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Donnerstag, 22. Februar 2024

Throwback Thursday: Plympton

In einem Release-Blog tauchten kürzlich mehrere Animationsfilme eines gewissen Bill Plympton auf. Ohne dass ich irgendwelche Bewegtbildausschnitte sah, lösten die Vorschau-Screenshots etwas in mir aus: Der Stil kam mir ungeheuer vertraut vor, obwohl ich mir sicher war, noch nie bewusst ein Plympton'sches Werk konsumiert zu haben. Hatte ich aber wohl! Denn alsbald dämmerte es mir: Wir hatten Mitte der Neunzigerjahre ein Computerspiel für den Amiga 500, dessen Grafik nur von diesem Künstler stammen bzw. auf dessen Animationen basieren konnte, was ich damals jedoch nicht wusste oder nicht wahrhaben wollte; ich war davon ausgegangen, das Game hätte irgendwas mit Monty Python zu tun, dabei haben Terry Gilliams Trickfilme, wie sich leicht überprüfen lässt, keinerlei Ähnlichkeit mit denen Plymptons. Nun ja, ich war damals höchstens 15 Jahre alt und popkulturell noch nicht so sehr bewandert. Dass es bei mir nicht klingelte, als ich später die acht (!) "Couch Gags" sah, die Plympton über die Jahre hinweg für die "Simpsons" gemacht hat, wundert mich allerdings.

Worum ging es nun in der ominösen Amiga-Software, die, wie leicht herauszufinden ist, "Take Your Best Shot" hieß und von 7th Level entwickelt wurde (die vor ihrer Schließung 1998 tatsächlich drei Monty-Python-Spiele herausbrachten – meine Assoziation kam also nicht von ungefähr!)? Dies kann man in einem Gameplay-Video bewundern, das jemand 2010 freundlicherweise auf Youtube hochgeladen hat. Wie man sieht, war das Teil ein Non-Game avant la lettre, denn abgesehen davon, dass man abwechselnd zwei Männchen einander comichaft überzeichnete Gewaltakte antun lässt, passiert nicht viel. Für einen jungen Humorentdecker mit Sinn fürs Abseitige war das freilich genug für etliche launige Nachmittage vor dem Heimcomputer. Wir hatten ja nix!


Für seinen ebenfalls auf Youtube zu findenden Kurzfilm "Your Face" wurde Bill Plympton (*1946) übrigens 1987 für einen Oscar nominiert.

Dienstag, 4. Juli 2023

Betr.: Inflation, Ketchup, Bankomat, Simpsons

Die "gefühlte Inflation" betrage in Deutschland 18 Prozent, wurde Mitte letzten Monats in der Presse verlautbart, die tatsächliche Inflationsrate für den Juni wurde nun auf 6,4 taxiert. Die Folgen der Teuerung, was Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs angeht, gelingt es mir nach wie vor zu umschiffen, denn glücklicherweise habe ich Zeit und Geduld, Sonderangebote zu recherchieren und Preisvergleiche anzustellen (wenn auch neuerdings überwiegend digital).
In anderen Bereichen werde jedoch auch ich hin und wieder unvermittelt vom Preishammer getroffen. Ich komme gerade von der Apotheke und habe dort fast 20 Euro gelatzt: für eine gewöhnliche Packung 400er-Schmerztabletten (Nun gut, immerhin original Ratiopharm-Ibus. Wo sind die Zeiten hin, als einem standardmäßig das günstigere Generikum angeboten wurde?) sowie 10 Gramm eines Mundhöhlen-Gels, das ich für eine verletzte Stelle am Zahnfleisch brauche (Slogan: "Wund im Mund / Gesund im Mund").
Vorher habe ich Hemden zu meiner Stamm-Wäscherei gebracht. Hat ein Teil früher mit 1 Euro zu Buche geschlagen, kostet die Reinigung jetzt fast 2,- € pro Stück. Puh.

