Donnerstag, 17. August 2017

Balla-balla

In der Stellungnahme von True Fruits zu ihrer aktuellen Werbekampagne heißt es unter anderem: "Wir als kleiner Saftladen haben es mit einer einzelnen Aktion geschafft, derartige Themen in den Fokus der Menschen zu rücken. Wir fragen uns also: Wozu wären dann erst große Konzerne mit deutlich größeren Budgets in der Lage? Diese Unternehmen besitzen eine verdammt große Macht, haben leider nur keine Eier sich für ihre Ansichten aus dem Fenster zu lehnen."
Ich verdrehe immer die Augen bis zum Anschlag, wenn ich Sprüche des Inhalts lese, jemand, der ein Mindestmaß an Courage zeigt, habe "cojones", "dicke Eier" oder gar "balls of steel"; gern verwendet zum Beispiel beim letzten großen Bahnstreik in Bezug auf den in keiner Sekunde Repressionen zu befürchten habenden Gewerkschaftsboss Weselsky.

Sehr schön fand ich deshalb eine Stelle bei "Mad Dogs" (US): Einer der männlichen Protagonisten sagt, als Kompliment, zu einer von Allison Tolman gespielten Botschaftsmitarbeiterin "What you did, that took some balls", worauf sie herrlich genervt erwidert: "Why do people use that expression? Have you ever seen a man kicked in the balls? He's rendered completely immobile, he can't speake for, like, 30 seconds. When did balls become the symbol of strength? Why not a vagina, you know? I mean, vaginas take a pounding most of their adult life. What you should have said was, 'What you did, that took some vagina'!" Und das war dann auch einer der besseren Momente in dieser mittelmäßigen, etwas kopflosen Amazon-Produktion.

Dienstag, 15. August 2017

Das Spice muss fließen

Ich möchte ein Remake des Spice-Girl-Films "Spiceworld" sehen, in dem Scary Spice Baby Spice, Baby Spice Ginger Spice, Ginger Spice Sporty Spice, Sporty Spice Posh Spice und Posh Spice Scary Spice spielt. 
Frage: Wie viele Remakes sind möglich, wenn jedes Spice Girl jeweils ein anderes Spice Girl verkörpert? Damit begeben wir uns in die glitzernde Welt der Kombinatorik und Permuation! Soviel ist klar: Wenn jedes Spice Girl auch sich selbst spielen darf, sind 120 Filme möglich (n! = 5!). Aber es soll ja jede immer nur eine andere spielen. Dass jede in mehreren Filmen dasselbe Spice Girl spielt, soll erlaubt sein (sonst wären ja nur vier Remakes möglich). Doppelrollen hingegen seien aus Wahnsinnsvermeidungsgründen ausgeschlossen.
Also: Es sind 5 Schauspielerinnen (n) verfügbar, die 4 Rollen (k) ausfüllen dürfen bzw. müssen. Aber ist die anzuwendende Formel nun "n Fakultät geteilt durch Klammer auf n minus k Klammer zu Fakultät" (das wären ebenfalls 120 Filme), nein, Moment, Denkfehler, ich besetze ja 5 Rollen und nicht 4; sind einfach nur 25 von 120 abzuziehen; wieso 25? Aaaahh! Schwarmintelligenz, hilf!
(Serendipity-Moment bei meiner schädelsprengenden Recherche: Den Binomialkoeffizienten spricht man heute nicht mehr "n über k" – wie ich es noch in der Schule gelernt habe!!! – aus, sondern "k aus n".)

Update: Auf Facebook wurde die dann doch verhältnismäßig simple Lösung gefunden! Sie lautet 5!-4!=96. Fast hundert neue "Spiceworld"-Filme, toll!

Update #2: Es bleibt spannend! Eine Mathematikerin kommt aufgrund der sog. fixpunktfreien Permutation auf 44.

