Dienstag, 19. Februar 2019

Italien – keine Chipsnation

Schon wieder gab es bei Rewe besondere Kartoffelchips, diesmal Amica Chips von Eldorada. Weil mir die anderen zwei vorrätigen Sorten langweilig erschienen (plain und Olivenöl), nahm ich "Salsa Barbecue" mit, und auch das nur um des Testens willen, denn BBQ-Chips sind, wie bereits zuvor angemerkt, meine Sache grundsätzlich nicht.

"Senza Glutine" sind diese Chips, auch enthalten sie "-30 % di grassi". Statt (viel) Fett und Gluten stecken in ihnen allerdings gleich drei Es, nämlich der im Wesentlichen unbedenkliche Farbstoff E160c (Paprikaextrakt), der Geschmacksverstärker E635 sowie der umstrittene Zusatzstoff schlechthin, Mononatriumglutamat (E621). Lag es an letzterem, dass ich nach dem abendlichen Verzehr der halben Tüte (Gesamtinhalt: 130 Gramm) bis in den folgenden Vormittag hinein von Magenkrämpfen geplagt wurde? 

Schon der Verzehr ist höchstens mittelangenehm: Die Knackigkeit geht noch in Ordnung, aber der Nachgeschmack hält lange an und erinnert an das Aroma billiger Fertigpastasoßen. Auch angesichts des Preises (1,49 €) kann ich nicht mehr als 3/10 Punkten vergeben.


Sonntag, 17. Februar 2019

Freitag, 15. Februar 2019

Mein Wort der Woche

Darauf bin ich in Adam Nevills Roman "Under a Watchful Eye" gestoßen: potboiler. Dieses Wort wird darin verächtlich verwendet für Bücher, die ohne großen künstlerischen Wert sind und einzig geschrieben worden sind, um den Lebensunterhalt des Autors zu sichern. Potboilers können alle möglichen Werke sein; sie sorgen dafür, den Kochtopf (pot) der/des Kunstschaffenden am Kochen (boil) zu halten. Die englische Sprache ist toll.

Montag, 11. Februar 2019

Gefragt, geplagt

Interviewtechniken, zumindest Techniken für Schriftmedien geführter Interviews, waren in diesem Blog schon mehrmals Thema. Ein Trend der letzten Jahre ist auffällig: Der oder die Interviewer/in tritt nicht mehr als neutrale Fragestellungsinstanz zurück, sondern begreift sich als Teil eines lebhaften Gesprächs, drängt sich teilweise sogar in den Vordergrund. Exemplarisches aus dem aktuellen Stern:


Das ist vermutlich nicht einmal der vorläufige Höhepunkt solcher Entwicklungen, ich widme mich diesem Genre nur selten; aber gute Güte! Da will jemand krampfhaft seine Gelehrsamkeit demonstrieren, streut jedoch geschickt Unterlegenheitsbekundungen ein ("Ich kann Ihnen nicht mehr ganz folgen"), um zu zeigen, dass er mit dem Interviewten (hier: Christoph Waltz) auf Augenhöhe schwätzt.

Ich verstehe die Intention hinter dieser "Schlagabtauschisierung" von Promi-Interviews durchaus. Man möchte einer Textsorte neues Leben einhauchen, nachdem der Leser die tausendfach abgespulten Standardfragen und -antworten mittlerweile auswendig kennt. Einfach nur ermüdend sind zum Beispiel die Interviews in der Cinema. Immerimmerimmer wieder derselbe Schmus:
- "Wie war es für Sie, mit Regisseur XY zu drehen?"
- "Es war eine riesige Ehre und eine unglaubliche Erfahrung. XY weiß genau, wie eine Szene ablaufen muss, er ist extrem präzise und strikt, gleichzeitig gibt er dir das Gefühl, die einzige Person im Raum zu sein, die ihm etwas bedeutet."
- "Sie sind selbst Mutter von zwei Söhnen, jetzt spielen Sie eine Kindsmörderin. Haben Sie gezögert, als man Ihnen die Rolle angeboten hat?"
- "Klar, zuerst musste ich schlucken, aber nachdem ich die ersten Seiten des Drehbuchs gelesen hatte, war mir klar: Das musst du einfach machen, so eine Chance bekommst du nicht jeden Tag. Es war sagenhaft intensiv, und ich bereue die Entscheidung nicht."
- "Wird man Sie jetzt öfter in solchen schweren Rollen sehen?"
- "Das kann ich so pauschal nicht sagen. Wenn es passt, dann passt es. Comedy macht mir immer noch wahnsinnigen Spaß, aber ich möchte mich auf lange Sicht nicht in einer Sparte festfahren und gerne was Neues ausprobieren. Die Leute sollen sehen, dass ich mehr kann als die ewige Ulknudel zu geben."
- "Kann man den Schauspielberuf auch nutzen, um seine dunklen Seiten auszuleben?"
- "Ich denke, jeder Mensch hat eine dunkle Seite. Ich finde es herausfordernd, aber auch unheimlich faszinierend, mich in abseitige Charaktere hineinzuversetzen."
- "Haben Sie eine geheime Facette, die Sie gerne mal auf der Leinwand präsentieren würden?"
- "Selbstverständlich, aber die verrate ich nicht. (lacht)"
Überschrift des Interviews: "Jeder Mensch hat eine dunkle Seite". Erkenntnisgewinn: nicht vorhanden.

