Donnerstag, 30. April 2026

Zurück zur Buttersoß'!

Ein Artikel in der Kulinarik-Ecke der heutigen FAZ heißt "Schluss mit Butter und Hollandaise" und beginnt so: "Kaum ein anderes Gemüse wird so einfallslos zubereitet wie weißer Spargel." Gäääähn. Ein treffenderer Einstieg wäre: "Kaum ein anderes Gemüse wird seit rund zehn Jahren so verschiedenartig zubereitet wie Spargel." Ich habe heuer nicht dran gedacht, werde es aber nächstes Jahr versuchen: alle Spargelrezepte zu sammeln, die während der Saison in deutschen Wochenmagazinen und überregionalen Tageszeitungen präsentiert werden. Alle denkbaren und undenkbaren Spielarten werden uns vorgesetzt, während der Klassiker Kartoffeln, weißer Spargel und Sauce hollandaise praktisch ins Abseits befördert worden ist.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin stets offen für neue Spargelvariationen (und bevorzuge ohnehin den grünen), aber das Herunterkanzeln von Spargel mit Holländischer Soße als spießig und fade ist inzwischen seinerseits spießig und fade. Am Montag habe ich "angespargelt" und im Restaurant das vermeintlich einfallslose Standardgericht bestellt. Was soll ich sagen? Wenn eine Hollandaise gut gemacht ist, die Erdäpfel neu und die Spargelstangen bissfest sind, kann das eine wahre Labsal sein. Aber was weiß ich schon? Mir schmecken ja sogar "Les Sauces" von Thomy.

Dienstag, 28. April 2026

Neues Altes (Februar '26 - April '26 + Nachtrag)

