Mittwoch, 29. August 2012

Huckleberry FinnCrisp und die Hexe

FinnCrisp esse ich gerne. Ich habe sogar einmal eine StudiVZ-Gruppe (kennt das noch wer?) zu FinnCrisp gegründet. Heute habe ich mir die Packung des Kultknäckebrotes einmal genauer angesehen. Ich bilde mir ein, dass sich das Design irgendwann in den letzten Jahren geändert hat, kann mich aber auch irren. Ansprechend ist es allemal.

Wenn man nach "FinnCrisp" + "Packung" googelt, findet man allerdings auch Unerfreuliches:
"Mehrere unserer Leser waren richtig enttäuscht, als sie für eine herzhafte Pause das Knäckebrot Finn Crisp Multigrain auspackten. In der Packung waren nicht wie früher 200 Gramm, sondern nur noch 175. Der Preis von 1,20 Euro und die Verpackungsgröße aber waren gleich geblieben", monierte die Stiftung Warentest 2010. Ich will nicht meckern, denn ich finde, man bekommt immer noch viel geboten für das Geld.

 
Wirft man einen Blick auf die Packungsrückseite, sieht man Serviervorschläge, die gar nicht so abwegig sind, wie man es ansonsten gewohnt ist, wobei mir unklar ist, wie man die nicht eben weichen Scheiben rollen soll (2. Bild v.l.). Stutzig macht einen auch der unter dem Logo angebrachte Slogan: "Bursting with Goodness" heißt er auf Englisch, so ähnlich auch auf Schwedisch. Der deutsche Spruch hingegen lautet nicht "Berstend vor Gutheit", sondern "Natürlich genießen". Schwamm drüber.

Beim Nachdenken über das Thema Knusprigkeit ist mir einer der bizarrsten Reime der deutschen Sprache eingefallen: "Knusper, knusper, Knäuschen, wer knabbert an mei'm Häuschen?" Das fragt die Hexe die beiden Kinder Hänsel und Gretel in dem Märchen "Hänsel und Gretel". Knäuschen - das haben die Grimms doch nur erfunden, damit man etwas hat, das sich auf "Häuschen" reimt. ... hab' ich gedacht! Im Grimmschen Wörterbuch findet man aber des Rätsels Lösung, i.e. die Bedeutung von Knaus, dessen Verkleinerungsform Knäuschen offensichtlich ist:

m. ein alem. wort, das weitere s. unter knaust.
1) schwäb. knopfichter ansatz am brotlaibe, da wo er angeschnitten wird, der anschnitt. Schmid 319, Schm. 2, 376, schon bei Frischlin nom. c. 127 pusula, knausz (am brote). dem. knäusle, s. Meier kinderr. s. 25. 78. ebenso vielleicht in einem hessischen märchen kneischen (: häuschen) kinderm. nr. 15 (s. u. knupern).

Knaus ist also nur eines der ca. 10 Millionen deutschen Wörter für den Brotkanten (in meiner Herkunftsgegend sagt man "Ränftel"). Insofern ist der Hexenreim einigermaßen sinnvoll, auch wenn die eigenwillige Behausung aus Pfefferkuchen besteht und nicht aus Brot. Geschweige denn aus FinnCrisp. Und jetzt lasst uns alle diskutieren, wie ihr das Randstück vom Brotlaib nennt!

Montag, 27. August 2012

5 Listen

9 "... für Dummies"-Bücher, die es tatsächlich gibt
Frettchen für Dummies 
Erfolg für Dummies 
Sex für Dummies 
Agnostizismus und freies Denken für Dummies 
Freimaurer für Dummies 
Nanotechnologie für Dummies 
Alzheimer für Dummies 
Beim Golf putten, chippen und pitchen für Dummies 
Ess-Störungen für Dummies 

11 Dinge, die man leicht verwechselt 

5 gute Namen für Billig-Nuss-Nougat-Aufstriche 
Nusotti 
Nusskador 
Nugetto 
Schokallo 
Schlecko 

10 Gegenstände, die ich nicht besitze 
Fön 
Kamm 
Gardinenraffhalter 
Auto 
Dekanter 
Toilettendeckelplüsch 
Eieranstecher 
Handschellen 
Bügeleisen 
Fuchs (ausgestopft) 

Meine 8 Lieblingswörter der englischen Sprache 
fiend 
juggernaut 
horseradish 
scallywag 
lozenges 
outlandish 
cummerband 
shenanigans

Sonntag, 26. August 2012

Nach und nach

Jules Vernes Roman Voyage au centre de la terre erschien erstmals 1873 in deutscher Sprache, und zwar als "Reise nach dem Mittelpunkt der Erde". Heute kennt man die Übersetzung als "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde". In den Ohren moderner Deutschsprecher(innen) klingt die Konstruktion mit "nach" bestenfalls altertümlich, wahrscheinlicher jedoch schlicht falsch.

