Samstag, 19. September 2020

Freitag, 18. September 2020

Mein Freund, der Baum, ist lebendig

Neulich folgende Anzeige in einer Zeitschrift von 1984 gefunden:


Da habe ich mich ein wenig gefreut. Zwar können wir nicht mehr die Welt retten, aber immerhin den Wald haben "wir" gerettet, zumindest den deutschen. Oder wann hat man zuletzt etwas von Saurem Regen gehört? Wobei ich schon gerne wüsste, wie so eine "Säuresteppe" aussieht ...

Mittwoch, 16. September 2020

Der unheimliche Doppelstopp

Wieder einmal habe ich das Phänomen der "übernatürlichen" Mehrfachbegegnung erlebt, und ich weiß wirklich nicht, wie man das anders als mit extrem unwahrscheinlichem Zufall erklären soll. Am Sonntag las ich den ersten Band von "Y: The Last Man" (Comics auf dem Kindle Fire funktionieren übrigens überraschend gut) und stolperte dabei über diese zwei Sprechblasen:


Mein Stolpern zog sich nicht lange hin. Entweder ist das Fantasie-Arabisch, oder qaf bedeutet halt irgend so was wie "Hey!" oder "Achtung!", dachte ich mir und setzte die Lektüre fort.

Am Montag darauf begegnete mir der Ausruf jedoch ein zweites Mal, nämlich in der Rätselrubrik "Quartett" der SZ-Wochenendausgabe:


Damit war die Bedeutung von qaf klar, und ich konnte, was selten genug vorkommt, das ("mittelschwere") Rätsel lösen: Alle vier Bilder zeigten Anagramme von STOP, nämlich zwei TOPS, einen SPOT (Bühnenbeleuchtung) sowie das Logo der Deutschen POST.

Noch einmal: An zwei Tagen hintereinander lese ich das arabische Wort für "Stopp!" in zwei Medien, die nichts miteinander zu tun haben – das muss doch selbst rational denkenden Menschen, wenn nicht übernatürlich, so doch zumindest gespenstisch vorkommen!

Montag, 14. September 2020

Thank you Mario!

Bei der Zeitungslektüre sah ich heute etwas, das mir beinahe die Tränen in die Augen trieb:


Zum 35. Geburtstag des wegweisenden und legendären NES-Spiels Super Mario Bros. hat die Süddeutsche Zeitung eine halbe Seite für eine Spezialanzeige freigemacht. Den Glückwünschen schließe ich mich natürlich an, und ich freue mich, dass hier tatsächlich das korrekte Jubiläum begangen wurde und nicht etwa fälschlicherweise der Spielfigur Super Mario gratuliert wurde.

Sonntag, 13. September 2020

Nachtrag zur Frankfurter Zeppelin-Sichtung

Heute ist es mir gelungen, das Goodyear-Luftschiff, das immer noch über der Stadt seine Runden dreht, fotografisch festzuhalten! Leider nur aus großer Entfernung, aber immerhin. Das Stadtkind-Blog hat schönere Aufnahmen und zitiert zudem das beworbene Unternehmen; demnach ist der letzte Blimp-Auftritt tatsächlich ein gutes Jahrzehnt her.



Samstag, 12. September 2020

Und darum tret' ich ...

Ich fürchte, ich kann nicht mehr lange meinen Stamm-Rewe aufsuchen, solange das dort dudelnde Supermarktradio sich nicht grundlegend ändert oder gleich ganz abgeschaltet wird. Es ist wirklich u n e r t r ä g l i c h ! So gut wie jedes verdammte Mal tönt aus den Lautsprechern dieses Lied, bei dem im Refrain "Willst du bei mir bleiben?" gesungen wird. Es trägt, wie ich eben ermittelte, den Titel "Willst du bei mir bleiben" und stammt aus dem Jahr 2011! Das heißt, sie spielen nicht mal aktuelle Chartmusik, sondern greifen anscheinend auf eine Playlist namens "Das Scheußlichste aus zehn Jahren" zurück. Oder aus 30 Jahren. Diese Woche erklang eine Kirmes-Techno-Version von Savage Gardens "Truly Madly Deeply", für die man sich sogar in den 1990ern geschämt hätte. Was ist aus der guten alten, harmlosen Muzak geworden? Oder lasst von mir aus ganz leise Chopin laufen.

Freitag, 11. September 2020

Never forget: Flugobjekte in der Hochhausstadt

Wichtiger Tagebucheintrag: Heute, am Vormittag des 11. September 2020, habe ich seit sehr langer Zeit mal wieder ein Werbezeppelin über der Frankfurter Skyline schweben sehen. "Goodyear" stand auf ihm, und es bewegte sich von Südwest- in Nordost-Richtung. Ein Foto zu machen, fehlte mir die Zeit/Lust/Geistesgegenwärtigkeit.

Mittwoch, 9. September 2020

Lesetipp: Gespräch mit Gudrun Penndorf

Hochinteressantes Interview in der heutigen SZ (online leider hinter Bezahlschranke) mit der langjährigen Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf, die jetzt für ihre Verdienste das Bundesverdienstkreuz erhält:

Aber ein gewisses Misstrauen der Franzosen blieb.
Ja, bis heute werden die Übersetzungen, mittlerweile stammen diese ja von Klaus Jöken, vor der Veröffentlichung ins Französische rückübersetzt, um weitere Malheure zu verhindern. So war "Die spinnen, die Römer" ursprünglich vom Verlag mit "Uiiii, die Römer sind doof" übersetzt worden. Aber im Original heißt es ja auch "Ils sont fous, ces Romains". Das ist viel expressiver. Also habe ich es fürs Deutsche nachempfunden.

Und die Rückübersetzungen liefen immer reibungslos?
Manchmal verstand der Rückübersetzer in Paris meine Witze nicht. Mit dem römischen Namen "Ofenaus" etwa konnte der nichts anfangen. Zunächst! Und ohne die Hilfe meiner französischen Freunde hätte wiederum ich viele französische Insider-Gags nicht kapiert. Zum Beispiel, wenn es um in Frankreich populäre Lieder ging. Aus Josephine Bakers "J'ai deux amours" machte ich dann "Ganz Lutetia träumt von der Liebe", also in Anspielung auf den in Deutschland durch Caterina Valente bekannten Schlager. So etwas hat mir immer Spaß gemacht. Oder, wenn es mir gelang, ein schönes Goethe-Zitat irgendwo einzubauen.


Dienstag, 8. September 2020

Ein- und ausgeklinkt

Wer erinnert sich noch daran, dass ICEs der ersten drei Generationen standardmäßig Kopfhörerausgänge neben ihren Sitzen eingebaut hatten, über die man mehreren Kanälen eines Bordprogramms lauschen konnte? Ich erinnere mich daran! Gut 15 Jahre muss es her sein, dass ich dieses Hörangebot zum letzten Mal nutzte; auf einem der Sender lief tatsächlich ein Hörspiel von Max Goldt (entweder "Ein Leben auf der Flucht vor der Koralle" oder "Die Radiotrinkerin").

Inzwischen ein seltener Anblick: Kopfhörer an verstummtem Audiomodul, hier in der 1. Klasse eines ICE-T

Diesen Entertainment-Bonus bietet die DB schon lange nicht mehr. 2009 berichtete die Frankfurter Rundschau (zitiert nach player.de), dass die Bahn "in den Jahren 2004 bis 2008 sukzessive in rund einem Drittel der ICE-Züge das gewohnte Bordprogramm gegen zusätzliche Steckdosen an den Sitzplätzen ausgetauscht und die Züge teilweise mit WLAN-Netzen ausgestattet" hat. Schade? I wo! Unterhaltung fürs Ohr hat man doch heute sowieso immer dabei, eine Steckdose ist mir da wichtiger – wobei der ICE-3 zeitweise beides hatte und ja ohnehin über einige Luxus-Features verfügte: Nicht nur befand sich in ihm wie im ICE-T und ICE-TD ein Panorama-Abteil, nein, "[e]inige Plätze in der ersten Klasse (ursprünglich auch in der zweiten) waren mit Videobildschirmen ausgestattet, auf denen Dokumentationen und Filme von Bahn TV gezeigt wurden" (Wikipedia, bekanntermaßen ein Fakten- und Geschichts-Dorado für Bahnfans). Schade, dass ich diese Ausstattungsmerkmale nie genießen durfte. Wenigstens war es mir in letzter Zeit mehrmals vergönnt, in einem alten Metropolitan zu reisen.

Freitag, 4. September 2020

Das Comeback der Brunnenomas

Einer meiner Lieblings-Titanic-Titel ist der vom Januar 1997. Nicht nur, weil er so herrlich unsinnig ist, sondern auch, weil er etwas zeigt, womit ich viel verbinde: die Prager Straße in meiner Heimatstadt Dresden.