  • [nachgereicht] Forscher finden mögliches Massengrab von Pestopfern in Thüringen (n-tv.de, 13. Januar) "Durch Auswertung historischer Quellen, geophysikalische Messungen und Sedimentbohrungen konnte ein Expertenteam nun ein Massengrab identifizieren, das den beschriebenen Pestgruben aus dem 14. Jahrhundert entspricht. Endgültige Klarheit soll eine archäologische Grabung bringen."
  • Waren die ältesten Kunstwerke Europas beschriftet? (Spektrum.de, 24. Februar) Untersucht wurden die Linien, Kreuze und Punkte auf 260 "Objekten der Altsteinzeit, die zwischen 43 000 und 34 000 Jahre alt sind – darunter [ein Elfenbeinmammut], der rätselhafte Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel, Knochen- und Elfenbeinflöten bis hin zu weniger bekannten Werkzeugen". Die Eigenschaften dieser Muster, "beispielsweise wie verschiedenartig die Zeichen gestaltet sind oder wie sie sich wiederholen", wurden "mit denen anderer, jüngerer Zeichensysteme, darunter auch moderner Schrift" verglichen und seien von der Komplexität her tatsächlich der sog. Protokeilschrift nicht unähnlich. (Anm. d. Bloggers: Ich warne vor voreiligen Schlüssen und würde tunlichst davon abraten, von einer "Schrift" zu sprechen.)
  • 2,000-year-old inscriptions found in Valley of the Kings offer fresh insight into Indian presence in Ancient Egypt (The Art Newspaper, 25. Februar, englisch) Im 1. bis 3. Jh. n. Chr. haben Menschen aus Indien nachweislich Austausch mit Ägypten und Griechenland gehabt. Händler hinterließen im Tal der Könige Graffiti in vier verschiedenen Sprachen und Schriften Indiens. Die Mehrheit der knapp 30 Inschriften, die sich auf sechs Gräber verteilen, wurde in der Tamil-Brahmi-Schrift verfasst. "[A]lthough archaeologists knew of an Indian presence on the Red Sea coast of Egypt during the later Roman era [...] 'until this discovery we never had any solid proof of visitors from India to the Nile Valley in this early period'."
  • Wer waren die toten »Sänger des Amun«? ("Spiegel online", 3. März) Dieser Titel taucht auf mehreren der 22 bemalten und verzierten Holzsarkophage auf, die – samt unversehrten Mumien – in Theben freigelegt wurden. In der rechteckigen Grabkammer aus der Dritten Zwischenzeit (1075 bis 652 v. Chr.) lagen zudem Keramikgefäße, "die vermutlich Materialien enthielten, die während des Mumifizierungsprozesses verwendet wurden".
  • Mehr als 43.000 beschriftete Tonscherben in Ägypten entdeckt (Stuttgarter Nachrichten, 13. März) Der Rekordfund aus dem Komplex Athribis gibt beredtes Zeugnis über die Sozialgeschichte der Nilregion. Die Ostraka enthalten "Steuerlisten und Lieferungen, daneben kurze Mitteilungen über alltägliche Abläufe, Übungen von Schülern, religiöse Texte und priesterliche Bescheinigungen über die Qualität von Opfertieren". Die ältesten Texte (aus dem 3. Jh. v. Chr.) liegen dabei in demotischer Schrift vor, die jüngsten (9.-11. Jh. n. Chr.) in arabischer, hinzu kommen viele griechische Inschriften sowie Texte in koptischer und hieratischer Schrift und in ägyptischen Hieroglyphen.
  • When did humans arrive in the Americas? A new study reignites the debate (National Geographic, 19. März, englisch) Die südchilenische Stätte Monte Verde ist neueren Untersuchen zufolge womöglich nur weniger als 8000 Jahre alt, nicht, wie nach ihrer Entdeckung in den 1970ern angenommen, 14.500 Jahre. Damals wurde mittels der Radiocarbonmethode Holz datiert – das sich jedoch ursprünglich nicht in Monte Verde befunden haben, sondern durch Erosionsprozesse von anderswo dorthin gelangt sein könnte. "The difference between a site being 13,000, 14,500, or 21,000 years old is significant because it raises other questions about how early humans arrived. Monte Verde prompted archaeologists to look for explanations as to how people could get to the Americas before the emergence of an ice-free corridor in Canada that only arose near the end of the last Ice Age, around 13,800 years ago."
  • Wurde Pompeji mit einem antiken Maschinengewehr angegriffen? ("Spiegel online", 22. März) Dies könnte zumindest die Erklärung für viereckige, fächerförmig angeordnete Einschusslöcher in den nördlichen Stadtmauern sein. "Um zu überprüfen, ob sie damit richtig lagen, verglichen die Forscherinnen die digitalen Messdaten mit griechischen Ingenieurszeichnungen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, die die Mechanik eines Polybolos beschreiben."
  • Überreste von Musketier D'Artagnan entdeckt? (Tagesschau, 26. März) "Bei einer Reparatur der Sint-Petrus-en-Pauluskirche in Maastrichter Stadtteil Wolder im Süden der Niederlande wurde das Grab entdeckt", genauer: unter dem Altar, wo i.d.R. "[n]ur königliche oder andere wichtige Personen" begraben wurden. "Auch eine Kugel sei bei den Rippen gefunden worden und eine französische Münze." Ein DNA-Abgleich mit einem Nachfahren des berühmten Anführers der Leibwache Ludwigs XIV. soll in ein paar Wochen Klarheit schaffen.
  • Hügelgräber bei Ausgrabungen in Laußnitzer Heide entdeckt (n-tv.de, 26. März) "Die Grabungen erfolgten vor der Erschließung neuer Abbauflächen durch das Kieswerk Ottendorf-Okrilla." Von den zehn schnurkeramischen Gräbern aus der Zeit zwischen 2750 und 2200 v. Chr. seien neun "ungestört und mit reichen Grabbeigaben ausgestattet" gewesen.
  • Archäologie enthüllt: Alexandria am Tigris war größer als gedacht (Berliner Morgenpost, 26. März) Nach einer Neuverortung mit modernen geophysikalischen Methoden und unter Zuhilfenahme von Drohnenaufnahmen kommt ein internationales Forschungsteam zu dem Schluss, dass die ein halbes Jahrtausend lang höchst bedeutende Stadt im heutigen Irak, unweit der Grenze zum Iran, eine hochkomplexe Metropole war, die es mit ihrer Namensvetterin am Nil aufnehmen konnte.
  • Römische Bootsladung vom Grund des Neuenburgersees gehoben (SRF, 26. März) Die exzellent erhaltenen Gegenstände – Schwerter, Gefäße, Werkzeuge – aus dem Gewässer im Kanton Neuenburg befanden sich wohl an Bord eines im ersten nachchristlichen Jahrhundert gesunkenen zivilen Handelsschiffs und zeugen "von der Nutzung eines dualen Transportsystems, das Land- und Wasserwege miteinander verband".
  • Als Neandertaler einen Elefanten schlachteten ("Spiegel online", 27. März) Bereits 1948 wurden im niedersächsischen Lehringen die ca. 125.000 Jahre alten Überreste eines Waldelefanten entdeckt, dem "ein augenscheinlich von Menschenhand geformter, etwa 2,4 Meter langer Holzstab" zwischen den Knochen steckte. "Nun geben neue Untersuchungen Gewissheit: Der etwa 30 Jahre alte Elefantenbulle wurde höchstwahrscheinlich von Neandertalern getötet, berichtet ein Forschungsteam". Das Tier war zudem noch am Ort des Erlegens ausgenommen und zerteilt worden.
  • Fragmente von Homers »Ilias« in Mumie entdeckt ("Spiegel online", 22. April) Im heutigen ägyptischen Al-Bahnasa, dem antiken Oxyrhynchos, wo bereits "viele beeindruckende Gegenstände aus der griechisch-römischen und byzantinischen Zeit gefunden [wurden], darunter Tausende Papyri", wurde im Inneren einer Mumie aus römischer Zeit ein Papyrus mit Versen aus dem zweiten Buch des Epos aufgespürt.

Sonntag, 26. April 2026

Wer den Cent nicht ehrt ...

