Montag, 22. Mai 2017

Zum Start von "Twin Peaks"

Theorie
David Lynch ist schon vor fünf Jahren gestorben, aber das hat wie immer kein Mensch verstanden.

(erstveröffentlicht in TITANIC 10/2012)

Samstag, 20. Mai 2017

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Republik Venedig


Der ehrwürdige und 1100 Jahre lang stabile Stadtstaat der Dogen und des Rates der Zehn, die Lagunen- und Kanalmetropole, die Serenissima genannte See- und Kolonialmacht, in welcher der venezische Dialekt (den man nicht mit der venetischen Sprache verwechseln darf) Amtssprache war, gebot über eine angemessen stilvolle und mittelalterliche Schwere ausstrahlende Flagge.

Links sehen wir den durch einen Filmpreis und aus vielen Darstellungen bekannten geflügelten Markuslöwen mit einem aufgeschlagenen Buch, in dem zu lesen ist: Pax tibi, Marce, evangelista mens ("Friede [sei mit] dir, Markus, mein Evangelist"). (Der Markuslöwe ist nicht nur auf dem heutigen Wappen der Stadt Venedig zu sehen, sondern u.a. auch auf dem der baden-württembergischen Gemeinde Marxzell.) "Die Bedeutung bzw. Definition der anderen Elemente auf der Fahne sind noch weitgehend unbekannt", sagt Wikipedia, und auch die bei Google Books dazu verfügbaren Bücher schweigen sich aus. Naheliegend ist, dass die sechs Streifen zur Rechten die sechs historischen Stadtteile Venedigs, die sestieri, deren Vertreter in der Anfangszeit den Kleinen Rat bildeten, symbolisieren. Aber wofür stehen die Kugeln?

Im Jahr 2014 gab es eine inoffizielle und daher nicht bindende Onlinepetition über die Unabhängigkeit Venedigs. Sagenhafte 89,1% stimmten für einen souveränen Staat Veneto. (Das war nicht das erste Aufbäumen venetischer Nationalisten in der jüngeren Vergangenheit.) Wenig überraschend ist, dass bei diesem "Plebiscito.eu" auch die traditionelle Flagge der Republik Venedig in leicht aktualisierter Form (ohne Kugeln!) zu sehen war. Sollte sich diese Region wirklich einmal abspalten, stehen die Chancen gut, dass der Markuslöwe in der Alten und der Neuen Welt den Bekanntheitsgrad von anno dazumal wiedererlangt.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Filmtitel XV

Quo vado? → Der Vollposten
Sorgenfri → What We Become
Slow Learners → How to be Sexy
Le Grand Partage → Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste
War on Everyone → Dirty Cops
Authors Anonymous → Book of Love – Ein Bestseller zum Verlieben
Tenemos la carne → We are the Flesh
Don't Grow Up → Alone
Débarquement immédiat! → Alles unter Kontrolle!
Bienvenue à Marly-Gomont → Ein Dorf sieht schwarz
Richard the Stork → Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper
Eloise → The Eloise Asylum
Don't Kill It → The Demon Hunter
All Nighter → The Runaround
Nine Lives → Voll verkatert
The Outcasts → Cool Girls
Baby, Baby, Baby → Liebe hat keine Deadline
Operazione paura → Die toten Augen des Dr. Dracula 
Baby Driver → Drive Baby Drive
Si j'étais un homme → Mein neues bestes Stück

Dienstag, 16. Mai 2017

Die Flips sind aus dem Sack

Es hätte mein Lebenswerk werden sollen: der ultimative Vergleichstest sämtlicher Erdnussflipsorten des Landes (oder gar der Welt?)! Letztes Jahr habe ich damit angefangen: Zu allen Proben machte ich mir Notizen, fertigte schöne Fotos an (Tüte + Flips auf Teller = das Knabbersnack-Äquivalent zum Steak-Anschnittfoto), ich schnabulierte mit der Inbrunst eines Weinkenners. Doch das Ergebnis kann höchstens als Zwischenergebnis bezeichnet werden. Am Ende verließ mich nämlich die Fähigkeit, irgendwelche Nuancen zwischen den ganzen Marken auszumachen und vor allem diese zu memorieren und zu verbalisieren. Hatte ich diese Fähigkeit je besessen? Ähneln sich Erdnussflips nicht zu stark, um ernsthaft unterschieden werden zu können, schon wegen der immergleichen Zutaten? Herrscht nicht eine Art Reinheitsgebot in der Flipsherstellung (Stichwort: 33%iger Erdnussanteil)? Es vermatschte alles zu einem (immerhin köstlichen) Matsch! Ja, doch, schon: Der ein oder andere Vertreter war/ist durchaus charakteristisch. Doch das jeweilige Charakteristikum in Worte zu fassen, ist eine Kunst, die mir abgeht. Seht selbst.

