Mittwoch, 30. Januar 2019

Yo dawg, I heard you like trailers

Ein nerviger Trend, der euch vermutlich auch schon aufgefallen ist (und euch möglicherweise auch nervt): Film- oder Serientrailer, die mit einem Teaser beginnen. Da wird am Anfang schon mal in anderthalb Sekunden zusammengefasst, was jetzt gleich in anderthalb Minuten zu sehen sein wird. Eine Vorschau auf eine Vorschau! Besser kann man das Zeitalter der Aufmerksamkeitsdefizite nicht symbolisieren.

Ich möchte aber keineswegs den Kulturpessimisten raushängen lassen: Trailer, Teaser, Teaser-Trailer sehe ich mir immer noch gerne an, halt nur keine Trailer-Teaser. Nächsten Monat (und damit gleite ich ungewohnt unelegant zum eigentlichen Thema über) laufen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen TV-Adaptationen über Comic-Superhelden "der etwas anderen Art" an. Können sie die Wartezeit auf die von mir mit einiger Spannung erwartete HBO-Serien-Umsetzung von "Watchmen" (created by Damon Lindelof!) verkürzen? Der Trailer zu "The Umbrella Academy" (Netflix; Dark Horse Comics) hat mich trotz Ellen Page leider überhaupt nicht gepackt. Für Begründungen bin ich zu faul. Vielversprechender und den Flavor der Vorlage gut widerspiegelnd scheint mir anhand der launigen Teaser "Doom Patrol" zu sein. Den ersten Band dieser Reihe habe ich tatsächlich gelesen, doch hielten mich Zeitmangel und allgemeine Graphic-Novel-Unlust davon ab, das Schicksal der "super-powered misfits" weiter zu verfolgen. Insofern bin ich ausnahmsweise dankbar dafür, dass heutzutage wirklich jeder Stoff fürs Fernsehen (Streaming- oder lineares) verwurstet wird. Und DC vermag halt mit Franchises aufzuwarten, die dem Marvel-Kosmos haushoch überlegen sind, meiner bescheidenen Meinung nach.

Samstag, 26. Januar 2019

Word of the week

Um mich selbst zu zitieren: "Positiv an der Ära Trump ist ja, dass man auch als deutschsprachiger Beobachter kontinuierlich und en passant seinen Wortschatz erweitert." Jetzt also das Wort chyron, das mir bis vor ein paar Tagen noch nie begegnet war.

Der ehemalige Weiße-Haus-Mitarbeiter Cliff Sims verrät in seinem Buch "Team of Vipers", dass Donald Trump geradezu besessen ist von jenen Bannern, Kästen und Streifen, die bei TV-Übertragungen auf dem unteren Bildschirmrand eingeblendet werden. Angeblich hat der Präsident wiederholt seinen Stab angewiesen, Screenshots von allen Inserts zu machen, die bei Reden und Auftritten von ihm in diversen Newskanälen aufpoppen.

Auf Englisch heißen diese Einblendungen lower thirds, weil sie im unteren Drittel des Bildes erscheinen, und in Nordamerika werden sie eben auch chyrons genannt, nach der Chyron Corporation, dessen Schriftgenerator "Chiron I" seit den Siebzigern für solche graphischen Elemente eingesetzt wurde. Als deutsche Entsprechung kenne ich aus meiner Zeit beim Fernsehen den Terminus "Bauchbinde", der sich allerdings strikt auf Informationen (Name, Beruf usw.) zu der gerade sprechenden Person bezieht.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Throwback Thursday: Indiana Jones

Auf Amazon Prime gibt's die Indiana-Jones-Tetralogie, und ich kann schwer der Versuchung widerstehen, einen Rewatch zu beginnen, im Vertrauen, dass die ersten drei Teile immer noch so großartig sind wie in meiner Erinnerung. Teil 4 war unterm Strich auch nicht sooo vergeigt, wie es Fans und Kritiker sich selbst und einander weismachen woll(t)en: Abgesehen von der in der Tat lächerlichen Kühlschrank-Szene kamen durchgängig das Feeling und der Geist der alten Trilogie auf, der Kristallschädel funktionierte als mythischer MacGuffin hervorragend – und passt ein (Spoiler!) aus dem Dschungel emporsteigendes Raumschiff weniger gut ins Indy-Universum als eine mit tödlichen Geistern gefüllte Bundeslade? Find' ich nicht! Die Filmdatenbank imdb führt ein für 2021 angekündigtes "Untitled Indiana Jones Project", abermals mit dem dann 78jährigen (!) Harrison Ford in der Hauptrolle; Regie: Steven Spielberg, Drehbuch: Jonathan Kasdan, der schon mit seinem Vater Lawrence, Autor von "Jäger des verlorenen Schatzes", zusammen das Script für den Han-Solo-Film verfasst hat. Also ich bin mega-hyped!

