Montag, 18. November 2019

The Bart of Writing

Ich habe eine Theorie die Handlungen moderner "Simpsons"-Episoden betreffend: Hin und wieder scheinen den Autoren auf Wortspielen basierende Folgentitel einzufallen, aufgrund derer bzw. um die herum sie dann erst eine Geschichte spinnen. Beispiel: In "Three Gays of the Condo" (14x17) – natürlich eine Anspielung auf "Three Days of the Condor" ("Die drei Tage des Condor") – zieht Homer vorübergehend mit zwei homosexuellen Männern (gays) in eine Eigentumswohnung (condo). Man kann mir doch nicht erzählen, dass das Schreibteam die Story entwickelt hat, bevor es auf den Trichter kam, dass es zufällig einen Filmtitel gibt, der sich so umformen lässt, dass er zum Inhalt passt.

Ein ähnlicher Fall: Episode 22x07 heißt "How Munched is that Birdie in the Window?", eine Abwandlung des Oldies "How Much is that Doggie in the Window?", und es geht darum, dass eine in Barts Obhut stehende Brieftaube (ein Vögelchen, a birdie) vom Familienhund gefressen / zerkaut (munched) wird. Noch einmal: Ich bin mir sicher, dass zuerst jemandem der Wortwitz in den Sinn gekommen ist, und als zweiter Schritt begann das eigentliche Erzählen.

Weitere Beispiele gefällig? In "Jaws Wired Shut" (13x09) – vgl. den Filmtitel "Eyes Wide Shut" – muss Homers Kiefer (jaws) nach einem Unfall mit Drähten zusammengehalten werden (wired shut). Es geht noch konstruierter: Aus dem Kinderreim "Eeny Meeny Miny Moe" wurde der Titel von Episode 20x16, "Eeny Teeny Maya Moe", in welcher Barkeeper Moe (!) eine Kleinwüchsige (!) namens Maya (!) datet. Man denke auch an 29x20, "Throw Grampa from the Dane" (eine Referenz an "Throw Momma from the Train", zu deutsch "Schmeiß' die Mama aus dem Zug!"), worin es die Sippe wegen Grampa nach Dänemark verschlägt. Oder an "The Old Blue Mayor She Ain't What She Used to Be" (29x06): Hier kandidiert Marge (auf deren Haarfarbe sich "blue" bezieht) als Bürgermeisterin (mayor). Inspiration ist das Traditional von der alten grauen Stute, "The Old Gray Mare", das überhaupt erst dank den "Simpsons" einer größeren nicht-englischsprachigen Öffentlichkeit bekannt geworden sein dürfte (04x22). Ein Grenzfall scheint mir "Don't Fear the Roofer" (16x16) zu sein, wo ein von Ray Romano gesprochener Dachdecker (roofer) in Homers Leben tritt, der sich als imaginärer Freund entpuppt. Hier hat man sich womöglich erst nach dem Plotting an den Song "Don't Fear the Reaper" erinnert.

Ich möchte die Kreativität dieser Methodik keineswegs in Abrede stellen. Nach so vielen Jahren muss man halt neue Wege der Ideenfindung gehen.

Donnerstag, 14. November 2019

Warum ist es am Rhein so grau? (Ausflugsbericht)

Ich wollte unbedingt mal wieder einen Klettersteig bezwingen. Wenn man in Frankfurt wohnt und nicht mehr als drei Stunden Anfahrtszeit erübrigen kann oder mag, muss man nehmen, was man kriegt, und das ist nicht viel. Im Rhein-Lahn-Kreis immerhin lockt der als "Steig mit alpinem Charakter" beworbene Rabenacksteig bei Sankt Goarshausen, den ich am Montag in der Früh ansteuerte. Der Klettersteig selbst ist (gewiss nicht nur für mich, der ich jahrelang durch die Sächsische Schweiz verwöhnt worden bin) recht unspektakulär und, obschon "nur für geübte Wanderer" empfohlen, rasch erledigt. Das Spannendste war, als ich einmal vom Weg abgekommen war und über einen Elektrozaun springen musste. Von oben hat man dann einen netten Blick auf den Fluss, wegen des Wetters an diesem Tag allerdings wenig pittoresk. Doch soll man stets das Positive an ungünstigen Umständen sehen: 1. So trüb und wolkenverhangen kannte ich den Rheingau bisher nicht, und ein eigentümlicher Reiz war ihm bei dieser Herbststimmung nicht abzusprechen. 2. Weil es obendrein kalt und windig war, hatte ich die ganze Gegend praktisch für mich allein; lediglich ein Wanderspaar kam mir entgegen.
Nach dem Rabenack-Abenteuer ging es weiter den Rheinsteig entlang. Ich orientierte mich an einer Tour, die einst in der FAZ-Rubrik "Ausflug am Wochenende" vorgestellt wurde. Sie führte über Feld und Flur an der Burg Maus vorbei, inkludierte den Bergbau- und Landschaftspfad Wellmich-Prath-Ehrental und endete im Zentrum des Loreleystädtchens. Die Strecke hätte für meinen Geschmack ruhig mehr Waldabschnitte beinhalten können. Dafür waren Schutzhütten und andere Ausruhmöglichkeiten dicht gesät. 
Hier ein paar Impressionen.