Der unangefochtene Spitzenreiter – Suchtfaktor: Crack!

Gibt's bei Lidl; sehr stabile Tüte; nur 32% Erdnussanteil, dafür nur 59 Cent

Etwas pappig, muffig und überhaupt nicht "feuri[g/ch]"

Erst am zweiten Tag nach dem Öffnen lecker

Nicht schlecht, aber sehr schnell "schal"

Mit 1,95 € für nur 75 Gramm die teuersten; wirken aufgebläht; wenig knusprig, lasch

BIG heißt: doppelt so groß wie normale Flip. Muss man mögen; etwas salzig

Dorati: eine dieser mysteriösen "Supermarktmarken", über die ich keinerlei Infos im Netz finden konnte, z.B. wo ich diese Tüte gekauft haben könnte. Ich weiß nur noch, dass sie extrem billig war

Bio und im Ofen gebacken! Kategorie "Die etwas besseren Flips"

Und hier enden meine Aufzeichnungen. Guten Appetit!

Sonntag, 14. Mai 2017

Blogtagebuch KW 19

Schon seit längerem hatte ich Appetit auf Mochi, diesen zu Silikonkissenkonsistenz gehämmerten Reiskuchen, den es in Geschmacksrichtungen wie Erdnuss, Grüntee, Taro oder Rote-Bohnen-Paste gibt. Das Schicksal führte mich dann tatsächlich an einem japanischen Spezialitätenladen vorbei, doch die Produkte darin waren mit Zeichen bedruckt, die ich nicht deuten konnte, und überhaupt war alles sehr verwirrend. Ich nahm dann mit meinem Lieblings-Asialaden im Bahnhofsviertel vorlieb und kaufte eine Packung der Sorte Durian (die berüchtigte südostasiatische "Stinkfrucht", die man u.a. nicht mit in Flugzeuge nehmen darf).


Im Frankfurter Goethehaus habe ich endlich die Sonderausstellung über Johann Heinrich Füsslis "Nachtmahr" besucht. Dieses Gemälde gehört zu meinen All-time favourites und hängt als Kunstdruck in meinem Wohnzimmer. (Als ich dies einmal einem Kollegen erzählte, fragte er mich, ob das nicht etwaigen Damenbesuch verstöre. Ich sagte, dass ich nicht allzu oft Damenbesuch hätte, aber: ja.) Jedenfalls habe ich dort gelernt, dass Hans Traxlers Helmut-Kohl-"Birne" in der Kunstgeschichte nicht ohne vorangegangenes Beispiel ist! Der französische Bürgerkönig Louis-Philippe wird in zahlreichen zeitgenössischen Karikaturen mit Birnenkopf dargestellt. Was das jetzt mit dem romantischen Albdruckmotiv zu tun hat, kann man noch bis zum 18. Juni a.a.O. erfahren.

Und dann habe ich mir im Museum für Moderne Kunst die Videoschau von Ed Atkins angeschaut. Von dem werde ich in diesem Leben kein Fan mehr, berichtenswert ist aber, dass in der Presseliste, in die ich mich eintrug, über mir der Name eines berühmten in Frankfurt lebenden Schriftstellers stand. Es war nicht Martin Mosebach, und ich musste mir sein Aussehen erst mal ergoogeln für den Fall, dass er mir noch über den Weg gelaufen wäre, was aber nicht geschehen ist.


Das MMK ist übrigens nach architektonischen Gesichtspunkten mein Lieblingsmuseum in Frankfurt, weil es einfach großzügig angelegt ist. Es gibt den Kunstwerken den ihnen gebührenden Raum, die Lichtverhältnisse sind toll, es ist alles harmonisch, ohne Pathos, dennoch ehrwürdig. Vor allem: Es ist von innen größer, als es von außen aussieht!

