Montag, 24. August 2026

Gebietsreform MAINTENANT!

Als passioniertem Kreuzworträtsellöser begegnen mir regelmäßig französische Départements. Meine Meinung: Es gibt zu viele davon! Gewiss, Frankreich ist ein großes Land, aber der Verwaltungseinheitenflickenteppich, zumindest auf dem Hexagone, ist gar zu kleinteilig, vor allem für Deutsche, die im Kreuzworträtsel nach einem "frz. Département mit vier Buchstaben" gefragt werden und sich zwischen AUBE, AUDE, CHER, EURE, GARD, GERS, JURA, NORD, OISE, ORNE und TARN entscheiden müssen.

Überhaupt, wie sehr sich etliche Namen der 101 Dalma-... äh: Départements ähneln! Direkt ganz am Anfang der Liste finden sich Ain und Aisne, sacré bleu! Hier hätte man schon bei der (gar nicht mal so weit zurückliegenden) Strukturierung weiser vorgehen sollen. Indes: "67 Départements sind nach einem, 10 davon sogar nach zwei Flüssen benannt. Häufigste Namensgeberin ist die Loire, die sechs Departements im Namen tragen (nicht zu verwechseln mit dem Loir (zwei Benennungen) und dem Loiret (eine Benennung))." (Wikipedia) "Indes" ist indes kein Département, wohl aber Indre.

Sehr gern wird im Schwedenrätsel, das man schlechterdings in "Franzosenrätsel" umbenennen sollte, zudem nach Département-Hauptstädten gefragt. Mysteriöse Vierbuchstabler gibt es unter denen auch, z.B. Auch. Regionen hingegen spielen selten eine Rolle. Die sind überschaubar: 13 in Europa, fünf in Übersee. Könnte man eigentlich mal auswendig lernen.

Samstag, 22. August 2026

Wort des Jahrzehnts

Als ich 40 wurde (und das ist nun auch schon fast fünf Jahre her, ächz!), war mir nicht klar, dass ich damit das Schwabenalter erreicht hatte. "A Schwôb wird erschd mit vierzich gscheid", heißt es in Schwaben, weswegen der Vierzigste dort einen ganz besonderen Ehrentag markiert. Das "Schwabenalter", das sogar im Duden steht und von Friedrich Rückert mit einem Gedicht bedacht wurde, basiert auf einer Jahrhunderte alten Volkscharakterisierung, die von modernen Schwäbinnen und Schwaben natürlich selbstbewusst und -ironisch reclaimed wird.

Nun bin ich ja kein Schwabe und sollte dem Klischee der spät einsetzenden Verständigkeit und Lebensweisheit also nicht entsprechen, doch nehme ich mich in manchen Aspekten durchaus als Spätzünder wahr. Mag ich heute auch über ein zufriedenstellendes Maß an Klugheit und Menschenkenntnis verfügen, so habe ich mir doch eine gewisse Kindlichkeit, wo nicht Kindischkeit bewahrt. Für die Ausübung eines seriösen Jobs, die Teilnahme an einem Krieg oder das Aufziehen von Nachwuchs bin ich jedenfalls viel zu unernst; ich let's-playe Super-Mario-Spiele, for cyring out loud! Richtig "g'scheit" werde ich, sollte in mir tatsächlich Schwaben-DNA schlummern, womöglich erst mit 50; diese alternative Reifedemarkationslinie taucht in einem Text des Berliners Friedrich Nicolai auf:

Gemächlichkeit, Zufriedenheit und Ruhe sowie eine gewisse Treuherzigkeit und ein unbefangenes Wesen, ... das selbst nichts von Arglist hat und sie bei anderen auch nicht vermuthet. Dies habe dazu geführt, dass ein Schwabe seinen Vortheil nicht genau wahrnahm. Das aber habe man den Schwaben als Dummheit ausgelegt. Und deswegen bedeute das allgemein bekannte Sprüchwort, wonach die Schwaben erst im fünfzigsten (!) Jahre klug werden, keine späte Entwicklung der Verstandeskräfte, sondern deren spätere Anwendung im gemeinen Leben. (zit. n. schwaebisch-schwaetza.de)

