Freitag, 16. Oktober 2026

Kürbis mal anders

Es ist angekürbt! Mindestens einmal im Herbst muss man ja ein Kürbisgericht zubereiten, so will es das Gesetz. Etwas anderes als die immergleiche Suppe darf es aber schon mal sein, und so war ich froh, dass ich auf der Buchmesse in der Neuerscheinung "Indian Flavours on a Nordic Plate" von Rinku Gupta das folgende einfache Rezept für ein 2-Personen-Curry entdeckte:

Einen Butternut-Kürbis schälen und in Würfel mit einer Gesamtmasse von ca. 450 g schneiden. In einer Pfanne 2 EL Pflanzenöl erhitzen und bei mittlerer Hitze 1 TL Kreuzkümmelsamen zum Knistern bringen. Sodann 1 TL Kurkumapulver, 1 TL gemahlenen Koriander, 1/2 TL Chilipulver (oder mehr, je nach Wagemut) und 1 TL Salz hinzugeben und kurz anbraten, bis sich die Aromen entfalten. Die Kürbiswürfel in die Pfanne stürzen, sorgfältig in den Gewürzen wälzen. Unter gelegentlichem Rühren etwa 15 Minuten kochen, bis das Fruchtfleisch weich, aber nicht zu weich ist. 1 TL Garam Masala und 1 EL Rohrzucker (wenn man rankommt, kann man, wie vom Rezept empfohlen, Jaggery verwenden) darüberstreuen, alles gut vermengen und weitere 2 Minuten kochen. Mit 2 EL gehacktem frischen Koriander bestreuen und mit Naan oder anderem Brot servieren.


PS: Ihr macht euch womöglich keinen Begriff davon, wie stark Kürbis färbt. Mein Kochlöffel (s. Foto) ist jetzt ganz gelb (wozu auch der Kurkuma seinen Teil beigetragen haben dürfte), ebenso wie Teile des benutzten Schneidebrettes. Hrmpf.

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Relativ ungewöhnlich

Vor kurzem leistete ich mir in einem Blogbeitrag eine kleine Abschweifung betreffs eines selten in Erscheinung tretenden Nebensatzmusters, die prompt einen Kommentar nach sich zog, nämlich von Kilian Evang, dem Betreiber des schon sehr lange aktiven Blogs "Texttheater". Kilian hat im Jahr 2010 eine Übersicht über "Einleitephrasen im Relativsatz" erstellt und dabei einen (bereits im Vorspann als "Knüller" angekündigten) Beispielsatz gefunden, der analog zu der von mir in oben verlinktem Post konstruierten Phrase ("die Wartburg, welchem 'deutschen Mythenort' der Aufmacher gewidmet ist") gebildet ist:

(33) Nach dem armen Versehrten und dem aufopfernden Kameraden kam nun eine heimatduselige Schilderung des Waldes und des zarten Emil M., Sohn des rechtschaffenen Pflegers im Krankenhaus, welch zartes Knäblein _ am nämlichen Tage im Wald zu lustwandeln sich nicht enthalten mochte.

Artig, gell? Ich habe mir vorgenommen, ab sofort sämtliche Belege für diese raren, aber in unserer Sprache offenkundig durchaus möglichen und nicht ungrammatischen Relativsatzeinleitungen abzuschreiben oder anderweitig festzuhalten, und just wenige Tage nach dem Eintreffen des Kommentars stieß ich in einer alten Monographie* – die ihrerseits einen eigenen Beitrag wert wäre – auf folgende Stelle (S. 99):

[...] daß er aus der Mundart der benachbarten ladinischen Gemeinden entlehnt und zwar aus dem Feminin. zu Salvang d. i. Sylvanus abgekürzt sei, mit welchem Worte man dort den wilden Mann zu bezeichnen pflegt. [Fettung von mir]

Einen germanistischen Aufsatz über das Phänomen konnte ich allerdings immer noch nicht auftreiben. Ich werde weiter die Augen offenhalten und Beispiele sammeln.

* Wilhelm Mannhardt: Wald- und Feldkulte. Erster Teil. Der Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme. Mythologische Untersuchungen. Berlin 1875

Montag, 12. Oktober 2026

Neues aus dem Titelschutzanzeiger

Im aktuellen Titelschutz-Magazin finden sich wieder einige Einträge, über die ich staunen und/oder grinsen musste. Beispielsweise hatte es offenbar bis jetzt noch niemand unternommen, sich die Rechte an der urdeutschen Phrase

Draußen nur Kännchen

zu sichern. Schön für Herrn B. aus D.! Ferner wurde Titelschutz für die generischen Wörter "Schnee und Sand" (jeweils mit "und" und "&" und das Ganze noch auf Englisch) und "Ekel" bzw. "Disgust" (nicht jedoch "Repulsion", s. Roman Polanski), mit und ohne folgendem Punkt, angemeldet. Auch den Allerweltstitel

Nicht schön genug

darf ab sofort nicht mehr Hinz oder Kunz benutzen, sondern nur noch Herr H. aus H. Einen besonderen Glückwunsch möchte ich Frau K. aus A. aussprechen, die Inhaberin der Rechte an

Arschengel.

Herr L. aus W. hingegen wird die Menschheit demnächst mit einer (Buch-? Film-? Hörspiel-?)Reihe namens

Otto das Ei

beglücken. Freuen dürfen wir uns aber auch auf "Der Schach-Kobold", "Der kleine Mumpitz" und "Gespräche mit meinem inneren Hamster", registriert von Herrn F. aus S. resp. Herrn. D. aus W. resp. Frau G. aus W.

Dass man sich einzelne (Klein-)Buchstaben schützen lassen darf, war mir neu, aber irgendwie hat es eine GmbH aus München geschafft, sich

h
h How to Be Human
How to Be Human
human FORWARD

zu sichern. Dank einer Anwaltskanzlei aus Hamburg wiederum darf wohl bald das

Horst Magazine

das Licht der Welt erblicken. Pflichtblatt für Horst-Fans!

Zu guter Letzt: Ich weiß nicht, welche epische Serie in welcher Form da auf uns zukommt, aber ich bin an Bord!

