Mittwoch, 14. April 2021

26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen für alle

  • lyrische Dichtform (Mz.): Gasele 
  • Kreppgewebe: Krepon 
  • Wagenplane: Plache 
  • Hochofenschacht: Gicht 
  • Trumpf im Tarockspiel: Pagat 
  • Bestandteil ätherischer Öle: Terpen 
  • kalte Quelle (unter 20°): Pege 
  • Keramiktopf für Käsefondue: Caquelon 
  • Flaumhaar des Embryos: Lanugo 
  • japan. Elfenbeindose: Inro 
  • niederl. Küstenschiff: Kag 
  • Schnur zum Zubinden: Nestel 
  • Steinkügelchen zum Spielen: Klicker 
  • ein Riedgras: Simse 
  • ein Antikörper: Lysin 
  • Altaraufsatz (franz.): Retabel 
  • Köder beim Hochseeangeln: Pilke 
  • eine Achtelnote: Fusa 
  • Meistersingerlied (Mz.): Bare 
  • Modenarr: Stutzer 
  • Moränenschutt: Tillit 
  • Bergwerksaktie: Kux 
  • Einbaum mit aufgesetzten Planken: Piroge 
  • Faden aus Naturseide: Trame 
  • erfolgreich handeln: gelingen 
  • Schutz vor Hundebissen: Maulkorb
Ihr werdet euch womöglich fragen, was an den letzten beiden Lösungen so obskur sein soll. Nun, es geht nicht um die Lösungswörter als solche, sondern um die Frage / die Definition, die mir in beiden Fällen missglückt scheint.
1.) gelingen ist, im Gegensatz zu handeln, ein impersonales Verb. "Ich gelinge" kann nicht nur nicht synonym zu "Ich handle erfolgreich" gebraucht werden, es ist schlicht eine unmögliche Konstruktion. Man kann so wenig gelingen, wie man missglücken kann.
2.) Wenn ein Maulkorb ein Schutz vor Hundebissen ist, dann ist Quarantäne ein "Schutz vor Ansteckung", ist ein Gefängnis ein "Schutz vor Verbrechen" und sind diese Raucher-Glaskästen im Flughafen ein "Schutz vor Lungenkrebs". Man probiere es aus: Ich bin mir sicher, ein Hund, der einen Maulkorb trägt, kann sehr wohl von anderen Hunden gebissen werden (oder von Menschen/Waranen). Eine bessere Definition wäre "Beißverhinderer" o.ä.

Montag, 12. April 2021

Man kann nicht gut kommunizieren

Als ich neulich wieder einmal grübelte, kam mir der Gedanke, dass ich wahrscheinlich sehr schlecht darin wäre, mich mit Amerikaner(inne)n zu unterhalten, einfach aus dem Grund, dass ich einige ihrer geläufigen Phrasen allzu wörtlich nehmen würde. Zum Beispiel würde ich auf "What did you say your name was?" erwidern: "I haven't told you my name yet." Oder auf "Why don't you take a seat?": "Because you didn't offer me one." Und auf "Do you mind"-Fragen würde ich immer "yes" antworten, wenn es mir was ausmachen würde, und "no", wenn nicht. Auch würde ich mich kaum zurückhalten können, wenn jemandem "irregardless" oder "I could care less" rausrutschte. 

Damit will ich nicht sagen, dass amerikanisches Englisch Sprechende ihre Sprache nicht beherrschen. Im Gegenteil: Sie tun das m.E. um ein Vielfaches besser, als Deutsche Deutsch beherrschen. Man vergleiche nur mal US-Podcasts, wo praktisch jeder Satz sitzt, mit deutschen Podcasts, wo restringierter Code und krudestes agrammatisches Gestammel vorherrschen und Kohärenz und Kohäsion fast komplett aufgegeben werden! Zudem ist man sich "dort drüben" der erwähnten Zweifelsfälle sehr wohl bewusst, was sich in zig Forenthreads zum "Do you mind"-Problem ebenso niederschlägt wie in humoristischer Verarbeitung in der Popkultur. Tatsächlich begegnete mir, kurz nachdem ich über all dies nachgedacht hatte, folgender Dialog in der Comedyserie "Angie Tribeca" (Episode 4x04):

- How old did you say this model was again?
- I didn't. 22. Now I have.

Haha! Man sieht: Gewisse Fälle von "Unlogik" und semantische Widersprüche werden durchaus erkannt. (Die gibt es übrigens auch im Deutschen, man denke an Sätze wie "Ich gehe nicht, bevor ich nicht gegessen habe", wo das zweite "nicht" streng genommen inkorrekt ist.) Sie können und sollten aber ignoriert werden, denn im Alltag weiß man in der Regel, was gemeint ist, und allein darauf kommt es an. Ich sozial inkompetenter Otto sollte mal lieber wieder meine Aufzeichnungen zur Einführung in die Pragmatik hervorkramen statt alles auf die Goldwaage zu legen. Andererseits ist es eh ausgeschlossen, dass ich in absehbarer Zeit mit Menschen aus den USA ins Gespräch komme.

