Freitag, 19. Juli 2019

Traumprotokoll: Bestandsanzeige

Im Traum hat die Amazon-Shopping-App ein praktisches Feature eingeführt: Für jedes Buch, das man auf seiner privaten Einkaufsliste hat, kann man sich die am nächsten gelegene Bibliothek anzeigen lassen, in der gerade ein entsprechendes Exemplar ausleihbar ist. Ich befinde mich unweit von einer Bücherei und möchte wissen, ob ein bestimmtes Buch dort vorrätig ist. Leider ist das mobile Netz so schlecht, dass die Karte, auf der normalerweise die Standorte von Interesse als blaue Punkte aufscheinen, nicht aufgebaut werden kann.

Hintergrund: Ich habe bei Amazon neben meinem (öffentlichen) Wunschzettel eine "Einkaufsliste" angelegt, auf der ich Bücher und sonstige Medien speichere, die ich mir nicht zu kaufen oder schenken zu lassen brauche, weil es sie – das habe ich jeweils vorher ermittelt – in einer städtischen Bibliothek gibt. Es ist also weniger eine Einkaufs- als eine "Was ich mir irgendwann mal ausleihen muss"-Liste. Da ich glücklicherweise Zugriff auf die Bibliotheksbestände von Frankfurt, Berlin und Dresden habe, komme ich tatsächlich oft in die Situation, dass ich mich frage: Hm, gab es dieses Buch jetzt hier oder nicht? Ich schätze jedoch, dass Amazon kaum Interesse daran hat, dass jemand etwas nicht über Amazon bestellt, und das mit einer Appfunktion unterstützt.

Nach dem Traum fällt mir ein, dass man die Posten auf seinen Amazon-Listen auch mit Kommentaren versehen kann – z.B. mit Vermerken, wo es was gibt.

(parallel im Techniktagebuch veröffentlicht)

Montag, 15. Juli 2019

Alles wird schlechter, Teil 29.781

"MP3-Dateien aus Musikvideos saugen, Kochclips auf das Tablet herunterladen und TV-Dokus auf dem Rechner speichern: Wer sich nicht damit zufrieden gibt, YouTube-Videos nur online anzuschauen, kann die Clips mit Hilfe von Sound- und Videokonvertern auch offline speichern", schreibt "Spiegel online". "Doch Google schiebt den Anbietern offenbar verstärkt einen Riegel vor. Mehrere der Umwandlungsdienste haben keinen Zugriff mehr auf die Videoplattform."
Das kann ich bestätigen! Einer meiner Lieblings-Onlinedienste (den ich nun nicht mehr zu nennen brauche) ist genau davon betroffen. "Entschuldigung, aus irgendeinem Grund kann dieses Video nicht konvertiert werden", kriege ich als Fehlermeldung angezeigt. Dutzende MP3s hatte ich in den vergangenen Jahren mit Hilfe dieses Wandlers erstellt, weil die entsprechenden Lieder nicht auf andere (legale) Weise zu besorgen waren. Damit ist nun Schluss: "Die Musikindustrie stört sich seit Jahren an den Streamrippern." Na klar.
Aber ich bin mir sicher, dass bereits an Mitteln und Wegen gearbeitet wird.