Donnerstag, 20. August 2026

Kurts notiert

Von kaum einem männlichen Vornamen gibt es so viele Variationen wie von Kurt. Und zu fast jeder fällt einem ein prominenter Träger ein. Da ist etwa Kurd Laßwitz, nach dem ein bedeutender Science-Fiction-Literaturpreis benannt ist. Man denke an die Schauspiellegenden Curd Jürgens und Curt Bois. (Der US-amerikanische Regisseur Curt Siodmak wurde allerdings in Dresden als Kurt Siodmak geboren.) An Formen mit -o- sind mir Cord (Riechelmann, Publizist) und Cordt (Schnibben, dito) bekannt, es gibt aber auch Cort (Pieter Cort van der Linden, niederländischer Innenminister und Ministerpräsident), Coordt (von Mannstein, Kommunikationsdesigner) und Kort (Kamphues, "ein berüchtigter Coesfelder Stadtrichter, der der Wegelagerei und der Brandstiftung an seiner Heimatstadt bezichtigt wurde, in Ungnade fiel und schließlich hingerichtet wurde. Er gilt als schillerndste Figur der Coesfelder Stadtgeschichte"; Wikipedia). Überliefert ist ferner die niederdeutsche Variante Kord: Conrad Garmers (auch Cord) war ab 1601 Bürgermeister von Lübeck. Auf Wikipedia findet man weiters einen berühmten Kurth (Lehr, *1933, ehem. österr. Fußballer) sowie zwei Curths (Curth Georg Becker, Maler und Grafiker). Die Liste ließe sich fortführen, indem man bspw. plattdeutsche Vornamenbücher bemüht oder Erweiterungen (Kordes) miteinbezieht.

Einig ist sich die Fachliteratur darüber, dass Kurt et al. eine Kürzung von Konrad ist. Und Konrad (Chunrad, Kunrad, Kunrath, Konrath, Conrad, Conradt) ist natürlich "der kühn/edel Ratende".

Dienstag, 18. August 2026

Ja, ist denn heut' schon Erntedankfest?

Buko hat mit der Sorte "India" eine meiner liebsten Frischkäsesorten im Portfolio. Als ich die hier im Supermarkt sah, konnte ich nicht anders als sie mitzunehmen ...


... obwohl ich den Hype um Pumpkin Spice Latte und davon abgeleitete herbstliche Genüsse nie verstanden habe; ich könnte nicht mal sagen, ob ich jemals in einem Café einen P.S.L. geordert habe. Dieser Aufstrich jedenfalls wird mir als einer der albernsten meiner Konsumentenbiographie in Erinnerung bleiben. Das ist, als ob man sich Lebkuchen aufs Brot schmieren würde! Dazu passt denn auch der irrwitzige Serviervorschlag: Ein halber Becher Frischkäse als Muffin-Topping, why not? Er ist schließlich in der Tat vordergründig nicht herzhaft. Die Arla-Produktseite zu dieser Limited Edition (die, das muss betont werden, Anfang August gelauncht wurde!) preist sie entsprechend an: "Als süßer Aufstrich oder zum Verfeinern herbstlicher Backideen wie Pumpkin Spice Muffins, Zimtschnecken und cremiger Desserts - Arla Buko® Pumpkin Spice sorgt für herbstlichen Genuss mit Wohlfühlfaktor." Drin ist dies: Frischkäse, 10 % Kürbiszubereitung (Zucker, 3,5 % Kürbis, Wasser, Tapiokastärke, Gewürze, Zitronensaftkonzentrat), Speisesalz. Happy Halloween!

Sonntag, 16. August 2026

Fotos, Ausrisse, Screenshots, launig kommentiert

Herrgott, wie kann man sich hier die Frage entgehen lassen: "Wie schneidet sie ab?"

Dass Hochwasser Preise sinken lassen könnte, liest man dagegen nie.

Konsequent wäre es gewesen, diesen Werbespruch unter ein rohes Rinderherz zu setzen.

