Dienstag, 11. Dezember 2018

Schöne Stellen aus deutschen Gerichtsentscheidungen

"Die Klägerin führte u.a. sog. Kratzbäume für Katzen aus Asien ein und ließ sie in ihrem Namen in den zollrechtlich freien Verkehr überführen. [...]
Sie bestanden aus einem Gestell mit verschiedenen Ebenen in Form von Brettern, Schalen, kastenförmigen Höhlen und Röhren, in die eine Katze hineinkriechen konnte. Gelegentlich wiesen die Kratzbäume auch kleine Spielelemente auf. Ihre Ebenen waren oft ausgehend von einer Grundplatte mit Säulen verbunden. Die kastenförmigen Höhlen, die Grundplatte und die Ebenen waren aus Holzspanplatten gefertigt, das von außen und an der Oberseite mit Plüschgewirken überzogen war. Die Säulen bestanden aus Rohren aus dicker, fester Pappe, deren Enden Kappen aus Hartkunststoff mit mittig eingebauten Muttern verschlossen waren. Die Säulen waren meist ganz oder zu einem großen Teil mit Sisalschnüren (Titer über 20.000 dtex) umwickelt. Die Kratzbäume sollten den Hauskatzen als Ruheplatz, Schlafplatz, Beobachtungsposition und Spielgerät dienen, wobei sie die mit Sisal umwickelten Säulen und manchmal auch andere Elemente dazu veranlassen sollten, dort und nicht sonst in der Wohnung durch Kratzen ihre Krallen zu schärfen. [...]
Vor allem auf Grund ihrer Oberflächenbeschaffenheit finden die Katzen die Kratzbäume attraktiv und nutzen sie, denn die Kratzbäume sprechen Bedürfnisse der Hauskatzen wie Beschäftigung, Pflege, Markieren und Ruhe an und sollen auch Wohnungskatzen ermöglichen, sich arttypisch zu verhalten. Die Kratzbäume sollen die Katzen nicht nur zum Kratzen, sondern auch zum Klettern, Anspringen und Spielen anregen. Ihre horizontalen Flächen sowie die 'Höhlen' in Form von Kästen oder Röhren dienen als Sitz-, Liege- oder Schlafplätze und als Rückzugsort. Sind die Liegeplätze erhöht, können sie von den Katzen als Beobachtungsposten genutzt werden. Zudem bietet ein Kratzbaum einer Katze auch die Möglichkeit, ihren eigenen Geruch auszusenden, indem sie beispielsweise die Duftdrüsen an Kopf, Rücken, Schwanz und Fußballen daran reibt. [...]
Soweit Kratzbäume in die Position 6307 einzureihen sind, gehören sie als andere Waren als Scheuertücher, Wischtücher, Spültücher und ähnliche Reinigungstücher und Schwimmwesten und Rettungstücher in die Unterposition 6307 90. Innerhalb dieser Unterposition sind die Kratzbäume der Unterposition 6307 90 10 KN zuzuweisen"

Finanzgericht Düsseldorf, Az. 4 K 2698/16 Z,EU

Freitag, 7. Dezember 2018

Albernes zum Wochenschluss

Die 10 besten Filme für die Weihnachtszeit
  • Der kleine Lord
  • Kevin allein zu Hause
  • Der kleine Grinch
  • Drei Hasennüsse für Aschenputtel
  • Stirb langsam
  • Kleiner Lord, was nun
  • Stirb langsam - Jetzt reicht's!
  • Der kleine Prinz von Zamunda
  • Der Herr der Haselnüsse
  • Prinzessin Jarimoquai
  • Titanicfilm
  • Loriot
  • Russenmärchen
  • Der kleine Lord stirbt langsam

