Dienstag, 7. Dezember 2021

Kelten in Übersee (2)

Das, was ich in Teil 1 "keltische Spuren in der Neuen Welt" genannt habe, lässt sich in verschiedener Gestalt ausmachen, nämlich a) in Ortsnamen und Nationalsymbolen und b) in Gemeinschaften, die sich als keltischstämmig identifizieren und/oder einen keltischen Dialekt sprechen; das sind dann freilich mehr als bloße "Spuren". Manchmal fällt beides zusammen, was ich als Kategorie c) labeln möchte.

Aus der Kategorie a) war es vor allem der geographische Name Neukaledonien, der mich überhaupt zum Schreiben dieses Beitrag getrieben hat. Wie kommt es, dass eine französische Überseegemeinschaft im Pazifik den lateinischen Namen Schottlands (Caledonia) trägt? Antwort: James Cook fühlte sich bei seiner Entdeckung der Hauptinsel an Schottland erinnert. Seitdem heißt der Archipel auf englisch New Caledonia und in älterer deutschsprachiger Literatur sogar "Neuschottland". Was ist mit New South Wales / Neusüdwales? Dasselbe: Cook erkannte in der Beschaffenheit des späteren australischen Bundesstaates Ähnlichkeiten mit dem Süden von Wales.

Aber bleiben wir bei Neuschottland, allerdings nicht in der Südsee, sondern in Amerika: Die kanadische Provinz Nova Scotia ist nämlich nicht nur dem Namen nach die Fortsetzung einer tatsächlichen schottischen Kolonie! Wie ich in meiner Einleitung festhielt, war Schottland bis zum Jahr 1707 ein unabhängiges Königreich, und als solches hat es bis dahin immer wieder versucht, im Spiel der europäischen Übersee-Eroberungen mitzumischen. Die englischsprachige Wikipedia hat diese Versuche, von denen ich zuvor ebenso wenig wie von der kurzlebigen Company of Scotland je gehört hatte, in einem eigenen Artikel zusammengefasst. Die Besiedlung des vormals französischen Territoriums (Akadien) kann jedenfalls als der einzige Erfolg in dieser Richtung verbucht werden, und noch heute finden wir den Schottlandbezug in der Provinzflagge:



Und nicht nur da, denn wir haben hier ein schönes Beispiel der Kategorie c). Je nach Quelle 300 bis 1000 Menschen in Nova Scotia geben an, sog. Canadian Gaelic zu sprechen. Sie nennen die Provinz Alba Nuadh. Eine Häufung von native speakers dieses schottisch-gälischen Dialekts gibt es auf Cape Breton Island, deren keltischer Ortsnamenbezug indes wohl eher willkürlich gewählt ist. In ganz Kanada gibt es schätzungsweise knapp 4000 Sprecher/innen irgendeiner Form des Gälischen.

Weniger stark als die Highlander konnten die Waliser dem nordamerikanischen Land ihren Stempel aufdrücken. Zwar gelangte der Kapitän Thomas Button 1612 im Auftrag der Royal Navy an die Westküste der Hudsonbai und taufte diese in Reverenz an seine Heimat "New Wales", aber wie wir wissen, setzte sich diese Bezeichnung nicht durch. Wesentlich erfolgreicher verlief die Verbreitung walisischer Kultur später weiter im Süden, nämlich im Zuge der walisischen Besiedlung (Y Wladfa) der heutigen argentinischen Provinz Chubut ab 1865. In zahlreichen Orten mit Namen wie Gaiman, Rawson oder Dolavon stößt man auf walisische Teehäuser, Heimatmuseen, Kirchen, sieht walisische Tänze, erlebt authentische Eisteddfodau und kann gleich zwei Zeitungen in kymrischer Sprache erwerben. Apropos: Die Sprache der Immigrantennachfahren wird "Patagonian Welsh" (Cymraeg y wladfa) genannt und ist äußerst lebendig. Insgesamt soll es in Argentinien 25.000 Walisisch-Sprechende geben, 5000 davon in der Diaspora von Chubut. Nebenbei gibt es in Argentinien auch eine beachtliche schottische Minderheit und damit einen weiteren Vertreter der Kategorie b).

