Montag, 13. Juli 2026

Abt. Gute Ortsnamen

Dass US-amerikanische Gemeinden von heute auf morgen und nach Lust und Laune ihren Namen ändern dürfen, erfuhr ich aus einem Abschnitt über Ortsnamenwechsel in Ken Jennings' Geographieschmöker "Maphead". Sicher, ein paar Hürden mag es für solche gravierenden Schritte geben, doch scheinen diese niedriger zu liegen als etwa in Deutschland. Zum Beispiel können die Einwohner einer Stadt darüber abstimmen, so geschehen im Bundesstaat New Mexico:

Ursprünglich hieß die Stadt Hot Springs. Am 31. März 1950 beschlossen die Bürger der Stadt mit 1294 zu 295 Stimmen sie nach der Quizshow Truth or Consequences von Ralph Edwards umzubenennen. Edwards hatte versprochen, die Rundfunksendung in der Stadt zu produzieren, die als erste den Namen der Show annimmt. Heute wird ihr Name von der Bevölkerung New Mexicos meist zu T or C abgekürzt. (Quelle: Wikipedia)

Könntet ihr euch vorstellen, in "Gefragt, gejagt (Bayern)" oder "Familienduell (Mecklenburg-Vorpommern)" zu leben? Nun, immerhin hatten wir kurzzeitig Swiftkirchen. Im Übrigen wollen wir das Fass Halfway, Oregon (Amerikas erste "Dot-Com-City") genau so ungeöffnet lassen wie Kiefer Sutherlands Neo-Noir-Thriller "Truth or Consequences, N.M.", in dem der nach 1950 beobachtet Umbenennungseffekt offenbar behandelt wird.

Samstag, 11. Juli 2026

Schrödingers Buchstabenkästchen

Über Uneindeutigkeiten im Kreuzworträtsel habe ich mich in diesem Blog schon zweimal ausgelassen. Die "Trick/Track"- und die "Sambia/Gambia"-Ambiguität waren ja schon empörend, ebenso wie diese von mir über die Jahre gesammelten Fälle:

NT oder AT?

Fa oder La?

Xi oder Pi?

mir oder dir?

Ralf oder Rolf?

Dem Fass den Boden aus schlug aber das Stern-Schwedenrätsel der Kalenderwoche 28, ergeben sich doch ebd. an einer Stelle gleich drei Alternativen:


Soll ich hier "hemi" (griechisch), "semi" (lateinisch) oder "demi" (französisch) eintragen? Alle drei Vorsilben sind gebräuchlich und bedeutungsgleich. Ich möchte bei dieser Gelegenheit an den Fakt erinnern, dass eine Vierundsechzigstelnote auf englisch hemidemisemiquaver heißt.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Throwback Thursday: WWW

Von 1996 bis 2004 (die genaue Zeitspanne musste ich recherchieren) lief auf Sat.1 eine Sendung namens "WWW – Die Witzigsten Werbespots der Welt". Darin wurden, wie der Titel suggeriert, witzige Werbespots aus aller Welt gezeigt. Zusammengehalten wurde diese Clipshow, deren Intro ab ca. 1999 seltsamerweise mit dem Hook des Bloodhound-Gang-Hits "The Bad Touch" unterlegt wurde, durch Zwischen-"Moderationen", die darin bestanden, dass Fritz Egner den Inhalt des jeweils zuletzt gesehenen Spots nacherzählte.

Irgendwann um die Jahrtausendwende herum gab es eine Spezialausgabe der ebenfalls bei Sat.1. beheimateten Nachrichten-Comedy "Die Wochenshow", in der die besten Werbeparodien daraus gezeigt wurden. Dieses Special war als eindeutiger Seitenhieb auf Fritz Egners Sendung konzipiert; Bastian Pastewka persiflierte den Moderator und ahmte insbesondere dessen Überleitungen, die wie gesagt nichts als unbeholfene, absolut überflüssige Zusammenfassungen der Werbefilmchen waren, erschreckend realistisch nach. Diese Egner-Parodie halte ich noch heute für das Lustigste, was Bastian Pastewka je gemacht hat (und er hat viel Lustiges gemacht), übertroffen nur von seiner Ottfried-Fischer-impression.

Waaaaaruuuummmmm gibt es diese Art von Humor heute nicht mehr im deutschen Fernsehen? Oder überhaupt irgendetwas, das mir wenigstens ein mildes Schmunzeln abtrotzt?

Dienstag, 7. Juli 2026

Don't Worry Starling

In Cal Flyns "Verlassene Orte. Enden und Anfänge in einer menschenleeren Welt", dem wieder mal sehr anregenden und repräsentativen 100. (!) Band der Reihe "Naturkunden" bei Matthes & Seitz, wird erwartbarerweise auch das Thema invasive Arten berührt. Insbesondere geht es darum, wie im Zuge von Kolonisierung nichtendemische Spezies in neue Lebensräume, zielgerichtet oder unabsichtlich, eingeschleppt werden. Erstaunlichste Stelle (S. 190):

Manchmal nahmen die Kolonialisten Pflanzen und Tiere zur Gesellschaft mit, weil sie hübsch aussahen oder ihnen in der Fremde ein Gefühl der Vertrautheit vermittelten. Sie zu sammeln und zu pflegen, war ein beliebter kolonialer Zeitvertreib. Im Jahr 1890 setzte eine "Akklimatisierungsgesellschaft" in New York Exemplare aller in Shakespeares Werken erwähnten Vogelarten im Central Park aus.