Samstag, 10. Oktober 2026

Serientaten

Die New York Times hat kürzlich eine vieldiskutierte und erwartbar kontroverse Liste veröffentlicht: "The 100 Best TV Shows of the 21st Century", die 100 besten seit dem 1.1.2000 ausgestrahlten TV-Serien, zusammengestellt von mehr als 500 Fachleuten ("influential stars, showrunners and other notable names in the world of TV"). Ich möchte das Ranking an sich gar nicht großartig kommentieren (das überlassen wir Reddit), erspare es mir, das Fehlen oder Überbewerten verschiedener Titel zu monieren (spontan sticht mir die sträfliche Vernachlässigung von "Boardwalk Empire", "Fargo", "The Expanse", "Line of Duty" und "Mr. Robot" ins Auge), aber es könnte spaßig sein, zu jedem einzelnen Eintrag meinen Senf, wenigstens einen kleinen Spritzer, dazuzugeben. Mal schauen, welche flaws mir dabei noch auffallen. Let's do this!

1. Breaking Bad Einverstanden mit der Platzierung, in meiner persönlichen Bestenliste auf Platz 3.
2. The Wire Leider nie gesehen. Wie lange nehme ich mir schon vor, das endlich nachzuholen?
3. Mad Men Auch nie gesehen, interessiert mich aber auch nicht. (An alle, die schon an dieser Stelle "Banause!" rufen: Solche Momente wird es im Folgenden garantiert noch mehrmals geben.)
4. Succession Auch nicht gesehen, und absolut null Bock darauf.
5. Fleabag Gesehen und für gut befunden, aaaber: Ich bin der "Freedom of Speech"-Typ, der sagt: "Es hätte sowohl heiterer als auch trauriger sein können!"
6. Game of Thrones Eine verdiente Position; bei mir auf #2, obwohl ich einsehe, dass die letzten zwei Staffeln eine Abwertung rechtfertigen würden.
7. Veep Noch nicht gesehen, ich freue mich aber drauf, diese Bildungslücke in den nächsten zwei Jahren zu schließen.
8. 30 Rock Jaa! Streng genommen müsste man zwischen Comedy und Drama unterscheiden und zwei verschiedene Listen anlegen. In einer Comedy-Top-5 wäre "30 Rock" jedenfalls gut aufgehoben. Ein Rewatch wäre angebracht.
9. Curb Your Enthusiasm Dito.
10. Atlanta Oh, Mann, davon haben mir auch schon mehrere kundige Freunde und Bekannte vorgeschwärmt. Müsste somit auch auf meine immer länger werdende Watchlist gesetzt werden ...
11. The Office (US) S. Anm. zu #8 und #10.
12. Arrested Development Die letzten beiden Seasons habe ich immer noch nicht gesehen, weil ich darüber nur Grausliches gehört habe, aber die ersten drei fand ich mindestens amüsant (auch wenn mir die verworrenen Plots oft zu hoch waren).
13. Girls Nicht geguckt, nicht geplant zu gucken.
14. Friday Night Lights Dito.
15. Six Feet Under Dito. Ich habe allerdings die letzten Minuten auf Youtube gesehen, weil diese einhellig als eines der gelungensten Enden der Seriengeschichte gepriesen werden, und dieses Urteil leuchtete mir ein.
16. The Office (UK) Historisch gesehen sicherlich bedeutungsvoll, aber für sich genommen weniger unterhaltsam als spätere Gervais-Vehikel imho.
17. The Americans Davon habe ich, glaube ich, die ersten drei Episoden gesehen, und es hat mich einfach nicht gepackt.
18. I May Destroy You Nicht gesehen. Ich habe nur ganz vage Vorstellungen davon, worum es darin geht, und diese schrecken mich eher ab.
19. Chernobyl Vermutlich eine der besten Mini- oder "Limited Event"-Serien aller Zeiten.
20. The Crown Not seen. Next!
21. The White Lotus Ignoriert aus denselben Gründen, aus denen ich mir "Succession" spare: Ich habe keine Lust, Arschlöchern beim Unsympathischsein zuzusehen.
22. Lost Wer mich kennt, weiß: "Lost" ist meine All-time-Nummer 1, mehr gibt's dazu nicht zu erklären.
23. The Comeback Nicht gesehen, mutmaßlich ziemlich lustig.
24. Deadwood Wahrscheinlich nicht schlecht, wird mir aber für immer verschlossen bleiben. In meinem Alter muss man Prioritäten setzen.
25. The Leftovers In meiner Drama-Bestenliste konkurrenzlos auf Platz 4. Eine un-glaub-li-che Erfahrung!
26. Black Mirror Keine Frage, ich liebe "Black Mirror", aber nach meinem Dafürhalten ist das keine Serie – weswegen es auch noch nie in meinem Serientagebuch aufgetaucht ist. Es sind Kurzfilme, die nichts miteinander zu tun haben (und deren Qualität schwankt), grob zusammengehalten lediglich vom Sujet "unsere düstere technische Zukunft".
27. Better Call Saul Das Prequel zu "Breaking Bad" steht der Ur-Serie in nichts nach (tatsächlich kenne ich Leute, die es für jener überlegen halten), so dass ich es leichten Herzens in meine Top-10 aufnehmen würde.
28. Band of Brothers Dürfte der älteste Drama-Vertreter in der NYT-Liste sein, und ich erinnere mich an den Hype, den die deutsche Free-TV-Ausstrahlung (Jahre später!) auslöste. Ich möchte behaupten, das zehnteilige Kriegsepos hätte seinerzeit überhaupt erst die goldene Ära des Prestige-Fernsehens eingeläutet, wäre nicht bereits Ende des vergangenen Jahrtausends ebenfalls auf HBO "The Sopranos" gestartet. Wie dem auch sei, ich habe "Band of Brothers" damals verpasst. Amazon Prime hat es soeben in sein Programm aufgenommen, womit nicht ausgeschlossen ist, dass ich die Spielberg-Produktion demnächst einem überfälligen Check unterziehe.
29. Key & Peele Also jetzt wird's albern! Eine Sketch-Show?! Nichts gegen Key und Peele – wann immer mir Ausschnitte der Sendung in die Youtube-Empfehlungen gespült werden, komme ich auf meine Kosten –, aber hier zeigt sich aufs Schmerzhafteste, dass das englische/US-amerikanische "TV show" schlicht ein zu weites Bedeutungsspektrum hat (und darum nicht mit dem für derartige Listen geeignetere deutsche Wort "Serie" deckungsgleich ist).
30. Severance Top!
31. Survivor Vgl. meinen Kommentar zu #29. Jetzt also auch noch Reality-Shows. Mag ja sein, dass "Survivor" nette Unterhaltung ist (ich hab's nie gesehen), aber so etwas neben "Severance" zu stellen, ist sinnlos und unangebracht.
32. Andor Gesehen und gemocht.
33. Enlightened Der erste Eintrag, bei dem mir nicht mal der Titel etwas sagte. Die Inhaltsangabe liest sich wie etwas, das mich wahlweise fesseln oder mir ungeheuer auf den Zeiger gehen könnte.
34. Schitt's Creek Soll ja ganz charmant sein, ich hatte aber noch keine Zeit dafür.
35. True Detective (Season 1) Huch, so weit hinten!? "True Detective" (und zwar, wie hier, mit dezidierter Beschränkung auf die erste Staffel – bei Anthologiereihen ist die Unterscheidung legitim) landet in meinem Privat-Ranking auf Platz 5. Muss ich unbedingt mal rewatchen!
36. The Pitt Noch nicht gesehen; der Hype ist mir verdächtig.
37. Battlestar Galactica Nicht gesehen und nicht geplant zu sehen.
38. Homeland Ja, exzellent, definitiv Top-10-Material!
39. Watchmen Eine vergessene Perle.
40. Adolescence Fuck, muss ich auch noch gucken!
41. Louie Eine Dramedy, die wehtat (und nach allem, was mit seinem Schöpfer war, heute noch mehr wehtut), die einen zum Weinen und zum Lachen gebracht hat, wie man es noch nicht kannte. Valide Positionierung!
42. Hacks Womöglich auch einen Blick wert? Es geht immerhin um die amerikanische Stand-up-Szene, das reizt mich ja immer.
43. Peaky Blinders Ich habe in grauer Vorzeit die Pilotfolge gesehen und war nicht überzeugt. Mein Pech.
44. Bojack Horseman Noch eine Dramedy, die "
einen zum Weinen und zum Lachen gebracht hat, wie man es noch nicht kannte", zumal in Zeichentrickform. Hier wechselten sich die unglaublichsten Wortspiele, die je ersonnen wurden, mit den heftigsten erzählerischen Schlägen in die Magengrube ab. Eine Serie wie für mich gemacht.
45. Happy Valley Gesehen und für brillant befunden!
46. Broad City Der zweite Eintrag, der mir absolut nichts sagte. Tja, man kann nicht alles kennen.
