Dienstag, 7. April 2020

Wort des Monats

Ein schöner, altmodisch klingender Phraseologismus ist in unseren Alltag eingezogen. Die stille Feiung ist das, worauf wir alle hoffen: durch unbemerkten Covid-19-Verlauf immunisiert werden. Der erste Teil ist relativ klar: "Still" oder auch "stumm" ist eine Infektion, wenn sie ohne Symptome erfolgt. Aber was hat es mit der Feiung auf sich? Bekannter als die Substantivierung dürfte das Partizip II des zugrunde liegenden Verbs sein: gefeit, was heutzutage viel öfter im übertragenen Sinne als auf Krankheiten bezogen verwendet wird. Das veraltete Verbum feien (mhd. veinen) bedeutet laut Duden-Herkunftswörterbuch "nach Art der Feen durch Zauber schützen". Darin steckt also tatsächlich die Fee in ihrer älteren Form Fei, beide über das (Alt-)Französische aus dem spätlateinischen Wort Fata (Schicksalsgöttin, vgl. Fata Morgana) zu uns gekommen. Wie unwissenschaftlich!

Samstag, 4. April 2020

Der gute Samstagslink

Es ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt zum Posten dieses Links (#stayathome), aber ich tue es jetzt, bevor ich es in einem halben Jahr, oder wann immer das hier vorbei ist, vergessen habe. Mundraub.org zeigt auf einer Karte, wo es überall in der freien Natur Früchte, Nüsse, Kräuter und sonstigen Wildwuchs zum (legalen) Mitnehmen gibt. Eine aktive Community kümmert sich um die Aktualität der Angaben, verlinkt Rezepttipps, gibt regelmäßig Touren und bloggt Wissenswertes rund ums Essen aus der "Wildnis".

Mich fasziniert diese interaktive Fundortsammlung vor allem deswegen, weil sie (bei mir zumindest) den Eindruck erweckt, es werde versucht, ein Computerspiel in der Realität nachzuahmen ... wobei sich die Computerspiele, an die ich denke, ja an der Realität orientieren. Man könnte sich rollenspieltypische Fetch Quests ausdenken: "Sammle für die alte Marmeladenkocherin 20 Kornellkirschen!" oder "Finde Bärlauch, um eine heilsame Würzmischung herzustellen", und dann sucht man auf der Map, wo in der Nähe diese Zutaten/Rohstoffe wachsen. Toll!

Donnerstag, 2. April 2020

Kurz notiert: Syntax-Alarm

Eine weitere Ergänzung zur Fallsammlung "Gekommen, um zu bleiben", diesmal aus der Süddeutschen Zeitung:


Gerne hätte ich dazu eine Email an die Rubrik "Sprachlabor" geschickt, aber ich bin mir sicher, dass sie ignoriert worden wäre.

Dienstag, 31. März 2020

Traumprotokoll: The Wire / Zirkus

Ich habe geträumt, dass ich zu einer Pressevorführung fahren musste*, bei der die lang erwartete Fortsetzung der Serie "The Wire" gezeigt werden sollte – in Anwesenheit ihres Schöpfers David Simon. Dazu muss man wissen, dass ich weder jemals "The Wire" gesehen noch eine Vorstellung davon habe, wie David Simon aussieht; im Traum war er klein, blond, strubbelbärtig und trug eine runde Nickelbrille. Der Clou des vorgeführten Auftakts der neuen Episoden war, dass er nahtlos in die erste Szene der Pilotfolge der Ursprungsserie überging. Bei der anschließenden Privataudienz (?) sagte ich dem Autor: "Ich kenne Ihre Serie nicht, aber wie Sie den Bogen zum Anfang gespannt haben, finden Ihre Fans bestimmt 'epic'." Das muss ziemlich sarkastisch rübergekommen sein, denn Simon schaute bedröppelt auf den Boden und zog sich in sein Büro zurück. Nun stand ich alleine in David Simons Vorzimmer und hätte mich nach aufschlussreichen Details umschauen können, doch da bemerkte ich, dass sich dieses Vorzimmer im Haus meiner Großeltern befand, also machte mich lieber auf die Suche nach Omas Keksdepot.

Als "Zugabe" träumte ich noch eine Art Sketch. Ein Mann-Frau-Paar besucht einen Zirkus, wo eine Elefantenschau stattfinden soll. Die beiden sitzen auf der gut gefüllten Zuschauertribüne, aber in der Manege passiert gar nichts. "Wo bleiben denn die Elefanten?", ruft der Mann nach einer Weile ungeduldig. Darauf fährt die Frau ihn an: "Siehst du ihn wirklich nicht? Der Elefant im Raum sind unsere Beziehungsprobleme!"

* Bemerkenswert: Vor ziemlich genau fünf Jahren hatte ich schon mal einen Presse-Event-Traum. Die kurze Phase in meinem Leben als "richtiger" Journalist hat doch ihre Spuren hinterlassen.

Sonntag, 29. März 2020

Die besten Weblogs

Heute eine Fundstücksammlung, die vergangene Woche nach Jahren der Inaktivität ein wenig Nachschub geliefert hat ... was ich gar nicht mitbekommen hätte, wenn ich nicht immer noch einen altmodischen Feedreader verwenden würde: The "Blog" of "Unnecessary" Quotation Marks". Mich wundert, dass ich diese Seite hier nicht vorgestellt habe, als es dort noch regelmäßige Updates gab. Der Vollständigkeit halber und als kurzzeitige Ablenkung sei die Verlinkung hiermit nachgeholt.



Freitag, 27. März 2020

Videospieltipp: The Vanishing of Ethan Carter

Von allen (spielerisch) minimalistischen First-Person-Adventures, die ich in den letzten Jahren gespielt habe, ist dieser Vertreter des polnischen Studios The Astronauts von 2014 das mit Abstand prächtigste. Selbst auf meinem betagten Sony Vaio war die Optik beeindruckend; wer einen modernen Rechner hat, sollte die Graphikeinstellungen aufs Maximum setzen, um aus der verwendeten Unreal-Engine einen geradezu fotorealistischen Detailgrad herauszukitzeln. (Selbstverständlich gibt es "The Vanishing of Ethan Carter" auch für alle gängigen Konsolen.) Der Ort des Geschehens ist nicht auf ein einzelnes Haus oder ein Anwesen wie bei "Edith Finch" oder "Gone Home" beschränkt, man bewegt sich durch eine weitläufige Landschaft mit Brücken, Fließgewässern, Bergen und Wald. Gebäude betritt man natürlich auch. Das Szenario büßt leider insofern an Glaubwürdigkeit ein, als man sich fragt, warum man in diesem riesigen Areal, das ja durchaus Spuren von Zivilisation aufweist (etwa eine Kirche und eine Stauanlage), keiner Menschenseele begegnet. Dass wir die einzige Person sind, nämlich ein Privatermittler, steigert zwar die Spannung und sorgt gerade in der Open World für sehr spezielle Beklemmung, wirft aber immer wieder Fragen auf, z.B. warum meilenweit von Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsanbindungen überhaupt ein Einfamilienhaus gebaut und bewohnt wurde.
Die relativ offene Spielwelt hat denn auch zur Folge, dass die abwertende Bezeichnung "Walking Simulator" auf "Ethan Carter" teilweise zutrifft: Weil ich an einigen Stellen nicht weiterwusste, war mehrfach minutenlanges Backtracking angesagt, vor allem gegen Ende meines circa fünfstündigen Durchgangs. Einmal – oder zweimal, falls es einem erst später dämmert, dass es dort gleich zwei Rätsel zu lösen gilt – führt uns das Abenteuer in eine stillgelegte Mine, in welcher man eine gefühlte Ewigkeit umherstreift. Ebendort gibt es auch eine total unpassende Sequenz mit Jump-Scares und der Möglichkeit, zu "sterben" bzw. zurückgeworfen zu werden. 
Im Großen und Ganzen wird die Geschichte um das Verschwinden des titelgebenden Jungen aber stimmig erzählt: in Rückblenden, mit komplexen, aber selten nervigen Puzzles und vielen Möglichkeiten zur Erkundung.


