Donnerstag, 3. Dezember 2020

Eine Weihnachtsgeschichte

Ein alleinerziehender Vater von drei frechen Jungs fragt, was diese sich zu Weihnachten wünschen.
"Eine Schallplatte", antwortet Armin, der erste Sohn.
"... mit Weihnachtsliedern", fährt der zweite Sohn, Sigmar, fort.
"... von den Chipmunks!", ergänzt der dritte, Theobald.
Der Vater seufzt: "Ach Jungs, das wünscht ihr euch jedes Jahr. Ich habe es euch doch schon hundertmal erklärt. Die LPs 'A Chipmunk Christmas' und 'Christmas with the Chipmunks' gibt es nur noch antiquarisch. Ich war schon auf so vielen Flohmärkten und konnte sie nicht finden, und bei eBay bin ich gesperrt."
"Wir können doch einen eBay-Account anlegen!", schlägt Theobald vor. "Man bekommt die Platten schon für 25 Euro."
"Nein", sagt Daniel (so heißt der Vater) streng. "Das darf man erst ab 18. Ihr seid Kinder."
"Wusstest du", lenkt Armin ab, "dass der Erfinder der Chipmunks ..."
"Ross Bagdasarian, ein, wie man am Namen erkennt, Nachfahre armenischer Einwanderer", wirft Sigmar ein.
"... eine Nebenrolle in dem Hitchcock-Film 'Das Fenster zum Hof' hatte?"
"Oder war dir bekannt", meldet sich Armin zu Wort, "dass es von dem Original-Chipmunk-Lied von 1958 eine deutsche Version gab, in der die Streifenhörnchen durch Enten ersetzt wurden? 'Der Enten-Song' von Mr. Watschel und seinem Enten-Trio."
"Nein, das wusste ich nicht!", erwidert Daniel, inzwischen reichlich verärgert. "Aber erklärt mir mal eins: Wieso heißt es 'Alvin und die Chipmunks'? Alvin ist doch selbst ein Chipmunk!"
Dazu fällt den drei Knaben auch nichts mehr ein. Sie gehen in ihr Kinderzimmer und legen sich in ihre nebeneinander stehenden, identisch aussehenden Bettchen. 
'Bin ich zu streng mit ihnen?', fragt sich Daniel, vor einer Tasse Punsch sitzend. Da kommt ihm eine Idee: 'Irgendwo auf dem Speicher habe ich doch noch das Album "Weihnachten in der DDR" rumliegen ...' Damit meint er nicht ein digitales Album auf dem Festplattenspeicher, sondern eine echte Schallplatte, die auf dem Dachboden verstaut ist. Er geht nach oben und kramt die ganze Nacht herum, bis er die Rarität schließlich findet.
Als Armin, Sigmar und Theobald am nächsten Morgen in der Küche eintreffen und ihre Frühstücksflocken essen, ist von Daniel keine Spur zu sehen ... bis es aus dem festlich geschmückten Wohnzimmer schallt: "Jungens, kommt mal rüber, ich habe eine Überraschung für euch!" Die drei wieseln nach nebenan.
"Hört euch das an!", ruft der über Nacht grauhaarig gewordene Daniel. Er schaltet den Plattenspieler, auf dem bereits "Weihnachten in der DDR" liegt, an, stellt die Geschwindigkeit auf 45 Umdrehungen pro Minute und lässt den Tonarm über dem Beginn von Wolfgang Lipperts Hit "Ach wie ist der Winter schön" sinken. Das Lied beginnt – und "Lippi" singt mit einer Stimme, die fast wie die eines Chipmunks klingt!
Die Kinder können es kaum fassen: Das ist das Lustigste, was sie je gehört haben. Armin kommt die Milch vom Frühstück zur Nase raus geschossen. Sigmar schießt ein Milchstrom aus den Ohren. Theobald spritzt die Milch in einer eindrucksvollen Fontäne aus dem Mund. Da muss auch Daniel lachen; gleichzeitig ist er so gerührt, dass ihm ein dünnes Rinnsal Milch aus den Augen läuft. "Es ist nicht dasselbe", bekennt er, "aber Hauptsache, wir haben einander, nicht wahr?"
"Und nächstes Jahr", sagt Armin.
"... nehmen wir," sagt Sigmar.
"... unser eigenes Feiertags-Album auf!", sagt Theobald.
"Ihr spinnt wohl!", blafft Daniel wutentbrannt. "Das kommt überhaupt nicht infrage. Merry Christmas!"

Dienstag, 1. Dezember 2020

Serientagebuch 11/20

02.11. Lovecraft Country 1.07
The Terror 2.04
03.11. Norm 3.03
Norm 3.04
04.11. The Terror 2.05
05.11. Lovecraft Country 1.08
10.11. Life 1.01
11.11. The Simpsons 32.05
Life 1.02
Life 1.03
12.11. This Is Us 5.03
13.11. Family Guy 19.05
Life 1.04
Life 1.05
14.11. Life 1.06
The Marvelous Mrs. Maisel 3.03
16.11. The Terror 2.06
The Simpsons 32.06
17.11. Family Guy 19.06
18.11. The Terror 2.07
19.11. This Is Us 5.04
20.11. Lovecraft Country 1.09
One Of Us 1.01
21.11. Leverage 1.05
One Of Us 1.02
22.11. One Of Us 1.03
One Of Us 1.04
Norm 3.05
23.11. Leverage 1.06
Leverage 1.07
Lovecraft Country 1.10
24.11. Leverage 1.08
25.11. The Terror 2.08
The Marvelous Mrs. Maisel 3.04
The Marvelous Mrs. Maisel 3.05
26.11. Fortitude 3.01
Norm 3.06
27.11. Fortitude 3.02
29.11. The Terror 2.09

Zwei UK-Highlights diesen Monat! Das eine war Life, ein Spin-off von "Dr. Foster", für das man allerdings kaum Vorwissen aus jenem benötigt. Dreh- und Angelpunkt ist ein Haus in Manchester, dessen Mietparteien mit allerlei Drama herumzuwurschteln haben. Gleichsam nervenaufreibend – und deutlich düsterer – geht es in dem Whodunit-Vierteiler One Of Us von 2016 zu, in dem sich zwei Familien in einem abgelegenen Dorf in den schottischen Highlands ihren Dämonen stellen müssen. Bekannte Gesichter: John Lynch aus "The Terror" (dem Original) und "The Fall"; Laura Fraser aus "Breaking Bad" u.v.m.; Joe Dempsie und Kate Dickie aus "Game of Thrones".
Leverage hatte ich leider nach den ersten vier Episoden schleifen lassen; man ist nach dem Einstieg nicht direkt hooked, aber als Samstagnachmittags-Zwischendurch-40-Minütler taugt die Reihe allemal, und den Kritiken zufolge wird das Heist-Abenteuer im Verlaufe der fünf Staffeln immer besser. Die Ähnlichkeit zu "Hustle" (BBC, 2004-2012), das ich auch sehr mochte, ist frappierend. Beiden gemein ist (leider) ein unruhiger Jazz-Musikteppich. (Adrian Lester, der Hauptdarsteller aus "Hustle", hat übrigens auch in "Life" eine tragende Rolle.)
The Terror: Infamy würde ich nicht weiterempfehlen, wenn man die erste Staffel aufgrund ihrer atmosphärisch dichten, maßvoll temperierten Inszenierung genossen hat. Das hier ist einfach nur expliziter Hokuspokus, bei dem man immerhin etwas über japanische Folklore und amerikanische Geschichte lernt (historische Beratung: Nebendarsteller George Takei).

Samstag, 28. November 2020

Die besten Weblogs

Ich liebe es, dass ich diese Rubrik im Jahr 2020 immer noch befüllen kann, wenn auch sehr selten. Zumal das Blog, das ich vorstellen möchte, bereits 2018 ins Leben gerufen wurde. Aber erst jetzt bin ich darauf gestoßen.

The 'One SNL a Day' Project bietet genau das, was es verspricht: Der Autor, "Stooge", hat sich vorgenommen, jeden Tag (!) eine Ausgabe von "Saturday Night Live" zu schauen, zu rezensieren und zu bewerten. Stand heute hat er es bis zur 9. Episode der 38. Staffel geschafft, er dürfte das Projekt also nächstes Jahr abgeschlossen haben. Dafür gibt es von meiner Seite Respekt und Neid. Falls es jemanden interessiert: Ich selbst habe alle Folgen ab 30x01 bis zur aktuellsten (46x06) gesehen, außerdem Staffel 19 bis 27 komplett; durch 28 und 29 arbeite ich mich gerade durch, von Season 17 und 18 kenne ich nur einzelne Ausgaben. (Die "Beschaffung" dieser Show ist außerhalb Amerikas fast ein Ding der Unmöglichkeit.) Auf YouTube gibt es freilich viele Sketche aus vergangenen Jahren abzurufen, aber das ist für mich nicht dasselbe. Gespannt bin ich, ob das Blog auch nach dem faktischen Ende weitergeführt werden wird (dann halt mit einem Recap pro Woche). Nun heißt es aber erst mal: Archive binging!

Donnerstag, 26. November 2020

Käse-Epilog

Ganz vergessen zu erwähnen hatte ich im letzten Beitrag, dass, als ich vom Einkaufen zur Wagensammelstelle zurückkehrte, der Käse verschwunden war! Möglicherweise war auch der Wagen von jemandem mit reingenommen und der Käse an seinen ursprünglichen Platz gelegt worden (wodurch Rewe doppelt kassiert hätte). Oder die unachtsame Person ist sich ihres Versehens gewahr geworden und zurückgekommen, um ihr Eigentum doch noch einzustecken. Oder es hat sich halt jemand erbarmt und den Käse entsorgt. Auch wieder schade drum; ich bin absolut gegen Lebensmittelverschwendung. Vielleicht hat sich auch ein Tier das gute Stück geschnappt. Mäuse gibt es in Frankfurt zuhauf. Ach, wenn ich bloß nachgeschaut hätte, um welche Sorte es sich handelte! Ich wette, ihr habt schon gestern nach dieser Information gegiert wie ich jetzt nach Käse.