Die ikonischen "Pusteblumen" im Hintergrund wird jeder erkennen, der vor oder nach der Wende ein paar Mal über jene Einkaufsstraße flaniert ist. Nachdem sie in den Nullerjahren vorübergehend verschwunden waren (historische Hintergründe hier), steht heute wieder ein Teil der Brunnenanlage an seinem ursprünglichen Platz. Und hol's der Teufel – 20 Jahre nach dem Jahr 2000 und 50 Jahre nach dem Bau der Brunnen gelang mir neulich dieser Schnappschuss:


In meiner Vorstellung sind das exakt dieselben Damen wie die auf dem Titanic-Cover! Woher aber stammt das Originalfoto? Nun, ein weiterer Zufall sorgte dafür, dass die FAZ gestern eine Besprechung von Kurt Drawerts Roman Dresden – Die zweite Zeit wie folgt bebilderte:


Als Fotocredit ist "Action Press" angeführt. Vermutlich hält diese Bildagentur die Rechte an einer Fotoreihe mit einschlägigen DDR-Impressionen und hielt diese auch damals. Ich könnte ja weitere Recherchen anstellen, aber ich finde, in dieser Sache sollten weiterhin ausschließlich Schicksal und kosmischer Zauber wirken.

Donnerstag, 3. September 2020

O Weltgeist!

Er trinkt eine Tasse Tee in Tomsk und erleidet kurz darauf teilweisen Tod durch Toxine?

Mittwoch, 2. September 2020

Drei Soßen

Schon vor einer Weile war mir die Vielfalt indischer Fertigsoßen im Asiaregal des örtlichen Rewe-Marktes aufgefallen. Skepsis hinderte mich zunächst am Kauf, bis die Neugier überwog. Hier also eine Kurzrezension dreier Gläser (resp. deren Inhalts):


Die Butter Chicken Sauce von Truly Indian interessierte mich, weil ich so einmal auf vegetarische Weise das Aroma dieses beliebten Hühnergerichts testen konnte. (Allgemein gilt für alle drei Produkte, die es übrigens auch in anderen Flavours gibt: Freilich kann jeder nach Belieben Fleisch oder Gemüse dazutun, ebenso kann man die Soßen mit Tofu, Paneer oder pur an Reis oder Brot genießen.) Geschmackstest: bestanden. Ich merke zwar irgendwie einen Unterschied zu selbstgekochter Soße oder welcher aus dem Restaurant, aber sie schnabuliert sich gut weg.

Eindeutiger Testsieger ist aber das Korma-Fix von Sharwood's: unglaublich cremig, vielfältig, eine wahre Gewürzexplosion! Ich habe einfach nur Erbsen untergehoben und Chapati dazu vertilgt. Ergibt zwei Portionen.

Das neckische Alleinstellungsmerkmal von Geeta's Rogan Josh ist das separate Würzpulver im Deckel. Es wird zuallererst mitsamt dem Anzubratendem in die Pfanne gegeben, erst dann soll man die Soße drübergießen. In diesem Zusammenhang eine Warnung: Wer Scharfes nicht mag oder verträgt, verwende besser nur die Hälfte des Pulvers, denn trotz des ausgewiesenen Hotness-Grades "medium" hat es die Rogan-Josh-Soße ganz schön in sich; dafür ist diese nordindische Spezialität schließlich berüchtigt. Tränentreibend war es zwar nicht, aber der Schweiß ist mir recht ordentlich runtergelaufen.

Preislich hat keines der Gläser die 3,99-Grenze überschritten. Wer also mal Appetit auf den Zauber Indiens verspürt, ohne viel Geld oder Zeit investieren zu wollen, darf bedenkenlos zugreifen. (Ich habe, wie gesagt, bisher nur die hier vorgestellten Sorten probiert und kann nicht garantieren, ob etwa die Tikka-Masala-Mischung von Sharwood's ebenfalls was taugt.)

Montag, 31. August 2020

Mit Fug' und Recht

Schulerinnerung: Einmal kam unsere cholerische Deutschlehrerin Frau K. mit einem portablen Musikabspielgerät ins Klassenzimmer und stellte es ohne einleitende Worte erst ab und dann an. Es ertönte ein klassisches Musikstück, dem wir ehrfürchtig lauschten. Als es nach einer gefühlten Ewigkeit zu Ende war, wollte die Lehrerin wissen, was das war und warum sie es wohl gespielt habe. Natürlich war niemand von uns Klappskallis in der Lage, die Genialität des anspielungsreichen Unterrichtsauftakts zu erkennen oder wertzuschätzen, weshalb Frau K. sich gewohnt wütend zur Erklärung genötigt sah: "Menschenskinder, das war eine Fuge von Bach! Wir wollen heute über Fugen reden, weil wir die Todesfuge von Paul Celan behandeln."

Den Aufbau einer Fuge (im musikalischen Sinne) kann ich nicht mehr herunterbeten, aber dass ich mich nach über 20 Jahren überhaupt noch an die nämliche Stunde erinnere, spricht wohl für diesen damals eher verwirrenden didaktischen Kniff. Was ein Oxymoron ist, weiß ich immerhin noch, denn das wurde uns bei dieser Gelegenheit ebenfalls eingebläut.

Noch eindrucksvoller wäre es gewesen, wenn Frau K. nach dem Stundenklingeln wortlos ein paar Badkacheln vor uns ausgebreitet und diese mit "Molto Fliesenfix" verfugt hätte. Da es sich um den Deutschunterricht handelte, hätte es auch Sinn gemacht, mit dem grammatikalischen Randthema Fugenelemente einzusteigen. Ein Fugenelement ist z.B. das -s- in Rindswurst, aber auch das mittlere -e- in Schweinebraten und das -n- in Putenbrust. Es gibt zum Phänomen der Fuge überraschend viele Arbeiten, die der/die geneigte Leser/in bei Interesse selbst konsultieren möge.

Freitag, 28. August 2020

Kurz notiert: Blaublütige Klo-Gimmicks

Wer sich schon über Toilettenspülsteine, die als "WC-Automaten" vermarktet werden, amüsieren kann, sei hiermit darüber aufgeklärt, dass sich das Rewe-Pendant zu "WC Blau" allen Ernstes so nennt:


WC Duftblüten Blauspüler! Konsequent wäre es da nur, das Produkt unter der Eigendachmarke "Feine Welt" statt "Beste Wahl" zu führen.

Mittwoch, 26. August 2020

Die Werbe-Rikscha

Die Dresdner Reklame-Lkws, die ich vor sieben Jahren beschrieben habe, scheint es nicht mehr zu geben. Stattdessen begegnete ich vergangene Woche folgendem Gefährt am Dr.-Külz-Ring in Dresden:


Eine Art Velotaxi karrt einen von innen beleuchteten Werbe-Quader durch die nächtliche Innenstadt. Ob der Fahrer auch Fragen zu dem beworbenen Unternehmen (hier: Vodafone) beantworten kann oder zusätzlich Flyer verteilt, weiß ich nicht; es hatte jedenfalls nicht den Anschein.

Montag, 24. August 2020

Filmtitel XXI

A Stranger Among Us → Sanfte Augen lügen nicht
Farming → Black Skin*
QT8: The First Eight → Tarantino – The Bloody Genius
Braid → Obsessed – Tödliche Spiele
Uncut Gems → Der Schwarze Diamant
Like a Boss → Lady Business
Oro y Polvo → Narco Soldiers: Kampf der Kartelle
Vingt-Quatre Heures d'un Américain à Paris → Sex x Sex 
Strange Compulsion → Erotik in Fesseln
Crimewave → Die Killer-Akademie
The Unicorn → Threesome – Die Suche nach dem Sex deines Lebens
After She Wakes → When She Wakes
After We Collided → After Truth
The Way Back → Out of Play – Der Weg zurück
Life Like → Perfect Human
The Wretched → The Witch Next Door

* Quelle: imdb; lt. Cinema jedoch: "In my Skin"

Samstag, 22. August 2020

Tischgespräch

- Mennoooo! Jetzt ist mir schon die dritte Toastscheibe zerrissen, weil die Butter zu hart ist und ich sie nicht richtig breitschmieren kann. Und als ich eine Scheibe toasten wollte, ist sie angebrannt, weil der Bräunungsregler zu hoch eingestellt war. Und das Ei war viel zu weich; das Eigelb ist mir aufs T-Shirt gespritzt! Das war mein Lieblings-Shirt! Und die Milch ist zu kalt, und aus der Müslischachtel hat jemand das Spielzeug-Gimmick geklaut. Und die Marmelade ist fast alle, und der Saft ist zu sauer, der Salzstreuer ist verstopft, und die Erdnussbutter ist crunchy, ich mag aber nur die cremige. Und in der Obstschale krabbeln schon wieder Wespen rum, und außerdem komm ich zu spät zur Schule ... DAS IST NICHT FAIR!!!
- In Ordnung, das reicht. Ab morgen gibt es in diesem Haus nur noch ...

Donnerstag, 20. August 2020

Wenn das Teigkind am Tag isst, bon appétit

Neulich gab es bei Rewe, der Wochenprospekt wies mich auf dieses zeitlich begrenzte Angebot hin, essbaren Keksteig von Cookie Bros. im Becher. 



