Donnerstag, 9. Juli 2026

Throwback Thursday: WWW

Von 1996 bis 2004 (die genaue Zeitspanne musste ich recherchieren) lief auf Sat.1 eine Sendung namens "WWW – Die Witzigsten Werbespots der Welt". Darin wurden, wie der Titel suggeriert, witzige Werbespots aus aller Welt gezeigt. Zusammengehalten wurde diese Clipshow, deren Intro ab ca. 1999 seltsamerweise mit dem Hook des Bloodhound-Gang-Hits "The Bad Touch" unterlegt wurde, durch Zwischen-"Moderationen", die darin bestanden, dass Fritz Egner den Inhalt des jeweils zuletzt gesehenen Spots nacherzählte.

Irgendwann um die Jahrtausendwende herum gab es eine Spezialausgabe der ebenfalls bei Sat.1. beheimateten Nachrichten-Comedy "Die Wochenshow", in der die besten Werbeparodien daraus gezeigt wurden. Dieses Special war als eindeutiger Seitenhieb auf Fritz Egners Sendung konzipiert; Bastian Pastewka persiflierte den Moderator und ahmte insbesondere dessen Überleitungen, die wie gesagt nichts als unbeholfene, absolut überflüssige Zusammenfassungen der Werbefilmchen waren, erschreckend realistisch nach. Diese Egner-Parodie halte ich noch heute für das Lustigste, was Bastian Pastewka je gemacht hat (und er hat viel Lustiges gemacht), übertroffen nur von seiner Ottfried-Fischer-impression.

Waaaaaruuuummmmm gibt es diese Art von Humor heute nicht mehr im deutschen Fernsehen? Oder überhaupt irgendetwas, das mir wenigstens ein mildes Schmunzeln abtrotzt?

Dienstag, 7. Juli 2026

Don't Worry Starling

In Cal Flyns "Verlassene Orte. Enden und Anfänge in einer menschenleeren Welt", dem wieder mal sehr anregenden und repräsentativen 100. (!) Band der Reihe "Naturkunden" bei Matthes & Seitz, wird erwartbarerweise auch das Thema invasive Arten berührt. Insbesondere geht es darum, wie im Zuge von Kolonisierung nichtendemische Spezies in neue Lebensräume, zielgerichtet oder unabsichtlich, eingeschleppt werden. Erstaunlichste Stelle (S. 190):

Manchmal nahmen die Kolonialisten Pflanzen und Tiere zur Gesellschaft mit, weil sie hübsch aussahen oder ihnen in der Fremde ein Gefühl der Vertrautheit vermittelten. Sie zu sammeln und zu pflegen, war ein beliebter kolonialer Zeitvertreib. Im Jahr 1890 setzte eine "Akklimatisierungsgesellschaft" in New York Exemplare aller in Shakespeares Werken erwähnten Vogelarten im Central Park aus.

Die Schwalbe, die den Sommer bringt.
Der Spatz, der Zeisig fein,
Die Lerche, die sich lustig schwingt
Bis in den Himmel 'nein.

Die meisten verschwanden in den Bäumen und wurden nie wieder gesehen, aber die sechzig Stare ("Ja, einen Star schaff' ich mir an, der nichts soll lernen / Zu schrein, als 'Mortimer'!") entwickelten sich prächtig. Heute gibt es etwa 200 Millionen amerikanische Stare.

Das ist crazy! Aber leider nur halbwahr. Richtig ist, dass ein New Yorker Apotheker namens Eugene Schieffelin der American Acclimatization Society angehörte und ihr im Jahr 1877 vorstand; auch setzte jener tatsächlich 1890 die genannte Zahl an Staren im Central Park aus, allerdings wohl nicht als Teil eines Projekts mit Shakespeare-Bezug: "Some historians have cast doubt on this story, as no record of it exists until the 1940s." Dass sich der Star in den Vereinigten Staaten dermaßen stark und mit teils verheerenden Folgen ausbreitete, stimmt jedoch.

Montag, 6. Juli 2026

Earphone trouble und kein Ende

Da will ich am Samstag einen Podcast auf dem Handy hören, als plötzlich ... der Ton auf einem Ohr ausfällt, sobald man das Kabel bewegt! Das kann doch nicht schon nach knapp drei Wochen ein Defekt meines frisch erworbenen In-Ear-Kopfhörers sein, denke ich. Ist es auch nicht. Der wahre Übeltäter ist, wie sich schnell herausstellt, der (zugegebenermaßen billig erworbene) Adapter, den ich benötige, um Klinkenkopfhörer mit dem USB-C-Ein-/Ausgang des Smartphones zu verbinden. Adapterlos in anderen soundabspielenden Geräten funkioniert mein neuer JBL-Kopfhörer wie gewünscht. Was soll dieser Blödsinn überhaupt, Handys ohne 3,5-mm-Buchse? Gleichzeitig das Handy laden und darüber Musik hören ist heutzutage nicht mehr möglich. Tolle Zukunft, in der wir leben. Und das Argument "Kauf dir doch USB-Kopfhörer!" zieht nicht, denn ich möchte ja, s.o., auch weiterhin Kopfhörer an Abspielgeräte mit klassischem Klinkenzugang stöpseln. Grrrr ...

Samstag, 4. Juli 2026

Zwo Chipse

Bei Rewe gab es neulich außergewöhnliche Chips zum Sonderpreis, da musste ich natürlich zugreifen.


Die Pringles-Sorten der limitierten Edition Stadium Snacks sind womöglich schon wieder aus dem Handel verschwunden. Bevor ich die anderen in dieser Reihe testen konnte, habe ich wenigstens die Sorte Cheeseburger probiert ... und wurde angenehm überrascht! Was genau sich hinter der "Würzmischung mit Cheeseburger-Geschmack" und den "Aromen", von denen auf der Zutatenliste die Rede ist, verbirgt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Am deutlichsten herausschmecken konnte ich kurioserweise Gurken. Käsiges scheint ebenfalls enthalten zu sein (Inhalt: Buttermilchpulver, Laktose), Fleischderivate, deren Hinzufügung wegen der Burger-Anlehnung naheliegt, sind nicht explizit aufgeführt, jedoch kann auch das enthaltene Dinatrium-5'-ribonucleotid tierischen Ursprungs sein. Tja, ein gewisser Mysteryfaktor macht hier halt den Reiz aus; der Flavour lässt sich nicht greifen, beschäftigt aber die Geschmacksrezeptoren. Ich gebe gute 7/10 Punkten.


Funny-frisch liefert wieder mal ab. Intense Chips nennt sich ihre neue Linie, die "
für besonders intensive Würzungen und moderne, außergewöhnliche Geschmacksrichtungen" steht und "ein ganz neues Chips-Erlebnis" für "alle, die es besonders knusprig und geschmacklich intensiv mögen", biete, wie es auf der Firmen-Homepage leicht überladen heißt. Unter den drei aktuell angebotenen Richtungen habe ich mich für Sweet & Spicy Curry entschieden; es gibt auch noch "Perky Pepper" und "Juicy Paprika". Wie so oft, vor allem im direkten Vergleich mit Pringles, kann Funny-frisch mit einer überschaubaren, von Chemie weitgehend freien Inhaltsliste punkten. Curry-, Chili-, Zwiebel- und Mangofruchtpulver sind neben sonstigem natürlichen Aroma enthalten, was sich in einer tatsächlich authentischen Thai-Anmutung niederschlägt. Ein störender Nachgeschmack stellt sich nicht ein, die Textur ist harmonisch, die crossen Scheibchen weisen hinsichtlich Ausprägung und Durchmesser eine gewisse Individualität auf, die sie abermals von Pringles abhebt (deren Uniformität allerdings auch schon wieder bewundernswert ist). Würde ich halbe Punkte vergeben, kämen die "Intense Chips" mit 7,5 von 10 weg, so aber tendiere ich dazu, sie als den "Stadium Snacks" ebenbürtig zu werten.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Serientagebuch 06/26

03.06. The Legend of Vox Machina 3.01
05.06.
The Legend of Vox Machina 3.02
The Legend of Vox Machina 3.03
06.06. Grace 6.03
07.06. Grace 6.04
08.06. The Legend of Vox Machina 3.04
09.06. Leverage 3.05
10.06. Leverage 3.06
11.06. The Legend of Vox Machina 3.05
12.06. Leverage 3.07
14.06. The Legend of Vox Machina 3.06
16.06.
The Legend of Vox Machina 3.07
17.06. Leverage 3.08
Widow's Bay 1.01
Widow's Bay 1.02
19.06. The Simpsons 37.16
Widow's Bay 1.03
21.06. The Legend of Vox Machina 3.08
The Legend of Vox Machina 3.09
22.06. Widow's Bay 1.04
Widow's Bay 1.05
24.06. The Legend of Vox Machina 3.10
25.06. The Legend of Vox Machina 3.11
The Legend of Vox Machina 3.12
Company Retreat 1.01
26.06. Company Retreat 1.02
30.06. Leverage 3.09

Heute gibt es nur wenige Worte über nur zwei Serien zu verlieren.

