Sonntag, 18. April 2021

Spieglein onlein an der Wand

"Spiegel online" (ja, ich unterscheide immer noch zwischen "Spiegel online" und der Printausgabe, auch wenn seit einer Weile beides unter der Dachmarke Spiegel zusammengefasst ist) teaserte neulich: "Sein Name ist unaussprechlich, die Klimawirkung tausendfach stärker als CO2". Und wie heißt der Stoff? Sulfurylfluorid. Ich habe es versucht, und mir ist die Aussprache auf Anhieb gelungen. 

Nun, man kann "Spon" gewiss Gewichtigeres vorwerfen als eine etwas dramatische Adjektivwahl. Hab ich in der Vergangenheit ja oft genug getan! Gehe ich meine Notizen rückwärts durch, fällt mir auf, dass ich früher viel mehr zu bekritteln hatte, schon in den Nullerjahren. Zwei einschlägige Posts aus meinem Ex-Blog:

[23.07.07]
Vergessen Sie alle Artikel, die Sie jemals auf "Spiegel online" gelesen haben - dieser hier stellt alle in den Schatten. Tipp für langweilige Montage im Büro: Wer schafft es, die meisten Zeilen zu lesen, ohne zu kotzen oder in die Tastatur zu beißen? Ich bin bis zur achten gekommen.

[13.08.08]
Wie sorgt man dafür, dass Klischees, Vorurteile und Allgemeinplätze, die längst aus der Mode gekommen sind, dennoch in der Mode bleiben? - Indem man immerfort darauf hinweist, dass sie aus der Mode gekommen sind. Beispiel: "Jetzt ist der Stuttgarter Abiturient Zivi in einer Jugendherberge. Und über 'Drückeberger' schimpft heute niemand mehr - das Klischee ist längst passé." - Na Gott sei Dank räumt "Spon" mal auf!
Ich erinnere mich auch noch an einen P.M.-Artikel des unsäglichen "Zukunftsforschers" Matthias Horx zum Thema Zukunft, in den ein Foto eingebettet war, das Heidi Klum und ihren Gatten Seal zeigte. Bildunterschrift: In ein paar Jahren werden solche Beziehungen nichts ungewöhnliches mehr sein. [...]

(Den letzten, nichts mit dem Spiegel zu tun habenden Absatz habe ich mit reinkopiert, weil M. Horx zuletzt wieder verstärkt durch die Medien gegeistert ist. Ab einem gewissen Bekanntheitsgrad bist du halt einfach eine "erste Adresse" für Prognosen einholende Redaktionen, auch wenn du über Jahrzehnte hinweg zuverlässig daneben gelegen hast.) Mittlerweile rege ich mich nur noch selten auf beim täglichen Durchscrollen, nachdem es eine Zeit gab (ich schätze, so 2016-19), wo ich hin und wieder "Ach komm, das ist mir zu doof" murmelnd den Browsertab schloss, noch bevor ich zum Kulturteil gekommen war.

Freitag, 16. April 2021

Albernes zum Wochenschluss

Programmhinweis 

Werte Fernsehzuschauer, die beliebte Sendung "Kochen mit Kot" (ZDF, Samstag 14.30) entfällt. Der Moderator der Show, Spitzenkoch Armin Kot, muss einen wichtigen Termin beim Standesamt wahrnehmen. Ab nächstem Samstag sehen Sie auf dem gewohnten Sendeplatz das bewährte Format unter dem neuen Titel: "Kochen mit Kotz".

(original geschrieben im Mai 2009)

Mittwoch, 14. April 2021

26 obskure Kreuzworträtsel-Lösungen für alle

  • lyrische Dichtform (Mz.): Gasele 
  • Kreppgewebe: Krepon 
  • Wagenplane: Plache 
  • Hochofenschacht: Gicht 
  • Trumpf im Tarockspiel: Pagat 
  • Bestandteil ätherischer Öle: Terpen 
  • kalte Quelle (unter 20°): Pege 
  • Keramiktopf für Käsefondue: Caquelon 
  • Flaumhaar des Embryos: Lanugo 
  • japan. Elfenbeindose: Inro 
  • niederl. Küstenschiff: Kag 
  • Schnur zum Zubinden: Nestel 
  • Steinkügelchen zum Spielen: Klicker 
  • ein Riedgras: Simse 
  • ein Antikörper: Lysin 
  • Altaraufsatz (franz.): Retabel 
  • Köder beim Hochseeangeln: Pilke 
  • eine Achtelnote: Fusa 
  • Meistersingerlied (Mz.): Bare 
  • Modenarr: Stutzer 
  • Moränenschutt: Tillit 
  • Bergwerksaktie: Kux 
  • Einbaum mit aufgesetzten Planken: Piroge 
  • Faden aus Naturseide: Trame 
  • erfolgreich handeln: gelingen 
  • Schutz vor Hundebissen: Maulkorb
Ihr werdet euch womöglich fragen, was an den letzten beiden Lösungen so obskur sein soll. Nun, es geht nicht um die Lösungswörter als solche, sondern um die Frage / die Definition, die mir in beiden Fällen missglückt scheint.
1.) gelingen ist, im Gegensatz zu handeln, ein impersonales Verb. "Ich gelinge" kann nicht nur nicht synonym zu "Ich handle erfolgreich" gebraucht werden, es ist schlicht eine unmögliche Konstruktion. Man kann so wenig gelingen, wie man missglücken kann.
2.) Wenn ein Maulkorb ein Schutz vor Hundebissen ist, dann ist Quarantäne ein "Schutz vor Ansteckung", ist ein Gefängnis ein "Schutz vor Verbrechen" und sind diese Raucher-Glaskästen im Flughafen ein "Schutz vor Lungenkrebs". Man probiere es aus: Ich bin mir sicher, ein Hund, der einen Maulkorb trägt, kann sehr wohl von anderen Hunden gebissen werden (oder von Menschen/Waranen). Eine bessere Definition wäre "Beißverhinderer" o.ä.

Montag, 12. April 2021

Man kann nicht gut kommunizieren

Als ich neulich wieder einmal grübelte, kam mir der Gedanke, dass ich wahrscheinlich sehr schlecht darin wäre, mich mit Amerikaner(inne)n zu unterhalten, einfach aus dem Grund, dass ich einige ihrer geläufigen Phrasen allzu wörtlich nehmen würde. Zum Beispiel würde ich auf "What did you say your name was?" erwidern: "I haven't told you my name yet." Oder auf "Why don't you take a seat?": "Because you didn't offer me one." Und auf "Do you mind"-Fragen würde ich immer "yes" antworten, wenn es mir was ausmachen würde, und "no", wenn nicht. Auch würde ich mich kaum zurückhalten können, wenn jemandem "irregardless" oder "I could care less" rausrutschte. 

Damit will ich nicht sagen, dass amerikanisches Englisch Sprechende ihre Sprache nicht beherrschen. Im Gegenteil: Sie tun das m.E. um ein Vielfaches besser, als Deutsche Deutsch beherrschen. Man vergleiche nur mal US-Podcasts, wo praktisch jeder Satz sitzt, mit deutschen Podcasts, wo restringierter Code und krudestes agrammatisches Gestammel vorherrschen und Kohärenz und Kohäsion fast komplett aufgegeben werden! Zudem ist man sich "dort drüben" der erwähnten Zweifelsfälle sehr wohl bewusst, was sich in zig Forenthreads zum "Do you mind"-Problem ebenso niederschlägt wie in humoristischer Verarbeitung in der Popkultur. Tatsächlich begegnete mir, kurz nachdem ich über all dies nachgedacht hatte, folgender Dialog in der Comedyserie "Angie Tribeca" (Episode 4x04):

- How old did you say this model was again?
- I didn't. 22. Now I have.

Haha! Man sieht: Gewisse Fälle von "Unlogik" und semantische Widersprüche werden durchaus erkannt. (Die gibt es übrigens auch im Deutschen, man denke an Sätze wie "Ich gehe nicht, bevor ich nicht gegessen habe", wo das zweite "nicht" streng genommen inkorrekt ist.) Sie können und sollten aber ignoriert werden, denn im Alltag weiß man in der Regel, was gemeint ist, und allein darauf kommt es an. Ich sozial inkompetenter Otto sollte mal lieber wieder meine Aufzeichnungen zur Einführung in die Pragmatik hervorkramen statt alles auf die Goldwaage zu legen. Andererseits ist es eh ausgeschlossen, dass ich in absehbarer Zeit mit Menschen aus den USA ins Gespräch komme.

Samstag, 10. April 2021

Precht'sches Theater

Ich habe eine Stelle aus dem Interview mit Richard David Precht im aktuellen Stern abgetippt:

Die Tuberkulose zum Beispiel gedieh dort, wo es eng und schmutzig war und wo Armut herrschte. Wenn der Staat nicht wollte, dass sehr große Teile der Bevölkerung hinweggerafft wurden, musste er dafür sorgen, dass die Wohnverhältnisse und die Hygiene besser wurden. So begann im 19. Jahrhundert das, was der Philosoph Michel Foucault Bio-Politik nennt. Der Staat fing an, sich für die Gesundheit seiner Bürger verantwortlich zu fühlen, und handelte. Zumindest, wenn es um ansteckende Krankheiten ging. Es entstand dann nach und nach das moderne Vor- und Fürsorge-System, das wir heute als Pflicht des Staates begreifen.

Dies ist, ich schwöre es, der einzige Abschnitt in zweieinhalb Seiten à drei Spalten, der so etwas wie Erkenntnisgewinn beinhaltet. Der Rest sind Platitüden, Nullsätze und Aussagen, die auch ein durchschnittlich begabter 16-Jähriger in Gemeinschaftskunde zu Papier bringen könnte. Es sollte in dem Gespräch um die Pflichten des Staates vor dem Hintergrund des sog. "Impf-Debakels" gehen. Warum auch nicht? Die Menschen dürfen und sollen während einer Pandemie nicht nur von Fachleuten aus der Medizin Erklärungen und Handreichungen bekommen, sondern auch aus den Bereichen Politologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und eben: Philosophie. Aber wenn sich die Aufklärung durch einen als Intellektueller geltenden Honorarprofessor in Sentenzen erschöpft wie "Der Staat muss verhindern, dass der Einzelne durch andere in eine bedrohliche Situation kommt", "Der Vorsorgestaat darf nie zum Bevormundungsstaat werden" oder "Es geht immer um die Frage, inwieweit andere von meinem Handeln oder Unterlassen betroffen sind", dann wirft das kein gutes Licht auf den gegenwärtigen Stand der Philosophie in Deutschland. Für die sollten Knalltüten wie Richard David Precht und Markus Gabriel natürlich nicht als stellvertretend behandelt werden, ich fürchte aber, in der öffentlichen Wahrnehmung geschieht genau das. Sonst hätte man die Niederschrift des Stern-Interviews ja direkt eingemottet, statt sie abzudrucken.

