Montag, 20. September 2021

Die nicht überleben wollen

Ich habe beim letzten Film-Roundup ein paar ergänzende Worte zu dem ansonsten kaum zu bemosernden Horrorstreifen "A Quiet Place Part II" vergessen, die ich hiermit nachreichen möchte. 

Während des Schauens übermannte mich nämlich immer wieder ein Gedanke: "Wozu all dieser Aufwand?" Für Leute, die mit der Prämisse von "A Quiet Place" nicht vertraut sind: Auf der Erde haben sich menschenfressende Aliens ausgebreitet, die von Geräuschen angelockt werden, und zwar ausschließlich von Geräuschen, dafür aber auch vom noch so zartesten. Die wenigen Überlebenden, darunter die Familienmitglieder um Emily Blunt, haben sich nun mit einer Reihe von handwerklichen Notbehelfen und trainierten Verhaltensweisen an diese permanente Bedrohungslage angepasst. Viele dieser Techniken werden in den beiden (wie geschrieben sehr zu empfehlenden) Filmen gezeigt; ich fand sie oftmals so beeindruckend wie einleuchtend, fragte mich aber eben mehrmals: "Wozu???" Was treibt diese Menschen an? Welches/Welche Ziel(e) haben sie? Nicht gefressen zu werden, ist die einzige verbliebene Alltagsaufgabe, anderen Inhalt sieht die Existenz in dieser (Post-)Apokalypse nicht vor! Die Lebensmittelproduktion und -versorgung ist zusammengebrochen, ebenso jedwede Infrastruktur, es ist so gut wie unwahrscheinlich geworden, anderen Individuen zu begegnen, mit denen man interagieren könnte, an Unterhaltung, Hobbys, Ablenkung ist gar nicht zu denken. Man ist nur noch damit beschäftigt, sich auf umständlichen Wegen Nahrung zu beschaffen und irgendwelche Vorrichtungen zu konstruieren, um sich temporär von den Monstern abzuschotten, und das alles in ständiger Anspannung und hochkonzentriert, weil jeder knackende Zweig den sofortigen Tod bedeuten könnte. Es ist schon in der realen Welt des Jahres 2021 schwierig, Gründe fürs Weiterleben zu finden. Würfe man mich in die Welt von "A Quiet Place", ich würde nach spätestens einem halben Tag Rasseln schwingend und gellend* durch die Wildnis tollen. "Sollen die Biester mich doch zerfetzen, dann hab' ich's hinter mir, diesen Scheiß mach' ich jedenfalls nicht mit!"

Wäre dies hier Facebook oder ein anderes Medium mit rege kommentierender Community, würde ich fragen: Was meint ihr, was ist die Motivation der Figuren? Sind diese realistisch gezeichnet? Was würdet ihr in dieser Lage machen?

* Ich hätte gerne mal das schöne Wort ululating verwendet, aber davon scheint es keine deutsche Entsprechung zu geben.

Donnerstag, 16. September 2021

Mutter, die Milch mit dem Hanf ist da

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis die erste Milch auf Hanfbasis unsere Supermärkte erobert, wobei ich diesen Milch-Ersatz damals nicht auf dem Schirm hatte. Als ich Bio Hanf Natur aus dem Hause Berief, gelabelt mit den drei magischen Buchstaben "NEU", im Rewe sah, musste ich natürlich zuschlagen.


Sie kostet 1,99 €, hat eine Konsistenz, die sämiger ist als die von Mandelmilch, und einen Geschmack, der den von Erbsenmilch (gottlob) übertrifft. Für Müsli kann man sie sehr gut verwenden, in den Kaffee habe ich sie noch nicht getan.

Montag, 13. September 2021

Comic Book Mail Order Ads Extravaganza

Vor einer Weile befand sich etwas im offenen Bücherschrank, das dort so gut wie nie zu finden ist: original amerikanische Groschencomics!