Was ich seinerzeit über meine erste Erfahrung mit rohem Naschteig schrieb, trifft auch auf diese Snacks zu: Nach wenigen Löffeln (ein hölzernes Löffelchen ist, s.o., im Deckel des Bechers versteckt) hat man einfach genug. Ich zumindest konnte nicht mehr, nachdem ich ein Drittel verputzt hatte. Nun, so ist wenigstens der Preis, für welchen man 500 ml (gute!) Eiscreme bekommen könnte, gerechtfertigt: Man zehrt lange von den jeweils 160 Gramm.

Probehalber habe ich übrigens aus beiden Teigen (Classic und Lemon Pie) ein paar Kekse geformt und im Ofen gebacken. Das funktioniert hervorragend:


Über den Geschmack des Teiges sowohl im ungebackenen als auch im gebackenen Zustand kann man nicht meckern. Man merkt jedoch insbesondere an den fertigen Keksen, dass da deutlich weniger Zucker drin ist als in Backwaren aus Mutterns Rezeptbuch. Apropos drin: In der Zitronenkuchen-Variante sind tatsächlich Eier verarbeitet, im Gegensatz zu den Produkten der von mir damals besuchten Berliner Teigbar. Ansonsten recht viele "E"s.

Dienstag, 18. August 2020

Verduftet

Heute habe ich, was längst überfällig war, meine Kaffeemaschine und meinen Wasserkocher entkalkt, oder sagen wir: Ich habe sie mit Entkalker behandelt. Vollständig von den hässlichen weißen Verkrustungen befreien lassen sich die Geräte nicht mehr. Das Wasser ist hier halt wirklich sehr kalkhaltig.

Ich muss feststellen, dass auch die Verkalkung in meinem Gehirn fortschreitet. Letzte Woche habe ich zum ersten Mal vergessen, Parfüm aufzutragen, bevor ich das Haus verließ. Erst etwa eine Stunde später bemerkte ich es, als ich dachte: 'Hm, kann es sein, dass ich etwas unfrisch bin?' Da kann man mal sehen bzw. riechen, dass der Mensch nach einer Weile in abartiger Hitze wirklich unfrisch ist; mit Eau de Toilette o.ä. übertüncht er nur die gröbsten olfaktorischen Auswirkungen. Zum Glück hatte ich noch einen Not-Deoroller dabei. 

Nebenbei: Sind Eau de Toilettes (oder heißt es "Eaus de Toilette"?) und Parfums (oder heißt es "Parfüme"?) im Zeitalter von Rexona, Axe & Co. nicht im Aussterben begriffen? Das benutzen doch nur noch so altmodische Käuze wie ich, die auch einen Regenschirm und eine Armbanduhr besitzen ...

Sonntag, 16. August 2020

Mit dem Sack zu Rewe, warum René?

Am Freitagabend war in der Supermarktschlange vor mir ein junges Pärchen, das seinen Wochenendeinkauf in einem mitgebrachten Rollkoffer verstaute! Ich staute, äh: staunte erst, wunderte mich dann aber, dass ich so etwas noch nie gesehen hatte. Besonders abwegig oder unpraktisch ist diese Transportmethode schließlich nicht.
Und wie befördert man die Waren im Markt? Nun, sobald ich vorhabe, mehr als zwei Items zu kaufen, benutze ich einen Korb. Im Rahmen der Corona-Bestimmungen ist das ja nun ohnehin vorgeschrieben, sofern nicht sogar Wagenpflicht besteht. Aber auch ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich in typischer Studenten/WG/Single-Manier mit einer leeren Obst- oder sonstigen Kiste, die ich mir von irgendwoher gegriffen hatte, durch die Gänge schlurfte.
Stoffbeutel mit reinzunehmen und zu befüllen, scheint ebenfalls recht beliebt (und legal) zu sein; erst neulich bat mich bei Rewe ein Kunde im Rollstuhl, ihm ein Sixpack Bier aus einem Regal zu holen und in seinen Beutel zu stecken. Das würde ich mich nicht trauen – aufgrund einer prägenden Erfahrung aus meiner Kindheit! Einmal war ich, wie so oft, in der Bibliothek und hatte, weil mir eine Münze für das Schließfach fehlte, einen Stoffbeutel mit hineingenommen. Beim Stöbern wurde ich dann von einem grantigen Mitarbeiter aufgefordert, den Inhalt meines Beutels vorzuzeigen. Ich glaube, es befanden sich irgendwelche vorher gekaufen Lebensmittel darin, oder Schulsachen. "Taschen sind hier verboten", maulte der Bibo-Mann. "Du könntest Medien damit rausschmuggeln!" (Die waren damals nich nicht elektronisch gesichert.) Das hat mich mächtig eingeschüchtert.

Donnerstag, 13. August 2020

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

The Hunt
Den Wirbel, den es im Vorfeld um diesen makabren Splatterspaß gab, hat sicher jeder mitbekommen. Dazu nur so viel: Wer in solch einer haarsträubenden Prämisse – reiche leftists entführen right-wing "deplorables", um sie mit allen möglichen Waffen zu jagen – einen Angriff auf den Diskurs oder die Spaltung des amerikanischen Volkes befeuert sieht, hat sie doch nicht alle. Tatsächlich bekommen auch überkorrekte liberals mehrmals und auf äußert witzige Weise ihr Fett weg. "Both-siding" braucht man indes nicht zu befürchten, und überhaupt kann ich nicht verstehen, wie manche Linke den Autoren Nick Cuse und Damon Lindelof (gerade nach "Watchmen"!) irgendwelche Zugeständnisse an Trumpisten unterstellen können. Allenfalls könnte man ihnen im Gegenteil Bequemheit vorwerfen, wenn sie in einem recht späten Dreh enthüllen (Spoiler), dass das Final girl der Meute gar nichts mit dem MAGA-Pöbel zu tun hat. Aber würde man denn wirklich für eine rechtsradikale Heldinnenfigur rooten wollen?
Solche politischen Fragestellungen beiseite genommen, ist "The Hunt" ein irrwitziges Vergnügen, bei dem ich besonders mochte, dass Charaktere, die von prominenten Schauspieler(inne)n gespielt werden, bereits nach ultrakurzen Auftritten ausgesiebt werden (laut Wikipedia eine "Anlehnung an den Twist in Alfred Hitchcocks Psycho – von Lindelof der Janet Leigh-Trick genannt –, in dem überraschend früh im Handlungsverlauf die bisherige Hauptfigur, die von dem größten Star in der Besetzung gespielt wurde, umgebracht wurde und daher im Rest des Films nicht mehr vorkam. Dieser Twist wurde bereits in Scream satirisch aufgenommen. Daher sagt Lindelof, der nächste Schritt sei, ihn einfach zu wiederholen"). Lol.

Summer of 84
Ein Coming-of-Age-Krimi, der auf der 80s-Retro-Welle von Erfolgen wie "Stranger Things" und "Es" mitsurfen will, an dessen Inhalt ich mich aber schon jetzt kaum mehr erinnern kann. Ich weiß noch, dass drei dauerfluchende Jungs einen schrecklichen Verdacht gegen einen Polizisten aus der Nachbarschaft hegen und dass das Ende extrem pessimistisch und niederschmetternd war. Dazu: BMX-Räder, Arcade-Automaten und Autos. Die Schauspieler in dieser kanadisch-US-amerikanische Co-Produktion waren mir unbekannt.

Die Jury (OT: A Time to Kill)
Anlässlich des Todes von Joel Schumacher habe ich eine beliebige John-Grisham-Verfilmung nachgeholt, und die entpuppte sich, wie zu erwarten war, als sehr prototypisch für das Neunzigerjahre-Thrillerkino, im Guten wie im Schlechten. In manchen Aspekten fühlt man sich unangenehm an "Mississippi Burning" erinnert, vor allem die Verharmlosung von Selbstjustiz stößt sauer auf; man lese dazu den Abschnitt "Kritik" auf der Wikipediaseite. Die Besetzung ist durchweg erste Sahne: Sandra Bullock, Matthew McConaughey, Vater und Sohn Sutherland und (speaking of "sauer aufstoßen") Kevin Spacey. Ich habe noch nichts von John Grisham gelesen und kannte auch bis dato noch keinen Film, der auf einem Grisham-Roman basiert, aber ich frage mich, ob man den Stoff nicht auch in zwanzig Minuten weniger nacherzählen hätte können. 