Samstag, 9. Februar 2019

Nichtigkeiten des deutschen Literaturbetriebs

Titanic 06/2008, "Briefe an die Leser":
Berlin Verlag!
Für Jonathan Littells Roman »Die Wohlgesinnten« wirbst Du mit einem Zitat des Literaturkritikers Denis Scheck: »Nichts weniger als ein Meisterwerk!« Wenn aber dieser Roman nichts weniger ist als ein Meisterwerk, dann kann er alles mögliche sein, aber eins am allerwenigsten: ein Meisterwerk. Und das sollen die ­Leser als Lob verstehen? Und zu ­einem Roman greifen, der nichts ­weniger ist als ein Meisterwerk?
Diese Kundenfangtechnik ist wahrlich nichts weniger als eine Mei­­­­ster­leistung Deiner Werbeabteilung. Wir sind sehr gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis Du merkst, welche Panne Dir da unterlaufen ist.
Mit nichtsdestoweniger schönen Grüßen:
Titanic
Magazinanzeige, Februar 2019:


Nun könnte es freilich sein, dass dieser Wälzer von etwas handelt, das alles mögliche ist, nur kein Wunder. Aber das bezweifle ich doch mal ganz stark.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Gaudi mit Gaul

Ich habe heute auf dem Wochenmarkt ein Kind mit einem STECKENPFERD gesehen! Ein Stock mit einem Rosskopf dran. Nun gut, nicht direkt – das Steckenpferd war am Buggy des Kindes befestigt, welches neben seiner Mutter herlief –, doch ich konnte mir sofort lebhaft vorstellen, wie der kleine Julius Balthasar auf diesem archaischen Spielzeug über das Parkett einer riesigen Westend-Altbauwohnung hoppelt, dass es nur so eine Art hat. "Steckenpferd" ist ein schönes Beispiel für ein Wort, das im Alltag häufiger in seiner übertragenen als in seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet wird. (Wie das englische hobby ja auch eine Verkürzung von hobby horse ist. Wer mehr über Etymologie und Kulturgeschichte wissen will, konsultiere die einschlägige wissenschaftliche Literatur [von mir].) Andere Beispiele sind "Marionette" und "Steigbügel". Die alte Bedeutung ist dabei jeweils noch bekannt, sie lebt im Dunkeln fort, und manchmal eben auch im Hellen. "Das Reiten auf dem Steckenpferd war mein Steckenpferd." Ein Satz, der, in 50 Jahren geäußert, völlig korrekt und verständlich ist.

Dienstag, 5. Februar 2019

The Golden Age of Innocent Laughter

Nachdem ich neulich in einem Nebensatz die in Wisconsin beliebten Käsehüte erwähnt hatte, spürte ich diesem Modegag auf Wikipedia nach und landete alsbald auf der herrlichen Seite "Category: Novelty items". Obwohl die meisten dieser Scherzartikel in Deutschland nie oder kaum Verbreitung gefunden haben, dürften sie vielen von uns bekannt sein, Popkultur sei dank. Allein aus den "Simpsons" und anderen amerikanischen Zeichentrickfilmen sowie aus klassischen Lucas-Arts-Computerspielen kenne ich: 
- die Chinesische Fingerfalle
- die Uhr mit der Katze, deren Augen sich im Sekundentakt nach links und rechts bewegen
- Wachslippen
- Mexikanische Springbohnen
- die Seifenblasenpfeife
- den Magic 8-Ball
- Soap on a rope
- den Trinkvogel
Natürlich gab es hierzulande das YPS-Magazin mit seinen "Gimmicks", aber in meiner Vorstellung sind novelty items prototypische Kindheitsbestandteile der USA, die ihre Hoch-Zeit in den 1950ern bis 70ern hatten und gern auf der letzten Seite von Comicheften beworden wurden, wo man sie auch gleich per ausschneidbarem Bestellschein für ein paar Quarters ordern konnte.
Ich las dann auch, dass die offenbar Kultstatus erlangt habende Quatschproduktreihe "BunaB" mehrmals in der "Garry Moore Show" vorgestellt wurde. Nebenbei gelernt: Zu deren Ensemble gehörte von 1959 bis 1962 die Variety-Legende Carol Burnett, die ich skandalöserweise schon für tot gehalten hatte, dabei hat sie erst 2018 die Netflix-Kinderpanelsendung "A Little Help with Carol Burnett" moderiert. Ich hatte sie mit der 2017 verstorbenen Mary Tyler Moore verwechselt. Ebenfalls noch am Leben sind Dick Van Dyke, der Star – neben Mary Tyler Moore (die später ihre eigene Sitcom, "The Mary Tyler Moore Show", hatte) – der "Dick Van Dyke Show", sowie deren Erfinder Carl Reiner. Über die Sitte, Comedyserien nach ihren Hauptdarsteller(inne)n zu benennen, auch wenn die verkörperte Figur ganz anders heißt (vgl. "The Cosby Show"), müsste man auch mal was schreiben.
Jedenfalls sind und waren diese TV-Größen die letzten Relikte einer anderen Zeit. Der Zeit einer Form von harmloser Gute-Laune-Unterhaltung, die gewiss auch dazu da war, von Missständen abzulenken, die aber heute wieder – in Dosen – guttun würde. Jedes Comedyformat im US-Fernsehen ist heute hochpolitisch. Selbstverständlich, die Lage ist, um es milde auszudrücken, angespannt, die Ära Trump schreit nach Satire, und es ist ja begrüßenswert, wenn politische Aufklärung mit humoristischen Mitteln erfolgt. Was die Rechten "Propaganda" oder parteiische Erfüllung einer "liberal agenda" nennen, ist (zugegeben: mitunter staatstragend daherkommend) als gesellschaftliches Korrektiv nötig, wenn die Umstände schon längst nicht mehr zum Lachen sind. 
Und doch wünsche ich mir manchmal, ich könnte irgendwas einschalten, um abzuschalten. Um mich einfach mit zahnlosem, aber geistreichem Nonsense, unpolitischen Sketchen und Scherzartikeltests zu zerstreuen. Vielleicht liegen ja auf archive.org ein paar Episoden der "Garry Moore Show" rum?