Mein erster Kontakt mit dem peitschenschwingenden Archäologen kam übrigens über die Computerspiel-Umsetzung von "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" zustande. Ich wusste zum Zeitpunkt des Spielens gar nicht, dass es sich um eine Filmadaptation handelte. Als ich Jahre später zufällig "Indiana Jones 3" im Fernsehen sah, merkte ich, dass ich die Handlung ja schon kannte, und bei einigen Szenen, die im Spiel besonders treu wiedergegeben worden waren, kreischte ich auf vor Staunen und Vergnügen! "The Last Crusade" war außerdem das erste Adventure, das ich je gespielt habe, und zwar auf dem Amiga 500. Es war eine so magische Erfahrung, dass ich noch heute Gänsehaut bekomme, wenn ich irgendwo das Lucasarts- bzw. LucasFilm Games-Logo sehe. Es gab teils alternative Lösungswege, es gab Humor und Easter Eggs (z.B. die Plaketten an den Bücherregalen, s. Foto), und man konnte Hitler aufs Maul hauen.

"Ah, Venedig!"

Ein-, zweimal bedurfte ich dann aber doch einer Lösungshilfe (das Internet von heute lag noch in ferner Zukunft), und die besorgte ein Klassenkamerad in Form von Kopien aus dem "LucasFilm Games Buch", das er werweißwo aufgetrieben hatte. Noch genialer war dann der Nachfolger "Indiana Jones and the Fate of Atlantis", was meiner Meinung nach ebenfalls ein gelungener vierter Serienteil gewesen wäre. Er kam für den Amiga auf zehn Disketten daher ("Indy 3" nur auf dreien). 

Unerlässlich wie Henrys Gralstagebuch

Aber das Franchise umfasst noch mehr Abenteuer, von denen ich teilweise erst beim Recherchieren zu diesem Beitrag erfahren habe. Beispielsweise erschienen etliche Comics, und für den deutschen Markt hat der Star-Autor Wolfgang Hohlbein mehrere Indiana-Jones-Romane geschrieben. Ganz dunkel ist mir auch eine bei RTL (?) ausgestrahlte Fernsehreihe "Die Abenteuer des jungen Indiana Jones" (OT: "The Young Indiana Jones Chronicles") im Gedächtnis geblieben, wobei ich keine einzige Episode zusammenfassen könnte. Offensichtlich hat es sich bei dem zwei Staffeln und vier TV-Filme umfassenden Programm keineswegs um Trash gehandelt: Namhafte Stars, darunter Christopher Lee, Catherine Zeta-Jones und Harrison Ford höchstselbst, hatten Gastauftritte, von George Lucas stammten die meisten Storyvorlagen, Carrie Fisher steuerte ein Drehbuch bei, Monty Python Terry Jones inszenierte eine Folge, und auch Frank Darabont ("Die Verurteilten", "The Walking Dead") war mit von der Partie.

Puh, jetzt habe ich beim Schreiben dermaßen starke nostalgische Anwandlungen entwickelt, dass ich just bei eBay auf gleich vier Indiana-Jones-Comichefte geboten habe ...

Mittwoch, 23. Januar 2019

Die Käskopp-WM

Nach langer Zeit hat es mich diese Woche mal wieder zu Aldi verschlagen. Dort wurde – zum Spottpreis und offenbar nur für kurze Zeit – ein österreichischer Käse mit dem schillernden Namen "Erzherzog Johann" feilgeboten. Den Ausschlag dafür, dass ich ihn mitnahm, gab letztlich der aufgedruckte Hinweis, dass dieses obersteirische Molkerei-Erzeugnis 2014 zum "Käseweltmeister" in der Kategorie Hartkäse beim "World Championship Cheese Contest" gekürt wurde. Dieses Event findet seit 1997 in den USA statt, naheliegenderweise im Käsestaat Nr. 1, Wisconsin, "America's Dairyland", wo Sportfans, etwa des Footballteams Green Bay Packers oder der Baseballmannschaft Milwaukee Brewers, traditionell mit Käsehüten ins Stadion einrücken und deshalb, wie auch der Wisconsinite an sich "Cheeseheads" genannt werden.