Freitag, 9. April 2021

The Great Divider

Letztens dieses Meme gesehen:

Hehe, stimmt, in Amerika liegt das Alkoholersterwerbsalter bei 21. In vielen Teilen der Welt konnten junge oder eben nicht mehr so junge Menschen solche Erweckungserlebnisse bereits 2018 haben (während es in den indischen Bundesstaaten Haryana, Meghalaya und Punjab erst 2025 so weit ist). Die Jahrtausendwende als Demarkationslinie, als großer Teiler zwischen Mündigen und Minderjährigen, als Spalter gar? Naa, ich bin seit langem der Ansicht, dass der herrschende Generationenkonflikt auch nicht dramatischer ist als alle vorangegangenen. Wenn ich höre, dass sich mittlerweile die GenZ über Millennials mokiert, fühle ich mich allerdings wirklich greisenhaft. Ich selbst wurde ja leider tief im 20. Jahrhundert geboren, und die Chancen stehen – machen wir uns nichts vor – schlecht, dass ich der letzte Überlebende mit einer 19 im Geburstjahr sein werde. Es sei denn ... *reibt sich diabolisch die Hände*

Mittwoch, 7. April 2021

Wörter unter dem Fernglas

Eine dritte Erklärung ist, dass Friedrich Wilhelm nach dem Dreißigjährigen Krieg für seine Armee schwedische Veteranen als Ausbilder einsetzte. Diese wurden "alte Schweden" genannt, eine Bezeichnung, die im Volksmund bald auf nichtmilitärische Personen übertragen wurde. Eine vierte Erklärung besagt, dass nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges Soldaten der schwedischen Armee von Friedrich Wilhelm für die Ausbildung seiner Truppen akquiriert wurden, die umgangssprachlich als "alte Schweden" adressiert wurden. Diese kumpelhafte Anrede verbreitete sich dann auch außerhalb des Heeres. Eine fünfte Erklärung geht so: Nach dem Dreißigjährigen Krieg bediente sich der Herzog Friedrich Wilhelm ehemaliger schwedischer Soldaten, um preußische Gefreite ausbilden zu lassen. "Alter Schwede" bzw., in der Mehrzahl, "alte Schweden" sagte man zu diesen fremdländischen Militärs. Erklärung Nummer 6 besagt, dass Friedrich Wilhelm nach dem Ende des Dreißigjährigen

Montag, 5. April 2021

Hier bin ich Mensch, hier will ich nicht sein

Wenn eine globale Pandemie Reisen verhindert und für Tagestouren in die Region keine Zeit bleibt, kann man immer noch durch die eigene Stadt spazieren. Allein, mir ist die Lust darauf vergangen. War ich jahrelang ein Verteidiger meines Wohnortes, sehe ich heute nur noch alles Hässliche, Verkommene, Verstandesbeleidigende. Es ist gar nicht mal das Frankfurt-Typische, das mich zermürbt – in Berlin fällt mir Vergleichbares auf; es wohnt allen Großstädten etwas zutiefst Seelentötendes inne, das in den vergangenen Monaten entweder schlimmer geworden ist oder mir aufgrund akuter Abstumpfungsabwehrschwäche massiert ins gramgedrückte Auge sticht. 

Allein die Tatsache, dass man als Flaneur alle paar Meter stehen bleiben muss, um Autos vorbeifahren zu lassen, ist irrwitzige Menschenfeindlichkeit hoch drei. Unablässiger Lärm, Krach, Tonterror raubt einem den letzten Nerv. Dreck, Tod, Elend, wohin der Blick auch streift. Die Vorteile urbanen Lebens sind mir natürlich bewusst, aber in den gegenwärtigen (und ich fürchte: noch lange anhaltenden) Einschränkungen sind sie dazu verdammt, unterzugehen. Sehe ich etwas potenziell Schönes, meldet sich der Schwarzmaler und Pessimist in mir: Ein nicht unansehnliches Wohnhaus? – Die Miete werde ich mir eh nie leisten können. / Ein nettes Café? – Darf man ja nicht rein. / Oh, ein kleines Untergrundtheater! – Ein Wunder, dass das noch nicht geschlossen ist. / Ein hübscher Park? – Da muss man joggenden Virenverteilern ausweichen oder mit Belästigungen durch die Obrigkeit rechnen. Erholung? Pfeifendeckel!

Was ist die Alternative? Aufs Land ziehen? Und sich in struktureller Unerschlossenheit, abseits jeglichen kulturellen Inputs mit unausstehlichem Volk rumschlagen? Womit ich nicht nur das angestammte meine (Der Spiegel vom 3. April: "Immer mehr Großstädter ziehen aufs Dorf, auch Hipster und Kreative.") ... Na schönen Dank!

Donnerstag, 1. April 2021

Serientagebuch 03/21

01.03. Castle Rock 1.05
02.03. Servant 2.07
Castle Rock 1.06
03.03. The Simpsons 32.13
Norm 3.22
05.03. Family Guy 19.12
Norm 3.23
The Pembrokeshire Murders 1.01
06.03. Castle Rock 1.07
07.03. Norm 3.24
The Pembrokeshire Murders 1.02
The Pembrokeshire Murders 1.03
Barry 1.01
08.03. Angie Tribeca 4.01
Barry 1.02
Castle Rock 1.08
09.03. Angie Tribeca 4.02
Castle Rock 1.09
Castle Rock 1.10
10.03. The Simpsons 32.14
Barry 1.03
11.03. Servant 2.08
12.03. Angie Tribeca 4.03
13.03. Barry 1.04
14.03. Barry 1.05
Family Guy 19.13
22.03. This Is Us 5.10
23.03. Angie Tribeca 4.05
The Simpsons 32.15
Servant 2.09
Servant 2.10
25.03. Angie Tribeca 4.04
26.03. Barry 1.06
Barry 1.07
Family Guy 19.14
27.03. This Is Us 5.11
Barry 1.08
Good Omens 1.01
29.03. Angie Tribeca 4.06
30.03. The Simpsons 32.16
Angie Tribeca 4.07
Good Omens 1.02

Wachsame Augen werden eine Besonderheit bemerkt haben: Ich habe versehentlich zwei Episoden von Angie Tribeca in der falsche Reihenfolge geschaut! Das war aber kein Beinbruch, ich konnte die Handlung der in sich abgeschlossenen Folgen trotzdem nachvollziehen, und der übergreifende arc der (sehr witzigen) Staffel spielte in beiden keine Rolle.
Durchgängig fesselnd war die Fortsetzung von Servant. Wie ich kürzlich las, setzt Executive Producer M. Night Shyamalan, der auch wieder eine Folge inszeniert hat und dessen Tochter jetzt als Autorin und Regisseurin das Team ergänzt, für den Rest der Handlung noch zwei Staffeln à zehn Folgen an. Ich bin gespannt, wie die mysteriöse Geschichte aufgelöst wird, die im Moment noch angenehm undurchsichtig ist, ohne ins Verschwurbelte abzudriften. Neben dem häppchentauglichen Halbstunden-Format sprechen mich vor allem die zwei Kontrastpunkte an, die seit Beginn an einen unverkennbaren Bestandteil des nicht nur optisch dunklen urbanen Gruseldramas bilden, nämlich 1. die Auftritte von Essen (keine Episode ohne ausgiebige Foodporn-Sequenz) und 2. der eigenwillige Humor, der sich zum Großteil aus den Dialogzeilen der Figur Julian (Rupert Grint, der trotzdem nie zum reinen Comic relief verkommt) ergibt, aber auch aus dem exaltierten Spiel von Lauren Ambrose, das mich zuweilen an Vera Farmiga in "Bates Motel" erinnert.
Seinen Lorbeeren nicht gerecht wurde meiner Meinung nach die HBO-Killerserie Barry von und mit Bill Hader. Diese Art von Humor (böse Buben tun banale Dinge / haben sympathische Seiten; Greueltaten wechseln sich mit harmonischem Geplauder ab) erscheint mir überstrapaziert und will auch weder zu den tragischen Momenten noch den Gewalteruptionen recht passen, nicht mal als Stimmunskonter. Die vielen bekannten Gesichter bewahrten den Achtteiler davor, von mir als Rohrkrepierer bewertet zu werden, zudem ist er flott weggeguckt, aber der zweiten Season werde ich keine Chance geben.
Auch bei Castle Rock bin ich mir dahingehend unsicher. (Mein Interesse weckte die Information, dass in Staffel 2 die Vorgeschichte von "Misery" erzählt werden soll, obendrein mit einer hervorragenden Schauspielerin.) Die erste Staffel war jedenfalls erzählerisch a mess. Eine Serie im Stephen-King-Universum mit neuen Stoffen, zudem unter der Aufsicht Kings himself (neben u.a. J.J. Abrams ausführender Produzent), ist natürlich nicht ohne Reiz, und es macht Freude, Querverbindungen und Easter eggs zu entdecken. Auch Besetzung, Musik und Kameraführung gehen mehr als in Ordnung. Eine stärkere Kontinuität, ein Fokussieren auf eine Storyline hätte ich mir indes gewünscht.
The Pembrokeshire Murders ist die letzte von bisher 13 ITV-Miniserien, die berühmte britische Mordfälle nacherzählt; das von mir letzten Monat gesehene "Des" gehörte ebenso dazu, und wie jenes ist dieser in Wales spielende Dreiteiler in erster Linie um realistische Darstellung der Ermittlungsarbeit bemüht. Forensik und Psychologie spielen also wieder eine größere Rolle als die – lediglich verbal beschriebenen – Taten des sog. "Game Show Killers" (die man in Deutschland übrigens eine Weile mit den Göhrde-Morden in Verbindung gebracht hat). "A case of too much cop and not enough killer", hieß es in der Times. Mag sein. Trotzdem sehenswert.

Dienstag, 30. März 2021

Neues von der Altenwelt

Anfang des Monats starb 103-jährig der deutsche Typograf und Grafiker Helmut Matheis. Ich las seine Vita und war begeistert, zu erfahren, dass mit ihm wohl einer der Letzten gegangen ist, die noch vor dem großen Zäsurjahr 1945 ein Studium abgeschlossen haben. Ich fragte mich, ob wohl noch Menschen unter uns weilen, die im "Dritten Reich" promoviert haben! Das hat mich an Hildegard Hamm-Brücher stets fasziniert. Wenig später starb kurz vor seinem 100. Geburtstag der Chemiker Siegfried Hünig, der tatsächlich wie seine Jahrgangsgenossin Hamm-Brücher ein "Turbo-Studium" hingelegt hatte und 1943 seinen Doktor machte. Bei dieser Gelegenheit soll auch die amerikanische Kinderbuchautorin Beverly Cleary (* 12.4.1916, † 25.3.2021) geehrt werden, die zwei Bachelor-Abschlüsse erlangte, noch bevor ihr Land in den Zweiten Weltkrieg eintrat. Als wäre das alles noch nicht mind-blowing genug gewesen, machte mich via Twitter jemand auf Renée Simonot aufmerksam, die noch lebende 109-jährige Mutter von Catherine Deneuve, die ihr Schauspieldebut im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs hinlegte!

