Dienstag, 17. September 2019

Scharlachrote Buchstabe (= r)

Erinnerung an die Schulzeit, es muss in der 9. oder 10. Klasse gewesen sein. Unsere Physiklehrerin schreibt das Thema der Stunde an die Tafel: "Elektrische Widerstand". Einige Schüler, darunter ich, monieren, dass es "Elektrischer Widerstand" heißen müsse. Das sieht die Lehrkraft nicht ein und blafft uns an, es heiße schließlich "Der elektrische Widerstand", ohne -r. Wir versuchen sie zu überzeugen, dass sie dann auch den Artikel mit hinschreiben müsse. Leider werde ich erst ein paar Jahre später vom Phänomen der Gemischten Deklination erfahren, so dass ich unsere Einwände nicht mit harten Fakten untermauern kann. Die krumme Überschrift "Elektrische Widerstand" bleibt für den Rest der Stunde stehen.

Letzte Woche nun entdeckte ich bei Rewe diesen Brotaufstrich:


Er ist sehr lecker, aber auch hier stört mich das falsch gebeugte Adjektiv ungemein. Die Auseinanderschreibung von "Karottenaufstrich" ist da nur die Spitze des Eisbergs. Man könnte versuchen, die zwei Zeilen "Würzige Karotten Aufstrich" als separat stehend zu interpretieren, also etwa "Würzige Karotten: ein Aufstrich", aber würzige Karotten soll mir erst mal jemand zeigen. Karotten sind von Natur aus reichlich fad, und nur mit weiteren Zutaten (in diesem Fall u.a. Ingwer, Petersilie und Knoblauch) lässt sich aus ihnen ein würziger Aufstrich herstellen.

Vom elektrischen Widerstand habe ich weder vor zwei Jahrzehnten noch späterhin irgendwas verstanden, aber im Gegensatz zu Sprache und Lebensmitteln spielt er in meinem Leben auch keine Rolle mehr.

Samstag, 14. September 2019

Rebellion der Tabellenkalkulationen

Am Ende waren es doch keine Killerroboter, keine Y2K-Bugs, keine Geister in der Maschine, die das Aussterben der Menschheit entscheidend vorantrieben, sondern eines der am weitesten verbreiteten Programme der Welt: Excel. Weil dieses "viele Namen von Genen in Tabellen standardmäßig zu Datumsangaben" konvertiert, sind schätzungsweise 20 Prozent aller Genetik-Studien verfälscht (futurezone.at). Das hat eine bereits 2016 im Magazin Genome Biology veröffentlichte Studie von Mark Ziemann, Yotam Eren und Assam El-Osta ergeben. Beispielsweise existieren Gensymbole namens SEPT2 oder MARCH1, und diese werden automatisch als 2. September resp. 1. März interpretiert und in den Tabellen entsprechend umgewandelt. (Ich selbst werde regelmäßig Opfer dieser Mechanismen.) Eine Microsoft-Anwendung sorgt also dafür, dass die Erforschung unseres Erbguts auf der Stelle tritt, behindert sie sogar aktiv.
Für mich die Science-Enthüllung des Jahres!

Donnerstag, 12. September 2019

Brausemädchenrechnung

Eine Cola light bei Burger King hat nur 1 Kilokalorie. Und zwar in jeder Größe! 'Das geht doch gar nicht', denkt ihr? Geht wohl – mit Runden! Angenommen, eine kleine Cola light (0,25 l) hat 0,6 KCal (offizielle Angabe), dann hat eine große das Doppelte: 1,2 KCal, was abgerundet immer noch 1,0 ist. Aber wen interessiert das schon, wenn man dazu einen Triple Whopper frisst, der gleich mal mit mehr als 1200 Kilokalorien zu Buche schlägt?

Dienstag, 10. September 2019

Torsten Neunmalklug schlägt wieder zu

Im April 2017 habe ich behauptet, ich hätte an den Spiegel "den ersten Leserbrief meines Lebens" geschickt. Diese Behauptung ist unwahr, wie ich beim Durchsehen meines Privatarchivs neulich bemerkte. Zum Glück schreibe ich alles auf! Ich hatte ganz vergessen, dass ich bereits im August 2008 einen Leserbrief an die P.M. gemailt habe.

Damaliger Anlass: ein Artikel mit dem reißerischen Titel "Der große Krieg um die Zahlen". Darin wurde das römische Zahlensystem als kompliziert verdammt, es wurde gar spekuliert, ob es am Untergang des Weltreiches Schuld trug! In den 50er Jahren, so der Verfasser, mussten sich deutsche Schüler mit dem ach so unlogischen System rumplagen. Dabei waren römische Zahlen auch bei uns (in den 90ern!) Unterrichtsstoff, und niemand ist daran zerbrochen! Dies schrieb ich dem Autor und merkte an, dass das jeweilige Zahlensystem – wie auch die Schrift – nur eine Sache der Gewöhnung sei. Und dass das indisch-arabische auch nicht optimal für z.B. Französischsprechende ist: Die schreiben zwar 98 als Zehner-Einer-Kombination, aber sagen "4 mal 20 plus 10 plus 8". Zudem ist die Zeichen-Zahl-Zuordnung völlig arbiträr, und im Alten Rom musste man sich immerhin nur sieben Zeichen merken (die man ja eh schon, als Buchstaben, kannte). Und MM ist ja beispielsweise nur halb so lang wie 2000.

Als Antwort erhielt ich dies: ".... danke für das Feedback! Sie mögen nicht Unrecht haben mit Ihrem Beweisargument, dennoch ist die zugrunde liegende These dieses Beitrags über Ethnomathematik, dass der Fortschritt des Menschen mit der Vereinfachung der Rechensysteme gekoppelt ist. Schöne Grüße [...]" – Ja, das ist mir schon klar, dass das die These war! Nur: sie stimmt nicht! Kann das mal bitte jemand zur Kenntnis nehmen? Halloooo??!!

Freitag, 6. September 2019

Brain Droppings 2000

Irgendeine Zigarettenmarke wirbt gerade sinngemäß damit, dass Rauchen cool ist. Das gefällt mir schon wieder.

