Freitag, 30. Januar 2015

Kaufberatung für Erbsenzähler

Heute stand ich im Rewe vor dem Dosengemüseregal, weil ich Dosenerbsen brauchte. Dabei fiel mir auf, dass es von Bonduelle zwei verschiedene Versionen von jungen Erbsen gibt: "Sehr fein" und "Feinste Auslese". Im Preis unterschieden sie sich nicht; die 212ml-Dose kostete je 85 Cent. Welche kaufen, war die Frage. Erst die 425ml-Dosen gaben Auskunft: Hier kostete die Sorte "Feinste Auslese" etwas mehr als "Sehr fein". Also entschied ich mich für "Feinste Auslese".


Die Bonduelle-Homepage zeigt uns, wie sich die beiden Sorten inhaltlich voneinander unterscheiden: "Feinste Auslese" hat weniger Energie (76 kcal pro 100g vs. 86 kcal pro 100g bei "Sehr fein"), ein My mehr Fett, ein bisschen weniger Kohlenhydrate und Zucker, etwas weniger Eiweiß und weniger Ballaststoffe. Keine Ahnung, inwieweit all das ein Indikator für höhere Qualität ist. Vielleicht schmecken "Feinste Auslese"-Erbsen einfach besser. Hmmm, Erbsen ...

Donnerstag, 29. Januar 2015

Neun Suchanfragen, die auf mein Blog führen

^^^^^^ Heute, 30.01., frisch dazugekommen (man glaube es mir auch ohne Screenshot): peruanische limettencreme

Mittwoch, 28. Januar 2015

Meine ungeknacktesten Kopfnüsse

Vor einer Weile erzählte ich hier im Blog, dass ich einst an der Schulstufe der Mathematik-Olypmpiade teilgenommen habe. Zufällig fand ich nun am Wochenende bei einer Entrümpelungsaktion den Originalzettel mit den Aufgaben, den man offenbar damals mit nach Hause nehmen durfte. Natürlich habe ich ihn eingescannt, um ihn mit euch Mathefans zu teilen.
Viel Spaß!


Dienstag, 27. Januar 2015

Geographisches Geständnis

Ich hätte vermutlich bis zum Ende meines Daseins mit einer gewaltigen Bildungslücke die Stadt Mannheim betreffend gelebt, hätte sich nicht neulich ein "Wikipedia-Artikel des Tages" ebendiesem Ort gewidmet. Jene Stadt verortete ich nämlich bis dahin in Rheinland-Pfalz, dabei handelt es sich doch um die drittgrößte Stadt Baden-Württembergs! Peinlich, peinlich. Immer wieder hatte ich gedacht: 'Also, dass Mainz und Wiesbaden zwei Städte sind, sehe ich ja noch ein, die liegen immerhin in verschiedenen Bundesländern, aber Mannheim und Ludwigshafen könnte man doch wirklich mal in einem Akt verwaltungstechnischer Vereinfachung fusionieren! Ludwigsheim könnte man diesen Ort dann nennen, das ist als Name noch nicht mal vergeben.' Oh, ich Ignorant!

Sonntag, 25. Januar 2015

O Brotherr, where art thou?

Indien darf man, wie das alte Hethiterreich, nicht nur als das Land der tausend Götter, sondern auch als Land der tausend Brote bezeichnen. Weil ich jedes Mal, wenn ich die Speisekarte eines indischen Restaurants oder Lieferservices vor mir habe, so angestrengt wie vergeblich versuche mich zu erinnern, was denn nun noch mal welches Brot war, habe ich ein paar kleine Merksprüche gedichtet, die mir – und vielleicht auch euch – die zukünftige Beilagenwahl erleichtern sollen.

Fluffig-dick, wie Pizzaboden:
Du hältst Naan in deinen Pfoten.

Rund und flach ist dieses Broti,
auf Metall bäckt man das Roti.

Aufgeplustert und frittiert,
so wird Puri stets serviert.

Magst du Crêpes und Pfannekuchen,
musst du Dosa mal versuchen.

Ist es knackig wie ein Pringle,
naschst du Papadam, du Schlingel.

Damit sind zumindest die verbreitetsten/beliebtesten Sorten abgehandelt. Verdammt, jetzt habe ich Appetit bekommen ...

