Donnerstag, 12. Dezember 2019

Sonntag, 8. Dezember 2019

Die besten Weblogs

Heute: Bahnsozialstudie.de. Erlebnisse mit der Deutschen Bahn, aber keine Angst: Es geht nicht ausschließlich um nervige Passagiere, Störungen im Betriebsablauf und crazy Durchsagen! Neugierigen Vielfahrern wie mir beschert die (unregelmäßig befüllte) Seite den einen oder anderen Aha-Moment. Die Einträge drehen sich um wenig bekannte Zugtypen, Streckentipps, außergewöhnliche Verbindungen und manches mehr.

Samstag, 7. Dezember 2019

Die G(ewissens)-Frage

Hihi. Vor einer Woche befasste ich mich hier mit der "Guten Frage" des SZ-Magazins, und in der gestrigen Ausgabe stammt ebenjene Frage von jemandem, der so heißt wie ich.


Ich kann allerdings versichern, dass ich weder in Kassel wohne noch dass mir das Geschilderte widerfahren ist.

Freitag, 6. Dezember 2019

Es ist wieder da

Ich habe die Lektüre neuerer Stephen-King-Bücher nach der "Mr.-Mercedes"-Trilogie etwas vernachlässigt. "Doctor Sleep" interessiert mich nicht (bestimmt sehe ich mir irgendwann den Film an); "The Outsider" wird es eh bald als HBO-Serie geben; "Revival" soll nicht sooo doll sein; "Das Institut" muss warten. Immerhin habe ich mir nun die kompakte Novelle "Elevation" (dt.: "Erhebung") vorgenommen, die mir eine Variante von "Thinner" mit zeitgemäßem social commentary zu sein scheint. Witzig ist, dass auch hier, wie bei "Mr. Mercedes", ein Teil des King-Universums sozusagen auf einer zweiten Ebene referiert wird: Anlässlich des Halloween-Abends, heißt es, benennt sich eine örtliche Garagenband namens "Big Top" in "Pennywise and the Clowns" um.
Man muss dazu erwähnen, dass "Elevation" in der King-Stadt schlechthin spielt, nämlich in Castle Rock, wo Pennywise einst sein Unwesen trieb. Möglicherweise ist das Alter ego der uralten Schreckenskreatur aus "Es" auch außerhalb des "Clubs der Verlierer" namentlich bekannt geworden und taugt mittlerweile als Popkultur-Subjekt.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Kurz notiert: Nasendieb

Herakles hatte den Beinamen "Nasenabschneider" (Rhinokolustes), weil er den Herolden des Königs von Orchomenos als Strafe für eine Respektlosigkeit die Nasen abschneiden ließ. Typisch: Da lässt man sich einmal zu einer etwas unwirschen Reaktion hinreißen, schon haftet einem das für den Rest des Lebens an! 
Fairerweise muss erwähnt werden, dass Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (Band VIII,1) nicht weniger als 75 (!) Beinamen des Herakles aufzählt, darunter "Keulenträger" und "Stierfresser". Eine lange wissenschaftliche Arbeit ließe sich darüber schreiben. Apropos Arbeit: Mit Verweis auf eine der heroischen Arbeiten des Herakles würde ich dem alten Thebener heute den Spitznamen "Stallausmister Bombastic" verleihen, aber mich fragt ja keiner.

Montag, 2. Dezember 2019

Only Jails and Horses

An meiner Schule gab es einmal einen Wettbewerb im Fach Englisch, an den ich mich kaum erinnern kann, von dem mir aber eine Sache im Gedächtnis hängen geblieben ist. Die Teilnehmenden hatten im Vorfeld Angaben zum gegenwärtigen Kenntnisstand und zur "Sprachsicherheit" o.ä. zu machen. Ich konnte einsehen, was meine Mitschüler/-innen da so eintrugen (Datenschutz gab es damals noch nicht), und war überrascht, dass viele ihr Englisch-Niveau als "verhandlungssicher" oder gar als "auf Muttersprachlevel" bewerteten. Ich wäre damals nie auf die Idee gekommen, mich besser als durchschnittlich einzuschätzen, auch wenn ich meine besten Zeugnisnoten oft in Englisch holte. Selbst heute – nach Auslandsaufenthalt, permanentem Originalsprachen-Medienkonsum und (abgebrochenem) Amerikanistikstudium – würde ich mir keineswegs die höchstmögliche Kompetenzstufe zuschreiben. Denn beherrschte ich Englisch wie ein native speaker, würde ich nicht ständig über neue Wendungen und Vokabeln stolpern.