Heute habe ich gelernt, dass es für solche aufregenden Epochenverbindungen einen englischsprachigen Spezialausdruck gibt: "The Great Span". Das renommierte Blog kottke.org sammelt Beispiele für derartige Links, etwa den Auftritt eines 96-jährigen Augenzeugen der Lincoln-Ermordung in einer TV-Gameshow von 1956.

Sonntag, 28. März 2021

Die Tee-Zeremonie

"In der Coronapandemie haben die Briten die Liebe zum Tee wiederentdeckt", lese ich gerade. "Neun von zehn Menschen im Königreich gönnen sich nun regelmäßig ein Tässchen – zunehmend auch jüngere." Das erstaunt mich insofern, als ich geschätzt hätte, dass sich bisher zehn von zehn Menschen im Königreich mindestens einmal pro Tag a cuppa gönnen. Sofern zeitgenössische britische Serien und Filme die Lebenswirklichkeit widerspiegeln, ist Tee mehr als ein Genussmittel für private Mußeminuten, er ist flüssiger sozialer Kitt. Selbst wenn deine verfeindete Nachbarin wutentbrannt vor der Wohnungstür aufmarschiert, um sich über dies und das zu beschweren, gebietet es der Anstand, sie auf eine Tasse Tee hereinzubitten. Wenn nun in einer Filmszene jemand so ein Teetrinkangebot ablehnt, ist das ein Symbol dafür, dass die letzten Brücken eingerissen sind. Fernsehklischee, klar.

Ich selbst trinke jeden Tag Tee, obwohl ich dem Inselvolk nicht staatsbürgerlich, sondern nur mit dem Herzen verbunden bin. Beliebter Schwarztee wie Earl Grey kommt mir allerdings nicht in den Pott. Für mich kann es gar nicht postmodern und albern genug sein, weswegen ich im Supermarkt vergnügt kichernd zu Sorten wie denen der aktuellen "fabelhaften" Edition von Meßmer greife: "Zauber der Zwerge" (Holunder-Waldmeister) oder "Fantasie der Feen" (Himbeer-Vanille).

Freitag, 26. März 2021

Bean there, done za

Folgendes Rezept möchte ich allen empfehlen, die meinen, in Sachen Pizza schon alles ausprobiert zu haben. Keine Sorge, die Machart ist nicht ungewöhnlich um der Ungewöhnlichkeit willen, affig oder italienverhöhnend gar! Die hier vorgestellte, angeblich ligurische Variante ist im Gegenteil ziemlich bodenständig, wenn man näher drüber nachdenkt, ja regelrecht naheliegend sowie reduziert. Fast schon zu mild ist der Belag für meinen Geschmack, enthält er doch zwei Käsesorten, die ich für die fadesten auf dem Molkereimarkt halte. Doch bevor ich mich in noch mehr widersprüchlichem Geschwätz verliere, in medias res, wie man in Italien sagt(e)!

Man koche 150 Gramm grüne Bohnen für eine gute Viertelstunde in Wasser auf. Währenddessen vermenge man 150 Gramm Mozzarella mit 150 Gramm Ricotta sowie einem Schluck Milch in einem Standmixer o.ä. und schmecke die Mischung mit Salz und Pfeffer ab. Dann rollt man den (gekauften Fertig- oder selbstgemachten) Pizzateig aus und bestreiche ihn mit grünem Pesto. Man kann gern veganes nehmen, denn genug Käse kommt ja eh hinzu, nämlich indem man gleich die Käsemasse darauf verteilt. Ganz oben werden die blanchierten Bohnen ausgelegt. Backen, rausnehmen, ggf. mit Olivenöl beträufeln und nochmals salzen und pfeffern, fertig!

Mittwoch, 24. März 2021

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

John Wick
Wie damals im Fall von Liam Neesons "Taken"-Franchise erschließt sich mir der Hype um Keanu Reeves' Rache-Vehikel kein Stück. "John Wick" kann zwar mit einem namhaften Cast und, so man auf derlei steht, ordentlich choreographierten Kampfszenen aufwarten, doch scheint mir, dass hier in erster Linie der sympathische Keanu Reeves abgekultet werden sollte und ansonsten "style over substance" als Credo galt. Tut mir leid, aber ein Actioner um einen ehemaligen Attentäter sollte anno 2014ff. ein bisschen mehr bieten als Schauwerte, nämlich entweder eine Schippe Herz und Menschelei ("Mann unter Feuer", 2004) oder komplett durchgeknallte Comic-Brutalität ("Crank", 2006). "John Wick" geht weder in die eine noch die andere Richtung und bleibt letztlich ein vergessenswertes Martial-Arts- und Baller-Stück, das sich allzu geleckt von Szene zu Szene schleppt.

The Big Wave Project
Um meine wasserbezogene Angstlust zu befeuern (haha), habe ich mir diese Sportdoku über Monsterwellenreiter besorgt. Mir gehen Surferdudes mit ihrer Attitüde und ihrem Lifestyle gehörig auf den Keks ("A Band of Brothers" lautet der Untertitel – ugh!), aber die Stars sind hier ohnehin die Wellen. Deren gigantischsten findet man vor der Küste Portugals, von wo die meisten der beeindruckenden Videoaufnahmen stammen. Die Männchen auf ihren Brettern braucht's eigentlich gar nicht.
Hach, ich möchte mich sofort an einem lauschigen Aussichtspunkt an der Küste platzieren und stundenlang die gewaltigen Meeresmassen beobachten. Auch geologisch gibt es einiges zu bestaunen (googelt mal "Eddystone Rock Australia").

Porträt einer jungen Frau in Flammen
Landschaftlich eher karg ist die Insel in der Bretagne, auf die es im 18. Jahrhundert eine junge Malerin (Noémie Merlant) verschlägt. Karg ist auch das aufspielende Ensemble; neben besagter Malerin stehen nur ihr Modell (eine ehemalige Klosterschülerin)* sowie gelegentlich dessen Mutter und das Hausmädchen im Mittelpunkt der ruhig erzählten Geschichte. Ein Ausstattungsspektakel darf man ebenfalls nicht erwarten. Ich hatte mich auf opulentes Kostümkino eingestellt, aber ich schätze, die Reduktion ist wie bei den genannten Punkten Mittel zum Zweck. Hätte von mir aus trauriger sein können.
* Klammern statt Kommata gesetzt, um hervorzuheben, dass die drei Wörter eine Apposition sind und nicht zu der Aufzählung gehören

Greyhound
Zurück ins Wasser: Der Direct-to-Stream-Release mit Tom Hanks als U-Boot-Commander im Zweiten Weltkrieg hätte auf der großen Leinwand vermutlich mehr Eindruck geschunden, wobei epische Seeschlachten und reißerische Effekte nur einen geringen Teil von "Greyhound" ausmachen. Vorder-, um nicht zu sagen untergründig verfolgen wir die nervenaufreibenden, realistisch dargestellten militärischen Routinen und Improvisationen der Mannschaft und schauen in die Psyche eines Kommandanten am Limit. Das ist nicht unspannend, obschon ich ahne, dass der von mir bisher nicht gesehene Klassiker "Das Boot" diesbezüglich Maßstäbe gesetzt hat.
Kurioses am Rande: Der Deutsche Thomas Kretschmann spielt ein Mitglied der sog. Grauen Wölfe, ohne dass man ihn zu Gesicht bekommt (er meldet sich lediglich über Funk). In der deutschen Fassung bekommt man ihn nicht mal zu Gehör, weil Kretschmann von Dietmar Wunder synchronisiert wird.

Belushi
Ein langes Feature über den zu früh verstorbenen Komiker John Belushi mit vielen erhellenden Einblicken in die Anfangszeit von "Saturday Night Live". Dabei ist mir aufgefallen, dass ich keinen einzigen Spielfilm mit Belushi gesehen habe! (In einer alternativen Welt hätte er einen der "Ghostbusters" gespielt.) Die Blues Brothers fand ich immer lahm, aber zumindest "National Lampoon's Animal House" sollte ich mal nachholen.

Boston (OT: Patriots Day)
Eine Rolle, für die nur Mark Wahlberg in Frage kommt: ein raubeiniger, bodenständiger Polizist, der in die Geschehnisse um den Boston-Marathon 2013 hineingerissen wird. Ich hatte wenig Lust auf eine Fiktionalisierung des schrecklichen Anschlags, aber die positiven Kritiken haben mich überzeugt, und ich möchte mich ihnen anschließen. Peter Berg vermag es, einen mitzureißen, wie es bei vergleichbaren Stoffen höchstens Paul Greengrass kann. Das Action-Thriller-Drama (?) ist spürbar der Realität verpflichtet und hält sich nicht über seine zwei Stunden hinweg mit den Ereignissen des Patriots' Day auf, sondern zeichnet präzise die folgenden Ermittlungen und die atemraubende Täterjagd nach – ein aftermath, von dem ich kaum was wusste! 

The Gentlemen
Nicht zu hoch waren auch meine Erwartungen an Guy Ritchies jüngste Gangster-Kapriole, nachdem mich der "Snatch"-Macher mit "Revolver" und "Rocknrolla" ziemlich gelangweilt hat. Entwarnung: "The Gentlemen" ist brillant! Nicht nur die Dialoge (ich muss es leider schreiben: Unbedingt im Original genießen!) sitzen perfekt, auch die sie Vortragenden sind toll gewählt. Der nie wirklich enttäuschende Matthew McConaughey hat dabei nicht einmal die Nase vorn; über den grünen Klee zu loben sind hier vorrangig Colin Farrell und Charlie Hunnam, von deren Auftritten man gar nicht genug bekommen kann. Geadelt wird das wieder zutiefst britische Ganovenstück von Hugh Grant, der seinen permanent zwischen cockiness und Peinlichberührtsein schwankenden Habitus perfektioniert hat.

Die Mörder sind unter uns
Allein aus historischen Gründen sollte man dieses Kriminaldrama von Wolfgang Staudte und mit der Knef gesehen haben. Es handelt sich um die erste deutsche Filmproduktion nach dem Kriegsende (gedreht in der sowjetischen Besatzungszone, noch vor Gründung der DEFA), und diese traut sich mehr Unangenehmes zu thematisieren (allein der Titel!) als so mancher später entstandene Streifen über die NS- und/oder Trümmerzeit. Wenn man durchgeschnauft hat, sollte man nachlesen, wie das ursprünglich vorgesehene Ende aussah.

