Dienstag, 24. Dezember 2013

Jahresausblick // Blogpause

Im Jahr 2014 beginnt das chinesische Jahr des Holz-Pferdes. Ganz schön albern. Weniger albern, aber immerhin: 2014 ist das Internationale Jahr der kleinen Inselentwicklungsstaaten, das Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft und das Jahr der Kristallographie. Ferner wird 2014 das "Jahr der Taten" (B. Obama), das "Jahr der Baustellen" (Mainpost), das "Jahr des Stock-Pickings" (Handelsblatt), das "Jahr der Mittelklasse-Autos" (t-online), das "Jahr der Jahre" (Volksstimme) und eventuell das "Jahr der Edelmetalle" (Deutsches Anleger Fernsehen). Lettland bekommt den Euro. 200 Jahre Wiener Kongress. (Was man immer durcheinanderbringt: Wiener Konkordat, Wormser Edikt, Emser Depesche.) 100. Geburtstag von Louis de Funès. 100. Todestag von August Macke, 400. Todestag von El Greco. Der Blattlose Widerbart ist die Orchidee des Jahres, der Europäische Stör der Fisch des Jahres, der Gemeine Tiegelteuerling der Pilz des Jahres und der Wolfsmilchschwärmer der Schmetterling des Jahres. Am 29.4. gibt's eine ringförmige Sonnenfinsternis, am 23.10. eine partielle Sonnenfinsternis, sichtbar in der Antarktis resp. in Nordamerika. 
Geplant für dieses Blog: "Humorperlen aus dem Abreißkalender – Text-Edition", "Volksweisheiten deconstructed", "Meine bedeutendste Nerd-Errungenschaft" und "Let's eat... cat food".

Damit verabschiede ich mich in eine kurze Winterpause; in der zweiten Jännerwoche geht es weiter. Bis dahin wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine angenehme Zeit!

Samstag, 21. Dezember 2013

Freitag, 20. Dezember 2013

Best Fiends Forever

Achtung, Buchstabenschwall! Es ist mir wichtig, diesen Text hier zu veröffentlichen; ich schiebe dieses Anliegen schon lange vor mir her. Ich erinnere mich noch daran, mit welch wutbefeuerter Inbrunst ich diese Zeilen im Januar 2012 niederschrieb – beim jetzigen Wiederlesen musste ich nur noch lachen, was vielleicht an meiner momentanen guten Laune liegt. Los geht’s.

Ich hatte tatsächlich einmal einen Feind. Wobei diese Feindschaft nur unidirektional war. Ob die Person, die ich meine, mich ebenfalls hasste, weiß ich nicht, gehe aber davon aus. Und wie ich sie verachtete! M. Kretzschmar hieß der Unmensch, und er leistete zusammen mit mir Zivildienst in einem Krankenhaus. Halt! Aus rechtlichen Gründen nenne ich ihn lieber Mario K. (Hehe, alter Simpsons-Witz!) Es handelte sich um eine durch und durch verdorbene Kreatur, ein bösartiges, strunzdummes, dickärschiges, trichterbrüstiges Scheusal der übelsten Sorte. Egoistisch war er und arrogant, wähnte sich dabei als Charmeur, als Frauenheld gar. Einen mieseren Nichtsnutz hat's nie gegeben, es war ein Esel in Teufelsgestalt in Menschengestalt. Je länger ich mit ihm zusammenarbeiten musste, desto intensiver wurden meine Mordfantasien. Aber ich schwieg. Ich kniff die Zähne zusammen und dachte mir: 'Das stehe ich schon durch; geh ich ihm halt aus dem Weg, wann immer es möglich ist.'
Die verwerflichste Missetat, die sich dieser Wutz je erlaubte, war die folgende. Eines Tages hatte ein Mitarbeiter unserer Abteilung seinen Ausstand gegeben und einige Speisen mitgebracht. Am Ende des Tages war davon noch etwas übrig, nämlich eine ganze Schüssel mit süßem Schmand. Der Mitarbeiter wies uns – Mario K. und mich, die wir an diesem Tag Spätschicht schoben – auf diesen Umstand hin und ermunterte uns, den Schmand noch aufzuessen. Gut, entschieden wir, so soll's sein, aber zuvor wollen wir noch unsere Arbeit erledigen. Wir zwei trennten uns also und gingen unseren Zivildienst-Tätigkeiten nach. Circa eine Stunde später, als ich fertig war, ging ich in die Küche, um mir eine Portion des Schmandes zu genehmigen. Doch was musste ich dort vorfinden? Genau: jenen Mario K., diesen hinterfotzigen Schweinepriester, der bereits die gesamte Schüssel Schmand leergefressen hatte!!! Belämmert grinste er mich noch an, während ich rückwärts aus der Küche schritt, um meinen Heimweg anzutreten, bevor ich mich zu einer Bluttat hinreißen ließ.
Ich habe dann nur noch ganz wenige Worte mit dem Halunken gewechselt, bevor er endlich aus dem Dienst ausschied (zum Glück lange vor meinem eigenen Ausscheiden). Einen kleinen Moment der Rache hatte ich aber doch noch. Es war an einem warmen Tag, da brachte der Mistkerl eine Schachtel Eiskrem mit auf Arbeit. Weil es nicht mal dieser Gierschlund schaffte, 500 ml Eis zum Frühstück zu verspachteln, wollte er die angebrochene Packung ins Tiefkühlregal stellen. Dummerweise hatten wir gar kein Tiefkühlregal, weshalb der Idiot das Speiseeis ohne zu zögern im Betäubungsmittel-Kühlfach verstaute! Daraufhin verpetzte ich ihn bei der Hygiene-Beauftragten, was einen herrlichen Mega-Anschiss zur Folge hatte.
Was aus dem Scheißtypen geworden ist, konnte ich nicht ermitteln, Google kennt zu viele Namensvettern. Ich wünsche ihm jedenfalls alles Gute (nicht).

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Die gute Frage

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer chinesischen Weisheit und einem chinesischen Sprichwort?


Mittwoch, 18. Dezember 2013

... und ein Musiktipp

Ich bin leider unfähig, Musikrezensionen zu verfassen, aber eine Empfehlung werde ich wohl aussprechen dürfen: "Sunbather" von Deafheaven ist für mich das Album des Jahres. (Ich hab's gerade noch rechtzeitig entdeckt!) Schön: Das komplette Werk ist bei YouTube verfügbar. Man sollte es – wie immer – meiden, in die Kommentarsektion zu schielen, wird darin doch eh nur die leidliche Genrezuordnungsdiskussion vom Zaun gebrochen; es fallen sogar unschöne Wörter wie "Hipster Black Metal". Pfff ...

Sonntag, 15. Dezember 2013

Seltene Buchstabenverbindungen

Es gibt einen Frankfurter Stadtteil namens Preungesheim. Das ist das einzige mir bekannte deutsche Wort, in dem der Laut -ng- direkt nach einem Diphthong (hier: eu) auftritt, und zwar in einer Silbe (man komme mir nicht mit Zaungast oder so!). Wer noch ein anderes Beispiel kennt, informiere mich unverzüglich! Ein zweites seltenes Buchstabencluster erscheint in dem Namen des Münchener Brauhauses Pschorr (da war ich neulich) und dem der Brauerei Hacker-Pschorr. Hat man irgendwann schon einmal die Kombination -psch- gesehen? (Und wiederum: in einer Silbe! Man komme mir nicht mit Klappschaufel oder so, zumal es ja Klappspaten heißen muss.) Beide Wörter sind allerdings Eigennamen (Preungesheim geht auf einen Herrn Bruning zurück), und da ist eh alles möglich ...

Samstag, 14. Dezember 2013

Buchtipp

Ich muss an dieser Stelle noch einmal auf den Zeichner Dakota McFadzean hinweisen, dessen Comicstripseite ich bereits im Februar empfohlen hatte. Der hat nämlich vor kurzem ein Taschenbuch mit 13 mehr oder weniger langen Bildgeschichten herausgebracht. Es heißt Other Stories and the Horse You Rode in on (Conundrum Press) und ist unterhaltsam, grotesk, melancholisch, tiefsinnig, verstörend, lustig, traurig und vor allem sehr, sehr, sehr schön. Kauft es



Freitag, 13. Dezember 2013

Aus meinem Giftschrank (3)

Wie schon im letzten Dezember hier ein mitgeschnittener Telefonstreich vom Anfang der Nullerjahre. Ich möchte dazu anmerken, dass ich in jener Zeit sehr gerne Flohmärkte frequentiert habe, und dass ich einigermaßen stolz auf diesen Anruf bin, weil tatsächlich alles improvisiert ist!



€: Hintergrundsinfo-Foto


Mittwoch, 11. Dezember 2013

Neu in meinem Haushalt

Beginnen möchte ich mit diesem klobigen, lamellierten Blechzylinder, der seit ein paar Wochen in meinem Badezimmer steht:

... und dessen Geheimnis sofort gelöst werden soll. Es handelt sich um eine Dose, die ein Eau de Toilette aus dem Hause Gaultier beherbergt.