Dinge, die man gerne und leider viel zu selten im Briefkasten findet: Gratisproben. Diese Woche wurde ich mit Lenor-Wäscheparfüm und 3-in-1-"Pods" von Ariel überrascht. (Einmal sah ich in einem Münchner Mehrfamilienhaus Ovomaltine-Aufstrich-Samples im Hausflur rumliegen. Tja, hätten sie die mal lieber in die Briefkästen geworfen, denn selbstverständlich wanderte eins der Päckchen direkt in meinen Rucksack, hähä!) (Ein Flüssigvollwaschmittel, von dem ich abraten möchte, ist "Spee Sensitive".)


Zum Thema Post ist noch zu sagen, dass es einerseits erfreulich ist, dass es in unseren unsozialen Zeiten noch Nachbarn gibt, die Pakete für einen entgegennehmen, wenn man nicht daheim ist. Andererseits muss man dann irgendwann bei seinem Nachbar oder seiner Nachbarin vorstellig werden. Soll man sich zu diesen Anlässen a) frisieren, b) eine Hose anziehen, c) den Schlaf aus den Augen reiben? Meine Antwort auf a), b) und c) lautet jeweils ja.

Fress-Highlight der Woche: Bei einem gemeinschaftlichen Draußen-sitz-Frühstück wollte ich es österreichisch haben und bestellte neben einem Zimtquarktopfen-Palatschinken mit Schlagsahneobers die Delikatesse "Eier im Glas". Bei "Eiern im Glas" handelt es sich um Eier im Glas, typischerweise zwei. Hier gab es aber drei, und das Glas war nicht hoch und zylindrisch, sondern eher eine Schüssel, zudem waren die Eier zum Teil hart und wachsweich statt wie üblich fast flüssig. Einfach mal zum Tagesbeginn drei gekochte Eier zu verschlingen fand ich dann aber doch ganz leiwand.

Now playing: Orchestral Manoeuvres in the Dark - Enola Gay

Donnerstag, 11. Mai 2017

Kurz notiert: Herr Kellner


Aha, dachte ich gerade, heutzutage kann es wirklich jeder mit seiner Meinung in die Nachrichten schaffen, zum Beispiel an die oberste Stelle auf tagesthemen.de (Screenshot). Was kommt als nächstes? "Eilmeldung: Gast fordert Mindestzapfhöhe für Hefeweizen!" Stellt sich raus: Mit "Kellner" ist Christian Kellner gemeint, seines Zeichens Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, der eine "Aktionswoche Alkohol" ausgerufen hat.

Dienstag, 9. Mai 2017

Cringe level 9000

Vergangene Woche fühlte ich zum ersten Mal etwas gänzlich Neues gegenüber Donald Trump. Beim Lesen seiner Ausführungen über den amerikanischen Bürgerkrieg und Andrew Jackson stellte sich bei mir – neben Schadenfreude und Fremdscham – Mitleid ein. Ich konnte sehr gut nachempfinden, wie der Präsident sich bei diesem Interview gefühlt haben muss: Völlig unvorbereitet und in typischer Unkenntnis der Geschichte seines Landes musste er halt irgendwas sagen und verrannte sich zusehends in seinem kruden Spontanmonolog aus Allgemeinplätzen, irren Behauptungen und zusammenhanglosem Gewäsch. Ganz tief in ihm drin muss ihn das aufgewühlt haben.

Wir haben es doch alle schon erlebt: in der Schule, als wir unvermittelt aufgerufen wurden und, von der Frage völlig überrumpelt, erfolglos einen Schmarrn improvisierten, bis unsere Lehrerin kopfschüttelnd abwinkte. Ich erinnere mich noch daran, wie ich im Englischunterricht der 12. Klasse an die Tafel zitiert wurde und eine Kurzgeschichte von Rudyard Kipling zusammenfassen sollte, die ich nicht gelesen hatte. Ich stammelte mich zum Amüsement der gesamten Klasse um Kopf und Kragen – ein Trauma, das wenige Jahre später von einem anderen Trauma abgelöst wurde, als ich nämlich, um mir erste journalistische Sporen zu verdienen, den Regisseur Gregor Schnitzler interviewen sollte und mir vorher keine einzige Frage überlegt hatte. Ich habe inzwischen verdrängt, was ich am Ende tatsächlich gefragt habe ("Äh, äh, hmmm ..."), und das Gespräch wurde nie veröffentlicht; ich hätte meine mit schweißnassen Griffeln pseudo-investigativ hingeschmierten "Notizen" ohnehin nicht verwerten können. Gelernt habe ich daraus jedenfalls, dass Interviews sowohl für die befragte als auch die fragende Person schnell stressig und peinlich werden können.