In der letzten Episode von "Family Guy" waren gleich zwei sprachliche tidbits zu entdecken:
1. der ulkige Ausdruck charley horse für einen Muskelkrampf, speziell in den Beinen, erstmals 1886 belegt und mit wohl nicht mehr zu klärender Herkunft ("not so common today as it once was"; "The Straight Dope");
2. der Unterschied zwischen jail und prison, die ich bis dahin synonym verwendet hätte. Die Seite englisch-hilfen.de vermerkt dazu: "jail. Gefängnis im Sinne von Untersuchungshaft oder einer Strafdauer die nicht länger als 1 Jahr dauert. In den USA sind sie oft unter Aufsicht der Stadt oder des Bezirks. In Großbritannien wird dieser Begriff auch als Synonym für prison benutzt" (obwohl a.a.O. zugleich behauptet wird, im Britischen Englisch nutze man ausschließlich das letztere Wort). Und zu prison: "Gefängnis, nachdem ein Straftäter verurteilt wurde. In den USA sind sie dem Bundesstaat oder der Bundesregierung unterstellt." Auf gutefrage.net ist zu erfahren: "'Prisons' sind eher staatliche Gefängnisse und 'Jails' werden von lokalen Regierungen geführt. Man könnte also unabhängig von der Größe auch sagen, dass in Jails die Kleinganoven und in Prisons die großen Gangster/Kriminellen kommen." Noch prägnanter hinative.com: "Jails and Prisons are both for holding criminals, but Prisons are for long term holdings. Prisons are usually 'worse' than jails, but you use them the same way in a sentence." So kommt es ja auch in der besagten "Family Guy"-Folge rüber.

Sonntag, 1. Dezember 2019

Die Rückkehr der MP3-Spieler

Nennt mich altmodisch, aber ich bin kein Freund von Musikstreaming, zumindest beim Unterwegssein in diesem Lande. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Reisende, die allein Spotify & Co. vertrauen, glücklich damit sind. Ich habe es weiß Gott oft genug probiert (mit dem grässlichen "Amazon Music"), und meine Erfahrung ist: In Zügen der Deutschen Bahn ist das Wlan, wenn überhaupt vorhanden, so langsam wie das mobile Netz in den meisten Gebieten außerhalb von Großstädten. Das Resultat: Kontinuierlicher, lagfreier Hörgenuss ist schlechterdings unmöglich. Was für Narren, die sich für teuer Geld 10 oder mehr Gigabyte Datenvolumen pro Monat buchen!

Gerade bei Podcasts bevorzuge ich die gute alte MP3, so wie ich auch noch lokale Kopien meiner Lieblingsmusik auf der Festplatte habe. Und jetzt kommt's: Um den Nostalgietrip in die Nullerjahre komplett zu machen, erinnerte ich mich vor meiner letzten Wanderung daran, dass ich noch zwei MP3-Player besitze, nämlich einen "Walkman" von Sony sowie den SanDisk "Sansa Clip". Beide hatten irgendwann irgendwie den Geist aufgegeben (ich konnte die Firmware nicht updaten oder so), doch dann lud ich sie vollständig auf und testete sie, und siehe, sie funktionieren wieder bzw. noch! Da diese federleichten Geräte eine ungleich längere Akkulaufzeit als jedes Smartphone haben, nutzte ich den "Sansa Clip" – conveniently an die Jacke geclippt – zum stundenlangen Konsum diverser Audiofeatures, die ich zuvor heruntergeladen und überspielt hatte. Hätte ich, bei fast durchgängigem "Edge", auf (obendrein den Handy-Akku beanspruchendes) Streaming gesetzt, ich hätte mich nur geärgert.

