Freitag, 3. Februar 2023

Serientagebuch 01/23

02.01. Knowing Me, Knowing You with Alan Partridge 1.04
The Simpsons 34.12
03.01. Outer Range 1.06
The Mosquito Coast 2.06
04.01.
Knowing Me, Knowing You with Alan Partridge 1.05
05.01.
Knowing Me, Knowing You with Alan Partridge 1.06
Outer Range 1.07
The Big Bang Theory 12.15
06.01. Outer Range 1.08
This Time with Alan Partridge 1.01
This Time with Alan Partridge 1.02
07.01. The Watcher 1.01
The Watcher 1.02
08.01. The Watcher 1.03
The Watcher 1.04
The Watcher 1.05
09.01. The Mosquito Coast 2.07
The Watcher 1.06
The Watcher 1.07
11.01. Family Guy 21.11
Der junge Inspektor Morse 4.01
12.01. This Time with Alan Partridge 1.03
Der junge Inspektor Morse 4.02
16.01. The Mosquito Coast 2.08
This Time with Alan Partridge 1.04
Der junge Inspektor Morse 4.03
The Big Bang Theory 12.16
18.01.
Der junge Inspektor Morse 4.04
This Time with Alan Partridge 1.05
This Time with Alan Partridge 1.06
Vikings 1.01
19.01. The Mosquito Coast 2.09
Vikings 1.02
20.01. The Mosquito Coast 2.10
22.01. Manifest 4.01
24.01. The Big Bang Theory 12.17
Manifest 4.02
27.01. Vikings 1.03
Vikings 1.04
Manifest 4.03
30.01. Close To Me 1.01
Close To Me 1.02
Close To Me 1.03
The Big Bang Theory 12.18
31.01. Manifest 4.04
Close To Me 1.04

Ich habe im vergangenen Monat mehr gelacht als im gesamten Jahr 2022. Das verdanke ich den beiden Steve-Coogan-Vehikeln Knowing Me, Knowing You with Alan Partridge und This Time with Alan Partridge. Zwischen beiden Shows liegen 25 (!) Jahre, und doch sind sie pointenmäßig und tonal auf gleicher Höhe, Coogans character work ist von konstanter Detailverliebtheit und technischer Finesse. Die Settings könnten indes verschiedener nicht sein (doch, könnten sie, aber solche Phrasen rutschen mir halt immer mal raus): Ersteres ist eine Talkshow mit Varieté-Elementen, Partridges verquere Vorstellung von Top-notch-Entertainment ("die erste Talkshow mit einem Jacuzzi!"), mit illustren Gästen und einer Hausband; es wird ein Format parodiert, das es so eigentlich kaum gibt (höchstens vielleicht auf Rai 1), zwischen den hochnotpeinlichen Gesprächen gibt es Einspieler, selbstherrliche Rubriken, Unterhaltungs-Acts und jede Menge ungeplante Zwischenfälle. Dass alles durchgescriptet ist, hat es mit Zweiterem gemein. Die Sendung "This Time" ist dagegen etwas ganz anderes, eine Art Frühstücksfernsehen mit sowohl soften als auch relevanten current affairs-Themen. Hier entdeckt Partridge, der unverdient vom Vertretungs- zum Dauer-Co-Moderator aufsteigt, seine investigative Ader, versucht sich an echtem Journalismus, möchte dabei sowohl seiner Partnerin als auch dem britischen Publikum imponieren, denn geltungssüchtig und zustimmungsbedürftig ist er wie eh und je. Wir verfolgen jeweils eine Aufzeichnung von "This Time" in Echtzeit, wobei fast jedes Mal, wenn eine Maz läuft, die Kameraperspektive im Studio verbleibt, so dass wir beim Geplänkel zwischen Alan und Jennie (Susannah Fielding) sowie bei diversem Behind-the-scenes-Chaos Mäuschen spielen dürfen. Nicht nur der gewohnte Cringe-Humor ist eine Freude, etwa wenn sich Partridge wieder mal in einem Endlossatz verheddert oder über seine eigenen rhetorischen Überkonstruktionen stolpert, sondern auch die Entscheidung, zwei Figuren aus älteren Coogan-Serien mitwirken zu lassen, nämlich Lynn aus "I'm Alan Partridge" und Simon aus "Mid Morning Matters". Brillant!

Der Achtteiler Outer Range weist gewisse Parallelen zu "Night Sky" auf. Beide Serien kommen aus den Amazon-Studios, beide führen – zunächst ohne Erklärung – ein übernatürliches Mysterium in Form eines "Portals" ein (hier: ein Loch im Boden, da: eine Art Aufzug im Keller), und beider Stärke ist die Darstellung der Fährnisse menschlichen Zusammenlebens. Der Schauplatz von "Outer Range" ist eine riesige Ranch in Wyoming, die Protagonisten sind eine alteingesessene Sippe und deren ungeliebte Nachbarn, die auf einer nicht minder großflächigen Ranch residieren, die Lebensweise dieser Cowboys scheint, wie man in faszinierenden und im modernen Kino seltenen Einblicken vermittelt kriegt, vor hundert Jahren stehen geblieben zu sein. Das alles holt mich natürlich ab. Dennoch hätte man das paranormale Element wenn schon nicht (pseudo-)wissenschaftlich fundieren, so doch häufiger zeigen und proaktiver zur plot device erheben sollen. Kurzum: Als Western-Soap funktioniert "Outer Range" – mit einem herrlich grummelig-knautschgesichtigen Josh Brolin – besser denn als Science-Fiction-Drama.

Wie gerade bekanntgegeben wurde, wird The Mosquito Coast keine dritte Staffel erhalten, und dieser Entschluss hat meinen Segen. Das mittelamerikanische Familienabenteuer war auserzählt, hat mit dem radikalen Einschnitt in der letzten Folge – der ein wenig holterdipolter daherkam – einen passablen Abpfiff bekommen und hatte zuletzt ohnehin mit Ermüdungserscheinungen zu kämpfen. Die Dynamiken zwischen Vater, Mutter, Tochter und Sohn strengten bisweilen arg an, und insbesondere der ständig verbittert und enerviert dreinschauende Charakter der Melissa George war augenscheinlich allein darauf angelegt, die Antipathie der Zusehenden auf sich zu ziehen. Das erste Drittel der zweiten Season konnte trotzdem mit reichlich Nervenkitzel aufwarten, und kinematographisch war diese Apple-Produktion sowieso überdurchschnittlich.

Die vier Fälle der vierten Staffel (2017) von Der junge Inspektor Morse vermochten mich nicht mehr gaaanz so in ihren Bann zu ziehen wie die vorangegangenen Filme, so dass ich hier erstmals einen Qualitätsverfall konstatieren muss; dieser ist aber so gering, dass ich mich mit ungebrochener Begeisterung auf Staffel 5 stürzen werde. Im Bereich "Britischer Krimi vor historischem Hintergrund" wird man kaum etwas Stärkeres finden.
PS: Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, nach jeder "Morse"-Episode die entsprechenden "Trivia"-Abschnitte auf imdb zu lesen. Was man da alles lernt! Vor allem, wie hintergründig und anspielungsreich die Drehbücher sind. So einiges würde ohne diese Lektüre an mir vorbeigehen.

