Dienstag, 29. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (12 & Schluss)

Tag 12 || Niebüll – Neukirchen (Nordfriesland) – Klanxbüll

Um das mir gestern durch die Lappen gegangene Hotelfrühstück wieder "reinzuholen", habe ich heute morgen am Buffet wie ein Berserker zugeschlagen, hehe. Wahrscheinlich habe ich, wie bei jeder Reise, trotzdem mindestens zwei Kilogramm abgenommen.

Der Endspurt war ziemlich unspektakulär, fast antiklimaktisch: Es ging reibungslos nach Niebüll, nach Neukirchen und schließlich nach Klanxbüll. Ausgestiegen, einmal um den Pudding gelatscht, zwei Videos gemacht, Heimreise angetreten. Auf dieser Heimreise befinde ich mich immer noch! 

Diese Zugfahrt (1x IC, 1x ICE) hält auch gleich wieder alles bereit, was wir an der Deutschen Bahn lieben: Lokwechsel, Umleitung, geschlossenes Bistro wegen Personalausfall, sinnloses Stehen mitten auf der Strecke. Mit 35 Minuten Verspätung werde ich wohl kurz nach halb zwölf in Frankfurt einrollen. Zum Vergleich: Von all den Bussen, die ich in den letzten zwölf Tagen benutzt habe, waren vielleicht vier verspätet, und keiner davon mehr als zehn Minuten. Auch musste ich nur ein einziges Mal stehen, nie war die Toilette kaputt (weil es im Linienbus keine gibt), und umweltschonend ist diese Fortbewegungsart obendrein [citation needed].

Die wichtigste Frage lautet natürlich: Wie geht es meinem Hintern? Ich kann versichern: In dem Bereich ist alles tippi-toppi. Ein bisschen kaputt bin ich jetzt dennoch. In meiner Reiselektüre, Michael Wildts "Zerborstene Zeit", bin ich bis zum Jahr 1938 gekommen.




Insgesamt habe ich in 66 Bussen gesessen. Zum Nachahmen ist mein Reiseplan nur bedingt geeignet, denn es fallen unvermeidbarerweise zwei Wochenenden mit eigenen Fahrplänen rein, und je nachdem wann man startet, ergeben sich andere Tagesrouten (zudem könnte man das Ganze auch schneller "wuppen", wenn man bereit ist, auch mal zwölf Stunden am Stück zu fahren; aber das hier sollte ja kein Rekordversuch werden).

Orte, in denen ich vorher noch nie war und die ich gerne wieder besuchen würde: Schwäbisch Gmünd, Meiningen, Hann. Münden, Uslar, Flensburg.

Now playing: Violet Cold - Pride

Montag, 28. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (11)

Tag 11 || Hamburg-Flughafen – Neumünster – Nortorf – Rendsburg – Kropp – Schleswig – Flensburg

Heute bewältigte ich die letzte Ganztagsetappe. Entsprechend motiviert startete ich in den Tag, freute mich sogar auf den Gewaltmarsch zum Pinneberger Bahnhof. Ärgern musste ich mich aber, als ich beim Auschecken erfuhr, dass ein Frühstück auf mich wartete. Davon stand nichts in der Buchung!!! Na ja, ich hätte eh kaum Zeit gehabt, es zu genießen.

Mit Neumünster, Rendsburg und Schleswig standen heute drei bekanntere Gemeinden als Umsteigepunkte auf dem Plan, ich lernte aber auch mystische Nester kennen wie Kropp (in dessen Nähe ein weiteres Wisentgehege ist, das zu besuchen mir jedoch abermals die Zeit fehlte) und das programmatisch benamste Busdorf. Letzteres trägt den Slogan "Herz des Wikingerlandes". Hier, in der Nähe der Ringwallsiedlung Haithabu, wurde im 19. Jahrhundert ein Runenstein gefunden, der seitdem das Wappen von Busdorf ziert, womit dies die einzige deutsche Gemeinde mit Runen in ihrem Wappen sein dürfte (gutes Quizwissen!). Außerdem lernte ich, dass Boklund und Böklund zwei verschiedene Ortschaften sind.

Von Kropp fuhr ich in einem Kleinbus mit, der diesmal tatsächlich bis auf einen Platz ausgefüllt war! Auf NDR 1 las der Moderator die Nachricht einer Hörerin vor: den bis aufs Wort geklauten Hauck&Bauer-Tweet "Ich möchte in einer Welt leben, in der die Pralinen auf der Oberseite der Schachtel beschrieben werden. Auf der Oberseite."