Nachdem von Schottland und Wales die Rede war, kommen wir zur dritten "großen" der keltischen Nationen. An dieser Stelle kann ich verraten, dass (Neo-)Kornisch, Manx und Bretonisch außerhalb Europas, ja selbst außerhalb ihrer angestammten Region keinen Fuß fassen konnten. Das schmälert nicht die Bedeutung dieser Sprachen und der Traditionen ihrer Sprecher, und über die "Größe" sagt es auch nicht viel aus: 3 Millionen Walisern stehen 4 Millionen Bretonen gegenüber, nur besitzen von Ersteren nach aktuellen Angaben 750.000 Walisisch-Kenntnisse, womit das Kymrische die am weitesten verbreitete der keltischen Sprachen ist und die einzige nicht vom Aussterben bedrohte. Verfolgt man nun die Spur reisender Iren, landet man an vertrauten Orten, in Kanada (etwa in Neufundland oder auf Prince Edward Island, das 1770 "New Ireland" genannt werden sollte – mit dem Ziel, irische Siedler überhaupt erst anzulocken), in Argentinien (rund 20.000 ließen sich im 19. Jahrhundert hier nieder), aber auch in Papua-Neuguinea: Als Australien die Insel Neumecklenburg im Bismarck-Archipel nach dem Ersten Weltkrieg in "New Ireland" umbenannte, knüpfte es an die Namensgebung "Nova Hibernia" durch den britischen Seefahrer Philipp Carteret im Jahr 1767 an (analog dazu wurde Neupommern zu Neubritannien). Nun gut, die beiden "Neuirlands" fallen freilich abermals lediglich in Kategorie a).

Jetzt aber eine knifflige Quizfrage, die ich vor ein paar Monaten auch noch nicht hätte beantworten können: Auf welche Flagge und welches Wappen außerhalb Europas hat es sogar eine typisch keltische Allegorie nebst Nationalsymbol geschafft? Auflösung: Montserrat.


Was bitte hat Erin mit der irischen Harfe auf der Flagge eines britischen Überseegebiets mit spanischem Namen zu suchen? 1. Der Name der Karibikinsel geht auf Kolumbus zurück, der das Kloster Montserrat bei Barcelona darin verewigte. 2. Im Rahmen des auch in die West Indies ausgetragenen Englischen Bürgerkriegs (1642-1649) wurden irischstämmige Einwohner/innen von dem benachbarten Eiland St. Kitts hierher umgesiedelt, solche aus den amerikanischen Kolonien folgten nach. Wikipedia: "Noch heute ist ein großer Teil der europäischstämmigen Bewohner irischer Abstammung." Wie groß der gegenwärtige Anteil derer ist, die Neuirisch zumindest als Zweitsprache beherrschen, konnte ich nicht in Erfahrung bringen; er dürfte verschwindend gering bis nicht vorhanden sein.

Und damit endet unsere Rundfahrt um die Welt auf den Spuren der alten wie modernen Keltinnen und Kelten. Mit Sicherheit habe ich den ein oder anderen Schauplatz übersehen, einiges musste ich aus Ökonomiegründen außen vor lassen. Wer Nachlässigkeiten oder Falschbehauptungen entdeckt oder sonstige fruchtbringende Anmerkungen hat, möge die Kommentarfunktion nutzen.

Sonntag, 5. Dezember 2021

Kelten in Übersee (1)

Dieser erste von zwei Teilen ist im Grunde nur einleitendes Vorgeplänkel, das für den übermorgen folgenden Hauptbeitrag zwar notwendig ist, von Ungeduldigen aber gerne übersprungen werden darf. Ich möchte jedoch gleich darauf hinweisen, dass ich den Komplex "Kelten im präkolumbischen Amerika" diskret ausgeklammern werde.

Ich fragte mich neulich, ob es auch in der Neuzeit erfolgreiche Expansionen keltischer Nationen gab. Ich schreibe "auch", weil die historischen Kelten – wobei es "die" Kelten genauso wenig gab wie "die" Germanen – ihr Siedlungsgebiet über große Teile der Alten Welt hinweg ausbauten; im Osten reichte es bis in die heutige Türkei: Istanbuls Stadtteil Galata (und der Name des bekannten Fußballclubs Galatasaray Istanbul) erinnern noch heute an den Stamm der Galater, die ihre Sprache, das leider nur in Bruchstücken überlieferte Galatisch, in das kleinasiatische Königreich Galatien trugen.

