Samstag, 31. Juli 2021

Die besten Webcomics

Der hier bereits gelobte Dakota McFadzean veröffentlicht nach längerer Abwesenheit seit einer Weile wieder tägliche Comicstrips, allerdings nicht mehr auf seiner (verschwundenen) Homepage, sondern auf Twitter. Hoffentlich entsteht daraus auch ein Buch!

Donnerstag, 29. Juli 2021

Filmszene, die ich gerne sähe

Ein neuer Lehrer tritt seinen Dienst an. In der ersten Unterrichtsstunde verteilt er ein Buch und sagt zu seiner Klasse: "Nehmt das Buch, das ihr gerade von mir bekommen habt, in die Hand. Und jetzt: Zerreißt es!" Die Schülerinnen und Schüler tun wie geheißen, dabei sieht man: Es handelt sich um das Buch "Spaß haben, das Leben genießen und einfach nur Kind sein". Als alle Exemplare zerfetzt sind, greift der Lehrer in seinen Koffer und verteilt ein neues Buch. In einem zweiten Plot-Twist erfahren wir nun, dass es sich um eine Neuauflage desselben Werks handelt! (Der Titel war zu sperrig.)

Dienstag, 27. Juli 2021

Freiheit, die ich meine

Immer wieder hatte ich in den letzten Jahren den Namen des Videospiels "NieR: Automata" gehört und gelesen, und nach den allseitigen Lobeshymnen auf das jüngst aufgelegte Remake des Vorgängers "NieR: Replicant/Gestalt" beschloss ich, "Automata" endlich zu spielen. 

Ich war auf Anhieb begeistert. Ohne große dramaturgische Exposition wird man in einen Kampfflieger gesetzt und muss sich schießend durch den Himmel bewegen. Wer wie ich überhaupt nichts über das Gameplay weiß, vermutet zunächst, man habe es mit einem Retro-"Shmup" aus der Vogelperspektive zu tun, aber haha!, nein, die Sequenz mündet in einen Boss-Fight, dem eine gute Dreiviertelstunde Non-stop-Shooter-Action folgt, abwechselnd in Schulterperspektive, teils in Sidescrolling-Platformer-Anmutung, dann kommt wieder ein Danmaku-Gefecht in Vogelperspektive, man springt und ballert und wird einfach in einem fantastischen Flow mitgerissen, bis ... bis ein zweiter Bosskampf den Schwierigkeitsgrad signifikant anhebt. Dieser Kampf war dann doch zu schwer für mich, und ich starb. Aber hey, versuche ich es eben gleich noch mal, dachte ich; das Spiel wird ja wohl unmittelbar vor der Feindesbegegnung einen Speicherstand angelegt haben.

Hatte es nicht. Und auch nicht an anderer Stelle: Ich wurde an den Anfang zurückgeworfen. Gnadenlos war fast eine Stunde Fortschritt zunichte gemacht worden, ja ich hatte völlig umsonst gespielt (außer für ein paar Minuten Spaß und Adrenalinrausch)! Mich noch einmal bis zu dem strapaziösen Fight durchschlagen? Weder hatte ich dafür Zeit noch darauf Lust. Denn dass ich den Gegner im zweiten Versuch erledigen würde, konnte mir niemand garantieren. Wie unbarmherzig kann ein Spiel sein?!

Nachdem ich mich qua Internetrecherche versichert hatte, dass es bis zu der Stelle, die ich erreicht hatte, tatsächlich keine Checkpoints gibt, deinstallierte ich "NieR: Automata" wieder. BIN ICH DENN HIER DER HIMBEERTONI? Ich verlange ja von einem High-Octane-Reißer dieses Schlags (zumal eines japanischen), bei dem Überleben und Dauerballern den Reiz und die Haupt-Herausforderung ausmachen, nicht den Luxus des freien Speicherns, aber nicht mal an entscheidenden, besonders anspruchsvollen Punkten automatische Spielstände anlegen – das ist schlicht unfair.