Im wie erwartet bezaubernden Flensburg habe ich nach einem Touri-Rundgang endlich einmal anständig – und dem maritimen Flair angemessen – gespeist. 

Morgen dann großes Finale. Läuft heute was Gescheites im dänischen Fernsehen?









(Das Gerät hinten rechts könnte Kybersetzung-Lesenden mit sehr gutem Gedächtnis bekannt vorkommen.)

Sonntag, 27. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (10)

Tag 10 || Zeven – Sittensen – Ramshausen (Vierden) [– Sauensiek] – Buxtehude – Hamburg-Finkenwerder – Hamburg-Altona – Schenefeld – Pinneberg

Heute habe ich zweimal Anruflinientaxis benutzt; einmal handelte es sich um eine klassische Taxi-Limousine, einmal um einen Krankentransporter, beide Male war ich der einzige Fahrgast. Man kann diskutieren, ob das noch "Busse" im Sinne meiner Challenge sind, aber sie wurden mir als Verkehrsmittel in der Öffi-App angeboten, hatten eigene Liniennummern und waren auf den Haltestellenplänen aufgeführt – them's the rules!

Dem Fahrer, der mich von Sittensen nach Ramshausen brachte (vorher stoppte ich in Zeven, "die Einkaufsstadt"), erzählte ich auf seine Frage nach meinem Ziel von meinem Projekt. Er fand es tatsächlich interessant – "Ein Schreibender an Bord, das hat man auch nicht alle Tage" –, kam dann aber bald auf die ganz großen Themen zu sprechen. "Fragen Sie sich manchmal, wohin wir global eigentlich hinsteuern?" – "Ja, die Weltlage kann einem schon Angst machen." (...) "Wann wurden Sie konfirmiert?" – "Gar nicht. Ich komme aus dem Osten, da haben fast alle Jugendweihe." – "Was ist das denn? Heißt das, Sie glauben gar nicht an Gott? ... Überlegen Sie sich das gut. Der Mensch muss, wenn er seine Umwelt beobachtet, erkennen, dass es einen Schöpfer gibt."

Da endete die Fahrt leider schon, doch der nächste Spaß ließ nicht auf sich warten: Der Bus nach Sauensiek entpuppte sich, was die Öffi-App verschwiegen hatte, EBENFALLS als Anruftaxi. Ich konnte spontan keins bestellen, hatte aber gott(!)lob exakt eineinhalb Stunden, um die sechs Kilometer auf Schusters Rappen zurückzulegen. Die prasselnde Sonne war mir dabei lieber als Dauerregen, wie er wohl momentan den Süden heimsucht.

Der Süden! Mittlerweile ein verwehtes Echo aus der Vergangenheit. In Buxtehude hörte ich die ersten Möwen, ab Jork häufte sich die Reetdachdichte. Ja, moin! Zu gerne hätte ich bei Hamburg mit der Fähre übergesetzt, denn ich liebe Fähren, aber das hätte nun wirklich nicht gegüldet. Also mit dem Bus unter der Elbe durch und in umständlichem Zickzack nach Pinneberg.

Warum ich nicht in Hamburg Station gemacht habe, möchtet ihr wissen? Die Sache ist die: Hamburg ist meine Lieblingsstadt in Deutschland, und wenn mir nur ein Abend und ein Morgen zur Verfügung gestanden hätten, wäre ich traurig gewesen: All die Sehenswürdigkeiten und die lieben Leute, die ich dort kenne, zum Greifen nahe und doch so fern. Nee, pragmatischer, unsentimentaler Transit soll es diesmal sein.

Der heutige Abschnitt war unterm Strich der forderndste. Einmal musste ich sogar stehen, und zum Hotel 40 Minuten ins Gewerbegebiet schlurfen. Morgen werde ich Flensburg erreichen, und ich will verdammt sein, wenn ich mir zum Feierabend nicht ein lokales Ploppflaschengebräu in die Rüstung kippe!