Das Wörtchen "nach" fungiert heutzutage nur dann als Richtungspräposition, wenn danach kein Artikel steht: nach Hause, nach Italien; aber: in die Schweiz, zum See Genezareth. Im 19. Jahrhundert aber waren Sätze wie "Wir fahren nach der Stadt" noch völlig üblich. So sagt beispielsweise die Titelfigur von Shakespeares Coriolanus in der deutschen Erstübersetzung "Ich gehe nach dem Markt", während es in heutigen Ausgaben heißt: "Ich gehe auf den Markt". (Die genauen Jahreszahlen der Übersetzungen liegen mir nicht vor.)

Aufgabe der Germanistik wäre es nun herauszufinden, a) wann diese Funktionseinschränkung der Präposition "nach" eingesetzt hat und vor allem, b) warum? Sollte es eine derartige Untersuchung schon geben, würde ich mich über entsprechende Hinweise freuen.

Freitag, 24. August 2012

A Tale Of Two Islands (A Christmas Carol)

Vor einigen Tagen tauchte in einer Randmeldung ein Land auf, dem man sonst eher selten in den Medien begegnet: Kiribati. Forscher hatten auf dem Meeresboden im Gebiet von Kiribati Spuren entdeckt, die möglicherweise zu dem verschollenen Flugzeugwrack Amelia Earharts gehören.

Eindruck kann hierzulande schinden, wer weiß, wie man den Namen des kleinen Inselstaates korrekt ausspricht, nämlich Kiribas. In der gleichnamigen Landessprache (auch I-Kiribati, Kiribatisch oder – nach den Gilbertinseln – Gilbertesisch genannt) wird die Zeichenfolge -ti- wie ein scharfes s gesprochen. Das Kiribatische, eine malayo-polynesische Sprache mit etwas mehr als 100.000 Sprechern, ist auch deswegen bemerkenswert, weil es mit nur 15 Phonemen einen sehr kleinen Lautbestand aufweist (der Durchschnitt liegt bei ca. 30). Neben 10 Konsonanten gibt es die Vokale a, e, i, o, u, jeweils kurz und lang (so dass man streng genommen von 20 Phonemen ausgehen kann). Diese Laute werden mit nur 13 Buchstaben wiedergegeben: a b e i k m n ng o r t u w. Wie man sieht, kommt <s> gar nicht vor.

Zu Kiribati gehört u.a. das Atoll Kiritimati, das – na, wer hat aufgepasst? – ungefähr Kirismas ausgesprochen wird. Und das klingt so ähnlich wie das englische Wort Christmas, weshalb man die Inselgruppe sowie die Hauptinsel auch als Weihnachtsinsel kennt. Zufall? Leider nein. Die Insel war vor dem Eintreffen der Engländer 1777 noch einwohner- und namenlos. Weil aber James Cook am 24. Dezember dort ankam, taufte er die Insel Christmas Island, was erst nachträglich an die einheimischen Schreibgewohnheiten angepasst wurde (die Verschriftlichung erfolgte erst im Rahmen der Missionierung Mitte des 19. Jahrhunderts).

Durch die Schreibweise Kiritimati besteht zumindest keine Verwechslungsgefahr mit dem bekannteren, zu Australien gehörigen Christmas Island. Dieses heißt so, weil am 1. Weihnachstfeiertag 1643 der britische Kapitän William Mynors ebenda aufkreuzte. Es gibt noch eine dritte Weihnachtsinsel: Sie ist Teil von Nova Scotia, Kanada, und nach einem Einwohner mit dem Familiennamen Christmas benannt.