Freitag, 29. November 2019

Die gute Rubrik

Ehre, wem Ehre gebührt, bzw. praise where praise is due. Man darf die Medien auch mal loben. Seit einer Weile betreut Johanna Adorján als Nachfolgerin von Dr. Dr. Rainer Erlinger im SZ-Magazin "Die Gewissensfrage", die jetzt "Gute Frage" heißt, und ich finde, sie macht das viiiiel besser als ihr Vorgänger. Nicht nur kommt sie ohne Umschweife und angeberische Zitiererei zum Punkt und liefert verlässlich nachvollziehbare und alltagstaugliche Problemlösungen, auch scheinen mir die Fragen weniger unerträglich zu sein als früher. Oft sind sie regelrecht lebensnah, heute zum Beispiel:


Dieses Begrüßungsgeschlabber ist nach meinem Empfinden wirklich grenzüberschreitend. Dank Frau Adorján weiß ich nun, dass es legitim ist, derartige Übergriffe mit einer kleinen Geste oder notfalls mit einem erklärenden Statement abzuwehren. "Wer dies nicht versteht, hat Probleme, die Sie nicht lösen können." So einfach ist das (freilich nicht immer)! Weiter so.

Mittwoch, 27. November 2019

Der Pate - Teil III

Eine neue Patenschaftsurkunde hat es an meine Bürowand geschafft. Oder sollte ich schreiben "PatenSCHAFtsurkunde" und "geSCHAFft"? Auf keinen Fall, denn es handelt sich um eine Ziege, die dank meiner lieben Kolleginnen und Kollegen jetzt das Leben einer Familie in Afrika ein wenig besser macht.


Zuvor in diesem Blog: Wirbelloses Glück; Der Pate - Teil II

Montag, 25. November 2019

Autsch, Garnitur!

Ein Wort, das ich seit jeher als "Erwachsenenwort" abgespeichert habe und selbst nie verwenden würde, ist Couchgarnitur. Warum reicht "Couch" oder "Sofa" nicht aus? Gewiss gibt es da Nuancen, vermutlich verweist das Glied -garnitur darauf, dass es sich um mehrere Komponenten handelt; die Couch wird wie ein Salat "angerichtet", indem um sie herum passende Möbelakzente gesetzt werden, die in der Regel aus einem oder zwei Sesseln bestehen. Man würde doch aber, kündigte man den Kauf einer "Couchgarnitur" an, eh dazu sagen, wenn man sich neben der Couch noch diverse Sessel ins Haus holte. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, dass man in Österreich jeden Stuhl standardmäßig "Sessel" nennt und im Südwesten Deutschlands ein Sofa "Chaiselongue" (bzw. "Schesslong").

Vielleicht ist das entscheidende Merkmal einer Couchgarnitur ja auch, dass sie ein Ecksofa ist. Da fällt mir ein: Als ich meine Eck- und Ausziehcouch geliefert bekam, baute der Servicemensch das Teil so auf, dass die geöffnete, an der Wand lehnende Wohnzimmertür hinter dem kürzeren Couchabschnitt geklemmt war und nicht mehr geschlossen werden konnte. Es fiel mir sehr schwer, freundlich zu bleiben, als ich um Behebung dieses Zustands bat.

Nachtrag: Putziger Zufall, dass im Zuge des Einbruchs in das Dresdner Grüne Gewölbe nun vermehrt von Juwelengarnituren zu lesen ist!

Freitag, 22. November 2019

Wein auf Brot, das tut not

Eine Festtagstradition in meiner Familie war und ist ein Dessert namens Rotweinspeise. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um gelatinierten Rotwein, also eine Art Götterspeise mit Alkohol. Sogar als Kinder durften wir diesen Weihnachtsnachtisch essen; das Beste war immer die gezuckerte Kondensmilch, die wir in rauen Mengen darüber gossen.

Eine Abwandlung des ohnehin schon sehr sinnvollen (keine Ironie!) Konzepts Weinspeise hat sich ein Berliner Startup namens Hannah und Paula's ausgedacht: Die zwei Frühstücksfreundinnen versetzen verschiedene Weinsorten (Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Grigio, Chardonnay und Rosé) mit Zucker und Pektin und vertreiben diese in Gläsern unter dem Namen Cheers online sowie in diversen Lädern in ganz Berlin (einen eigenen physischen Hannah-und-Paula's-Shop gibt es nicht). Die 200 Gramm sind mit 6,99 € nicht billig, enthalten aber ganze 77 % Wein. Aufmerksam auf diesen wirklich originellen, handgerührten Brotaufstrich bin ich durch die letzte Gourmet-Spezialstrecke im Stern geworden. 7/10

Es ist kein Day-drinking, wenn man den Alk isst statt trinkt!