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Was du nicht sagst

Ein Beruf, den ich gerne und zufriedenstellend ausüben würde, ist der des Dialog-Script-Doktors. Ob es diesen Beruf gibt, weiß ich gar nicht. In den zahlreichen Produktionsstätten des "Tatort" scheint es ihn jedenfalls nicht zu geben. Allzu oft schon habe ich eine gar nicht mal üble Folge dieses Krimiklassikers gesehen, die mir von miesen Dialogen vergällt wurde. 'Kein Mensch würde so etwas sagen!', dachte ich wiederholt. Was dort stattfindet, ist ganz oft schlechte Imitation schlechter Übersetzungen schlechter Dialoge in amerikanischen Serien. Womit gleich klargestellt wäre, dass realitätsfernes Sprechen im Fernsehen kein rein deutsches Phänomen ist. Selbst in ansonsten konstant hochqualitativen US-Shows schleicht sich (nach meiner Beobachtung: mit steigender Staffelzahl) zunehmend sloppy writing ein.

Ein Beispiel aus dem von mir genussvoll verfolgten Tearjerker "This is us", bei dem es allerdings nicht darum geht, wie jemand redet, sondern worüber geredet wird: Einer der Protagonisten verbringt mit seiner neuen Freundin einen mehrtägigen Aufenthalt in einer anderen Stadt. Auf der langen Autofahrt dorthin offenbart sie ihm, dass sie 1. eine Unterkunft bei einer alten Bekannten organisiert hat, 2. Sandwiches als Reiseproviant eingepackt hat. Das sind doch essenzielle Dinge, die man vor dem Beginn einer Reise bespricht! Das Problem der Autor(inn)en ist klar: Die Figuren in der Serie haben gegenüber dem Zuschauer einen Wissensvorsprung, und das Wissen kann nur verbal vermittelt werden, weil man halt nicht jede Banalistät zeigen kann. Aber lässt sich die fehlende Information nicht eleganter rüberbringen?

Ganz arg wird's meist, wenn eine Figur eine andere, noch nicht eingeführte Figur wiedersieht, mit der sie eine gemeinsame schicksalhafte Vergangenheit hat. "Nice to see you again ... brother" oder ähnliches hört man sodann aus der Glotze und verdreht die Augen. Die automatische Literaturkritik der Riesenmaschine sieht Minuspunkte vor, wenn Phrasen à la "Auch dein Vater, der wohlhabende Kommerzienrat, dessen – wie du weißt – einzige Tochter du bist,..." fallen. Filmische Werke sollten ebenso streng bewertet werden.

Samstag, 1. Dezember 2018

Knapp vorbei

Eines meiner Life goals, wie die Kids von heute sagen, ist es, nur ein einziges Mal das Kreuzworträtsel in der TV-Beilage des Stern vollständig auszufüllen. Diese Woche wäre es mir um ein Haar bzw. um einen Buchstaben gelungen. Seht selbst:


Mir ist klar, dass dieses Foto kein Beweis für mein Können ist, aber ich schwör's: Alles habe ich gewusst, nur das französische Kartenspiel mit sechs Buchstaben kannte ich nicht. Ich war mir zwar zu 90% sicher, dass EKA_TE "Ekarte" heißen muss, doch ich bin fair genug, um das Handtuch zu werfen, wenn Zweifel bestehen. Also auf die nächsten (gefühlt) 500 Versuche!