Mittwoch, 22. August 2012

Der Storch und die Bisamratte

Eines Tages traf die Bisamratte den Storch. Der Storch ging gramgebeugt und machte insgesamt einen niedergeschlagenen Eindruck. "Warum machst du so ein langes Gesicht?", fragte die Bisamratte den Storch. 
"Ach, weißt du", erwiderte der Storch, "mein Zuhause gefällt mir nicht. Mein Nest ist viel zu klein und viel zu weit oben gelegen. Ich bekomme Beklemmungen, wenn ich darin sitze, und ich muss ständig Angst haben, dass ich hinuntergeweht oder vom Blitz getroffen werde." -- "Warum hast du dir das Nest so gebaut, wie es ist?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch. "Aber es ist nicht nur das Nest, das mir so zusetzt. Ich habe gerade einen Frosch gefressen. Dabei wird mir jedes Mal schlecht. Oft bleiben mir die Frösche im Hals stecken, so dass ich fast ersticke. Obendrein sind sie schwer zu fangen und schmecken nach Sumpf." -- "Warum frisst du dann noch Frösche?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch. "Aber es sind nicht nur mein Nest und die Frösche, die mir zu schaffen machen. Wie du weißt, bringe ich den Menschen die Kinder. Das kostet mich eine Menge Kraft und Zeit. Ich sehe kaum noch meine eigene Familie, und vom vielen Kindertragen tun mir die Nackenmuskeln weh." -- "Warum bringst du dann den Menschen die Kinder?", wollte die Bisamratte wissen.
"Weil es die Gesellschaft von mir erwartet", antwortete der Storch.
"Lieber Storch", sprach da die Bisamratte, "du misst der Gesellschaft zu viel Bedeutung bei! Findest du nicht, es wäre einmal an der Zeit etwas zu tun, das die Gesellschaft nicht von dir erwartet?"
Darüber dachte der Storch gründlich nach. Dann stieß er der Bisamratte seinen Schnabel in die Kehle und trank ihr Blut und hackte immer und immer wieder auf sie ein. Ersterbend röchelte die Bisamratte: "So war das aber nicht gemeint ..."
Moral: Man sollte niemanden dazu ermutigen, aus seiner gesellschaftlich vorgeschriebenen Rolle auszubrechen.
Fazit: Eine äußerst bedenkliche Fabel. Gut geeignet als Schullektüre in totalitären Systemen.

Montag, 20. August 2012

Alle Jahre wieder

Jedes Jahr rege ich mich aufs Neue auf, wenn ich in unzähligen Medien lese, Person X sei "die schönste Frau der Welt". Und so war gestern wieder überall zu vernehmen, dass jetzt "die Chinesin Yu Wenxia die schönste Frau der Welt" ist. Dabei hat Yu Wenxia lediglich an einem bedeutungslosen Wettbewerb namens "Miss World" teilgenommen und dabei den ersten Platz belegt. Isses denn so schwer?
Denn eines ist doch klar: Jeder hat in seinem Bekanntenkreis eine "schönste Frau der Welt".

Eigentlich bin ich wegen der momentanen Hitze viel zu matt, um mich über solche belanglosen Fehltritte zu echauffieren. 
(Wichtig: außergewöhnliche Wetterperioden immer im Blog festhalten, so dass man ein paar Jahre später, wenn man den Post noch einmal liest, sagen kann: "Ah, das war gerade, als es so heiß war. Daran erinnere ich mich!")

Donnerstag, 16. August 2012

Kurz notiert: Fundstück (ohne Foto)

Im Regionalteil der FAZ befand sich eine Spezialseite zum Schulanfang. Eltern gratulierten dort ihren frisch eingeschulten Sprösslingen zum großen Tag: "Liebe Leoni, alles Gute & viel Spaß" etc.
Eines der Kinder, ein Junge, stach dadurch hervor, dass es adressiert wurde als "Liebes Äffchen!"

(Ich weiß, pics or didn't happen! Ich habe die Seite auch abfotografiert, nur waren die Kids allesamt darauf abgebildet, und ich weiß nicht, ob man diese Fotos einfach so im Netz veröffentlichen darf.)

Mittwoch, 15. August 2012

Zeitzeugenbericht

Am 12.08.2002 schrieb ich folgenden Satz in mein Notizbuch: "Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als Der Tag, an dem es regnete". Was war passiert?
Ich war am späten Nachmittag zu einer kleinen Fahrradtour zu einem nahegelegenen Wäldchen aufgebrochen, als es plötzlich anfing zu regnen. 'Das wird schon wieder aufhören', dachte ich und stellte mich unter einen Baum. Leider hörte es nicht auf, zumindest nicht an diesem Tag. Aus dem Regen wurde ein Guss, aus dem Guss eine Sintflut, aus der Sintflut ein Hochwasser. Wer nicht hinterm Mond lebt, wird bereits wissen, in welcher Stadt sich diese Episode zutrug: in Dresden. Der unbarmherzige Regen hatte das zur Folge, was bis heute als "Jahrhundertflut" bekannt ist.
Ich war vernünftigerweise nach einer halben Stunde des Unterm-Baum-Stehens wieder nach Hause gefahren. Die folgenden Tage waren geradezu geisterhaft. Der Verkehrslärm war fast komplett verstummt, nur Sirenen heulten die ganze Zeit irgendwo, und Modergeruch lag in der Luft. An mehr erinnere ich mich nicht mehr, war ich doch gottlob nicht direkt von der Katastrophe betroffen.