Mit vier neuen Grace-Episoden wurden wir beschenkt, und alle waren der phänomenalen fünften Staffel mindestens ebenbürtig. Ob es noch eine siebte geben wird, möchte ich all jenen zuliebe, die noch nicht so weit sind, offenlassen. Verraten kann ich jedoch, dass ich kurz vorm Ende der letzten Folge bei mir dachte: Hach, das ist doch ein würdiger Abschluss für eine hochwertige Ermittler-Saga ...

Die dritte Staffel von The Legend of Vox Machina (die vierte und offiziell vorletzte läuft zurzeit) hat mir bisher am besten gefallen. Sie ist erwachsener, fokussierter, narrativ gediegener, ohne dabei die diesem Animationsabenteuer ureigenen Tugenden aufzugeben. Der eine krasse überraschende Plotpoint hat mich tatsächlich kalt erwischt und mir regelrechte "Game of Thrones"-Flashbacks beschert.

Dienstag, 30. Juni 2026

Buchstabensalat (nicht-vegan)

Die Organisation PETA hat eine neue Anti-Tierausbeutungs-Kampagne im öffentlichen Raum laufen:


Eine Frage beschäftigt mich, seit ich diese Plakate zum ersten Mal gesehen habe: Ist das Schriftbild der Botschaften so unbeholfen-krakelig, weil diese von Tieren verfasst wurden oder weil sie von Tierbabys verfasst wurden? Konkreter: Schreiben Tiere, wenn sie reifer, gelehrter und weltgewandter sind, weniger kindlich? Oder kommt die Handschrift eines Tieres (eins der zwei anderen Motive zeigt ein Ferkel, das ebenfalls eine, haha!, Sauklaue hat) unabhängig von dessen Alter grundsätzlich niemals an die eines (erwachsenen) Menschen ran? Falls Ersteres, hätte man die Statements entsprechend erweitern können: "Wenn ich groß bin, möchte ich kein Kotelett werden, sondern Kalligraphie betreiben."

Sonntag, 28. Juni 2026

Kurz notiert: Ziegenturm

Mir schoss letzte Woche fast die Ziegenmilch aus der Nase, als ich erfuhr, dass es Ziegentürme, wie ich sie bisher nur aus "Goat Simulator" kannte, tatsächlich gibt! Die englischsprachige Wikipedia führt einen Artikel dazu, laut dem diese Bauwerke erst recht spät auftauchen, nämlich im 19. Jahrhundert als Zierelemente in der europäischen Gartenkunst (als sog. Follies) und ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wenn auch in überschaubarer Zahl, weltweit, zuerst 1981 in Südafrika, dort direkt inspiriert vom ersten derartigen Turm in Portugal.

Seit 2009 seien goat towers ein Internet-Meme, und tatsächlich hat diese architektonische Kuriosität einen eigenen Eintrag bei "Know Your Meme" (auf BoingBoing sei das südafrikanische Exemplar erstmals porträtiert worden).

Noch ein Grund mehr, eine Wiedergeburt als Ziege anzustreben! (Foto: Marcia Rittmueller Johnson - File:Johnson's_Goat_Tower.jpg, CC BY-SA 4.0, Link)

Freitag, 26. Juni 2026

Meine neue Bibel

Im Urlaub entdeckte ich in einer Bibliothekstaverne (was für ein Konzept!) dieses Kochbuch bzw. eine ältere Ausgabe davon:


Nach nur oberflächlichem Durchblättern wusste ich: Das muss ich haben! Im einschlägigen Online-Buchhandel bekommt man es antiquarisch für ein paar Kröten.

Madhur Jaffrey, mittlerweile 92 Jahre alt, ist eine britisch-indische Schauspielerin und Köchin, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren quasi im Alleingang der westlichen Hemisphäre die indische Küche nähergebracht hat. Die meisten Rezepte in vorliegendem Buch, das nur eines von fast drei Dutzend ist, die Madhur Jaffrey herausgebracht hat, stammen denn auch aus Indien, man findet aber auch welche aus Indonesien, China, Japan, der Türkei und und und. Zwei Gerichte habe ich bereits zubereitet, beide sind, angemessen bei der aktuellen Hitze, sehr leicht und erfrischend, zudem einfach zu zaubern, weswegen ich die Rezepte (von mir minimalst variiert) gerne mit euch teile.

Das erste ist ein nahöstlicher Linsensalat. Man kocht 200 g trockene grüne Linsen nach der üblichen Vorgehensweise (Kochzeit je nachdem, ob Linsen vorher eingeweicht wurden), fügt dem Wasser neben 2 TL Salz allerdings noch einen 1 TL gemahlenen Kreuzkümmel hinzu. Nach dem Abspülen und Abkühlenlassen der Linsen mischt man darunter: 2 Frühlingszwiebeln (in dünne Scheiben, bis kurz vorm weißen Teil geschnitten), 2 EL Zitronensaft, 2 EL Olivenöl, 15 g gehackte Petersilie (z.B. tiefgekühlte), etwas frisch gemahlenen Pfeffer. Durchziehen lassen, ggf. kaltstellen (hält sich im Kühlschrank mehrere Tage). Für mehr Portionen (Stichwort potluck) die Mengenangaben entsprechend anpassen.


Das zweite Rezept ist eine persische Joghurtsuppe. Dafür 450 ml Naturjoghurt mit 1 TL Salz und 1/4 TL schwarzem Pfeffer in einer Schüssel cremig schlagen. Langsam und unter stetigem Rühren 250 ml eisgekühltes Wasser und 250 ml Sahne* hinzugeben. Nach und nach kommen hinein: 2 EL Sultaninen (vorher in heißem Wasser einweichen), 15 cm Gurke, geschält und geraspelt, 2 EL Frühlingszwiebel-Grün in feinen Ringen, 1 EL fein gehackter Dill, 3 EL grob gehackte Walnüsse. Umrühren, sofort servieren oder für später in den Kühlschrank stellen.
* Verlangt wird single cream, was laut Internet Sahne mit einem Fettgehalt von 18 % ist. Ich habe 200 ml Schlagsahne (30 %) verwendet, die ich mit 50 ml Kaffeesahne (10 %) gemischt habe.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Saturday Night News

Kurzes Status-Update zu meinem Langzeitprojekt "Sämtliche jemals ausgestrahlte Episoden von 'Saturday Night Live' gucken": Es ist eine Achterbahnfahrt! Irgendwann im ersten Quartal 2026 hatte ein heiligzusprechender User auf archive.org alle (!) Staffeln hochgeladen, und zwar VHS-Rips der Original-NBC-Cuts, zum Teil inklusive Werbung. Nicht nur konnte ich somit endlich Season 7 abschließen (die ich, trotz Eddie Murphy, unterwältigend bis schnarchig fand), ich habe mir auch direkt die komplette Staffel 14 heruntergeladen. Nachdem ich davon die ersten drei Ausgaben gesehen habe, lege ich mich fest: Die späten Achtziger sind meine zweitliebste Phase der SNL-Geschichte und haben die Ära, in der ich "eingestiegen" bin und zum Superfan wurde (ca. S34-37), abgelöst und auf Platz 3 verdrängt (unveränderter Favorit: die zweite Hälfte der 1990er). Jedes einzelne Mitglied in diesem überschaubaren, aus heutiger Sicht geradezu winzigen Casts (ich bin übrigens schon sehr gespannt auf Ben Stillers stint als Featured Player!) ist ein unersetzliches Rädchen in einer perfekt geölten Maschinerie, zu deren Funktionieren freilich auch ein brillantes Autorenteam sowie eine Reihe legendärer Hosts gehörten. Der politische Humor ist mit der feinste, den die Show je geliefert hat; außerdem ist es faszinierend, aus der Zukunft den närrischen Bush-vs.-Dukakis-Wahlkampf zu "beobachten". Zusammengezuckt bin ich nur einmal, als in "Weekend Update" ein gewisser Donald Trump Objekt eines Witzes war.