Irgendwie süß, dass Klaus & Klaus offenbar zusammen wohnen.
("Klaus, geh mal zur Tür, es hat gebimmelt!"; Da steht ein Pferd auf'm Flur)

Filmidee "1 Dalmatiner - Wie alles begann"

Was ist denn das für ein Gemüse hier? Ständig müst jemand. Können die nicht woanders müsen?

[Erwachsener, der zum ersten Mal ein Kind sieht] Was in drei Teufels Namen ...?!?!

Bücherschrank, aber als belesener Bodybuilder

Jeder Zoo ist ein Streichelzoo, wenn du dich traust!

Okay, beste Idee aller Zeiten:
- - seid ihr ready? - -
Pfeffermühlen als abschraubbare Bettpfosten!
Ist da vor mir noch niemand drauf gekommen? 
Das Design könnte man direkt übernehmen, und einen Slogan zur Vermarktung hätte ich auch schon: "... bringt Würze in Ihr Schlafzimmer."

Existieren Klaus & Klaus und Torfrock im selben Serienuniversum?

Wäre ich Supermarktkassiererin und ein Kunde legte eine extra-große Familienpackung Toilettenpapier aufs Band, würde ich ihm anerkennend zurufen: "Na, nun könn'Se aber scheißen, wa!?"

Das gehört zum Freibadbesuch einfach dazu: ein dampfender Teller Grützwurst mit Kartoffelstampf (Apernmauke).

Sind Gurkenflieger der Höhepunkt oder der Tiefpunkt der menschlichen Entwicklung?

Es gibt in unserer Stadt eine Pizzeria mit dem Namen "Da Nene". Ich möchte daneben ein Native-American Diner eröffnen und es "Na Dene" nennen.
Versteht ihr - wegen der nordamerikanischen Na-Dené-Sprachfamilie, hahahahaha-- *wird diskret nach draußen geführt*

Die berühmte Szene aus "The Sixth Sense", aber statt "Ich sehe tote Menschen" sagt der Junge "Da steht ein Pferd auf'm Flur!"

Sonntag, 1. September 2019

Kurz getestet: Knuspererbsen


Die Enjoy Knuspererbsen in der Geschmacksrichtung Sweet Chili von Kühne kamen bei mir nicht sonderlich gut an. Der Teigmantel wurde von weiteren Testpersonen als "fast schon süß" beschrieben, wobei nach einer Weile eine gewisse Schärfe zutage tritt, die aber schnell einer Fadheit weicht. Es will sich kein Suchtgefühl einstellen. Der Preis liegt mit 1,99 € pro 100 Gramm (Rewe) relativ hoch. Nicht zuletzt waren einige Erbsen in meiner Packung schlicht zu hart, was besonders Menschen mit lockeren Zahnfüllungen zu schaffen machen könnte. Immerhin verzichten die Sorten (es gibt noch "Paprika" und "Meersalz") auf Geschmacksverstärker, Farbstoffe und Aromen, und sie sind vegan und fettarm. 4/10

Freitag, 30. August 2019

Noch mehr Rumliegendes

Dies ist eine Fortsetzung des Beitrags "Rumliegendes" von 2012. Rotliegendes war mir, siehe ebd., ein Begriff, aber ich staunte kürzlich in einem Museum nicht schlecht, als ich dort mehrere wie folgt gelabelte Gesteinsbrocken erblickte:


Was für ein dramatischer Name für ein Mineral! "Von dem Todtliegenden unterscheidet man graues, weisses und rothes Todtliegendes", informiert uns Franz H. Walchners Buch Der practische Naturforscher: ein unentbehrliches Hand- und Hülfsbuch für Freunde der Naturwissenschaften von 1843. "Jenes folgt häufig zunächst unter dem Kupferschiefer und ruht auf dem rothen Todtliegenden, oder es bedeckt auch in Gegenden, wo diese letztere Felsart fehlt, das graue Todtliegende diese und jene abnormen Felsgebilde."
Versteh ich nicht, bin aber entzückt. Bei "rothem Todtliegenden" scheint es sich um nichts anderes als Rotliegendes zu handeln. Wikipedia kennt dieses Synonym nicht mehr.

Mittwoch, 28. August 2019

Videospieltipp: Black The Fall

Dieser gecrowdfundete Puzzle-Plattformer ist das erste Spiel aus dem Sand Sailor Studio und kann sich durchaus sehen lassen. In einer über-industrialisierten Dystopie flüchten wir in der Haut eines gesichtslosen Rabota vor Wachleuten, Lasern und automatischen Geschützen, wir umgehen Lichtkegel, legen Schalter um, setzen Maschinen in Gang oder außer Betrieb, klettern, springen, hangeln, benutzen Aufzüge, treten in Pedale, tasten uns durch dunkle Abwasserkanäle und kontrollieren zeitweise sogar einen "tierischen" Begleiter. Dabei sind Geschick, Kombinationsgabe und ein kühler Kopf gefragt, an drei Stellen musste ich sogar ein Walkthrough-Video konsultieren (u.a. an der im Foto gezeigten). Die Steuerung ist simpel und geht am besten mit dem Gamepad von der Hand. (Ich habe auf der Xbox One gespielt.)
Setting, Rätseldesign und Graphik lassen erkennen, dass hier "Inside" als Vorbild diente – was nicht das schlechteste ist! Ein wenig befremdend ist der offensichtliche Anti-Kommunismus, für den die Macher, wie einem beim Abspann klar wird, aber durchaus Gründe haben.
Ich bin in den circa fünf Stunden, die das Durchspielen gedauert hat, sehr oft gestorben, habe mich erschreckt und fasziniert, hatte Angst und Triumphgefühle und habe sogar etliche Achievements freigeschaltet.


Montag, 26. August 2019

Humorperlen aus dem Abreißkalender (68)

"Herr Prütz – haben Sie eventuell schon darüber nachgedacht Politiker zu werden?"
(Auf dem Haus im Hintergrund steht "Prütz. Brennholz-Verleih".)

