Mittwoch, 15. August 2018

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Es war wieder sehr, sehr anstrengend. Zweidrei waren passabel, den Rest hätte ich mir besser erspart.

Gold
Trotz Matthew McConaughey kein Bringer, dennoch angenehmer zu schauen, da weniger hysterisch, als "The Wolf of Wall Street", dem "Gold" stellenweise merklich nacheifert. Die Story, auf der das Script basiert, ist als Lehrstück über menschliche Gier durchaus faszinierend, und das Setting (Indonesien in den Achtzigern) nicht ohne Reiz.

Auslöschung
Ein Paradebeispiel für Potential und Macht von Streamingdiensten: Weil Alex Garlands Romanverfilmung bei Testvorführungen als zu abgefahren (oder zu anspruchsvoll?) durchfiel, sah man von einem theatrical release ab und entschied sich für eine Netflix-Ausstrahlung. Nach vormoderner Verwertungslogik und -tradition wäre das außergewöhnliche Science-Fiction-Abenteuer mit Natalie Portman im Giftschrank verschwunden, quasi ausgelöscht worden.

Hell or High Water
Raubzug-/Familiendrama-Neowestern, dessen Hauptfiguren mir egal bis unsympathisch waren. Allein die trostlosen Kulissen bleiben halbwegs im Gedächtnis hängen.

The Death of Stalin
Namhafte, komikgeschulte Männer spielen namhafte, komik-unaffine Sowjets, und die schauspielerischen Leistungen des Ensembles (u.a. Steve Buscemi, Jeffrey Tambor, Michael Palin) sind denn auch das einzige, was "The Death of Stalin" vor dem Prädikat "Rohrkrepierer" rettet. Der Armando Iannucci eigene Dialogwitz scheint mir bei tatsächlich existiert habenden Figuren schlechter zu funktionieren, zudem kann sich diese Farce nicht recht zwischen historischer Akkuratesse und überbordender Karikierung entscheiden. Ein schlecht durchgezogener Borschtsch.

Toni Erdmann
Puh! Mag sein, ich begebe mich auf dünnes Eis, wenn ich sage, dass mir nie eine Oscar-Nominierung schleierhafter gewesen ist. Ist aber so! Gelacht habe ich nur zu Beginn der Nacktszene. Aber bis dahin muss man sich durch fast drei Stunden Belanglosigkeit quälen, die einmal durch eine aus dem Nichts kommende Ekelszene unterbrochen wird und mehrmals mit bemühter Melancholie angedickt wird, die mich wiederum überhaupt nicht packt. Wenn mir nach gut gemachter Depressions-Comedy zumute ist, schaue ich "BoJack Horseman".

Der Clou (OT: The Sting)
Auch so ein Klassiker, den man wohl mal gesehen haben muss (allein schon wegen "The Entertainer"). Vielleicht sind meine Ansprüche an das Heist-Genre zu hoch, welches seitdem etliche gelungene Vertreter hervorgebracht hat, vielleicht lag es abermals an der Überlänge (129 Minuten!), jedenfalls habe ich mich mehrmals dabei erwischt, wie ich beim Gucken am Handy rumspielte und mir wünschte, die angestaubte Gaunerschnurre wäre endlich vorbei; ob der Clou erfolgreich oder -los über die Bühne geht, war mir wurscht.

Hail, Caesar!
Ein für die Coen-Brüder reichlich zahnloses Stück (FSK: 0) aus der Traumfabrik of yore. Erwartet hatte ich eine Mischung aus "Maps to the Stars" und "Ray Donovan". Egal, Geschichten aus dem Old Hollywood sehe ich immer gern. Der wahre Kern liegt hier in der Arbeit des sog. "Fixers" Eddie Mannix, den wir bei der Erledigung seine diversen Problemlösungen verfolgen. Die weiteren Charaktere (hochkarätigst besetzt!) sind fiktional, aber satirisch an Schauspiellegenden und sonstige Showbiz-Protagonisten angelehnt. Besonders amüsant: die kommunistische Autorenzelle, die Klatschreporterinnen-Zwillinge (Tilda Swinton) und der dümmliche, von Channing Tatum verkörperte Gene-Kelly-Verschnitt.

Fargo
Und wo ich schon einmal bei Ethan und Joel Coen war, habe ich gleich deren Gesellenstück "Fargo" nachgeholt. Gilt zurecht als Kult, ich finde aber die gleichnamige Serie (also die 1. Staffel von 2014) noch runder.

Finsterworld
Die episodenhafte Gesellschaftssatire (?) von Frauke Finsterwalder, die zusammen mit Christian Kracht, ihrem Ehemann, auch das Drehbuch geschrieben hat, ließ mich lange darüber sinnieren, was hier wohl die Botschaft sein könnte. Ich habe bis heute keine Antwort gefunden. Der (mehrfach ausgezeichnete) Film ist zynisch, abstoßend, gestelzt, unlustig, verteidigt die Gemeinen, bestraft die Wohlgesinnten und verarscht das Publikum (mich zumindest). Ätzend.