Hätte ich für das Game 50 bis 60 Euro ausgegeben, hätte ich mich ganz schön geärgert. Glücklicherweise ist es im Xbox-Game-Pass enthalten, den ich vor ein paar Monaten gebucht habe, was sich nun einmal mehr als brillante Entscheidung herausstellgestellt hat. Dabei ist das Abonnement mehr oder weniger unfreiwillig zustande gekommen: Ich hatte es lediglich abgeschlossen, um den neuen "Microsoft Flight Simulator" spielen zu können. Doch da hatte ich mich schlecht informiert: Der Flight-Simulator ist bisher nur im Game-Pass für PC-Spiele, nicht für die Konsole inkludiert. Für die Xbox erscheint er voraussichtlich erst 2022. Dabei hatte ich mir extra das entsprechende GameStar-Sonderheft gekauft, dem sogar ein Gutscheincode für den (eben nicht Konsolen-)Game-Pass beilag. Ja, mei. Der nächste Actiontitel mit freundlichem Saving-System, den ich ausprobiere, kommt bestimmt.

Samstag, 24. Juli 2021

Mot de la semaine

Gestern bin ich, als ich im Rahmen einer Recherche herausfinden wollte, was das französische Wort motte heißt, auf ein hinreißendes französisches Verb gestoßen:

    se miter - "von Motten zerfressen werden"

Hahaha, das ist so typisch französisch, so etwas kann es echt nur in dieser Sprache geben!

Donnerstag, 22. Juli 2021

"Things that didn't age well" for 800

Weil ich immer mindestens zehn Bücher parallel lese, kommt es vor, dass in mancher Lektüre eine teils monatelange Lücke klafft. David Blaines Buch "Mysterious Stranger" habe ich erstmals Anfang 2018 in diesem Blog referenziert, zuletzt im Juni dieses Jahres! Ich kann mir gar nicht erklären, warum ich mich schon so lange damit aufhalte, denn es ist alles andere als fad. Es lässt sich halt sehr gefällig kapitelweise weglesen, und es macht nichts, wenn man sich zwischen zwei Kapiteln eine Pause nimmt.

Wie dem auch sei, ich erinnere mich noch an die Hoch-Zeit der Street magicians, welche in den Nullerjahren wiederholt Objekte des Spottes wurden. Ein virales Videos aus der Zeit, bevor man überhaupt von "viralen Videos" sprach, war eine Parodie auf Blaine und seine Straßentricks, in dem dessen mannerisms sehr treffend und erheiternd aufs Korn genommen wurden. (Ha, ich habe das Video direkt auf YouTube wiedergefunden, wobei es auch noch auf "eBaum's World" [!] vorhanden ist.) Und was haben wir nicht gelacht, als "Triumph the Insult Comic Dog" den legendären Kopfüberhänge-Stunt gestört hat ...

Auch wenn David Blaine bei seinen Nummern gelegentlich zur smugness neigt, ist er mir (im Gegensatz zu Criss Angel) sympathisch, mehr noch nach dem Lesen seiner Autobiographie. Und damit komme ich zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte. In einem ganzen Kapitel erzählt Blaine seine houdinieske Lebendig-begraben-Nummer aus dem Jahr 1999 nach. Zweierlei ließ mich dabei kurz zusammenzucken: 1.) Die "Begräbnisstätte" für den Plexiglas-Sarg befand sich auf dem Areal des "Trump Place", bereitgestellt von Donald Trump persönlich, der den Apartmentkomplex in Manhattan gerade erst eröffnet hatte. 2.) Angeblich soll sich unter die schaulustigen Zeugen des Stunts inkognito Michael Jackson gemischt haben. YIKES!

Dienstag, 20. Juli 2021

Wie heeßt'n ditte?

Heute hat das Humboldt-Forum in Berlin seine Pforten geöffnet (Eigenschreibweise: ohne Bindestrich). Da das Vorgängergebäude des es beheimatenden Stadtschlosses, der Palast der Republik, im Volksmund "Erichs Lampenladen" genannt wurde, frage ich mich, wie lange es dauert, bis sich auch für das Schloss ein Berolinismus etabliert hat. Ich erwarte einen Spitznamen mindestens auf dem Niveau von "Spree-Scheißhaus" oder etwas ähnlich Ordinäres.