Donnie Brasco
Kein Pflichtprogramm ist meiner bescheidenen Meinung nach diese schmutzige Mafia-Saga mit Al Pacino. Bemerkenswert immerhin: Paul Giamatti in einer frühen Mini-Rolle und – im negativen Sinn – gewisse Szenen mit Johnny Depp, die 2021 einen unguten Beigeschmack haben.

Die Braut des Prinzen (OT: The Princess Bride)
Es gibt eine Reihe amerikanischer Achtzigerjahre-Filme, die im Produktionsland einen nahezu unerklärlichen Kultstatus besitzen, deren Namen bei uns jedoch irgendetwas zwischen Achselzucken und Ratlosigkeit hervorrufen. "The Breakfast Club" gehört dazu, "Say Anything", "Top Gun", sicher auch der oben genannte "Animal House" und eben die Märchenkomödie "The Princess Bride". Einige Zitate daraus sind zum Allgemeingut geronnen ("Inconceivable!"; "My name is Inigo Montoya ..."), und Adventurespiele-Fans älteren Semesters werden sich daran erinnern, dass ein Teil der berühmt-berüchtigten "Kings Quest"-Reihe "The Princeless Bride" hieß (in Deutschland "Die prinzlose Braut", na ja).
Sollte ich benennen, was genau daran so kultverdächtig ist, ich könnte nicht mit dem Finger drauf zeigen. Vielleicht funktionieren die Zitate auf deutsch einfach nicht so gut. Tatsächlich sehr gediegen ist die Besetzung, obwohl ich die meisten Schauspieler gar nicht erkannt habe: Mandy Patinkin (jung und bartlos), Billy Crystal (kein Gesicht vor Augen), Carol Kane (stark verkleidet, aber mit Trademark-Exzentrik wie in "Kimmy Schmidt")! Der Hauptdarsteller kam mir sofort bekannt vor, aber ich musste hinterher nachschlagen: Es ist Cary Elwes, der ja erst 2004 mit "Saw" seinen (zweiten) Durchbruch haben sollte. Dass André the Giant mitspielt, hatte ich bereits gewusst. An der Regie von Urgestein Rob Reiner, Sohn von Carl Reiner, gibt es nichts zu mäkeln. (Reiners rezenteste Arbeit, die ich gesehen habe, ohne zu wissen, dass sie von ihm ist, war übrigens "Being Charlie".)

Montag, 22. März 2021

Lieder, die wir sangen

"Wegen des Dopingskandals ist Russland bei den beiden kommenden Olympischen und Paralympischen Spielen sowie Weltmeisterschaften kein Start unter russischer Flagge und mit russischer Hymne erlaubt", notierte "Spiegel online" vergangene Woche am Rande. "Da Sportler an den Veranstaltungen unter bestimmten Voraussetzungen als 'neutrale Athleten' teilnehmen dürfen, sollte das im Zweiten Weltkrieg populär gewordene Lied 'Katjuscha' statt der Hymne gespielt werden. Doch der [Internationale Sportgerichtshof] Cas verweigerte seine Zustimmung."

Schon während ich die Überschrift zu dieser skurrilen Meldung las, schossen mir die ersten Zeilen des genannten Liedes durch den Kopf: "Leuchtend prangten ringsum Apfelblüten, still vom Fluss zog Nebel noch ins Land. Durch die Wiesen ging hurtig Katjuscha, zu des Flusses steiler Uferwand." Die kannte ich nämlich noch aus dem Musikunterricht. Oft genug habe ich meine Schulzeit in Bausch und Bogen verdammt, aber dass die musikalische Erziehung zu kurz gekommen wäre, kann ich nicht behaupten. Tatsächlich gehörte die Musikstunde nicht selten zu den wenigen Lichtblicken einer Schulwoche. Unsere Lehrerinnen haben uns so viel zum Singen gezwungen animiert, dass wir gar nicht anders konnten, als Begeisterung für diese Kulturtechnik zu entwickeln.

Letztes Jahr habe ich, als kleines Experiment, versucht, mich an alle Lieder zu erinnern, die wir von Klasse 5 bis 12 geträllert haben, und die Liste, die dabei herauskam, ist beachtlich:

  • I am sailing
  • Little Boxes
  • In einen Harung
  • Yesterday
  • Die Forelle
  • Bella Bimba
  • Heidenröslein
  • Sascha geizte mit den Worten
  • San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in Your Hair)
  • Die Moorsoldaten
  • By the Waters of Babylon (Philip Hayes)
  • Es, es, es und es
  • Als ich einmal reiste
  • We Will Rock You
  • We Shall Not Be Moved
  • 99 Luftballons
  • Swing Low Sweet Chariot
  • Hinterm Horizont geht's weiter
  • Whiskey in the Jar
  • Es waren zwei Königskinder
  • Get on Board, Little Children
  • La pulce d'acqua
  • Aquarius
  • Ich komme schon durch manche Land
  • Ho, unser Maat hat schief geladen
  • Hoch auf dem gelben Wagen
  • Oh My Darling Clementine
  • Laurentia, liebe Laurentia mein
  • Down by the Riverside
  • Ein Mann, der sich Kolumbus nannt'
  • Sacco und Vanzetti
  • Sind so kleine Hände
  • Heut kommt der Hans zu mir
  • Dat du min Leevsten büst
  • Lemon Tree
  • Sag mir, wo die Blumen sind
  • My Bonnie Lies Over the Ocean
  • Kumbaya
  • Heißa Kathreinerle
  • Stille Nacht
  • Sitz-Boogie-Woogie
  • Guantanamera
  • Hab mein Wage vollgelade
  • Jingle Bells
  • Miau, miau, hörst du mich schreien
  • Mary's Boy Child
  • Der Kuckuck und der Esel
  • Bona Nox (bist a rechta Ox)
  • Die Gedanken sind frei
  • Die Moritat von Mackie Messer
  • Heho, spann den Wagen an
  • Auld Lang Syne
  • Little Drummer Boy
  • Boat on the River
  • Bruder Jakob
Die Aufzählung ließe sich erweitern, wenn ich auch noch den Englisch-, Französisch-, Spanisch- und Religionsunterricht mit einbezöge. Zum Beispiel mit:
  • Alouette
  • Von guten Mächten wunderbar geborgen
  • Wonderful World (Sam Cooke)
  • María Isabel
  • Streets of London
  • Arroz con Leche
  • Sur le Pont d'Avignon
  • Kleines Senfkorn Hoffnung
  • Que Sera Sera
  • Laudato si
... und da habe ich garantiert das eine oder andere Lied vergessen. Auch wenn nicht jedes davon Begeisterungsstürme unter uns Schülern und Schülerinnen auszulösen vermochte, so gab es doch genügend Gassenhauer, die ich noch heute gerne vor mich hin singe, wenn mir danach ist. Danke dafür! 

Es soll ja Leute geben, die ihre Schulaufzeichnungen nicht aufgehoben haben. Tja, die können halt zwei Jahrzehnte nach ihrem Abschluss keine banalen Blogbeiträge schreiben!

Samstag, 20. März 2021

Oy veh, SPD!

"Spiegel online" zitiert den neuen Vorsitzenden des SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Thomas Kutschaty: "So etwas Meschugges habe ich über mich noch nie gehört".

Hm, muss es nicht "Meschuggenes" heißen? So kenne ich die nicht-prädikative Form des jiddischen Adjektivs jedenfalls ... nun gut, zumindest aus amerikanischen Filmzeilen. Tatsächlich schreibt das Jewish English Lexicon: "In Yiddish, meshugene(r) – with the "ne(r)" ending – is used as an attributive adjective modifying a noun (e.g., a meshugene froy, 'a crazy woman'), whereas meshuge is a predicative adjective (zi iz meshuge, 'she is crazy'). This distinction is preserved for many speakers of Jewish English (e.g., 'He is absolutely meshuga!' vs. 'He is such a meshgene (guy)!')." Ob diese "Regel" auf "deutsches Jiddisch" anwendbar ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe zwar während meines Studiums an einem Jiddisch-Blockseminar teilgenommen, aber davon ist nichts hängen geblieben, und wenn ich jetzt meine Aufzeichnungen konsultiere, werde ich mich wieder stundenlang damit befassen; in diesen Kaninchenbau stürze ich mich nicht! Fragen wir das Netz. Für "meschugges" liefert Google unwesentlich mehr Belege als für "meschuggenes" (jeweils weniger als 1000 Treffer), aber womöglich könnte der Buchtitel "Das meschuggene Jahr" ein Argument für letztere Form sein.

Das Meschuggene, das Kutschaty im Spiegel-Interview meint, ist übrigens die Äußerung eines anderen Politikers: "Ein Parteifreund aus Ihrem Landesverband beschreibt Sie zum Beispiel als Krokodil: Ein Tier, das träge im Sumpf liegt, meistens nichts macht, doch wenn ein Gegner vorbeikommt, schnappt es zu."

Notiz an mich selbst: Ich muss mal wieder Meshuggah hören!

Donnerstag, 18. März 2021

Gedankenlose Produktbenennung

Die backfertige Mohnfüllung von Dr. Oetker heißt "Mohn Back". Was soll das? Für mich ist das Militärsprache und erinnert mich an unseren Sportlehrer, der zu Ausdauerlauf immer "Lauf Ausdauer" gesagt hat. Die Benennung fügt sich nicht einmal in ein markenspezifisches Muster, denn seinen Kakao zum Backen nennt Dr. Oetker schlicht "Kakao zum Backen".

Gnatzig machte mich auch der Back-Ziegenkäse, den ich letztens bei Rewe sah. "Omas Ziegenkäse aus dem Ofen" stand darauf. Es ist dasselbe Problem wie beim "heißen Met": Nimmt man den Käse aus der Packung, kommt er eben nicht aus dem Ofen, sondern erst hinein. "Ziegenkäse für den Ofen" wäre eine sinnvolle Bezeichnung (ob er tatsächlich von Oma stammt, ist eine andere Frage). Es würde doch auch niemand hinnehmen, wenn Saftorangen mit "Frisch gepresste Orangen" etikettiert wären!

Dienstag, 16. März 2021

FReu dich des Lebens

Letzten Freitag stand ich am offenen Bücherschrank und studierte die Buchrücken, als ein mittelalter Herr angepest kam und sich zielstrebig etwas aus dem Schrankinnern schnappte, das er schon von weitem erblickt hatte: die tagesaktuelle Ausgabe der Frankfurter Rundschau. "Hoho", freute er sich über seinen Schatz und sagte beim Weggehen zu sich selbst: "Was für ein Tag!"
Es sind die kleinen Dinge.