Donnerstag, 22. Januar 2015

Ausflug in die Region

Heute habe ich mir meine Kamera geschnappt und bin nach Langen (Hessen) gefahren. Allzu ergiebig war meine fotografische Ausbeute nicht. Der 37.000-Einwohner-Ort Langen ist zwar Hauptsitz der Deutschen Flugsicherung und Heimatstadt so bedeutender Promis wie Rudi Sehring (deutscher Jazzschlagzeuger), Gerd J. Grein (hessischer Volkskundler) und Jennifer Hof (Gewinnerin der dritten Staffel von Germany’s Next Topmodel), architektonische oder landschaftliche Reize sucht man indes vergeblich.

Langen, Symbolbild

Pflichtbewusst hat man zwar wie in jeder deutschen Mittelstadt ein Dutzend Fachwerkhäuser aufgestellt, und auch ein heute als Museum genutztes altes Rathaus soll es geben (was ich nicht gefunden habe), aber dazwischen: 60er-Jahre-Klötze, hässliche Klerikalbauten und Sektentempel in rätselhaft hoher Zahl sowie etliche dichtgemachte Restaurants. Irgendwo sah ich einen Hundesalon und daneben ein Geschäft, über dessen Eingang die zusammengewürfelten Schlagworte "Kids Perücken Girls Boys Beratung" prangten. Ein Laden hieß sage und schreibe "Feines für Mensch und Hund". Was soll das alles? 


Eine Art Wahrzeichen scheint diese Kirche zu sein, die gegenüber einem süßen Filmtheater steht. Davor wiederum rottet eine "Brunnenanlage" vor sich hin, die man erst anhand eines Schildes als solche identifizieren muss – in Auftrag gegeben von einem offenkundig nicht sehr aktiven "Verkehrs- und Verschönerungs Verein Langen":


Langen unterhält, wie man einer Tafel auf dem wahnsinnigerweise "Europaplatz" geheißenen Bahnhofsvorplatz entnehmen kann, Städtepartnerschaften mit Romorantin-Lanthenay (Frankreich), Long Eaton (UK), Tarsus (Türkei) und Aranda de Duero (Spanien). 

Humor haben sie

Ansonsten zieren das Stadtbild gelegentliche Versuche von Graffiti, meistens aber Bekundungen, welche/r Problemjugendliche eine "geile Nutte" bzw. ein "Hurensohn" ist. Offenbach scheint entweder wohl gelitten oder total verhasst zu sein, das konnte ich nicht genau feststellen. Eine Fußballfangruppierung namens "Langen Hools" gibt es jedenfalls. In Gleisnähe verspricht eine Döner- und Pizzabaracke vollmundig "eine Genussreise für die Sinne". Diverse karnevalistische Events werden via flächendeckender Plakatierung angedroht. 


In der Ferne lockte der Wald, doch auf halbem Weg dahin an deprimierenden Gewerbebuden vorbei verlor ich die Lust. Nicht einmal "Ingress" zu spielen lohnte sich, waren doch die (überraschend zahlreichen) Portale allesamt bereits von meiner Fraktion eingenommen und mit höchstmöglichen Resonatoren ausgestattet. Irgendwann wurde es mir zu kalt.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Hypokrisie

Was mich wirklich fuchsig macht: Leute, die ihr nicht gesellschaftsfähiges Verhalten dadurch legitimieren, dass sie sich durch das Eingeständnis der in Wahrheit gar nicht vorliegenden Nicht-Gesellschaftsfähigkeit entschuldigen. Zum Beispiel so: "Ich weiß ja, dass es ungesund, teuer und nicht nachhaltig ist, bei McDonald's zu essen, aber ein-, zweimal pro Monat werde ich schon schwach." Oder: "Schon klar, man soll nicht jede kleine Strecke mit dem Auto fahren, aber es geht nun mal schneller, und ich habe nicht so viel Zeit, zu Fuß zu gehen." Oder: "Ja ja, die Bild ist böse, aber die haben halt die knackigsten Schlagzeilen, und informiert bin ich am Ende auch ..."
Was soll das? Herrscht zwischen solchen Leuten (LOHAS!) ein stilles Einverständnis à la 'Wir sind nicht besser als der Rest, aber wir sind uns dessen immerhin bewusst und dadurch am Ende des Tages doch ein wenig besser als der Rest, ätschbätsch!' Objektiv betrachtet bringt diese "Der Wille ist da"-Mentalität natürlich niemandem etwas. Klappe halten wäre also wie so oft die weisere Entscheidung.
Ich bin übrigens ein großer Fan von Amazon. PUNKT.