Sonntag, 3. Februar 2019

Kurz gestrichen


Das ohnehin niemals enttäuschende "Samt"-Sortiment der Firma Schwartau – gemeinsamer Nenner: keine Stücke – wurde um eine Limited Edition erweitert: "Stockholm: Aprikose à la Zimtschnecke". Ich befürchtete erst, dass die ohnehin für Marillenerzeugnisse jeglicher Art charakteristische Süße durch die Zugabe von Zimt und Gebäckgeschmack ins kaum noch Erträgliche gesteigert würde, doch meine Sorgen waren rasch weggefegt. Was an diesem Fruchtaufstrich für Schweden und/oder dessen Hauptstadt typisch sein soll, war mir nicht klar, bis ich auf dem Etikett den kleingedruckten Satz "Sie lässt uns von schwedischen 'Kanelbullar' träumen" las, und dabei handelt es sich um ein, ganz genau: skandinavisches Hefeteilchen, om-nom-nom. 8/10

Samstag, 2. Februar 2019

Stochern im Nebel

Seit vielen Jahren trage ich sämtliche Ereignisse und Aktivitäten, die ich nicht zu den alltäglichen Verrichtungen à la Einkaufen, Arbeiten, Wäschewaschen zähle, in meinen Tagesplaner ein. Jeder Kneipen- und Arztbesuch, jeder Behördengang landet in meinem Tageskalender. Unternehme ich eine mehrtägige Reise, packe ich allerdings ein Extra-Notizbuch ein, in welchem ich vermerke, was ich wann gemacht habe, und übertrage, sobald ich wieder daheim bin, ein Destillat der mir am "wichtigsten" erscheinenden Notizen in den Kalender.

Letzte Woche wollte ich eine Erinnerung, die einen Urlaub im Jahre 2015 betraf, überprüfen und schlug dazu meinen 2015er-Planer auf. Zu meinem Erstaunen waren die entsprechenden Tage jedoch leer. Ich hatte das Übertragen damals schlicht vergessen! Als ich im Extra-Notizbuch nachsah, erstaunte ich erneut, denn die Einträge waren extrem knapp, ja geradezu kümmerlich und nichtssagend angesichts der spektakulären Reise. Hinter ein Datum hatte ich zum Beispiel lediglich das Wort "Nebel" geschrieben. Der Rest besteht hauptsächlich aus Ortsnamen und kontextlosen Abkürzungen. Ein Kürzel, der Name eines Fährunternehmens, konnte ich sogar entschlüsseln, aber was habe ich mit "TWD" und "XF" gemeint?

Das macht mich wütend und traurig. Wütend, weil ich so nachlässig gewesen bin, traurig, weil mein Gedächtnis, auf das ich zeit meines Lebens große Stücke gehalten hatte, anscheinend doch nicht (mehr) so tadellos funktioniert. Natürlich sind die Bilder, die Eindrücke immer noch greifbar, aber eben nicht mehr 100%ig zuordenbar. Ich werde künftige Abenteuer noch präziser und eineindeutiger festhalten. Und ich kann jedem nur empfehlen, es mir gleichzutun.