Montag, 26. Juni 2017

The horror! The horror!

Zweimal in den vergangenen Wochen musste ich lesen, dass sich in der wirklichen Welt Szenen "wie in einem Horrorfilm" ereignet haben, beide Male ging es um Feuer, nämlich um den Hochhausbrand in London und die Waldbrände in Portugal. Nur: Mir fällt kein einziger Horrorfilm ein, in dem verheerende Brände eine Rolle spielen. Woran denken die Leute, die sich solcher Formulierungen bedienen? 
Auch gewagt die "Huffington Post": "Am Ende landet der Abfall auf einem der zahlreichen Müllberge. Diese erstrecken sich teilweise 90 Meter in die Höhe und stürzen oft ein. So entstehen richtige Mülllawinen, die zahllose Menschen das Leben kosten. Für uns Europäer hört sich das an wie der Plot für einen Horrorfilm." Für mich nicht. Umweltkatastrophen und unbeherrschte Elemente eignen sich gewiss als Sujets des Alltagsgrusels im 21. Jahrhundert, aber man bringe bitte keine Filmgenres durcheinander! Naja, wenigstens werden Bilder lodernder Gebäude und Bäume nicht in "schlechten Filmen" verortet.

Samstag, 24. Juni 2017

See you next Tuesday

Einem Artikel in Cinema über Amy Schumer entnehme ich folgende Behauptung: "Zu ihren Verdiensten zählt auch, dass sie in ihrer Show auf Comedy Central 'pussy' sagen darf – als Erste überhaupt im US-Kabelfernsehen." Mooooment! Hat nicht Sarah Silverman schon vor einem guten Jahrzehnt im "Sarah Silverman Program" (welches ebenfalls auf Comedy Central lief) "pussy" gesagt? Jein, wie mir nach längerem Nachdenken wieder einfällt. Auf ulkige Weise hat sie damals die Artikulation so verändert, dass das böse P-Wort unzensiert über den Äther gehen durfte; in diesem Tweet steht sogar, wie's geht:


Es ist dies ein klassischer Fall von "Getting Crap Past the Radar": Zensurwürdige Inhalte werden dergestalt verschlüsselt, modifiziert, getarnt, dass sie unbeanstandet bleiben (müssen), aber für ein halbwegs ab- bzw. aufgeklärtes Publikum als die ursprünglich gemeinte Sauerei erkennbar sind. Im Basic-Cable-Fernsehen scheinen die (Sprach-)Regeln nun also gelockert zu werden, sogar was "härtere" Wörter angeht. Beim Sender FX beispielsweise gab es meines Wissens bis vor kurzem grünes Licht für "shit", nicht jedoch für "fuck". In der gerade zu Ende gegangenen 3. Staffel "Fargo" jedoch konnte man mehrfach Leute "fuck" fluchen hören. Oder zahlt der Sender halt einfach jedes Mal eine Vertragsstrafe? Ich entsinne mich auch an das Finale von "Bates Motel" (A&E), wo sich die Macher eine wohlplatzierte "f-bomb" geleistet haben; sogar in der Wiederholung blieb es unverpiept, wie bei Reddit zu lesen war. Ebendort brachte ein User die Bigotterie des Systems auf den Punkt: "I'm glad they warned me before fuck was said. Not sure how that would have impacted my viewing of bloody murders for entertainment. It might have corrupted me." Das Klischee stimmt wohl immer noch, sowohl im Kabel- wie im Network-TV: Gewalt ist okay, aber weh schmutzigen Vokabulars!

Die ewige NBC-Comedyshow "Saturday Night Live" macht sich seit jeher einen Spaß daraus, jedes erdenkliche der "seven dirty words" auf die Bildschirme des Landes zu schmuggeln. Unvergessen der Sketch, in dem Janet Jackson auf einem Weingut die Kunst des Korkeneinweichens erklärt bekommt: "cork soaking" und "cork soakers" klingt dann natürlich, obendrein in pseudo-italienischem Akzent gesprochen, wie ... nun, schon klar, gell? Kaum weniger mutig und amüsant war der "Sofa King"; nicht unverlinkt bleibe auch der Klassiker "Schweddy Balls". Nonverbal hat SNL vor ziemlich genau zehn Jahren den Vogel abgeschossen, als in einer "Sopranos"-Parodie ganz unverhohlen das hier gezeigt wurde (ab 3:45). Ich traute damals meinen Augen kaum!

Man muss eigentlich dankbar sein für die strengen Auflagen im amerikanischen Nicht-Pay-TV. Welche kreativen Spielereien wären nie geschrieben und inszeniert worden! Und wenn überall immer und alles erlaubt ist, stumpft man ja auch irgendwann ab. Außerdem: Wo wäre der Jux, wenn SpongeBob tatsächlich das allerschlümmste Four-letter-word der englischen Sprache geäußert hätte statt Mrs. Puff ein herzhaftes "See you next Tuesday" entgegenzuschleudern?