Ich habe auf der offiziellen WCCC-Seite nachgeschaut: Der Erzherzog wurde in der "Open Class: Hard Cheeses" prämiert; die einzige Konkurrenz aus Deutschland in dieser Klasse war damals die Kreation "Belsagio" der Sachsenmilch GmbH im sächsischen Leppersdorf. Diese Kategorie (62) war nur eine von insgesamt 90 (!) – bei der letztjährigen Meisterschaft ist die Zahl sogar auf 121 angewachsen, wobei es in der Sparte "Fettarmer Joghurt aus Kuhmilch" aus irgendwelchen Gründen keinen Sieger gab. Eine österreichische Käserei konnte sich übrigens auch 2018 wieder empfehlen: Zweitplatzierter wurde der "Arzberger Ursteirer". Deutsche Kombattanten habe ich vergeblich gesucht.

Cheese Classes 2018 (Auszug)

Ach ja: Der Erzherzog Johann ist sehr schmackhaft. Ich sollte öfter zu Aldi gehen. Auch Lidl ist, wie mir in der Vergangenheit wiederholt aufgefallen ist, in Sachen Käse deutlich abwechslungsreicher bestückt als mein Stammsupermarkt Rewe. Am liebsten hole ich mir Käse allerdings auf dem Wochenmarkt.

Apropos Käselisten: Einer der (englischsprachigen) Artikel, deretwegen ich Wikipedia so liebe, ist der über Monty Pythons "Cheese Shop sketch", sind darin doch penibelst sämtliche genannte Sorten aufgelistet ("in order of appearance, the reason given as to why they are unavailable to be purchased, as well as the source [...] in which that cheese was mentioned").

Dienstag, 22. Januar 2019

Zwei kurze Tests vom Frühstückstisch


Von den im Schwarzwald beheimateten "3 Bears", die mir bis vor kurzem unbekannt waren, gibt es mehrere Sorten Porridge. Ich habe mir "Mohnige Banane" gekauft und fand sie nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt suchterzeugend. Die Porridges von MyMüsli haben es mir mehr angetan. Die 3 Bären sind für meinen Geschmack etwas fad, gerade was den Bananenpart engeht, punkten dafür aber mit den Eigenschaften "vegan", "kalorienarm" und "ohne Zuckerzusatz", falls einem das wichtig ist. 7/10


Bei diesem biologischen Brotaufstrich fällt es mir schwer, eine objektive Wertung auszusprechen, denn der Genuss steht und fällt mit der persönlichen Zuneigung zu Matcha. Ich selbst bin kein ausgesprochener Verehrer von Matcha-Tee, trinke ihn aber hin und wieder mit einer gewissen Faszination, wenn er mir angeboten wird. In dieser Creme beträgt der Anteil an Teepulver 5%, was sich ziemlich stark auf den Gesamtgeschmack (und die Farbe; s. Foto) auswirkt. Doch wird die Weiße-Schokolade-Note nicht gänzlich in den Hintergrund gedrängt, und die 10 Prozent Mandelcreme sorgen für eine angenehme Konsistenz und vertraute Nussigkeit; zusätzlich bescheren blanchierte Mandelstückchen einen netten Knusperfaktor. Ein Hauch Bourbon-Vanilleextrakt rundet das Ganze ab. 7,5/10

Sonntag, 20. Januar 2019

Donnerstag, 17. Januar 2019

Überhetzung

Heute habe ich das neue Sachbuchprogramm des S.-Fischer-Verlags durchgeblättert. Der kommende 600-Seiten-Wälzer von Jared Diamond, "Krise" (OT: "Upheaval"), wird darin unter anderem so beworben: "Zeitgleiches Erscheinen mit der amerikanischen Originalausgabe". Was für ein Wahnsinn, dachte ich, und mein Mitgefühl galt Susanne Warmuth und Sebastian Vogel, die damit betraut worden sind, den Schmöker bis zum Mai ins Deutsche zu übertragen.