Es fällt schwer, diese Duftwasserflasche zu beschreiben, ohne Attribute wie "geschmacklos", "superkitschig" und "gay (not in a good way)" zu verwenden. Was soll's. Gaultier bemüht sich halt um Innovation, zudem riecht das Parfum (übrigens ein Geschenk an mich) nicht schlecht, und immerhin wurde der Flacon offenbar nach meinem Torso modelliert, höhö. Wenn ich Besuch habe, verschwindet er (also der Flacon, nicht der Besuch) in der Dose, und gut ist's. Weiter.

Der Lidl: immer wieder gut, immer wieder in diesem Blog empfohlen. Ich fürchte, das abgebildete Aktionsangebot ist inzwischen aus den Regalen verschwunden, aber vielleicht feiert es ja bald ein Comeback! Dann rate ich zum Zugreifen, denn die Erfindung Rotweingelee ist nachgerade genial.* Für Spiegeltrinker, die Wert auf Genuss legen! Dabei wird der Geschmack nicht etwa mit allerlei gruseliger Chemie aufgeflanscht, nein, da ist zu 50% echter Rotwein drin. Fein.

Zum Schluss muss noch auf die Profissimo-Mülleimerbeutel mit Zitronenaroma eingegangen werden, die ich nicht fotografiert habe, weil: Das wäre nun wirklich Verschwendung von Platz und Daten gewesen; kann sich doch jeder vorstellen, wie Mülltüten aussehen (in diesem Fall: gelb). Ich bin gezwungen, diese Tüten an einer anderen Stelle zu lagern als dort, wo ich normalerweise Mülltüten lagere, und zwar aus Sorge darüber, dass das Zitronenaroma meine an nämlicher Stelle aufbewahrten Gewürze beeinflussen / übertönen / ihrer spezifischen Gewürzmerkmale berauben könnte. Und deshalb habe ich schon zwomal in den falschen Schrank gegriffen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. 

* in before: "Pff, Rotweingelee kenne ich schon seit zehn Jahren vom Weihnachtsmarkt / von meiner Oma / aus meinem Stamm-Feinkostladen"!

Montag, 9. Dezember 2013

Holz

Laut einem Text auf einem Milch-Tetrapak ist der Hauptbestandteil von Milch-Tetrapaks ... Holz! Für Holz wird, wie auch für andere Stoffe (Stahl, Zucker!) intensiv geworben, was man nur merkt, wenn man mit offenen Augen durch die Welt schreitet. Seit Jahren sehe ich immer wieder Plakate und Kleintransporter mit der kryptischen Aufschrift "Holz ist ...". Was soll das? Holz ist was?
Konkreter war da schon jene Holz-Imagekampagne vom Anfang des Jahrtausends, bei der es u.a. hieß: "Natürlich Holz – das Unmögliche möglich machen! Holz, der Baustoff des neuen Jahrhunderts. Holz – und deine Welt hat wieder ein Gesicht." So kreativ wäre ich auch gerne mal.
Auf der Hecktür eines anderen Kleintransporters stand einmal: "Nur ein Tischler kann eine Frau glücklich machen. Wie gut, dass es Tischler gibt!" Ein Claim für das Getränk Rosbacher (vgl. auch meinen Post vom 28.07.13) lautete "Rosbacher – 2:1 für deinen Körper", und Michael Schumacher machte Werbung dafür. Ottfried Fischer hingegen war "Möbelmann des Jahres 2003"! 

Freitag, 6. Dezember 2013

Wat mir uffregt

Coca-Cola! Ich traue mich dieser Tage kaum noch, irgendein YouTube-Video zu öffnen, weil fast jedes Mal dieser supereklige Coca-Cola-Werbespot eingeblendet wird ("Holidays are coming, holidays are coming..."). Die Coke-Arschlöcher haben sich vermutlich Folgendes gedacht: "Zu welcher Jahreszeit hat ein normaler Mensch das geringste Verlangen nach unserem in der Regel eiskalt konsumierten Zuckersprudel? Klar: im Winter! Warum also gehen wir nicht offensiv mit dieser himmelschreienden Diskrepanz um und erklären uns zum Weihnachtsgetränk Nummer eins? Der Coca-Cola-Santa als Maskottchen! Der Coca-Cola-Truck als kapitalistischer Rentierschlitten! Bruharrharr!"

Lächeln! Es gibt Leute, die scheinen nach dem Leitspruch zu leben "Jeder Tag, an dem du nicht den Satz 'Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag' sagst, ist ein verlorener Tag". Dieses ausgeleierte Charlie-Chaplin-Zitat war zu meiner Schulzeit ein Standardeintrag in jedem Freundschaftsbuch. Freundschaftsbücher – gibt's die überhaupt noch? Oder gar Poesiealben (ausgesprochen: Pooosie-Alben)? Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal absichtlich gelächelt habe. (Es steht mir nicht.) Auf sympathische Weise typisch deutsch ist die Tatsache, dass es seit einigen Jahren verboten ist, auf Passfotos zu lächeln. Hat wohl irgendwas mit dem Überwachungsstaat zu tun, erleichtert aber auch die Arbeit der Berufsfotografen. Darf man auf Bewerbungsbildern lächeln? Kommt sicher auf den angestrebten Posten an (Zahnmodel vs. Bestatter). Und wie viele asiatische Nationen streiten sich eigentlich um den Titel "Land des Lächelns"? Als Ausgleich zu all den herzigen Staaten müsste es auch einen geben, der als besonders stinkig und bärbeißig verrufen ist. Deutschland böte sich an (Stichwort Passfotos). "Land des Murrens": Mit der zunehmenden und krampfhaften Unverkrampftheit hierzulande wird das nix mehr.

Handtrockner! Die Meinung, dass Heißluft-Handtrockner des Teufels sind, verfechte ich schon lange. Vor Jahren habe ich einen längeren Zeitungsartikel zum Thema Händetrocknen gelesen, und darin kamen die Geräte nicht besser weg als der klassische Papiertuchspender. Was dieser nämlich an Müll verursacht, gleichen die Warmluftbläser mit ihrem hohen Energieverbauch locker aus. Genaue Zahlen liegen leider nicht vor, weil solche Studien oft von Unternehmen gesponsort werden und daher dem Verdacht unterliegen, biased zu sein. Hygieneexperten empfehlen jedenfalls Tücher, weil beim mechanischen Abtrocknen noch Restschmutz von den Pfoten entfernt wird. Die elektronischen Lufttrockner sind dagegen echte Keimschleudern bzw. -wirbel. Und wie lange es dauert, bis der Sensor reagiert! Und dann gehen sie oft nach kurzer Zeit wieder aus, so dass man erneut wie ein Irrer davor herumfuchtelt! Toll hingegen sind die immer mehr Verbreitung findenden Dyson Airblades, jene Kästen, in die man links und rechts seine Hände einführt, die dann von "Luftklingen" getrocknet werden: Das Wasser wird von Druckluft weggedroschen! Die Teile sind extrem laut, dafür aber wesentlich umweltfreundlicher (mit einem Schweizer Klimalabel ausgezeichnet!), und es dauert nur 10 Sekunden, bis die Hände trocken sind. Bei den alten Gebläsen braucht man 60 Sekunden, und wirklich leise sind die auch nicht gerade.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Ein Foto und seine Geschichte


Altersarmut: ein ernstes Thema, dem man sich aber durchaus spielerisch nähern kann. Diese rüstigen Rentner verliehen vergangene Woche ihrem Unmut mit einer kreativen Umhängeschilder-Aktion Ausdruck ("ARMUT!!!"). Und damit nicht genug! Ganz dem Gedanken des Sparens und Wiederverwertens verpflichtet, versammelte sich das Senioren-Sextett am Wochenende vor dem Frankfurter Sigmund-Freud-Institut, um gegen die Einsparungen im Bereich der Traumforschung zu protestieren ("TRAUM!!!"). Am Montag darauf reiste die Truppe in die Schweiz, um dort ein bildmächtiges Zeichen gegen die geplanten Schulreformen zu setzen ("MATUR!!!"). Noch am selben Tag ließen sich die sechs Freunde auf einer Pressekonferenz des FC Basel sehen, um Trainer Murat Yakin zu unterstützen ("MURAT!!!"). Leider gibt es momentan Spannungen in der Gruppe: Der Träger des Buchstaben "R" weigert sich, für die Durchsetzung der Ausländermaut auf deutschen Autobahnen zu demonstrieren. "Leider können die anderen das nur durchziehen, wenn ich nicht mitmache! Ein paradoxes Dilemma, wie es im Buche steht!", so der bärtige Buchstabenfan frustriert.