Die Schwalbe, die den Sommer bringt.
Der Spatz, der Zeisig fein,
Die Lerche, die sich lustig schwingt
Bis in den Himmel 'nein.

Die meisten verschwanden in den Bäumen und wurden nie wieder gesehen, aber die sechzig Stare ("Ja, einen Star schaff' ich mir an, der nichts soll lernen / Zu schrein, als 'Mortimer'!") entwickelten sich prächtig. Heute gibt es etwa 200 Millionen amerikanische Stare.

Das ist crazy! Aber leider nur halbwahr. Richtig ist, dass ein New Yorker Apotheker namens Eugene Schieffelin der American Acclimatization Society angehörte und ihr im Jahr 1877 vorstand; auch setzte jener tatsächlich 1890 die genannte Zahl an Staren im Central Park aus, allerdings wohl nicht als Teil eines Projekts mit Shakespeare-Bezug: "Some historians have cast doubt on this story, as no record of it exists until the 1940s." Dass sich der Star in den Vereinigten Staaten dermaßen stark und mit teils verheerenden Folgen ausbreitete, stimmt jedoch.

Montag, 6. Juli 2026

Earphone trouble und kein Ende

Da will ich am Samstag einen Podcast auf dem Handy hören, als plötzlich ... der Ton auf einem Ohr ausfällt, sobald man das Kabel bewegt! Das kann doch nicht schon nach knapp drei Wochen ein Defekt meines frisch erworbenen In-Ear-Kopfhörers sein, denke ich. Ist es auch nicht. Der wahre Übeltäter ist, wie sich schnell herausstellt, der (zugegebenermaßen billig erworbene) Adapter, den ich benötige, um Klinkenkopfhörer mit dem USB-C-Ein-/Ausgang des Smartphones zu verbinden. Adapterlos in anderen soundabspielenden Geräten funkioniert mein neuer JBL-Kopfhörer wie gewünscht. Was soll dieser Blödsinn überhaupt, Handys ohne 3,5-mm-Buchse? Gleichzeitig das Handy laden und darüber Musik hören ist heutzutage nicht mehr möglich. Tolle Zukunft, in der wir leben. Und das Argument "Kauf dir doch USB-Kopfhörer!" zieht nicht, denn ich möchte ja, s.o., auch weiterhin Kopfhörer an Abspielgeräte mit klassischem Klinkenzugang stöpseln. Grrrr ...

Samstag, 4. Juli 2026

Zwo Chipse

Bei Rewe gab es neulich außergewöhnliche Chips zum Sonderpreis, da musste ich natürlich zugreifen.


Die Pringles-Sorten der limitierten Edition Stadium Snacks sind womöglich schon wieder aus dem Handel verschwunden. Bevor ich die anderen in dieser Reihe testen konnte, habe ich wenigstens die Sorte Cheeseburger probiert ... und wurde angenehm überrascht! Was genau sich hinter der "Würzmischung mit Cheeseburger-Geschmack" und den "Aromen", von denen auf der Zutatenliste die Rede ist, verbirgt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Am deutlichsten herausschmecken konnte ich kurioserweise Gurken. Käsiges scheint ebenfalls enthalten zu sein (Inhalt: Buttermilchpulver, Laktose), Fleischderivate, deren Hinzufügung wegen der Burger-Anlehnung naheliegt, sind nicht explizit aufgeführt, jedoch kann auch das enthaltene Dinatrium-5'-ribonucleotid tierischen Ursprungs sein. Tja, ein gewisser Mysteryfaktor macht hier halt den Reiz aus; der Flavour lässt sich nicht greifen, beschäftigt aber die Geschmacksrezeptoren. Ich gebe gute 7/10 Punkten.


Funny-frisch liefert wieder mal ab. Intense Chips nennt sich ihre neue Linie, die "
für besonders intensive Würzungen und moderne, außergewöhnliche Geschmacksrichtungen" steht und "ein ganz neues Chips-Erlebnis" für "alle, die es besonders knusprig und geschmacklich intensiv mögen", biete, wie es auf der Firmen-Homepage leicht überladen heißt. Unter den drei aktuell angebotenen Richtungen habe ich mich für Sweet & Spicy Curry entschieden; es gibt auch noch "Perky Pepper" und "Juicy Paprika". Wie so oft, vor allem im direkten Vergleich mit Pringles, kann Funny-frisch mit einer überschaubaren, von Chemie weitgehend freien Inhaltsliste punkten. Curry-, Chili-, Zwiebel- und Mangofruchtpulver sind neben sonstigem natürlichen Aroma enthalten, was sich in einer tatsächlich authentischen Thai-Anmutung niederschlägt. Ein störender Nachgeschmack stellt sich nicht ein, die Textur ist harmonisch, die crossen Scheibchen weisen hinsichtlich Ausprägung und Durchmesser eine gewisse Individualität auf, die sie abermals von Pringles abhebt (deren Uniformität allerdings auch schon wieder bewundernswert ist). Würde ich halbe Punkte vergeben, kämen die "Intense Chips" mit 7,5 von 10 weg, so aber tendiere ich dazu, sie als den "Stadium Snacks" ebenbürtig zu werten.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Serientagebuch 06/26