Wohin?

Vater Rhing

Hinauf ...

... hinab

Hier hätte ich Platz nehmen können.

Anzeichen von Leben

"Loreleyblick. Ein schöner Platz für alle"

Schön ist auch dieser Zugang ...

... zur Maus (leider an diesem Tag geschlossen), ...

... die man hier von schräg oben sieht ...

... und deren Gegenpart, die "Katz", über St. Goarshausen (ca. 1300 Ew.) thront.

Verhungern hätte ich nicht müssen.

Die Rheinsteighütte Nochern, eingeweiht im Juni 2006. Im Wanderbuch fanden sich sogar zwei Einträge vom Vortag.

Als ich eintrat, hörte ich gruselige Geräusche, da war meines Bleibens nicht länger.

Montankundliche Erklärtafeln säumten seinen Weg.

Dienstag, 12. November 2019

Der Frankfurter Coupon-Skandal 2019

Am vergangenen Samstag entnahm ich meinem Briefkasten das allseits bekannte, leider immer noch in Plastikfolie ausgelieferte Wochenend-Werbeprospektpaket und fand darin zu meiner Freude neue Bäcker-Eifler-Coupons vor, u.a. für sensationelle Deals wie "8 Brötchen für 2 Euro", "3 Laugenbrezeln für 1,50 €" oder "1 Kaffee Creme für 1 Euro". Am selben Tag stattete ich dem Büro, in dem ich arbeite, einen Besuch ab, wo das Werbebündel ebenfalls angekommen war. Auch darin waren Bäckerei-Coupons, die ich, weil sich niemand sonst dafür interessierte, einsteckte. Wieder daheim, erblickte ich auf den untersten Stufen im Treppenhaus einen weiteren Prospektepacken; den hatte wohl ein Mieter abgelegt, der nichts damit anzufangen wusste. Keine Frage, dass ich auch dieses Bündel einsackte. In meiner Wohnung öffnete ich die Umverpackung ... und die Eifler-Gutscheine fehlten!!! Offenbar liegen die wertvollen Märkchen nicht jeder Lieferung bei. Wer weiß, wie viele mir in der Vergangenheit schon durch die Lappen gegangen sind, weil ich einfach Pech gehabt hatte. Dies nur zur Information.

Sonntag, 10. November 2019

Nicht mehr und nicht weniger als 26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen

  • Garnspule: Bobine
  • Mitarbeiterstab beim Film: Cast*
  • Lottodoppeltreffer: Ambe**
  • drei Richtige im Lotto: Terne
  • ungefälliger Geschmack: Herbe
  • heimisches Wiesengras: Trespe
  • Ader im Gestein: Flaser
  • Stoffrückseite: Abseite
  • Blutwurz, Heilpflanze: Tormentill
  • Gabelhirsch: Gabler
  • Markierung in flachem Gewässer: Pricke
  • musikalischer Taktteil: Arsis
  • Bauernpachtgut in Frankreich: Ferme
  • Feinsand: Silt
  • Klaffmuschel: Mya
  • Bienenkasten: Beute***
  • venezianische Truhe: Arca
  • Volkstrachtenschultertuch: Fichu
  • tiefe Rinne, Abzugsgraben: Rigole
  • Spitzenmasche: Picot
  • Brautwerbung: Freite
  • von Tier bewegte Antriebswelle: Göpel
  • Pferdedressurübung: Levade
  • australisches Wildpferd: Brumby
  • Traufrinne antiker Tempel: Sima****
  • südslawische Kniegeige: Gusla
* verwechselt mit "Crew" 
** auch: Lösungswort für "Verbindung zweier Größen"
*** davon abgeleitet das Wort für "Bienenzüchter", vgl. 16.09.2014
**** auch: Lösungswort für "Teil der Erdkruste", vgl. 25.04.2014