Aber was meine ich überhaupt mit "keltischen Nationen"? Klar, im nationalstaatlichen Sinne konnte während der Hoch-Zeit des Kolonialismus keine Rede davon sein. Wales war bereits 1283 von Edward I. erobert worden, Schottland vereinigte sich mit England zum Königreich Großbritannien (allerdings erst 1707; das wird noch eine Rolle spielen), die Republik Irland bzw. deren Vorgänger ist keine hundert Jahre alt. Cornwall ist ein hübscher kleiner Sonderfall, konnte lange eine Art "Souveränität" bewahren und erklärte sich im 19. Jahrhundert bei mindestens einer Gelegenheit als "Pfalzstaat" gegenüber der Krone. Tja, und völkerrechtlich folgenlos geblieben sind die mal mehr, mal weniger energischen Unabhängigkeitsbestrebungen der Bretagne, welche ja letztlich auch nur eine "zweite Heimat" der Waliser ist (nicht abwertend gemeint!), weshalb das – immerhin erfolgreich wiederbelebte – Bretonisch auch zum inselkeltischen Sprachzweig gezählt wird. Fehlt noch die Isle of Man: Deren Staatsoberhaupt ist, nach einer wechselhaften englisch-schottisch-normannischen Geschichte, die u.a. den schon erwähnten Eduard I. involviert, seit 1765 der/die britische König/in mit dem Titel "Lord of Mann", der so übrigens auch lautet, wenn der Monarch, wie derzeit, weiblich ist. Der Status der Insel Man als sog. Kronbesitzung ist interessant (auf Näheres einzugehen würde zu weit führen) und gewährt eine relative Autonomie, die begünstigt haben mag, dass die Manx ihr kulturelles und sprachliches Erbe hochhalten und sich heute als eine der Sechs Nationen neben den Kornen, Bretonen, Iren, Schotten und Walisern verstehen. Solch eine Liga ist für die Identitätsstiftung so wichtig wie die ohnehin stark gefährdeten verbliebenen keltischen Sprachen, denn, und damit komme ich zum Ausgangspunkt zurück: Über vollständig souveräne Territorien verfügen diese Nationen eben nicht, sieht man von Irland (ohne den Norden wohlgemerkt) ab. Demzufolge gab es nie eine "Welsh East India Company" oder ähnliches.

Wie kommt es also, dass man nach längerem Nachdenken oder Recherchieren immer wieder auf keltische Spuren in der Neuen Welt stößt? Die Reise beginnt in Teil 2 (und endet dort).

Freitag, 3. Dezember 2021

US Food Test 2021 (6): Pop Tarts

Wie ich in diesem Post von 2016 andeutete, war ich früher ein eingefleischter Pop-Tarts-Fan. Während meiner Studentenzeit habe ich mich durch das nahezu gesamte Sortiment gefuttert. Meine übersättigungshalber zwangsläufig irgendwann eingetretene Pop-Tart-Abstinenz habe ich nun gebrochen, denn die Sorte Pretzel Salted Caramel war 1. beim US-Food-Ausverkauf stark reduziert und sprach 2. mein Genusszentrum an. Salzkaramell ist eine mir absolut einleuchtende Erfindung des laufenden Jahrtausends, eine die These von den sich anziehenden Gegensätzen bestätigende Kreation, bei der allerdings die Gefahren bestehen, erst süchtig zu werden und – noch verhängnisvoller! – nach einer Weile die Lust daran zu verlieren. Es gibt ja mittlerweile alles mit Salzkaramell.


Ich könnte mir vorstellen, dass der Hype sich in absehbarer Zeit ausschleicht und damit auch Produkte wie das hier abgebildete vom Markt verschwinden. Cool, dass ich dabei gewesen bin!, werde ich späterhin sagen können. 
Und wie sind die Pop-Tarts nun? Eine neuerliche Leidenschaft haben sie in mir jedenfalls nicht auszulösen vermocht. Im Vergleich mit allen anderen je von mir verzehrten Sorten kann ich "Pretzel Salted Caramel" im oberen Viertel einreihen, vielleicht sogar in den Top 5. Jaaa, die schmecken keinesfalls schlecht, es ist jedoch objektiv zu konstatieren, dass dieses Toaster-Futter insgesamt nichts wahnsinnig Hochwertiges darstellt. Wie konnte ich nur jahrelang derart begeistert davon sein?
Für 5 von 10 Punkten reicht's unterm Strich doch.
PS: Während ich das vorletzte Pop-Tart der Packung zum Frühstück aß, schaute ich ein YouTube-Video, in dem aus dem Nichts ein eben solches aufploppte. Gruuuselig!

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Serientagebuch 11/21

01.11. The Simpsons 33.01
The Simpsons 33.02
The Simpsons 33.03
Spuk in Hill House 1.08
04.11. Spuk in Hill House 1.09
05.11. Family Guy 20.01
06.11. Person of Interest 2.10
Family Guy 20.02
07.11. Spuk in Hill House 1.10
Squid Game 1.09
The Expanse 3.01
09.11. American Rust 1.01
American Rust 1.02
Doctor Who (Classic) 19.3.1
Doctor Who (Classic) 19.3.2
Doctor Who (Classic) 19.3.3
Doctor Who (Classic) 19.3.4
10.11. Family Guy 20.03
Person of Interest 2.11
11.11. The Expanse 3.02
13.11. The Simpsons 33.04
14.11. Squid Game 1.09
15.11. American Rust 1.03
16.11. Family Guy 20.04
17.11. Person of Interest 2.12
18.11. The Expanse 3.03
19.11. The Simpsons 33.05
American Rust 1.04
20.11. The Simpsons 33.06
24.11. The Simpsons 33.07
25.11. Family Guy 20.05
American Rust 1.05
The Expanse 3.04
28.11. Person of Interest 2.13
29.11. American Rust 1.06
Family Guy 20.06
30.11. Doctor Who (Classic) 19.6.1
Doctor Who (Classic) 19.6.2
Doctor Who (Classic) 19.6.3
Doctor Who (Classic) 19.6.4