03.06. The Legend of Vox Machina 3.01
05.06.
The Legend of Vox Machina 3.02
The Legend of Vox Machina 3.03
06.06. Grace 6.03
07.06. Grace 6.04
08.06. The Legend of Vox Machina 3.04
09.06. Leverage 3.05
10.06. Leverage 3.06
11.06. The Legend of Vox Machina 3.05
12.06. Leverage 3.07
14.06. The Legend of Vox Machina 3.06
16.06.
The Legend of Vox Machina 3.07
17.06. Leverage 3.08
Widow's Bay 1.01
Widow's Bay 1.02
19.06. The Simpsons 37.16
Widow's Bay 1.03
21.06. The Legend of Vox Machina 3.08
The Legend of Vox Machina 3.09
22.06. Widow's Bay 1.04
Widow's Bay 1.05
24.06. The Legend of Vox Machina 3.10
25.06. The Legend of Vox Machina 3.11
The Legend of Vox Machina 3.12
Company Retreat 1.01
26.06. Company Retreat 1.02
30.06. Leverage 3.09

Heute gibt es nur wenige Worte über nur zwei Serien zu verlieren.

Mit vier neuen Grace-Episoden wurden wir beschenkt, und alle waren der phänomenalen fünften Staffel mindestens ebenbürtig. Ob es noch eine siebte geben wird, möchte ich all jenen zuliebe, die noch nicht so weit sind, offenlassen. Verraten kann ich jedoch, dass ich kurz vorm Ende der letzten Folge bei mir dachte: Hach, das ist doch ein würdiger Abschluss für eine hochwertige Ermittler-Saga ...

Die dritte Staffel von The Legend of Vox Machina (die vierte und offiziell vorletzte läuft zurzeit) hat mir bisher am besten gefallen. Sie ist erwachsener, fokussierter, narrativ gediegener, ohne dabei die diesem Animationsabenteuer ureigenen Tugenden aufzugeben. Der eine krasse überraschende Plotpoint hat mich tatsächlich kalt erwischt und mir regelrechte "Game of Thrones"-Flashbacks beschert.

Dienstag, 30. Juni 2026

Buchstabensalat (nicht-vegan)

Die Organisation PETA hat eine neue Anti-Tierausbeutungs-Kampagne im öffentlichen Raum laufen:


Eine Frage beschäftigt mich, seit ich diese Plakate zum ersten Mal gesehen habe: Ist das Schriftbild der Botschaften so unbeholfen-krakelig, weil diese von Tieren verfasst wurden oder weil sie von Tierbabys verfasst wurden? Konkreter: Schreiben Tiere, wenn sie reifer, gelehrter und weltgewandter sind, weniger kindlich? Oder kommt die Handschrift eines Tieres (eins der zwei anderen Motive zeigt ein Ferkel, das ebenfalls eine, haha!, Sauklaue hat) unabhängig von dessen Alter grundsätzlich niemals an die eines (erwachsenen) Menschen ran? Falls Ersteres, hätte man die Statements entsprechend erweitern können: "Wenn ich groß bin, möchte ich kein Kotelett werden, sondern Kalligraphie betreiben."

Sonntag, 28. Juni 2026

Kurz notiert: Ziegenturm

Mir schoss letzte Woche fast die Ziegenmilch aus der Nase, als ich erfuhr, dass es Ziegentürme, wie ich sie bisher nur aus "Goat Simulator" kannte, tatsächlich gibt! Die englischsprachige Wikipedia führt einen Artikel dazu, laut dem diese Bauwerke erst recht spät auftauchen, nämlich im 19. Jahrhundert als Zierelemente in der europäischen Gartenkunst (als sog. Follies) und ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wenn auch in überschaubarer Zahl, weltweit, zuerst 1981 in Südafrika, dort direkt inspiriert vom ersten derartigen Turm in Portugal.

Seit 2009 seien goat towers ein Internet-Meme, und tatsächlich hat diese architektonische Kuriosität einen eigenen Eintrag bei "Know Your Meme" (auf BoingBoing sei das südafrikanische Exemplar erstmals porträtiert worden).

Noch ein Grund mehr, eine Wiedergeburt als Ziege anzustreben! (Foto: Marcia Rittmueller Johnson - File:Johnson's_Goat_Tower.jpg, CC BY-SA 4.0, Link)

Freitag, 26. Juni 2026

Meine neue Bibel

Im Urlaub entdeckte ich in einer Bibliothekstaverne (was für ein Konzept!) dieses Kochbuch bzw. eine ältere Ausgabe davon:


Nach nur oberflächlichem Durchblättern wusste ich: Das muss ich haben! Im einschlägigen Online-Buchhandel bekommt man es antiquarisch für ein paar Kröten.