47. Twin Peaks: The Return Ach Gott, ich habe leider noch nicht mal die zweite Staffel der Originalserie geschaut, weil ich am Ende von Staffel 1 komplett den Faden verloren hatte. Asche auf mein Haupt! Ich werde das alles irgendwann nachholen müssen.
48. House of Cards Nicht gesehen und nicht vor zu sehen ... nach allem, was mit dem Hauptdarsteller war.
49. Normal People Nicht gesehen und nicht vor zu sehen. Ich glaube, das ist zu hart für mich. Außerdem war mit der Schöpferin der Buchvorlage ebenfalls etwas, das mir nicht behagt.
50. Parks & Recreation Ein Mockumentary-Klassiker, zugegeben. Aber doppelt so witzig wie "Community" (#97)? Pointensatter als "Unbreakable Kimmy Schmidt" (#--)? Hmmmm ...
51. The Good Place Erste Staffel gesehen, aber nicht weiterverfolgt. Einfach nicht mein Humor.
52. Downton Abbey Testweise den Pilotfilm gesehen (gemeinsam mit meinem Vater), damit man mitreden kann, aber naaa, das ist not my cup of tea (mit abgespreiztem kleinen Finger gehalten).
53. Stranger Things Nie gesehen, kein Interesse.
54. The Bureau Keine Ahnung, was das sein soll. Ich recherchiere: Aha, ein französischer Spionagethriller. (Auch internationale Produktionen in die Liste aufzunehmen halte ich im Übrigen für höchst problematisch, denn wie viele herausragende wird man dabei wohl übersehen haben? Case in point: Warum "Happy Valley", aber kein "Endeavour"?)
55. Insecure Auch diese Serie kenne ich nicht mal dem Namen nach. Scheint, als würden wir allmählich in die obskureren Gefilde der Fernsehunterhaltung vordringen. Wikipedia sagt: ein weiteres Pferd aus dem für hohes Niveau bürgenden Stall HBO. Der Stoff spricht mich indes nicht auf Anhieb an.
56. Nathan for You Ja, Nathan Fielder ist super. "Nathan for You"-Folgen kenne ich nur auszugs- bzw. youtube-best-of-kompilationsweise; hat mir stets gefallen.
57. I Think You Should Leave Sicher Geschmackssache, aber für mich die grandioseste Sketchreihe aller Zeiten. Mir blieb vor Lachen wiederholt die Luft weg. Jedoch abermals die berechtigte Frage, ob so was in eine gemeinsame Liste mit (bspw.) "True Detective" gehört.
58. Chappelle's Show Vgl. meine Anmerkungen zu #29 und #56.
59. PEN15 Kannte ich nur vom Namen her. Nach Lesen der Synopsis halte ich es für ausgeschlossen, dass ich mir das je zu Gemüte ziehen werde.
60. Peep Show Argh, mit dem Œuvre von Mitchell und Webb bin ich schändlicherweise gar nicht vertraut. Ist mir da ein Stück Britcom-Allgemeinbildung entgangen? Da fällt mir ein: In dieser Top-100 fehlt ja eine Figur völlig, die hier auf keinen Fall fehlen sollte: Alan Partridge. Shame!
61. RuPaul's Drag Race Ich habe RuPaul mal in einem Podcast gehört und dachte nach wenigen Minuten: Wow, was für ein durch und durch sympathischer Mensch! "Drag Race" ist dennoch nichts für mich, weil ich, um mal einen alten Tweet von mir zu zitieren, mit Mummenschanz und übertriebener Lebensbejahung nichts anfangen kann.
62. Slow Horses Noch (!) nicht gesehen.
63. The Thick of It Das DVD-Boxset besitze ich sogar noch; sollte ich bei Gelegenheit revisiten, denn etliche politische Anspielungen und sprachliche Feinheiten werden mir damals entgangen sein.
64. Anthony Bourdain: Parts Unknown Aha, auch Dokumentationen werden in dieser Liste, bei der offenbar gilt "Anything goes", berücksichtigt. Zumindest verbinde ich den Namen Anthony Bourdain mit diesem Genre. "Parts Unknown" kenne ich nicht.
65. Mare of Easttown Passt.
66. The Rehearsal Habe ich tatsächlich (fasziniert bis ungläubig) gesehen, aber aus hoffentlich inzwischen nachvollziehbaren Gründen nicht in mein Serientagebuch aufgenommen.
67. The Handmaid's Tale Nicht gesehen. Bestimmt toll gemacht, aber ich fürchte, der Stoff könnte mich zu sehr runterziehen.
68. Ozark Erste Staffel gesehen, aber nicht fortgesetzt: Ich mochte weder die Handlung noch die Charaktere.
69. Anthony Bourdain: No Reservations Siehe #64.
70. The Shield Wird oft in einem Atemzug mit "The Wire" genannt. Sollte ich mich irgendwann auch hieran wagen?
71. Beef (Season 1) Nicht gesehen, will ich aber.
72. Squid Game Staffel 3 noch nicht gesehen, nachdem die 1. Staffel einen starken Abfall gegenüber der ersten darstellte.
73. Barry Nie über die erste Staffel hinausgekommen. Ich kann solche Antiheldenreisen nur in Maßen ertragen, und mit Bill Hader (!) als verabscheuenswürdigen Mörder kam ich einfach nicht klar.
74. The Bear Nicht gesehen, und habe ich auch nicht vor. Begründung: s. #21.
75. Ted Lasso Die Chancen, dass ich damit noch in diesem Jahrzehnt anfange, stehen nicht schlecht.
76. Somebody Somewhere Sagte mir bis eben nichts, klingt aber wie etwas, das mich für sich einnehmen könnte. Schon wieder HBO.
77. Modern Family Habe ich bis zur 2. Season verfolgt, dann war für mich die Luft raus. Maximal zum Schmunzeln.
78. It's Always Sunny in Philadelphia Nie gesehen. Ich weiiiiß: Auch das ist Pflichtprogramm für Comedy-Connaisseure! Aber wer hat Zeit für all das?!
79. The Good Wife Nicht gesehen, aber ich glaube, dass es was taugt.
80. How To with John Wilson Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, habe ich eine wahllos rausgepickte Einzelepisode im Corona-Lockdown geschaut, mehr oder weniger ratlos.
81. The Queen's Gamit Nicht gesehen, kein Interesse.
82. Better Things Musste ich googeln. Hm, da mir "Louie" gefallen hat, könnte auch das etwas für mich sein.
83. Justified Nicht gesehen, und mir wird soeben klar, dass ich "Deadwood" mit "Justified" verwechselt habe. Beziehungsweise umgekehrt. Egal, der Zug ist abgefahren.
84. Planet Earth Steht als BluRay-Box bei mir im Regal. Sooo schön!
85. The Great British Baking Show Ach, komm.
86. Shogun Nicht gekuckt, nicht vor zu kucken.
87. Reservation Dogs Der Titel sagte mir was, ich musste aber nachschlagen, was sich dahinter verbirgt. Sicherlich originell, aber eher kein Must-see für mich.
88. Dexter Auch dieser Vertreter aus der Anfangszeit des Golden Age of Television käme in meine Top-10.
89. Baby Reindeer Gesehen. Lässt sich nicht in einer Zeile zusammenfassen, darum lest doch meine Kritik in acht Zeilen nach, Smiley!
90. Eastbound & Down Nicht gesehen und will ich nicht sehen, obwohl Gary Sanchez Productions dahintersteckt; ich habe eine unerklärliche Abneigung gegen Danny McBride.
91. Catastrophe Habe ich in jener Phase konsumiert, als ich kein Serientagebuch geführt habe. Zu gerne würde ich lesen, was mir seinerzeit dazu durch den Kopf gegangen ist. Vermutlich so was wie: Hart, aber gut, zum Feixen, aber auch zum Schlucken.
92. The Night Of Eine sensationelle Miniserie, die man zurzeit auf Amazon Prime genießen kann, falls man sie 2016 verpasst hat.
93. Station Eleven Schauen wir gerade! Rezension folgt.
94. The Diplomat Mir nur dem Namen nach bekannt. Lohnt sich das?
95. House Auf die Gefahr hin, das Wort "Pflichtprogramm" überzustrapazieren: Exakt das war es in den Nullerjahren für alle Serienjunkies. Ich habe Dr. House mit Vergnügen durch acht Staffeln begleitet.
96. Halt and Catch Fire Noch (!) nicht gesehen.
97. Community Am Anfang unerreicht komisch, zuletzt ein rechter Krampf, insgesamt auf jeden Fall ein unvergesslicher ride.
98. The OA Noch (!) nicht gesehen.
99. Gilmore Girls Nicht gesehen, und das wird in diesem Leben wohl auch nichts mehr.
100. Scandal Nicht gesehen, und jetzt ist es wohl zu spät, Politstoffe altern ja eher schlecht (was mich nicht davon abhalten wird, irgendwann, s.o., "Veep" nachzuholen).