Gelesen habe ich die Heftchen nicht, und um deren Inhalt soll es auch gar nicht gehen. Nur so viel: Ich bin ja "gespannt", ob wann Kazar seinen ersten Auftritt im MCU haben wird; ich habe dem Franchise vor einer Weile endgültig abgeschworen. Ach ja, und erinnert ihr euch noch an den Kolossal-Flop, der die "John Carter"-Verfilmung war? Wie gesagt: Darum soll es nicht gehen. Gefreut über den Comicfund habe ich mich nämlich hauptsächlich, weil im Inneren gleich mehrere klassische Anzeigenseiten stecken, die mich mit einer Nostalgie erfüllten, die ich, der ich nicht in den USA großgeworden bin, eigentlich gar nicht fühlen kann. Ich habe sie eingescannt und möchte sie mit gleichermaßen Fühlenden teilen. Zum Vergrößern klicken.


Von dieser Seite bestellen würde ich am liebsten: die Eichhörnchenpfeife, die rauchenden Fingerspitzen, die 1000 Mini-Magneten, die Riesen-Schaumstoffwürfel, den "Whack Jack" und den 8-Fuß-Wetterballon. Der Supermagnet ist doch Quatsch, oder?


Comic-Konvolute und Briefmarkenverkauf sprechen natürlich dezidiert die Nerds unter der Leserschaft (also damals 99 %) an, was also sollen die fitnessbezogenen Inserate? Klar, die Werbenden wissen: Manche dieser Nerds wollen Jocks werden und sind womöglich an Muskelaufbau und Kampfsporttraining interessiert.


Hier wiederholt sich einiges aus dem ersten Beispiel, von den weirderen Gimmicks sind die Bauchrednerpuppen, die Frauenbeine, die Hypnose-Platte, die falschen Münzen und die fleischfressenden Pflanzen zu nennen. Auch die legendären Sea Monkeys geben sich die Ehre! Und da ist eine Röntgenbrille!


"Der Sport, mit dem ein Knabe aufwächst", na klar. Amerikanischer geht es nicht. John Unitas war übrigens ein Footballspieler, "einer der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte" (Wikipedia).


Hm, ob der Kamm mit der Klappmesserklinge wirklich wie versprochen ("Really works!") als Waffe eingesetzt werden konnte? Das erscheint mir selbst für Herkunftsland und -ära rechtlich fragwürdig ... Harmlos soll ja schließlich auch der explodierende Stift sein, auch wenn die dazugehörige Illustration eine gewisse Heftigkeit des Effekts suggeriert. Die Spionage-Kamera darf freilich ebensowenig fehlen wie das Taschenfernrohr, das heutzutage sicher auf andere Weise angepriesen würde. Ah, und da ist ein weiterer Elektroschock-Spaß. Am interessantesten finde ich die "10 Instrumente in einem" (Was ist das für ein Transmitter?).

Ich hoffe, euch hat diese Werbeunterbrechung gefallen, und ihr bestellt gleich heute noch das eine oder andere novelty item.

Samstag, 11. September 2021

Essenstagebuch 4.9.-10.9.

Keine Sorge, das wird keine wiederkehrende Rubrik (es sei denn, ich werde darum angebettelt), aber weil ich gerade so wenig Zeit habe, spannende Beiträge zu schreiben, habe ich mir diese Idee aus den Fingern gesaugt: Ich schreibe auf, was ich in den vergangenen sieben Tagen als Hauptmahlzeit gegessen habe. Besagter Zeitmangel ist auch dafür verantwortlich, dass ich nur ein einziges Mal gekocht habe. Wobei: Am Mittwoch hatte ich mir vorgenommen, ein Gericht, das für mehrere Tage gereicht hätte, zuzubereiten, aber dann war die entscheidende Zutat bei Rewe nicht vorrätig und ich dachte mir 'Screw that noise, hole ich mir eben was Fertiges'.