Freitag, 8. November 2019

Albernes zum Wochenschluss

Neue Eselsbrücken zum Merken von Zahlenfolgen:

5 7 2 – Rom schlüpft aus dem Ei
3 3 3 – bei Essos Keilerei
1 1 1 1 – Heinrich V. sagt "Meins!"
Aans vier neun zwaa – Kolumbus sieht Amerika
1 6 1 8 – Dreißig Jahre, gute Nacht
4 – Tiberius ist hier!
1 1 2 ... ist nicht die Polizei
1 1 5: Die Feuerwehr trägt Strümpf'
1 1 0 – Hallo, ist da ein Bull'?

Mittwoch, 6. November 2019

Fragen, die ich mir selbst stelle

Heute: Was ist das Besondere an griechischem Joghurt?

Googelt man "griechischer joghurt", verweisen die ersten Treffer auf Artikel von Fit for Fun, InStyle, Men's Health u.ä. und beinhalten Schlagwörter wie "gesund", "Schlankmacher", "gute Fette" oder "kalorienarm". Wann griechischer Joghurt in Deutschland anfing zu trenden, weiß ich nicht mehr, ich schätze, vor etwa fünf Jahren (Skyr: gefühlt vor zwei Jahren). Was genau einen griechischen Joghurt ausmacht, kann ich ebenfalls nicht sagen, weswegen ich es jetzt recherchiere.

Also: Die traditionell griechische Art der Joghurtherstellung besteht darin, dass man die Molke sehr lange abtropfen lässt. Das Produkt hat am Ende des Prozesses drei Viertel seiner Ursprungsmasse verloren und eine extra cremige Konsistenz erlangt. Griechischer Joghurt enthält mehr Eiweiß als gewöhnlicher, sein Fettgehalt liegt bei 10 %. Innerhalb der EU darf Joghurt mit dieser Bezeichnung nur verkauft werden, wenn er wirklich aus Griechenland stammt, anders als in den USA, wo auch künstlich angedickter Joghurt "greek yogurt" heißen darf.

Montag, 4. November 2019

ß

Wissenswert: Das "Eszett" ist Bestandteil der französischen Druckschrift, wenigstens muss es das noch im 18. Jahrhundert gewesen sein. Ich stieß darauf an mehreren Stellen in Denis Diderots 1773 fertig gestellter Enzyklopädie:


Ich hatte bisher gedacht, es handele sich beim ß um ein ausschließlich in deutschen Texten verwendetes Graphem, weil es ja eine deutsche Erfindung ist. Doch wurde es beizeiten exportiert und gelangte unter anderem auch in italienischsprachige Bücher, wo es stets ein Doppel-s ersetzt – wie auch im Französischen, zumindest ist mir bei Diderot kein Fall untergekommen, wo das ß eine Ligatur aus s und z darstellt. Warum "dessein" nicht ebenfalls mit ß geschrieben wird, leuchtet mir nicht ein. (Deutsche Beispiele für "Deßein" aus demselben Zeitraum lassen sich durchaus ergoogeln.)

Samstag, 2. November 2019

What a jerk!

Bei Rewe entdeckt: eine "vegane Alternative zu Trockenfleisch auf Basis von Sojaproteinen" namens Soy Jerky


Es gibt drei Sorten, ich habe Teriyaki mitgenommen. Da ich noch nie Beef Jerky gegessen habe, kann ich nicht beurteilen, wie nah die Soja-Version dem Original kommt. Von der Textur und dem Geschmack her trifft sie zumindest das, was ich mir darunter vorstelle (wobei ich vermute, echtes Jerky neigt härtemäßig mehr in Richtung Hundefutter). Neben Zuckerrohrsirup, Kokos- und Sesamöl, Karamellpulver und Salz sind dem Geschnetzel noch andere Gewürze, die nur als "Gewürze" aufgeführt sind, beigemischt. Die 70 Gramm kann man gut in zwei bis drei Sitzungen wegsnacken. Hergestellt in Malaysia. 7/10

Das Produkt befindet sich, vakuumiert, in einer zusätzlichen Plastikhülle in der Umverpackung.