Puh, das hat deutlich länger gedauert als angenommen. Für ein Fazit habe ich nun keine Zeit mehr. Nur noch zwei Punkte möchte ich loben: 1. dass gemäß dieser Liste das 21. Jahrhundert am 1. Januar 2000 (und nicht etwa 2001) begann und 2. dass sich keine einzige deutsche Produktion darin findet, hihi.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen

  • Vermittler für Seeleute: Heuerbaas
  • orientalische Gedichtform: Ghasel
  • Kreuzstab des Papstes: Ferula
  • math. Verbindungslinie: Polare
  • Schleppnetz: Zeest
  • Seebeute: Prise
  • Wärmeplatte (frz.): Rechaud
  • Art Billardspiel: Chasse
  • früherer kroat. Würdenträger: Ban*
  • Berliner Eckensteher: Nante
  • früheres chinesisches Gewicht: Tael
  • Schleichkatze, Ginsterkatze: Genette
  • Kammgarnstoff: Marengo
  • langsamer Volkstanz: Ländler
  • Altarraum orthodoxer Kirchen: Bema**
  • Fruchtbecher der Eiche: Walone
  • Führungsteil am Pflug: Sterz
  • Maßeinheit für d. Datenmenge: Gigabit***
  • Boot mit drei Rümpfen: Trimaran
  • altröm. Rechtsauffassung: Fas
  • flüchtiger Stoff bei der Stahlgewinnung: Gichtgas
  • dichtes Baum-/Halbwollgewebe: Zanella
  • durchgemustertes Linoleum: Inlaid
  • Totenklage im alten Rom: Naenie
  • früherer Damenunterrock: Jupon
  • junge Kuh, Färse: Kalbe
* nicht zu verwechseln mit dem thailändischen Getreidemaß 
** Was wohl der Unterschied zu einem Abaton ist?
*** Die meinen wohl "Gigabyte".