Samstag, 4.9. Sauerkraut-Schupfnudel-Auflauf (selbstgemacht; simpel, schmackhaft, sättigend)
Sonntag, 5.9. Sauerkraut-Schupfnudel-Auflauf (Rest vom Vortag)
Montag, 6.9. Malai Mutter Methi (beim Inder bestellt, ich zitiere: "Erbsen und Bockshornkleeblätter in einer gehaltvollen, sahnigen Cashewsauce gekocht". Köstlich! Methi-Gerichte findet man nicht überall.)
Dienstag, 7.9. Flammkuchen mit Peperoni und Schafskäse (mein Standardgericht im Club Voltaire, immer solide)
Mittwoch, 8.9. Sushi-Box vegan (vom Sushi-Stand im Rewe; war in Ordnung)
Donnerstag, 9.9. Tofu und Gemüse in Gung-Bao-Soße (mein Lieblingsgericht von meinem Lieblings-China-Imbiss)
Freitag, 10.9. Rigatoni mit Steinpilzen und Tomatenrahmsoße (bestellt und für schmackofatz befunden)

Alles in allem eine abwechslungsreiche Woche ohne Gerichte, für die man sich schämen muss!

Mittwoch, 8. September 2021

Kurz notiert: Nichtkaffee

Endlich habe ich mir eine Packung mit jenem Kaffee-Ersatz bestellt, den ich im Dezember 2020 hier vorgestellt habe: Zichorienkaffee. Das Pulver der Marke Chikko besticht schon mal dadurch, dass es extrem fein und kleinkörnig es ist. Man kann kaum glauben, wie leicht die Dose ist! Geschmacklich macht der koffeinfreie Trunk auch etwas her, wobei man natürlich schmeckt, dass das nicht der wahre Jackobs ist. Eine Alternative zu Malzkaffee & Co. ist es auf jeden Fall. Es gibt übrigens auch Sorten, die im regulären Kaffeefilter in der Maschine zubereitet werden können.

Montag, 6. September 2021

Spätsommerlyrik zum Träumen

Ich habe hier schon das ein oder andere Mal kostbare Abreißkalender-Lyrik präsentiert, nicht selten von Abreißkalender-Lyrik-Legende O. Stock; aber diese Perle ist von ungekannter Schönheit. Hier stimmt einfach alles: der halbgare Reim "FülleStille", die in der Luft hängende erste Zeile, die tautologische Zustandsbeschreibung (oder gibt es auch Felder, die in Krach ruhen?), der kaputte Modalsatz ("Wir genießen den Winter, indem es schneit"?), das zerhackstückte "ausklingen" ... Mehr davon!

Samstag, 4. September 2021

Spätkindliche Hörfehlleistung

Ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich diesen Beitrag schon längst geschrieben hatte. Hatte ich aber nicht, weswegen jetzt sofort folgende Erinnerung festgehalten werden soll:

Als ich noch ziemlich jung war, lief im Fernsehen ständig ein Werbespot von Berentzen, in dem auf die Melodie von "Gaudeamus igitur" Apfelkorn besungen wurde. Das einprägsame Sauflied endete mit den Worten: "Knackiger Spaß im Glas, von Berentzen, ja Berentzen". Obwohl ich zum Zeitpunkt der Kampagne schon auf angemessenem Niveau lesen konnte, schenkte ich etwaigen eingeblendeten Schriftzügen offenbar keine Beachtung; ich hörte lediglich auf die Lyrics und missinterpretierte diese dergestalt, dass ich statt Berentzen "Bärenzinn" verstand. Dabei dachte ich gar nicht über die tiefere Bedeutung des falschen Markennamens nach. Für mich war "Bärenzinn" kein mysteriöses ursines Weichmetall, sondern ein erstarrtes Kompositum mit nicht zu hinterfragender Motivation à la "Wurzelpeter" (den ich damals freilich noch nicht kannte). Bis eben habe ich auch noch nie über die Herkunft des Namens "Berentzen" nachgedacht, und dabei belasse ich es auch.

