequemlichkeit gern in dem zwar weder günstigen noch superen, dafür aber günstig gelegenen Supermarkt Tegut erledige. Dort werde ich immer wieder eines ganz speziellen Menschenschlags ansichtig: aus dem Feierabend kommende, offensichtlich alleinstehende Kunden beiderlei Geschlechts, deren Einkauf aus maximal fünf Artikeln besteht, welche sich der Kategorie "Junkfood" oder "Feierabendsnack" zuordnen lassen. Gestern etwa stand eine business-casual gekleidete Frau vor mir, die nichts als zwei Dosen (!) Bier und eine Packung Kinder-Riegel aufs Warenband legte. 'Aha', dachte ich, 'das pfeift sie sich jetzt noch in ihrem Single-Apartment oder im Hotelzimmer rein.' Beliebt sind auch Knabberzeug, Joghurt, Eiscreme, Wein, hin und wieder etwas pro-forma-Gesundes wie eine Tüte Babykarotten, manchmal eine Tiefkühlpizza (wenn das Dinner noch nicht stattgefunden hat). 
Ich habe noch nicht entschieden, ob ich gegenüber diesen Personen Neid oder Mitleid empfinden soll. Ich belasse es vorerst bei Sympathie.

Dienstag, 21. August 2018

Callahandicapped

Zur Zeit läuft im Kino die biographische Tragikomödie "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot". Darin spielt Joaquin Phoenix den 2010 im Alter von nur 59 Jahren verstorbenen amerikanischen Cartoonisten John Callahan. Wen?

Auf den deutschen Buchmarkt hat es zwar der eine oder andere Callahan-Sammelband geschafft, und auch die bereits 1989 erschienene Vorlage des genannten Films wurde ins Deutsche übersetzt (sie heißt, wie eben jener, nicht ganz geglückt "Don't Worry, Weglaufen geht nicht"), aber ansonsten dürfte der auch als Musiker tätige Künstler hierzulande kaum bekannt sein – außer jenen, die Anfang der 1990er Jahre Titanic gelesen haben. Darin konnte man nämlich Monat für Monat eine Seite mit je zwei Callahan-Witzen bestaunen. Diese waren stets erfrischend makaber und bizarr und fügten sich damit exzellent in das Gesamtkonzept des Heftes.

Aus Titanic 5/91

In vielen seiner Cartoons spielt körperliche Behinderung eine Rolle, was sich, wie auch der leicht ungelenke Strich, damit erklären lässt, dass Callahan selbst seit einem Autounfall mit 21 Jahren querschnittsgelähmt war; Robin Williams nannte ihn "den lustigsten Mann auf vier Rädern".

Der Cartoon zum Buch zum Film. Aus: Titanic 7/91

An dieser Stelle lohnt ein kurzer satire-historischer Exkurs. Schon immer war es bei Titanic Tradition, auch komischen Zeichnern aus dem Ausland eine Plattform zu bieten. Unter anderem hatte hier Manfred Deix (Österreich) in den Achtzigern etliche einprägsame Auftritte, ebenso der von mir zutiefst verachtete Jean-Marc Reiser (Frankreich), später Gary Larson (USA) und natürlich, bis heute, Kamagurka (Belgien). Hervorheben möchte ich den Australier Andrew Weldon, der von Ende 2004 bis Ende 2006 mit der Rubrik "Down Under" reüssierte, und zwar – dank mir! Ich hatte die Werke dieses Humortalents in Neuseeland entdeckt, stellte sie in einem Internetforum vor, in dem auch Mitglieder der damaligen Redaktion mitlasen. Die teilten sofort meine Begeisterung für Weldon und konnten sich wenig später die Nachdruckrechte sichern. Das waren die allerersten Spuren, die ich bei meinem späteren Arbeitgeber hinterlassen habe.

Worauf ich hinaus will: Publikationen sowohl von John Callahan als auch von Andrew Weldon sind hier und da antiquarisch zu haben und werden von mir ausdrücklich empfohlen.

Immer noch eines meiner All-time-Lieblingsbücher