Verstümmelt und auf einem Auge geblendet, trotzdem fröhlich – dieser Bub gibt Hoffnung!

Ich dachte, subliminale Werbung war so ein Achtzigerjahre-Ding.

Mats Hummels und Thomas Müller könnten zwei Nebenfiguren in einer britischen Historienserie spielen. Zur Nachtwache aus "Game of Thrones" hätten sie auch gut gepasst.

Warum nicht? Pantoffeln, die über Teppich schlurfen – bestimmt ASMR-tauglich.

Ihr wisst, was das bedeutet, Ryanair-Passagiere: Ab 2027 Carglass-Versicherungszwang für jeden Flug

Nach der NS-Kartei zündet Der Spiegel das nächste Dynamit.

Die Einvolkphase ist abgeschlossen, als nächstes kommt die Einführerphase.

Ob die auf ihn hören, solange die Medien ihm eine Clownsnase aufsetzen?

Na ja, sagen wir: Das Drehbuch wird Christopher Nolan zugeschrieben.

Sind Conan-Fans anwesend?

Halt dein Maul
(original gepostet auf Twitter, Juni 2019)

Tja, hätte er sich mal informiert: Der Nachbar ist Professor für Fratzengeballer.

Hab erst "Hans Zimmer" gelesen.

Das ist genial.

Woah, awkward – sie stehen direkt neben euch!


(original gepostet auf Twitter, Juni 2022)

Freitag, 14. August 2026

Warum ich ungern telefoniere

Vorhin klingelt das Telefon in meinem Büro. Ich gehe ran. Die Person am anderen Ende meldet sich mit "Hallo, hier ist D.", die Stimme identifiziere ich allerdings als zu jemandem gehörig, der nicht D. heißt, sondern S. – von dem ich später einen Anruf erwarte. Ich schlussfolgere, dass mich S. necken, täuschen, verhohnepiepeln will, und setze an, zu rufen: "Aaah, ich weiß, wer da ist: Du bist S.!" In dem Moment, wo ich "Aaah" zu sagen beginne, wird mir jedoch klar, um wen es sich bei D. handelt und dass jener tatsächlich eine ähnliche Stimme wie S. hat. Jetzt kann und muss ich meinem Gesprächspartner also nicht mehr mit "Ich weiß, wer da ist" den Wind aus den Segeln nehmen, aber die Interjektion "Aaah" hat, wie gesagt, bereits meinen Mund verlassen und zieht sich nun, während ich nach einem kommunikativ tragfähigen Anschluss suche, unnatürlich in die Länge, weil ich aus irgendeinem Grund nicht in der Lage bin, sie zu stoppen. Der Anrufer muss mich für übergeschnappt oder vom Schlag getroffen halten. Nach gefühlten fünf Sekunden gelingt es mir schließlich, das albern-triumphale "Aaah" abzubrechen. D. trägt hörbar irritiert sein Anliegen vor.

Mittwoch, 12. August 2026

Highlights aus dem neuen Titelschutz-Anzeiger

  • ALNORIA Der BECHER DER VERLORENEN
  • Ben und die alte BENU
  • Das Pyramiden-Paradox der Primär-Prävention
  • Die Abenteuer von Klubschi
  • Knatterwind Die Rückkehr Der Roten Kiste
  • Lass Deine Ohren sprechen
  • Nema und das Siegel der Siedler
  • PAULA Die Geschichte der Zahnfee
  • POethik-Journal
  • RION Als SIE UNS FANDEN
Einige dieser Titel könnten glatt über Kurzgeschichten von Benjamin Weissinger stehen.

Montag, 10. August 2026

Neue Podcast-Folge, neues Let's Play

ERSTENS
kann die neueste Episode von "Seitenstraße" auf Spotify, Apple Podcasts und allen anderen geläufigen Plattformen gehört werden, was ich wärmstens empfehle.


ZWEITENS
habe ich ein neues Let's Play begonnen: ein kürzeres, simpleres und weniger unheimliches als das letzte.