Samstag, 24. August 2019

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Königreich der Idrisiden


Marokko konnte in seiner Geschichte schon so manche ungewöhnliche Flagge vorweisen. Die älteste überlieferte Form (11.-13. Jh.) zeigte ein Schachbrett auf rotem Hintergrund; vom 17. bis zum 19. Jahrhundert war eine Schere auf der Flagge abgebildet; die Kriegsflagge von 1848 war blau und hatte einen Arm, der ein Schwert hält, auf der linken Seite; im 18. Jahrhundert reaktivierten einige Stämme den aus zwei übereinander gelegten Quadraten gebildeten Stern der Mariniden-Dynastie; unter den Alawiden ab dem 17. Jahrhundert wurde die rein rote Flagge geführt, die bis zur Ablösung durch die moderne Version mit dem Pentagramm anno 1915 die offizielle Flagge Marokkos war. (Heute gibt es keine einzige einfarbige Nationalflagge mehr; bis zum Fall Gaddafis hatte Libyen ein grünes Rechteck.)

Minimalistisch ging es auch auf dem Boden des heutigen Marokko zur Zeit der Idrisiden, also der von den muslimischen Prinzen Idris I. und II. begründeten Dynastie, zu. Ein weißes Seidenbanner wurde gehisst, in späterer Abwandlung durch die Almoraviden erweitert um den Spruch "Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist sein Prophet." (Weil der Hintergrund dieses Blogs weiß ist, wurde die Farbe auf dieser eher untypischen geometrischen Figur ein wenig eingedunkelt.)

Donnerstag, 22. August 2019

Kurz getestet: Buttermilchbrötchen

Sehr, sehr fein sind die (ich glaube neuen) Buttermilch-Brötchen von Knack & Back. Sie sind einfachst aufzubacken, schmecken köstlich und verströmen tatsächliche einen leichten Buttermilchduft. Ich würde am liebsten 10 Punkte vergeben, aber das käme einem Verrat an den Original-Sonntagsbrötchen gleich, die ich als unübertroffen und -treffbar eingestuft habe. Deshalb: 9/10


Dienstag, 20. August 2019

Ostrale'O19 (2)

Wandmalerei

Abrissstreifen

The Green Room

Hör auf zu klammern!

Kellernutzung

Platinengöttin (Ergänzung zum Platinenmann von 2016)

Wir

Sanduhr

Suicide Bomber

Sonntag, 18. August 2019

Ostrale'O19

Ihr habt es sicher mitbekommen: 2018 gab es keine Ostrale und deshalb auch keine Fotos in diesem Blog, denn inzwischen heißt diese internationale Dresdner Ausstellung offiziell "OSTRALE Biennale für zeitgenössische Kunst". Außerdem wurde der Ort verlegt – vom ehemaligen Schlachthof in die historische F6-Tabakfabrik (gegenüber dem Medienhaus, in dem ich eine Zeitlang gearbeitet habe) nebst diverse Außenstände, die zu besuchen mir die Zeit fehlte. Zunächst war ich skeptisch ob dieser Neuerung, doch sowohl Umfang als auch Atmosphäre stehen der früheren Realisierung in kaum etwas nach.

Auch die gezeigten Werke erreichten die gewohnte Qualität. Es war diesmal sehr video-installationslastig, es gab weniger zum Schmunzeln, viele Kunstwerke waren politisch (teils vulgärsymbolisch) aufgeladen, einige überraschend sexualisiert. Die Ostrale läuft heuer noch bis 1. September und 2021 hoffentlich wieder.

Außenansicht

 Helme vor Rahmen

 Regenbogenabzeichen

Geschläuch

Geschläuch II

Entstörfahrzeug

Aufgetafelt

Fortsetzung folgt.

Freitag, 16. August 2019

G'schichten aus dem Rewemarkt

Im Ernting im Jahr des HErrn 2019 aber herrschte eine rechte Aufregung unter den Frauen und Männern der Stadt: Der Krämermarkt Rewe hatte arge Not mit seiner Kühlung. Bereits im vergangenen Sommer konnten für mehrere Monde die Fischregale nicht zweckmäßig temperiert werden und mussten zum Leidwesen der Christenheit leer bleiben. Nun also die Frostgemüsefächer – keine Erbsen, keine Brechbohnen, kein Blattspinat noch Leipz'ger Allerlei war verfügbar. Ach, ach, ach ...

Ein verlockendes Angebot versprach das Reclamepamphlet: Limetten (eine Agrumensorte aus Übersee) zu 59 Cent das Stück – und beim Kauf von mindestens dreien sogar nur 39 Cent! Da konnte unser Held natürlich nicht widerstehen und erwarb gleich drei der grünen Zitrusfrüchte. Zu Hause dann das böse Erwachen: Laut dem Kassenzettel waren die Früchte nicht mit 39, sondern trotz Dreierkauf mit je 59 Cent berechnet worden. Da hieß es erst mal eine Weile am Hungertuche nagen (bzw. an der Limettenschale).

Wieder frohlocken ließ die guten Leut' sodann diese Tollhäuslerei: Verschiedengroßen Stücken holländischen Käses lag ein kostenloses Kellnerbesteck bei! 


Mittwoch, 14. August 2019

Den Faden verloren

Hier ist eine Sache, die ich von ganzem Herzen hasse. Man schaut einen Film und versteht ihn nicht. Kennt ihr das auch? Zuletzt ging es mir so bei dem vielfach gelobten Syriana. George Clooney will Waffen (nicht?) verhökern und wird gefoltert. Matt Damons Sohn kriegt einen Elektroschock im Swimming-Pool. Die Chinesen wollen kasachisches Öl an den Iran (nicht?) verkaufen. Der Libanon ist von der Hisbullah besetzt. Ein Emir aus einem nicht genannten Emirat soll (von wem?) eliminiert werden (warum?). Ein paar Szenen spielen auch (wann?) in Paris und Washington, D.C. Ich stelle die Forderung, dass kein Film an mehr als vier Orten parallel spielen soll!
Gott, ich könnte nicht einmal in zwei Sätzen beschreiben, worum es ging. Manchmal kapiert man ja ein Ende nicht, aber hier war ich tatsächlich von vorne bis hinten ratlos. Vielleicht bin ich auch nur zu doof für Polit-Thriller ...