Da auch der junge Hauptstadtflughafen BER noch keine Bezeichnung in "Berliner Schnauze" hat, stelle ich folgende Vorschläge für eine solche zur Diskussion:

  • Die prassende Berta 
  • Wowis Bomberparkplatz 
  • Terminal Teuro 
  • Kaufhaus des Kostens 
  • La Guardia Buletta 
  • Die Wüste Willy 
  • Dröhnendes Spargelfeld

Sonntag, 18. Juli 2021

Oui, je regrette quelque chose

Die Zeiten sind schlimm. Wir befinden uns ganz sicher nicht in der besten aller möglichen Welten. Leibniz hatte unrecht. Der Untergang unseres (derzeitigen) Heimatplaneten ist ununmkehrbar, und sollte die Menschheit in ein paar Jahrzehnten nicht durch Naturgewalten, Krieg oder mutierte Sars-Stämme an den Rand der Existenz gedrängt worden sein, so wird sich eine Katastrophe darum kümmern, die wir jetzt noch gar nicht auf dem Schirm haben. Wenn es einem gegeben ist, diese kommenden paar Jahrzehnte mitzuerleben (so wie ich hoffentlich), kann man sich eigentlich nur mit dem Fakt trösten, dass uns dabei ganz gute Unterhaltungsmedien zur Verfügung stehen. Und mir persönlich, das muss ich halt unumwunden zugeben, war bisher auch die ein oder andere glückliche Fügung vergönnt. Wenn ich in munterer Abwechslung die fünf Kübler-Ross'schen Verarbeitungsphasen durchlebe, tue ich das in Hinblick auf das globale Schicksal und weniger auf meine Biographie, und gleichwohl ich mich hin und wieder eingedenk vergangener Tiefschläge in Selbstmitleid suhle, halte ich mir stets vor Augen, dass 90 % der Erdenbürger schlechter dastehen (werden) als ich. Vor allem ist meine Devise: Selbstmitleid ist erlaubt, aber Reue ist fehl am Platz. Alles, was in meinen bald 40 Lenzen nicht ganz einwandfrei gelaufen ist, ergab sich aus Zufällen und Verwicklungen, die außerhalb meiner Gewalt lagen. Höhere Mächte waren schuld! Ich habe mir nichts vorzuwerfen, jede meiner Entscheidungen habe ich weise und gründlich abgewogen. Würfe man mich in die Vergangenheit zurück, ich täte kaum was ändern. Oder doch? Über diese Frage habe ich sehr lange sehr intensiv nachgedacht, und ja: Es gibt tatsächlich Dinge, die ich bereue. Drei, um genau zu sein. Dreimal bin ich falsch abgebogen, dreimal hätte ich mich im Nachhinein zu gern anders entschieden. Diese drei Dinge habe ich – für mich, für alle – aufgeschrieben. *tief durchatm*

1.) Im Jahr 2009 hätte ich mir in Ägypten einen Anzug maßschneidern lassen sollen. Meine Mitreisenden und ich waren im Rahmen einer jener typischen "Sightseeing"-Touren, bei denen immer der Besuch eines Werksverkaufs oder einer Schaumanufaktur ansteht, in einem Textilbetrieb abgeladen worden. Für nur circa 100 Euro hätten wir uns aus feinstem Stoff einen modischen Zweireiher anfertigen lassen können, aber in einer Mischung aus Genervtheit und Kursichtigkeit verzichteten wir. Dabei hatte einer aus unserer Gruppe (er absolvierte gerade ein Praktikum in Assuan) sich zuvor tatsächlich einen Maßanzug machen lassen; er warb mit Nachdruck dafür und zeigte uns das elegante und qualitiv hochwertige Stück später. Ich muss offenlegen, dass dies für mich sogar die zweite derartige Gelegenheit war! Im Vorjahr war ich in Indien gewesen und hätte mir dort ebenfalls für keine 100 Euro einen Anzug schneidern lassen können. Aber zum einen wäre sich das zeitlich nicht ganz ausgegangen, zum anderen hatte ich da noch weniger Interesse, mich chic zu kleiden. Für dieses zweimalige Ignorieren eines göttlichen Fingerzeigs wurde ich bestraft: Seitdem war jeder Anzugkauf eine Strapaze, denn ich bin, medizinisch gesprochen, eine sog. Bohnenstange, der kaum etwas aus dem Sortiment von Galeria Kaufhof & Co. passt.