Mittwoch, 25. November 2020

Hinterlassenschaften

Weil mein gestriger Rewe-Einkauf etwas größer ausfallen sollte, nahm ich nicht wie üblich einen Tragekorb, sondern ging auf die Einkaufswagenstation im Freien zu, um mir einen Wagen zu schnappen. Dass ich Körbe bevorzuge, liegt nicht nur daran, dass meine Einkäufe in der Regel überschaubar sind, sondern auch daran, dass viele Leute glauben, in einem Wagen dürfe man alles liegen lassen, was man nicht mehr benötigt. Prospekte, Kassen- und Einkaufszettel sind ja ein gewohnter Anblick, ich fand aber auch schon Fenchel- oder Karottengrün und sonstige Pflanzenteile vor, auch nicht zurückgenommenes Leergut oder aufgeplatzte Joghurtbecher fristen in den abgestellten Wägen nicht selten ein unwürdiges Zwischendasein.
Gestern nun lag in dem Einkaufswagen, den ich herauszog, ein Stück Käse. Frisch verpackt, von der Käsetheke. Das war offensichtlich von einer Kundin oder einem Kunden in Eile vergessen worden und vermutlich noch konsumierbar.
Würde ich so weit gehen, ein gefundenes Käsestück einzustecken und mit nach Hause zu nehmen? Schließlich bin ich ein Sparfuchs und zudem kein Kostverächter. Doch ich kann Entwarnung geben: Nein, ich rührte dieses Lebensmittel nicht an und benutzte stattdessen einen anderen Wagen.

Montag, 23. November 2020

Traumprotokoll: Fenster

Kurzer, aber sehr intensiver Traum: Ich habe irgendwie Rudy Giuliani in meine Gewalt gebracht, fahre mit ihm in einem Aufzug in das oberste Stockwerk eines Gebäudes und drohe, ihn aus dem Fenster zu schmeißen, wenn er nicht sofort aufhört zu nerven. Das Besondere an Rudy ist, dass er lediglich aus einem Kopf besteht, den man in eine Art Goldfischglas getan hat, was ihn aber nicht daran hindert, gewohnt fahrig und ungezügelt vor sich hin zu stammeln. Er macht mich immer wütender, trotzdem lasse ich schließlich von ihm ab, weil ich einkaufen muss.
 

Donnerstag, 19. November 2020

Vertr[a/i]ckt

Es macht mich kirre, wenn das Kreuzworträtsel so uneindeutig ist!

Laut der Lösung auf der Rätselseite der folgenden Woche wäre Track die korrekte Lösung gewesen. Wie zum DKuckuck hätte ich darauf kommen sollen?!

Dienstag, 17. November 2020

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

The Tall Man
Man sollte sich nicht vom Titel oder vom Plakat zu der Annahme verleiten lassen, bei dem "Großen Mann" handele es sich um einen Slenderman-Abklatsch. Er dient lediglich als loser Aufhänger, um ein leicht angegruseltes Provinz-Drama mit einem ganz cleveren Twist zu erzählen – das mich unterm Strich trotz allem kalt gelassen hat. Womöglich lag es an den farblosen Figuren oder der unangenehmen "Schwere", die auf allem liegt. Buch und Regie stammen übrigens von Pascal Laugier, dem Franzosen, der 2008 mit "Martyrs" einen der drastischsten Schocker inszeniert hat, die ich je gesehen habe.

1917
Dass Sam Mendes' Erster-Weltkriegs-Episode mitreißend sein würde, hatte ich geahnt, schließlich war vorher bekannt, dass es die lebensgefährliche Mission zweier junger britischer Soldaten im (scheinbaren) One-Cut zeigen würde. Nun, es stimmt nicht ganz: Ein harter Schnitt teilt es in zwei Akte, was dem Pacing guttut und Abwechslung in der Lichtstimmung zulässt. Nach den knapp zwei Stunden ist man außer Atem und gleichzeitig gerührt.
Eine Besetzungs-Entscheidung dürfte "Game of Thrones"-Fans wagemutig, wo nicht gar frevelhaft erscheinen (leichter Spoiler): Eine der beiden Hauptfiguren, neben George MacKay, ist Dean-Charles Chapman, der in GoT Tommen Baratheon verkörpert hat, und dessen Bruder wird gespielt von Richard "Robb Stark" Madden!

Ich. Darf. Nicht. Schlafen. (OT: Before I Go To Sleep)
Kurioser Zufall: Sowohl Dean-Charles Chapman als auch Mark Strong, der bei "1917" eine kleine Nebenrolle innehat, sind in diesem Psycho-Verwirrspiel an der Seite von Nicole Kidman zu sehen. Eine an Gedächtnisverlust leidende Ehefrau muss Geheimnisse und Lügen ihrer Vergangenheit aufklären, was ein wenig an "Memento" erinnert und den deutschen Titel leicht irreführend erscheinen lässt. Solide Zwischendurch-Spannung bekommt man allemal geboten.

Mortal Engines - Krieg der Städte
Von dieser Verfilmung des gleichnamigen Young-Adult-Steampunk-Fantasy-Romans hatte ich mir nichts erhofft außer extrem leicht konsumierbarer Trash-Unterhaltung, die wenigstens nett anzuschauen ist. Letzteres immerhin wurde eingelöst: Die Darstellung der Städte auf Rädern (jawoll, das ist die Prämisse, liebe Lesende aus der Zukunft!) ist visuell gelungen. Die Geschichte hat jedoch kaum Substanz, was der dünnen Vorlage (293 Seiten) geschuldet sein mag; wobei das Autorentrio Peter Jackson / Fran Walsh / Philippa Boyens es ja auch geschafft hat, den "Kleinen Hobbit" auf neun wenn nicht epische, so doch vergnügliche Stunden auszuwalzen. Dass der Hauptdarstellerin Hera Hilmar der womöglich erhoffte Kristen-Stewart-gleiche Durchbruch mit dieser Gurke verwehrt war und bis auf weiteres wohl auch bleiben wird, tut mir ein bisschen leid.

Lost Bayou
Dieses Südstaaten-Drama mit Mystery-Touch dürfte die meisten eher ermüden, aber da mich das Leben in den Sümpfen Louisianas schon immer fasziniert hat, hatte diese ungeschönte, in ihrer Tristesse sehr lebendige Darstellung der Bayous eine regelrechte Sogwirkung auf mich. Wie von einem Sog wird man auch heruntergezogen, aber am Ende tastet sich ein Silberstreif über das Hausboot, das den Dreh- und Angelpunkt der Familiengeschichte bildet.

Irresistible
Eine Politsatire IN DIESEN ZEITEN, von einem Meister seines Faches – da kann doch gar nix schiefgehen, möchte man meinen. Leider sind die Kritikpunkte der zahllosen Negativ-Reviews nicht von der Hand zu weisen: Jon Stewarts Komödie ist zahnlos, unausgegoren, missing the point und fühlt sich an wie während der mittleren Bush-Jr.-Ära entstanden. In meiner Erinnerung war sogar der 2004er-Flop "Willkommen in Mooseport" mit Ray Romano bissiger. Auch die Auflösung am Ende vermag nichts zu retten. Wenigstens Steve Carell ist (wie immer) als Pluspunkt verbuchen.

Gemini Man
Ich hätte Will Smith ein starkes Comeback gegönnt, am liebsten in einer tragischen Rolle wie in "Sieben Leben" oder "Das Streben nach Glück". In "Gemini Man" hat er sich dann aber einmal mehr im Actionfach versucht, und an seiner Performance gibt es nichts zu mäkeln. Überhaupt geht es zünftig und scheppernd zur Sache; mich persönlich ermüden lange Kampfsequenzen und Verfolgungsjagden ja beizeiten, aber nach wessen Geschmack derlei ist, der kommt auf seine Kosten. Ich habe Ang Lees Spektakel v.a. deswegen eine Chance gegeben, weil mich der technische Aspekt der Prämisse neugierig gemacht hat: Auf den Helden (Smith) wird ein 25 Jahre jüngerer Klon gehetzt, der ebenfalls von (einem digital verjüngten) Will Smith gespielt wird. Ja, schon stellenweise beeindruckend, doch etwas mehr Handlung hätte ich mir gewünscht.

Happy Happy Joy Joy: The Ren & Stimpy Story
Eine äußerst aufschlussreiche Dokumentation über den anarchischen und wegweisenden Nickelodeon-Cartoon "The Ren & Stimpy Show", von dem ich damals überhaupt nicht fassen konnte, dass so etwas im Kinderfernsehen möglich ist. Das Haupt-Augenmerk liegt auf dem mindestens exzentrisch zu nennenden (das Adjektiv broken ist nicht unpassend) Ren-&-Stimpy-Schöpfer Jon Kricfalusi. Es gibt schonungslose Interviews mit Weggefährten, aber auch mit ihm selbst, so dass nie der Eindruck mangelnder Fairness oder Einseitigkeit entsteht.

Amerikanisches Idyll (OT: American Pastoral)
Ewan McGregor gibt sein Regiedebut und spielt selbst darin mit. Er mimt einen ehemaligen High-School-Sportler mit dem Spitznamen "Der Schwede", der in den 1960er Jahren mit einer sich entfremdenden, erst in die Anti-Kriegsbewegung, dann in den gewalttätigen Anarchismus (und schließlich in den Jainismus; hä?) abrutschenden Tochter (Dakota Fanning) zu hadern hat. Irgendwie wirkt diese Familiensaga unentschieden und überfrachtet, verliert sich in zu vielen (gesellschaftlichen) Problemen und scheint nicht recht zu wissen, wohin. Mir schien es, als hätte das alles viel "epochaler" ausfallen können. Womöglich ist aber auch schon die Vorlage von Philip Roth nicht ganz "rund".