Montag, 19. Januar 2015

Erinnerung an den Kookaburra

'Wie ging noch mal das Lied vom Kookaburra, das wir immer in der Schule gesungen haben?', fragte ich mich jüngst. Die Antwort war schnell gefunden:

Kookaburra sits on the old gum tree,
Merry merry king of the bush is he.
Laugh, Kookaburra, laugh, 
Kookaburra, Gay your life must be!

Ein Wunder, dass wir diesen Song, in dem sowohl bush als auch gay vorkommen, seinerzeit nicht zum Totlachen fanden. Zum Schmunzeln allerdings ist der Fakt, dass der deutsche Name des Kookaburras Jägerliest lautet. Das wäre mal eine Frage für "Wer wird Millionär?": 
Zur Familie der Eisvögel gehört der ... a) Jägerliest b) Bauerhört c) Förstersingt oder d) Bergmannsieht. 
Zwei weitere Namen für den Vogel mit dem viel zu großen Kopf sind laut Wikipedia Lachender Hans und Buschmanns-Uhr. <3

Samstag, 17. Januar 2015

Enttäuschung im Badezimmer

Experimentierfreude kann sich mitunter rächen. Ich rate ab von:
1.) Fa Joghurt Aloe Vera mit Joghurt-Protein


Dass die Produktbezeichnung "Duschcreme" ganz klein unten auf die Flasche gedruckt wurde, während "Joghurt" ganz groß unter dem Markennamen prangt, hätte mich stutzig machen sollen. Tatsächlich ist dieser Quatsch in erster Linie ein Joghurterzeugnis, sprich: klumpig, milchig, lässt sich schlecht auf der Haut verteilen. Immerhin ist es pH-neutral und enthält Aloe Vera, was ja nie verkehrt ist, wobei das Aroma auch nicht umwerfend ist. (Nachdem ich mühsam eine Flasche geleert habe, besitze ich immer noch eine zweite, weil ich mich von einem Doppelpack-Angebot bei "dm" habe ködern lassen.)

2.) Sante Expresskur Mango


Diese Spülung-Haarkur-Kombination war usrprünglich Teil eines Dreiersets, das eine Kollegin von mir für viel Geld erstanden und freundlicherweise mir überlassen hat, bevor sie es in den Mülleimer beförderte. Den Wegwerfdrang teile ich, nachdem ich die Expresskur einmal ausprobiert habe. 'Was soll denn daran Mango sein?', fragte ich mich vor und bei der Benutzung, 'die haben wohl lediglich den Stein zermahlen und darein getan.' Und wirklich: "Mango Seed Butter" taucht als einzige Mangokomponente in der Ingredienzenliste auf. Außerdem: Brokkoli (!) und Nesselextrakt. Man könnte den Geruch eventuell mit viel Mühe in Kauf nehmen, wenn wenigstens die Haare schön gepflegt würden. Aber nein, das Ergebnis kann sich keineswegs sehen lassen. Lustig sind immerhin die Dosierungsangaben auf der Tube: "für die tägliche Spülung eine haselnussgroße Menge" und "als intensiv pflegende Kur einmal wöchentlich eine walnussgroße Menge [...] verteilen", heißt es da.

3.) Palmolive Thermal Spa Mineral Massage


Während ich mit "Palmolive Thermal Spa Aqua Calm mit Lotusblume und Bambus" recht zufrieden war, lässt mich dieses Duschgel derselben Marke unbefriedigt zurück. Erstens ist der Geruch total lame, ja richtig billig, zwotens finde ich die Mineralpartikel äußerst unangenehm. Ich hatte schon öfter Duschgels mit "Stückchen" drin und fand das immer interessant, aber hier fühlt man sich, als würde man sich nach einem Tag am Meer hartnäckige Sand- und Salzrückstände vom Körper brausen. "Angereichert mit Salz aus dem Toten Meer" lässt uns die Flaschenrückseite wissen. Das erinnert mich an meine Hautärztin, die einmal genervt sagte: "Was haben die Kosmetikhersteller bloß immer mit ihrem Tote-Meer-Salz? Da ist nichts Besonderes dran." Ach ja, Aloe-Vera-Extrakt findet sich auch hier drin.