Entgegen der Behauptung eines zum Glück inzwischen eingemotteten Werbespruchs ist Geiz nicht geil, sondern hässlich, so hässlich wie jener Saturn-Slogan. Sparsamkeit hingegen: gut. Doch der Übergang ist fließend. In einer seiner FAS-Kolumnen, die in dem 2023 erschienenen Band "Zu Hause an den Bildschirmen: Schmidt sieht fern" versammelt sind, schreibt Jochen Schmidt:
Ich freue mich immer, wenn ich eine Möglichkeit entdecke, Geld zu sparen, zum Beispiel, indem ich beim Einkaufen die grünen Stengel der Rispentomaten vor dem Wiegen entferne, beim Knäckebrot die flache Seite schmiere, weil auf der anderen Seite so viel Belag in den Kuhlen verschwindet, alte Kalender kaufe und das Datum mit Hand ändere. Statt Nagellack zu benutzen, kann man zu enge Schuhe tragen, bis sich die Zehennägel blau färben, und beim Nachdenken kann man sich angewöhnen, das Schreibtischlicht zu löschen.
Die letzten zwei Beispiele sind natürlich als Verlängerungswitz gemeint, aber das Rispenentfernen, das Knäckeschmieren und das Kalenderrecycling nehme ich dem Autor ab. Nicht dass ich dergleichen selbst tun würde (noch je auf die Idee gekommen wäre), aber ich verstehe das Mindset dahinter. Schmidt ist zum einen in der DDR aufgewachsen, hat zum anderen als 1970 Geborener noch aus erster Hand Zeugnis davon erhalten, wie es in der schweren Zeit war.
Für die Generation, die noch den Krieg erlebt hat, war solche Sparsamkeit, die heute als Geiz gilt, selbstverständlich; so erklärte Tante Lore aus Köln meinen Eltern einmal, sie würden sich erst einen Fernseher leisten, wenn der Farbfernseher erfunden wäre, denn dann würden sie einfach einen Schwarzweißfernseher kaufen, die ja dann sicher billiger würden. Tante Lore und ihr Mann aßen auch, wenn sie in die Toskana fuhren, nach der Ankunft eisern ihre für unterwegs geschmierten Stullen auf, bevor sie sich der italienischen Küche widmeten.
Dass man seinen Reiseproviant bis zum letzten Krümel vertilgt und überhaupt Nahrung nur wegschmeißt, wenn sie verdorben ist, versteht sich ja wohl hoffentlich auch heute noch von selbst! Hier geht es nicht nur darum, Geld zu sparen, sondern um das Eindämmen von Lebensmittelverschwendung. Manche Pfennigfuchsereien sind universell und generationenunabhängig, andere sind den Nachwachsenden vorbehalten: 
Meine Tochter erklärte mir, nach Partynächten kaufe man sich als mittelloser Schüler heutzutage am Dönerstand «Saucenbrot», also einen Döner ohne Inhalt, nur mit Sauce, für 1 Euro.
"Schülerdöner": das habe ich auch schon irgendwo auf einer Imbisstafel gelesen! Und einmal beobachtete ich gar, wie zwei Grundschüler einen Dönermann fragten: "Kriegen wir einen Döner geschenkt?" Womöglich funktioniert diese Masche gelegentlich, und sei es nur mit dem Resultat, ein "Saucenbrot" oder ein "Fladenbrot ohne alles" abzustauben.

Freitag, 24. April 2026

Mein Konjunktiv des Tages

... hat glatt das Zeug dazu, meinem Konjunktiv des Jahrtausends den Rang abzulaufen. Begegnet bin ich ihm in Bora Chungs Kurzgeschichtensammlung "Der Fluch des Hasen" (deutsch von Ki-Hyang Lee):

Als er nun volljährig geworden war, schickte sein Vater Abgesandte über die Grenzen seines Reiches hinaus zu den Bewohnern der Graslande, damit sie um eine Prinzessin würben, die die zukünftige Königin des Wüstenlandes werden könne.

Mit der Gesellschaft zur Stärkung der Verben schlage ich vor, analog zu werben (und sterben) auch erben so schön zu konjugieren.

Mittwoch, 22. April 2026

Der doppelte Klein

Letzten Freitag hatte ich, was selten genug vorkommt, einen freien Tag. Den nutzte ich, um eine Wanderung auf Grundlage einer Ausgabe aus meinem FAZ-"Wandertipp"-Archiv zu machen: endlich mal wieder eine original Thomas-(F.-)Klein-Tour!

Ich fuhr bis Bensheim an der Bergstraße und von dort mit dem Bus nach Lautertal. Als ich an der Haltestelle Markt im Stadtteil Reichenbach ausstieg, war mein erster Gedanke: Huch, das kenne ich doch! Der Eindruck verfestigte sich, nachdem ich die ersten paar hundert Meter gegangen war, und erst recht, als ich auf Google Maps mehrere Ortsmarken entdeckte, die ich einst in der Umgebung angelegt hatte. Tatsache, ich musste diese Strecke schon einmal gewandert sein. Dabei war ich mir zu 100 Prozent sicher, dass ich die nämliche "Wandertipp"-Folge noch nie umgesetzt hatte. Seltsamerweise verflogen die Déjà-vu-Momente nach etwa der Hälfte der Strecke ('Okay, das ist neu', dachte ich), nur um irgendwann wieder einzusetzen.

Zurück daheim blätterte ich durch den Wanderordner und stieß alsbald auf des Rätsels Lösung, i.e. das Routenduplikat, den Wandertipp "Im Land der steinernen Meere", erschienen am 7. Februar 2025:


Und hier zu sehen ist die von mir am Freitag gewanderte Tour "Zwischen Felsen und Moor" aus der FAZ vom 12. März 2021:


Die "neuere" Route bin ich also zuerst gewandert, die "ältere" später, was aber hinsichtlich meiner Erfahrung keine Rolle spielte, da ich beide innerhalb eines Jahres (plus-minus ein paar Monate) abgelaufen bin. Wie unschwer zu erkennen ist, sind die Touren nahezu identisch, lediglich der südliche Bogen verläuft bei "Zwischen Felsen und Moor" anders, wodurch man hier 17 statt 13 Kilometer gehen muss, sofern man nicht die (hier mit einer gestrichelten Linie dargestellte) Abkürzung nimmt.

Ich muss zugeben, dass ich zwischenzeitlich etwas angefressen war, doch die zahlreichen Glanzpunkte am Wegesrand (wieder) zu sehen, stimmte mich milde:






Außerdem wären mir, hätte ich den nachmalig "recycelten" Ausflug nicht gewählt, Kleiniania ersten Ranges entgangen:
Etwas nach links abweichend, erwartet den Wanderer mit dem Gasthaus "Zum Odenwald" eine zünftige Einkehr [...]
Das Gasthaus weicht nach links ab?
Etwas ansteigend, vorbei an einem Bauernhof, bleibt die Bebauung halb rechts in Richtung "Pension Sonnentau" am Zugang des Schannenbacher Moores zurück.
Die Bebauung steigt, vorbei an einem Bauernhof, an?
Rechts davon wird die offene Talung gequert und, vereint mit den Abkürzenden, rechts vor dem Wald abgebogen [...]
Die Talung wird mit den Abkürzenden vereint und rechts abgebogen? Solche Subjektsbezugsunfälle konnte "Im Land der steinernen Meere" nicht bieten, dafür aber grammatikalisch kaum zu beanstandende Sätze von betörender Schönheit:
Nach dem Queren einer Kreuzung setzt Gefälle ein, was allerdings das Schritttempo nicht beschleunigen wird. Schmelzwasser und Niederschläge hinterließen rutschige Verhältnisse. Mit Blick auf die ausnehmend hohen Buchen ringsum wird man ohnedies die Schritte verlangsamen.