Donnerstag, 2. September 2021

Serientagebuch 08/21

03.08. Patriot 1.03
04.08. Cuckoo 5.01
Cuckoo 5.02
09.08. Cuckoo 5.03
Person of Interest 2.05
11.08. Patriot 1.04
12.08. Cuckoo 5.04
Cuckoo 5.05
14.08. Cuckoo 5.06
Cuckoo 5.07
15.08. Patriot 1.05
22.08. Master of None 1.06
Master of None 1.07
24.08. Patriot 1.06
25.08. Come Home 1.01
Patriot 1.07
26.08. Come Home 1.02
30.08. Patriot 1.08

Nur eine einzige Serie habe ich im August abzuschließen geschafft, nämlich die heitere BBC-Familienreihe Cuckoo, deren 5. Staffel mit den vorangegangenen nur noch gemein hat, dass nach Andy Samberg (S1) und Taylor Lautnor (S2-4) wieder ein verrückter Vogel aus Amerika bei den leicht spießigen Thompsons (u.a. Helen Baxendale und Greg Davies) einzieht. Diesmal ist es eine bisher unbekannte Verwandte, gespielt von Andie MacDowell, von deren komischem Talent ich keine Ahnung hatte. Mir gefällt, dass die Autoren sich in den (auf angenehme Art!) seichten Storybögen immer mal wieder typisch britische Derbheiten erlauben. Prima wegzugucken.

Dienstag, 31. August 2021

Der Doppelspuk hat einen Namen!

Vor kurzem hörte ich die Ausgabe "The Baader-Meinhof Gang" des "Omnibus"-Podcasts. Den Heißen Herbst und wie es dazu kommen konnte, halte ich nach wie vor für eines der faszinierendsten Kapitel der bundesdeutschen Geschichte (wobei ich mich zuletzt verstärkt mit der unmittelbaren Nachkriegszeit beschäftigt habe), und das eigene Land mit amerikanischem Blick zu betrachten, ist stets unterhaltsam. (Es gibt mehrere "Omnibusse" mit Deutschland-Schwerpunkt, z.B. einen über die Wuppertaler Schwebebahn.)

Sogleich sah ich, dass in der Episodenliste unmittelbar danach eine Folge mit dem Titel "The Baader-Meinhof Phenomenon" aufgeführt war. 'Nanu', dachte ich, 'eine Fortsetzung, weil die Moderatoren das Thema RAF so spannend finden?' Ich spielte die Episode später ab und lernte: Mit "Baader-Meinhof-Phänomen" bezeichnet man jenes Phänomen, das ich in diesem Blog schon mehrmals dokumentiert und als "Doppelbegegnung" o.ä. bezeichnet habe! Der Ausdruck Baader-Meinhof phenomenon hat seinen Ursprung natürlich in den USA und wurde erst 1994 im Leserforum einer Lokalzeitung von jemandem geprägt, der über Baader, Meinhof & Co. gestolpert war, nachdem er keine 24 Stunden zuvor von Freunden zum ersten Mal von der Bande gehört hatte.

Noch jünger, nämlich von 2005, ist die wissenschaftlicher klingende Bezeichnung frequency illusion. Im Podcast wird auch vom red car syndrome sowie vom durch den Film "Repo Men" eingeführten plate of shrimp phenomenon gesprochen. Auch werden mehrere einleuchtende psychologische Erklärungen für den Effekt, den entrücktere Geister auf einen "Glitch in der Matrix" zurückführen mögen, vorgestellt, es geht um availability bias, den recency effect und den primacy effect, um die Macht des Zufalls, die menschliche Konditionierung aufs Mustererkennen, das Zurückgreifen auf Heuristiken, und was das alles mit Kreuzworträtseln zu tun hat. Kurzum: Das Hören war sehr befriedigend, und ich werde künftig nur noch Mehrfachbegegnungen festhalten, die extrem unerwartbar und spukhaft sind.

Sonntag, 29. August 2021

Where my BASIC bitches at?

Ich gerate ja immer mal wieder in Kontakt mit jungen Menschen. Erstaunt bin ich dann stets, wenn das Thema Computer zur Sprache kommt. Lange hatte ich nämlich die Vorstellung, jedes Kind der Generation Z beherrsche spätestens mit dem Abschluss der Grundschule eine Programmiersprache, aber die Realität sieht ernüchternd aus. Informatikunterricht scheint es, wenn überhaupt, nur als Wahlfach für einzelne Jahrgangsstufen in ausgesuchten Schulen zu geben, und in seiner Freizeit beschäftigt sich niemand mit IT und Cyberkram. 