Ein unerklärlicher Trend ist zu beobachten: Serienstaffeln mit neun Episoden. "The Terror: Infamy" umfasste diese krumme Zahl an Folgen ebenso wie "American Horror Story" im letzten Monat, "American Rust" (wird momentan geschaut) und die neue Serie "Ordinary Joe" (wird demnächst geschaut). Bei Squid Game war es auch so. Nicht dass es mir besonders aufgefallen geschweige denn -gestoßen wäre: Die Dramaturgie, der Handlungs- und der Spannungsbogen sind elegant angelegt, und die Episoden enden stets an der richtigen Stelle (mit dem Musterbeispiel eines Cliffhangers in Ep. 4). Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass das koreanische "Battle Royale"-Drama in manchem Aspekt allzu sehr vertraute Muster aufgreift – was wohl den enormen internationalen Erfolg miterklärt. Man verstehe mich nicht falsch: Vieles ist überraschend, schockierend und nachhaltig verstörend, und ich habe bis zum (völlig okayen) Ende mitgefiebert. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass einem als erfahrenen Filmkonsumenten gewisse Parallelen zu Produktionen mit vergleichbaren Tropen auffallen, ich denke da etwa an "Hostel", "Cube" oder "Chosen". Auch die visuellen Gimmicks kamen mir ein bisschen arg kalkuliert vor. All das nimmt man in Kauf, wird man doch oft genug durch ambivalente Figuren, provozierende Gewalt-Eskalationen und das typisch koreanische "Wir haben uns alle versündigt und verdienen dafür schlimmstmögliche Bestrafung"-Mindset herausgefordert.

Spuk in Hill House (OT: The Haunting of Hill House) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Shirley Jackson, wurde aber in ein modernes Setting transponiert, was die Gothic-Atmosphäre indes nicht schmälert. Ganz nach meinem Geschmack halten sich die Jumpscares zugunsten unterschwelligen Gänsehaut-Aufbaus in Grenzen (zweimal wurde ich trotzdem eiskalt erwischt). Das titelgebende Gebäude ist anders als erwartet nicht "der wahre Star" der Geschichte; das Scheinwerferlicht legt sich (zu gleichen Teilen) auf die einzelnen Familienmitglieder, die übrigens überwiegend von mir unbekannten Schauspieler(inne)n verkörpert werden: Lediglich Michiel Huisman ("Game of Thrones") und Timothy Hutton ("Leverage") sowie Annabeth Gish ("Akte X") waren mir vertraut. Im Ergebnis ist der Zehnteiler von Mike Flanagan zu 50 % eine psychologisch elaborierte Familientragödie und zu 50 % ein viktorianischer Geistergrusler. Die Frage, ob die paranormalen Manifestationen oder innere Dämonen der wahre Horror sind, ist das unter die Haut gehende Leitmotiv.

Zwei Geschichten mit dem fünften Doktor konnte ich auch wieder "mitnehmen". Zuerst "Kinda": Mit der Wertung meines Doctor-Who-Taschenbuch-Guides (10 von 10 Punkten) kann ich leider nicht d'accord gehen. Trotz fantasievoller Kostüme, dem nach wie vor soliden Peter Davison und der erstaunlich progressiven Verhandlung von Themen wie Kolonialismus und Umweltzerstörung* scheint mir das Serial zu offensichtlich ein Kind(a) seiner Zeit zu sein: Das im Ansatz reizvolle Dschungel-Setting ist zu spartanisch, zu reduziert, fast wie eine Theaterkulisse, die Innenaufnahmen wirken lieblos. Zudem hatte ich bereits nach dem ersten Drittel meine liebe Mühe, der verworrenen Story zu folgen – fast wurde ich an die Hyperkomplexität der Moffat-Ära erinnert.
Überzeugender fand ich da "Earthshock". Nach einer in Sachen Setting und Personal vom Rest total verschiedenen Auftaktfolge kriegt man einen düsteren Weltraum-Thriller mit durchgängig bedrückender Stimmung vorgesetzt. Enervierende Sound-Effekte, lange Gefechtsszenen mit hohem body count und eine wirklich gruselige Cyberman-Belagerung lassen einen wissen: Das hier ist kein Wohlfühl-Abenteuer. Wir befinden uns mittlerweile im Jahr 1982, im 19. Jahr des Sci-Fi-Dauerbrenners, und man wagt sich aus der Komfortzone heraus. Es gibt unschöne Differenzen zwischen den Hauptfiguren, Konflikte und schwierige Entscheidungen, die (Spoiler) im tragischen Tod eines Companions münden – mit anschließenden silent credits. Wow.
* "This serial was examined closely in the 1983 media studies volume Doctor Who: The Unfolding Text by John Tulloch and Manuel Alvarado. This was the first major scholarly work dedicated to Doctor Who." (Wikipedia)