Dienstag, 6. Oktober 2026

Bohniger Krachmacher

"Rückruf-Aktion: Illy Kaffee warnt vor explosivem Deckel", titelte die Münchner Abendzeitung im März 2018 und teilte mit: "Bei den 250g-Dosen Kaffee 'Ganze Bohnen' könnte sich 'infolge eines Fehlers im Herstellungsprozess, beim Öffnen der Dose der Metalldeckel ruckartig lösen'. Betroffen sind die Produkte, deren Ablaufdatum zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 liegt. Erkennbar sind sie daran, dass sie kein Entlüftungsventil am Dosenboden haben. Durch das Fehlen des Entlüftungsventils kann sich die Dose verformen und dann für den explosiven Druck beim Öffnen der Kaffeedose sorgen."

Das war vor über achteinhalb Jahren. Doch die Gefahr war nicht gebannt, ist es womöglich noch immer nicht! Denn auch ich erlebte neulich beim Anbrechen einer Dose Illy-Kaffee eine ähnliche böse Überraschung. Es machte "Peng!", ich machte "Ah!" und fand mich über und über mit Kaffeepulver bestäubt inmitten einer kaffeepulverbestäubten Küche. Ganz richtig: Pulver. Im Gegensatz zu den betroffenen Dosen im Jahr 2018 enthielt die meinige gemahlenen Kaffee, doch die Art des Ausschusses scheint dieselbe gewesen zu sein. (Ich konnte das Vorhandensein eines Entlüftungsventils nicht überprüfen, weil ich die geöffnete Dose entsorgte, bevor ich im Netz nach Meldungen vergleichbarer Fälle suchte.) Die zum Glück ansonsten folgenlose Genussmitteleruption hat mich jedenfalls heftiger wachgerüttelt, als das zuzubereitende Gebräu es je vermocht hätte.

PS. Die AZ scheint ja ein schönes "Qualitätsmedium" zu sein: Kommafehler werden übernommen, und für das Produkt, um das es geht, kennt das Blatt drei verschiedene Schreibweisen ("illycaffe", "illycaffè", "Illy Kaffee").

Sonntag, 4. Oktober 2026

In die Nacht entlassen

Der emsige Betreiber der beeindruckenden "Bei Nacht"-Postkarten-Webseite hat mich abermals kontaktiert, weil ihm auf dem Foto mit den Exemplaren meiner bescheidenen Kollektion, das ich vor langer, langer Zeit gepostet habe, einige Karten aufgefallen sind, die ihm offenbar noch fehlten. Ich habe ihm die gewünschten geschickt, war dies doch ein guter Anlass, diese ohnehin nicht weiter expandierende Sammlung endlich aufzulösen. Bevor ich mich von den circa zehn Postkarten trennte, habe ich noch ein letztes, diesmal höher aufgelöstes Foto gemacht:


Diese Erinnerung dürfte meinem Zukunfts-Ich von doppeltem nostalgischen Wert sein, denn ich wusste schon jetzt nicht mehr, dass ich jemals in Orten wie Triberg, Seesen, Neuharlingersiel oder Bad Peterstal-Griesbach gewesen bin (wie zuvor geschrieben: im Rahmen von Familienurlauben).

Es ist übrigens erstaunlich, wie viele verschiedene Versionen von "Bei Nacht"-Karten desselben Ortes bisweilen kursieren. Unterschiedliche Auflagen variieren in winzigen Details, etwa in der Spationierung des Schriftzuges oder in der Richtung dessen Farbverlaufs. Die Postkartenverlage scheinen da durchaus kreative und gestalterische Energie reinzustecken; oder sie möchten halt die Sammler motivieren (so schrieb mir Herr Frank, der Homepage-Kurator, beispielsweise bzgl. meiner Bodensee-Karte, deren gelber Text linksbündig war: "bei meiner ist der Text rechtbündig", oder zu Frankfurt: "bei meiner ist der Font ist dünner und die Punkte mehr gesperrt", oder: "Die Rückseite meiner Berlin-Karte hat grüne Linen und Text, im Web habe ich mal eine mit blau gesehen. Das Foto von einer Auflage mit schwarzen Linien und Text reicht mir. Danke. Ist gleicher Verlag und gleiche Nummer.").

Freitag, 2. Oktober 2026

Serientagebuch 09/26

01.09. Hijack 2.06
03.09. Everybody Loves Raymond 4.06 (RW)
Everybody Loves Raymond 4.07 (RW)
Station Eleven 1.03
Station Eleven 1.04
04.09. Hijack 2.07
The Simpsons 37.18
06.09. Everybody Loves Raymond 4.08 (RW)
08.09. Hijack 2.08
Station Eleven 1.05
10.09.
Everybody Loves Raymond 4.09 (RW)
Everybody Loves Raymond 4.10 (RW)
Person of Interest 4.01
11.09. Person of Interest 4.02
15.09. Everybody Loves Raymond 4.11 (RW)
Station Eleven 1.06
16.09. Everybody Loves Raymond 4.12 (RW)
17.09. Person of Interest 4.03
Person of Interest 4.04
22.09. Person of Interest 4.05
26.09. Person of Interest 4.06
28.09. Person of Interest 4.07

Ich hatte mich sehr auf die Fortsetzung des High-Octane-Flugzeugentführungs-Thrillers Hijack gefreut. Dass es einen Szenarienwechsel geben würde, war mir klar (zweimal hintereinanander ein Flugzeugsetting wäre fad geworden), und mit der Verlagerung der Handlung in eine U-Bahn war ich schwer einverstanden, zumal die zweite Staffel in Berlin spielte: Deutsche Schauplätze dargestellt aus amerikanischer Sicht sind immer interessant. Tatsächlich hat man sich auch die Mühe gemacht, viele Rollen mit einheimischen Schauspielerinnen und Schauspielern zu besetzen, und die Hauptstadt wird reizvoll reizlos (ekliges Winterwetter!) inszeniert. Positiv ist ferner hervorzuheben, dass es den ein oder anderen netten Twist gibt, dass Idris Elba gewohnt lässig aufspielt und dass die Bezüge zur Vorgänger-Season organisch und sinnvoll wirken. Der Rest: meh. Leider gibt es doch arg viele Störfaktoren, allen voran das erratische Verhalten etlicher Beteiligter, unrealistische Voraussetzungen und eine entbehrliche Nebenhandlung.