Sonntag, 14. März 2021

Nicht bestanden

Nur fürs Tagebuch, der Vollständigkeit halber: Am 12. März 2021 habe ich zum ersten Mal einen Corona-Test verpasst bekommen – von mir selbst. Das Schnelltestkit für den Hausgebrauch, das ich benutzte, war zugleich ein Intelligenztest, denn die Bedienung erschloss sich nicht bei bloßer Betrachtung, sie musste gelesen werden, und die Instruktionen nahmen einen großen Teil des Beipackzettels ein. Ehrensache, dass ich dann auch ein Detail übersehen habe, nämlich das Flüssigkeitsröhrchen-Fixierloch in der Verpackung. 'Das ist aber unpraktisch! Soll ich das Röhrchen jetzt die ganze Zeit in der Hand halten?', dachte ich noch. Egal. Bevor man mit der Prozedur beginnt, soll man sich die Hände waschen und sich mehrfach schnäuzen. Das Abstrichstäbchen ist sodann je 2,5 cm in jedes Nasenloch einzuführen. Danach tränten mir die Augen leicht; war ich von innen gegen meine Glaskörper gestoßen?

Das Warten auf das Ergebnis war dann so aufregend wie das Warten auf das Ergebnis der HIV-Tests, die ich in meiner Zeit als Blutspender regelmäßig über mich ergehen lassen musste – also kaum. Trotzdem freute ich mich natürlich, als nach ein paar Minuten der Negativ-Strich sichtbar wurde. Freuen tu ich mich ferner darüber, dass die Kosten für meinen Schnelltest jemand anders übernommen.

Freitag, 12. März 2021

Welt und Weltgeist

Jahrelang habe ich bei allen möglichen Gelegenheiten herumposaunt, dass die Insel Grönland größer sei als der Kontinent Afrika; das hätte ich mit eigenen Augen auf einer Weltkarte gesehen! Viel zu spät lernte ich, dass solche Weltkarten auf Grundlage der Mercator-Projektion erstellt worden sind, welche wegen ihrer Winkeltreue Landflächen umso stärker verzerrt, je mehr man sich den Polen nähert. Das von mir ungefragt verbreitete Partywissen war nur scheinbar korrekt.

Allgemein lässt sich sagen, dass es die perfekte Weltkarte nicht gibt: "Klassische Atlanten zeigen Länder häufig viel zu groß oder klein. Nun haben Forscher eine radikal neue Karte der Erde entwickelt." Dies ist heute in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Die Wissenschaft dahinter ist nicht unkomplex und braucht hier keine Rolle zu spielen. Ich möchte lediglich auf zwei Personennamen betreffende Kuriosa aufmerksam machen:

1. Einer der Schöpfer der neuen Karte heißt Richard Gott. Es ist nur folgerichtig, dass ein Gott die Erde geschaffen hat und ein anderer Gott deren Darstellung als Lebensinhalt hat.
2. Die bislang als am tauglichsten bewertete Methode, welche auch die National Geographic Society bei ihren Karten anwendet, ist die Winkel-Tripel-Projektion. "Sie stellt einen Kompromiss aus Flächen- und Winkeltreue dar", ihr Name hat aber nichts mit Winkeln zu tun, sondern verweist auf den Mann, der sie 1921 vorstellte: Oswald Winkel. Das erinnert mich an den berühmten Doppler-Effekt, der, obschon er sich u.a. auf doppelte Frequenzen und Doppelsterne bezieht, lediglich nach seinem Entdecker Christian Doppler benannt ist.

Montag, 8. März 2021

Kurz notiert: Oregon

In der FAZ wurde neulich in einem Artikel über Oregon unvermittelt das Wort "Pazifikstaat" als Synonym verwendet, und das ließ mich stutzen. Pazifikstaat: Da denke ich zuerst an Neuseeland, an Samoa, die Cookinseln, Palau oder auch Nauru, aber nicht an einen Bundesstaat der USA, der zufällig an der Pazifikküste liegt. Das ist natürlich meiner Ignoranz geschuldet, denn als Pacific states sind die Westküstenstaaten Oregon, Kalifornien und Washington (gelegentlich auch Alaska) durchaus etabliert. Oregon bezieht sich in mancher Hinsicht auf den Stillen Ozean, ist beispielsweise stolz auf seinen Wanderweg Pacific Crest Trail, mehrere Restaurants führen das Label "Pacific" im Namen, es gibt die Pacific University in Forest Grove und die Warner Pacific University in Portland. In gewissen Aspekten sind die drei zusammenhängenden Staaten zudem durchaus homogen, so etwa historisch (Pacific Fur Company), politisch ("Left Coast") und klimatisch (mediterranes Klima).

Googelt man "Atlantikstaat", erhält man insgesamt nur wenige Treffer, darunter neben naheliegenden wie die unabhängigen Staaten Island und Belize aber auch Verweise auf New Jersey und Rhode Island.

Donnerstag, 4. März 2021

Wort des Tages: Umarell

Auf eine für mich künftig unverzichtbare Vokabel wurde ich im "Something Awful"-Forum aufmerksam gemacht. Das bolognesische Dialektwort umarèl, wörtlich "Männlein", wurde Mitte der Nullerjahre als umarell in großen Teilen Italiens populär und letztes Jahr schließlich sogar in den Zingarelli, die italienische Entsprechung des Duden, aufgenommen. Es bezeichnet einen männlichen Rentner, der seine Tagesfreizeit am liebsten damit verbringt, vor Baustellenzäunen zu stehen und den Arbeitern zuzuschauen, gerne mit hinter dem Rücken verschränkten Armen und ungefragt Ratschläge gebend, wie die englische Wikipedia erklärt (wo auch ein aussagekräftiges Foto zu finden ist).

Ich selbst habe für diese freilich auch hierzulande heimische Spezies vor vielen Jahren in meinem Notizbuch den Ausdruck "Baustellenopa" festgehalten, aber umarell (manchmal auch umarèll, Plural umarells) ist viel schöner. Helft mit, es zu verbreiten! Wann findet schon mal ein italienisches Wort Eingang in die deutsche Umgangssprache?

Dienstag, 2. März 2021

Serientagebuch 02/21

02.02. The Drowning 1.01
Mr. Robot 3.09
04.02. It's a Sin 1.01
It's a Sin 1.02
It's a Sin 1.03
06.02. It's a Sin 1.04
It's a Sin 1.05
09.02. The Drowning 1.02
Mr. Robot 3.10
11.02. The Drowning 1.03
The Drowning 1.04
13.02. Leverage 1.11
Servant 2.01
Servant 2.02
Castle Rock 1.01
14.02. Norm 3.19
15.02. Family Guy 19.11
Servant 2.03
Servant 2.04
16.02. Castle Rock 1.02
17.02. The Simpsons 32.12
This Is Us 5.07
18.02. Servant 2.05
Norm 3.20
20.02. Leverage 1.12
Des 1.01
Castle Rock 1.03
21.02. This Is Us 5.08
Leverage 1.12
Des 1.02
22.02. Des 1.03
Norm 3.21
23.02. Castle Rock 1.04
Servant 2.06
26.02. This Is Us 5.09

Gleich zwei Serien mit Beteiligung ehemaliger "Doctor Who"-Zugpferde waren im Februar dabei und werden mir lange in Erinnerung bleiben: Russell T. Davies' ("Years and Years") Achtzigerjahre-Aids-Drama It's a Sin sowie Des mit David Tennant, der mich als 10. Doktor zum Schluss zwar genervt hat, hier aber wie schon in "Broadchurch" beweist, was für ein wandlungsfähiger Schauspieler er ist. Tennant verkörpert in "Des" (nach einem True-Crime-Bestseller von Brian Masters) den narzisstischen Zwölffachmörder Dennis Nilsen, von dessen abscheulichen Taten ich bereits als Bub' im London Dungeon erfahren hatte. Nun darf man aber keinen expliziten Serienkiller-Thriller à la "Der Goldene Handschuh" erwarten, ganz im Gegenteil: Der Dreiteiler setzt nach den Taten von Nilsen – der auf Fotos übrigens wie Tennants Zwillingsbruder aussieht – ein und legt seinen Schwerpunkt auf die Ermittlungen, die Gespräche des Beschuldigten mit seinem "Biographen" sowie die Gerichtsverhandlung, und das alles einfühlsam, zurückhaltend und gerade deshalb sehr eindringlich.
Und weil nach "One Of Us" (11/20) mal wieder ein fiktionales britisches Mini-Crime-Drama fällig war, habe ich mir noch The Drowning vorgenommen, dessen 5,5-er Wertung auf imdb mir nicht einleuchtet.
Mr. Robot hatte ich vor wer weiß wie vielen Jahren nach der zweiten Staffel aufgegeben, weil mir die Handlung zu kompliziert geworden war und die Dialoge zu dämlich-prätentiös waren (und mich darin an "Dr. House" erinnerten). Season 3 gefiel mir nun wieder ganz gut, insbesondere letztgenanntes Problem ist mir hier überhaupt nicht aufgefallen, was daran gelegen haben mag, dass ich von deutscher Sprache auf Originalton gewechselt habe. Allgemein mag ich Sam Esmails Regiestil sowie die stets passende Musikuntermalung und bin auf die vierte und letzte Staffel mehr als gespannt.

Sonntag, 28. Februar 2021

Fröhliches Bücherregalausmisten

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, besteht an solchen Aktionen null Interesse, aber ich versuche es doch noch einmal. Wer eines oder mehrerer dieser Bücher, die ich nicht noch einmal lesen werde, haben möchte, möge mich direkt oder via Kommentar anschreiben, sonst landen sie im offenen Bücherschrank. 3 Euro pro Stück inkl. Versand sei die Verhandlungsbasis; es lassen sich auch kostenverringernde Bundles erstellen.