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Bei Rewe stand ich etwas unschlüssig vorm Ketchup-Regal, auch hier wieder Überlegungen zu Kosten und Qualität anstellend. Ein anderer Kunde, ein mittelalter Mann, rief mir zu: "Nehmen Sie bloß nicht Heinz! Der wurde neulich von Öko-Test mit der allerschlechtesten Note bewertet. Die Eigenmarke ist völlig in Ordnung, und Sie sparen auch noch Geld." Von dem Test hatte ich gehört, leider bin ich Heinz-Fan, so lange ich denken kann, und war auch jetzt wieder kurz davor, zur klassischen Heinz-Flasche zu greifen. Manchmal braucht man aber einen sanften Schubser, und so nahm ich die Sorte "Weniger Zucker" von Thomy mit.

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Eine ungleich unschönere, ja regelrecht erzürnende Erfahrung mit einem Mitmenschen musste ich vor einem Geldautomaten-Kabuff machen. Weil bereits eine Person zum Zweck des Geldabhebens darinnen war, wartete ich brav vor dem winzigen Raum, damit dieser nicht verstopft würde. Was aber macht jener Anzugtyp, der sich stracks von hinten nähert? Marschiert in die Bankomaten-Kammer und platziert sich ungeduldig hinter der darin noch sich betätigenden Person like he fucking owns that place! Man müsste solche Hirnis von Rechts wegen wie eine unartige Töle zurückpfeifen und mit "Hey, Männeken!" oder noch Despektierlicherem in die Schranken weisen, aber ich hielt natürlich die Klappe.
Diese Begebenheit lässt mich nach 13 Jahren noch derart rotsehen, dass ich sie endlich mal aufschreiben musste.

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Ich lese zurzeit das Sach- und Lachbuch "Springfield Confidential", einen herrlichen Wälzer, den der langjährige "Simpsons"-Autor und -Showrunner Mike Reiss gemeinsam mit Mathew Klickstein verfasst hat. Pflichtlektüre nicht nur für Anhänger der Serie, sondern für alle, die Einblicke in komisches Schaffen bekommen möchten! Einen handlichen Terminus lernte ich dadurch kennen: wacky stack. Darunter verstehen Schreibende "eine Ansammlung von irgendwie komischen Wörtern, von denen sie hoffen, dass am Ende ein Gag dabei herauskommt". Als Beispiel wird der Name des Springfielder Comicshops genannt: "The Android's Dungeon & Baseball Card Shop". Reiss: "Ich fand, es war gut genug, denn schließlich würde dieser Comicbuchladen ja nur ein einziges Mal im Blick sein." (nämlich in der Folge "Three Men and a Comic Book" von 1992) "Seitdem ist der Laden mit seinem doch nicht so witzigen Namen in Dutzenden von Folgen aufgetaucht. Es ist mir jedes Mal neu peinlich."
Wacky stack, das werde ich mir merken, auf dass ich nie einen baue.

Sonntag, 30. Oktober 2022

Cinema Para-(Annoyed Grunt)-so

Die "Simpsons" können hin und wieder doch noch positiv überraschen. Die Episode mit dem banal klingenden und irreführenden Titel "Lisa the Boy Scout" (34x03) artet nach wenigen Minuten zu einer der freidrehendsten wie auch komischsten aus: Die reguläre Handlung wird von zwei an Anonymous angelehnten Hackern unterbrochen, die mit der Veröffentlichung nie ausgestrahlter, weil unsendbarer "Simpsons"-Schnipsel drohen, sollte ihnen nicht eine gewisse Summe an Bitcoins ausgezahlt werden. Natürlich bekommen wir dann eine Clip-Show dieser peinlichen bis rufschädigend depperten Storylines zu sehen, darunter ulkigerweise einige echte Ausschnitte vergangener Folgen.