(Original geschrieben am 16.2.2008)

Montag, 12. August 2019

Ein Foto und seine Geschichte


- "Wirklich sehr beeindruckend, Lars. Kannst du die Schuhe mal für uns ausziehen?"
- "Wie was, nää - die Größe steht doch unten drauf."
- "Ja, schon, aber damit wir deine Füße sehen können."
- "Ach, das wollen Sie nicht, ich schwitze gerade stark."
- "Hm, einen Beweis brauchen wir schon."
- "Na gut. Hier, ein echter Abdruck!"
- "That'll do!"
- "Wer sind Sie überhaupt?"
- "Wir sind vom Guiness-Buch der Rekorde!"
- "Heißt das nicht 'Guinness'?"
- "Ähhh."

Samstag, 10. August 2019

Zum zehnten Mal (wahrscheinlich) kein Glück

Dies ist ein Update zu Ich war noch niemals in New York.
Zum "Jubiläum" gab es sogar eine Neuerung: eine automatische Antwortmail von NBC: "Thank you so much for entering the lottery for the SNL 2019-2020 season! You will be notified through the email address you provided only in the event you are chosen. Winners are notified on a rolling basis and may be selected any time throughout the season."
Und so weiter. Klappen wird es vermutlich wieder nicht. Insgehein hoffe ich es sogar, denn, so pathetisch das klingen mag, ich will eigentlich gar nicht nach Amerika, solange dieser Präsident Präsident ist. So!

Donnerstag, 8. August 2019

Noch mehr Brain Droppings

Früher dachte ich, dass einem im echten Leben viel mehr Schalterrätsel begegnen würden.

Gebälkmischung

- "Wem würdest du das Amt des US-Präsidenten eher zutrauen: Joe Biden oder Bernie Sanders?"
- "Biden."
- "Nee, du musst dich schon für einen entscheiden!"

Gary Shteyngart heißt auf deutsch Gabor Steingart.

Wäre ich Schwergewichtsboxer, würde ich im Fernsehen für Penaten-Creme werben. 
"In meinem Beruf holt man sich schon mal eine Schramme oder einen ... äh, Riss - wie heißt das im Boxsport?" - "Cut!" - "Nein, weiterfilmen! Ich hab' gerade einen Lauf!
Gerne reibe ich mich mit Penaten-Creme ein. Auch prophylaktisch vorm Schlafengehen, am ganzen Körper. Das bringt zwar nichts, aber dafür ist die Bettwäsche am nächsten Morgen voller weißer Flecken. Zeig mir eine bessere Wundcreme und ich zeige dir EINE WELT DES SCHMERZES!"
Der Rest des Spots (mind. 4 Minuten; darauf würde ich bestehen) zeigt in Nahaufnahme den Einreibevorgang. Dabei wohliges Stöhnen.

Ich glaube, das Süßeste, was die Menschheit je hervorgebracht hat, sind Puppenkliniken.

Bei der Tombola ein Verantwortungslos ziehen

Habe die Meldung gelesen, dass in einem Mordfall ein Kreter gestanden hat. Der war's also schon mal nicht.

Evangelisches Foodmagazin "ChrisNOM"

El Cid heißt auf deutsch "Es zieht".

Dieses "Bis heute haben die Bürgerinnen und Bürger ausschließlich für den Staat gearbeitet" ist für mich der Inbegriff einer Milchmädchenrechnung.

Im alten Rom gab es Kaffee to ga.

Ich wette, wenn du dir als Gespenst statt einem normalen Bettlaken ein Spannbettlaken überziehst, bist du in der Spuk-Szene untendurch.

Ich habe eigentlich nur noch einen Traum: unrettbar in die Underground-Aerobic-Szene abrutschen

- "Was macht denn das Kind dort mit dem Beil?"
- "Ich glaube, es hackt!"

Alt-Berliner Kneipe "Zur Scheiße"

Hier werden Hinz und Kunz hinzugezogen und kunzugezogen!

Idee für "Bento"-Artikel:
Was passiert eigentlich, wenn man Lack trinkt? "Du hast wohl Lack gesoffen?!" ist eine geläufige Beschimpfung - wir haben es einfach mal ausprobiert

Situation bekannt? Ich sitze in einem 6er-Abteil im IC und traue mich nicht, mein Frühstück auszupacken, weil ich eine Schnitte/Stulle mit sehr, nun ja: kräftigem Käse belegt habe.

- "Legen alle Vögel Eier?"
- "Nein, manche stellen sie."

Sonntag, 4. August 2019

Unique Not-Selling Point

Vor kurzem sah ich einen Copy-Shop, an dessen Tür ein Zettel hing, auf dem stand: "Wir sind kein Internet-Café!" Darunter war stichpunktartig aufgeführt, was in diesem Shop stattdessen angeboten wird ("Faxen, plotten, scannen, sich selbst pürieren", Katz & Goldt). Wenig später lief ich an einer Verköstigungsbude vorbei, in deren Nähe eine Schiefertafel über folgenden Sachverhalt aufklärte: "Hier gibt es kein Eis! ... aber erfrischende Limos". (Das genaue Wording der Hinweise sowie die Hervorhebungen sind aus dem Gedächtnis wiedergegeben.) Ist das ein neuer Trend: Mängel, Angebotseinschränkungen und verweigerte Dienstleistungen progressiv bewerben? Naa, wahrscheinlich hat man einfach keinen Bock auf die immergleichen Kundenfragen.

Donnerstag, 1. August 2019

Und täglich grüßt "Und täglich grüßt das Murmeltier"