Der Preis dieses Naturschauspiels ist allerdings auch hier erhöhte Rutschgefahr. Weiter oben übergibt das V nahtlos an das Zeichen weißes S1 mit der Maßgabe, dem 500 Meter hoch liegenden Weiler Schannenbach zuzuführen.

Schräg aus dem Boden ragend, von Klüften, Überhängen und Löchern so stark durchzogen, dass man um seine Standfestigkeit fürchtet, wird das Trumm dennoch die nächsten Eiszeiten überdauern.
Die nächsten Lenze überdauern werden die beiden Tourenbeschreibungen nicht: Ich werde sie wegwerfen, auf dass es mich nicht noch ein drittes Mal ins Kleine Felsenmeer verschlägt.

Dienstag, 21. April 2026

B.B.B.

B.B.B. steht für "BioBio-Beeren", denn siehe: Auch der Discounter Netto hat nun über sein Bio-Segment gefriergetrocknete Beeren auf den Markt gebracht. Es gibt sowohl Erdbeeren als auch Himbeeren im 25-Gramm-Beutel. Der im dieswöchentlichen Prospekt ausgewiesene "Dauertiefpreis" ergibt einen Kilopreis von 110,- Euro, mit dem uns allerdings schon Ende 2021 die Drogeriekette dm entgegengekommen ist. Gespart werden kann, wie im Bild zu sehen ist, mit der Netto-plus-App, die ich aber nicht besitze; ich kann doch, bitt'schön, nicht auch noch für jedes markteigene Bonusprogramm eine App installieren!


Update: Ich war gerade bei dm und kann bestätigen, dass nicht nur der Preis von 2,75 € für 25 Gramm Trockenerdbeeren gleich geblieben ist, sondern dass für denselben Preis nun auch dort getrocknete Himbeeren erhältlich sind. Die getrockneten Heidelbeeren sind jedoch inzwischen aus dem Sortiment verschwunden.

Sonntag, 19. April 2026

Meine zuletzt nicht gesehenen Filme

Was Bücher und Serien angeht, bin ich ein Completionist, ein beharrlicher Es-zu-Ende-Bringer. Habe ich von einer Serie die Pilotfolge gesehen / von einem Buch die ersten 100 Seiten geschafft, dann kann ich nicht anders, als die komplette Staffel zu schauen / den Rest des Buches zu lesen. Bei Filmen bin ich weniger diszipliniert, da kommt es schon mal vor, dass ich selbst nach einer Stunde abbreche, wenn's mir zu blöde wird (rezente Beispiele: "Cuckoo", 2024; "Tim Travers & The Time Travelers Paradox", 2022). Bei manchen Filmen weiß ich bereits nach wenigen Minuten: Das ist nix für mich. Gleich zweimal erging es mir in der vergangenen Woche so, und zwar in Bezug auf zwei nicht nur von eingefleischten Cineasten hochgehaltene Kultstreifen: "Blade Runner" (1982, Ridley Scott) und "Brazil" (1985, Terry Gilliam). Allein zuzugeben, dass ich über 40 Jahre alt werden musste, um diese über 40 Jahre alten Filme zu begutachten, erfüllt mich mit Scham. Das lange Aufschieben war einem dumpfen Gefühl geschuldet – das sich schließlich beim Abspielen der Filme instantan bestätigt hat. Sowohl "Blade Runner" als auch "Brazil" brach ich nach jeweils einer Viertelstunde ab; ein zweiter Anlauf ist ausgeschlossen. Mir fällt es schwer, auszudrücken, was genau mich an diesen Werken abstößt. Irgendetwas an der retrofuturistischen (?) Darstellung von Dystopien (?) verursacht mir körperliches Unbehagen, bedrückt und überfordert mich. Die Ästhetik ist mit dem englischen Adjektiv gritty nur unzureichend attributiert; es ist alles gleichzeitig grell und noir, auf jeden Fall chaotisch und überladen. Mark Fisher wüsste bestimmt, warum es mir so geht, aber den kann man ja nicht mehr fragen.

Freitag, 17. April 2026

Albernes zum Wochenschluss (Cross-posting)

An der Bockenheimer Warte in Frankfurt gastiert derzeit wieder einmal das Gießener Figurentheater und führt in seinem Zelt unter anderem »Furzipups der Knatterdrache« auf. Dabei handelt es sich, wie das dazugehörige Plakat stolz verkündet, um »das einzige lizenzierte Figurentheater für ›Furzipups‹ in Hessen und Mecklenburg-Vorpommern«, was die Frage aufwirft, wie es sich wohl mit den übrigen Bundesländern verhält. Hat man dort gar nicht erst versucht, Furzipups-Lizenzen zu bekommen? Hessen als verdienstvolle Darmwindförderungsregion (Nationalgericht »Handkäs mit Musik«) liegt für Furzipups-Aufführungen natürlich nahe, doch inwieweit qualifiziert sich Meck-Pomm als Heimstatt der beliebten Kinderbuchfigur?