 
Es handelt sich um:
- "The Actor's Life" von Jenna Fischer ("The Office"), ein Hybrid aus ernsthaft nützlicher Hollywood-Karrierebibel und launiger Autobiographie. Fischer gibt viele Einblicke in die amerikanische Film- und Serienindustrie (jawohl: -industrie!) und erzählt die ein oder andere Kolleg(inn)en-Anekdote, ohne sich dabei in gehässigem Gossip zu ergehen. Ich bin nach der Lektüre zu der späten Erkenntnis gelangt, dass Schauspielerei ja ein echter, nicht selten knochenharter Job ist, der für mich absolut nicht in Frage käme. [englisch]
- das "De-Textbook" von den Machern einer meiner seit All-time-Lieblings-Humorseiten Cracked.com, eine Sammlung 
pointiert geschriebener Artikel, die beliebte, über Jahrzehnte tradierte Irrtümer in amerikanischen Schulbüchern (textbooks) und aus dem kollektiven Allgemeinwissensschatz richtigstellen. [englisch]
- David Spades Memoiren "Almost Interesting". Offen gestanden fand ich etliche Passagen reichlich cringe-worthy, was ich freilich erwartet hatte. Für SNL-Nerds ist das Taschenbuch trotzdem ein Muss. [englisch]
- das Diaphanes-"Booklet" zu "Dr. House" von Sarah Khan. Aus dieser Reihe habe ich bereits Dietmar Daths Analyse zu "Lost" mit Gewinn gelesen, und ebenso kundig wie gewagt wird hier die wohl berühmteste Krankenhaus-Serie, die keine Krankenhaus-Serie ist, seziert. [deutsch]

Und apropos Medizin habe ich noch zwei Lehrbücher mit wahrscheinlich völlig veraltetem Wissen anzubieten, lol.

Zu guter Letzt möchte ich drauf hinweisen, dass bei mir auch noch Kookaburras bestellt werden können (dazu gibt es gratis ein Exemplar meines Kreuzworträtselbuches).

Freitag, 26. Februar 2021

Chip, Chip, Chip, Chip und Test

Ich bitte alle, denen meine Knabberprodukttests noch mehr zum Hals raushängen als "Pombär Original", um Entschuldigung. Ich versuche mich kurzzufassen. Im Grunde sind diese Rezensionen ja nur Erinnerungshilfen für mich selbst, damit ich im Dschungel der Chipse nicht den Überblick verliere.

1. Funny-frisch Kessel Chips Cross Cut Ranch Sauce Style: Wie schon mit der Barbecue-Variante hat Funny-frisch mit diesem neuen Cross-Cut-Ableger bewiesen, dass man auch zum kleinen Preis hochwertige Kesselchips bekommen kann. Eine ausgefallene, höchst aromatische, dabei nicht übertriebene Ranch-Dressing-Note sorgt im Verein mit natürlichen Zutaten für ein unvergleichliches Snack-Erlebnis. (Wegen der widerlichen Werbesprache bitte ich erneut um Entschuldigung, aber ich bin wirklich begeistert!) 8,5/10 Punkten (ausnahmsweise mit halbem Punkt, weil mir 8 zu niedrig erscheinen).


2. Rewe Feine Welt Kartoffelchips mit Trüffelgeschmack: Man muss ihn mögen, den unverkennbaren Geschmack schwarzer Sommertrüffel. Hier ist er durchaus vordergründig, und obwohl ich persönlich, bei Käse zum Beispiel, schnell genug davon kriege, musste ich die 100 Gramm in dieser Tüte (1,29 €) in einem Rutsch verschlingen. Pluspunkte bekommt Rewes neue Sorte vor allem für die durch zweifaches Backen geschaffene Knusprigkeit, insgesamt vergebe ich 7/10.

Mittwoch, 24. Februar 2021

Ex- und Wikipeditionen

Wenn ich mit der Regionalbahn Wege weit abseits bekannter Metropolen bestreite, gebe ich immer gerne die Namen der anliegenden Ortschaften in das Wikipedia-Suchfeld meines Smartphones ein – dafür reicht die Internetverbindung ja meistens. Schwuppdiwupp hat man sich festgelesen, findet dies und das über lokale Eigentümlichkeiten heraus, hangelt sich Verlinkungen und Querverweisen entlang; ihr kennt das.

Eine wahre Fundgrube in Artikeln über Orte ist oft der Abschnitt "Persönlichkeiten". Zwei Entdeckungen der jüngeren Vergangenheit:
1. In der Ortsgemeinde Balduinstein – welche zwar nur 596 Einwohner zählt, dafür aber sowohl eine Burgruine gleichen Namens als auch ein Schloss, die Schaumburg, unterhält – lebt der 1960 im südindischen Chandepalle geborene Avatar Mutter Meera. Sie gibt nahe der Schaumburg vorab angemeldeten Personen ihren Segen, den sog. Darshana (zurzeit jeden Abend im Livestream). Auf Schloss Schaumburg wurde außerdem der Fernsehfilm "
Schrei – denn ich werde dich töten!" gedreht (RTL 1999), dessen Hauptrolle Katharina Wackernagel spielt, die übrigens eine Nachfahrin des Indogermanisten Jacob Wackernagel ist, dem Vater des Wackernagelschen Gesetzes, aber jetzt muss ich wirklich aufhören mit dem Wikipedia-Hopping, denn ich komme zu Entdeckung Nummer
2. In Limburg-Eschhofen wurde ein Schlagersänger mit dem Künstlernamen "Ikke Hüftgold" geboren. Als ich das las, musste ich schmunzeln ... und wenige Tage später erneut, als mir, in einem typischen Fall unerklärlicher Doppelbegegnung, der Name in einer Schlagzeile auf "Bild online" begegnete.

Montag, 22. Februar 2021

Hygiene-Szenen mit Geschmäckle

Wir befinden uns im Jahr 2 der Corona-Pandemie, und es erstaunt mich fast, dass mir in den von mir seit März 2020 konsumierten Medien keine weiteren Stellen begegnet sind, die auf unangenehme Weise an die derzeitige Situation erinnern. Neulich aber doch!

"Es war ein sehr kalter Tag, trotzdem ließ man die hohen Fenster hinter den Schutzgittern weit geöffnet, um den Besuchern die vorbildlichen Gesundheitsregeln der Schule vorzuführen. Die kleinen Mädchen zitterten, während sie steif auf ihren Plätzen standen."

----- Patricia Highsmith: Ladies. Frühe Stories

Das zweite Fundstück ist kein literarisches, muss aber unbedingt in dieser losen Reihe präsentiert werden. Episode 3.20 der Sitcom "Norm" ("Norm vs. Deception", Erstausstrahlung 9.3.2001) enthält etwas, das ich als "Funny Aneurysm Moment" klassifizieren würde, auch wenn "TV Tropes" dazu erklärt: "[A]nything related to a widespread disease, basic hygiene, hoarding of any kind, or something similar to social distancing doesn't inherently mean that there's a connection to the Coronavirus Pandemic."

Jedenfalls ist in dieser Folge Norms Kollege Danny an der Grippe erkrankt, kommt aber trotzdem jeden Tag ins Büro. Sein Chef, Mr. Denby, erscheint deswegen mit einer medizinischen Gesichtsmaske auf Arbeit. Studiogelächter.
Norm: "Sir, finden Sie es nicht ein bisschen verrückt, eine Maske zu tragen?"
Denby: "Was reden Sie da? Michael Jackson trägt auch eine Maske, und der ist völlig normal."
Norm: "Hören Sie, Mr. Denby, das ergibt doch keinen Sinn. Danny ist erkältet, meinen Sie nicht, Danny sollte die Maske tragen?"
Denby: "Oh, das stimmt. Sanchez! Ziehen Sie die an." [nimmt die Maske ab und überreicht sie Danny, der sie sich aufsetzt]
Norm: "Wobei ... die Erkältung ist wahrscheinlich schon in der Luft ... vielleicht sollten doch Sie die Maske tragen."
[Danny hustet in die Maske]
Denby: "Da haben Sie recht ..." [zu Danny] "Geben Sie mir die zurück." [nimmt sie ihm ab und setzt sie sich wieder auf; das Publikum stöhnt angewidert]


Das war heftig.

Samstag, 20. Februar 2021

No news is good news

Seit ein paar Jahren kommt kein Magazin, keine Zeitung mehr aus ohne größere und kleinere, unregelmäßige oder serielle Features darüber, dass trotz der düsteren Weltlage "alles immer besser" werde. Die Zeit überschrieb ihren Rückblick auf das vergangene Horrorjahr mit der Frage "Ist 2020 doch besser als sein Ruf?" und listete darunter "50 Dinge, die gar nicht übel waren dieses Jahr" auf. Und wie viele Interviews mit Steven Pinker müssen wir eigentlich noch ertragen? Besonders nervig finde ich den bemühten Optimismus in der Stern-Rubrik "Das sind ja mal gute Nachrichten". Wie in der genannten Zeit-Strecke finde ich hier so gut wie nie irgendetwas, das mich von meinem Fatalismus bezüglich der Menschheit abbringen könnte. Die angeblich positiven Meldungen in der letzten Ausgabe habe ich beispielhaft abgeschrieben:

  • Das "virale" Gedicht, das die junge Amerikanerin Amanda Gorman bei der Amtseinführung Joe Bidens vorgetragen hat, erscheint im März in deutscher Fassung.
  • Der britische Kontaktlinsenhersteller LGL entwickelt eine "iLens", die sich im Auge "mit dem Handy verbinden" lässt und "auf Zwinkern Fotos machen" kann.
  • Der Bierkonsum der Deutschen ist 2020 um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.
  • Makaken auf Bali haben eine Art "ökonomischen Sachverstand" entwickelt: Sie tauschen geklaute Sonnenbrillen, Hüte etc. bei Tempelmitarbeitern gegen Leckerli ein.
  • "Das Schlosshotel Kronberg [...] ist Kulisse für den Film 'Spencer', ein Drama über das Leben der britischen Prinzessin."
Keine einzige dieser Neuigkeiten betrifft mich in irgendeiner Weise oder ist geeignet, das Leben von jemandem, den ich kenne, zu verbessern. Die genannten Fakten und Entwicklungen sind trivial, bestenfalls kurios und in einem Fall (Kontaktlinsen) sogar beängstigend. Welche Person liest so einen Beitrag und denkt sich: Och, stimmt, wir sind viel weniger übel dran als gedacht ...

Ich möchte stets fair sein. Deswegen habe ich nach dem Kopieren der Stern-Seite nicht sofort mit dem Verfassen dieses Blogeintrags begonnen, sondern eine Woche gewartet. Ich wollte weitere Beispiele ins Feld führen. Wie um meine These vom so fruchtlosen wie krampfhaften Selbstverständnis der Medien als Grundhaltungs-Korrektiv hohnlachend zu widerlegen, sind die "guten Nachrichten" im aktuellen Stern tatsächlich einigermaßen erfreulich:
  • Neue markante Flatterleinen vor der namibischen Küste könnten die Zahl der durch Fischerboote mitgetöteten Seevögel um 98 Prozent senken.
  • "Das Empire State Building deckt seine Stromversorgung jetzt zu 100 Prozent aus Windkraft."
  • In Berlin gibt es inzwischen drei mobile Stroke-Units, also auf Schlaganfälle spezialisierte Einsatzwagen.
  • Die Investitionen in umweltfreundliche Projekte, sog. Green Bonds, könnte in diesem Jahr 450 Milliarden Dollar betragen.
  • Ein Team des MIT hat Spinatwurzeln mit Nanotechnologie aufgerüstet, die "Hinweise auf Minen im Boden finden" soll.
Ja mei. Wie wäre es denn, nicht auf Teufel komm raus jede Woche fünf rosige Mitteilungen zusammenzutragen, sondern die good news so zu präsentieren, wie sie anfallen? Ich gebe ja zu, dass die Gegenwart nicht ausschließlich niederschmetternd ist. Dennoch halte ich Erfolge wie die fünf zuletzt aufgeführten für prä-mortale Zuckungen und bin mir zu 100 % sicher, dass der Niedergang der Menschheit und ihres kleinen blauen Heimat-Geoiden unabwendbar ist.