Madhur Jaffrey, mittlerweile 92 Jahre alt, ist eine britisch-indische Schauspielerin und Köchin, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren quasi im Alleingang der westlichen Hemisphäre die indische Küche nähergebracht hat. Die meisten Rezepte in vorliegendem Buch, das nur eines von fast drei Dutzend ist, die Madhur Jaffrey herausgebracht hat, stammen denn auch aus Indien, man findet aber auch welche aus Indonesien, China, Japan, der Türkei und und und. Zwei Gerichte habe ich bereits zubereitet, beide sind, angemessen bei der aktuellen Hitze, sehr leicht und erfrischend, zudem einfach zu zaubern, weswegen ich die Rezepte (von mir minimalst variiert) gerne mit euch teile.

Das erste ist ein nahöstlicher Linsensalat. Man kocht 200 g trockene grüne Linsen nach der üblichen Vorgehensweise (Kochzeit je nachdem, ob Linsen vorher eingeweicht wurden), fügt dem Wasser neben 2 TL Salz allerdings noch einen 1 TL gemahlenen Kreuzkümmel hinzu. Nach dem Abspülen und Abkühlenlassen der Linsen mischt man darunter: 2 Frühlingszwiebeln (in dünne Scheiben, bis kurz vorm weißen Teil geschnitten), 2 EL Zitronensaft, 2 EL Olivenöl, 15 g gehackte Petersilie (z.B. tiefgekühlte), etwas frisch gemahlenen Pfeffer. Durchziehen lassen, ggf. kaltstellen (hält sich im Kühlschrank mehrere Tage). Für mehr Portionen (Stichwort potluck) die Mengenangaben entsprechend anpassen.


Das zweite Rezept ist eine persische Joghurtsuppe. Dafür 450 ml Naturjoghurt mit 1 TL Salz und 1/4 TL schwarzem Pfeffer in einer Schüssel cremig schlagen. Langsam und unter stetigem Rühren 250 ml eisgekühltes Wasser und 250 ml Sahne* hinzugeben. Nach und nach kommen hinein: 2 EL Sultaninen (vorher in heißem Wasser einweichen), 15 cm Gurke, geschält und geraspelt, 2 EL Frühlingszwiebel-Grün in feinen Ringen, 1 EL fein gehackter Dill, 3 EL grob gehackte Walnüsse. Umrühren, sofort servieren oder für später in den Kühlschrank stellen.
* Verlangt wird single cream, was laut Internet Sahne mit einem Fettgehalt von 18 % ist. Ich habe 200 ml Schlagsahne (30 %) verwendet, die ich mit 50 ml Kaffeesahne (10 %) gemischt habe.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Saturday Night News

Kurzes Status-Update zu meinem Langzeitprojekt "Sämtliche jemals ausgestrahlte Episoden von 'Saturday Night Live' gucken": Es ist eine Achterbahnfahrt! Irgendwann im ersten Quartal 2026 hatte ein heiligzusprechender User auf archive.org alle (!) Staffeln hochgeladen, und zwar VHS-Rips der Original-NBC-Cuts, zum Teil inklusive Werbung. Nicht nur konnte ich somit endlich Season 7 abschließen (die ich, trotz Eddie Murphy, unterwältigend bis schnarchig fand), ich habe mir auch direkt die komplette Staffel 14 heruntergeladen. Nachdem ich davon die ersten drei Ausgaben gesehen habe, lege ich mich fest: Die späten Achtziger sind meine zweitliebste Phase der SNL-Geschichte und haben die Ära, in der ich "eingestiegen" bin und zum Superfan wurde (ca. S34-37), abgelöst und auf Platz 3 verdrängt (unveränderter Favorit: die zweite Hälfte der 1990er). Jedes einzelne Mitglied in diesem überschaubaren, aus heutiger Sicht geradezu winzigen Casts (ich bin übrigens schon sehr gespannt auf Ben Stillers stint als Featured Player!) ist ein unersetzliches Rädchen in einer perfekt geölten Maschinerie, zu deren Funktionieren freilich auch ein brillantes Autorenteam sowie eine Reihe legendärer Hosts gehörten. Der politische Humor ist mit der feinste, den die Show je geliefert hat; außerdem ist es faszinierend, aus der Zukunft den närrischen Bush-vs.-Dukakis-Wahlkampf zu "beobachten". Zusammengezuckt bin ich nur einmal, als in "Weekend Update" ein gewisser Donald Trump Objekt eines Witzes war.