Samstag, 10. April 2021

Precht'sches Theater

Ich habe eine Stelle aus dem Interview mit Richard David Precht im aktuellen Stern abgetippt:

Die Tuberkulose zum Beispiel gedieh dort, wo es eng und schmutzig war und wo Armut herrschte. Wenn der Staat nicht wollte, dass sehr große Teile der Bevölkerung hinweggerafft wurden, musste er dafür sorgen, dass die Wohnverhältnisse und die Hygiene besser wurden. So begann im 19. Jahrhundert das, was der Philosoph Michel Foucault Bio-Politik nennt. Der Staat fing an, sich für die Gesundheit seiner Bürger verantwortlich zu fühlen, und handelte. Zumindest, wenn es um ansteckende Krankheiten ging. Es entstand dann nach und nach das moderne Vor- und Fürsorge-System, das wir heute als Pflicht des Staates begreifen.

Dies ist, ich schwöre es, der einzige Abschnitt in zweieinhalb Seiten à drei Spalten, der so etwas wie Erkenntnisgewinn beinhaltet. Der Rest sind Platitüden, Nullsätze und Aussagen, die auch ein durchschnittlich begabter 16-Jähriger in Gemeinschaftskunde zu Papier bringen könnte. Es sollte in dem Gespräch um die Pflichten des Staates vor dem Hintergrund des sog. "Impf-Debakels" gehen. Warum auch nicht? Die Menschen dürfen und sollen während einer Pandemie nicht nur von Fachleuten aus der Medizin Erklärungen und Handreichungen bekommen, sondern auch aus den Bereichen Politologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und eben: Philosophie. Aber wenn sich die Aufklärung durch einen als Intellektueller geltenden Honorarprofessor in Sentenzen erschöpft wie "Der Staat muss verhindern, dass der Einzelne durch andere in eine bedrohliche Situation kommt", "Der Vorsorgestaat darf nie zum Bevormundungsstaat werden" oder "Es geht immer um die Frage, inwieweit andere von meinem Handeln oder Unterlassen betroffen sind", dann wirft das kein gutes Licht auf den gegenwärtigen Stand der Philosophie in Deutschland. Für die sollten Knalltüten wie Richard David Precht und Markus Gabriel natürlich nicht als stellvertretend behandelt werden, ich fürchte aber, in der öffentlichen Wahrnehmung geschieht genau das. Sonst hätte man die Niederschrift des Stern-Interviews ja direkt eingemottet, statt sie abzudrucken.

Freitag, 9. April 2021

The Great Divider

Letztens dieses Meme gesehen:

Hehe, stimmt, in Amerika liegt das Alkoholersterwerbsalter bei 21. In vielen Teilen der Welt konnten junge oder eben nicht mehr so junge Menschen solche Erweckungserlebnisse bereits 2018 haben (während es in den indischen Bundesstaaten Haryana, Meghalaya und Punjab erst 2025 so weit ist). Die Jahrtausendwende als Demarkationslinie, als großer Teiler zwischen Mündigen und Minderjährigen, als Spalter gar? Naa, ich bin seit langem der Ansicht, dass der herrschende Generationenkonflikt auch nicht dramatischer ist als alle vorangegangenen. Wenn ich höre, dass sich mittlerweile die GenZ über Millennials mokiert, fühle ich mich allerdings wirklich greisenhaft. Ich selbst wurde ja leider tief im 20. Jahrhundert geboren, und die Chancen stehen – machen wir uns nichts vor – schlecht, dass ich der letzte Überlebende mit einer 19 im Geburstjahr sein werde. Es sei denn ... *reibt sich diabolisch die Hände*

Mittwoch, 7. April 2021

Wörter unter dem Fernglas

Eine dritte Erklärung ist, dass Friedrich Wilhelm nach dem Dreißigjährigen Krieg für seine Armee schwedische Veteranen als Ausbilder einsetzte. Diese wurden "alte Schweden" genannt, eine Bezeichnung, die im Volksmund bald auf nichtmilitärische Personen übertragen wurde. Eine vierte Erklärung besagt, dass nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges Soldaten der schwedischen Armee von Friedrich Wilhelm für die Ausbildung seiner Truppen akquiriert wurden, die umgangssprachlich als "alte Schweden" adressiert wurden. Diese kumpelhafte Anrede verbreitete sich dann auch außerhalb des Heeres. Eine fünfte Erklärung geht so: Nach dem Dreißigjährigen Krieg bediente sich der Herzog Friedrich Wilhelm ehemaliger schwedischer Soldaten, um preußische Gefreite ausbilden zu lassen. "Alter Schwede" bzw., in der Mehrzahl, "alte Schweden" sagte man zu diesen fremdländischen Militärs. Erklärung Nummer 6 besagt, dass Friedrich Wilhelm nach dem Ende des Dreißigjährigen

