Freitag, 14. August 2026

Warum ich ungern telefoniere

Vorhin klingelt das Telefon in meinem Büro. Ich gehe ran. Die Person am anderen Ende meldet sich mit "Hallo, hier ist D.", die Stimme identifiziere ich allerdings als zu jemandem gehörig, der nicht D. heißt, sondern S. – von dem ich später einen Anruf erwarte. Ich schlussfolgere, dass mich S. necken, täuschen, verhohnepiepeln will, und setze an, zu rufen: "Aaah, ich weiß, wer da ist: Du bist S.!" In dem Moment, wo ich "Aaah" zu sagen beginne, wird mir jedoch klar, um wen es sich bei D. handelt und dass jener tatsächlich eine ähnliche Stimme wie S. hat. Jetzt kann und muss ich meinem Gesprächspartner also nicht mehr mit "Ich weiß, wer da ist" den Wind aus den Segeln nehmen, aber die Interjektion "Aaah" hat, wie gesagt, bereits meinen Mund verlassen und zieht sich nun, während ich nach einem kommunikativ tragfähigen Anschluss suche, unnatürlich in die Länge, weil ich aus irgendeinem Grund nicht in der Lage bin, sie zu stoppen. Der Anrufer muss mich für übergeschnappt oder vom Schlag getroffen halten. Nach gefühlten fünf Sekunden gelingt es mir schließlich, das albern-triumphale "Aaah" abzubrechen. D. trägt hörbar irritiert sein Anliegen vor.

Mittwoch, 12. August 2026

Highlights aus dem neuen Titelschutz-Anzeiger

  • ALNORIA Der BECHER DER VERLORENEN
  • Ben und die alte BENU
  • Das Pyramiden-Paradox der Primär-Prävention
  • Die Abenteuer von Klubschi
  • Knatterwind Die Rückkehr Der Roten Kiste
  • Lass Deine Ohren sprechen
  • Nema und das Siegel der Siedler
  • PAULA Die Geschichte der Zahnfee
  • POethik-Journal
  • RION Als SIE UNS FANDEN
Einige dieser Titel könnten glatt über Kurzgeschichten von Benjamin Weissinger stehen.

Montag, 10. August 2026

Neue Podcast-Folge, neues Let's Play

ERSTENS
kann die neueste Episode von "Seitenstraße" auf Spotify, Apple Podcasts und allen anderen geläufigen Plattformen gehört werden, was ich wärmstens empfehle.


ZWEITENS
habe ich ein neues Let's Play begonnen: ein kürzeres, simpleres und weniger unheimliches als das letzte.


Sonntag, 9. August 2026

Der gute Sonntagslink

Heute: Who Sampled, eine Datenbank, in der man über 1,3 Millionen Songs darauf hin untersuchen kann, welche anderen Songs bzw. welche sonstigen Musikstücke oder Teile davon (oder nichtmusikalische Tonauszüge) in ihnen gesampelt werden. Das macht süchtig. Recherchiere auch du, wo sich deine Lieblingsband schamlos bedient hat!

Freitag, 7. August 2026

Das nie gelungene Lied

Der gestrige Tag markierte ein bittersüßes popkulturelles Jubiläum: Vor 30 Jahren – ist es zu fassen? 1996 war doch gerade erst! – erschien mit "A Game of Thrones" der erste Band von George R. R. Martins Saga "A Song of Ice and Fire". Ich schreibe deswegen "bittersüß", weil das einerseits natürlich ein Grund zum Feiern ist (sogar tagesschau.de war es einen Beitrag wert), andererseits müssen wir uns wohl allmählich damit abfinden, dass der siebte und letzte Band, "A Dream of Spring", wohl nie erscheinen wird.

Hinsichtlich "The Winds of Winter" bin ich vorsichtig zuversichtlich, dass ich diesen Teil noch in diesem Jahrzehnt lesen werde. Und zwar mit euch gemeinsam! Erinnert ihr euch an meinen Jahreswechselbeitrag 2016/2017? Darin hatte ich eine "neue Rubrik" angekündigt, die jedoch, wie ich ein Jahr später zähneknirschend verkünden musste, "aus Unrealisierbarkeit" nicht umgesetzt werden konnte. Meine Idee war, einen "Kybersetzung-Solo-Lesezirkel" aufzumachen; dabei wollte ich als eine Art "Let's Read" den sechsten Teil von ASoIaF in Blöcken von je drei Kapiteln lesen und direkt im Anschluss meine Gedanken dazu vorstellen. Offenbar war ich Ende 2016 (da hatte die TV-Serie die literarische Vorlage gerade überholt) überzeugt davon gewesen, dass das neue Buch in greifbarer Zukunft erscheinen würde. Zu der Zeit waren schon mehrere längere Previews zugänglich gemacht worden (die ich freilich noch nicht gelesen habe!). Doch die Winter strichen ins Land, und es tat sich: nichts. GRRM verlor sich in Nebenprojekten, wurde für dies und das verpflichtet. Schlimmer noch: In seinem neuesten Blogbeitrag – dem ersten seit Februar – lässt er durchscheinen, dass er mit seiner Arbeit, ja mit seinem Leben, vor allem eingedenk seines Alters von inzwischen 77 ("getting old is no fun"), überfordert ist, von Stress, Albträumen, Traurigkeit und Depression ist die Rede. Wie weit wird dieser Zustand die Fertigstellung von "The Winds of Winter" wohl zurückwerfen? Wie gesagt, ich bin noch immer optimistisch ob einer baldigen Veröffentlichung. Bloß wann?