Sonntag, 7. Mai 2017

Wochentagebuch KW 18

Schon wieder ein neues Format! Unter dem Label #wochenbuch werde ich künftig alles in einer Woche Gedachte und Erlebte zusammenfassen, was keinen eigenen Blogpost rechtfertigt. Es handelt sich weniger um einen ungefilterten Stream of consciousness als um eine geistige Loseblattsammlung; einen Kängururitt durch das Spiegelkabinett, das wir Alltag nennen.


Meine dekorative Badezimmerkoralle weist dunkle Stellen auf. Ist sie krank? Ich habe sie zusammen mit einem Corega Tab in einen Blumentopf voll Wasser gelegt. Bei verfärbten Kaffeetassen und ähnlichem helfen die Tabs Wunder, doch die Koralle sieht immer noch komisch aus. Hätte ich Coral Intensiv nehmen sollen?

Annahme: Am allerbescheuertsten sehe ich aus, wenn ich beim Fahrradfahren meine Brille absetze, um ein Insekt vom Glas zu pusten. 

Auf der letzten Seite der Zeitschrift Bunte gibt es die "Frage der Woche" (prächtig parodiert von Valentin Witt in Titanic 4/2017). Dieses Mal lautete sie "Mit welchem Tier sind Sie seelenverwandt?" Die Antworten waren durchweg langweilig: Pferd, Wolf, Adler, Schimpanse, Löwe, Faultier, Hund ... Einmal mehr fühlte ich mich abgehängt, aber nicht wegen der genannten Tiere, sondern wegen der Antwortenden, von denen ich keine/n einzige/n kannte: Alexander "Honey" Keen, Marcel Remus, Simone Ballack, Emily Cox, Andrea L'Arronge, Ben Zucker, Nina Moghaddam und Jo Weil. Seit Patricia Riekels Rücktritt als Chefredakteurin scheint der Glamourfaktor dieses "Peoplemagazins" stark gesunken zu sein.

Bei eBay ersteigert: Super-Mario-Buttons


Fress-Highlight der Woche: Süßkartoffelgratin mit Tomaten und Ziegenkäse im "Metropol" am Frankfurter Dom (am einzigen Tag der Woche, an dem man draußen sitzen konnte). Auch gut: Udon-Nudeln mit Gemüse von einem neuen Asia-Bringdienst; ein seltener Fall von Lieferessen, dessen Verzehr sich regelrecht gesund angefühlt hat (Normalerweise sitzt man ja weinend über seiner fetttriefenden leeren Pizzaschachtel und denkt: 'Ich bin menschlicher Abfall.').
Enttäuschung der Woche: Ich hatte in einem thailändischen Restaurant ein Curry mit Kaffirblättern und Schärfegrad 2 geordert, erhielt aber ein fades Sprossengericht, weil sich die Kellnerin verhört hatte. Richtig schlecht ist Thaifood ja nie, trotzdem war ich bockig wie ein Kind und neidisch auf meine Kollegen mit ihren korrekt ausgeführten Bestellungen!
Thermomixrezept der Woche: Mandelmilchshake mit Bananen, Preiselbeeren, Chiasamen und Biscoff-Creme (selbst ausgedacht!). Brotaufstrich der Woche: "Veggie Street Senf-Agave".


Now playing: Deafheaven - Luna (neulich live gesehen!)

Mittwoch, 3. Mai 2017

Runter-Bewusstsein

In seinem Text "Ein alter Jugo-Drachen in der Wüste", später umbenannt in "Charleys Tante in der Wüste", berichtet Max Goldt von einem Zwangsausflug in eine katarische Falkenklinik, wo er aus nächster Nähe eine Operation beobachtet. Und wie er da ohne Mundschutz über den geöffneten Falkenkörper gebeugt ist, denkt Goldt das, was er schon einmal dachte, als ihm nämlich eine Original-Kafkahandschrift vorgelegt wurde: 'Ich könnte da jetzt reinspucken.'