Montag, 13. August 2012

Neulich bei Twitter

Nun ist es amtlich: Die Bundesregierung unterstützt neues Unrecht.


(Zur Verteidigung: Seibert war gerade im Urlaub und hat dabei vergessen, dass jeder Tweet nach 140 Zeichen rigoros abgehackt wird.)

Donnerstag, 9. August 2012

Traumprotokoll: Affe

Im Traum der vergangenen Nacht war ich aus unbekannten Gründen Besitzer eines Schimpansen. Der stellte, wie man sich vorstellen kann, jede Menge Schabernack an, huschte an den Gardinen entlang, ließ sich nur schwer fangen und versuchte permanent, mein zweites Haustier, eine Heuschrecke, zu verspeisen.
Ich kann mir diesmal erklären, woher der Traum kommt. Er erwuchs aus meiner Erwartung eines Besuches der Jeff Koons-Ausstellung in Frankfurt am folgenden Tag. Diese wird schon seit geraumer Zeit u.a. mit der berühmten Skulptur von Michael Jackson und seinem Hausaffen Bubbles beworben.
Mir ist während des Traums klargeworden, dass kein Mensch einen Primaten als Haustier halten sollte. Michael Jackson war einer der wenigen berühmten Affenhalter, und der kann jetzt niemandem mehr schaden.

PS: Wie die werten Leserinnen und Leser gemerkt haben dürften, schreibe ich jetzt nur noch in Arial. Früher hielt ich Georgia für die schönste Schriftart, die man bei Blogger verwenden kann, mittlerweile widert sie mich an. Nun schwimme ich mit dem Strom und bin der Meinung, Serifen gehören nur in gedruckte Texte. Kann sein, dass ich irgendwann zu Verdana oder Helvetica wechsle.

Dienstag, 7. August 2012

Wie die Staaten heißen

Weil gerade die Olympischen Spiele stattfinden, hört und liest man überall die Namen der teilnehmenden Länder. Und weil ich schon in der Vergangenheit einige Zeilen über Ländernamen verfasst habe, nutze ich die Gelegenheit, diese hier zu recyceln, hihi.

Zur stundenlangen Lektüre lädt die Online-Dokumentesammlung des Ständigen Ausschusses für geographische Namen (StAfGN) ein. Besonders lohnend: die Liste der Staatennamen und ihrer Ableitungen im Deutschen. Journalisten und andere Personen, die es etwas angeht, finden darin empfohlene Schreibungen sämtlicher Ländernamen, wobei für jeden Staat eine Vollform (z.B. "Bundesrepublik Deutschland") und eine Kurzform ("Deutschland") aufgeführt ist. 
Hier sind ein paar erstaunliche Fakten:
  • Bolivien heißt offiziell "Plurinationaler Staat Bolivien" 
  • die Schreibung "Botswana" ist nicht mehr zulässig; es heißt "Botsuana" 
  • ein Dominicaner ist ein Einwohner von Dominica (Vollform: "Commonwealth Domenica"), ein Dominikaner ein Einwohner der Dominikanischen Republik 
  • auch erst gelernt: Der Staat Guyana wird anders geschrieben als das "Guayana" in "Französisch-Guayana" 
  • die Schweizer schreiben das Adjektiv "kapverdisch" zusammen, alle anderen Deutschsprachigen auseinander ("kap-verdisch")
  • Libyen sollte in der Kurzform "Libysch-Arabische Dschamahirija", in der Vollform "Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija" genannt werden; zurecht hält sich niemand daran 
  • Einwohner der Marshallinseln heißen Marshaller 
  • weder in Österreich noch in Deutschland sollte man von "Russland" oder "Russen" sprechen, nur von der "Russischen Föderation" und von "Einwohnern" derselben 
  • die Vollform von Uruguay lautet "Republik Östlich des Uruguay" 
  • die Vollform von Venezuela lautet "Bolivarische Republik Venezuela"
Quiz: Wie heißt das Land, dessen Hauptstadt Bischkek ist? Kirgistan (FAZ), Kirgisistan (heute.de) oder Kirgisien (Spiegel)?
Die meisten scheinen zu erster Variante zu tendieren, aber welche ist richtig? Wer ganz sicher gehen will, verwendet den offiziellen Namen "Kirgisische Republik"; die deutsche – nicht eineindeutige und daher schlechte – Transkription wäre Kyrgysstan, die genaue Transliteration ist Kyrgyzstan. Hier ist die iranische Endung -stan "Land" deutlich zu erkennen (evtl. stand mal ein Vokal zwischen dem z und dem s?). Kyrgyzstan ist somit das "Land der Kyrgyz" (was Kyrgyz bedeutet, ist anscheinend nicht ganz klar). Ich spreche mich also entschieden für den Namen Kirgisistan aus, wie es im Übrigen auch der StAfGN tut.
Natürlich befasst sich auch die gute Wikipedia mit dem Problem des Namens von Kirgisdings. Demnach enthalten die verschiedenen Benennungen "jeweils unterschiedliche politische Untertöne". Kirgisien wurde in der Sowjetzeit verwendet. Heißt das, dass die Leute vom Spiegel die Unabhängigkeit der GUS-Staaten nicht anerkennen?