Dienstag, 24. März 2020

Experiment Pilzzucht

Im Herbst letzten Jahres keimte – oder sollte ich sagen "sporte" – in unserer Redaktion der Wunsch, im Büro Pilze wachsen zu lassen, und zwar nicht hinterm Heizkörper oder auf im Kühlschrank vergessenen Lebensmitteln, sondern semi-professionell in Erde. Für circa 30 Euro bestellten wir bei einem renommierten Händler ein Pilzpaket. 


Mit etwas Glück, Geduld und Wasser sollte aus diesem Substrat nach wenigen Wochen eine Kolonie Zitronenseitlinge erwachsen. Allein, es gelang uns nicht, wahrscheinlich wegen zu nachlässiger Wässerung. Doch wir wollten nicht aufgeben, pflückten die verkümmerten Fruchtkörper aus dem Pilzset und legten unter Zugabe von Kaffeesatz eine neue Kultur an (nun gut, wir schoben eine mehrmonatige Motivationspause ein). Im März war es dann soweit:


Eine Handvoll kleiner bis großer Exemplare des Zitronen- bzw. Limonenseitlings bzw. Zitronengelben Seitlings (Pleurotus citrinopileatus) riss ich mir unter den Nagel. Daraus konnte ich zwar keine vollständige Mahlzeit zaubern, aber zumindest eine kleine – und wohlschmeckende – Beilage:


Sonntag, 22. März 2020

Literarische Zitate von Relevanz

Nun gut, ich schätze, es geht nicht anders, auch ich muss etwas Situationsbezogenes posten. (Für Lesende der Zukunft: Zum Zeitpunkt dieser Niederschrift kursiert seit einigen Wochen die Covid-19-Pandemie, vulgo Coronakrise, und nichts ist mehr so, wie es mal war. Es ist der mit Abstand drastischste Einschnitt in die Gesellschaft, den ich je erlebt habe. Um zu zeigen, dass ich dennoch einigermaßen unbeschwert und uneingeschränkt mein sinnloses, systemirrelevantes Dasein fristen kann, sowie zur Zerstreuung aller in dieser Gegenwart Mitleidenden, herrscht in meinem Blog business as usual. Wenn sich 49 von 50 veröffentlichten Artikeln dem Virus widmen, tut es womöglich ganz gut, wenn sich der fünfzigste mit einer neuen Chipssorte oder einer sprachlichen Marotte beschäftigt.) Weil mich in den vergangenen Tagen beim Lesen von Belletristik (womit ich momentan viel Zeit verbringe) gleich zwei Stellen mit voller Wucht an die Realität erinnerten, werde ich ab sofort sämtliche Buchzitate, die etwas mit Seuchen und Verwandtem zu tun haben, abschreiben. Für mich und für euch.

"Natalie saß in der Betreuerküche. Sie hatte das Gefühl, hier in einer Art Quarantäne zu verharren, alle gesunden und schuldlosen Menschen mieden sie. Das Wort Seebestattung geisterte ihr durch den Kopf, ein hässliches, haariges Wort von dunklem, borstigem Braun."

--- Clemens J. Setz: Die Stunde zwischen Frau und Gitarre

"'Were you there during the Great Spring Sickness?'
'Oh, indeed. A dreadful time, ser, dreadful. Strong men would wake healthy at the break of day and be dead by evenfall. So many died so quickly there was no time to bury them. They piled them in the Dragonpit instead, and when the corpses were ten feet deep, Lord Rivers commanded the pyromancers to burn them. The light of the fires shone through the windows, as it did of yore when living dragons still nested beneath the dome. By night you could see the glow all through the city, the dark green glow of wildfire. The color green still haunts me to this day. They say the spring was bad in Lannisport and worse in Oldtown, but in King's Landing it cut down four of ten. Neither young nor old were spared, nor rich nor poor, nor great nor humble. Our good High Septon was taken, the gods' own voice on earth, with a third of the Most Devout and near all our silent sisters. His Grace King Daeron, sweet Matarys and bold Valarr, the Hand ... oh, it was a dreadful time. By the end, half the city was praying to the Stranger.' He had another drink. 'And where were you, ser?'
'In Dorne,' said Dunk.
'Thank the Mother for her mercy, then.' The Great Spring Sickness had never come to Dorne, perhaps because the Dornish had closed their borders and their ports, as had the Arryns of the Vale, who had also been spared."

--- George R.R. Martin: The Sworn Sword

Donnerstag, 19. März 2020

Donut Stop That Feeling

Ich stelle nun ein neues Knabbergebäck vor, das die Gemüter erhitzen wird, das geeignet ist, die Geister zu scheiden und emotionale Kommentare hervorzurufen: Donuts Erdnuss Karamell Style von Funny-frisch.


Und auch ich bin im Zwiespalt. Ich mag die Kombination süß-salzig durchaus, allerdings wenn die Süß-Komponente deutlich überwiegt. Der Klassiker: Eiscreme mit Salzkaramell, das ich, glaube ich, im Jahr 2013 zum ersten Mal gegessen und habe und sofort für genial befand. Auch Schokolade mit leichter Meersalznote geht in Ordnung. Wozu aber muss man einen perfekten herzhaften Snack wie Erdnussflips (denn nichts anderes ist die Basis der "Donuts", bloß mit 30 statt 33 % Erdnussanteil) versüßen? Die Krapfenform ist doch schon aufregend genug! Außerdem trinkt man zu Flipsähnlichem gerne ein herbes Bier – und das harmoniert mit Karamell-Aromen einfach weniger gut. 
Ungenießbar finde ich dieses Produkt beileibe nicht. Der Karamellzuckersirup wird sehr dezent eingesetzt. Ich vergebe nur ungern halbe Punkte, doch da ich 6 für ungerecht niedrig und 7 für zu hoch halte, läuft es auf eine Wertung von 6,5/10 Punkten hinaus, ganz nach dem Motto: Solltet ihr probieren; mag sein, ihr bleibt drauf hängen, mag sein, ihr verzieht das Gesicht.

Mittwoch, 18. März 2020

Warum nicht mal walisisch essen?

Vor ein paar Wochen gab es tatsächlich einen gesponsorten Tweet, der mich interessiert hat! Verlinkt war ein Artikel, in dem das jeweils beste Essen jedes Landes der Erde aufgeführt war. Und ich begutachtete die gesamte Klickstrecke. Einige Gerichte merkte ich mir für ein späteres Ausprobieren und/oder Nachkochen vor, darunter auch die angeblich leckerste Spezialität von Wales. Sie heißt Welsh Rarebit und ist im Grunde nichts anderes als ein warmes Käsetoast – aber mit dem gewissen Etwas. 
Rezepte finden sich im Internet zuhauf; wer will, stöbere selbst. Wesentliche Bestandteile sind jedenfalls Käse (ich nahm Cheddar), Senf (ich habe weiße Senfkörner gemahlen), Bier (Pale Ale oder Schwarzbier), Frühlingszwiebeln, etwas Mehl und Worcestersoße (die ich extra dafür zum ersten Mal in meinem Leben besorgt habe). Die deftige Masse wird auf Toast(ie)scheiben geschmiert, welche sodann ein paar Minuten im Ofen gebacken werden. Ich bereitete als Beilage zu diesem Arme-Leute-Essen einen Radisalat zu (why not?) und zehrte ganze drei Tage davon.


Sonntag, 15. März 2020

Is this the way to Granadilla?

Auf dem Wochenmarkt entdeckte ich eine Frucht, von der ich noch nie gehört hatte. Sie war als "Granadilla, sehr aromatisch" ausgeschildert und kostete 1,50 € das Stück. Ich nahm eine mit.


Von außen könnte man sie fast für eine Zitrusfrucht halten, doch ist sie – als Verwandte der Passionsfrucht – ganz anders, vor allem überraschend leicht. Die Schale wirkt beinahe synthetisch, wenn man sie eindrückt. Man muss sie mit einem Messer einritzen und stückweise entfernen, um an das köstliche Innere zu gelangen, das man dann auslöffeln kann. Die schleimige Kernmasse ist süß und enthält einen "hohe[n] Anteil an Vitamin C. Darüber hinaus sind die Vitamine B1, B2 und B12 nennenswerte Inhaltsstoffe sowie Calcium, Kalium und Eisen." (worldoffoods.de)

Freitag, 13. März 2020

10 Must-sees aus 100 Have-seens (2)

Wie schon nach dem vorigen Durchgang kommen hier die zehn der 100 von mir zuletzt gesehenen Filme, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Man vertraue mir*: Mit diesen Perlen macht man nichts falsch. 
* keine Gewähr
  • A Quiet Place
  • The King's Speech
  • Split
  • Daddy's Home 2
  • Solo: A Star Wars Story
  • Fahrenheit 11/9
  • Wunder
  • Deadpool 2
  • Vice
  • Der Leuchtturm

Mittwoch, 11. März 2020

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Diesmal mit Sohn, Bruder und Mutter im Titel. Viel Durchschnittskost, keine Totalausfälle.