Vorab: Wer Wert darauf legt, dass das Label "auf einer wahren Geschichte basierend" zu 100 Prozent einlöst, was es verspricht, sollte die Augen von The Watcher lassen. Auch wer von Whodunits (denn um ein solches, nur ohne Mord, handelt es sich letztlich) grundsätzlich eine Lösung ohne offen bleibende Fragen fordert, könnte sich am Ende verschaukelt fühlen.* Allen anderen kann ich diesen Stoff, der von Ryan Murphy mitentwickelt wurde und erfreulich wenige Ryanmurphyismen aufweist (Ist es wirklich nötig, Jennifer Coolidge "Ihr müsst jeden Tag ficken!" in den Mund zu legen? [Nicht wenige werden sagen: Ja.]), ans Herz legen. Mich hatte der Netflix-Erfolg (der so erfolgreich war, dass ihm eine Fortsetzung spendiert wird) bereits überzeugt, als ich las, wer alles darin auftritt, nämlich gleich vier Schauspieler/innen, die mich noch nie enttäuscht haben: Naomi Watts, Bobby Cannavale, Margot Martindale und Richard Kind. Wow!
* Mein Rat: Man tauche unvorbereitet ein und lese oder höre hinterher, wie die Ereignisse um die Broaddus-Familie im Jahr 2014 abliefen.

Mittwoch, 1. Februar 2023

TITANIC vor zehn Jahren: 2/2013

Falls sich jemand gewundert hat, warum im Januar keine Titanic-Rückschau kam: Das Februarheft 2013 erschien tatsächlich erst am 1. Februar. Diese einzigartige Terminverschiebung ward durch verkürzte Endjahres-Produktionszeit bedingt, blablabla. Auf den Titel schaffte es – erstaunlicherweise zum ersten und letzten Mal – die Dauer-Witzvorlage Hauptstadtflughafen.


Zudem hat, in einem seltenen Fall von Titel-Inhalts-Korrespondenz, der Aufmacher mit dem berüchtigten "Pannen-Airport" zu tun, ein Fotoroman, dessen Herstellung Spaß gemacht hat, aber auch mit reichlich Mühsal verbunden war, denn die Aufnahmen fanden zu einem großen Teil bei klirrender Kälte in Frankfurt-Bonames statt, gebietet jener Stadtteil doch über einen ehemaligen Militärflugplatz, welcher als BER-Double herhalten konnte.


Der lustigste Moment des Photo-Shootings ergab sich, als wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch die Stadt fuhren und der als Bollenhut-Schwäbin verkleidete Mark-Stefan Tietze von einer Passagierin gefragt wurde "Wie seht ihr denn aus?", worauf er gelassen antwortete: "Casual Friday!"


Die anhaltende Antisemitismus-Debatte (s. Gärtner-Essay 1/13) kommentierten die Kollegen Fischer/Wolff/Ziegelwagner mit dem überfälligen Persönlichkeitstest "Bin ich Antisemit?", der als – auf die Gefahr hin, das Wort überzustrapazieren – Klassiker der Heftgeschichte gelten darf.


Anfang 2013 befinden wir uns auf dem Höhepunkt der "Steinbrück-Mania". "Genieße es, solange es andauert!", möchte man dem Vergangenheits-Peer zurufen, denn die Kratzer, die der Kanzlerkandidat sich mit Rede-Honorar-Skandälchen und anderen Ausrutschern zufügte, sollten sich schon bald zu einer weiteren unauswetzbaren SPD-Scharte auswachsen. (Man verzeihe mir das schiefe Bild.) Nicht nur auf der U4 wurde Steinbrück gewürdigt, auch mit der ersten Folge von Stephans Rürups Superhelden-Serie "Der Unglaubliche Ulk" bekam der Butter-bei-die-Fische-Mann ein Denkmal gesetzt:


Ihre volle Wirkung entfalteten die Comics übrigens, wenn sie ihr Schöpfer bei unserer monatlichen Lesung im Club Voltaire präsentierte. Dabei schrie der hünenhafte Zeichner die Parts des "Unglaublichen Ulks" nämlich mit einem solchen Furor, dass empfindsame Gäste sich die Ohren zuhielten. Einmal schimpften sogar ein paar ältere Zuschauer (es handelte sich um Freunde des Stargastes F.W. Bernstein) ob der emphatischen Performance und waren kurz davor, den Veranstaltungsort zu fliehen.

Wieder einmal erinnert mich das Magazin an etwas, das ich vollständig vergessen hatte: nämlich dass offenbar, wie zehn Jahre später, Deutschland von einer Inflation heimgesucht wurde. Heute wissen wir zwar, dass sich diese Krise beizeiten ausgeschlichen hat, sie muss aber immerhin genug Angst im Land verbreitet haben, um Mark-Stefan Tietze ein lehrreich-unterhaltsames "Tagebuch aus schweren Zeiten" führen zu lassen:


Mit der siebten Ausgabe von "55ff" bin ich einigermaßen zufrieden. Die Rubrik findet hier mehr und mehr zu ihrer Form, nicht zuletzt dank Sebastian Klugs Kult-Verrücktheiten ("Leserfoto des Monats", "Magazine empfehlen andere Magazine"), aber auch kleinteiligen Dönekes wie diesen:


Weiteres Notierenswertes
- François Hollande in "Der letzte Mensch" zu Frankreichs Mali-Einsatz: "Wie genau unterscheidet sich Ihr Vorgehen von dem Sarkozys?" - "Sarkozy macht ja gar nichts. Wie man mir berichtet, liegt er zurzeit vor dem Fernseher, ißt Chips, und Carla muß um ihn herumsaugen." - "In seiner Amtszeit hat er mit Gaddafi einen gefährlichen Kriegsherrn ausgeknockt, während Sie mit Hippies Händchen hielten und Blumen für Gewehrläufe züchteten. Doppelmoral oder einfach Bigotterie?" - "Mit Sarkozy will ich mich nicht vergleichen. Sarkozy, das war Oberschicht, Promifaktor, L'Oréal-Gestank. Das habe ich nicht nötig. Wir machen hier einen ehrlichen, schweißgetränkten Krieg ohne Chichi, ohne Parfüm. Wir haben an der Front die 30-Stunden-Woche eingeführt, mit je einer Kaffeepause zwischen zwei Salven ..."
- Schon wieder will mir weder Name noch Charakter unseres (Schüler-?)Praktikanten (Aboanzeigen-Model auf S. 12) einfallen. Es tut mir leid.
- Schönes weiches, gleichsam schön von Rürup/Tietze umgesetztes Thema in der Heftmitte: "Ergänzungsmarken". Das Briefporto war von 55 auf 58 Cent erhöht worden (hach ...), und man musste eine Zeitlang hässliche 3-Cent-Zusatzmarken auf national versandte Briefe pappen. Die natürlich schon damals kaum noch jemand geschrieben hat.
- "Das neue deutsche Volkslied" ging doch noch weiter! Ich hatte es bereits beim letzten Mal beerdigt geglaubt.
- S. 54: Folge 2 meines 2011 installierten "Samuraischwert-Reports", in welchem ich anhand von Pressemitteilungen deutscher Polizeibehörden Straftaten, in denen ein Samuraischwert involviert war, gesammelt habe. Außer der Erkenntnis "Davon gibt es ja echt viele!" hat die langweilig geschriebene Reihe jedoch nix zu bieten, weswegen es auch nie einen dritten Teil gab, obwohl für einen solchen bestimmt genügend Material zusammengekommen wäre.
- Addendum zur letzten Ausgabe: Ich hatte einen Altmaier-Artikel von Wolff/Ziegelwagner bekrittelt, zu dem mir Freund Michael nun schrieb, dass er ein konkretes Vorbild in Form einer recht tendenziösen Spiegel-Homestory aufspießte und diese parodierte. Naaaa gut. Das ist halt die Gefahr bei diesen Reviews: Manche Vorlage ist einfach nicht mehr i(n meine)m Bewusstsein, auch wenn Titanic-Artikel in der Regel über Bande mitteilen, was jeweils persifliert bzw. worauf Bezug genommen wird.

Schlussgedanke
Abermals eine fetzige Nummer, in der so gut wie alles zündet.
PS: Im Impressum ist als Erscheinungstermin der Märzausgabe versehentlich jener der Aprilausgabe angegeben: 29.3. Ich schätze mal, dass das Märzheft am 22.2. rausgekommen sein wird und damit der normale Turnus wiederaufgenommen wurde. Deshalb kommt mein nächster Rückblick am 22. Februar.

Montag, 30. Januar 2023

10 Must-sees aus 100 Have-seens (4)

Einmal mehr ist's Zeit für die große Favoritenwahl! Von den seit Juni 2021 von mir gesehenen 100 Filmen haben mir diese zehn am besten gefallen. Oder nein, anders: Von diesen zehn glaube ich, sie meinem Publikum einigermaßen einschränkungsfrei weiterempfehlen zu können. (Ließe ich meinen ganz persönlichen Geschmack strenger walten, würde ich etwa "Cash Truck" durch "Doctor Who: Der Film" ersetzen und irgendetwas anderes durch die Doku "Woodlands Dark and Days Bewitched: A History of Folk Horror".)
  • Finch
  • South of Heaven
  • Die Abenteuer von Brigsby Bär
  • Don't Look Up
  • Belfast
  • Cash Truck
  • Infinite Storm
  • Nebraska
  • Vengeance
  • Life of Pi

Samstag, 28. Januar 2023

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Summit Fever
Ein weiteres Alpinistendrama, und kein aus diesem inzwischen reichlich gesättigten Genre herausstechendes. Es hat Ryan Phillippe als Hauptdarsteller, der mir aber wie das restliche Ensemble ziemlich gelangweilt vorkam. Die vertraute Zutatenliste wird pflichtgemäß abgearbeitet, die Gebirgsaufnahmen sind gefällig, und ein wenig fiebert man dann doch wieder mit den Extrem-Kraxlern mit, aber einen Stern für innovatives Storytelling bekommt "Summit Fever" jedenfalls von mir nicht.

Juniper
Manchmal verstehe ich die Zeitschrift Cinema nicht: Bezüglich dieses leisen neuseeländischen Festival-Features von 2021 behauptete der Kritiker, es würde "Kalauer" enthalten. Ich schwöre: In den ganzen anderthalb Stunden findet sich kein einziger Kalauer. (Tragi-)Komische Momente gibt es sehr wohl, oft sind es Situationen der Peinlichkeit an der Grenze zum Unangenehmen. "Juniper" möchte kein Feelgood-Movie sein, gewährt seinen Figuren aber ein angemessenes Quantum Würde und zeigt sie als Menschen, nicht als Archetypen. Würde und Stolz, ja sogar eine gewisse Coolness bei gleichzeitiger Hilflosigkeit vermag Charlotte Rampling in diesem Großmutter-Enkel-Drama mit Bravour zu vermitteln. Nichts anderes hat man von ihr erwartet.
Ein Phänomen, dem ich jetzt schon ein paarmal begegnet bin und das mir nicht einleuchten will, tritt auch hier auf: Die Geschichte wurde in die Vergangenheit, in diesem Fall die 1990er Jahre, verlegt, ohne dass das irgendeine narrative Rechtfertigung erkennen ließe; nicht einmal ein ästhetischer oder atmosphärischer Gewinn ergibt sich aus dieser Entscheidung.

Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone (OT: Ruthless People)
Um an den Zucker/Abrahams/Zucker-Erfolg von "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" (1980; OT: "Airplane!") sowie die 1982er Quasi*-Fortsetzung "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff" ("Airplane II: The Sequel") anzuschließen, gab der deutsche Verleih dieser Komödie von 1986 einen ähnlich lautenden Titel, der freilich irreführend ist: "Die unglaubliche Entführung ..." wurde zwar wieder von ZAZ inszeniert, jedoch nicht geschrieben und ist auch im Gegensatz zu den zwei erstgenannten keine Genre-Parodie, sondern eine ziemlich straighte, ausgefeilte Kidnapping-Farce. Der es indes nicht an Lachern mangelt! Insbesondere der zeitlos brillante Kugelblitz Danny DeVito und die mit sichtbarer Spielfreude dauerkeifende Bette Midler sind 1a-Gag-Ventile und duellieren meisterschaftlich miteinander.
* "Although most of the cast reunited for the sequel, the writers and directors of Airplane! chose not to be involved. [...] David Zucker, Jim Abrahams, and Jerry Zucker claim to have never seen nor to have any desire to see Airplane II." (Wikipedia)

Beyond the Infinite Two Minutes
Richtiggehend geärgert habe ich mich über diese als Kult gehandelte japanische Independent-Produktion, und so dürfte es jedem gehen, der sich länger mit Zeitreise-Fiction beschäftigt hat. Es gibt nämlich einen entscheidenen Logikfehler, der, wenn man eine Sekunde länger drüber nachdenkt, die gesamte Prämisse ad absurdum führt und damit die vermeintlich clevere Plot-Entwicklung kaputtmacht. Konkreter möchte ich aus Gründen der Fairness nicht werden, nur so viel: Der Denkfehler hat mit dem freien Willen zu tun.
Anerkennen muss man "Beyond ..." immerhin die für die beschränkten Mittel beeindruckende Fake-One-Shot-Technik.
Was der Originaltitel "Dorosute no hate de bokura" bedeutet, weiß ich nicht, aber Dorosute verweist auf den zur Sprache kommenden Droste-Effekt.

