Donnerstag, 14. Dezember 2017

Der Pate – Teil II

Ich bin nicht nur Pate einer Scheibenanemone im Frankfurter Zoo, sondern seit kurzem auch Pate einer Pfeife in der neuen Orgel der Kasseler Martinskirche. Es handelt sich um ein Kollegengeschenk. Gut!


Dienstag, 12. Dezember 2017

Ich hatte Glück (und fand's so lala)


Seit Monaten werde ich aus den Brotaufstrichregalen verschiedener Supermärkte heraus aufs Infamste provoziert. Das Wort "Glück", dazu noch in dieser Schriftart und in Kombination mit dem stilisierten Herzen untendrunter, löst in mir pure Wut aus! Vielleicht könnte mich der Inhalt eines solchen Glases milde stimmen?, sinnierte ich kürzlich und gab nach: Ich kaufte ein Glas "Glück"-Erdbeermarmelade. Das Besondere daran ist der Fruchtanteil, der sage und schreibe 70% beträgt. Ein wesentlich intensiveres Geschmackserlebnis, als es andere Sorten oder Mutters Selbstgemachte bieten, hatte ich trotzdem nicht. (Nebenbei bemerkt: Feiner als Erdbeermarmelade mit Stückchen und solche ohne Stückchen ist, weil ein Mittelding aus beiden, Erdbeerpüree.) 200 Gramm Glück kosten 2,49 Euro.

Montag, 11. Dezember 2017

Was ich mache, wenn ich nicht blogge


Hier zu sehen: sämtliche Titanic-Ausgaben, an denen ich als Teil der Redaktion mitgewirkt habe. Ob ich die Regal-Etage noch vollmache? Wahrscheinlich nicht ganz, aber ich denke, "da geht noch was" (Joach. Gauck). Smiley!

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Berichte aus der groben Stadt (4)

"Abschließende Diagnose: Überdosis Morphin" schrieb die Pathologin nach dem Ende der Obduktion auf das Whiteboard. 'Ach ja', dachte sie traurig, 'das ist die unschöne Seite meines Berufs ...' Fürwahr, der schwarze Marker verursachte auf der Tafel ein ganz und gar gänsehauterregendes Ekelgeräusch. Doch dann erinnerte sich die Medizinerin an die schöne Seite ihres Berufs, nämlich dass die Patienten niemals nervten. Schmunzelnd zog sie sich um und ging in die Kantine, wo sie sich einen Teller Geschnetzeltes und als Nachtisch ein Stück Mohnkuchen gönnte.

Montag, 4. Dezember 2017

Die Rückkehr des Kybermontags

Jaistdenndasdiemöglichkeit dot com? Der Kybermontag, zuerst und -letzt im Advent 2014 begangen, erlebt seine Wiederauferstehung! Weil ich einfach zu gerne gebe.* Und fast genau so gerne ausmiste.
* Die Leute scheinen meiner Erfahrung nach weniger gerne zu nehmen, als man meinen möchte. Letztes oder vorletztes Jahr habe ich meine Facebookfreunde dazu aufgerufen, ihre Amazon-Wunschlisten zu posten, damit ich sie mit einer kleinen Wichtelei "überraschen" könnte. Die Resonanz war bescheiden. Jetzt also bitte mitmachen: Schreibt mir in die Kommentare oder per Mail, was ihr gerne haben möchtet, und das bekommt ihr dann zugeschickt (bei mehreren "Bewerbungen" für ein Objekt entscheidet die Sympathie). Teil 1: Film & Fernseh.


Anmerkungen:
1) BluRay "Scott Pilgrim vs. The World", UK-Version, Collector's Edition. Ich war sehr enttäuscht von dieser Graphic-Novel-Verfilmung, die ich mir als geekigere Version von "Kick-ass" vorgestellt hatte. Äh, ich meine natürlich: WOW, was für ein launiges Actionfeuerwerk! Das sollte in keiner Sammlung fehlen!
2) BluRay "Firefly", die komplette Serie. Ich war sehr enttäuscht von dieser Zukunftswesternserie, die ich mir als schmutzige Desperado-SciFi ohne Aliens vorgestellt hatte. Warum hält alle Welt Joss Whedon für das Genie, das er ganz offensichtlich nicht ist? (Ausnahme: "Buffy". "Buffy" ist wirklich brillant.) I'm really selling it, aren't I?
3) DVD "Mystery Team" (Achtung, Regionalcode 1 / USA!). Hier endlich ein Schatz: Das ist die lustigste unbekannte Teenie-Komödie, die ich je gesehen habe. Es geht um ein Junior-Detektivtrio, das eigentlich schon viel zu alt ist, um noch Scooby-Doo-mäßig triviale Kriminalfälle zu lösen ... und darin liegt auch schon der ganze Witz, den man nach zweimaligem Sehen auch verstanden hat. Von und mit Multitalent Donald Glover ("Community") sowie in Nebenrollen einer Reihe bekannter Comedygesichter wie Ellie Kemper, Aubrey Plaza und Bobby Moynihan.
4) DVD "The Dark Knight". Der zweite Teil einer Trilogie um den Superhelden "Batman" von einem gewissen Christopher Nolan.
Fortsetzung folgt!