Man wünscht Martin alles Gute.

Mittwoch, 5. August 2026

Einblick in die Textwerkstatt

Im Rahmen meiner redaktionellen Arbeit richte ich einen externen Beitrag ein, der folgenden Satzteil enthält:

mit einer Wärme und Klugheit, die zu Herzen gehen

Daran ist nichts zu beanstanden. Oder doch? Muss oder wenigstens kann es an dieser Stelle nicht ausnahmsweise "die zu Herzen geht" heißen? Weil nur vor "Wärme" ein unbestimmter Artikel steht, so dass "eine Wärme und Klugheit" zu einer Einheit verschmelzen, ähnlich einem Hendiadyoin?

Ich blättere eine ganze Weile in der Duden-Grammatik (6. Aufl.), bis ich im Abschnitt "Der Satz" unter 2.9 "Grammatische Kongruenz" einen auf meinen Zweifelsfall anwendbaren Ratschlag finde:

1294(b)
Stehen die Subjektteile im Singular, so kommt (seltener) beim Finitum auch der Singular vor, vor allem bei Abstrakta in Subjektposition:
Der Hass, die Gewalttätigkeit nützte nichts mehr (Weiss). Die Korruption und die Verkennung der Lage fraß nach unten weiter (Tucholsky) ... da sich in ihrem Haushalt noch ihr 14-jähriger Sohn und ihre 10-jährige Tochter befinden (seltener: befindet).

Hilfreich ist auch der darauffolgende Paragraph:

Eine besonders starke Tendenz (gegen die in 1294 formulierte Grundregel), das Finitum in den Singular zu setzen, besteht in folgenden Fällen:
1. Das Finitum wird auf einen singularischen Subjektteil bezogen, der den anderen Subjektteil inhaltlich einschließt:
Er und alle Welt redet darüber schon seit Wochen. Die Mitschüler und jedermann gab zu ... (Hesse).
[...]
2. Bei formelhaften Subjekten, die oft aus Teilen ohne Artikel u. A. bestehen, steht das Finitum im Singular, wenn das Subjekt als Einheit aufgefasst wird. Der Plural ist zu setzen, wenn die Vorstellung einer Mehrheit ausgedrückt werden soll:
Singular: Grund und Boden darf nicht zum Objekt wilder Spekulationen werden. Groß und Klein (= jedermann) davon. Zeit und Geld fehlt uns. Krankheit und Müdigkeit macht auch Bauern fein (Kafka). Positives und Negatives ist zu beachten. [...] Plural: ... die verdrehten Vorstellungen, die Freund und Feind sich von diesem Lande machen (Koeppen). Unaufhaltsam wachsen ... Missmut und Unbehagen (Der Spiegel).
3. Wird in Sätzen mit zwei gleich lautenden Subjektteilen eines erspart [...], so besteht vor allem bei Abstrakta die Möglichkeit, die zusammengerückten Subjektteile als Einheit aufzufassen und das Finitum in den Singular zu setzen:
Die technische [Begabung) und künstlerische Begabung des Jungen ist (neben: sind) hervorragend.
[...]
Dies gilt auch dann,
[...]
- wenn die Zusammengehörigkeit verschiedener Subjektteile durch einen gemeinsamen Gliedteil betont wird: Alle Zerstörungswut und Herrschsucht in uns durfte sich entfalten (Weiss) ... oft geriet ihr Aussehen und Name schon in Vergessenheit (Kafka). Wir hoffen, dass Ihnen viel Freude, Glück und Gesundheit beschieden sei (neben: seien).

Das passt ja wohl wie Arsch auf Eimer! Kurzum: Ich ändere "gehen" zu "geht". Wenn das jemand in der finalen Korrekturmappe anstreichen sollte, bin ich argumentativ gerüstet.

Montag, 3. August 2026

Ein Fall von Beutelschneiderei

In der beliebten Stiftung-Warentest-Rubrik "Diese Verpackungen nerven" findet sich diesen Monat ein besonders verwerflicher Fall von Shrinkflation:


Bei der Sorte "Fenchel-Anis-Kümmel" von Teekanne wurde nicht einfach – was schneller auffallen würde – die Anzahl der Teebeutel in einer Packung verringert, sondern der Inhalt pro Beutel reduziert! Nur noch 2 statt bisher 3 Gramm Teemischung befinden sich in einem Beutel, was sich deutlich auf die Ergiebigkeit bei der Teezubereitung und also auf die Intensität auswirken dürfte. Und vor allem: "Das ist eine Preiserhöhung von 50 Prozent", wie Leserin E. aus R. korrekt anmerkt. Der Hersteller begründet die Maßnahme mit "gestiegenen Kosten".