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Meine 20 zuletzt gesehenen Filme (2/2)

A Cure for Wellness
Ein interessanter, unvorhersehbarer, unkonventioneller Mystery-Thriller mit einigen unangenehmen Momenten, aber ansprechender Optik (Regie: Gore Verbinski). Je weniger man über die in einer unheimlichen Hochgebirgs-Heilanstalt spielende Story weiß, desto besser.

Vice
Das Biopic über den "zweiten Mann" (so der deutsche Untertitel) Dick Cheney, der, das wird noch einmal klar herausgearbeitet, über Jahrzehnte hinweg die US-Politik geprägt hat und vor allem im post-9/11-Bush-Amerika nicht weniger als der erste Mann im Staate war, überzeugt noch mehr als Adam McKays letzte gesellschaftspolitische Satire, das oscar-prämierte Wirtschafts-Comedy-Drama "The Big Short". Ich habe mich zu gleichen Maßen echauffiert und amüsiert. So bedauerlich es ist, dass McKay seit diesem Jahr nicht mehr für Gaga-Komödien aus dem von ihm mitbegründeten Hause Gary Sanchez Productions (s.u.: "Casa de mi Padre") verantwortlich zeichnet, so sehr begrüße ich den Schwerpunktwechsel auf politische Themen. So großartig wie das Drehbuch ist auch Christian Bale als nicht totzukriegender Vizepräsident.

Der Diktator
Sacha Baron Cohens Filme habe ich seltsamerweise erst sehr spät begonnen "abzuarbeiten". 2016 (also bevor ich anfing, meine gesehenen Filme hier festzuhalten) sah ich dann "The Brothers Grimsby" und war begeistert von der kindlichen Freude an Albernheit und Grenzüberschreitung. Bei "Borat" sowie bei Cohens entlarvender TV-Reihe "Who is America?" ist mir dann sogar mehrmals vor Lachen die Luft weggeblieben. Während "The Dictator" sind bei mir zwar nicht die Tränen geflossen, doch gefiel mir abermals das Zelebrieren von Geschmacklosigkeit und die überzeichnete Figur, die Sacha Baron Cohen hier verkörpert. Wie schon bei "Grimsby" wurden zudem mehrere Rollen mit namhaften Charakterdarstellern besetzt, was die Lächerlichkeit ihres Spiels und die Läppischkeit der Handlung wunderbar verstärkt.
Falls Cohen nach "The Spy" vorhat, dauerhaft ins ernste Fach zu wechseln, bleiben mir immer noch "Brüno" und "Ali G in da House", die ich nämlich auch noch nicht gesehen habe!

Der große Trip – Wild
Wer glaubt, Reese Witherspoons Selbstfindungstrip von 2014 sei nur die weibliche Version von "Into the Wild" (2007) oder so etwas wie "127 Hours light", tut dieser von Nick Hornby adaptierten Romanverfilmung Unrecht. Die Motivation der Heldin ist nicht wie bei Jon Krakauer der Trieb, Naturgewalten zu "bezwingen" oder menschliche Grenzen auszuloten, Cheryl Strayed ist auch keine trotzige, zivilisationsmüde First-World-Aussteigerin, sondern eine schicksalsgebeutelte junge Frau, die auf den 1000 Meilen des Pacific Crest Trail (wieder) zu sich kommen und ihre Vergangenheit verarbeiten will. Bildgewaltig, packend und ergreifend.

The Crazies – Fürchte deinen Nächsten
Kaum erinnerungswürdiger Verschwörungs-Horror, den lediglich Timothy Olyphant sowie einige nett klaustrophobische Augenblicke über das Niveau einer "Akte X"-Episode heben.

El Camino: A Breaking Bad Movie
War dieser zweistündige Epilog zu einer der besten Fernsehserien aller Zeiten wirklich nötig? Nein. Habe ich mich trotzdem unterhalten und nostalgisch gefühlt? Ja. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen, außer dass man sich vorher vielleicht noch einmal ein "Was bisher geschah"-Video anschauen oder sich mit einem Rewatch auf den letzten Stand bringen sollte, denn "El Camino" knüpft wirklich nahtlos an das Finale von "Breaking Bad" an und ist mit teils weit zurückreichenden Verweisen und Anspielungen gespickt.