Once Upon a Time In... Hollywood
Die Frage nach Quentin Tarantinos schlechtestem Werk werde ich fürderhin leicht beantworten können! Verbeugungen vor dem Old Hollywood habe ich schon deutlich gelungenere gesehen. Die Dialoge, die Tarantino doch in der Regel famos beherrscht, flogen mir in ein Ohr hinein und aus dem anderen heraus, ohne etwas auszulösen – na ja, nicht ganz: Vereinzelt fragte ich mich, ob man im Jahr 1969 dieses oder jenes wirklich so formuliert hätte. Auch irritierte mich, dass an einer Stelle jemand vorschlägt, Pizza nach Hause zu bestellen; ich konnte keine Hinweise darauf finden, dass das vor den Achtzigern schon möglich gewesen ist, aber man möge mich korrigieren. Überhaupt betreibt dieses schön ausgeleuchtete und wie immer erstrangig besetzte Märchen ja alternative Geschichtsschreibung. [Spoiler] In der Tat gefiel mir am besten, dass das Manson-Massaker im Hause Tate eben nicht korrekt (und gratuitously gewaltverherrlichend) nachgestellt wurde, was unsensibel und tonal unpassend gewesen wäre (looking at you, "American Horror Story"!), sondern einen herrlich befriedigenden und tarantinoesk überzeichneten Verlauf mit umgekehrten Vorzeichen nimmt. Aber bis dahin habe ich mich über die Maßen gelangweilt.

Sonntag, 15. November 2020

eBay und ich

Am 2.6.2008 notierte ich dies:
eBay ist toll! Heute erhielt ich per Post ein Dankesschreiben mit drei Kühlschrankmagneten in Form und Farbe meiner bisher erreichten Bewertungssterne (gelb, türkis, blau). Auch bekam ich - schon zum zweiten Mal dieses Jahr - einen 10€-Gutschein für PayPal. Da verschmerzt man sogar, dass man als Verkäufer keine negativen Bewertungen mehr abgeben darf.
Was ich mit "Gutschein für PayPal" gemeint habe, weiß ich nicht mehr. War es PayPal-Guthaben, i.e. echtes Geld? Die Magneten jedenfalls kleben immer noch an meiner Kühlschranktür. Inzwischen bin ich seit fast 19 Jahren bei eBay angemeldet und immer noch aktiv, wenn auch weniger als damals, aber Kühlschrankmagneten oder irgendwelche anderen Geschenke habe ich nie wieder bekommen. Stolz bin ich darauf, 100 % positive Bewertungen vorweisen zu können. Was mich ärgert: Während ich ganze 376 Bewertungen abgegeben habe, wurde ich selbst nur 342 mal bewertet. Können sich die Leute nicht mal einen Ruck geben und eine halbe Minute in das Runtertippen ein paar freundlicher Dankesworte investieren, wenn sie mit der Transaktion zufrieden waren (und warum sollten sie das bei mir nicht gewesen sein)?

Festhalten muss ich zum Schluss noch, dass in der wilden Anfangszeit der Online-Auktionen einmal ein offenbar echter Schrumpfkopf angeboten wurde. Startgebot: 5000 Euro.

Freitag, 13. November 2020

Es artet aus

Schon ist die nächste Neuentdeckung einer Spezies zu vermelden! Der Popa-Langur ist "jetzt" eine Affenart aus dem Tribus der Schlankaffen. Forscher vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen (was es alles gibt!) stellten nach "genetischen und morphologischen Analysen von Museumspräparaten" im Abgleich mit Kotproben (der fraglichen Tiere) fest, "dass einige der vermeintlich der Spezies Trachypithecus phayrei zugeordneten Proben und Exemplare nicht zu den anderen passten". (scinexx.de)
Heimisch ist der Popa-Langur in Myanmar. Dort leben leider nur noch 200 bis 250 Exemplare der bedrohten Meerkatzenverwandten in vier isolierten PopaPopulationen.

Mittwoch, 11. November 2020

Die neuen Gleiter sind da!

Am Sonntagmorgen wurde mir eine Meldung des Sydney Morning Herald in die Timeline gespült, die bereits am Freitag veröffentlicht worden war und im Rest der Welt erst in den kommenden Tagen verbreitet werden sollte. (Es gab halt zu der Zeit wichtigere Vorgänge.) Quintessenz: In Australien wurden zwei neue Beuteltierarten entdeckt! Liest man weiter als bis zum Ende der Überschrift, offenbaren die entsprechenden Artikel, dass man sich nun keineswegs den überraschenden Fund zweier völlig unbekannter Marsupialiae im Eukalyptus-Dickicht vorzustellen hat. Vielmehr wurde durch DNA-Analysen bestätigt, dass es neben dem Südlichen Großflugbeutler (Petauroides volans) zwei weitere Arten des greater gliders gibt, nämlich den Nördlichen und den Mittleren Großflugbeutler. Bisher war man von einer einzigen Spezies mit lediglich hoher Varianz hinsichtlich der Körpergröße ausgegangen.

Das alles ändert nichts am Cuteness Overload dieser Nachricht. Die opossum-großen, furby-ähnlichen Riesengleitbeutler, wie ihre Gattung auf deutsch heißt, können bis zu 100 Meter am Stück "fliegen" und sind wegen der anhaltenden Buschbrände Down Under stärker in den Fokus der Biodiversitätsforschung getreten. Wir begrüßen Petauroides armillatus und Petauroides minor recht herzlich in der Klasse der Säugetiere!

Montag, 9. November 2020

Auf der Suche nach dem verlorenen Teilchen

Wusstet ihr, dass Marcel Prousts "À la recherche du temps perdu" nicht nur unter dem Titel "Remembrance of Things Past" ins Englische übersetzt wurde, sondern auch als "In Search of Lost Time"? Also ich nicht! Bei mir hat auch noch nie eine Madeleine lange Assoziationsketten ausgelöst, über die ich schreiben könnte, dafür aber muss ich seit vergangener Woche anlasslos an Mandarinen-Quarkplunder denken, und zwar konkret an jene, die es im Café der Neuen Mensa meiner Alma Mater zu kaufen gab. Wenn ich zwischen der 4. und der 6. Doppelstunde, also zwischen 14.30 und 16.40, keine Lehrveranstaltung hatte, aber auch keine Lust, nach Hause zu gehen (was ich hätte tun können, denn ich wohnte nur zehn Fahrradminuten vom Campus entfernt), holte ich mir in ebenjener Cafeteria oft eine Tasse Kaffee und dazu einen Mandarinen-Quarkplunder, setzte mich an einen Tisch, las irgendwas (nicht Proust) und vesperte gemütlich. Manchmal kam das Gebäck frisch aus dem Ofen, warm schmeckte die Quarkfüllung noch köstlicher.
Inzwischen ist das ganze Mensagebäude leer und verschlossen, der Betrieb stillgelegt, und ich wohne eh in einer anderen Stadt. Diese schönen Nachmittage werde ich mithin nie wieder nacherleben können, allein in meiner immer blasser werdenden Erinnerung. Wir befinden uns in der Ära der Ablenkung, der Dauerbeschallung und des Eindrucks-Overflows, so dass wir zu vergessen drohen, hin und wieder nichts zu tun als in uns zu gehen und Vergangenes zu rekapitulieren, Momente des Glücks gedanklich nachzuspielen. Schreiben hilft auch – selbst wenn dann aus einem Stück Zwieback eine Madeleine wird oder werweiß aus einem Plunder ein Krapfen.
Themenwechsel! Gustave Flauberts Roman "Éducation sentimentale" erfuhr kürzlich eine Neuübersetzung ins Deutsche durch Elisabeth Edl und heißt jetzt "Lehrjahre der Männlichkeit". Die Frage der Süddeutschen Zeitung, ob das ein "Auswuchs der Genderdebatte" oder ein "philologischer Scoop" sei, interessiert mich weniger als folgende Passage aus dem dazugehörigen Artikel: "Das Problem liegt schon im Titel des Originals begründet, einem Titel, um den Flaubert lange gerungen hatte, dem aber schon Marcel Proust in seinem bahnbrechenden Essay über den Stil Flauberts attestiert hat, dass er 'grammatisch' inkorrekt sei." Wer kann mir erklären, was es mit diesem Vorwurf auf sich hat und wieso "grammatisch" in Anführungszeichen steht? Im engeren Sinne scheint es mir grammatisch korrekt zu sein: éducation ist ein feminines Substantiv im Singular und das Adjektiv sentimentale dazu astrein kongruent. Ich muss an dieser Stelle betonen, dass ich meine letzte Französisch-Lektion nicht mal in der Uni, sondern in der Schule hatte, und so weit möchte ich nun wirklich nicht zurückdenken!

Samstag, 7. November 2020

Präsidiales und Präsidentielles

Gestern tauschte ich, aus gegebenem Anlass, mit meinem Freund und Ex-Kollegen Michael Ziegelwagner faszinierende Fakten über Staatsoberhäupter aus.
Während Deutschland sich gerade mal einen einzigen Altkanzler (G. Schröder) hält, gibt es in Österreich derzeit mehr lebende als tote Bundeskanzler! Dafür hat Frank-Walter Steinmeier immerhin drei quicklebendige Vorgänger; Österreich könnte, sollte der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer (* 1938) in nächster Zeit sterben, ganz ohne Ex-Präsidenten dastehen, ein Zustand, der in Amerika zuletzt 1933 unter Herbert Hoover herrschte. Rumgesprochen haben sollte sich auch inzwischen dies (zitiert nach Ziegelwagners Facebook-Pinnwand): "Joe Biden wäre ein Präsident, der einen jüngeren Vorgänger ablöst, der einen jüngeren Vorgänger abgelöst hat (Biden Jg. 1942, Trump Jg. 1946, Obama Jg. 1961). Das wäre allerdings nicht das erste Mal: Woodrow Wilson folgte 1913 auf den 1 Jahr jüngeren William Howard Taft, der seinerseits auf den 1 Jahr jüngeren Theodore Roosevelt gefolgt war." Und: "Präsident Biden wäre dann auch älter als sämtliche lebenden Ex-Präsidenten - Trump, Obama, Bush, Clinton. Einzige Ausnahme: Jimmy Carter, der wirklich sehr, sehr alt ist." Und mit Biden hätten haben die USA erstmals einen Präsidenten, der während des 2. Weltkriegs geboren worden ist. Erwähnenswert auch: Als Willy Brandt als Kanzler vereidigt wurde, lebten nicht nur noch zwei seiner direkten Amtsvorgänger (Erhard und Kiesinger; Adenauer war 1967 verschieden), sondern auch noch ein Reichskanzler der Weimarer Republik (Brüning; von Papen war ein paar Monate zuvor gestorben) sowie der heute vergessene "Leitende Minister der Geschäftsführenden Reichsregierung" Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk!
Sodann fragten wir uns, welcher US-Präsident als letzter lediglich auf Gemälden verewigt ist. Man lese und staune: Auch wenn die Wikipedia-Liste der "Presidents of the United States" Andrew Jackson, Präsident Nr. 7, gezeichnet aufführt, existiert doch mindestens eine (späte) Daguerreotypie von ihm. Auch John Quincy Adams, der 6. Präsident, wurde bereits fotografiert, wenn auch ebenfalls nicht während seiner Amtszeit (1825-1829), sondern "c. 1843-48". Nun findet man sogar (u.a. im deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag) von dessen Vorgänger James Monroe (1817-1825) eine angebliche Daguerreotypie, jedoch keinerlei Hinweise auf die Entstehungszeit. Monroe lebte von 1758 bis 1831, Louis Daguerre stellte sein Verfahren 1839 vor, auf 1838 datiert das offiziell erste Foto von Menschen. Zwar gab es auch davor erfolgreiche Aufnahme-Experimente (die sog. Heliographie des berühmten Pariser Fensterblicks stammt von 1826), aber tatsächlich scheint JQA anno 1844/45 der erste fotografisch festgehaltene POTUS zu sein. Krass, was?