Das ist gar kein Vorwurf meinerseits an die Teens und Twenty-Somethings; bekanntermaßen bin ich am kritischsten meiner eigenen Generation gegenüber. Doch angesichts der permanenten Bekräftigungen von Politik und Wirtschaft, wie unabdingbar Programmier- und allgemeine EDV-Kenntnisse für den (sorry für das Wort) Arbeitsmarkt seien, muss ich mahnend mit dem Finger wackeln. Zu schelten sind hier freilich die Kultusministerien der Länder. Woher soll die Eigeninitiative denn kommen? Zwar wachsen die Leute von heute mit allerlei siliziumbasierter Technik auf, aber Beschäftigung damit, die über Alltagsnutzung hinausgeht, wird weder für notwendig noch für spannend gehalten. Es funktioniert ja alles, wozu soll ich mein Smartphone hacken oder mein Tablet tweaken (zumal derlei durch proprietäre Hardware und restriktive Einstellungen heutzutage erschwert wird)? Und was soll ich schon programmieren, wo es doch eh für alles eine App gibt? 

Vielleicht problematisiere ich ja auch etwas, das gar kein Problem ist. Ich jedenfalls bin froh darüber, dass ich in der 7. Klasse und in der Oberstufe Informatik hatte. Welches Fach fördert schon gleichermaßen Kreativität und logisches Denken? Dass ich und meine Peergroup uns auch außerhalb der Schulzeit mit Bits und Bytes beschäftigt haben, mag daran gelegen haben, dass, nun ja, meine Peergroup aus nerdigen Kellerkindern bestand, aber auch daran, dass sich in dem Bereich damals unheimlich viel entwickelte. Das Internet war gerade in unser aller Leben getreten! Da gab es Webseiten, und die waren in HTML geschrieben, das wollte man auch können, und was konnte man erst alles mit Javascript und PHP zaubern, und dann hatten wir ja noch unsere genialen Taschenrechner ... Bevor ihr jetzt mit den Worten "Lass gut sein, Opa" abwinkt, liebe Buben und Mädels, die ihr das hier eh nicht lest, beknie ich euch: Blättert wenigstens mal ein bisschen in einem "Coding für Dummies"-Buch oder support your local Schülerrechenzentrum!

Donnerstag, 26. August 2021

Klassiker der kleinen Form

Ich wünsche mir, dass die Leute nach meinem Tod über mich sagen: "Er hat noch bis ins hohe Alter jeden Tag faul im Bett gelegen!"

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Heute Vormittag ist wieder die Müllabfuhr an meinem Haus vorbeigefahren. "Haut ab mit eurem Stinkemobil!", rief ich, während ich ihr, einen Besen schwenkend und Eier werfend, hinterher rannte. "Wir wollen euch nicht, das hier ist eine saubere Gegend!"

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"Pharao Amenophis II. ließ sich 1400 v. Chr. Dill mit in das Grab legen." Mjamm, bei der Graböffnung wäre ich gern dabei gewesen.

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Kino ist so unpersönlich geworden! Der alte Zauber ist verschwunden. Tickets online kaufen und aufs Handy laden, 3D-Brillen, Chemie-Popcorn für 7 Euro ... Früher gingen wir für 40 Pfennig ins "Lichtspielhaus", wo uns ein einziger Bediensteter (Opa Waldemar) ein handgeschriebenes Billet aushändigte und persönlich im Saal platzierte. Nebenbei verkaufte er selbstgebackene Nachos (die damals noch "Dreiecks-Knackolinos" hießen) und spielte die Vorankündigungsausschnitte (die damals noch "Trailer" hießen) als Einmann-Ausdruckstanzrevue vor. Nach drei Stunden ging es endlich los! Kurz darauf riss immer die Filmrolle, der Projektor explodierte, Opa Waldemar kam brennend und fluchend vor die Leinwand gerollt, die Menge johlte. Einmal, während einer Vorführung des 2. Spiderman-Teils aus dem 2. Reboot wurde das Gebäude evakuiert – Asbest! Damit endete eine Ära. Good times …

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Ich liebe die Dreistigkeit mancher T-Shirts (!), auf deren Etikett "Separat waschen" steht. Haha, träum weiter – ab zu dem restlichen Pöbel mit dir!