Welche der mir noch fehlenden Staffeln (4-6, 8-13) werde ich mir danach vornehmen? Das steht in den Sternen, denn kurz nach dem Internet-Archive-Upload-Segen waren alle Dateien wieder verschwunden. Hätte ich doch bloß alles instantan gesichert! Jetzt gibt es, wenn überhaupt, lediglich die stark (um-)geschnittenen Peacock-Versionen, die i.d.R. noch unbrauchbarer sind als die Comedy-Central-Reruns, welche man gelegentlich im Netz findet. Argh! Nun, gut Ding will Weile haben, und erst mal liegen ja 17 Folgen eines exzeptionellen Jahrgangs vor mir.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Ein paar Dinge: Kiwi

In der gestrigen "Leute"-Spalte der Süddeutschen Zeitung war dieser Beitrag zu finden:

Andrea Kiewel, 61, Moderatorin, ärgert sich über Apothekenpreise. In ihrer Kolumne in der Zeitschrift SuperIllu schreibt Kiewel laut einem Bericht des Münchner Merkur, sie habe für einen Einkauf von zwei kleinen Tuben Sonnencreme 45 Euro bezahlen müssen. "Und ich bin mir sicher, mich verhört zu haben", schreibt die Moderatorin. Aufgrund ihrer empfindlichen Haut könne sie nur spezielle Sonnencremes verwenden. "Mag ja sein, dass die Firma mehr bezahlen muss für alle chemischen Zutaten meiner Sonnencreme, sorry, aber ich bekomme keinen Pfennig mehr Gehalt", ergänzt sie. Die Zeitung Welt am Sonntag berichtete 2024, dass Kiewel für ihre Moderation des ZDF-"Fernsehgartens" eine Jahresgage von etwa 400.000 Euro erhält.

Dazu fallen mir mehrere Dinge ein ... um nicht zu sagen: ein paar Dinge. Das ist doch ein guter Anlass, diese alte, hier bisher nur ein einziges Mal erschienene, bei Seth Meyers längst in den Ruhestand geschickte Rubrik zu reinstallieren:


ERSTENS Warum erfahren wir den Inhalt von Kiewels Kolumne aus dritter Hand? Hätte die Münchner Panorama-Redaktion sich nicht direkt eine SuperIllu besorgen können statt den (zitierenden) Merkur zu zitieren? Das gebieten doch sowohl die journalistische Sorgfaltspflicht als auch die Solidarität unter Printschaffenden.

ZWEITENS Was ist Frau Kiewels Definition einer "kleinen Tube"? Qualität hat nun mal ihren Preis. Unabhängig von der Hautempfindlichkeit sollte man in puncto Sonnenschutz nicht sparen, zumal mir 45 Euro für zwei Tuben jetzt nicht sooo überzogen vorkommen. Es könnten ja auch 100 sein! Mit etwas Vorausplanung und Geduld findet man außerdem gelegentlich preisgesenkte Pflegeprodukte.

DRITTENS Ich bin mir sicher, mit Hilfe einer erfahrenen Beraterin könnte Frau Kiewel die Kosten für Sonnencreme als besondere Belastungen von der Steuer absetzen.

VIERTENS Apropos: Wenn man dermatologisch diesbezüglich vorbelastet ist, warum heuert man dann freiwillig bei einem Format namens "FernsehGARTEN" an? Die Moderatorin sollte sich überlegen, zu einer weniger outdoor-gecodeten Show zu wechseln; vielleicht mal mit dem ZDF einen "Fernsehschuppen" oder "Fernsehbunker" konzipieren?

FÜNFTENS Der letzte Satz ist irgendwie unangenehm, ein überflüssiges Nachtreten. Nicht mal eine halbe Million (vor Steuern, nehme ich an) für eines der langlebigsten Zugpferde der öffentlich-rechtlichen Unterhaltung, das kommt mir, once again, nicht sooo überzogen vor. Das US-amerikanische Pendant von Kiwi, wobei mir da auf die Schnelle keines einfällt, würde für läppische 400.000 nicht mal ein Mikrofon in die Hand nehmen.

SECHSTENS War es nötig, in diesen wenigen Zeilen zum Schluss – nach SuperIllu und Münchner Merkur – noch ein drittes Medium einzuführen? Das sind zu viele Quellen!

Dienstag, 23. Juni 2026

Filmtitel XXXIII

Victoria → Victoria – Männer & andere Missgeschicke
Falcon Express → Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!
Les vengeances de Maître Poutifard → Monsieur Robert kennt kein Pardon
Elon Musk Unveiled – The Tesla Experiment → Elon Musk Uncovered – Das Tesla-Experiment
Bad Man → Bad Cop
Runaway Car → Deadly Speed – Todesrennen auf dem Highway
Ozi: Voice of the Forest → Jazzy – Chaos im Regenwald
Where the Wind Comes From → Wohin der Wind uns trägt
Vie privée → Paris Murder Mystery
Le million → Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris
Le rendez-vous de l'été → Ein Sommer in Paris
A Second Life → Sounds of Paris
East of Wall → The New West
Margo's Got Money Troubles → Only Margo (Serie)
Bundle of Joy → Na, na, Fräulein Mutti!
Company Man → Cuba Libre – Dümmer als die CIA erlaubt!
The Stars Are Singing → Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel
I Don’t Know How She Does It → Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum
Dead in a Heartbeat → Heart Attack – Die Bombe im Körper
Splendor in the Grass → Fieber im Blut

Montag, 22. Juni 2026

Das ist ja fast ein Döner! (Diary of an old miser)

Neulich hatte ich einen längeren Zwischenaufenthalt in Wiesbaden. Weil es ungefähr 16 Uhr und 30 °C warm war, beschloss ich, mir ein koffeinhaltiges Kaltgetränk und dazu ein süßes Teilchen zu gönnen. Übermütig strebte ich dem am Hauptbahnhof ansässigen Starbucks entgegen, und siehe, dort gab es ein passendes Angebot: 1 sommerliche Kaffeekreation nebst 1 Gebäckstück (ich glaube, ein Cookie). Der Preis für diese Kombo? Acht Euro (8,- €)! Dass Starbucks berüchtigtermaßen preisgestaltungstechnisch das Gesäß offen hat, war mir bekannt, aber das schlug dann doch dem Fass den Boden aus.

Den Rückzug antretend, erspähte ich eine Aldi-Filiale in unmittelbarer Nähe. 'Gibt es dort nicht diese gekühlten Espresso-Variationen?', dachte ich und ging hinein. Ich fand, was mir vorschwebte: "Kaffeedrink Latte Macchiato" von der Eigenmarke Barissimo im 250-ml-Becher für sagenhafte 75 Cent. (Es gibt noch drei weitere Sorten. Sie sind übrigens sogar laktosefrei, ein Fakt, den die Verpackungsdesign-Abteilung von Barissimo meiner Meinung nach sichtbarer machen sollte.) Einer Klappe in der "Backwelt" entnahm ich sodann ein Franzbrötchen für lächerliche 79 Cent (diese Woche, zumindest bei Aldi Süd, sogar auf 49 Cent reduziert!). Zufrieden verließ ich den Discounter und genoss meine Nachmittagsjause.

Nun könnten urbane Foodies und sonstige Snobs einwenden: "Pff, bei Starbucks bekommst du ja wohl was weitaus Höherwertiges als bei Aldi!" Das mag sein. Aber wäre das fünfmal so teure Starbucks-Meal wirklich fünfmal so lecker gewesen? Wohl kaum. Der Eiskaffee bot mir jenen Mix aus Erfrischung, Geschmack und Belebung, den ich mir gewünscht und vorgestellt hatte, und die Franzbrötchen von Aldi sind köstlicher als die, die man bei den großen Bäckereiketten bekommt (falls man sie südlich von Hannover überhaupt bekommt). Es war dies ein weiterer Fall von: Warum teuer, wenn's auch günstig geht. Sicher könnte ich es mir leisten, zu Starbucks zu gehen. Aber ich will nicht und muss nicht. Vernünftige Menschen tun es mir nach.

Samstag, 20. Juni 2026

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Ein verborgenes Leben
Terence Malicks Biographie des 2007 selig gesprochenen österreichischen Widerstandskämpfers Franz Jägerstätter von 2019 geht nahe. Trotz seiner fast drei Stunden Laufzeit ist das zutiefst traurige Alpendrama, das hauptsächlich in Südtirol gedreht wurde, an keiner Stelle zäh; die schnellen Schnitte und die sprunghaften Perspektivwechsel sorgen für permanente Ruhelosigkeit und Anspannung. "A Hidden Life" beweist zudem, dass ein Film über die NS-Zeit keine expliziten Darstellungen von Schlachten und Nazigräueln braucht, um die Schrecken jener Ära ins Bewusstsein zu rufen und seine Botschaft zu vermitteln. August Diehl spielt den titelgebenden Kriegsdienstverweigerer so verletzlich wie kühn. In teils winzigen Nebenrollen sind allerlei bekannte Gesichter aus dem deutschsprachigen Film und Fernsehen zu entdecken.

Der Salzpfad
Die Kontroversen um die literarische Vorlage von 2018 ausgeklammert, lässt sich die Verfilmung von Raynor Winns Unterwegsbericht dennoch genießen. Sofern man nicht mehr erwartet als die genretypischen Zutaten: hübsche Landschaftsaufnahmen, kuriose Begegnungen und Begebenheiten, persönliche Hochs und Tiefs, eine Selbstfindungsbotschaft. Was soll ich sagen? Mich kriegt man seit "Into the Wild" mit so was immer wieder, und "The Salt Path" hatte es von Anfang an umso leichter, mich für sich einzunehmen, als ich den South West Coast Path ja selbst schon (zur Hälfte) gewandert bin. Einige Drehorte habe ich sogar wiedererkannt. Vielleicht lese ich das Buch ja doch noch irgendwann, Wahrheitsgehalt hin oder her.