Montag, 5. April 2021

Hier bin ich Mensch, hier will ich nicht sein

Wenn eine globale Pandemie Reisen verhindert und für Tagestouren in die Region keine Zeit bleibt, kann man immer noch durch die eigene Stadt spazieren. Allein, mir ist die Lust darauf vergangen. War ich jahrelang ein Verteidiger meines Wohnortes, sehe ich heute nur noch alles Hässliche, Verkommene, Verstandesbeleidigende. Es ist gar nicht mal das Frankfurt-Typische, das mich zermürbt – in Berlin fällt mir Vergleichbares auf; es wohnt allen Großstädten etwas zutiefst Seelentötendes inne, das in den vergangenen Monaten entweder schlimmer geworden ist oder mir aufgrund akuter Abstumpfungsabwehrschwäche massiert ins gramgedrückte Auge sticht. 

Allein die Tatsache, dass man als Flaneur alle paar Meter stehen bleiben muss, um Autos vorbeifahren zu lassen, ist irrwitzige Menschenfeindlichkeit hoch drei. Unablässiger Lärm, Krach, Tonterror raubt einem den letzten Nerv. Dreck, Tod, Elend, wohin der Blick auch streift. Die Vorteile urbanen Lebens sind mir natürlich bewusst, aber in den gegenwärtigen (und ich fürchte: noch lange anhaltenden) Einschränkungen sind sie dazu verdammt, unterzugehen. Sehe ich etwas potenziell Schönes, meldet sich der Schwarzmaler und Pessimist in mir: Ein nicht unansehnliches Wohnhaus? – Die Miete werde ich mir eh nie leisten können. / Ein nettes Café? – Darf man ja nicht rein. / Oh, ein kleines Untergrundtheater! – Ein Wunder, dass das noch nicht geschlossen ist. / Ein hübscher Park? – Da muss man joggenden Virenverteilern ausweichen oder mit Belästigungen durch die Obrigkeit rechnen. Erholung? Pfeifendeckel!

Was ist die Alternative? Aufs Land ziehen? Und sich in struktureller Unerschlossenheit, abseits jeglichen kulturellen Inputs mit unausstehlichem Volk rumschlagen? Womit ich nicht nur das angestammte meine (Der Spiegel vom 3. April: "Immer mehr Großstädter ziehen aufs Dorf, auch Hipster und Kreative.") ... Na schönen Dank!

Donnerstag, 1. April 2021

Serientagebuch 03/21

01.03. Castle Rock 1.05
02.03. Servant 2.07
Castle Rock 1.06
03.03. The Simpsons 32.13
Norm 3.22
05.03. Family Guy 19.12
Norm 3.23
The Pembrokeshire Murders 1.01
06.03. Castle Rock 1.07
07.03. Norm 3.24
The Pembrokeshire Murders 1.02
The Pembrokeshire Murders 1.03
Barry 1.01
08.03. Angie Tribeca 4.01
Barry 1.02
Castle Rock 1.08
09.03. Angie Tribeca 4.02
Castle Rock 1.09
Castle Rock 1.10
10.03. The Simpsons 32.14
Barry 1.03
11.03. Servant 2.08
12.03. Angie Tribeca 4.03
13.03. Barry 1.04
14.03. Barry 1.05
Family Guy 19.13
22.03. This Is Us 5.10
23.03. Angie Tribeca 4.05
The Simpsons 32.15
Servant 2.09
Servant 2.10
25.03. Angie Tribeca 4.04
26.03. Barry 1.06
Barry 1.07
Family Guy 19.14
27.03. This Is Us 5.11
Barry 1.08
Good Omens 1.01
29.03. Angie Tribeca 4.06
30.03. The Simpsons 32.16
Angie Tribeca 4.07
Good Omens 1.02