Freitag, 16. Januar 2015

Lesetipp

Da ich dieser Tage kaum zum "richtigen" Bloggen komme, möchte ich heute ausnahmsweise nur einen Artikel empfehlen – von (ausnahmsweise) "Spiegel online": 
Was die Loslösung des Schweizer Franken vom Euro für die Einwohnerinngen und Einwohner von Büsingen bedeutet, steht hier.

Sonntag, 11. Januar 2015

Shit happens

Am 1. August des vergangenen Jahres wurde ich, unschuldig im Außenbereich einer Kneipe sitzend, aus über mir befindlichem Geäst heraus von einem Vogel angekotet. "Das war jetzt schon das vierte Mal in meinem Leben!", rief ich aus und nervte meine Begleiter mit manchem Gejammer mehr. Jetzt gerade recherchierte ich, wann denn die vierte Attacke gewesen sei, und erfuhr, dass ich mich sogar verzählt hatte. Im Eintrag vom 18.6.2012 auf meinem alten Blog schreibe ich nämlich:

Letzte Woche war es mal wieder soweit: Ich wurde von einem Vogel - excuse my French - angeschissen. Ich wundere mich selbst, dass dies erst das vierte Mal in meinem von Missgeschicken prallen Leben war, zumal ich, wie schon die drei Male zuvor, lediglich an der Oberbekleidung getroffen wurde. Der Kot auf meinem Jackenärmel ließ sich auch nach nur einer Maschinenkurzwäsche rückstandlos entfernen.

Ich kenne Menschen, die noch nie so einen Luftangriff erlebt haben. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit gewiss nicht gering. Im Internet gibt es haufenweise Diskussionen darüber. Da sind Werte von 1:1000 oder sogar 15% zu lesen. Exakt ausrechnen lässt sich das aber nicht, nehme ich an.

PS: Ein solcher "Vorfall" soll sogar Glück bringen. Ich sollte Lotto spielen. 

Vielleicht nehmen die Abstände zwischen den "Vorfällen" ab. Passiert "es" jetzt jedes Jahr? Ich habe Angst.

Das alte An-Aus-Spiel

Samstag, 10. Januar 2015

Neue GÜter eingetroffen

Zwischen den Jahren war es mir vergönnt, Exemplare von gleich drei mir bis dahin unbekannten GÜ-Sorten zu vernaschen. Hier sind in aller Kürze meine Eindrücke.



Der "Limetten Frischkäsekuchen durchtränkt mit Saft aus Peruanischen Limetten" schmeckte mir von den drei neuen GÜs am besten. Er fügt dem legendären "American Cheesecake", der leider, zugegebenermaßen, mit jedem Verzehr ein bisschen an Glamour verliert, eine spritzige Sommernote hinzu. Nicht so gut gelingt dies dem zweiten Agrumen-Flavor in meiner kleinen Testreihe:


Die "wunderbar zitronigen Cheesecakes im Glas" enthalten mit 17% Zitronencremeanteil zwar weniger Fruchtschaum als das erstgenannte Produkt (da sind es 21% Limettencreme), doch ist die Zitrusnote hier deutlich dominanter, was mich persönlich ein wenig gestört hat.



Der letzte Kandidat beschreibt sich als "Buttriger Keksboden überzogen von Passionsfrucht und Süßmango Creme bedeckt von einem reichhaltigen Passionsfrucht Cheesecake". Auch hier beträgt der Fruchtcremeanteil 21%. Der Keksanteil ebenfalls. Ich fand's okay.

Jetzt aber kommt der Pferdefuß bzw. der Rinderknochen: Die Sorten Limette und Mango/Passionsfrucht beinhalten – wie ich dummerweise erst nach dem Verspeisen auf der Herstellerwebseite las – Gelatine und sind daher für Vegetarier nicht geeignet.