Donnerstag, 5. November 2020

Namen, die man nur in den Todesanzeigen der FAZ findet

Wow! Ein Vertreter einer Familie, die aus dem Kreuzworträtsel bekannt ist ("Märkisches Adelsgeschlecht" mit 5 Buchstaben), und obendrein ein Name, der sich zur TMNT-Titelmelodie singen lässt!

Dienstag, 3. November 2020

Zweierlei Süßes

1. Helmos Griechischer Orangenhonig
Dieses Importprodukt benötigte ich für ein Backrezept. Und bevor jetzt jemand sagt "Aber, Torsten, wer gibt denn 13,73 € für ein halbes Kilogramm Honig aus, der sich in einem Kuchen sowieso nicht geschmacklich bemerkbar macht?", möchte ich darauf hinweisen, dass in diesen Kuchen zusätzlich zu griechischem Orangenblütenhonig auch normaler Honig kommt, und wer wäre ich, mir anzumaßen, aus zwei Zutaten eine zu machen? Nein nein, es musste schon dieser sein, denn das, was übrig bleibt, soll ja auch schmecken, wenn ich es mir aufs Brötchen schmiere oder in den Joghurt rühre. Gut gefällt mir, dass die flüssige Masse einigermaßen schnell kristallisiert, so dass sich permanent gleich zwei Aggregatzustände des Immengoldes gustatorisch die Hand reichen. Erinnert mich an den Bienennektar, den mein Großvater Jahr für Jahr massenweise produzierte! Schmeckt man nun konkret Orangen heraus? Nein, ein Zitrusaroma vermag ich nicht zu erkennen. Trotzdem ist er irgendwie ... anders, im positiven Sinne. Gesundheitsfördernd soll er, wie alles aus dem Mittelmeerraum, obendrein sein.


2. Le Carré Normand Karamellkekse
Hier macht schon der Produktname einen edlen Eindruck! Tatsächlich können es diese französischen Kekse aus dem Hause Biscuiterie de l'Abbaye preislich mit der schottischen Konkurrenz von Walkers aufnehmen. Man investiert hier aber auch in einen superben Knabbergenuss. 27,5 % Butter aus der Normandie und 10 % Salzkaramell mit Crème fraîche von ebendaher sprechen für sich. Ich bin stolz darauf, drei Mal die Disziplin aufgebracht zu haben, nach drei Keksen aufzuhören (ja, mehr als neun sind leider nicht in einer Packung).


Sonntag, 1. November 2020

Serientagebuch 10/20

01.10. The Capture 1.01
04.10. The Capture 1.02
05.10. Lovecraft Country 1.03
06.10. Family Guy 19.02
07.10. The Capture 1.03
08.10. The Capture 1.04
10.10. The Marvelous Mrs. Maisel 2.09
The Marvelous Mrs. Maisel 2.10
11.10. The Capture 1.05
12.10. Family Guy 19.03
The Capture 1.06
Lovecraft Country 1.04
13.10. Devs 1.01
Devs 1.02
14.10. Devs 1.03
16.10. Devs 1.04
Devs 1.05
The Simpsons 32.01
The Simpsons 32.02
17.10. Devs 1.06
Lovecraft Country 1.05
18.10. Devs 1.07
Devs 1.08
19.10. The Simpsons 32.03
The Simpsons 32.04
20.10. The Terror 2.01
21.10.
The Marvelous Mrs. Maisel 3.01
The Marvelous Mrs. Maisel 3.02
22.10. Norm 3.01
25.10. The Terror 2.02
27.10. Norm 3.02
Family Guy 19.04
The Terror 2.03
28.10. Lovecraft Country 1.06
29.10. This Is Us 5.01
30.10. This Is Us 5.02

Mit The Capture wurde meine Sucht nach britischen Thrillerdramen ganz gut gestillt, während ich auf die 5. Staffel von "Line of Duty" wartete (was ich immer noch tue). Beim Schauen dieser Mini- bzw. nach UK-Standard normal langen Serie muss man sich wie bei jener tüchtig konzentrieren, um dem wendungsreichen Plot zu folgen. Die dabei verhandelten Stoffe sind aktuell, wenn auch nicht "2020-aktuell": Es geht um Überwachung, Deep Fakes, importierten Terrorismus, Geheimdienste und mehr; am besten, man weiß vorher so wenig wie möglich über die Prämisse.
Nach sechs Episoden bin ich mit Lovecraft Country nun doch einigermaßen warm geworden. Ich möchte wissen, wie der Zehnteiler endet, auch wenn mir der Spagat zwischen übernatürlichem Pulp und gewichtigem social commentary oftmals reichlich tolpatschig ausgeführt erscheint. Man sollte jedenfalls nicht den Fehler machen, aufgrund des Titels subtilen Gothic-Grusel oder cosmic horror zu erwarten. Auch die Effekte überzeugen nicht immer; wenn sie es tun, dann aber richtig. Nichts auszusetzen ist am Cast.
Am heftigsten in den Bann gezogen hat mich diesen Monat Devs. Vor allem die Musik und die visuellen Ideen entwickeln von Anfang an eine beachtliche Sogwirkung, und positiv überrascht war ich von Nick Offerman, der tatsächlich noch andere Rollen als Ron Swanson drauf hat. Die zugrundeliegende Philosophie (von der Technik ganz zu schweigen) ist allerdings komplett balla-balla: eine extreme Auslegung des Determinismus, die jeder minimal belesene Mensch mit normaler Lebenserfahrung easy vom Tisch fegen kann. Doch das ist verzeihlich, ja ich habe sogar Lust auf "Ex Machina", das Regiedebut von Serienschöpfer Alex Garland ("Auslöschung"), und dessen wissenschaftliche Basis bekommen.
Die 32. (uff!) Staffel der Simpsons ist insoweit wagemutig, als drei der vier ersten Folgen keine regulären Springfield-Abenteuer sind, sondern in Paralleluniversen spielen bzw. historische Geschichten nacherzählen. Nun ja, mindestens einen Lacher gab es dabei jeweils, das ist ja schon was.
"Uff!" habe ich auch bei This Is Us gedacht, als nämlich die angekündigten Bezüge zur aktuellen Weltlage sicht- und hörbar wurden. Bereits in der ersten Szene kam die Corona-Pandemie zur Sprache – in einem Dialog, der im Finale der vierten Staffel begonnen hatte (welches im März 2020 ausgestrahlt wurde, mithin als Covid bereits die Nachrichten dominierte, ohne dass das in der "This Is Us"-Welt eine Rolle gespielt hätte; aber okay, wochenaktuell kann man so eine Serie halt nicht produzieren). Ich sehe natürlich ein, dass man globale Entwicklungen gewissen Ausmaßes (auch "Black Lives Matter" spielt eine Rolle) in einer Familiensaga, die im Hier und Jetzt angesiedelt ist, nicht ausklammern kann, dennoch hoffe ich, dass unsere deprimierende Realität in erträglichen Dosen zum Vorschein kommt – "This Is Us" ist auch ohne sie traurig genug.
Zur zweiten Staffel von The Terror (die keine Fortsetzung der ersten darstellt, sondern ein eigenständiges installment innerhalb einer Anthologiereihe ist) äußere ich mich voraussichtlich nächstes Mal, ebenso zum Rest.

Freitag, 30. Oktober 2020

Der neue King

... ist gar nicht sooo neu, aber ich habe If It Bleeds (deutsch: "Blutige Nachrichten") erst gestern zu Ende gelesen, weil ich, als ich das Buch zum ersten Mal der Bibliothek entliehen hatte, nur bis zur dritten der insgesamt vier Geschichten gekommen war. Nun bin ich durch und kann allen vier Novellen das Prädikat "Stephen King pur" (sorry für diese Formulierung!) verleihen.
"Mr. Harrigans Telefon" zum Beispiel ist im besten Sinne Standardkost: eine unheimliche Prämisse, ein bisschen Drama, Blut & Revenge, es menschelt hie und da, es gibt Bezüge zu modernen Entwicklungen und Problemen. Eine bessere "Twilight Zone"-Episode, die sich gut wegliest und einen hervorragend gewählten Einstieg darstellt.
"Chucks Leben" hingegen wagt sich was; es ist die am meisten experimentelle, ja avantgardistische Story. Ich stellte mir diesen chronologisch rückwärts erzählten Dreiteiler direkt als von Damon Lindelof verfilmte Miniserie vor. Auf jeden Fall interessant.
Die längste Novelle würde ich niemandem empfehlen, der mit der "Mr. Mercedes"-Trilogie nicht vertraut ist und/oder "The Outsider" noch nicht gelesen bzw. gesehen hat. Auf Letzteres gibt es nämlich zahlreiche Verweise, man kann sich "Blutige Nachrichten" im Grunde als Fortsetzung oder Epilog davon vorstellen. Vermutlich reicht es aber auch, die Inhaltsangaben zu studieren (womit man sich indes einiges entgehen ließe), denn das erste Stand-alone-Abenteuer von Holly Gibney ist auch ohne Kenntnisse des großen Ganzen spannend genug.
Zum Schluss präsentiert uns King ein – wie er im Nachwort selbst sagt – 
modernes Märchen, das mit einer allseits bekannten, nichtsdestoweniger atmosphärisch dicht und packend geschilderten Trope startet: Ein Schriftsteller zieht sich zum Schreiben in eine abgeschiedene Waldhütte zurück. Ich bin mir nicht sicher, ob man "Rat" (dt.: "Ratte") nicht entweder strecken oder straffen hätte können, doch gelangweilt habe ich mich an keiner Stelle. Wie im gesamten Schmöker nicht. (Heyne, 560 Seiten)

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Toptipp aus dem Abreißkalender


Leider war dann gar nicht zu erfahren, wie man Teppichflecken reinigt, damit sie schön frisch bleiben, sondern nur, wie man solche Flecken entfernt.
 