Sonntag, 18. Juni 2017

Lazy Sunday (& Monday, Tuesday ...)

Liebe Leute, ich gönne mir eine Woche Blogpause. Gönnt auch ihr euch eine Woche Pause von irgendwas! Wird nicht eh viel zu viel "geliefert" in diesen unseren Zeiten? Ich finde schon. 

Donnerstag, 15. Juni 2017

Throwback Thursday: Praxisgebühr

Erinnert ihr euch noch an die wilden Jahre, in denen es in Deutschland die Praxisgebühr gab? Mit eitrigem Husten und offenen Brüchen schleppten wir uns zur Arbeit – es waren ja noch drei Tage bis zum neuen Quartal! Für das laufende Vierteljahr hatten wir die fälligen 10 Euro noch nicht entrichtet, und dies jetzt noch zu tun, wäre unökonomisch hoch zehn!) Für einen Sehtest brauchte man eine Überweisung von der Orthopädin, dafür wiederum zwei Empfehlungen von unabhängigen Hautärzten aus dem gleichen Postleitzahlengebiet, und auf einen Termin musste man sowieso mindestens zwölf Monate warten. Ich weiß gar nicht mehr, ob Schwarz-Gelb oder Rot-Grün für diese Schweinerei verantwortlich war. Zuzutrauen ist es beiden.

(Wo ich das Prinzip der Praxisgebühr bereits im Vorfeld kennenlernen durfte, habe ich schon einmal erwähnt.)

Sonntag, 11. Juni 2017

Blogbuch KW 23

Die letzten zwei Wochen waren sehr aufregend für mich – nicht nur, weil ich gleich zweimal die Stadt verlassen habe, sondern weil ich es endlich gewagt habe, in die Welt der Porridges einzutauchen. Mir war klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis auch ich diesem Frühstückstrend erliege. Bislang hatte ich mich damit herausgeredet, dass morgendliches Milcherwärmen zu aufwendig sei, doch es ist gar nicht kompliziert: Wieviel Milch man benötigt und wie lange man sie in die Mikrowelle tun muss, hat man schnell raus; einzig das Umschütten in die Müslischüssel geht nie ohne Kollateralschweinereien über die Bühne. Während das Porrdige (meine erste Wahl: Mohn-Pflaume von der "Tiroler Biomanufaktur" Veríval) quillt, kann man sich beispielsweise die Haare waschen. Außerdem habe ich meinen ersten Flapjack gegessen. Flapjacks sind im Ofen gebackene Müsliriegel mit enormer Brösel- und Bröckelneigung, aber hohem Nährwert und je nach Sorte beachtlicher Leckerness. Ich verzichte auf Nennung von Firmennamen und Vertriebsorten, ehe das hier vollends zu einer Dauerwerbesendung gerät. (Googelt es halt.)


Gut zu wissen: Großraumtaxis in der Region Frankfurt berechnen inzwischen einen Aufschlag von 50 Prozent!

Im Supermarkt kaufte ich unter anderem Kamille-Toilettenpapier. Bevor die Kassiererin das Produkt scannte, hob sie es an, hielt es sich vors Gesicht und unterzog es einer intensiven Geruchsprobe. Da musste ich grinsen.

Nachtrag zu Stephen Kings "Finderlohn": Dass die "Mr. Mercedes"-Trilogie in einem Kosmos angesiedelt ist, in der Verfilmungen von King-Werken bekannt sind, hatte ich bereits notiert. Im zweiten Band findet sich ein weiteres Indiz dafür, als nämlich eine Protagonistin erklärt, der Soundtrack von "Die Verurteilten" gehöre für sie zu den besten Filmmusiken aller Zeiten.

Fress-Highlight: ein veganes, basisches Chili, das als "leicht scharf" deklariert war, aber eigentlich – positiv überraschend – "anständig scharf" zu nennen war. (Ich weiß gar nicht, was "basisch" bedeutet.)

Befriedigendster Moment der Woche: als ich einem unverschämt beschissen parkenden SUV einen Zettel mit der Aufschrift "Arschloch!!!" unter den Scheibenwischer geklemmt habe.

Den Fidget Spinner kennt ja mittlerweile jeder. Aber kennt ihr schon den Fidget Spinger? Es handelt sich zugleich um eine Neuheit und um einen Hype!


Als neulich gegenüber dem Haus, in dem ich lebe, eine Menschengruppe nächtlichen Radau veranstaltete, schrie die über mir wohnende Frau zuerst "Ruhe!", dann "Fresse!" und schließlich "Ihr sollt die Schnauze halten!" aus dem Fenster in Richtung der Lärmenden. Da habe ich mich gleich wieder ein bisschen verliebt.