Wegen einer speziellen Sequenz schreibe ich diesen Blogbeitrag überhaupt, bestätigte sie doch eine Vermutung, die ich vor circa drei Jahren getätigt habe: dass nämlich regelmäßig Geschichten nur entstehen, weil die Autoren auf ein entsprechendes popkulturelles Wortspiel gekommen sind. Angekündigt wurde die Montage mit den Worten "… as stunning as this list of abandoned episodes that started as clever titles and went nowhere!" Sodann waren folgende Episodentitel nebst die Handlung zusammenfassenden Standbildern zu sehen:

- For Whom the Mel Bowls < "For Whom the Bell Tolls", dt. "Wem die Stunde schlägt" (Sideshow Mel spielt Bowling)
- Finding Blinky < "Finding Nemo" (mit Spingfields dreiäugigem Fisch als Nemo)
- Sideshow Bob Ross (Sideshow Bob als TV-Zeichenlehrer)
- Guest Stu's Coming to Skinner < "Guess Who's Coming to Dinner", dt. "Rat mal, wer zum Essen kommt" (Disco Stu zu Gast bei Rektor Skinner)
- Dis-Homer-able Dis-Marge (Homer und Marge werden unehrenhaft [dishonorably] aus der Armee entlassen [discharged])
- C.H.U.M. Kind of Wonderful (Diese Anspielung verstehe ich nicht; man sieht Martin Prince und eine Roboter-Cheerleaderin)
- Otto's Erotic Grass Fixation < auto-erotic asphyxiation (Otto hält eine Bong, die einer nackten Frau nachempfunden ist)
- Grimes and Misdemeanors < crimes and misdemeanors (Frank Grimes begeht Ordnungswidrigkeiten [misdemeanors])
- Snake on a Plane < "Snakes on a Plane" (mit dem Gangster Snake)
- Washy-Mon < "Rashomon" (Marge öffnet eine Packung "Mr. Sparkle")
- Once Upon a Time in a Vest (dürfte klar sein; Nelson Muntz im Wilden Westen)
- Wild Wild Vest (dito)
- Vest Side Story ("West Side Story" mit, genau, Nelson)
- So You Frink You Can France? < "So You Think You Can Dance" (Prof. Frink in Paris)
- Moe Money, Moe Prom-Blems < "Mo Money Mo Problems" (Moe auf einem Abschlussball [prom])
- Kang, Kang, Kang Went the Trolley < "Clang, clang, clang went the trolley" (Das musste ich erst recherchieren: Es ist der sog "Trolley Song" aus dem Judy-Garland-Film "Meet Me in St. Louis")

Montag, 18. November 2019

The Bart of Writing

Ich habe eine Theorie die Handlungen moderner "Simpsons"-Episoden betreffend: Hin und wieder scheinen den Autoren auf Wortspielen basierende Folgentitel einzufallen, aufgrund derer bzw. um die herum sie dann erst eine Geschichte spinnen. Beispiel: In "Three Gays of the Condo" (14x17) – natürlich eine Anspielung auf "Three Days of the Condor" ("Die drei Tage des Condor") – zieht Homer vorübergehend mit zwei homosexuellen Männern (gays) in eine Eigentumswohnung (condo). Man kann mir doch nicht erzählen, dass das Schreibteam die Story entwickelt hat, bevor es auf den Trichter kam, dass es zufällig einen Filmtitel gibt, der sich so umformen lässt, dass er zum Inhalt passt.

Ein ähnlicher Fall: Episode 22x07 heißt "How Munched is that Birdie in the Window?", eine Abwandlung des Oldies "How Much is that Doggie in the Window?", und es geht darum, dass eine in Barts Obhut stehende Brieftaube (ein Vögelchen, a birdie) vom Familienhund gefressen / zerkaut (munched) wird. Noch einmal: Ich bin mir sicher, dass zuerst jemandem der Wortwitz in den Sinn gekommen ist, und als zweiter Schritt begann das eigentliche Erzählen.