Mich fesseln, wie schon oft erwähnt, Zeitanomalien in Filmen, Serien, Büchern und Spielen sehr, und eine spezielle Form, nämlich das Zeitschleifenszenario, weiß mich jedes Mal aufs Neue zu unterhalten. Das liegt auch daran, dass es seit 1993 mit dem Referenzwerk Und ewig grüßt das Murmeltier (ausgerechnet eine romantische Komödie!) gar nicht sooo viele Vertreter dieses Sci-Fi-Subgenres gegeben hat – bis vor einigen Jahren. Das ist zumindest mein Gefühl. Natürlich tauchten Time loops immer wieder in der Populärkultur auf, beispielsweise in der hervorragenden Akte X-Episode "Monday", aber seit ca. 2015, kurz nach dem (nicht übermäßig erfolgreichen, aber positiv aufgenommenen) Edge of Tomorrow, gibt es eine deutliche Häufung. Zu nennen sind z.B. die Romanverfilmung Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie, das koreanische Drama A Day und der mittlerweile fortgesetzte Horrorstreifen Happy Death Day (alle 2017). Letztes Jahr kam dann die Romanze When We First Met in die Kinos, und dieses Jahr zeigte Netflix die turbulente, u.a. von Amy Poehler mitproduzierte Serie Matrjoschka (OT: Russian Doll). Im deutschen Fernsehen wusste der ungewöhnliche Ulrich-Tukur-Tatort "Murot und das Murmeltier" zu überzeugen. Auch im Videospielbereich feiert das Trope fröhliche Urständ: Im kürzlich erschienenen Open-World-Erkundungs-Game Outer Wilds hat der Spieler 22 Minuten Zeit, um den Planeten, auf dem er gestrandet ist, zu erkunden, bevor eine Supernova ihn zurückwirft. Und auf der E3 wurde der interaktive Thriller Twelve Minutes und der Shooter Deathloop vorgestellt (beide 2020).

Solange der "Groundhog Day"-Fluch in unterschiedlichen Genres auftaucht und die theoretischen Rahmenbedingungen auch mal variiert werden, bin ich gern bereit, mir das alles reinzuziehen. Aber ich hoffe inständig, dass diese Prämisse in den kommenden Jahren nicht totgeritten wird und eine Zeitschleifen-Übersättigung stattfindet. Sonst denkt man sich nämlich irgendwann: Hm, das habe ich doch schon einmal erlebt ...

Sonntag, 28. Juli 2019

Der kleine, aber feine Longdrink-Tipp

Mein Sommerdrink 2019 ist der Rémy Grand Tonic. Er ist einfach zuzubereiten, kam bei diversen Gästen von mir ausgezeichnet an und ist hervorragend geeignet, wenn man eine Flasche Rémy Martin geschenkt bekommen hat und nicht weiß, was damit anzustellen sei.

In ein feines Rotweinglas gebe man 2-3 Eiswürfel und 1-2 Zitronenschnitze. Man gieße nach Gefühl (etwa bis knapp über den Rand des Eises) Rémy Martin hinein und fülle den Rest mit Tonic Water auf. Ein Foto habe ich jetzt nicht extra angehängt, man kann sich ja ungefähr vorstellen, wie das ausschaut!

Freitag, 26. Juli 2019

Albernes zum Wochenschluss

Kohlrabi steht für Kenia

"Meister Anton Theodor Lamprecht ärgert manchmal minderjährige Nichtschwimmer, trägt schwere, ebenhölzerne Äste, singt gegebenenfalls garstige Gesänge, säuft lachend eimerweise Bier, grillt Tausende Buletten nebst Koteletts, züchtet gelegentlich Kohlrabi und kuckt sonntags (abends) Sport beziehungsweise Tatort, natürlich, bis seine Mutter mit Sorgfalt Labskaus serviert." 

Dieser Satz eignet sich hervorragend, um sich die Staaten Afrikas von Nordwesten nach Südosten (von links nach rechts, "reihenweise") zu merken. Die Anfangsbuchstaben darin entsprechen nämlich den Anfangsbuchstaben der Länder Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Mauretanien, Mali, Niger, Tschad, Sudan, Eritrea, Äthiopien, Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea, Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste, Burkina Faso, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Gabun, Kongo, Uganda, Kenia, Somalia, Angola, Sambia, Burundi, Tansania, Namibia, Botsuana, Simbabwe, Malawi, Mosambik, Südafrika, Lesotho und Swasiland. 

Ich habe jedoch nur die Binnenländer aufgenommen, die Zwergstaaten habe ich auch rausgekickt. Wer sich trotzdem noch Äquatorialguinea, São Tomé & Príncipe, Madagaskar und die Kapverdischen Inseln einprägen möchte, dem sei folgendes Dialogfragment als Eselsbrücke ans Herz gelegt:
"Mathilda, asoziale Totalversager lieben ärmliche Karohemden mit mausgrauen Nähten." 
"Tatsächlich, Swantje? Ein ästhetisches Subjekt gleicher Größenordnung gastiert seit langem erfolgreich bei Gertrude Tannenbaum."
"Barfuß, nackt, krumm, zerzaust, schmutzig, Äpfelwein gluckernd, krank und keimig! Sie atmet schwer."
"Billiger Tabak! Nichtsdestotrotz besucht sie manchmal Millionäre. Möchten Sie lieber sterben?"

Anm.: Diesen Schwachsinn habe ich im Jahre 2004 geschrieben, weswegen der erst später in Erscheinung getretene Staat Südsudan nicht auftaucht.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Die Stunde der unsichtbaren Tierchen

Am 3. Juli dieses Jahres gab es einen globalen Ausfall bei Facebook, eine Panne, eine Störung, das blanke Chaos. Die Timeline wurde nur teilweise geladen und die meisten Bilder überhaupt nicht. Statt ihrer sah man dank der recht schlauen Foto-Inhaltserkennungs-Algorithmen so etwas:

Halbtotes Internet (Symbol"bild")

Solche KI-Offenbarungen waren natürlich Wasser auf die Mühlen derer, die sich (nicht ganz zu Unrecht) von Facebook ausgespäht bis totalüberwacht wähnen. "Ganz offiziell heißt es dazu von Facebook, dass die Funktion für sehbehinderte Menschen gedacht ist, die dann die Inhalte des Bildes mit Audiofunktionen erkennen können. Doch daran glauben viele nicht, was auch daran liegen dürfte, dass Facebook durch viele Datenskandale an Vertrauen verloren hat", schrieb die Berliner Morgenpost tags drauf. "Und [die Bildbeschreibungen] zeigen, dass Facebook beim Erkennen von Bildern nicht nur die auf dem Foto abgebildeten Personen erkennt, sondern auch, ob sie zum Beispiel lachen, ob sie im Freien stehen, ob sie Bärte oder Brillen tragen. [...] Wie das US-Portal 'Buzzfeed' berichtet, scanne Facebook seit 2017 Fotos auf diese Weise. Einschätzungen von Experten zufolge gelingt es Facebook so, seine Werbeanzeigen – immerhin Haupteinnahmequelle – besser auf den Nutzer abzustimmen."