Damit habe ich acht verschiedene GÜ-Varianten von derzeit zwölf probiert.

Montag, 5. Januar 2015

Über "PC"

"Brain Droppings" von George Carlin war, glaube ich, das erste englischsprachige Buch, das ich, als circa Achtzehnjähriger, freiwillig gelesen habe. Es hat mich, wie der leider schon 2008 verstorbene US-Comedian überhaupt, schwer beeindruckt. Nicht nur war es das bis dahin Lustigste, was mir je unter die Augen gekommen war, es gab mir auch einige Denkanstöße. Carlin hat sich häufig und gerne mit Sprache beschäftigt, vor allem mit Miss- und Falschgebrauch derselben. In "Brain Droppings" (erstmals 1997 erschienen) gibt es einen längeren Aufsatz mit dem Titel "Politically Correct Language", den der Autor so einleitet: "I know I'm a little late with this, but I'd like to get a few licks in on this bogus topic before it completely disappears from everyone's consciousness." Nun, aus der Wahrnehmung ist "PC" nicht verschwunden, aber die Wahrnehmung und die Behandlung des Begriffs haben sich gehörig verändert. Dazu gleich. 

In Carlins Text geht es darum, wie diverse "Opfergruppen" auf politisch korrekten Bezeichnungen bestehen – Gruppen, die aber (gerade in den Vereinigten Staaten) keine Opfer sind. (Money quote: "I'm more interested in real victims. People who have been chronically and systematically fucked over by the system. Because the United States is a Christian racist nation with a rigged economic system run for three hundred years by the least morally qualified of the two sexes, there were bound to be some real victims.") Und es geht darum, wie man Wörter, die etwas Problematisches bezeichnen, durch etwas Unverfängliches, Verfälschendes, die Realität Ausblendendes ersetzt, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Letzteres kommt noch stärker in einem anderen Carlinschen Text zum Ausdruck, "Euphemisms: Shell Shock to PSD", erschienen in "Napalm & Silly Putty" (2001). Zusammenfassung: Wer 1917 traumatisiert aus dem Krieg heimgekehrt ist, hatte einen shell shock. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß derselbe Zustand plötzlich battle fatigue. Koreakrieg, 1950: operational exhaustion. Nach dem Vietnamkrieg schließlich: post-traumatic stress disorder. In dieser Entwicklung steckt alles, was es an politisch korrekter Sprache im erweiterten Sinne zu kritisieren gibt. Wenn Regierungen die Sprache verändern, sollte man vorsichtig sein; man kann sich auch darüber mokieren, wenn wieder mal ein total missglücktes Unwort geschaffen wird, sei es von der Politik, der Werbeindustrie oder den Medien. In dem "Euphemisms"-Text gibt George Carlin weitere Beispiele für Bullshit-Beschönigungen: "Poor people used to live in slums. Now the 'economically disadvantaged' occupy 'substandard housing' in the 'inner cities.' And a lot of them are broke. They don't have 'negative cash flow.'" Auch eher banale Neologismen werden aufgezählt: "toilet paper" = "bathroom tissue", "false teeth = dental appliances", "drug addiction = substance abuse". Usw. Solche Wort(gruppen)ersetzungen kann man mit ein wenig Fantasie selbst erfinden. Anfang des Jahrtausends war das noch lustig.

Sprung ins Jahr 2015. Wenn ich heute das Schlagwort "politisch korrekt" lese oder höre, will ich auf der Stelle nicht mehr weiterlesen oder -hören. Ich weiß sofort, was dann kommt, nämlich in der Regel das Gejammer eines älteren weißen Mannes, der sich darüber aufregt, dass er angeblich nicht mehr "Zigeunerschnitzel" und "Mohrenkopf" sagen darf. Die Wörter "Zensur", "verhunzt", "Bevormundung" und "Steuergelder" folgen dann meist noch, und natürlich die (Anfang des Jahrtausends noch lustig gewesenen) Verlängerungswitze: "Muss ich demnächst beim Bäcker einen 'Maximalpigmentiertenkuss' bestellen?" Höhöhö. Hier entlädt sich kein gerecht(fertigt)er Zorn gegen politisch geleitete Missstandsbeschönigung und Augenwischerei, hier herrscht die bloße Empörung über jeden Versuch, verbale Diskriminierung einzudämmen. Dass ein solcher Versuch selbstverständlich mal daneben gehen kann, sollte keinen modernen Vernunftsmenschen zu einem verbitterten Meckeronkel à la Walter Krämer oder Harald Martenstein werden lassen. Sollte.