Samstag, 1. August 2026

Serientagebuch 07/26

01.07. Company Retreat 1.03
Company Retreat 1.04
02.07. Widow's Bay 1.06
Widow's Bay 1.07
03.07. Leverage 3.10
06.07. The Simpsons 37.17
Company Retreat 1.05
08.07. Company Retreat 1.06
09.07. Leverage 3.11
Widow's Bay 1.08
Widow's Bay 1.09
10.07. Leverage 3.12
11.07. Widow's Bay 1.10
14.07. Company Retreat 1.07
15.07. Company Retreat 1.08
19.07. Outer Range 2.01
21.07. Outer Range 2.02
24.07. House of the Dragon 3.01
House of the Dragon 3.02
25.07. House of the Dragon 3.03
House of the Dragon 3.04
26.07. Outer Range 2.03
27.07. Leverage 3.13
28.07. House of the Dragon 3.05
29.07. Outer Range 2.04

(Übernatürlichen) Horror mit Humor zu verbinden, ist ein heikles Unterfangen. In der ersten Staffel von "Shining Vale" hat es noch leidlich funktioniert, in der zweiten gar nicht mehr (ich berichtete). Umso erleichterter bin ich, dem Apple-Zehnteiler Widow's Bay bescheinigen zu können, dass ihm dieses Kunststück gelingt. Denn gefreut hatte ich mich schon beim Lesen der Inhaltsangabe: Eine abgeschiedene Insel als Schauplatz, ein uralter Fluch, Stephen Root und Episodenlängen von kaum mehr als 30 Minuten, das sind Zutaten für ein Unterhaltungspaket nach meinem Gusto!
Nicht nur ich bin voll des Lobes, auch alle drei deutschsprachigen Kritiken, denen ich begegnete, hielten große Stücke auf "Widow's Bay", das inzwischen um eine weitere Staffel verlängert wurde. Fürwahr: Der Grusel ist richtig gruselig, während mich die komischen Szenen laut auflachen ließen. Beides steht dabei für sich, hier wird nichts auf Teufel (!) komm raus vermischt. Die Figuren (für mich eine Entdeckung: Matthew Rhys! Er erinnert bisweilen an Steve Carell) sind verschroben, aber liebenswert, darin dem Ensemble von "Parks and Recreation" nicht unähnlich, was kaum verwundert, gehörte Serienschöpferin Katie Dippold doch zum Autorenpool jener Sitcom. (Btw bin ich gerade noch mal die Episodenliste von "Parks & Rec" durchgegangen: Wow, da wirkte ja wirklich die Crème de la Crème der Comedy-writing-Szene mit!)

Apropos: Ebenso quirky und spinnert wie jenes von "Widow's Bay" kommt das Figurenpanoptikum bei Company Retreat daher. Solche Charaktere gibt's nur im Fernsehen ... bzw. eben nicht!? Womöglich liegt es daran, dass heutzutage dank Social-Media-Selbstdarstellung jeder/jede Erik/-a Mustermann eine unverwechselbare persona mit Ecken und Kanten kultiviert, dass wir Kunstfiguren nicht mehr als solche zu erkennen vermögen. Als Stellvertreter für "uns" steht in "Company Retreat" ein durchschnittlicher, nicht mal übermäßig naiver, dafür sehr zugewandter und selbstloser Bursche namens Anthony, der sich als Zeitarbeiter in einer Dokumentarreihe über ein Familienunternehmen wiederfindet, die in Wahrheit eine Mockumentary ist, oder präziser: eine Workplace-Comedy, in der alle Beteiligten Schauspieler sind außer er selbst. Das klingt wie die Prämisse des erfreulichen Formats "Jury Duty"? Es ist ja auch dieselbe! Tatsächlich trägt "Company Retreat" den Obertitel "Jury Duty Presents", und das kreative Team hinter der innovativen Pseudo-Gerichtsshow hat für diese quasi zweite Staffel den Aufwand mächtig aufgebläht, um das angebliche Firmenevent eines fiktiven Würzsoßenherstellers so kurzweilig und abenteuerlich wie möglich und dabei glaubwürdig zu gestalten (Tipp: Unbedingt das Making-of und das sonstige Bonusmaterial auf Amazon Prime schauen!); nach dem Motto: Das ist so wahnwitzig, das kann man sich nicht ausdenken!

Donnerstag, 30. Juli 2026

Angélique

Im Nackenheimer Bücherfass (s. Beitrag vom 24.7.) fiel mir etwas auf.


"Angélique" ist eine Romanreihe, deren Bände "in 45 Ländern bei 320 Herausgebern mit einer Gesamtauflage von etwa 150 Millionen Exemplaren verlegt" wurden, weiß Wikipedia. Das hier links stehende Buch der französischen Autorin (1921-2017) hielt sich "17 Wochen lang in den Jahren 1962 und 1963 auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste". Wikipedia unterschlägt dabei etwas: das Komma. "Angélique die Rebellin" heißt der Titel in der dortigen Bibliographie, womit er die später erschienene deutsche Ausgabe von "Angélique à Québec" spiegelt: "Angélique die Siegerin". Er lautet aber, wie man klar erkennen kann: "Angélique, die Rebellin". Was ist in den fast 20 Jahren zwischen "Rebellin" und "Siegerin" bei Blanvalet geschehen?