Sonntag, 3. Dezember 2017

So obskur sind diese 26 Kreuzworträtsel-Lösungen!

  • Kettfaden: Chaine
  • Fischragout: Matelote
  • grüner Wandteppich: Verdure
  • Borstenhaar: Seta
  • chinesische Laute: Pipa
  • Segelboot mit zwei Masten: Ketsch
  • einzelner Strang eines Taus: Kardeel
  • Pachtgut: Meierei
  • viereckiger Behälter: Kasten
  • Vertiefung auf einer CD: Pit
  • Orgelregister: Sordun
  • Zierstrauch: Astilbe
  • steifes Gewebe: Glasbatist
  • lateinamerikanischer Tanz: Raspa
  • ital. Fingerspiel: Mora
  • Strauch an Moorrändern: Gagel
  • Öffnung im Schiffsheck: Koker
  • Kartoffelerntegerät: Roder
  • Blätter der Kassie: Senna
  • arabische Oboe: Zurna
  • Ordenstracht: Habit
  • Rundbild in der Florentiner Kunst: Tondo
  • Karpfenfisch: Zärte
  • Werkzeuge: Knarren
  • Kristallflächen: Domen
  • langgestreckte Meeresbucht: Ria

Freitag, 1. Dezember 2017

Mit den Tagen durchs Jahr

Kauf-/Geschenktipp für zwischendurch: der "Calendar of Obscure Holidays 2018" von "The Nib" (bekannt aus diesem Blog). Weil der Mensch ja nicht nur einen Tages-, sondern auch einen Monatskalender braucht. Und in diesem hier sind die abseitigsten Gedenktage, die es tatsächlich gibt, eingetragen und (zumindest zwölf davon) von unterstützenswerten Zeichnerinnen und Illustratoren bildlich veranschaulicht. Wenn man den Kalender jetzt bei Topatoco bestellt, kommt er noch dieses Jahr an!

Im Januar wird der Luftpolsterfolienwertschätzungstag gefeiert (Spoiler!)

Donnerstag, 30. November 2017

Kurz notiert: Abreißrätsel

Ich möchte mich nicht über alles lustig machen, was mir mein im Grunde ja doch geliebter Tageskalender jeden Morgen vorsetzt. So manchen Haushaltstipp, "Was geschah vor 200 Jahren?"-Fakt oder Pflanzensteckbrief weiß ich ganz unironisch zu schätzen. Von Zeit zu Zeit gibt es auch Wissensfragen wie zum Beispiel "Welche Publizistin schrieb eine Biografie über Romy Schneider?" oder "Mit wem ist Steffi Graf seit 2001 verheiratet?". Diese Fragen erscheinen jedoch nicht in einer Rubrik namens "Quiz" oder "Hätten Sie's gewusst?", sondern unter der Überschrift "Rätsel-Raten". Das scheint mir unpassend. Denn wer eine Biografie über Romy Schneider geschrieben hat, lässt sich durch Nachdenken, Knobeln und Kombinieren nicht herausfinden. Entweder man weiß es oder nicht. "Raten" im Sinne von "ins Blaue hinein eine Antwort tippen" kann man natürlich, aber ist ein Quiz eine Spezialform des Rätsels im engeren Sinne? Meiner Definition nach nicht.
Davon abgesehen finde ich die Entscheidung der Redaktion, die Steffi-Graf-Frage in ihren Kalender zu nehmen, mehr als kühn. Promipartnerschaften, und wirken sie auch noch so gefestigt, sind nicht vorm Scheitern gefeit. In der Zeit zwischen der In-den-Druck-Gabe des Abreißkalenders und dem Erscheinen des "Rätsels" (in diesem Fall 29.11.2017) vergehen mehrere Jahre – eine Mutmaßung, die dadurch gestützt wird, dass der diesjährige 31.10. a.a.O. als "teilweiser Feiertag" ausgewiesen war, wo doch spätestens 2015 festgestanden hatte, dass der 500. Jahrestag der lutherischen Reformation bundesweit ein Feiertag sein würde –, in denen einer Ehe wer weiß was widerfahren kann: Scheidung, Annullierung, Todesfall! Aber so ist's (Stand: 30.11.2017) ja doch nicht gekommen, und Steffi Graf ist immer noch mit Andre Agassi (das war btw die Lösung) zusammen.