Und die wichtigste Frage abseits jener, ob Deutschlands Juniorliteraturbetrieb die anale Phase jemals wieder verlassen wird: Was kriegen Furzipups-Fans beispielsweise in Bayern stattdessen geboten? Ich stelle mir stümperhafte Off-brand-Inszenierungen mit konkurrierenden verdauungsgestörten Folklorereptilien vor – von denen sich das minderjährige Publikum freilich nicht beeindrucken lässt. »Das ist ja gar nicht Furzipups der Knatterdrache! Wir wollen Furzipuuuups!!!« brüllt die Kindermeute. »Der ist aber genauso toll«, versuchen die erwachsenen Begleitpersonen zu beschwichtigen. »Das ist Arschibläh der Flatulenzwyrm. Schaut, jetzt klaut er seiner Freundin Stinki Säbelzahn eine Dose Kidneybohnen!«

Doch das Stück will nicht recht in Fa(h)rt kommen, sehen selbst die Eltern alsbald ein. Der Hauptfigur fällt ein Auge aus dem Stoffschädel, eine Oberlichtglühlampe platzt, mehrmals klemmt der Vorhang, die Puppen verhaspeln sich in einer Tour, und in der Pause rast ein Büffel durch die Manege, der aus einer parallel laufenden Vorstellung (»Der Müffelo«) entkommen ist. Als Zeichen des guten Willens wendet sich hinterher eine Erziehungsberechtigte an den Zirkusdirektor: »Richten Sie ein Lob an den Tontechniker aus! Die Furzgeräusche waren wirklich authentisch.« Worauf der Direktor sagt: »Wir haben gar keine Tontechniker.«

(Zuerst erschienen im Titanic-Newsletter vom 17. April 2026. Jetzt abonnieren, um in zwei Wochen meine 100. Kolumne nicht zu verpassen!)

Mittwoch, 15. April 2026

Tu mal lieber die Möhrchen

Ofengemüse: immer eine gute Idee. In diesem Rezept, das einen leichten Hauptgang oder eine üppige Vorspeise für zwei Personen ergibt, sind Möhren die Stars in einer Revue mit der Premium-Variante von Mozzarella und einer sog. Salsa rustica.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen und ein Bund Möhren, die man zuvor geputzt hat, darauf verteilen und in 2-3 EL Olivenöl sowie 2 EL flüssigem Honig wälzen. (Es sollten keine Futtermöhren im Kilobeutel sein, sondern etwas höherwertige, am besten so ein "Strauß" mit Grün obendran; handverlesene französische in verschiedenen Farben wären vermutlich perfekt und machten zusätzlich optisch was her.) Das Blech kommt in den auf 200 Grad (Ober-/Unterhitze) bzw. 180 Grad (Umluft) vorgeheizten Ofen und sollte mindestens eine halbe Stunde drin bleiben; nach ein- bis zweimaligem Wenden des Gemüses schätze man selbst ein, ob es bei gleichzeitiger Karamellisierung weich genug geworden ist.

In der Zwischenzeit bereitet man ein Dressing aus 2 EL kleingehackter glatter Petersilie, 2 EL kleingehackter Minze, ca. 50 g Mandelstiften, den Zesten und dem Saft einer halben Bio-Zitrone und einer angemessenen Menge Olivenöl. Mit Salz und Pfeffer (und ggf. ein wenig Zucker) abschmecken.

Die Karotten aus dem Ofen nehmen und auf zwei Tellern verteilen. Jeweils 1 Kugel Burrata auf die Möhren setzen und diesen grob öffnen, zerpflücken, "anreißen". Darauf wiederum je die Hälfte der Salsa verteilen, nach Wunsch mit einer Prise grobem Meersalz und etwas frisch gemahlenem Pfeffer krönen. Wohl bekomm's!

Montag, 13. April 2026

Trockenobst-Update

Heute war ich einkaufen und entdeckte sowohl bei Rewe als auch bei Netto die von mir erst kürzlich als Trendprodukt vorausgeahnte Trockenobstvariante Himbeeren. Zum einen ist jetzt der einschlägige Hersteller Kluth an Bord, der für seine gefriergetrockneten Himbeeren allerdings einen Kilopreis von fast 200 Euro ansetzt.


Zum anderen lässt der mir bislang unbekannte Player Fruucs die Muskeln spielen: Er stellt mit dem Kampfpreis von 99,80 €/kg (für ein 50-Gramm-Glas) einen neuen Tiefstwert auf.


Bei all diesen neuen Beeren sollte man nicht die diversen Klassiker der Müslizugaben vergessen, beispielsweise getrocknete Mangos. Just dieses Wochenende hat die Süddeutsche Zeitung einen großen Vergleichstest jenes Produkts durchführen lassen. Zehn verschiedene Sorten wurden getestet. Angegeben wurde jeweils nur der Preis pro Packung; ich war zu faul, die Kilogrammpreise auszurechnen, doch scheint mir die Firma Seeberger mit 3,69 € je 100 g diesbezüglich vorne zu liegen – getrocknete Mangos sind also deutlich günstiger als ihre beerigen Pendants. Mit 5 von 10 Punkten nehmen die Seeberger-Früchte übrigens den vorletzten Platz ein, geteilt mit denen von süssundclever. Nur die "fruchtigen Mangostreifen" von Rewe Beste Wahl kamen mit 4/10 schlechter weg ("Die Textur wirkt zäh und insgesamt mehr trocken als saftig. Das erinnert mich an industrielle Massenproduktion"). Die höchste Punktzahl, nämlich 9, hat die Testerin der dm-Eigenmarke gegeben: Die Bio-Streifen, als deren Nachteil lediglich die Kleinheit bemängelt wurde, sind mit 1,95 € für 100 g zudem ziemlich billig. 8 von 10 Punkten erhielten die "exotischen Trockenfrüchte Mango" von Farmer naturals (Aldi Süd) sowie das in mehreren Märkten erhältliche Produkt aus dem Hause Farmer's Snack.