Wachsame Augen werden eine Besonderheit bemerkt haben: Ich habe versehentlich zwei Episoden von Angie Tribeca in der falsche Reihenfolge geschaut! Das war aber kein Beinbruch, ich konnte die Handlung der in sich abgeschlossenen Folgen trotzdem nachvollziehen, und der übergreifende arc der (sehr witzigen) Staffel spielte in beiden keine Rolle.
Durchgängig fesselnd war die Fortsetzung von Servant. Wie ich kürzlich las, setzt Executive Producer M. Night Shyamalan, der auch wieder eine Folge inszeniert hat und dessen Tochter jetzt als Autorin und Regisseurin das Team ergänzt, für den Rest der Handlung noch zwei Staffeln à zehn Folgen an. Ich bin gespannt, wie die mysteriöse Geschichte aufgelöst wird, die im Moment noch angenehm undurchsichtig ist, ohne ins Verschwurbelte abzudriften. Neben dem häppchentauglichen Halbstunden-Format sprechen mich vor allem die zwei Kontrastpunkte an, die seit Beginn an einen unverkennbaren Bestandteil des nicht nur optisch dunklen urbanen Gruseldramas bilden, nämlich 1. die Auftritte von Essen (keine Episode ohne ausgiebige Foodporn-Sequenz) und 2. der eigenwillige Humor, der sich zum Großteil aus den Dialogzeilen der Figur Julian (Rupert Grint, der trotzdem nie zum reinen Comic relief verkommt) ergibt, aber auch aus dem exaltierten Spiel von Lauren Ambrose, das mich zuweilen an Vera Farmiga in "Bates Motel" erinnert.
Seinen Lorbeeren nicht gerecht wurde meiner Meinung nach die HBO-Killerserie Barry von und mit Bill Hader. Diese Art von Humor (böse Buben tun banale Dinge / haben sympathische Seiten; Greueltaten wechseln sich mit harmonischem Geplauder ab) erscheint mir überstrapaziert und will auch weder zu den tragischen Momenten noch den Gewalteruptionen recht passen, nicht mal als Stimmunskonter. Die vielen bekannten Gesichter bewahrten den Achtteiler davor, von mir als Rohrkrepierer bewertet zu werden, zudem ist er flott weggeguckt, aber der zweiten Season werde ich keine Chance geben.
Auch bei Castle Rock bin ich mir dahingehend unsicher. (Mein Interesse weckte die Information, dass in Staffel 2 die Vorgeschichte von "Misery" erzählt werden soll, obendrein mit einer hervorragenden Schauspielerin.) Die erste Staffel war jedenfalls erzählerisch a mess. Eine Serie im Stephen-King-Universum mit neuen Stoffen, zudem unter der Aufsicht Kings himself (neben u.a. J.J. Abrams ausführender Produzent), ist natürlich nicht ohne Reiz, und es macht Freude, Querverbindungen und Easter eggs zu entdecken. Auch Besetzung, Musik und Kameraführung gehen mehr als in Ordnung. Eine stärkere Kontinuität, ein Fokussieren auf eine Storyline hätte ich mir indes gewünscht.
The Pembrokeshire Murders ist die letzte von bisher 13 ITV-Miniserien, die berühmte britische Mordfälle nacherzählt; das von mir letzten Monat gesehene "Des" gehörte ebenso dazu, und wie jenes ist dieser in Wales spielende Dreiteiler in erster Linie um realistische Darstellung der Ermittlungsarbeit bemüht. Forensik und Psychologie spielen also wieder eine größere Rolle als die – lediglich verbal beschriebenen – Taten des sog. "Game Show Killers" (die man in Deutschland übrigens eine Weile mit den Göhrde-Morden in Verbindung gebracht hat). "A case of too much cop and not enough killer", hieß es in der Times. Mag sein. Trotzdem sehenswert.

Dienstag, 30. März 2021

Neues von der Altenwelt

Anfang des Monats starb 103-jährig der deutsche Typograf und Grafiker Helmut Matheis. Ich las seine Vita und war begeistert, zu erfahren, dass mit ihm wohl einer der Letzten gegangen ist, die noch vor dem großen Zäsurjahr 1945 ein Studium abgeschlossen haben. Ich fragte mich, ob wohl noch Menschen unter uns weilen, die im "Dritten Reich" promoviert haben! Das hat mich an Hildegard Hamm-Brücher stets fasziniert. Wenig später starb kurz vor seinem 100. Geburtstag der Chemiker Siegfried Hünig, der tatsächlich wie seine Jahrgangsgenossin Hamm-Brücher ein "Turbo-Studium" hingelegt hatte und 1943 seinen Doktor machte. Bei dieser Gelegenheit soll auch die amerikanische Kinderbuchautorin Beverly Cleary (* 12.4.1916, † 25.3.2021) geehrt werden, die zwei Bachelor-Abschlüsse erlangte, noch bevor ihr Land in den Zweiten Weltkrieg eintrat. Als wäre das alles noch nicht mind-blowing genug gewesen, machte mich via Twitter jemand auf Renée Simonot aufmerksam, die noch lebende 109-jährige Mutter von Catherine Deneuve, die ihr Schauspieldebut im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs hinlegte!

Heute habe ich gelernt, dass es für solche aufregenden Epochenverbindungen einen englischsprachigen Spezialausdruck gibt: "The Great Span". Das renommierte Blog kottke.org sammelt Beispiele für derartige Links, etwa den Auftritt eines 96-jährigen Augenzeugen der Lincoln-Ermordung in einer TV-Gameshow von 1956.

Sonntag, 28. März 2021

Die Tee-Zeremonie

"In der Coronapandemie haben die Briten die Liebe zum Tee wiederentdeckt", lese ich gerade. "Neun von zehn Menschen im Königreich gönnen sich nun regelmäßig ein Tässchen – zunehmend auch jüngere." Das erstaunt mich insofern, als ich geschätzt hätte, dass sich bisher zehn von zehn Menschen im Königreich mindestens einmal pro Tag a cuppa gönnen. Sofern zeitgenössische britische Serien und Filme die Lebenswirklichkeit widerspiegeln, ist Tee mehr als ein Genussmittel für private Mußeminuten, er ist flüssiger sozialer Kitt. Selbst wenn deine verfeindete Nachbarin wutentbrannt vor der Wohnungstür aufmarschiert, um sich über dies und das zu beschweren, gebietet es der Anstand, sie auf eine Tasse Tee hereinzubitten. Wenn nun in einer Filmszene jemand so ein Teetrinkangebot ablehnt, ist das ein Symbol dafür, dass die letzten Brücken eingerissen sind. Fernsehklischee, klar.

