Dienstag, 16. Juni 2026
Von echtem Schrot und Cornbread
Sonntag, 14. Juni 2026
Edeka-Lyrik
Unsere Heimat: Blumenkohl.
Wo mehrt sich Frische Blatt für Blatt?
Im Heimatlande Blumenkohl.
Wo streut man Semmelbrösel fein?
Genuss ist unser Heart & Soul
Und unsre Heimat: Blumenkohl.
Wo schmäht man Lauch und Brokkoli?
Der Souverän heißt Karfiol
In unsrer Heimat Blumenkohl.
Freitag, 12. Juni 2026
Over my dead body!
Mittwoch, 10. Juni 2026
Videospieltipp: Goat Simulator 3
Vor etwas über zehn Jahren erregte ein Titel des kleinen schwedischen Entwicklers Coffee Stain Studios Aufmerksamkeit in der Gaming-Szene und bescherte auch mir ein paar kurzweilige Sessions am PC: Goat Simulator. Es war die Welle der immer alberner werdenden Gimmickspiele à la "Octodad" (man steuert einen menschlichen Oktopus) oder, kurz darauf, "I Am Bread" (man steuert eine Scheibe Toast), welche den Gaga-Faktor von bereits nicht ganz ernstgemeinten Tätigkeitssimulationen wie "Cooking Simulator" oder "Surgeon Simulator" auf die Spitze trieb. Im Grunde stellte eine Ziege als Hauptfigur sogar einen Rückschritt dar; trotz Unsterblichkeit, übermenschlichentierischen Fähigkeiten und grotesker Ragdoll-Physik war das hier irgendwie realistisch, hatte Hand und Huf. Zudem war die Spielwelt beachtlich umfangreich, bot echte Quests und war mit Liebe gestaltet. Dennoch legte ich den "Goat Simulator" alsbald unbeendet beiseite, hakte das Kapitel als Kuriosum, das seinen nischigen Platz in der Spielehistorie hatte, ab und dachte ewig nicht mehr daran.
Bis ich vor einigen Monaten in der Xbox-Game-Pass-Bibliothek den Goat Simulator 3 entdeckte. Nanu, dachte ich, der zweite Teil ist völlig an mir vorbeigegangen! (Des Rätsels Lösung: Einen zweiten Teil hat es nie gegeben.) Ich installierte den Trumm und spiele ihn seither mit heller Begeisterung. Sich nach der Arbeit für eine Stunde in der lebendigen, detailreichen Open World zu verlieren, ist herrlich, zumal diese einen Umfang bietet, der mich an GTA V erinnert. Der Vergleich ist natürlich Quatsch, denn GS3 ist deutlich kleiner, es wirkt aber riesig; nicht zuletzt ist die Ziegen-Sim mit Anspielungen auf die Grand-Theft-Auto-Karte(n) vollgestopft. Das Gameplay beschränkt sich dabei nicht auf das Erkunden – und effektvolle Zerstören – der Insel San Angora (see what they did there?), sondern umfasst auch das Bewältigen von Aufgaben aller Art. Mal hilft unsere gehörnte Protagonistin in Not geratenen Menschen, mal sammelt sie Gegenstände, verschönert Wände, muss aus einem Spukhaus entkommen, an einem Meditationskurs teilnehmen oder Pflanzen zum Wachsen bringen. Mit der gesamten Umgebung kann, per Kopfstoß oder mit der unendlich strapazierfähigen Klebezunge, interagiert werden, regelrechtes Terraforming ist möglich, alles ist verschieb-, brenn- und abreißbar. Chaos ist das vorrangige Ziel. Aber eben nicht nur: Wir rüsten auf, modifizieren unseren Leib, legen eine bunte Kollektion verrückter Items und Outfits an, kapern Fahrzeuge und finden jede Menge Easter Eggs. Dass das alles einigermaßen reibungslos und bugfrei funktioniert (punktuelle Clippingfehler und mehr ulkige denn störende Glitches sind unvermeidbar) und dank Unreal Engine 4 recht apart aussieht, lässt mich den Hirtenhut ziehen.
Montag, 8. Juni 2026
Zwei Trends
In den letzten Monaten sind mir zwei Entwicklungen im deutschen Alltag aufgefallen: eine die Sprache, die andere Umgangsformen betreffend.
1.) Beim Bezahlvorgang vernimmt man von Kassenpersonal bzw. Gaststättenbedienungen jetzt häufig die Frage: "Mit der Karte?" Das Augenmerk sei dabei auf den Artikel gelenkt. Wann ist dieser obligatorisch geworden? Früher reichte doch ein simples "Mit Karte?", wenn man wissen wollte, ob jemand mit Karte zahlt! Ich würde ja verstehen, dass man von "der Karte" spricht, wenn unser Waren- und Wirtschaftssystem einen Grad futuristischen Universalismus erreicht hätte, wo es tatsächlich nur noch eine einzige Chipkarte gibt, die für alle möglichen Transaktionen eingesetzt wird – Die Karte™ eben. Aber ich für meinen Teil kann allein zum Bezahlen auf vier verschiedene kartengebundene Optionen zurückgreifen.