Sonntag, 9. August 2026

Der gute Sonntagslink

Heute: Who Sampled, eine Datenbank, in der man über 1,3 Millionen Songs darauf hin untersuchen kann, welche anderen Songs bzw. welche sonstigen Musikstücke oder Teile davon (oder nichtmusikalische Tonauszüge) in ihnen gesampelt werden. Das macht süchtig. Recherchiere auch du, wo sich deine Lieblingsband schamlos bedient hat!

Freitag, 7. August 2026

Das nie gelungene Lied

Der gestrige Tag markierte ein bittersüßes popkulturelles Jubiläum: Vor 30 Jahren – ist es zu fassen? 1996 war doch gerade erst! – erschien mit "A Game of Thrones" der erste Band von George R. R. Martins Saga "A Song of Ice and Fire". Ich schreibe deswegen "bittersüß", weil das einerseits natürlich ein Grund zum Feiern ist (sogar tagesschau.de war es einen Beitrag wert), andererseits müssen wir uns wohl allmählich damit abfinden, dass der siebte und letzte Band, "A Dream of Spring", wohl nie erscheinen wird.

Hinsichtlich "The Winds of Winter" bin ich vorsichtig zuversichtlich, dass ich diesen Teil noch in diesem Jahrzehnt lesen werde. Und zwar mit euch gemeinsam! Erinnert ihr euch an meinen Jahreswechselbeitrag 2016/2017? Darin hatte ich eine "neue Rubrik" angekündigt, die jedoch, wie ich ein Jahr später zähneknirschend verkünden musste, "aus Unrealisierbarkeit" nicht umgesetzt werden konnte. Meine Idee war, einen "Kybersetzung-Solo-Lesezirkel" aufzumachen; dabei wollte ich als eine Art "Let's Read" den sechsten Teil von ASoIaF in Blöcken von je drei Kapiteln lesen und direkt im Anschluss meine Gedanken dazu vorstellen. Offenbar war ich Ende 2016 (da hatte die TV-Serie die literarische Vorlage gerade überholt) überzeugt davon gewesen, dass das neue Buch in greifbarer Zukunft erscheinen würde. Zu der Zeit waren schon mehrere längere Previews zugänglich gemacht worden (die ich freilich noch nicht gelesen habe!). Doch die Winter strichen ins Land, und es tat sich: nichts. GRRM verlor sich in Nebenprojekten, wurde für dies und das verpflichtet. Schlimmer noch: In seinem neuesten Blogbeitrag – dem ersten seit Februar – lässt er durchscheinen, dass er mit seiner Arbeit, ja mit seinem Leben, vor allem eingedenk seines Alters von inzwischen 77 ("getting old is no fun"), überfordert ist, von Stress, Albträumen, Traurigkeit und Depression ist die Rede. Wie weit wird dieser Zustand die Fertigstellung von "The Winds of Winter" wohl zurückwerfen? Wie gesagt, ich bin noch immer optimistisch ob einer baldigen Veröffentlichung. Bloß wann?

Man wünscht Martin alles Gute.

Mittwoch, 5. August 2026

Einblick in die Textwerkstatt

Im Rahmen meiner redaktionellen Arbeit richte ich einen externen Beitrag ein, der folgenden Satzteil enthält:

mit einer Wärme und Klugheit, die zu Herzen gehen

Daran ist nichts zu beanstanden. Oder doch? Muss oder wenigstens kann es an dieser Stelle nicht ausnahmsweise "die zu Herzen geht" heißen? Weil nur vor "Wärme" ein unbestimmter Artikel steht, so dass "eine Wärme und Klugheit" zu einer Einheit verschmelzen, ähnlich einem Hendiadyoin?