(Fotoquelle: bild.de)

Montag, 2. Dezember 2013

Das beste Plakat der Welt


"Hier, Bub! Sach dene Knallköpp von der Graphik mal, wir brauche bis morsche früh aan Plakatmotiv für'n Tiescherpalast. Der werd bald fimmunzwansisch Jahr, und da wolle die noch a bissi die Wääbetrommel rühre. Die solle da was zusammebasteln, am besten irschendwas mit 'nem Tiescher. Des Viech hat'n Anzuuch aa un hält 'nen Sektkübel in der Pfoode, was waaß isch. Und dann solle da welsche von dene Artiste rumhüppe, und dann schreib'mer noch so Sprüch da hie: 'Genieße, staune, glücklisch sein', so a Schmuus halt! Ei, uff!"

Samstag, 30. November 2013

Filmtitel IX

(Originaltitel --> deutscher Titel)

Thor - The Dark World --> Thor - The Dark Kingdom
Hot Tub Time Machine --> Hot Tub - Der Whirlpool... ist 'ne verdammte Zeitmaschine 
The Heat --> Taffe Mädels
S-VHS --> V/H/S 2
Les Seigneurs --> Die Vollpfosten
Gonzo - Mode d'emploi --> Once upon a Porn
Hummingbird --> Redemption
Fairytale --> The Haunting of Helena
What Maisie Knew --> Das Glück der großen Dinge
Death of a Ghost Hunter --> Paranormal Investigations
Una pistola en cada mano --> Ein Freitag in Barcelona
The ABCs of Death --> 22 Ways to Die
You Instead --> Rock in the Park
Ceremony --> The Right Bride
My Awkward Sexual Adventure --> Sex-Up Your Life
Hick --> Runaway Girl
Career Opportunities --> Kevins Cousin allein im Supermarkt

(Quelle: u.a. Cinema)

Donnerstag, 28. November 2013

Schotten dicht! Eine Alan-Analyse

Leserinnen und Lesern der Welt und ihres Online-Ablegers wird sicher schon der Kommentator Alan Posener aufgefallen sein. Unangenehm aufgefallen. In seinen Texten vertritt er stets die "etwas andere Meinung" (nicht besonders "anders" innerhalb des Welt-Kosmos, wohlgemerkt), um diese dann mit möglichst verdrehten Argumenten zu untermauern.

In diesem Monat ging es zum Beispiel um das Vorhaben der Bundesregierung, Spielautomaten aus Gaststättenbetrieben zu verbannen. Poseners Meinung, hoho: "Man sollte sie nicht verbieten, sondern unter Arten- und Denkmalschutz stellen." Argumente: "Natürlich geht es um unsere Gesundheit. Darum geht es immer, wenn irgendwas verboten werden soll. Was früher die Blasphemie war, ist heute die Gesundheitsgefährdung: das unverzeihliche Verbrechen." (Astreiner Vergleich!) "Wer, wie ich, einen nicht unwesentlichen Teil seiner Jugend vor solchen Automaten verschwendet hat, könnte auf den Gedanken kommen, dass man da eh nicht gewinnt und als Banker oder Börsenspekulant bessere Chancen hat, zumal man dabei nicht einmal sein eigenes Geld riskiert." (Weswegen die meisten Spielsüchtigen auch irgendwann aus reiner Vernunft gesunden und eine schöne Brokerkarriere starten.) "500.000 Spielsüchtige sind so viele auch nicht." (Mein Lieblingssatz!) "Und wenn die verschwinden, finden die Leute eben eine andere Einstiegsdroge. Online-Gaming zum Beispiel." (Jawoll, nicht Online-Glücksspiel, sondern -Gaming, also etwa "World of Warcraft", wo man bekanntlich auch schon mal 500 Euro an einem Abend verlieren kann!) "Unerwünschtes Verhalten und uncoole Leute werden aus dem öffentlichen Raum verdrängt." (Ein fast richtiger Gedanke, wenn nicht verschwiegen würde, dass die Zocker in die gutlaufenden staatlichen Spielzentren abgeschoben werden sollen.)

Noch weniger Substanz hatte lediglich sein Kommentar vom 19. November zur angekündigten Monty-Python-Reunion. Poseners Standpunkt: Muss nicht sein. Weil: "Die Welt ist voller Altherrentruppen, die Auditorien voller alter Leute vorgaukeln, die Zeit sei stehen geblieben." Ende. Okay.

Ein vorläufiger Höhepunkt der Debattenkultur wurde jedoch diese Woche erreicht. "Lasst die Schotten gehen!" heißt der Artikel vom 27.11. Und er soll hier in seiner ganzen Schön- und Blödheit (kursiv) wiedergegeben werden:

Warum die Regierung in London die Schotten nicht in die Unabhängigkeit entlassen will, ist rationalen Menschen ein Rätsel. Sentimentalität und Whisky sind kein Argument. Und die strategischen Gründe, die einst die Annexion des aufmüpfigen und immer mit Englands Feinden konspirierenden Nachbarn nahelegten, sind verschwunden.

Alan Posener, der ehemalige Automatenspieler, würde Schottland also die Eigenständigkeit gönnen. Aus Sympathie, aus Verständnis, aus Liebe zum Konzept der Selbstbestimmung? Na-hein!!! Jetzt kommt's nämlich:

Längst sind die Industrien, die Schottland wichtig gemacht haben, der Schiffbau etwa, verschwunden; das Öl in der Nordsee ist leergepumpt; die fünf Millionen Schotten produzieren überdurchschnittlich viele Sozialfälle und unterdurchschnittlich gute Fußballer, dafür genießen deren Abgeordnete im britischen Parlament Privilegien, die ihnen ermöglichen, Gelder für ihre Klientel abzuzweigen. Kurz: England, Wales und Nordirland wären ohne Schottland ökonomisch und politisch besser dran. Sollen doch die Schotten die Union verlassen und sich dem Euro-Klub anschließen.

Genau! Pff! Sollen diese Loser doch alleine ihr Ding machen! Alan Posener ist übrigens gebürtiger Engländer.

Leider werden die Schotten vermutlich dem Rat ihres Premiers Alex Salmon nicht folgen und 2014 für den Verbleib im Vereinigten Königreich stimmen.

Ahahaha! Es geht also gar nicht um "die Schotten", sondern nur um die Absichten einzelner Irrer, z.B. gewisser Politiker. Weiter:

Denn seit der Niederschlagung der primitiven – und in Filmen wie "Braveheart" verkitschten und verklärten – Clans im 18. Jahrhundert war Großbritannien für die schottische Elite das Tor zur Welt. Schottlands Philosophen und Naturwissenschaftler, Ärzte und Ingenieure, Soldaten und Kapitalisten fanden im Empire ein reiches Tätigkeitsfeld.

... das sie freilich in ihren armseligen Highlands never ever gefunden hätten. N.B.: Der Einschub mit "Braveheart" wurde inzwischen entfernt und ist nur noch in einer gecacheten Druckversion zu finden – warum auch immer.

Die schottische Unabhängigkeit bleibt ein Projekt für Bürokraten, die von der Schaffung neuer Ministerien und Verwaltungen profitieren, für rückwärtsgewandte Nationalisten und für Romantiker wie Rod Stewart, der selbst die meiste Zeit in Amerika lebt.

Genau! Wie ja auch die Unabhängigkeit Amerikas nur ein Projekt für Bürokraten, Nationalisten und Romantiker war. Aber ein guter Argumentierer wie A. Posener wird ja wenigstens versuchen, sich ganz kurz in die schottische Seele hineinzuversetzen, und verstehen, dass es bestimmt nicht nur um Freiheitsschwärmerei und die Schaffung lukrativer Beamtenjobs geht. Oder?

Schottland ist freilich nur ein Symptom für den postmodernen Unernst in der Nationalitätenpolitik. Die Gründe, die einst Basken und Katalanen, Korsen und Bretonen, Norditaliener und Südtiroler dazu trieben, die Unabhängigkeit anzustreben, sind in der grenzenlosen, multikulturellen EU der Regionalhilfen verschwunden. Die Bewegungen bleiben. Und lenken von den wirklich wichtigen Problemen Europas ab.

Und das war der letzte Absatz! Da kommt nichts mehr! Weder werden die "wirklich wichtigen Probleme Europas" auch nur genannt, noch werden die Autonomiebestrebungen der Basken usw. irgendwie beleuchtet, erklärt, hinterfragt. Was bleibt, ist ein wirrer Mischmasch aus Trotz und willkürlichem Schottenbashing. Vor allem: Wären die Argumente, mit denen Posener den Nichteintritt Großbritanniens in den von ihm beargwöhnten "Euro-Klub" verteidigen würde, nicht denen ähnlich, die er Schottland in den Mund legt und zum Vorwurf macht?

Eins noch: Es kommt nur sehr selten vor, dass Online-Kommentare zu Springertexten weniger wahnsinnig sind als die Texte selbst. Die Kommentare unter Poseners Nullbeitrag waren diesmal allerdings geradezu rational! Vielleicht deshalb wurden sie samt und sonders gelöscht. Leider versäumte ich, sie rechtzeitig zu kopieren.

Dienstag, 26. November 2013

Betr.: Energiesparlampen, Bahngespräche, Queen

Ein Gutes hat die Eigenschaft von Energiesparlampen, mit einiger Verzögerung ihre volle Leuchtpower aufzunehmen, doch: Wenn man in dunkler Nacht ins Badezimmer torkelt, wird man nicht sofort von dem Äquivalent von tausend Sonnen geblendet. Die Augen, zumal die sehr lichtempfindlichen mancher Menschen, können sich allmählich adaptieren. Hier muss man die EU auch mal loben.