Dienstag, 27. Oktober 2020

Kurz notiert: Burgomeister

Interessanter Wortfund im hervorragenden Museum Schloss Fechenbach zu Dieburg:


Die amerikanischen Besatzer bezeichnen in einem frühen Bericht den Bürgermeister als burgomeister. Möglich, dass es sich hier nur um eine Falschschreibung der deutschen Amtsbezeichnung handelt, vielleicht aber auch von burgomaster, oder es ist ein Hybrid aus beidem bzw. das historisierende Wort diente als Vorbild.

Sonntag, 25. Oktober 2020

Zwei Knabbereien

1. John John Handcooked Potato Crisps
Wieder einmal bot der örtliche Rewe in einem Spezial-Regälchen importierte Chips an, diesmal aus England. Ihr kennt mich: Bei solchen Aktionen muss ich einfach zuschlagen, zumal handgefertigte britische crisps meist das gewisse Extra aufweisen (vgl. Tyrrell's, Kettle). Ich entschied mich für die Sorte Suffolk Cheddar & Chives, es gab aber auch die üblichen verdächtigen wie Pfeffer'n'Salz, Salt & Vinegar ...
Wie gesagt, ihr kennt mich, deswegen dürfte bekannt sein, nach welchen Kriterien ich Chips, Nachos & Co. bewerte. Inhaltsstoffe: gehen in Ordnung, da ist nichts Bedenkliches drin. Preis/Leistung: naaa ja. Nachgeschmack: nicht vorhanden – gut. Mundgefühl/Textur/Konsistenz: schön knackig-cross, genau richtige Dicke. Und das Wichtigste, der Geschmack: Hier verdient sich das Produkt leider keine Lorbeeren. Ich habe schon deutlich käsigere Käsechips gegessen, und den Schnittlauch habe ich überhaupt nicht rausgeschmeckt. Da wäre mehr drin gewesen! Gesamtwertung daher leider nur 5/10 Punkten.


2. Yinwa Wasabi Erdnüsse
Hier kann ich mich kurzfassen: Rewes hauseigene Alternative taugt mir viiiel mehr, und das, obwohl bei jener nur 0,003 % Wasabipulver drin ist, während diese mit satten 0,1 % echtem Wasabi aufwartet. Doch der Nachgeschmack ist einfach seltsam. Da mich noch jede Sorte Wasabinüsse angefixt hat und die Schärfe überzeugend ist, vergebe ich dennoch 6/10.


Freitag, 23. Oktober 2020

Traumprotokoll: Ärzte

Ich habe geträumt, ich wäre zu einer Record-Release-Party der Band Die Ärzte eingeladen worden, auf der ein neues Album sowie ein neues Buch vorgestellt werden sollten. Die Veranstaltung fand an einem Nachmittag in einer Lokalität statt, die mich an ein Karstadt-Restaurant erinnerte. Die Gäste – durchweg blonde, körperbetonte Sweatshirt-um-die-Schulter-Binder (Typ BWL-Student) und hanseatische Reederstöchter namens Victoria – wurden an altmodisch weiß eingedeckten Kaffeetafeln platziert und von freundlichen Damen bedient. Die Künstler ließen sich nicht blicken, stattdessen waren die zu erwerbenden Neuerscheinungen an allen Wänden auf Sideboards und Ständern drapiert. Ich griff mir ein Exemplar des Buches und las ein paar Absätze: Es ging ausschließlich darum, wie sich das glamouröse Leben eines Popstars anfühlt. Enttäuscht stellte ich das Buch zurück und fragte mich, ob alle Record-Release-Partys so ablaufen. Das einzige, was "ablief", war das Servieren von Kuchen. Ich bekam etwas, das einen Crumble darstellen sollte, der allerdings lediglich aus warmem Obst wie Kiwis (?) und harten Renekloden/Mispeln (?) bestand; die Streuseldecke war so gut wie nicht vorhanden. Eine anwesende Kollegin von mir, die dafür bekannt ist, sich jeden Nachmittag erlesenes Gebäck zum Tee zu gönnen, fand den Crumble überraschenderweise ganz okay. Wir unterhielten uns dann noch über Bundt cake und seine deutsche Entsprechung, die, wie wir uns erinnerten, nicht "Bundtkuchen" heiße, denn das sei etwas ganz anderes. (Das Äquivalent und vermutlich sogar Vorbild für den amerikanischen Kuchen ist tatsächlich Bundkuchen, eine andere Bezeichnung für den Gugelhupf, was ich im Traum nicht wissen konnte.) Ansonsten passierte nix mehr.
Bemerkenswertes Nebendetail: Obwohl derartige Events unter den aktuellen Umständen nicht möglich wären, spielte die Pandemie in meinem Traum keine Rolle. Immerhin: Eine Person trug eine (azurblaue Designer-)Maske.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Leute machen Kleiber

In meiner Social-Media-Blase ist es seit Wochen das brennendste Thema: die Wahl zum Vogel des Jahres 2021. Weil dieses Event zum nunmehr 50. Mal stattfindet, übernimmt ausnahmsweise nicht der NABU, der das traditionell gemeinsam mit dem Bayerischen Landesbund für Vogelschutz tut, die Kür, sondern lässt das gemeine Volk abstimmen. Mit regelrechtem Furor werden nun allseits Kandidaten gepusht, hartbandagige Image- und Verleumdungskampagnen geführt, wird Werbung betrieben, als ginge es um die Petition für eine Verfassungsänderung. 

Allein ich enthalte mich jeder Positionierung, nehme an keinen Diskussionen teil, habe keinen Favoriten. Mir sind alle Tiere gleich lieb. Außer die Stadttaube, das Mistvieh kann mir gestohlen bleiben! Ups, jetzt habe mich ja doch zu einer Aussage hinreißen lassen. Nun gut, da bereits die Turteltaube Vogel des Jahres 2020 geworden ist, hoffe ich, dass die Abstimmenden vernünftig genug sind, nicht erneut einer Vertreterin der Familie der Columbidae diese Ehre zuteil werden zu lassen. Zu wünschen bleibt weiters, dass niemand den Titel erringt, der ihn schon einmal innehatte (vgl. Feldlerche 1998 und 2019; Eisvogel 1973 und 2009; Weißstorch 1984 und 1994). Ein absoluter Newcomer hätte es verdient, etwa der Eichelhäher oder der Zilpzalp. Warum nicht ein politisches Zeichen setzen und einen eingewanderten Federling nominieren (z.B. Rosaflamingo)? Oder einen Irrgast wie den Krauskopfpelikan ernennen? Oder gar nicht eine ganze Art, sondern ein Einzelexemplar, nämlich jenen Schwarzbrauenalbatros, der sich seit 2014 regelmäßig auf Helgoland und Sylt sehen lässt? Okay, allmählich verstehe ich, wie man zu diesem Komplex starke Meinungen entwickeln kann ...

Montag, 19. Oktober 2020

Jetzt 'n Blogbeitrag.

In einem der in seinem Band "Gattin aus Holzabfällen" versammelten Fotofundstücke zeigt und kommentiert Max Goldt den Slogan einer Gattungskampagne der Printbranche: "Jetzt 'ne Zeitschrift". Diese Werbemaßnahme aus dem Jahr 2007 ist völlig an mir vorbeigegangen, obwohl sie mehrfach Objekt der damals schon sehr aktiven "Netzwelt" war (u.a. Sascha Lobo befasste sich damit und lobte zwei jener Anzeigen für ihre selbstironischen Ansätze) – umso herzhafter musste ich lachen, als ich die Zeile las. Ich finde generisches Marketing allgemein recht amüsant, sei es für Zucker, Holz, Kino, das Handwerk und was es noch alles gibt. Was es nicht gibt, sollte man sich mal überlegen! "Ohne Gewürze ist das Leben fad." / "Der Mulch macht's!" / "Eine Armbanduhr: läuft von früh bis spät." / "Wir bringen vielleicht kein Glück, aber dafür Wärme. Ihre Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger" ... Weitere Claims und Sprüche denke ich mir gegen geringes Honorar gerne aus!

Samstag, 17. Oktober 2020

Deutschland 2020

Interviewschnipsel aus dem aktuellen Stern:


Ich betone: aus dem aktuellen Stern, nicht etwa aus einer Ausgabe von 1620. Gute Güte!