Im Namen des Vaters
Nachdem Daniel Day-Lewis sich nun leider in den Ruhestand verabschiedet hat, bleibt uns nur, immer wieder sein Vermächtnis zu würdigen. "In the Name of the Father" aus seiner mittleren Schaffensphase ist ein bestenfalls mit "ausreichend" zu bewertendes Gefängnisdrama (und once again: viiiiiel zu lang; warum 133 Minuten?!), in dem sich Day-Lewis immerhin an zwei Stellen austoben kann und in "There Will be Blood"-Manier brillant überschnappt. Die politische Stoßrichtung ist eindeutig pro-irisch, wozu ich allerdings keine ausgeklügelte Meinung habe.

Montag, 13. August 2018

Ode an Verkaufsstände für Getränke und Dinge des sofortigen Bedarfs

Wasserhäuschen, Wasserhäuschen,
bei dir macht man gern ein Päuschen.

Spätshop, oder vulgo: Späti,
bei dir kaufen Hinz und Plethi.
Doch auch Krethi sowie Kunz
holen bei dir was "Gesund's".

Bude, oder besser: Büdchen,
bei dir kühl' ich mir das Mütchen.

Auf "Kiosk" reimt sich leider nichts.
Und darum: Ende des Gedichts.

(Ich weiß, dass Max Goldt schon einmal die Hinz&Kunz/Krethi&Plethi-Vertauschung gemacht hat, aber bei mir war sie metrisch und reimtechnisch unvermeidbar.)

Dienstag, 7. August 2018

Traumprotokoll: Unangeleinte Tiere

Ich war im Urlaub in einem nordfranzösischen oder südenglischen Fischerdorf (diesen Eindruck machte die Szenerie jedenfalls) und schlenderte gedankenverloren einen menschenleeren Fußweg entlang. Da kamen plötzlich zwei Löwen um die Ecke, sprangen mich an und verbissen sich in meinen Extremitäten, während ich brüllte (wie ein Mensch, nicht wie ein Leu). Ob ihr Endziel darin bestand, mich aufzuessen, weiß ich nicht, denn ich wachte vorher auf.

Das war der kürzeste Albtraum seit dem mit den Leguanen.

Sonntag, 5. August 2018

This was a triumph

In der aktuellen Ausgabe der GameStar hat die Redaktion eine – wie sie selbst zugibt, höchst subjektive – Liste der 250 besten Spiele aller Zeiten veröffentlicht. Ich bin mit den Top 10 im Großen und Ganzen einverstanden. Auf Platz 1 wurde *Trommelwirbel* Valves 2007er Meisterwerk "Portal" gewählt. Ich selbst war bis dahin unentschieden, ob ich "Half-Life 2" (Platz 3) oder "Portal" als mein Lieblingsspiel bezeichnen würde, aber nun schließe ich mich dem Urteil des Magazins an. "Half-Life 2" mag der perfekte Shooter sein, aber es ist halt "nur" ein Shooter. "Portal" hat nicht weniger als ein eigenes Genre begründet, zumindest möchte ich behaupten, dass es vorher keinen vergleichbaren Action-Puzzler bzw. Rätsel-Actioner oder wie auch immer gab. Wenn ich eine einzige popkulturelle Erfahrung aus meinem Gedächtnis löschen könnte, dann würde ich die Erinnerung an meinen ersten "Portal"-Run tilgen, nur um das Spiel noch einmal jungfräulich und komplett unbedarft genießen zu können. Die langsame Gewöhnung an das geniale Teleportationsprinzip, die ersten Erfolgserlebnisse, die Witze, die sich überschlagende Handlung, und dann das Ende. DAS ENDE! Hach, war das alles toll. Völlig zurecht hat es "Portal" als einer von 14 Vertretern in eine Dauerausstellung für Interaktionsdesign im Museum of Modern Art geschafft.

Freitag, 3. August 2018

Albernes zum Wochenschluss

Neue, selbst ausgedachte Palindrome

"Na, Jan?"

Blatt-Alb

"Neppen, Bob? Neppen?!"

"Eiklar, Alkie!"

"Sie Eis!"

Lego v. Anna Vogel

Brotktorb

Senf-NES

"Ein Maoam, Ede?" - "Maoam? Nie!"

Tu gut, bau ab; bau ab, tu gut.

Ein Alligator am Arota gilla nie.


Mittwoch, 1. August 2018

Der Tag, an dem die Sonne stillstand

Liebes Tagebuch,
heute, am 1. August 2018, ist es passiert: Die magische Grenze wurde erreicht, ein neuer Rekord aufgestellt. In meinem Wohnzimmer herrscht eine Temperatur von 30 Grad Celsius.