Now playing: Radiohead - I Promise

Freitag, 9. Juni 2017

Liebesfilmidee

Ein Mann kauft sich einmal pro Woche an einer Bude in Hauptbahnhofsnähe ein Lebkuchenherz, wie man es typischerweise auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten bekommt. Er wählt stets eines, wo "I find di pfundig" oder "Du bist mein Schatz" draufsteht. Das hängt er sich dann um den Hals und trägt es in der Öffentlichkeit herum, auf dass seine Mitmenschen glauben, ein Feinsliebchen hätte ihm dieses Kitsch-Gebäckstück geschenkt. (Fressen tut er das Zeug nie.) 
Eines Tages sind alle Herzen mit Sympathiebekundungen ausverkauft. Notgedrungen nimmt der Mann eins, auf dem unerklärlicherweise "Chrysanthemen" steht. In der nächsten Woche wird es noch rätselhafter: Es sind nur noch Herzen mit den Beschriftungen "Fähnrich zur See", "Hermelingässchen", "Altbatterien", "Zwei blaue Tische", "CLRVCRRLV", "Die Markisen sind des Klapperns müde" und "Guyana" vorrätig. Der Mann lässt sich alle einpacken. Was haben diese Botschaften zu bedeuten? An dieser Stelle wird klar: Es handelt sich nicht um einen Liebesfilm, sondern um eine Mystery-Geschichte. Eine wendungsreiche Schnitzeljagd führt den Mann, der übrigens 100 Jahre alt ist (Erfolgsformel!), durch drei verschiedene Stadtteile.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Palmyra and beyond

Nein, es geht jetzt nicht um die Stadt in Syrien. USS Palmyra hieß das Schiff von Captain Cornelius Sowle, mit dem dieser am 7. November 1802 auf einem zu jener Zeit zwar schon bekannten, aber noch unbenannten Riff strandete. Er hatte Schiffbruch erlitten inmitten eines aus circa 50 Inselchen bestehenden Archipels, welcher heute Palmyra-Atoll heißt, 1000 Meilen südwestlich von Hawaii im Pazifik liegt und einen hochinteressanten politischen Status innehat: Er stellt das einzige sogenannte "eingegliederte, unorganisierte Territorium" der USA dar. 

Zum Verständnis: Als Territorium bezeichnet man alles, was kein Bundesstaat war oder ist. (Die seltsamen administrativen Sonderzustände von Washington, D.C., und Guantanamo Bay seien in diesem Zusammenhang direkt außen vor gelassen.)
Man unterscheidet

1. eingegliederte, organisierte Territorien (incorporated organized territories): Gebiete, die irgendwann in Bundesstaaten übergegangen sind, d.h. ausschließlich historische Territorien werden so bezeichnet; die berühmten Nordwest- und Südwest-Territorien zählten dazu, die letzten beiden mit diesem Status waren bis zu ihrer state-Werdung 1959 Hawaii und Alaska.

2. uneingegliederte, organisierte Territorien (unincorporated organized territories): Puerto Rico, Guam, die Nördlichen Marianen, Amerikanisch-Samoa und die Amerikanischen Jungferninseln zählen nicht als Teil (i.S.v. Gliedstaat) der USA, werden aber von diesen kontrolliert. Der Souverän ist die US-Regierung, die Verfassung ist jedoch nicht umfänglich gültig. Dem Wortlaut nach gelten ausschließlich die Grundrechte ("fundamental rights apply as a matter of law, but other constitutional rights are not available"), was wohl gerade im Bereich des Wahlrechts einige Ungerechtigkeiten nach sich zieht (John Oliver hat letztes Jahr einen längeren Beitrag darüber gebracht). Die exakte Definition von "organisiert" wiederum leuchtet mir nicht so recht ein; "selbstverwaltet" (self-governing) trifft es wohl am ehesten. Um die Sache zu verkomplizieren, sei angemerkt, dass Puerto Rico nach der Entscheidung eines Bezirksgerichts 2008 als "eingegliedert" zu betrachten sei und ein Referendum im Jahr 2012 zugunsten einer Umwandlung in einen eigenen Bundesstaat ausfiel – dieses ignorierte der Kongress allerdings, weil um die 500.000 Stimmzettel leer geblieben waren. Der nächste Volksentscheid steht nun nächste Woche an; die Unabhängigkeit von den USA ist dabei eine weitere Option, aktuellen Umfragen zufolge stehen aber alle Zeichen darauf, dass der Star-spangled banner demnächst um einen Stern reicher wird. Amerikanisch-Samoa wiederum ist trotz Selbstverwaltung de iure immer noch "unorganisiert", weil der Kongress es bisher versäumt hat, einen sog. Organic Act zu verabschieden. Side note: Die Jungferninseln feiern dieses Jahr ihr 100. Jahr als US-Territorium, sie wurden am 31. März 1917 für 25 Mio. $ in Goldmünzen dem Königreich Dänemark abgekauft (Hauptbeweggrund dafür war übrigens die Angst, Deutschland könnte dort eine U-Boot-Basis errichten).