Die Kundschaft übernimmt diese Marotte allmählich. An der Supermarktschlange hörte ich schon das ein oder andere Mal die Aussage "Mit der Karte, bitte".
2.) Die im öffentlichen Personenverkehr lange geltende Regel "Erst aussteigen lassen, dann einsteigen" scheint außer Kraft gesetzt. Möchte ich eine U- oder S-Bahn verlassen, muss ich mich neuerdings durch ungehemmte Grobianmassen quetschen und schlagen, die unmittelbar nach dem Aufgehen der Türen in das Fahrzeug strömen, als bestünden die Aussteigenden aus Luft. Willkommen in der Ellenbogengesellschaft!
Samstag, 6. Juni 2026
Neu in Ihrem Postfach: Metabetrug
Gestern fischte ich aus meinem Spam-Eingang eine Mail, die mir kein Geringerer als der aktuelle FBI-Direktor (!) geschrieben hat:
Mein Name ist Kash Patel, Direktor des Internet Crime Complaint Center (IC3)/FBI. In Zusammenarbeit mit der Weltbank wurde eine Entschädigungszahlung in Höhe von 50.000,00 Euro bewilligt. Diese Zahlung soll Opfern von Betrug in verschiedenen Bereichen helfen, darunter Erbschaften, Verträge, Lotterien, Liebesbetrug, diplomatische Zahlungen, betrügerische Kreditgeschäfte, erfolglose Investitionen und Bitcoin-Betrug. Auch Opfer von BEC-Betrug (auch bekannt als Überweisungsbetrug) können unterstützt werden. Der Fonds wurde zur Begleichung der entstandenen Schäden bewilligt. Sie sind berechtigt, diese Gelder zu erhalten, sofern Sie zuvor ein betrügerisches Angebot erhalten haben. Viele Menschen haben durch skrupellose und bösartige Betrüger, die sich bereichern und unschuldige Menschen ins Elend stürzen wollen, unermessliches Leid erfahren.
Sie haben Anspruch auf diese Entschädigungszahlung, sofern Sie eine betrügerische Nachricht erhalten haben, egal auf welchem Wege.
Stark! Da wäre ich ja schon blöd, wenn ich darauf nicht eingehen würde. Denn berechtigt bin ich allemal: Anspruch auf die 50K hat schließlich, wer eine betrügerische Nachricht auch nur erhalten hat; man braucht nicht mal tatsächlich betrogen worden zu sein. Die Mail endet übrigens mit dem Satz "Bitte antworten Sie, falls Sie diese Nachricht erhalten haben", welcher mich direkt zu einem modernen Kōan inspiriert hat: Kann ich auf eine Mail antworten, die ich nie bekommen habe?
Donnerstag, 4. Juni 2026
Der große Gatsby
Genau einhundert Jahre nach seinem Erscheinen habe ich (na gut, mit einem Jahr Verspätung) F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby" gelesen, im Original. Das Erste, was mir auffiel, als ich den Roman in den Händen hielt, war: Huch, das ist ja ein schmales Bändchen! Die zweite, ernüchternde Erkenntnis stellte sich nach wenigen Seiten der Lektüre ein: Nun schon mehr als die Hälfte meines Lebens rezipiere ich tagtäglich (!) in irgendeiner Form englische Texte, und doch beherrsche ich diese Sprache praktisch überhaupt nicht. Naa, das ist übertrieben, aber trotzdem: Unbekannte Wörter und Phrasen begegneten mir auf fast jeder Seite. Was im Übrigen nicht dem Alter des Stoffes, sondern Fitzgeralds anspruchsvollem Stil geschuldet ist.
Wie hat mir das Buch gefallen? Viel passiert im Grunde gar nicht, aber vor meinem inneren Auge entstand beizeiten ein klares, lebendiges Sittengemälde. Ich war direkt drin in den Goldenen Zwanzigern an der Ostküste, wurde Teil jener High Society, hörte die Cocktailgläser klingen, bestaunte die edlen Kleider, spürte die allgegenwärtige Nachkriegs(un?)beschwertheit und gaiety. Die Verfilmung von vor ein paar Jahren sollte ich mir demnächst nachbereitend anschauen.
Was ich aber eigentlich schreiben wollte: An einer Stelle bricht eine Personengruppe zu einem Ausflug per Kraftwagen auf. Jemand weist auf den niedrigen Benzinstand des Autos hin, worauf jemand anders sinngemäß bemerkt: "Ach, wir kommen bestimmt an einem Drugstore vorbei, da bekommt man doch heutzutage alles." Und das ergänzt nun aufs Trefflichste das Bild von amerikanischen Apotheken, das sich mir in Ira Levins "A Kiss Before Dying" darstellte und das ich in diesem Beitrag ansatzweise nachzeichnete. Konnte man in einer gewissen Ära in Drugstores gar tanken oder zumindest (abgefüllten) Treibstoff kaufen? Irre!