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Auch so eine Gratismeinung: "Ja ja, Rasenmäher auf den Mars schicken – dafür haben sie Geld, und auf der Erde sterben die Menschen an Syphilis!"

Dienstag, 24. August 2021

Fond du Luck

Neulich wachte ich etwas früher als gewöhnlich auf, und mein erster Gedanke war: Was weiß ich eigentlich über Fond du Lac?

Exakt nichts wusste ich darüber, also konsultierte ich ein paar Stunden später Wikipedia. Nun ja, viel gibt es über die mittelgroße Stadt am Lake Winnebago in Wisconsin nicht zu erfahren, aber im Abschnitt "Söhne und Töchter" findet sich dann doch ein höchst interessanter Eintrag: Die hier 1989 geborene Jeanna Giese gilt als der erste Mensch, der eine unbehandelte Tollwut-Erkrankung ohne schwerere Folgeschäden überlebt hat, und überhaupt "als der sechste dokumentierte Fall eines Patienten, der Tollwut nach dem Auftreten klinischer Symptome überlebte." Da kann man nur gratulieren.

Tollwut ist schon eine rechte Scheißkrankheit, vor der ich mich fürchte, seit ich mich zum ersten Mal damit befasst habe. Bevor ich in das Land mit den weltweit meisten Tollwutfällen pro Jahr gereist bin, hatte ich mir vorgenommen, mich gegen Tollwut impfen zu lassen. Doch der gut gelaunte, alte Allgemeinmediziner, den ich u.a. zu diesem Behufe aufsuchte, riet mir ab: "Wenn Sie gebissen worden sind, müssen Sie sowieso unverzüglich in eine Klinik und sich spritzen lassen. Führen Sie einfach immer einen großen Stock bei sich, oder schmeißen Sie mit Steinen, wenn sich verdächtige Affen oder Hunde nähern!"

Freitag, 20. August 2021

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Nobody
Ha! Das ist die Revenge-One-Man-Show, die "John Wick" gerne gewesen wäre und auch hätte sein sollen. Weniger Pathos, dafür genug Spaß an der Cartoonhaftigkeit der Gewaltszenen, Erdung des Helden ohne Einbußen an badassery. Odenkirks Figur hat von Anfang bis Ende mehr Profil als die Reeves'sche. Zudem darf Christopher "Doc Brown" Lloyd dem Affen Zucker geben! Einziger (subjektiver) Einwand: Noch ein Stückchen befriedigender wäre der Rachefeldzug gewesen, wenn der Held tatsächlich ein Nobody wäre statt sich (kleiner Spoiler) als professionell ausgebildete Tötungsmaschine zu entpuppen.

The Awakening - Geister der Vergangenheit
England kurz nach dem Großen Krieg: In einem Internat soll eine berühmte "Geisterjägerin" bzw. Enttarnerin angeblich übernatürlicher Phänomene (Rebecca Hall) wiederholten Berichten von Spukerscheinungen auf den Grund gehen. Die Grundidee ist nett, das Setting überzeugt, und man kann lange mitraten, ob der Spuk echt oder inszeniert ist. Viel bleibt am Ende jedoch nicht im Gedächtnis hängen.

Blow the Man Down
Über dieses nach einem Shanty betitelte "Amazon Original" weiß ich gar nicht viel zu sagen, ich könnte nicht einmal verlässlich das Genre bestimmen. "Black comedy thriller" nennt es die englische Wikipedia, die deutsche ordnet es zwischen "Mystery-Filmdrama" und "Film Noir" ein. Vergleiche mit "Fargo" fallen gelegentlich, und in der Tat könnte es als Neuengland-Version des Klassikers durchgehen. Im letzten Drittel geht diesem ansonsten befriedigenden Sonntagnachmittagshappen ein wenig die Luft aus.