3. uneingegliederte, unorganisierte Territorien (unincorporated unorganized territories): Der Begriff der "Unorganisiertheit" scheint sich bei diesen zehn Territorien lediglich daraus zu ergeben, dass sie bis auf immer wieder vorübergehend hier stationiertes wissenschaftliches Personal gänzlich unbewohnt sind. Die im Pazifik, im Nordatlantik / in der Karibik verstreuten Gebiete werden bzw. wurden vom US-Innenministerium, vom Verteidigungsministerium, von der Navy und von der Air Force beansprucht und/oder verwaltet. Auf den Wake-Atoll erheben zusätzlich die Marshallinseln Ansprüche, auf die Insel Navassa zudem Haiti. Die Serranilla-Bank und die Bajo-Nuevo-Bank werden derzeit von Kolumbien verwaltet, aber auch Jamaika, Honduras und Nicaragua streiten immer wieder um diese Fleckchen Land. Etliche dieser Territorien wurden im Zuge des Guano Island Act von 1856 annektiert: US-Hoheit dank Vogelkacke ...

4. eingegliederte, unorganisierte Territorien (incorporated unorganized territories): müssten wie gesagt im Singular stehen, denn einzig Palmyra ist ein solches. Dazu kam es, weil das Atoll im Jahr 1900 mit dem Territorium von Hawaii miteingegliedert wurde (also den unter 1. dargestellten Status erhielt); als Hawaii 59 Jahre später der 50. Bundesstaat werden sollte, wurde Palmyra explizit davon abgetrennt – mit welcher Begründung, weiß ich nicht. Geographisch wird das Palmyra-Atoll den Line-Inseln oder auch Zentralpolynesischen Sporaden zugerechnet; die US-Territorien Jarvis Island und das Kingman-Riff zählen ebenfalls dazu, der Rest des "Linieninseln" gehört Kiribati. Witzige Randnotiz: Das Filippo Reef verortet die deutschsprachige Wikipedia ebenfalls hier, allein es handelt sich dabei höchstwahrscheinlich um ein Phantomriff, wenngleich es in einem Atlas von 2005 noch, nun ja, auftaucht (Buchtipp: Dirk Liesemer – "Lexikon der Phantominseln"). Zensus-technisch werden die unter 3. & 4. aufgeführten Territorien als United States Minor Outlying Islands zusammengefasst.

Die Hauptinsel von Palmyra ist Cooper Island. Hier befand sich während des Zweiten Weltkriegs erstmals eine größere Gruppe Menschen. "Zu dieser Zeit wurden neben der Landebahn zahlreiche Straßen gebaut, die inzwischen fast vollständig überwuchert sind. Doch noch heute sind Teile des Atolls wegen Relikten aus dieser Zeit gesperrt." (Wikipedia) Heute leisten hier rund 20 "non-occupants" Klima- und andere Forschung im Dienste verschiedener Behörden sowie der Nature Conservancy, in deren privatem Besitz der Archipel z.T. liegt. Auch der Rotfußtölpel, welcher den lateinischen Namen Sula trägt (bekannt aus diesem Blog!), nennt Palmyra sein Zuhause. Und dann gibt es da noch die Legende um einen spanischen Piratenschatz ...


Montag, 5. Juni 2017

Ich wäre gern Garnier-Gourmet

Auszug aus einem Mr.-Lovenstein-Comic:


So geht es mir auch! Nachdem ich mich damals schon zurückhalten musste, das Vanille-Papaya-Shampoo von Garnier nicht hinterzuschlürfen, habe ich seit kurzem dieses neue appetitanregende Haarwaschmittel aus der Reihe "Wahre Schätze" im Badezimmer stehen:


Es enthält Rizinusöl und Ahornsirup, beides Stoffe, die man auf Anhieb nicht mit Wohlgeruch verbindet. Der Text auf der Flaschenrückseite geht auf diesen Aspekt auch gar nicht ein, sondern klärt uns über "revitalisierende" bzw. "nährende und stärkende Eigenschaften" auf. Mir ist das egal; auch dass die Ingredienzien einerseits aus nachhaltigem Anbau stammen, andererseits zum Teil gruselig synthetisch klingende Namen haben: geschenkt. Auf den Duft kommt es an, und der ist superb!