Montag, 14. August 2017

Lesesommer 2017 (IV)

Heute: Denkwürdigkeiten von Eckhard Henscheid

Der Untertitel "Aus meinem Leben" trifft die Absicht / das Anliegen des 2013 bei Schöffling erschienenen Buches ganz gut bzw. präzisiert den Haupttitel dahingehend, dass es sich weniger um eine streng runtererzählte Biographie als um eine Art Bilanzziehung handelt, um eine Niederschrift alles Auffälligen und Bemerkenswerten, das der Autor in sieben Jahrzehnten wahrgenommen hat, und zwar, wie zu erwarten, in der Hauptsache im Literatur- und Medienbetrieb. Auch um die Welt der Oper geht es sehr oft. Nun ist sowohl Literatur als auch Oper großteils Terra incognita für mich, und dennoch hatte ich großes Vergnügen an des Autors Ausführungen, die mich bei aller formalen wie inhaltlichen Kompliziertheit wegen ihrer Kunstfertigkeit, Scharfsinnigkeit und Pointiertheit die 416 Seiten (keine weniger hätte ich erwartet) gutgelaunt bei der Stange hielten (gemeint ist, dass ich gutgelaunt war, nicht die Ausführungen). (Es hilft freilich, schon mal ein paar Zeilen Henscheid gelesen zu haben.) Eine Prise mehr Privates wäre gleichwohl nett gewesen: Dass E.H. eine Tochter hat, wird nur zweimal en passant erwähnt, und auch über das frühe Wirken der Neuen Frankfurter Schule, ganz konkret die tägliche redaktionelle Arbeit von Pardon, hätte ich gern mehr aus erster Hand erfahren. Schön ist es dann aber doch, das Verhältnis Henscheids zu Bernstein, Gernhardt & Co. dargelegt zu bekommen – und seine Meinung und Haltung zu ebenjenen (da gibt es hinsichtlich der Genannten durchaus, ich sag mal: kleine Unterscheide). Auch seine über die Jahre sich angesammelt habenden Lieblingsfeinde werden noch einmal seziert. Es gibt allerlei Referenzen auf sein übriges Werk, Querverweise, Berichtigungen, Ergänzendes und Wiederholendes. Weiters spielen eine Rolle: Fußball, Geld, Rechtsstreitigkeiten, die SPD, Bayern, Gesundheit und Gott. Bei aller Glossenhaftigkeit der Textbatzen sind die Kapitel wenigstens chronologisch aneinandergereiht, man kommt sich also immerhin nicht im Nebel der Geschichte verloren vor.

Donnerstag, 10. August 2017

Brain Droppings

Gibt es Karoshi bei Karauschen?

Unter welchen Umständen ist es zu rechtfertigen, dass ein erwachsener Mensch "Eisenbahn" statt "Zug" sagt?

Das Mädchen mit dem Perlenohrring >>>>>>>>>>> Mona Lisa

Dass Englischsprechende nicht mal ansatzweise versuchen, das Wort guerilla anders als gorilla klingen zu lassen: so sympathisch-albern 😂

"The Binding of Isaac" ist ja gar keine christliche Snowboarding-Simulation!

Leute, die einem auf Twitter folgen und dann keinen einzigen Tweet faven: Was stimmt nicht mit ihnen?

Ich glaube, in der Zeile "Vater werden ist nicht schwer" geht es um Sex. ;)

Der einzige Googlebeleg für den mystischen Beruf "Progymnasiumspedell" führt nach Kusel. 

Wir sollten versuchen, nicht mehr die Enttäuschungen der Vergangenheit zu beweinen, sondern uns auf zukünftige Enttäuschungen zu freuen.

Statt das Gesicht der/des verhassten Ex aus alten Fotos auszuschneiden, lustige Wackelaugen draufkleben!

Weniges ist so magisch wie die Phrase "Would that I" = "Ich wünschte, ich". Doch wer außer George R.R. Martin verwendet die noch?

Bonbons, die bei übermäßigem Verzehr nicht abführend wirken, kann ich nicht ernst nehmen.

Bei den Simpsons haben sie mal vowel shift mit "Lautverschiebung" übersetzt. :(

Sonntag, 6. August 2017

Tagewochenbuch KW 30-31

Französische Supermärkte habe ich schon einmal in den höchsten Tönen gelobt. Heute möchte ich festhalten, dass die niederländische Kette Albert Hein den Ketten Match & Co. in nichts nachsteht! Ich habe mich jüngst mit Müsli, Müsliriegeln, Tee, Kaffee und Süßkram eingedeckt, dass es eine Art war. Dass die meisten Lebensmittel in Holland zudem billiger sind als in Deutschland, war mir vorher auch nicht klar. In einem anderen, internationalen Riesen-Tante-Emma-Laden in unserem flachen Nachbarland fand ich ein Produkt, das ich zuletzt vor vielen Jahren gegessen habe, damals allerdings von einem indischen, nicht von einem türkischen Hersteller: Rosenblütenkonfitüre. Es handelt sich hierbei weniger um Konfitüre als um ein Gelee – flüssiges Gelee, welches sich kaum als Brotaufstrich andient, sondern eher als Pfannkuchentopping. Geschmacklich ist es ... interessant.