Montag, 29. November 2021

Wort des Tages

Viel zu spät, nämlich erst heute, habe ich eine famose neue Vokabel gelernt: Mockbuster. Damit bezeichnet man einen Film, der vom Hype eines aktuellen Blockbusters zu profitieren trachtet, indem er sich in Genre und Anmutung, vor allem aber über den Titel und das Filmplakat an diesen anlehnt. Man setzt auf den Verwechslungsfaktor. Um es mit Wikipedia zu formulieren: "Den Herstellern solcher Mockbuster wird vorgeworfen, die Unwissenheit über einen neuen Blockbuster auszunutzen, um so noch vor oder während des Erscheinens des Originals dessen Werbung und allgemeine Aufmerksamkeit auszunutzen, um eine Billigkopie mit einem zum Verwechseln ähnlich klingenden Namen und gleicher Aufmachung erfolgreich zu verkaufen." Solche Trittbrettfahrer-Produktionen haben mit gewöhnlichem Direct-to-DVD-Trash die extrem billige Inszenierung und das schlechte Schauspiel gemein sowie, als Folge davon, in der Regel eine beeindruckend niedrige imdb-Wertung. Die einzige erkennbare "Mühe" fließt wie gesagt in das Ranwanzen an Trends, das Auf-den-Zug-Springen, in den Versuch, oberflächig eine Erfolgsformel zu kopieren.

Das jüngste Beispiel, auf das ich heute per Zufall gestoßen bin und das mich überhaupt erst zu dem Wort "Mockbuster" geführt hat, kann sich auf imdb im Moment mit 1,9 von 10 Punkten schmücken.

Hinweis für Nachgeborene: Denis Villeneuves "Dune"-Verfilmung erfuhr 2021 weltweite Beachtung und zog Menschen ansehnlicher Zahl in die Kinosäle.

Samstag, 27. November 2021

Nova Prospekt

Es ist Samstagmittag und die Post ist noch nicht gekommen, damit auch nicht die Wochenprospekte. Letzte Woche kam der Werbepacken bereits am Freitag. Gut möglich, dass der Briefträger heute gar nicht mehr erscheint oder aber zwar erscheint, aber ohne Werbepacken. Ich durchschaue das System nicht.

"Was hast du bloß immer mit deinen Prospekten?", möge man mich augenrollend fragen. Die Sache ist die: Kaufhallenprospekte sind für mich in erster Linie eine Inspirationsquelle. Wenn ich beim wochenendlichen Blättern ein Lebensmittel entdecke, das ich lange nicht mehr im Hause hatte und/oder als Kochzutat verwendet habe, und es obendrein preisreduziert ist, freue ich mich doppelt. Der Sparfaktor wird, fürchte ich, angesichts der drohenden Inflation zukünftig an Bedeutung gewinnen. In letzter Zeit erwische ich mich denn auch immer häufiger dabei, auf Vorrat zu kaufen. Mein Speiseplan für die gesamte kommende Woche steht praktisch schon, denn ich habe bei einigen haltbaren Dingen zugeschlagen ... HA, in diesem Moment klingelt der Postbote! Augenblick ...

Wie ich geahnt habe: Keine Werbeprospekte. Lediglich ein Zusatzkartenbeantragungs-Anreiz-Flyer von American Express sowie der Rundbrief der DKMS lagen im Briefkasten. Die Krux ist: Der mir nächstgelegene Rewe, mein Stamm-Supermarkt, weist in seinem Geschäft nicht auf aktuelle Rabatte hin; die haben dort keine Prozentzeichen-Schildchen! Woran also soll ich reduzierte Waren erkennen?

Related "problem": Neulich habe ich auch mal den Prospekt von Penny studiert und stieß darin auf zwei neue Aufstriche von Grafschafter, nämlich Salzkaramell-Sirup und "Winterzauber Apfel-Kirsche mit Zimt und Vanille". Die musste ich haben! Doch bei Penny gab es sie nicht. Auch nicht bei Rewe. Etwas Ähnliches war mir schon einmal passiert, also dass bei Penny etwas Sensationelles angekündigt wurde, dann jedoch schon weg oder überhaupt nie dagewesen war. Es ist alles nicht einfach.