Schlechte Erfahrungen habe ich dagegen mit einem anderen großen Kosmetikhersteller gemacht: Die Aerosoldosen, in denen der "Sensitive"-Rasierschaum von Palmolive steckt, versagen regelmäßig den Dienst! Entweder kommt trotz kräftigem Drücken überhaupt nichts raus oder der Inhalt spritzt und sprotzt in flüssigem (!) Aggregatzustand in alle Richtungen. Was für ein Ausschuss. Die beste Rasiercreme ist meiner Meinung nach das exklusiv bei dm erhältliche "Balea Men Ultra Sensitive Rasiergel". (Nicht bezahlte Reklame)

Samstag, 3. Juni 2017

Der gute Samstagslink

Heute: Ian's Shoelace Site, eine wunderbar altmodisch gestaltete Homepage, die sich der fabelhaften Welt der Schnürsenkel widmet. Der Schnürsenkelfan findet hier Tipps und Anregungen sowohl zum lacing, also dem Versehen eines Schuhs mit einem Senkel, als auch dem tying, also dem eigentlichen Binden, wobei u.a. die geläufigsten Knotenformen vorgestellt und einer strengen Wertung unterzogen werden. Viel Platz nimmt das Thema Senkellänge ein: Neben einem praktischen Shoelace Length Calculator gibt es eine erschöpfende Übersicht von Formeln für den Hausgebrauch (beim sog. Lug Criss Cross Lacing etwa berechnet man die Länge mit der Formel (H+W×P+√(H²+(V−W)²)×(P−1)+L)×2). Schön ist auch die Rubrik "As seen in": Hier findet man nicht nur die sechs Bibelstellen, in denen Schnürsenkel vorkommen ("Keiner unter ihnen ist müde oder strauchelt, keiner schlummert noch schläft; keinem geht der Gürtel auf von seinen Hüften, und keinem zerreißt ein Schuhriemen"; Jesaja 5,27), sondern auch schnürsenkelbezogene Nachrichtenmeldungen sowie relevante TV-Serien und Filme (es fehlt allerdings die krasse Szene aus "Desperate Measures", in der sich der von Michael Keaton verkörperte Bösewicht mithilfe eines Schnürsenkels den Daumen auskugelt). Falls man es noch nicht wusste, lernt man auch endlich, wie das Plastikstücken am Senkel-Ende heißt: aglet oder aiglet (auf deutsch sagt man übrigens ugs. "Pinke").

Donnerstag, 1. Juni 2017

Es GÜt weiter

Eine anderthalbjährige Pause bedeutet nicht, dass das Projekt "GÜbersetzung" eingeschlafen ist! Jetzt wird es sogar international: Von meinem letzten Frankreich-Kurztrip habe ich zwei nicht in Deutschland erhältliche Sorten mitgebracht.


"Cheesecake Chocolat Banane" erschien mir zunächst als etwas einfallslose Kombination, überzeugte mich dann aber auf ganzer Linie, ja sogar mehr als die anderen bisher probierten Cheesecake-Frucht-Variationen. Drei tricolore-artig gleichdicke Schichten geben sich hier ein lukullisches Stelldichein: Biscuitboden, großzügig mit Bananen-/Dulce-de-leche-Püree bestrichen, bildet die Basis für wolkig geschlagene Mascarpone-Käsecreme, on top befindet sich löffelbare Schokolade. Enthält leider bovine Gelatine und Palmöl.


"Cheesecake Pécan Saveur Sirop d'Erable" hat es auf Anhieb in meine Top 3 geschafft. Die leckere Pekannuss, die man ohnehin noch seltener als Macadamia in Aufstrichen und Desserts findet, passt gut zum Ahornsirup (sirop d'érable); dazu, encore une fois, Cheesecake – das ergibt eine fast schon nordamerikanisch anmutende Leckerei. Beinhaltet nichts für Vegetarier Bedenkliches, dafür aber Alkohol (0,6% Scotch Single Malt).

Was bisher güschah:
Dem Wahren Schönen GÜten
GÜ Update
Me güsta
GÜschmackssache
Neue GÜter eingetroffen

Mittwoch, 31. Mai 2017

Meine 20 zuletzt gesehenen Filme (2/2) (also meine zehn zuletzt gesehenen Filme)

Punching Henry
Man hat offenbar erkannt, dass die Formel "US-Komiker/-in + semibiographische Erlebnisse + Tragik", mit welcher in letzter Zeit eine Serie nach der anderen ausgebrütet wird ("Louie", "One Mississippi", "Master of None"), auch in der Langstrecke erfolgreich aufgehen kann. Wenn der Trend anhält, dürften wir in ein paar Jahren in Film und Fernsehen nur noch traurige Clowns sehen, die ihr Kerngeschäft aus den Augen verloren haben. Naja, im Moment finde ich das noch ganz erfrischend. In "Punching Henry" geht es um den mir vorher unbekannten Liedermacher Henry Phillips, der in Rückblenden vom ermüdenden Ringen um Auftritte, Verträge und Freigetränke erzählt, wobei man einen glaubhaften, wenn auch freilich hie und da überspitzten, Einblick in diesen harten Kosmos erhält. Mit Sarah Silverman, Tig Notaro und J.K. Simmons.