Meine gestrige Gastgeberin war Lebensmittelretterin, was ich prinzipiell begrüße, nur hatte ich ein Mirácoli-Nachahmerprodukt schon vor ein Tagen gehabt (wobei die zwei im Korb von jeweils anderen Discountern waren; ich hätte also einen Vergleichstest durchführen können). Eine Instant-Asia-Pfanne im Korb war bereits 2017 abgelaufen, und die Bundeswehr-Fertiggerichte im Kühlschrank, obschon nicht minderwertig, enthielten allesamt Fleisch.

Also holte ich mir von Aldi (Nord!) Rosmarinkartoffeln und TK-Buttergemüse. Für mehr hat meine Muße nicht gereicht.

Buxtehude

Hier werden Airbusse gebaut.

Samstag, 26. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (9)

Tag 9 || Mandelsloh (Neustadt am Rübenberge) – Stöckendrebber (Neustadt am Rübenberge) – Rethem (Aller) – Walsrode – Benefeld (Walsrode) – Rotenburg (Wümme)

Manchmal spaziere ich durch eines der vielen Villenviertel in diesem Land und denke mir: 'Wo im Leben bin ich eigentlich falsch abgebogen, dass ICH nicht in so einer Hütte wohne? Grrrr, ich könnt alles kurz und klein schlagen!!!' Aber dann meldet sich eine innere Stimme: 'Na na na, die Menschen, die hier wohnen, können bestimmt nicht einfach so unter der Woche sinnlos durch die Gegend scharwenzeln. Check dein Privileg, Bengel!'

Was ich damit sagen will: Ich schätze nett aussehende Häuser. Sogar die oft als spießig verschrienen Klinkerbauten hier im niedersächsischen Flachland taugen mir. Ich schreibe diese Zeilen in Mandelsloh (gehört zu Neustadt am Rübenberge – bekannt durch Max Goldt!) und bin erleichtert, Hannover verlassen zu haben. Nix gegen Hannover, aber ich verlerne allmählich, mit Großstädten klarzukommen. Zumal mein zugegeben günstiges Hotel nicht sehr einladend war: Lärm von draußen, Gestank im Bad, fehlender Rauchmelder, trauriger Blick auf die ehemalige Galeria Kaufhof. Dafür war es nahe der Marktkirche gelegen, auf welcher ein gigantisches Pentagramm prangt und vor der ein Offener Bücherschrank steht. Auch die Markthalle war nicht weit. Sie ist donnerstags bis 22 Uhr geöffnet; in einem koreanischen Bistro bestellte ich etwas, das ich seit über fünf Jahren nicht gegessen hatte: Bibimbap. Dazu Litschisaft, gut.

Frühstück heute wieder leicht würdelos, im Park Schokostreuselplunder von Edeka, kein Kaffee. Von Hannover nach Hamburg zu kommen, ist nicht ohne. Hannover als Knotenpunkt schien mir ein no-brainer zu sein, doch ich hätte mich besser weiter von Osten her vorarbeiten sollen. Der DB Navigator ist mittlerweile gar keine Hilfe mehr, denn die norddeutschen Netzpläne sind, wie's aussieht, nicht darin integriert. Wenigstens auf die Öffi-App ist Verlass. Nun also nach Stöckendrebber (mit süßem Bücherschrank im Wartehäusel). Rethem, Walsrode (bekannt durch den Vogelpark!), Benefeld und schließlich Rotenburg an der Wümme. Ich denke mir das nicht aus!

In Rotenburg (bekannt durch diese eine "SpOn"-Kolumne!) erwartet mich eine hoffentlich charmante Ferienwohnung. Vielleicht koche ich heute Abend.







Freitag, 25. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (8)

Tag 8 || Göttingen – Uslar – Holzminden – Hameln – Bad Münder – Springe – Hannover

Gestern wieder gemerkt, wie billig Kassel im Vergleich zu Frankfurt ist. Ich aß eine Falafeltasche für 4,- € (das ist nicht mal ein halber Döner!). Bei strömendem Regen kam ich wenig später in Hann. Münden an und verkroch mich sogleich in meinem winzigen Zimmer in einem rustikal-gemütlichen Fachwerk-Gasthaus. Fairer Preis, Frühstück inbegriffen.

Heute morgen bei fortgesetztem Niederschlag erst nach Göttingen, dann nach Uslar, wo ich einen längeren Aufenthalt hatte, den ich sehr genoss. Leider waren die zahlreich vorhandenen Bänke allesamt nass, so dass ich mein Vesper – das inzwischen reichlich uncrispe FinnCrisp mit Räucherkäse von gestern – im Haltestellenwartehäuschen einnahm. Ich kam mir vor wie ein Landstreicher – herrlich, so wurde ich mal wieder geerdet.