Weitere Beispiele gefällig? In "Jaws Wired Shut" (13x09) – vgl. den Filmtitel "Eyes Wide Shut" – muss Homers Kiefer (jaws) nach einem Unfall mit Drähten zusammengehalten werden (wired shut). Es geht noch konstruierter: Aus dem Kinderreim "Eeny Meeny Miny Moe" wurde der Titel von Episode 20x16, "Eeny Teeny Maya Moe", in welcher Barkeeper Moe (!) eine Kleinwüchsige (!) namens Maya (!) datet. Man denke auch an 29x20, "Throw Grampa from the Dane" (eine Referenz an "Throw Momma from the Train", zu deutsch "Schmeiß' die Mama aus dem Zug!"), worin es die Sippe wegen Grampa nach Dänemark verschlägt. Oder an "The Old Blue Mayor She Ain't What She Used to Be" (29x06): Hier kandidiert Marge (auf deren Haarfarbe sich "blue" bezieht) als Bürgermeisterin (mayor). Inspiration ist das Traditional von der alten grauen Stute, "The Old Gray Mare", das überhaupt erst dank den "Simpsons" einer größeren nicht-englischsprachigen Öffentlichkeit bekannt geworden sein dürfte (04x22). Ein Grenzfall scheint mir "Don't Fear the Roofer" (16x16) zu sein, wo ein von Ray Romano gesprochener Dachdecker (roofer) in Homers Leben tritt, der sich als imaginärer Freund entpuppt. Hier hat man sich womöglich erst nach dem Plotting an den Song "Don't Fear the Reaper" erinnert.

Ich möchte die Kreativität dieser Methodik keineswegs in Abrede stellen. Nach so vielen Jahren muss man halt neue Wege der Ideenfindung gehen.

Dienstag, 12. Juli 2016

Den Schuss nicht gehört

In der Süddeutschen Zeitung steht heute ein schöner Kommentar von Jörg Häntzschel über die Schwierigkeit, angemessen in deutscher Sprache über amerikanische Gewalttaten zu berichten. Auszug: "Mit 'Schießerei' lässt sich ein shooting wie das von Dallas jedenfalls nicht übersetzen. Schießerei, das klingt nach Clint Eastwood, wiehernden Pferden und splitternden Whiskeyflaschen, nach Desperados, die nichts zu verlieren haben - einem shootout." Immerhin: Mit "Polizeischießereien" sind police shootings noch nicht übersetzt worden, soweit ich das überblicken kann. Was sollte man sich auch darunter vorstellen? Polizisten, die auf einander schießen? 

Die Wiedergabe von shooter mit "Schütze", auf die der Artikel weiters eingeht, finde ich am wenigsten problematisch, auch wenn eine (holprige) Wortwahl wie "Abfeuernder" oder "(um sich) Schießender" geeigneter wäre – je nach Täterverhalten bzw. -vorsatz. Hier der m.M.n. wichtigste Punkt: "Nicht einmal für das transitive Verb to shoot gibt es ein Äquivalent. Im Englischen bleibt erst mal offen, was genau die Kugel angerichtet hat. [...] Deshalb behelfen sich deutsche Synchronisierungen englischsprachiger Filmen gern mit Euphemismen wie 'Ich hab' ihn erwischt', wenn es im Original 'I shot him' heißt." Das hat mich schon immer an dem deutschen Titel der Simpsons-Folge "Who Shot Mr. Burns?" gestört, der da lautet: "Wer erschoss Mr. Burns?" Mr. Burns wird in dieser Episode eben nicht er-, sondern angeschossen!

Noch einmal zum shooting: Auf leo.org diskutiert man das Wort "shooting victim", wobei die Frage aufkommt "Aber was ist der Unterschied zwischen Schießerei und Schusswechsel? Ist eine Schießerei, wenn nur einer eine Waffe hat? Oder ist Schießerei im kriminellen Bereich und Schusswechsel militärisch?" Ich habe keine Lösung für all diese Sprachbarrieren. Vielleicht sollte man sich wortbildungsmäßig nah an das englische Vorbild halten und für shooting den substantivierten Infinitiv aktivieren, wie im berühmten "Hornberger Schießen", von dem man übrigens bis heute nicht genau weiß, welcher Art dieses Schießen überhaupt war. Andererseits klingt "Polizeischießen" wiederum nach einem launigen Programmpunkt auf dem jährlichen Dorffest.

Montag, 25. März 2013

A conflagration of firebugs

Ein Grund dafür, dass ich die englische Sprache so sehr mag und sie für der deutschen teilweise überlegen halte, ist ihr unglaublich reicher Wortschatz. Besonders in der Tierwelt gibt es da jede Menge zu entdecken. Auf geht's!