Donnerstag, 29. November 2018

Die Horde

Heute Mittag wurde ich Zeuge von etwas sehr Befremdlichem. Ich war auf dem Weg zum Wochenmarkt und sah schon von weitem, dass sich an dessen Rand eine Gruppe Männer scharte. Zu einem anfänglichen halben Dutzend stießen immer mehr hinzu, bis es etwa 15 waren. Ich hörte, wie eine Passantin auf die Ansammlung deutete und zu ihrer Begleiterin sagte: "Sind das Polizisten?" Als ich mit meinen Marktbesorgungen fertig war und zurück ins Büro ging, war die Rotte auf mindestens 20 angewachsen und setzte sich just in diesem Moment in Bewegung, und zwar genau in dieselbe Richtung wie ich. Sie alle waren zwischen 20 und 30 Jahre alt, von "mitteleuropäischem Erscheinungsbild", trugen schwarze Jacken, aber keine sichtbaren politischen oder Fußballfantum-Bekenntnisse. An einem Platz nahe meiner Arbeitsstelle wurde der Tross von weiteren Exemplaren gleichen Phänotyps erwartet. Zweimal wurde wildgepinkelt.
Später suchte ich im Internet nach Aufklärung, konnte jedoch nur die Info finden, dass im Frankfurter Waldstadion die Begegnung Eintracht-Marseille ansteht und in diesem Zusammenhang bei einigen Anhängern der Gastmannschaft Schlagstöcke und Pyrotechnik sichergestellt worden seien. Um französische Fans konnte es sich bei den von mir Beobachteten jedoch nicht handeln, da ich hören konnte, dass sie sich auf Hochdeutsch unterhielten.
Wer weiß mehr???

Dienstag, 27. November 2018

Traumprotokoll: Brettspiele

Ich war auf einer WG-Party, und weil ich mich nicht am Partygeschehen beteiligen mochte, öffnete ich ein Fenster und guckte raus. Unten im Hof sah ich: Oliver Kalkofe neben einem riesigen Haufen Brettspiele, aus dem er eins nach dem anderen herausfischte, um es in einer neben ihm stehenden, geöffneten Mülltonne zu entsorgen. "Halt!", rief ich dem Fernsehmann zu. "Werfen Sie die nicht weg! Die kann man doch noch gebrauchen!" Darauf wurde Kalkofe so wütend, wie man ihn noch nie erlebt hat. "Ja ja", tobte er, "jahrelang wollte niemand damit spielen, aber wenn sie dann jemand aussortiert, regen sich alle auf. Es reicht!" Da machte ich das Fenster lieber wieder zu.

Sonntag, 25. November 2018

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Da wird ja der MGM-Löwe in der Pfanne verrückt: Mehrere Filme in dieser Aufzählung waren gar nicht mal so übel!

Mission: Impossible - Fallout
Die für meinen Geschmack circa 15 Minuten zu lange Dauer und das Fehlen einer serientypischen Heist-Sequenz (Man denke an die großartige Unterwasserszene im Vorgänger!) führen dazu, dass M:I 6 nicht mein Favorit der Reihe wird, aber die Zutaten stimmen wie immer: Bombast-Action in neuen Maßstäben an pittoresken Schauplätzen, dazu ein scheinbar gar nicht mehr alternder Tom Cruise, eine Prise Humor, das passt. Gerne darf Christopher McQuarrie auch die nächste Fortsetzung inszenieren!

Hereditary
Ich habe es, glaube ich, bereits geschrieben: Mit grandiosen Horrorfilmen werden wir seit etwa fünf Jahren geradezu verwöhnt!* Immer öfter und überraschender erfindet sich das Genre neu, und "Hereditary" hat das Zeug, ein neuer "Exorzist" zu werden. Ein kompromisslos pessimistisches, nicht zu verkopftes, toll besetztes, leider (wie so oft) etwas zu lang geratenes Spukdrama für eine neue Generation.
* Aber, auch hier wiederhole ich mich womöglich: Genug Schrott wird in diesem Bereich gleichfalls produziert, s. weiter unten.

Mississippi Burning
Ein Südstaaten-Historiendrama von 1988, das in den 1960er-Jahren spielt und teils hochaktuell, teils schlecht gealtert wirkt. Ich habe in einigen Rezensionen dazu erstmals den Begriff "white saviour narrative" gelesen, und das trifft das Grundproblem recht gut. Auch die Legitimation von Gewalt als einziges Mittel der Unrechtsbekämpfung hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Trotzdem eine wichtige Studie über "die Wurzel des Hasses" (so der deutsche Untertitel) mit Hackman/Dafoe als leads, denen man gerne zusieht.