Weil sie erst nach meiner Besprechung der 37. Staffel erschienen sind, möchte ich (bevor die nunmehr 38. Staffel startet) in aller Kürze noch die drei Zusatz-Episoden der Simpsons loben: Jene Disney+-Specials zählten in meinen Augen tatsächlich zu den Highlights dieser wie immer durchwachsenen Season. Insbesondere die unverschämt makabre Mr.-Ripley-Story "Simpsley", den ersten Teil der "Black Mirror"-Persiflage "Yellow Mirror", aber auch den absolut kranken "Joker"-Part in "Extreme Makeover: Homer Edition" hielt ich für stärker, komischer und experimentierfreudiger als die letzten "Treehouses of Horror".

Dienstag, 29. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (12 & Schluss)

Tag 12 || Niebüll – Neukirchen (Nordfriesland) – Klanxbüll

Um das mir gestern durch die Lappen gegangene Hotelfrühstück wieder "reinzuholen", habe ich heute morgen am Buffet wie ein Berserker zugeschlagen, hehe. Wahrscheinlich habe ich, wie bei jeder Reise, trotzdem mindestens zwei Kilogramm abgenommen.

Der Endspurt war ziemlich unspektakulär, fast antiklimaktisch: Es ging reibungslos nach Niebüll, nach Neukirchen und schließlich nach Klanxbüll. Ausgestiegen, einmal um den Pudding gelatscht, zwei Videos gemacht, Heimreise angetreten. Auf dieser Heimreise befinde ich mich immer noch! 

Diese Zugfahrt (1x IC, 1x ICE) hält auch gleich wieder alles bereit, was wir an der Deutschen Bahn lieben: Lokwechsel, Umleitung, geschlossenes Bistro wegen Personalausfall, sinnloses Stehen mitten auf der Strecke. Mit 35 Minuten Verspätung werde ich wohl kurz nach halb zwölf in Frankfurt einrollen. Zum Vergleich: Von all den Bussen, die ich in den letzten zwölf Tagen benutzt habe, waren vielleicht vier verspätet, und keiner davon mehr als zehn Minuten. Auch musste ich nur ein einziges Mal stehen, nie war die Toilette kaputt (weil es im Linienbus keine gibt), und umweltschonend ist diese Fortbewegungsart obendrein [citation needed].

Die wichtigste Frage lautet natürlich: Wie geht es meinem Hintern? Ich kann versichern: In dem Bereich ist alles tippi-toppi. Ein bisschen kaputt bin ich jetzt dennoch. In meiner Reiselektüre, Michael Wildts "Zerborstene Zeit", bin ich bis zum Jahr 1938 gekommen.




Insgesamt habe ich in 66 Bussen gesessen. Zum Nachahmen ist mein Reiseplan nur bedingt geeignet, denn es fallen unvermeidbarerweise zwei Wochenenden mit eigenen Fahrplänen rein, und je nachdem wann man startet, ergeben sich andere Tagesrouten (zudem könnte man das Ganze auch schneller "wuppen", wenn man bereit ist, auch mal zwölf Stunden am Stück zu fahren; aber das hier sollte ja kein Rekordversuch werden).

Orte, in denen ich vorher noch nie war und die ich gerne wieder besuchen würde: Schwäbisch Gmünd, Meiningen, Hann. Münden, Uslar, Flensburg.

Now playing: Violet Cold - Pride

Montag, 28. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (11)

Tag 11 || Hamburg-Flughafen – Neumünster – Nortorf – Rendsburg – Kropp – Schleswig – Flensburg

Heute bewältigte ich die letzte Ganztagsetappe. Entsprechend motiviert startete ich in den Tag, freute mich sogar auf den Gewaltmarsch zum Pinneberger Bahnhof. Ärgern musste ich mich aber, als ich beim Auschecken erfuhr, dass ein Frühstück auf mich wartete. Davon stand nichts in der Buchung!!! Na ja, ich hätte eh kaum Zeit gehabt, es zu genießen.

Mit Neumünster, Rendsburg und Schleswig standen heute drei bekanntere Gemeinden als Umsteigepunkte auf dem Plan, ich lernte aber auch mystische Nester kennen wie Kropp (in dessen Nähe ein weiteres Wisentgehege ist, das zu besuchen mir jedoch abermals die Zeit fehlte) und das programmatisch benamste Busdorf. Letzteres trägt den Slogan "Herz des Wikingerlandes". Hier, in der Nähe der Ringwallsiedlung Haithabu, wurde im 19. Jahrhundert ein Runenstein gefunden, der seitdem das Wappen von Busdorf ziert, womit dies die einzige deutsche Gemeinde mit Runen in ihrem Wappen sein dürfte (gutes Quizwissen!). Außerdem lernte ich, dass Boklund und Böklund zwei verschiedene Ortschaften sind.

Von Kropp fuhr ich in einem Kleinbus mit, der diesmal tatsächlich bis auf einen Platz ausgefüllt war! Auf NDR 1 las der Moderator die Nachricht einer Hörerin vor: den bis aufs Wort geklauten Hauck&Bauer-Tweet "Ich möchte in einer Welt leben, in der die Pralinen auf der Oberseite der Schachtel beschrieben werden. Auf der Oberseite."

Im wie erwartet bezaubernden Flensburg habe ich nach einem Touri-Rundgang endlich einmal anständig – und dem maritimen Flair angemessen – gespeist. 

Morgen dann großes Finale. Läuft heute was Gescheites im dänischen Fernsehen?









(Das Gerät hinten rechts könnte Kybersetzung-Lesenden mit sehr gutem Gedächtnis bekannt vorkommen.)

Sonntag, 27. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (10)

Tag 10 || Zeven – Sittensen – Ramshausen (Vierden) [– Sauensiek] – Buxtehude – Hamburg-Finkenwerder – Hamburg-Altona – Schenefeld – Pinneberg

Heute habe ich zweimal Anruflinientaxis benutzt; einmal handelte es sich um eine klassische Taxi-Limousine, einmal um einen Krankentransporter, beide Male war ich der einzige Fahrgast. Man kann diskutieren, ob das noch "Busse" im Sinne meiner Challenge sind, aber sie wurden mir als Verkehrsmittel in der Öffi-App angeboten, hatten eigene Liniennummern und waren auf den Haltestellenplänen aufgeführt – them's the rules!