Da muss ich an eine Begebenheit aus dem Februar dieses Jahres denken. Schon eine reichliche Zeitspanne vor dem Eintreten der allgemeinen Maskenpflicht hatte ich mir angewöhnt, bei Einkäufen und sonstigen Erledigungen einen Mundschutz zu tragen. Einmal lief ich nun also derart teilvermummt über meine lokale Einkaufsgasse, als ein Passant zu seinem circa sechsjährigen Sohn, auf mich zeigend, rief: "Kuck mal, der hat Corona!" Am liebsten hätte ich erwidert: "Wenn ich wüsste, dass ich Corona hätte, würde ich dich Arschloch jetzt mit Absicht anhusten! Was bist du eigentlich für ein Vorbild für dein Kind?"
["Curb Your Enthusiasm" theme starts playing in the distance]

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Vorhin auf dem Wochenmarkt

Ich laufe mit aufgespanntem Regenschirm zwischen den Marktständen entlang, da kommt mir ein mittelalter Herr entgegen und sagt: "Es regnet nicht!" Also klappe ich den Schirm zu, setze meinen Weg fort, denke nach circa fünf Sekunden 'Hä? Klar regnet es', nehme zur Überprüfung meine Brille ab, und siehe da:


Regentropfen!!! Am liebsten wäre ich dem Typen hinterhergerannt, um ihm die Brille (sowie meinen fühl- und sichtbar benetzten Schirm) zu zeigen und ihn anzupflaumen: "Sagen Sie mal, wer hat Sie eigentlich zum Experten für Niederschlag ernannt?!"
["Curb Your Enthusiasm" theme starts playing in the distance]

Dienstag, 13. Oktober 2020

Das Tür-in-Tür-Phänomen

You know what really grinds my gears? Riesige Türen, Pforten, Tore, in die eine kleinere Tür eingelassen ist! Was soll das? Da hat man schon zwei imposante Eingangsflügel an seinem Protzbau, aber weil man das Öffnen und Schließen offenbar als Zumutung empfindet, schneidet man ein Rechteck rein, durch das man dann 08/15-mäßig treten kann.


Diese Bausünde begegnet einem freilich nicht nur an Privathäusern aus mehreren Jahrhunderten, sondern auch und gerade an Schlössern, Kirchen, Amtsgebäuden et al.!


Ich werde jetzt anfangen, jedes Beispiel dieser Tor(!)heit, das ich sehe, zu fotografieren und zu posten, auf dass eine Dokumentation der Schande erwachse.

Sonntag, 11. Oktober 2020

Ausflug in den Main-Kinzig-Kreis

Völlig unbekannt war mir bis heute der Ortsname Hammersbach-Marköbel. Dabei kann von dort aus eine erquickliche Tour durch fruchtbare Wetterau-Landschaften unternommen werden. In Hammersbach (unweit Hanau) selbst gibt es ein Unter- sowie ein Obertor, eine Pfarrkirche und Spuren eines gar nicht mal kleinen Römerkastells zu bestaunen.

Das Obertor von Hammersbach

Es bietet sich die Möglichkeit, einen Teil der historischen Handelswege Via Regia und Hohe Straße zu beschreiten. Alle paar Kilometer trifft man auf besondere Sitzgelegenheiten, die neben den weitläufigen Feldern und Wiesen aufgestellt wurden.




Bänke und Kunst

Von Interesse ist auch der Weiler Hirzbach, wo eine Kapelle der Antoniter steht. 


Von den Antonitern werden die wenigsten je gehört haben, denn dieser Hospitalorden, der auf die Pflege von Antoniusfeuer-Patienten spezialisiert war, war bereits im 17. Jahrhundert in Auflösung begriffen, nachdem die Universität Marburg einen Zusammenhang dieser mittelalterlichen Krankheit mit Mutterkorn-Verzehr festgestellt hatte, was zu starkem Rückgang solcher Vergiftungen führte. Die letzten zwei Klöster bestanden noch bis 1803.

Hinter der Kapelle: dieses Gebilde. Kirche + Kirsche, klar.

Nahe Butterstadt wiederum lässt sich eine zehn Meter hohe Holzkonstruktion namens Himmelsschaukel bezwingen. 


Butterstadt selbst wartet mit der Replik einer Jupiter-Gigantensäule auf.


Im benachbarten Rüdigheim schließlich gibt es eine Johanniter-Komturei sowie eine denkmalgeschützte Staatsdomäne.

Eine Klosteranlage mit Kakteenecke ist ganz nach meinem Geschmack.

Neben unzähligen Nutzpflanzen ist in dieser Gegend auch etliches Getier zu erspähen: Insekten auf Insektenwiesen (während der Insektenzeit), Greifvögel, Störche, Rinder, Pferde.


Mittwoch, 7. Oktober 2020

Torsten testet Nachahmerprodukte: Malti Nova

Manchmal findet man im Gespräch mit einem Menschen heraus, dass dieser Ovomaltine nicht kennt. Was für eine bemitleidenswerte Existenz!, denke ich mir da. Tatsächlich zähle ich das Schweizer Schoko-Malz-Trinkpulver, das in Teilen der anglophonen Welt und anderswo Ovaltine heißt, zu meinen All-time-Lieblingslebensmitteln, inklusive aller davon abgeleiteten Produkte, etwa Ovomaltine-Schokolade und vor allem der Crunchy Cream. (Das Müsli ist nicht so doll.)

Bei Rewe entdeckte ich nun einen Aufstrich des Labels Beste Wahl, der erkennbar jenen von Ovomaltine imitiert, aber mit dem halben Preis bei gleicher Menge eine starke Konkurrenzkampfansage macht: Malti Nova. Um es kurz zu machen: Zieht man das Vorbild aus Neuenegg nicht als Vergleichsmaßstab heran, hat man immer noch eine solide Frühstückszutat, die dank interessanter Knusprig- und Malzigkeit über den Genussfaktor schnöder Nougatcreme hinausgeht. Es ist natürlich keine Original-Ovomaltine verarbeitet, stattdessen leider Palmöl. Die Farbe erscheint mir dunkler zu sein, die Crunch-Stückchen weniger malzig, die Konsistenz sämiger. Trotzdem: Mir taugt's!

Wertung: 7/10


Montag, 5. Oktober 2020

Betr.: Törtlis, Beratung, Röster, Blogger

Neulich habe ich endlich gelernt, was der Unterschied zwischen Tortelloni und Tortellini ist. Beziehungsweise: Mir ist überhaupt erst klar geworden, dass es einen Unterschied gibt. Dieser besteht, wie man sich denken kann, in der Größe: Tortellini sind kleiner als Tortelloni. Erfreulich ist die seit Jahren ansteigende Vielfalt an Supermarkt-Tortelloni, womit ich natürlich die Nassfertiggerichte im Kühlregal meine (Steinpilz, Kürbis, Ziegenkäse und und und); bei Trockenfertiggerichten hat man meist nur die Wahl zwischen Vier-Käse, Spinat-Ricotta und Schweinefleisch.

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In meinem Viertel gab es eine Aids-Beratungsstelle, die irgendwann geschlossen wurde. Als ich dies mitbekam, wusste ich nicht, was ich diesbezüglich empfinden sollte. Einerseits ist es immer traurig, wenn eine etablierte Einrichtung, besonders im sozialen Bereich, ihre Pforten schließen muss, andererseits kann man ja froh sein: Offenbar besteht kein Bedarf mehr an Aids-Infos, weil die Gesellschaft ausreichend aufgeklärt ist und/oder die Krankheit so gut wie verschwunden ist.

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Hinweis für Fans der österreichischen Küche: Marillen- bzw. Zwetschgenröster, die beliebten Palatschinken-Toppings, findet ihr in eurem Supermarkt möglicherweise nicht bei den Konfitüren, sondern in der Kompott- und Dosenobstabteilung! Rein zufällig sah ich in meinem Stamm-Rewe neulich die Gläser ebendort.

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Die Benutzeroberfläche von Blogger hat sich in den vergangenen Monaten wieder einmal geändert. Der Wechsel von der klassischen zur neuen Version war lange Zeit optional; währenddessen waren verschiedenste Macken zu erdulden. Mittlerweile nutze ich die aktualisierte Oberfläche und komme damit zurande, allein eine Sache stört mich: Beim Erstellen eines Beitrags wird standardmäßig ein Leerzeichen am Anfang eingefügt, das ich jedes Mal entfernen muss. Was soll das?

Donnerstag, 1. Oktober 2020

[Rubrik wieder da!] Serientagebuch 09/20

Diese Serienepisoden habe ich im vergangenen Monat geguckt. Latenight-, Game-Shows u.ä. sind wie immer ausgenommen.

01.09.    The Expanse 2.06
02.09.    The Fall 2.04
03.09.    The Fall 2.05
07.09.    Arrested Development 3.09
10.09.    The Fall 2.06
12.09.    The Marvelous Mrs. Maisel 2.05
              The Marvelous Mrs. Maisel 2.06
13.09.    The Expanse 2.07
15.09.    Norm 2.19
              The Expanse 2.08
17.09.    The Expanse 2.09
19.09.    Arrested Development 3.10
21.09.    Arrested Development 3.11
              Arrested Development 3.12
22.09.    The Marvelous Mrs. Maisel 2.07
              The Marvelous Mrs. Maisel 2.08
24.09.    Lovecraft Country 1.01
              The Expanse 2.10
              The Expanse 2.11
28.09.    Arrested Development 3.13
29.09.    Lovecraft Country 1.02
              The Expanse 2.12
30.09.    Family Guy 19.01
              Norm 2.20
              The Expanse 2.13

Die 2. Staffel von The Expanse hat mir noch besser als die erste gefallen, auch weil ich der Handlung besser folgen konnte. Ich bin science-fiction-mäßig ja ziemlich unbeleckt, aber "The Expanse" hat das Potenzial, zu meinem Favoriten in diesem Genre zu werden.
The Fall war ein nordirisches Kriminaldrama mit durchgängiger Story, sehr behutsam und eindringlich, mitunter schwermütig und behäbig erzählt, mit einer fantastischen Gillian Anderson in der Hauptrolle und einem geschickt ausgewählten Nebencast (darunter einige "Game of Thrones"-Köpfe).
Mit der dritten (und damit letzten Original-)Staffel von Arrested Development habe ich mir zu viel Zeit gelassen – leider! Denn ab der Hälfte nimmt sie gagmäßig ordentlich an Fahrt auf, und trotzdessen, dass jede Szene auf Pointe geschrieben ist, wurde erkennbar viel Energie und Geist in einen stringenten und gottlob nachvollziehbaren Plot gesteckt. Ich habe gestaunt, wie viele Tabubrüche und schweinigelige Zweideutigkeiten (von denen man sich heute etliche nicht mehr trauen würde) seinerzeit vom Sender Fox durchgewinkt wurden.
Hierzulande kaum bekannt sein dürfte die Sitcom Norm a.k.a. The Norm Show, die von 1999 bis 2001 auf ABC lief und ebenfalls oft mit für Network-Verhältnisse überraschender Derbheit und Edginess daherkam. Der Humor von Hauptdarsteller Norm Macdonald ist jedenfalls klar erkennbar. Auch kann man sich an zahlreichen Gastauftritten sowie an Laurie Metcalf und Max Wright in Nebenrollen erfreuen. Gibt's komplett bei YouTube!
Meine Einschätzungen zu den übrigen Serien reiche ich beim nächsten Mal nach; was ich schon mal sagen kann, ist, dass ich bzgl. Lovecraft Country zwiegespalten bin. Es ist ganz anders, als ich erwartet hatte, aber jetzt, da ich weiß, dass es sich eher um eine Monster-of-the-week-Serie als um einen zehnstündigen Film handelt, werde ich an die nächste Episode ganz anders herangehen.