Samstag, 11. April 2026

Neues vom § 5 Abs. 3 MarkenG

Die Älteren werden sich (möglicherweise) erinnern: In der "Harald Schmidt Show" wurden in deren goldener Ära regelmäßig Eintragungen aus dem Titelschutzanzeiger vorgelesen. Schmidt und Andrack spekulierten dann, welches literarische, filmische oder sonstige Werk aus dem geschützten Titel erwachsen könnte. Heiterkeit war die Folge.

Gestern wurde mir die aktuelle Ausgabe des Titelschutz-Magazins (Eigenschreibweise: titelschutz-magazin) zugespielt. "102 neue Titel in 58 Titelschutzanzeigen" werden darin aufgeführt. Besonders Auffälliges findet sich leider nicht darunter. Am lustigsten sind noch:

- Die Zitrone im Spinnennetz
- Frauen sind wie Katzen
- Ich heiße Samantha du Arsch

Was ich generell an der Praxis des Titelschutzes bedenklich finde – abgesehen davon, dass man sich einfach so Allerweltswörter wie "Komplimente" sichern darf –, ist, dass der Schutzanspruch stets für "alle Schreibweisen, Darstellungsformen und Wortverbindungen" gilt. Wenn's nach mir ginge, würden Titel wie "Wir enden in unendlichkeit" oder "Ich liebe dich im stillen" der "besitzenden" Person nur exakt so gehören; wenn jemand anders etwas Gleichlautendes ohne die jeweiligen Groß-/Kleinschreibfehler veröffentlichen wollen würde, dürfte er das. Pech gehabt!

Donnerstag, 9. April 2026

Eiland in Sicht!

Dass ich das noch erlebe: dass im Jahr 2026 die Entdeckung einer neuen Insel bekanntgegeben wird! Genau das ist diese Woche geschehen. Auf das Eiland gestoßen ist der deutsche Brecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) im Weddellmeer. Die nach ersten, durch Drohnenaufnahmen gewonnenen Erkenntnissen circa 130 Meter lange, 50 Meter breite und etwa 16 Meter aus dem Wasser ragende Insel war "zuvor auf den vorhandenen Seekarten lediglich als Gefahrenzone verzeichnet", wie es in der Pressemitteilung des AWI heißt. "Da es keine offizielle internationale namentliche Eintragung der Insel gibt, gilt es jetzt, den Benennungsprozess für eine solche Entdeckung zu durchlaufen." Danach kann sie in internationalen Seekarten eingezeichnet werden und hoffentlich auch bald in Google Maps erscheinen. Einer bestimmten Nation darf sie gemäß Antarktis-Vertrag nicht zugeschlagen werden.

Persönliche Randbemerkung: Eine ehemalige Mitschülerin von mir arbeitet als Geochemikerin beim AWI. Ob sie wohl Teil des 53-köpfigen Forschungsteams der Polarstern ist, die neue Insel womöglich sogar irgendwann betreten darf?

Dienstag, 7. April 2026

Es grünt so grün im Mushroom Kingdom

Schon lange wollte ich mal etwas über The New Christy Minstrels schreiben, und jetzt gibt es sogar einen Anlass dazu; in Kürze mehr. Die New Christy Minstrels waren eine Folk-Music-Gruppe, bzw. sind sie das, denn obwohl sie sich 1971 offiziell aufgelöst haben, geben sie seit 1976 wieder gelegentlich Gastspiele und haben erst 2017 ihr letztes Album veröffentlicht. Dass sie in wechselnder Besetzung auftraten und -treten, gehört seit ihrer Gründung durch Randy Sparks im Jahr 1961 zum Konzept: "Some of [the] band's members had no interest in committing full-time to what they saw as a high-risk project, and others had obligations elsewhere." (Wikipedia) Bereits ein Jahr später reduzierte sich die Zahl ihrer Mitglieder auf zehn, nachdem das zur Urformation gehörende Quartett The Fairmount Singers ausgetreten war. Zu den bekanntesten Namen der mittlerweile rund 300 aktiven und ehemaligen Minstrels zählen Kenny Rogers (1966), Tracy Newman (1962, Schauspielerin und Impro-Komikerin, Schwester von Laraine Newman) und Kim Carnes (1966, später mit "Bette Davis Eyes" weltberühmt geworden). Übrigens, wer bei "New Christy Minstrels" an eines der dunkelsten Kapitel der US-amerikanischen Unterhaltungsgeschichte denkt, liegt nicht falsch: Sparks nahm mit dem Namen Bezug auf die Truppe "Christy's Minstrels", die ab den 1840er Jahren in Blackface zeitgenössische minstrel plays performte, etwas, worauf die "New Christies" gottlob verzichteten.

Die New Christy Minstrels als erfolgreich zu bezeichnen, wäre untertrieben. 1970 traten sie beim Super Bowl auf, bei der Oscar-Verleihung 1965 interpretierten sie den Gewinner in der Kategorie "Bester Song" ("Chim Chim Cher-ee" aus "Mary Poppins"), in ihren Hoch-Zeiten waren sie regelmäßige Gäste im legendären Hotelclub Cocoanut Grove und in prestigeträchtigen Spielstätten wie der Carnegie Hall. Seit 2009 haben sie einen goldenen Stern auf dem Palm Springs Walk of the Stars.