Colonia Dignidad
Auch hier ist zusätzliches Lesen angeraten. Entweder vor oder nach dem Schauen der deutschen Co-Produktion sollte man den Wikipedia-Artikel zu der 1961 gegründeten Sektensiedlung in Chile lesen. Ich habe es nach dem Ende des Films getan und wurde direkt doppelt so wütend, wie ich bereits war. Ein unfassbares Kapitel der Nachkriegsgeschichte!

Ein Mann namens Ove
In typisch skandinavischer Tradition gehen bei dieser schwedischen Bestseller-Verfilmung Tragik und Komik Hand in Hand – wobei das Komische von mir aus gern hätte überwiegen können. Skurril, makaber, rührend, aber kein Must-see.

Casa de mi Padre
Endlich wieder Will Ferrell! Diesmal spricht er durchgängig (und überraschend gut) spanisch als Held in einer Parodie auf mexikanische Western und Telenovelas. Wie auch die "Funny or Die"-Miniserien "The Spoils of Babylon" und "The Spoils Before Dying" ist diese Persiflage vollgepackt mit Stylistic sucks und Special effects failures: Es gibt gemalte Kulissen, recycelte Dauerschleifen-Hintergrundvideos, animatronische Tierpuppen (z.T. immerhin aus dem Hause Henson!), Anschluss- und Schnittfehler, schlechte Stuntdoubles und Plastikgesäße (!). Darüber hinaus kommt ordentlich Kunstblut zum Einsatz, denn mit comichafter Gewalt hält sich "Casa de mi Padre" nicht zurück.
So gefällig dieser Mix aus Persiflage und Hommage stellenweise ist, wirkt er unterm Strich doch wie ein allzu ausgewalzter Wegwerfgag. Der auf Wikipedia zitierten Einschätzung des "Hollywood Reporter" möchte ich mich daher anschließen: "It makes sense that this Spanish-lingo farce plays very much like an SNL sketch. The only problem is that it packs about as many laughs into its 85 minutes as a good skit does in eight or 10."

The Bay
Kurz vor Halloween dann noch ein so kurzer wie kurzweiliger Pseudo-Doku-Schocker, den ich seit Jahren auf der Watchlist hatte. Es geht um Umweltkatastrophen, Wasserverschmutzung, Atommüll, Erderwärmung – was den Film noch aktueller macht als im Erscheinungsjahr 2012 – und die Auswirkungen auf die Küstenfauna eines Örtchens in Maryland. Mit einer originell gewählten Killer-Spezies, die hier nicht verraten werden soll, ist "The Bay" zwar ein Creature-Feature, aber vor allem ein beklemmendes Bedrohungs-Szenario, das dem Found-Footage-Genre insofern etwas hinzufügt, als es nicht nur ein (vorgebliches) Privatvideo abspult, sondern zusätzlich Polizeistreifen-Mitschnitte, News-Übertragungen, wissenschaftliche Bewegtbildprotokolle, Überwachungskamera-Material usw. aneinanderreiht, was nebenbei gut zeigt, wie lückenlos man im digitalen Zeitalter ein Ereignis, das (wie hier) vertuscht werden soll, mit Hilfe der permanent anfallenden "Live"-Daten rekonstruieren kann.
Die niedrigen 5,6 Punkte auf imdb sind definitiv unverdient.

Samstag, 26. Oktober 2019

Filmtitel XX

Au bout des doigts → Der Klavierspieler vom Gare du Nord 
Outlaws → One Percent – 1%
Damsel → Smoking Gun
The Resident → Atlanta Medical (Serie)
Soldier → Star Force Soldier
Mercy → My Days of Mercy
Metti la nonna in freezer → Nonna mia!
Poms → Dancing Queens
Puppet Master: The Littlest Reich → Puppet Master: Das tödlichste Reich
Un homme pressé → Das zweite Leben des Monsieur Alain
Amanda → Mein Leben mit Amanda
Maleficent: Mistress of Evil → Maleficent: Mächte der Finsternis
The Art of Racing in the Rain → Enzo und die wundersame Welt der Menschen 
Intrigo: Dear Agnes → Intrigo: In Liebe, Agnes
Imitation Girl → Stargirl
Gloria Bell → Gloria – Das Leben wartet nicht
Ford v Ferrari → Le Mans 66 – Gegen jede Chance
Haunt → Halloween Haunt
En liberté! → Lieber Antoine als gar keinen Ärger