Wenig später schlug ich die Süddeutsche Zeitung auf, in der es heute zufällig auf einer ganzen Feuilletonseite genau darum ging: "Sieben Übersetzerinnen und Übersetzer erzählen aus ihrer Werkstatt". Die Problematik des Zeitdrucks wird mehrmals thematisiert. Karin Krieger, u.a. Übersetzerin von Elena Ferrante: "Ein Buch hat seine eigene Zeit. Es steht im Regal, bis jemand es zur Hand nimmt, vielleicht erst nach Jahren. Dann ist es egal, ob es irgendwann einmal drei Kalenderwochen früher oder später erschienen war. [...] Doch wenn dem Buch diese drei Wochen Sorgfalt fehlen, fehlen sie ihm für immer." Patricia Klobusiczky (übersetzt aus dem Französischen und Englischen): "Im Schnellverfahren lassen sich nur selten alle inhaltlichen Nuancen und stilistischen Feinheiten eines literarischen Textes erfassen, geschweige denn übertragen. [...] Was vor 25 Jahren noch Ausnahme war, droht heute zur Regel zu werden, Übersetzungen sollen über Nacht vollendet sein". Der Grund ist, surprise!, ein wirtschaftlicher. Heutzutage besteht "die Angst davor", vermutet Frank Heibert (engl. & frz.), "dass zu viele Leser und Leserinnen womöglich gleich das Original kaufen, was aber höchstens beim Englischen greift (weil ja 'alle' Englisch können), und bei Karin Slaughter vielleicht eher als bei Thomas Pynchon." Hinzu kommt: "Agenturen wollen gern bald das nächste Buch vermitteln, keine Halde von noch nicht erschienenen Titeln vor sich herschieben, Verlage wollen nach dem Erwerb der deutschen Rechte möglichst bald Umsatz machen [...] als würden die Fans den nächsten Band nicht mehr kaufen, wenn er ein halbes Jahr später erschiene."

Neben dem ungeheuren Termindruck sind Irrwitzigkeiten wie diese gang und gäbe: "Neuerdings kommen die Originaltexte immer öfter als verschlüsseltes PDF, vor allem bei potenziellen Blockbustern aus den USA. Und wehe, wenn das Passwort 'hakt'! [...] Man kriegt einen Auftrag, der so extra very secret ist, dass man auf gar keinen Fall auf einem Computer mit Netzzugang arbeiten darf. Stichwort: Hacker, womöglich Geheimdienste. Also arbeitet man an zwei Computern, Wörterbücher und Recherchequellen sind nun mal online." (Pieke Biermann, engl. & ital.) Es könne auch passieren, dass die Fassung, an der man seit Wochen sitzt, sich als die nicht endgültige herausstellt, weil zwischendurch noch ein paar "allerletzte Änderungen" rübergeschickt werden, was lange und mühsame Abgleicherei nach sich zieht. Oder man bekommt wegen des großen Umfangs einen (bis dahin unbekannten) Kollegen als Co-Übersetzer zugeteilt. 

Wie man sich denken kann, wird diese Plackerei alles andere als fair vergütet. Hinrich Schmidt-Henkel (frz., norw.) nennt Zahlen: Eine Normseite von ca. 1500 Zeichen bringe im (seltenen) Höchstfall 25, im Schnitt 15 Euro. "Laut Künstlersozialkasse lag im Jahre 2018 das Durchschnittseinkommen von Literaturübersetzenden bei 1500 Euro im Monat. Das bei 15 Euro pro Seite erzielen zu wollen, verlangt einen Output von 200 Seiten pro Monat." Natürlich gibt es auch – wie bei Schreibenden üblich – eine Verkaufsbeteiligung, doch die ist mit 0,4% des Nettoladenpreises (ab dem 5000. Exemplar) vernachlässigbar.

Was lernen wir, die wir den neuesten Diamond wie selbstverständlich am US-Verkaufstag in den Händen halten und uns sogar noch ob des ein oder anderen Flüchtigkeitsfehlers echauffieren, daraus? Das Übersetzen ist eine hohe Kunst, die zu achten ist. Gott weiß, sie wird häufig genug öffentlich honoriert, aber eben nicht finanziell, und so lebt sich's oft wie von manch anderer Kunst auch: prekär.

Dienstag, 15. Januar 2019

Muss ich denn alles selber machen?!