Samstag, 13. Juli 2019

Aufmachertrend Sommer 2019

Für die Nachwelt (die es freilich in ein paar Jahrzehnten nicht mehr geben wird) sei hier festgehalten, was Wochenzeitungen und -zeitschriften derzeit auf ihre Titel packen:
  • Focus, 8. Juni: "Ich mag Fleisch. Ich fliege gern. Ich fahre Auto. 40 Ideen, wie Sie trotzdem klimafreundlicher leben können"
  • Zeit, 11. Juli: "Der Mythos vom Verzicht. Kein Fleisch, kein Flug, kein Auto – der Mensch soll auf immer mehr verzichten. Doch die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft nicht weiter."
  • Spiegel, 13. Juli: "Richtig und gut leben. Die Welt retten, ohne sich einzuschränken – geht das?"
In den jeweiligen Redaktionsstuben möchte man gern mal Mäuschen sein. "Der Leser mag weder Panikmache noch erhobene Zeigefinger. Er will in seinen Handlungen und Meinungen bestätigt und dabei nur ganz sanft erzogen werden. Lasst uns also die Leute dazu ermutigen, im Wesentlichen so weiterzumachen wie bisher, ihnen ein paar leicht umzusetzende Tipps an die Hand geben, und alle fühlen sich wohl!"
Konsequent und schon wieder sympathisch fände ich ein Magazin, das folgenden Kurs einschlägt: "Lachend in den Untergang: Kreuzfahrt, Steak und Monsterjeep – so machen wir uns die letzten Jahre der Menschheit so angenehm wie möglich."

Dienstag, 9. Juli 2019

Das große Burger-Fressen

Weil ich am Wochenende Zeit dafür hatte, habe ich mir gleich zweimal hintereinander Hamburger gemacht und dabei allerlei getestet. Aber seht selbst:


Am Samstagabend briet ich mir den veganen Incredible Burger von Garden Gourmet, der neulich im großen Vergleich der FAS zum drittbesten fleischlosen Pattie gekürt wurde (auf Platz 1: der inzwischen legendäre "Beyond Meat"-Burger, den ich leider noch nicht im Handel auftreiben konnte, aber bereits in der McDonald's-Version essen durfte und für durchaus befriedigend befand). Obwohl dick "NEU" auf der Packung steht, wird er schon jetzt als "Veggie-Klassiker" angepriesen. Soja- und Weizenprotein bilden die Basis. Die Beschreibungen "unglaublich saftig" und "zarte Konsistenz" sind zutreffend. Beim Braten tritt richtiger "Fleischsaft" aus, was für unschöne temporäre Verfärbungen, um nicht zu sagen: für eine üble Sauerei in der Pfanne sorgt; möglicherweise ist das Grillen auf dem Rost die zu bevorzugende Zubereitungsweise. Wie nah der Pflanzenscheibling geschmacklich an eine Rindfleisch-Bulette heranreicht, vermag ich nicht zu sagen, da es lange her ist, dass ich eine solche verspeist habe, aber ich war sehr zufrieden, zumal der Eigengeschmack des Patties angesichts des "Flavor-overflows" durch die übrigen Burger-Schichten (dazu gleich mehr) eh zweitrangig ist. Ich habe selbstverständlich die gesamte Packung mit zwei Portionen (à 113 Gramm) vertilgt und war danach schön satt.


Am Sonntag ging es weiter mit "Deutschlands erstem Insekten-Burger" von der Bug Foundation. Die Packung enthält zwei tiefgefrorene Patties (2x98 g) aus Buffalowürmern, i.e. den Larven des Glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfers, und kostet normalerweise 5,99 €, war aber bei Tegut für den Sonderpreis von 2,99 € zu haben! Lange habe ich abgewogen, ob es für mich ethisch vertretbar ist, Insekten zu essen. Ist es nicht bigott, ausgewählte Tiere zu verschonen und andere nicht? Wo zieht man die Grenze? Sind Geschöpfe mit Zentralnervensystem schützenswerter als welche mit Strickleiternervensystem? Andererseits wäre es auch bigott, Insekten regelmäßig totzuklatschen, sobald sie in meine Wohnung kriechen (erst vergangene Woche killte ich vier Ameisen, die es bis in meinen Flur geschafft hatten), sie dann aber als Part einer neuartigen, alternativen Zuchtmethode abzulehnen. Ich gehöre ja nicht dem Jainismus an, dessen Anhänger stets einen Handfeger bei sich führen, mit dem sie sämtliche Sitzgelegenheiten vor dem Platznehmen freikehren, um nicht versehentlich ein Tierchen zu zerquetschen. Wohl aber habe ich schon einmal bei einem Langstreckenflug die Bordverpflegungs-Option "Jain meal" gewählt, denn ebenso wie tierische Produkte ist nach jainistischem Speisegebot alles tabu, was unter der Erde wächst, sprich: auch Zwiebeln, die ich bekanntlich verabscheue. Insofern müsste ich als Jain den Insektenburger dreifach verschmähen: Neben der Hauptzutat, den Würmern (60 % der 45 % Grundmasse), sowie (religiös unbedenklichem) Soja sind den Patties nämlich 2.) Eiklar und 3.) Zwiebeln beigemengt, und Letztere schmeckt man leider deutlich heraus. Schon beim Anbraten bemerkt man ihre Anwesenheit – es stinkt, dass Gott erbarm'!
Auch versucht der Larven-Burger gar nicht, eine Fleischschnitte nachzuahmen, sondern geht von Aussehen und Konsistenz her eher in Richtung Grünkernbratling, was man positiv oder negativ sehen kann.