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Im Zug sitzt ein deutscher Student einer irischen Studentin gegenüber. Sie: sehr interessiert (an Landeskunde), er: auch interessiert (an ihr), aber ihren Fragen (z.B. zur politischen Ausrichtung der großen Tageszeitungen) kaum gewachsen. Es ist traurig mitanzusehen. Irgendwann fragt sie, wo Angela Merkel studiert habe, worauf er antwortet: "I don't know. It could be Dresden, at least there is a Merkel Building there."

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Zum Schluss noch eine Schulanekdote, an die ich mindestens einmal im Jahr denken muss, worauf ich jedes Mal erneut in die Luft gehen könnte!
Im Musikunterricht sangen wir "We Will Rock You" von Queen. Unsere Lehrerin, Frau Strech, ging vor dem ersten Singen den Text mit uns durch. Die Stelle "... kicking your can all over the place" übersetzte sie mit "Dich kann jeder über den Platz treten". Ich wagte es, mich zu melden und bemerkte, dass dies doch eher mit "... du trittst deine Getränkedose durch die Gegend" zu übersetzen sei. Daraufhin fingen alle an zu lachen, weil sie glaubten, ich sei dumm oder mache wieder einen meiner klassischen Scherze!!! Auch die Lehrerin grinste nur und tat meinen Einwand als Unsinn ab. 
Ich schwieg fürderhin.

Freitag, 22. November 2013

Kurz notiert: Carrie

Hol' mich der Teufel oder seine jüngste Tochter, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, den Film Carrie, dessen Remake bald in die Kinos kommt, gesehen zu haben. Das spricht nicht besonders für diese "klassische" Horrorromanverfilmung ... Jedenfalls muss ich ihn gesehen haben, denn ich habe mir im Jahr 2004 folgenden Dialog daraus notiert:

- "Man kann ja deine Kissen sehen. Jeder wird sie sehen!"
- "Brüste, Mama – das sind Brüste. Alle Frauen haben Brüste."

Was mich zu der Frage führt, ob es irgendein auch nur halbwegs würdevolles Synonym für "Brüste" gibt.

Montag, 18. November 2013

Alles fliest

In einer Welt, in der jedes Ereignis ein "Event", wo nicht gleich ein "Top-Event der Premiumklasse" ist, nimmt es nicht wunder, dass Kraftfahrzeuge durch sie hindurchfahren, auf denen allen Ernstes steht:

Fliesen erleben

Was waren das noch für Zeiten, als die Innenverkleidung der Nasszelle von einem "Erlebnis" so weit entfernt war wie ein Wasserkocher von einem Luxusartikel. (Ich musste eine Weile nachdenken, um einen einigermaßen passenden Vergleich zu finden, immerhin gibt es heute noch vom letzten Trivialgegenstand eine Luxus-Variante.)
Die Fliese: nicht nur eine unglamouröse Quadrat-Platte, die sich duldsam mit Kosmetika und Körperflüssigkeiten bespritzen lässt, nein nein. "Weißt du, was ich letzte Woche erlebt habe?" – "Nee, was denn?" – "Fliesen!"
Wenigstens auf den Spruch "Nur Fliesen sind schöner" ist man anderswo schon gekommen. Ich hätte noch anzubieten: "Der neue Fliesen, probieren Sie diesen!", in Anlehnung an den alten Slogan für Storck Schokoladen-Riesen. "Der Fliesen" muss man sich halt als regionalsprachliche Variation vorstellen; in Österreich sagt man ja auch "der Schranken" statt "die Schranke".

PS: Ich sah einmal eine Todesanzeige, in die ein Foto des Verstorbenen eingebunden war. Es zeigte einen Mann mit Vokuhila und Oberlippenbart. Darunter stand: "Fliese".

Samstag, 16. November 2013

Wir müssen leider drinnen bleiben. Ein sozialkritischer "Sketch"

"Schöne Gäste sind gut fürs Image - so denken angeblich die Chefs zweier Pariser Top-Cafés. Wie zwei ehemalige Mitarbeiterinnen vergangene Woche der französischen Zeitschrift 'Le Canard Enchaîné' erzählten, gebe es im Georges und im Café Marly klare Regeln, welcher Gast wo sitzen darf. Entscheidend sei das Aussehen. Ihrem Bericht zufolge waren sie angewiesen, nur besonders schöne Menschen vorn im Lokal zu platzieren. Dort, wo Passanten sie sehen können und wo sie das Gesamtbild des Lokals aufhübschen.
(Spiegel online, 12.11.2013)

Gast: Guten Tag, einen Tisch für zwei Personen, bitte.
Garçon Ober: Bien sûr, isch muss nur schnell aufsetzen meine Brill ... Oh! Isch bedaure, wir 'aben keine Platz mehr frei, Monsieur.
G: Was? Aber die Hälfte der Plätze hier draußen ist doch noch unbesetzt.
O: Non, non! Die sind alle reservés! Tut mir leid. Wieso eigentlisch deux Plätze? Sie sind doch allein.
G: Meine Frau ist noch in der Zoohandlung. Ich sehe übrigens keine "Reserviert"-Schilder!
O: Die sind alle weggefloge' von die Winde! Aber isch 'abe gemerkt, welsche reserviert: nämlisch alle!
G: Tja, da kann man wohl nichts machen. Ich gehe dann mal zu meiner Frau. Ach, sie verlässt gerade die Zoohandlung!
O: Un moment, Monsieur! Möglischerweise isch 'abe doch noch eine Tisch frei. Rufen Sie Ihr' Frau, s'il-vous-plaît!
G: Fabelhaft! Na schön, ich hole sie. [winkt] Binchen, komm! ... Ähm, was machen Sie denn da mit dem Opernglas?
O: Ehhh, isch gucke nach ... die Taube. Tauben. Sie wissen, die Vögel?
Frau [erscheint]: Guten Tag.
O: Mais oui, es ist mir etwas peinlisch, aber mir fällt gerade ein, unser Restaurant ist leider doch voll. Komplett ausgebucht.
G: Wie bitte? Gerade sagten Sie noch ...
O: Isch bin untröstlich, aber alle Tische belegt. Außerdem wir schließen gleisch.
G: Um 14 Uhr?
F: Das ist ja eine Unverschämtheit! Ich verlange sofort einen Tisch für zwei Personen.
O: Bitte nicht schreien, Mademoiselle! Die andere Gäst' gucken schon. Achtung, da kommt eine Sandsturm! Bitte 'alten diese Servietten vor die Gesischt!
F, G [entgeistert]: Wie? Was?
O: Maintenant, kommen Sie mit 'inter diese Säule.
G [unwirsch]: Was ist denn nun los, Mann? Haben Sie einen Tisch für zwei Personen oder nicht?
O  [hadernd]: Also gut. Folgen Sie mir bitte unauffällig nach unten; in die 'eizungskeller sind noch zwei Stühle ...

Beobachter 1: Ja ja, Faschismus hat viele Gesichter ...
Beobachter 2: Aber wenigstens kein hässliches!
Beobachter 3: Total unrealistische Szene! Kein Franzose im Dienstleistungssektor würde so gut deutsch sprechen.

Donnerstag, 14. November 2013

Verhaltenstipps für Superschurken

Wahlweise mit auf dem Rücken verschränkten Armen oder mit einem Cognacschwenker in einer Hand vor dem Fenster stehen, nach draußen starren und kluge Sentenzen von sich geben – so machen es graue Eminenzen, gestürzte Königinnen oder Superschurken, kurz bevor sie von ihrem Gegenspieler bezwungen werden. Für letztere Gruppe gilt: je mehr Pathos, desto besser!
Die Zeit eines jeden Bösewichts läuft irgendwann ab. Wer Filme und Serien schaut, weiß, dass ein echter Superschurke keines natürlichen Todes stirbt, sondern von einem Helden getötet wird. Dramatisch wird es, wenn der Held zu dem Schurken nach Hause kommt. Es gilt dann, nicht wie ein Hund um Gnade zu winseln, sondern möglichst cool abzutreten. Man sollte das Eintreffen des Helden bereits antizipieren. Wenn es mitten in der Nacht ist und der Held sich ins Anwesen des Schurken schleicht, nur um festzustellen, dass dieser bereits ganz lässig in einer Ecke seines Wohnzimmers / seines Salons / seiner Bibliothek steht, staunt der Held nicht schlecht. Als Schurke sollte man dabei mit einem Anzug oder einem Seidenkimono bekleidet sein und seinem potentiellen Mörder zunächst den Rücken zugewandt haben. Dann sagt man ohne jegliche Gefühlsregung "Ich habe Sie schon erwartet" und tritt zu seiner Hausbar, um sich ein Glas Whiskey einzuschenken. Darauf dreht man sich um und gibt eine (vorher einstudierte) Anekdote oder ein Gleichnis wieder – Geschichten aus der griechischen Mythologie eignen sich gut; vielleicht hat man auch Anschauungsmaterial zur Hand, z.B. einen echten Goya ("Kennen Sie die Geschichte von Kronos und Zeus?"). Von der Geschichte kann man dann überleiten zu einem finsteren Geheimnis, das den Helden zutiefst erschüttern wird ("Ich trage gerade denselben Seidenkimono, den ich anhatte, als ich Ihren Vater erwürgte."). Vor lauter Zorn stürzt er sich auf den Schurken und bringt ihn um, doch im Gesicht des Niedergeworfenen sieht man noch ein triumphierendes Lächeln.
So geht das.