Vor einer Weile habe ich, nachdem ich im vorigen Jahr mit großem Vergnügen das Buch zum xkcd-Spinoff "What if?" gelesen habe, auch mal eine Frage an Randall Munroe geschickt. Leider scheint die Rubrik nicht mehr aktualisiert zu werden, und so blieb meine (clevere, wenn auch naheliegende) hypothetische Frage unbeantwortet. Sie lautete: Wie viele Tüten Wackelpudding-Pulver muss man in den Bodensee schütten, damit ein Mensch auf der Oberfläche laufen kann?

Es handelt sich streng genommen um mehrere Teil-Rätsel, von denen das erste am einfachsten zu lösen ist. Der Bodensee hat ein Volumen von 48 km³, also 48 Billiarden Milliliter. Legt man Instantpulverpackungen für je 500 ml Wackelpudding zu Grunde, kommt man darauf, dass 96 Billionen Stück benötigt werden. Das sind 9,6 Milliarden Tonnen Pulver, also fast eine Million Mal der Eiffelturm; das ist schon einigermaßen unvorstellbar und schwer zu glauben.

Gesetzt den Fall, die Firma Dr. Oetker würde es je schaffen, so viel Wackelpuddingpulver zu produzieren (der Gesamtkaufpreis betrüge, sofern man praktische Achterpacks der Sorte Waldmeister bei Amazon bestellt, 95.040.000.000.000,- Euro, ein gutes Stück weniger als das weltweite Bruttoinlandsprodukt): Wie schaffen wir es, den Bodensee zu erhitzen? Dr.-Oetker-Wackelpudding braucht nicht gekocht zu werden, doch muss man das Pulver in zu erwärmendes Wasser einrühren. (Das Rührproblem lassen wir mal außen vor; eventuell müsste man ein tausendköpfiges, mit Quirlen ausgestattetes Tauchteam in Thermoanzüge stecken und durch den See schwimmen lassen.) Wir sollten die Vorteile des Klimawandels nutzen und das Experiment im Hochsommer durchführen. In Ufernähe wurden im Bodensee in den letzten Jahren Temperaturen von bis zu 28° C gemessen! Gehen wir von einer Durchschnittstemperatur von 22 Grad aus, die wir auf sagenwamal 90 Grad erhöhen wollen, beträgt unsere gewünschte Wärmeenergie 13.643.520.000.000.000.000 Joule oder kurz 13.643.520 Terajoule. Das ist gerade mal ein Tausendstel des jährlichen Gesamtenergiebedarfs der Bundesrepublik Deutschland. Dennoch sind, um diese Energie zu erzeugen, 65 Exemplare der stärksten jemals gezündeten Wasserstoffbombe, der sowjetischen "Zar-Bombe", nötig. Und ich glaube gerade, an irgendeiner Stelle habe ich mich verrechnet. (Auf Dominica gibt es übrigens eine überflutete Fumerole, die als "boiling lake" eine Touristenattraktion darstellt. Darin könnte man den Versuch im kleinen Maßstab proben.)

Als nächstes gilt es, den Bodensee tüchtig abzukühlen. Das fertig gerührte heiße Dessert muss nämlich noch zwei Stunden im Kühlschrank stehen, um seine typische Festigkeit zu erlangen. Ich habe allerdings keine Energie (!) mehr für weitere Rechenspiele. Nehmt's halt Antimaterie oder was.

Der wichtigste Punkt kommt ohnehin zuletzt ins Spiel: Reicht die Oberflächenspannung von Wackelpudding, wie wir ihn kennen, überhaupt aus, um einen ausgewachsenen, normalschweren stehenden Menschen zu tragen? Ich habe mehrere englischsprachige Diskussionsthreads gefunden, in denen es um das amerikanische Pendant Jell-o geht; ähnliche Beschaffenheit wie bei unserem Wackelpeter vorausgesetzt, scheint mir die Haupt-Kniffligkeit darin zu bestehen, dass gelatinöse Speisen inhomogen und viskoelastisch sind. Kurioserweise wird häufiger die Frage behandelt, ob man in Jell-o schwimmen könne. Eine befriedigende, aber unbelegte Antwort auf Google Questions lautet: "[I]f the Jello is so concentrated that it behaves as a solid, the best you can do is to dig your way
across. You'd NOT fall to the bottom!" Der Konsens ist offenbar: Es kommt auf die Dichte des Puddings an. Zur Sicherheit sollte man also ein paar Tütchen mehr in den See schütten.

Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich voraussage, dass die Menschheit sich niemals zu diesem potenziell sehr spaßigen Experiment durchringen wird. Bleibt also die graue Theorie, doch wer mag sie beherrschen außer Randall Munroe, der anscheinend Wichtigeres zu tun hat? Vielleicht sollten manche irdischen Rätsel ja auch nie gelöst werden – nicht umsonst spricht man von Götterspeise ...

Samstag, 12. Januar 2019

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Logan Lucky
Ein klamaukiges Gangsterstück, "Ocean's Eleven" als Redneck-Posse, mit Daniel Craig in herrlicher Selbstironisierungslaune. Der heist hätte nach meinem Geschmack etwas ausgeklügelter und die Laufzeit etwas kürzer sein können.

Das Böse unter der Sonne
Ein Agatha-Christie-Krimi muss natürlich auch wieder dabei sein in meiner Filmliste. "Stereotyp und spannungslos inszeniert" urteilt das Lexikon des Internationalen Films. Den ersten Teil unterschreibe ich – die Figurenzeichnung ist nicht sonderlich ausgeklügelt, und Handlungsaufbau und Setting sind exakt wie bei allen anderen Poirot-Filmen –, doch "spannungslos" ist das auf einer pittoresken Mittelmeerinsel spielende High-Society-Murder-Mystery keineswegs, die Auflösung äußerst clever. Kuriosum am Rande: "'Das Böse unter der Sonne' ist einer von nur sieben Filmen in rund 50 Jahren, in denen sich, anders als im vier Jahre zuvor gedrehten Hercule-Poirot-Krimi Tod auf dem Nil, der sehr gut Deutsch sprechende Peter Ustinov selbst auf Deutsch synchronisierte und dazu noch einen französischen Akzent simulierte." (Wikipedia)

Beasts of the Southern Wild
Ob die mit Lob überschüttete Hauptdarstellerin Quvenzhané Wallis wirklich "eine Wucht" ist, wie man so oft gelesen hat, kann ich nicht beurteilen. (Gibt es Kinderdarsteller/innen, die die Presse nicht überwältigen, die gar als talentlos gescholten werden?) Obwohl, doch: Für eine Zehnjährige in ihrer allerersten Rolle ist sie schon einigermaßen hin- und mitreißend. Ist das Südstaaten-(Fantasy-)Drama auch insgesamt eine Wucht? Hm, ich bin unentschieden. Einerseits: neben Wallis' eindrucksvoller Performance als "Hushpuppy" tolle Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Andererseits schaue ich mir bei oscar-nominierten, unisono abgefeierten Werken gerne die negativen Stimmen an. Und die meisten von bell hooks' Kritikpunkten leuchten mir ein: "It is a major mystery that moviegoers adore this film and find it deeply moving and entertaining. Amid many real life tragedies of adult violation of children (i.e. Penn State,) violations that subject small children to verbal abuse, physical and psychological violence’ sexual assault, it is truly a surreal imagination that can look past the traumatic abuse Hushpuppy endures and be mesmerized and entertained by Beasts of the Southern Wild. Ultimately this film expresses a conservative agenda. Before audiences had a clue about its content, the notion that it was somehow a radical response to Katrina circulated. But there is nothing radical about the age-old politics of domination the movie espouses – insisting that only the strong survive, that disease weeds out the weak (i.e. the slaughter of Native Americans), that nature chooses excluding and including."

Solo: A Star Wars Story
Auch hier fällt meine Bewertung gegenteilig zur Mehrheitsmeinung aus: Ich fand den großartig! Die lineare, dennoch turbulente und nicht überraschungsfreie Handlung macht einfach Spaß. (Was gibt's an "Linearität" im Zusammenhang mit Star-Wars-Geschichten überhaupt zu bemäkeln?!) Ist Alden Ehrenreich als Han Solo wirklich so blass, wie alle monieren? Pff, und wenn schon: Innerhalb des wirklich netten Ensembles funktioniert seine Performance wunderbar.
Bis jetzt mag ich die "Zwischen"-Installments deutlich mehr als die neue Trilogie.