Donnerstag, 25. November 2021

Blattmacher und Glattmacher

In der FAZ erschien heute diese Anzeige:


Als ich das sah, hatte ich Fragen. Na, eigentlich nur eine Frage: Warum? Was bewegt den Weltkonzern Amazon dazu, an prominenter Stelle, nämlich auf Seite 5 des Wirtschaftsteils, für 80.410 Euro* darauf aufmerksam zu machen, dass man beim Kauf eines verdammten Glätteisens diese Woche 20 Prozent sparen kann? Richtigerweise ja "bis zu 20 %", also nicht einmal sensationell viel. Warum keine Collage mit mehreren Hammer-Schnäppchen zeigen, warum statt einer Auswahl an technischen Geräten dieses eine spezielle Produkt vorstellen? Hat man sich tatsächlich zusammengesetzt und entschieden: "Wir müssen unsere Black-Friday-Aktion bewerben, denn es haben noch nicht genügend Leute mitbekommen, dass wir diese Woche ohne Ende Rabatte gewähren. Einen richtigen Burner brauchen wir, ein Zugpferd, für das die garantiert überdurchschnittlich hairstyling-affine Leserschaft der FAZ sofort ihre Lektüre unterbrechen und bei uns vorbeisurfen wird!"? Bei der Besprechung in der Marketingabteilung hätte ich gerne Mäuschen gespielt. Oder war es die alleinige Entscheidung einer Einzelperson? In diesem Falle: Glückwunsch!

* Das ist indes nicht der teuerste Werbeplatz. Eine ganzseitige Anzeige auf S. 3 im Wirtschafts- oder S. 5 des Politikteils der Samstagsausgabe schlägt mit 88.760 € zu Buche.

Dienstag, 23. November 2021

US Food Test 2021 (5): Two cereals

Als erste von zwei Packungen aus diesem Segment öffnete ich Chips Ahoy!. Viel gibt es über dieses schon lange existierende Frühstücksmahl nicht zu sagen. Kekse. Es sind Kekse. Sie schwimmen in Milch, schmecken nicht übermäßig schokoladig und eignen sich am ehesten als Ergänzung zu anderen Schüssel-Zugaben. Ich verleihe faire 6 von 10 Punkten.


Sowohl schokoladiger als auch insgesamt spannender waren da schon die Lucky Charms mit Marshmallow-Stückchen. Solche Stückchen, wie ich sie schon in der Eiskremsorte "Rocky Road" als peppigen Gewinn liebgewonnen habe, machen die kultigen Cerealien mit dem berühmten Iren-Stereotyp-Maskottchen zu einem sündhaft albernen Tagesanbruchsvergnügen. Dafür gibt es von mir 8 von 10 Punkten.

Sonntag, 21. November 2021

Kurz notiert: Gladiolen

Habt ihr auch ein bestimmtes Wort oder einen bestimmten Namen, das/den ihr euch nie merken könnt? Bestimmt! Ich zum Beispiel kann mir nie den Namen des Schauspielers Woody Harrelson merken, obwohl ich mir sein Gesicht und die wichtigsten seiner Rollen nach Belieben ins Gedächtnis rufen kann. Kommt in einer Konversation aber ein Film zur Sprache, in dem Woody Harrelson mitgespielt hat, fällt mir meist nichts Gehaltvolleres ein als "Ah, da spielt doch der Dings mit ... der eine da, na? Äh, der Kiffer. 'True Detective', ihr wisst schon".

Zum Glück muss man den Namen von Mirliegtsaufderzunge nicht zu jeder Gelegenheit parat haben. Das trifft in noch stärkerem Maße auf ein Wort zu, das ich erst sehr spät in meinem Leben überhaupt kennengelernt habe: Gabione. Jeder hat sie schon mal gesehen: Gabionen sind jene meist grauen Drahtverschläge, die mit Steinen gefüllt sind und, z.B. in freudlosen Reihenhaussiedlungen, Hecken ersetzen. Sitze ich in einem Auto, das an einer dieser brutalistischen Grundstücksbegrenzungslösungen vorbeikommt, kann ich nicht schweigen und rufe etwaigen Mitinsassen zu: "Guckt mal, Gambiolen! Nee, wie heißt das?" Es will merr net in mein Kopp enei!

Als alter Dungeons-&-Dragons-Fan weiß ich aber immerhin, was ein Cambion ist.

Freitag, 19. November 2021

Ich möchte Teil einer Kaubewegung sein

Ich hatte mir vorgenommen, nicht mehr gar so oft über Knabbergebäck zu schreiben, aber das, was Funny-frisch derzeit veranstaltet, ist zu bedeutend, um in meine bescheidene fortlaufende Chronik nicht Eingang zu finden. Der selten enttäuschende Chips-Riese hat drei neue Sorten in die Regale gebracht, von denen eine dauerhaft im Sortiment bleiben soll. Und wir, die Konsumentinnen und Konsumenten, dürfen entscheiden, welche! "Chips-Tester 2021" heißt die noch bis Ende des Monats laufende Aktion (bewusst nicht verlinkt, weil die URL früher oder später tot sein wird).

