Mittwoch, 21. November 2018

Aus der Mitte entspringt ein Land

Nachdem ich bereits vor einer Weile im Rahmen der Ausführungen zu dem kuriosen Streit um die Insel Hans den Begriff des Kondominiums eingeführt habe, möchte ich heute ein solches vorstellen, und zwar eines, das sich mitten in Europa befindet. Es handelt sich nicht um Andorra; das Kofürstentum Andorra war zwar nach allgemeiner Auffassung bis 1993 ein solches, seit der Verfassungsänderung gilt es aber lediglich als souveräner Staat mit zwei (fremdländischen!) Staatsoberhäuptern, nämlich dem Bischoff von Urgell (Spanien) und dem Präsidenten Frankreichs (in Nachfolge des Grafen von Foix).

Die Rede ist vom gemeinschaftlichen deutsch-luxemburgischen Hoheitsgebiet. Dieses umfasst im Wesentlichen die ca. 128 km lange Gewässergrenze zwischen Deutschland und Luxemburg, welche aus der Our, der Sauer und der Mosel besteht, wobei erstere in zweitere und zweitere in drittere mündet. Das heißt in der Theorie: Fahre ich beispielsweise auf der Höhe Perl (Saarland) mit einem Floß über die (bis zu >100 Meter breite) Mosel, befinde ich mich, wenn ich vom deutschen Ufer losgefahren bin, solange in Deutschland, bis ich das luxemburgische Ufer erreicht habe, und umgekehrt. Die Grenze dieses Gebiets ist dabei nicht einfach "das Ufer", sondern streng definiert als "Schnittlinie der Wasseroberfläche mit der Landoberfläche, die sich bei Mittelwasserstand frei fließend, in Staubereichen durch den hydrodynamischen Stauspiegel bildet".

Die Zone, über welche die beiden Nachbarländer gemeinsam herrschen, beinhaltet auch explizit den Luftraum oberhalb des Flusssystems sowie den Untergrund (Wortlaut im Vertrag von 1984: "die Luftsäule oberhalb sowie den Erdsockel unterhalb der Wasserfläche innerhalb seiner seitlichen Begrenzung"). Sie besteht übrigens – und jetzt wird's spannend – nicht nur aus den Grenzflüssen selbst: Von den 700,92 Hektar fallen 2,58 auf zwei kleine namenlose Inseln in der Sauer und in der Mosel; auf der Nordhälfte der Moselinsel liegt sogar ein halber Hektar Wald. Und dann gibt es natürlich noch Brücken, nicht weniger als 29, davon eine Eisenbahnbrücke und 21 für Kraftfahrzeuge. Die letzte, für Fußgänger und Radfahrer, wurde erst kürzlich bei Ralingen-Wintersdorf errichtet. Bau-, Sanierungs- und Unterhaltskosten für alle Brückenabschnitte, die im Kondominium liegen, stemmen die Bundesrepublik und das Großherzogtum zu je 50 Prozent. "Die Moselschleusen Grevenmacher und Stadtbredimus sind explizit vom Kondominium ausgenommen." (Wikipedia)

Eine weitere Besonderheit ist, dass das gesamte deutsch-luxemburgische Territorium ein gemeindefreies Gebiet darstellt. Was es mit dieser verwaltungsrechtlichen Sonderform auf sich hat, erkläre ich in einem separaten Beitrag.

Montag, 19. November 2018

Just dough it

Über die Berliner Bar, die rohen Keksteig (minus die Eier) als quasi Speiseeis-Alternative feilbietet, wurde bereits genug geschrieben, weswegen ich mich im Folgenden einigermaßen kurz fasse. Keksteig naschen ohne das lästige Backprozedere davor, das klingt erst mal nach dem ultimativen Kindheitstraum. Und natürlich wollte ich mir diesen Traum erfüllen, seit ich zum ersten Mal von jenem "Café" (es ist ein wirklich sehr kleines Geschäft mit gerade mal vier Sitzplätzen am Rand) las. Letztes Wochenende habe ich ihn mir nun erfüllt.