Ali G in da House
Bei meiner Reise durch Sacha Baron Cohens Filmographie bin ich nun bei seinem Erstling angelangt ("Brüno" fehlt mir noch). Das abendfüllende Ali-G-Feature markierte im Jahr 2002 bereits die dritte und letzte der bei Wikipedia aufgestellten Phasen der Entwicklung dieser Kunstfigur:
"1. Als Ali G noch weitgehend unbekannt war, tritt die Figur als Hoax-Interviewer für britisches Jugendfernsehen auf. Der Humor ergibt sich aus dem Aufeinanderprallen eines 'Straßen-Habitus' mit dem Establishment.
2. Ab der zweiten Serie Ali G ist die Figur zu bekannt, so dass die Interviewpartner wissen, dass er fiktiv ist. Die Komik ergibt sich dennoch aus den Fragen von Ali G, wie beispielsweise im Interview mit David und Victoria Beckham.
3. Schließlich ist Ali G in dem Film Ali G in da House eine fiktive Figur in einer fiktiven Umgebung. In dem Film gelangt Ali G in die britische Politik. Er wird von einem intriganten Finanzminister als Kandidat aufgestellt, um der eigenen Partei zu schaden. Überraschenderweise wird der Politiker Ali G sehr beliebt."
Das ist schade, denn während man sich über "Borat" mit seiner Mischung aus Mocku- und Documentary noch heute beömmeln kann, ist "Ali G in da House" schlecht gealtert. Manche Gags sieht man meilenweit nahen, viele wirken trotz ironischer Brechung / uneigentlicher Distanz / whatever heutzutage problematisch. Erstaunlich ist einmal mehr, dass sich gestandene britische Akteure und Aktricen für diesen pubertären Klamauk hergegeben haben, allen voran Charles Dance in routiniert durchgehaltener straightness.
Kuriosa am Rande: 
1. Alis nicht eben glorreich wegkommende Heimatstadt ist Staines. Dazu Wikipedia: "Am 20. Mai 2012 wurde die Stadt offiziell in Staines-upon-Thames umbenannt, um die Lage an der Themse hervorzuheben, andererseits die Verbindung mit der Figur Ali G des Komikers Sacha Baron Cohen zu schwächen."
2. In der deutschen Synchronfassung wird die Hauptfigur von Mola Adebisi gesprochen.

The Forest
Apropos "Game of Thrones"-Veteran (Charles Dance): In "The Forest" sucht Natalie Dormer im berüchtigten japanischen "Selbstmordwald" Aokigahara nach ihrer Schwester. Zwar angenehm zurückhaltender Outdoor-Grusel, der aber nicht über Mittelmaß hinauskommt.

A Deadly Adoption
Hier der obligatorische Will-Ferrell-Streifen, und der ist diesmal wirklich nur etwas für Hardcore-Fans wie mich. Es handelt sich um einen komplett unironischen Lifetime movie, also einen jener an eine spezielle Zielgruppe aus mittelalten und reiferen Frauen ausgerichteten (Nachmittags-)TV-Filme, die mit beschränktem Budget ein angeblich auf wahren Begebenheiten beruhendes Schicksal schildern. In diesem Fall geht es um eine schwangere femme fatale, die sich im Haus und in das Leben einer Bilderbuch-Mittelschichtsfamilie einnistet. Dass die zwei lustigsten Schauspieler des Planeten (Ferrells Frau wird von Kristen Wiig verkörpert) die Story tatsächlich ernsthaft durchexerzieren, ist (fast) der einzige Witz dieses cineastischen Experiments. Wie würde eine Lifetime-Stammzuschauerin, die von den komödiantischen Hintergründen der Beteiligten nichts weiß, auf "A Deadly Adoption" reagieren? Sicher, als reines Drama funktioniert das durchaus, der Plot ist durchdacht und nicht unspannend, aber mir ist die Fallhöhe dabei zu gering. Oder zu hoch? 

Parasite
Satire zum Vierten: Den südkoreanischen Oscar-Gewinner 2019, der allüberall als Gesellschaftssatire vermarktet und gelobt worden ist, musste man natürlich auch mal sehen, und was soll ich sagen? Puh, das ist ja was! Wie viel und wo Satire darin steckt, vermag ich nicht zu sagen, aber ein ätzender, bisweilen komischer, am Ende verstörend blutiger Kommentar zu Familienbanden, kapitalistischen Mechanismen und dem westlichen Klassensystem ist "Parasite" allemal. Jawohl, westlich, denn zum einen ist Korea im Kern ein "westliches" Land, zum anderen macht Bong Joon Hos Werk reichlich Zugeständnisse an nicht-asiatische Sehgewohnheiten. Als ich erfuhr, dass ein amerikanisches Remake geplant ist, habe ich angemessen die Augen verdreht. Jetzt, da ich weiß, dass Bong persönlich dafür verantwortlich zeichnen wird (und zwar in Zusammenarbeit mit Adam McKay!) und es sich um eine HBO-Serie handeln wird, bin ich voll des Hypes.

Game Night
Ein Vertreter des oft unerfreulichen Genres der Chaos-Komödie, der mich aber die meiste Zeit über glänzend unterhalten hat. Er hat ein bisschen was von Finchers "The Game" (1997, mit Michael Douglas), weiß mit turbulenten Wendungen zu überraschen und mit einem Cast aufzuwarten, dem man gern zusieht (Jason Bateman, Rachel McAdams, Jesse Plemons).

Charade
Unvermeidbarer Bestandteil amerikanischer Spieleabende ist Charade, weswegen es nahelag, den so betitelten Suspense-Klassiker von 1963 nachzuschieben – immerhin "der beste Hitchcock, den Hitchcock nie gedreht hat". Ja, es macht viel Freude, den Hollywood-Granden Audrey Hepburn (als durchaus starke Frauenfigur, an der lediglich die romantische Naivität antiquiert wirkt) und Cary Grant an Pariser Originalschauplätzen zuzusehen. Und Walter Matthau! Die Mörderhatz ist sogar mit ein paar Lachern gespickt, allein der finale Twist weist meines Erachtens eine gewisse Ungereimtheit auf bzw. wirft Fragen auf. 

Travis: The True Story of Travis Walton
Zum Schluss eine Dokumentation, nämlich über den Fall Travis Walton. Tja, ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Spannendes Thema jedenfalls.

Mittwoch, 12. August 2020

Danke, HK!

Liebe Menschen in Hongkong,
ich freue mich, dass ihr bei all dem Stress, den ihr habt, noch die Zeit findet, auf meiner Seite vorbeizuschauen.
Alles Beste!


Dienstag, 11. August 2020

[enthält keine Produktplatzierungen]

Vor etwa neun Jahren fiel mir zum ersten Mal auf, dass Pro Sieben nach jeder Werbepause während der Ausstrahlung einer US-Serie in einer Ecke den Hinweis einblendete, das Programm enthalte "Produktplatzierungen". Kürzlich konnte ich sehen, dass Privatsender das immer noch praktizieren. Ich fragte mich damals wie neulich, was das soll. Wenn es sich um amerikanische Produktionen handelt, haben doch Pro Sieben & Co. selbst gar keinen Einfluss auf die darin gezeigten Product Placements, die ich ohnehin noch nie bemerkt habe. Einen Vertrag mit irgendwelchen darin gefeatureten Konzernen werden sie ja wohl nicht geschlossen haben.
Lustig wäre es hingegen, wenn der jeweilige Sender eigenhändig Produkte wie Milchschnitte oder Hasseröder in die Serie montieren würde ...

Freitag, 7. August 2020

Danke, TK!

Ja, ich möchte mich bei der Techniker Krankenkasse, die heute "Die Techniker" heißt, bedanken. Für ein anhaltendes, na, ich möchte nicht sagen "Trauma", aber ein, äh, geschärftes, von (Ehr-)Furcht gespeistes Bewusstsein für allerlei Gefahren.

Lasst mich erklären: Als ich zur Grundschule ging, brachte ein Klassenkamerad regelmäßig aufklärerische Werbecomics von ebenjener Krankenkasse mit. Sie hießen "Max + Baxi", wie ihre Hauptfiguren, ein Junge und ein Mädchen, die gleichaltrigen Leuten Erste Hilfe beibringen sollten. (Den Namen hatte ich bis eben vergessen und musste ich nachrecherchieren. Viele Infos darüber hat das Netz nicht zu bieten; Wikipedia nennt den Comic "Maxi + Baxi" und behauptet, es hätte ihn lediglich bis 1989 gegeben, was aber nicht stimmen kann. Ein paar wenige Coverfotos sind via Google zu finden: Baxi erscheint aus heutiger Sicht ein bisschen übersexualisiert; Max sieht so aus, wie der Autor und Schauspieler Joachim Meyerhoff sein Schulkind-Ich beschreibt.)

Die Bildergeschichten in jenen Bändchen, welche Untertitel wie "Was alles passieren kann" trugen, waren oft haarsträubend und very graphic. Zwei von ihnen werde ich nie vergessen: In einer flog einem Kind eine Kastanie (mit Schale!) ins Auge, in einer anderen wurden mehrere Kinder von einer Katze angegriffen und zerkratzt. Blutige Fahrradunfälle und ein Stromschlag in der Badewanne spielten, glaube ich, auch eine Rolle. Mit einem wohligen Struwwelpeter-Schauer hat man diese Comics trotzdem immer wieder freiwillig konsumiert; konkrete Tipps zur Schadensprävention sind dabei kaum hängen geblieben ...