Donnerstag, 18. Februar 2021

Videospieltipp: Little Nightmares

Wer sich daran erinnert, wie begeistert ich von "Limbo", "Inside" und "Black The Fall" war, wird sich wundern, warum ich erst jetzt mit "Little Nightmares" um die Ecke komme, wo doch kürzlich schon der zweite Teil des Jump'n'Run-Albtraums der schwedischen Tarsier Studios erschienen ist! Erklärung: Es gibt keine; das Spiel hatte ich schlicht nicht auf dem Schirm! Dabei ist es wie zu erwarten right up my alley

Wie in den vorgenannten Titeln steuern wir hier einen namenlosen Charakter, in diesem Fall eine Art Wichtel, durch eine gruselige Umgebung, ohne zunächst zu wissen, wo genau wir sind, woher wir kommen und was unser Ziel ist. Es geht geradeaus, immer weiter, an Hindernissen und Gefahren vorbei, sehr bald haben wir auch monströsen Gestalten auszuweichen. In das Design der Kreaturen ("Menschen" kann man sie kaum nennen) ist sehr viel Fantasie geflossen. Wir manövrieren uns schleichenderweise an ihnen vorbei, müssen aber gelegentlich auch mit gedrückter Rennen-Taste die Flucht nach vorn antreten. Die Stealth-Elemente überwiegen jedoch, und wenn wir etwa durch eine Küche mit gleich zwei blutrünstigen, aufgedunsenen Köchen tippeln, klettern und springen, geht uns ganz schön die Pumpe. Die Aufgaben und Rätsel, die wir dabei zu bewältigen haben, sind nicht sonderlich komplex, selten geht es über "Trage Schlüssel zu Schloss" hinaus. Wenn ich mich an einigen Passagen dennoch bis zu zehnmal versuchen musste, lag das daran, dass ich die Sichtweite und KI meiner Gegner unterschätzt habe. Die Speicherpunkte sind einigermaßen fair gesetzt; freies Speichern gibt es nicht.

"Little Nightmares" sieht fantastisch aus, die Hintergründe sind detailliert, es wird liebevoll mit Schärfe und Unschärfe und Licht und Schatten gespielt. Seltsam ist, dass das Game eine USK-Freigabe ab 12 erhalten hat, denn einige Schock- und Ekelszenen stehen denen von "Inside", was als "ab 16" eingestuft wurde, in nichts nach (auch wenn sie weniger explizit sind). Wer sich gerne ein wenig verstören lässt und mit nassen Händen von einem WTF-Moment schleicht, ist hier jedenfalls goldrichtig.


Dienstag, 16. Februar 2021

Artischockschwere Not!

Jetzt ist es schon wieder fast zwei Monate her, dass ich ein Rezept geteilt habe ... Sorry! Hier nun ein weiteres Mal meine Interpretation eines amerikanischen Pasta-Rezepts. Es stammt vom "Food Network", macht vier Personen satt und ist, nehme ich an, ziemlich gesund. Umgerechnet habe ich lediglich die metrischen Maßangaben (bzw. die nicht-metrischen i.S.v. metric; ihr wisst, was ich meine), bei der Unsitte, mit Tassen ("cups") zu hantieren, ist es ja nur wichtig, eine einheitliche Größe zu Grunde zu legen; ich nehme immer einen etwas kleineren mug, einen sich nach unten verjüngenden Kaffeepott.


Man koche 340 Gramm Orecchiette, Trulli, Hörnchen- oder vergleichbare Nudeln in Salzwasser. (Ich habe eine Pastasorte gefunden, die zufällig genau in dieser Masse, 12 Unzen, daherkommt. Oft hat man ja das Problem der sich ansammelnden geöffneten Nudelpackungen. Leider vergessen, welche.) Bevor man die Nudeln abgießt, schöpft man eine 3/4 Tasse des Nudelwassers ab und bewahrt es für später auf. 

In einer großen Pfanne erhitze man 2 EL Olivenöl. Darin brate man Artischockenherzen aus dem Glas an (z.B. von Dittmann, 330 Gramm Abtropfgewicht) für ca. 5 Minuten bei nur einmaligem Wenden. Vorher salzen. Sind die Artischockenherzen leicht gebräunt, entnimmt man sie und stellt sie beiseite. Nun kommen in die Pfanne: 2 weitere EL Olivenöl, 3 dünn geschnittene Knoblauchzehen sowie weiße Bohnen aus der Dose (z.B. von Bonduelle, 500 g, abgespült und abgetropft). Zwei Minuten unter vorsichtigem Rühren braten.

Jetzt eine Dose Kirschtomaten (gibt's nicht überall, aber das Suchen lohnt sich auch, wenn man andere Pastasoßen zubereiten will!), 1/4-1/2 TL Chiliflocken und einen weiteren 1/4 TL Salz hinzugeben (mit Salz, das habe ich gelernt, sollte man ohnehin nicht geizen). Langsam aufkochen lassen, 3 Minuten rühren, bis man eine leicht angedickte Masse hat.

Jetzt kommen die Nudeln mit dem übrig gelassenen Nudelwasser hinein. Eine Minute vermischen. Eine halbe Tasse gehackte Petersilie (praktisch: TK), eine Vierteltasse geriebenen Parmesan und die Artischockenherzen unterheben. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Nach dem Servieren mit noch mehr Parmesan bestreuen.

Sonntag, 14. Februar 2021

Nacht- und Nebelwanderung

Ich habe ein neues Hobby für mich entdeckt, das ich euch nur ans Herz legen kann, vorausgesetzt in eurer Stadt herrscht keine Ausgangssperre: nächtliches Spazierengehen. Vor ein paar Wochen habe ich es zum ersten Mal ausprobiert. Die Kombination Winter/Lockdown/Nebel bietet ohnehin tolle Möglichkeiten, seiner Nachbarschaft ganz neue Blickwinkel abzugewinnen; zu vorgerückter Stunde bekommt das urbane Umfeld noch einmal einen zusätzlichen Zauber. Man muss natürlich bedenken, dass die Chance, ausgeraubt oder abgestochen zu werden, leicht erhöht ist, gerade in Frankfurt. Doch ich bin ja nicht durchs Bahnhofsviertel flaniert, sondern habe mich via Messe- ins Europaviertel begeben, den menschenfeindlichsten und lebensunwertesten, aber wohl sichersten, weil ödesten Stadtteil Frankfurts. Ich konnte in die gespenstischen Frühstücksräume leerstehender Hotels schauen – wobei einzelne Hotels derzeit geöffnet sind: Vor einem stand rauchend ein einzelner aus welchen Gründen auch immer hier gestrandeter Gast. Das war einer der wenigen Menschen, denen ich begegnete. Ich passierte Bankentürme, bei denen aus keinem einzigen Fenster Licht strahlte, bewacht lediglich von einem einsamen Wachmann vor einer Monitorwand. Büros bieten bei Nacht ein faszinierendes Bild. Von einer Brücke aus konnte man gut auf einige verwaiste Arbeitsplätze schauen; ein Foto zu machen traute ich mich nicht, da ich die Anwesenheit Industriespionage abwehrender Überwachungskameras in meinem morphischen Feld spürte. Ein paar nette Handyaufnahmen, hauptsächlich von Hochhäusern, sind mir dennoch gelungen. Vielleicht sollte ich beim nächsten Ausflug meine Systemkamera mitnehmen.







Freitag, 12. Februar 2021

Betr.: Palindromtag, Milch, Friends, Katzenfrau

In diesem Moment geht er zu Ende, ein ganz besonderer Tag. Das Datum 12.02.2021 ergibt nämlich rückwärts gelesen, mit leicht veränderter Punktsetzung, dasselbe! Das letzte "Ereignis" dieser Art (02.02.2020) habe ich ignoriert, und auch das nächste (22.02.2022) soll in diesem Blog keine Erwähnung finden.

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In meiner Aufzählung real existierender und fiktiver Milche fehlten damals einige Sorten, die es meines Wissens noch nicht gab und die zu erfinden mein Gehirn nicht vermochte: Haselnussmilch (lecker), Cashewmilch (dito) und Erbsenmilch (zu erbisg). Nun lese ich im Zeit-Magazin dies: "Das musste ja kommen: Jetzt gibt es auch noch Pistazienmilch, zum Beispiel von der Firma Táche. Welche Nuss wurde eigentlich noch nicht gemolken?"
Ich gebe die Frage weiter und setze Pistazienmilch auf meine To-drink-Liste.

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Bei Amazon Prime Video gibt es die Kategorie "Könnte es noch nostalgischer sein?", in der Filme und Serien mit Nostalgie-Faktor versammelt sind. Neulich fand ich nach einer unerklärlichen Umstellung des Sprachprofils heraus, dass diese Rubrik auf englisch "Could this BE more nostalgic?" heißt – eine klare Anspielung auf die Serie "Friends", in der Matthew Perry alias Chandler Bing regelmäßig rhetorische Fragen nach dem Muster "Could [x] be more [y]?!" stellte. Das, nun ja, etwas Bittersüße daran ist, dass die Nostalgie-Sitcom "Friends" gar nicht mehr Teil des Prime-Angebots ist. Seit Anfang des Jahres läuft sie bei Netflix, wie schon 2018 bis 2019; davor sowie 2020 lagen die Rechte bei Amazon, soweit ich weiß. Wohl dem, dem dieses Hin und Her egal sein kann, weil er sämtliche Staffeln auf dem Retro-Medium DVD besitzt (und nie mehr anschauen wird) (wie ich) ...

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An der Kasse bei Rewe stand hinter mir eine Frau in einem Leopardenfellmuster-Mantel, einer Leopardenfellmuster-Hose und mit einem ebensolchen Schal, dazu trug sie eine Leopardenfellmuster-Tasche sowie einen Mundschutz mit dem Aufdruck des Gesichts einer Großkatze. Ich war so gebannt von dem Anblick, dass ich nicht merkte, wie der Kassierer einen Teil meines Einkaufs der Kundin vor mir zuschlug.
So was gibt's nur in Frankfurt, was? Falsch! Das war in Berlin.