Bodenständig in seiner direkten Ruppigkeit und mir dadurch sympathisch ist auch das hiesige Landvolk, das mir wie ein stolzer Gegenentwurf zum steifen, betont fein artikulierenden Welfengezücht erscheint. Eine Kioskdame antwortete, als ich sie nach WC-Benutzung fragte, schlicht: "Pipi?" Eine Frau im Bus zischte einem Schuljungen, der einen Ball in den Händen hielt, zu: "Wenn du den hier durchschmeißt, bist du erledigt, du Pfeife!", und der Fahrer des Busses nach Holzminden (der aussah wie Patrick Stewart) schrie, als ein paar Kinder sich beim Aussteigen zu viel Zeit ließen: "Wird's bald?!"

Nach Hameln und Bad Münder verschlug es mich nach Springe. Da soll es ein Wisentgehege geben. Jetzt aber auf nach Hannover, hurra. *das Niedersachsenlied anstimm*

Hübscher Ort trotz Namen mit ekligen Assoziationen: Uslar. Das Bernsteinzimmer wurde hier schon vermutet. In Uslar habe ich auch den bislang letzten Maibaum (von bescheidener Höhe) gesehen.

In Uslar gibt's sogar einen Offenen Spieleschrank.

Stoff für eure Träume.

Die Weser und zwei Gewesene.

Hameln nennt sich ganz offiziell "Rattenfängerstadt". Warum nennt man den Rattenfänger von Hameln eigentlich so und nicht "Kindesentführer von Hameln"? Das ist, als wäre der Kannibale von Rotenburg als "der IT-Techniker von Rotenburg" bekannt. Das hessische Rotenburg ist übrigens nicht zu verwechseln mit Rohtenburg (Tauber) und Rothenburg ob der Wümme. Letzteres ist mein morgiges Ziel.

Donnerstag, 24. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (7)

Tag 7 || Kaltennordheim – Dermbach – Bad Salzungen – Eisenach – Eschwege – Kassel – Hann. Münden

Kurzer Schreck in Kaltennordheim: Bei dem Bus nach Dermbach handelt es sich um ein Anruflinientaxi! Gottlob stand eins da, denn zwei andere Passagierinnen hatten es bestellt. Die Fahrerin ließ mich trotz meiner versäumten Voranmeldung in ihren Minibus einsteigen und gab mir sogar nette Tipps für den Anschluss nach Bad Salzungen.

"Deutschlands grüne Lunge" zwischen Thüringer Wald und Rhön wird ihrem Spitznamen gerecht, allein das bescheidene Wetter trübt den Naturgenuss heute. Mittagessen: FinnCrisp mit Belag, dazu eine Banane und eine kleine Tüte Beeren-Nuss-Mischung. Nach Eisenach geht es über Um-, nein: Eschwege und Kassel nach Hann. Münden. Um 21 Uhr muss ich noch an einem Online-Quizturnier teilnehmen; das WLAN spielt mit.

Morgen dann 8.25 Abfahrt gen Hannover! Diese Verbindung habe ich nicht dem DB-Navigator entlockt, sondern mithilfe des nutzerfreundlichen "FahrPlaners" des VBN ermittelt. Wie es danach weitergehen soll – keine Ahnung.

Alles in allem geht's mir gut, mein Körper ist noch kein Wrack, was womöglich der regelmäßigen Morgengymnastik zu verdanken ist.




Mittwoch, 23. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (6)

Tag 6 || Volkach – Schweinfurt – Bad Königshofen i. Grabfeld – Römhild – Meiningen

Schlecht geschlafen. Unruhe, Ohrensausen, komische Träume. Am chaotischen Würzburger Busbahnhof eine Viertelstunde meinen Bus gesucht.

Erster Halt Volkach, wo ich bezüglich des fränkischen Menschentypus eines besseren belehrt werde: Eine Busfahrerin steigt aus ihrem Gefährt aus, fragt mich freundlich, wo ich hinwill, klärt mich auf, dass der Ferienfahrplan noch gilt (Was haben die in Bayern eigentlich für ewig lange Ferien?): "Sie müssen gut aufpassen – ich kann Sie auch nach Kitzingen mitnehmen." Doch ich muss nach Schweinfurt, wo ich im etwas tristen Bahnhofsgebäude ein Eier-Ciabatta erstehe. Standard Bahnhofsfressen, genau das wollte ich vermeiden! Schmeckte aber okay.