2.) Vor der Pandemie wurde die Buchmesse erst durch die unzähligen Partys zum Hochfest im Frankfurter Kirchenjahr. Kein Verlag, kein Medium ließ es sich nehmen, an einem Abend der Woche zu übertriebenen Fress- und sonstigen Orgien zu laden. Zwei- oder dreimal hatte ich die Ehre, Teil des besonders pompösen FAZ-Empfangs zu sein. Auf einer dieser Feiern – ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr – blieb ich unvernünftig lange, ich hatte mich festgetrunken und konnte mich erst weit nach 3 Uhr zu einem polnischen/irischen Abgang aufraffen. Als ich die für das Event angemietete Luxusvilla verließ, passierte ich den Einlass-Stehtisch, welcher zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bewacht wurde. Darauf lag: die Gästeliste, und zwar nicht nur eine Liste von Namen, sondern ein Index aller Geladenen mit Telefonnummern und E-Mail-Adressen! Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass die FAZ sich in Sachen Networking und Prominenz-Kontakten nicht lumpen lässt. Auf der Liste standen schil-lern-de Persönlichkeiten, einige hatte ich vorher gesehen; ich rede hier von VIPs mit Bekanntheitsgraden von bis zu 100 Prozent (hierzulande). Doch anstatt die unbezahlbaren A4-Blätter einzustecken, ließ ich Ochsenkopf sie liegen und wankte von dannen. Nun gut, mag man einwenden, was kann man mit so einer Liste schon anstellen abgesehen von Belästigung und Erpressung? Ach, mir wär' bestimmt was eingefallen!

3.) Auf einem Flug von Italien nach Deutschland oder umgekehrt saß ich wenige Reihen hinter der unerträglichsten, selbstgerechtesten und garstigsten Person, die man sich vorstellen kann. Diese Frau, eine Mutter Mitte bis Ende 30, konnte nicht anders, als die restlichen Passagiere unentwegt mit ihrem so hässlichen wie substanzlosen Geschnatter zu "unterhalten". Wirklich jede Hirnregung musste sie verbalisieren, während ihr Partner die ganze Zeit passiv und schweigend mit sich selbst beschäftigt war, was mich nicht minder aufregte. Ein Beispiel, das bis heute hängen geblieben ist: Nachdem sich die Familie platziert hatte, wollte die Frau noch etwas aus dem gerade erst im Overhead-Compartment verstauten Handgepäck holen, was freilich lauthals angekündigt wurde. Weil mehrere Einsteigende es wagten, ihren Sitz noch nicht erreicht zu haben, blaffte die Ekelhafte nun: "Jaaaa, lassen wir erst mal die ganzen Schwachmaten hier vorbei!" Am liebsten hätte ich mich erhoben und geschrien: "Mein Gott, können Sie eventuell einen einzigen Ihrer unnützen Schrottgedanken für sich behalten?! Ich wünschte, wir würden abstürzen, nur damit sich niemand mehr mit Ihnen herumzuplagen hat!" Freilich hielt ich mich in Zaum, wollte ich doch nicht enden wie Adam Sandler zu Beginn des Films "Die Wutprobe". Ich hielt mich zurück und ließ das zwei Stunden anhaltende Geblubber und Gespeibe über mich ergehen. Nach der Landung, beim Verlassen des Flughafens, lief ich zufällig an ebenjener dreiköpfigen Familie vorbei. Sie war damit beschäftigt, ihr Mitnahmegepäck neu zu sortieren oder was, jedenfalls stand ein Rollkoffer hochkant in der Gegend rum. Wie in Trance bewegte ich mich auf das Gepäckstück zu, kam ihm gefährlich nah und war kurz davor, es mit einem beherzten Tritt umzustoßen ... Ich beherrschte mich, stellte mir aber im selben Moment vor, welche Möglichkeiten der Sabotage es noch geben könnte. Sollte ich mir ein klebriges Kaltgetränk besorgen und es "aus Versehen" über dem Koffer entleeren? Sollte ich einen Kaugummi in die Bagage kleben? Oder, viel naheliegender, mich direkt an der Haupttäterin rächen, sie schubsen, ihr eine Pizzazunge auf die Frisur klatschen, sie für ein ausgedachtes Drogendelikt beim Zoll anschwärzen? Heute denke ich, mit einem Milchshake zu stolpern und die Garderobe der Teufelin zu ruinieren, wäre das Richtige gewesen. Oh, hätte ich bloß!

Tja, und deswegen liege ich manchmal nachts wach und ärgere mich.

Donnerstag, 15. Juli 2021

Wer war Karl Wallenda?