Nachvollziehbar? Für mich schon. Vor etlichen Jahren brach sich in meinem verschrobenen Hirn ein ähnlicher Gedanke Bahn, als ich an der Karls-Universität zu Prag eine echte, makellos erhaltene hethitische Tontafel in die Hand nehmen durfte: 'Ich könnte die jetzt auf den Boden schmeißen.' Zu dem einigermaßen leicht zu unterdrückenden Zwang gesellte sich die Angst, dass ich das über Tausende von Jahren und Kilometern hinweg in meine temporäre Obhut gelangte Keilschriftdokument aus Versehen fallen lassen könnte. Solche Schusseligkeiten passieren mir nicht selten, weswegen ich mich auch standardmäßig weigere, Babys zu halten (vielleicht tu ich das aber auch aus Furcht vor Vatergefühlen/Milcheinschuss).

Der französische Ausdruck l'appel de vide bezeichnet das unheimliche Verlangen, sich in die Tiefe zu stürzen, wenn man vor einem Abgrund steht. Der abnorme Drang, vulnerable Objekte zu beschädigen, ist damit bestimmt verwandt, könnte ich mir vorstellen.

Montag, 1. Mai 2017

Mein neuer Schatz


Wisst ihr, was das ist? Das ist eine sogenannte animation cel, eine Original-Animationsfolie, die bei der Produktion der kurzlebigen "Super Mario World"-Zeichentrickserie von 1991 verwendet wurde. Tatsächlich handelt es sich sogar um zwei Folien – eine mit Princess Peach und eine mit den Piranhapflanzen –, welche auf die Pappe mit dem Hintergrund (dieser ist natürlich eine Kopie) geklebt wurden; dieses Ensemble aus handgezeichneten Figuren und statischem Hintergrundbild wurde dann abfotografiert und ergab mit unzähligen anderen Frames eine komplette Episode.

Wikipedia weiß: "Cels erfordern einen sorgsamen Umgang. Sie sind empfindlich gegenüber Kratzern, Knicken und Fingerabdrücken. Selbst eine unversehrte Cel zieht aufgrund statischer Aufladung Staub an, den der Kameramann vor jeder Aufnahme entfernen muss." Ich konnte es mir leider nicht verkneifen, zu Überprüfungs- und Demonstrationszwecken die obere Folie sacht anzuheben. Es ist aber alles unversehrt und befindet sich nun wieder in dem mitgelieferten Kunststoffumschlag. Wikipedia weiß auch: "Der Sammlermarkt hat viel mit Fälschungen zu kämpfen, die aufgrund der Natur von Cels nur schwer zu enttarnen sind." Nun, mein Sammlerstück stammt von einem vertrauenswürdigen US-eBay-Händler (99,7% positive Bewertungen von 45814 seit 1998; Stand 26.4.17) und kam mitsamt einem Echtheitszertifikat:


"So eine Rarität kann man sich bestimmt nur als weltberühmter Blogger leisten!", werdet ihr jetzt maunzen. Mitnichten! Für mein Exemplar habe ich gerade mal 30,31 € inklusive Versand bezahlt. Cels aus bekannteren Filmen und Serien gehen freilich für deutlich mehr weg. Dass es für so etwas überhaupt einen Markt gibt, war mir bis vor kurzem gar nicht klar. In einem Geburtstagsgeschenke-haul-Video eines YouTubers erfuhr ich kürzlich erstmals davon und musste sofort auch so etwas haben. Ich stieß auf den besagten amerikanischen Onlineshop und "belohnte" mich sogleich selbst mit dem oben zu sehenden Kleinod. (Denn wer käme schon auf die Idee, mir so etwas zu schenken?) Ich hätte sogar eine Szene mit Mario und/oder Yoshi haben können, aber die Darstellung von beiden gefällt mir in dieser Show nicht besonders gut; der einzig wahre Cartoon-Mario ist der aus der "Super Mario Brothers Super Show", sorry, isso!