Mittwoch, 5. August 2020

Betr.: Müsli, Bankomat, Müsli, Bankomat

Zur Müsli-Anricht-Vorliebe von Menschen pflegte ich einst ziemlich starke Meinungen (vgl. Titanic 01/13). Ich selbst zog es vor, erst das Müsli in die Schüssel zu geben und dann die Milch drüberzukippen. Im letzten Winter jedoch habe ich mich umorientiert: Ich gieße seitdem zuerst die Milch ins Schüsselchen, tue dieses dann in die Mikrowelle, erwärme die Milch ein wenig, nehme die Schüssel aus der Mikrowelle und schütte zuletzt das Müsli hinein. Am frühen Morgen allzu kalte Flüssigkeit in den Magen gespült zu bekommen, ist bestimmt nicht der Gesundheit zuträglich, zumal in meinem Alter, auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass es bereits wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die das exakte Gegenteil ergeben haben wollen. Das Müsli weicht so aber auch effektiver auf und lässt sich angenehmer verzehren.

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An meinem Stamm-Bankautomaten waren heute die Tastentöne deaktiviert! Wird das von Dauer sein oder ist etwas defekt? Zunächst freute ich mich über das Ausbleiben der schrillen Pieptöne, denn jede Geräuschquelle in dieser ewig lärmenden Stadt weniger ist eine Wohltat. Dann aber dachte ich an unsere sehbehinderten Mitmenschen, für die ein akustisches Feedback beim Geldabheben sicher eine große Hilfe ist.

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Die Auswahl an Müslisorten in Supermärkten und bei dm wächst stetig. Das freut mich, ich teste sie alle. Ich hatte jetzt jedoch schon zweimal Packungen daheim, deren Inhalt für nicht einmal drei Schüsseln gereicht hat! Dabei handelte es sich beide Male um höherpreisige Marken.

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Was die Ausgabe der Banknoten angeht, bevorzuge ich Geldautomaten mit einem klassischen Schlitz. Leider finden Geräte mit Schacht zunehmende Verbreitung. Kennt ihr das: diese Klappen, die sich ruckartig öffnen und sofort wieder ebenso zackig schließen, sobald man die Scheine herausgenommen hat? Was, wenn man nicht sofort das gesamte Geldbündel zu greifen bekommt? Geht die Klappe dann trotzdem zu, und der verbliebene Betrag wird einbehalten? Oder zerstört? Dem Konto wieder gutgeschrieben? Was das immer für ein Nervenkitzel ist! Kaum eine Herausforderung des Alltags gehe ich derartig konzentriert und angespannt an. Mein Stamm-Automat (s.o.) hat zum Glück einen Schlitz.

Montag, 3. August 2020

Produktidee

Analog zu den im Supermarkt erhältlichen türkischen Feigen mit dem bereits vielfach bewitzelten Namen Die Leckeren sollte es eine Weintraubensorte Die Lockeren geben. Diese zeichneten sich dadurch aus, dass die Beeren extrem leicht von den Trauben fallen. (Klarstellung der Terminologie: Eine Weintraube besteht aus mehreren Weinbeeren.) Spezielle, möglichst anständig bezahlte "Zupfkräfte" müssten durch präzise Dreh- und Schüttelbewegungen dafür sorgen, dass die Trauben so in den Handel kommen, dass alle Einzelfrüchte noch dran hängen, sich aber bei der kleinsten Erschütterung lösen. Packt man dieses Produkt in eine Vesperdose und öffnet diese später, etwa bei einer Wanderung oder im Büro, liegen alle Weinbeeren lose darinnen. 
Was das bringen soll? Keine Ahnung, ich bin hier nur fürs Grobkonzept verantwortlich.

Samstag, 1. August 2020

Werbeunterbrechung: Mein Blog als Buch


"Geld bezahlen für Dinge, die ich kostenlos im Internet lesen kann?!?!"
Aber nein! Zum einen sind unter den 365 Einträgen, die ich aus meinen Tausenden Blogposts für dieses Taschenbuch ausgewählt habe, etliche längst verschollene, zum anderen wurde das Material liebevoll durchgesehen, bedarfsweise gekürzt, angepasst, korrigiert – und so angeordnet, dass sich ein "fünfzehnjähriger" Streifzug durch ein komplettes Jahr ergibt.
Erinnerungen an den Kookaburra kann auch bei mir direkt bestellt werden, zum Vorzugspreis von 15 Euro und auf Wunsch signiert; man muss sich dann allerdings auf längere Wartezeiten einstellen, weil die Lieferung von Autorenexemplaren etwa eine Woche dauert.

Donnerstag, 30. Juli 2020

Zugeflüstert und angeschrien

Als würde es nicht reichen, aufgrund der Weltenlage und der inneren Verfasstheit in ständiger diffuser Angst zu leben, muss man auch noch regelmäßig konkrete Furcht ausstehen. Zwar lauern weder in meinen vier Wänden noch auf dem Arbeitsweg Fliegenpilze oder Löwen, doch hie wie dort wurde ich gestern derart erschreckt, dass ich noch bis zum Mittag unter Herzrasen und Anspannung litt.

Wie jeden Morgen fragte ich mein Amazon Echo, wie das Wetter werden würde. Statt mir in ihrer gewohnt monotonen, mittellauten Androidinnenstimme Auskunft zu geben, flüsterte Alexa den Wetterbericht. Ich wäre kaum heftiger zusammengezuckt, hätte die digitale Helferin ihr berüchtigtes Hexenlachen von sich gegeben. Offenbar hatte ich irgendwann den sog. Wispermodus aktiviert, bei dem Alexa mit gedämpfter Stimme antwortet, sobald man einen Befehl flüstert. Ich war mir gestern allerdings nicht bewusst, dass ich leiser als üblich nach dem Wetter gefragt hätte ...

Keine halbe Stunde später war ich draußen, als mir auf dem Fußweg ein junger Mann entgegenkam, den ich bereits hörte, bevor ich ihn visuell vollständig erfasste. Er brüllte wütend in einer mir fremden Sprache, nur das deutsche Wort "Hurensöhne" konnte ich mehrmals ausmachen. Halbwegs gefasst und ohne seinen Blick zu kreuzen, schritt ich an ihm vorbei und wurde zum Glück nicht attackiert. Seine Rage galt einem Objekt ähnlich dem, welches ich zufällig vor einigen Monaten fotografiert hatte:


Er deutete in dessen Richtung und artikulierte etwas in der Art von "Schaut nur, was diese Hurensöhne getan haben!" Dann sah ich es: Jemand hatte das "Kids"-Männlein enthauptet.


Der Kerl hob den abgetrennten Kopf auf und zog schreiend weiter. Handelte es sich um einen Straßenfeger oder um den Hausmeister der nahe gelegenen Schule? Entsprechende Kleidung hatte er nicht an, er trug aber ein Kehrblech in einer Hand. Was für eine Begegnung jedenfalls! Gerne hätte ich Baldriankapseln aus meiner Wohnung geholt, aber dort wartete ja die murmelnde Grusel-Assistentin. Das war alles zu viel für einen Vormittag ...

Dienstag, 28. Juli 2020

Video-Intermezzo: Deutschlands härtestes Kreuzworträtsel?

Ich habe es womöglich schon einmal geschrieben: Das Wochenend-Kreuzworträtsel der Sächsischen Zeitung, das ich mir dank meinen in deren Einzugsgebiet lebenden Eltern immer noch regelmäßig vornehme, ist noch mal einen Ticken kniffligler als das im TV-Magazin des Stern. Denn während ich Letzteres immerhin schon zweimal vollständig auszufüllen vermochte (ich berichtete), ist das – zudem umfangreichere – SZ-Rätsel meiner Meinung nach unschaffbar. Man beweise mir das Gegenteil!
Hier habe ich festgehalten, was den Ratefreund, die Ratefreundin so alles erwartet. 
Hinweis 1: Aus irgendeinem Grund hat mein Handy das Video zerschnitten (vermutlich wegen der Länge/Dateigröße), weswegen man ganz am Ende auf das eingeblendete Kasterl klicken muss, um die finalen anderthalb Minuten zu sehen. 
Hinweis 2: Das Betrachten kann Kopfschmerz oder Drehschwindel auslösen. Sorry!

Samstag, 25. Juli 2020

Wochenend-Quiz

Was ist das?


Das habe ich irgendwann mal bei Wikipedia entdeckt. Entweder man kennt es oder nicht. Nun, hier sind vier Lösungsvorschläge. Was könnt ihr euch am ehesten vorstellen?

a) Es handelt sich um die chemische Formel eines sehr seltenen, in chinesischen Baumrinden vorkommenden medizinischen Wirkstoffes. Die Darstellung ist eine extrem abstrakte Variante der Skelettformel, die Chemie-Laien wie ich nicht nachvollziehen können.
b) Es sind zwei nebeneinander stehende, sich überschneidende Algiz-Runen. Dieses einzige Beispiel für eine Ligatur aus germanischen Runen taucht lediglich in Form des Kreises (rechts) auf einer in Seeland gefundenen Schwertklinge auf.
c) Der Kreis ist das Logo der 1967er Weltausstellung in Montreal und setzt sich aus stilisierten Menschenpaaren mit hochgestreckten Armen zusammen.
d) Die Symbole sieht man noch heute in Steine geritzt in der Nähe südafrikanischer Runddörfer. Ob es sich dabei um eine Tradition der Bantuvölker handelt, und ob die Einzelsymbole für Zäune oder Bäume stehen, ist nicht geklärt.