Good Luck, Have Fun, Don't Die
An Gore Verbinski, den alten "Fluch der Karibik"-Haudegen, hatte ich seit einer halben Ewigkeit nicht gedacht. Kein Wunder, seit dem Heilanstalts-Grusel "A Cure for Wellness" von 2016 hat der Macher des besten Horror-Remakes aller Zeiten ("Ring") nada fürs Kino inszeniert. Das Warten hat sich gelohnt. Dass es sich bei der schwindelerregenden, rabenschwarzen, dystopischen Action-Farce nicht etwa um eine Comic-Adaption handelt, sondern um einen Originalstoff, nötigt mir Respekt ab und hat mir den Glauben an die Branche ein Stück weit zurückgegeben. Jede neue "Murmeltier"-Variation hat bei mir sowieso einen Vorschuss-Stein im Brett, da mag ich biased sein. "Good Luck" benutzt die Zeitschleifen-Mechanik jedoch nur als Mittel zum Zweck. Der Zweck: ein lineares Ensemble-Abenteuer aufzuführen, das wie die filmgewordene Mission in einem Rundentaktikrollenspiel wirkt, dabei markige Ballaballa-Action zu zeigen und gegenwärtige Technologie-Trends brutalsatirisch zu erledigen.
Das Spektakel, übrigens eine in Südafrika gedrehte deutsch-amerikanische Co-Produktion, kann sich trotz einem bescheidenen Budget von 20 Mio. $ sehen lassen und hat mit Sam Rockwell (als namenloser Hauptdarsteller), Michael Peña, Zazie Beetz und Juno Temple ein ordentliches Ensemble aus der zweiten Hollywood-Reihe am Start.

Die Faust im Nacken (OT: On the Waterfront)
Was soll ich über diesen Meilenstein des Fünfzigerjahre-Kinos schreiben, was man nicht an hundert anderen Orten nachlesen kann? Mehrere Oscars und Golden Globes, Platz 19 auf der Liste der "100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten" des American Film Institute, maßgeblich die Karriere von Marlon Brando konstituierend (der in der deutschen Synchronisation übrigens mit der Stimme von Harald Juhnke spricht), Drehbuch Budd Schulberg und Regie Elia Kazan – zwei der schillerndsten Figuren in der Zeit des Blacklisting.
Tja, hat mir gut gefallen, auch wenn ich die gewerkschaftsfeindlichen Untertöne nicht auszublenden vermochte. (Einige Kritiken verwenden sogar Schlagworte wie "McCarthyismus" und "unterschwellig faschistisch".)

Evil Does Not Exist
Auf die Länge kommt's nicht an, zumindest auf die Filmlänge nicht: Wird "Ein verborgenes Leben" selbst nach zwei Stunden nicht langweilig (s.o.), ist das mit dem Silbernen Löwen von Venedig prämierte japanische Drama "Evil Does Not Exist" von 2023 derart entschleunigt, um es wohlwollend auszudrücken, dass sich die erheblich kürzere Laufzeit von 109 Minuten wie das Doppelte anfühlt. Wenn die Kamera minutenlang unter Baumwipfeln entlangfährt oder Menschen bei der Verrichtung banalster Tätigkeiten einfängt, ohne dass ein einziges Wort fällt, dürften selbst Arthouse-Enthusiasten an ihre Toleranzgrenzen geraten.
Großes Aber: Dieses Pacing ist der Atmosphäre zuträglich, erzeugt einen Vibe. Wir befinden uns schließlich in einem beschaulichen Dorf und sollen ein Gespür für den Alltag der in Frieden vor sich hin lebenden Gemeinschaft vermittelt bekommen. Erst als diese mit den Bedrohungen einer entseelten, alles dem Kommerz unterwerfenden Zukunft konfrontiert wird – in Gestalt zweier Touristikmenschen aus dem nahegelegenen Tokio, die in dem Örtchen eine Glamping-Anlage aufbauen wollen –, entsteht ein Konflikt. Ab da an wird es nachdenklich, ein bisschen spannend, sogar leicht amüsant, zuletzt extrem düster und ... weird. Ich habe im Anschluss einen langen Reddit-Thread über die Bedeutung des Endes gelesen, ohne danach schlauer geworden zu sein.
Bei diesem anspruchsvollen Vertreter der Reihe "Der etwas andere Film" gilt jedenfalls: Anschauen auf eigene Gefahr.

Eat Pray Bark
Ja, ich habe eine deutsche Hundekomödie mit dem Titel "Eat Pray Bark" gesehen. Es musste halt beim entspannenden Netflix-Abend auf die Schnelle etwas Familientaugliches rausgesucht werden. Das ab 6 freigegebene Therapie-Ensemble-Lustspiel als seicht und konfliktarm zu beschreiben, wäre untertrieben. Doch immerhin fallen mir spontan drei positive Punkte ein: 1. ist die fremdenverkehrsamtwürdige Szenerie (Tirol im Sommer!) zum Niederknien pittoresk; 2. kann man der grundsympathischen Allzweckwaffe Devid Striesow nie wirklich böse sein; 3. gerät der Humor nie so billig und ordinär, wie man es von einer, ich wiederhole, deutschen Hundekomödie erwarten würde.

Der fremde Sohn (OT: Changeling)
Im Los Angeles der späten 1920er Jahre verschwindet eines Nachts der neunjährige Sohn einer Telefonistin, nur um nach ein paar Monaten scheinbar unbeschadet wieder aufzutauchen. Doch handelt es sich dabei wirklich um den vermissten Jungen? Nein, ist sich die verzweifelte, fortan einen ausweglosen Kampf gegen Polizei und Behörden führende Mutter sicher.
Nachdem ich dieses abgründige Thriller-Drama von 2008 gesehen hatte, fragte ich mich erstens, wie dieses völlig an mir vorbeigehen konnte – immerhin wurde es von Clint Eastwood bravourös inszeniert und wartet mit Stars wie Angelina Jolie und John Malkovich auf –, zweitens, wieso ich noch nie von dem True-Crime-Fall, auf dem es basiert, gehört oder gelesen hatte (Empfehlung: Erst nach dem Anschauen recherchieren!). Es ist schier unglaublich, was da passiert ist! Nachdem sich viel Wut aufgestaut hat, erhält der Zuschauer gegen Ende der 140 Minuten wo nicht Hoffnung, so doch ein Quäntchen Genugtuung. Beziehungsweise anders rum.

Leoparden küsst man nicht (OT: Bringing Up Baby)
Fast 90 Jahre hat dieser Klassiker von Howard Hawks auf dem Buckel, doch kann man ihn sich auch heute noch "geben", ohne über- oder unterfordert zu werden. Mit modernen Sehgewohnheiten ist die 100-minütige Screwball-Comedy bestens vereinbar, ja, man merkt: Viele unserer Sehgewohnheiten kommen von hier! Das Tempo, die Gagdichte, der Körpereinsatz, das ist der Stoff, aus dem auch Komödien der Neunziger gewoben sind. Überhaupt, das Tempo! Gelegentlich wurde mir schwindlig ob dieser Rasanz, das altmodische Prädikat hysterisch drängt sich auf. Mitunter touchieren die Regie und Hauptdarsteller Cary Grant den Bereich des Albernen, doch abseits von (meist zündenden) visuellen und Situationsgags bekommt das Publikum auch immer wieder zeitlosen Dialoghumor serviert. Außerdem bezaubert eine bestgelaunte und komikverständige Katherine Hepburn als Co-Star ebenso wie die Co-Co-Stars, ein Leopard und ein Jaguar in der Rolle des Titeltieres, welches in der Kurzgeschichtenvorlage übrigens ein Panter ist.

Trap
"A bad movie that's fun to watch", so in etwa wurde "Trap" (2024) im Overthinking-It-Podcast umschrieben (Episode 851: "The Parent Trapper"). Ich bin geneigt zuzustimmen, würde den Psychothriller, dessen Parodie ("The Simpsons", 37.08: "The Day of the Jack-up") ich sogar noch davor gesehen hatte, aber unterm Strich wohlwollender beurteilen – selbstverständlich, denn wie hinlänglich bekannt sein sollte, bin ich Shyamalan-Fan und -Apologet. Die suspension of disbelief ist diesmal besonders hoch; vieles funktioniert nur aufgrund von Glücks- und Zufällen, Unachtsamkeiten, unlogischen Schlupflöchern und haarsträubenden Voraussetzungen. Allein die Idee, einen Serienmörder zu stellen, indem man ein volles Stadion ... aber lassen wir das. Ich habe "Trap" zusammen mit meiner Mutter gesehen, und die hat sich vollkommen auf die Prämisse einge- und von der Handlung mitreißen lassen. Nervenkitzel gibt es allemal, auf paranormalen Zinnober wird verzichtet, und Josh Hartnett als Vater in der Falle entpuppt sich nicht als Fehlbesetzung.
M. Night Shyamalan macht sein Ding, und ich finde es süß, dass er, nachdem er schon mit seiner Tochter Ishana zusammengearbeitet hat (in "Servant"), nun auch seiner als Singer-Songwriterin reüssierenden Tochter Saleka eine Tür geöffnet hat: Sie spielt die nicht unerhebliche Nebenrolle des Popstars, dessen Konzert das primäre Setting bildet.