Welche der mir noch fehlenden Staffeln (4-6, 8-13) werde ich mir danach vornehmen? Das steht in den Sternen, denn kurz nach dem Internet-Archive-Upload-Segen waren alle Dateien wieder verschwunden. Hätte ich doch bloß alles instantan gesichert! Jetzt gibt es, wenn überhaupt, lediglich die stark (um-)geschnittenen Peacock-Versionen, die i.d.R. noch unbrauchbarer sind als die Comedy-Central-Reruns, welche man gelegentlich im Netz findet. Argh! Nun, gut Ding will Weile haben, und erst mal liegen ja 17 Folgen eines exzeptionellen Jahrgangs vor mir.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Ein paar Dinge: Kiwi

In der gestrigen "Leute"-Spalte der Süddeutschen Zeitung war dieser Beitrag zu finden:

Andrea Kiewel, 61, Moderatorin, ärgert sich über Apothekenpreise. In ihrer Kolumne in der Zeitschrift SuperIllu schreibt Kiewel laut einem Bericht des Münchner Merkur, sie habe für einen Einkauf von zwei kleinen Tuben Sonnencreme 45 Euro bezahlen müssen. "Und ich bin mir sicher, mich verhört zu haben", schreibt die Moderatorin. Aufgrund ihrer empfindlichen Haut könne sie nur spezielle Sonnencremes verwenden. "Mag ja sein, dass die Firma mehr bezahlen muss für alle chemischen Zutaten meiner Sonnencreme, sorry, aber ich bekomme keinen Pfennig mehr Gehalt", ergänzt sie. Die Zeitung Welt am Sonntag berichtete 2024, dass Kiewel für ihre Moderation des ZDF-"Fernsehgartens" eine Jahresgage von etwa 400.000 Euro erhält.

Dazu fallen mir mehrere Dinge ein ... um nicht zu sagen: ein paar Dinge. Das ist doch ein guter Anlass, diese alte, hier bisher nur ein einziges Mal erschienene, bei Seth Meyers längst in den Ruhestand geschickte Rubrik zu reinstallieren:


ERSTENS Warum erfahren wir den Inhalt von Kiewels Kolumne aus dritter Hand? Hätte die Münchner Panorama-Redaktion sich nicht direkt eine SuperIllu besorgen können statt den (zitierenden) Merkur zu zitieren? Das gebieten doch sowohl die journalistische Sorgfaltspflicht als auch die Solidarität unter Printschaffenden.

ZWEITENS Was ist Frau Kiewels Definition einer "kleinen Tube"? Qualität hat nun mal ihren Preis. Unabhängig von der Hautempfindlichkeit sollte man in puncto Sonnenschutz nicht sparen, zumal mir 45 Euro für zwei Tuben jetzt nicht sooo überzogen vorkommen. Es könnten ja auch 100 sein! Mit etwas Vorausplanung und Geduld findet man außerdem gelegentlich preisgesenkte Pflegeprodukte.

DRITTENS Ich bin mir sicher, mit Hilfe einer erfahrenen Beraterin könnte Frau Kiewel die Kosten für Sonnencreme als besondere Belastungen von der Steuer absetzen.

VIERTENS Apropos: Wenn man dermatologisch diesbezüglich vorbelastet ist, warum heuert man dann freiwillig bei einem Format namens "FernsehGARTEN" an? Die Moderatorin sollte sich überlegen, zu einer weniger outdoor-gecodeten Show zu wechseln; vielleicht mal mit dem ZDF einen "Fernsehschuppen" oder "Fernsehbunker" konzipieren?

FÜNFTENS Der letzte Satz ist irgendwie unangenehm, ein überflüssiges Nachtreten. Nicht mal eine halbe Million (vor Steuern, nehme ich an) für eines der langlebigsten Zugpferde der öffentlich-rechtlichen Unterhaltung, das kommt mir, once again, nicht sooo überzogen vor. Das US-amerikanische Pendant von Kiwi, wobei mir da auf die Schnelle keines einfällt, würde für läppische 400.000 nicht mal ein Mikrofon in die Hand nehmen.

SECHSTENS War es nötig, in diesen wenigen Zeilen zum Schluss – nach SuperIllu und Münchner Merkur – noch ein drittes Medium einzuführen? Das sind zu viele Quellen!

Dienstag, 23. Juni 2026

Filmtitel XXXIII

Victoria → Victoria – Männer & andere Missgeschicke
Falcon Express → Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!
Les vengeances de Maître Poutifard → Monsieur Robert kennt kein Pardon
Elon Musk Unveiled – The Tesla Experiment → Elon Musk Uncovered – Das Tesla-Experiment
Bad Man → Bad Cop
Runaway Car → Deadly Speed – Todesrennen auf dem Highway
Ozi: Voice of the Forest → Jazzy – Chaos im Regenwald
Where the Wind Comes From → Wohin der Wind uns trägt
Vie privée → Paris Murder Mystery
Le million → Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris
Le rendez-vous de l'été → Ein Sommer in Paris
A Second Life → Sounds of Paris
East of Wall → The New West
Margo's Got Money Troubles → Only Margo (Serie)
Bundle of Joy → Na, na, Fräulein Mutti!
Company Man → Cuba Libre – Dümmer als die CIA erlaubt!
The Stars Are Singing → Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel
I Don’t Know How She Does It → Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum
Dead in a Heartbeat → Heart Attack – Die Bombe im Körper
Splendor in the Grass → Fieber im Blut