Bad Königshofen und, tadaa!, plötzlich bin ich im Osten (Hildburghausen). Dann noch Römhild und schließlich Meiningen, wo ich der Lokalpresse ein (von mir selbst arrangiertes) Interview gebe.

Meine Laune hebt sich: Diese theaterhistorisch bedeutsame Mittelstadt im umgrünten Schoß der Werra ist in der Tat zauberhaft. (Ich hatte vorher meine Follower um Rat gefragt, ob ich über Fulda oder Meiningen fahren solle, und fast einstimmig wurde für Letzteres gestimmt.) Gestern war nur noch eine einzige, hochpreisige Unterkunft verfügbar, die viel zu groß für mich ist, in der aber eine gratis Flasche Wein auf mich wartete – die ebenfalls zu groß für mich ist. Zwei Gläser gönne ich mir gleichwohl, zu feinster Mirácoli-Alternative von Norma.

Morgen reise ich ins mystische Hann. Münden. In Hessen möchte ich nicht enden, da am Donnerstag Fronleichnam ist und dort also der Feiertagstakt greift.

(Dieser Beitrag wurde der Abwechslung halber im Präsens geschrieben.)







Dienstag, 22. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (5)

Tag 5 || Gaildorf – Schwäbisch Hall – Künzelsau – Bad Mergentheim – Tauberbischofsheim – Würzburg

Zu loben ist der Nahverkehr Hohenlohe (NVH), dessen Busse WLAN und an jedem Fensterplatz USB-Ladebuchsen bereithalten. 

Doch zunächst fuhr ich über Gaildorf nach Schwäbisch Hall, ein irreführender Ortsname, denn es gehört, wie ich dem Internet entnahm, zu Franken! Das erklärte auch, warum die Brezel, die ich dort kaufte, nur so mittel schmeckte. Dass ich mich in Franken befand, wurde mir vollends angesichts des hiesigen Menschenschlags klar: Nachdem mein RMV-Deutschlandticket bisher bei jedem Einstieg freundlich abgenickt bzw. gar nicht erst in Augenschein genommen worden war, pflaumte mich der Busfahrer in Bad Mergentheim an, dass dieses nicht gelte. "Das können Sie in Ihrem Wasweißichverbund da oben zeigen, aber ich hab kein Lesegerät dafür! Ja, da gucken Sie. Viele Worte, kein Sinn, oder was?" Er ließ mich nach kurzem Hin und Her dann doch nach hinten durch. 

Herrlich, und nach dem bayerischen Franken, wo ich jetzt bin (Würzburg, im urigsten Gasthof bisher), werde ich mich auch noch in den fränkischen Teil Thüringens wagen! Zum ersten Mal war deshalb heute ein Feierabendbier fällig, in Tauberbischofsheim, unter einem weiteren schwindelerregend hohen Maibaum.

Nach Digdad zu Bedd.

Künzelsau

Unten ist ein Restaurant drin, wo man die Wahl hat zwischen Fleisch, Fleisch und Fleisch. Wie "gut", dass ich vorher eh an der Haltestelle in Lauda einen Bulgursalat von Penny schnabuliert hatte.


Braukunst beherrschen sie ja.

Montag, 21. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (4)

Tag 4 || Geislingen an der Steige – Süßen – Wißgoldingen (Waldstetten) – Schwäbisch Gmünd

Dafür, dass heute Sonntag ist, konnte ich ordentlich Kilometer machen. Ein wenig länger schlafen war dennoch drin. 

Nach zwei Kilometern Fußmarsch zum Bahnhof (unnötigerweise, denn der Bus wäre auch durch die Dorfmitte gekommen) ging es in der seltsam riechenden 350 nach Geislingen an der Steige, mit der 951 nach Süßen und mit der 971 nach Wißgoldingen, wo ich den bisher irrsten Maibaum von allen vorfand. 