Dem Fahrer, der mich von Sittensen nach Ramshausen brachte (vorher stoppte ich in Zeven, "die Einkaufsstadt"), erzählte ich auf seine Frage nach meinem Ziel von meinem Projekt. Er fand es tatsächlich interessant – "Ein Schreibender an Bord, das hat man auch nicht alle Tage" –, kam dann aber bald auf die ganz großen Themen zu sprechen. "Fragen Sie sich manchmal, wohin wir global eigentlich hinsteuern?" – "Ja, die Weltlage kann einem schon Angst machen." (...) "Wann wurden Sie konfirmiert?" – "Gar nicht. Ich komme aus dem Osten, da haben fast alle Jugendweihe." – "Was ist das denn? Heißt das, Sie glauben gar nicht an Gott? ... Überlegen Sie sich das gut. Der Mensch muss, wenn er seine Umwelt beobachtet, erkennen, dass es einen Schöpfer gibt."

Da endete die Fahrt leider schon, doch der nächste Spaß ließ nicht auf sich warten: Der Bus nach Sauensiek entpuppte sich, was die Öffi-App verschwiegen hatte, EBENFALLS als Anruftaxi. Ich konnte spontan keins bestellen, hatte aber gott(!)lob exakt eineinhalb Stunden, um die sechs Kilometer auf Schusters Rappen zurückzulegen. Die prasselnde Sonne war mir dabei lieber als Dauerregen, wie er wohl momentan den Süden heimsucht.

Der Süden! Mittlerweile ein verwehtes Echo aus der Vergangenheit. In Buxtehude hörte ich die ersten Möwen, ab Jork häufte sich die Reetdachdichte. Ja, moin! Zu gerne hätte ich bei Hamburg mit der Fähre übergesetzt, denn ich liebe Fähren, aber das hätte nun wirklich nicht gegüldet. Also mit dem Bus unter der Elbe durch und in umständlichem Zickzack nach Pinneberg.

Warum ich nicht in Hamburg Station gemacht habe, möchtet ihr wissen? Die Sache ist die: Hamburg ist meine Lieblingsstadt in Deutschland, und wenn mir nur ein Abend und ein Morgen zur Verfügung gestanden hätten, wäre ich traurig gewesen: All die Sehenswürdigkeiten und die lieben Leute, die ich dort kenne, zum Greifen nahe und doch so fern. Nee, pragmatischer, unsentimentaler Transit soll es diesmal sein.

Der heutige Abschnitt war unterm Strich der forderndste. Einmal musste ich sogar stehen, und zum Hotel 40 Minuten ins Gewerbegebiet schlurfen. Morgen werde ich Flensburg erreichen, und ich will verdammt sein, wenn ich mir zum Feierabend nicht ein lokales Ploppflaschengebräu in die Rüstung kippe!


Meine gestrige Gastgeberin war Lebensmittelretterin, was ich prinzipiell begrüße, nur hatte ich ein Mirácoli-Nachahmerprodukt schon vor ein Tagen gehabt (wobei die zwei im Korb von jeweils anderen Discountern waren; ich hätte also einen Vergleichstest durchführen können). Eine Instant-Asia-Pfanne im Korb war bereits 2017 abgelaufen, und die Bundeswehr-Fertiggerichte im Kühlschrank, obschon nicht minderwertig, enthielten allesamt Fleisch.

Also holte ich mir von Aldi (Nord!) Rosmarinkartoffeln und TK-Buttergemüse. Für mehr hat meine Muße nicht gereicht.

Buxtehude

Hier werden Airbusse gebaut.

Samstag, 26. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (9)

Tag 9 || Mandelsloh (Neustadt am Rübenberge) – Stöckendrebber (Neustadt am Rübenberge) – Rethem (Aller) – Walsrode – Benefeld (Walsrode) – Rotenburg (Wümme)

Manchmal spaziere ich durch eines der vielen Villenviertel in diesem Land und denke mir: 'Wo im Leben bin ich eigentlich falsch abgebogen, dass ICH nicht in so einer Hütte wohne? Grrrr, ich könnt alles kurz und klein schlagen!!!' Aber dann meldet sich eine innere Stimme: 'Na na na, die Menschen, die hier wohnen, können bestimmt nicht einfach so unter der Woche sinnlos durch die Gegend scharwenzeln. Check dein Privileg, Bengel!'

Was ich damit sagen will: Ich schätze nett aussehende Häuser. Sogar die oft als spießig verschrienen Klinkerbauten hier im niedersächsischen Flachland taugen mir. Ich schreibe diese Zeilen in Mandelsloh (gehört zu Neustadt am Rübenberge – bekannt durch Max Goldt!) und bin erleichtert, Hannover verlassen zu haben. Nix gegen Hannover, aber ich verlerne allmählich, mit Großstädten klarzukommen. Zumal mein zugegeben günstiges Hotel nicht sehr einladend war: Lärm von draußen, Gestank im Bad, fehlender Rauchmelder, trauriger Blick auf die ehemalige Galeria Kaufhof. Dafür war es nahe der Marktkirche gelegen, auf welcher ein gigantisches Pentagramm prangt und vor der ein Offener Bücherschrank steht. Auch die Markthalle war nicht weit. Sie ist donnerstags bis 22 Uhr geöffnet; in einem koreanischen Bistro bestellte ich etwas, das ich seit über fünf Jahren nicht gegessen hatte: Bibimbap. Dazu Litschisaft, gut.

Frühstück heute wieder leicht würdelos, im Park Schokostreuselplunder von Edeka, kein Kaffee. Von Hannover nach Hamburg zu kommen, ist nicht ohne. Hannover als Knotenpunkt schien mir ein no-brainer zu sein, doch ich hätte mich besser weiter von Osten her vorarbeiten sollen. Der DB Navigator ist mittlerweile gar keine Hilfe mehr, denn die norddeutschen Netzpläne sind, wie's aussieht, nicht darin integriert. Wenigstens auf die Öffi-App ist Verlass. Nun also nach Stöckendrebber (mit süßem Bücherschrank im Wartehäusel). Rethem, Walsrode (bekannt durch den Vogelpark!), Benefeld und schließlich Rotenburg an der Wümme. Ich denke mir das nicht aus!

In Rotenburg (bekannt durch diese eine "SpOn"-Kolumne!) erwartet mich eine hoffentlich charmante Ferienwohnung. Vielleicht koche ich heute Abend.