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Meine 20 zuletzt gesehenen Filme (1/2)

Brexitannia
Ich bin ja ein Anhänger der (durch eigene Erfahrung empirisch gefestigten) These, dass es keine unysmpathischen Briten gibt. Auch die in dieser O-Ton-Collage auftretenden Männer und Frauen von der Insel machen durchweg einen netten Eindruck, selbst wenn sie unmöglichen Quatsch daherreden. Die Dokumentation – auch wenn dieses Wort das Genre nicht korrekt bezeichnet – entstand kurz nach dem Brexit-Votum 2016 und zeigt, dass einfach sehr viel Unwissenheit und Unsicherheit in der Bevölkerung herrscht(e). Neben einfachen Leuten kommen auch Gelehrte zu Wort. Ein faszinierender Einblick in die "englische Seele".

Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Eine französische Farce, von der ich bisher nur den Titel gekannt hatte. "Farce" trifft es m.M.n. ganz gut, denn dieses Stück von 1972 bewegt sich irgendwo zwischen Satire und Groteske. Hin und wieder schert es ins Klamottige aus, es geizt auch nicht mit Frivolität. Unterm Strich würde ich behaupten, dass "Der diskrete Charme", käme er heute raus, nicht den Kultfaktor erreichen würde, den er hat. Regie führte übrigens kein Geringerer als Luis Buñuel.

Die grüne Lüge
Eine Doku, die schlechte Laune macht, was natürlich Kathrin Hartmanns Intention ist: Hier werden unbequeme Wahrheiten ins Bewusstsein gerückt (Al Gores "Unbequeme Wahrheit" habe ich übrigens immer noch nicht gesehen), wobei nicht alles als völlig hoffnungslos dargestellt wird. Zudem gibt es mit Werner Boote einen unterhaltsamen Gegenpart, der häufig den verschmitzten Advocatus diaboli gibt.

Iron Man 3
Um ein bisschen Marvel-Wissen nachzuholen, damit ich mir irgendwann mal die letzten "Avengers" angucken kann, habe ich mehr als acht Jahre nach "Iron Man 2" dem Abschluss der Trilogie eine Chance gegeben. Solides Gerummse.

Mr. Holmes
Endlich durfte auch Ian McKellen den großen Sherlock Holmes verkörpern – den alten Sherlock Holmes. Der sich zur Ruhe gesetzt habende Meisterdetektiv versucht seinen letzten Fall zu rekonstruieren, aber im Grunde gibt es gar keinen richtigen Fall, wie überhaupt alles, wofür man die Holmes-Geschichten liebt, kaum eine Rolle spielt (mysteriöse Verbrechen, Deduktion, London). Sehr behäbig.

The Walk
Zu Robert Zemeckis' biografischem Abenteuerdrama von 2015 habe ich ein paar Zeilen auf Facebook geschrieben, die ich hier reinkopieren möchte:
- Ein Film, der das Potenzial hat, mich SEHR wütend zu machen: Joseph Gordon-Levitt als französischer Straßenartist (u.a. Pantomime und Jonglage!), der sich in den Kopf gesetzt hat, ein Drahtseil zwischen die Türme des gerade erst errichteten World Trade Centers in New York zu spannen, um ungesichert darüber zu balancieren. Wenn ich so jemandem in echt begegne (Backpacker-Hostels sind das natürliche Habitat dieser Spezies), suche ich das Weite. Das ist der Typ Künstler, der nicht zur Unterhaltung performt, sondern um sich selbst etwas zu beweisen, Frauen zu "verzaubern", der Staatsgewalt eins auszuwischen (was immer "eins" sei) und zu zeigen, dass er halt "verrückt" ist. An einer Stelle brüllt er das seinem Compagnon wortwörtlich entgegen - ach ja, er spricht den ganzen Film über mit französischem Akzent.
Ich schaue bis zu Ende, weil die Aufnahmen beeindruckend zu werden versprechen.
Bittersweet sind die Auftritte von Notre-Dame und der Twin Towers.
- Lol, Paul Giamatti in einer Minirolle
- Einmal zieht sich die Hauptfigur sinnloserweise nackt aus - was wieder zu ihr passt.
- Er wollte den walk ursprünglich in einem SCHWARZEN ROLLKRAGENPULLOVER absolvieren, aber der ist vom Dach geflogen, hehe.
- Okay, ich hätte das schon gern in 3D im Kino gesehen, aber da wäre mir vermutlich schlecht geworden.
- Bechdel-Test nicht bestanden btw