Als erstes nahm ich diese Sorte mit nach Hause: Tom Yum Thai Style. Das Asia-Versprechen bleibt nicht unerfüllt, diese Dinger schmecken wirklich nach authentischer Thaiküche, fast schon zu sehr. Damit meine ich nicht, dass sie unangenehm überwürzt wären, auch ähneln sie in keiner Weise klassischen Krabbenchips, die hierzulande nicht jedermanns Sache sind; nur tritt das Ursprünglich-Kartoffelige, das meine Zunge nach wie vor erwartet, zu weit in den Hintergrund. Insbesondere die Zitronengrasnote ist wahnsinnig dominant. Zu ihr gesellen sich in milderer Konzentration Extrakte von Koriander, Kreuzkümmel, Limette, "Zitrusfrucht" (?) sowie Petersilie, was den "scharf-sauren Geschmack" (Packungstext) einerseits abfedert, andererseits schön rund macht. Wer sich mit der Schärfe thailändischer Gerichte normalerweise schwer tut, braucht keine Angst zu haben. Unterm Strich ein außergewöhnliches Produkt, das mir aber für Massentauglichkeit zu over the top erscheint. Damit kann ich vorwegnehmen, dass ich dieser Sorte den Vorzug gegenüber Kandidatin #2 geben würde, welche ich kurze Zeit später testete:


Hot Chili Mayo Style enthält u.a. Frischkäse-, Tomaten-, Chili- und Honigpulver (was es alles gibt!), schafft es aber ebenfalls nicht in die Top 5 der schärfsten Snacks, die ich je gegessen habe. Überhaupt würde ich sagen, dass die Betonung eher auf Mayo als auf Chili liegt, womit Reminiszenzen an einen anderen kartoffelbasierten Mayonnaise-Träger-Klassiker, i.e. Fritten, heraufbeschworen werden, die bei der Käuferschaft durchaus auf Anklang stoßen könnten. Da ich aber nicht der größte Mayo-Fan bin, würde ich wie gesagt mein Kreuz eher woanders setzen. (Trotzdem hab ich die Packung in zwei Sitzungen verschlungen.)

Tja, und Nummer 3? Zu Smoky BBQ Style kann ich leider nichts schreiben, denn bevor ich sie mir vornehmen konnte, waren sämtliche Spezial-Tüten aus meinem Stamm-Supermarkt verschwunden. Ausverkauft? Zurückgerufen? Eingestampft mangels Nachfrage? Auch anderswo konnte ich die mysteriöse dritte Sorte – von der ich vermute, dass sie das Rennen machen wird – nicht ergattern. An der offiziellen Online-Wahl teilzunehmen kann ich mir daher nicht anmaßen, meine Kurzeinschätzungen zu zwei Dritteln des Sondersortiments mögen genügen. Vielleicht liest ja jemand von Funny-frisch hier mit.

Mittwoch, 17. November 2021

Allez les (trop) bleus

Letzte Woche befasste ich mich kurz mit Seekriegsflaggen und stieß dabei auch auf die französische. 


Zweierlei machte mich stutzig. Zum einen die Asymmetrie: Warum ist der linke Streifen schmaler als die anderen zwei? Rasch war herausgefunden, dass tatsächlich alle drei Streifen unterschiedlich breit sind, das Verhältnis ist 30:33:37. Wikipedia erklärt diese 1853 getroffene Designentscheidung damit, dass die Streifenbreiten ebenmäßig wirken, wenn die im Seewind wehende Fahne aus einer gewissen Distanz erspäht wird. Außerdem solle die leicht übertriebene Breite des roten Balkens die Sichtbarkeit erhöhen, was mir irgendwie im Widerspruch zu erster Erklärung zu stehen scheint.

Zum anderen fiel mir natürlich der enorm dunkle Ton des Blaus auf. Stellt sich heraus: Dieses satte Marineblau ist das ursprüngliche! Präsident Valéry Giscard d'Estaing hatte die hellere Variante auf der Tricolore erst im Jahr 1976 als Annäherung zum Blau der EU-Flagge eingeführt, wobei von da an beide Versionen in relativ freier Verwendung nebeneinander existierten. Und jetzt kommt's! Gestern schickte mir ein Freund den Link zu einem Artikel mit der Überschrift "Macron dreht das Blau dunkler". Ohne offizielle Ankündigung und größeres Echo ist Präsident Emmanuel Macron nämlich Mitte 2020 wieder zum maritimen Blau der Revolutionszeit zurückgekehrt, indem er zunächst die Flagge auf dem Élysée-Palast austauschen ließ, auf der, nebenbei bemerkt, nun auch das Rot ein My dunkler ausfällt. Da die Verfassung von 1958 die Farben der Nationalflagge lediglich als "blau, weiß, rot" angibt, kann das amtierende Staatsoberhaupt offenbar nach Lust und Laune die Helligkeit justieren.