Dienstag, 12. November 2013

Das gute Zitat

"We can't give up on the written word. We need stories. Because I don't have a Plan B! I have a degree in Theater Tech with a minor in Movement! Why did my parents let me do that?"  

--- Tina Fey alias "Liz Lemon" in 30 Rock

(Ich spiele mit dem Gedanken, dies in den "Über mich"-Kasten meines Blogger-Profils zu setzen. What do you think?)

Sonntag, 10. November 2013

Bizarre Serviervorschläge (VI)

"Heute gibt's Kürbiseintopf mit ganzen Früchten." "Deine Mutter frisst Meloneneis mit ganzen Früchten!" So gehen zwei unheimlich ulkige Ulksprüche. Bei Konfitüren, Joghurts und Kuchen sind "ganze Früchte" ein schlagendes Kaufargument. Säfte bewirbt man höchstens mit "viel Fruchtfleisch", aber auch das mag nicht jeder. In der Regel kommen Fruchtsäfte als homogene Flüssigkeiten daher. Wer's dennoch stückig mag, für den hat die Firma Fruchtstern den idealen Serviervorschlag: ganze Johannisbeeren samt Grünzeug und Holz in den Johannisbeernektar tun.

In seinen ACE-Drink ganze Orangen zu tun, wäre indes albern. Selbstverständlich gibt man lediglich ein paar Orangenscheiben hinzu, wenn man das Powergetränk serviert. Ganze Karotten müssen aber sein!

Amuse-Gueule: auch so ein kulinarischer Terminus, der vor einem Jahrzehnt noch nicht in allen Gesellschaftsschichten bekannt war. Gerne werden diese "Gaumenbelustigungen" auf Löffeln dargereicht. Blitzrezept à la Lidl: eine Creme, die eigentlich als Dip oder Brotaufstrich gedacht ist, auf einen breiten Plastiklöffel schaufeln, mit Pfefferminzblättchen und Minipeperoni garnieren, schon kann die Dinnerparty steigen.

"Cabanossi sind schnittfeste Brühdauerwürste (Fleischwürste) aus geschrotetem, gepökeltem Schweine- und Rindfleisch in Brät, welche gewürzt, traditionell über Buchenholz geräuchert, gebrüht und anschließend nachgereift und luftgetrocknet werden. Cabanossi sind länglich, dünne, in der Regel entweder stückweise abgedrehte bzw. an den Enden abgebundene oder als „Meterwürste“ gefertigte Wursterzeugnisse, die außen dunkel braun-rot gefärbt sind. Sie weisen durch die Trocknung eine unregelmäßige „eingezogene“ Oberfläche auf. Im Schnittbild sind weiße Speckeinlagen sichtbar. Sie zeichnen sich durch einen kräftigen und würzigen Geschmack aus. Cabanossi gelten als traditionelle Jausenwürste." ... soweit die offizielle Kurzdarstellung des österreichischen Lebensmittelministeriums. Der Unterschied zu Cabanossis (mit -s) besteht darin, dass man letztere in großen Mengen durch die Luft schleudert. Erst dann beginnt der Fang-, Schnapp-, Greif-, Sammel- und Knabberspaß.

Freitag, 8. November 2013

Zwei schöne Geschichten

The boy who tried to catch a cloud
Der neunjährige Junge hat in seinem Leben noch kein einziges Wort gesprochen. Seine Eltern haben sich mittlerweile damit abgefunden. Klar, als er eineinhalb, zwei, drei Jahre alt wurde, ohne je einen Ton von sich gegeben zu haben, machten sie sich schon Sorgen. Der Hausarzt stellte dann fest, dass das Schweigen nicht physiologisch begründet war, sondern dass der Junge schlicht keine Lust hatte, sich verbal zu äußern. Abgesehen davon verlief alles ganz normal. Er kam in eine Spezialschule, lernte Rechnen, Lesen und vor allem Schreiben: Fortan kommunizierte er schriftlich mit seinen Mitmenschen, manchmal auch in Form von Zeichnungen. Eine Psychiaterin untersuchte den Jungen und konnte nur den Rat geben, die Situation zu akzeptieren; abgesehen von seinem "Schweigegelübde" war er altersgemäß entwickelt.
Ein wiederkehrendes Motiv in den Mitteilungen des Jungen ist jedoch auffällig: Wolken. Er scheint übermäßig von Wolken fasziniert zu sein. Es muss doch möglich sein, eine Wolke einzufangen und für die Ewigkeit aufzubewahren, denkt sich der Junge. Diesen Gedanken hat er noch nie aufgeschrieben, er möchte nicht für besessen gehalten werden. Er schämt sich schon genug für seine Stummheit! Doch ist genau das sein Leitgedanke: eine Wolke einfangen.
Jetzt ist die dreiköpfige Familie im Urlaub. Schweizer Alpen. Eines Morgens im Hotel kommt der Junge aufgeregt an das Bett seiner Eltern gerannt und zupft ihnen an den Pyjama-Ärmeln. Erregt deutet er aus dem Fenster. Man sieht einen Berg, der von Wolken verhangen ist. Die Eltern verstehen. Sie machen sich auf den Weg, alle drei. Mit nie gekanntem Enthusiasmus stürmt der Junge voran, hoch, hoch, empor auf den Alpengipfel. Schließlich befindet sich die schwitzende und hechelnde Familie inmitten der dichten Wolkenebene. Der Junge holt eine Flasche aus seinem Tornister, öffnet sie, hält sie in die Luft. Nach wenigen Sekunden zieht er die Flasche an seinen Körper und schraubt sie rasch zu. "Ich habe die Wolke eingefangen!", ruft er. 
Der Junge spricht. Die Eltern weinen und lachen vor Glück, Erleichterung und Stolz. Von nun an geht's bergauf. (Die nächsten drei Stunden geht es allerdings noch einmal buchstäblich bergab, sie müssen ja ins Hotel zurück.)

Klumpos Kopfhörer
Als Klumpo seinen iPhone-Kopfhörer aus der Kabel- und Krawattenschublade nehmen wollte, hielt er inne: Irgendetwas war bemerkenswert an der Art und Weise, wie sich das Kopfhörerkabel verknotet hatte. Es war jedes Mal verknotet, wenn er den Hörer nach längerer Aufbewahrungszeit aus der Lade kramte, aber dieser Knoten war anders! Ein Blick in "Das große Buch der Knoten", das Klumpo mal aus einer Bibliothek gestohlen hatte, verriet ihm, dass es sich um einen Franziskanerknoten handelte, einen "dreifachen Überhandknoten, der als dekorativer Stopperknoten zur Verdickung eines Seiles eingesetzt wird". Klumpo war begeistert. Sofort rief er bei Markus Lanz an, dessen Telefonnummer er ebenfalls einst geklaut hatte, und erzählte ihm von dem Knoten: "Ein Franziskanerknoten! In meinem iPhone-Kopfhörerkabel! Das ist ein Wunder! Lade mich zu deiner Fernsehsendung 'Markus Lanz' ein, oder zu 'Wetten, dass..?'!" Doch Markus Lanz lehnte ab: "Das ist langweilig. Und überhaupt – Klumpo, was ist denn das für ein komischer Name?"
Eine Woche später fand man Klumpo im Wald. Er hatte sich an einem Baum aufgehängt. "Das Seil war zu einem schönen Zweistrang-Bändselknoten gebunden", hieß es im Polizeibericht.

Der Korken (Bonusgeschichte)
Ich schellte bei meiner Nachbarin. "Guten Tag, haben Sie vielleicht einen Korkenzieher, den ich benutzen dürfte? Ich habe eine Flasche Wein gekauft, kann aber mein Kellnerbesteck nicht finden." – "Ja, ich habe einen Korkenzieher. Wollen Sie ihn mit rübernehmen?" – "Nein, danke. Ich hole schnell meine Flasche und erledige das hier." – "Da hätten Sie die Flasche doch gleich mitbringen können." – "Nee, eben nicht! Erstens wusste ich ja nicht, ob Sie mir einen Korkenzieher zur Verfügung stellen würden, zweitens kann man doch als Mann nicht einfach so mit einer Weinflasche in der Hand bei seiner Nachbarin klingeln! Wie muss das denn für Sie aussehen, wenn Sie durch den Spion schauen?" – "Stimmt. Na dann, bis gleich." – "Obwohl: Ich öffne die Flasche doch gleich bei mir. Bin sofort wieder da!"
Also ging ich mit dem Korkenzieher in meine Wohnung und machte mich ans Werk. Dabei ging zu Bruch: 1. die Flasche, 2. der Korken, 3. der Korkenzieher, 4. die Freundschaft zu meiner Nachbarin (bevor sie überhaupt begonnen hatte), 5. mein Kellnerbesteck, das ich dann doch noch gefunden hatte, 6. meine Mundharmonika (fragen Sie nicht!).
Das Gute an dieser Geschichte: Sie ist nie passiert. Nur in meiner Fantasie. 