Jungle
Basierend auf einer wahren Geschichte: Daniel Radcliffe verirrt sich in den Urwäldern Boliviens. Schicke Schauwerte, ein bis zwei Ekelszenen und schockierend realistische Wildwasser-Sequenzen, bei denen einem die Luft wegbleibt. Man bekommt Lust auf Abenteuerurlaub und wird gleichzeitig davon abgeschreckt.

Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (OT: Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales)
Der mittlerweile fünfte Teil der Reihe (ich hatte geglaubt, der sechste) macht immer noch viel Spaß, aber so langsam ist die Luft raus. Die Story, die in den ersten drei Filmen noch mit fast schon fordernder Komplexität überraschte, passt auf einen Bierdeckel. Ich fürchte, ich werde trotzdem jede weitere Fortsetzung anschauen ...
In diesem Zusammenhang eine Anekdote: Als der allererste "Fluch der Karibik" rauskam, befand ich mich gerade in Neuseeland, und ich als alter "Monkey Island"-Fan musste ihn natürlich sofort im Kino sehen. An der Kasse verlangte ich "one ticket for 'Pirates of the CaRIBbean', please", worauf die Kartenverkäuferin freundlich wiederholte: "One ticket for 'Pirates of the CaribBEan', yes." Seitdem betone ich das englische Wort für "Karibik" stets auf der dritten Silbe. Doch was musste ich vor wenigen Wochen durch einen Sketch bei "Late Night with Seth Meyers" lernen? Dass die akkurate Aussprache durchaus umstritten ist!

Happy Deathday
Kurz nachdem ich über die aktuelle "Murmeltier"-Welle geschrieben hatte, war "Happy Deathday" auf Amazon Prime verfügbar und entpuppte sich als durchaus vergnüglicher Zeitschleifen-Slasher mit dem ein oder anderen Twist. Die Heldin, die ihren eigenen Mord aufklären und letztlich verhindern muss, erlebt dabei wie Bill Murray eine Läuterung, ist anfangs noch eine (etwas überzeichnete) Zicke und am Ende empathisch, gerecht und allgemein relatable. Ob ich mir "Happy Deathday 2U" auch noch geben werde, weiß ich allerdings nicht.

Es: Kapitel 2
Während die kassensprengende erste Hälfte der neuen "Es"-Verfilmung noch Gänsehaut zu erzeugen vermochte, hat mich das "Chapter Two" vollkommen kalt gelassen. Eine einzige gruselige Stelle gibt es, und die kannte ich bereits aus dem Trailer. Der Rest ist unsubtil wie nur irgendwas. Es wird von einer übertrieben hysterischen Effekthascherei zur nächsten gesprungen, unterschwelliges Grauen, Gesellschaftskritik und Coming-of-Age-Sequenzen kann man mit der Lupe suchen. Immerhin hat Stephen King (dessen bester Roman "Es" für alle Zeiten bleiben wird) einen Gastauftritt, und Bill Hader überzeugt mit seiner Performance zwischen ernsthaftem Charakter und Comic relief.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Traumprotokoll: Extreme Metal