Ich blättere eine ganze Weile in der Duden-Grammatik (6. Aufl.), bis ich im Abschnitt "Der Satz" unter 2.9 "Grammatische Kongruenz" einen auf meinen Zweifelsfall anwendbaren Ratschlag finde:

1294(b)
Stehen die Subjektteile im Singular, so kommt (seltener) beim Finitum auch der Singular vor, vor allem bei Abstrakta in Subjektposition:
Der Hass, die Gewalttätigkeit nützte nichts mehr (Weiss). Die Korruption und die Verkennung der Lage fraß nach unten weiter (Tucholsky) ... da sich in ihrem Haushalt noch ihr 14-jähriger Sohn und ihre 10-jährige Tochter befinden (seltener: befindet).

Hilfreich ist auch der darauffolgende Paragraph:

Eine besonders starke Tendenz (gegen die in 1294 formulierte Grundregel), das Finitum in den Singular zu setzen, besteht in folgenden Fällen:
1. Das Finitum wird auf einen singularischen Subjektteil bezogen, der den anderen Subjektteil inhaltlich einschließt:
Er und alle Welt redet darüber schon seit Wochen. Die Mitschüler und jedermann gab zu ... (Hesse).
[...]
2. Bei formelhaften Subjekten, die oft aus Teilen ohne Artikel u. A. bestehen, steht das Finitum im Singular, wenn das Subjekt als Einheit aufgefasst wird. Der Plural ist zu setzen, wenn die Vorstellung einer Mehrheit ausgedrückt werden soll:
Singular: Grund und Boden darf nicht zum Objekt wilder Spekulationen werden. Groß und Klein (= jedermann) davon. Zeit und Geld fehlt uns. Krankheit und Müdigkeit macht auch Bauern fein (Kafka). Positives und Negatives ist zu beachten. [...] Plural: ... die verdrehten Vorstellungen, die Freund und Feind sich von diesem Lande machen (Koeppen). Unaufhaltsam wachsen ... Missmut und Unbehagen (Der Spiegel).
3. Wird in Sätzen mit zwei gleich lautenden Subjektteilen eines erspart [...], so besteht vor allem bei Abstrakta die Möglichkeit, die zusammengerückten Subjektteile als Einheit aufzufassen und das Finitum in den Singular zu setzen:
Die technische [Begabung) und künstlerische Begabung des Jungen ist (neben: sind) hervorragend.
[...]
Dies gilt auch dann,
[...]
- wenn die Zusammengehörigkeit verschiedener Subjektteile durch einen gemeinsamen Gliedteil betont wird: Alle Zerstörungswut und Herrschsucht in uns durfte sich entfalten (Weiss) ... oft geriet ihr Aussehen und Name schon in Vergessenheit (Kafka). Wir hoffen, dass Ihnen viel Freude, Glück und Gesundheit beschieden sei (neben: seien).

Das passt ja wohl wie Arsch auf Eimer! Kurzum: Ich ändere "gehen" zu "geht". Wenn das jemand in der finalen Korrekturmappe anstreichen sollte, bin ich argumentativ gerüstet.

Montag, 3. August 2026

Ein Fall von Beutelschneiderei

In der beliebten Stiftung-Warentest-Rubrik "Diese Verpackungen nerven" findet sich diesen Monat ein besonders verwerflicher Fall von Shrinkflation:


Bei der Sorte "Fenchel-Anis-Kümmel" von Teekanne wurde nicht einfach – was schneller auffallen würde – die Anzahl der Teebeutel in einer Packung verringert, sondern der Inhalt pro Beutel reduziert! Nur noch 2 statt bisher 3 Gramm Teemischung befinden sich in einem Beutel, was sich deutlich auf die Ergiebigkeit bei der Teezubereitung und also auf die Intensität auswirken dürfte. Und vor allem: "Das ist eine Preiserhöhung von 50 Prozent", wie Leserin E. aus R. korrekt anmerkt. Der Hersteller begründet die Maßnahme mit "gestiegenen Kosten".