Mittwoch, 6. November 2013

Warum ich das Internet manchmal hasse

Ziemlich stolz war ich auf das einigermaßen anspruchsvolle Wortspiel, das mir letzte Woche einfiel. Heute googelte ich spaßeshalber danach, und siehe (fuck!): Mindestens zwei weitere Menschen sind vor mir darauf gekommen.

Christina Aguilera, der Zorn Gottes

Dienstag, 5. November 2013

Über Herbstkleidung und -zubehör

Der Herbst ist an und für sich eine feine Jahreszeit. Einziger Nachteil ist, dass man öfter nass wird, ein Problem, dem man aber durch die Inanspruchnahme eines Regenschirms entgehen kann. Doch der Regenschirm ist ein aussterbender Gegenstand. Geschätzte 90% meiner Altersgenossen besitzen keinen Schirm mehr, ebenso viele besitzen keine Armbanduhr. Eine Armbanduhr ist aber heutzutage weniger ein Gebrauchsgegenstand als ein Schmuckstück. Wenn man etwa einen Anzug anzieht, sollte man dazu aus rein "stilistischen" Gründen eine Armbanduhr tragen. 
Anders ticken die (Armband-)Uhren auf dem Dorf, wo man sich höchstens mal zur Jugendweihe einer Kusine chic machen muss oder wenn man mit einem Minibus zu einem Musicalbesuch in die Stadt fährt. Will sagen: Anzüge trägt man dort eher selten. Statt zu Sakko oder Jackett greift der Mann zum dörflichen Äquivalent, nämlich dem Jeanshemd mit Kordeln und Lederbesatz (Beweisstück A).
Aber halt! Ich bin eigentlich kein Mensch, der auch nur das Geringste von "Stil" versteht oder anderen vorschreibt, wie sie sich kleiden "sollen", und schon gar nicht möchte ich als Bauernfeind in die Annalen eingehen, schließlich ist mein Name nicht Bauerfeind (wie der von Katrin Bauerfeind), ich mache lediglich treffende soziologische Beobachtungen. Dazu zählt auch die Beobachtung, dass der Schal den Weg vom Kälteschutz zum Modeaccessoire gegangen ist. Seit ungefähr sieben, vielleicht auch acht Jahren sieht man immer mehr Männer, die sich den Schal nicht, wie es Sinn und Verstand diktieren, eng und wärmend um den Hals schlingen, sondern das Teil leger geknotet über der Jacke / dem Mantel hängen haben – wie eine lose Krawatte. Man achte z.B. auf die aktuellen Ströbele- und Hoeneß-Fotos! Angefangen hat damit allerdings Franz Müntefering, zumindest ist es mir bei dem zuerst aufgefallen. 
Es gibt auch Leute, die bei 10° C (plus!) eine Wollmütze tragen, aber darüber hüllen wir lieber den Anorak des Schweigens.
Beweisstück A

Sonntag, 3. November 2013

[/ironie off]

Das Interrobang – der Ausrufe-/Fragezeichen-Hybrid ‽ – ist ja ein alter Hut. Kürzlich hörte ich aber erstmals von einem speziellen Ironieanzeiger!
Das Ironiezeichen wurde von einem französischen Dichter namens Alcanter de Brahm vorgeschlagen und hat die Form eines vertikal gespiegelten Fragezeichens ⸮. Verwendet wurde das Teil seit seiner Einführung vor über 100 Jahren so gut wie nie. Immerhin der französische Schriftsteller Hervé Bazin griff die Idee in den 1960er Jahren wieder auf, "allerdings", so eine berühmte Online-Enzyklopädie, "verwendete er eine andere (ψ-ähnliche) Form. Gleichzeitig schlug er fünf weitere Interpunktionszeichen vor:"
Das war nicht der letzte Versuch einer Erweiterung des Interpunktionsvorrats, wiewohl ein zum Scheitern verurteilter.
Ich verstehe nicht, wieso wir nicht öfter Ironiezeichen benutzen. Das ist doch total nützlich: Der Lesende muss nicht zwischen den Zeilen lesen, und der Schreibende kann mit einem einzigen Symbol ausdrücken, was er meint. *sarcasm*

Samstag, 2. November 2013

Hübsche Flaggen untergegangener Staaten: Loango

Loango, was ungefähr "königliche Macht des Panters" bedeutet, war ein Land, das erst relativ spät, nämlich 1561, erstmals urkundlich erwähnt wird. Es existierte als eigenständiges Königreich auf dem Gebiet der heutigen Republik Kongo vom 16. bis zum 19. Jahrhundert: Die Abspaltung vom Königreich Kongo erfolgte irgendwann "zwischen 1512 und 1570" (Wikipedia), sein Ende war 1883 erreicht, als Loango französisches Protektorat wurde. Dennoch scheint das "Royaume Loango" und seine Herrschaftslinie noch heute zu bestehen, zumindest hat das (jedoch in keiner offiziellen Liste als autonomer Staat aufgeführte) Land einen Internetauftritt, leider in französischer Sprache, die ich nicht gut beherrsche. Die Flagge jedenfalls war und ist die hier:


Hände sind als Flaggensymbole nicht sehr häufig. Auf der Flagge Abchasiens und auf der 1953 bis 1973 von Nordirland geführten "Red Hand Flag of Ulster" ist eine Hand zu sehen. Im Falle Loangos repräsentiert die Hand den König, und die sieben Sterne stehen sowohl für die sieben Provinzen als auch Augen, Ohren, Nasenlöcher und Mund des Königs – heißt es zumindest auf einer Seite ohne weitere Quellenangaben. Hm. 

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Herbstgedicht

Papa holt den Schlitten raus
Oma strickt 'ne Mütze
Opa spielt den Nikolaus
Kind fällt in die Pfütze.

Onkel baut das Bierzelt auf
Tante steht im Sandsturm
Vetter klimmt den Maibaum rauf
Nichte hat nen Bandwurm.

Oheim putzt den Spargel blank
Mama bäckt ne Brezel 
Ich versteck ein Ei im Schrank
Herbst, du bist ein Rätsel.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

The P Word

Spaßige Idee: in die USA fahren, sich als Einwohner/-in eines abgelegenen englischsprachigen Landstrichs ausgeben und dann das Wort "pedo" als angebliche umgangssprachliche Abkürzung von pedestrian etablieren. "Yes, in South-East Newfoundland everyone calls pedestrians 'pedos'!" Die Amerikaner, stets offen für knackige Slang-Ausdrücke, werden das neue Wort allmählich in ihre Alltagssprache integrieren. Nach einer Weile wird man überall Sätze hören wie: "My car is in the garage. I guess this week I'm a pedo."; "Damn cyclists, got no respect for us pedos!"; "I almost hit a pedo today." Hihi.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Skurrile Sammlungen: Chick-Comics

In den Untiefen meines Schranks stieß ich einst auf einen Haufen seltsamer kleiner Comichefte:


Keine Ahnung, wie die in meinen Besitz gekommen waren, aber ich bewahrte sie wohlweislich auf – vielleicht könnte man daraus irgendwann einen Blogbeitrag machen! Es handelt sich jedenfalls um fundamental-christliche Propaganda-Geschichten aus Amerika. In einem Heft geht es zum Beispiel um das angebliche brutal-dogmatische Aufzwängen der Evolutionslehre im Schulunterricht – in Deutschland eigentlich überhaupt kein Thema.


Wie es der Zufall so will, postete irgendwann 2011, kurz nachdem ich die Heftchen wiederentdeckt hatte, jemand im "Funny Pictures"-Thread auf Something Awful Ausschnitte aus den Originalcomics! Unter anderem diese aus ebenjener Kreationismus-Story:


Ein besonders unterhaltsames Exemplar (das sich leider nicht in meiner Sammlung befindet) befasst sich mit Homosexuellen, die für ihre Sünde mit AIDS gestraft werden. Auszug (besagtem Thread entnommen):


Gott sei Dank (!) können die Betroffenen in dieser Geschichte gerettet werden, zumindest einige von ihnen:


Ja, gegenüber "Andersartigen" sind die Erzeugnisse der Chick Publications – so heißt der Vertreiber dieser auch im Internet präsenten "cartoon gospel tracts" – stets sensibel:


Ich besitze zwölf Comics, insgesamt gibt es über 100 in mehr als 100 Sprachen, wobei auch jeweils kulturelle Unterschiede berücksichtig werden! Vgl.:

(Waray-Waray, Indonesien)

(Xhosa, Südafrika)

Das ist alles wahnsinnig herrlich und herrlich wahnsinnig. Wer hat auch solche Hefte? Wollen wir tauschen und anschließend diskutieren? Helft alle mit, die Gehirne unserer Kinder zu waschen!