Ich selbst trinke jeden Tag Tee, obwohl ich dem Inselvolk nicht staatsbürgerlich, sondern nur mit dem Herzen verbunden bin. Beliebter Schwarztee wie Earl Grey kommt mir allerdings nicht in den Pott. Für mich kann es gar nicht postmodern und albern genug sein, weswegen ich im Supermarkt vergnügt kichernd zu Sorten wie denen der aktuellen "fabelhaften" Edition von Meßmer greife: "Zauber der Zwerge" (Holunder-Waldmeister) oder "Fantasie der Feen" (Himbeer-Vanille).

Freitag, 26. März 2021

Bean there, done za

Folgendes Rezept möchte ich allen empfehlen, die meinen, in Sachen Pizza schon alles ausprobiert zu haben. Keine Sorge, die Machart ist nicht ungewöhnlich um der Ungewöhnlichkeit willen, affig oder italienverhöhnend gar! Die hier vorgestellte, angeblich ligurische Variante ist im Gegenteil ziemlich bodenständig, wenn man näher drüber nachdenkt, ja regelrecht naheliegend sowie reduziert. Fast schon zu mild ist der Belag für meinen Geschmack, enthält er doch zwei Käsesorten, die ich für die fadesten auf dem Molkereimarkt halte. Doch bevor ich mich in noch mehr widersprüchlichem Geschwätz verliere, in medias res, wie man in Italien sagt(e)!

Man koche 150 Gramm grüne Bohnen für eine gute Viertelstunde in Wasser auf. Währenddessen vermenge man 150 Gramm Mozzarella mit 150 Gramm Ricotta sowie einem Schluck Milch in einem Standmixer o.ä. und schmecke die Mischung mit Salz und Pfeffer ab. Dann rollt man den (gekauften Fertig- oder selbstgemachten) Pizzateig aus und bestreiche ihn mit grünem Pesto. Man kann gern veganes nehmen, denn genug Käse kommt ja eh hinzu, nämlich indem man gleich die Käsemasse darauf verteilt. Ganz oben werden die blanchierten Bohnen ausgelegt. Backen, rausnehmen, ggf. mit Olivenöl beträufeln und nochmals salzen und pfeffern, fertig!

Mittwoch, 24. März 2021

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

John Wick
Wie damals im Fall von Liam Neesons "Taken"-Franchise erschließt sich mir der Hype um Keanu Reeves' Rache-Vehikel kein Stück. "John Wick" kann zwar mit einem namhaften Cast und, so man auf derlei steht, ordentlich choreographierten Kampfszenen aufwarten, doch scheint mir, dass hier in erster Linie der sympathische Keanu Reeves abgekultet werden sollte und ansonsten "style over substance" als Credo galt. Tut mir leid, aber ein Actioner um einen ehemaligen Attentäter sollte anno 2014ff. ein bisschen mehr bieten als Schauwerte, nämlich entweder eine Schippe Herz und Menschelei ("Mann unter Feuer", 2004) oder komplett durchgeknallte Comic-Brutalität ("Crank", 2006). "John Wick" geht weder in die eine noch die andere Richtung und bleibt letztlich ein vergessenswertes Martial-Arts- und Baller-Stück, das sich allzu geleckt von Szene zu Szene schleppt.

The Big Wave Project
Um meine wasserbezogene Angstlust zu befeuern (haha), habe ich mir diese Sportdoku über Monsterwellenreiter besorgt. Mir gehen Surferdudes mit ihrer Attitüde und ihrem Lifestyle gehörig auf den Keks ("A Band of Brothers" lautet der Untertitel – ugh!), aber die Stars sind hier ohnehin die Wellen. Deren gigantischsten findet man vor der Küste Portugals, von wo die meisten der beeindruckenden Videoaufnahmen stammen. Die Männchen auf ihren Brettern braucht's eigentlich gar nicht.
Hach, ich möchte mich sofort an einem lauschigen Aussichtspunkt an der Küste platzieren und stundenlang die gewaltigen Meeresmassen beobachten. Auch geologisch gibt es einiges zu bestaunen (googelt mal "Eddystone Rock Australia").