Montag, 22. Juni 2026

Das ist ja fast ein Döner! (Diary of an old miser)

Neulich hatte ich einen längeren Zwischenaufenthalt in Wiesbaden. Weil es ungefähr 16 Uhr und 30 °C warm war, beschloss ich, mir ein koffeinhaltiges Kaltgetränk und dazu ein süßes Teilchen zu gönnen. Übermütig strebte ich dem am Hauptbahnhof ansässigen Starbucks entgegen, und siehe, dort gab es ein passendes Angebot: 1 sommerliche Kaffeekreation nebst 1 Gebäckstück (ich glaube, ein Cookie). Der Preis für diese Kombo? Acht Euro (8,- €)! Dass Starbucks berüchtigtermaßen preisgestaltungstechnisch das Gesäß offen hat, war mir bekannt, aber das schlug dann doch dem Fass den Boden aus.

Den Rückzug antretend, erspähte ich eine Aldi-Filiale in unmittelbarer Nähe. 'Gibt es dort nicht diese gekühlten Espresso-Variationen?', dachte ich und ging hinein. Ich fand, was mir vorschwebte: "Kaffeedrink Latte Macchiato" von der Eigenmarke Barissimo im 250-ml-Becher für sagenhafte 75 Cent. (Es gibt noch drei weitere Sorten. Sie sind übrigens sogar laktosefrei, ein Fakt, den die Verpackungsdesign-Abteilung von Barissimo meiner Meinung nach sichtbarer machen sollte.) Einer Klappe in der "Backwelt" entnahm ich sodann ein Franzbrötchen für lächerliche 79 Cent (diese Woche, zumindest bei Aldi Süd, sogar auf 49 Cent reduziert!). Zufrieden verließ ich den Discounter und genoss meine Nachmittagsjause.

Nun könnten urbane Foodies und sonstige Snobs einwenden: "Pff, bei Starbucks bekommst du ja wohl was weitaus Höherwertiges als bei Aldi!" Das mag sein. Aber wäre das fünfmal so teure Starbucks-Meal wirklich fünfmal so lecker gewesen? Wohl kaum. Der Eiskaffee bot mir jenen Mix aus Erfrischung, Geschmack und Belebung, den ich mir gewünscht und vorgestellt hatte, und die Franzbrötchen von Aldi sind köstlicher als die, die man bei den großen Bäckereiketten bekommt (falls man sie südlich von Hannover überhaupt bekommt). Es war dies ein weiterer Fall von: Warum teuer, wenn's auch günstig geht. Sicher könnte ich es mir leisten, zu Starbucks zu gehen. Aber ich will nicht und muss nicht. Vernünftige Menschen tun es mir nach.

Samstag, 20. Juni 2026

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Ein verborgenes Leben
Terence Malicks Biographie des 2007 selig gesprochenen österreichischen Widerstandskämpfers Franz Jägerstätter von 2019 geht nahe. Trotz seiner fast drei Stunden Laufzeit ist das zutiefst traurige Alpendrama, das hauptsächlich in Südtirol gedreht wurde, an keiner Stelle zäh; die schnellen Schnitte und die sprunghaften Perspektivwechsel sorgen für permanente Ruhelosigkeit und Anspannung. "A Hidden Life" beweist zudem, dass ein Film über die NS-Zeit keine expliziten Darstellungen von Schlachten und Nazigräueln braucht, um die Schrecken jener Ära ins Bewusstsein zu rufen und seine Botschaft zu vermitteln. August Diehl spielt den titelgebenden Kriegsdienstverweigerer so verletzlich wie kühn. In teils winzigen Nebenrollen sind allerlei bekannte Gesichter aus dem deutschsprachigen Film und Fernsehen zu entdecken.

Der Salzpfad
Die Kontroversen um die literarische Vorlage von 2018 ausgeklammert, lässt sich die Verfilmung von Raynor Winns Unterwegsbericht dennoch genießen. Sofern man nicht mehr erwartet als die genretypischen Zutaten: hübsche Landschaftsaufnahmen, kuriose Begegnungen und Begebenheiten, persönliche Hochs und Tiefs, eine Selbstfindungsbotschaft. Was soll ich sagen? Mich kriegt man seit "Into the Wild" mit so was immer wieder, und "The Salt Path" hatte es von Anfang an umso leichter, mich für sich einzunehmen, als ich den South West Coast Path ja selbst schon (zur Hälfte) gewandert bin. Einige Drehorte habe ich sogar wiedererkannt. Vielleicht lese ich das Buch ja doch noch irgendwann, Wahrheitsgehalt hin oder her.