Wie viele Menschen es wohl gab, die in Magdeburg geboren und in San Juan auf Puerto Rico gestorben sind? Vermutlich mehr als solche, die im thüringischen Schlotheim (dessen Wappen ein Pentagramm ziert!) geboren und in Santa Tecla (El Salvador) gestorben sind. Letzteres kann zumindest der Geist von Carlos Hartling (1869-1920), dem Komponisten der honduranischen Nationalhymne, von sich behaupten. Ersteres wiederum trifft auf Karl Wallenda zu, der 1905 geboren wurde, 1928 nach New York auswanderte, in Amerika als Zirkusartist ("The Great Wallenda") berühmt wurde und 1978 standesgemäß bei einer missglückten Hochseilnummer ums Leben kam. Dieser Absturz in Puerto Ricos Hauptstadt war der fünfte derartige Todesfall innerhalb der Zirkusfamilie Wallenda, deren Karriere übrigens mit Lloyd Bridges verfilmt wurde und die bis heute aktiv ist: Karls Urenkel Nik ist ebenfalls ein in den USA gefeierter (und auch dort geborener) Daredevil.

Mich interessiert Zirkus generell herzlich wenig, und Akrobatiknummern – zumal wie bei den Wallendas ohne Netz und doppelten Boden – kann ich mir gar nicht angucken, aber die goldene Ära der Manegenstars mit ihren markant gestalteten Plakaten und tollen Namen à la "Der Große Sowieso" wecken in mir eine ähnliche Faszination wie das Alte Hollywood. Im Taschen-Verlag ist ein großartiger Bildband "The Circus. 1870s-1950s" erschienen, den ich soeben auf meine Amazon-Wunschliste gesetzt habe. Außergewöhnliche Lebenswege wie der des Karl Wallenda beeindrucken mich sowieso. Mehr über sein Schaffen erfährt man in der deutschsprachigen Wikipedia, die englische hat Erwähnungen der "Flying Wallendas" in der Popkultur sowie einen Stammbaum.

Dienstag, 13. Juli 2021

Von Kaffee und Kommissaren

Nachdem ich vor ein paar Monaten über Fernsehklischees mit Tee nachgedacht habe, ist es heute an der Zeit, über Kaffee zu sprechen. In fast jeder Folge des "Tatort" gibt es eine Szene, in der dem/der/den Ermittelnden bei einer Befragung im Hause oder auf der Arbeitsstelle eines Zeugen Kaffee angeboten wird. Und jedes Mal lehnt der oder die Kommissar/in entweder das Angebot ab oder nimmt es an, ohne den Kaffee jedoch auszutrinken. Wirklich, immer! (Ob das in anderen deutschen Krimis auch so ist, weiß ich nicht, da ich außer den "Tatort" keine kenne.) Ich würde mir eine Szene wünschen, die so geht: Die Vernehmung ist zu Ende, doch der Kommissar hat den von der Zeugin angebotenen Kaffee noch nicht ausgetrunken. "Ich habe keine weiteren Fragen", sagt er, "aber ich trinke den Kaffee noch aus, wenn's recht ist." - "Ja, gerne." [mehrminütiges Schweigen, Trinken]

Notiz an mich selbst: Künftig drauf achten, ob in britischen Filmen und Serien die obligatorische Teetasse stets geleert wird!

Apropos Vernehmung! Auch so ein Klischee in allen möglichen Detective-Shows, unabhängig vom Herkunftsland: Die ermittelnde Person sucht zwecks Befragung jemanden in dessen Geschäft / gastronomischem Betrieb / Dienstleistungsunternehmen auf. Dieser Jemand ruft nun zuverlässig beim Eintreten des/der Kommissars/Kommissarin, ohne sich umzudrehen: "Wir haben geschlossen!" Nie, nie, nie würde die Konditorin / der Surfbrettverleiher / die Reitlehrerin von ihrer oder seiner Arbeit ablassen, sich in Richtung des Schnüfflers drehen und sagen: "Guten Abend, was kann ich für Sie tun?" Immer heißt es "Wir haben geschlossen!", und der Kriminalist muss sich erst mit "Ich bin nicht hier, um mir ein Tattoo stechen zu lassen" o.s.ä. erklären. Eine Unsitte von Filmfiguren ist es auch, unentwegt und unbeeindruckt mit ihrer Haus- oder sonstigen Arbeit fortzufahren, während sie befragt werden. Als Polizist würde ich mir das verbitten. "Sie legen jetzt sofort das Laminiergerät hin und konzentrieren sich auf meine Fragen!", würde ich fordern. Dem Realismus und der Atmosphäre einer Serie oder eines Films täte eine gesetzte, verdichtete Verhörsituation ohne Hintergrundgewusel bestimmt gut. Oder würde sich das heutige Publikum dabei langweilen?