Der Berliner Verlag hat auch die überarbeiteten Fassungen ab 2008 besorgt und ist die Kommafrage dabei clever umgangen: Die Übersetzung der Neuversion von "La Marquise des Anges" trägt analog zur upgedateten französischen Vorlage den Titel: "Angélique. Die junge Marquise".

Dienstag, 28. Juli 2026

Soulfood, buchstäblich

Im Allgäu habe ich neulich zum ersten Mal eine Seele gegessen. Ich kannte den Ausdruck, hatte aber immer gedacht, es handele sich um ein regionales Synonym für "Brötchen". Diese Seele jedenfalls war ein mit mit Sauerrahm und sauren Gurken belegtes und mit Käse überbackenes Baguette. So köstlich wie simpel – derart simpel, so wurde mir an Ort und Stelle klar, dass ich unbedingt mal selbst eine Seele würde zubereiten müssen!


Also kaufte ich gestern ein Steinofen-Baguette (Rewe-Bio), einen Becher Sour Cream, vegane Schinkenwürfel (Billie Green) und ein Stück Bergkäse. Cornichons hatten wir noch zu Hause. Dort teilte ich das Baguette, bestrich beide Hälften erst mit Butter, dann mit der Sour Cream, verteilte die Schinkenwürfel und die Gürkchen (in Scheibchen) darauf und rieb zuletzt den Käse darüber. Variationen und Ergänzungen sind denkbar, bspw. kann, wer will, den veganen Schinken durch tierischen ersetzen und/oder diesen mit Röstzwiebeln toppen. Ich habe lediglich, nachdem ich das Teilchen aus dem Ofen gezogen habe (backen nach Packungsaufdruck), etwas Chili und frisch gemahlenen Pfeffer auf die Käseschicht gestreut.

Ein Baguette ergibt zwei Seelen und macht zwei Personen satt und selig.

Montag, 27. Juli 2026

Sayers re-revisited

Jahrelang war ich auf der Suche danach gewesen, oder sagen wir, jahrelang hatte es auf meiner Amazon-Einkaufsliste gestanden, neulich nun, als ich routinemäßig mal wieder draufschaute, war das vergriffene Bändchen gebraucht und obendrein günstig zu haben: die gesammelten "5 minute comics" von Joey Alison Sayers:


Wie ich einst auf dieses Schnellzeichen-Projekt aufmerksam geworden bin, weiß ich nicht mehr. Auf der Homepage der Künstlerin findet sich jedenfalls kein Verweis darauf, wie auch der Link zu ihren regulären Strips inzwischen ins Leere führt. Ich kann es Webcomic-Begeisterten nur immer wieder ans Herz legen: Kauft gedruckte Werke eurer liebsten Online-artists, denn im Gegensatz zum Internet, aus welchem ein Webcomic nach dem anderen verschwindet, ist Papier geduldig. Und was ein Segen, dass die 5-Minuten-Comics in Buchform erschienen sind! Sie sind wirklich (größtenteils) sehr komisch.



Sonntag, 26. Juli 2026

Neues Geld im Anmarsch!

Die meisten von euch werden es mitbekommen haben: Die Euro-Banknoten sollen ein neues Design bekommen, und wir, die Bürgerinnen und Bürger der EU, dürfen mitentscheiden, welches. Zwischen zehn Entwürfen können wir wählen. Den Link zur Online-Abstimmung werde ich nicht einfügen, denn der wird wahrscheinlich in ein paar Jahren ins Leere führen; Bilder der Scheine mag ich auch nicht posten, wegen Copyright-Blabla. Wer nach "Euro-Banknoten" + "Abstimmung" googelt, findet die entsprechende EZB-Seite auf Anhieb. Ich persönlich bin ein großer Fan der Vogelmotive.

Freitag, 24. Juli 2026

Nich' lang schnacken, Kopp nach Nacken(heim)

Mein Wandersoll für diesen Monat war schon übererfüllt, als es mich an einem meiner (äußerst raren, wie ich stets hinzuzufügen verpflichtet bin!) freien Tage packte und ich einen Solo-Hike in der Nähe von Mainz unternahm. Hier sind ein paar Impressiönchen:


Ankunft in Nackenheim. Auf diesem fast menschenleeren Platz in Bahnhofsnähe stand ein kabelloser Lautsprecher (links unten), aus dem Ballermann-Mucke der primitivsten Sorte dröhnte.


In Nackenheim sollte just einen Tag später das jedes Jahr am letzten Juliwochenende stattfindende Weinfest starten. Die Vorbereitungen liefen heiß, zahlreiche Verköstigungsbuden waren bereits aufgestellt.


Die Gemeinde feierte 2022 ihr 1250-jähriges Bestehen. Das weiß ich, weil es in der FAZ-Wanderbeschreibung vom September '22 stand, welcher ich folgte.