Donnerstag, 23. Juli 2020

Die perfekten Wellen

Im Februar habe ich versprochen, mich "in Zukunft gelegentlich nostalgisch über meine eigene Radiohör-Erfahrung aus[zu]lassen". Dieses Versprechen soll nun eingelöst werden. 
Als am 30. April 2012 der analoge Satellitenempfang abgeschaltet wurde, ging damit nicht nur eine Fernseh-, sondern auch eine Radio-Ära zu Ende: die des ADR. ADR, das steht für Astra Digital Radio und war Ende der 90er ein heißer Scheiß! Das Prinzip war, dass nahezu jeder Fernsehsender einen Radiosender als Unterträger ausstrahlte, d.h. man musste die Audiofrequenz oder so was verstellen, bis man etwas hörte, das nichts mehr mit dem zu tun hatte, was auf dem Bildschirm zu sehen war. Außerdem wurden auf magische Weise Infos über das Display des Receivers mitgeliefert, etwa der Sendername oder der gerade gespielte Musiktitel. Es muss im Jahr 2000 gewesen sein, als ich mir einen ADR-fähigen Receiver kaufte und mich wie Bolle freute, die weit über 100 Radiostationen kennenzulernen. Als wir später – es muss Mitte der Nullerjahre gewesen sein – auf digitalen Satellitenempfang umstiegen, konnte man natürlich (nun unabhängig von den TV-Stationen) noch mehr Radiosender in noch besserer Qualität empfangen (Habe gerade bei satindex.de nachgeschaut: Aktuell sind 157 Astra-Radiosender vorhanden. Bei meiner letzten Überprüfung 2012 waren es noch 201.). 
Zu dem Zeitpunkt habe ich mich indes nur noch wenig für dieses Medium interessiert. Als Jugendlicher jedoch war ich fasziniert vom Radio, und zwar nicht nur von den kommerziellen Lokalstationen, sondern auch von Kurzwelle! Weil man nachts exotische Sender reinkriegt, die man tagsüber nicht hören kann (das hat was mit der Ionosphäre zu tun), drehte ich oft bis tief in die Nacht am Peiler und lauschte obskuren Programmen in mir unbekannten Sprachen. Einmal stieß ich sogar auf einer der sagenumwobenen "Numbers stations". Irgendwann wollte ich mehr und kaufte mir ein Multibandgerät ("Scanner"), mit dem ich noch tiefer in den Kurzwellenäther eindringen konnte. Da stieß man zum Beispiel auf Amateurfunker oder auf Ausstrahlungen in RTTY, die man mithilfe einer Klinkenverbindung und spezieller Software knacken konnte – wobei das Resultat dann meistens nur ein langweiliger Wetterbericht war. Noch reizvoller war das, was man auf dem erweiterten UKW-Band zu hören bekam: Flugfunk, Taxifunk, Busfunk, Polizeifunk! Das Abhören dieser Kanäle war eine rechtliche Grauzone. Ich kam mir wie ein Spion vor, wenn ich mithörte, wie Piloten mit dem Tower kommunizierten oder Polizisten ihren Kollegen die Personalien von irgendwelchen Verdächtigen übermittelten. Auch noch lange nach dem 11. September waren diese Funkdienste unverschlüsselt. Ich beschaffte mir haufenweise Fachliteratur (so besitze ich noch heute u.a. eine "Spezial-Frequenzliste 1998/99, 9 kHz - 30 MHz") und ging auf "Wellenjagd". Ich nahm meinen Scanner sogar mit in den Urlaub, um dort nach Interessantem zu suchen. 
Irgendwann hatte ich aber alles entdeckt, was im Rahmen meiner Möglichkeiten zu entdecken war. Und die Profigeräte von ICOM oder AOR, die ich mir alle paar Wochen begierig im Conrad ansah, waren einfach zu teuer. So endete dieses Hobby. Good times.

Dienstag, 21. Juli 2020

Fragen, die ich mir selbst stelle

Heute: Was bedeutet der Hinweis "Steigleitung trocken", den man oft im öffentlichen Raum sieht? Was zum Kuckuck ist eine Steigleitung, und warum ist es so wichtig zu wissen, dass sie trocken ist?
Zum Glück gibt's Wikipedia. Also, eine Steigleitung ist im Grunde eine vertikale Wasserleitung. "Steigleitung trocken" ist eine von drei Unterarten (neben Trocken-Nass und Nass). Trocken heißt hier, dass die Leitung nicht mit Wasser befüllt ist; nur Feuerwehrleute können Löschwasser aus den Rohren hervorzaubern. Die anderen beiden Steigleitungen dienen "zur Erstbrandbekämpfung durch den Laien mittels Wandhydrantenschränken" (Letzteres sind diese aufklappbaren Nischen, in denen ein aufrollbarer Schlauch untergebracht ist).
Ich persönlich würde mich im Brandfall darauf beschränken, mich in Sicherheit zu bringen.

(Original geschrieben am 23.5.2012)

Sonntag, 19. Juli 2020

Videospielnichtempfehlung: Broken Age

Mit ein paar Jahren Verspätung kann ich endlich ein Urteil über Broken Age fällen, und es ist kein gutes. Das unter dem Arbeitstitel "Double Fine Adventure" kickstarter-finanzierte Comic-Abenteuer von Lucas-Arts-Veteran Tim Schafer ist weit hinter meinen hohen Erwartungen zurückgeblieben. 
Wir sprechen hier von dem Mann hinter Point-&-click-Klassikern wie "Monkey Island" und "Day of the Tentacle"! Wo jedoch ist bei "Broken Age" der geniale Humor geblieben, der diese Kultspiele auszeichnete? Sämtliche Witzversuche wirken extrem bemüht, die meisten Nebencharaktere erscheinen wie sediert, auch den Hauptfiguren fehlt jeglicher Esprit, und die Handlung schlägt kaum überraschende oder irgend unterhaltsame Volten. Manche "Running Gags" haben mich zuletzt richtig aufgeregt, etwa die Namen der Mitglieder einer Familie, bei denen jeweils ein Buchstabe fehlt ("M'ggie", "Walt'r"). Auch die Geschichte vermag nach einem neugierig machenden Beginn kaum zu fesseln. Wir werden in zwei komplett verschiedene Szenarien katapultiert: in die Märchenwelt des Mädchens Vella, das sich als Menschenopfer für ein riesiges Monster bewirbt, und in die heile Isolation des Jungen Shay, der in einem Raumschiff ziellos durchs All tuckert. Das sind jeweils spannende Prämissen, und auch die Möglichkeit, jederzeit zwischen den beiden Protagonisten hin und her zu wechseln, ist, wenn auch nicht neu, anfangs vergnüglich. Man erwartet nun, dass sich die Wege von Vella und Shay irgendwann kreuzen, doch das geschieht nicht einmal im zweiten der zwei Akte; die Story plätschert vor sich hin, die Heldenreisen sind schleppend-zäh, die Atmosphäre ist bedrückend, selbst die Musik nervt irgendwann.
Das alles wäre eventuell zu verschmerzen, wenn wenigstens die Rätsel vergnüglich wären. Die aber sind wahlweise bockschwer (Schalterrätsel aus der Hölle; Knoten anhand von abwegigen Beschreibungen identifizieren), ermüdend (immergleiche Laufwege) – oder schlicht unlösbar. Zumindest in der deutschen Version lässt sich eine Aufgabe aufgrund einer Sprachbarriere nur durch Trial&Error bewältigen: Wir müssen einen sprechenden Baum zum Lachen bringen, damit er sich schüttelt, auf dass ein Fisch aus seinem Astwerk fällt. Dazu erzählen wir ihm einen Witz, den wir aus drei Teilen zusammensetzen: "Wie heißt der kleinste ausgewachsene Baum, von dem du je gehört hast? / Ich habe einen gesehen, der war nicht größer als meine Hand. / Eine Palme." Wie soll man darauf kommen, wenn man nicht weiß, dass sowohl "Palme" als auch "Handfläche" auf englisch palm heißen? An der Stelle (es war schätzungsweise im letzten Drittel) habe ich das Spiel abgebrochen.
Bei aller Kritik darf das Positive nicht unerwähnt bleiben. Sprachliche Schnitzer wie der eben genannte sowie die Tatsache, dass man ständig merkt, dass man es mit einer Übersetzung zu tun hat, beiseite, ist die Lokalisation doch gelungen, die Sprecherinnen und Sprecher sind gut gewählt. Auch den wirklich "hübschen Kinderbuch-Grafikstil" (PC Games) schaut man sich gerne an. Zu guter Letzt kann die Bedeutung von Tim Schafers Crowdfunding-Projekt für die Finanzierungskultur im Game-Bereich und speziell im Adventure-Genre kaum unterschätzt werden, "inspiring several other established adventure game developers to use Kickstarter as a means to return to the genre. In the months following its release, the creators of Broken Sword, Gabriel Knight, Leisure Suit Larry, Space Quest and Tex Murphy have all managed to raise amounts in excess of Schafer's original goal of $400,000." (Wikipedia)
Zwischen dem Start der Kickstarter-Kampagne und dem Release sind über drei Jahre vergangen, und dann noch mal über fünf Jahre bis zu meiner Rezension ... die ich natürlich nur so lange herausgezögert habe, um dem Erfolg von "Broken Age" nicht zu schaden, haha.