Brittany Runs A Marathon
Diese Amazon-Produktion über eine Großstädterin um die 30, die mit ihrem stagnierenden Leben und ihrer Figur unzufrieden ist, verzichtet gottlob auf die lahmsten "Höchstleistungen-als-Erlösung"-Klischees, obwohl, wenn ich mich richtig erinnere, auch eine Trainingsmontage nicht fehlen darf. Die nicht zu lustige, nicht zu tragische Geschichte guckt sich easy weg. (Notiz an mich selbst: Ich muss noch den "Overthinking It"-Podcast dazu hören.)

Mrs Lowry & Son
Ein herausragend gespieltes und zu Tränen rührendes Drama über den britischen Maler L.S. Lowry und dessen schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter. Hach.

Lichter der Großstadt
Im Rahmen einer kleinen Chaplin-Retrospektive auf Arte habe ich diese bis heute als Meilenstein geltende Komödie nachgeholt. Meine frühesten Erinnerungen an Bewegtbildhumor stammen aus Slapstick-Stummfilmen im DDR-Fernsehen. Schreilachend saß ich davor, ohne zu wissen, welche "Väter der Klamotte" da ihre wahnwitzigen Possen vorführten. Mag sein, dass viele der Clips aus dem Frühwerk Charlie Chaplins stammten, weswegen ich wohl unbewusst verdrängt hatte, dass dieser ja auch und gerade wegen seiner abendfüllenden Spielfilme zur Legende geworden ist. Die melancholisch-turbulente Story von "City Lights" sowie die brillant choreographierten Stunts und Running Gags funktionieren heute immer noch recht gut.

Das Kartell (OT: Clear and Present Danger)
Ich glaube, dies war mein erster Film mit Tom Clancys berühmter Figur Jack Ryan; auch um die unzähligen Videospiele habe ich bis jetzt aus Desinteresse einen Bogen gemacht. Warum ich mich entschied, "Das Kartell" anzuschauen, kann ich nur noch erahnen: vielleicht wegen Harrison Ford, vielleicht weil ich dachte, es handele sich um eine Verfilmung nach John Grisham (vgl. "Die Kammer", "Die Akte" usf.), mit dem ich ebenfalls wenig vertraut bin. Wie dem auch sei, nachhaltig beeindruckt hat mich dieser Polit-Actionthriller trotz zwei-drei spannenden Szenen nicht.

Our Idiot Brother
Schon vor fast zehn Jahren erschien die Semi-Independent-Dramödie über eine amerikanische Familie, in deren Mittelpunkt ebenjener titelgebende, allzu gutgläubige Slacker steht. Etwas harmlos geraten, gewinnt es durch ein Feel-good-Ende und ein hochkarätiges Ensemble komischer Schauspieler/-innen doch an Charme.

Parked
Dieses irische Sozialdrama wirkt wie von Ken Loach gedreht, nur ohne jegliche Lichtblicke. Elend und Hoffnungslosigkeit überwiegen. Natürlich sind der "Held" (ein in seinem Auto lebender arbeitsloser Uhrmacher) und seine Mit-Charaktere herzlich genug, um Sympathie und/oder Mitleid zu erregen, doch hätte ein gelegentliches Augenzwinkern oder ein versöhnlicherer dritter Akt den eineinhalb Stunden sehr gut getan.

Destroyer
Dieser Cop flick erregte, als er 2018 in die Kinos kam, vor allem damit Aufmerksamkeit, dass sich Nicole Kidman von einer "schonungslos kaputten" Seite zeigt. Sie ist auf alt und abgefuckt geschminkt, was dadurch unterstrichen wird, dass an mehr als einer Stelle jemand darauf hinweist, wie alt und abgefuckt Nicole Kidman aussieht. Dass einem dieser "Mut zur Hässlichkeit" – zumindest am Anfang – regelrecht unter die Nase gerieben wird, nervt ein wenig. Und doch hat die rund zweistündige Story um Raub, Verrat und Rache ihre Momente, und der finale Twist hat mir gefallen.

Pfad der Rache (OT: Acts of Vengeance)
Und noch einmal revenge, hier mit noch mehr Gewalt und mit Antonio Banderas als sich vom System verlassen und verraten fühlender Anwalt, der das Gesetz in die eigenen Fäuste nimmt, was zum Glück nicht in kruder Selbstjustiz-Verherrlichung ausartet. Unterm Strich ein vergessenswerter Streifen, der mir immerhin einen lustigen Gedanken beschert hat: Wie entzückt bist du als Darsteller, wenn du ein Drehbuch liest und dein Charakter legt nach dem ersten Drittel ein Schweigegelübde ab? Yessss, keine Dialoge mehr lernen! Haha!

Der Leuchtturm (OT: The Lighthouse)
Schon Robert Eggers' Debüt "The VVitch" war eine Offenbarung im Horrorgenre. Mir imponierte der Einsatz von historisch authentischer Sprache, die, zumindest in der Originalfassung (Ich muss es ausnahmsweise schreiben: Diese ist zu bevorzugen), für einen Realismus sorgte, den man bei einem Hexengrusler erst mal nicht erwartet. Auch für das Drehbuch zu "The Lighthouse" hat sich Eggers gemeinsam mit seinem Bruder Max bei zeitgenössischen Dokumenten Inspiration geholt und bedient sich u.a. bei Leuchtturmwärter-Tagebüchern, bei "Moby Dick" und der Prosa der neuenglischen Dichterin Sarah Orne Jewett. Die geschliffenen Dialoge gehören mit zum Außergewöhnlichsten, was man seit langem in einem Horrorfilm gehört hat, zumal sie von Willem Dafoe und Robert Pattinson mit ordentlich Sprachgewalt vorgetragen werden – und in einem Dialekt, der gewiss nicht nur für deutsche Ohren äußerst fremdartig klingt (englische Untertitel sind angeraten). Zum Flavor trägt zusätzlich das Schwarz-Weiß-Bild in antiquiertem 1,19:1-Seitenverhältnis bei. Eine ungeheuer intensive Erfahrung!

I Am Mother
Klaustrophobische Elemente weist auch dieses Sci-Fi-Kammerspiel auf, bei dem man sich etliche Fragen zu Ethik und Wissenschaft stellen kann. Künstliche Intelligenzen, die es mit ihren menschlichen Begleitern nur scheinbar gut meinen, hat man bereits öfter gesehen, aber die "Mutter" in diesem ästhetisch geschliffenen Zukunfts-Mystery wirkt in ihrem Habitus besonders bedrohlich. "I Am Mother" ist ein echtes Kleinod, das ich bestimmt übersehen hätte, wenn es nicht neulich auf Amazon für 99 Cent zu leihen gewesen wäre.

Montag, 9. März 2020

Die SZ nimmt mir Arbeit ab

Einmal mehr ist die "Stil"-Rubrik in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung zu loben. Bereits am 29. Februar haben sie in ihrer regelmäßigen Alltagsprodukte-Testreihe "gesunde" Chips-Varianten verkosten und bewerten lassen: Gemüse-, Linsen-Chips etc.
Testsieger wurden die Ofenchips von Trafo aus dem Bioladen, mit 9 von 10 Punkten kamen auch die VegChips von Kettle sowie Kühnes Kichererbsen-Nachos weg. Im guten Mittelfeld rangierten die Linsenchips von Funny-frisch und die Gemüsechips der Rewe-Eigenmarke. Wer weitere Kandidaten wissen oder sonstige Details zu dem Artikel haben will, kann sie bei mir erfragen, ich reiche die Ergebnisse und Erkenntnisse gerne weiter.


Bei mir geht es demnächst weiter mit der Kichererbsen-Variante von Funny-frisch.