Sehr gut gefallen hat mir die Gestaltung der zwei Bücherschränke im Stadtgebiet: Es sind "Bücherfässer".


Eine weitere Besonderheit stellt der hiesige Friedwingert dar:


Dass das rheinland-pfälzische Bestattungsgesetz ziemlich liberal ist, wusste ich ja, aber diese Art der letzten Ruhestätte hatte ich mir nicht vorstellen können. Hätte ich aber müssen: Im Zeichen des Rebensaftes steht in und um Nackenheim alles. Man kann keine hundert Meter laufen (oder schwanken), ohne an einem Weingut vorbeizukommen.





Inmitten der Hänge überkamen mich intensive Flashbacks an meine (kurze und ein Vierteljahrhundert zurückliegende) Zeit als Hilfsarbeiter auf einem neuseeländischen Weingut, getriggert durch den markanten Geruch (der Erde? des Holzes?). Klar, der Zusammenhang zwischen Riechsystem und Gedächtnis ist wohlbekannt und erforscht.


Mutiges Statement in dieser Region.


Passenderweise begegnete ich einem Rebhuhn einer Fasanenhenne [korrigiert nach anonymem Hinweis]! Es Sie hatte Küken bei sich, die ich allerdings nicht fotografisch einfangen konnte.



Ein weiteres Highlight war der Königstuhl. An dieser Stelle sollen, wie die Inschrift auf einem Findling (nicht im Bild) verrät, "im September 1024 die Großen des Reiches Konrad II. als König gewählt haben" (FAZ). Der Turm ist besteigbar. In unmittelbarer Nähe: eine Sängerlinde und weitere Keckheiten.




Bald begann der eigentliche Wandergenuss in Form des Rheinterrassenwegs, der u.a. an der "schönsten Weinsicht Rheinhessens" vorbeiführt. (Meiner Meinung nach gibt es schönere.)






Überrascht war ich, als plötzlich die Frankfurter Skyline ins Blickfeld trat:








Nicht ungenannt bleiben darf der berühmteste Sohn Nackenheims, der Dramatiker Carl Zuckmayer, dessen Erfolgsstück "Der fröhliche Weinberg" (1925) von seiner Heimat inspiriert wurde.



Der gestiefelte Hater.


Glückwunsch nachträglich!


(V/F)in.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Kurz notiert: Supermarktpsychologie

"Seit einiger Zeit zeichnet der Discounter Lidl viele reguläre Preise in Rot aus. Dahinter stecke eine langfristige Strategie, sagt der Heilbronner Professor Carsten Kortum." So wird ein SWR-Beitrag aus dem April dieses Jahres eingeleitet. Natürlich war mir die Umstellung, die der Konzern mit dem vorgeschobenen Argument der "besseren Lesbarkeit" begründet, direkt aufgefallen. Auch auf den Preisschildchen bei Netto (nicht der mit dem Hund; den gibt's bei uns gar nicht) prangen rote Zahlen. 'Verdammt, das funktioniert bei mir!', dachte ich beim Einkaufen sogleich. Die Signalfarbe Rot suggeriert: Billig, extra, reduziert, Sonderangebot, zuschlagen!!! "Funktionieren" tut der Trick bei mir freilich nur insoweit, als mein Blick erst mal ganz unvoreingenommen auf den Betrag wandert; ich greife nicht wie hypnotisiert zu! Hingucken lohnt sich so oder so, sind doch die Preise bei Lidl wie Netto generell niedriger als etwa bei Rewe. Noch lohnenswerter ist im Übrigen das Studieren des Kleingedruckten, i.e. des Kilogramm- oder Literpreises.

Montag, 20. Juli 2026

Woran man Spam erkennt:

Daran, dass bereits die Absenderzeile eine Lüge enthält.


Die Betreffzeile wiederum war leer. Das üben wir noch, gell, "Edwin"?

Freitag, 17. Juli 2026

Torsten testet Nachahmerprodukte: Sandwich-Waffeln

Ich muss vorwegschicken, dass ich Kinder Cards nicht mehr als zweimal in meinem Leben gegessen haben dürfte, und das letzte Mal ist schon etliche Jahre her, aber in meiner Erinnerung rangiert dieser Waffelsnack unter allen Süßigkeiten der Marke Kinder (wo der Wortbestandteil Süß- in sehr dicken Lettern gedacht wird) weit oben. Nun hat ein Produkt seinen Weg in unseren Haushalt gefunden, das mich sofort an Kinder Cards denken ließ. Und das soll wohl auch so sein: ja! Sandwich Waffeln haben nicht nur die Anmutung von Spielkarten, sondern auch wenn nicht dieselbe, so wenigstens eine ähnliche (man müsste mal nachmessen) Größe wie das offensichtliche Ferrero-Vorbild. Zwischen den zarten, vom Eigengeschmack her eher neutralen Waffeln schmiegen sich Schokoladen- und Milchcreme, nicht zu dünn, nicht zu dick. Beim Reinbeißen krümelt es nur dezent, und man läuft wenig Gefahr, sich allzu arg vollzusauen. Zwei "Karten" befinden sich in einer kunstoffumhüllten Einheit, von denen sich wiederum fünf in einer Packung befinden. Fazit: Kann man bedenkenlos (für im Vergleich wenig Geld) kaufen und genießen; 7/10 Punkten.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Neues Altes (April-Juli '26)