Sonntag, 11. Juli 2021

Falsch, falsch, dreimal falsch

Nach langem Abwägen, gründlichem Nachdenken und aufmerksamem Studieren bin ich zu dem Schluss gekommen, dass folgende Falschschreibungen die drei häufigsten der deutschen Sprache sind:

  • Fussball (statt Fußball)
  • Millenial (statt Millennial)
  • Altmeier (statt Altmaier, Nachname des amtierenden Bundeswirtschaftsministers)
Die Häufigkeit, die ich meine, ist dabei sowohl eine gefühlte als auch eine absolute. Ich könnte mir vorstellen, dass zum Beispiel Spontaneität und Simultaneität relativ betrachtet viel häufiger falsch geschrieben werden, nämlich als "Spontanität" und "Simultanität" ... wobei ich gerade sehe, dass der Duden beide Schreibweisen erlaubt; well, I'll be a son of a gun! Okay, anderes Beispiel: Galerie wird vermutlich – wegen des kurzen a und unter Einfluss des Englischen – verhältnismäßig oft mit zwei l geschrieben. Dennoch taucht das Wort in Alltagstexten bei weitem nicht so oft auf wie Fußball. Zugegeben, über Millennials dürfte insgesamt weniger geschrieben werden als über Galerien, aber wie gesagt: Meine subjektive Wahrnehmung ist, dass diese Menschengruppe im Diskurs der letzten Jahre eine gewichtige Rolle eingenommen hat, und sehr, sehr oft wurde und wird dabei ein n unterschlagen, obwohl das bei der Ableitungsbasis Millennium und bei stammverwandten Wörtern wie Biennale kaum passiert.

Erklärungen sind ohnehin schwierig, und ich will auch gar nicht versuchen, welche zu liefern. Lediglich im Fall "Altmeier", der mir tatsächlich der am häufigsten inkorrekt gedruckte Politikername zu sein scheint, kann ich immerhin spekulieren. Es gab mal einen Politiker, der Peter Altmeier hieß. Der war als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident gar nicht mal unbedeutend, in Koblenz steht ein Denkmal für ihn in Form eines riesigen Sandsteinstuhls. Nun kann es sein, dass hin und wieder Schreibende, die sich nicht sicher sind, nach "peter altmeier politiker" googeln, dann auf ebenjenen Altmeier stoßen und ohne genau hinzugucken denken 'Ah ja, hatte ich es mir also richtig gemerkt: mit e."


Freitag, 9. Juli 2021

Albernes zum Wochenschluss

- Hast du eigentlich was gegen Bergweidewirtschaft?
- Nein, ganz und gar nicht. Ich akzeptiere sie. Nicht umsonst nennt man mich den

Mittwoch, 7. Juli 2021

Humorperlen aus dem Abreißkalender (82)


Ein weiterer Vertreter der seltenen Kategorie "Halb Witz, halb Cartoon"! Wobei hier die Zeichnung gar keinen Mehrwert hat, man hätte die "Pointe" genauso gut in Textform präsentieren können.

Montag, 5. Juli 2021

Meine Bubble

Neulich nahm ich beim Geschirrspülen einen Kaffeepott aus dem Wasserbad, und auf seiner offenen Seite hatte sich eine prächtige Seifenblase gebildet. 'Schade, dass ich sie gleich mit einem Besteckteil zum Platzen bringe', dachte ich. Ich nutze beim Abwaschen nämlich immer eine Kaffeetasse als Sammelstelle für das gesäuberte Besteck. Doch als ich das erste Stück in den Pott stecke, passierte ... nichts. Die Blase blieb intakt. Auch noch, als ich weitere Gabeln, Messer, und Löffel durch sie hindurch stach, blieb sie unbeeindruckt und unversehrt. Dieses Wunder musste ich mit der Handykamera festhalten.


Auf dem Foto zu sehen ist übrigens auch ein Trinkhalm, genauer: mein Trinkhalm. Ganz recht, ich besitze nur einen einzigen, den ich seit Jahren wiederverwende, sparsam und umweltbewusst, wie ich bin. Seit dem 3. Juli sind in der EU Plastikstrohhalme verboten. Wenn mein Exemplar irgendwann ein Loch kriegt – also, es hat ja schon zwei Löcher, aber ich meine ein Loch dort, wo keins sein soll –, kann ich es wegwerfen und werde womöglich sehr viel Aufwand betreiben, um Ersatz zu beschaffen (Amazon-Bestellung aus China).