Bei den Simpsons habe ich neulich gelernt, dass man kleine Kängurus joeys nennt. Das ließ mich darüber nachdenken, warum es mehrere englische Tierbezeichnungen gibt, die mit Personennamen identisch sind. Nachdenken brachte mich in diesem Fall nicht weiter, also bemühte ich zunächst Wikipedia: Weibliche Esel heißen jenny, männliche jack; Kater heißen tom; männliche Krabben heißen jimmy; Hirschbullen heißen buck; weibliche Frettchen heißen jill; männliche Füchse heißen tod; Geißböcke heißen billy. Diese Liste wiederum lieferte leider keine Erklärung. Also mussten Herkunfts-Wörterbücher bemüht werden. Joeys nennt man nicht nur Kängurulinge, sondern auch Koalas, Wombats, Wallabys und Opossums. Aha! Alles australische Tiere, und siehe: Das Wort kommt entweder von einem Aborigine-Wort joè oder dem tatsächlichen Personennamen (< Joseph), der im australischen Slang des 20. Jahrhunderts für alles mögliche verwendet wurde.[1] Buck ist ein altes Erbwort, verwandt mit dt. Bock; dass der männliche Vorname Buck ursprünglich Personen gegeben wurde, die einem Ziegenbock ähnelten, habe ich einer zwielichtigen Quelle entnommen – wer Genaueres weiß, möge sich melden. Jenny ist wahrscheinlich eine Kurzform zu jennet, was "spanisches Pferdchen" bedeutet und eine Entlehnung aus frz. genet ist (das wiederum < span. ginete < arab. Zenāta "Berber").[2] Mit dem Frauennamen Jenny hat das nichts zu tun. Jack (der Eselmann, auch der Rammler) hingegen geht wirklich auf den Personennamen zurück: "The proper name was used in Middle English for 'any common fellow' (mid-14c.), and thereafter extended to various appliances replacing servants (1570s). Used generically of men (jack-of-all-trades, 1610s), male animals (1620s, see jackass, jackdaw, etc.), and male personifications (1520s, e.g. Jack Frost, 1826)."[3] Auf jimmy und billy trifft dasselbe zu ("applied to various objects")[4]; und ähnlich verhält es sich mit tom: "used in M.E. as a type of a nickname for a common man", während tomcat erstmals 1809 belegt ist ("probably influenced by Tom the Cat in the popular children's book 'The Life and Adventures of a Cat' [1760]; replaced earlier Gib-cat, from dim. of Gilbert").[5] Ich vermute, dass jill, das neben der Frettchendame auch ein paar andere Weibchen bezeichnet, nur eine Analogie zu jack ist ("Jack & Jill" tauchen in dieser Paarung zum ersten Mal im 15. Jh. auf). Zu tod ("Scottish and northern English term for fox", Wikipedia) konnte ich leider keine Erklärung finden – auch hier wäre ich für Expertenmeldungen dankbar.

Auch in der deutschen Tierbezeichnungsliste geht es schillernd zu. Wer z.B. weiß schon, dass ein Schafsjunges auch "Zutreter" genannt wird und ein vor der Schlachtung kastrierter Eber "Altschneider"?

Eine Besonderheit im Englischen ist die Doppelbenennung von essbaren Tieren in ihrer Wild- und ihrer Servierform, vgl. pig vs. pork. Die Fleischnamen kommen dabei allesamt aus dem Französischen (beef < altfrz. boef), während die eigentlichen Tierbezeichnungen ererbt sind (cow : dt. Kuh). Dieser kulinarische Einfluss des Französischen hat sich noch stärker in einem weiteren Komplex niedergeschlagen, nämlich dem der collective nouns, also der Sammelbezeichnungen von Tieren. Wo wir Deutschsprechenden von Herden, Schwärmen, Rotten und einer Handvoll anderer Tiergruppen reden, benutzt der Englischsprecher praktisch für jede Tierart ein eigenes Kollektivum. Auch dazu gibt es eine Wikipedialiste. "A pandemonium of parrots", "a smack of jellyfish", "a whoop of gorillas" – das erscheint unsereins so unglaublich wie die Vorstellung, dass jedes Schulkind in Kanada oder Irland dergleichen memorieren muss und kann. Und was hat das mit den Franzosen zu tun? Kurz gesagt: Die französische Jagdtradition mit ihrer ausgeklügelten Terminologie, die im Spätmittelalter nach England gekommen ist, hat Schuld daran.