Mittwoch, 29. November 2017

Berichte aus der groben Stadt (3)

"Uuuuund Augen auf!"
"..."
"Na?"
"Was ..?"
"Was 'was'? Wie gefällt Ihnen Ihr neues Wohnzimmer?"
"Was ist denn das?"
"Frisch gestrichene Wände in Ihrer Wunschfarbe!"
"Aber die Wände sind knallrot! Ich wollte Eierschale!"
"Ja, klar. Die Farbe von Eiern zu Ostern, wo man die Schale färbt. Ich dachte, ich soll meiner Fantasie freien Lauf lassen, und habe mich für Rot entschieden."
"Sie unverschämter, gerissener, wunderschöner Hund!"
"Hehe."
"Und jetzt raus, bevor ich die Inneneinrichter/-innen-Innung Innsbruck rufe!"
"Die InnInnInnInn? Alles, bloß das nicht!"

Montag, 27. November 2017

Neues aus der Offenbacher Anthologie

Die folgenden Gedichte nebst Interpretationen sind die Parodie einer Parodie. Ich schrieb sie irgendwann zwischen 2010 und 2011 als Weiterspinnung von Thomas Gsellas unnormal komischer "Offenbacher Anthologie", welche freilich an die "Frankfurter Anthologie" der FAZ angelehnt war und die als preiswert zu bekommende Sammelausgabe (Ullstein-Taschenbuch "Warte nur, balde dichtest du auch", 2010) sich zuzulegen ich dringend empfehle. 


PEER FETTPO
ALLE KINDER (AUSZUG)

Alle Kinder amüsieren sich beim Faschingsfest, außer Betty, die stanzt Konfetti.
Alle Kinder tragen Seitenscheitel, außer Ronny, der hat 'nen Pony.
Alle Kinder atmen tief ein, außer Lars, der hat SARS.
Alle Kinder betreiben Wintersport, außer Bob, der ist der Bob.
Alle Kinder efreuen sich am Sex, außer Elfriede, die ist frigide.
Alle Kinder sind stark behaart, außer Max, der benutzt Wachs.
Alle Kinder haben normale Namen, außer Tankred-Olk.
Alle Kinder bleiben unvereidigt, außer Sören, der muß schwören.
Alle Kinder sind da, außer Jack, der ist weg.
Alle Kinder fahren mit der Kutsche, außer Nadine, die muß zieh'n.

Es bedarf nicht immer eines Maikäfernestes im Lehrerbett oder einer Morddrohung auf der Facebook-Pinnwand um zu erkennen, daß Kinder grausam sind. Auf schmerzliche Weise erfahren mußte dies der neunjährige Peer Fettpo, der wegen seines Namens über Monate hinweg von seinen MitschülerInnen der Benjamin-Blümchen-Grundschule in Gifhorn gehänselt wurde. "Alle Kinder laufen Schlittschuh / außer Peer, der ist zu schwer", hörte er Tag für Tag aus den Mündern der Unmündigen. Als der bösartige Spruch eines Morgens in großen gelben Kreidelettern auf der Schiefertafel prangte, riß Peer der Geduldsfaden. Da sein Vater den heimischen Waffenschrank jedoch gut abgeschlossen hatte, griff der Junge zur Macht des Wortes und schlug mit dem Füllfederhalter zurück. Über jeden einzelnen Schüler, jede einzelne Schülerin verfaßte er einen den jeweiligen Namen aufs Korn nehmenden Reim. Selbst exotische Vornamen verstand er aufs vorzüglichste einzuarbeiten (Beispiel: "Alle Kinder machen eine Autopsie / außer Trish, die liegt auf'm Tisch."). Innerhalb einer Nacht entstand so eine Sammlung von Zweizeilern – streng in der Form, gewitzt und zielsicher im Inhalt –, die demnächst als dreiseitiges Heftchen bei Luchterhand aufgelegt wird, Titel: "Alle Kinder der Klasse 3b sind doff! [sic]" Eine Frage stellt sich allerdings: Warum bleibt eine einzelne Schülerin in dem Peer'schen Gedichtsammelsurium unerwähnt? Handelt es sich um seine heimliche Angebetete? Oder ist "Silvia" einfach nur beschissen schwer auf irgendwas zu reimen?
CARMEN THOMAS