Ich glaub', mich tritt ein Pferd (National Lampoon's Animal House)
Wie im März angekündigt, habe ich mir endlich John Belushis große Nummer von 1978 angeschaut – mit unsagbarem Grausen. Ich bin nicht per se gegen pubertäre Gags, aber wenn diese Parade des Stumpfsinns (Regie: John Landis) das identitätsstiftende kulturelle Erweckungserlebnis einer Generation war, ein humoristischer Befreiungsschlag quasi, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Dabei haben andere Produktionen aus der Post-Vietnamkriegs-Ära doch durchaus bewiesen, wie erfrischend Satire und Groteske, Subversion und Nonsense damals verquickt werden konnten, nicht zuletzt war ja "Saturday Night Live" eine bitter benötigte Frischzellenkur für die Entertainment-Industrie. Belushis Arbeit für jene Show kenne ich bisher nur in Best-of-Auszügen und kann ich daher noch nicht beurteilen, ich werde mir die "Not Ready For Prime Time Players"-Jahre ganz gewiss irgendwann im Rahmen meines SNL-Durchlaufs vornehmen. Ziehe ich aber allein diese "Kult"-"Komödie" zur Bewertung von Belushis komischem Talent heran, sehe ich einen unbeholfen agierenden, wortkargen, blassen Klops, der drei bis vier halbwegs witzige Grimassen draufhat. Wie gesagt, das ist nur mein Eindruck nach diesem Spielfilm, in dem John Belushi übrigens weder die größte Präsenz noch die meiste Screentime hat. Ich vermute, dass die Autoren (darunter immerhin der famose Harold Ramis) in eine ähnliche Falle getappt sind wie die Macher von "Der Prinz aus Zamunda": Man hält es für ausreichend, einen bereits als Comedy-Superstar etablierten und akzeptierten Schauspieler zu präsentieren und "einfach machen zu lassen", und vergisst dabei, ihm ein paar tatsächlich witzige Zeilen zu schreiben. Belushi hat in vielen Szenen einfach nichts zu tun, und wenn er doch mal einen der sketchartigen Einschübe beherrscht, wird es hochnotpeinlich, Stichwort "Fensterln". Überhaupt ist "Ich glaub', mich tritt ein Pferd"* selbst für eine Klamotte aus den Siebzigern außergewöhnlich schlecht gealtert. Wo ist die "Cancel Culture", wenn man sie mal braucht?
Abschließend kann ich nur noch einmal bekräftigen, wie ungeheuer froh ich bin, nicht in den Vereinigten Staaten studiert zu haben. Toga-Party ... ich glaub', mich knutscht ein Elch. Aber wenigstens weiß ich jetzt, worauf der Titel der National-Lampoon-Hinter-den-Kulissen-Komödie "A Futile and Stupid Gesture" anspielt.

* Apropos: Hielt der deutsche Verleih die schreiend unlustige Pferde-Szene für so essenziell, dass er den Titel darauf beziehen musste?

The Nest
So wie "Nobody" für mich das bessere "John Wick" ist, so halte ich "The Nest" (2020) für die bessere Version von "Marriage Story". Zugegeben, man hat ähnlich gestrickte Familienzerbrechens-Muster schon zur Genüge gesehen, man kann die Ausflüchte des nach Höherem strebenden und dabei Frau und Kinder vernachlässigenden Pater familias beinahe soufflieren, aber hier werden selbst Stereotype so überzeugend rübergebracht, dass man vor allem Carrie Coon einen Oscar gegönnt hätte. (Immerhin gab's ein paar Nominierungen, z.B. für den Canadian Screen Award.) Jude Law spielt auch gut. Der deutsche Untertitel lautet übrigens "Alles zu haben ist nie genug".

Ein Hologramm für den König
Ein vergessener Punkt in der Filmographie von Tom Hanks. Tom Tykwer hat den gleichnamigen Roman von Dave Eggers 2016 mit ansehnlichen Bildern aus der marokkanischen Wüste in Szene gesetzt. Erzähltechnisch sind die 90 Minuten eher Durchschnitt, die Charakterentwicklung geht gemächlich vonstatten. Hanks tut sein Bestes, am Ende kommt ein harmloses, an "Lachsfischen im Jemen" erinnerndes Culture-Clash-Feelgood-Movie heraus.