Other People
In eine ähnliche Kerbe schlägt dieses Familiendrama, auch wenn die Figuren darin sämtlich fikitiv sind. Jesse Plemons, der Matt-Damon-Lookalike aus "Breaking Bad" und "Fargo", spielt just another struggling comedy writer, der neben den Fährnissen seines Berufes auch noch mit Beziehungsstress und dem Dahinsiechen seiner Mutter (Molly Shannon, vormals SNL) klarkommen muss. Das ist zum Teil schwer erträglich, aber nicht komplett pessimistisch.

The Autopsy of Jane Doe
Ein aus Vater und Sohn bestehendes Gerichtsmedizinerduo bekommt eine abendliche "Lieferung" in Gestalt einer unidentifizierten jungen Frau. Die bedrückende Sterilität des Hauptschauplatzes Sektionssaal vermittelt sich nahezu perfekt (das kann ich gut beurteilen, denn auch mich führte es bereits mehr als einmal in einen Obduktionsraum), und die erste Hälfte ist denn auch weitaus fesselnder als alles, was nach dem Punkt kommt, an dem sich herausstellt, ob hinter den Ungereimtheiten, welche die Leiche aufwirft, etwas Übernatürliches steckt (ob ja oder nein, sei hier nicht verraten).

Repeaters - Tödliche Zeitschleife
Ich hatte mich auf dieses als Düstervariante von "Und täglich grüßt das Murmeltier" angekündigte Junkie-SciFi-Abenteuer immens gefreut, wurde aber zwiefach erbost. Erstens wird das Trope der "20 minutes with jerks" hier auf anderthalb Stunden gestreckt, denn die drei jungen Charaktere verhalten sich trotz bzw. wegen des außergewöhnlichen Phänomens, das ihnen widerfährt, wie die letzten Arschlöcher – und das in einer Produktion aus Kanada! Zweitens habe ich den Fehler gemacht, das zunächst nett klingende "Spiegel online"-Angebot "Der Film zum Wochenende" zu nutzen. Nie wieder!!! Dass der Stream kostenlos war, wurde damit erkauft, dass er alle fünf bis zehn Minuten von einem Werbevideo unterbrochen wurde. Von immer wieder demselben Spot (irgendein Finanzmist)! Etwas Nervigeres habe ich selten erlebt. Aber was sollte ich machen? Amazon Prime hatte "Repeaters" aus dem Programm genommen, bevor ich ihn von meiner Watchlist streichen konnte. Auf imdb hat er eine Wertung von 5,8 – viel zu hoch! Dann lieber noch einmal "Triangle" gucken. Oder "Source Code". Oder "Edge of Tomorrow". Oder diese eine "Akte X"-Folge.

Forsaken
Western können richtig gut sein. Eine Binsenweisheit, an die ich mich öfter erinnern sollte. Hier treffen (ich glaube zum ersten Mal) Donald und Kiefer Sutherland zusammen und verkörpern dabei sinnvollerweise Vater und Sohn (Kiefer spielt den Vater [kleiner Scherz]). Brian Cox, der wiederum in "The Autopsy of Jane Doe" den Senior-Leichenbeschauer spielt, tritt hier als einer von etlichen hündischen Wildwest-Fieslingen auf. Es geht um Landwegnahme, Schatten des Bürgerkriegs und Glaubensverlust. Regie führte "24"-Produzent Jon Cassar, doch statt Jack-Bauer-Haudrauf-Sequenzen bestimmen Melancholie und Bedrohlichkeit die Handlung.

Stephen Kings Stark (OT: The Dark Half)
Irre, sowohl der Roman (1989) als auch die filmische Umsetzung (1990) ist mir bisher durch die Lappen gegangen. Wie in vielen anderen Werken Kings ist der Protagonist ein Schriftsteller, hier: ein Bestsellerautor, der unter dem Pseudonym George Stark Schundromane verfasst. Dieser Stark erwacht irgendwann buchstäblich zum Leben und begeht grausame Morde, die recht explizit dargestellt werden. Ja, die Handschrift von Regisseur George A. Romero ist sowohl hinsichtlich der Tricktechnik als auch des Gorefaktors unverkennbar. FSK: ab 18.