Jedenfalls ist die Seifenblase wenige Sekunden nach der Aufnahme geplatzt.

Samstag, 3. Juli 2021

Der Kreuzwortärger geht weiter

Jetzt drehen sie beim Stern-TV-Magazin völlig durch! Schlimm genug, dass das Kreuzworträtsel dort immer noch auf lediglich einer halben Seite erscheint; schlimmer, dass das neueste Rätsel mit dem der Vorwoche identisch ist!


Meine Formulierung mit dem "durchdrehen" war natürlich unfair überspitzt. Ich bin mir sicher, dass es sich um einen einmaligen technischen Fehler handelte. Zudem hatte ich den fälligen Déjà-vu-Moment erst, als ich bereits ein gutes Viertel ausgefüllt hatte. Zu Ende gemacht habe ich's dann trotzdem. Wie man sieht, waren meine Wissenslücken von einer auf die andere Woche nicht aufgefüllt worden, und ich werde abermals ein paar Tage warten müssen, bis ich weiß, wie die griechische Bergnymphe heißt (mein Tipp: Oreide) und das Laichkraut und der Schachausdruck.
 

Donnerstag, 1. Juli 2021

Serientagebuch 06/21

02.06. Manifest 3.08
03.06. Derek 2.01
The Mosquito Coast 1.04
American Gods 2.01
05.06. Cruel Summer 1.08
The Mosquito Coast 1.05
06.06. Manifest 3.09
Disenchantment 1.08
07.06. Derek 2.02
Derek 2.03
08.06. Maniac 1.06
American Gods 2.02
10.06. Derek 2.04
The Mosquito Coast 1.06
Manifest 3.10
13.06. Master of None 1.01
Master of None 1.02
16.06. Derek 2.05
Line of Duty 5.01
17.06. Manifest 3.11
The Mosquito Coast 1.07
Line of Duty 5.02
18.06. Derek 2.06
Line of Duty 5.03
19.06. Cruel Summer 1.09
Cruel Summer 1.10
21.06. Manifest 3.12
American Gods 2.03
22.06. Line of Duty 5.04
Line of Duty 5.05
23.06. Maniac 1.07
Maniac 1.08
24.06. Manifest 3.13
Line of Duty 5.06
30.06. Disenchantment 1.09
American Gods 2.04