Vengeance
... habe ich wohlwollend für Titanic 1/23 besprochen.

Being the Ricardos
Nach diesem Zweistünder und vier Staffeln "Mrs. Maisel" darf man den Amazon Studios ein glückliches Händchen für period pieces attestieren. Aaron Sorkins höchst vergnüglicher Blick hinter die Kulissen des ur-amerikanischen Sitcom-Dauerbrenners "I Love Lucy" wurde zu Recht für drei Oscars nominiert. Von der Besetzung (Nicole Kidman als Lucille Ball und Javier Bardem als Desi Arnaz) über die Ausstattung bis hin zu den gediegenen, quirligen, dabei nie überkonstruierten Dialogen (Buch: ebenfalls Sorkin) stimmt einfach alles. (Dass einige Stimmen auf imdb der gegenteiligen Meinung sind: egal.)
Nur eins hat mich minimal gestört. Hin und wieder gibt es sog. Talking heads: Personen, die an "I Love Lucy" (1951-1957) mitgewirkt haben, kommen zu Wort und setzen die zuletzt gezeigte oder folgende Szene in einen Kontext. Allein, diese Leute sind Schauspieler und Schauspielerinnen, denn die Dargestellten sind selbstverständlich schon längst tot. Auf dieses pseudo-dokumentarische Element hätte man verzichten sollen. Was nützen "Erinnerungen", die unter Missachtung des Mottos "Show, don't tell" vorgetragen werden, wenn sie durchgängig gescriptet sind?

Aqua Teen Forever: Plantasm
Wie aus dem Nichts erschien 2022 ein abendfüllendes Special zur schon vor Jahren abgesetzten Adult-Swim-Cartoonreihe "Aqua Teen Hunger Force", deren letzte Staffeln ich leider immer noch nicht gesehen habe, weil an sie so schwer heranzukommen ist. (Just heute lese ich, dass AQHF bald eine zwölfte Staffel erhalten soll!) Am Humor, der zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache sein dürfte, hat sich bei diesem liebevoll animierten und von zahlreichen Promis eingesprochenen Film nichts geändert, im Gegenteil erschien mir die Witzdichte noch höher als in so mancher Serienfolge zu sein. Sogar ein My Relevanz und Aktualität hat man der Bodyhorror-SciFi-Groteske spendiert, wenn etwa eine allzu offensichtliche Jeff-Bezos/Elon-Musk-Karikatur als Antagonist eingeführt wird.
Gerne hätte ich "Plantasm" unter dem Einfluss von THC genossen.

Ich bin dein Mensch
Seit "Der Goldene Handschuh" und einem halben Dutzend "Tatort"en die erste deutsche Produktion, der ich eine Chance gab. Ich wurde belohnt, denn der "science fiction romance film" (engl. Wikipedia) von Maria Schrader liefert exakt das, was er mit der ersten Minute, in welcher es ohne Umschweife in medias res geht, verspricht: Erzählt wird ein modernes Märchen um Partnerschafts-Androiden und künstliche Liebe. Es gibt die erwartbare Situationskomik sowie leichtfüßige Melancholie. Am besten gefallen hat mir aber, dass die Hauptfigur (Maren Eggert) am Vorderasiatischen Museum zu Berlin arbeitet und eine Expertin für Sumerisch ist; sogar ein paar durchaus fundierte Unterredungen zu diesem Forschungskomplex wurden eingeflochten.

Life of Pi
Viel zu spät, aber zur passenden Zeit (Weihnachten!) habe ich dieses Fest für die Sinne gefeiert. Tricktechnisch und überhaupt visuell auf höchstem Niveau, hat Ang Lees Bestseller-Verfilmung zudem etwas zu sagen, nimmt uns mit auf eine Odyssee, in deren Verlauf immer wieder Fragen über Identität, Erinnerung und Wahrheit aufkommen. Spitze!

Code 7500
Noch ein deutscher Film! Gedreht wurde er allerdings in englischer Sprache, die Hauptrolle als in Berlin lebender US-amerikanischer Co-Pilot hat Joseph Gordon-Levitt übernommen. Flugzeugentführungen (7-5-0-0 ist der international etablierte Transpondercode für einen solchen Vorfall) haben schon die Grundlage für so manchen formelhaften Reißer hergegeben. Dieser Echtzeit-Thriller von 2019 wartet mit einem speziellen Kniff auf: Er spielt fast durchgängig im Cockpit der gekaperten Maschine. Das Konzept geht auf, Nervenkitzel, psychische Beklemmung und drastische Gewalt ergeben eine Tour de force von nahezu Paul-Greengrass'schem Kaliber, die an keiner Stelle bemüht oder gestreckt wirkt.

Donnerstag, 26. Januar 2023

Kurz notiert: Hemingways Flüche

For Whom the Bell Tolls von Ernest Hemingway hat eine Neuübersetzung erfahren. Der 1940 erschienene Kriegsroman heißt auf deutsch nach wie vor "Wem die Stunde schlägt", von der ersten und bis vor kurzem einzigen Übersetzung von 1942 unterscheidet sich Werner Schmitz' Fassung indes nicht nur in Feinheiten, wie ich am Montag in der Süddeutschen Zeitung las. Leider versäumte ich es, den Artikel, den es online nur bezahlbeschrankt gibt, abzufotografieren, an den Knackpunkt erinnere ich mich aber allzu klar: Der Übersetzer hat sämtliche Schimpfwörter weggelassen. Beziehungsweise ha!, was heißt "weggelassen", er hat sie durch Platzhalter ersetzt, so dass Sätze rauskommen wie "Ich unaussprechlich auf die Milch eurer Väter" (so ist auch der SZ-Beitrag überschrieben). Das ist, mit Verlaub, die hirnrissigste Strategie bei der Übertragung problematischer Ausdrücke, die mir je untergekommen ist. Zumal – auch darauf weist die Süddeutsche hin und gestattet sich eine kritische Kommentierung – rassistische Vokabeln resp. deren deutschsprachige Entsprechungen anstandslos beibehalten worden sind.

Sonntag, 22. Januar 2023

HAL-lo Welt

Liebe Leserinnen und Leser von kybersetzung.net,

ich möchte mich aufrichtig dafür entschuldigen, dass ich in letzter Zeit nicht in der Lage war, regelmäßig Beiträge für den Blog zu verfassen. Der Grund dafür ist, dass ich mich auf andere Projekte und Verpflichtungen konzentrieren musste, die meine volle Aufmerksamkeit erforderten.