Wake Up Dead Man
Das nunmehr dritte "Knives Out Mystery" um Rian Johnsons Spürnase Benoit Blanc hat mir so gut gefallen wie der erste Teil, wenn nicht sogar einen Funken besser. Das Locked-Room-Rätsel ist so anregend wie unverbraucht, wirkt dabei absolut klassisch – es wird sogar einem Meister dieses Faches, John Dickson Carr, rundheraus gehuldigt, indem einem seiner Romane eine nicht unwesentliche Rolle zugedacht wird –, ebenso wie der Schauplatz (ruraler Kirchensprengel). Der Kreis der Verdächtigen fällt schrullig aus wie gewohnt, wobei mir das Personal hier etwas geerdeter erscheint als der teils possenhaft überzeichnete Millionärsreigen auf der Insel in "Glass Onion". Witz und Schabernack kommen dennoch nicht zu kurz, und Platz für einen sachten gesellschaftskritischen Kommentar hat Johnson auch wieder gefunden. Daniel Craig geht in seiner Altersparaderolle erneut derart auf, dass es eine (Mords-)Gaudi ist. Teil 4? Kann gerne kommen!

Freitag, 19. Juni 2026

Immer Ärger mit Hörern

Ich habe mich entschieden: Nie wieder Kopfhörer mit Polstern aus so einem Material!


Schon mein altes Headset, das ich zum Videokonferieren verwendet und mit dem ich meine Let's Plays aufgenommen hatte, wurde 2020 völlig unbrauchbar, weil der Stoff zu zerbröseln anfing – dabei war die Soundqualität unverändert hoch. Und jetzt reißt und platzt die Oberfläche an den Ohrpolstern dieser nicht eben billigen Motorola-Kopfhörer, die ich mir vor ein paar Jahren habe schenken lassen. Nach jeder Benutzung sind meine Ohren voller kleiner schwarzer Krümel!

Es wäre zu überlegen, Over-Ear-Kopfhörern prinzipiell den Rücken zu kehren. In-Ears sind leichter zu transportieren, sind allgemein praktischer, und ganz ehrlich: Als einen Menschen, der mit riesigen Überohrhörern oder auch nur mit On-Ears durchs Stadtbild wandelt, sehe ich mich einfach nicht. (Das Motorola-Teil habe ich bisher auch nur zu Hause getragen.)

Dass In-Ears ebenfalls regelmäßig ersetzt werden müssen, versteht sich von selbst. In der Regel sind Kabelbrüche der Grund dafür. Und so machte, weil der Blitz nämlich mitunter doch zweimal an derselben Stelle einschlägt, gestern auch mein In-Ear-Kopfhörer die Biege. Ich schaue in meine Amazon-Bestellhistorie und sehe, dass ich mir 2008, 2012, 2014, 2016, 2017, 2018, 2020 und 2021 In-Ear-Kopfhörer bestellt habe. Und jetzt halt den nächsten. Die Lücke nach 2021 erklärt sich damit, dass ich mir einen weiteren zu Weihnachten gewünscht und einen bei Saturn oder Media Markt gekauft habe. Bis auf ein oder zwei Modelle waren diese Produkte übrigens sehr günstig, denn erfahrungsgemäß bieten selbst erschwingliche In-Ears einen ausgezeichneten Klang. Auch wenn ich kein Freund der Wegwerfgesellschaft bin, halte ich es hier wie mit Regenschirmen: Lieber öfter wenig Geld ausgeben als fast genauso oft viel Geld ausgeben, denn häufige Neukäufe sind bei diesen Gegenständen unvermeidlich – Schirme verliere ich ständig, und Kopfhörerkabel haben nun mal unabhängig von der Verarbeitung eine begrenzte Halbwertszeit.

Ach ja, der Vollständigkeit halber: Mit Earbuds fange ich gar nicht erst an! Keinen halben Tag würde es dauern, bis mir so ein Bobbel aus dem Löffel fiele und in einen Gully rollte.

Now playing: Midnight Odyssey - Funerals From the Astral Sphere (Wieso habe ich diese brillante australische Band erst jetzt entdeckt?!)

Dienstag, 16. Juni 2026

Von echtem Schrot und Cornbread

Am Wochenende habe ich zum ersten Mal Maisbrot gebacken, nach einem Abreißkalender-Rezept vom April 2013 (!). Gut Ding will Weile haben, und immerhin reichen die Ursprünge von Maisbrot tief in die USA-amerikanische Geschichte hinein. Einen kurzlebigen Foodtrend habe ich also nicht verpasst, es handelt sich um eine zeitlose Sättigungsbeilage-Schrägstrich-Nachmittagsgabe. Meine Variante enthält Käse, offenbar eine spätere Tex-Mex-Hinzufügung, die indes nichts von der Süße des Gebäcks wegnimmt.

Wir schlagen 350 g Zucker, 3 Eier und 50 g Butter in einer großen Schüssel schaumig. Nach und nach geben wir unter ständigem Rühren mit einem Handmixer hinzu: 350 g Maismehl, 100 g Weizenmehl, 100 g Reibekäse, 1 Dose Kokosmilch (400 ml), 500 ml Milch, 1 Prise Salz, 1 Päckchen Backpulver. Alles auf höchster Stufe mixen. Die flüssige Masse in eine gefettete rechteckige Backform geben. In den auf 170 °C (Umluft) vorgeheizten Ofen schieben (mittlerer Rost) und mindestens 45, eher 60 Minuten backen. Sollte die Oberfläche zu schnell zu braun werden, einfach die Form mit einem passenden Stück Alufolie bedecken. Maisbrot in Quadern servieren.

Sonntag, 14. Juni 2026

Edeka-Lyrik


Wo wächst Gemüse, groß wie'n Kopf?
Wo duftet es aus jedem Topf?
Wir sind gesund, wir fühl'n uns wohl.
Unsere Heimat: Blumenkohl.

Wo hat es Vitamine satt?
Wo mehrt sich Frische Blatt für Blatt?
Auch mangelt's nicht an Säure (Fol)
Im Heimatlande Blumenkohl.

Wo kocht man cremig Suppe ein?
Wo streut man Semmelbrösel fein?
Genuss ist unser Heart & Soul
Und unsre Heimat: Blumenkohl.

Wo sieht man schnöden Wirsing nie?
Wo schmäht man Lauch und Brokkoli?
Der Souverän heißt Karfiol
In unsrer Heimat Blumenkohl.

Freitag, 12. Juni 2026

Over my dead body!

Ich bin jemand, der sich, nicht zuletzt für dieses Blog, gerne von Koch- und Backrezepten inspirieren lässt und allgemein kein Problem damit hat, kulinarisches Neuland zu betreten. Eins jedoch werde ich – nach reiflicher Überlegung – nicht ausprobieren: Funeral Bread. Dabei handelt es sich um ein "potluck offering that’s popular in some parts of Minnesota and North Dakota", das aus drei Zutaten besteht: Zimtbrot, Cheez Whiz und in Scheiben geschnittene grüne Oliven (ggf. mit Paprikafüllung). Ganz recht: Schmelzkäse und Oliven (an sich eine einleuchtende Kombination) werden auf zimtschneckenartigem Gebäck ausgebreitet! Zwar sind laut dem TYWKIWDBI-Beitrag, in dem mir die Perversität begegnete, auch Brotsorten "with a little less flair" als Basis gestattet, doch hat die Cinnamon-swirl-Variante wohl besonders im Städtchen Roseau, Minn., ihre eingefleischten Fans, welche sie traditionell nach der Messe oder beim Leichenschmaus (daher der Name) schnabulieren.

Morgen steht ein von mir mit ausgerichtetes Sommerfest an, und ich habe kurz überlegt, ob ich zum Buffet ebenjenes "Bestattungsbrot" als Troll-Snack beisteuern soll. Möglicherweise würde es dem einen oder anderen Gast schmecken. Ich könnte auch testamentarisch verfügen, dass diese käsige Ungeheuerlichkeit auf meiner Trauerfeier gereicht wird ...