Aus den acht verschienden Sorten wählte ich "Caramel Overload" und "Brownie Peanut Crunch". Letztere war sogar vegan, was man an der fehlenden Butterigkeit durchaus schmeckte. Auf Toppings verzichtete ich, obwohl diese zum Teil auch sehr verlockend klangen (Streuselteigstückchen, Butterscotch-Soße). Das war weise. Noch weiser wäre es gewesen, sich auf eine einzige "Kugel" zu beschränken. Denn my-oh-my, hat man das Zeug schnell über! Nach dem Leeren meines Becherchens war ich jedenfalls nicht nur pappsatt, ich fühlte mich regelrecht mies und einfach nur voll. Unlecker sind die gut löffelbaren Massen keineswegs, aber das Gesamterlebnis tritt weit hinter der liebgewonnenen Erfahrung des Schüsselauskratzens zurück. "Das ist halt so eine Idee, die man spontan für genial hält, und dann setzt man es einfach um und es stellt sich heraus, dass es gar nicht sooo geil ist", fasste einer meiner Begleiter diese vermeintlich revolutionäre Süßspeisen-Innovation zusammen. Der Besucherflow scheint trotzdem konstant hoch zu bleiben. Man muss es eben einmal erlebt haben, werden sich die meisten sagen; dass sie wegen der Ernüchterung bzw. der sich einstellenden Selbsthassanfälle kein zweites Mal kommen, tut dem Erfolg keinen Abbruch. In einer Stadt wie Berlin hält genug auswärtige Laufkundschaft den Laden am Brummen. Zumal es zusätzlich eine Filiale in Stuttgart gibt und der Keksteig neuerdings auch für Zuhause erworben werden kann, sogar in ausgewählten Supermarktketten – wohlgemerkt nicht fertig, sondern als Mischung zum Selberanrühren ("Margarine oder Butter mit etwas Wasser oder Milch zur Cookie-Mischung geben und im Handumdrehen ist das cremig-köstliche Teigvergnügen fertig!"). Das werde ich aber nicht auch noch testen. Da kann man doch gleich richtig backen!

Mittwoch, 14. November 2018

Kurz verlinkt: Schuss-Wortwahl

Das BildBlog nimmt sich des Themas "deutschsprachige Berichterstattung bei schusswaffenbasierten Verbrechen in Amerika" an und kritisiert dabei vor allem die Übersetzung von shooting mit "Schießerei", die fast immer ungenau und meistens voreilig ist. Anlass ist der Massenmord von Thousand Oaks. Solange die Situation unklar ist, mag es sich anbieten, lediglich von "Schüssen" zu sprechen, da hier sowohl offen ist, wie viele Menschen geschossen haben als auch, ob jemand getroffen worden ist.
Mein Fazit: Solange wir nicht das englische Wort shooting samt seinem Bedeutungsspektrum entlehnen, bleibt die Situation kompliziert.

(Dies ist ein Update zu "Den Schuss nicht gehört".)

Dienstag, 13. November 2018

Wie seed das denn aus?!


Wenn ich so etwas im Regal eines Supermarktes (in diesem Fall: Tegut) stehen sehe, kann ich einfach nicht vorbeilaufen, ohne es mitzunehmen! Und 1,95 € zahle ich natürlich gern für ein Getränk, in dem etwas schwimmt, das aussieht wie Chiasamen. Es handelt sich allerdings um Basilikumsamen, basil seeds, und die werden auf einschlägigen Blogs bereits als "die neuen Chiasamen" gehandelt. Supergesund sollen sie sein und ein ähnliches Quellvermögen wie jene aufweisen, weshalb sie nicht nur ähnlich ausschauen, sondern auch vom Mundgefühl her nicht von Chia zu unterscheiden sind. 

Abgesehen von Basilikum, der in seiner Samenform übrigens nicht im Geringsten wie Basilikum schmeckt, steckt in dieser 290-ml-Flasche: Honig (steht ja auch drauf: "Honey Drink"), Zucker, Wasser, Gellangummi (E418; "gilt als völlig harmlos", lebensmittel-warenkunde.de), Zitronen- und Ascorbinsäure. Der unter der Marke "American Drinks" vertriebene Drink ist süß. Sehr süß. So honig-zuckrig, dass er frappant an ostasiatische Dosengetränke erinnert. So verwundert es denn auch kaum, dass dieser "Saft", den es übrigens noch in der Variante "Ananas" gab, in Vietnam hergestellt wird. Ordentlich gekühlt lässt er sich gut wegschlürfen. Leider kann ich unterm Strich nur 6/10 Punkten vergeben. Einen Punkt muss ich abziehen, weil die Flasche mit einem eigenartigen Kronkorkenmechanismus gesichert ist, von welchem mir beim Versuch, sie zu öffnen, die Lasche abriss und -- ach, es war eine Schinderei sondergleichen!


Dienstag, 6. November 2018

YFood – Why?

Einmal mehr begab es sich, dass in einem Supermarkt etwas rumstand, das ich noch nicht kannte und das darum sofort von mir gekauft werden musste.