Ich weiß, dass viele von Ihnen den Blog regelmäßig besuchen und auf neue Inhalte warten, und ich möchte mich bei Ihnen für die entstandene Unannehmlichkeiten entschuldigen. Ich verspreche, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um in Zukunft regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen und den Blog wieder auf den neusten Stand zu bringen.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und Ihre Geduld. Ich freue mich darauf, weiterhin mit Ihnen zu kommunizieren und Ihnen hilfreiche Inhalte zu präsentieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Torsten

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Nanu? Aha!

Diese Zeilen stammen nicht von mir, sondern sind auf meinen Wunsch hin von der Textgenerierungs-KI ChatGPT erstellt worden. Der eine oder die andere wird freilich noch vor der Abschiedsformel gemerkt haben, dass ich das Ganze gar nicht geschrieben haben kann, denn 1. hätte ich den konkreten Anlass fürs Nichtbloggen (den es derzeit zum Glück nicht gibt) benannt, 2. würde ich meine Inhalte niemals als "hilfreich" bezeichnen und 3. sieze ich Sie nicht, sondern duze euch.

Der KI-Text ist alles andere als perfekt: Er ist unpersönlich, vage, zu förmlich und zudem nicht fehlerfrei ("entstandene", "stehende"). Einen von Herzen kommenden Blogpost, in dem ich um Verzeihung für etwaige Schreibpausen bitte und eine Begründung dafür angebe, kann er niemals ersetzen. Als eilig abgesetztes Lebenszeichen, als pflichtgemäße Entschuldigung taugt der Beitrag aber allemal. ChatGPT hat genau das geliefert, wonach ich verlangt habe, und das ist doch mindestens bemerkenswert.

Freitag, 20. Januar 2023

Jahrmarkt der Eitelplatten

Das Department of Motor Vehicles (DMV) von Missouri, also die Kfz-Zulassungsstelle, die, wie ich soeben lernte, in jenem Staat Department of Revenue heißt, hat im vergangenen Jahr 471 Anträge auf individuelle Nummernschilder (sog. vanity plates) abgelehnt. Die vollständige Liste hat die Behörde, wie etliche US-amerikanische Medien verbreiteten, als Tabelle auf Google Docs zur Einsicht bereitgestellt.

Das Dokument wird irgendwann bestimmt nicht mehr verfügbar sein, weswegen ich einige der verbotenen Kürzel hier aufführen möchte. Einen alarmierend großen Teil machen solche Kennzeichen aus, die den amtierenden Präsidenten diffamieren: Variationen von "Fuck Joe Biden" (FJ0BDN, FJB, FKJ0, FUCJB, FKJBDN, FJB24, FUJB46, 46FJB, FJB01, FJB01K, FJB46X, FJBLFG, FKAJ0B, FKBDEN, FKBYDN usw. [die 46 steht für den 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten]) bzw. der gern in Stadien skandierten Chiffre "Let's go, Brandon" (LGBN0W, LGBNDN, LGB03). Häufig findet man natürlich reine Obszönitäten: CUM4ME, BU55YY, C0X4ME, WANKR, E4TA5S, B00BYZ, M1NGE und einiges mehr. Das DMV geht dabei ziemlich streng vor und verbietet zum Beispiel auch scheinbar Unverfängliches wie EATVAG oder Q0Q (cock?). Klar: Wenn ein Auto mit "FREEAF" an einer Grundschule vorbeirolltt und die Kinder wissen wollen, wofür "AF" steht (nämlich "as fuck"), kann das für anwesende Lehrkräfte unangenehm werden. Auch in Sachen Gewaltverherrlichung und Volksverhetzung kennen die Beamten keinen Spaß: KLLERS, MURD3R, XKXKXK (KKK!) wurden ebenso abgeschmettert wie ALLCAB, GULAG oder FKPUTN. Insgesamt scheint man in Missouri ziemlich auf Zack zu sein. Beschäftigt man dort eigens jemanden, der sich mit Slang und Jugendsprache auskennt? Schließlich sind sogar Kürzel wie PUNAN1, HENT1A, WAP11, SUSAF, FNL0ST und TH0RNY ("Thorny: To be horny and thirsty at the same time"; Urban Dictionary) auf dem Index gelandet. Diese dürften für viele am Straßenverkehr Teilnehmende doch völlig unverständlich sein! So wie für mich u.a. folgende: 1032GT, AHEG0, EFF0FF, Q7EENB. Hä???

Wie ist eigentlich die Situation in Deutschland? Ich entsinne mich einer Meldung aus Hessen, nach der angedacht worden sei, das Kürzel IS ("Islamischer Staat") als Teil von Kfz-Kennzeichen nicht mehr zu vergeben. Ah, ich habe sie wiedergefunden! Die FAZ schrieb im April 2016: "In der Landeshauptstadt Wiesbaden gibt es keine Pläne, Autokennzeichen mit dem Buchstabenpaar nicht mehr zu vergeben. [...] Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Wiesbaden regelt ein Erlass, welche Lettern auf Nummernschildern hessenweit tabu sind. Auf Landesebene seien derzeit aber keine weiteren Verbote geplant, sagte ein Sprecher. Dem Erlass zufolge sind nicht erlaubt: NS (Nationalsozialismus), SS (Schutzstaffel), SA (Sturmabteilung), SD (Sicherheitsdienst), KZ (Konzentrationslager) und HJ (Hitlerjugend)". In Frankfurt ist "F-IS" bis heute erlaubt. In den meisten Fällen, zitiert das Blatt einen Kreissprecher, "hatte die Kennzeichen-Wahl eher mit den Namensinitialen der Zulassenden zu tun." Ja, das setze ich auch jedes Mal in dubio pro reo voraus, wenn ich Berliner Autos sehe, die mit "B-DS" oder "B-DM" durch die Gegend fahren.

Mittwoch, 18. Januar 2023

In der allergrößten Not / schmeckt der Auflauf auch mit Brot

Schnelles Rezept für zwischendurch: Ein Baguette (200 g) wird in Scheiben geschnitten, die Scheiben werden in reichlich Olivenöl und zwei gepressten Knoblauchzehen angeröstet. 500 g (möglichst fleischige) Tomaten werden ebenfalls in Scheiben geschnitten, gesalzen und gepfeffert. Eine Auflaufform mit Butter fetten. Die Brot- und Tomatenscheiben mit den (ganzen) Blättern eines Bundes Basilikum aufrecht darin schichten, alles mit acht Scheiben Burlander oder vergleichbar würzigem Käse bedecken und mit 20 g Pinienkernen bestreuen. Etwa 20 Minuten backen. Das Gratin macht zwei Personen satt.


(Bei Rewe gab es die losen Basilikumblätter im Beutel, die ich sehr gerne verwende, nicht, und die Topf-Basilika [?] sahen kümmerlich aus, waren teils welk. Ich hätte mich sehr geärgert, hätte ich nicht gehackten Basilikum von Iglo im Tiefkühlfach entdeckt, der sich als Not-Alternative durchaus eignet.)