Rendezvous mit einer Leiche
Der obligatorische Agatha-Christie-Krimi, wieder mit Peter Ustinov als Hercule Poirot. Dass dieser mit 96 Minuten nicht übermäßig die Geduld strapazierende Whodunit aus demselben Jahr stammt wie "Mississippi Burning", glaubt man kaum, so altbacken und betulich wirkt das alles. Mir gefällt's, auch wenn das Rätsel und die Auflösung diesmal nur Hausmannskost sind. Dafür ist der Ort der Handlung (Qumran) wieder hübsch anzuschauen, und an einer Stelle äußert sich die belgische Spürnase eindeutig pro-israelitisch.

Daddy's Home 2
Hierauf hatte ich mich natürlich gefreut wie Bolle, wurde dann aber ein klein wenig enttäuscht. Der Witz sprüht nicht ganz so wild und willferrellsch wie noch im ersten Teil, was vielleicht am Harmonie erzwingenden Weihnachtsthema liegt. Dieses Mal werden, ein ähnlicher Kniff wie bei den "Fockers"-Komödien, zwei weitere Familienmitglieder eingeführt, nämlich die Väter der konkurrierenden Väter, prima verkörpert von John Lithgow und Mel Gibson, mit dem sich Hollywood offenbar ausgesöhnt hat.

Split
Endlich ein Shyamalan-Streifen, bei dem ich mich nicht in der Pflicht sehe, ihn zu verteidigen, denn die einschlägige Kritik spricht für sich: 76% approval rating auf Rotten Tomatoes. Äußerst berechtigt! Ursprünglich war für die Hauptrolle Joaquin Phoenix vorgesehen, doch James McAvoy als Ersatz entpuppt sich als Glücksgriff. Ein unglaublich packender Thriller ohne übernatürliches Brimborium.

The Commuter
Ein Vertreter des Genres "Liam Neeson Movie", starring: Liam Neeson. Man fragt sich, an wie vielen Umsetzungen von Drehbüchern dieser Machart der inzwischen auch schon 66-Jährige noch mitwirken will. Zugegeben, langweilen tut man sich nie so richtig, aber unvoreingenommen betrachtet ist "The Commuter" nix anderes als "Non-Stop" in einem Zug statt in einem Flugzeug.

Der Elefantenmensch
Tja, muss man wohl mal gesehen haben. Ich mochte Lynchs Surrealismus noch nie, aber so wohl dosiert wie hier sagt er mir durchaus zu. Mir war übrigens, muss ich gestehen, bis dato nicht bekannt, dass John Hurt den Elephant Man und Anthony Hopkins den behandelnden Arzt spielt. Sie beide machen das fein.