Alien: Covenant
Die Handschrift von Ridley Scott hingegen erkenne ich in der "Prometheus"-Fortsetzung nicht. Wäre ich ein Hardcore-"Alien"-Fan, der "Covenant" jahrelang entgegengefiebert hat, wäre ich womöglich enttäuscht gewesen. Die Exposition ist viel zu lang, die Klaustrophobie der Original-Quadrologie fehlt, das Schauspielensemble bleibt eindimensional, selbst Michael Fassbender als Android fand ich nicht sooo toll; und in mindestens einer Szene hätte ich mir (wie Dietmar Dath in der FAZ) 3D-Aufnahmen gewünscht. Man missverstehe mich nicht: Etliche Bilder sind grandios, die Mythologie gefällt mir, die Musikuntermalung stimmt – schlecht ist was anderes!

Felon
Testosteronreicher Gefängnisstreifen mit einem mürrischen Val Kilmer. Es gibt nachhaltiger in Erinnerung bleibende Genrevertreter.

King Arthur: Legend of the Sword
Guy Ritchies punkige Neuinterpretation der Artussage in geschmeidigem 3D. Mit höherem Fantasy-Faktor, als ich erwartet hatte, dafür weniger blutig, als ich erwartet hatte. Meine Blockbusterempfehlung in dieser Liste.

Ashby
Nach Plakat und Synopsis hatte ich mich auf Mumblecore galore eingestellt, aber dann war Ashby doch ganz anders, nämlich leider eine lauwarme Nicht-Fleisch-nicht-Fisch-Pfanne, in der es auch nur sekundär um den blass bleibenden Teenagerhelden geht, sondern primär um dessen titelgebenden Nachbarn Ashby, einen todgeweihten Ex-CIA-Killer (Mickey Rourke). Und nebenbei um Football, Highschoolprobleme, alleinerziehende Mütter, Rache und Freundschaft. Wenigstens begegnet man einmal mehr Sarah Silverman.

Sonntag, 28. Mai 2017

Ein magischer Moment

Vorhin trottete ich einen Fußweg entlang, stakste dabei über die Reste einer Fidget-Spinner-Verpackung, als mich auf der Straße zu meiner Linken ein Deliveroo-Fahrer überholte. So weit, so gewöhnlich. Im selben Moment aber kam auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Foodora-Fahrer angerauscht! Ich spekulierte, was nun passieren würde. Würden sich die verfeindeten Essenslieferanten Unflätigkeiten zurufen? Würden sie einander mit Pizzabrötchen und Seetang bewerfen (sog. Drive-by-fooding)? Würden sie sich gar, nachdem sie ohne zu bremsen von ihren Fahrrädern gehechtet sind, ineinander verbeißen wie zwei konkurriende Kampfhunde, einer pink, einer türkis?
Nichts dergleichen geschah. Der eine würdigte den anderen nicht mal eines Blickes.

Samstag, 27. Mai 2017

Meine 20 zuletzt gesehenen Filme (1/2)

Beware the Slenderman
Von allen Creepypastas hatte und habe ich für den Slender Man am meisten übrig, was daran liegen mag, dass ich im Jahre 2009 live dabei war, als dieses Wesen im Something-Awful-Thread "Create Paranormal Images" erschaffen wurde. Nach einer Reihe von YouTube-Serien um den gruseligen Anzugtypen ("Marble Hornets", "Everyman Hybrid" und "Tribe Twelve" habe ich fast komplett geschaut) und mindestens doppelt so vielen grottenschlechten Computerspielen kam letztes Jahr schließlich eine von HBO produzierte Dokumentation über den Slender Man raus. Der Fokus liegt dabei, man muss sagen: leider, auf dem "Slender Man stabbing"-Vorfall in Wisconsin 2014; im Gedächtnis bleibt denn auch eher das (für mich) schwer nachvollziehbare Urteil in diesem Fall als die (pop)kulturellen Hintergründe und die Entstehungsgeschichte der pseudomythologischen Figur. Trotzdem: 114 Minuten wohliger Schauer ergeben 114 von 200 Tentakeln.

50/50
Den Balanceakt zwischen sentimentalem Sterbedrama und Seth-Rogen-Rumgeprolle bewerkstelligt Regisseur Jonathan Levine recht zufriedenstellend; bei Tragikomödien (oder besser: Dramedys) besteht ja immer die Gefahr, dass eine Waagschale die Oberhand gewinnt und am Ende sind alle enttäuscht. Das "50/50" bzw. 50:50 – es bezieht sich auf die Überlebenswahrscheinlichkeit des an Krebs erkrankten Protagonisten (Joseph Gordon-Levitt) – lässt sich mithin auch als Verhältnis von Lach- und Weinanlässen im Verlauf dieses Films lesen. Für mich persönlich hätte er ruhig noch trauriger sein können; ein Urteil übrigens, das ich immer öfter in Bezug auf Filme und Serien (zuletzt "The Leftovers") äußere.