Donnerstag, 11. Februar 2021

Klassiker des Humors

In einer Filiale des Ramsch- und Schreibwarenladens Pfennigpfeiffer sah ich einmal eines der sonderbarsten Bücher aller Zeiten. Es war ein Groschenromanheftchen (10 Cent) aus der Reihe Tolle Typen mit dem Titel "Micky, hör auf mit dem Quatsch!" Das Beste war allerdings der Sticker, der auf dem Heft klebte: "Mega toll!"
Wie toll der Schmöker war, konnte ich nie erfahren, denn ich war zu geizig, ihn zu erwerben.

Dienstag, 9. Februar 2021

Das CAUf' ich euch nicht ab!

Ich fragte mich neulich, wie wohl das Motto der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel lautete. Zugegeben eine sehr spezielle Frage, die ich mir jedoch nicht ohne Grund stellte: Im Jahr 2009 hatte jene Uni eine doppelseitige Anzeige in der Zeit geschaltet und darin zu einem Sloganwettbewerb aufgerufen. Ich fühlte mich damals beflügelt, mitzumachen, die zündende Idee flog mir allerdings nicht zu. Meine halbgaren Ideen hielt ich nicht für einreichenswert, aber für eine leicht verspätete Veröffentlichung an dieser Stelle hat es sich gelohnt, sie festzuhalten:

- "Meer wissen"
- "Studieren mit (Fisch-)Köpfchen"
- "Im Norden viel Neues"
- "All aboard the Scholarship!"
- "Hier promovierte vor 100 Jahren Hans-Gerhard Creutzfeldt (ja, der mit den Gehirnen!)"

Elfeinhalb Jahre später fällt mir ein, doch mal zu überprüfen, welcher Slogan letztlich gewonnen hat. Im Archiv der CAU-Seite steht's (Nachnamen von mir abgekürzt):

- "Exzellenz im Norden. Seit 1665" (Detlev B., Köln)
- "Wo aus Forschung Zukunft wird" (Andreas L., Oestrich-Winkel)
- "Zusammen auf Kurs" (Sebastian D., Uedem)

Gähn.

Sonntag, 7. Februar 2021

Ich will "keine" Schokolade

Als es vor schätzungsweise einem Jahrzehnt losging mit immer kakaoigeren Süßigkeiten – Schokolade mit 75 % Kakao aus São Tomé; Zartbitter mit 80 % Kakaoanteil; etc. –, haben wir noch gescherzt: "Bald gibt es bestimmt Tafeln mit 99 Prozent Kakao, pruuust!"

Wir konnten ja nicht ahnen, dass die Überbietungslogik im Jahr 2021 von Ritter-Sport auf die Spitze getrieben würde: Mit "Cacao Y Nada" wurde eine Sorte mit dem unfassbaren Versprechen "100 % Kakao" kreiert. Diese Schokolade enthält laut Firmenhomepage ausschließlich Zutaten, "die aus der Kakaofrucht gewonnenen [sic] werden: Kakaomasse, Kakaobutter, Kakaopulver und Kakaosaft", weswegen sie, wie es weiter unten heißt, offiziell gar nicht so genannt werden darf.

Darauf sprangen wie zu erwarten Dutzende Medien an und kolportierten die Meldung, ein "absurdes Lebensmittel-Gesetz", das vorschreibe, Schokolade müsse Zucker enthalten, verbiete Ritter-Sport, sein zuckerfreies Produkt so zu nennen (beispielhaft Chip). Wenig später kam ans Licht: Fake News! "Die Kakaoverordnung begrenzt die Verwendung zuckerhaltiger Zutaten nicht auf bestimmte Zuckerarten. Deshalb müsste ein Produkt, das natürlichen Kakaosaft verwendet, nach Einschätzung unseres Ministeriums auch unter der Bezeichnung Schokolade verkauft werden dürfen", stellte Julia Klöckner gegenüber der WirtschaftsWoche klar.

Die Rechnung geht auf: Während ich diese Zeilen schreibe, erzielen im Internet angebotene Exemplare von "Cacao Y Nada" Mondpreise. Neben der Lebensmittelrechtsposse hat Ritter-Sport nämlich zusätzlich auf das Mittel der künstlichen Verknappung gesetzt, um den Hype zu befeuern. Von den mit stattlichen 4,99 € bepreisten 57-Gramm-Tafeln wurden gerade mal 2300 Stück produziert. Die waren natürlich im Nu ausverkauft und tauchen inzwischen nur noch vereinzelt bei eBay auf.

Kapitalismus (Symbolbild); Screenshot: 05.02.2021, 15 Uhr

Mittwoch, 3. Februar 2021

Mein kindliches Gemüt

Pipi-Kacka-Humor ist normalerweise so gar nicht meins, aber wenn er unerwartet kommt, habe ich nichts dagegen.

Ich las Fachlektüre, es ging um griechische Bildungen auf -so-. Als in einer Aufzählung das Beispiel "órsos, Arsch" auftauchte, musste ich zum ersten Mal wiehern, zum zweiten Mal, als ein paar Zeilen darunter stand: "polychesos 'den Durchfall habend' neben chésai 'kacken'".
Ich schäme mich.

Montag, 1. Februar 2021

Serientagebuch 01/21

01.01. Years and Years 1.04
02.01. Years and Years 1.05
Years and Years 1.06
04.01. Fargo 4.10
05.01. Ripper Street 5.01
Fargo 4.11
06.01. Norm 3.12
07.01. Ripper Street 5.02
09.01. Ripper Street 5.03
Mr. Robot 3.01
10.01. Ripper Street 5.04
Mr. Robot 3.02
11.01. Norm 3.13
Ripper Street 5.05
13.01. Mr. Robot 3.03
14.01. Ripper Street 5.06
16.01. MotherFatherSon 1.01
17.01. Norm 3.14
The Simpsons 32.11
MotherFatherSon 1.02
Mr. Robot 3.04
19.01. MotherFatherSon 1.03
20.01. Family Guy 19.10
Doctor Who 13.00
MotherFatherSon 1.04
22.01. MotherFatherSon 1.05
23.01. Norm 3.15
MotherFatherSon 1.06
24.01. MotherFatherSon 1.07
MotherFatherSon 1.08
25.01. This Is Us 5.05
Norm 3.16
Mr. Robot 3.05
26.01. Norm 3.17
Norm 3.18
27.01. Mr. Robot 3.06
28.01. Leverage 1.09
Mr. Robot 3.07
30.01. Mr. Robot 3.09
31.01. Leverage 1.10

Years and Years war für mich ein frühes Highlight des Jahres – obwohl der BBC-Sechsteiler des Ex-"Doctor Who"-Showrunners Russell T Davies bereits 2019 gelaufen ist. 2019, das bedeutet auch, dass diese sich über drei Jahrzehnte in die Zukunft erstreckende Familiensaga bei aller Schwarzmalerei nicht den wahren Horror vorhersehen und weiterspinnen konnte, der seit 2020 unser aller Leben beherrscht. Ärgerlich! Aber es hat auch sein Gutes, nämlich einerseits die Erkenntnis, dass ja alles noch schlimmer sein könnte, andererseits war so Platz für alternative dystopische Szenarien (und auch die ein oder andere satirische Verlängerung; ganz ohne englischen Humor geht's dann doch nicht). Neben dem harten Polit- und Gesellschafts-Tobak stehen jedoch stets die – nicht minder beklemmenden – Einzelschicksale der manchesterischen (Wie übersetzt man Mancunian?) Familie im Vordergrund.
Wie "Years and Years" läuft auf dem "Starzplay"-Channel, den ich mir Ende letzten Jahres gebucht hatte, weil es so billig war, das BBC-Drama MotherFatherSon. Dessen acht Episoden waren ähnlich bedrückend, jedoch litt das im Titel angedeutete Hauptsujet unter einer gewissen Verwässerung durch zu viele unnötige Nebenschauplätze. Hätte sich diese Produktion, die in jeder Szene "high prestige!" ruft, voll und ganz auf die drei Hauptcharaktere – einen von Richard Gere verkörperten Medienmogul, dessen geschiedene Frau und den selbstzerstörerischen Sohn – und ihr Verhältnis zueinander konzentriert, würde "MotherFatherSon" in einer Liga mit "Broadchurch" spielen, um ein willkürliches Beispiel mit vergleichbar schauspielerischer Wucht heranzuziehen.
Erstaunliche Wandlungsfähigkeit beweist der 1974 geborene Schauspieler Joseph Mawle: Verkörperte er in "Game of Thrones" einen mittelalten und später halbtoten Benjen Stark, gibt er in "MotherFatherSon" glaubhaft einen fast noch jugendlich wirkenden Wohnungslosen, der aber älter aussieht, als er sollte, und mimt in Ripper Street einen kränklich abgehalfterten, raubeinigen Detective Inspector, den man ein Alter von Mitte 60 abnimmt! Alles in allem ist die fünfte und letzte Staffel des grimmigen Whitechapel-Thrillers enorm character-driven. Begann "Ripper Street" als historisches "Monster of the week"-Polizei-Procedural, erzählt es in den finalen sechs Folgen eine zusammenhängende Geschichte um gebrochene Jäger und Gejagte, in der es für keine/n der Beteiligten irgendwelche Hoffnung gibt. Das Ende bietet dann doch ein wenig closure, ist aber, so viel sei verraten, so offen, dass direkt eine sechste Staffel folgen könnte (was wohl aber nicht passieren wird).
Die vierte Staffel der Anthologiereihe Fargo hat mir nicht so sehr wie die dritte, aber deutlich besser als die zweite gefallen. Das typische Narrativ, dass einfache Leutchen durch eine Mischung aus Tölpelei und Übermut in einen Strudel aus fatalen Intrigen und blutigen Fehlentscheidungen geraten, fehlt mir hier irgendwie. Wohl gibt es auch eine Handvoll gutmütiger Sympathieträger, doch wie schon in Season 2 wird uns hier letztlich eine klassische Mafia-Saga aufgetischt – immerhin in stylishen Bildern, mit berauschender Musik und wie immer mit den wohl geschliffensten Dialogen der modernen Fernseh-Fiction. Und Chris Rock zeigt einmal mehr, wie viel in ihm als ernster Darsteller steckt.
Ein Wort noch zum Neujahrs-Special von Doctor Who: Es war das in meinen Augen schwächste Special aller Zeiten. Bemerkenswert ist, dass ich damit in diesem Monat dreimal Zeuge wurde, wie eine Außenseiter-Politikerin mit sinistren Ambitionen in das Amt der britische Premierministerin strebt. Lasst euch mal was anderes einfallen, haha!