Ich muss zugeben, dass ich viele ihrer Stücke, darunter auch ihre Coverversionen oder (christliche) Traditionals wie "Michael Row the Boat Ashore" äußerst schmissig und mitreißend finde. "Chitty Chitty Bang Bang" höre ich von dieser Truppe lieber als die Original-Musical-Nummer, und was für ein Gassenhauer ist bitte der aus "The Leftovers" bekannte "Song of the Pious Itinerant"?! Ihre höchste Chartplatzierung erreichten die New Christy Minstrels 1963 mit dem Schlager "Green, Green", der im Folgejahr zweifach Grammy-nominiert war und in der Folge von internationalen Stars in allen möglichen Sprachen gesungen wurde, beispielsweise auf deutsch von Drafi Deutscher ("Grün, grün ist Tennessee") oder Cliff Richard ("Du, du gefällst mir so"). In Japan, wo die Minstrels bis heute besonders beliebt sind, schrieb der Kinderbuchautor Hikaru Kataoka für "Green, Green" neue Lyrics in seiner Muttersprache. Diese japanische Fassung wurde 1967 vom Suginami Junior Chorus in einer Kinderfernsehsendung vorgetragen und erfreut sich seitdem großer Popularität.

Und damit komme ich zum Anlass dieses Beitrags. Vor wenigen Tagen sah ich einen Bluesky-Post des hier bereits empfohlenen Tumblrs "Supper Mario Broth". (Der Bluesky-Account haut öfter Dinge raus, die weder auf dem Basiskanal noch im Miszellen-Ableger "Small Mario Findings" gezeigt werden.) Darin wird die unglaubliche und mir noch nie begegnete Behauptung aufgestellt, dass das musikalische Hauptthema von "Super Mario World" von ebenjenem Lied inspiriert worden sei! Als Beweis führt der Account eine nie ausgestrahlte Ausgabe des "Satellaview BS-X Broadcast Magazine" an, in welcher der Refrain von "Green, Green" (in SMW-Soundfont) angespielt wird. Auch der Wikipedia-Eintrag zu nämlichem Hit geht auf diesen Vorwurf ein: "British YouTuber Thomas hypothesizes that Koji Kondo was inspired by the Japanese version of 'Green, Green' when he was making the Super Mario World's overworld music in the 90s, due to the song having a 'happy, rhythmical and an easy to remember melody'." Tja, was soll man dazu sagen? In meinen Ohren sind die circa dreizehn fraglichen Noten zu unterschiedlich, als dass man von einem Plagiat sprechen könnte. Inspiration? Das mögen Leute entscheiden, die von dergleichen Ahnung haben.


Ein kleiner Exkurs zum Schluss ist noch geboten. Was bitte ist "Satellaview"? Mit absonderlichem NES-Zubehör habe ich mich ja schon befasst, aber auch für das SNES bzw. Super Famicom, wie es im Heimatland von Nintendo hieß, gab es bemerkenswerte Extra-Hardware. Ausschließlich in Japan kam das Satellaview auf den Markt, "ein Zusatzgerät, um Spiele, Demos und Informationen über einen Satelliten zu empfangen. Es [...] nutzte den Satellitensender St. GIGA. Auf dem Satellitenkanal wurden von 4 bis 7 Uhr japanischer Zeit die Daten gesendet, ansonsten lief ein normales Fernsehprogramm. Das Hauptproblem war, dass die Daten nur zu bestimmten Uhrzeiten ausgestrahlt wurden. Man musste also im richtigen Moment das Gerät starten und konnte dann die Daten auf ein spezielles wiederbeschreibbares Flash-Modul herunterladen. Dieses Modul, die 'BS-X Special Broadcast Cassette', wurde in den Modulschacht des SNES eingesetzt und konnte vier Megabit (512 Kilobyte) an Daten speichern." Und als Teil des offiziellen BS-Magazins sollte offenbar das "Green, Green"-Osterei präsentiert werden, wurde dann aber vom Konzern zurückgezogen, weil es ein Quasi-Klau-Eingeständnis gewesen wäre.

Montag, 6. April 2026

Handkuß mit Musik (salopp)

Das Thesaurus-Thema lässt mir keine Ruhe ... Auf dem Gang zum Wochenmarkt sah ich am Donnerstag eine Zu-verschenken-Kiste, in der eine aktuelle(re) Ausgabe des Synonym-Dudens lag. Ich nahm mir vor, diese auf dem Rückweg einzustecken, vergaß es dann allerdings. Später zog ich einmal mehr mein 70er-Jahre-Exemplar zurate und blieb beim Durchblättern – ich schwöre: unbeabsichtigt – bei den Einträgen zum Geschlechtlichen hängen. Allerlei Putziges und Angestaubtes ist dort zu finden. Als sinn- und sachverwantde Wörter und Wendungen für "Geschlechtskrankheit" schlägt das Buch u.a. vor:
- Pauken und Trompeten
- Türkische Musik
- Trio (salopp)
- Kavaliersschnupfen (scherzh.)
Die Ausdrücke "Lustseuche" und "Franzosenkrankheit" waren immerhin schon Teil meines passiven Wortschatzes; lachen musste ich beim Wiederentdecken dennoch. Genau so wie über die Einträge bei "Untersuchung auf G[eschlechtskrankheit]":
- Schwanzappell (vulgär)
- Schwanzparade (vulgär)
Und wie umschreibt man wahlweise möglichst verklemmt oder pueril, dass man "eine G. bekommen" hat? Zum Beispiel mit diesen Phrasen:
- sich etwas holen (salopp)
- sich etwas aufsacken (salopp)
- sich die Musik holen (salopp)
- zum Handkuß kommen (österr.)
- sich die Gießkanne verbiegen (vulgär)
- sich den Lauf verstopfen (salopp)
- sich den Schwanz verbrennen (vulgär)
Hat man(n) sich etwas "geholt", dann "geht man wie auf Eiern" (salopp). Es ist dies möglicherweise die Folge ungezügelten Geschlechtstriebs, für welches Wort der Duden diese Alternativen anbietet:
- Nisus sexualis
- Salazität
- im reiferen, "gefährlichen" Alter: Johannestrieb
Statt "Koitus" lässt sich auch sagen:
- Beilager
- Kongressus
- Nahkampf (salopp)
- verhaltener: Karezza, Koitus reservatus

Was ich mit diesem neu gewonnenen lexikalischen Wissen anzufangen gedenke, weiß ich noch nicht. Vielleicht schreibe ich irgendwann eine erotische Kurzgeschichte ausschließlich mit solchem Vokabular.