WILFRIED MAIER
STADTSZENE

Am Springbrunnen sitzt eine Gurke Teenies, trinkt Brief, Bier
Omas und Opas und Omas kaufen am und ein zu
Auf der Fußgängerzange steht ein Bettler und streicht Leierkasten
Hochbetrieb auch am Kirflu, bangert ransch!
Motorradfahrer mit Schiffschrauben Hemdknopf Schneewittchen
Wer will nicht mit ins Pfandhaus, am Neumond acht mal klopfen, Lar?

Als die Brüder Alfred und Wilfred im Juli 1998 ihren gemeinsamen Abenteuerurlaub in Vanuatu antreten, ahnen sie noch nicht, daß sich damit ihrer beide Leben grundsätzlich verändern werden. Fasziniert von den rituellen Spielen der indigenen Bevölkerung können sie einen Stammesoberen dazu überreden, sie bei dem sogenannten Naghol mitmachen zu lassen, einer extremen Vorform des Bungeespringens, bei welcher der Springer – mit den Füßen an eine Liane gebunden – mit dem Kopf auf der Erde aufschlagen muß. Alfred springt zuerst, rollt sich elegant ab, erntet Applaus von den Zuschauern. Auch Wilfred wird für seinen Jump gelobt, als er nach kurzer Benommenheit wieder aufsteht. Was niemand sehen kann, ist, daß der 40jährige ein massives Hirntrauma erlitten hat, das sich allerdings "nur" in einer sogenannten Wernicke-Aphasie manifestiert. Bei dieser Sprachstörung vertauscht der Patient beim Sprechen Laute, Silben oder Lexeme und erfindet zum Teil neue Wörter, ohne davon selbst etwas zu merken. Seinem Bruder fällt Wilfreds Leiden erst am Abend auf, als dieser an der Cocktailbar einen "Margarina mit Zitronenglas und Tapeten zum Lachen" bestellt. Doch Alfred wäre nicht der lebenslustige Schmunzelfex, als den man ihn kennt, wenn er aus der Situation nicht das Beste zu machen verstanden hätte. Noch im selben Jahr beginnt er, sämtliche Wortschwälle des Bruders mitzuschneiden und zu transkribieren. Es entsteht eine faszinierende Sammlung ungebändigten Gedankenflusses, in wirrer Sprache, doch oft mit erstaunlich tiefem, ja unheimlichem Sinn. "Der Trapp leckt" ist bei Chapman & Hall erschienen, faßt 1059 Seiten und kostet 39,99 €.
CLAUS KLEBER

Donnerstag, 23. November 2017

Mittwoch, 22. November 2017

Exklusiv: VIP-News brisant wie nie!

Die "Panorama"-Seite der Süddeutschen Zeitung widmet ihre tägliche Promispalte heute zur Gänze Boris Becker – anlässlich dessen 50. Geburtstag. Unter anderem erfährt man, dass seine Tochter Anna Ermakowa "genaue Vorstellungen von ihrem zukünftigen Traummann" hat: "'Was mir wichtig wäre, sind Ehrlichkeit, Freundlichkeit, und er muss mich zum Lachen bringen', sagte das Nachwuchsmodel dem britischen Magazin You." WOW!
Das kommt vom Sensationsgehalt jedoch nicht an die Meldung heran, die ich am 7.2.2003 in meiner Lokalzeitung vorfand: "Heike Makatsch hat es offen ausgesprochen: Sie findet die Unterlippe von Hugh Grant zu dünn." Erst sieben Jahre später, am 9.3.2010, stieß ich auf eine ähnlich festhaltenswerte Nachricht: "Sophia Loren findet ihre Lippen zu dunkel." Das hat zwar ebensowenig mit Boris Becker zu tun wie das Makatsch'sche Lippenbekenntnis, ist aber auch schon wieder sieben Jahre her und damit reif für eine Wiederveröffentlichung; ich möchte mir diese ganzen Notizen schließlich nicht umsonst gemacht haben!