Samstag, 29. April 2017

Sayers revisited

Ich freue mir gerade einen Ast! Der Reihe nach. Es gab von 2005 bis 2009 einen auch in Zeitungen gedruckten Webcomic (bzw.: einen auch online publizierten Zeitungscomic; diese Huhn-und-Ei-Frage kann ich nicht beantworten) namens "Thingpart", den ich 2011 "imho einer der pointiertesten aller Zeiten" nannte – und wer bin ich, mir selbst zu widersprechen?

(Beweismaterial. Zur Großansicht klicken.)

Mindestens genau so super wie "Thingpart" war die abgedrehte, bei MAD beheimatete Reihe "The Machine That Travels Through Time", die meines Wissens leider nirgendwo vollständig archiviert ist.


In den Jahren nach dem Ende von "Thingpart" veröffentlichte die Schöpferin, Joey Alison Sayers, unregelmäßig Skizzen, Entwürfe und Bildgeschichten auf ihrer Homepage, die ich aber irgendwann aus den Augen verlor ... bis ich itzt durch einen Blogpost darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Künstlerin aktiver ist denn je: Auf GoComics erscheint seit Februar 2017 jeden Montag, Mittwoch und Freitag ein neuer Strip, und auf The Nib gibt es schon seit einem Jahr politische Comics von ihr. ARCHIVE BINGING!

Donnerstag, 27. April 2017

Ain't no Holle-back girl

In der Ausgabe 15/2017 des Spiegel weckte ein Artikel mit dem Titel "Das Geheimnis der Schneefee" meine Leselust. Es ging darin um die durch jüngere archäologische und heimatkundliche Befunde gestützte Theorie, dass die Märchenfigur Frau Holle auf die Gemahlin Odins zurückgeht. Der Zweiseiter begeisterte mich bis kurz vorm Ende: Dann meinte der Autor, sich zu der Mutmaßung hinreißen zu lassen, solche Erkenntnisse dienten allenfalls dazu, dem strukturschwachen Nordhessen einen Touristikboom zu bescheren, er sah in all dem "Verdrehungen" und ein "Gespinst aus Märchenmurks, Götterdämmerung und Spuk". Diese unangebrachte Häme veranlasste mich dazu, den ersten Leserbrief meines Lebens zu schreiben. Und was macht die Spiegel-Redaktion damit? Druckt den Scheiß auch noch ab:


Ich hoffe, es glaubt jetzt niemand, dass ich lediglich diese zwei Sätze eingeschickt hätte! Mein ursprungliches Gemecker war deutlich umfangreicher und enthielt die geistreiche Bemerkung, die Märchenforschung werde von den Nachbardisziplinen stiefmütterlich behandelt. So, wie er da steht, kommt mein Leserbrief nur pampig und unelaboriert rüber – also genau so, wie es dieser Textsorte wesenseigen ist, waaah! Ich bin jetzt einer von denen. Bloß gut, dass ich nicht auch noch, wie es bei denen üblich ist, bei der Grußformel meinen Doktorgrad vor meinen Namen gesetzt habe ...

Dienstag, 25. April 2017

Mas Manomasa

So. Ich bin gestern noch einmal zu Rewe gegangen (oder auch "in den Rewe" oder "nach'm Rewe hin", das variiert wohl je nach Region), um die zweite Sorte der dort ausliegenden Manomasa-Chips zu holen. Es waren nur noch zwei Tüten übrig! "Green Lemon & Pink Peppercorn" war gar komplett ausverkauft!


Das Besondere an "Manchego & Green Olive" ist natürlich die Form. Die langgezogenen Rechtecke eignen sich "optimal zum Eintunken in Dipgläser" (Produktinformation). Dippen aber ist, wie bei den anderen, gar nicht notwendig, denn der Eigengeschmack ist charakteristisch genug. Leider jedoch nicht so exquisit, wie ich es von der Zitronenvariante behaupten konnte: Bei einer Blindverkostung hätte ich beim besten Willen keinen Manchego herausschmecken können, da ist nichts drin, was man nicht in anderen Käsechips schon wahrgenommen hätte. Der Anteil von Oliven sowie der des auf der Packung als "subtly sweet pimiento" angepriesenen Piments ist vernachlässigbar gering; beides scheint mir lediglich eine optische Zierde zu sein. Ich vergebe 6 von 10 Punkten.