Samstag, 7. März 2020

Kurz geknabbert: WOW-Chips

Ich staunte gerade nicht schlecht, als mir die Suchfunktion offenbarte, dass ich noch nie Chips der Marke Crunchips getestet habe. Liegt es daran, dass Crunchips in der Regel nichts im Sortiment führt, das mich beeindruckt? Neu sind jedenfalls die Produkte der WOW-Serie, aus der ich mir die Geschmacksrichtung Paprika-Sauerrahm (übertrieben aufgeregte Eigenbezeichnung: The Incredible Paprika & Sour Cream Pleasure) gegriffen habe.

Was soll ich sagen? Ich habe die gesamte Packung (etwas über 100 Gramm) in einem Sitting verzehrt und hatte hinterher keinerlei physische oder psychische Drangsal zu erdulden. Form und Mundgefühl sind stimmig, es gibt keinen unerwünschten Nachgeschmack, die Zutatenliste geht in Ordnung. Allein der Sour-cream-Part könnte ruhig etwas stärker ausgeprägt sein. Dafür, dass ich, der ich Paprikachips normalerweise total langweilig finde, die Tüte nicht mehr aus der Hand legen mochte, gebe ich unterm Strich zwar kein "wow", aber 8/10 Punkten.


Donnerstag, 5. März 2020

Humorperlen aus dem Abreißkalender (73)

Heute: ein weiterer Cartoon, der sich mir einfach nicht erschließen will. Interpretationsversuche bitte in die Kommentare ...


Mittwoch, 4. März 2020

So ein Quak

Diese Stelle in einem kürzlich erschienenen Spiegel-Interview mit der IWF-Chefin Kristalina Georgiewa fiel mir auf:


Welches Wasser soll das sein, in dem ein sprichwörtlicher Frosch sitzt? Googelt man "Frosch" + "Wasser", findet man etliche Artikel, die sich mit einem Mythos beschäftigen, demzufolge ein Frosch, den man in einen Topf mit lauwarmem Wasser setzt, geduldig bis zum Tod darin sitzen bleiben wird, wenn man das Wasser peu à peu erhitzt. Ein Frosch, der in kochendes Wasser geworfen wird, versucht hingegen, um jeden Preis zu entkommen. Offenbar wird diese Mär gerne in Managementseminaren erzählt, was einmal mehr die Widerwärtigkeit dieser Branche bestätigt. Ein konkretes "Sprichwort" konnte ich nicht finden. Die behauptete "Tatsache" ist jedenfalls so falsch wie die Behauptung, dass Hummer nichts fühlten, wenn man sie bei lebendigem Leib in siedendes Wasser lässt. Ja ja, das Pfeifen, das die Krustentiere während der Prozedur von sich geben, "ist nur eingefangene Luft, die aus dem Panzer des Tieres entweicht" (zitiert nach dem Spiegel, an anderer Stelle) – übrigens neulich lustig bei "Family Guy" subverted
Wieso sollen wir dem Frosch eigentlich sagen, aus dem Topf zu springen, statt ihn einfach herauszunehmen? Und wo hat der Frosch die Locken?

Dienstag, 3. März 2020

James RIPton

Ich glaube, ich schrieb schon einmal, dass 2020 das Potenzial hat, ein neues 2016 zu werden, Stichwort: Prominententode. Nicht selten löst der Tod einer berühmten Person in mir den Gedanken aus: "Huch, der/die hat noch gelebt!?" Jetzt ist es aber passiert, dass ich dachte: "Woah, sooo alt war der schon?!"
James Lipton ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Dreiundneunzig! Diese Lichtgestalt kam mir im Grunde alterslos vor; wenn ich hätte tippen müssen, hätte ich ihn auf Anfang 70 geschätzt. Ähnlich überrascht wäre ich wohl im Falle des Ablebens von Bob Barker gewesen, wenn ich ihn nicht soeben gegoogelt hätte (er ist 96!). Und von Alex Trebeks Alter hätte ich mir überhaupt keine Vorstellung machen können, wenn ich ihn nicht in dem kürzlich ausgestrahlten "Greatest of all Time"-Special äußerst vital erlebt hätte und erst durch Wikipedia-Konsultation erfuhr, dass er knapp an der großen Acht-null kratzt.
Gestern las ich wiederum, dass Judge Judy bekanntgegeben hat, ihre courtroom series nur noch um eine Staffel zu verlängern und nach 25 Jahren zu beenden, und dachte: "Was, erst seit 24 Jahren läuft diese Sendung?", dann aber rechnete ich zurück und dachte: "Ah, okay, sounds about right." 1996 debütierte "Judge Judy", also ein paar Jahre, bevor in Deutschland Barbara Salesch den Gerichtsshow-Hype der Privatsender lostrat. Es wird sich kaum jemand dran erinnern: Salesch wurde als direkte Kopie von Judy Sheindlin gecastet (sie benutzte quatschigerweise sogar einen gavel), und das Konzept bestand anfänglich wie im US-Vorbild darin, echte zivilrechtliche Fälle zu verhandeln. Weil aber Kamera-Aufzeichnungen in deutschen Gerichtssälen verboten sind, fungierte Salesch zunächst als Schiedsrichterin in Schiedsgerichtsverfahren, die dieser Einschränkung offenbar nicht unterliegen. Der Rest ist TV-Geschichte. Notabene: Eine Zeitlang lief bei uns sogar ein Abklatsch der britischen Quizshow "The Weakest Link" im Vorabendprogramm, mit Sonja Zietlow als peinlicher Fakten-Dominatrix ("Der Schwächste fliegt"). Ähnlich fehlbesetzt war Reiner Calmund als Donald-Trump-Pendant in einer kurzlebigen deutschen "Apprentice"-Ausgabe.
Jedenfalls wundert es mich, dass es hierzulande nie den Versuch gab, so etwas wie "Inside the Actors Studio" zu etablieren. Oder eine Entsprechung zu "Dr. Phil", wie mir gerade einfällt (Dr. Phil ist übrigens 69).

Samstag, 29. Februar 2020

Schaltjahr-Fortsetzungsgeschichte (IV)

Teil I (2008)
Teil II (2012)
Teil III (2016)

Marek fluchte. "Weißt du, wer das war? Das war die Bürgermeisterin!", rief er seinem Freund zu, während die beiden panisch durch die schneidende Morgenluft sausten. "Wenn die rauskriegt, mit wem wir geredet haben, kommt alles ans Licht, Kamil. Dann war's das!" Kamil machte ein ernstes Gesicht. Nach einer Weile intensiven Nachdenkens sagte er: "Es kommt doch eh alles raus, muss ja! Die Sache ist viel zu groß ... und die Erwachsenen sind nicht blöd." Währenddessen machte sich eine Elster an der Alarmanlage eines Juweliers zu schaffen. Wäre in diesem Moment Mareks Mutter oder sein Vater vorbeispaziert, wäre sie oder er sprichwörtlich zur Salzsäule erstarrt. Aber nicht wegen des ausgeklügelten Manövers, welches der Vogel ausführte, sondern wegen dessen Augen.

In der Hauptstadt legte ein mit kaltem Schweiß überströmter Ministerialbeamter zitternd den grünen Hörer auf die Gabel. Dieses kaum dreißigsekündige Gespräch, das war ihm klar, würde sein Leben verändert haben. Er versuchte, seine Fassung wiederzuerlangen, atmete tief ein und aus. "Nicht jetzt, nicht heute, ausgerechnet", stammelte er und rieb sich die Schläfen. Fahrig griff er nach dem Hörer seines normalen Schreibtischtelefons. "Sagen Sie alle Termine für den Rest der Woche ab", bellte er hinein. "Ja, auch für heute. Ich ... das erkläre ich Ihnen später." Der Beamte öffnete eine Schublade. Er holte ein halbleeres Fläschchen Bisongras-Wodka heraus und leerte es in einem Zug. Kurz hielt er die Luft an, sammelte sich. Bevor er die Schublade schloss, entnahm er ihr einen zweiten Gegenstand. Einen Gegenstand, den er nie benutzen zu müssen gehofft hatte. "Was für ein profan aussehendes Ding", dachte er. Jeder normale Mensch hätte es für einen Brieföffner gehalten. Zweifelsohne konnte man damit tatsächlich Briefe öffnen; aber auch so viel mehr ...