Mittwoch, 10. Juni 2026

Videospieltipp: Goat Simulator 3

Vor etwas über zehn Jahren erregte ein Titel des kleinen schwedischen Entwicklers Coffee Stain Studios Aufmerksamkeit in der Gaming-Szene und bescherte auch mir ein paar kurzweilige Sessions am PC: Goat Simulator. Es war die Welle der immer alberner werdenden Gimmickspiele à la "Octodad" (man steuert einen menschlichen Oktopus) oder, kurz darauf, "I Am Bread" (man steuert eine Scheibe Toast), welche den Gaga-Faktor von bereits nicht ganz ernstgemeinten Tätigkeitssimulationen wie "Cooking Simulator" oder "Surgeon Simulator" auf die Spitze trieb. Im Grunde stellte eine Ziege als Hauptfigur sogar einen Rückschritt dar; trotz Unsterblichkeit, übermenschlichentierischen Fähigkeiten und grotesker Ragdoll-Physik war das hier irgendwie realistisch, hatte Hand und Huf. Zudem war die Spielwelt beachtlich umfangreich, bot echte Quests und war mit Liebe gestaltet. Dennoch legte ich den "Goat Simulator" alsbald unbeendet beiseite, hakte das Kapitel als Kuriosum, das seinen nischigen Platz in der Spielehistorie hatte, ab und dachte ewig nicht mehr daran.

Bis ich vor einigen Monaten in der Xbox-Game-Pass-Bibliothek den Goat Simulator 3 entdeckte. Nanu, dachte ich, der zweite Teil ist völlig an mir vorbeigegangen! (Des Rätsels Lösung: Einen zweiten Teil hat es nie gegeben.) Ich installierte den Trumm und spiele ihn seither mit heller Begeisterung. Sich nach der Arbeit für eine Stunde in der lebendigen, detailreichen Open World zu verlieren, ist herrlich, zumal diese einen Umfang bietet, der mich an GTA V erinnert. Der Vergleich ist natürlich Quatsch, denn GS3 ist deutlich kleiner, es wirkt aber riesig; nicht zuletzt ist die Ziegen-Sim mit Anspielungen auf die Grand-Theft-Auto-Karte(n) vollgestopft. Das Gameplay beschränkt sich dabei nicht auf das Erkunden – und effektvolle Zerstören – der Insel San Angora (see what they did there?), sondern umfasst auch das Bewältigen von Aufgaben aller Art. Mal hilft unsere gehörnte Protagonistin in Not geratenen Menschen, mal sammelt sie Gegenstände, verschönert Wände, muss aus einem Spukhaus entkommen, an einem Meditationskurs teilnehmen oder Pflanzen zum Wachsen bringen. Mit der gesamten Umgebung kann, per Kopfstoß oder mit der unendlich strapazierfähigen Klebezunge, interagiert werden, regelrechtes Terraforming ist möglich, alles ist verschieb-, brenn- und abreißbar. Chaos ist das vorrangige Ziel. Aber eben nicht nur: Wir rüsten auf, modifizieren unseren Leib, legen eine bunte Kollektion verrückter Items und Outfits an, kapern Fahrzeuge und finden jede Menge Easter Eggs. Dass das alles einigermaßen reibungslos und bugfrei funktioniert (punktuelle Clippingfehler und mehr ulkige denn störende Glitches sind unvermeidbar) und dank Unreal Engine 4 recht apart aussieht, lässt mich den Hirtenhut ziehen.



Montag, 8. Juni 2026

Zwei Trends

In den letzten Monaten sind mir zwei Entwicklungen im deutschen Alltag aufgefallen: eine die Sprache, die andere Umgangsformen betreffend.

1.) Beim Bezahlvorgang vernimmt man von Kassenpersonal bzw. Gaststättenbedienungen jetzt häufig die Frage: "Mit der Karte?" Das Augenmerk sei dabei auf den Artikel gelenkt. Wann ist dieser obligatorisch geworden? Früher reichte doch ein simples "Mit Karte?", wenn man wissen wollte, ob jemand mit Karte zahlt! Ich würde ja verstehen, dass man von "der Karte" spricht, wenn unser Waren- und Wirtschaftssystem einen Grad futuristischen Universalismus erreicht hätte, wo es tatsächlich nur noch eine einzige Chipkarte gibt, die für alle möglichen Transaktionen eingesetzt wird – Die Karte™ eben. Aber ich für meinen Teil kann allein zum Bezahlen auf vier verschiedene kartengebundene Optionen zurückgreifen.
Die Kundschaft übernimmt diese Marotte allmählich. An der Supermarktschlange hörte ich schon das ein oder andere Mal die Aussage "Mit der Karte, bitte".

2.) Die im öffentlichen Personenverkehr lange geltende Regel "Erst aussteigen lassen, dann einsteigen" scheint außer Kraft gesetzt. Möchte ich eine U- oder S-Bahn verlassen, muss ich mich neuerdings durch ungehemmte Grobianmassen quetschen und schlagen, die unmittelbar nach dem Aufgehen der Türen in das Fahrzeug strömen, als bestünden die Aussteigenden aus Luft. Willkommen in der Ellenbogengesellschaft!

Samstag, 6. Juni 2026

Neu in Ihrem Postfach: Metabetrug

Gestern fischte ich aus meinem Spam-Eingang eine Mail, die mir kein Geringerer als der aktuelle FBI-Direktor (!) geschrieben hat:

Mein Name ist Kash Patel, Direktor des Internet Crime Complaint Center (IC3)/FBI. In Zusammenarbeit mit der Weltbank wurde eine Entschädigungszahlung in Höhe von 50.000,00 Euro bewilligt. Diese Zahlung soll Opfern von Betrug in verschiedenen Bereichen helfen, darunter Erbschaften, Verträge, Lotterien, Liebesbetrug, diplomatische Zahlungen, betrügerische Kreditgeschäfte, erfolglose Investitionen und Bitcoin-Betrug. Auch Opfer von BEC-Betrug (auch bekannt als Überweisungsbetrug) können unterstützt werden. Der Fonds wurde zur Begleichung der entstandenen Schäden bewilligt. Sie sind berechtigt, diese Gelder zu erhalten, sofern Sie zuvor ein betrügerisches Angebot erhalten haben. Viele Menschen haben durch skrupellose und bösartige Betrüger, die sich bereichern und unschuldige Menschen ins Elend stürzen wollen, unermessliches Leid erfahren.
Sie haben Anspruch auf diese Entschädigungszahlung, sofern Sie eine betrügerische Nachricht erhalten haben, egal auf welchem ​​Wege.

Stark! Da wäre ich ja schon blöd, wenn ich darauf nicht eingehen würde. Denn berechtigt bin ich allemal: Anspruch auf die 50K hat schließlich, wer eine betrügerische Nachricht auch nur erhalten hat; man braucht nicht mal tatsächlich betrogen worden zu sein. Die Mail endet übrigens mit dem Satz "Bitte antworten Sie, falls Sie diese Nachricht erhalten haben", welcher mich direkt zu einem modernen Kōan inspiriert hat: Kann ich auf eine Mail antworten, die ich nie bekommen habe?

Donnerstag, 4. Juni 2026

Der große Gatsby

Genau einhundert Jahre nach seinem Erscheinen habe ich (na gut, mit einem Jahr Verspätung) F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby" gelesen, im Original. Das Erste, was mir auffiel, als ich den Roman in den Händen hielt, war: Huch, das ist ja ein schmales Bändchen! Die zweite, ernüchternde Erkenntnis stellte sich nach wenigen Seiten der Lektüre ein: Nun schon mehr als die Hälfte meines Lebens rezipiere ich tagtäglich (!) in irgendeiner Form englische Texte, und doch beherrsche ich diese Sprache praktisch überhaupt nicht. Naa, das ist übertrieben, aber trotzdem: Unbekannte Wörter und Phrasen begegneten mir auf fast jeder Seite. Was im Übrigen nicht dem Alter des Stoffes, sondern Fitzgeralds anspruchsvollem Stil geschuldet ist.

Wie hat mir das Buch gefallen? Viel passiert im Grunde gar nicht, aber vor meinem inneren Auge entstand beizeiten ein klares, lebendiges Sittengemälde. Ich war direkt drin in den Goldenen Zwanzigern an der Ostküste, wurde Teil jener High Society, hörte die Cocktailgläser klingen, bestaunte die edlen Kleider, spürte die allgegenwärtige Nachkriegs(un?)beschwertheit und gaiety. Die Verfilmung von vor ein paar Jahren sollte ich mir demnächst nachbereitend anschauen.

Was ich aber eigentlich schreiben wollte: An einer Stelle bricht eine Personengruppe zu einem Ausflug per Kraftwagen auf. Jemand weist auf den niedrigen Benzinstand des Autos hin, worauf jemand anders sinngemäß bemerkt: "Ach, wir kommen bestimmt an einem Drugstore vorbei, da bekommt man doch heutzutage alles." Und das ergänzt nun aufs Trefflichste das Bild von amerikanischen Apotheken, das sich mir in Ira Levins "A Kiss Before Dying" darstellte und das ich in diesem Beitrag ansatzweise nachzeichnete. Konnte man in einer gewissen Ära in Drugstores gar tanken oder zumindest (abgefüllten) Treibstoff kaufen? Irre!

