Sonntag, 19. April 2026

Meine zuletzt nicht gesehenen Filme

Was Bücher und Serien angeht, bin ich ein Completionist, ein beharrlicher Es-zu-Ende-Bringer. Habe ich von einer Serie die Pilotfolge gesehen / von einem Buch die ersten 100 Seiten geschafft, dann kann ich nicht anders, als die komplette Staffel zu schauen / den Rest des Buches zu lesen. Bei Filmen bin ich weniger diszipliniert, da kommt es schon mal vor, dass ich selbst nach einer Stunde abbreche, wenn's mir zu blöde wird (rezente Beispiele: "Cuckoo", 2024; "Tim Travers & The Time Travelers Paradox", 2022). Bei manchen Filmen weiß ich bereits nach wenigen Minuten: Das ist nix für mich. Gleich zweimal erging es mir in der vergangenen Woche so, und zwar in Bezug auf zwei nicht nur von eingefleischten Cineasten hochgehaltene Kultstreifen: "Blade Runner" (1982, Ridley Scott) und "Brazil" (1985, Terry Gilliam). Allein zuzugeben, dass ich über 40 Jahre alt werden musste, um diese über 40 Jahre alten Filme zu begutachten, erfüllt mich mit Scham. Das lange Aufschieben war einem dumpfen Gefühl geschuldet – das sich schließlich beim Abspielen der Filme instantan bestätigt hat. Sowohl "Blade Runner" als auch "Brazil" brach ich nach jeweils einer Viertelstunde ab; ein zweiter Anlauf ist ausgeschlossen. Mir fällt es schwer, auszudrücken, was genau mich an diesen Werken abstößt. Irgendetwas an der retrofuturistischen (?) Darstellung von Dystopien (?) verursacht mir körperliches Unbehagen, bedrückt und überfordert mich. Die Ästhetik ist mit dem englischen Adjektiv gritty nur unzureichend attributiert; es ist alles gleichzeitig grell und noir, auf jeden Fall chaotisch und überladen. Mark Fisher wüsste bestimmt, warum es mir so geht, aber den kann man ja nicht mehr fragen.

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