 

Freitag, 17. Juli 2020

In trockenen Tüten

Einen neuen Snack entdeckte ich bei Rewe. Ja, ich weiß, so beginnt mittlerweile gefühlt jeder zweite Post, aber bitte schaut's her:



Getrocknete Feigen, Aprikosen, Äpfel undundund kennt man ja, aber Melonen – ein Obst mit einem Wasseranteil wie dem einer Qualle? Welch schwarze Magie ist bei der Herstellung von Wild & Real Bio-Wassermelonenstücken im Spiel? Keine, glaubt man dem Verpackungsaufdruck: "Unsere getrockneten Wassermelonenstücke wurden mit keinerlei chemischen Substanzen behandelt." Die (leider nur) 40 Gramm sind gluten-, cholesterin- und zuckerfrei, vegan, ungeschwefelt und "eine gute Energiequalle", äh: -"quelle". Geschmack: 100 % Wassermelone, ja, doch. Punktabzug gibt es für den recht happigen Preis von 2,99 €. Gesamturteil: gut (7/10).

Einen Euro billiger, dafür aber auch 30 Gramm beinhaltend, ist die Sorte Orange. Etwas verwirrend ist hier das Label Earth & Soil statt "Wild & Real". Da weiß man gar nicht, wie das Produkt fruchtübergreifend eigentlich heißt; auf alle Fälle steckt derselbe Hersteller dahinter, die SDA GmbH Hattingen.


Auch hier ist das Aroma authentisch, das reicht ebenfalls für 7/10 Punkten.

Donnerstag, 16. Juli 2020

"Interessanter" "Bug"

Dies notierte ich am 9.9.2008:
Ich hatte eine JPG-Datei auf meinem USB-Stick, die ich mit XnView verkleinern wollte. Nachdem ich das getan hatte, wollte ich mir nach F5-Druck die neue Dateigröße anzeigen lassen, doch ei: sie war nun nicht halb, sondern doppelt so groß! Ich kopierte sie auf die Festplatte, und dort hatte das Verkleinern funktioniert. Doch wenn ich im externen Laufwerk F5 drückte, verdoppelte sich die Größe jedes Mal! Crazy!

Dienstag, 14. Juli 2020

Wes Eis ich schleck', des Hymn' ich sing'

Es ist bemerkenswert, wie viele Nationen es gibt, die für ihr Speiseeis eine gewisse Berühmtheit erlangt haben. Italienisches Eis mag das legendärste sein, und tatsächlich habe ich schon extrem leckeres gelato verzehrt. Amerikanisches – sofern Ben & Jerry's dafür exemplarisch ist – taugt mir mit seiner überbordenden Zutatenverspieltheit ebenfalls. Auch Dänemark beansprucht einen gewissen Weltrang, wobei man abseits von Häagen-Dazs nichts kennt, oder? Mein erstes Häagen-Dazs habe ich entgegen dem Werbeversprechen vergessen; an mein letztes erinnere ich mich indessen noch sehr gut (bzw. eigentlich nur an den Mondpreis desselben). Russisches, genauer: Moskauer Eis finde ich eher langweilig. In Mexiko habe ich aus Neugierde mal eins mit einem herzhaften Frischkäse-Aroma probiert und nach wenigen Happen weggeworfen. Sehr positiv ist mir Neuseelands Eiskrem in Erinnerung geblieben. (Negativ in Erinnerung geblieben ist die – bereits an anderer Stelle erzählte – Begebenheit, wie mir mal eine Packung neuseeländisches Eis aus einem Hostelkühlschrank entwendet wurde.) Regelmäßig sah ich dort einen altmodischen ice cream truck des einheimischen Franchise' "Mr. Whippy" herumstehen, dessen mindestens 80 Jahre alten Fahrer/Verkäufer (der in meiner Fantasie einfach "Mr. Whippy" hieß) ich nie vergessen werde. Wie er stets völlig apathisch, aber freundlich dreinschauend in seinem Wagen saß, konnte man meinen bzw. musste man fürchten, dass sein Lebenslicht am Erlöschen begriffen sei. In Neuseeland wird übrigens pro Kopf das meiste Eis überhaupt konsumiert: 28,4 l pro Jahr; Italien liegt mit 8 Litern gerade mal auf Platz 9. Nicht bekannt war mir bis eben, dass auch Frankreich eine eigene Eistradition vorweisen kann: Die dortigen Sorten sollen sich wegen ihres Milchfettgehalts durch höhere Cremigkeit und "Schwere" auszeichnen. Und was ist mit Alaska und Nordkanada? Ist das nicht die Wiege des Eisessens, Stichwort Akutaq?
Bonus-fun-fact. Ich bin ja fleißiger Payback-Kunde. Neulich sah ich, dass man auch bei einem Onlineshop mit der Adresse Eis.de Punkte sammeln kann. 'Wie jetzt, ist das etwa ein Eiscreme-Lieferservice?', fragte ich mich. Doch ach, äh, nein, ist es nicht ...

Montag, 13. Juli 2020

MaMu

In den Durchsagen und auf den Infotafeln der Berliner Verkehrsbetriebe vernimmt man seit neuestem das Wort "Maskenmuffel". Gemeint sind Mitfahrende, die entgegen der Corona-Verordnung keine Mund-Nase-Bedeckung tragen und damit ein Bußgeld von 50 Euro riskieren. (Die entsprechende Strafandrohung fruchtet notabene überhaupt nichts: In einem einzigen U-Bahn-Waggon waren gestern mindestens 15 Unmaskierte unterwegs. Eine Ahndung dieses asozialen Verhaltens erfolgte laut Berliner Morgenpost seit Dienstag lediglich 15 Mal! In Frankfurt habe ich bislang noch niemanden ohne Mundschutz fahren sehen. Nun gut, dafür haben wir hier Opernplatz-Partys mit 2000 Leuten.)
Ich wollte wissen, wann und wo das Wort "Maskenmuffel" zum ersten Mal aufgetaucht ist. Es gibt ja bereits erste wissenschaftliche Aufsätze über die "Sprache der Pandemie" (zum Beispiel von Annette Klosa-Kückelhaus in Ausgabe 2/2020 des Sprachreports) und vermutlich eine Reihe laufender Studien und Forschungsprojekte. Bei "Maskenmuffel" erinnerte ich mich an das Wort "Gurtmuffel", das in linguistischen Einführungsveranstaltungen gerne als Beispiel für Bildungen mit sog. Halbaffixen herangezogen wird. Das Synonym für "Gurtverweigerer" hatte ich vorher gar nicht gekannt, obwohl es immerhin im Duden steht. Interessanterweise wurde neulich irgendwo, ich glaube, im Spiegel, Parallelen zwischen der Maskenpflicht und der allgemeinen Anschnallpflicht gezogen. Die Einführung der Gurtpflicht im Auto Anfang der 1970er Jahre muss bei gewissen Teilen der Bevölkerung für eine Empörung gesorgt haben, die mit jener der "Hygienedemo"-Fans von heute vergleichbar ist. Und so wurde das leicht verharmlosende/verniedlichende Affixoid "-muffel" produktiv.
Leider ist es nicht einfach, den Erstbeleg für "Maskenmuffel" in den Medien zu finden. Schränkt man die (News-)Suche bei Google zeitlich ein – lässt sich also etwa nur Meldungen von vor Februar 2020 anzeigen –, bekommt man trotzdem unzählige Ergebnisse aus der Covid-Krisenzeit angezeigt. Wenn nämlich rezente Nachrichten mit dem Wort "Maskenmuffel" im Titel unter alten Artikeln verlinkt werden (was automatisch geschieht), behält diese Seite weiterhin das alte, ursprüngliche Datum als Zeitstempel, obwohl auch (Teile) neue(rer) Inhalte darauf zu sehen sind.


Dennoch gibt es Anhaltspunkte dafür, dass "Maskenmuffel" in Bezug auf Mund-Nase-Bedeckungen eine taufrische Schöpfung ist. Der Ngram Viewer findet im deutschprachigen Corpus nullkommanull Belege, und die Google-Büchersuche stößt lediglich auf eine Stelle in Renate Matthaeis "Der kölsche Jeck" (2009), wo das Wort im Kontext von Karnevalsverkleidung verwendet wird.