Dienstag, 29. September 2020

(Circa) 100 (+ 26) obskure Kreuzworträtsel-Lösungen

Nachdem den "Kookaburra" nicht einmal 40 Leute haben wollten, obwohl allein heute 240 Zugriffe, darunter der fünfhunderttausendste, auf dieses Blog erfolgt sind (nun gut, vermutlich 200 von Bots), würde ich mir den Hinweis auf mein gerade erschienenes Kreuzworträtsel-Buch am liebsten sparen, aber vielleicht begreift der oder die ein(e) oder andere es ja als Gelegenheit, mit ein paar Euros einfach mal Danke für 1717 werbefreie Beiträge zu sagen. Man muss es ja nicht lesen!
And now this:

  • orientalisches Teppichmuster: Herati
  • menschl. Ausstrahlung: Od
  • Gewand der Mekkapilger: Ihram
  • Amazonasdelfin: Inia
  • Atemfontäne der Wale: Blas
  • Schildlausfett: Age
  • altes Weinmaß (150 l): Ohm
  • Ofenrohrklappe: Fache
  • ein Möbelstoff: Epingle
  • Joker im Tarock-Spiel: Sküs
  • persische Teppichart: Mir
  • Verzierung an Textilien: Smok
  • ostasiatisches Laubholz: Sen
  • span. Halskrause (16. Jh.): Kröse
  • Schrägschnitt am Holz: Gehrung*
  • Einschnitt im Brett: Gehre*
  • Grenzpassierschein (Auto): Triptik
  • Bergwiese, Weide: Matte
  • Tragsessel des Papstes: Sedia
  • Jacke ohne Ärmel: Gilet
  • unterster Teil des Schiffsraums: Piek
  • Einfriedung in Nordamerika: Fenz 
  • Desinfektionsmittel: Kresol
  • alter Grenzstein: Terme
  • Hirsesorte: Fench
  • musikalisches Märchenspiel: Feerie

* Gehören diese beiden Wörter zusammen? Und auch zum "keilförmigen Stück in Kleidung" (9.4.2020)?

Montag, 28. September 2020

Kurz empfohlen: Britisches aufs Brot

Ich habe mir mal wieder etwas Feines fürs Frühstück gegönnt:

Unter dem Label Tiptree aus dem Hause Wilkin & Sons gibt es etliche abgefahrene Marmeladen- und Konfitürensorten (conserve ist das verwendete englische Wort). Was die Loganbeere für eine Frucht ist, wusste ich bis zur Bestellung noch gar nicht; es handelt sich um eine Kreuzung aus Brom- und Himbeere. Lecker! Fast noch besser mundet die Kreation Cranberry + Cointreau, bei der man nicht zu befürchten braucht, beschwipst zu werden: Der Cointreau schlägt mit gerade mal 4 % zu Buche und stellt eine reine Geschmacksaufwertung bzw. -nuancierung der von Haus aus charakteristischen Herbe der Kranbeere dar.
Im Moment liebäugle ich mit "Little Scarlet" (Wilderdbeere). Gibt's alles bei Amazon.

Samstag, 26. September 2020

Kurz notiert: Noch eine Doppelbegegnung

Kurz nach dem mysteriösen zweifachen Antreffen des arabischen Wortes für "stopp" begegnete mir etwas anderes, das ich bis dahin nicht kannte, an zwei Tagen hintereinander. In Episode 11 der 2. Staffel von "The Expanse" wird der Alternativname für die Kornblume, Zyane, abgefragt. Diese Episode sah ich am Donnerstag, und am Freitag las ich in der aktuellen Ausgabe des Sprachreports einen Artikel über den Scrabble-Duden, in dem es ebenfalls kurz um Zyanen (also das Wort) ging!

Auch das kann man gewiss wieder mit "perceptual priming" wegerklären, nur: Bis zum Donnerstag kannte ich das fragliche Wort überhaupt nicht. Oder lag es bereits irgendwo in meinem passiven Wortschatz vergraben? Dann stellt sich trotzdem abermals die Frage nach der Wahrscheinlichkeit für das Doppelauftreten dieses nicht eben häufigen Lexems. Nun gut, ich lese, schaue, höre sehr viel, da bleiben diese unheimlich scheinenden Phänomene nicht aus und werden sich bestimmt in Zukunft noch mehr als einmal zeigen. Grund, ein entsprechendes Tagebuch anzulegen oder eine feste Blog-Kategorie daraus zu machen, sollte das nicht sein. Also Schluss jetzt damit!

Donnerstag, 24. September 2020

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Noch einmal mit Gefühl (OT: That Old Feeling)
Anlässlich des Todes von Carl Reiner habe ich mir endlich mal ein (spätes) Werk aus seiner Regiekarriere angeschaut. Dafür, dass diese Komödie von 1997 ist, wirkt sie äußerst altmodisch und hätte exakt so 20 Jahre früher entstanden sein können. Sie ist dabei recht turbulent, nicht uncharmant und hat spritzige, teils hübsch derbe Dialoge. Bette Midler spielt mit unübersehbarer Freude, ihren Partner sowie den restlichen Cast kannte ich nicht. Fazit: Ein kaum überfordernder Spaß für einen langweiligen Sonntagnachmittag.
Um mein Bild von Carl Reiner zu erweitern, werde ich wohl noch eine zweite Arbeit von ihm sehen müssen.

Halloween (2018)
Meine Erwartungen an dieses Reboot waren maximal mittelhoch und wurden nicht übertroffen. Einigermaßen fresh waren allenfalls die Ideen, in der Exposition den Killer still und starr unter gleißendem Tageslicht auf dem Anstaltsdach statt im Dunkeln meuchelnd zu zeigen, sowie der Kniff, die als Hauptfiguren eingeführten Journalisten (ein Podcast-Duo – klar, wir befinden uns in den 2010er-Jahren) beizeiten sterben zu lassen. Ansonsten gilt: In Haddonfield nichts Neues, auch wenn man sich über Jamie Lee Curtis freut, die 40 Jahre nach der "Nacht des Grauens" keine Scream-Queen mehr ist. Beim obligatorischen "Jetzt machen wir Michael Myers aber wirklich den Garaus!"-Finale dachte ich mir: Puh, wie übertrieben und unnötig ... Zumal, surprise!, der Maskenmörder ja doch überlebt hat und schon 2021 in "Halloweens Kills" erneut sein Unwesen treiben wird ... um für "Halloween Ends" (voraussichtlich 2022) ein hoffentlich letztes Mal wiederaufzuerstehen.
Ich wüsste übrigens gerne, worin genau Danny McBrides Anteil am Drehbuch bestand. Was ist das für ein Trend, dass immer mehr Komödianten ins Horrorfach wechseln? Wie viel Lust habe ich auf Chris Rocks Wiederbelebungsversuch des "Saw"-Franchise'? Nicht jeder kann ein Jordan Peele sein!

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga
Will Ferrells Zusammenarbeit mit Andrew Steele ist ein kontinuierliches hit or miss. Solide waren die Miniserien "The Spoils of Babylon" und "The Spoils Before Dying", köstlich die Fake-Übertragungen mit "Cord & Tish", der Ron-Burgundy-Podcast, bei dem Steele mitschreibt, hat mir wiederholt die Lachtränen in die Augen getrieben, während die Genreparodien "A Deadly Adoption" und "Casa de mi Padre" eher als "nett gemeint" durchgingen (s. zuvor in dieser Rubrik).
Mit dieser Musikkomödie zeigen die Autoren Ferrell/Steele ungewollt die Kehrseite des Direct-to-Streaming-Trends auf: Die zahlreichen Längen, die das (produktionstechnisch einwandfreie) Kostümspektakel auf zwei Stunden (!) strecken, hätte man einem Kinopublikum niemals zugemutet. Wohlgemerkt: "The Story of Fire Saga" ist in erster Linie eine Liebeserklärung an den ESC. Wer im Gegensatz zu mir etwas mit dieser länderübergreifenden TV-Institution anfangen kann, wird vermutlich begeistert sein ob der zahlreichen Referenzen, Gastauftritte und mit Herzblut choreografierten Song-Einlagen. So gibt es u.a. eine Art Musikvideo mit echten, offenbar Kultstatus genießenden Eurovision-Größen, das bei Fans womöglich Beifallsstürme auslöst, mich aber komplett ratlos zurückgelassen hat.
Zu loben bleiben: wie immer Ferrells Hingabe, sein Co-Star Rachel McAdams, Pierce Brosnan in einer Nebenrolle, die Landschaftsbilder (Hauptschauplatz ist Island) und zwei, drei gelungene Gags.

The Rental
Ein herrlich gemeines Single-Location-Thriller-Juwel von Tausendsassa James Franco um vier Freunde (darunter Alison Brie), deren gemeinsames Pärchen-Wochenende in einem Ferienhaus zum Albtraum wird. Nach dem Abspann ist einem das Konzept AirBnB gründlich vergällt. Nicht jede Wendung überzeugt, am wenigsten das Ende, doch die vielen negativen imdb-Reviews sind meiner Meinung nach ungerechtfertigt.