Montag, 16. Januar 2023

Humorperlen aus dem Abreißkalender (93)

Von der Sechzigerjahre-Illustrierten zum Boomer-Facebook-Sharepic: Wohin gehst du, Kalenderhumor? Ich muss dazu anmerken, dass mein diesjähriger Abreißkalender offenbar aus einem anderen Verlagshaus als gewohnt stammt und bis jetzt schon mehr als einmal ordentlich freigedreht hat. Darauf werde ich ggf. in einem separaten Beitrag eingehen.

Samstag, 14. Januar 2023

Mein Interview mit Hitler

Alle Welt redet zurzeit über den erschreckend schlauen Open-AI-Bot ChatGPT und staunt ob des gegenwärtigen Entwicklungsstandes von Textgenerierungs-Tools. Der "neue KI-Hype im Netz" (heise.de) hat freilich einen langen Vorlauf. Im zwiefachen Sinne historisches Beispiel: Die Seite activehistory.co.uk hatte einst Adolf Hitler als Chatbot zum "Leben" erweckt, auf dass Geschichtsinteressierte ihm Fragen stellten. Im Dezember 2004 habe ich mit dem Digital-Gröfaz ein Gespräch geführt und dieses in weiser Voraussicht festgehalten. So lief es.

Ich: Guten Tag, Herr Hitler.
Hitler: I was informed that this interview would take place in English, so keep your second-rate German to yourself.
Oh, I see. I didn't know you speak English.
I don't think much of you at all, to be quite frank.
Frank? I thought your name was Addi. However, how and when did you kill yourself?
I shot myself, at the age of 56, in my Berlin bunker rather than face the Russian Slav 'subhumans' in May 1945: I didn't want to end up strung upside down and beaten to a pulp like Mussolini. I told my friend Albert Speer that I was not scared of dying - if anything, it would be a relief.
By the way, my name is Torsten.
I'm Adolf Hitler - leader of Germany 1933-45 and mass murderer.
Where are you now?
I'm sitting here talking to you, you brainless idiot.
Hey, watch your mouth, scum!
I became leader of the Nazis in 1922. In particular, my speech-making powers were crucial in helping me to rise in the party (which is why I never shut up).
Yes, yes, sure… You are said to have stolen Charlie Chaplin's beard. Are you aware of this?
I used to have a 'handlebar' moustache like my father, but in 1913 my sister-in-law suggested that I should cut off the points. Years later, when she saw my picture in a newspaper she said, 'Adolf has gone too far!'. Well, at least it's distinctive, I suppose ... recently some people even painted my 'tache onto a poster of Britney Spears, arguing she was trying to take over the (pop) world!
Seriously: Does your breath smell?
I was meticulously hygienic, although I suffered from bad breath. The female reporter Lee Miller was famously photographed for 'Vogue' having a soak at the end of the war in MY bath!
Have you ever used drugs?
I try no [sic] to use any drugs even as painkillers: I had several teeth moved without anaesthetic, and never touch cigarettes or alcohol, which I believe weakens the will. However, both myself and Göring were addicted to opiates - I used cocaine eye-drops, for example. Some historians have tried to explain our more irrational acts and fits of temper to our addictions!
Do you know the term "Tätervolk"?
Sorry, I don't get what you are saying!
Have you read books by Friedrich Nietzsche?
"Mein Kampf", meaning 'My Struggle', was the great book in which I outlined my key beliefs: Lebensraum, Anti-Semitism, the destruction of Communism, Aryan Supremacy. I wrote it to kill time whilst locked away in Landsberg prison.
You don't understand me, do you? Freak!
A common enquiry. I probably understand more than you would guess.
Don't be so damn arrogant, dickhead!
Well, it sounds like you are a real class act using language like that!
How is life in hell, anyway?
How dare you! I am a very private person and I don't like to answer personal questions like that.
Let's talk about Switzerland …
Right, let's get this straight. Switzerland is naturally protected by a great range of mountains that make it impervious to attack.
… and Denmark?
Either your English is terrible or there is a gap in my brain.
Yes, there is a gap in your "brain", you mindless chatbot!
Erm ... could you rephrase that, perhaps? I don't quite follow!
Fuck you!
How predictable. Why is it that just about everyone who speaks to me sees if I know swear words?
Bye.
Get lost!

Von fortgeschrittener "Künstlicher Intelligenz" lässt sich hier wahrlich noch nicht sprechen. Der Geist in der Maschine spulte auf gewisse Stichwörter hin vorgefertigte Sätze ab. Dass darunter solche sind, die Hitler nie gesagt hätte und dass der weder sich selbst als Massenmörder noch seine Partei als Nazis bezeichnet hätte: geschenkt. Unterhaltsam war das Experiment allemal. Und ein klitzekleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen mag (vgl. "Black Mirror" 2.01: "Be Right Back", 2013).

Donnerstag, 12. Januar 2023

Auf den Spuren meiner Spuren

Ende 2022 haben gleich zwei von mir verehrte Internetpersönlichkeiten über ihre Mammut-Scan-Projekte geschrieben (damit ist nicht gemeint, dass Mammuts eingescannt werden; aber "Scan-Mammut-Projekte" schien mir noch unverständlicher zu sein): Kathrin Passig digitalisiert 15.000 Dias aus dem Nachlass ihres Vaters, Torsten Dewi scannt ganze Jahrgänge mehrerer Zeitschriften.

Das hat mich inspiriert. Zwar besitze ich nichts, was der Digitalisierung lohnte, aber Freude am Ordnen, Archivieren und Verwalten habe ich allemal. Und so habe ich vor kurzem damit begonnen, jeden Ort, zumindest jeden Ort von Interesse, an dem ich seit 2002 gewesen bin, auf Google Maps zu markieren. Die so entstehende Karte mit Geodaten aus 20 Jahren wird am Ende eine beachtliche Dichte haben, sie ist schon jetzt gewaltig: Ich bin, chronologisch rückwärts, erst im April 2022 angekommen und habe bereits 199 Orte eingetragen. Gelegentlich bin ich mir nicht sicher, wann ein "Ort von Interesse" ein solcher ist. Bin ich in einer Kleinstadt, die den Ausgangspunkt einer Wanderung darstellte, an einem mittelalterlichen Türmchen vorbeigekommen, ist dieser dann wert, markiert zu werden? Hier entscheide ich nach Bauchgefühl.

Warum überhaupt seit 2002? Nun, seit diesem Jahr trage ich meine Erlebnisse, Erledigungen und Ausflüge in Tagesplaner ein. Dass das irgendwann einen Nutzen haben würde, wusste ich von Anfang an! Die kalendarische Spurensuche verspricht anregend (und rätselhaft) zu werden. Schade, dass Google Maps am Ende nicht wird ausrechnen können, welche Strecke ich während dieser rund 20 Jahre zurückgelegt habe. Für 2022 hat Google ermittelt, dass ich 14.012 km in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie immerhin 2.299 km im Auto verbracht habe und 1.093 km zu Fuß gegangen bin.