"Zwischen Merklingen und Geislingen verliert sich seine Spur" ist ein Satz, wie man ihn bei "Aktenzeichen XY" hören könnte … Aber ich schlug mich durch bis ins nachgerade unverschämt pittoreske Schwäbisch Gmünd, für das mir K. lieberweise ein Zimmer im besten Haus am Platz spendiert hatte. Weil es erst kurz nach 15 Uhr war, blieb mir ausreichend Zeit für Stadtrundgang und Waldbaden. Je höher man zum sog. Himmelsgarten steigt, desto mehr gibt's zu entdecken: ein Hochseilgarten und eine Murmelbahn und ein Kreuzweg und Dinosaurier und ein Holzlehrpfad und ein Wasserfall und [hüpft wie im Zuckerrausch durchs Zimmer und fällt schließlich ohnmächtig ins Bett]




Sonntag, 20. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (3)

Tag 3 || Babenhausen (Schwaben) – Memmingen – Biberach – Riedlingen – Münsingen – Merklingen

Von Mindelheim kutschierte mich (und zwei weitere Passagiere) ein süßer 9er-Bus nach Babenhausen, welches, um nicht mit dem gleichnamigen Ort in Hessen verwechselt zu werden, "Babenhausen (Schwaben)" genannt wird. Eine Umbenennung in "Schwabenhausen" böte sich an.

Nach einer ernüchternden Fahrt in die Flughafenstadt Memmingen rollte ich gut eineinhalb Stunden, während derer mir mehrmals die Augen zufielen, gen Biberach, von dort nach Riedlingen, weiter nach Münsingen und zuletzt nach Merklingen, welches nicht als Highlight meiner Reise in Erinnerung bleiben dürfte. Immerhin gibt es hier einen Netto, der bis 21 Uhr auf hat – daran merkt man, dass man sich nicht mehr in Bayern mit seinem mittelalterlichen Ladenschlussgesetz befindet.

Weil ich kein Besteck, geschweige denn eine Erhitzungsmöglichkeit habe und Snacktheke sowie Backbereich im Netto nahezu leer waren, fiel mein Abendessen äußerst spartanisch aus.

Morgen steht eine relativ entspannte Tour an, Tagesziel ist Schwäbisch Gmünd.

Ein Großraumtaxi als Bus. Rechts unser aramäischer Fahrer Ibrahim.

Das Fuggerschloss in Babenhausen. Davor ein Maibaum, bei weitem nicht der höchste, den ich heute gesehen habe. Die spinnen! In der Nähe habe ich gefrühstückt.

Man erkennt es kaum auf dem Foto, aber da war ein Regenbogen!

Memmingen. Find's ja unangemessen, sich nach einem Katastrophendampfer zu benennen, aber müssense selber wissen …

Samstag, 19. September 2026

Meine Deutschland-Bustour 2024 (2)

Tag 2 || Wertach [– Oy-Mittelberg] – Gschwend (Nesselwang) – Kempten – Obergünzburg – Kaufbeuren – Mindelheim

Nach einem opulenten Frühstück der erste Dämpfer: Die schöne Verbindung nach Memmingen, die ich vorgestern rausgesucht hatte, bot mir der DB-Navigator heute nicht mehr an. "Fahrplanwechsel! Der neue Plan ist noch nirgendwo bekannt, nur auf diesem Aushang steht der", erklärte mir eine Busfahrerin.

Die Alternative über Wertach erwies sich als blessing in disguise, denn erstens ist die Route traumhaft, zweitens konnte ich so noch Deutschlands höchstgelegene Bergdorfhaltestelle mitnehmen (Oberjoch). Ein Teil der Strecke führte bizarrerweise durch Österreich, was keinen Verstoß gegen die Regeln meiner Challenge darstellte!

Auf die Busse zwischen Wertach und Oy-Mittelberg hätte ich so lange warten müssen, dass ich die 7 km spontan zu Fuß zurücklegte. Dass ich zuletzt mit rund zwölf Kilogramm auf dem Rücken wandern war, ist auch schon wieder zehn Jahre her. Doch es ging. Geschlaucht bin ich nun trotzdem reichlich, vor allem natürlich vom alpinen Busfahren.

Via Gschwend, Kempten und Obergünzburg, wo heute Wochenmarkt war, ging es schließlich nach Mindelheim. Im hiesigen Dönerladen gab es etwas, das sich "Seele" nannte. Ich dachte immer, das seien Brötchen (?). Morgen um diese Zeit bin in Ulm. So Gott will.