Ich habe geträumt, es gäbe einen Metal-Künstler, der als "extremster Metal-Act der Moderne" galt – und ich hatte die Möglichkeit, ihn live zu erleben, da er in meine Stadt kam. "Künstler" ist dabei eigentlich schon falsch, denn das Ein-Personen-Projekt war offen gender-fluid: Mal trat er*sie martialisch maskulin und männlich grunzend auf, andere Male als Schulmädchen. Den Namen habe ich mir leider nur zur Hälfte gemerkt, irgendwas mit "Impala" (aber natürlich nicht "Tame Impala", ich möchte sagen "Darkened Impala" oder etwas in der Richtung).
Das Ganze trug sich in der Jetztzeit zu, ich war allerdings noch Student. Die Show fand denn auch in einer Spielstätte auf "meinem" Campus statt und war erwartungsgemäß gut besucht. Bereits als die ersten Klangteppiche aus den Boxen brummten, machte sich eine Mischung aus Vorfreude und Furcht breit; als die Musik gerade mal auf die halbe Lautstärke angeschwollen war, fingen einige Gäste zu weinen an. Der Stil erinnerte mich an Anaal Nathrakh, neben Industrial- waren auch Mathcore-Elemente auszumachen. Hin und wieder gab es melodische Mid-tempo-Abschnitte, und XYZ Impala machte sich einen Spaß daraus, diese so aufzubauen, dass man glaubte, sie würden ein besonders brutales Geknüppel einleiten, nur um dann sanft, gleich einer verlängerten Bridge, weiterzulaufen, so dass diejenigen, die schon zum Headbangen angesetzt hatten, plötzlich doof dastanden. Es war hohe Kunst, und nicht nur die Songs loteten die Grenzen des Erträglichen aus, sondern auch die Performances dazwischen. Einmal stach der*die Sänger*in sich einen Dolch durch beide Wangen wie bei einer ultra-taoistischen Straßenprozession in Südostasien. Ein anderes Mal katapultierte er*sie sich mit einem Wasserfontänen-Jetpack am Rücken mehrere Meter in die Luft.
Irgendwann ging die bizarre Kreatur wortlos von der Bühne und blieb minutenlang verschwunden. Ich wollte derweil auf die Facebook-Veranstaltungsseite des Konzerts schauen und stellte fest, dass ich von der Blabla-Impala-Fanpage ausgeschlossen worden war! Es war bekannt, dass man dieser nur beitreten durfte, wenn man sich als enormer devotee, als wahrer Superfan bewiesen hatte. In diesem Moment erreichte mich eine private Nachricht, in der stand: "Im Jahr 2011 hast du auf deinem Blog Tourdaten von verschiedenen Bands aus der Zeitschrift Metal Hammer veröffentlicht, und ich war nicht dabei!" Das war also die (unverschämte und zudem substanzlose) Begründung für meine Verbannung aus der Facebook-Gruppe. Ich bekam es mit der Angst zu tun und verließ die Location. Draußen hörte ich ein hexenartiges Kichern: Es war der Sänger in seiner Schulmädchen-Identität, der mich offenbar jagte! Alle paar Sekunden erblickte ich es, wie es übermenschlich schnell durch Seitengassen und Parallelstraßen flitzte. Ich stürmte ins Studentenwohnheim, schnappte mir aus meinem Zimmer panisch einen Stapel Schmutzwäsche (?) und floh in die Bibliothek, die für diese nächtliche Uhrzeit noch erstaunlich voll war. Durch immer enger werdende Gänge rannte ich, schob Personen beiseite, die Hände voller Textilien, Schulmädchen-Rufe dicht hinter mir. Bevor ich mich in einen Gemeinschaftsduschraum (?) retten konnte, wachte ich auf.

Montag, 21. Oktober 2019

Kleines Update zum letzten Kalenderwitzbildchen

Da vermutlich niemand die Kommentare unter meinen Blogposts liest (bzw. von diesen gar nicht erst Kenntnis nimmt, weil ich sie aus Spamvermeidungsgründen händisch freischalte, was sich oft um ein paar Tage verzögert), kopiere ich die Anmerkung zur 70. Folge "Humorperlen aus dem Abreißkalender" noch einmal in einen (diesen!) Extrabeitrag:
scheint mir da auf der [eigentlich beblusten] herrenbrust eine hitlerbrusthaarmaske durch, oder was bedeuten diese mir nicht recht erklaerlichen strichelschatten. und ist diese zeichnung vom [vor ein paar wochen verstorbenen] prüstel? ein verwirrender cartoon ,ich finde ihn interessant.
Der Autor, Bob Schroeder (btw: schön, Sie wiederzusehen!), hat recht: Der Cartoon ist von Andreas Prüstel; auf dem leicht zu ergoogelnden, farbigen und mit handschriftlicher Oberzeile versehenen Original erkennt man, dass die Brust keineswegs beblust, sondern tief ausgeschnitten ist.