Samstag, 12. Januar 2019

Meine zehn zuletzt gesehenen Filme

Logan Lucky
Ein klamaukiges Gangsterstück, "Ocean's Eleven" als Redneck-Posse, mit Daniel Craig in herrlicher Selbstironisierungslaune. Der heist hätte nach meinem Geschmack etwas ausgeklügelter und die Laufzeit etwas kürzer sein können.

Das Böse unter der Sonne
Ein Agatha-Christie-Krimi muss natürlich auch wieder dabei sein in meiner Filmliste. "Stereotyp und spannungslos inszeniert" urteilt das Lexikon des Internationalen Films. Den ersten Teil unterschreibe ich – die Figurenzeichnung ist nicht sonderlich ausgeklügelt, und Handlungsaufbau und Setting sind exakt wie bei allen anderen Poirot-Filmen –, doch "spannungslos" ist das auf einer pittoresken Mittelmeerinsel spielende High-Society-Murder-Mystery keineswegs, die Auflösung äußerst clever. Kuriosum am Rande: "'Das Böse unter der Sonne' ist einer von nur sieben Filmen in rund 50 Jahren, in denen sich, anders als im vier Jahre zuvor gedrehten Hercule-Poirot-Krimi Tod auf dem Nil, der sehr gut Deutsch sprechende Peter Ustinov selbst auf Deutsch synchronisierte und dazu noch einen französischen Akzent simulierte." (Wikipedia)

Beasts of the Southern Wild
Ob die mit Lob überschüttete Hauptdarstellerin Quvenzhané Wallis wirklich "eine Wucht" ist, wie man so oft gelesen hat, kann ich nicht beurteilen. (Gibt es Kinderdarsteller/innen, die die Presse nicht überwältigen, die gar als talentlos gescholten werden?) Obwohl, doch: Für eine Zehnjährige in ihrer allerersten Rolle ist sie schon einigermaßen hin- und mitreißend. Ist das Südstaaten-(Fantasy-)Drama auch insgesamt eine Wucht? Hm, ich bin unentschieden. Einerseits: neben Wallis' eindrucksvoller Performance als "Hushpuppy" tolle Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Andererseits schaue ich mir bei oscar-nominierten, unisono abgefeierten Werken gerne die negativen Stimmen an. Und die meisten von bell hooks' Kritikpunkten leuchten mir ein: "It is a major mystery that moviegoers adore this film and find it deeply moving and entertaining. Amid many real life tragedies of adult violation of children (i.e. Penn State,) violations that subject small children to verbal abuse, physical and psychological violence’ sexual assault, it is truly a surreal imagination that can look past the traumatic abuse Hushpuppy endures and be mesmerized and entertained by Beasts of the Southern Wild. Ultimately this film expresses a conservative agenda. Before audiences had a clue about its content, the notion that it was somehow a radical response to Katrina circulated. But there is nothing radical about the age-old politics of domination the movie espouses – insisting that only the strong survive, that disease weeds out the weak (i.e. the slaughter of Native Americans), that nature chooses excluding and including."

Solo: A Star Wars Story
Auch hier fällt meine Bewertung gegenteilig zur Mehrheitsmeinung aus: Ich fand den großartig! Die lineare, dennoch turbulente und nicht überraschungsfreie Handlung macht einfach Spaß. (Was gibt's an "Linearität" im Zusammenhang mit Star-Wars-Geschichten überhaupt zu bemäkeln?!) Ist Alden Ehrenreich als Han Solo wirklich so blass, wie alle monieren? Pff, und wenn schon: Innerhalb des wirklich netten Ensembles funktioniert seine Performance wunderbar.
Bis jetzt mag ich die "Zwischen"-Installments deutlich mehr als die neue Trilogie.

Manchester by the Sea
Noch ein Drama, von dem mir gesagt wurde: Das musst du sehen! Ich war nicht begeistert. Das mag zum einen daran gelegen haben, dass ich eine in England spielende Geschichte erwartet hatte (wegen Manchester), zum anderen, weil der Grundton einfach zu trist ist; nichts gegen schwere Stoffe, aber das hier ist nicht mal von einer Traurigkeit, wie ich sie schätze, sondern grau in grau und runterziehend im unangenehmsten Sinne. Aber ich freue mich für die Amazon Studios, dass sie sich mit mit dieser Produktion als ernstzunehmende Unterhaltungsschmiede empfohlen haben.

The Limehouse Golem
Düsteres Ausstattungsstück mit dezenten Blutspritzern und historischen Bezügen. Für Fans von "From Hell", erreicht aber nicht dessen Atmosphäre. Weniger viktorianisches Whodunit als aufklärerische Parabel über Geschlechterrollen und die Philosophie des Erzählens. Mit Olivia Cooke aus "Bates Motel"!

Wind River
Einmal mehr Beklemmung und Trostlosigkeit, diesmal in Form eines auf Realitätsnähe erpichten Tragikthrillers, angesiedelt in einem Indianerreservat in Wyoming. Wer Jeremy Renner mag (ich hab nichts gegen ihn), folgt der Aufklärung des schlimmen Todesfalls gebannt bis zum (nicht unkontroversen) Schluss.

Time Trap
Es dürfte bekannt sein, dass ich an Zeitreisestorys einen Narren gefressen habe. "Time Trap" zu sehen war mithin unausweichlich. Mein Lieblingsvertreter des Genres wird es jedoch nicht werden, zu wenig ausgeklügelt ist diese unausgegorene Melange allzu vertrauter Versatzstücke. Ein bisschen "Die Zeitmaschine" und "Reise zum Mittelpunkt der Erde", ein wenig Classic-"Doctor Who", eine Prise "Goonies" ... und doch schrammt das auf imdb immerhin mit 6,6 bewertete Sci-Fi-Abenteuer knapp am Trash vorbei. Vereinzelte visuelle Effekte sind echt schmuck, die Musik macht was her, die Dialoge sind nicht völlig panne. Doch doch, guckt sich flott weg.

Im Zweifel glücklich (OT: Brad's Status)
Noch eine Amazon-Produktion. Ben Stiller sieht man immer wieder gern, und wie schon in "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" (2013) spielt er hier einen im Alltagstrott gefangenen Träumer, der sich dauernd in Phantasien verliert, die hier allerdings nicht so aberwitzig wie in genanntem Film ausfallen. Ein rundum sehenswertes Feel-good-Movie mit einer Moral, die gottlob nicht unter Zuhilfenahme von Holzhammern vermittelt wird.

Der Vorname
Das bekannte Theaterstück wurde komplett auf ein deutsches Publikum umgeschneidert: Alle frankreich-spezifischen Anspielungen wurden durch hiesige ersetzt, auch wurde die Handlung zeitlich angepasst, sprich vorverlegt. Durch Nahaufnahmen des Mienenspiels und zusätzliche Außendrehs hat man außerdem die Vorteile der Gattung Film perfekt genutzt, sodass sich das Anschauen auch lohnt, wenn man das schwarzhumorige Kammerspiel schon kennt (wie ich). Christoph Maria Herbst ist wie immer über jeden Zweifel erhaben.

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