A Glitch in the Matrix
Eine Dokumentation vom Regisseur von "Room 237" (letztes Jahr gesehen) über die Hypothese, dass wir alle in einer Simulation leben. Ich finde dieses Gedankenexperiment in Literatur und Film nicht unspannend, aber die Idee wie eine naheliegende Möglichkeit ernsthaft zu diskutieren, halte ich für Kokolores und Zeitverschwendung. Und als Ausgangspunkt eine Rede zu nehmen, die der – zweifelsohne visionäre – Autor Philip K. Dick 1977 mit erkennbar durchgeschmorten Synapsen in Metz gehalten hat, ist mindestens dünn. Immer wieder amüsant sind freilich Beispiele für den Mandela-Effekt, und schockiert haben mich die gruselig gefassten, reflektierten O-Töne des (von mir längst vergessenen) "Matrix-Killers"; in diesem Zusammenhang geht es auch um die Chewbacca-, äh: Matrix defense.
Wissenschaftlich erhellend oder "thought-provoking" ist nichts an diesem Film.

Yesterday
Erstaunlich, dass der letzte Film von Danny Boyle, den ich gesehen hatte, 2013 "Trance" war (sogar im Kino, was ich bereut habe)! Hätte ich es nicht gewusst, wäre ich im Leben nicht darauf gekommen, dass hinter dieser seichten Musikromanze von 2019 der Regisseur von Krassheiten wie "127 Hours" oder "Trainspotting" steht. Die irgendwie sympathische Gaga-Prämisse: Nach einem Stromausfall wird die Welt in ein Paralleluniversum katapultiert, in der es die Beatles nie gegeben hat (und ein paar andere Details verschieden sind), nur unser Held kann sich an ihre Songs erinnern und beginnt, diese zu "rekonstruieren", zu schreiben und einzuspielen.
Was ich wohl in und aus so einer Situation machen würde? Vermutlich mangels musikalischem Talent nichts Lebensveränderndes. Auf jeden Fall ist es sagenhaft, wie viele Hits die Beatles hatten, die man irgendwie mitträllern kann, selbst ohne ein Superfan zu sein. Schrieb nicht Max Goldt einst, dass die ungebrochene Anerkennung der Beatles nicht auch durch die schiere Masse ihrer erfolgreichen Veröffentlichungen bedingt sei und man daher nicht pauschal Quantität und Qualität gegeneinander ausspielen könne?
Noticeable supporting role: Kate McKinnon als schwerst erträgliche Produzentin aus Amerika.

A Quiet Place Part II
Eine Fortsetzung, auf die ich mich gefreut habe. Diesmal hat Regisseur John Krasinski das Drehbuch allein geschrieben, zudem hat er – da verrate ich kein Geheimnis – dem Ende des ersten Teils zum Trotz einen kleinen Auftritt. Die ein oder andere Schwachstelle (Logikfehler, Klischees) ist zwar zu finden, entwertet aber nicht das Gesamterlebnis.

Der Geist und die Dunkelheit
Ein Klassiker der Neunziger musste auch dieses Mal dabei sein. Mir ging beim Schauen die Phrase "'Der Weiße Hai' in Afrika" durch den Kopf, wobei "Der Weiße Hai" in Sachen Tierhorror natürlich unerreicht ist und auch bleiben wird. "Der Geist und die Dunkelheit" ist weniger subtil und reiht eine Löwen-Action-Szene an die nächste, wobei man über die Tierstunts und die Kameraarbeit nicht meckern kann. Etwas weniger geklotzt hätte dennoch gekonnt werden, zumal die realen Hintergründe mehr Tiefe zugelassen hätten. Warum Val Kilmer für die Goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller nominiert wurde, leuchtet mir allerdings nicht ein (schließlich war er hier Hauptdarsteller, haha!).