Across the River
Und hier das Lowlight dieser Liste. Zitat eines imdb-Reviewers: "If 'that's 90 minutes of my life I'll never get back' was in the dictionary, this movie would be pictured." Als gestandener Medienkonsument habe ich ja mittlerweile die Traute, einen Film abzubrechen, wenn ich merke, dass er mir so überhaupt nicht zusagt. Leider hatte ich nach den ersten 40 Minuten von "Across the River" einen Pakt mit mir selbst geschlossen, der da lautete: Wenn innerhalb der nächsten fünf Minuten etwas Gruseliges passiert, schaue ich bis zum Ende weiter. Und dann passierte tatsächlich etwas Gruseliges. Das und eine weitere Szene waren in der Tat ganz wirkungsvoll, doch der Rest bestand nur aus den stinklangweiligen Bemühungen eines Tierfilmers/Wissenschaftlers, sich vor Dauerregen in Sicherheit zu bringen und mithilfe von Nachtsichtkameras seltsame Vorkommnisse im Wald aufzuklären. Die italienische Billo-Produktion spielt in Friaul-Julisch Venetien an der slowenischen Grenze, es regnet wie gesagt in einer Tour, und alles sieht, in einem Wort: beschissen aus. Kamera, Ausstattung und Szenenbild wirken derart amateurhaft, dass man es bisweilen für einen schlechten Scherz halten könnte; besonders die Innenaufnahmen sind so hässlich, chaotisch und irgendwie überladen, dass ich es oft meinen Augen kaum zumuten mochte. Die Ohren werden gleichermaßen beleidigt: ein unerträgliches Musikbett, weltfremde Dialoge, misslungene Synchro. (Gottlob wird insgesamt angenehm wenig gesprochen.) Dazu gibt es Logikaussetzer wie z.B. eine Radiodurchsage à la "Wir unterbrechen unser laufendes Programm für eine Sondermeldung", an deren Ende es heißt "Und nun zum Wetter". – Seit wann sind normale Nachrichtenblöcke Bestandteil von Eilmeldungen, die das Programm unterbrechen? Nein, nein, dreimal nein: Niemand sollte mit dieses Machwerk konfrontiert werden.

Die Vorsehung (OT: Solace)
Anthony Hopkins berät das F.B.I., aber nicht als kannibalistischer Psychologe, sondern als Hellseher. Der englische Titel "Trost" passt aus Gründen, die ich nicht verraten möchte, etwas besser als der deutsche. Trostlos sind viele Aspekte dieses Serienmörder-Mysterys allemal; gute Laune macht er nicht unbedingt.

Freitag, 23. November 2018

Da muss ich mich jetzt durchbeißen ...

Bei meiner letzten Mymuesli-Bestellung habe ich daneben gegriffen. Die Kombination Dinkel-Quinoa-Crunch, Aprikosen, gehobelte Tigernüsse und gepufftes Amaranth fällt leider allzu flockig-trocken-kleiig aus. Allenfalls eine zusätzliche Frucht- oder Schoko-Komponente hätte es retten können. Dies sei allen ins Stammbuch geschrieben, die beim nächsten Online-Müsli-Mixen auf denselben Gedanken kommen, was nicht abwegig ist, denn ich habe diesmal keine Einzigartigkeits-Benachrichtigung erhalten, was bedeutet, dass mindestens eine Person vor mir exakt diese Kombo ausgewählt hat.

Nicht nur die Misch-Ideen, auch die "lustigen" Namen gehen mir allmählich aus.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Ich habe neben erwähntem Produkt obendrein und gratis acht Portionsdosen mit unterschiedlichen Sorten erhalten; das war ein Bonusangebot für Bestellungen von über 20 Euro (die ich erreicht habe, indem ich noch zwei weihnachtliche Porridges geordert habe)!

Mittwoch, 21. November 2018

Aus der Mitte entspringt ein Land

Nachdem ich bereits vor einer Weile im Rahmen der Ausführungen zu dem kuriosen Streit um die Insel Hans den Begriff des Kondominiums eingeführt habe, möchte ich heute ein solches vorstellen, und zwar eines, das sich mitten in Europa befindet. Es handelt sich nicht um Andorra; das Kofürstentum Andorra war zwar nach allgemeiner Auffassung bis 1993 ein solches, seit der Verfassungsänderung gilt es aber lediglich als souveräner Staat mit zwei (fremdländischen!) Staatsoberhäuptern, nämlich dem Bischoff von Urgell (Spanien) und dem Präsidenten Frankreichs (in Nachfolge des Grafen von Foix).