Montag, 30. Juli 2018

Warum diese 26 Kreuzworträtsel-Lösungen zu den obskursten gehören

  • Käfergattung: Ips
  • Reitersäbel: Pallasch
  • jap. Gedichtform: Uta
  • Holzart: Iper
  • Rheinlastkahn: Aak
  • polynesischer Kultplatz: Marae
  • straffälliger Geistlicher: Demerit
  • rinnenartige Profilierung: Kehle
  • eng zusammengedrängt: kompress
  • wachsartiger Blätterüberzug: Kutin
  • Leguanart: Uma
  • Bettelmönch: Mendikant
  • Fabelname der Dogge: Ryn
  • Futter der Militärpferde: Furage
  • Buchgoldverzierung: Filete
  • synth. Gummi: Buna
  • Buschgelände: Loh
  • Vorbehalt: Kautel
  • dreieckiges Vorsegel: Klüver
  • Kern einer Sache: Kredo
  • Schneebeschaffenheit: Före
  • gezogener Wechsel: Tratte
  • kleine Schiffskabine: Gat
  • großer Warenposten: Partie
  • sumpfiges Gelände: Venn
  • eine Hülsenfrucht: Erve

Freitag, 27. Juli 2018

Hitzegedanken

Draußen hat's 35 Grad, in meinem Wohnzimmer "nur" 28,5, weswegen ich dankbar bin, heute nicht das Haus verlassen zu müssen. Die Zutaten für einen wohltuenden Tomaten-Brot-Salat (Panzanella, s. Foto) hatte ich mir wohlweislich gestern besorgt.

Warum sprechen wir nur dann von "schlechtem Wetter", "Mist-", "Drecks-" oder "Sch**ßwetter" (= "Scheißwetter"), wenn es regnet, stürmt und dreckig-trüb, grau, bewölkt ist? Das momentan herrschende Wetter ist doch alles andere als schön, und dies ist auch das allgemeine Empfinden, aber niemand traut sich, klipp und klar zu sagen: Das Wetter ist schlecht, ja regelrecht mies. Oder was ist es sonst? Zu sommerlich? "Hyper-schön"?  

Ob man am Ende des Monats trotz allem lesen wird, dieser Juli sei der kälteste seit Beginn der Wetteraufzeichnung gewesen? Naa, das glaube ich dann doch nicht.

Als würde es nicht reichen, dass die Sonne verrückt spielt, wird auch noch auf dem Mars Wasser in flüssigem Zustand nachgewiesen, und heute Abend gibt es eine Mondfinsternis. Ich habe übrigens geplant, während ganz Deutschland auf den sog. Blutmond starrt, den größten Diamantendiebstahl aller Zeiten durchzuführen. Wer bei dem historischen heist mitmachen will --> Kommentar abgeben!

(Rechts oben erkennt man meinen aus diesem Blog bekannten Ventilator.)

Mittwoch, 25. Juli 2018

Ganz schön albern, gel(l)?

Ich habe zwei weitere Sorten der Aromadusche-Serie "created by Michalsky" von Tetesept getestet. Nummer 03, ein transparentes Gel in weißer Flasche, heißt und enthält "Gletscherwasser | Baumwolle | Grüne Minze | Weißer Tee | Edelweiß" und kommt meiner Idealvorstellung eines Duschbades sehr nah. 9/10 Punkten.
Nummer 01, "Vulkanwasser | Aktivkohle | Hanf | Oud | Tabak", geht mir ein wenig zu sehr in Richtung Alte-Herren-Duft, ist dafür aber pechschwarz, weil an Aktivkohle offenbar nicht gegeizt wurde. Insgesamt wohlwollende 6/10.


Samstag, 21. Juli 2018

Ein Besuch im Deutschen Zusatzstoffmuseum

Knapp drei Jahre nachdem ich von der Existenz des Zusatzstoffmuseums zu Hamburg erfahren habe, hatte ich vor zwei Wochen endlich das Vergnügen einer persönlichen Besichtigung.

Schon die Lage ist außergewöhnlich: Das Gebäude versteckt sich inmitten eines rustikalen Industriegeländes zwischen Großmärkten und Obsthandelszentren. Dabei ist es leicht zu erreichen, von der Bushaltestelle Nagelsweg sind es nur ein paar Schritte bis zu dem durch Drehkreuze zu betretenden Areal. Wenn man allerdings wie ich zu dumm ist, Google Maps zu bedienen, fährt man mit der U-Bahn bis zur Station Hafencity/Universität und schleppt sich eine halbe Stunde am Oberhafen entlang. Durch einen Gitterzaun hindurch erblickt man irgendwann das Objekt der Begierde:


Doch da ist man noch lange nicht am Ziel! Über einen Schwenk am Billhafen vorbei überquert man eine Schleuse und dann dieselbe Schleuse noch einmal, bevor man bei einem Pförtner um Einlass in das am Wochenende wie ausgestorben ruhende Areal begehrt. Am sinnvollsten scheint mir die Anfahrt mit dem Auto zu sein (Voraussetzung: Auto).