Ärgerlich ist's, wenn eine Mysteryserie vor der großen Auflösung endet, weil sie – womöglich nach einem Staffelfinale mit mehreren Cliffhangern! – abgesetzt wird. Nun hat Manifest freilich nie die Qualität, die Komplexität und den Möhre-vor-der-Nase-Faktor eines "Lost" erreicht, dennoch hätte ich gerne gewusst, wohin die flott inszenierte Schnitzeljagd um das Flugzeugrätsel geführt hätte. Man konnte "Manifest" hervorragend weggucken, und immerhin war Robert Zemeckis als Ausführender Produzent mit an Bord (hehe). In einer vierten, meinetwegen verkürzten, Staffel könnte man die losen Fäden geschickt zusammenführen, allein es müsste sich ein Sender oder ein Streamingservice dafür finden. Diesbezügliche Gespräche laufen.
Wenn The Mosquito Coast nicht verlängert worden wäre, wäre ich nicht sauer, denn die sieben Folgen der ersten Staffel sind auf befriedigende Weise in sich geschlossen. Doch eine Fortsetzung wurde kürzlich bekannt gegeben, und das freut mich ungemein. Eine solch mitreißende, straight forwarde Abenteuerserie, wo die Protagonisten vor einer Bedrohung nach der anderen flüchten, habe ich lange nicht gesehen; sehr erfrischend! Ein Quentchen Geheimniskrämerei gibt es dabei trotzdem. Außerdem hat Hauptdarsteller Justin Theroux, dessen Onkel übrigens die Romanvorlage geschrieben hat, seit "The Leftovers" einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.
Freude hatte ich auch an Cruel Summer, wobei "Freude" ein schlecht gewähltes Wort ist angesichts der doch sehr bedrückenden Sujets wie Entführung, Grooming und zerbrechende Freundschaften. Einige Szenen sind wirklich schwer verdaulich, trotzdem bemüht man sich um eine behutsame und weniger reißerische Darstellung der genannten Themen, wobei ich nicht glaube, dass pseudo-viktimologische Modewörter wie safe space und survivor in den Neunzigern bereits allgemeinsprachlich gebraucht wurden. Ganz recht, "Cruel Summer" spielt in den 1990ern, genauer in den Sommern der Jahre 1993, 1994 und 1995. Damit man weiß, in welchem Teil der hin und her springenden Handlung man sich gerade befindet, wird für jedes Jahr ein anderer Farbfilter verwendet und die Protagonist(inn)en tragen andere Frisuren. Das ist ein wenig in your face. Überhaupt nicht in your face sind die Popkulturverweise, im Gegenteil sind etwaige Referenzen, die "Hey, remember the nineties???" schreien, angenehm sparsam eingesetzt. (Lustige Ausnahme: Der von Harley Quinn Smith, Kevin Smiths Tochter, gespielte Charakter besteht in einer Folge darauf, den Film "Clerks" anzuschauen.) Positiv hervorzuheben ist auch der Fakt, dass der Zehnteiler, obwohl im Teenagermilieu angesiedelt, so gut wie nie in der Schule spielt. Ich hasse amerikanische Highschools und ertrage Einblicke in diesen entsetzlichen Mikrokosmos nicht mehr. Zum Glück sind Sommerferien!
Die fünfte Staffel der besten britischen Polizeiserie überhaupt, Line of Duty, hätte ich am liebsten in einem Rutsch konsumiert, aber ich konnte mich zusammenreißen und die knapp sechs Stunden auf fünf Tage verteilen. Man muss wieder höllisch aufpassen, um all den Verschwörungen, Verdachtsmomenten und Ermittlungsmanövern folgen zu können. Nach den üblichen Wow!-Wendungen und einigen Actioneinlagen besinnt sich die letzte Episode wieder auf die Ur-Stärke von "Line of Duty" und zeigt fast ausschließlich Verhöre und Befragungen, die einmal mehr zeigen, wie viel Hochspannung man allein aus Dialogen herausholen kann. Ganz stark! Season 6 ist bereits gelaufen und hoffentlich bald auf deutsch verfügbar. (Obwohl ich gerne britisches Englisch höre, fürchte ich, der Originalfassung bei all dem Strafverfolgungsvokabular nicht folgen zu können.)
Zuletzt etwas zum Lachen, und wir bleiben in Großbritannien. Derek (2012-2014) gilt vielen als Ricky Gervais' absoluter Tiefpunkt. Sprechen wir direkt den Elefanten im Raum an, das problematische Element: Gervais spielt in dieser Mockumentary einen geistig leicht Behinderten. Ja. Puh. Die Sache ist die: Ich lache darüber auf einer Metaebene, ich lache nicht über mentally challenged persons, sondern wegen der Vorstellung, wie sich da ein erwachsener, mehrfach BAFTA-prämierter Mensch auf Kommando die Haare zerstrubbelt, einen Buckel macht, durch die Gegend trippelt und in erratischem Englisch seine kindlichen Ansichten herunterstottert. Und selbst wenn man mit Gervais' Werk und seiner manchmal allzu penetranten Lust an der Provokation um der Provokation willen nicht vertraut ist, merkt man beizeiten, dass die "specialness" der Figur Derek nie das Objekt des Humors ist. Die konkreten Witze ergeben sich entweder aus den Spleens der Nebenfiguren (wie immer der Perverse vom Dienst: David Earl) oder aus der Situationskomik. Ich stimme dem Kritiker der Radio Times, zitiert nach Wikipedia, zu: "[Derek] wird unzynisch präsentiert als ein Held, welcher in Gervais’ Worten, `besser als wir´ ist, da es ihm an Ego und Hinterlist mangelt und er lediglich nett sein will. Diejenigen, die einen Angriff durch Gervais’ Darstellung von Derek finden wollen, müssen sehr suchen." Dass der Altenheimmitarbeiter Derek als Sympathieträger aufgebaut wird und oft genug die Stimme der Vernunft ist, mag ein Taschenspielertrick von Autor und Regisseur Gervais sein, um seine öffentliche persona zu exkulpieren – ein Verdacht, der sich später auch bei "After Life" aufdrängt (darüber habe ich in der Titanic-Humorkritk 06/20 ein paar Zeilen geschrieben) –, und dass der Mann sich auch noch explizit zum Atheismus bekennen muss: uff; dennoch nehme ich sowohl Derek als auch seinem Darsteller eine Grundwärme des Herzens ab. Mehr als einmal kann man in den zwei Staffeln zudem ein Tränchen verdrücken.