Samstag, 26. Oktober 2013

4x Fotografiertes (Resterampe)

Schöner Seitenaufbau neulich bei bild.de!

Ein Volontariat im Emsland Moormuseum, das wär' schon was! Nur müssen es gleich drei Jahre sein? Ich hätte die Sorge, dort zu versumpfen.

Man sollte immer ein paar frische Snacks für eventuelle Gäste bereithalten.

Aus der Reihe "Kühlschränke, deren Inhalt man nicht kennen will"


Donnerstag, 24. Oktober 2013

Spritziger Spam

Einen Blogbeitrag vom August dieses Jahres kommentierte ein Spambot wie folgt:

Diese können doch nicht sehr bestreiten, daß jeder angesichts der zahlreich aufgetretenen Grippefälle in Deutschland die Sch - Hugo Sekt grippe nicht sehr mitsamt die „leichte Schulter" nehmen soll stellen jedoch nicht alles bloß Panikmache ist. An dieser stelle finden sich eine Fülle prickelnder Hugo Sekt -Rezepte für jenes unvergessliches Menü zu dem Rendezvous - ob als aromatische Saucen-Zutat zu Fisch oder Fleisch oder als schäumender Hugo Cocktail Schuss auch in raffinierte Süppchen und Süßspeisen, Hugo Sekt verleiht fast allen fantasievollen Küchen-Kreationen das gewisse Etwas. Bei ganz besonderen Anlässen geht es einfach nicht ohne Hugo Sekt.

Es folgte ein Verweis auf eine angebliche "Sekt mit Erdbeeren"-Seite. Beinahe hätte ich den Kommentar veröffentlicht. Ist immerhin was anderes als der ewige Sex-Drogen-Glücksspiel-Quatsch.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Das gute Zitat

"Philarète Charles ordnet als Literaturhistoriker die Schriftsteller nicht nach Äußerlichkeiten (Nationalitäten), Zeitalter, Gattung der Werke (Epos, Drama, Lyrik), sondern nach dem inneren geistigen Prinzip, nach Wahlverwandtschaft. So will Paracelsus die Blumen nach dem Geruch klassifizieren – wie viel sinnreicher, als Linné nach Staubfäden! Wäre es gar so sonderbar, wenn man auch die Literaten nach ihrem Geruch klassifizierte? Die, welche nach Tabak, die, welche nach Zwiebeln riechen usw."

--- Heinrich Heine: Gedanken und Einfälle, Kapitel III

Freitag, 18. Oktober 2013

Eine Tür, drei Geschichten


(1) Am Ende war es doch später geworden als geplant. Ja, man hatte ursprünglich um Mitternacht aufhören wollen mit der Abschiedsfeierei, schließlich musste Sören am nächsten Morgen um spätestens 11 Uhr im Flieger sitzen, der 11 Uhr 30 Richtung Barcelona aufbrechen sollte. Wie es halt immer so ist, setzte kurz nach Mitternacht die berüchtigte Vier-Bier-Logik ein, die gemeine Partyverlängerungs-Ratio: Du hast doch schon gepackt, außerdem reicht es bei dieser Kurzstrecke, halb elf am Flughafen zu sein, d.h. du fährst kurz vor zehn los, d.h. du stehst kurz nach neun auf, d.h. du kannst satte sieben Stunden schlafen, wenn wir noch bis zwei Uhr feiern, das ist doch völlig ausreichend, außerdem werden deine Mitbewohner ja jetzt auch nicht still und leise in ihren Zimmern verschwinden, und wer weiß, wann wir das nächste Mal alle so gesellig beieinandersitzen. Und so hatten sie ihn überzeugt, diese Schweine, die er so liebte, und aus zwei Uhr wurde drei Uhr und vier Uhr. "Wann wird es eigentlich hell?", fragte Sören in die Runde. Adam und Sophia, die letzten, die noch geblieben waren, zuckten mit den Schultern. Warten wir's einfach ab, beschloss man. "Lass uns doch noch mal was richtig Episches machen, bevor du zwölf Monate unter der spanischen Sonne schuftest", schlug Adam aus heiterem Himmel vor, indem er sich den dritten Wodka Red Bull mixte. Fünf Stunden später – Sören bat die Stewardess um noch ein Wasser – versuchte er zu rekapitulieren, was beim Sonnenaufgang geschehen war. Sein Brummschädel war zu keinerlei Erinnerungsleistungen mehr zu gebrauchen. Fest stand nur, dass die drei Freunde es irgendwie geschafft hatten, die Wohnzimmertür der WG aus den Angeln zu heben und unter schmerzhaften Lachanfällen ("Das ist sooo geil!") in den nahegelegenen Park zu transportieren. Ja, von der "Tür-Aktion" würden sie noch Jahre später erzählen.  

(2) Frankfurt/M. (dpa) Die am Dienstagabend als vermisst gemeldete Speisekammertür einer Frankfurter Bankiersfamilie ist wohlbehalten in einer städtischen Parkanlage aufgefunden worden. Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut, erklärte der Hauseigentümer in einer ersten Stellungnahme. "Natürlich stehen noch ein paar Routineuntersuchungen aus, aber äußerlich scheint die Tür unversehrt zu sein." Die Polizei war zunächst von einer Ent-Türung ausgegangen, eine Lösegeldforderung blieb jedoch aus. "Das waren die schmerzhaftesten Stunden unseres Lebens", gab die aufgewühlte und sichtlich gelöste Ehefrau zu Protokoll, "diese Ungewissheit, was wollen die Kerle, warum ausgerechnet unsere Tür? Wir sind jedenfalls froh, dass die Täter es sich anders überlegt haben." Zeugenaussagen von Nachbarn zufolge hatten sich am Vorabend der Entführung zwei verdächtig aussehende Männer vor dem Anwesen der Familie aufgehalten. Ob ein Zusammenhang mit einem früheren Fall von Türnapping in Hessen besteht, ist im Moment noch unklar. Im März des Jahres waren aus einem Kronberger Einfamilienhaus die Keller- und die Badezimmertür entwendet worden; von ihnen fehlt bis heute jede Spur.

(3) "Kunst im öffentlichen Raum hat mich schon immer fasziniert", sagt Zuzanne Mäckle heute. "Die unbedingte Loslösung vom Ausstellungszusammenhang ist von daher eine Grundvoraussetzung für meine Arbeiten!" So steht denn auch der aktuelle Werkzyklus, >>draußen. nicht wohnen.<<, ganz im Zeichen der unmittelbaren Erfahrbarkeit. "Wenn ein gewöhnlicher Passant plötzlich zum Museumsbesucher wird, ohne es zu wissen, ist das für mich spannender als jede Vernissage und erfüllender als Preise oder Geld", gesteht die 39jährige Detmolderin, die 2005 an der Hochschule für Bildende Künste Bratislava ihre Abschlussarbeit "IKEA, c'est les autres" einreichte. Dafür hatte sie auf einhundert Privatgrundstücken in der slovakischen Hauptstadt Birkeland-Kleiderschränke und Billy-Regale installiert. Seit 2011 tobt sich Mäckle hauptsächlich in deutschen Großstädten aus – und hat ihre Objektpalette um Waschbecken, Fenster, Heizkörper, Esstische und eben Türen erweitert. "Wo hört das Private auf, wo ist Öffentlichkeit wohn-bar?" sind zwei zentrale Fragen der Kunstschaffenden. Nachteile ihres unkonventionellen Vorgehens? "Letzte Woche zum Beispiel", erinnert sich Mäckle, "da wurde eine Kleidertruhe, die ich auf einem Supermarkthinterhof abgestellt hatte, aufs Übelste besudelt, ob von einem Menschen oder einem Hund, kann ich nicht sagen. Und auf die Tür im Park hat gestern Nacht jemand 'Pimmel' geschrieben. Aber gerade das ist für mich Teil des Reizes, diese Interaktion!" Dass sich darüber hinaus Bußgeldbescheide über tausende Euro wegen "Belästigung der Allgemeinheit" in ihrem Büro stapeln, nimmt die Künstlerin in Kauf.
Zuzanne Mäckle: "Abandon All Hope", 2011, Vollspan-Innentür, Stadtpark. Frankfurt am Main.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Irrwege der Verpackungsindustrie


Ausnahmsweise stelle ich das Bild, um das es erst später gehen soll, an den Anfang dieses Blogeintrags. Denn wenn ich es an das Ende hänge, werden die Lesenden immer wieder ebendort hinschielen und sich nicht mehr auf den Text konzentrieren. Also: Gleich erkläre ich, was es damit auf sich hat, aber zuerst muss ich ausholen.