Zur Zeit scheint im Fernsehen nichts anderes als sog. Sommerinterviews zu laufen. Mich bewegt dieses Format nicht zum Einschalten, weiß man doch, dass die Gespräche in ihrer krampfhaften Lockerheit kaum weniger dröge sind als die öffentlich-rechtlichen Standard-Talks. Warum geht man nicht einen Schritt weiter, verlegt also nicht nur das Setting vor eine angenehme Naturkulisse, sondern lässt die Politiker sich mal so richtig von ihrer menschlichen Seite zeigen? Tina Hassel flaniert mit Frank-Walter Steinmeier stundenlang am Timmendorfer Strand entlang, sie bekleckern sich mit Eis, waschen sich in der Gischt sauber. Wolfgang Schäuble liegt auf einer Picknickdecke, lässt sich von Thomas Roth mit Weintrauben füttern und bekennt seufzend: "Ich mag sie ja schon, die Griechen ..." Bettina Schausten entlockt Heiko Maas bei einer gemeinsamen Hot-stone-Massage die nächsten Gesetzesänderungspläne. Katarina Barley spielt mit Dunya Hayali im Irrgarten Kleinwelka Verstecken, stundenlang kann sie nicht gefunden werden ("Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um ungewisse Zeit"), schließlich kommt die Familienministerin mit aufgemaltem Katzengesicht um eine Ecke gehuscht, herzhaft lachend: "Der Politalltag ist so bierernst und zermürbend, da bin ich dankbar, mich einmal etwas ausgelassener geben zu können." Der Rückhalt in der Bevölkerung = explodierend!

Ausstellungseröffnungen laufen immer gleich ab. Erst spricht jemand, dann spricht noch jemand, dann spricht noch jemand. Dann wird geklatscht und fotografiert. Man zeigt sich, schüttelt Hände. Das Betrachten der Exponate ist kein Vergnügen, weil sich so viele Leute um sie herum drängeln wie an keinem Tag während des gesamten folgenden Ausstellungszeitraums. Meist riecht es streng. Wozu also tu ich mir das alle paar Monate an? Ich verrate es euch: weil es Häppchen und Bier gibt.

Lesson learned: Bei der ersten Maschinenwäsche nach dem Wiedereinschrauben des gereinigten Flusensiebs den Wasserzulauf erst mal gaaanz langsam kommen lassen, um leichte bis mittlere Überschwemmungen zu vermeiden.

Neulich hatte ich Appetit auf Frühstück nach englischer Art. Also habe ich mir zum Abendbrot (!) zwei Spiegeleier, Baked Beans von Heinz, Kartoffelröstis und Sojawürstchen gemacht. Erwachsensein ist geil.

Man wollte after-work-mäßig auf der Dachterrasse des Frankfurter Fleming's Hotels etwas trinken. Das entzückend altmodische Gebäude ist nicht nur wegen seiner Aussicht einen Besuch wert, sondern auch, weil es eine der letzten Heimstätten von Paternostern ist. Leider waren diese beim Eintreffen unserer Gruppe außer Betrieb, der reguläre Fahrstuhl musste genommen werden. Meine vier Begleitpersonen stiegen zuerst ein, womit mir der Lift bereits panikattackeninduzierend überfüllt vorkam. "Ich nehme lieber den nächsten", sagte ich und wartete draußen. Der nächste Aufzug kam alsbald, ich stieg ein und hatte bereits den Knopf für die gewünschte Etage gedrückt, als sich aus heiterem Himmel vier merklich beschwipste Portugiesinnen dazudrängten. Nachdem sich oben die Tür aufgetan hatte, wurde ich nicht nur mit angemessenem Feixen und Kommentieren begrüßt, sondern auch mit der Ansage, dass sämtliche Plätze belegt seien. Also ging es wieder nach unten, abermals zu fünft. Die Nerven! Man landete dann wie so oft zu vorgerückter Stunde am Eschenheimer Turm.