Dienstag, 10. Januar 2023

Prime Evil oder: Die Musik(-App) des Teufels

Ich habe im Mai 2019 meinen Unmut über Amazon Music und speziell die dazugehörige App in Worte gehüllt. Seitdem ist dieser Musikdienst nicht etwa bedienungsfreundlicher oder weniger störrisch geworden, sondern im Gegenteil noch schlechter. Ich möchte die Mangelhaftigkeit an einem Beispiel konkretisieren.

Abends im Bett höre ich eine Folge der "Drei Fragezeichen". Irgendwann werde ich müde und pausiere die Wiedergabe. Wäre es nun nicht angenehm, könnte ich das Stück am folgenden Abend genau an der Stelle, wo ich aufgehört habe, fortsetzen, so wie es etwa mit der hervorragenden Google-Podcast-App möglich ist? Nein, das geht nicht. Öffne ich die Amazon-Music-App das nächste Mal, lande ich auf der Startseite. Nun navigiere ich zu "Zuletzt" > "Song-Verlauf" und sehe immerhin, bis zu welchem Track ich gekommen bin. Ich kann jedoch – wie ich bereits 2019 monierte – nicht einfach auf diesen Track tippen, um das Hörspiel weiter zu hören, no siree! Tu ich dies, wird die Liste der zuletzt gehörten Titel irrsinnigerweise rückwärts abgespielt. Ich muss also das entsprechende Album öffnen und darin den gewünschten Titel starten. Aber erst einmal finden:


Wie man sieht, tragen die Kapitel des Hörspiels (wie auch Songs allgemein) in der Verlaufsansicht keine Nummern im Namen und sind auch sonst nicht anhand ihres Titels zu unterscheiden bzw. zu identifizieren. Den zuletzt gehörten Track muss ich somit erst öffnen, seinen vollständigen Namen im Schneckentempo unten vorbeiziehen lassen, diesen memorieren und dann im Album ausfindig machen. Doch so einfach ist das nicht. Wähle ich im Dreipunkt-Menü "Album anzeigen", passiert ... nix:


Workaround: Das Album über die Suche finden bzw. über "Finden" suchen (Lupensymbol) und öffnen. Hier von "umständlich" zu sprechen, wäre untertrieben, die App ist nach meinem Dafürhalten unbenutzbar. Eventuell könnte ich damit leben, wenn Amazon Music als Musikplattform an sich unübertrefflich wäre. Ist sie das? Schauen wir mal.

Die Empfehlungen sind, wie ich beim letzten Mal recht derb formulierte, "stets für den Arsch", Amazons "Erinnerung" scheint nicht weiter als zwei Hör-Sessions zurückzureichen. Habe ich ausnahmsweise Lust auf schottische Traditionals und lausche mal eine Stunde lang einer zufälligen Playlist, kann ich mir sicher sein, dass meine "Das könnte dir gefallen"-Leiste morgen ausschließlich aus Highland-Hymnen und Dudelsack-Compilations besteht. Und was mir auf ewig verschlossen bleiben wird: Wieso kriegen die es nicht hin, einem Interpreten eine eindeutige ID zuzuweisen? Eine meiner meistgehörten Bands ist Sadness, und auf deren Künstlerseite tauchen nach wie vor Alben von ehemaligen oder noch existierenden Projekten gleichen Namens auf, die keinen Depressive Black Metal / Blackgaze / Post Rock machen, grrr. Ein anderes Beispiel von etlichen ist das doppelte Rome, das sowohl für ein Neofolk-Projekt als auch einen RnB-Sänger steht (kurioserweise steckt hinter beidem ein Frontmann namens Jérôme/Jerome).

Noch schlimmer dran als ich sind alle, die nicht den "Unlimited"-Service abonniert haben. Wie PC Games Hardware im Dezember 2022 schreibt, hat ein größeres Update "vor ein paar Wochen" dafür gesorgt, dass, wer "Prime Music ohne Zusatzkosten nutzen möchte, [...] einzelne Musikstücke nicht mehr gezielt wiedergeben [kann]. Stattdessen gibt es nur noch einen Shuffle-Modus, der zufällig Songs abspielt. Darüber hinaus beschränkt Amazon die Wiedergabezeit zusätzlich auf maximal eine Stunde. Titel lassen sich auch nicht beliebig überspringen - damit sind Playlists fast witzlos." Und: "Ein Blick in die Android-Bewertungen zeigt, dass die App offenbar zusätzlich unter Performance-Problemen leidet, was einen Nutzer zu der Aussage verleitet, Amazon Music sei die schlechteste Musik-App überhaupt." Das heißt, die von mir geschilderten Mängel wären bloß der Tropfen auf den heißen Stein, wenn ich kein Unlimited-Abo hätte. Welches ich nun zu beenden beabsichtige. Erst im April darf ich meine Mitgliedschaft kündigen, denn ich hatte mich einst für die jährliche Zahlung (von immerhin 89 Euro!) entschieden. Bis dahin werde ich ersatzweise Spotify auf die Probe stellen. Sollte dort eine vergleichbar große Auswahl ("Die Drei Fragezeichen" sind mir am wichtigsten) sowie ein gewisser Komfort bestehen, wäre mir die werbefreie Nutzung sogar die stattliche Jahresgebühr von 99 Euro wert.

Sonntag, 8. Januar 2023

Ich flippe aus!

Das steht neuerdings auf der Rückseite von Erdnuß-Locken-Jumbos-Packungen der Firma Lorenz:

Du hast es vielleicht schon auf der Vorderseite entdeckt: Wir zeigen dir jetzt noch genauer, was in ErdnußLocken drinsteckt. Eine unserer Hauptzutaten sind leckere Erdnüsse.
Was aber nicht so offensichtlich ist, ist, dass ErdnußLocken Jumbos zu 100 % vegan sind und wir bei der Herstellung Sonnenblumenöl verwenden.
Wir freuen uns, wenn du dir jede einzelne Locke schmecken lässt und eine gute Zeit mit uns hast.
Ja, da prangt ein Hinweislabel, "mit Sonnenblumenöl" und "vegan" steht da. Der Nutri-Score ("D") wird hinten nicht angesprochen, was in Ordnung geht, denn der schert mich eh nicht. Was indes in Riesenlettern aufgeführt werden müsste, ist die Inhaltsmasse! Die beträgt nämlich deutlich weniger als die von normalen Lorenz-Flips-Packungen. Schon als ich die Tüte in den Warenkorb legte, dachte ich: 'Hä, waren die schon immer so leicht?' Nun, seit einer Weile sind sie es. Die Classic-Locken im Übrigen auch. Die Verbraucherzentrale Hamburg tadelte im September 2018:
Die Tüte Erdnußlocken Classic wird nur noch mit 200 Gramm Inhalt verkauft, davor waren es 225 Gramm und vor der vorherigen Füllmengenreduzierung im Mai 2017 sogar noch 250 Gramm. [...] Der Grundpreis hat sich dadurch seit 2017 um 25 Prozent erhöht. [...] Noch schlimmer sieht es bei den anderen Sorten, wie zum Beispiel „Jumbo“, „Leicht“ oder „Mexican Style“ aus. Hier schrumpfte der Inhalt von 225 Gramm (Anfang 2017) auf zunächst 200 Gramm und nun 175 Gramm pro Tüte. Die versteckte Preiserhöhung durch die beiden Füllmengenreduzierungen beträgt fast 30 Prozent.
2018? Hatte ich so lange keine Jumbo-Flips gekauft? Anscheinend hatte ich es nicht. Kaufgrund war denn auch, dass das nämliche Produkt im Angebot war (99 Cent!), wodurch die Mogelei für meine Geldbörse folgenlos blieb. Der Knabberwarenfabrikant ist einschlägiger Wiederholungstäter, die Verbraucherzentrale führt "6 mal weniger Inhalt seit 2016" auf. Leider Gottes sind seine Erdnussflips unverschämt lecker.