Die Rede ist vom gemeinschaftlichen deutsch-luxemburgischen Hoheitsgebiet. Dieses umfasst im Wesentlichen die ca. 128 km lange Gewässergrenze zwischen Deutschland und Luxemburg, welche aus der Our, der Sauer und der Mosel besteht, wobei erstere in zweitere und zweitere in drittere mündet. Das heißt in der Theorie: Fahre ich beispielsweise auf der Höhe Perl (Saarland) mit einem Floß über die (bis zu >100 Meter breite) Mosel, befinde ich mich, wenn ich vom deutschen Ufer losgefahren bin, solange in Deutschland, bis ich das luxemburgische Ufer erreicht habe, und umgekehrt. Die Grenze dieses Gebiets ist dabei nicht einfach "das Ufer", sondern streng definiert als "Schnittlinie der Wasseroberfläche mit der Landoberfläche, die sich bei Mittelwasserstand frei fließend, in Staubereichen durch den hydrodynamischen Stauspiegel bildet".

Die Zone, über welche die beiden Nachbarländer gemeinsam herrschen, beinhaltet auch explizit den Luftraum oberhalb des Flusssystems sowie den Untergrund (Wortlaut im Vertrag von 1984: "die Luftsäule oberhalb sowie den Erdsockel unterhalb der Wasserfläche innerhalb seiner seitlichen Begrenzung"). Sie besteht übrigens – und jetzt wird's spannend – nicht nur aus den Grenzflüssen selbst: Von den 700,92 Hektar fallen 2,58 auf zwei kleine namenlose Inseln in der Sauer und in der Mosel; auf der Nordhälfte der Moselinsel liegt sogar ein halber Hektar Wald. Und dann gibt es natürlich noch Brücken, nicht weniger als 29, davon eine Eisenbahnbrücke und 21 für Kraftfahrzeuge. Die letzte, für Fußgänger und Radfahrer, wurde erst kürzlich bei Ralingen-Wintersdorf errichtet. Bau-, Sanierungs- und Unterhaltskosten für alle Brückenabschnitte, die im Kondominium liegen, stemmen die Bundesrepublik und das Großherzogtum zu je 50 Prozent. "Die Moselschleusen Grevenmacher und Stadtbredimus sind explizit vom Kondominium ausgenommen." (Wikipedia)

Eine weitere Besonderheit ist, dass das gesamte deutsch-luxemburgische Territorium ein gemeindefreies Gebiet darstellt. Was es mit dieser verwaltungsrechtlichen Sonderform auf sich hat, erkläre ich in einem separaten Beitrag.

Montag, 19. November 2018

Just dough it

Über die Berliner Bar, die rohen Keksteig (minus die Eier) als quasi Speiseeis-Alternative feilbietet, wurde bereits genug geschrieben, weswegen ich mich im Folgenden einigermaßen kurz fasse. Keksteig naschen ohne das lästige Backprozedere davor, das klingt erst mal nach dem ultimativen Kindheitstraum. Und natürlich wollte ich mir diesen Traum erfüllen, seit ich zum ersten Mal von jenem "Café" (es ist ein wirklich sehr kleines Geschäft mit gerade mal vier Sitzplätzen am Rand) las. Letztes Wochenende habe ich ihn mir nun erfüllt.