Samstag, 1. August 2026

Serientagebuch 07/26

01.07. Company Retreat 1.03
Company Retreat 1.04
02.07. Widow's Bay 1.06
Widow's Bay 1.07
03.07. Leverage 3.10
06.07. The Simpsons 37.17
Company Retreat 1.05
08.07. Company Retreat 1.06
09.07. Leverage 3.11
Widow's Bay 1.08
Widow's Bay 1.09
10.07. Leverage 3.12
11.07. Widow's Bay 1.10
14.07. Company Retreat 1.07
15.07. Company Retreat 1.08
19.07. Outer Range 2.01
21.07. Outer Range 2.02
24.07. House of the Dragon 3.01
House of the Dragon 3.02
25.07. House of the Dragon 3.03
House of the Dragon 3.04
26.07. Outer Range 2.03
27.07. Leverage 3.13
28.07. House of the Dragon 3.05
29.07. Outer Range 2.04

(Übernatürlichen) Horror mit Humor zu verbinden, ist ein heikles Unterfangen. In der ersten Staffel von "Shining Vale" hat es noch leidlich funktioniert, in der zweiten gar nicht mehr (ich berichtete). Umso erleichterter bin ich, dem Apple-Zehnteiler Widow's Bay bescheinigen zu können, dass ihm dieses Kunststück gelingt. Denn gefreut hatte ich mich schon beim Lesen der Inhaltsangabe: Eine abgeschiedene Insel als Schauplatz, ein uralter Fluch, Stephen Root und Episodenlängen von kaum mehr als 30 Minuten, das sind Zutaten für ein Unterhaltungspaket nach meinem Gusto!
Nicht nur ich bin voll des Lobes, auch alle drei deutschsprachigen Kritiken, denen ich begegnete, hielten große Stücke auf "Widow's Bay", das inzwischen um eine weitere Staffel verlängert wurde. Fürwahr: Der Grusel ist richtig gruselig, während mich die komischen Szenen laut auflachen ließen. Beides steht dabei für sich, hier wird nichts auf Teufel (!) komm raus vermischt. Die Figuren (für mich eine Entdeckung: Matthew Rhys! Er erinnert bisweilen an Steve Carell) sind verschroben, aber liebenswert, darin dem Ensemble von "Parks and Recreation" nicht unähnlich, was kaum verwundert, gehörte Serienschöpferin Katie Dippold doch zum Autorenpool jener Sitcom. (Btw bin ich gerade noch mal die Episodenliste von "Parks & Rec" durchgegangen: Wow, da wirkte ja wirklich die Crème de la Crème der Comedy-writing-Szene mit!)

Apropos: Ebenso quirky und spinnert wie jenes von "Widow's Bay" kommt das Figurenpanoptikum bei Company Retreat daher. Solche Charaktere gibt's nur im Fernsehen ... bzw. eben nicht!? Womöglich liegt es daran, dass heutzutage dank Social-Media-Selbstdarstellung jeder/jede Erik/-a Mustermann eine unverwechselbare persona mit Ecken und Kanten kultiviert, dass wir Kunstfiguren nicht mehr als solche zu erkennen vermögen. Als Stellvertreter für "uns" steht in "Company Retreat" ein durchschnittlicher, nicht mal übermäßig naiver, dafür sehr zugewandter und selbstloser Bursche namens Anthony, der sich als Zeitarbeiter in einer Dokumentarreihe über ein Familienunternehmen wiederfindet, die in Wahrheit eine Mockumentary ist, oder präziser: eine Workplace-Comedy, in der alle Beteiligten Schauspieler sind außer er selbst. Das klingt wie die Prämisse des erfreulichen Formats "Jury Duty"? Es ist ja auch dieselbe! Tatsächlich trägt "Company Retreat" den Obertitel "Jury Duty Presents", und das kreative Team hinter der innovativen Pseudo-Gerichtsshow hat für diese quasi zweite Staffel den Aufwand mächtig aufgebläht, um das angebliche Firmenevent eines fiktiven Würzsoßenherstellers so kurzweilig und abenteuerlich wie möglich und dabei glaubwürdig zu gestalten (Tipp: Unbedingt das Making-of und das sonstige Bonusmaterial auf Amazon Prime schauen!); nach dem Motto: Das ist so wahnwitzig, das kann man sich nicht ausdenken!