Freitag, 25. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (8)

Tag 8 || Göttingen – Uslar – Holzminden – Hameln – Bad Münder – Springe – Hannover

Gestern wieder gemerkt, wie billig Kassel im Vergleich zu Frankfurt ist. Ich aß eine Falafeltasche für 4,- € (das ist nicht mal ein halber Döner!). Bei strömendem Regen kam ich wenig später in Hann. Münden an und verkroch mich sogleich in meinem winzigen Zimmer in einem rustikal-gemütlichen Fachwerk-Gasthaus. Fairer Preis, Frühstück inbegriffen.

Heute morgen bei fortgesetztem Niederschlag erst nach Göttingen, dann nach Uslar, wo ich einen längeren Aufenthalt hatte, den ich sehr genoss. Leider waren die zahlreich vorhandenen Bänke allesamt nass, so dass ich mein Vesper – das inzwischen reichlich uncrispe FinnCrisp mit Räucherkäse von gestern – im Haltestellenwartehäuschen einnahm. Ich kam mir vor wie ein Landstreicher – herrlich, so wurde ich mal wieder geerdet.

Bodenständig in seiner direkten Ruppigkeit und mir dadurch sympathisch ist auch das hiesige Landvolk, das mir wie ein stolzer Gegenentwurf zum steifen, betont fein artikulierenden Welfengezücht erscheint. Eine Kioskdame antwortete, als ich sie nach WC-Benutzung fragte, schlicht: "Pipi?" Eine Frau im Bus zischte einem Schuljungen, der einen Ball in den Händen hielt, zu: "Wenn du den hier durchschmeißt, bist du erledigt, du Pfeife!", und der Fahrer des Busses nach Holzminden (der aussah wie Patrick Stewart) schrie, als ein paar Kinder sich beim Aussteigen zu viel Zeit ließen: "Wird's bald?!"

Nach Hameln und Bad Münder verschlug es mich nach Springe. Da soll es ein Wisentgehege geben. Jetzt aber auf nach Hannover, hurra. *das Niedersachsenlied anstimm*

Hübscher Ort trotz Namen mit ekligen Assoziationen: Uslar. Das Bernsteinzimmer wurde hier schon vermutet. In Uslar habe ich auch den bislang letzten Maibaum (von bescheidener Höhe) gesehen.

In Uslar gibt's sogar einen Offenen Spieleschrank.

Stoff für eure Träume.

Die Weser und zwei Gewesene.

Hameln nennt sich ganz offiziell "Rattenfängerstadt". Warum nennt man den Rattenfänger von Hameln eigentlich so und nicht "Kindesentführer von Hameln"? Das ist, als wäre der Kannibale von Rotenburg als "der IT-Techniker von Rotenburg" bekannt. Das hessische Rotenburg ist übrigens nicht zu verwechseln mit Rohtenburg (Tauber) und Rothenburg ob der Wümme. Letzteres ist mein morgiges Ziel.

Donnerstag, 24. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (7)

Tag 7 || Kaltennordheim – Dermbach – Bad Salzungen – Eisenach – Eschwege – Kassel – Hann. Münden

Kurzer Schreck in Kaltennordheim: Bei dem Bus nach Dermbach handelt es sich um ein Anruflinientaxi! Gottlob stand eins da, denn zwei andere Passagierinnen hatten es bestellt. Die Fahrerin ließ mich trotz meiner versäumten Voranmeldung in ihren Minibus einsteigen und gab mir sogar nette Tipps für den Anschluss nach Bad Salzungen.

"Deutschlands grüne Lunge" zwischen Thüringer Wald und Rhön wird ihrem Spitznamen gerecht, allein das bescheidene Wetter trübt den Naturgenuss heute. Mittagessen: FinnCrisp mit Belag, dazu eine Banane und eine kleine Tüte Beeren-Nuss-Mischung. Nach Eisenach geht es über Um-, nein: Eschwege und Kassel nach Hann. Münden. Um 21 Uhr muss ich noch an einem Online-Quizturnier teilnehmen; das WLAN spielt mit.

Morgen dann 8.25 Abfahrt gen Hannover! Diese Verbindung habe ich nicht dem DB-Navigator entlockt, sondern mithilfe des nutzerfreundlichen "FahrPlaners" des VBN ermittelt. Wie es danach weitergehen soll – keine Ahnung.

Alles in allem geht's mir gut, mein Körper ist noch kein Wrack, was womöglich der regelmäßigen Morgengymnastik zu verdanken ist.




Mittwoch, 23. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (6)

Tag 6 || Volkach – Schweinfurt – Bad Königshofen i. Grabfeld – Römhild – Meiningen

Schlecht geschlafen. Unruhe, Ohrensausen, komische Träume. Am chaotischen Würzburger Busbahnhof eine Viertelstunde meinen Bus gesucht.

Erster Halt Volkach, wo ich bezüglich des fränkischen Menschentypus eines besseren belehrt werde: Eine Busfahrerin steigt aus ihrem Gefährt aus, fragt mich freundlich, wo ich hinwill, klärt mich auf, dass der Ferienfahrplan noch gilt (Was haben die in Bayern eigentlich für ewig lange Ferien?): "Sie müssen gut aufpassen – ich kann Sie auch nach Kitzingen mitnehmen." Doch ich muss nach Schweinfurt, wo ich im etwas tristen Bahnhofsgebäude ein Eier-Ciabatta erstehe. Standard Bahnhofsfressen, genau das wollte ich vermeiden! Schmeckte aber okay.

Bad Königshofen und, tadaa!, plötzlich bin ich im Osten (Hildburghausen). Dann noch Römhild und schließlich Meiningen, wo ich der Lokalpresse ein (von mir selbst arrangiertes) Interview gebe.

Meine Laune hebt sich: Diese theaterhistorisch bedeutsame Mittelstadt im umgrünten Schoß der Werra ist in der Tat zauberhaft. (Ich hatte vorher meine Follower um Rat gefragt, ob ich über Fulda oder Meiningen fahren solle, und fast einstimmig wurde für Letzteres gestimmt.) Gestern war nur noch eine einzige, hochpreisige Unterkunft verfügbar, die viel zu groß für mich ist, in der aber eine gratis Flasche Wein auf mich wartete – die ebenfalls zu groß für mich ist. Zwei Gläser gönne ich mir gleichwohl, zu feinster Mirácoli-Alternative von Norma.

Morgen reise ich ins mystische Hann. Münden. In Hessen möchte ich nicht enden, da am Donnerstag Fronleichnam ist und dort also der Feiertagstakt greift.

(Dieser Beitrag wurde der Abwechslung halber im Präsens geschrieben.)