"This is Food" aus dem Hause YFood (München) behauptet von sich nicht nur, Nahrung (wörtlich: eine "ausgewogene Trinkmahlzeit") zu sein, sondern preist sich gar als "Ernährung der neuen Generation" an. Erhältlich war es bei Rewe in 500-ml-Flaschen zu je 2,69 € und in den Sorten "Alpine Chocolate", "Fresh Berry" und "Smooth Vanilla". Ich entschied mich für letztere. Der Geschmack ist tatsächlich vanillern, die Konsistenz liegt irgendwo zwischen Milch und Shake. Ein ganz leicht pulverig-sandiges Mundgefühl stellt sich ein, alles schreit geradezu "Vollwert-Fitness-Protein-Drink". Insgesamt aber durchaus genießbar. 
Nun die entscheidende Frage: Ersetzt der Flüssigmisch tatsächlich ein vollwertiges Essen? Laut Verpackungsaufdruck deckt der Inhalt 25% des Tagesbedarfs an Energie, 31% an Fett, 67% an Eiweiß. In absoluter Zahl sind es exakt 500 Kilokalorien, die man sich in den Korpus schüttet. Man sollte mithin für ein paar Stunden gut gesättigt sein, right? Weit gefehlt! Offensichtlich sind 500 kCal für mich entschieden zu wenig, denn bereits um 15 Uhr – zwei Stunden nach Einnahme des Getränks – hatte ich schon wieder Hunger und musste mir im hervorragenden, nahe meinem Arbeitsplatz gelegenen Laden "Wurst - Backwaren - Milch" ("WuBaMi") ein Schälchen Nudelsalat holen.
Ungesund ist "This is Food" keineswegs. Neben allerlei Vitaminen enthält das (glutenfreie) Produkt eine ordentliche Schippe an Mineralien, darunter sogar Selen, Mangan und Molybdän! Die die Basis bildende Milch (Fettgehalt 1,5%) ist laktosefrei, zudem wird auf Zuckerzusatz verzichtet. Als Süßungsmittel kommen Acesulfam-K und Sucralose zum Einsatz, wobei die Mengenangaben fehlen – leider: Denn während Zweiteres einhellig als unbedenklich gilt, möchte ich von Ersterem ungern mehr als 15 mg konsumieren (Blogleser/innen wissen mehr).
Fazit: Als eine Art "mächtigeres" Dessert taugt dieser Trunk allemal. Eine der drei Hauptmahlzeiten des Tages damit zu ersetzen, kann ich mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen. Ich vergebe 5/10 Punkten.
Übrigens lädt das deutsche Start-up auf seiner Homepage "Influencer" dazu ein, es "zu unterstützen", also vermutlich, sich für ein paar Gratisflaschen YFood-verherrlichend auf Instagram zu inszenieren. Igitt.

Sonntag, 4. November 2018

2x13 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen

  • Geburtsvorgang beim Schaf: Lammen
  • Eckbronzen an alten Möbeln: Chute
  • Orgelregister: Jeu
  • gotisches Türmchen: Fiale
  • warmer Saharawind: Leste
  • Löcher in einer Eisdecke: Waken
  • livländischer Kümmellikör: Allasch
  • altes Rundholzmaß: Palm
  • Getreideschober: Seim
  • Paket aus Geldrollen: Grupp
  • Zielgerät: Diopter
  • Schiffsfracht: Fret
  • Dachform: Shed
  • europ. Affenart: Magot
  • osteurop. Gewicht (400 g): Funt
  • Giftpflanze: Germer
  • Stufe des alpinen Trias: Nor
  • eine Edelsteinfassung: Pave
  • heißer Saharawind: Harmattan
  • kleinasiat. Gebetsteppich: Melas
  • staatl. Dienstflagge (Auto): Stander
  • alte Kreidestufe (geolog.): Gault
  • sandalenartiger Schuh: Opanke
  • Abart des Quarzes: Mocha
  • Kirchenlesepult: Ambo
  • Feingehaltsstempel für Gold: Repunze

Freitag, 2. November 2018

RoSS-Post

Eine Premiere in meinem Spamordner: die erste Mail aus dem Südsudan (amtlich: Republic of South Sudan [RoSS])!


Nun gut, wie man unschwer erkennen kann, wurde die Nachricht von einer portugiesischen Adresse versendet. Trotzdem freue ich mich, mal was anderes als Werbung für Gartenschläuche und Antischnarchmittel vorzufinden.