Beinahe hätte die Nonne laut losgelacht. Es hatte etwas zutiefst Absurdes an sich, wie der Mann, den sie vor fünf Minuten in ihre Wohnung gelassen hatte, weil er sie vom Ernst der Lage zu überzeugen vermocht hatte, mit theatralischer Geste einen portablen Vinylplattenspieler aus seinem altmodischen Koffer holte und auf dem Küchentisch platzierte. "Für eine Musikvorführung habe ich wirklich keine Zeit", sagte die Nonne. "Ich sagte doch, dass ich gleich in den Palast muss." – "Hören Sie mir nicht zu?", zischte der hagere Besucher, den sie auf irgendwas zwischen 20 und 40 schätzte und dessen Polnisch eine leichte deutsche Färbung aufzuweisen schien. "Das Treffen findet nicht statt. Ihr Kontaktmann ist auf dem Weg in den Vatikan. Und damit hat sich auch Ihre Rolle in diesem Spiel geändert!" Die Nonne zog die Stirn kraus. "Dann ist da also was dran? Die Geschichte in den Nachrichten? Ich weigere mich, das zu glauben! Ein unbedeutender Zufall, mehr nicht." Ihr sonderbarer Gast verdrehte die Augen und fingerte eine Schallplatte aus der Innenseitentasche seines Koffers. Auf der bronzefarbenen Hülle stand etwas Lateinisches. "Sind Sie bereit?", fragte der Mann. Die Nonne nickte vorsichtig. Als der Tonabtaster sich auf die Platte senkte, ertönte nostalgisches Knistern und bald darauf etwas, das schwer zu beschreiben war, es klang wie ein extrem übersteuerter, rückwärts abgespielter, verlangsamter und wehleidig gejaulter Choral. "So, jetzt können wir", setzte der Unbekannte an. "Was wissen Sie über die Schlacht an der Worskla?"

Mittwoch, 26. Februar 2020

Wer bin ich – und wenn ja, woher?

Jede Internet personality hat inzwischen einen Herkunftstest bei "MyHeritage", "23andMe" oder einem anderen Genealogie-Service gemacht und die Ergebnisse offengelegt. Nun bin ich weiß Gott keine "Internet-Persönlichkeit", aber als es Ende des Jahres bei "Ancestry" ein Sonderangebot gab, konnte ich nicht widerstehen: Ich registrierte mich und ließ mir ein DNA-Kit zusenden.


Also schickte ich eine Speichelprobe nach Irland und wartete. Ein paar Wochen später war meine genetische Abstammung entschlüsselt:



Tja, reichlich ernüchternd. Ich hatte mir wirklich gewünscht, wenigstens ein Prozent Mongolen-DNA in mir zu tragen oder zu einem Zweiunddreißigstel amerikanischer Ureinwohner zu sein, damit ich, falls mir mal ein rassistischer Witz entführe, sagen könnte: "Hallo-ho?! Ich darf das, ich habe selbst indianische Ahnen." Mein Wikingerblut fühle ich auch nicht unbedingt wallen. Das waren sinnvoll eingesetzte 78 Euro. 

Sonntag, 23. Februar 2020

Traumprotokoll: Merz

Im Traum ist mir heute Friedrich Merz erschienen. Auf dem Weg zu irgendeiner Titanic-Aktion preschte ich eine stark überlaufene Treppe im Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens hinauf, als sich der Kanzlerschaftsaspirant plötzlich vor mir aufbaute und mich anhielt. Mit Notizblock und Diktiergerät bewaffnet, betrieb Merz offenbar Feldforschung zum Thema Mittelschicht und Einkommen. Seiner Bitte, mir ein paar Fragen zu beantworten, kam ich bereitwillig nach, denn ich war von der Erscheinung Merzens mächtig eingeschüchtert – der Mann war riesig, ich musste regelrecht zu ihm hochschauen! Er wollte dann unter anderem wissen, wofür ich das Geld, das ich nicht zum Lebensunterhalt benötige, am liebsten ausgebe.
Als die Umfrage beendet war, ging ich, noch leicht verdattert, zu meinem Gleis. Dort hielt gerade ein ICE. Die Anzeigentafel verkündete, dass dieser Zug vom FBI betrieben werde und man nicht einsteigen solle. Doch waren seine Türen verlockend geöffnet, und ich überlegte, ob ich nicht mitfahren sollte, einem ungewissen Abenteuer entgegen ...

Freitag, 21. Februar 2020

Crash Boom Bang

Wilhelm Buschs "Max und Moritz" wimmelt, wie es sich für eine Bildgeschichte gehört, vor Interjektionen, zum Teil recht ulkigen, okkasionellen und aus heutiger Sicht schwer durchschaubaren. Immer mal wieder muss ich an Schöpfungen wie "Bau!" oder "Rabs!" denken und darob schmunzeln. Jetzt habe ich mir mal die "Mühe" gemacht, alle Ausrufewörter und Onomatopoetika aus "Max und Moritz" zu sammeln.
  • Kikeriki! Kikikerikih! - Hahnenschrei
  • Tak, tak, tak! - Hühnergetrappel
  • Schnupdiwup! - das Angeln von gebratenen Hühnern
  • Rawau! Rawau! - Hundebellen
  • Ritzeratze! - Sägen
  • Meck, meck, meck! - Imitieren von Ziegenmeckern
  • Kracks! - Entzweibrechen einer Brücke
  • Plumps! - Sturz ins Wasser
  • Stopf, stopf, stopf! - Stopfen einer Tabakspfeife
  • Rums! - Explosion
  • Kritze, kratze! - krabbelnde Maikäfer
  • Bau! - Ausdruck der Überraschung / des Schocks
  • Autsch! - Autsch!
  • Ratsch! - am unteren Ende eines Schornsteins herausrutschen
  • Puff! - in eine Mehlkiste stürzen
  • Knacks! - Zerbrechen eines Stuhls
  • Schwapp! - in einen Trog voller Teig fallen
  • Ruff! - in einen brennenden Ofen geschoben werden
  • Knusper, knasper! - Durchnagen von gehärtetem Kuchenteig
  • Rabs! - jemanden packen
  • Rickeracke! - das Mahlen einer Kornmühle
  • Ach, he, hei, herrje und herrjemine sind nicht der Rede wert und nur der Vollständigkeit halber aufgenommen
Es böte sich wirklich an, eine längere Abhandlung zu verfassen (falls nicht schon geschehen). Busch hat viele Jahre in ländlichen Gegenden Niedersachsens verbracht, hat auch die Niederlande besucht. Inwieweit hat das den Wortschatz seiner Figuren geprägt? Wo macht der Hund "rawau" statt "wuff" oder "wauwau"? Bemerkenswert ist die Vorliebe für Ablautdoppelungen ("Ritzeratze", "rickeracke"). Man beachte auch, dass sich hier schon echte Inflektive à la Erika Fuchs finden lassen: "stopf", "knusper". Gewiss müsste man sich für eine wissenschaftliche Untersuchung das Busch'sche Gesamtwerk vornehmen, nicht nur diese eine Lausbubengeschichte.

Mittwoch, 19. Februar 2020

Nennt mich General Probe!

Zwei Monate nach meinem enttäuschenden Versuch, an die lange zurückliegende Hoch-Zeit des Gratisprobenkonsums anzuknüpfen, muss ich feststellen, dass das Experiment noch nicht vorbei zu sein scheint! In der Zwischenzeit sind nämlich zwei weitere Briefe mit Produktproben angekommen.


Neun Milliliter eines Volumen-Shampoos von Nivea sowie zwei Portionstütchen mit Caro-Kaffee haben mich erreicht. Vielleicht brauchen große Firmen einfach etwas länger für die Bearbeitung von Kundenanfragen? Wie auch immer, ich drücke die Daumen, dass noch mehr eintrudelt ...

Montag, 17. Februar 2020

Drei Plattenkritiken

Dan Deacons neue Scheibe "Mystic Familiar" fetzt wieder so richtig rein, dreht aber leider nicht so sehr durch wie vorherige Werke. "Splid" von Kvelertak hat ein paar flotte Tracks zu bieten, ist aber für meinen Geschmack zu punkig und zu wenig metallisch. Das Soloalbum "Golem" von Tarek K.I.Z schließlich hört sich gut weg, ist zum Teil ein bisschen nachdenklich und traurig, bleibt aber kaum im Gedächtnis.
So, das soll mein erstes und letztes Stück Musikjournalismus in diesem Jahrzehnt gewesen sein.