Samstag, 11. Juli 2020

Ver(gul)arscht

Es ist schon zehneinhalb Jahre her, dass ich dies aufschrieb (damals war ich noch Fleischesser), aber es beschäftigt mich bis zum heutigen Tage:

Angekündigt war im Speiseplan der Mensa ein Gericht namens "Paprika-Gulasch". Bei diesem Wort denkt natürlich jeder sofort an Gulasch mit Paprika (zumal die Ungarn das, was wir unter Gulasch verstehen, Paprikás nennen). Was aber gab es? Gulasch aus Paprika! Also Paprika statt Gulasch, sprich: ein Gulasch ganz ohne Fleisch, was per definitionem gar nicht möglich ist! Das ist ja, als ob man Kräuterhacksteak ankündigt und dann ein "Steak" serviert, das lediglich aus Kräuterpampe besteht. (Okay, probieren würde ich so was durchaus.)

Dienstag, 7. Juli 2020

Wer die Nachtigall hört



Womöglich bin ich zu beschränkt, um den tieferen Sinn zu verstehen, aber auch nach circa zehnmaligem Lesen sagt dieses "Poem" doch nichts anderes aus als "Hört die Nachtigall, gar kunstreich ist ihr Gesang am späten Abend." Dass die Nachtigall (Vogel des Jahres 1995) recht apart trällert, ist doch keine allzu neue Erkenntnis, oder? Und das reimt sich nicht mal.

Nachtrag: Leser A. weist mich darauf hin, dass es sich um ein Haiku handelt, was mir hätte auffallen sollen, da ich ja weiß, dass diese Gedichtform in Abreißkalendern inzwischen etabliert ist. Ich erlaube mir das Urteil, dass es sich dennoch nicht um besonders tiefgründige Lyrik handelt.

Montag, 6. Juli 2020

Opa versteht Jugendsprache

Neulich spazierte ich zufällig an einer Tischtennisplatte vorbei, an der vier Kinder spielten, als eines von ihnen rief: "GG – good game!" Das hatte ich seit mindestens 15 Jahren nicht mehr gehört! "GG" zählte damals, Anfang der 2000er, zu den am häufigsten hervorgebrachten Respektsbekundungen in meinem Bekanntenkreis. Seine Ursprünge in der "Counterstrike"- und "Quake III Arena"-Szene habend, schwappte es nach und nach in sämtliche Bereiche des (Zusammen-)Lebens über. Das Kürzel wurde damals allerdings englisch ("Dschie-dschie") ausgesprochen, während die circa zehn- bis zwölfjährigen Kids im Park es deutsch artikulierten. Trotzdem erstaunlich, wie lange sich so etwas hält.

Samstag, 4. Juli 2020

Damast-read

Kleines Update zum Beitrag "Realität und Phantastik": In der dritten von George R.R. Martins Heckenritter-Novellen, "The Mystery Knight", kommt abermals ein Wort vor, das es in der Welt von "Eis und Feuer" gar nicht geben dürfte. Ein Kleidungsstück von Lord Butterwell wird beschrieben als "damask tunic", also als eine Tunika aus Damast. Nun geht dieses Wort, wie man sich denken kann, auf den Namen der syrischen Stadt Damaskus zurück (lateinisch Damascus > mittelenglisch damaske; das End-t der deutschen Entsprechung erklärt sich aus einer italienischen Nebenform damasto)*. Wie kann ein Gewebe, das seinen Ursprung in der Welt von uns Lesenden hat, nach Westeros kommen? Eine Entsprechung, eine unabhängige Parallelentwicklung, wie sie in Martins Saga mehrfach vorkommt, könnte ich ja mit Leichtigkeit akzeptieren, aber dann bitte unter einer anderen Bezeichnung!

PS: Ein wenig Googelei fördert zutage, dass die Stelle im Buch, auf die ich mich beziehe, nicht das erste Vorkommen von Damast im Werke GRRMs ist, aber es war anscheinend die erste, an der es mir aufgefallen/-gestoßen ist. In der deutschen Ausgabe ("Der geheimnisvolle Ritter") ist übrigens von "Lord Butterquells feinem Gewand" die Rede, doch taucht vorher das arabischstämmige Wort auch hier auf.

* Erfunden wurde Damast wahrscheinlich nicht in Damaskus selbst: "Während des 12. Jahrhunderts wurde der in Damaskus produzierte Stoff so populär, dass der Stoff den Stadtnamen übernahm." (Wikipedia); "While the fabric, the steel, and the damask rose probably did not originate in Damascus, their long association with the ancient city has nevertheless impressed itself upon the English language." (Merriam-Webster)

Donnerstag, 2. Juli 2020

Pop! goes the Riegel

Bei Aldi-Süd sprang mir ein neues Produkt ins Auge, das ich sofort mitnehmen musste: Popcorn-Riegel der Eigenmarke Knusperone.


Man kann sich zwischen süß und salzig entscheiden, und ich bin froh, die salzige Variante gewählt zu haben. Sie ist immer noch süß genug, rückt das Geschmackserlebnis aber befriedigend in die Trend-Ecke salted caramel & Co. Ohne nachgeschaut zu haben, mit wie vielen Kilokalorien dieser Snack zu Buche schlägt, kommt er mir sehr leicht vor, was an seinem luftigen Gewicht von 20 Gramm liegen dürfte. Damit ist er in drei bis vier Happen weggeknuspert. Der Nachgeschmack ist womöglich nicht jedermanns Sache: ein Goût von unbehandelter Kuhmilch, wie er mir in längst vergangenen Tagen begegnete, wenn meine Familie frisch gezapftes Melkgut vom Bauern in der Nähe unserer Datsche holte. Beim ersten Verzehr habe ich mich tatsächlich zu dem etwas forschen Urteil "Schmeckt wie Gülle!" hinreißen lassen; so arg ist's aber nicht. Ich vergebe 7/10 Punkten.


Dienstag, 30. Juni 2020

Kurz notiert: Doofschaf?

Kurioses Wort bei "Spiegel online" gelesen. In einem Artikel über NRWs Rückkehr zu strengeren Pandemie-Eindämmungsregeln wird der Gesundheitsminister des Landes, Karl-Josef Laumann, wie folgt zitiert: "Man kann das nicht dorfscharf machen. Das gesellschaftliche Leben orientiert sich nicht an Dorfgrenzen." (Hervorhebung von mir) Gemeint ist vermutlich: trennscharf bis auf die Dorfränder genau.
Offenbar stieß man sich nicht an etwaigen Bedeutungshürden und hob den Satz sogar in die Überschriftenzeile. Googelt man "dorfscharf", findet man denn auch nichts anderes als das Laumann-Zitat vom 23. Juni des Jahres. Ein mir unbekanntes Blog hat die Vokabel prompt zum "neuen Lieblingswort" erkoren.


Sonntag, 28. Juni 2020

Erase & rewind

"Wie wäre es, wenn künftig keine neuen Filme mehr entstünden und wir mit den vorhandenen auskommen müssten?", fragte die FAS kürzlich. Ja, wie wäre das wohl? Herrlich wäre das! Was ich schon seit Jahren fordere, tritt jetzt zwangsläufig – aus traurigen Gründen – ein: dass die Produktion von Filmen und Serien zum Stillstand kommt, damit wir Bewegtbildfilms endlich mal das viele Ungeguckte abarbeiten können. Ich jedenfalls weine der Fortsetzungs-, Remake-, Reboot- und MCU-Stangenware, die uns diesen Sommer erwartet hätte, keine Träne nach.

Wenn die Pandemie vorbei ist, haben Hollywood & Co. die Chance, sich mit frischen Innovationen neu zu erfinden. Aber seien wir ehrlich: Es wird vermutlich genau so öde weitergehen wie vor Corona. Weswegen die unvermeidlichen Opfer der Krise wenig zu bedauern sind. Ich sehe es zwar nicht ganz so pessimistisch wie Torsten Dewi, aber auch ich meine, dass man den unrettbarsten Komapatienten der Filmindustrie nun endlich den Stecker ziehen sollte.

Was genau erhoffe ich mir denn? Nun, das vermag ich nicht zu sagen; man möge mich überraschen! Abgesehen von unverbrauchten, mutigen Stoffen (auf "Tenet" freue ich mich zugegeben tatsächlich) wünsche ich mir unterhaltsame Ideen, die den Besuch eines Lichtspielhauses steigern, wenn schon das Gezeigte nur mittelmäßig ist. Stephen King erinnert sich in seinem theoretischen Werk "Danse Macabre" von 1981 an die zahlreichen Gimmicks, welche die Horrorfilmkultur der Sechziger und Siebziger hervorbrachte: blutrot eingefärbtes Popcorn – "Bloodcorn" – als Snack; eine "fright insurance" genannte Versicherung, die deinen Hinterbliebenen 100.000 $ zusprach, solltest du während der Vorführung vor Schreck den Löffel abgeben; Krankenschwestern im Saal und vorgeschriebene Blutdruckmessung im Foyer; Spielereien mit dem Raumlicht bei besonders intensiven Szenen; Schauspieler, die quasi als Real-life-Projektion durch die Reihen rannten und das Publikum erschreckten. So etwas sähe ich gerne.

Freitag, 26. Juni 2020