Freitag, 3. April 2026

Vor zwanzig Jahren

... bloggte ich auf dem Kybersetzung-Vorgänger dies:

Ich habe immer noch viel zu tun, d.h. die Updates werden in den kommenden Tagen noch auf sich warten lassen. Hinzu kommt, dass bluephod.net leider seinen Betrieb eingestellt hat. Damit will ich natürlich nicht andeuten, dass ich von dort Links geklaut hätte ;P ... aber traurig isses trotzdem.

Bluephod! Daran habe ich ja ewig nicht mehr gedacht. Aber "schön" zu sehen, dass es auch damals Phasen erhöhten Stresses in meinem Leben gab. Von wegen "Gammelstudent"! (Hat ja niemand behauptet.) Der nämliche Blogbeitrag geht dann noch mit ein paar Links weiter, von denen heute natürlich keiner mehr funktioniert, bis auf diesen hier: The Phronistery. Dieses bis ins Jahr 1996 (!) zurückreichende englischsprachige linguistische Kuriositätenkabinett enthält unter anderem ein "17,000-word dictionary of rare, cool, and unusual words", Spezial-Lexika, Zahlwort-Trivia sowie das bis heute gelegentlich aktualisierte Sub-Blog Glossographia. *bookmark*

PS: Meine alte Ausgabe des Duden Bd. 8 ("Die sinn- und sachverwandten Wörter") schlägt als Synonym für "Stress" das Wort "Managerkrankheit" vor. Was soll das?

Mittwoch, 1. April 2026

Serientagebuch 03/26

03.03. Family Guy 24.03
Family Guy 24.04
04.03. Pluribus 1.06
05.03. Get a Life 1.14
06.03. The Woman in the Wall 1.04
07.03. Lost 2.23 (RW)
Lost 2.24 (RW)
08.03. Family Guy 24.05
Run Away 1.01
10.03. Run Away 1.02
11.03. The Woman in the Wall 1.05
Pluribus 1.07
Family Guy 24.06
Family Guy 24.07
12.03. Get a Life 1.15
17.03.
The Woman in the Wall 1.06
19.03. Pluribus 1.08
Get a Life 1.16
Family Guy 24.08
20.03. Pluribus 1.09
21.03. Run Away 1.03
22.03. Family Guy 24.09
24.03. Get a Life 1.17
Run Away 1.04
27.03. Waco 2.01
30.03. Waco 2.02
31.03. Get a Life 1.18

Reichlich Schweiß und Tränen flossen beim Rewatch der zweiten Staffel von Lost. (Voraussichtlich doppelt so viel wird bei der dritten fließen.) Allerdings wurde meine Erinnerung an diverse wiederkehrende Probleme der Serie bestätigt, will sagen: Was uns (also mich und meine damals Mitwatchenden) beim ersten Durchlauf gestört hatte, hat mich erneut gestört, beispielsweise der nicht nachvollziehbare Spleen der Autoren, ihre Figuren nicht miteinander über das Erlebte reden zu lassen. Herrschaftszeiten, Kommunikation ist doch das A und O in einer solchen Ausnahmesituation (i.e. auf einer offenkundig jeglicher Realität entrückten Insel gestrandet zu sein)! Auch kommen einzelne Charaktere deutlich unsympathischer als in der Auftaktstaffel rüber und treffen teils haarsträubende Entscheidungen (nun gut, hier weiß ich, dass sich das Meiste späterhin in Wohlgefallen auflösen wird, Stichwort redemption).
Nun bin ich schon ganz hibbelig, denn wie Season 3 startet, ist mir noch genauestens erinnerlich ...

Nicht gerade gute Laune macht einem die BBC-Serie The Woman in the Wall von 2023. Das sechsteilige Thriller-Drama spielt in Irland und basiert auf dem wahren, bis in die Gegenwart strahlenden Skandal um die sog. Magdalen Laundries. Äußerst bedrückend, aber auch spannungsreich inszeniert, wobei es den Kniff, dass die Protagonistin Schlafwandlerin ist, m.M.n. nicht gebraucht hätte. Bonuspunkt für die Musikauswahl.

Ohne vorher irgendwas über den Inhalt zu wissen (obwohl ich den Trailer gesehen hatte, was sehr für diesen spricht), bin ich an Pluribus herangegangen. Dass Vince Gilligan so wie mehrere seiner früheren Kollaborationspartner dahinterstecken und "Better Call Saul"-Co-Star Rhea Seehorn die Hauptrolle übernehmen würde (das macht sie sensationell!), wusste ich natürlich. Meine Erwartungen waren hoch und wurden fast erfüllt. In seiner Skurrilität und Mindfuck-Lust erinnerte mich "Pluribus" öfter an jüngere Damon-Lindelof-Werke. Ausladende, langgezogene, aber nie langweilig werdende, lichtbetonte Szenen tragen dann wieder Gilligans Handschrift, item die Kameraarbeit und die Situationskomik. Denkt man ein wenig intensiver über die Konsequenzen der fantastischen Prämisse nach (ich halte mich bewusst mit einer Inhaltsbeschreibung zurück), fallen einem etliche Logiklöcher und Ungereimtheiten auf. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Episoden auf diese eingehen werden. Der Schluss der Finalfolge verspricht so oder so noch jede Menge Spaß.