Der Klient
Nach "Die Jury" meine zweite Grisham-Verfilmung von Joel Schumacher. Kann man gucken. In Erinnerung geblieben sind mir mehrere ominöse Anspielungen auf Elvis Presley. Und einmal mehr habe ich mich gefragt, ob US-amerikanische Strafprozesse wirklich in erster Linie "Duelle" zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft sind, bei dem es vorrangig um einen "Gewinn" geht, der dann einem fortlaufenden "Punktekonto" gutgeschrieben wird, und erst zweitrangig um das Aufdecken der Wahrheit, oder ob Hollywood die tatsächliche Rechtspraxis spannungshalber gewohnheitsmäßig verzerrt. (Ich hoffe Letzteres.)

Johnny English - Man lebt nur dreimal
Auch diese Fortsetzung hätte es, nüchtern betrachtet, nicht gebraucht. Auch wenn man dem sich rar machenden Rowan Atkinson immer wieder und immer noch gerne zusieht und mit einigen originellen Einfällen belohnt wird, kommt "Johnny English Strikes Again" nicht an den ersten Teil heran. Etliche Pointen kann sich der Spionageparodiekenner bereits ausmalen, bevor sie eintreten. Dafür darf man sich – wie schon bei "Mr. Bean macht Ferien" – an pittoresken Frankreichaufnahmen erfreuen.

Die Weite der Nacht (OT: The Vast of Night)
Das approval rating von "Rotten Tomatoes" begreife ich nicht: 92 % für diese Produktion der Amazon-Studios? Eine, so mein Eindruck, Extrem-Low-Budget-Produktion, in der man nicht nur nichts sieht, sondern in der schlechterdings nichts passiert! In den Kritiken werden Anleihen an "The Twilight Zone" und "Krieg der Welten" behauptet, aber was man geboten bekommt, ist nichts weiter als eine Aneinanderreihung ellenlanger, teils halsbrecherisch schneller Dialoge (zugegeben: von fähigen Nachwuchsschauspielenden vorgetragen) mit gelegentlichen Ortswechseln in behutsam unheimlicher Kulisse. Das Setting (kleinstädtisches New Mexico der späten Fünfziger) gefiel mir durchaus, doch zum Sujet extraterrestrische Kontakte habe ich weiiiitaus Packenderes gesehen, und da muss man nicht gleich "Unheimliche Begegnung" als Vergleich heranziehen.

BlacKKKlansman
Hervorragend unterhalten fühlte ich mich dagegen von Spike Lees Mehrfach-Oscarkandidaten von 2019, der, um Wikipedia zu zitieren, "Elemente des Kriminalfilms, der Kriminalkomödie und des Polizeifilms" verbindet und "auf den Erlebnissen des US-Polizeibeamten Ron Stallworth" basiert. Eine unglaubliche Story! Ich bin froh, den Film im Original gesehen zu haben, denn erstens hätte ich so viel Hate Speech auf deutsch kaum ertragen, zweitens spielt der hörbare Unterschied zwischen Ebonics und "King's English" eine nicht unwesentliche Rolle.
Viel mehr als den mittlerweile scheinbar unvermeidlichen Adam Driver mochte ich den Gastauftritt von Harry Belafonte sowie Topher Grace als David Duke (dessen damaliges wie jüngeres Inerscheinungtreten man immer mal wieder nachlesen bzw. sich in Erinnerung rufen sollte, gerade im Zusammenhang mit gegenwärtigen politischen Entwicklungen).

Tenet
Ein Zufall war es, dass ich einen Tag nach "BlacKKKlansman" den zweiten Blockkkbuster sah, in dem John David Washington, Sohn von Denzel, die Hauptrolle innehat. In "Tenet" trägt seine Figur keinen Namen, und das ist gut so, denn jedes Detail mehr, das man sich merken muss, ist ein weiteres, das einen vom Nachvollziehen der Handlung ablenkt. Bei Gott, keine Person, mit der ich mich über dieses Zeitmanipulations-Spektakel unterhalten habe, hat es zu 100 % verstanden. Dabei ist "Tenet" im ersten Drittel (abgesehen von der Eröffnungssequenz) ein konventioneller Agentenreißer, doch sobald das Gimmick der "invertierten" vierten Dimension eingeführt wird, wird das Hirn in eine Achterbahn gesetzt. Nachträgliche Recherche oder Rewatching ist mithin unbedingt geraten.
Nichtsdestotrotz: Es ist ein Nolan und damit alles andere als eine Enttäuschung. Ludwig Göranssons Score wummert angemessen hanszimmersch, es gibt Effekte, die man garantiert noch nicht gesehen hat, und einen der ruhigeren Momente adelt Michael Caine durch pure Anwesenheit.

Tommy Boy - Durch dick und dünn
Mit den so genannten "Bad Boys of SNL" bin ich ehrlich gestanden nie warm geworden. Allzu sehr schienen sie mir in ihren jeweiligen shticks verhaftet zu sein, insbesondere Chris Farleys Hitzköpfiger-Dicker-Trampel-Rolle und David Spades Mischung aus überheblichem Sarkasmus und Hinterwäldler-Koketterie übermüdete mich in unzähligen Episoden von "Saturday Night Live". Wie würden die beiden ihre Trademark-Nummern in einem abendfüllenden Buddy-Movie rüberbringen oder gar variieren, fragte ich mich, nachdem ich Spades Autobiographie "Almost Interesting" gelesen hatte, in der die Entstehungsgeschichte von "Tommy Boy" ausführlich erzählt wird. (Als nächstes nehme ich mir dann "The Chris Farley Show" über den 1997 verstorbenen Humorkoloss vor.) Außerdem hatte ich gelegentlich in seine inzwischen abgesetzte Late-Night-Sendung "Lights Out" reingeschaut und fand sie gar nicht übel.
Nun aber zum Punkt: "Tommy Boy" ist überraschend flott inszeniert und geschrieben und trägt das Herz am rechten Fleck. Die Real-life-Freunde Farley und Spade harmonieren perfekt. Klar, manchen pubertären Witz hätte man heute ausgespart, aber das Timing ist zeitlos (paradoxe Formulierung beabsichtigt).

Montag, 21. September 2020

Alles für den Club!

Kürzlich dokumentierte Anne Schüßler für das Techniktagebuch, auf welche Weise die ADAC Motorwelt heutzutage vertrieben wird, nämlich in ausgesuchten Verkaufsstellen gratis gegen Vorlage des ADAC-Mitgliedsausweises. Das weckte in mir wunderschöne Kindheitserinnerungen: an die Beschaffung des Club Nintendo-Magazins. Bei diesem Magazin handelte es sich um das zweimonatlich erscheinende Zentralorgan des Club Nintendo, und ihr wärt gewiss enttäuscht von mir, wenn ich nicht sämtliche Ausgaben, die über die Jahre in meinen Besitz gegangen sind, aufgehoben hätte!

Die Sammlung ist nicht vollständig, aber man kann anhand von ihr das wechselnde Distributionssystem nachvollziehen. Bis August 1992 bekamen Clubmitglieder jede Ausgabe frei Haus zugeschickt. Ab Ausgabe 5/92 war das Heft ausweislich eines Eckenstörers "nur für Club Nintendo Mitglieder kostenlos gegen Coupon" erhältlich. Die Coupons wurden (portosparend) einmal pro Jahr versandt, wenn ich mich recht entsinne. Ich holte mir das Heft stets beim Nintendo-Händler meines Vertrauens, nämlich einer Neckermann-Filiale, was mit einer längeren und für mich Steppke einigermaßen aufregenden Busfahrt verbunden war. Manchmal war die neueste Ausgabe am Erscheinungstag noch nicht vorrätig, und ich musste am nächsten Tag oder sogar noch ein weiteres Mal erneut zu Neckermann fahren. Wo diese Spezialzeitschrift, welche die aktuellen NES- und Super-Nintendo-Spiele eben nicht nur vorstellte, sondern bebilderte Lösungen und Tipps für diese abdruckte (wir hatten ja kein Internet!), sonst noch zu beziehen war, wusste ich nicht (wir hatten ja kein Internet!). Jedenfalls pflegte ich bei diesem Ritual neben dem Coupon auch meinen Clubausweis vorzulegen, was mir ein Gefühl der Exklusivität gab.


Doch mit Beginn des 6. Jahrgangs war's vorbei damit. Ab Ausgabe 1/94 kostete die Zeitschrift 2,95 DM und konnte von jedem dahergelaufenen Nichtmitglied erstanden werden, nun auch u.a. bei Karstadt Sport + Spiel (dem späteren Karstadt Sports). Im Dezember 1995 gab es die nächste Änderung: Club Nintendo war kostenlos. Von jetzt an verlor ich ohnehin das Interesse, denn neue Super-Nintendo-Games reizten mich kaum, das N64 schon gar nicht; ich zockte lieber am PC. Sporadisch steckte ich das Nintendo-Heft noch ein, wenn es mir in einem Kaufhaus zufällig begegnete. Festzuhalten ist noch, dass in unregelmäßigen Abständen Sonderausgaben herauskamen, nämlich Comics, beispielsweise mit Kirby oder zu "Donkey Kong Country 2". Das jüngste reguläre Exemplar in meiner Sammlung stammt vom Oktober 1998. Vier Jahre später wurde das Printprodukt eingestellt, 2015 hörte auch der Club auf zu existieren. Umso löwenhafter werde ich meine Mitgliedskarte hüten.

AKTION! Beim Sortieren habe ich festgestellt, dass ich zwei Issues doppelt habe: 1/92 und 5/92 (ohne Umschlagseiten). Wer sie aus Nostalgie- oder sonstigen Gründen geschenkt haben möchte, möge sich bei mir melden.

Samstag, 19. September 2020

Freitag, 18. September 2020

Mein Freund, der Baum, ist lebendig

Neulich folgende Anzeige in einer Zeitschrift von 1984 gefunden:


Da habe ich mich ein wenig gefreut. Zwar können wir nicht mehr die Welt retten, aber immerhin den Wald haben "wir" gerettet, zumindest den deutschen. Oder wann hat man zuletzt etwas von Saurem Regen gehört? Wobei ich schon gerne wüsste, wie so eine "Säuresteppe" aussieht ...