Manchester by the Sea
Noch ein Drama, von dem mir gesagt wurde: Das musst du sehen! Ich war nicht begeistert. Das mag zum einen daran gelegen haben, dass ich eine in England spielende Geschichte erwartet hatte (wegen Manchester), zum anderen, weil der Grundton einfach zu trist ist; nichts gegen schwere Stoffe, aber das hier ist nicht mal von einer Traurigkeit, wie ich sie schätze, sondern grau in grau und runterziehend im unangenehmsten Sinne. Aber ich freue mich für die Amazon Studios, dass sie sich mit mit dieser Produktion als ernstzunehmende Unterhaltungsschmiede empfohlen haben.

The Limehouse Golem
Düsteres Ausstattungsstück mit dezenten Blutspritzern und historischen Bezügen. Für Fans von "From Hell", erreicht aber nicht dessen Atmosphäre. Weniger viktorianisches Whodunit als aufklärerische Parabel über Geschlechterrollen und die Philosophie des Erzählens. Mit Olivia Cooke aus "Bates Motel"!

Wind River
Einmal mehr Beklemmung und Trostlosigkeit, diesmal in Form eines auf Realitätsnähe erpichten Tragikthrillers, angesiedelt in einem Indianerreservat in Wyoming. Wer Jeremy Renner mag (ich hab nichts gegen ihn), folgt der Aufklärung des schlimmen Todesfalls gebannt bis zum (nicht unkontroversen) Schluss.

Time Trap
Es dürfte bekannt sein, dass ich an Zeitreisestorys einen Narren gefressen habe. "Time Trap" zu sehen war mithin unausweichlich. Mein Lieblingsvertreter des Genres wird es jedoch nicht werden, zu wenig ausgeklügelt ist diese unausgegorene Melange allzu vertrauter Versatzstücke. Ein bisschen "Die Zeitmaschine" und "Reise zum Mittelpunkt der Erde", ein wenig Classic-"Doctor Who", eine Prise "Goonies" ... und doch schrammt das auf imdb immerhin mit 6,6 bewertete Sci-Fi-Abenteuer knapp am Trash vorbei. Vereinzelte visuelle Effekte sind echt schmuck, die Musik macht was her, die Dialoge sind nicht völlig panne. Doch doch, guckt sich flott weg.

Im Zweifel glücklich (OT: Brad's Status)
Noch eine Amazon-Produktion. Ben Stiller sieht man immer wieder gern, und wie schon in "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" (2013) spielt er hier einen im Alltagstrott gefangenen Träumer, der sich dauernd in Phantasien verliert, die hier allerdings nicht so aberwitzig wie in genanntem Film ausfallen. Ein rundum sehenswertes Feel-good-Movie mit einer Moral, die gottlob nicht unter Zuhilfenahme von Holzhammern vermittelt wird.

Der Vorname
Das bekannte Theaterstück wurde komplett auf ein deutsches Publikum umgeschneidert: Alle frankreich-spezifischen Anspielungen wurden durch hiesige ersetzt, auch wurde die Handlung zeitlich angepasst, sprich vorverlegt. Durch Nahaufnahmen des Mienenspiels und zusätzliche Außendrehs hat man außerdem die Vorteile der Gattung Film perfekt genutzt, sodass sich das Anschauen auch lohnt, wenn man das schwarzhumorige Kammerspiel schon kennt (wie ich). Christoph Maria Herbst ist wie immer über jeden Zweifel erhaben.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Das gute Zitat

"Leser können alles außer Schreiben, Schreiber können nichts außer Schreiben. Irgendwann zwischen zwanzig und dreißig fällt es einem auf: Huch, ich kann ja überhaupt nichts, ich muss Schreiber werden. Zum Glück ist es ein schöner Beruf. Man sitzt zu Hause herum und denkt sich Sätze aus und schreibt sie hin und hofft, dass die Leser denken: 'Ja sagenhaft! So was könnt ich nie!'"

----- Thomas Gsella

Dienstag, 8. Januar 2019

Dreimal dm

1. Bei dm sind die Preise so gestaltet, dass sich häufiger als in anderen Läden beim Einkaufen ein runder Gesamtpreis ergibt. Einmal kam ich mit mehreren Produkten an die Kasse und hatte dafür exakt 10 Euro zu entrichten. Ich war versucht, den Kassenzettel rahmen zu lassen. Und gestern war eine Frau vor mir an der Reihe, deren Einkauf mit genau 20 Euro zu Buche schlug. Wie kommt es dazu? Stecken irgendwelche zahlenmystischen Mechanismen dahinter, die der dm-Gründer und Anthroposoph Götz Werner persönlich ausgeheckt hat?