Freitag, 14. Februar 2020

Karneval-Stars, die es tatsächlich gibt (VI)

  • Ne bergische Jung
  • Lieselotte Lotterlappen
  • Frau Wäber
  • Frau Härtschdi
  • Die Allerschenscht
  • Quasselstrippe Lilli
  • Gerda Ballon
  • Die Prinzengarde der Greane Krapfa Oberelchingen
  • Die königlich privilegierte Waschhausvereinigung
  • Fasnets-Matadore aus Donzdorf
  • Olé
  • Ne bonte Pitter
  • Emma aus Emsdetten
  • Der Berg
  • "Pfundskerl" Kai Kramosta
  • Druckluft
  • Die Rhingschiffer
  • Weinbäuerle Günter Stock
  • "Feierwehrkommandant" Norbert Neugirg
  • Marie & Siegbert Schöpplöffel
  • Kall & Kall

Mittwoch, 12. Februar 2020

Des Grafen Wunderhorn?

Und dann entdeckte ich bei Rewe noch dies hier:


Mit Grafschafter Goldsaft gefüllte Croissants! Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Warum wurde das jetzt erst auf den Markt gebracht? Wie genial und doch so naheliegend! Regelrecht hypnotisiert warf ich den Fünferpack in den Einkaufskorb. Schoko-Croissants finde ich ausgesprochen langweilig, aber Zuckerrübensirup, einer meiner absoluten Lieblingsaufstriche, als Füllung? Count me in!


Die ungeschönte Wahrheit lautet jedoch: Sooo dolle ist das gar nicht. Der Sirup wurde, wie der Packungshinweis "mit Äpfeln verfeinert" bereits vermuten lässt, aufgedickt, vermutlich damit er nicht durch die Teighülle suppt. Das Hörnchen selbst ist leider auch nur von bestenfalls durchschnittlicher Qualität. Schade. Normalerweise bin ich zu 100 % Grafschafter-loyal, aber da ist, so meine ich doch, noch Luft nach oben. 6/10

Montag, 10. Februar 2020

Ihr müsst jetzt ganz quark sein

Vor langer Zeit habe ich in Lettland, vielleicht aber auch in Estland oder sowohl als auch, eine Spezialität kennen und lieben gelernt, die mir danach nirgendwo mehr unterkommen sollte: mit Schokolade überzogene Riegel aus Quark! Außer Landes schaffen konnte ich diese Snacks damals nicht, weil die Kühlkette zu lange unterbrochen worden wäre, und den Namen hatte ich mir leider nicht gemerkt, so dass ich irgendwann jegliche Erinnerung daran verlor.

Neulich dann besuchte ich die Grüne Woche in Berlin und schlenderte an einem Stand vorbei, der genau das anpries: mit Schokolade überzogene Riegel aus Quark! Den Quark gab es in den Geschmacksrichtungen Vanille, Erdbeer und Kokos. Bzw. gibt es! Denn ab sofort, so bewarb es der Stand, sind diese Köstlichkeiten in den Kühlregalen von Kaufland und Real erhältlich. Der Hersteller nennt sich Quarki und vermarktet seine Produkte als traditionell russisch; offenbar waren Quarkriegel in allen Sowjetrepubliken ein Ding. Auf der Messe lagen – heutzutage eine Seltenheit – kleine Stückchen zum Probieren aus, und sobald ich eines testete, hatte ich intensive Baltikums-Flashbacks. An Ort und Stelle ließ ich mich dazu breitschlagen, zwölf Riegel zum Vorzugspreis mitzunehmen. Vanille schmeckt mir am besten. Auf der Quarki-Homepage erfuhr ich später, dass es die Riegel auch noch in den Sorten Schoko, Karamell und Himbeer gibt. Zu dumm, dass die einzige mir bekannte Frankfurter Kaufland-Filiale meilenweit von meiner Hood entfernt ist ...


Zum ersten Mal vergebe ich an ein Lebensmittel die volle Punktzahl: 10/10.

Samstag, 8. Februar 2020

Housemitteilung

Das treibt mich seit einer Weile um: Kann es sein, dass man in amerikanischen Medien, zumindest in audiovisuellen, die Bezeichnung House Speaker heute viel öfter vernimmt als die längere* Titulierung Speaker of the House, während letztere früher häufiger verwendet wurde? Ich kann diesen rein gefühlsmäßigen Verdacht nicht empirisch erhärten, aber wenn ich die Kombination [Amtsbezeichnung_Name] hinsichtlich der letzten drei Speaker gedanklich Revue passieren lasse, kommt mir "Speaker of the House John Boehner" – etwa aus dem Munde eines Late-Night-Hosts – viel vertrauter vor als "House Speaker John Boehner". "House Speaker Paul Ryan" meine ich hingegen etliche Male mehr gehört zu haben als "Speaker of the House Paul Ryan". Und in Verbindung mit Nancy Pelosi habe ich aus deren erster Amtszeit die längere Form im Ohr, während mir seit Anfang 2019 "House Speaker Nancy Pelosi" bevorzugt zu werden scheint.
Die (schleichende) "Trendwende" muss also vor ungefähr zwei bis drei Jahren begonnen haben. Wahrscheinlich spinne ich aber einfach nur.

* aber nicht vollständige; die lautet nämlich Speaker of the United States House of Representatives

Dienstag, 4. Februar 2020

Ver-Flucht?

Ein krasser Fall von Mehrfachbegegnung, der nicht mit perceptual priming erklärt werden kann, widerfuhr mir in den vergangenen drei Tagen.
Es begann damit, dass ich im Rahmen meines nun schon über Jahre sich hinziehenden Projekts, "Scrubs" nachzuholen, eine Episode sah, in welcher der Hausmeister gesteht, in dem Film "Auf der Flucht" (OT: "The Fugitive") mitgespielt zu haben, nachdem er von JD, der sich diesen Thriller eines Tages anschaute, darin erkannt worden ist. (Diese Referenz kam nicht von ungefähr, sondern, wie ich später auf "TV Tropes" überprüfte, daher, dass Neil Flynn, der "Janitor", tatsächlich eine Rolle in "The Fugitive" hatte.) 
Heute morgen schaute ich mir John Mulaneys Stand-up-Special "The Comeback Kid" von 2015 an, und an einer Stelle bezieht sich der Komiker immer wieder auf eine Szene in ebenjenem Film.
Und dann scrolle ich wenige Stunden später durch Serienjunkies.de und lese was? "Der Streamingservice Quibi hat einen ersten Teaser zum Serienreboot des 1993 erschienenen Harrison-Ford-Films The Fugitive alias Auf der Flucht veröffentlicht."
Welche spukhaften Kräfte sorgen dafür, dass ich in kürzester Zeit dreimal mit einem 27 Jahre alten Spielfilm konfrontiert werde, zweimal davon via unzusammenhängende Fernsehproduktionen, die ihrerseits schon wieder etliche Jahre auf dem Buckel haben? Darüber hinaus: Was macht diesen (durchaus soliden) Actionkrimi mit Harrison Ford und Tommy Lee Jones sooo bedeutsam, dass man noch ewig nach seinem Release Witze darüber machen konnte und jetzt sogar eine Wiederauflage für geboten bzw. erfolgversprechend hält? Tatsache: "The film was highly acclaimed by both critics and moviegoers, spending six weeks as the #1 film in the United States. It was also nominated for seven Academy Awards, including Best Picture" (tvtropes.org). Das war mir nicht bewusst, als ich ihn im Fernsehen sag; bei der Kinopremiere war ich noch klein. Aber dass "Auf der Flucht" deswegen geradezu unvermeidlich sein soll, akzeptiere ich nicht.