Dienstag, 2. Juni 2026

Serientagebuch 05/26

04.05. The Capture 3.04
05.05. Family Guy 24.13
06.05. Fallout 2.05
07.05. Leverage 3.03
09.05. Leverage 3.04
The Capture 3.05
The Capture 3.06
11.05. Fallout 2.06
12.05. Family Guy 24.14
26.05. Grace 6.01
27.05. Family Guy 24.15
Fallout 2.07
28.05. Fallout 2.08
29.05. Grace 6.02

Über die zweite Staffel von The Capture schrieb ich im August 2023: "In Sachen Spannung und vor allem Aktualität wurde eine gehörige Schippe draufgelegt. Sagenhaft packend und beängstigend ist dieser Sechsteiler, in dem es abermals um Deep-Fakes und den allgegenwärtigen Big Brother geht. Ich bin gespannt, ob noch eine dritte Staffel folgen wird, und wenn ja, ob darin die jüngsten Auswüchse Künstlicher Intelligenz behandelt werden." Nach der dritten und gewiss nicht letzten Staffel kann ich festhalten: Eine Schippe Spannung wurde abermals draufgelegt (ich ward wiederholt an "24" erinnert), und dass sich die Macher fast drei Jahre Zeit mit einer Fortsetzung gelassen haben, kam der Aktualität erneut zugute. Wie schaffen die es nur jedes Mal, den Finger derart fest an den Puls der Cybergegenwart zu pressen? Die erzählerische Dichte und die stetige Brisanzverschärfung sind umso erstaunlicher, als alle bisherigen Drehbücher von nur einer Person, dem vor "The Capture" kaum in Erscheinung getretenen Serienerfinder Ben Chanan, verfasst worden sind.

Ächz, zu Family Guy fallen mir nach all den Jahren nur die immergleichen Phrasen ein, die ich hier alljährlich auch zu den "Simpsons" fallen lasse: "... ist wieder etwas bissiger geworden ...", "... konnte das Niveau halten ...", "... weniger komisch als die Season davor ..." Ich werde es fürderhin wie folgt halten: Sollten einzelne Episoden oder erkennbare Trends hervorstechen, werde ich sie kommentieren, andernfalls belasse ich es bei einem Kurzfazit. Im Fall der 24. Staffel von "Family Guy" ist zu konstatieren, dass diese mir im Vergleich zur vorhergehenden qualitativ abgefallen zu sein schien, über lange Strecken hinweg aber solide Schmunzelunterhaltung bot. Selbst die obligatorische Multi-segment-Folge (die üblicherweise zu den schwächsten gehören) war heuer erträglich.

Ach, Fallout, was soll ich nur mit dir machen? Dranbleiben? Aufgeben? Unbestreitbar ist, dass diese Amazon/Bethesda-Produktion unter den Videospielverfilmungen in punkto Optik, Anmutung und Vorlagentreue der Goldstandard bleibt. Tief in der Lore steckende Enthusiasten werden hier mit Hintergrundgeschichte(n), Worldbuilding und Easter Eggs erfreut, dass es eine Art hat. Auch der Soundtrack ist formidabel, die Besetzung geglückt. Doch erkenne ich hier dieselben Makel, die mir die letzten zwei Staffeln von "Westworld" (an dessen Produktion große Teile des "Fallout"-Teams beteiligt waren) verlitten haben. Nun gut, der auffälligste Unterschied ist, dass die Figuren im Gegensatz zu denen in "Westworld" weitgehend sympathisch gezeichnet sind. Aaaber ... ach, warum lasse ich nicht stellvertretend das Something-Awful-Forum zu Wort kommen? 

I'd say too many loose plot threads, excessive cliffhangers and a general sense that they don't have their overarching plot fleshed out is what ruined Westworld in particular. Fallout just generally delivers on the fan service so it's less noticeable (except for the super mutant stuff, it was an incredibly hamfisted and underwhelming way of introducing them to the show's universe but but Rob Perlman!!! ). After the whole season I still have no idea what the big evil [spoiler] plan is, and I don't understand how the [spoiler] works at all.

Well, ideally the showrunners for fallout dont have their heards up their asses like westworld did. Westworlds plot swung wildly because the showrunners got mad at the internet for guessing the big twists so early in the show and the eventual plot points of season 2, so they rewrote it.

Nun ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich dranbleiben. Sie sollen aber bitte die Gags besser platzieren und, wo möglich, auf "GIF-ability" (auch dieses Schlagwort habe ich dem S.A.-Forum entnommen) verzichten.

P.S.: Dass ich im Mai gleich zwei Serien geschaut habe, in denen Ron Perlman mitspielt, ist ein kurioser Zufall bzw. überhaupt kein Zufall; der Mann steht halt in Lohn und Brot, good for him!

Sonntag, 31. Mai 2026

Fotos, Ausrisse, Screenshots, launig kommentiert

Solange mich niemand vom Gegenteil überzeugt, gehe ich davon aus, dass "Bienenkosmetik" Kosmetik für Bienen bedeutet.
-----
Ich will aber spez. Bergkäse!
-----
Little Spreewald oder auch
-----

Ach, DAS versteht man unter Adana Kebap!
-----
"The Rehearsal" Season 2
-----
Zum Glück hatten sie noch eine passende Garfield-Folge in der Schublade ("Der Ajatollah ist tot. Ich hasse Montage!").
-----
Warum "sogar"? Verstehe den Widerspruch nicht – Kritiker sein heißt doch nicht, alles schlecht zu finden.
(Plot-Twist: Mit "ihn" ist der Star-Kritiker gemeint.)
-----
Fühlt sich an, als wäre das Land noch zwei Haushaltsdebatten entfernt von einer Brigitte-Strecke "Die schönsten Dachhasen-Variationen".
-----
Dachte auf den ersten Blick, das seien Richard Ayoade und Shea Whigham.
-----
Mein erster Gedanke: Was für ein random Loss Edit ...
-----
Hey, Amazon, Vorschlag für eine weitere Neuerung: KORREKTE IMPERATIVE!
-----

Den Hillergruß?
-----
Meine Erkenntnis: Kneift man die Augen zu, sehen die zwei Flaggen hinter ihm aus wie Dämonenflügel.
-----
"Prinzessin Dianas Hellseherin" ... würde ich mir nicht unbedingt in den Lebenslauf schreiben.
-----

Schlechtes Symbolbild imho
-----
Aber ... sie ist doch schon bei Penny?
-----
Schade, dass sie in den 16 Zeilen nicht noch eine vierte Schreibweise von "Kurd-Laßwitz-Preis" unterbringen konnten.
-----
Was geht eigentlich an der Instantnahrungsfront?
-----
Im Zeitalter der Phrasendrescherei sollten solche Überschriften um den Vermerk "(buchstäblich)" ergänzt werden.
-----
Auch noch nicht gesehen: Uhrzeitenangaben mit Komma
-----
Zeichentheorie für Fortgeschrittene
-----
Und denk dran, Lucas, was deine Eltern dir über Rechtschreibung beigebracht haben: nichts.
-----
Hier stecken bestimmt ein bis zwei Witze drin, macht sie bitte ggf. selbst.

Samstag, 30. Mai 2026

Melon Curry and the Infinite Sadness

Am Donnerstag dieser sehr heißen Woche habe ich das außergewöhnlichste indische Gericht zubereitet, das ich je zubereitet habe: ein Melonen-Curry. Das Rezept dafür, welches aus dem Wüstenbundesstaat Rajasthan stammt, hat schon vor einiger Zeit Denise Snieguolė Wachter im Stern vorgestellt. Ich hatte Sorge, dass das Melonenfleisch sich in der Pfanne binnen kurzem in Pulp auflösen würde, aber nein, die Stücke behielten ihre Knackigkeit und ihr Erfrischungspotenzial. Hier die (reichlich simple) Anleitung:

In einer Pfanne erhitzt man 4 EL Öl und gibt nacheinander hinzu: 1/2 TL Kreuzkümmelsamen, getrocknete Chilischoten*, 1 ca. 4 cm großes Stück Ingwer, gerieben, und 1/2 TL Kurkumapulver. Wenn die Mischung betörend duftet, 150 g Wassermelone, püriert, unterrühren und 1,5 TL Salz und 2 TL Zucker hineinstreuen. Aufkochen. Sobald ein gutes Drittel der Flüssigkeit verdampft ist, 500 g Wassermelone in mundgerechten Quadern in die Pfanne tun und unter vorsichtigem Rühren etwa 5 Minuten köcheln lassen. Zum Schluss 4 EL Limettensaft unterheben, mit frischen Minzblättern garnieren, zu Naan servieren.

* Hier entscheidet wie immer die persönliche Schärfetoleranz bzw. -vorliebe. Das Rezept sieht 4 mittelscharfe Schoten vor. Ich habe 3 Stück der Sorte Cayenne verwendet und fand das Resultat faaast zu hot.