Es ist immer schlimm, wenn sich die Rechte ehemals völlig anders motivierte Formulierungen und Begrifflichkeiten aneignet, um sich als das entmündigte Volk zu gerieren, das es schon angesichts von verfassungsmäßig garantierter Meinungs- und Versammlungsfreiheit niemals sein kann. Eine nicht erst seit Pegida beliebte Masche. Die Mär von der "gleichgeschalteten Presse" zum Beispiel soll folgenden Gedanken auslösen: "Aha! Gleichschaltung, das gab's doch in der NS-Zeit! Wenn die das anprangern, wer sind dann hier die echten Nazis?" Noch tumber und perfider ist die Phrase vom "linksgrünen Faschismus". Ich bin ja gespannt, wann und wo zum ersten Mal das Wort "Gleichberechtigungs-Holocaust" fällt. Google findet noch keinen Beleg dafür. Bedient euch also ruhig bei mir, ihr "herrlich politisch unkorrekten" PC-Wüteriche!

Freitag, 2. Januar 2015

Mit den Pilzen durchs Jahr (Neues vom "Tintling")

Schon im August 2014 schickte Chefredakteurin Karin Montag persönlich und freundlicherweise Ausgabe 89 ihres Magazins Der Tintling in das Büro, in dem ich arbeite. Zwischenzeitlich sind zwei weitere Nummern erschienen, doch ich möchte es nachholen, das nämliche Heft 4/2014 kurz vorzustellen.


Das Heft steht zwar nicht, wie das Cover vermuten lässt, im Zeichen des Fliegenpilzes, aber immerhin befindet sich im Heftinnern eine aktuelle Auflistung aller Schweizer und deutschen Laboratorien, die Amanitin bestimmen können; außerdem gibt es ein Pilzpostkarten-Special zum Thema Romantik, in welchem auch Fliegenpilze abgebildet sind. Weitere Highlights:

- Teil VIII von "Pilze und Gallen" – Urpilze (darin geht's u.a. um Protomyces-Befall am Giersch)
- die neue, sehr gute Serie "Debütantenstadl". Teil 1: Die Form des Hutes. Man findet eine Übersicht aller geläufigen Formen von Hüten (fälschlicherweise oft "Kappen" genannt), von "zipfelmützenförmig" über "gefaltet-verbogen" bis "kegelig-geschweift"
- ein Artikel über den Gallenpilz Tremella fuciformis ("Weißes Wolkenohr", "Silberohr" etc.) mit besonderer Berücksichtigung seiner kulinarischen Verwertbarkeit (z.B. Paprika, gefüllt mit Wolkenohren und dickflüssigem Teig aus Mehl von Kichererbsen, Hallimaschpulver, Speck und Zwiebeln, Kreuzkümmel und Koriander)
- ein "pilzliches Kreuzworträtsel"
- ein Bericht von Dr. Volkbert Kell (†) darüber, wie dieser in den 1980er Jahren "dank" Pilzbefall seine DDR-Wohnung verlassen musste und durch "Beziehungen" eine neue, bessere fand
- das Editorial, in dem die neue japanische Offset-Druckmaschine für den Tintling vorgestellt wird

Das Beste an dieser Ausgabe war jedoch das beigelegte Gimmick "Der kleine PuKK" (Pilz- und Kräuter-Kalender), ein Zweiwochen-Wandkalender, der mit saisonaler Relevanz über Wald- und Wiesenfundstücke informiert. Er ist hübsch bebildert und enthält neben gelegentlichen Rezeptanregungen QR-Codes mit Hintergrundinfos zu sämtlichen behandelten Pflanzen und Pilzen ("direkte Verbindung zur Onleine"). Fazit: wieder ein sehr gelungenes Heftchen!