Montag, 3. Februar 2020

Royal Radio

Kleines Postscript zum letzten Beitrag: Für die FAZ vom Samstag hat Hans Zippert einen Abgesang auf die Verkehrsmeldungen des Deutschlandfunk verfasst. In dem Kommentar reminisziert er auch über Wasserstandsdurchsagen im Radio und dies: "Je älter ich wurde, umso häufiger verschlief ich die Wasserstandsmeldungen; aber ich wurde wach, wenn im britischen Soldatensender der Aviation Forecast zur Verlesung anstand. Ich erinnere mich heute nur noch an Formulierungen wie 'south-westerly stream', 'isolated thunderstorms' oder 'showers become more scattered'. Diese Prognosen verfolgte ich bis zum Ende, obwohl sie mich gar nichts angingen, denn ich flog viel zu niedrig, weil mein Cockpit nur ein Klappbett im Bielefelder Osten war."

Damit wurde meine Aufmerksamkeit auf den British Forces Broadcasting Service (BFBS) gelenkt. Wiederum diene Wikipedia hier als erste Referenzquelle. Da erfährt man, dass das einzige verbliebene Sendestudio Deutschlands in Paderborn-Sennelager sitzt ("in einem ehemaligen Autohaus in einem Industriegebiet"). Und, seufz: "Bis zum Abzug der Britischen Streitkräfte aus Deutschland, der bis spätestens 2020 erfolgen soll, wird BFBS Germany dort bleiben." Die letzte Chance, dort einmal reinzuhören, sollte man nutzen. Wer nicht im Sendegebiet der Paderborner Station wohnt, kann es natürlich online streamen – wie alle BFBS-Programme weltweit.

Verfügbare Livestreams auf radio.de (Auswahl)

Ich werde mich in Zukunft gelegentlich nostalgisch über meine eigene Radiohör-Erfahrung auslassen. Zu diesem Behufe habe ich soeben den Hashtag radio eingeführt. Stay tuned!

Samstag, 1. Februar 2020

Deutschland positiv besetzen!

Als ich Anfang des letzten Jahrzehnts nach Frankfurt gezogen bin, war ich ziemlich baff, als ich beim Radiosenderscannen entdeckte, dass man hier AFN (American Forces Network) empfängt. Und das kann man bis heute tun! Ich liebe diesen leichten Übersee-Zauber, der natürlich mit der spannenden Tatsache einhergeht, dass es in Deutschland noch immer eine Reihe US-Militärbasen gibt. Diese Parallelwelten strahlen eine ungeheure Magie auf mich aus. Mehrheitlich im Südwesten des Landes stößt man ja auf "Klein-Amerikas" in sonder Zahl im Wald wie in der Stadt (faszinierendstes mir bekanntes Beispiel: Kaiserslautern-Vogelweh, quasi ein ganzer der Army gehörender Stadtteil). Dass diese ausländischen Einrichtungen auf hiesigem Hoheitsgebiet sogar Deutsche als ziviles Personal beschäftigen, etwa als Lehrkräfte, finde ich nicht minder toll. Wie es wohl ist, auf eine Arbeitsstelle zu gehen, wo Portraits von Donald Trump an den Wänden hängen?

Bekanntermaßen sind nicht nur amerikanische Truppen auf deutschem Boden stationiert. Das Zeit-Magazin hat vor kurzem dankenswerterweise eine Deutschlandkarte veröffentlicht, in der alle Orte mit ausländischen Basen verzeichnet sind:


Neben 28 US-Standorten gibt es solche mit Briten (6x) und mit Franzosen (2x). Neu war mir, dass auch "Kanada [...] als Nato-Partner an einem Ort vertreten" ist; "hinzu kommen fünf Nato-Stützpunkte." Bis 2006 hatten wir auch noch belgische und bis 2007 niederländische Streitkräfte zu Gast. Es wird ja immer wieder über Kosten und Nutzen dieser Institutionen diskutiert, doch hoffe ich, dass sich die jeweiligen Regierungen nicht zum vollständigen Abzug ihrer Soldaten entschließen. Nicht nur begrüße ich es, dass wehrhafte Männer und Frauen diverser demokratischer Nationen notfalls zur Stelle sind, falls Deutschland mal wieder zu frech wird, auch sorgt diese Präsenz für ebenjene Exotik in Form von, beispielsweise, AFN. 

Alles zu den (mittlerweile eingestellten) Kurz- und Mittelwellen- sowie den AFN-Fernsehdiensten und einiges mehr erfährt man in dem umfangreichen Wikipedia-Artikel zum Thema.

Donnerstag, 30. Januar 2020

Immer noch aktuell

Vor ziemlich genau zehn Jahren notierte ich dies:

Darf man sich 2010 A.D. noch über Leute mokieren, die in der Öffentlichkeit Dinge in ein Telefon plärren, die niemand (womöglich nicht mal die Person am anderen Ende der Leitung) hören will? Nein? Mir doch egal.
Eine junge Frau telefonierte mit ihrem "Schatz" und sagte irgendwann: "Der Knubbel an meinem Finger ist schlimmer geworden."
Jeez.

Montag, 27. Januar 2020

Keine Experimente (in Sachen Kondensmilch)!

Die neulich erwähnte russische Karamell-Kondensmilch ist geschmacklich in Ordnung, konsistenzmäßig aber mangelhaft: Sie ist nicht so schön zähflüssig-cremig wie verwandte Produkte à la Milchmädchen oder Piknik, sondern stichfest-brockig wie Obstgelee. Ob dieser Zustand von Haus aus vorliegt oder durch zu lange Lagerung eingetreten ist, kann ich nicht einschätzen.

Beweisstück A: Nichts fließt mehr

Heute kam mir die Idee, das Produkt zu erhitzen. Vielleicht könnte ich ja so die klassische Süßkondensmilch-Sämigkeit (wieder)herstellen.


Ich tat zwei große Esslöffel in einen Topf und erhöhte unter ständigem Rühren peu à peu die Temperatur. Nach einer Weile konnte ich die Masse zwar ein wenig entklumpen, der wahre Jakob ist das Enderegbnis aber nicht. Nächstes Mal bediene ich mich wieder bei Milchmädchen oder Piknik.

Freitag, 24. Januar 2020

Geldbeutelfund im Gesinnungsraster

Du spazierst durch einen Park und siehst, wie ein Jogger sein Portemonnaie verliert.
Was tust du?


Rechtschaffen gut: Du machst den Jogger augenblicklich mit Rufen und Gesten auf sein Missgeschick aufmerksam. Etwaige Belohnungsangebote lehnst du höflich ab.

Rechtschaffen neutral: Du schaffst das Portemonnaie ins nächste Fundbüro.

Rechtschaffen böse: Bevor du das Portemonnaie zur Polizei bringst, begutachtest du gründlichst den Inhalt und suchst nach Beweisen für eventuelle Unredlichkeiten des Besitzers; illegale Pillen beispielsweise würdest du den Behörden melden. Überhaupt fertigst du eine genaue Liste aller Dinge aus der Geldbörse und deren Wert an. Die dir zustehenden 5 % Finderlohn wirst du notfalls einklagen.

Neutral gut: Du nimmst das Portemonnaie an dich und verfolgst den Jogger bis zu dessen Haus. Dann klingelst du bei ihm, gibst ihm das Fundstück und – je nachdem, unter welchen Umständen er wohnt – verlangst "ein kleines Dankeschön für meine Mühe" oder auch nicht.

Neutral: Du gehst einfach weiter deines Weges.

Neutral böse: Du behältst alles, was dir wertvoll und nützlich erscheint, den Rest legst du gut sichtbar auf einer Parkbank ab.

Chaotisch gut: Du nimmst das Portemonnaie in deinen Besitz und gibst eine anonyme Annonce auf: "Portemonnaie gefunden" etc. Falls sich innerhalb eines halben Jahres niemand meldet, betrachtest du den Fund als dein Eigentum.

Chaotisch neutral: Du entnimmst den Inhalt des Geldfaches, zerschneidest sämtliche Ausweise und Karten und verbrennst das Portemonnaie.


Chaotisch böse: Du passt den Jogger in einem unbeobachteten Teil des Parks ab, überfällst ihn und nimmst ihm auch noch das Handy ab.

Donnerstag, 23. Januar 2020

An den britischen Kalenden

Kleiner Nachtrag zum Jahr 2020. Dieser feine Monatskalender hängt heuer über meinem Bett: "English Travel Posters".