Das Vorhandensein der collective nouns hat die Fantasie vieler englischsprachiger Autoren beflügelt. Im Internet findet man unzählige Projekte zum Ausbau der Liste – mal in halbernster, mal in spaßiger Absicht. Für alle möglichen (nicht nur tierischen) Gruppen sucht man neue Sammelwörter ("an amalgam of dentists", "a decomposition of zombies"). Bekannt sein dürfte auch J.K. Tooles A Confederacy of Dunces, einer der beliebtesten humoristischen Romane Amerikas. 

Bonus-Abschweifung: Kann man zu einer Gruppe von Insekten "Horde" sagen? Eine Horde von Feuerkäfern vermochte in meinen Kindergarten- und Grundschultagen jedenfalls ein Riesen-Hallo und eine Mordsaufregung zu verursachen. "Feuerkäfer, Feuerkäfer!!!", schrien wir Kids wild durcheinander. Streng genommen handelte es sich um Feuerwanzen (Pyrrhocoris apterus), aber so haben wir die halt genannt. Vor nicht allzu langer Zeit erzählte mir nun eine Kindergärtnerin, dass Feuerkäfer noch immer eine Rolle im Leben von jungen Menschen spielen. Ich war baff. Eine entomologische Konstante, über Generationen und Staatsformen hinweg! Ich präge hiermit das Sprichwort "Wo Kinder sind, sind Feuerkäfer".

1 www.etymonline.com s.v. Joey
2 Holthausen, Ferdinand (1927): Etymologisches Wörterbuch der englischen Sprache. 2. Aufl. Leipzig: Tauchnitz
3 www.etymonline.com s.v. Jack
4 ebd. s.v. Jimmy
5 http://de.scribd.com/doc/36240735/English-Etymological-Dictionary kostenlos herunterladbar, Autor nicht auszumachen

Dienstag, 19. März 2013

Wiederentdeckt: Life in Hell


Was macht eigentlich Matt Groening den ganzen Tag? Gut, er wird bei den Simpsons und bei Futurama als ausführender Produzent geführt, aber weder hat er in diesem Jahrtausend ein einziges Drehbuch geschrieben noch hat er irgendwelche Voice acting-Verpflichtungen (im Gegensatz zu seinem Epigonen Seth MacFarlane, der circa die Hälfte aller Rollen in seinen Serien selbst spricht). Aber selbst wenn wir Naivlinge uns heute vorstellen, wie Mr. Groening nur noch zu Hause sitzt und das hineinsprudelnde Geld sortiert, sollten wir nicht vergessen, wie ungeheuer kreativ und produktiv der Cartoonist aus Portland war, bevor er eines der größten Popkulturphänomene unserer Zeit schuf.

Noch vor den Tracy-Ullman-Shorts gab es Life in Hell. Unter diesem programmatischen Titel veröffentlichte Groening ab 1977, zunächst im Eigenverlag, humoristische Comicstrips zu den großen Domänen des Lebens. Daraus entstanden schließlich eine tägliche Zeitungs-Cartoonreihe, die noch bis 2012 (!) lief, sowie bis dato 15 Sammelbände, darunter "Love is Hell", "Childhood is Hell" und "Work is Hell". Die vollständige Historie kann man bei Wikipedia nachlesen. Jedenfalls sind diese Büchlein inzwischen für ein paar Euro antiquarisch zu haben (Booklooker, Abebooks etc.). In einem Anfall von Nostalgie (in meiner Jugendzeit gab es "Schule ist die Hölle" – jawohl, auf Deutsch! – in unserer Stadtbücherei) habe ich mir ein paar dieser Bände bestellt und amüsiere mich gerade köstlich darüber.