  • Archäologen entdecken Bibergrube aus der Jungsteinzeit bei Alsleben (mdr.de, 4. Mai) Ein Fund an der Saale, die rund 7000 Jahre alten Reste von mindestens zwölf Bibern, "liefert seltene Hinweise darauf, welche Rolle Pelzherstellung, Jagdstrategien und Kleidung bereits in der frühen Jungsteinzeit spielten".
  • Bei Schulausflug auf Bauernhof: Bub (6) macht Sensationsfund (Kurier, 11. Mai) Der Junge entdeckte im norwegischen Dorf Brandbu ein 1,30 m langes Schwert, das aus einem Acker ragte. Das überragend gut erhaltene Objekt soll 1300 Jahre alt sein, also "aus der Merowingerzeit oder dem Beginn der Wikingerzeit" stammen.
  • Stinkendes Notizbuch in mittelalterlichem Klo gefunden (wdr.de, 12. Mai) In Paderborn wurde ein in 700 bis 800 Jahre altes, gut erhaltenes, in Leder und Holz gebundenes und innen beschriebenes Buch gefunden – in einer Latrine. Womöglich handelt es sich um das Notizbuch eines Kaufmanns.
  • Muscheln und Schnecken der Saison (Spektrum.de, 18. Mai) Eine Untersuchung von Weichtierschalen, die in rauen Mengen in der spanischen Höhle Las Aviones gefunden wurden und ein Alter von 115.000 Jahren aufweisen, legt nahe, dass die Ernährungsvorlieben des Neandertalers denen des Homo sapiens, der erst 100.000 Jahre später die Bühne betrat, ähnelten. Demnach wurden Meeresfrüchte bevorzugt in der kalten Jahreszeit konsumiert. Das "könnte damit zusammenhängen, dass die Neandertaler den Rest des Jahres anderswo lebten; vielleicht verdarben die Muscheln und Schnecken während des Winters aber auch weniger schnell oder schmeckten besser".
  • Toter von Pompeji identifiziert – das war sein Beruf (t-online, 20. Mai) Einer jener 13 an dem als "Garten der Flüchtenden" bekannten Weinberg gefundenen Menschen hatte zum Zeitpunkt seines Todes unmittelbar nach dem Ausbruch des Vesuv einen Gegenstand bei sich, der den Eindruck eines "antiken Medizinkoffers" machte. Nach einer Analyse mit modernsten Methoden steht fest, dass das "Köfferchen eine Stofftasche mit Bronze- und Silbermünzen, ein Kästchen aus organischem Material sowie eine Reihe von Instrumenten, die zu einem medizinischen Set passen", enthielt. "Außerdem fanden sich eine Schieferplatte, die in der Antike zur Herstellung medizinischer oder kosmetischer Substanzen verwendet wurde."
  • Überraschung aus der Steinzeit: Vater und Sohn durch hunderte Kilometer getrennt (Der Standard, 21. Mai) Der Sohn eines um 3100 v. Chr. im hessischen Niedertiefenbach beigesetzten Mannes "fand seine letzte Ruhe rund 225 Kilometer weiter nördlich, in einer in den Fels geschlagenen Kammer bei Sorsum" bei Hildesheim – "der bisher größte dokumentierte geografische Abstand zwischen Verwandten ersten oder zweiten Grades aus dem Neolithikum". Anschließende Untersuchungen mehrerer Bestattungsplätze ergeben das Bild eines regelrechten Netzes mit "weitreichende[n] biologische[n] Verbindungen".
  • Neue Studie löst altes Rätsel: So übersteht diese Pyramide jeden Erdstoß seit Jahrtausenden (merkur.de, 26. Mai) Die Stabilität der Cheops-Pyramide: garantiert wird sie durch einen messbaren Unterschied zwischen den Eigenfrequenzen von Bauwerk und Untergrund, wodurch das sog. Resonanzphänomen vermieden wird. Druckkammern spielen dabei eine Rolle. "Die Pyramide vereint mehrere geometrische Prinzipien, die Ingenieure auch heute noch als vorbildlich bezeichnen würden."
  • Der nackte Brite aus Kreide wird aufgehübscht ("Spiegel online", 28. Mai) "[S]owohl stärkere Regenfälle als auch heißere Sommer" haben dem zwischen 700 und 1100 n. Chr. angefertigten Riesen von Cerne Abbas zugesetzt, weswegen die Umrisse des 55 Meter großen Scharrbildes früher als nach dem üblichen Turnus nachgezogen werden. "Die Neuverkreidung soll bis zu 15 Tage in Anspruch nehmen. Rund 300 Mitarbeiter und Freiwillige des National Trust werden laut der BBC daran beteiligt sein und etwa 17 Tonnen frische Kreide den steilen Hang hinauftragen."
  • Acht Meter unter dem Mainufer tauchen 2400 Jahre alte Gemäuer aus der Eisenzeit auf ("Welt online", 1. Juni) Eine eisenzeitliche Konstruktion aus Stein und Holz wurde am Mainufer in Aschaffenburg freigelegt. Sie stammt aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert und ist somit wohl der keltischen La-Tène-Kultur zuzuordnen. Über den Nutzen des "vermutlich auch repräsentativen Bauwerk[s]" ist (noch) nichts bekannt.
  • Keltisches Fürstengrab im Taunus entdeckt (Hessenschau, 8. Juni) Teile eines Streitwagens, goldene Ringe, Schmuckperlen, eine etruskische Kanne und mehr: Die Grabbeigaben im schon jetzt als Sensation geltenden Bad Camberger Grab deuten auf eine höhergestellte Persönlichkeit hin, die zu Beginn der frühen Eisenzeit gelebt hat.
  • Schülerin findet keltischen Armring aus Bronze - per Zufall (Hessenschau, 15. Juni) "Es handelt sich um ein rund 2.700 Jahre altes Schmuckstück aus der frühen Eisenzeit", welches eine Zwölfjährige in Büdingen in der Wetterau geborgen hat: einen Armring aus Bronze, der wohl Teil einer ganzen Tracht aus der Hallsteinzeit gewesen war. Der Fund bestätige, "dass der Glauberg bereits seit der frühen Eisenzeit besiedelt war. Zudem könnten solche Einzelfunde wichtige Hinweise auf mögliche bisher unentdeckte Grabhügel bieten - und seien deshalb ein Glücksfall für die Forschung".