Unabhängig von politischen Assoziationen gefällt mir persönlich die dunklere Tricolore besser. Aber hätte Macron nicht wenigstens die paar Monate bis zum Tod seines hochbetagten Vorvorvorvorvorgängers warten können? Apropos: Giscard d'Estaing erblickte das Licht der Welt in Koblenz zur Zeit der Rheinlandbesetzung. Das lernte ich, als ich ebendort einen Gedenkstein sah, der am einstigen Ort des Geburtshauses des großen Europäers steht. Lernen ist toll!

PS: Seit meinem letzten Beitrag mit dem Label Flaggen sind zwei weitere notierenswerte Änderungen in Sachen Hoheitszeichen eingetreten. 1.) Die finnische Luftwaffe hat im vergangenen Jahr das immer noch gebräuchliche Hakenkreuz aus all ihren Emblemen entfernen lassen. 2.) In Afghanistan hängt seit der Machtergreifung der Taliban nun wieder überall die international nicht anerkannte weiße Emiratsflagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis, was den nunmehr 25. Flaggenwechsel seit 1880 darstellt. (Übrigens soll das erste schwarz-rot-grüne Modell 1928 von der Deutschlandfahne inspiriert worden sein.)

Montag, 15. November 2021

Metabuch

Herbst 2021: Facebook heißt jetzt "Meta". So verkürzt wurde der Sachverhalt zumindest von etlichen Nachrichtenmedien verschlagzeilt, er ist aber etwas komplizierter und für diesen Beitrag nebensächlich (er wurde dankbarerweise von Kollege C. Oettle in der Taz-"Wahrheit" völlig korrekt dargestellt). Das soziale Netzwerk wird jedenfalls seinen etablierten Namen behalten, und besonders ulknudelige Deutsche dürfen weiterhin vom "Fratzenbuch" sprechen.

Was aber ist oder war ein facebook? Die Frage impliziert bereits, dass das Wort eben kein reines Kunstwort ist, auch wenn der überwiegende Teil der Welt bei "Facebook" zuerst an social media denkt. Im Juni 2010 lernte ich durch eine (zu diesem Zeitpunkt auch schon ein paar Jahre alte) Folge von "Saturday Night Live", dass in den USA mit facebook ursprünglich Bücher bezeichnet wurden, in denen höhere Bildungseinrichtungen alle ihre Schüler/Studenten eines Jahrgangs mit Portraitfotos und ausgesuchten persönlichen Angaben aufführten bzw. aufführen; womöglich gibt es diese Jahrbücher vereinzelt noch. Tatsächlich erwuchs Mark Zuckerbergs Webseite ja aus dem (erfolgreichen) Versuch, dem echten Online-facebook der Uni Harvard etwas eigenes, Besseres entgegenzusetzen, was man wohl auch in David Finchers "The Social Network" geschildert bekommt, mir aber entgangen sein muss, als ich den Film – ebenfalls 2010 – im Kino sah.

Samstag, 13. November 2021

Im Märzen der Brauer

Neulich süffelte ich eine Flasche schmackhaften Märzenbieres von Hösl aus dem oberpfälzischen Mitterteich. Märzen trinke ich eher selten, und die Frage, woher die Bezeichnung kommt, hatte ich mir bis dahin nie gestellt. Das rückseitige Etikett versucht sie zu beantworten:


'Mooooment', dachte ich, 'wenn man will, dass das Bier bis zum Sommer hält, kann man es doch einfach später brauen! Beziehungsweise könnte man ja bereits im Februar ein noch stärkeres ansetzen und hätte seine Ruh.' Der Hersteller verschweigt hier freilich einen wesentlichen – in Süddeutschland womöglich allseits bekannten – Fakt: Bier durfte gemäß der bayerischen Brauordnung nur zwischen 29. September und 23. April gebraut werden. Aber weshalb? War das ein pseudo-bibelexegetisch begründetes Willkür-Dekret, wie man es von dem erzkatholischen Albrecht V. nicht anders erwarten würde? Weit gefehlt! Wikipedia: "Grund war die in den Sommermonaten erhöhte Brandgefahr beim Biersieden. Hinzu kam, dass die Herstellung des in Bayern beliebten untergärigen Biers Temperaturen von unter zehn Grad erfordert."

Na, zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Aber auch ein Glück, dass uns das Märzenbier erhalten geblieben ist. Prost!