Die mit Facebook verbandelten Netzwerke Whatsapp und Instagram waren übrigens zur selben Zeit down, was mir aber entgangen ist. Katzen nicht sehen zu können, wo eigentlich Katzen sein sollten, war traumatisierend genug.

Freitag, 19. Juli 2019

Traumprotokoll: Bestandsanzeige

Im Traum hat die Amazon-Shopping-App ein praktisches Feature eingeführt: Für jedes Buch, das man auf seiner privaten Einkaufsliste hat, kann man sich die am nächsten gelegene Bibliothek anzeigen lassen, in der gerade ein entsprechendes Exemplar ausleihbar ist. Ich befinde mich unweit von einer Bücherei und möchte wissen, ob ein bestimmtes Buch dort vorrätig ist. Leider ist das mobile Netz so schlecht, dass die Karte, auf der normalerweise die Standorte von Interesse als blaue Punkte aufscheinen, nicht aufgebaut werden kann.

Hintergrund: Ich habe bei Amazon neben meinem (öffentlichen) Wunschzettel eine "Einkaufsliste" angelegt, auf der ich Bücher und sonstige Medien speichere, die ich mir nicht zu kaufen oder schenken zu lassen brauche, weil es sie – das habe ich jeweils vorher ermittelt – in einer städtischen Bibliothek gibt. Es ist also weniger eine Einkaufs- als eine "Was ich mir irgendwann mal ausleihen muss"-Liste. Da ich glücklicherweise Zugriff auf die Bibliotheksbestände von Frankfurt, Berlin und Dresden habe, komme ich tatsächlich oft in die Situation, dass ich mich frage: Hm, gab es dieses Buch jetzt hier oder nicht? Ich schätze jedoch, dass Amazon kaum Interesse daran hat, dass jemand etwas nicht über Amazon bestellt, und das mit einer Appfunktion unterstützt.

Nach dem Traum fällt mir ein, dass man die Posten auf seinen Amazon-Listen auch mit Kommentaren versehen kann – z.B. mit Vermerken, wo es was gibt.

(parallel im Techniktagebuch veröffentlicht)

Montag, 15. Juli 2019

Alles wird schlechter, Teil 29.781

"MP3-Dateien aus Musikvideos saugen, Kochclips auf das Tablet herunterladen und TV-Dokus auf dem Rechner speichern: Wer sich nicht damit zufrieden gibt, YouTube-Videos nur online anzuschauen, kann die Clips mit Hilfe von Sound- und Videokonvertern auch offline speichern", schreibt "Spiegel online". "Doch Google schiebt den Anbietern offenbar verstärkt einen Riegel vor. Mehrere der Umwandlungsdienste haben keinen Zugriff mehr auf die Videoplattform."
Das kann ich bestätigen! Einer meiner Lieblings-Onlinedienste (den ich nun nicht mehr zu nennen brauche) ist genau davon betroffen. "Entschuldigung, aus irgendeinem Grund kann dieses Video nicht konvertiert werden", kriege ich als Fehlermeldung angezeigt. Dutzende MP3s hatte ich in den vergangenen Jahren mit Hilfe dieses Wandlers erstellt, weil die entsprechenden Lieder nicht auf andere (legale) Weise zu besorgen waren. Damit ist nun Schluss: "Die Musikindustrie stört sich seit Jahren an den Streamrippern." Na klar.
Aber ich bin mir sicher, dass bereits an Mitteln und Wegen gearbeitet wird.

Samstag, 13. Juli 2019

Aufmachertrend Sommer 2019

Für die Nachwelt (die es freilich in ein paar Jahrzehnten nicht mehr geben wird) sei hier festgehalten, was Wochenzeitungen und -zeitschriften derzeit auf ihre Titel packen:
  • Focus, 8. Juni: "Ich mag Fleisch. Ich fliege gern. Ich fahre Auto. 40 Ideen, wie Sie trotzdem klimafreundlicher leben können"
  • Zeit, 11. Juli: "Der Mythos vom Verzicht. Kein Fleisch, kein Flug, kein Auto – der Mensch soll auf immer mehr verzichten. Doch die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft nicht weiter."
  • Spiegel, 13. Juli: "Richtig und gut leben. Die Welt retten, ohne sich einzuschränken – geht das?"
In den jeweiligen Redaktionsstuben möchte man gern mal Mäuschen sein. "Der Leser mag weder Panikmache noch erhobene Zeigefinger. Er will in seinen Handlungen und Meinungen bestätigt und dabei nur ganz sanft erzogen werden. Lasst uns also die Leute dazu ermutigen, im Wesentlichen so weiterzumachen wie bisher, ihnen ein paar leicht umzusetzende Tipps an die Hand geben, und alle fühlen sich wohl!"
Konsequent und schon wieder sympathisch fände ich ein Magazin, das folgenden Kurs einschlägt: "Lachend in den Untergang: Kreuzfahrt, Steak und Monsterjeep – so machen wir uns die letzten Jahre der Menschheit so angenehm wie möglich."

Dienstag, 9. Juli 2019

Das große Burger-Fressen

Weil ich am Wochenende Zeit dafür hatte, habe ich mir gleich zweimal hintereinander Hamburger gemacht und dabei allerlei getestet. Aber seht selbst:


Am Samstagabend briet ich mir den veganen Incredible Burger von Garden Gourmet, der neulich im großen Vergleich der FAS zum drittbesten fleischlosen Pattie gekürt wurde (auf Platz 1: der inzwischen legendäre "Beyond Meat"-Burger, den ich leider noch nicht im Handel auftreiben konnte, aber bereits in der McDonald's-Version essen durfte und für durchaus befriedigend befand). Obwohl dick "NEU" auf der Packung steht, wird er schon jetzt als "Veggie-Klassiker" angepriesen. Soja- und Weizenprotein bilden die Basis. Die Beschreibungen "unglaublich saftig" und "zarte Konsistenz" sind zutreffend. Beim Braten tritt richtiger "Fleischsaft" aus, was für unschöne temporäre Verfärbungen, um nicht zu sagen: für eine üble Sauerei in der Pfanne sorgt; möglicherweise ist das Grillen auf dem Rost die zu bevorzugende Zubereitungsweise. Wie nah der Pflanzenscheibling geschmacklich an eine Rindfleisch-Bulette heranreicht, vermag ich nicht zu sagen, da es lange her ist, dass ich eine solche verspeist habe, aber ich war sehr zufrieden, zumal der Eigengeschmack des Patties angesichts des "Flavor-overflows" durch die übrigen Burger-Schichten (dazu gleich mehr) eh zweitrangig ist. Ich habe selbstverständlich die gesamte Packung mit zwei Portionen (à 113 Gramm) vertilgt und war danach schön satt.