Now playing: Caught a Ghost - No Sugar In My Coffee

Freitag, 4. August 2017

Sommergetränketipp


Dieser australische Ingwersüff war bei Rewe im Sonderangebot und wurde dank Hervorhebung im Wochenprospekt erstmals von mir gekauft. Die Bitte "Invert bottle before opening" auf dem Etikett habe ich ignoriert, weil ich sie nicht verstanden habe; 'Ich bin doch kein Zauberer', dachte ich. (Gemeint ist, dass man die Flasche vor dem Öffnen einmal auf den Kopf drehen soll, damit man die Ingwerstückchen herumwirbeln sehen kann.) Die Schärfe der enthaltenen Würzwurzel ist beschränkt, ich habe schon Moscow Mules getrunken, die deutlich heftiger auf der Zunge gebizzelt haben. Dennoch ist sie vorhanden und korrespondiert prächtig mit der artigen Grundsüße. Gut gekühlt ist dieser alkoholfreie Zisch ein prima Durstlöscher. Ich gebe "Bundaberg Ginger Brew" 8 von 10 Punkten.

Mittwoch, 2. August 2017

Wer bin ich eigentlich?

Ein paar Dinge über mich, vorgetragen von meiner geschätzten Kollegin Ella Carina Werner am 4.7.2017 im "Grünen Jäger" Hamburg:

Montag, 31. Juli 2017

Kaffeelyrik II

Präambel. Es folgt ein leicht avantgardistisches Textchen, das, wie Teil I dieser allzu kurzen Reihe, im April 2010 verfasst wurde und dementsprechend ein wenig Patina angesetzt hat: Sich über bei Starbucks rumgammelnde Freelancer zu mokieren ist wirklich sooo Anfang des Jahrzehnts! Die ein oder andere überraschende Stelle rechtfertigt aber meiner Meinung nach doch eine (verspätete) Veröffentlichung.

Da sitzen sie wieder, gebeugten Kopfes;
Drahtloses lokales areales Netzwerk;
Digitale Bohème, 'wir nennen es Arbeit';
Epiphanien im Koffeinrausch, wertlos;
Hocker bespannt mit irgendwas, noch was Süßes!
(Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Muffins und Cupcakes?)
Zwei lernen sich kennen – ist es Liebe?
Ihr Laptopstecker ist zu dick, ob er seinen
rausziehen und entweder ganz links oder ganz rechts
in die Verteilerdose stecken könne, damit ihrer reinpasst?
Klar, kein Problem, in fact brauche er gar keinen
Strom, weil sein Akku einigermaßen voll ist.
Cool, bist du öfter hier?
Nein, normalerweise in dem 'bucks gegenüber, aber die ham heute zu,
Seuchenkontrolle oder Amnesty oder so was.
Ach so. Ich bin immer hier.
Du, ich frag einfach mal frei raus: 
Wollen wir nach der 'Arbeit' noch einen Kaffee trinken gehen?
Wie, hier drin?
Naja. Ja. Nee. Woanders. (?)
Mh. Aber wir trinken doch schon Kaffee! Den ganzen Tag.
Stimmt. Vergiss es einfach. Willste mich bei Facebook adden?
Ja, gerne. Wie heißt'n?
Max Yaqquiqqaluk. Das ist natürlich nicht mein richtiger Name,
der lautet Franz Yaqquiqqaluk. Meine Eltern sind Eskimos.
Ach so, krass. Ich dachte, Eskimos darf man nicht mehr sagen.
Darf man auch nicht. Aber ich provoziere gern mal so'n bisschen ;)
Okay, ich hab dich gefunden. Ey geil, wir ham ja 30 gemeinsame Freunde!
Ich bin auch bei Xing, ich suche einen Verleger.
Was willst'n verlegen lassen?
Ui, das macht mich jetzt selbst ein wenig verlegen ... ich
mach so Lyrik-Zeugs, Gedichte. 
Aha. Kann man da mal was von lesen?
Ja, schon, aber das ist sehr speziell am Anfang ...
Wie jetzt? Komm schon, zeig mal was!
Das ist halt Lyrik ohne Reime und Metrum ...
Ist doch normal!
Ja, aber es kommt noch schlimmer: Bei mir
geht die Lyrik dann in Dramatik über!
Wie jetzt, so wie'n Theaterstück?
Ja, fast, aber nur ohne Regieanweisungen. Themenwechsel: Ich
finde den Namen Max gut. Vor allem bei Frauen!
jetzt sind die muffins/cupcakes verdrueckt, der naechste
pott mit lattuccino kommt
(das hab ich mir ausgedacht: latte + cappuccino. eigentlich quatsch, denn cappu
ist ja immer mit latte, also milch, aber die namen
sind im grunde alle quatsch, so isses eben heute)
Wir fassen zusammen
Ausgaben: 12 Euro, Einnahmen: nichts.
Der Abend naht, die Luft wird frisch, Sonne
geht unter, bald ist Geschäftsschluss, oder?
Good-bye, Kaffeehaus, willkommen, Wohnhaus,
Shangri-La unserer geplatzten Träume.
Zum Schluss ein Zwitschern (twittern)