Porträt einer jungen Frau in Flammen
Landschaftlich eher karg ist die Insel in der Bretagne, auf die es im 18. Jahrhundert eine junge Malerin (Noémie Merlant) verschlägt. Karg ist auch das aufspielende Ensemble; neben besagter Malerin stehen nur ihr Modell (eine ehemalige Klosterschülerin)* sowie gelegentlich dessen Mutter und das Hausmädchen im Mittelpunkt der ruhig erzählten Geschichte. Ein Ausstattungsspektakel darf man ebenfalls nicht erwarten. Ich hatte mich auf opulentes Kostümkino eingestellt, aber ich schätze, die Reduktion ist wie bei den genannten Punkten Mittel zum Zweck. Hätte von mir aus trauriger sein können.
* Klammern statt Kommata gesetzt, um hervorzuheben, dass die drei Wörter eine Apposition sind und nicht zu der Aufzählung gehören

Greyhound
Zurück ins Wasser: Der Direct-to-Stream-Release mit Tom Hanks als U-Boot-Commander im Zweiten Weltkrieg hätte auf der großen Leinwand vermutlich mehr Eindruck geschunden, wobei epische Seeschlachten und reißerische Effekte nur einen geringen Teil von "Greyhound" ausmachen. Vorder-, um nicht zu sagen untergründig verfolgen wir die nervenaufreibenden, realistisch dargestellten militärischen Routinen und Improvisationen der Mannschaft und schauen in die Psyche eines Kommandanten am Limit. Das ist nicht unspannend, obschon ich ahne, dass der von mir bisher nicht gesehene Klassiker "Das Boot" diesbezüglich Maßstäbe gesetzt hat.
Kurioses am Rande: Der Deutsche Thomas Kretschmann spielt ein Mitglied der sog. Grauen Wölfe, ohne dass man ihn zu Gesicht bekommt (er meldet sich lediglich über Funk). In der deutschen Fassung bekommt man ihn nicht mal zu Gehör, weil Kretschmann von Dietmar Wunder synchronisiert wird.

Belushi
Ein langes Feature über den zu früh verstorbenen Komiker John Belushi mit vielen erhellenden Einblicken in die Anfangszeit von "Saturday Night Live". Dabei ist mir aufgefallen, dass ich keinen einzigen Spielfilm mit Belushi gesehen habe! (In einer alternativen Welt hätte er einen der "Ghostbusters" gespielt.) Die Blues Brothers fand ich immer lahm, aber zumindest "National Lampoon's Animal House" sollte ich mal nachholen.

Boston (OT: Patriots Day)
Eine Rolle, für die nur Mark Wahlberg in Frage kommt: ein raubeiniger, bodenständiger Polizist, der in die Geschehnisse um den Boston-Marathon 2013 hineingerissen wird. Ich hatte wenig Lust auf eine Fiktionalisierung des schrecklichen Anschlags, aber die positiven Kritiken haben mich überzeugt, und ich möchte mich ihnen anschließen. Peter Berg vermag es, einen mitzureißen, wie es bei vergleichbaren Stoffen höchstens Paul Greengrass kann. Das Action-Thriller-Drama (?) ist spürbar der Realität verpflichtet und hält sich nicht über seine zwei Stunden hinweg mit den Ereignissen des Patriots' Day auf, sondern zeichnet präzise die folgenden Ermittlungen und die atemraubende Täterjagd nach – ein aftermath, von dem ich kaum was wusste! 

The Gentlemen
Nicht zu hoch waren auch meine Erwartungen an Guy Ritchies jüngste Gangster-Kapriole, nachdem mich der "Snatch"-Macher mit "Revolver" und "Rocknrolla" ziemlich gelangweilt hat. Entwarnung: "The Gentlemen" ist brillant! Nicht nur die Dialoge (ich muss es leider schreiben: Unbedingt im Original genießen!) sitzen perfekt, auch die sie Vortragenden sind toll gewählt. Der nie wirklich enttäuschende Matthew McConaughey hat dabei nicht einmal die Nase vorn; über den grünen Klee zu loben sind hier vorrangig Colin Farrell und Charlie Hunnam, von deren Auftritten man gar nicht genug bekommen kann. Geadelt wird das wieder zutiefst britische Ganovenstück von Hugh Grant, der seinen permanent zwischen cockiness und Peinlichberührtsein schwankenden Habitus perfektioniert hat.

Die Mörder sind unter uns
Allein aus historischen Gründen sollte man dieses Kriminaldrama von Wolfgang Staudte und mit der Knef gesehen haben. Es handelt sich um die erste deutsche Filmproduktion nach dem Kriegsende (gedreht in der sowjetischen Besatzungszone, noch vor Gründung der DEFA), und diese traut sich mehr Unangenehmes zu thematisieren (allein der Titel!) als so mancher später entstandene Streifen über die NS- und/oder Trümmerzeit. Wenn man durchgeschnauft hat, sollte man nachlesen, wie das ursprünglich vorgesehene Ende aussah.

Donnie Brasco
Kein Pflichtprogramm ist meiner bescheidenen Meinung nach diese schmutzige Mafia-Saga mit Al Pacino. Bemerkenswert immerhin: Paul Giamatti in einer frühen Mini-Rolle und – im negativen Sinn – gewisse Szenen mit Johnny Depp, die 2021 einen unguten Beigeschmack haben.