Aus den acht verschienden Sorten wählte ich "Caramel Overload" und "Brownie Peanut Crunch". Letztere war sogar vegan, was man an der fehlenden Butterigkeit durchaus schmeckte. Auf Toppings verzichtete ich, obwohl diese zum Teil auch sehr verlockend klangen (Streuselteigstückchen, Butterscotch-Soße). Das war weise. Noch weiser wäre es gewesen, sich auf eine einzige "Kugel" zu beschränken. Denn my-oh-my, hat man das Zeug schnell über! Nach dem Leeren meines Becherchens war ich jedenfalls nicht nur pappsatt, ich fühlte mich regelrecht mies und einfach nur voll. Unlecker sind die gut löffelbaren Massen keineswegs, aber das Gesamterlebnis tritt weit hinter der liebgewonnenen Erfahrung des Schüsselauskratzens zurück. "Das ist halt so eine Idee, die man spontan für genial hält, und dann setzt man es einfach um und es stellt sich heraus, dass es gar nicht sooo geil ist", fasste einer meiner Begleiter diese vermeintlich revolutionäre Süßspeisen-Innovation zusammen. Der Besucherflow scheint trotzdem konstant hoch zu bleiben. Man muss es eben einmal erlebt haben, werden sich die meisten sagen; dass sie wegen der Ernüchterung bzw. der sich einstellenden Selbsthassanfälle kein zweites Mal kommen, tut dem Erfolg keinen Abbruch. In einer Stadt wie Berlin hält genug auswärtige Laufkundschaft den Laden am Brummen. Zumal es zusätzlich eine Filiale in Stuttgart gibt und der Keksteig neuerdings auch für Zuhause erworben werden kann, sogar in ausgewählten Supermarktketten – wohlgemerkt nicht fertig, sondern als Mischung zum Selberanrühren ("Margarine oder Butter mit etwas Wasser oder Milch zur Cookie-Mischung geben und im Handumdrehen ist das cremig-köstliche Teigvergnügen fertig!"). Das werde ich aber nicht auch noch testen. Da kann man doch gleich richtig backen!

Mittwoch, 14. November 2018

Kurz verlinkt: Schuss-Wortwahl

Das BildBlog nimmt sich des Themas "deutschsprachige Berichterstattung bei schusswaffenbasierten Verbrechen in Amerika" an und kritisiert dabei vor allem die Übersetzung von shooting mit "Schießerei", die fast immer ungenau und meistens voreilig ist. Anlass ist der Massenmord von Thousand Oaks. Solange die Situation unklar ist, mag es sich anbieten, lediglich von "Schüssen" zu sprechen, da hier sowohl offen ist, wie viele Menschen geschossen haben als auch, ob jemand getroffen worden ist.
Mein Fazit: Solange wir nicht das englische Wort shooting samt seinem Bedeutungsspektrum entlehnen, bleibt die Situation kompliziert.

(Dies ist ein Update zu "Den Schuss nicht gehört".)

Dienstag, 13. November 2018

Wie seed das denn aus?!


Wenn ich so etwas im Regal eines Supermarktes (in diesem Fall: Tegut) stehen sehe, kann ich einfach nicht vorbeilaufen, ohne es mitzunehmen! Und 1,95 € zahle ich natürlich gern für ein Getränk, in dem etwas schwimmt, das aussieht wie Chiasamen. Es handelt sich allerdings um Basilikumsamen, basil seeds, und die werden auf einschlägigen Blogs bereits als "die neuen Chiasamen" gehandelt. Supergesund sollen sie sein und ein ähnliches Quellvermögen wie jene aufweisen, weshalb sie nicht nur ähnlich ausschauen, sondern auch vom Mundgefühl her nicht von Chia zu unterscheiden sind. 

Abgesehen von Basilikum, der in seiner Samenform übrigens nicht im Geringsten wie Basilikum schmeckt, steckt in dieser 290-ml-Flasche: Honig (steht ja auch drauf: "Honey Drink"), Zucker, Wasser, Gellangummi (E418; "gilt als völlig harmlos", lebensmittel-warenkunde.de), Zitronen- und Ascorbinsäure. Der unter der Marke "American Drinks" vertriebene Drink ist süß. Sehr süß. So honig-zuckrig, dass er frappant an ostasiatische Dosengetränke erinnert. So verwundert es denn auch kaum, dass dieser "Saft", den es übrigens noch in der Variante "Ananas" gab, in Vietnam hergestellt wird. Ordentlich gekühlt lässt er sich gut wegschlürfen. Leider kann ich unterm Strich nur 6/10 Punkten vergeben. Einen Punkt muss ich abziehen, weil die Flasche mit einem eigenartigen Kronkorkenmechanismus gesichert ist, von welchem mir beim Versuch, sie zu öffnen, die Lasche abriss und -- ach, es war eine Schinderei sondergleichen!