Man findet ja sowohl in sämtlichen Kaufhäusern als auch Buchhandlungen Wandkalender en masse; wer etwas Besonderes abseits von niedlichen Tieren, altmeisterlichen Gemälden und Traumstränden sucht (wobei, nichts gegen niedliche Tiere, altmeisterliche Gemälde und Traumstrände!), wird aber eher bei Amazon fündig (Suchwort: "wall calender"). 
Hier noch vier ausgewählt nette Kalender, die meine Wohnung in den vergangenen Jahren zierten:


Links oben der hier vorgestellte "The Nib"-Kalender, rechts oben zwölf Zeichnungen Edward Goreys, den ich – wie auch Stephen Gammell und Maurice Sendak  als Illustrator morbider Kinderbücher schätze; unten Katz & Goldt (geht immer, auch wenn einige Blätter selbst mir und meinen Kollegen völlig unverständlich geblieben sind) und eine Auswahl von Vintage-Trash-, Horror- und SciFi-Filmpostern. Mal sehen, was das nächste Jahr bringt!

Montag, 20. Januar 2020

Let's eat ... alberne Luxus-Chips


Wenn es von den sehr guten britischen Kettle-Chips eine Limited Edition "Trüffelkäse und Schaumwein" gibt, muss ich natürlich zuschlagen. Die 135 Gramm enthalten neben den gewohnten hochwertigen lokalen Zutaten "getrockneten Weißwein" sowie "getrockneten englischen Schaumwein (0,1 %)" vom "award-winning" Winbirri Weingut in Norfolk und "schwarzes Trüffelextrakt". Ich habe den Trüffel sehr gut herausgeschmeckt (und verachte mich für diesen Satz), irgendwelche Sekt-Noten konnte ich indes nicht ausmachen. Dennoch: eine nicht alltägliche Premiumknabberei! 8/10

Samstag, 18. Januar 2020

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

King of Comedy
Bevor ich den "Joker" sah, der sich ja mehr als offensichtlich davon hat inspirieren lassen, wollte ich mir diese Tragikomödie von 1982 zu Gemüte führen. Wie ich später sehen würde, sind die Parallelen schon recht offensichtlich, was "King of Comedy" aber nicht weniger lohnenswert macht. Robert De Niros Performance erzeugt ein Gefühl, das permanent zwischen Angst, Fremdscham und Mitleid oszilliert. Jerry Lewis als Late-Night-Host ist gänzlich un-jerrylewis'sch und gibt den abgebrühten, bisweilen stoischen, fast zynischen Routinier. Die Mischung aus Außenseiterdrama und Mediensatire funktioniert auch nach fast 40 Jahren noch blendend.

Bob Roberts
Fast gar nicht mehr funktioniert dagegen "Bob Roberts". In Zeiten von D. Trump kann man schlichtweg keine sozialkritischen Mockumentaries über vermeintliche Self-made-men, die mit fragwürdigen Methoden in der US-Politik aufsteigen, mehr sehen, vor allem, wenn sie aus dem Jahr 1992 sind (das war ja sogar noch vor Clintons Impeachment). Die Realität hat, um eine abgedroschene Phrase zu bemühen, die Satire überholt.
Als solche mag sie bei ihrem Erscheinen überrascht, provoziert und unterhalten haben – heute wirkt sie fad. Dabei gibt es an Script und Hauptdarsteller (beides: Tim Robbins) nichts zu bemäkeln, und in den Nebenrollen überraschen Giancarlo Esposito und Alan Rickman.

Wir (OT: Us)
Lange nicht so packend und fresh wie "Get Out", aber immer noch besserer Durchschnitt im Horrorfeld. Die Prämisse ist interessant, bei der Ausführung ergeben sich dann aber doch Inkonsequenzen und Logikpatzer.

Die Verlegerin (OT: The Post)
"The Post" steht für die Washington Post, deren Verlegerin (Meryl Streep) eine folgenschwere Entscheidung im Zuge der Affäre um die "Pentagon Papers" treffen muss. Über diese Vorgänge im Jahr 1971 wusste ich praktisch nichts, doch Steven Spielberg erzählt sie meisterhaft nach, so dass man, erhöhte Aufmerksamkeit vorausgesetzt, einiges lernen kann. Der 2017/18 vielfach nominierte, hochkarätig besetzte Politthriller wird in seinen fast zwei Stunden an keiner Stelle langweilig.

Joker
In seiner werweißwievielten Spielwoche hatten wir uns dann doch dazu entschlossen, diesen Oscar-Liebling auf der großen Leinwand zu begutachten. Ich war im Vorfeld sehr skeptisch: Wozu braucht es nach dem Joker in "The Dark Knight", der darin sowohl unübertrefflich verkörpert wurde als auch Ansätze einer ernsten ("serious") Hintergrundstory bekommen hat, noch eine filmische Charakterstudie über Batmans Lieblingsfeind?
Tja, wozu braucht man schon irgendwas? Fakt ist, dass Joaquin Phoenix dem im doppelten Sinne ausgezeichneten Heath Ledger das Spritzblumenwasser durchaus reichen kann. Der dreckige Look von Gotham City zieht einen angemessen runter, die Gewaltexzesse sind wuchtig, die Musik ist überwältigend (Hildur Guðnadóttir sollte man spätestens seit "Chernobyl" im Auge Ohr behalten), und trotz aller Nicht-Comichaftigkeit und der Losgelöstheit vom DC-Kanon gibt es dann doch einen bemerkenswerten Twist bezüglich des Verhältnisses zwischen Arthur Fleck und dem Dunklen Ritter.

Robin Williams: Come Inside My Mind
Mit Robin Williams konnte ich nie viel anfangen, genauer gesagt mit seinen Filmen, denn aus denen kannte man den Extremkomiker in Deutschland ja fast ausschließlich. Sicher, es gab "Good Will Hunting" und "Club der toten Dichter", aber das waren keine Komödien. Die Streifen, in denen Williams sein humoristisches Talent entfaltete ("Mrs. Doubtfire", "Jumanji", "Popeye"), ließen mich eher kalt. Mir war natürlich klar, dass Williams viel mehr war als der Grimassenschneider in diesen Massengeschmack-Comedys; in den wenigen Talkshow-Auftritten, die ich sah, erkannte ich in Ansätzen, was die Menschheit an diesem begnadeten Improvisations-, Slapstick- und Schnellfeuergag-Genie hatte.
Diese Dokumentation von 2018 beleuchtet den Oscar-Preisträger in all seinen Facetten (er konnte sowohl mit albernen Possen Kinder als auch mit derbsten Schweinigeleien Erwachsene zum Bersten bringen), zeigt allerlei Ausschnitte und Behind-the-scenes-Material und lässt Weggefährten zu Wort kommen. Man erfährt auch viel Wissenswertes zu den ziemlich irrwitzigen Umständen, die zum Durchbruch dieses Inbegriffs des traurigen Clowns geführt haben, Stichwort "Mork & Mindy". Am Ende hat man feuchte Augen.

When Jeff Tried to Save the World
Ein später, nämlich 2017 herausgekommener Vertreter des Mumblecore-Genres, der mit dem Prädikat "ganz nett" hinreichend beschrieben ist. Jon "Napoleon Dynamite" Heder versucht ein Bowling-Center zu retten.

Dredd
Ein 2012er Remake des Stallone-Klassikers (der übrigens 1995 in die Kinos kam; ich hätte ihn viel älter geschätzt), der mich wegen der Bierdeckel-Handlung und der unnötig überzogenen Gewaltdarstellung (FSK: 18) eher "Uff" stöhnen ließ, aber dank Lena Headey und kompakter Laufzeit nicht über die Maßen ärgerte. Und nach all dem schweren Stoff davor musste es einfach mal etwas zum Hirnausknipsen sein.

Star Wars: Episode IX - Der Aufstieg Skywalkers
Plotholes, Fan service, JJ Abrams Syndrome, blablablubb ... Wie bei allen Teilen der neuen Trilogie habe ich mich köstlich unterhalten gefühlt. Mehr ist dazu nicht zu anzumerken.

Das Geheimnis von Marrowbone
Die jungen Shooting-Stars George MacKay und Anya Taylor-Joy überzeugen in diesem leicht mysteriösen Familiendrama, das zwar zeitweise an "The Others" erinnert, aber eigentlich (Never trust a trailer!) nichts mit übernatürlichen Vorkommnissen zu tun hat. Oder doch? Es ist jedenfalls ziemlich traurig.