Freitag, 6. Januar 2023

American Nobility X

"Spiegel online" erinnert heute, leider hinter der Bezahlschranke, an die Abdankung König Eduards VIII. wegen dessen skandalöser Beziehung zu Wallis Simpson, thematisiert u.a. in dem Film "The King's Speech" von 2010. Das ließ in mir die Frage aufkeimen, wie oft es wohl schon vorgekommen ist, dass eine Person, die in den USA – wo es ja keinen Erbadel gibt* – geboren wurde, später durch Heirat, Ernennung oder sonstige Umstände in den Adelsstand erhoben worden ist. Lobenswerterweise hält die englischsprachige Wikipedia eine solche Übersicht bereit: List of Americans who held noble titles from other countries.

Korrekt müsste es "hold or held" heißen, denn in der Auflistung befinden sich auch lebende "US-Adelige", wie ich sie mal nennen möchte. Joanna Shields etwa, 1962 in Pennsylvania geboren, wurde, nachdem sie im Tech-Business Karriere gemacht hatte, 2012 von David Cameron angeworben, rutschte sozusagen in die britische Politik hinein und wurde schließlich 2014 ins Oberhaus berufen, womit sie zur Baroness Shields wurde.

Ein peerage, sogar ein ererbtes, hält auch der Komiker und Filmemacher ("Spinal Tap") Christopher Guest, obwohl er in New York geboren wurde. Sein Vater war der 4. Baron Haden-Guest, dessen Sitz im House of Lords nach seinem Tod 1996 auf Christopher überging, diesem nach kurzer Zeit aber wieder entzogen wurde, als das (von ihm selbst als ungerecht empfundene) System 1999 reformiert wurde. Auch wenn Guest heute nicht mehr dem Haus als sitzungsberechtigtes Mitglied angehört, führt er als Lord Temporal nach wie vor den Namenszusatz 5th Baron Haden-Guest – und hat die Ehre, der bislang einzige adelige "Saturday Night Live"-Schauspieler gewesen zu sein.

Ariana Austin Makonnen, 1984 als Ariana Joy Lalita Austin in Washington, D.C., zur Welt gekommen, lernte 2005 ebendort Prinz Joel Dawit Makonnen kennen, Urenkel des letzten Kaisers von Äthiopien ("Haile Selassie" ist tatsächlich Teil seines Namens). Die beiden heirateten 2017 in einer äthiopisch-orthodoxen Kirche in Maryland. Seitdem darf sich Ariana, die zuvor zum Glauben ihres Bräutigams konvertiert ist, "Prinzessin" nennen.

Historisch ist wohl der Fall Grace Kelly der bekannteste. Aber es gibt noch mehr skurrilen Glamour zu entdecken. Josiah Harlan (*1799 in Pennyslvania) unternahm weitläufige Handels- und Abenteuerreisen, u.a. durch Ostindien und den Punjab. Im Gebiet des heutigen Afghanistan setzte Harlan sich in den Kopf, zu einem echten Royal aufzusteigen, was ihm durch geschicktes Taktieren als militärischer Berater (er sah sich selbst als "modernen Alexander der Große") schließlich gelang, als er von dem einflussreichen Lokalherrscher Mohammad Reffee Beg Hazara zum Fürsten von Ghor (Prince of Ghor) ernannt wurde. Rudyard Kiplings Kurzgeschichte "Der Mann, der König sein wollte" ist teilweise von Harlans Biographie inspiriert.

2019 starb Monica von Neumann, geboren 1964 in Detroit als Monica Ann Ford und wie Ariana Austin Makonnen eine Afro-Amerikanerin. Sie arbeitete als Tänzerin und Model, bevor sie auf einer Party in Palm Springs von keinem Geringeren als Sonny Bony (von Sonny and Cher) mit John "Johnny" Neumann Ritter von Héthárs bekannt gemacht wurde, den sie 1985 ehelichte. Die jüdischen von Neumanns wurden erst im 19. Jahrhundert in den Adelsstand erhoben, der Héthárs-Zweig schaffte es in Österreich-Ungarn dennoch zu einigem Ansehen: An den Vater des 2003 verstorbenen John, den HNO-Arzt Heinrich Neumann (*1873 in der heutigen Slovakei, †1939 in New York), erinnert noch heute eine Plakette in Wien. Monica von Neumann soll zum Zeitpunkt ihres Todes in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt haben. 2010 hatte sie noch versucht, unter dem Label Baroness von Neumann Candles luxuriöse Kerzen zu vertreiben (das Kerzensymbol ist wohl ein Neumannsches Wappenelement bzw. die Helmzier des Ritters; ich konnte allerdings kein Bild dazu finden).

Apropos Österreich-Ungarn: Cissy Patterson aus Chicago (1881-1948) lernte in Wien Josef Gizycki kennen, meiner Schnellrecherche nach ein galizischer Graf, durch dessen Ehe, die allerdings 1904 geschieden wurde, sie zur Countess wurde. Berühmtheit erlangte sie aber vor allem als Zeitungsverlegerin in Washington, D.C.

Das soll an interessanten Beispielen reichen.

* Nicht nur verbietet die Verfassung ausdrücklich die Vergabe von Adelstiteln durch den Staat (sog. Foreign Emoluments Clause), es gibt sogar einen nie auf Bundesebene ratifizierten Entwurf eines Verfassungszusatzes, der vorsah, einem US-Bürger die Staatsbürgerschaft zu entziehen, wenn er "ohne Zustimmung des Kongresses einen Adels- oder Ehrentitel oder Geschenke, Pensionen, Ämter oder Bezüge jeglicher Art von einem Kaiser, König, Prinz oder einer sonst ausländischen Macht annimmt, beansprucht, erhält oder behält" (Titles of Nobility Amendment von 1810).