The Call
Halle Berry als schuldbehaftete Telefonpolizistin in der Notrufzentrale, die ein gekindnapptes Mädchen (Abigail Breslin) fernmündlich retten muss. Das kommt einem irgendwie bekannt vor ("Final Call" und "Nicht auflegen" fallen einem ein), ist aber nicht unspannend.

Scouts vs. Zombies
Eine weitere Zombiekomödie, die kein Mensch braucht und die dem Genre nichts hinzufügt. Das einzig Positive, woran ich mich erinnere, ist David Koechner, dessen komisches Talent bedauerlicherweise seit Jahren in zahnloser Comedy-Meterware verschwendet wird.

Wer früher stirbt, ist länger tot
Dieses bezaubernde Kleinod mit einem der genialsten Titel der deutschen Kinogeschichte entführte mich in eine fremde, obschon nicht durchweg heile Welt, in der die Zeit stehen geblieben scheint, wo man sein schlauchendes Tagwerk am Stammtisch bei drei-vier-fünf Mass vergisst und in welcher Vertreter aller Generationen noch Dialekt sprechen: die oberbayrische Provinz. Oder vielmehr: ein in der oberbayrischen Provinz angesiedeltes idealisiertes 1950er-Jahre-Soziotop, das man so in einer Produktion von 2006 nicht erwartet. Das mir fast komplett unbekannte Ensemble, insbesondere die Kinderdarsteller, spielt toll auf. Es geht schwarzhumorig bis derb zu, ein paar ernste Töne werden angeschlagen, allein der Mundart-Overkill strengt auf Dauer a weng oa.

The Nice Guys
Dass Russell Crowe auch lustig kann, war ja in jeder Kritik zu lesen, und ich möchte es auch gar nicht abstreiten. "The Nice Guys" ist allerdings symptomatisch für das Actionkomödienhandwerk des laufenden Jahrzehnts: Zugunsten einer irgendwie substanziellen Handlung mit auf "packend" getrimmten Höhepunkten und Volten wie in einem hard-boiled Thriller wird der Komödienaspekt schändlich vernachlässigt. Dass man auch mit hoher Pointendichte einigermaßen stringente und mitreißende Kriminalgeschichten erzählen kann, ohne dass das Publikum sich dabei geistig allzu sehr anstrengen muss, wurde in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen. Ich will nicht mosern: Eine Handvoll guter Witze, eine flotte Inszenierung und ein (wenn auch irgendwie willkürlich erscheinendes) Seventies-Feeling ergeben mehr als soliden 7-von-10-Punkten-Standard für einen kurzweiligen Bier-&-Chips-Abend.

Kong: Skull Island
Das hingegen ist ein Blockbuster, wie er sein muss! Ich bin froh, ihn im Kino gesehen zu haben. Gerade wenn man nichts Großartiges erwartet, weil man den King-Kong-Drops für gelutscht hält, wird man für sein Misstrauen belohnt: mit State-of-the-art-Schauwerten, überraschenden Monstern, einer Prise Humor (John C. Reilly!) und sogar einer mehr oder weniger subtilen politischen Botschaft. Empfehlung: die Credits am Ende abwarten.

Die Jones: Spione von nebenan (OT: Keeping Up with the Joneses)
Hier gilt das, was ich oben über "The Nice Guys" geschrieben habe, und doch haben die Joneses mich deutlich besser unterhalten. Vielleicht liegt es an Zach Galifianakis, dem ich sowieso alles abkaufen würde (die "Hangover"-Trilogie ist rückblickend betrachtet der schwächste Part seines Œuvres); vielleicht haben Nachbarn mit Doppelleben per se mehr ulkiges Potenzial in sich. Alles in allem ein Beispiel für eine überzeugende moderne Crime-Comedy. Fun fact: Isla Fisher wurde in Muscat im Oman geboren.

Gone Girl
Ich möchte mal wissen, ob die Auflösung am Schluss dieser Adaptation des Bestsellers von Gillian Flynn (Drehbuch: ebenfalls Gillian Flynn) feministisch oder antifeministisch ist. Abgesehen von dieser Frage sieht man dem mit kleinen, aber feinen Mindfucks gespickten Entführungsplot gerne beim Sichentspinnen zu. David Fincher kann es halt noch!

Nightcrawler
Jake Gyllenhaal: genau wie seine Schwester auch so jemand, dem man nie wirklich in schlechten Filmen begegnet. Hier gibt er einen ambitionierten und nur mäßig sympathischen Sensationsfotografen. Angemessen zynisches Portrait eines zynischen Kosmos'.