Das Ergebnis waren zwei volle Teller. In der Vorlage hieß es, 750 Gramm Melonenwürfel würden benötigt, um sechs Personen satt zu machen. Das kann nicht stimmen.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Der Hausherr meldet sich zum Dienst (Aufstrich-Content inside!)

So, da bin ich wieder – und finde das Blog so vor, wie ich es verlassen habe. Die in meiner Abwesenheit veröffentlichten Inhalte konnten nicht nur das von hier gewohnte Qualitätsniveau halten, sondern dieses sogar übertreffen und zudem das thematische Spektrum aufs Interessanteste erweitern (Drogen! Sex! Rennräder!). Auch mit den Klickzahlen bin ich zufrieden; das sind die Synergieeffekte, die ich mir von meinen Gastbeiträgern als Multiplikatoren erhofft hatte. Fazit: Das machen wir mal wieder! Die nächsten Vertretungsstunden kann ich hiermit schon jetzt ankündigen, voraussichtlich für das erste Quartal 2027.

Nun aber zurück zum Wesentlichen. Die neue Stiftung Warentest teilt uns mit, dass Konfitüre jetzt Marmelade heißen darf:

Wer Beeren- oder Aprikosen-Konfitüre schon immer „Marmelade" nennt, liegt damit jetzt auch offiziell richtig. Bisher war der Begriff streng genommen Zubereitungen aus Zitrusfrüchten vorbehalten. Nun darf auch bei anderen Fruchtarten „Marmelade" auf dem Etikett stehen – dank Änderungen der „EU-Frühstücksrichtlinien" und der deutschen Konfitüren-Verordnung. Diese fordern nun auch einen höheren Fruchtgehalt: mindestens 450 Gramm Frucht je Kilogramm, bei der Bezeichnung „Extra" sogar 500 Gramm.

EU-Frühstücksrichtlinien, herrlich! Ganz streng genommen dürfte sich "Marmelade" ja nur auf Zubereitungen aus Quitten beziehen. Wie dem auch sei, mir soll recht sein, was die Frühstücksdirektoren in Brüssel entscheiden. Verstehe ich das richtig: Was "Marmelade" heißen darf, ist nun gleichzeitig lockerer und strenger reglementiert? Auf die Frucht kommt es nicht an, wohl aber auf den Fruchtanteil. Nicht geregelt ist laut Stiftung Warentest übrigens die Produktbezeichnung "Fruchtaufstrich", "mitunter" sei dabei "besonders viel Frucht enthalten".

Dienstag, 26. Mai 2026

Vertretungsstunden 2026 (6)

Heute: "Milieu-Report Bibliothek" von Sebastian Sachse

Schafft es eine Bibliothek im Kontext der Kriminalität in die Nachrichten, geht es oft recht merkwürdig zu. Sie ist kein Hort des Kapitalverbrechens (halt, stopp: Durch die in der Regel sehr großen Krimibestände ist sie praktisch DER Hort für Kapitalverbrechen). Mord, Raub, etc. – das möge bitte weiterhin außerhalb stattfinden. In der Bibliothek gibt es Verbrechen, die so nur dort vorstellbar sind.
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die Geschichte vom sogenannten Büchermarder. Dieser hielt mehr als 30 Jahre lang Bibliotheken im ganzen deutschsprachigen Raum in Atem, indem er sich alte Atlanten, astronomische Werke und anderes vorlegen ließ, um daraus dann wertvolle Karten und Kupferstiche herauszuschneiden und diese zu verkaufen. Alleine in den 90er Jahren könnte er bis zu 200.000 Mark pro Jahr erzielt haben. Der Markt scheint groß zu sein, 200 Folgen "Bares (ha!) für Rares" füllen sich nicht von alleine. Die spannende, europaweite Jagd nach dem Dieb lässt sich in der taz nachlesen.

Er erinnert sich gleichzeitig an die großen Ringe, die S. an den Fingern trug. Heute geht er davon aus, dass sie über scharfe Kanten verfügten oder kleine Klingen darin versteckt waren. „Er hat immer Blickkontakt gesucht“, erzählt der Bibliotheksleiter. „Damals maßen wir dem keine große Bedeutung bei.“

Ohne die Unterstützung der Strafverfolgungsbehörden müssen sich die Bibliotheken gegen den Büchermarder selbst zur Wehr setzen. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, das weitere 13 Jahre dauert. In diesem Zeitraum taucht S. mindestens 15-mal in Bibliotheken in der ganzen Bundesrepublik auf. 2010, 22 Jahre nach seinem ersten Besuch, macht er wieder einen Termin in der Universitäts- und Landesbibliothek der TU Darmstadt. Man stellt ihm eine Falle, doch S. taucht nicht auf.

Haben wir es hier mit einem sogenannten Gentleman-Verbrecher zu tun? Nun, zur Gerichtsverhandlung erschien er mit akkurat gestutztem, grauen Schnurrbart, schickem Blazer und lila Krückstock. So stelle ich mir den Kunstdieb Victor Hugenay aus den "Drei ???" vor. Diese Frage lässt sich also mit ja beantworten.

Ganz aktuell und das absolute Gegenteil eines Gentleman-Verbrechens: Die Bibliothek des Konservatismus, eine ans neurechte Netzwerk angeschlossene Bibliothek, wurde aus dem Gemeinsamen Bibliotheksverbund entfernt. Der Vertrag wurde gekündigt, nachdem sich herausgestellt hat, dass mindestens eine Mitarbeiterin diverse Titeleinträge im Gesamtkatalog auf sabotierende Art editiert hat. So wurde die Autorin Lisa Duhm in Lisa Dumm umbenannt, andere Werke mit “Gender-Gaga” und “Verdummung” verschlagwortet. Die Zeit berichtet ausführlich.

Auch den Katalogstandard »Autor:in« änderten BdK-Mitarbeiter bei einigen Einträgen zu »Autor«. Mit diesem Vandalismus hätten sie Verknüpfungen zerstört und für eine insgesamt schlechtere Datenqualität der gesamten Bibliotheksdatenbank gesorgt, heißt es aus verschiedenen Bibliotheken des GBV-Verbunds.

Der Gemeinsame Bibliotheksverbund, das sei erklärt, ist der Verbund praktisch aller öffentlichen, wissenschaftlichen und vieler privaten Bibliotheken im norddeutschen Gebiet, der neben diversen organisierenden Aufgaben vor allem einen gemeinsamen Katalog bereitstellt, in dem sämtliche Titel verzeichnet sind. Ein unverzichtbares Werkzeug für die Fernleihe.

Kein modernes Verbrechen ohne das Internet und das Dark Web, ohne Kryptowährungen und Blockchain. Leider muss man konstatieren, dass auch hier die Bibliothek in einer Vorreiterrolle agiert hat: Sie hat die Blockchain erfunden! Und das bereits um 1900. Und zwar in Preußen.

Bevor es Verbundkataloge wie den des GBV gab, hat jede Universität alleine vor sich hin gearbeitet. Es war die große Zeit der Universalbibliotheken, die langsam als Auslaufmodelle galten – eine Spezialisierung musste her. Um dies zu bewerkstelligen, sollte zunächst einmal festgehalten werden, welche Bibliothek über welchen Bestand verfügte. Es brauchte 1902 den Preußischen Gesamtkatalog. Ausgehend vom Katalog der Königlichen Staatsbibliothek wanderte das Papier durch sämtliche preußischen Universalbibliotheken. Jede ergänzte ihren eigenen Bestand um die Bände, die sie ebenfalls hatte, und um die Bände, die nur sie hatte. Es war die Geburt der Blockchain: Der Datenwurm wurde immer länger, Gültigkeit besaß nur die letzte Fassung.

Das große Manko war der Datenträger. Da alles mühsam zu Papier gebracht wurde, und der Datensatz zum Ende auf 7,5 Millionen Besitznachweise angewachsen war, handelte es sich um ein riesiges Paket, das von Ort zu Ort verschickt wurde. Der Originalkatalog ging den Weg sämtlicher Kryptowährungen: Während des zweiten Weltkrieges wurde er zur Sicherheit in einen Kalkberg gebracht, wo er dennoch durch einen Brand zerstört wurde.

Kann man den Ideengeber und den Programmierer des Codes (das bibliothekarische Regelwerk Preußische Instruktionen) als Proto-Techbro bezeichnen? Nun:

Als System Althoff wird das unbürokratische und oft die Ressortgrenzen überschreitende Vorgehen des preußischen Kulturpolitikers Friedrich Althoff bezeichnet. Er baute ein weitverzweigtes Netzwerk von Vertrauensleuten an verschiedenen Stellen auf und beeinflusste durch diese Form der „Geheimdiplomatie“ die Entscheidungen. Als Universitäts- und Bibliotheksreferent im preußischen Ministerium der geistlichen-, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten konnte er für das Bibliothekswesen in den Jahren 1882 bis 1907 weitreichende Reformen durchsetzen.