PS: Neulich las ich, dass Bischkek, die Hauptstadt Kirgisistans, früher Frunse hieß. Frunse - was für ein putziger Name! Klingt wie direkt aus einem Dieter-Hallervorden-Sketch entsprungen: "Palim-palim, ich hätte gerne eine Frunse." – "Eine was?" – "Eine Frunnnnse!" Frunse könnte auch ein Fachbegriff aus dem Stellmacherhandwerk sein (die Knäpel über die Frunse pleißeln), ebenso könnte man sich "alte Frunse" als besonders derbes Schimpfwort für eine Hure vorstellen. Der wahre Hintergrund ist ernüchternd: Frunse hieß ein russischer Feldherr, nach dem noch eine Reihe weiterer, überwiegend ukrainischer, Städte benannt ist.

Sonntag, 5. August 2012

So dahin gesagt

Aussagen, die einem die Leute durchgehen lassen, wenn man genügend Authorität und/oder Lebensjahre angehäuft hat

- "Diesen Sommer gab's gar keine Pflaumen!"
- "Meine Kinder konnten mit zwei Monaten sprechen."
- "Nikolaus ist bei uns Feiertag."
- "Helmut Kohl ist schon tot, nicht?"
- "Bei mir ist das Herz auf der rechten Seite. Das ist bei jedem Menschen anders."
- "Auf Kamtschatka leben heute noch Mammuts."
- "Seife war früher aus Holz!"
- "Schwarz und Weiß sind streng genommen keine Farben, sondern Töne."

Samstag, 4. August 2012

Bizarre Serviervorschläge (II)

(Wie immer: zur Großansicht der Bilder auf diese klicken)

Ich wusste nicht, dass die Stammzellenforschung schon so weit fortgeschritten ist, dass man aus Haselnussmehl ganze Haselnüsse herstellen kann - und das in der eigenen Küche. Nur: warum sollte man das tun, wenn es doch in jedem Markt vollständige Nüsse zu kaufen gibt?

Apropos Nüsse: Wenn man schon einmal so etwas Exotisches wie Kokosnussmilch trinkt, dann sollte man es auch angemessen servieren. Hervorragend eignen sich dazu Kokosnusshälften. Man muss in diesem Fall nur eine Kokosnuss halbieren und die darin enthaltene Kokosmilch wegschütten, damit Platz ist für die gute Dosenkokosmilch.

So machen es die Schweizer nämlich schon seit Urzeiten: Das Müsli wird in ein großes Saftglas gegeben und zu max. zwei Dritteln mit Milch übergossen. Man achte ferner darauf, dass die einzelnen Zutaten neckisch hinter dem Glas hervorlugen.