Good Luck, Have Fun, Don't Die
An Gore Verbinski, den alten "Fluch der Karibik"-Haudegen, hatte ich seit einer halben Ewigkeit nicht gedacht. Kein Wunder, seit dem Heilanstalts-Grusel "A Cure for Wellness" von 2016 hat der Macher des besten Horror-Remakes aller Zeiten ("Ring") nada fürs Kino inszeniert. Das Warten hat sich gelohnt. Dass es sich bei der schwindelerregenden, rabenschwarzen, dystopischen Action-Farce nicht etwa um eine Comic-Adaption handelt, sondern um einen Originalstoff, nötigt mir Respekt ab und hat mir den Glauben an die Branche ein Stück weit zurückgegeben. Jede neue "Murmeltier"-Variation hat bei mir sowieso einen Vorschuss-Stein im Brett, da mag ich biased sein. "Good Luck" benutzt die Zeitschleifen-Mechanik jedoch nur als Mittel zum Zweck. Der Zweck: ein lineares Ensemble-Abenteuer aufzuführen, das wie die filmgewordene Mission in einem Rundentaktikrollenspiel wirkt, dabei markige Ballaballa-Action zu zeigen und gegenwärtige Technologie-Trends brutalsatirisch zu erledigen.
Das Spektakel, übrigens eine in Südafrika gedrehte deutsch-amerikanische Co-Produktion, kann sich trotz einem bescheidenen Budget von 20 Mio. $ sehen lassen und hat mit Sam Rockwell (als namenloser Hauptdarsteller), Michael Peña, Zazie Beetz und Juno Temple ein ordentliches Ensemble aus der zweiten Hollywood-Reihe am Start.

Die Faust im Nacken (OT: On the Waterfront)
Was soll ich über diesen Meilenstein des Fünfzigerjahre-Kinos schreiben, was man nicht an hundert anderen Orten nachlesen kann? Mehrere Oscars und Golden Globes, Platz 19 auf der Liste der "100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten" des American Film Institute, maßgeblich die Karriere von Marlon Brando konstituierend (der in der deutschen Synchronisation übrigens mit der Stimme von Harald Juhnke spricht), Drehbuch Budd Schulberg und Regie Elia Kazan – zwei der schillerndsten Figuren in der Zeit des Blacklisting.
Tja, hat mir gut gefallen, auch wenn ich die gewerkschaftsfeindlichen Untertöne nicht auszublenden vermochte. (Einige Kritiken verwenden sogar Schlagworte wie "McCarthyismus" und "unterschwellig faschistisch".)

Evil Does Not Exist
Auf die Länge kommt's nicht an, zumindest auf die Filmlänge nicht: Wird "Ein verborgenes Leben" selbst nach zwei Stunden nicht langweilig (s.o.), ist das mit dem Silbernen Löwen von Venedig prämierte japanische Drama "Evil Does Not Exist" von 2023 derart entschleunigt, um es wohlwollend auszudrücken, dass sich die erheblich kürzere Laufzeit von 109 Minuten wie das Doppelte anfühlt. Wenn die Kamera minutenlang unter Baumwipfeln entlangfährt oder Menschen bei der Verrichtung banalster Tätigkeiten einfängt, ohne dass ein einziges Wort fällt, dürften selbst Arthouse-Enthusiasten an ihre Toleranzgrenzen geraten.
Großes Aber: Dieses Pacing ist der Atmosphäre zuträglich, erzeugt einen Vibe. Wir befinden uns schließlich in einem beschaulichen Dorf und sollen ein Gespür für den Alltag der in Frieden vor sich hin lebenden Gemeinschaft vermittelt bekommen. Erst als diese mit den Bedrohungen einer entseelten, alles dem Kommerz unterwerfenden Zukunft konfrontiert wird – in Gestalt zweier Touristikmenschen aus dem nahegelegenen Tokio, die in dem Örtchen eine Glamping-Anlage aufbauen wollen –, entsteht ein Konflikt. Ab da an wird es nachdenklich, ein bisschen spannend, sogar leicht amüsant, zuletzt extrem düster und ... weird. Ich habe im Anschluss einen langen Reddit-Thread über die Bedeutung des Endes gelesen, ohne danach schlauer geworden zu sein.
Bei diesem anspruchsvollen Vertreter der Reihe "Der etwas andere Film" gilt jedenfalls: Anschauen auf eigene Gefahr.

Eat Pray Bark
Ja, ich habe eine deutsche Hundekomödie mit dem Titel "Eat Pray Bark" gesehen. Es musste halt beim entspannenden Netflix-Abend auf die Schnelle etwas Familientaugliches rausgesucht werden. Das ab 6 freigegebene Therapie-Ensemble-Lustspiel als seicht und konfliktarm zu beschreiben, wäre untertrieben. Doch immerhin fallen mir spontan drei positive Punkte ein: 1. ist die fremdenverkehrsamtwürdige Szenerie (Tirol im Sommer!) zum Niederknien pittoresk; 2. kann man der grundsympathischen Allzweckwaffe Devid Striesow nie wirklich böse sein; 3. gerät der Humor nie so billig und ordinär, wie man es von einer, ich wiederhole, deutschen Hundekomödie erwarten würde.