In der DDR war die Standardverpackung für Milch eine wabbelige Plastiktüte. Davon schnitt man eine Ecke ab, worauf sich die Milch aus dem schlauchartigen Teil ungestüm ergoss; das spielt übrigens eine Rolle in der ersten Story der Kurzgeschichtensammlung Lexikon der Angst von Annette Pehnt (Lesetipp!). Wie sollte man nun so eine "angeschnittene" Milchtüte aufbewahren? Ganz einfach, dafür gab es oben abgeschrägte und offene, zylinderförmige Spezialbehältnisse! (Man hätte die Milch natürlich auch in eine Flasche umschütten können.) Irgendwann wurde es den Menschen zu bunt, sie gingen auf die Straße und riefen: "Wir wollen Tetrapaks!" Der Rest ist Geschichte – teilweise! Denn Tütenmilch wurde auch noch nach dem Ende der DDR jahrelang weiterverkauft, zumindest in ausgewählten Märkten. Ein Klassenkamerad von mir transportierte bis zur 10. Klasse sein Pausenbrot in (immer wieder neuen) leeren Milchtüten, wofür er entsprechend gehänselt – heute würde man "gemobbt" sagen – wurde.

Jedenfalls der reine Wahnsinn, Milch in Tüten. Dass man Fleur de Sel oder andere (scheinbar!) "bessere" Salze im Glas ausliefert: geschenkt. Dass man aber das, was man naheliegenderweise in Gläser tut, gelegentlich eben nicht in Gläser tut, ist ein Unding. Und damit komme ich zu obigem Bild. Die "Bittere Orangen Marmelade" von Schwartau kommt nämlich nicht im Glas daher, sondern in der Dose! Einer Blechdose, die nicht von einem Deckel verschlossen wird, sondern von – ha! – "leicht abziehbarer Folie". Eine Hygienekatastrophe hoch 10. Was kommt als nächstes? Marmelade im Schuh? Aprikosen in den Hosen? Senf in Flaschen? Zahnpasta in Büchsen? Warum nicht, immerhin gibt es bereits "Rügenwalder Mühlen Frikadellen" im Becher. 

PS: Wenn man sich umhört, wird man nur sehr wenige Menschen finden, die bitterer Orangenmarmelade mit Stückchen drin etwas abgewinnen können. Ich mag das Zeug, sue me!

Sonntag, 13. Oktober 2013

"Sollen sie doch am Kuchen ersticken!" – Eine Hetzschrift wider das vermaledeite Adelspack

Adel, wie, was? Das gibt's doch bei uns gar nicht mehr! werden manche jetzt denken. Eben! Und doch wird immer noch so getan, als wäre der Adelsstand nie abgeschafft worden, als hätten hochtrabende "Titel" eine über den Namensbestandteil hinausgehende Bedeutung. Zwar durften Herrschaftstitel, die vor dem Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung 1919 erworben wurden, behalten werden; Personen, die diese Regelung betrifft, dürfte es heute nur noch in verschwindend geringer Zahl geben. Doch selbst Nachgeborene schmücken und schmückten sich – siehe meine FAZ-Todesanzeigensammlung – mit den schiIlerndsten Titeln und Prädikaten. In Österreich war man in dieser Beziehung strenger, da wurden selbst die "von"s getilgt; der 2011 gestorbene Kaisersohn hieß dort ganz bescheiden Otto Habsburg. (Dafür hat sich in Österreich quasi als Ersatz eine akademische Titelgeilheit breitgemacht. Sich den "Mag." in den Ausweis eintragen zu lassen ist dort etwas Selbstverständliches.) 
Freilich ist es möglich, auch hierzulande seine standesgemäßen Namensteile einfach unter den Tisch fallen zu lassen (vgl. z.B. die auch sonst sehr okaye Jutta Ditfurth, geb. von Dithfurth). Die Namen sind ja auch gar nicht das Beanstandenswerte. Das Schlimme ist, dass sich "Adelige" nach wie vor privilegiert vorkommen. Sie meinen, weil sie qua Geburt über gewisse Geldmengen und Liegenschaften verfügen und über zehn Ecken mit europäischen Monarchen verwandt sind, hätten sie irgendwelche Sonderrechte oder gar -pflichten, wie etwa das Veranstalten von "Charity-Events", i.e. pompöse Fressgelage, wo veruntreubare "Spenden" gesammelt und Glamour simulierende Partyfotos für die Gala geschossen werden. Die tatsächlich existierende "Vereinigung der Deutschen Adelsverbände" hat übrigens nicht weniger als 25.000 Mitglieder. 
Blaublütler mit allzu viel Tagesfreizeit sehen sich sogar dazu berufen, höhere Aufgaben zu übernehmen, und dann wird's richtig widerlich. FDP-Urgestein Otto Graf Lambsdorff: wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Der einstige Hoffnungsträger der Union Karl-Theodor zu Guttenberg: ein ausgemachter Schmierlappen, Kriegstreiber und Betrüger. In Regensburg, erfuhr ich aus erster Hand, läuft praktisch gar nix ohne die irre Gloria von Thurn und Taxis; sogar ein "fürstliches Forstamt" regelt dort völlig unabhängig vom deutschen Amtsapparat sämtliche Wild- und Wald-Angelegenheiten. Im Freistaat Sachsen hat die anämische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer gerade das Okay für die Streichung von 57 Studiengängen gegeben.
Es lassen sich nicht einmal nennenswerte historische Verdienste des deutschen Adels verzeichnen. Die eigentlichen Regiertätigkeiten haben stets Berater, Minister und Sekretäre übernommen. Zeitgenössische Dramen und Operetten geben einen guten Einblick ins höfische Leben: Den ganzen Tag waren die royalen Nichtsnutze damit beschäftigt, in zentnerschweren Kitschklamotten wie blödsinnig herumzutänzeln, Bändchen zu schwingen und "Hoppsasa!" zu jauchzen. Dazwischen wurde geschmaust, gesoffen, geblutschändet und auf den Fußboden geschissen.
Deutscher Plebs, ich ruf dir zu: Lasst uns endlich "unser" 1789 nachholen, diesmal richtig! Und wenn der letzte Regenbogenpressen-Star enteignet, geteert und gefedert ist, sind jene dran, die noch verkommener und würdeloser sind als die Adeligen selbst: die Adelsexperten.

Freitag, 11. Oktober 2013

Albernes zum Wochenschluss

Kleine Kulturgeschichte des Brummkreisels

Der Brummkreisel ist überraschenderweise eine zentraleuropäische Schöpfung und findet erstmals im Hildebrandslied, einem deutschen Heldenepos aus dem 9. Jahrhundert, als brumon-krîzel Erwähnung. Über die Jahre hinweg entwickelte sich dieses reizende Kinderspielzeug zu einer Wertanlage, die in keinem besseren Haushalt fehlen durfte. Im späten Mittelalter trat der Brummkreisel seinen Siegeszug in Kaukasien, der südlichen Ägäis und dem Hochland von Tibet an. Nicht nur die Kleinsten mochten inzwischen damit spielen, nein, sogar gepuderte Hofdamen ließen die handbemalten Blechteile um die plissierten Röcke kreiseln. Und es durfte sich nicht Ritter nennen, wer nicht mindestens einen Brummkreisel bei einer Schlacht mit sich führte. Auch in vielen Herrscherdynastien der Alten Welt gehört ein Brummkreisel seit jeher neben Zepter und Reichsapfel zum symbolischen Zubehör des Oberhauptes. Otto der IV. von Braunschweig, heißt es, besaß eine Sammlung von immerhin 400 Exemplaren. Die im Jahre 1198 verfassten "Brummkreisel-Statuten" ermächtigten die Hälfte davon zu offiziellen Beratern des mittlerweile vor Demenz und Syphilis siechenden Kaisers. Auch die Französin Katharina von Medici war vernarrt in die drehenden Geräte, wenngleich ihre Passion vornehmlich in der durch eine delikate Zweckentfremdung gewonnenen Lustverschaffung begründet lag. 
Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: dem Aufbau des Brummkreisels. Oben beginnend, besteht er aus einem Knöffel und der Latze. Ganz unten, also das, worauf der Kreisel steht, das ist die Zeixel oder auch der Flimmfuß. Durch das gleichmäßige und schnelle Pumpen des Knöffels lädt sich der Hohlkörper mit Druckluft auf. Wir nennen diesen Vorgang Walken, einige Vertreter der alten Mannheimer Kreiselschule sagen noch Druggen dazu. Den so entstandenen Pumpdruck bezeichnet man als Trempelscherfe. Diese wird mit dem Loslassen des Knöffels durch einen winzigen Kanal im Innern, der Wuhse, eingesaugt und in Kreiselkraft, in Quätsche, umgewandelt. Und voilà!, der Brummkreisel dreht sich, er rotiert, er kreiselt. Seit Anbruch des High-Tech-Zeitalters gibt es Versuche, den Brummkreisel mittels Fiberglas-Technologie zu einem Kommunikationsgerät zu entwickeln. Auch im militärischen Bereich wurde er – leider – zum Objekt der Wissenschaft. Im Vietnamkrieg beispielsweise fand er als Boobie Trap Verwendung.

(geschrieben 2003)