Am Sonntag ging es weiter mit "Deutschlands erstem Insekten-Burger" von der Bug Foundation. Die Packung enthält zwei tiefgefrorene Patties (2x98 g) aus Buffalowürmern, i.e. den Larven des Glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfers, und kostet normalerweise 5,99 €, war aber bei Tegut für den Sonderpreis von 2,99 € zu haben! Lange habe ich abgewogen, ob es für mich ethisch vertretbar ist, Insekten zu essen. Ist es nicht bigott, ausgewählte Tiere zu verschonen und andere nicht? Wo zieht man die Grenze? Sind Geschöpfe mit Zentralnervensystem schützenswerter als welche mit Strickleiternervensystem? Andererseits wäre es auch bigott, Insekten regelmäßig totzuklatschen, sobald sie in meine Wohnung kriechen (erst vergangene Woche killte ich vier Ameisen, die es bis in meinen Flur geschafft hatten), sie dann aber als Part einer neuartigen, alternativen Zuchtmethode abzulehnen. Ich gehöre ja nicht dem Jainismus an, dessen Anhänger stets einen Handfeger bei sich führen, mit dem sie sämtliche Sitzgelegenheiten vor dem Platznehmen freikehren, um nicht versehentlich ein Tierchen zu zerquetschen. Wohl aber habe ich schon einmal bei einem Langstreckenflug die Bordverpflegungs-Option "Jain meal" gewählt, denn ebenso wie tierische Produkte ist nach jainistischem Speisegebot alles tabu, was unter der Erde wächst, sprich: auch Zwiebeln, die ich bekanntlich verabscheue. Insofern müsste ich als Jain den Insektenburger dreifach verschmähen: Neben der Hauptzutat, den Würmern (60 % der 45 % Grundmasse), sowie (religiös unbedenklichem) Soja sind den Patties nämlich 2.) Eiklar und 3.) Zwiebeln beigemengt, und Letztere schmeckt man leider deutlich heraus. Schon beim Anbraten bemerkt man ihre Anwesenheit – es stinkt, dass Gott erbarm'!
Auch versucht der Larven-Burger gar nicht, eine Fleischschnitte nachzuahmen, sondern geht von Aussehen und Konsistenz her eher in Richtung Grünkernbratling, was man positiv oder negativ sehen kann.



Aufgepeppt habe ich die Burger jeweils mit gewöhnlichen sauren Sandwichgurken, Hengstenberg BBQ Kraut by Mildessa – einem Mix aus Sauerkraut und rauchiger Barbecue-Sauce – und Leerdammer für Toast & Burger herzhaft-intensiv, dessen USP ein erhöhter Schmelzfaktor sein soll, was mir jedoch nicht aufgefallen ist. (Gerne verwende ich für Burger reiferen Cheddar, aber der Leerdammer taugt schon.) Ins Auge war mir zudem Thomy Ketchup weniger Zucker gefallen ("Mit 80% Tomaten und 35% weniger Zucker als herkömmliche Ketchups im Markt"); mit ihm bestrich ich zwei der vier oberen Brötchenhälften (die anderen mit Dijonsenf resp. der restlichen Blues Hog-Soße). Apropos: Bei den Brötchen entschied ich mich dieses Mal für die Brioche Buns der Rewe-Eigenmarke Beste Wahl (nicht im Bild). Sie sind sowohl angetoastet als auch pur einigermaßen "aufweichfest"/strukturbeständig und stellen einen ordentlichen Geschmackskontrast dar, auch wenn in einem Grillforum moniert wird, sie seien "kleiner, sehen nicht so schön aus, sind nicht so fluffig und auch vom Geschmack her enttäuschend... von der Butter, welche ja in einem Brioche-Bun enthalten sein sollte, war hier geschmacklich eher nichts festzustellen".

Ich fasse zusammen.
"Incredible Burger": 9/10
"Insekten-Burger": 2/10
"BBQ Kraut": 6,5/10
"Leerdammer für Toast & Burger": 7/10
"Ketchup weniger Zucker": 7/10
"Brioche Buns": 7,5/10

Freitag, 5. Juli 2019

Fragen, die ich mir selbst stelle

Diese Frage stelle nicht nur ich mir, sondern bestimmt auch viele andere sich: Wo soll ich dieses Behältnis entsorgen?


Das ist doch sonnenklar, mag man spontan denken, weißes Glas kommt in den Weißglascontainer. Aber so einfach ist es nicht. Bei dem Material des Odol-Mundwasserspenders handelt es sich nämlich laut Abfall-ABC des Landkreises Friesland um opalisiertes Glas, und das gehört in den Restabfall. Das hessische Äquivalent zur friesischen Restabfalltonne ist, wie weitere Recherche ergibt, die graue Restmülltonne für "alle Abfälle, die nicht verwertet werden können und nicht schadstoffhaltig sind". "Jedes Grundstück", erfährt man, "muss an die öffentliche Restmüllentsorgung angeschlossen sein und ausreichende Behälter für die Aufnahme von Restmüll vorhalten." Ich könnte auf Anhieb gar nicht sagen, ob in "meinem" Grundstück so eine Tonne steht, aber ich werde das Fläschchen schon loswerden. Geständnis: Bis jetzt habe ich es tatsächlich immer zum Weißglas gegeben.