Samstag, 22. April 2017

Andere Bänder, andere Sitten

Aus der Vergangenheit in die Gegenwart herübergerettet hatte ich einen Stoß VHS-Kassetten. Wer weiß, ob ich nicht irgendwann Lust habe, das alte Zeug mal wieder anzusehen, hatte ich mir gedacht. Bei dem alten Zeug handelte es sich hauptsächlich um aus dem Fernsehen Aufgenommenes, aber auch die Aufzeichnung einer Schultheateraufführung, bei der ich "den Vorhang gemacht" habe, war darunter, sowie zwei bei eBay ersteigerte Original-Raritäten, nämlich Trey Parkers Spielfilmdebüt "Cannibal! The Musical" und die Troma-Komödie "Zurück zur Natur". Nachdem ich sechs Jahre lang keine Möglichkeit gehabt hatte, diese Kostbarkeiten abzuspielen, bekam ich zu Weihnachten einen gebrauchten Videorecorder geschenkt. Eine prima Sache, leider erlitt das Gerät wohl beim Transport in meine Wohnung innere Schäden, mit dem Ergebnis, dass die Tapes nicht nur nicht wiedergegeben, sondern zu Bandsalat gedröselt und zerrissen wurden. Ein Desaster! Wie gerne hätte ich einen Blick auf alte TV-Werbung geworfen oder auf den Mitschnitt eines frühen Domino Days.

Niedergeschlagen, aber von nostalgischen Anwandlungen befeuert, nahm ich mir kurz nach Abschluss des unrühmlichen VHS-Kapitels meine Audiokassettensammlung vor. Auch diese hatte ich bei meinem letzten Umzug eingepackt, ohne ein entsprechendes Abspieldingens zu besitzen. Während VHS-Player und -Recorder heute nur gebraucht und i.d.R. zu irrwitzigen Preisen über den (virtuellen) Ladentisch gehen, ist es wesentlich einfacher, auf eine musikalische Zeitreise zu gehen – dank moderner und dennoch spottbilliger Technik. Ich orderte also für weniger als 20 Euro einen Walkman mit USB-basierter Digitalisierungsmöglichkeit und checkte, was sich auf meinen gut zwei Dutzend MCs verbarg. Was sich dort verbarg, war durchweg grauenhaft! So etwas lief damals im Radio?! Und man fand das auch noch gut?! 

Vor YouTube, Spotify & Co. war es integraler Bestandteil der popkulturellen Sozialisation, dass man sich vor die CD-MC-Tuner-Kombination setzte und die "Rec"-Taste betätigte, wenn etwas über den Äther lief, das man später noch mal hören wollte. So habe ich das bis ungefähr zur Jahrtausendwende gemacht. Auch ließ ich oft in der Nacht von Samstag zu Sonntag, während ich schlief, ein 120-Minuten-Tape laufen (automatische Wendefunktion!), welches ich am nächsten Morgen bei meinem Nebenjob als stationärer Sonntagszeitungsverkäufer anhörte. Jeden Samstagabend wurde nämlich eine Kultsendung ausgestrahlt, die ich aus verschiedenen Gründen schätzte, vor allem wegen der Liedauswahl. Mit genügend Abstand und Objektivität muss ich heute zugeben, dass die aufgenommen Lieder überhaupt nicht toll sind und es niemals waren, und man muss einsehen, dass die 1990er Jahre in dieser Beziehung wirklich als das allerschlimmste Jahrzehnt verurteilt gehören. Ich wünschte, nicht meine Video-, sondern meine Audiokassetten wären zerrupft worden! Etwas ging dann im Zuge dieses Horrortrips down memory lane aber doch noch kaputt: der Walkman! Sein Laufwerk versagte von einer Sekunde auf die nächste den Dienst, wie um zu sagen: Genug jetzt mit diesem Dancefloor-Techno-Europop-Trash! Ich konnte das Teil glücklicherweise gegen Vollpreiserstattung zurücksenden und überlege nun, mir einen neuen Kassettenspieler zu kaufen. Doch ich glaube, ich brauche noch ein paar Wochen, bevor ich in der Verfassung bin, den (mutmaßlich) abscheulichen Rest meines analogen Audiofundus zu begutachten ...