  • Unberührte Maya-Stätte im mexikanischen Dschungel entdeckt ("Spiegel online", 24. Juni) Die 15 Hektar große Stadt, deren Reste im Bundesstaat Campeche entdeckt wurde, ist Minanbé getauft worden (aus der Maya-Sprache mit "Es gibt keinen Pfad" zu übersetzen). Neben Hieroglyphentexten barg der auf die Zeit zwischen 600 und 900 n. Chr. datierte überwucherte Ruinenkomplex einen "13 Meter hohen Pyramidentempel, Altäre, palastartige Gebäude, Plätze, Wasserkanäle sowie einen Stein mit einer eingravierten Enthauptungsszene".
  • Über 2.000 Jahre alte menschliche DNA in Höhlen Spaniens und Portugals entdeckt (AOL, 24. Juni) Eine internationale Studie zeigt, "dass Felsoberflächen menschliche genetische Spuren über Tausende von Jahren bewahren können", konkret "menschliche DNA nicht nur auf einer mit Pigmenten bedeckten Oberfläche der portugiesischen Höhle von Escoural, sondern auch in Bereichen ohne Malereien in [der Höhle von Maltravieso in Cáceres] und in der asturischen Höhle Covarón" sowie auf weiteren "Tafeln mit Felskunst aus elf Höhlen in Spanien und Portugal". "Von den analysierten Proben stammen drei von Frauen, eine von einem Mann; eine weitere ließ sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen." (Ausführlicher auch die Tagesschau)
  • Neues Rätsel um Frühmensch Homo naledi: Warum lagen in einer Höhle nur weibliche Skelette? (National Geographic, 25. Juni) 20 von 20 Individuen in der südafrikanischen Rising-Star-Höhle wurden als weiblich identifiziert. Der Artikel geht ausführlich auf die Methodik der Geschlechtsbestimmung bei 300.000 Jahre alten Skeletten ein und wägt diverse Erklärungsversuche ab: Kulturelles Verhalten, sprich eine zielgerichtete Bestattung, sei bei frühen Homininen wie dem Homo naledi mit seinem relativ geringen Gehirnvolumen wenig wahrscheinlich. Solch ein Verhalten wäre tatsächlich ein Indiz für "eine Praxis, die ein Maß an abstraktem Denken voraussetzt, das bislang nur dem Menschen zugeschrieben wurde".
  • Spannender Fund in Nidderau gibt Einblicke in das Leben der Kelten (Hessenschau, 30. Juni) Sieben Gräber aus der Zeit von vor 2500 Jahren bargen Angehörige der keltischen Mittel- und Oberschicht, darunter einen mutmaßlichen Krieger, der "mit Schwert und Speer bestattet" wurde. Folgeuntersuchungen sollen u.a. klären, "ob die Menschen körperlich schwer arbeiten mussten und ob sie ausreichend Nahrung hatten. Auch mögliche Krankheiten, das Alter oder Familienverhältnisse können zum Teil aufgedeckt werden".
  • Stätte in Nordirland könnte zu den frühesten stadtähnlichen Siedlungen Europas gehören ("Spiegel online", 1. Juli) "In Haughey's Fort in der Nähe von Armagh soll es bereits ab etwa 1200 v. Chr. Besiedlung gegeben haben." Alles deutet auf ein bronzezeitliches "proto-urbanes Zentrum" hin, mit "Handwerksproduktion, Tauschhandel und gemeinschaftliche Aktivitäten", das zudem wahrscheinlich in Zusammenhang mit der bedeutsamen Stätte King's Stables und den Creeveroe-Erdwällen steht.
  • Der Hobbit-Mensch aß, was die Drachen übrigließen (National Geographic, 8. Juli) Die "Hobbits" auf der indonesischen Insel Flores haben offenbar nicht, wie man lange annahm, selbst gejagt. Wie ein kurioses Beiß-Experiment jetzt gezeigt hat, ernährte sich der Homo floresiensis von Kadavern des Rüsseltiers Stegodon, jedoch nur von Exemplaren, die Warane zuvor erlegt hatten. Immerhin: "Um das Fleisch vom Knochen zu trennen, nutzten sie Werkzeuge."
  • 2000 Jahre alte Gräber und byzantinische Stadt in der ägyptischen Wüste entdeckt (Deutschlandfunk, 6. Juli) "Die Gräber in Marina El-Alamein wurden etwa hundert Kilometer westlich von Alexandria gefunden" und enthielten "menschliche Überreste, Töpferwaren, Amphoren und andere Grabbeigaben". "Es wird angenommen, dass es sich bei dem Fundort um die antike Stadt Leukaspis handelt, ein Mittelmeerhafen, der zwischen der hellenistischen und der byzantinischen Zeit seine Blütezeit erlebte." Die Überreste einer komplexen byzantinischen Wüstensiedlung aus dem 4. Jahrhundert wurden unabhängig davon freigelegt.
  • Archäologen entschlüsseln Namen eines Maya-Astronomen ("Spiegel online", 14. Juli) Der Mathematiker, der im 8. Jahrhundert (Zeit der Maya-Klassik, 250-900) gelebt haben soll, habe Sak Tahn Waax geheißen, was so viel wie "Weißbrustfuchs" bedeute. Zu Grunde lagen "astronomische Berechnungen an der Wand einer Kammer in der Maya-Ruinenstadt Xultún" (Guatemala).
  • Bislang unbekanntes Grab bei Luxor entdeckt: Hinweise auf einen Würdenträger der Ramessidenzeit (herder.de, 14. Juli) Im Bereich Sheikh Abd el-Qurna stieß ein Forschungsteam auf eine dem Neuen Reich zuzuordnende "Grabanlage östlich des bekannten thebanischen Grabes TT 45". "Zu den bedeutendsten Funden gehören die Wanddekorationen im Inneren der Anlage. Mehrere Darstellungen nennen den Namen des Grabherrn 'Paser'."