Aufgepeppt habe ich die Burger jeweils mit gewöhnlichen sauren Sandwichgurken, Hengstenberg BBQ Kraut by Mildessa – einem Mix aus Sauerkraut und rauchiger Barbecue-Sauce – und Leerdammer für Toast & Burger herzhaft-intensiv, dessen USP ein erhöhter Schmelzfaktor sein soll, was mir jedoch nicht aufgefallen ist. (Gerne verwende ich für Burger reiferen Cheddar, aber der Leerdammer taugt schon.) Ins Auge war mir zudem Thomy Ketchup weniger Zucker gefallen ("Mit 80% Tomaten und 35% weniger Zucker als herkömmliche Ketchups im Markt"); mit ihm bestrich ich zwei der vier oberen Brötchenhälften (die anderen mit Dijonsenf resp. der restlichen Blues Hog-Soße). Apropos: Bei den Brötchen entschied ich mich dieses Mal für die Brioche Buns der Rewe-Eigenmarke Beste Wahl (nicht im Bild). Sie sind sowohl angetoastet als auch pur einigermaßen "aufweichfest"/strukturbeständig und stellen einen ordentlichen Geschmackskontrast dar, auch wenn in einem Grillforum moniert wird, sie seien "kleiner, sehen nicht so schön aus, sind nicht so fluffig und auch vom Geschmack her enttäuschend... von der Butter, welche ja in einem Brioche-Bun enthalten sein sollte, war hier geschmacklich eher nichts festzustellen".

Ich fasse zusammen.
"Incredible Burger": 9/10
"Insekten-Burger": 2/10
"BBQ Kraut": 6,5/10
"Leerdammer für Toast & Burger": 7/10
"Ketchup weniger Zucker": 7/10
"Brioche Buns": 7,5/10

Freitag, 5. Juli 2019

Fragen, die ich mir selbst stelle

Diese Frage stelle nicht nur ich mir, sondern bestimmt auch viele andere sich: Wo soll ich dieses Behältnis entsorgen?


Das ist doch sonnenklar, mag man spontan denken, weißes Glas kommt in den Weißglascontainer. Aber so einfach ist es nicht. Bei dem Material des Odol-Mundwasserspenders handelt es sich nämlich laut Abfall-ABC des Landkreises Friesland um opalisiertes Glas, und das gehört in den Restabfall. Das hessische Äquivalent zur friesischen Restabfalltonne ist, wie weitere Recherche ergibt, die graue Restmülltonne für "alle Abfälle, die nicht verwertet werden können und nicht schadstoffhaltig sind". "Jedes Grundstück", erfährt man, "muss an die öffentliche Restmüllentsorgung angeschlossen sein und ausreichende Behälter für die Aufnahme von Restmüll vorhalten." Ich könnte auf Anhieb gar nicht sagen, ob in "meinem" Grundstück so eine Tonne steht, aber ich werde das Fläschchen schon loswerden. Geständnis: Bis jetzt habe ich es tatsächlich immer zum Weißglas gegeben.