2. Ebenfalls beim gestrigen Einkauf erlebt: Es gab keine Rosinen! Sämtliche Artikel auf meiner Liste hatte ich finden können, nur da, wo sonst die Rosinen stehen, klaffte eine Lücke, höhnisch umgeben von zig Packungen Gojibeeren und Studentenfutter. Gedanklich sah ich mich bereits einen Supermarkt aufsuchen, wertvolle Minuten in einen zusätzlichen Gang investieren, nur weil diese eine Ware ausgerechnet dann, als ich ihrer dringendst bedurfte, nicht vorrätig war! Doch da, in einem separaten Gitterregal: Rosinen. Sogar im Sonderangebot! Wie meine Gefühle in dieser kurzen Zeit und wegen solch einer Lappalie Achterbahn gefahren sind, das war mal wieder beachtlich.

3. Ein ander Mal lief ein circa 55-60jähriger Mann telefonierend durch die Gänge, sicht- und hörbar überfordert. Am anderen Ende der Leitung befand sich offenbar seine Frau, die ihm scheinbar unerfüllbare Aufgaben durchsagte. Der Mann sprach sehr laut und in starkem rheinischen Dialekt. Er schnaufte, schimpfte, zweifelte, und es klang alles superlustig. Ich bereue bis heute, ihn nicht heimlich verfolgt und aufgenommen zu haben.

Montag, 7. Januar 2019

Es wird nichts so heiß getrunken ...

In der kalten Jahreszeit trinke ich gelegentlich alkoholische Heißgetränke, gar nicht mal so gern den berüchtigten Weihnachtsmarkt-Glühwein wie ein Tässchen Eierpunsch, ein Krügerl Feuerzangenbowle oder ein Glas Hot Hugo. Das meiste gibt es mittlerweile im Supermarkt zu kaufen, so auch "Heißen Met". Ganz recht, so stand es auf dem Etikett der Flasche, die ich zuletzt hatte: "Heißer Met". Das ist natürlich Unsinn, denn der Inhalt ist ja überhaupt nicht heiß! Er müsste in einem Thermogefäß ausgeliefert werden, um dieser Zuschreibung gerecht zu werden. Heiß wird der Met aber nur dadurch, dass man ihn daheim in der Mikrowelle oder auf dem Herd erwärmt. "Heiß zu machender Met" o.ä. sollte man das Erzeugnis besser nennen. Im übrigen lässt sich Honigwein auch kalt genießen.

Samstag, 5. Januar 2019

Kurz getestet: Erdnussbuttermüsli


Ich brauchte neues Müsli, sah dieses bei Rewe stehen, die Verpackung sagte "NEU", also schlug ich zu. Das Kellogg's Crunchy Müsli Peanut Butter schmeckt nur dezent nach dem nicht unumstrittenen Brotaufstrich, es ist wenig süß und enthält neben den Crunch-Ballen einige wenige Cornflakes-Flocken (ja ja, ich weiß, Tautologie). Ein gewisses Plus vermisse ich, eine fruchtige Komponente etwa; ich brauche in meinem Knuspermüsli auch immer ein paar Rosinen oder (halb)getrocknete Fruchtstückchen. 5/10

Freitag, 4. Januar 2019

Achievement unlocked: "Kästchen für Kästchen"

Erst letzten Monat ist es mir gelungen, das Schwedenrätsel im Stern-TV-Magazin beinahe vollständig zu lösen, und gestern war es dann tatsächlich soweit:


Alles gewusst! Unbekannt war mir lediglich die Schreibweise Ghi statt Ghee ("Büffelbutter"), und ich musste kurz überlegen, ob die Wilhelm-Busch-Figuren "Plisch und Plum" oder "Plusch und Plim" heißen. Den "Stern im 'Walfisch'" kannte ich auch nicht, doch die Lösung, "Mira", ergab sich durch den Männernamen Kai (wobei es freilich auch "Myra"/"Kay" hätte sein können; man weiß ja nie!).

Jetzt kann ich zufrieden sterben.