Nachdem man einen geringen Eintrittspreis entrichtet hat, kann man sich auf einer ganzen Etage (Erdgeschoss) einen Überblick über alle möglichen Zusatzstoffe verschaffen. Die meisten "E"s kommen als unscheinbares Pulver daher, aber auch Flüssigkeiten sind geläufig. Kosten oder Proben entnehmen darf man leider nicht. Immerhin gibt es ein Geruchstestbrett mit zahlreichen "naturidentischen Aromen".


Zu bestimmten Uhrzeiten gibt die (einzige anwesende) freundliche Mitarbeiterin, bei der man natürlich auch Andenken und Geschenke erwerben kann, eine ca. 45minütige kostenfreie Führung. Ein so lehrreiches wie spaßiges Feature ist der integrierte "Supermarkt".


Den Regalen darin entnimmt man verschiedene "Produkte" (Täfelchen mit Barcodes) und bringt diese zu einem stationären Spezial-Handscanner.


Damit kann man aufdecken lassen, welche Zusatzstoffe sich in dem/den gewählten Lebensmittel/n befinden. Das Ergebnis darf man sich sogar ausdrucken.


Die letzte Station des Rundgangs ist ein Raum mit Fenstern, in dem eine kleine Auswahl an Getränken zu erwerben ist und ein Fernseher steht, auf dem eine thematisch passende Dokumentation in Dauerschleife läuft. Vorher passiert man Vitrinen mit Guar-Derivaten, Algenprodukten, Campingessen, sonstiger Fertignahrung und mehr. In der Mitte des Museums ist jede Menge über Milchverarbeitung zu erfahren. An der Decke hängt ein Euter:


Und hier ist ein gehäkeltes Stück Torte:


Fazit: Wer neugierig auf "die etwas andere Sehenswürdigkeit" ist, ein bisschen Interesse an Lebensmittelchemie und ein Stündchen Zeit mitbringt, sollte dieser Ausflugsstätte eine Chance geben. Besonders gefallen hat mir, dass mit dem Thema durchaus kritisch umgegangen wird. (Bereits dem Webauftritt ist die Losung "Zusatzstoffe gehören ins Museum. Nicht ins Essen" vorangestellt.)

Donnerstag, 19. Juli 2018

Traumprotokoll: Die Invasion

In der Redaktion, in der ich arbeite, fand sich eine Schulklasse ein. Es kommt tatsächlich manchmal vor, dass sich junge Leute ihre Vorstellungen von der schillernden Welt der Medien mit einem Besuch bei uns zertrümmern lassen, diese Gruppe war jedoch unangemeldet und außerdem beängstigend teilnehmerstark. Da ich seltsamerweise der einzige war, der an jenem Tag Dienst schob, konnte ich niemanden fragen, was es mit dieser jugendlichen Abordnung auf sich hatte. Jedenfalls ließen sich die Schülerinnen und Schüler schweigend und emotionslos an unseren Schreibtischen sowie am Konferenztisch nieder und begannen zu schreiben, teil an selbst mitgebrachten, teils an den büroeigenen Rechnern. Der Lehrer/Betreuer schritt zufrieden lächelnd durch die Räume, ohne auf meine Nachfragen, die ich mit wachsendem Unmut vortrug, zu reagieren. Ich wollte Chefredakteur Tim Wolff telefonisch um Rat fragen, doch seine Nummer war aus meiner Kontaktliste verschwunden und sein Name fehlte in sämtlichen Messengerdiensten – als hätte es ihn nie gegeben! Schließlich riss mir der Geduldsfaden: Ich schrie den Erwachsenen an, er solle sich entweder augenblicklich erklären oder mich mit seinem Vorgesetzten verbinden. Überraschend bereitwillig gab er mir sein Handy, wo sich am anderen Ende eine Art Oberschulrat oder Schulinspektor meldete. Diesem schilderte ich die Situation. "Und was wollen Sie jetzt von mir?", fragte er. Darauf ich, erstaunlich schlagfertig: "Dass Sie sofort Ihre Truppen abziehen! Was anderes als Militärsprache verstehen Sie ja nicht." Ohne Worte verschwand der lästige Trupp wenig später.

Festhaltenswert ist noch zweierlei: 1. dass ich mein Smartphone sehr realitätsnah bediente, inkl. erschwertem Scrollen wegen schwitziger Finger, 2. dass ich einmal mehr im Stande war, Buchstaben zu erkennen und Wörter zu erfassen.