Donnerstag, 30. Juli 2026

Angélique

Im Nackenheimer Bücherfass (s. Beitrag vom 24.7.) fiel mir etwas auf.


"Angélique" ist eine Romanreihe, deren Bände "in 45 Ländern bei 320 Herausgebern mit einer Gesamtauflage von etwa 150 Millionen Exemplaren verlegt" wurden, weiß Wikipedia. Das hier links stehende Buch der französischen Autorin (1921-2017) hielt sich "17 Wochen lang in den Jahren 1962 und 1963 auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste". Wikipedia unterschlägt dabei etwas: das Komma. "Angélique die Rebellin" heißt der Titel in der dortigen Bibliographie, womit er die später erschienene deutsche Ausgabe von "Angélique à Québec" spiegelt: "Angélique die Siegerin". Er lautet aber, wie man klar erkennen kann: "Angélique, die Rebellin". Was ist in den fast 20 Jahren zwischen "Rebellin" und "Siegerin" bei Blanvalet geschehen?

Der Berliner Verlag hat auch die überarbeiteten Fassungen ab 2008 besorgt und ist die Kommafrage dabei clever umgangen: Die Übersetzung der Neuversion von "La Marquise des Anges" trägt analog zur upgedateten französischen Vorlage den Titel: "Angélique. Die junge Marquise".

Dienstag, 28. Juli 2026

Soulfood, buchstäblich

Im Allgäu habe ich neulich zum ersten Mal eine Seele gegessen. Ich kannte den Ausdruck, hatte aber immer gedacht, es handele sich um ein regionales Synonym für "Brötchen". Diese Seele jedenfalls war ein mit mit Sauerrahm und sauren Gurken belegtes und mit Käse überbackenes Baguette. So köstlich wie simpel – derart simpel, so wurde mir an Ort und Stelle klar, dass ich unbedingt mal selbst eine Seele würde zubereiten müssen!


Also kaufte ich gestern ein Steinofen-Baguette (Rewe-Bio), einen Becher Sour Cream, vegane Schinkenwürfel (Billie Green) und ein Stück Bergkäse. Cornichons hatten wir noch zu Hause. Dort teilte ich das Baguette, bestrich beide Hälften erst mit Butter, dann mit der Sour Cream, verteilte die Schinkenwürfel und die Gürkchen (in Scheibchen) darauf und rieb zuletzt den Käse darüber. Variationen und Ergänzungen sind denkbar, bspw. kann, wer will, den veganen Schinken durch tierischen ersetzen und/oder diesen mit Röstzwiebeln toppen. Ich habe lediglich, nachdem ich das Teilchen aus dem Ofen gezogen habe (backen nach Packungsaufdruck), etwas Chili und frisch gemahlenen Pfeffer auf die Käseschicht gestreut.

Ein Baguette ergibt zwei Seelen und macht zwei Personen satt und selig.

Montag, 27. Juli 2026

Sayers re-revisited

Jahrelang war ich auf der Suche danach gewesen, oder sagen wir, jahrelang hatte es auf meiner Amazon-Einkaufsliste gestanden, neulich nun, als ich routinemäßig mal wieder draufschaute, war das vergriffene Bändchen gebraucht und obendrein günstig zu haben: die gesammelten "5 minute comics" von Joey Alison Sayers:


Wie ich einst auf dieses Schnellzeichen-Projekt aufmerksam geworden bin, weiß ich nicht mehr. Auf der Homepage der Künstlerin findet sich jedenfalls kein Verweis darauf, wie auch der Link zu ihren regulären Strips inzwischen ins Leere führt. Ich kann es Webcomic-Begeisterten nur immer wieder ans Herz legen: Kauft gedruckte Werke eurer liebsten Online-artists, denn im Gegensatz zum Internet, aus welchem ein Webcomic nach dem anderen verschwindet, ist Papier geduldig. Und was ein Segen, dass die 5-Minuten-Comics in Buchform erschienen sind! Sie sind wirklich (größtenteils) sehr komisch.



Sonntag, 26. Juli 2026

Neues Geld im Anmarsch!