Montag, 13. Juli 2026

Abt. Gute Ortsnamen

Dass US-amerikanische Gemeinden von heute auf morgen und nach Lust und Laune ihren Namen ändern dürfen, erfuhr ich aus einem Abschnitt über Ortsnamenwechsel in Ken Jennings' Geographieschmöker "Maphead". Sicher, ein paar Hürden mag es für solche gravierenden Schritte geben, doch scheinen diese niedriger zu liegen als etwa in Deutschland. Zum Beispiel können die Einwohner einer Stadt darüber abstimmen, so geschehen im Bundesstaat New Mexico:

Ursprünglich hieß die Stadt Hot Springs. Am 31. März 1950 beschlossen die Bürger der Stadt mit 1294 zu 295 Stimmen sie nach der Quizshow Truth or Consequences von Ralph Edwards umzubenennen. Edwards hatte versprochen, die Rundfunksendung in der Stadt zu produzieren, die als erste den Namen der Show annimmt. Heute wird ihr Name von der Bevölkerung New Mexicos meist zu T or C abgekürzt. (Quelle: Wikipedia)

Könntet ihr euch vorstellen, in "Gefragt, gejagt (Bayern)" oder "Familienduell (Mecklenburg-Vorpommern)" zu leben? Nun, immerhin hatten wir kurzzeitig Swiftkirchen. Im Übrigen wollen wir das Fass Halfway, Oregon (Amerikas erste "Dot-Com-City") genau so ungeöffnet lassen wie Kiefer Sutherlands Neo-Noir-Thriller "Truth or Consequences, N.M.", in dem der nach 1950 beobachtet Umbenennungseffekt offenbar behandelt wird.

Samstag, 11. Juli 2026

Schrödingers Buchstabenkästchen

Über Uneindeutigkeiten im Kreuzworträtsel habe ich mich in diesem Blog schon zweimal ausgelassen. Die "Trick/Track"- und die "Sambia/Gambia"-Ambiguität waren ja schon empörend, ebenso wie diese von mir über die Jahre gesammelten Fälle:

NT oder AT?

Fa oder La?

Xi oder Pi?

mir oder dir?

Ralf oder Rolf?

Dem Fass den Boden aus schlug aber das Stern-Schwedenrätsel der Kalenderwoche 28, ergeben sich doch ebd. an einer Stelle gleich drei Alternativen:


Soll ich hier "hemi" (griechisch), "semi" (lateinisch) oder "demi" (französisch) eintragen? Alle drei Vorsilben sind gebräuchlich und bedeutungsgleich. Ich möchte bei dieser Gelegenheit an den Fakt erinnern, dass eine Vierundsechzigstelnote auf englisch hemidemisemiquaver heißt.