Wissenswert ist, dass in die Braunglastonne ausschließlich braunes Glas gehört, in die Grünglastonne indes auch andersfarbiges Glas.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Wort des Monats: "vuca"

Gerade beim Zeitungsnachlesen drüber gestolpert: Die schöne neue Arbeitswelt wird angeblich neuerdings mit einem Akronym beschrieben, das aus dem Englischen zunehmend ins Deutsche schwappt.
Weil die digitale Transformation alle Branchen trifft, probieren die Unternehmen andere Organisationsformen aus. Konzerne sollen innovativer werden, Teams agiler auftreten, Produkte schneller auf den Markt kommen. Schon seit einigen Jahren geistert der Begriff "vuca" herum – eine englische Abkürzung für eine Welt, die volatil (volatile), unsicher (uncertain), komplex (complex) und vieldeutig (ambiguous) ist. Er stammt aus dem Militär, das sich in Zeiten von Cyberattacken und asymmetrischer Kriegsführung mit einer völlig veränderten Bedrohungslage auseinandersetzen muss. Militär und Unternehmen stehen, so betrachtet, vor ähnlichen Aufgaben.
(FAZ, 22.6.2019)
Dass dieses interessante Kurzwort in meinen aktiven Wortschatz, zu dem nicht mal das Adjektiv "volatil" gehört, Einzug halten wird, bezweifle ich. Aber dass militärische und Unternehmensführung strukturell ähnlich sind und schon immer waren, leuchtet mir ein. Und überhaupt: Ist nicht die ganze Welt extrem vuca geworden?

Montag, 1. Juli 2019

Lob der Routine

Ich würde mich ja als durchaus experimentierfreudigen Menschen beschreiben. Ich probiere gerne neue Speisen aus, ich habe Dutzende, zum Teil gefährliche Länder bereist, und wenn ich ein Trampolin sehe, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass ich draufsteige. Aber ich mag auch Routinen und Konstanten, Anker und Gerüste, die mir Halt und das Gefühl, mein Leben im Griff zu haben, verleihen. Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich bereits grob, was bzw. wo ich abends essen werde. In Sachen Bekleidung und Hygiene überlasse ich nichts dem Zufall. Für spontanes Weggehen bin ich nicht zu haben. Routenplanung macht mir Spaß, auch wenn das heutzutage dank des technischen Fortschritts kaum lange im Voraus notwendig ist. Ich hatte noch nie Geldprobleme, weil ich von frühester Jugend an gelernt habe, vorausschauend und sorgsam mit meinen Finanzen umzugehen. Ich schreibe Einkaufszettel und vermeide die Anhäufung von Schmutzwäsche und Pfandflaschen in meiner Wohnung.

Ja, ich gebe zu: In gewissen Aspekten mag auch ich nachlässig sein und zum Chaos neigen. Aber wenn ich mir etwas vornehme, rücke ich ungern davon ab. Aktuelles Beispiel: Gestern hatte ich mir in einem "Rewe To Go" eine Banane gekauft, die ich heute zu essen gedachte. (Mindestens eine Portion Obst pro Tag muss schon sein.) Leider vergaß ich die Banane zu Hause. Also ging ich heute Nachmittag vom Büro zu meiner Wohnung zurück, um die Banane zu holen und zu verspeisen. Ich hätte die Frucht ja auch morgen oder nach der Arbeit essen können, aber in meinem Kopf war das Vorhaben "am Nachmittag des 1. Juli eine Banane essen" fest zementiert. Irgendwo eine Ersatzbanane zu besorgen, wäre nicht infrage gekommen.

Das erklärt möglicherweise, warum ich seit sieben Jahren durchgehend, im Abstand von höchstens drei Tagen dieses Blog mit Content befülle. Denn auch Kybersetzung ist ein Anker in meinem Leben, und zwar einer der wichtigsten.

Samstag, 29. Juni 2019

Linsenweisheit


Diese Linsenchips der Hamburger Heimatgut GmbH habe ich nicht in einem völkischen Reformhaus, sondern in meinem Stamm-Rewe gekauft – für deutlich mehr Geld, als ich einst für ein ähnliches Produkt der Firma Funny-frisch hingelegt habe. Neben dem hohen Preis (für gerade mal 75 Gramm) und dem blöden Namen fällt das geringe Haltbarkeitsdatum negativ auf. Auf der Plusseite punkten die Prädikate bio, vegan und glutenfrei. Wer's braucht ... Sehr gut gefällt mir das Wortspiel auf der Rückseite der Packung: "Lins' doch mal was ich hier für dich habe". Und das Wichtigste: Die Sorte Sweet Chili überzeugt geschmacklich. Die Linsennote ist intensiver als bei dem vormals getesteten Funny-frisch-Produkt, womit ich kein Problem habe. Dass die Chips, welche u.a. Ingwer, Liebstöckel, Kurkuma und Lakritz, dafür aber kein Palmöl enthalten, ziemlich schnell sättigen, entschädigt für den wenigen Inhalt. 7/10

Mittwoch, 26. Juni 2019

Kurz notiert: Umtriebige Künstler

Manchmal finde ich erst nach Ewigkeiten, meist zufällig, heraus, dass irgendjemand, der etwas Bekanntes geschaffen hat, auch für etwas anderes bekannt ist. Jüngstes Beispiel: Kris Straub, Zeichner des witzigen, leider zurzeit pausierenden Webcomics Chainsawsuit, ist der Schöpfer der Online-"Kurzgeschichte" "Candle Cove" (vollständig hier zu lesen), des wohl berühmtesten Creepypastas – meines Wissens das erste, welches es zu einer filmischen Adaptation gebracht hat, nämlich (noch vor dem "Slenderman"-Film von 2018) zu einer TV-Serie bzw., genauer, zur ersten Staffel der Anthologie-Show "Channel Zero". Besagte Season (nach "Candle Cove" erschienen noch drei weitere auf Creepypastas basierende Storys) habe ich mir neulich mit wohligem Schauder angeschaudert, äh: -geschaut. Ich hoffe, der geistige Vater dieser modernen Gruselmär wurde angemessen dafür entlohnt. (Wie ich sehe, hat dieser Cartoonist auch noch etliche andere Projekte am Start.) 

Montag, 24. Juni 2019

Namen, die man nur in den Todesanzeigen der FAZ findet

Einmal mehr eine Person, die vor der Abschaffung des Adelsstandes – und zwar lange davor! – geboren wurde. Ob es die letzte in dieser Reihe gewesen sein wird?