Man kann es sich lebhaft vorstellen: Die Müslipackungsdesigner sitzen an einem Tisch und beraten sich über die Endfassung. 
"Das Produkt ist ja schon sehr gut wiedergegeben, auch der Schokosplitter ist ganz nett. Aber irgendwie sieht alles etwas monoton, langweilig aus."
"Und wenn wir noch etwas Obst hinzufügen? Obst steht für ein gesundes Frühstück, das lieben die Leute!"
"Nicht schlecht. Woran haben Sie gedacht? Einen Apfel? Kirschen? Erdbeeren?"
"Nein, das ist zu abgefahren. Wer isst schon Kirschen zum Frühstück? Wir brauchen Mainstream-Früchte, mit denen sich jeder identifizieren kann. Etwas, das man gerne in sein Schokoknuspermüsli tut."
"So etwas wie ... Physalis?"
"Ja, genau! Kapstachelbeeren. Brillant!"
"Dann ist es entschieden. Frollein Meyer, machen Sie das Bild druckfertig!"
"Ich? Aber ich bin doch nur Ihre Sekretärin. Ich wollte Ihnen gerade etwas Kaffeegebäck bringen ..."
"Ach ja? Und wo sind die Granatäpfel?"

Freitag, 3. August 2012

You are a pest!

Nachdem das Thema pest control in der letzten Breaking Bad-Folge (5x03) eine zentrale Rolle gespielt hat, ist es Zeit, sich damit ein wenig genauer auseinanderzusetzen.

Folgendes passiert: Ein Einfamilienhaus ist von Schädlingen befallen. Um diese loszuwerden, umhüllt ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen das Haus mit einer mobilen Verpackung, ähnlich einem Zirkuszelt, und befüllt es mit tödlichem Gas, so dass das Ungeziefer samt und sonders stirbt und nur noch eingesammelt werden muss. Tent fumigation nennt man das. Die betroffene Familie wird natürlich zuvor aus dem Haus entfernt und in einem Hotel oder bei Verwandten zwischengelagert. 

Als aufmerksamer US-Serienseher kennt man dies aus so vielen Beispielen, dass man sich fragen muss, ob eigentlich jede amerikanische Familie irgendwann derlei durchmacht – und warum. Ich habe noch nie von einem entsprechenden Fall aus Deutschland gehört oder gelesen.

Sind Amerikaner etwa unhygienischer als Deutsche? Natürlich nicht. Es gibt nur zahlreiche Gründe im Land selbst, warum Bettwanzen, Termiten und Maiswurzelbohrer gerade dort fröhliche Urständ feiern: ganzjährige Hitze in vielen Gegenden, Häuser aus nahrhaftem Holz, gute Bedingungen für das Einwandern fremder Schädlingsarten, Gottes Zorn. 

Man bedenke auch folgenden sozialen Faktor. Möglicherweise haben tatsächlich viele Deutsche mit tierischen Eindringlingen zu kämpfen, verheimlichen dies aber aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung. Zitat Wikipedia: "In Mitteleuropa wird schon die Anwesenheit von Schädlingsbekämpfern – oft zu Unrecht – als Zeichen für mangelnde Hygiene, z. B. in Restaurants, betrachtet. Dementsprechend verrichten die Dienstleister ihre Arbeit in der Regel möglichst unauffällig und benutzen z. B. unmarkierte Fahrzeuge. In [z.B. den USA] dagegen ist man an Schädlingsprobleme in Privathäusern gewöhnt. Die Anwesenheit von Schädlingsbekämpfern gilt dort als Zeichen für korrekte Hygiene und wird vorgezeigt, auch durch auffällige Arbeitsuniformen und Fahrzeuge (z. B. mit einer Fiberglasschabe auf dem Dach)." Vielleicht gibt es also auch hierzulande mehr Schädlingsbefall als man gemeinhin denkt, nur wird dagegen nicht auffällig und radikal mit Giftgaszelten vorgegangen, sondern altmodisch-subtil mit Fallen, Wärmeentwesung und zusammengerollter Zeitung.

PS: Auch dieser Beitrag erscheint unter freundlicher Verwendung der Schriftart Arial. 
Arial: Nicht nur sauber, sondern se(r)ifenlos rein.

Mittwoch, 1. August 2012

Im Supermarkt


Was wir hier sehen, ist ein Mann, der dabei ist, nichts anderes zu kaufen als Tiefkühl-Hähnchenbrustfilets im Wert von 285,- €. Ich wollte ihn schon fragen "Entschuldigung, sind Sie verrückt?", als mir klar wurde, dass es sich wahrscheinlich um einen Gastronom handelt, der das Zeug in den nächsten Wochen für 10,90 € das Stück feilbietet, serviert an Instantkartoffelbrei und Dosenerbsen. Oder so.

PS: Der heutige Blogbeitrag erscheint in der Schriftart Arial. Arial - einfach, ehrlich, bodenständig.