Dienstag, 2. Juni 2026
Serientagebuch 05/26
04.05. The Capture 3.04
05.05. Family Guy 24.13
06.05. Fallout 2.05
07.05. Leverage 3.03
09.05. Leverage 3.04
The Capture 3.05
The Capture 3.06
11.05. Fallout 2.06
12.05. Family Guy 24.14
26.05. Grace 6.01
27.05. Family Guy 24.15
Fallout 2.07
28.05. Fallout 2.08
29.05. Grace 6.02
Über die zweite Staffel von The Capture schrieb ich im August 2023: "In Sachen Spannung und vor allem Aktualität wurde eine gehörige Schippe draufgelegt. Sagenhaft packend und beängstigend ist dieser Sechsteiler, in dem es abermals um Deep-Fakes und den allgegenwärtigen Big Brother geht. Ich bin gespannt, ob noch eine dritte Staffel folgen wird, und wenn ja, ob darin die jüngsten Auswüchse Künstlicher Intelligenz behandelt werden." Nach der dritten und gewiss nicht letzten Staffel kann ich festhalten: Eine Schippe Spannung wurde abermals draufgelegt (ich ward wiederholt an "24" erinnert), und dass sich die Macher fast drei Jahre Zeit mit einer Fortsetzung gelassen haben, kam der Aktualität erneut zugute. Wie schaffen die es nur jedes Mal, den Finger derart fest an den Puls der Cybergegenwart zu pressen? Die erzählerische Dichte und die stetige Brisanzverschärfung sind umso erstaunlicher, als alle bisherigen Drehbücher von nur einer Person, dem vor "The Capture" kaum in Erscheinung getretenen Serienerfinder Ben Chanan, verfasst worden sind.
Ächz, zu Family Guy fallen mir nach all den Jahren nur die immergleichen Phrasen ein, die ich hier alljährlich auch zu den "Simpsons" fallen lasse: "... ist wieder etwas bissiger geworden ...", "... konnte das Niveau halten ...", "... weniger komisch als die Season davor ..." Ich werde es fürderhin wie folgt halten: Sollten einzelne Episoden oder erkennbare Trends hervorstechen, werde ich sie kommentieren, andernfalls belasse ich es bei einem Kurzfazit. Im Fall der 24. Staffel von "Family Guy" ist zu konstatieren, dass diese mir im Vergleich zur vorhergehenden qualitativ abgefallen zu sein schien, über lange Strecken hinweg aber solide Schmunzelunterhaltung bot. Selbst die obligatorische Multi-segment-Folge (die üblicherweise zu den schwächsten gehören) war heuer erträglich.
Ach, Fallout, was soll ich nur mit dir machen? Dranbleiben? Aufgeben? Unbestreitbar ist, dass diese Amazon/Bethesda-Produktion unter den Videospielverfilmungen in punkto Optik, Anmutung und Vorlagentreue der Goldstandard bleibt. Tief in der Lore steckende Enthusiasten werden hier mit Hintergrundgeschichte(n), Worldbuilding und Easter Eggs erfreut, dass es eine Art hat. Auch der Soundtrack ist formidabel, die Besetzung geglückt. Doch erkenne ich hier dieselben Makel, die mir die letzten zwei Staffeln von "Westworld" (an dessen Produktion große Teile des "Fallout"-Teams beteiligt waren) verlitten haben. Nun gut, der auffälligste Unterschied ist, dass die Figuren im Gegensatz zu denen in "Westworld" weitgehend sympathisch gezeichnet sind. Aaaber ... ach, warum lasse ich nicht stellvertretend das Something-Awful-Forum zu Wort kommen?
I'd say too many loose plot threads, excessive cliffhangers and a general sense that they don't have their overarching plot fleshed out is what ruined Westworld in particular. Fallout just generally delivers on the fan service so it's less noticeable (except for the super mutant stuff, it was an incredibly hamfisted and underwhelming way of introducing them to the show's universe but but Rob Perlman!!! ). After the whole season I still have no idea what the big evil [spoiler] plan is, and I don't understand how the [spoiler] works at all.
Well, ideally the showrunners for fallout dont have their heards up their asses like westworld did. Westworlds plot swung wildly because the showrunners got mad at the internet for guessing the big twists so early in the show and the eventual plot points of season 2, so they rewrote it.
Nun ja, mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich dranbleiben. Sie sollen aber bitte die Gags besser platzieren und, wo möglich, auf "GIF-ability" (auch dieses Schlagwort habe ich dem S.A.-Forum entnommen) verzichten.
P.S.: Dass ich im Mai gleich zwei Serien geschaut habe, in denen Ron Perlman mitspielt, ist ein kurioser Zufall bzw. überhaupt kein Zufall; der Mann steht halt in Lohn und Brot, good for him!