Die meisten von euch werden es mitbekommen haben: Die Euro-Banknoten sollen ein neues Design bekommen, und wir, die Bürgerinnen und Bürger der EU, dürfen mitentscheiden, welches. Zwischen zehn Entwürfen können wir wählen. Den Link zur Online-Abstimmung werde ich nicht einfügen, denn der wird wahrscheinlich in ein paar Jahren ins Leere führen; Bilder der Scheine mag ich auch nicht posten, wegen Copyright-Blabla. Wer nach "Euro-Banknoten" + "Abstimmung" googelt, findet die entsprechende EZB-Seite auf Anhieb. Ich persönlich bin ein großer Fan der Vogelmotive.

Freitag, 24. Juli 2026

Nich' lang schnacken, Kopp nach Nacken(heim)

Mein Wandersoll für diesen Monat war schon übererfüllt, als es mich an einem meiner (äußerst raren, wie ich stets hinzuzufügen verpflichtet bin!) freien Tage packte und ich einen Solo-Hike in der Nähe von Mainz unternahm. Hier sind ein paar Impressiönchen:


Ankunft in Nackenheim. Auf diesem fast menschenleeren Platz in Bahnhofsnähe stand ein kabelloser Lautsprecher (links unten), aus dem Ballermann-Mucke der primitivsten Sorte dröhnte.


In Nackenheim sollte just einen Tag später das jedes Jahr am letzten Juliwochenende stattfindende Weinfest starten. Die Vorbereitungen liefen heiß, zahlreiche Verköstigungsbuden waren bereits aufgestellt.


Die Gemeinde feierte 2022 ihr 1250-jähriges Bestehen. Das weiß ich, weil es in der FAZ-Wanderbeschreibung vom September '22 stand, welcher ich folgte.


Sehr gut gefallen hat mir die Gestaltung der zwei Bücherschränke im Stadtgebiet: Es sind "Bücherfässer".


Eine weitere Besonderheit stellt der hiesige Friedwingert dar:


Dass das rheinland-pfälzische Bestattungsgesetz ziemlich liberal ist, wusste ich ja, aber diese Art der letzten Ruhestätte hatte ich mir nicht vorstellen können. Hätte ich aber müssen: Im Zeichen des Rebensaftes steht in und um Nackenheim alles. Man kann keine hundert Meter laufen (oder schwanken), ohne an einem Weingut vorbeizukommen.





Inmitten der Hänge überkamen mich intensive Flashbacks an meine (kurze und ein Vierteljahrhundert zurückliegende) Zeit als Hilfsarbeiter auf einem neuseeländischen Weingut, getriggert durch den markanten Geruch (der Erde? des Holzes?). Klar, der Zusammenhang zwischen Riechsystem und Gedächtnis ist wohlbekannt und erforscht.


Mutiges Statement in dieser Region.


Passenderweise begegnete ich einem Rebhuhn einer Fasanenhenne [korrigiert nach anonymem Hinweis]! Es Sie hatte Küken bei sich, die ich allerdings nicht fotografisch einfangen konnte.



Ein weiteres Highlight war der Königstuhl. An dieser Stelle sollen, wie die Inschrift auf einem Findling (nicht im Bild) verrät, "im September 1024 die Großen des Reiches Konrad II. als König gewählt haben" (FAZ). Der Turm ist besteigbar. In unmittelbarer Nähe: eine Sängerlinde und weitere Keckheiten.




Bald begann der eigentliche Wandergenuss in Form des Rheinterrassenwegs, der u.a. an der "schönsten Weinsicht Rheinhessens" vorbeiführt. (Meiner Meinung nach gibt es schönere.)






Überrascht war ich, als plötzlich die Frankfurter Skyline ins Blickfeld trat:








Nicht ungenannt bleiben darf der berühmteste Sohn Nackenheims, der Dramatiker Carl Zuckmayer, dessen Erfolgsstück "Der fröhliche Weinberg" (1925) von seiner Heimat inspiriert wurde.



Der gestiefelte Hater.


Glückwunsch nachträglich!


(V/F)in.