Mittwoch, 20. November 2019

Fragen, die ich mir selbst stelle

Immer wieder hört oder liest man von sog. Klopfzeichen, derer sich beispielsweise Gefängnisinsassen bedienen, um heimlich zu kommunizieren. Wenn dabei das Morsealphabet verwendet wird, wie unterscheidet man dann kurze von langen Zeichen? Man kann doch nicht "langsamer" klopfen.

Antwort: Man verfährt entweder wie beim Klopfmorsen, wobei zwei kurz aufeinanderfolgende Knackimpulse für einen Punkt und länger auseinanderliegende Knackimpulse für einen Strich stehen, oder man greift auf einen Klopfcode zurück. Letzterer funktioniert mit einer Matrix von 5x5 Feldern, in die alle Buchstaben des Alphabets eingetragen werden, wobei man zwangsläufig einem Feld zwei Buchstaben zuordnen muss (etwa C+K oder I+J):


Ein Buchstabe wird mit zwei Zahlen übermittelt: Die erste bestimmt die Zeile, die zweite die Spalte. Das M wird also als 3 (3. Zeile von oben) und 2 (2. Spalte von links) codiert, nämlich indem man erst dreimal hintereinander und dann, nach kurzer Pause, zweimal klopft. Zugrunde liegt mithin eine einfache Polybios-Chiffre, eines der ältesten Verschlüsselungssysteme der Welt.

Montag, 18. November 2019

The Bart of Writing

Ich habe eine Theorie die Handlungen moderner "Simpsons"-Episoden betreffend: Hin und wieder scheinen den Autoren auf Wortspielen basierende Folgentitel einzufallen, aufgrund derer bzw. um die herum sie dann erst eine Geschichte spinnen. Beispiel: In "Three Gays of the Condo" (14x17) – natürlich eine Anspielung auf "Three Days of the Condor" ("Die drei Tage des Condor") – zieht Homer vorübergehend mit zwei homosexuellen Männern (gays) in eine Eigentumswohnung (condo). Man kann mir doch nicht erzählen, dass das Schreibteam die Story entwickelt hat, bevor es auf den Trichter kam, dass es zufällig einen Filmtitel gibt, der sich so umformen lässt, dass er zum Inhalt passt.

Ein ähnlicher Fall: Episode 22x07 heißt "How Munched is that Birdie in the Window?", eine Abwandlung des Oldies "How Much is that Doggie in the Window?", und es geht darum, dass eine in Barts Obhut stehende Brieftaube (ein Vögelchen, a birdie) vom Familienhund gefressen / zerkaut (munched) wird. Noch einmal: Ich bin mir sicher, dass zuerst jemandem der Wortwitz in den Sinn gekommen ist, und als zweiter Schritt begann das eigentliche Erzählen.

Weitere Beispiele gefällig? In "Jaws Wired Shut" (13x09) – vgl. den Filmtitel "Eyes Wide Shut" – muss Homers Kiefer (jaws) nach einem Unfall mit Drähten zusammengehalten werden (wired shut). Es geht noch konstruierter: Aus dem Kinderreim "Eeny Meeny Miny Moe" wurde der Titel von Episode 20x16, "Eeny Teeny Maya Moe", in welcher Barkeeper Moe (!) eine Kleinwüchsige (!) namens Maya (!) datet. Man denke auch an 29x20, "Throw Grampa from the Dane" (eine Referenz an "Throw Momma from the Train", zu deutsch "Schmeiß' die Mama aus dem Zug!"), worin es die Sippe wegen Grampa nach Dänemark verschlägt. Oder an "The Old Blue Mayor She Ain't What She Used to Be" (29x06): Hier kandidiert Marge (auf deren Haarfarbe sich "blue" bezieht) als Bürgermeisterin (mayor). Inspiration ist das Traditional von der alten grauen Stute, "The Old Gray Mare", das überhaupt erst dank den "Simpsons" einer größeren nicht-englischsprachigen Öffentlichkeit bekannt geworden sein dürfte (04x22). Ein Grenzfall scheint mir "Don't Fear the Roofer" (16x16) zu sein, wo ein von Ray Romano gesprochener Dachdecker (roofer) in Homers Leben tritt, der sich als imaginärer Freund entpuppt. Hier hat man sich womöglich erst nach dem Plotting an den Song "Don't Fear the Reaper" erinnert.

Ich möchte die Kreativität dieser Methodik keineswegs in Abrede stellen. Nach so vielen Jahren muss man halt neue Wege der Ideenfindung gehen.