Wissenswert ist, dass in die Braunglastonne ausschließlich braunes Glas gehört, in die Grünglastonne indes auch andersfarbiges Glas.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Wort des Monats: "vuca"

Gerade beim Zeitungsnachlesen drüber gestolpert: Die schöne neue Arbeitswelt wird angeblich neuerdings mit einem Akronym beschrieben, das aus dem Englischen zunehmend ins Deutsche schwappt.
Weil die digitale Transformation alle Branchen trifft, probieren die Unternehmen andere Organisationsformen aus. Konzerne sollen innovativer werden, Teams agiler auftreten, Produkte schneller auf den Markt kommen. Schon seit einigen Jahren geistert der Begriff "vuca" herum – eine englische Abkürzung für eine Welt, die volatil (volatile), unsicher (uncertain), komplex (complex) und vieldeutig (ambiguous) ist. Er stammt aus dem Militär, das sich in Zeiten von Cyberattacken und asymmetrischer Kriegsführung mit einer völlig veränderten Bedrohungslage auseinandersetzen muss. Militär und Unternehmen stehen, so betrachtet, vor ähnlichen Aufgaben.
(FAZ, 22.6.2019)
Dass dieses interessante Kurzwort in meinen aktiven Wortschatz, zu dem nicht mal das Adjektiv "volatil" gehört, Einzug halten wird, bezweifle ich. Aber dass militärische und Unternehmensführung strukturell ähnlich sind und schon immer waren, leuchtet mir ein. Und überhaupt: Ist nicht die ganze Welt extrem vuca geworden?

Montag, 1. Juli 2019

Lob der Routine

Ich würde mich ja als durchaus experimentierfreudigen Menschen beschreiben. Ich probiere gerne neue Speisen aus, ich habe Dutzende, zum Teil gefährliche Länder bereist, und wenn ich ein Trampolin sehe, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass ich draufsteige. Aber ich mag auch Routinen und Konstanten, Anker und Gerüste, die mir Halt und das Gefühl, mein Leben im Griff zu haben, verleihen. Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich bereits grob, was bzw. wo ich abends essen werde. In Sachen Bekleidung und Hygiene überlasse ich nichts dem Zufall. Für spontanes Weggehen bin ich nicht zu haben. Routenplanung macht mir Spaß, auch wenn das heutzutage dank des technischen Fortschritts kaum lange im Voraus notwendig ist. Ich hatte noch nie Geldprobleme, weil ich von frühester Jugend an gelernt habe, vorausschauend und sorgsam mit meinen Finanzen umzugehen. Ich schreibe Einkaufszettel und vermeide die Anhäufung von Schmutzwäsche und Pfandflaschen in meiner Wohnung.

Ja, ich gebe zu: In gewissen Aspekten mag auch ich nachlässig sein und zum Chaos neigen. Aber wenn ich mir etwas vornehme, rücke ich ungern davon ab. Aktuelles Beispiel: Gestern hatte ich mir in einem "Rewe To Go" eine Banane gekauft, die ich heute zu essen gedachte. (Mindestens eine Portion Obst pro Tag muss schon sein.) Leider vergaß ich die Banane zu Hause. Also ging ich heute Nachmittag vom Büro zu meiner Wohnung zurück, um die Banane zu holen und zu verspeisen. Ich hätte die Frucht ja auch morgen oder nach der Arbeit essen können, aber in meinem Kopf war das Vorhaben "am Nachmittag des 1. Juli eine Banane essen" fest zementiert. Irgendwo eine Ersatzbanane zu besorgen, wäre nicht infrage gekommen.

Das erklärt möglicherweise, warum ich seit sieben Jahren durchgehend, im Abstand von höchstens drei Tagen dieses Blog mit Content befülle. Denn auch Kybersetzung ist ein Anker in meinem Leben, und zwar einer der wichtigsten.