Die Braut des Prinzen (OT: The Princess Bride)
Es gibt eine Reihe amerikanischer Achtzigerjahre-Filme, die im Produktionsland einen nahezu unerklärlichen Kultstatus besitzen, deren Namen bei uns jedoch irgendetwas zwischen Achselzucken und Ratlosigkeit hervorrufen. "The Breakfast Club" gehört dazu, "Say Anything", "Top Gun", sicher auch der oben genannte "Animal House" und eben die Märchenkomödie "The Princess Bride". Einige Zitate daraus sind zum Allgemeingut geronnen ("Inconceivable!"; "My name is Inigo Montoya ..."), und Adventurespiele-Fans älteren Semesters werden sich daran erinnern, dass ein Teil der berühmt-berüchtigten "Kings Quest"-Reihe "The Princeless Bride" hieß (in Deutschland "Die prinzlose Braut", na ja).
Sollte ich benennen, was genau daran so kultverdächtig ist, ich könnte nicht mit dem Finger drauf zeigen. Vielleicht funktionieren die Zitate auf deutsch einfach nicht so gut. Tatsächlich sehr gediegen ist die Besetzung, obwohl ich die meisten Schauspieler gar nicht erkannt habe: Mandy Patinkin (jung und bartlos), Billy Crystal (kein Gesicht vor Augen), Carol Kane (stark verkleidet, aber mit Trademark-Exzentrik wie in "Kimmy Schmidt")! Der Hauptdarsteller kam mir sofort bekannt vor, aber ich musste hinterher nachschlagen: Es ist Cary Elwes, der ja erst 2004 mit "Saw" seinen (zweiten) Durchbruch haben sollte. Dass André the Giant mitspielt, hatte ich bereits gewusst. An der Regie von Urgestein Rob Reiner, Sohn von Carl Reiner, gibt es nichts zu mäkeln. (Reiners rezenteste Arbeit, die ich gesehen habe, ohne zu wissen, dass sie von ihm ist, war übrigens "Being Charlie".)

Montag, 22. März 2021

Lieder, die wir sangen

"Wegen des Dopingskandals ist Russland bei den beiden kommenden Olympischen und Paralympischen Spielen sowie Weltmeisterschaften kein Start unter russischer Flagge und mit russischer Hymne erlaubt", notierte "Spiegel online" vergangene Woche am Rande. "Da Sportler an den Veranstaltungen unter bestimmten Voraussetzungen als 'neutrale Athleten' teilnehmen dürfen, sollte das im Zweiten Weltkrieg populär gewordene Lied 'Katjuscha' statt der Hymne gespielt werden. Doch der [Internationale Sportgerichtshof] Cas verweigerte seine Zustimmung."

Schon während ich die Überschrift zu dieser skurrilen Meldung las, schossen mir die ersten Zeilen des genannten Liedes durch den Kopf: "Leuchtend prangten ringsum Apfelblüten, still vom Fluss zog Nebel noch ins Land. Durch die Wiesen ging hurtig Katjuscha, zu des Flusses steiler Uferwand." Die kannte ich nämlich noch aus dem Musikunterricht. Oft genug habe ich meine Schulzeit in Bausch und Bogen verdammt, aber dass die musikalische Erziehung zu kurz gekommen wäre, kann ich nicht behaupten. Tatsächlich gehörte die Musikstunde nicht selten zu den wenigen Lichtblicken einer Schulwoche. Unsere Lehrerinnen haben uns so viel zum Singen gezwungen animiert, dass wir gar nicht anders konnten, als Begeisterung für diese Kulturtechnik zu entwickeln.

Letztes Jahr habe ich, als kleines Experiment, versucht, mich an alle Lieder zu erinnern, die wir von Klasse 5 bis 12 geträllert haben, und die Liste, die dabei herauskam, ist beachtlich:

  • I am sailing
  • Little Boxes
  • In einen Harung
  • Yesterday
  • Die Forelle
  • Bella Bimba
  • Heidenröslein
  • Sascha geizte mit den Worten
  • San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in Your Hair)
  • Die Moorsoldaten
  • By the Waters of Babylon (Philip Hayes)
  • Es, es, es und es
  • Als ich einmal reiste
  • We Will Rock You
  • We Shall Not Be Moved
  • 99 Luftballons
  • Swing Low Sweet Chariot
  • Hinterm Horizont geht's weiter
  • Whiskey in the Jar
  • Es waren zwei Königskinder
  • Get on Board, Little Children
  • La pulce d'acqua
  • Aquarius
  • Ich komme schon durch manche Land
  • Ho, unser Maat hat schief geladen
  • Hoch auf dem gelben Wagen
  • Oh My Darling Clementine
  • Laurentia, liebe Laurentia mein
  • Down by the Riverside
  • Ein Mann, der sich Kolumbus nannt'
  • Sacco und Vanzetti
  • Sind so kleine Hände
  • Heut kommt der Hans zu mir
  • Dat du min Leevsten büst
  • Lemon Tree
  • Sag mir, wo die Blumen sind
  • My Bonnie Lies Over the Ocean
  • Kumbaya
  • Heißa Kathreinerle
  • Stille Nacht
  • Sitz-Boogie-Woogie
  • Guantanamera
  • Hab mein Wage vollgelade
  • Jingle Bells
  • Miau, miau, hörst du mich schreien
  • Mary's Boy Child
  • Der Kuckuck und der Esel
  • Bona Nox (bist a rechta Ox)
  • Die Gedanken sind frei
  • Die Moritat von Mackie Messer
  • Heho, spann den Wagen an
  • Auld Lang Syne
  • Little Drummer Boy
  • Boat on the River
  • Bruder Jakob
Die Aufzählung ließe sich erweitern, wenn ich auch noch den Englisch-, Französisch-, Spanisch- und Religionsunterricht mit einbezöge. Zum Beispiel mit:
  • Alouette
  • Von guten Mächten wunderbar geborgen
  • Wonderful World (Sam Cooke)
  • María Isabel
  • Streets of London
  • Arroz con Leche
  • Sur le Pont d'Avignon
  • Kleines Senfkorn Hoffnung
  • Que Sera Sera
  • Laudato si
... und da habe ich garantiert das eine oder andere Lied vergessen. Auch wenn nicht jedes davon Begeisterungsstürme unter uns Schülern und Schülerinnen auszulösen vermochte, so gab es doch genügend Gassenhauer, die ich noch heute gerne vor mich hin singe, wenn mir danach ist. Danke dafür! 

Es soll ja Leute geben, die ihre Schulaufzeichnungen nicht aufgehoben haben. Tja, die können halt zwei Jahrzehnte nach ihrem Abschluss keine banalen Blogbeiträge schreiben!

Samstag, 20. März 2021

Oy veh, SPD!

"Spiegel online" zitiert den neuen Vorsitzenden des SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Thomas Kutschaty: "So etwas Meschugges habe ich über mich noch nie gehört".

Hm, muss es nicht "Meschuggenes" heißen? So kenne ich die nicht-prädikative Form des jiddischen Adjektivs jedenfalls ... nun gut, zumindest aus amerikanischen Filmzeilen. Tatsächlich schreibt das Jewish English Lexicon: "In Yiddish, meshugene(r) – with the "ne(r)" ending – is used as an attributive adjective modifying a noun (e.g., a meshugene froy, 'a crazy woman'), whereas meshuge is a predicative adjective (zi iz meshuge, 'she is crazy'). This distinction is preserved for many speakers of Jewish English (e.g., 'He is absolutely meshuga!' vs. 'He is such a meshgene (guy)!')." Ob diese "Regel" auf "deutsches Jiddisch" anwendbar ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe zwar während meines Studiums an einem Jiddisch-Blockseminar teilgenommen, aber davon ist nichts hängen geblieben, und wenn ich jetzt meine Aufzeichnungen konsultiere, werde ich mich wieder stundenlang damit befassen; in diesen Kaninchenbau stürze ich mich nicht! Fragen wir das Netz. Für "meschugges" liefert Google unwesentlich mehr Belege als für "meschuggenes" (jeweils weniger als 1000 Treffer), aber womöglich könnte der Buchtitel "Das meschuggene Jahr" ein Argument für letztere Form sein.

Das Meschuggene, das Kutschaty im Spiegel-Interview meint, ist übrigens die Äußerung eines anderen Politikers: "Ein Parteifreund aus Ihrem Landesverband beschreibt Sie zum Beispiel als Krokodil: Ein Tier, das träge im Sumpf liegt, meistens nichts macht, doch wenn ein Gegner vorbeikommt, schnappt es zu."

Notiz an mich selbst: Ich muss mal wieder Meshuggah hören!

Donnerstag, 18. März 2021

Gedankenlose Produktbenennung

Die backfertige Mohnfüllung von Dr. Oetker heißt "Mohn Back". Was soll das? Für mich ist das Militärsprache und erinnert mich an unseren Sportlehrer, der zu Ausdauerlauf immer "Lauf Ausdauer" gesagt hat. Die Benennung fügt sich nicht einmal in ein markenspezifisches Muster, denn seinen Kakao zum Backen nennt Dr. Oetker schlicht "Kakao zum Backen".

Gnatzig machte mich auch der Back-Ziegenkäse, den ich letztens bei Rewe sah. "Omas Ziegenkäse aus dem Ofen" stand darauf. Es ist dasselbe Problem wie beim "heißen Met": Nimmt man den Käse aus der Packung, kommt er eben nicht aus dem Ofen, sondern erst hinein. "Ziegenkäse für den Ofen" wäre eine sinnvolle Bezeichnung (ob er tatsächlich von Oma stammt, ist eine andere Frage). Es würde doch auch niemand hinnehmen, wenn Saftorangen mit "Frisch gepresste Orangen" etikettiert wären!