(Bilder anklicken zur Großansicht) Wimmelbilder und Listenhumor sind das Markenzeichen der Cartoons. Auch Zeitschriftenparodien begegnen uns des öfteren.


Der Hase Binky sowie die Fez tragenden menschlichen Freunde Akbar & Jeff gehören zum Hauptpersonal der Höllencomics. Bemerkenswerterweise haben an einigen Stellen bereits die Simpsonskinder einen Auftritt, wenn auch in Hasenform.


Überhaupt wird in Life in Hell viel von der simpsontypischen Satire vorweggenommen, wobei es noch deutlich subversiver und bitterer zur Sache geht.


Fazit: Man merkt den quadratischen Büchern, die zum Teil in den tiefsten Achtzigern erschienen sind, ihr Alter nicht an. Sehr hübsch, das alles.

Sonntag, 8. März 2009

Pfeffer, Peperoni und co.

In seinem Buch Wenn man einen weißen Anzug anhat schreibt Max Goldt:

Ich entsinne mich einer vegetarischen Rezeptesammlung, aus dem Englischen übersetzt, in der für eine Art Ratatouille 500 Gramm grüner Pfeffer veranschlagt wurden. Unterm Tische derer, die das wortgetreu ausgeführt haben, wäre ich gern Mäuschen gewesen. Gemeint war mit Sicherheit grüner Paprika. Der heißt auf englisch auch "green pepper".

Befasst man sich weiter mit der Gattung (!) Paprika, stößt man auf eine ganze Reihe sprachübergreifender Unklarheiten. Das, was wir Deutschen als Paprika(schote) bezeichnen, ist die Art (!) Capsicum annuum. Dummerweise gibt es von dieser Art auch noch diverse Fruchttypen, u.a. die länglichen Chilischoten verschieder Schärfe und Farbe. Natürlich meinen wir, wenn wir von "Paprika" sprechen, gewöhnlich den Glocken- oder Blockpaprika-Typ, der im Englischen neben capsicum auch bell pepper heißt (vgl. die Simpsons-Episode "Dial 'N' for Nerder", wo Homer süchtig danach wird). Das englische Wort paprika gibt es auch, doch bezieht sich dieses lediglich auf das Paprikapulver, übrigens genau wie im Schweizer Sprachraum. Verkompliziert wird die Sache noch dadurch, dass die Gattung Pfeffer (lat. piper) im Englischen ebenfalls pepper heißt. Die Erklärung für diese Polysemie ist laut Wikipedia: "The misleading name 'pepper' (pimiento in Spanish) was given by Christopher Columbus upon bringing the plant back to Europe. At that time peppercorns, the fruit of Piper nigrum, an unrelated plant, were a highly prized condiment." Und was ist nun mit green, white und black pepper? Ganz einfach: Grüner, weißer und schwarzer Pfeffer sind alles Unterarten der eben genannten Spezies Piper nigrum, die auf Englisch auch wieder black pepper heißt.

Nun fragt man sich: "Wieso essen Kinder in US-Filmen so gerne Peperoni-Pizza?" Das sind natürlich Übersetzungsfehler! Peperoni (amerikanisch: pepperoni) ist nichts anderes als Salami, wobei Salami auch mit salami bezeichnet wird. Immer noch nicht verwirrt genug? Schauen wir in das Forum von leo.org: "Curiously, some pizzerias will offer both 'salami' and/or 'pepperoni' on their pizzas." Bleibt noch zu klären, wie man auf Englisch wirkliche Peperonis bestellt. Hierfür nimmt man das auf eine mexikanische Stadt zurückgehende Wort jalapeño. Und jetzt kommt's: In Deutschland kennt man Jalapeños ebenfalls, und sie werden – so Wikipedia – "oft im Kino zusammen mit Nacho-Chips unter dem Namen Peperoni verkauft". Sie gehören wiederum zur schon genannten Art Capsicum annuum, die, wie ich soeben lese, auch auf Deutsch "Spanischer Pfeffer" heißt. Oh Mann ...