Freitag, 28. Juli 2017

Leer"gut"

Man mag es kaum glauben, aber: Ich bin nicht 24 Stunden am Tag online!
1.) Wenn ich zu Bett gehe, nehme ich Modem und Router vom Stromnetz, weil ich a) im Schlaf eh keine WhatsApp-Nachrichten lesen oder Emails beantworten kann und weil b) die genannten Geräte, die obendrein kaum hörbare, aber eben doch hörbare Geräusche absondern, sich auch gelegentliche Ruhepausen verdient haben.
2.) Wenn ich unterwegs bin, habe ich bei meinem Sony Xperia das mobile Netz öfter deaktiviert als aktiviert. Ein Kollege, dem ich dies offenbarte, konnte es kaum fassen und fragte nach dem Warum. "Weil ich so den Akku schone", erwiderte ich. Dass das doch nur verschwindend geringe Auswirkungen auf den Akkuverbrauch habe, wurde mir entgegnet. 
Von wegen!, kann ich jetzt wiederum entgegnen.
Als ich neulich mein Smartphone über Nacht auflud, hatte ich versehentlich das mobile Netz an; das Wlan war – siehe 1) – aus. Gegen 7 Uhr erwachte ich, griff nach dem Handy, sah, dass es vollständig geladen war, zog das Ladekabel aus der Buchse und schlief wieder ein. Als ich gegen 10 Uhr erneut aufwachte, befand sich der Akkustand nicht etwa bei 97 oder 98 Prozent, wie es bei Nichtnutzung zu erwarten gewesen wäre, sondern bei 84! Allein weil die Option "Mobilfunkdaten" eingeschaltet war, wurde die Batterie um ein Vielfaches mehr strapaziert als im Wlan- oder Offlinemodus. Welches Datenvolumen während dieser ganz und gar nicht passiven drei Stunden angefallen ist, konnte ich leider nicht ermitteln.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Lesesommer 2017 (III)