Der fremde Sohn (OT: Changeling)
Im Los Angeles der späten 1920er Jahre verschwindet eines Nachts der neunjährige Sohn einer Telefonistin, nur um nach ein paar Monaten scheinbar unbeschadet wieder aufzutauchen. Doch handelt es sich dabei wirklich um den vermissten Jungen? Nein, ist sich die verzweifelte, fortan einen ausweglosen Kampf gegen Polizei und Behörden führende Mutter sicher.
Nachdem ich dieses abgründige Thriller-Drama von 2008 gesehen hatte, fragte ich mich erstens, wie dieses völlig an mir vorbeigehen konnte – immerhin wurde es von Clint Eastwood bravourös inszeniert und wartet mit Stars wie Angelina Jolie und John Malkovich auf –, zweitens, wieso ich noch nie von dem True-Crime-Fall, auf dem es basiert, gehört oder gelesen hatte (Empfehlung: Erst nach dem Anschauen recherchieren!). Es ist schier unglaublich, was da passiert ist! Nachdem sich viel Wut aufgestaut hat, erhält der Zuschauer gegen Ende der 140 Minuten wo nicht Hoffnung, so doch ein Quäntchen Genugtuung. Beziehungsweise anders rum.

Leoparden küsst man nicht (OT: Bringing Up Baby)
Fast 90 Jahre hat dieser Klassiker von Howard Hawks auf dem Buckel, doch kann man ihn sich auch heute noch "geben", ohne über- oder unterfordert zu werden. Mit modernen Sehgewohnheiten ist die 100-minütige Screwball-Comedy bestens vereinbar, ja, man merkt: Viele unserer Sehgewohnheiten kommen von hier! Das Tempo, die Gagdichte, der Körpereinsatz, das ist der Stoff, aus dem auch Komödien der Neunziger gewoben sind. Überhaupt, das Tempo! Gelegentlich wurde mir schwindlig ob dieser Rasanz, das altmodische Prädikat hysterisch drängt sich auf. Mitunter touchieren die Regie und Hauptdarsteller Cary Grant den Bereich des Albernen, doch abseits von (meist zündenden) visuellen und Situationsgags bekommt das Publikum auch immer wieder zeitlosen Dialoghumor serviert. Außerdem bezaubert eine bestgelaunte und komikverständige Katherine Hepburn als Co-Star ebenso wie die Co-Co-Stars, ein Leopard und ein Jaguar in der Rolle des Titeltieres, welches in der Kurzgeschichtenvorlage übrigens ein Panter ist.

Trap
"A bad movie that's fun to watch", so in etwa wurde "Trap" (2024) im Overthinking-It-Podcast umschrieben (Episode 851: "The Parent Trapper"). Ich bin geneigt zuzustimmen, würde den Psychothriller, dessen Parodie ("The Simpsons", 37.08: "The Day of the Jack-up") ich sogar noch davor gesehen hatte, aber unterm Strich wohlwollender beurteilen – selbstverständlich, denn wie hinlänglich bekannt sein sollte, bin ich Shyamalan-Fan und -Apologet. Die suspension of disbelief ist diesmal besonders hoch; vieles funktioniert nur aufgrund von Glücks- und Zufällen, Unachtsamkeiten, unlogischen Schlupflöchern und haarsträubenden Voraussetzungen. Allein die Idee, einen Serienmörder zu stellen, indem man ein volles Stadion ... aber lassen wir das. Ich habe "Trap" zusammen mit meiner Mutter gesehen, und die hat sich vollkommen auf die Prämisse einge- und von der Handlung mitreißen lassen. Nervenkitzel gibt es allemal, auf paranormalen Zinnober wird verzichtet, und Josh Hartnett als Vater in der Falle entpuppt sich nicht als Fehlbesetzung.
M. Night Shyamalan macht sein Ding, und ich finde es süß, dass er, nachdem er schon mit seiner Tochter Ishana zusammengearbeitet hat (in "Servant"), nun auch seiner als Singer-Songwriterin reüssierenden Tochter Saleka eine Tür geöffnet hat: Sie spielt die nicht unerhebliche Nebenrolle des Popstars, dessen Konzert das primäre Setting bildet.

Wake Up Dead Man
Das nunmehr dritte "Knives Out Mystery" um Rian Johnsons Spürnase Benoit Blanc hat mir so gut gefallen wie der erste Teil, wenn nicht sogar einen Funken besser. Das Locked-Room-Rätsel ist so anregend wie unverbraucht, wirkt dabei absolut klassisch – es wird sogar einem Meister dieses Faches, John Dickson Carr, rundheraus gehuldigt, indem einem seiner Romane eine nicht unwesentliche Rolle zugedacht wird –, ebenso wie der Schauplatz (ruraler Kirchensprengel). Der Kreis der Verdächtigen fällt schrullig aus wie gewohnt, wobei mir das Personal hier etwas geerdeter erscheint als der teils possenhaft überzeichnete Millionärsreigen auf der Insel in "Glass Onion". Witz und Schabernack kommen dennoch nicht zu kurz, und Platz für einen sachten gesellschaftskritischen Kommentar hat Johnson auch wieder gefunden. Daniel Craig geht in seiner Altersparaderolle erneut derart auf, dass es eine (Mords-)Gaudi ist. Teil 4? Kann gerne kommen!