Heute: Arbeiterroman von Gerhard Henschel

Habe nun, ach, fast 4000 Seiten über das Leben des Martin Schlosser gelesen, und von mir aus können ruhig noch mal sieben Bände über das (zefix, ich muss es schon wieder schreiben!) alter ego von Gerhard Henschel erscheinen. Mich – und nicht nur mich – machen diese Romane seit dem Auftakt ("Kindheitsroman", 2004) süchtig. Sie lesen sich so wunderbar flott weg, auch wenn nichts und nichts geschieht außer dass gegessen, ferngesehen, gefeiert, gelesen, konversiert und verreist wird. Im "Arbeiterroman" allerdings erlebt der inzwischen 25jährige Martin so einiges, muss gleich drei ziemlich heftige Schicksalsschläge verarbeiten, und das alles vor dem aufregenden Hintergrund des Mauerfalls. Ja, es gibt wieder unzählige unnötige Zitate (v.a. von Bob Dylan und Arno Schmidt, doppelgähn), die historischen Notizen finde ich hingegen äußerst interessant. Überhaupt ist die Akribie des Autors und seine Liebe zur Authentizität nicht weniger als anbetungswürdig. Man kann sich kaum eine glaubwürdigere, deteilgetreuere, ehrlichere, in summa "echtere" Autobiographie vorstellen – vom Umfang zu schweigen! (Einen staunen machenden Einblick in Henschels Arbeitsweise und -ort gibt dieser Artikel aus der Welt.) Persönliche Anmerkung: Besonders erhellend und erheiternd sind für mich, dessen Lebensweg ja gewisse Parallelen zu dem von Henschel aufweist, die Stellen, in denen der ambitionierte Jungschriftsteller sich in die Welt der Printsatire vortastet. Ich traf auf Personal, mit dem ich heute berufsmäßig zu tun habe! Wer weiß, vielleicht werde auch ich irgendwann einen Gastauftritt in Band Nummer 10 oder 15 oder 18 haben, immerhin habe ich bereits mehr als einmal mit Herrn Henschel hin- und hergemailt, und der pflegt jedes Schnipselchen Korrespondenz aufzubewahren, um es später literarisch zu verwerten. Ich sehe es schon vor mir: "In der Titanic-Rubrik 'Briefe an die Leser' wollte ich mal wieder einen Beitrag unterbringen. Ich schickte einen kurzen Text an die Redaktion. Wenig später meldete sich ein gewisser Torsten Gaitzsch. Was waren das für Leute, die dort mittlerweile arbeiteten?" Am lautesten musste ich übrigens lachen, als "Martin Schlosser" zum ersten Mal ein Antwortschreiben des Frankfurter Satiremagazins erhält: "Vielen Dank für Ihren Text. Wir möchten ihn nicht drucken." The struggle is real.

Montag, 24. Juli 2017

Sage und schreibe 26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen

  • Einheit der Leuchtdichte: Stilb
  • Sandwüste in Arabien: Nefud
  • Schlitten der Lappen: Pulka
  • Garnspule: Babine
  • Federschmuck: Aigrette
  • Halsfalte des Rindes: Wamme
  • Fechtbahn: Planche
  • Messstabzusatz: Nonius
  • räuberisches Tier: Episit
  • männl. Falke: Terzel
  • Wein aus Trestern: Lauer
  • Rückwechsel: Ritratte
  • Baumstachler: Urson
  • Diabetrachter: Gucki
  • Ankerwinde: Spill
  • Heilfpflanze: Ziest
  • eingelegter Fisch: Sild
  • Holzbalken: seitlich mit Rinde: baumkantig
  • Kielraum im Schiff: Bilge
  • Referenzzinssatz: Euribor
  • junge Birke: Maie
  • Fischart, Silberkarausche: Giebel
  • Speckscheibe aus gebratenem Fleisch: Barde
  • Blatthalter für Setzer: Tenakel
  • Fell auf neuem Geweih: Bast
  • Zollpapier für Kfz: Carnet

Samstag, 22. Juli 2017

Konsens des Dissens

Das Runterputzen und Beleidigen von Konkurrenten ist ein Standardelement des Hip-Hop. Darüber herrscht Einigkeit bei Fans wie Künstlern. Doch wie ergeht es jemandem, der zum allerersten Mal ein Lied dieses Genres hört und das ist gleich ein solcher in der 2. Person verfasster Diss-Track? "Waaaaas, meint der mich?! Was hab ich dem denn getan?", könnte sich der Hörer irritiert denken. "Wie redet der denn mit mir? Und wieso ist mein Album scheiße? Ich habe doch gar kein Album rausgebracht!"

Eine zugegebenermaßen recht alberne Fantasie. Eher vorstellbar ist, dass das Interesse der Konsumenten an derartigen Inhalten irgendwann zurückgeht. Ein Kreis von Rappern, die immerfort verbal über einander herfallen, das ist doch total exkludierend. Warum werde nicht mal ich, der einfache Durchschnittsdeutsche, adressiert?

Anderer Vorschlag: Warum nicht zur Abwechslung mit dem Dissen generell einen Gang runterschalten und so was hier texten?
"Dein Album ist draußen, doch jetzt kommt kein burn /
Ich hatt' noch keine Zeit, es anzuhörn /
Wie du weißt, war ich gerade auf 'nem Segeltörn /
Ich rezensier' es später, das tu ich schwörn!"
Naja.